Der Einfluss der Engel und Geister auf den Menschen

Emanuel Swedenborg 1688-1772

 

1. Mit dem Einfließen aus der geistigen Welt in den Menschen verhält es sich im Allgemeinen so, daß der Mensch nichts denken und nichts wollen kann, sondern daß Alles einfließt, das Gute und Wahre vom Herrn durch den Himmel, somit durch die Engel, die beim Menschen sind, das Böse und Falsche von der Hölle, somit durch die bösen Geister, die beim Menschen sind; und zwar in das Denken und Wollen des Menschen; ich weiß wohl, daß dieses als sehr widersinnig erscheinen wird, weil es den Anschein entgegen ist, aber die wirkliche Erfahrung wird lehren, wie sich die Sache verhält.

2. Denn gar kein Mensch, Geist oder Engel hat Leben von sich, und kann also auch nicht von sich denken und wollen; im Denken und Wollen liegt aber das Leben des Menschen, das Reden und Handeln ist das Leben, welches hervorgeht; es gibt nur ein einziges Leben, nämlich das des Herrn, welches in alle einfließt, aber es wird auf verschiedene Weise aufgenommen, und zwar gemäß der Beschaffenheit, welche der Mensch seiner Seele durch´s Leben angeeignet hat; daher wird bei den Bösen das Gute und Wahre in Böses und Falsches verwandelt, bei den Guten aber wird das Gute aufgenommen als Gutes, und das Wahre als Wahres. Dies läßt sich vergleichen mit dem Lichte, das von der Sonne in die Gegenstände einfließt, aber dort verschiedentlich gemäß der Form der Teile modifiziert und verändert wird, und daher entweder düstere oder freundlichere Farben aufnimmt; während der Mensch in der Welt lebt, gibt er den reinsten Substanzen, aus welchen sein Inwendigeres besteht, eine bestimmte Form, so daß man sagen kann, daß er seine Seele, das heißt ihre Beschaffenheit bilde; gemäß dieser Form wird das Leben des Herrn, welches Seiner Liebe gegen das ganze Menschengeschlecht angehört, aufgenommen.

3. Damit das Leben des Herrn beim Menschen einfließe, und ganz ordnungsgemäß aufgenommen werde, sind fortwährend beim Menschen Engel und Geister, Engel aus dem Himmel und Geister von der Hölle; und ich bin belehrt worden, daß bei einem Jeden sich zwei Geister und zwei Engel befinden. Daß es Geister von der Hölle sind, hat den Grund, weil der Mensch aus sich selber fortwährend im Bösen ist, denn er ist im Lustreiz der Selbst- und Weltliebe, und in dem Maß, als der Mensch  im Bösen ist oder in jenem Lustreiz, können die Engel aus dem Himmel nicht gegenwärtig sein.

4. Jene zwei Geister, welche dem Menschen beigesellt sind, machen, daß er Gemeinschaft hat mit der Hölle, und jene zwei Engel machen, daß er Gemeinschaft hat mit dem Himmel; der Mensch könnte ohne Gemeinschaft mit dem Himmel und mit der Hölle nicht einen Augenblick leben; würde jene Gemeinschaft weggenommen, so würde der Mensch tot hinfallen wie ein Stock, denn alsdann würde weggenommen der Zusammenhang mit dem Ursein, das heißt mit dem Herrn. aß nur Wenige glauben, daß ein Geist bei ihnen sei, ja daß es überhaupt Geister gebe; auch dies wurde mir auch durch Erfahrung gezeigt, denn es wurden die Geister bei mir ein wenig entfernt, und in dem Maß, als sie entfernt wurden, fing ich dann an, gleichsam den Geist aufzugeben, und ich hätte ihn auch aufgegeben, wenn sie nicht wieder herzugebracht worden wären. Ich weiß jedoch, dem Grund vornehmlich, weil heutzutage kein Glaube da ist, weil keine Liebtätigkeit; daher glaubt man auch an keine Hölle, ja auch an keinen Himmel, folglich an kein Leben nach dem Tod; der andere Grund ist, weil man die Geister nicht mit seinen Augen sieht, denn man sagt: würde ich sehen, so würde ich glauben, was ich sehe, das heißt, was ich nicht sehe, davon weiß ich nicht, ob es sei; während man doch weiß, oder wissen kann, daß das Auge des Menschen so stumpf und grob ist, daß er nicht einmal das sieht, was in dem Untersten der Natur hervortritt, wie man sich durch die künstlichen Gläser, durch welche solche Dinge erscheinen, überzeugen kann; wie soll er dann sehen können, was innerhalb der noch reineren Natur ist, wo Geister und Engel sind; diese kann der Mensch nur mit dem Auge seines inwendigen Menschen sehen, denn nur dieses ist dazu geeignet, solche zu sehen; aber das Gesicht dieses Auges wird dem Menschen nicht geöffnet, so lange er in der Welt ist, aus mehreren Gründen. Hieraus kann erhellen, wie weit der heutige Glaube absteht vom alten Glauben; der alte Glaube war (nämlich), daß ein jeder Mensch seinen Engel bei sich habe.

5. Die Sache verhält sich auf folgende Weise: Vom Herrn  geht durch die geistige Welt in die Gegenstände der natürlichen Welt ein allgemeiner Einfluß und ein besonderer Einfluß; ein allgemeiner Einfluß in dasjenige, was in der Ordnung ist, ein besonderer Einfluß in dasjenige, was nicht in der Ordnung ihrer Natur, deswegen geht in sie ein allgemeiner Einfluß; daß sie in der Ordnung ihrer Natur sind, erhellt daraus, daß sie in all das Ihrige geboren werden, und durch keine Belehrung in dasselbe eingeführt zu werden brauchen; die Menschen dagegen sind nicht in der Ordnung und in  keinem Gesetz der Ordnung; deswegen geht in sie ein besonderer Einfluß. das heißt, es sind bei ihnen Engel und Geister, durch welche der Einfluß vermittelt wird; und wenn jene nicht bei den Menschen wären, so würden sie in allen Frevel hineinrennen, und sich augenblicklich in die tiefste Hölle stürzen; der Mensch ist durch jene Geister und durch die Engel unter der Obhut und Leitung des Herrn. Die Ordnung des Menschen, in der er geschaffen ist, wäre, daß er den Nächsten lieben sollte wie sich selbst, ja mehr als sich selbst; so tun die Engel; aber der Mensch liebt sich allein und die Welt, und haßt den Nächsten, außer insofern er ihm zur Herrschaft und zu weltlichen Zwecken förderlich ist; eben darum weil er durch besondere Geister und Engel vom Herrn regiert.

6. Die gleichen Geister bleiben nicht immerfort beim Menschen, sondern werden gemäß den Zuständen des Menschen, nämlich seiner Neigung oder Liebe und Zwecke, gewechselt; die früheren werden entfernt, und andere treten an ihre Stelle; überhaupt sind solche Geister beim Menschen, wie der Mensch selbst ist; wenn er geizig ist, so sind es geizige Geister, ist er hochmütig, so sind es hochmütige Geister, ist er rachgierig, so sind es eben solche Geister, ist er trügerisch, so sind es ähnliche Geister; der Mensch zieht Geister aus der Hölle seinem Leben gemäß an sich. Die Höllen sind auf's genaueste unterschieden gemäß den Arten des Bösen der Begierden, und gemäß allen Unterschieden des Bösen; daher fehlt es gar nie, daß die Gleichen herbeigerufen und dem Menschen, der im Bösen ist, beigesellt werden.

7. Die bösen Geister, die beim Menschen sich befinden, sind zwar von den Höllen, dann aber, wenn sie bei ihm befinden, sind sie nicht in der Hölle, sondern daraus entnommen; der Ort, wo sie alsdann sind, ist mitten zwischen der Hölle und dem Himmel, und wird die Geisterwelt genannt, deren früher oft Erwähnung geschah. – In dieser Welt, welche die Geisterwelt genannt wird, sind auch die guten Geister, welche ebenfalls beim Menschen sind; in diese Welt kommen auch die Menschen sogleich nach dem Tod, und nach einigem Verweilen daselbst werden sie entweder abgefertigt in die untere Erde, oder hinuntergeschickt in die Hölle, oder in den Himmel erhoben, jeder seinem Leben gemäß. In diese Welt laufen nach oben zu die Höllen aus, welche daselbst geschlossen und geöffnet werden, wie es dem Herrn gefällt, und in diese Welt lauft nach unten zu der Himmel aus; sie ist also ein Zwischenort, der den Himmel von der Hölle unterscheidet, hieraus kann man erkennen, was die G e i s t e r w e l t  ist. Wenn die bösen Geister, die sich beim Menschen befinden, in dieser Welt sind, dann sind sie nicht in der höllischen Pein, sondern in den Luftreizen der Selbst- und Weltliebe, wie auch in allen Vergnügungen, in welchen der Mensch selbst ist, denn sie sind in allem Denken und in aller Neigung des Menschen; wenn sie aber in ihre Hölle zurückgeschickt werden, kehren sie in den frühern Zustand zurück. 

8. Die Geister, welche an den Menschen herankommen, treten in sein ganzes Gedächtnis ein und in alle Kenntnisse des Gedächtnisses, welche der Mensch besitzt; dadurch ziehen sie Alles an, was dem Menschen angehört, bis zu dem Grad, dass sie nicht anders wissen, als es gehöre ihnen; dieses Vorrecht haben die Geister vor den Menschen voraus; daher kommt es, dass Alles, was der Mensch denkt, sie auch denken, und dass Alles, was der Mensch will, sie auch wollen, wie auch umgekehrt, dass Alles, was jene Geister denken, auch der Mensch denkt, und Alles, was jene Geister wollen, auch der Mensch will; denn sie wirken zusammen durch die Verbindung; beiderseits aber meint man, dass Solches in ihnen selbst und von ihnen selbst sei, so die Geister wie die Menschen; aber es ist eine Täuschung. 

9. Vom Herrn wird vorgesehen, dass die Geister in die Gedanken und Willenstriebe einfließen, die Engel aber in die Zwecke, und so durch die Zwecke in dasjenige, was aus den Zwecken folgt; auch fließen die Engel durch gute Geister ein in das beim Menschen vorhandene Gute des Lebens und Wahre des Glaubens, wodurch sie ihn vom Bösen und Falschem soviel als möglich abbringen; dieser Einfluß ist ein stiller, dem Menschen unbewusster, aber dennoch im Verborgenen wirkend und schaffend; hauptsächlich werden sie böse Zwecke ab und flößen gute ein; in dem Maß aber, als sie es nicht können, entfernen sie sich, und wirken entfernter und (gleichsam) abwesender ein, und dann treten die bösen Geister näher hinzu; denn die Engel können in bösen Zwecken, das heißt in den Trieben der Selbst- und Weltliebe nicht gegenwärtig sein, aber dennoch sind sie von ferne gegenwärtig. Der Herr hätte durch die Engel den Menschen in gute Zwecke mit allmächtiger Kraft führen können; aber das würde heißen, ihm das Leben nehmen; denn sein Leben gehört ganz entgegengesetzten Liebestrieben an; daher ist es ein unverletzliches göttliches Gesetz, dass der Mensch in der Freiheit sein, und dass das Gute und Wahre oder die Liebtätigkeit und der Glaube in der Freiheit und durchaus nicht im Zwang eingepflanzt werden soll; denn was im Zustand des Zwangs aufgenommen wird, das bleibt nicht, sondern wird zerstoben; denn den Menschen zwingen, heißt nicht etwas in seinen Willen einflößen, denn es ist der Wille des Andern, aus welchem er es tun muß; daher wird es, wenn er zu seinem Willen, das heißt zu seiner Freiheit zurückkehrt, ausgestoßen; deshalb regiert der Herr den Menschen durch seine Freiheit, und hält ihn womöglich ab von der Freiheit, das Böse zu denken und zu wollen; denn wenn der Mensch vom Herrn nicht abgehalten würde, so würde er sich immerfort jählings in die tiefste Hölle stürzen, Es wurde gesagt, der Herr hätte durch die Engel den Menschen mit allmächtiger Kraft in gute Zwecke führen können, denn die bösen Geister können in einem Augenblick abgetrieben werden, und wenn selbst viele Tausende um den Menschen wären, und zwar durch einen einzigen Engel, aber dann käme der Mensch in eine solche Pein und in eine solche Hölle, dass er es gar nicht aushalten könnte; denn er würde seines Lebens auf jammervolle Weise beraubt; das Leben des Menschen besteht nämlich aus Begierden und Einbildungen gegen das Gute und Wahre; wenn nicht durch böse Geister dieses Leben unterhalten und dadurch gebessert oder mindestens geleitet würde, so würde er keine Minute überleben; denn es wohnt nichts Anderes in ihm als Selbstsucht und Gewinnsucht und Ehrgeiz, somit Alles was gegen die Ordnung ist; würde er daher nicht allmählich und stufenweise durch Leitung seiner Freiheit in die Ordnung gebracht, so würde er alsbald den Geist aufgeben. 

