»Nachtgebet«

 

O Du ewiger, großer, heiligster Vater, voll der unbegreiflichsten, allerreinsten, allerhöchsten Liebe! Wie klein ist doch die geheiligte Hütte Adams gegen Dein unermeßlichstes Gebäude der Schöpfung! Wie klein und vereinzelt schimmern am nächtlichen Himmel dort oben die weltengroßen Feuersterne in Deinem unermeßlichen Hause, und doch hat deren Zahl kein Ende, wie das Haus keine Wände! Und sie alle schweben in Deiner Gnade und hängen fest an Deiner Liebe! Und es vermag keine Kraft als die Deinigen sie zu führen durch die endlosen, fernen Bahnen.

 

O Du heiliger Vater, wie groß, stark und gut bist Du! Und wie herrlich mußt Du sein in Deinem Lichte, da Deine Nacht schon so groß, schön und herrlich ist!

 

O Du mein guter, heilig-liebevollster Vater, erweitere meine enge Brust, auf daß ich Dich in den vollsten Zügen zu lieben vermöge! Denn zu schön und zu groß ist alles, was mein Auge erschaut!

 

Wie herrlich ragen die Wipfel der hohen Zedern in die freie, lichtdurchschimmerte, sanftbewegte Luft empor und bewegen ihre Äste und Zweige, als ob sie den Sternen liebewinken! Dann aber kommt alsobald irgendein Hauch von Dir, sie empfinden Deine heilige Nähe und senken ihre hohen Häupter zur Erde. Jedoch bald erheben sie sich wieder von neuem, gezogen von der großen, überheiligen Macht Deiner Liebe, und frohlockend rauschen rauschen sie in freier Höhe Dir Unerforschlichem ein tiefsinniges Lob entgegen. O wie groß und erhaben muss dieses Lob sein, das Dir, dem ewigen Schöpfer, dargebracht wird von Deiner geschaffenen Natur! Unablässig loben Dich die Erde, das Gras, die Gesträuche, die Bäume und all die schönen Sterne! Nur der Mensch kann schlafen in der Mitte solche heiliger Opfer.

 

O Du überguter, heiliger Vater, ich will nimmer aufhören, Dich zu lieben und zu loben, und es soll mich dazu ermuntern jedes bewegte Stäubchen! Denn Du gabst mir ja ein Herz, angefüllt mit Liebe und Frömmigkeit. Und so will ich denn allzeit fröhlich sein über Deine so unendlich große Güte und allzeit laut frohlocken in Dir, meinem Gott, daß Du so voll Liebe und Gnade bist gegen jedermann, der da Freude hat in Deinem heiligsten Namen.

 

O Du mein Herr und Gott, nimm gnädig auf dies mein verworrenes Stammeln, und lasse mich allzeit und in allem treu vollziehen Deinen heiligen Willen! Amen.

 

 

 

[Zitiert aus: "Heilige Zwiesprache" Lorber-Verlag - Bietigheim]

 


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