10. Ehe es mir offenbar war, dass ich mit Geistern redete, war ich der Meinung, es könnte gar kein Geist und kein Engel meine Gedanken wissen und innewerden, weil sie inwendig in mir seien, ausgenommen Gott allein; da trug es sich einmal zu, dass ich bemerkte, wie ein gewisser Geist wusste, was ich dachte; denn er redete mit mir davon, mit wenigen Worten, und gab den Beweis seiner Gegenwart durch ein gewisses Zeichen; darüber staunte ich, und hauptsächlich, dass er meine Gedanken wusste; hieraus ergab sich denn, wie schwer es dem Menschen ist zu glauben, dass ein Geist wissen, was er denkt; während er doch nicht bloß die Gedanken kennt, die der Mensch selbst hat, sondern auch die kleinsten (Bestandteile) der Gedanken und Neigungen, welche der Mensch nicht (kennt); dieses weiß ich aus einer fortwährenden mehrjährigen Erfahrung.  

11. Der Verkehr der Gesellschaften mit anderen Gesellschaften wird durch Geister vermittelt, welche sie aussenden, und durch welche sie reden; dieser Geister werden Träger genannt. Als  [einst] eine Gesellschaft bei mir war, konnte ich es nicht wissen, ehe sie einen solchen Träger aussandten, als dieser aber gesandt wurde, war sogleich die Gesellschaft eröffnet; dieses ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung im anderen Leben, und kommt häufig vor. Hieraus kann erhellen, daß die Geister und die Engel, die sich beim Menschen befinden, bei ihm sind wegen des verkehrs mit den Gesellschaften in der Hölle und mit den Gesellschaften im Himmel.

12. Ich redete einige Male mit den Geistern von der Fähigkeit, wodurch sie sich vor den Menschen auszeichnen, daß sie nämlich, sobald sie ankommen, den ganzen Gedächtnisinhalt des Menschen in sich aufnehmen, und obwohl sie früher nichts von den Wissenschaften , von den Sprachen und von den Sachen, welche der Mensch von der Kindheit an bis zum Greisenalter gelernt und angenommen hat, wußten, dennoch im Augenblick in den Besitz von allem kommen, und daß sie so bei den Gelehrten gelehrt, bei den Witzigen witzßig, bei den Klugen klug seien. Hier wurden jene Geister stolz, denn es waren keine guten; deshalb durfte ich zu ihnen auch sagen, daß sie [ebenso] bei den Ungelehrten ungelehrt seien, bei den Dummen dumm, bei den Unsinnigen und Narren unsinnig und närrisch seien, denn sie nehmen alles inwendigere des Menschen an, bei welchen  sie sind, also auch alle seine Irrtümer, Einbildungen, falsche Meinungen, folglich seine Unsinnigkeiten und Narrheiten. Zu den kleinen Kindern aber können die bösen Geister nicht treten, weil sie noch nichts im Gedachtnis haben, was sie anziehen könnten; daher sind bei ihnen [nur] gute Geister und Engel.

13. Durch viele Erfahrung wurde mir zu wissen gegeben, daß die Geister meinen, alles, was sie aus dem Gedächtnis des Menschen denken und reden, sei ihr eigen und in ihnen; wenn man ihnen sagt, daß es nicht so sei, werden sie sehr unwillig; eine solche Sinntäuschung herrscht bei ihnen. Damit sie überzeugt würden, daß es nicht so sei, wurden sie gefragt, woher es komme, daß sie in meiner Muttersprache mit mir rden könnten, währen sie doch im Leben des Leibes gar nichts von ihr gewußt hätten, und wie sie die übrigen Sprachen, die ich verstehe, da sie doch auch nicht eine einzige aus sich selber verstünden; ob sie denn glaubten, daß ihnen dies eigen sei; ich las vor ihnen auch in hebräischer Sprache, welche sie so gut verstanden wie ich, auch die Kinder, sonst aber nichts; auch [wurde ihnen gezeigt], daß alles Wisstümliche, das bei mir ist, bei ihnen sei; dadurch wurden sie überzeugt, daß wenn sie zu einem Menschen kommen, sie in den Besitz aller seiner Kenntnisse kommen, und daß sie im Irrtum seien, wenn sie glauben, es sei ihr Eigenes. Ihr Eigenes haben sie zwar auch, aber sie dürfen keinen Gebrauch davon machen, aus dem Grund, weil sie dem Menschen dienen sollen durch das Seinige, und aus mehreren anderen Gründen, auch würde eine sehr große Verwirrung entstehen, wenn die Geister aus ihrem Gedächtnis einfließen würden.

14. Gewisse Geister kamen zu mir herauf, die sagten, sie seien von Anfang an bei mir gewesen, da sie nicht anders wüßten; weil ich ihnen aber das Gegenteil bewies, gestanden sie endlich, sie seien jetzt erst gekommen, und weil sie den ganzen Inhalt meines Gedächtnisses aufgenommen hätten, so hätten sie es nicht anders wissen können; hieraus wurde auch klar, daß die Geister im Augenblick, wenn sie ankommen, alles Wißtümliche des Menschen als das ihrige anziehen; auch wenn mehrere Geister da sind, so zieht es ein jeder an, und ein jeder meint, es sei das seinige; diese Fähigkeit bekommt der Mensch sogleich nach dem Tod. Daher kommt es auch, daß gute Geister in der himmlischen Gesellschaft, in die sie kommen, alle Weisheit, die alle in jener Gesellschaft haben, anziehen und besitzen; denn von solcher Art ist die Gemeinschaft, und zwar [ist dies der Fall], obwohl sie im Leben des Leibes gar nichts von dem, was in der himmlischen Gesellschaft gesprochen wird, gewußt hatten; dieses geschieht, wenn sie im Guten der Liebtätigkeit in der Welt gelebt hatten; das Gute bringt das mit sich, daß ihm das Ganze der Weisheit angeeignet werden kann; denn im Guten selbst liegt dies als Anlage verborgen; daher wissen sie nun gleichsam von selbst, was ihnen im Leben des Leibes unbegreiflich, ja unaussprechliche war.

15. Die Geister, welche beim Menschen sind, nehmen auch seine Überzeugung an, mögen sie beschaffen sein, wie sie wollen; dies ist mir durch viele Erfahrung bestätigt worden; somit nehmen sie die Ansichten des Menschen nicht nur in Betreff der bürgerlichen und sittlichen Dinge an, sondern auch in Betreff der geistigen, welche dem Glauben angehören. – Hieraus kann erhellen, dass die Geister bei denen, welche in Ketzereien, Irrtümern und Täuschungen in Ansehung der Wahrheiten des Glaubens und im Falschen sind, sich in ebendemselben befinden, und keinen Finger breit davon abgehen; der Grund davon ist, damit der Mensch in seiner Freiheit verbleibe, und von keinem Eigenen des Geistes gestört werde.  

16. Aus diesem wird offenbar, dass der Mensch, so lange er in der Welt lebt, in Betreff seines Inwendigeren, somit in Betreff seines Geistes, in Genossenschaft mit andern Geistern [ lebt ], und ihnen so beigesellt ist, dass er nichts denken und nichts wollen kann, als mit ihnen zusammen, und dass hierdurch sein Inneres in Verbindung steht mit der geistigen Welt, und dass er nur so und nicht anders vom Herrn geführt werden kann. Wenn der Mensch in`s andere Leben kommt, kann er gar nicht glauben, dass ein Geist bei ihm gewesen sei, geschweige einer aus der Hölle; deshalb wird demjenigen, der es wünscht, die Gesellschaft der Geister gezeigt, in deren Genossenschaft er gewesen war, und von welcher Sendlingsgeister bei ihm sich befunden hatte; nach einigen Zuständen, die er zuerst durchlaufen muß, kehrt er zuletzt auch zu ebenderselben Gesellschaft zurück, weil diese mit seiner Liebe, welche die Herrschaft bei ihm erlangte, zusammengewirkt hatte; ich sah etliche Male, dass Solchen ihre Gesellschaften gezeigt wurden.

17. Die Geister, welche beim Menschen sind, wissen nicht, dass sie bei dem Menschen sind; dies wissen allein die Engel vom Herrn, denn sie sind der Seele oder dem Geist desselben, nicht aber seinem Leibe beigesellt; denn das jenige was aus den Gedanken zur Rede, und vom Willen zu Handlungen im Körper bestimmt wird, geht kraft des allgemeinen Einflusses gemäß den Entsprechungen mit dem Größten Menschen der Ordnung gemäß in die Handlung über; deshalb haben die Geister, die beim Menschen sind, nichts damit zu schaffen; somit reden sie nicht durch des Menschen Zunge [ das wäre Besessenheit ], auch sehen sie nicht durch seine Augen, was in der Welt ist, auch hören sie nicht durch seine Ohren, was daselbst vorgeht. Anders bei mir: denn der Herr hat mein Inneres geöffnet, damit ich sehen könnte, was im andern Leben ist; daher wussten auch die Geister, dass ich ein Mensch im Leibe sei, und es wurde ihnen die Fähigkeit gegeben, durch meine Augen zu sehen, was in der  Welt war, und diejenigen zu hören, die mit mir im geselligen Umgang redeten.  

18. Wenn die bösen Geister inne würden, dass sie sich bei einem Menschen befinden, und dass sie Geister seien, die von ihm gesondert sind, und wenn sie in das, was seinem Leib angehört, einfließen könnten, so würden sie ihn auf tausenderlei Arten zu verderben trachten, denn sie haben einen tödlichen Haß gegen den Menschen; und weil sie wussten, dass ich noch im Leibe befindlicher Mensch war, darum suchten sie fortwährend mich zu verderben, nicht allein in Betreff des Leibes, sondern hauptsächlich in Betreff der Seele; denn einen Menschen und Geist zu verderben, ist die eigentliche Lebenslust aller derer, die in der Hölle sind; aber ich wurde fortwährend vom Herrn beschirmt. Hieraus kann erhellen, wie gefährlich es für den Menschen ist, in einer lebendigen Genossenschaft mit Geistern zu stehen, wenn er nicht im Guten des Glaubens ist.  

19. Weil die bösen Geister hörten, dass Geister beim Menschen seien, meinten sie, sie könnten jene Geister und zugleich mit ihnen die Menschen finden; sie versuchten es auch längere Zeit, aber umsonst; sie hatten den Vorsatz, sie zu verderben; denn wie es die Lust und Wonne des Himmels ist, dem Menschen Gutes zu tun, und zu seinem ewigen Wohl beizutragen, so ist es umgekehrt die Lust der Hölle, dem Menschen Böses zu tun, und zu seinem ewigen Verderben beizutragen; sie stehen somit im Gegensatz [ zu einander ].  

20. Es war ein gewisser nicht böser Geist, welchem gestattet wurde, zu einem Menschen überzugehen, und von da aus mit mir zu reden; als er dahin kam, sagte er, es erscheine ihm etwas Schwarzes, Unbeseeltes, oder wie eine schwarze leblose Masse; es war dies das leibliche Leben jenes Menschen, welches zu erblicken ihm gestattet war. Es wurde gesagt, dass das leibliche Leben eines Menschen, der im Guten des Glaubens stehe, wenn es erblickt werden darf, nicht als schwarz, sondern wie von Holz und holzähnlicher Farbe erscheine. Das gleiche durfte ich  durch eine andere Erfahrung vernehmen; ein böser Geist wurde in den Zustand des Leibes versetzt, nämlich dadurch, dass er aus  den Sinnen-Empfindungen des Leibes, somit aus dem äußeren Gedächtnis denken durfte; da erschien mir derselbe ebenfalls als eine schwarze, leblose Masse; ebenderselbe sagte, als er wieder in seinen vorigen Zustand gebracht war, er habe gemeint, er sei im Leben des Leibes gewesen. Überhaupt können die Geister nicht in das Leibliche des Menschen hineinblicken; denn das Leibliche des Menschen ist in der Welt und in ihrem Lichte, und wenn die Geister in das blicken, was dem Licht der Welt angehört, so erscheint ihnen das, was dort ist, als lauter Finsternis.

21. Es ist oben gezeigt worden, dass bei einem jeden Menschen zwei Geister aus der Hölle sind und zwei Engel aus dem Himmel, welche bewirken, dass nach beiden Seiten hin Verbindung stattfindet, und auch, dass der Mensch in Freiheit ist. Dass es zwei sind, hat seinen Grund darin, dass es zwei Arten von Geistern in der Hölle gibt und zwei Arten von Engeln im Himmel, denen die zwei Vermögen im Menschen entsprechen, nämlich das Willens- und Verstandesvermögen; die erste Art der Geister wird einfach Geister genannt, und diese wirken auf das Verstandesgebiet ein; die von der anderen Art werden Genien genannt, und wirken auf das Willensgebiet ein; für sie sind auch wirklich sehr verschieden von einander; denn diejenigen, welche einfach Geister genannt werden, flößen Falsches ein; sie vernünfteln nämlich gegen das Wahre, und befinden sich in dem Luftreize ihres Lebens, wenn sie machen können, dass das Wahre wie Falsches erscheint und das Falsche wie Wahres; diejenigen aber, welche Genien genannt werden, flössen Böses ein; sie wirken auf die Neigungen und Begierden des Menschen, und spüren augenblicklich, was der Mensch wünscht; wenn es Gutes ist, so wenden sie es auf das Geschickteste zum  Bösen; sie sind in dem Luftreize ihres Lebens, wenn sie bewirken können, dass das Gute wie Böses empfunden wird, und das Böse wie Gutes. Es wurde ihnen erlaubt, auf meine Wünsche einzuwirken, damit ich erkennen möchte, wie sie von Natur beschaffen sind, und wie sie wirken, und ich kann wohl gestehen dass, wenn der HErr mich nicht durch Engel behütet hätte, sie dieselben in Begierden des Bösen verkehrt haben würden, und zwar auf so verborgene und heimliche Weise, dass ich kaum etwas bemerkte.  Diejenigen, welche Genien genannt werden, haben auch nichts gemein mit denen, welche Geister genannt werden, jene, oder die Genien, bekümmern sich nicht darum, was der Mensch denkt, sondern nur, was er liebt; diese aber, oder die Geister, bekümmern sich nicht darum, was der Mensch liebt, sondern nur, was er denkt; jene, oder die Genien, setzen ihren Luftreiz in das Schweigen, diese aber, oder die Geister, in das Reden; sie sind auch durchaus von einander getrennt; die Genien sind in den Höllen tief unten an der Rückseite, und hier den Geistern unsichtbar; wenn aber hineingeschaut wird, dann erscheinen sie wie Schatten, welche herumflattern; die Geister aber sind in den Höllen an den Seiten und nach vorne; daher kommt es nun, dass bei dem Menschen je zwei Geister aus der Hölle sind.  

22. Daß je zwei Engel bei einem jeden Menschen sind, kommt daher, weil es auch von ihnen zwei Arten gibt; eine, welche auf das Willensgebiet, und eine, welche auf das Verstandesgebiet des Menschen einwirkt. Diejenigen, welche auf das Willensgebiet des Menschen einwirken, haben Einfluß auf seine Neigungen und Zwecke, folglich auf sein Gutes; die aber, welche auf sein Verstandesgebiet einwirken, beeinflussen seinen Glauben und seine Grundsätze, folglich sein Wahres; auch sie sind unter sich höchst verschieden; diejenigen, welche auf das Willensgebiet des Menschen einwirken, werden Himmlische genannt, und diejenigen, welche auf sein Verstandesgebiet, Geistige, den Himmlischen sind die Genien und den Geistigen die Geister entgegengesetzt. Dies ist mir aus vieler Erfahrung zu wissen gegeben worden; denn ich bin mit beiden Arten beständig in Gesellschaft und Unterredung.  

23. Der Mensch, der im Glauben steht, glaubt, es seien nur Engel aus dem Himmel bei ihm, und die teuflischen Geister seien ganz und gar von ihm entfernt; aber ich kann versichern, dass  bei einem Menschen, der in den Begierden der Selbst- und Weltliebe ist, und diese bei sich zum Zweck macht, so nahe sind, dass sie in ihn sind, und sowohl seine Gedanken, als seine Neigungen beherrschen; die Engel aus dem Himmel können durchaus nicht innerhalb der Sphäre solcher [Geister] sein, sondern außerhalb; deswegen weichen auch die Engel zurück, sobald die höllischen Geister näher herantreten; aber gleichwohl entfernen sich die Engel aus dem Himmel keineswegs ganz von dem Menschen, denn dann wäre es um ihn geschehen, weil er, wenn er ohne Gemeinschaft mit dem Himmel durch die Engel wäre, nicht leben könnte. Daß höllische Geister und himmlische Engel bei dem Menschen sind, geht auch einigermaßen aus der Glaubenslehre der Christlichen Kirchen hervor; denn die Lehre [derselben] sagt, alles Gute sei von Gott und das Böse vom Teufel; und die Prediger bestätigen es dadurch, dass sie auf den Kanzeln bitten, Gott möge ihre Gedanken und ihre Worte lenken, und dass sie sagen, in der Rechtfertigung sei alles bis auf das Kleinste der Willensbestrebungen von Gott; ferner [sagen sie], wenn ein Mensch gut lebt, er lasse sich von Gott führen; und es würden Engel von Gott ausgesandt, um dem Menschen zu dienen; und wiederum, wenn ein Mensch etwas auffallend Böses verübt hat, sagen sie, er habe sich vom Teufel führen lassen, und solches Böse stamme aus der Hölle; sie würden auch sagen, dass die Geister von der Hölle in das inwendigere Böse einfließen, welches dem Willens- und Gedankengebiete angehört, wenn sie dieses Böse als ein so großes anerkennen würden.  

24. Die Engel beobachten sorgfältig und fortwährend, was die bösen Geister und Genien bei dem Menschen beabsichtigen und vorhaben; und soweit es der Mensch gestattet, lenken sie das Böse in Gutes, oder zum Guten, oder gegen das Gute hin.  

25. Es erscheint bei den höllischen Geistern bisweilen Hässliches und Abscheulisches, und gewöhnlich Solches, was der böse Mensch denkt und redet; damit die Engel wegen dergleichen Dinge nicht völlig entfliehen, nehmen sie das Hässliche und Abscheuliche bei jenen in einer milden Form wahr, als es an sich ist. Damit ich wissen möchte, wie solches von den Engeln wahrgenommen wird, wurde mir die Wahrnehmung der Engel mitgeteilt, als hässliche Dinge sich zeigten, sie war von der Art, dass ich keinen Schauder fühlte; jene Dinge waren in etwas Mildes verwandelt, das sich nicht beschreiben lässt; es war nur zu vergleichen mit Eckigem und Stechendem [nämlich] wie dieses beschaffen ist, wenn man das Eckige und Stechende weggenommen hat; in dieser Weise wird das Hässliche und Abscheuliche der höllischen Geister und Genien bei den Engeln abgeschwächt.  

26. Der HErr  stellt den Menschen ins Gleichgewicht zwischen dem Bösen und Guten, und zwischen dem Falschen und Wahren, durch die bösen Geister von der einen Seite und durch  die Engel von der andern, damit der Mensch in Freiheit sei; denn um selig werden zu können, muß der Mensch in Freiheit sein, und in Freiheit vom Bösen abgelenkt und zum Guten hingeführt werden; Alles, was nicht in Freiheit geschieht, bleibt nicht, weil es nicht angeeignet wird; jene Freiheit infolge des Gleichgewichts in welchem die Menschen gehalten werden.  

27. Daß der Mensch durch die beiden Geister und durch die beiden Engel Verbindung mit der Hölle und mit dem Himmel hat, kann daraus erhellen, dass im andern Leben keine Gesellschaft mit der andern oder mit irgend Jemand Gemeinschaft haben kann, außer durch Geister, die von ihnen ausgesandt werden; diese ausgesandten Geister werden Träger [subjecta] genannt, denn durch sie reden sie wie durch (vermittelnde) Organe. Solche Träger zu andern Gesellschaften zu senden, und sich so eine Gemeinschaft zu verschaffen, gehört im andern Leben zu den gewöhnlichen Dingen, und wurde mir dadurch ganz bekannt, dass sie tausendmal zu mir gesandt wurden, und weil sie ohne dieselben nicht wissen konnten, was bei mir vorging, und mir nichts mitteilen konnten von dem, was bei ihnen war. Hieraus kann man ersehen, dass die Geister und Genien bei dem Menschen nichts Anderes sind als solche Träger (oder Sendlinge), durch welche eine Verbindung mit der Hölle stattfindet, und dass die himmlischen Engel und Geister solche Träger sind, durch welche eine Verbindung mit dem Himmel stattfindet.   

28. Wenn die Geister, welche in der geistigen Welt sind, Gemeinschaft mit mehreren Gesellschaften haben wollen, pflegen sie Träger (oder Sendlinge) auszusenden, und zwar Einen zu einer jeden; und ich habe bemerkt, dass die bösen Geister Mehrere ringsumher ausschickten, und sie so aufstellen wie die Spinne ihre Netze, und in der Mitte derselben sind diejenigen, welche ausschicken; und worüber ich mich wunderte, sie wissen dieses wie aus einem gewissen Instinkt zu tun; denn auch diejenigen, welche nichts von solchen Dingen bei Leibesleben gekannt hatten, tun alsbald dergleichen im andern Leben. Hieraus kann man auch ersehen, dass die Mitteilungen durch (solche) abgesandte Geister geschehen.  

29. In einem solchen Träger oder Sendling konzentrieren sich die Gedanken und Reden Vieler, und auf diese Weise stellen Mehrere sich als Einer dar; und weil der Sendling gar nichts aus sich denkt oder redet, sondern aus Andern, und die Gedanken und Reden der Andern sich in ihm ganz genau darstellen, deshalb meinen diejenigen, welche einfließen, dass ihr Träger gleichsam wie Nichts, und kaum wie etwas Beseeltes sei, sondern bloß ein Aufnahmegefäß ihrer Gedanken und Reden; der Sendling dagegen meint, dass er nicht aus Andern, sondern allein aus sich denke und rede; so haben auf beiden Seiten die Täuschungen ihr Spiel. Es wurde mir öfters gestattet, einem solchen Sendling zu sagen, dass er nichts aus sich denke und rede, sondern aus Andern; und auch, dass die Andern meinen, ihr Abgesandter könne nichts aus sich denken und reden, und erscheine ihnen somit als Einer, in dem gar kein eigenes Leben sei; als er dies hörte, wurde der Sendling sehr entrüstet; damit er aber von der Wahrheit überzeugt würde, wurde (mir) gestattet, mit den Geistern zu reden, welche einflossen, und diese gestanden es und sagten, dass ihr Sendling durchaus nichts aus sich denke und rede, und dass er ihnen daher kaum als etwas Belebtes erscheine. Einstmals geschah es auch, dass Einer, welcher sagte, der Sendling sei nichts, selbst ein Träger (oder Sendling) wurde, und dann sagten die Anderen auch von ihm, dass er nichts sei, worüber er sehr zornig wurde;  gleichwohl aber wurde er dadurch belehrt, wie sich die Sache verhalte.  

30. Merkwürdig ist auch, was öfter geschah, und dann auch (mir) gezeigt wurde, dass Niemand weder im Himmel, noch in der Hölle aus sich denkt, redet, will und handelt, sondern aus Andern, und so zuletzt Alle und Jeder aus dem allgemeinen Einfließen des Lebens, welches vom Herrn (ausgeht). Wenn ich hörte, wie sie sagten, dass ein Sendlingsgeist (subjectum) nichts aus sich denke und rede, und dass derselbe gleichwohl glaube, er tue es nur aus sich, wurde mir öfters gegeben, mit denen zu reden, welche in den Sendling (Träger) einflossen; diese behaupteten, sie dächten und redeten aus sich, nicht  aber jener Sendling, und weil sie bei dieser Meinung blieben, wurde mir auch gegeben, ihnen zu sagen, dass dies eine Täuschung sei, und dass sie ebenso wie die Sendlinge aus Andern dächten und redeten; um diese Behauptung zu bestätigen, durfte ich auch mit denen reden, welche in diese einflossen; und da auch diese dasselbe bekannten, auch mit denen, die wiederum in diese (einflossen) u.s.f. in zusammenhängender Reihe, Hieraus wurde dann klar, dass ein Jeder aus Andern dachte und redete; über diese Erfahrung wurden die Geister sehr entrüstet, denn ein Jeder von ihnen will, dass er aus sich denke und rede; aber weil sie dadurch belehrt wurden, wie die Sache sich verhalte, so wurde ihnen gesagt, dass alles Denken und Wollen einfließe, weil es nur ein einziges Leben gebe, aus dem diese Vermögen stammen, und dass es vom Herrn einfließe durch eine bewunderungswürdige Form, welches die himmlische Form sei; nicht nur auf allgemeine Weise in Alle, sondern auch in besonderer Weise in die Einzelnen, und dass es überall verschieden sei gemäß der Form eines jeden Individuums, je nachdem dieselbe mit der himmlischen Form übereinstimme, oder nicht. Hieraus kann man auch erkennen, wie es sich mit dem Menschen verhält, worüber im Folgenden, wo vom Einfließen (die Rede sein wird).  

31. Je Mehrere es sind, welche ihren Blick auf einen Träger (oder Sendling) richten, desto stärker wird die Kraft desselben zu denken und zu reden, denn die Kraft steigert sich mit der Menge der in gleicher Absicht auf ihn gerichteten Blicke; dies wurde mir auch gezeigt durch die Entfernung Einiger, welche einflossen, in dem dann die Kraft des Sendlings zu denken und zu reden vermindert wurde.  

32. Es waren (einst) solche Sendlinge bei mir neben meinem Haupte, welche redeten, als ob sie im Schlafe wären; dennoch aber redeten sie ebenso gut wie Solche, welche nicht in dem Zustande des Schlafes sind; ich beobachtete, dass böse Geister in diese Sendlinge mit boshaften Ränken einflossen, dass aber dieser Einfluß bei ihnen sogleich wieder gestreut wurde; und weil sie wussten, dass dieselben früher ihre Träger gewesen waren, beklagten sie sich, dass sie es nicht mehr wären; der Grund war, weil jetzt, wenn sie im Schlafe waren, gute Geister auf sie einwirken konnten, und so durch ihren Einfluß die  Bosheit der bösen Geister vereitelt wurde. Gleichwohl aber wurden die bösen Geister gezwungen, in diese und nicht in andere einzufließen. Hieraus erhellt, dass es Sendlings-Geister von verschiedener Art und Beschaffenheit gibt, und dass Veränderungen und Wechsel eintreten, je nach der Anordnung des Herrn.  

33. Die Arglistigsten, welche über dem Haupte waren, nahmen sich einst Sendlinge und schickten sie zu mir, damit sie mit ihren Ränken einfließen könnten; aber sie irrten sich sehr; der Eine drehte sich, als er zum Sendling bestimmt wurde, rückwärts und beschloß sich, und umgab sich gleichsam mit einer Umhüllung, um auf diese Weise ihren Einfluß von sich abzuhalten; und so machte er sich von ihnen los. Hierauf nahmen sie einen Andern, aber auch diesen konnten sie nicht zum Reden bringen; er war noch listiger als sie, was er dadurch kund gab, dass er sich gleichsam in spiralförmigen Windungen zusammenrollte; auf diese Weise wurden sie getäuscht. Übrigens nehmen die bösen Geister ihre Träger nicht immer von ihren Genossen, sondern merken darauf, welche Geister bei Andern sind, und wo sich Solche befinden, die einfältig und gehorsam sind; diese machen sie dann zu ihren Trägern, und dies geschieht dadurch, dass sie ihre Gedanken auf einen derselben richten, und ihm ihre Neigungen und Selbstberedungen einflößen; hierdurch wird er seiner Selbständigkeit beraubt, und dient ihnen als Träger; und auch dies weiß er oft nicht.  

34. Es gibt heutzutage sehr viele Geister, welche nicht nur in die Gedanken und Neigungen des Menschen einfließen wollen, sondern auch in die Reden und Handlungen, also auch in seine körperlichen Dinge; während doch das Körperliche von dem besondern Einfluß der Geister und Engel frei ist, und durch den allgemeinen Einfluß regiert wird; wenn das Gedachte in die Rede, und das Gewollte in die Handlungen ausläuft, so geht dieser Ausgang und Übergang in den Körper gemäß der Ordnung vor sich, und wird nicht durch irgend welche Geister im Besonderen regiert; denn in das Körperliche eines Menschen einfließen, heißt, ihn in Besitz nehmen. Die Geister, welche dies wollen und beabsichtigen, sind solche, welche bei Leibesleben Ehebrecher waren, d.h. ihre Freude an Ehebrüchen hatten, und sich beredeten, sie seien erlaubt; ferner auch Solche, die grausam waren; der Grund ist, weil diese und jene mehr als die Übrigen körperhaft und sinnlich sind, und jeden Gedanken an den Himmel zurückgewiesen haben, indem sie Alles der Natur und nichts dem Göttlichen zuschrieben; auf diese Weise haben sie ihr Inneres verschlossen, und das Äußere geöffnet; und weil sie in der Welt allein in der Liebe zu diesem ( Äußerlichen ) waren, deshalb ergreift sie in dem andern Leben das Verlangen, wieder in dasselbe zurückzukehren, und zwar vermittelst eines Menschen, indem sie denselben in Besitz nehmen; aber es wird vom Herrn Vorsorge getroffen, dass Solche nicht in die Welt der Geister kommen; sie werden in ihren Höllen wohl verschlossen gehalten; daher gibt es heutzutage keine äußerlichen Besessenheiten, wohl aber gibt es innere, und sogar durch die höllische und teuflische Rotte; denn die bösen Menschen denken dinge, welche abscheulich sind, und auch Grausames gegen Andere, wie auch Feindliches und Boshaftes gegen das Göttliche, und würden diese Gedanken nicht durch die Furcht vor Verlust der Ehre, des Gewinnes, des guten Mannes, vor den Strafen nach dem Gesetze und vor dem Verlust des Lebens in Schranken gehalten, so würden sie offenbar hervorbrechen, und dann würden solche (Menschen) mehr als die Besessenen auf das Verderben Anderer ausgehen, und in Lästerungen ausbrechen gegen das, was Sache des Glaubens ist; aber jene äußeren Bande machen, dass sie nicht als Besessene erscheinen, während sie es doch sind in Ansehung ihres Inneren, nicht aber in Ansehung ihres Äußeren; und dies zeigt sich auch deutlich bei Solchen im andern Leben, wo die äußeren Bande weggenommen werden; dann sind sie Teufel, beständig in der Lust und Begierde, Andere zu verderben, und Alles zu zerstören, was dem Glauben angehört.  

35. Es erschienen mir Geister, welche man Körperhafte nennen darf; sie fliegen aus der Tiefe hervor an der Seite der Fußsohle des rechten Fußes; vor dem Blicke meines Geistes erschienen sie wie in einem groben Körper; und als ich fragte, wer sie wären, die so beschaffen seien, wurde mir gesagt, es seien Solche, die in der Welt durch ihre Geistesgaben und durch ihre Kenntnis der Wissenschaften sich ausgezeichnet hätten; durch diese aber hätten sie sich völlig gegen das Göttliche begründet, somit auch gegen das, was der Kirche angehört, und weil sie sich völlig beredeten, dass Alles der Natur angehöre, so verschlossen sie mehr als Andere ihr Inneres, somit das, was dem Gebiete des Geistes angehört; daher erscheinen sie grob körperlich. Unter ihnen war Einer, welcher mir, als er in der Welt lebte, bekannt war; derselbe war damals wegen seiner geistigen Begabung und Gelehrsamkeit sehr berühmt; aber die (Kenntnisse), welche Mittel sein sollen, um gut über das Göttliche zu denken, waren für ihn Mittel, um gegen dasselbe zu denken, und sich zu bereden, dass es nichts damit sei, denn wer viel Scharfsinn und Gelehrsamkeit besitzt, hat mehr (Scheingründe) als Andere, durch welche er sich in seiner Meinung bestärkt; daher war derselbe innerlich besessen, im Äußeren aber erschien er als ein artiger und wohlgesitteter Mensch.  

36. Die Engel, durch welche der HErr den Menschen führt und auch beschützt, sind dem Haupte nahe; ihre Aufgabe ist es, Liebtätigkeit und Glauben einzuflößen, und zu beobachten, wohin sich die Neigungen des Menschen wenden, und dieselben, soweit es ihnen bei der Freiheit des Menschen möglich ist, zu  leiten und zum Guten hinzulenken; es ist ihnen verboten, gewaltsam zu Werke zu gehen und so die Begierden und Grundsätze des Menschen zu brechen; wohl aber (dürfen sie es tun) auf gelinde Weise; ihr Amt ist es auch, die bösen Geister, welche von der Hölle sind, zu regieren, was in tausendfacher Weise geschieht; ich kann hiervon nur Folgendes erwähnen: wenn die bösen Geister Böses und Falsches einflößen, dann flößen die Engel Wahres und Gutes ein, durch welches, wenn es auch nicht aufgenommen wird, jenes doch gemäßigt wird; die höllischen Geister greifen beständig an, und die Engel beschützen: so ist die Ordnung; die Engel lenken hauptsächlich die Neigungen, denn diese machen das Leben des Menschen aus und auch seine Freiheit; ferner beobachten die Engel, ob sich Höllen öffnen, welche früher nicht geöffnet waren und von welchen aus ein Einfließen bei dem Menschen (stattfindet), was geschieht, wenn der Mensch sich zu neuem Bösen hinreißen lässt; diese Höllen verschließen die Engel, soweit der Mensch es zugibt, auch entfernen die Engel die Geister, wenn Einige von daher einzudringen suchen; sie zerstreuen ferner die fremdartigen und neuen Einflüsse von denen Böses bewirkt wird; hauptsächlich rufen die Engel das Gute und Wahre, welches bei dem Menschen ist, hervor, und setzen es dem Bösen und Falschen entgegen, welches die bösen Geister erregen; hierdurch ist der Mensch in der Mitte und fühlt weder das Böse noch das Gute; und weil in der Mitte, so ist er auch in der Freiheit, sich zu dem Einen oder zum Andern hinzuwenden; durch solche (Einwirkung) führen und beschützen die Engel durch den HErrn den Menschen und zwar in einem jeden Augenblick und in jedem Teil des Augenblickes; denn wenn die Engel nur einen Augenblick nachließen, würde sich der Mensch in Böses stürzen, aus dem er später gar nicht mehr herausgebracht werden könnte. Dies tun die Engel aus Liebe, welche ihnen vom HErrn (verliehen ist), denn nichts gewährt ihnen mehr Freude und Wonne, als Böses vom Menschen zu entfernen und ihn zum Himmel zu führen; dass dies ihnen Freude macht, sehe man Luc. 15,7. Daß der HErr eine solche Sorgfalt auf den Menschen verwendet, und zwar fortwährend, vom ersten Anfang seines Lebens bis zum Ende, und hernach in Ewigkeit, glaubt kaum irgend ein Mensch.  

37. Hieraus kann nun erhellen, dass, damit eine Gemeinschaft des Menschen mit der geistigen Welt bestehe, ihm zwei Geister aus der Hölle und zwei Engel aus dem Himmel beigegeben sein müssen, und dass er ohne dieselben gar kein Leben haben würde; denn der Mensch kann keineswegs aus dem allgemeinen Einflusse leben, wie die unvernünftigen Tiere, und zwar aus dem Grunde, weil sein ganzes Leben gegen die (göttliche) Ordnung ist; wenn derselbe bei diesem Zustande allein von dem allgemeinen Einfluß in Tätigkeit gesetzt würde, so könnte er nur von den Höllen angetrieben werden, nicht aber aus den Himmeln; und nicht aus den Himmeln, so würde er kein inneres Leben haben, somit kein Leben des Denkens und Wollens, wie es der Mensch hat, und nicht einmal, wie er das unvernünftige Tier besitzt; denn der Mensch wird ohne jeden Gebrauch der Vernunft geboren und kann in denselben nur durch den Einfluß aus den Himmeln eingeführt werden. Aus dem Angeführten erhellt auch, dass der Mensch nicht leben könnte ohne Verbindung mit den Höllen durch die Geister von daher; denn das ganze Leben, welches er von den Eltern durch Vererbung besitzt, und Alles, was er aus dem Eigenen hinzugefügt hat, gehört der Selbstliebe und Weltliebe an, nicht aber der Liebe zum Nächsten, und noch weniger der Liebe zu Gott; und weil alles Leben des Menschen aus dem Eigenen stammt, so ist es Selbstliebe und Weltliebe, und somit auch Verachtung Anderer im Vergleich mit sich, und Haß und Rache gegen Alle, welche ihn nicht begünstigen, und daher auch voller Grausamkeit; denn wer Haß hegt, der begehrt zu töten, weshalb er auch über das Verderben Anderer die höchste Freude empfindet, wenn dieses Böse nicht mit solchen Geistern in Verbindung gebracht würde, welche nur aus der Hölle stammen können, und der Mensch durch sie nicht nach dem Lustreiz jenes Lebens geführt würde, so könnte er in keiner Weise zum Himmel hingeleitet werden; er wird aber im Anfang durch seine eigenen Lustreize hingelenkt, und durch dieselben wird er auch zur Freiheit gebracht, und zuletzt zur freien Wahl.  

38. Von dem Einfluß und von dem Verkehr der Seele mit dem Körper kann man durchaus nichts wissen, nicht einmal darüber denken, wenn man weder weiß, was die Seele ist, noch wie sie beschaffen ist; wenn die Seele als etwas Unbekanntes erscheint, so kann man nichts von ihrem Einfluß und von ihrem Verkehr (mit dem Leibe) sagen; denn wie kann man über die Gemeinschaft zweier Teile denken, wenn man völlig, unwissend darüber ist, wie der eine Teil beschaffen ist. Daß man die Seele in Ansehung ihrer Beschaffenheit, besonders in der gelehrten Welt nicht kennt, kann daraus erhellen, dass Einige glauben, sie sei etwas Ätherisches, Einige, etwas Flammiges oder Feuriges, Einige, eine reine Denkkraft, Einige, etwas Lebendiges aus dem allgemeinen (Leben), Einige, eine natürliche  Tätigkeit;  und was eine noch größere Unwissenheit über das Wesen der Seele bekundet, ist, dass sie ihr verschiedene Stellen im Körper anweisen, nämlich Einige (glauben sie sei) im Herzen, Einige im Gehirn, und daselbst in den Fibern, Andere in den gestreiften Körpern, Andere in den Vertiefungen desselben (ventriculis), und Andere in einer kleinen Drüse, Einige in jedem Teile, und dabei meinen sie etwas Lebendiges, wie es allem Belebten gemeinsam ist.  Hieraus erhellt, dass man von der Seele nichts Gewisses weiß; der Grund davon ist, weil es nur lauter Mutmaßungen sind, welche man über die Seele zum Besten gibt. Und weil man auf diese Weise sich keine Vorstellung von ihr machen konnte, so vermochten sehr Viele nicht anders zu glauben, als dass sie nur irgend eine Lebenskraft (vitale) sei, welche, wenn der  Körper stirbt, verschwinde; daher kömmt es nun, dass die Gelehrten weniger als die Einfältigen an ein Leben nach dem Tode glauben, und weil sie nicht daran glauben, so können sie auch nicht an das glauben, was sich auf jenes Leben bezieht, nämlich an die himmlischen und geistigen Dinge des Weisen und Verständigen, und geoffenbart den Unmündigen“, Kap. 11,25. und wiederum: „ Mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mit hörenden Ohren hören sie nicht, auch verstehen sie nicht“, 13,13; denn die Einfältigen denken nichts dergleichen von der Seele, sondern glauben, dass sie nach dem Tode leben werden, und in diesem einfältigen Glauben liegt, ohne da sie es wissen (der Gedanke), dass sie dort als Menschen fortleben, die Engel sehen, mit ihnen reden und (ewige) Freude genießen werden.  

39. Was die Seele anbelangt, von welcher man sagt, dass sie nach dem Tode fortleben werde, so ist sie nichts anderes, als der Mensch selbst, der im Körper lebt, d.h. der Innere Mensch, der durch den Körper in der Welt tätig ist und dem Körper Leben gibt; dieser Mensch wird, wenn er von seinem Körper abgelöst ist, Geist genannt, und erscheint dann völlig in menschlicher Gestalt; er kann aber keineswegs mit leiblichen Augen gesehen werden, sondern nur mit den Augen des Geistes, und vor den Augen desselben erscheint er wie ein Mensch in der Welt, und hat Sinne, nämlich Gefühl, Geruch, Gehör, Gesicht, und zwar weit feiner als in der Welt; er hat Verlangen, Begierden, Wünsche, Neigungen, Triebe, wie in der Welt, aber auf einer weiter höheren Stufe; er denkt auch wie in der Welt, aber in vollkommenerer Weise, er redet mit Andern; kurz, er ist dort wie in der Welt, und dies so sehr, dass, wenn er nicht darüber nachdenkt, dass er im andern Leben ist, er nicht anders weiß, als dass er in der Welt sei, was ich einige Male von den Geistern gehört habe; denn das Leben nach dem Tode ist eine Fortsetzung des Lebens in der Welt; das also ist die Seele des Menschen, welche nach dem Tode lebt; damit aber, in Folge der Mutmaßungen oder Hypothesen bei dem Ausdruck „Seele“ sich nicht die Vorstellung als von etwas Unbekanntem bilde, so ist es besser, wenn man sie den Geist des Menschen nennt, oder, wenn man lieber will, den Inneren Menschen; denn dieser erscheint dort völlig als ein Mensch, mit allen Gliedern und Organen, wie sie der Mensch hat, und er ist auch im Körper der eigentliche Mensch; dass es so ist, kann man aus den Erscheinungen der Engel erkennen, von denen im Worte (berichtet wird), und welche alle in menschlicher Gestalt erschienen; denn alle Engel im Himmel haben die menschliche Gestalt, weil sie der HErr Selbst hat, Welcher nach der Auferstehung so oft als Mensch erschien; der Engel und der Menschengeist ist der Mensch auch der Form nach, weil der ganze Himmel vom HErrn ein Streben nach der menschlichen Form hat, weshalb der ganze Himmel der Größte Mensch genannt wird, von welchem, wie auch von der Entsprechung Alles dessen, was in dem Menschen ist, mit demselben am Ende mehrerer Kapitel gehandelt worden ist; und weil der HErr in einem Leben im Himmel lebt, und durch den Einfluß vom HErrn der ganze Himmel auf einen Jeden einwirkt, deshalb ist jeder Engel sein Bild, d.h. die vollkommenste menschliche Form, und ebenso der Mensch nach dem Tode. Alle Geister, so viele ich deren gesehen habe (und ihrer sind Tausend und Abertausende), erschienen mir ganz und gar wie Menschen, und Einige von ihnen sagten, sie seien Menschen wie in der Welt und fügten hinzu, dass sie dies bei Leibesleben gar nicht geglaubt hätten; Viele betrübten sich, dass das menschliche Geschlecht sich in solcher Unwissenheit über seinen eigenen Zustand nach dem Tode befinde, und dass man so leer und gehaltlos über die Seele denke, und dass die Meisten, welche tiefer über die Seele nachgedacht haben, sie zu etwas feinem Ätherischen machten, woraus notwendig der unsinnige Irrtum habe entstehen müssen, dass dieselben nach dem Tode sich verflüchtige.  

40. Wer das Innere des Menschen nicht kennt, der kann auch den Einfluß und den Verkehr der Seele mit dem Körper nicht erkennen; denn dieser Verkehr und Einfluß geschieht durch das Inwendige. Um das Innere des Menschen zu erkennen, muß man wissen, dass es einen Innern und einen Äußern Menschen gibt, und dass der Innere Mensch in der geistigen Welt ist, der Äußere Mensch aber in der natürlichen Welt sich befindet; somit jener im Lichte des Himmels dieser im Lichte der Welt; ferner ist es auch notwendig zu wissen, dass der Innere Mensch so unterschieden ist vom Äußern, dass Jener, weil er der erstere und inwendigere ist, ohne diesen bestehen kann, dieser aber oder der Äußere, weil er der spätere und mehr äußerliche ist, nicht ohne jenen bestehen kann; ferner muß man wissen, dass es der Innere Mensch ist, welcher der Verständige oder Vernünftige im eigentlichen Sinn des Wortes genannt wird, weil er im Lichte des Himmels ist, in welchem Vernunft und Einsicht ist; aber der Äußere Mensch ist es, welcher recht eigentlich der Wissende (oder Wißtümliche) genannt werden muß, weil in ihm die wißtümlichen Kenntnisse sind, welche zum größten Teil ihr Licht aus den Dingen hernehmen, welche dem Lichte der Welt angehören, das vom Lichte des Himmels erleuchtet und dadurch lebendig geworden ist.

41. Es wurde gesagt, der Innere Mensch könne als der Erstere (oder Frühere) bestehen ohne den Äußeren, weil dieser der spätere ist, aber nicht umgekehrt; denn das ist eine allgemeine Regel, dass nichts aus sich bestehen kann, sondern nur aus einem Andern und durch ein Anderes, und dass folglich nichts in seiner Form erhalten werden kann außer aus einem Andern und durch ein Anderes; und dies kann auch aus allem Einzelnen in der Natur erkannt werden; ebenso verhält es sich bei dem Menschen, der Mensch kann in Ansehung seines Äußern nur bestehen aus dem Innern und durch das Innere; und der Innere Mensch kann nur bestehen aus dem Himmel und durch den Himmel; wie auch der Himmel nicht bestehen kann aus sich,  sondern nur aus dem HErrn, Welcher Allein aus Sich besteht; je nach dem Entstehen und Bestehen findet der Einfluß statt, denn durch den Einfluß bestehen alle Dinge; dass aber vermöge des Einflusses Alles und Jedes durch den HErrn besteht, nicht nur mittelbar durch die geistige Welt, sondern auch unmittelbar, sowohl in den vermittelnden, als in den letzten Dingen, soll im Folgenden nachgewiesen werden.  

42. Bevor etwas über den Einfluß und über die Wirksamkeit der Seele auf den Körper mitgeteilt werden kann, muß man wohl beachten, dass der Innere Mensch nach dem Bilde des Himmels und der Äußere nach dem Bilde der Welt gestaltet worden ist, und zwar so sehr, dass der Innere Mensch ein Himmel in kleinster Form ist, und der Äußere Mensch eine Welt in kleinster Form, als ein Mikrokosmus. Daß der Äußere Mensch ein Bild der Welt ist, kann erhellen aus den äußeren oder körperlichen Sinnen; denn das Ohr ist ganz gebildet nach der Natur der Modifikation der Luft, die Lungen ganz nach der Natur des Druckes derselben; wie auch der Umfang des Körpers, welcher vermöge des Luftdruckes in seiner Form erhalten wird; das Auge ist ganz nach der Natur des Äthers und des Lichtes gebildet, die Zunge ganz für das Gefühl der in flüssigen Körpern aufgelösten und fließenden Teile, und zugleich mit der Lunge, der Luftröhre, der Kehle, dem Zäpfchen, dem Schlund und den Lippen zu der Fähigkeit (gebildet), die Luft zweckmäßig zu modifizieren, wodurch die artikulierten Töne oder Worte und die harmonischen Töne (entstehen); die Nase ist gebildet für das Gefühl der in der Atmosphäre schwebenden Teile; das Gefühl, welches den ganzen Körper umgibt, zum Fühlen der Veränderungen im Zustande der Luft, nämlich für das Gefühl ihrer Kälte und Wärme, sowie zum Fühlen des Flüssigen und des Schweren; die innern Organe, zu welchen die Luftatmosphäre nicht eindringen kann, werden in ihrem Zusammenhang und in ihrer Form durch eine feinere Luft erhalten, welche Äther genannt wird; um nichts davon zu sagen, dass alle Geheimnisse der innern Natur (dem Körper des Menschen gleichsam) eingeschrieben und auf ihn angewandt sind, wie alle Geheimnisse der Mechanik, der Physik, der Chemie und der Optik, hieraus kann erhellen, dass die ganze Natur zur Bildung des Äußern im Menschen beitragen musste, und daher kommt es auch, dass die Alten den Menschen eine Welt im Klein (Microcosmus) genannt haben. Sowie nun der Äußere Mensch zum Bilde aller Dinge der Welt, so ist der Innere Mensch zum Bilde aller Dinge des Himmels geformt, d.h. zum Bilde der himmlischen und geistigen Dinge, welche vom HErrn hervorgehen, von welchen und in welchen der Himmel ist; das Himmlische daselbst ist alles, was sich auf die Liebe zum HErrn, und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten bezieht, und das Geistige daselbst ist Alles, was sich auf den Glauben bezieht; und beides ist an sich so wichtig und von solcher Art, dass die Sprache nicht einmal den tausendsten oder zehntausendsten Teil davon aussprechen kann. Daß der Innere Mensch zum Bilde aller dieser Dinge gestaltet ist, zeigt sich deutlich an den Engeln, welche, wenn sie vor dem innern Auge erscheinen, wie sie vor dem meinigen erschienen, schon durch ihre Gegenwart das Innerste anregen; denn die Liebe zum HErrn und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten strömen aus ihnen hervor und dringen sein, und was daraus hervorgeht, nämlich was Sache des Glaubens ist, leuchtet aus ihnen hervor, und regt an; hieraus, wie auch aus anderen Beweisen wurde mir klar, dass der Innere Mensch, weil zum Engel erschaffen, ein Himmel in kleinster Form ist. Aus allem dem aber kann man nun erkennen, dass im Menschen, die geistige Welt mit der natürlichen Welt verbunden ist, und dass folglich bei ihm die geistige Welt in die natürliche Welt einfließt, und zwar so kräftig und deutlich, dass er es innerlich wahrnehmen kann, wenn er nur darauf achtet; daraus erhellt auch, was der Verkehr der Seele mit dem Körper sei, dass er nämlich im eigentlichen Sinn des Wortes eine Gemeinschaft der geistigen Dinge ist, welche dem Himmel angehören, mit den natürlichen, welche der Welt angehören, und dass diese Gemeinschaft durch das Einfließen bewirkt werde und sich gemäß der Verbindung verhalte. Diese Gemeinschaft, welche durch den Einfluß gemäß der Verbindung bewirkt wird, ist heut zu Tage unbekannt, und zwar deshalb, weil man Alles und Jedes der Natur zuschreibt, und nichts weiß vom Geistigen, welches heut zu Tage so ferne liegt, dass es, wenn man auch daran denkt, als etwas Richtiges erscheint.  

43.  Jener Einfluß ist aber von solcher Art, weil vom Göttlichen des HErrn ein Einfluß auf jeden Engel, auf jeden Geist und auf jeden Menschen stattfindet, und auf diese Weise der HErr einen jeglichen nicht nur im Allgemeinen, sondern auch im Allereinzelnsten regiert, und zwar unmittelbar aus Sich Selbst und auch mittelbar durch die geistige Welt. Damit man wisse, was dieser Einfluß sei, wurde Mehreres zuvor bekannt gegeben, nämlich von der Entsprechung der (einzelnen) Teile des Menschen mit dem Größten Menschen, d.h. mit dem Himmel und zugleich auch von der Vorbildung der geistigen Dinge in den natürlichen, und dann auch von den Engeln und Geistern bei dem Menschen. Es folgt hieraus, dass nun auch im Besondern von dem Einfluß und von dem Verkehr der Seele mit dem Körper gehandelt werden muß; allein dies muß durch Erfahrungen erläutert werden; sonst kann dieser so unbekannte und durch bloße Hypothesen in Dunkel gehüllte Gegenstand nicht gehörig beleuchtet werden.  

44. Dass zwei Engel aus dem Himmel und zwei Geister aus der Hölle bei dem Menschen sind, und dass er dadurch in Gemeinschaft mit beiden stehe, und auch die Freiheit habe, sich zum Einen oder Andern hinzuwenden, wurde Ziffer 1 – 37 nachgewiesen; dass aber bei dem Menschen Alles und Jedes seiner Freiheit gemäß einfließt, das Böse von der Hölle und das Gute aus dem Himmel, d.h. durch den Himmel vom HErrn, weiß wohl der Mensch nicht und wird es deshalb wohl kaum glauben.  

45. Weil nun vom Einfluß gehandelt und derselbe so oft genannt wird, so muß zuvörderst gesagt werden, was der Einfluß ist. Was unter geistigem Einfluß verstanden wird, kann man nicht besser erkennen, als durch die natürlichen Einflüsse, welche in der Welt bestehen und erscheinen, z.B. durch das Einfließen der Wärme von der Sonne aus in alle Dinge der Erde, mit aller Verschiedenheit je nach den Jahreszeiten und dem Klima der Erde; und durch das Einfließen des Lichtes in eben dieselben, auch mit all seiner Verschiedenheit je nach den Tages- und Jahreszeiten, und auf verschiedene Weise je nach dem Klima. Aus dem Einfluß der Sonnenwärme auf alle Dinge der Erde, wodurch das Pflanzenleben (entsteht), und aus dem Einfluß des Lichtes auf dieselben, wodurch die Unterstützung dieses Lebens und auch die Farben und Schönheitserscheinungen, ebenso aus dem Einfluß der gleichen Wärme auf die ganze Fläche unseres Körpers, ferner des Lichtes in das Auge, desgleichen aus dem Einfluß des Schalles auf das Ohr und aus anderm Ähnlichem kann man begreifen, was der Einfluß des Lebens vom HErrn sei, welcher die Sonne des Himmels ist, von dem die himmlische Wärme oder das Gute der Liebe, und das himmlische Licht oder das Wahre des Glaubens ( ausgeht ); der Einfluß derselben wird auch deutlich empfunden; denn die himmlische Wärme, welche die Liebe ist, bewirkt die Lebenswärme im Menschen, und das himmlische Licht, welches der Glaube ist, bewirkt die Einsicht desselben; denn das Wahre des Glaubens, welches vom HErrn hervorgeht, erleuchtet sein Verstandesvermögen; aber beide (wirken) mit vieler Verschiedenheit, denn sie verhalten sich gemäß der Aufnahme vom Menschen.  

46. Daß der Mensch durch Engel und Geister vom HErrn regiert wird, wurde mir aus so deutlicher Erfahrung zu wissen gegeben, dass (mir) darüber nicht einmal der kleinste Zweifel blieb; denn alle meine Gedanken und alle meine Neigungen bis auf das Allereinzelste sind nun schon seit vielen Jahren durch  vermittelnde Geister und Engel eingeflossen; dies wurde mir so augenscheinlich zu empfinden gegeben, dass nichts augenscheinlicher sein kann, denn ich wurde inne, sah und hörte, wer sie waren wie beschaffen und wo sie waren; und wenn in mein Denken oder Wollen etwas Widriges eindrang, so sprach ich darüber mit ihnen und machte ihnen Vorwürfe; auch habe ich bemerkt, dass die Macht, solche Dinge einzuflößen, von den Engeln in Schranken gehalten wird, wie auch öfters, dass sie entfernt wurden, und dass, wenn sie entfernt waren, statt ihrer neue zugegen waren, von denen wiederum ein Einfluß ausging; ferner wurde mir gegeben, wahrzunehmen, woher diese Geister, oder von welchen Gesellschaften sie abgesandt waren; auch wurde mir oft gestattet, mit diesen Gesellschaften selbst zu sprechen; und obgleich Alles bis auf das Einzelste meiner Gedanken und Neigungen durch Geister und Engel einfloß, dachte und wollte ich doch wie früher, und verkehrte mit den Menschen wie vorher; von Niemand wurde irgend ein Unterschied von meinem frühern Leben bemerkt; wohl weiß ich, dass kaum irgend Jemand dieses glauben wird, aber es ist dennoch eine ewige Wahrheit.  

47. Es wurde mir ganz deutlich gezeigt, auf welche Weise die Geister bei dem Menschen einfließen; wenn sie zu ihm kommen, nehmen sie alle Gegenstände seines Gedächtnisses in sich auf, somit Alles, was der Mensch von Kindheit an gelernt und in sich aufgenommen hat, und die Geister weinen dann, es sei ihr Eigentum; so spielen sie gleichsam die Rolle eines Menschen bei dem Menschen; es ist ihnen aber nicht gestattet, weiter bei dem Menschen einzudringen, als bis zu seinem Innern, welches das Gebiet seines Denkens und Wollens ist, nicht aber zum Äußern, welches das Gebiet seiner Handlungen und seiner Rede ist; denn diese erhalten ihre Tätigkeit durch den allgemeinen Einfluß vom HErrn ohne besondere Vermittlung von Geistern und Engeln. Obgleich aber die Geister in Betreff des Denkens und Wollens, wie ein Mensch bei dem andern sind, so wissen sie dennoch nicht, dass sie sich bei dem Menschen befinden, aus dem Grunde, weil sie alle Gegenstände seines Gedächtnisses inne haben und glauben, dass dieselben nicht einen Andern gehören, sondern ihr Eigentum sind, und auch deshalb, damit sie dem Menschen keinen Schaden zufügen; denn wenn die Geister, die bei dem Menschen von der Hölle her sind, nicht glaubten, dass jene Dinge ihr Eigentum seien, so würden sie auf alle Weise versuchen, den Menschen an Leib und Seele zu verderben; denn das ist die eigentliche Lust der Hölle.  

48. Weil nun die Geister alles in Besitz haben, was dem Denken und Wollen des Menschen angehört, und die Engel das, was noch tiefer in demselben liegt, und der Mensch dadurch aufs Innigste mit ihnen verbunden ist, deshalb kann der Mensch nicht anders wahrnehmen und fühlen, als dass er selber es sei, welcher denkt und will; denn so verhält es sich mit den Mitteilungen im anderen Leben; in einer Gesellschaft, wo Gleichgeartete sind, hält ein Jeder für das Seinige, was dem Andern gehört; deshalb treten die Guten, wenn sie in eine himmlische Gesellschaft kommen, sogleich in alle Einsicht und Weisheit dieser Gesellschaft ein, und zwar so sehr, dass sie nicht anders wissen, als dass dieselben in ihnen seien; so verhält es sich auch mit dem Menschen und mit dem Geiste bei ihm. Was von den Geistern aus der Hölle einfließt, ist Böses und Falsches, aber was von den Engeln aus dem Himmel ( einfließt ), ist Gutes und Wahres; so wird also der Mensch durch  entgegengesetzte Einflüsse in der Mitte gehalten, somit in der Freiheit. Was von den Engeln einfließt, erscheint, weil es durch das tiefere Innere ( eindringt ), weniger vor dem äußern Sinn, als das, was von den bösen Geistern (kommt). Die Engel sind auch wirklich von der Art, dass sie durchaus nicht hören wollen, dass der Einfluß des Guten und Wahren von ihnen sei, sondern dass er vom HErrn stamme, sie werden unwillig, wenn man anders denkt, denn sie stehen in dem deutlichen Innewerden, dass es wirklich so ist, und sie lieben nichts mehr, als nichts aus sich zu wollen und zu denken, sondern aus dem HErrn; die bösen Geister dagegen werden zornig, wenn ihnen gesagt wird, dass sie nicht aus sich denken und wollen, weil dies gegen den Lustreiz ihrer Triebe ist, und mehr noch, wenn ihnen gesagt wird, dass das Leben nicht in ihnen sei, sondern dass es einfließe; wenn ihnen dieses durch lebendige Erfahrung bewiesen wird ( was oft geschieht ), dann gestehen sie zwar, dass es so ist, denn sie können nicht gegen die Erfahrung reden, aber nach einer Weile leugnen sie es, und wollen dann auch nicht, dass es noch weiter durch Erfahrung bestätigt werde.  

49. Einigemale kam es vor, dass ich bei mir selbst dachte, oder auch mit andern redete, ohne darüber nachzudenken, dass Geister gegenwärtig seien, welche anregten, aber alsbald redeten die Geister mich an, und schilderten den Zustand, in dem sie sich gerade befanden, dass sie nämlich nicht anders wussten, als dass sie selbst es wären, welche dachten, und zwar bei mir in solcher Weise, dass die, welche am nächsten waren, völlig glaubten, sie wären es, welche dachten, die Entfernteren aber weniger, und die weiter Entfernten noch weniger; auch wurde mir gezeigt, welche Gesellschaften in diese Geister als in ihre Gesandten einflossen.  

50. Es waren lange Zeit Geister bei mir, nicht sehr gute und auch nicht sehr böse, ein wenig über dem Haupte; sie konnten tief in die Neigungen einfließen, und weil sie dies wollten, traten sie auch nach einer Weile ein, und verbanden sich so mit mir, dass es schien, als ob sie kaum getrennt werden könnten; ich sprach mit ihnen hierüber, und dass sie sich trennen müssten, aber sie konnten nicht; wenn sie es versuchten und sich ein wenig absonderten, machten sie meine Gedanken so schwach, dass ich nur verwirrt und unzusammenhängend denken konnte, und in meinem Kopfe fühlte ich einen Schmerz, wie diejenigen, welche in Ohnmacht fallen. Hieraus wurde mir klar, auf welche Weise die inneren Triebe (amores) eine Verbindung bewirken, und dass durch sie die Verbindung Aller im andern Leben stattfindet; deswegen nehmen die Geister, welche in die Neigungen selbst eindringen, den Andern in Besitz, wie es auch in der Welt geschieht, wenn der Mensch die Liebe eines Anderen begünstigt; die Wahrheiten aber verbinden nicht, sondern die Neigungen zum Wahren. Daraus konnte ich erkennen, wie der Mensch entweder mit dem Himmel oder mit der Hölle verbunden wird, dass es nämlich durch die verschiedenen Arten der Liebe geschieht, durch die Selbstliebe und Weltliebe mit der Hölle, aber durch die Liebe zum Nächsten und zu Gott mit dem Himmel. Ferner wurde mir auch klar, dass ein Mensch, der mit der Hölle verbunden ist, durchaus nicht von derselben losgemacht werden kann, außer durch göttliche Mittel vom HErrn, und dies wurde mir durch diejenigen gezeigt, welche nur durch leichte Neigungen mit mir verbunden waren; ich konnte von ihnen nicht anders befreit werden als durch vermittelnde Liebesarten, durch die ich mit andern stufenweise verbunden wurde; und so wie sie abgesondert wurden, schienen sie sich von mir links nach vorne zu entfernen, und es wurde bemerkt, dass die Trennung durch Zustandswechsel der Neigungen eintrat; denn wie die Neigungen sich änderten, so wichen sie zurück. Hieraus erhellt auch, woher die scheinbaren Entfernungen im andern Leben stammen.  

51. Daß die Geister dem Menschen zugesellt werden je nach seinen inneren Trieben, ist mir aus vielfacher Erfahrung bekannt geworden; sobald ich anfing etwas heftig zu lieben, traten Geister zu mir, die in gleicher Liebe waren, und wurden nicht eher entfernt, als bis die Liebe aufhörte.  

52. So oft etwas in meine Gedanken und in das Verlangen meines willens kam, wovon ich nicht wusste, woher es kam, wurde mir, wenn ich es zu wissen wünschte, gezeigt, woher es kam, nämlich von welchen Gesellschaften, und bisweilen sogar durch welche abgesandte Geister; und dann sprachen sie auch mit mir und bekannten, die Arglistigen, welche grade über dem Haupte erscheinen, flossen bisweilen so unmerklich bei mir ein, dass ich nicht wusste, woher es kam, und kaum anders fühlte, als dass, was einfloß, in mir und von mir sei (wie dies bei andern gewöhnlich ist); weil ich aber mit Gewissheit wusste, dass es irgend woher kam, wurde mir ein so feines Innewerden vom HErrn gegeben, dass ich ihren Einfluß im einzelnen bemerkte, und auch wo sie waren und welcher Art sie waren. Als sie dies bemerkten, wurden sie sehr unwillig, besonders darüber, dass ich über das nachdachte, was von ihnen kam; dieses Nachdenken floß durch Engel ein. Diese Arglistigen flößten besonders solche Dinge ein, welche gegen den HErrn waren, und dann wurde mir auch gegeben, darüber nachzudenken, dass Niemand in der Hölle den HErrn anerkennt, sondern dass sie gegen Ihn soviel Schmähungen ausstoßen, als ihnen gestattet wird; dass sie aber nicht ungerne hören, wenn man den Vater den Schöpfer des Weltalls nennt; hieraus konnte ich als aus einem sehr deutlichen Zeichen erkennen, dass der  HErr es ist, welcher den ganzen Himmel regiert, wie Er Selbst bei Matthäus lehrt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“, 28,18; und dass sie sich dem HErrn feindlich entgegenstellen, weil sie mit dem Himmel im Gegensatz stehen, wo der HErr Alles in Allem ist.  

53. Es waren Geister bei mir, welche meinten, dass sie selbst es wären, welche lebten, und mein Leben komme nur von ihnen her, sodaß sie mein eigenes Ich wären; als ihnen aber gesagt wurde, dass die Geister getrennt seien, und dass auch ich ein Geist sei in Ansehung meines Innern, konnten sie es nicht glauben; damit sie es erkannten, wurden sie abgesondert und ihnen gezeigt, dass die Geister für sich beständen; dennoch aber wollten sie es nicht glauben und bestanden hartnäckig darauf; sie waren eine zeitlang entfernt, wenn sie aber wiederkamen, waren sie in der gleichen Überzeugung. Auch hieraus kann erhellen, dass die Geister nicht anders wissen, als dass, was bei dem Menschen ist, das ihrige sei. Solche aber, die so hartnäckig diesen Glauben haben, werden nicht leicht bei den Menschen zugelassen, weil sie nur mit Mühe getrennt werden können; ein ähnliches ist zwar auch den andern Geistern eingepflanzt, zu dem Ende, damit sie dem Menschen dienen können; aber doch mit Unterschied.  

54. Auch ein anderer Geist meinte, er sei ich, und zwar so sehr, dass er, wenn er mit mir in meiner Muttersprache redete, glaubte, er rede in der seinigen, indem er sagte, diese Sprache sei die seinige; aber es wurde ihm gezeigt, dass die den Geistern eigene Sprache eine völlig andere sei, und dass es die allgemeine Sprache aller sei, und dass aus ihr die Vorstellungen in meine Muttersprache einflößen, und sie (d.h. die Geister) auf diese Weise nicht aus sich, sondern in mir redeten; und dies sei ein Zeichen, dass sie nicht nur in das eindringen, was dem Menschen angehört, sondern auch, dass sie meinen, es sei ihr Eigenes.  

55. Weil ich nun schon neun Jahre lang fortwährend im Umgang mit Geistern und Engeln gewesen bin, so habe ich sorgfältig beobachtet, wie es sich mit dem Einfließen verhält. Wenn ich (über etwas) dachte, erschienen die materiellen Vorstellungen des Denkens gleichsam in der Mitte einer Art von Welle, und ich bemerkte, dass diese Welle nichts Anderes war, als Solches, welches mit dem Gegenstande (meines Denkens) im Gedächtnis verbunden war, und dass auf diese Weise den geistern der volle Gedanke erschien; dass aber alsdann dem Menschen nichts Anderes zum Bewusstsein kommt, als was in der Mitte ist, und wie etwas Materielles erschien; ich verglich jene Welle rings umher mit geistigen Flügeln, durch welche der Gegenstand, welcher gedacht wird, aus dem Gedächtnis erhoben wird; und dadurch erhält der Mensch die Wahrnehmung des Gegenstandes. Daß in jenem ringsum wallenden Stoffe Unzähliges war, was mit dem (gedachten) Gegenstande übereinstimmte, konnte ich daraus erkennen, dass die Geister, welche in einer feinern Sphäre waren, aus derselben Alles erkannten, was ich jemals über diesen Gegenstand gewusst hatte, und dass sie so Alles vollständig erfassen und in sich aufnehmen, was Eigentum des Menschen ist, aber die bösen Engel (genii), welche nur auf Begierden und Neigungen achten, das, was den (herrschenden) Neigungen angehört. Zur Erläuterung möge folgendes Beispiel dienen: Wenn ich an einen mir bekannten Menschen dachte, dann stellte sich das Denkbild desselben , so wie es erscheint, wenn derselbe in Gegenwart eines Menschen genannt wird, in der Mitte dar, aber ringsumher wie etwas Wallendes und Schwebendes Alles das, was ich über ihn von  Kindheit an gewusst und gedacht hatte; dadurch erschien derselbe augenblicklich bei den Geistern ganz so, wie er in meinen Gedanken und in meiner Neigung lebte; auch wenn ich an eine Stadt dachte, dann wussten die Geister augenblicklich aus jener ringsum wallenden Sphäre Alles, was ich gesehen hatte und von derselben wusste; so verhielt es sich auch mit den Gegenständen der Wissenschaft.  

56. In dieser Weise erschien mein Denken bei den Geistern, wenn ich ein wenig entfernt war vom Sinnlichen; wenn aber mein Denken im Sinnlichen verweilte, dann erschien keine solche Welle, sondern Alles war materiell und dem äußern Sichtbaren nicht unähnlich; dies nennt man im Sinnlichen denken; wenn aber inwendiger gedacht wird, nennt man es, weggeführt werden vom Sinnlichen; dass der Mensch vom Sinnlichen weggeführt werden kann, war den Alten bekannt, weshalb auch einige von ihnen über diesen Zustand geschrieben haben. Diejenigen, welche in jenem Denken (aus dem Sinnlichen) sind, heißen Sinnliche; und ihnen sind ähnliche Geister beigestellt; diese Geister begreifen bei dem Menschen kaum mehr als das, was auch zur Wahrnehmung des Menschen gelangt, denn sie sind gröber als die übrigen. Es wurde beobachtet, dass der Mensch, wenn er im Sinnlichen ist und sich nicht darüber erhebt, nur Körperliches und Weltliches denkt, und nichts wissen will von dem, was sich auf das ewige Leben bezieht, ja, dass es ihm ganz zuwider ist, etwas davon zu hören. Damit ich wissen möchte, dass die Sache sich so verhält, wurde ich einige Male in das Sinnliche versetzt, und dann kamen mir sogleich solche Dinge in den Sinn! und auch die Geister, welche in dieser gröberen Sphäre sind, flößten Hässliches und Anstößiges ein; sobald ich aber vom Sinnlichen weggeführt wurde, verschwanden solche (Gedanken). In einem sinnlichen Leben stehen die Meisten, welche den sinnlichen Vergnügungen nachhängen, ferner diejenigen, welche es ernstlich vermeiden, etwas weiter zu denken, als sie sehen und hören; und mehr noch diejenigen, welche es vermeiden, an das ewige Leben zu denken; deshalb achten sie alles dieses gering, und wenn sie davon hören, so fühlen sie Ekel und Widerwillen. Heut zu Tage ist Überfluß an solchen Geistern im andern Leben, denn es kommen ganze Scharen derselben von der Erde, und der Einfluß von ihnen bei dem Menschen bewirkt, dass er seinen Lüsten nachhängt und nur sich und der Welt lebt, nicht aber für Andere, außer in so weit, als sie ihm und seinen Lüsten günstig sind. Um von solchen (Geistern) befreit zu werden, muß der Mensch an das ewige Leben denken.  

57. Es wurde auch ein anderer Einfluß bemerkt, der nicht von den Geistern ausgeht, die bei dem Menschen sind, sondern von andern, welche aus einer höllischen Gesellschaft in die Lebenssphäre des Menschen eingelassen werden; diese reden unter sich von solchen Dingen, welche dem Menschen zuwider sind, und daraus entsteht gewöhnlich Unbehagen, Unlust, Traurigkeit oder Angst, aber mit großer Verschiedenheit; solche waren öfters bei mir, und die, welche Beängstigungen einflößten, wurden in der Gegend des Magens empfunden, wobei ich indes erkannte, woher diese (Gefühle) kamen;  aber sie wurden jedes Mal entdeckt, und dann hörte ich, dass sie unter sich von solchen Dingen redeten, welche meinen Neigungen zuwider waren; die Geizigen erschienen bisweilen in derselben Gegend, doch ein wenig höher, und flößten Angst und Sorge für die Zukunft ein; und es wurde mir auch gegeben, ihnen Vorwürfe zu machen und ihnen zu sagen, dass sie im Magen solchen Dingen entsprechen, welche unverdaut sind, übel riechen und somit Ekel erregen; ich sah auch, dass sie weggeschafft wurden, und sobald sie fort waren, hörte die Beängstigung ganz auf; dies geschah einige Male, damit ich Gewissheit darüber erlangte, dass es von ihnen kam. Von solcher Art ist der Einfluß bei denen, die ohne Ursache von schwermütiger Beängstigung gequält werden, und auch bei denen, die in geistiger Versuchung sind; aber dann fließen solche (Geister) nicht nur im Allgemeinen ein, sondern die höllischen Geister erregen auch insbesondere das Böse, welches der Mensch vollbracht hat, und verdrehen und missdeuten das Gute; aber mit diesen kämpfen dann die Engel; in einen solchen Zustand kommt der Mensch, welcher wiedergeboren wird, dadurch, dass er in sein Eigenes versetzt wird; und das geschieht, wenn er sich allzu sehr in Weltliches und Körperliches versenkt, und wenn er zum Geistigen erhoben werden soll.  

58. Der Einfluß des Bösen von der Hölle entsteht auf folgende Weise: Wenn der Mensch zuerst aus der Einwilligung, dann aber aus Vorsatz und zuletzt aus dem Lustreiz seiner Neigung sich auf das Böse wirft, dann öffnet sich (ihm) die Hölle, welche in solchem Bösen ist (denn die Höllen sind je nach dem Bösen und allen seinen Verschiedenheiten unter sich geschieden); und dann findet auch von dieser Hölle aus ein Einfluß statt; wenn der Mensch so in das Böse gerät, dann hängt es ihm an; denn die Hölle, in deren Sphäre er sich dann befindet, ist in ihrem Lustreiz, wenn sie in seinem Bösen ist; deswegen steht sie nicht ab, sondern bleibt hartnäckig (in ihm), und macht, dass der Mensch zuerst hie und da, und hernach immer, so oft ihm etwas Ähnliches vorkommt, an jenes Böse denkt, und zuletzt wird es bei ihm allgemein herrschend, und wenn dies geschieht, dann sucht er solche Gründe auf, welche beweisen sollen, dass es nicht böse ist, und dies  tut er so weit, dass er sich selbst völlig davon überzeugt, und dann bemüht er sich, so viel als möglich die äußern Bande zu entfernen, und hält (das Böse) für erlaubt und klug, und zuletzt sogar für anständig und ehrenvoll, z.B.  Ehebrüche, Diebstähle, durch Kunstgriffe und List, die verschiedenen Arten der Anmaßung und der Prahlerei, die Verachtung Anderer, Schmähungen, Verfolgungen unter dem Schein der Gerechtigkeit und Ähnliches. Diese Dinge verhalten sich wie offenbare Diebstähle; wenn der Mensch diese zwei oder drei  Mal aus Vorsatz begeht, dann kann er nicht mehr davon abstehen; denn sie kleben fortwährend seinem Denken an.  

59. Außerdem muß man wissen, dass das Böse, welches in das Denken eindringt, dem Menschen nicht schadet, weil das Böse von den Geistern aus der Hölle beständig eingeflößt und von den Engeln beständig zurückgetrieben wird; wenn aber das Böse in den Willen eindringt, dann schadet es, denn dann geht es auch in die Tat über, so oft die äußern Bande nicht abhalten; das Böse dringt aber in den Willen ein durch Festhalten in den Gedanken, durch Einwilligung, und besonders durch die Tat und den Lustreiz aus dieser.  

60. Oftmals wurde auch beobachtet, dass die bösen Geister besonders in die Überredungen und Begierden des Menschen eindringen, und dann, wenn sie in diese eingedrungen sind, den Menschen infolge ihrer Herrschaft regieren; denn wer in die Begierden und Überzeugungen eines Menschen eindringt, der unterwirft sich denselben und macht ihn zu seinen Sklaven; dagegen geschieht der Einfluß durch die Engel gemäß den Neigungen des Menschen, welche sie auf sanfte Weise leiten und zum Guten umlenken, aber nicht gewaltsam brechen; ihr Einfluß selbst ist ein leiser, kaum bemerkbarer, denn er geht auf das Innere und wirkt beständig durch den freien Willen.

61. Ferner muß man wissen, daß alles Böse von der Hölle einfließt und alles Gute durch den Himmel vom Herrn; das Böse wird aber dem Menschen deshalb angeeignet, weil er glaubt und sich selbst beredet, daß er es von sich aus denke und tue, und es somit zu dem Seinigen macht; wenn er so glaubte, wie die Sache sich wirklich verhält, dann würde ihm nicht das Böse angeeignet , sondern Gutes vom Herrn; denn dann würde er, wenn das Böse einfließt, sogleich denken, daß es von den bösen Geistern bei ihm kommt, und wenn er dieses dächte, würden die Engel es abwenden und zurückstoßen; denn der Einfluß der Engel geht auf das, was der Mensch weiß und glaubt, nicht aber auf das, was der Mensch nicht weiß und nicht glaubt, weil er nur da haftet, wo etwas (Bestimmtes) in dem Menschen vorhanden ist. Wenn der Mensch auf solche Weise sich das Böse aneignet, dann bringt er sich in die Sphäre dieses Bösen, und mit dieser Sphäre verbinden sich die Geister von der Hölle, die in einer gleichen Sphäre des Bösen sind; denn das Gleiche verbindet sich mit dem Gleichen. Die geistige Sphäre bei einem Menschen oder Geist ist eine aus dem Leben seiner Liebe hervorgehende Ausdünstung (exhalatio), aus welcher schon von ferne erkannt wird, wie er beschaffen ist; je nach den Sphären werden alle im anderen Leben verbunden, auch die Gesellschaften unter sich; und (nach denselben) werden sie auch getrennt, denn die entgegengesetzten Sphären stoßen gegen einander und drängen sich gegenseitig zurück, daher sind die Sphären der Liebe zum Bösen sämtlich in der Hölle; und die Sphären der Liebe zum Guten sämtlich im Himmel, somit auch diejenigen, die sich in denselben befinden.

62. Der Einfluß der Engel geht besonders auf das Gewissen des Menschen; hier ist die Grundlage (oder Basis), auf welche sie einwirken;  und diese Grundlage ist in dem Inwendigen des Menschen. Das Gewissen ist ein doppeltes, ein inneres und ein äußeres; das innere Gewissen ist das des geistig Guten und Wahren, und das äußere Gewissen aber ist das des Rechten und Billigen; dieses Gewissen findet sich heut zu Tage bei Vielen, aber das innere nur bei Wenigen; aber dennoch werden diejenigen, die sich jenes Gewissens erfreuen, im anderen Leben selig; denn sie sind so beschaffen, daß sie, wenn sie gegen das Gute und Wahre oder gegen das Gerechte und Billige handeln, innerlich Angst und Qual fühlen, nicht weil dadurch ihre Ehre oder ihr Gewinn oder ihr guter Name leidet, sondern weil sie gegen das Gute und Wahre oder gegen das Gerechte und Billige gehandelt haben. Wo aber diese Gewissen nicht vorhanden sind, da ist etwas im Untersten, was sich bisweilen heuchlerisch als ein Gewissen darstellt, indem es nämlich sagt, daß man das Wahre und Gute, sowie das Billige und Gerechte tun müsse, nicht aus Liebe zu diesem, sondern um seiner selbst willen, der Ehre und des Gewinnes wegen; auch diese fühlen Angst und Qual, wenn ihnen Widriges begegnet: aber dieses Gewissen ist kein Gewissen, weil es aus der Selbstliebe und Weltliebe hervorgeht, und in dieser ist nichts von der Liebe Gottes und des Nächsten, weshalb es im andern Leben auch nicht erscheint. Die so geartet sind, können auch höhere Ämter verwalten, gleichwie diejenigen, welche sich eines echten Gewissens erfreuen; denn in der äußeren Form tun sie das Gleiche, aber nur um ihrer Ehre und ihres Rufes willen; und je mehr sie so Verlust und Nachteil  fürchten, desto besser besorgen sie die öffentlichen Geschäfte zu Gunsten des Nächsten und des Vaterlandes. Diejenigen aber, welche sich nicht einmal vor Verlust fürchten, sind im Staate ganz verwerfliche Glieder. Diejenigen, welche solch ein falsches  Gewissen haben, wissen nicht einmal, was Gewissen ist, und wenn sie von anderen hören, was es sei, spotten sie und glauben, dies sei ein Zeichen von Einfältigkeit oder Schwermut. Obiges wurde gesagt, damit man wisse, wie es sich mit dem Einfluß verhält; daß nämlich das Gewissen die Grundlage ist, in welche die Engel einfließen, und zwar in die Neigungen zum Guten und Wahren, wie auch zum Gerechten und Billigen, und daß sie so den Menschen (gleichsam) gebunden führen, dennoch aber in der Freiheit halten.

63. Es gibt Einige, welche sich durch angeerbte Anlage eines natürlichen Guten erfreuen, vermöge dessen sie Freude daran haben, Anderen wohlzutun, die aber weder aus dem Worte, noch aus der Kirchenlehre, noch durch ihre Religion Grundsätze aufgenommen haben, in Folge deren sie Gutes tun; sie konnten daher auch kein Gewissen erlangen, denn dieses kommt nicht aus dem natürlichen oder anererbten Guten, sondern aus der Lehre des Wahren und Guten, und aus einem Leben, welches derselben gemäß ist; wenn Solche in das andere Leben kommen, wundern sie sich, daß sie nicht in den Himmel aufgenommen werden, indem sie sagen, sie hätten doch ein gutes Leben geführt; aber es wird ihnen erwidert, ein gutes Leben aus dem Natürlichen oder Angeerbten sei kein gutes Leben, sondern (dieses komme) aus dem, was Sache des Guten und Wahren und dadurch Sache des Lebens ist; hierdurch erlange man Grundsätze über das Wahre und Gute, und ein Gewissen, welches die Grundlage ist, in welche der Himmel einfließt. Damit sie erkennen, daß die Sache sich so verhält, werden sie in verschiedene Gesellschaften gebracht, und dann lassen sie sich zu allem Bösen verführen, bloß durch Vernünfteleien und Beredungen, daß das Böse gut sei, und das Gute böse sei, und so werden sie allenthalben beredet und wie Spreu vom Winde hin und her getrieben; denn sie sind ohne Grundsätze und ohne Grundlage, auf welche die Engel einwirken und sie vom Bösen abbringen können.

64. Der Einfluß der Engel bei dem Menschen wird nicht so empfunden wie der Einfluß der Geister; denn was von ihnen einfließt, ist nicht materiell, sondern geistig, und es erscheint ganz wie eine Luftströmung, von den inwendigeren Engeln wie etwas Leuchtendes, und von den noch Innerlicheren wie ein Flammendes; worüber vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn im weiteren Verlauf Mehreres (gesagt werden soll).

65. Einige Male geschah es, daß ich eifrig über weltliche Dinge dachte, und über solche, welche den Meisten sehr am Herzen liegen, nämlich an Besitz, an Erwerb von Reichtümern, an sinnliche Vergnügungen und ähnliche Dinge; alsbald bemerkte ich, daß ich in das Sinnliche herabsank, und daß ich in dem Maße, als mein Denken sich in diese Dinge versenkte, von dem Umgang mit den Engeln entfernt wurde; daraus wurde mir auch klar, daß diejenigen, welche sich in solche Sorgen tief einlassen, im anderen Leben keinen Verkehr mit jenen haben können; denn wenn solche Gedanken das ganze Gemüt einnehmen, ziehen sie den Geist herab, und sind wie Gewichte, welche abwärts ziehen; und wenn (jene Dinge) zum Zweck werden, dann entfernen sie (den Menschen) vom Himmel; denn zu diesem kann der Mensch nur durch das Gute der Liebe und des Glaubens erhoben werden. Dies konnte ich auch noch deutlich aus Folgendem erkennen: als ich einst durch die Wohnungen des Himmels geführt wurde, und dann in einer geistigen Vorstellung war, geschah es, daß ich plötzlich in ein Denken an weltliche Dinge verfiel, und alsbald verschwand jene ganze geistige Vorstellung und wurde gleichsam vernichtet.

66. Bisweilen wunderte ich mich darüber, daß die Rede und die Handlung nicht auch durch besondere Geister regiert werde, wie das Denken und Wollen; aber ich wurde belehrt, daß die Rede aus dem Denken und die Handlung aus dem Wollen hervorgehe, und daß dies in Folge der Ordnung geschehe, somit durch den allgemeinen Einfluß; aber gleichwohl sind für jedes Glied, daß zur Rede, und für jedes Glied, das zur Handlung gehört, besondere Geister bestimmt, aber diese Geister wissen es nicht. Der allgemeine Einfluß ist ein fortwährendes Einwirken vom Herrn durch den ganzen Himmel auf das Einzelne, was zum Leben des Menschen gehört.

67. Aus dem Worte ist bekannt, daß aus der geistigen Welt und aus dem Himmel ein Einfluß auf die Propheten stattfand, teils durch Träume, teils durch Visionen, und teils durch Rede; und bei Einigen sogar (durch ein Einfließen) in ihre Sprache und in ihre Gebärden, somit in das, was dem Körper angehört; und daß sie dann weder aus sich redeten, noch aus sich handelten, sondern aus den Geistern, welche alsdann ihren Körper in Besitz hatten; Einige gebärdeten sich dann wie unsinnig, so daß  z.B.  Saul nackt dalag, Andere sich verwundeten, wie Andere sich Hörner aufsetzten und dergleichen mehr; weil ich nun zu wissen wünschte, wie von den Geistern auf jene eingewirkt wurde, so ward es mir durch lebendige Erfahrung gezeigt. Um es zu erkennen, war ich eine ganze Nacht von Geistern besessen, die meinen Körper so sehr einnahmen, daß ich nur noch ganz dunkel fühlen konnte, daß es mein Körper war. Als diese Geister kamen, erschienen sie wie kleine Wolken in verschiedene Formen zusammengedrängt, größtenteils in spitziger Form; die Wolken waren schwarz. Am Morgen erschien mir ein Wagen mit einem Zweigespann von Pferden, in dem ein Mann fuhr; dann erschien mir ein Pferd, auf welchem Jemand saß, der vom Pferde rückwärts abgeworfen wurde, und nun dalag, während das Pferd nach hinten ausschlug; nachher erschien mir ein Anderer, der auf einem Pferde saß; die Pferde waren von edler Art. Hierauf erklärten die Engel, was diese Erscheinungen bedeuteten; (sie sagten), der Wagen, in welchem ein Mann fuhr, bedeute den geistigen Sinn, welcher in den Weissagungen lag, die sie aussprachen, und die vorbildlich waren; das Pferd, welches den darauf Sitzenden abwarf und ausschlug, bedeute das Jüdische und Israelitische Volk, bei dem die Weissagungen gegeben wurden; daß es nämlich nur im Äußeren war, und daher das Verständnis von sich wies, und gleichsam durch Ausschlagen jene (Männer) von sich entfernte; der Andere, welcher auf dem Pferde saß, bedeute das Verständnis, welches diejenigen haben, die im inneren Sinn des prophetischen Wortes sind. Durch diesen Zustand, in dem ich die Nacht hindurch bis zum Morgen war, wurde ich belehrt, wie die Propheten, durch welche die Geister sprachen und wirkten, in Besitz genommen waren; daß nämlich die Geister ihren Körper so sehr einnahmen, daß kaum etwas übrig blieb, außer daß sie wußten, daß sie es waren; es gab bestimmte Geister für diesen Nutzzweck, welche die Menschen nicht in Besitz nehmen, sondern nur in die körperliche Neigungen des Menschen eindringen wollten, und wenn sie in diese eindrangen, dann drangen sie auch in alle Teile seines Körpers ein. Die Geister, welche gewöhnlich bei mir waren, sagten, daß ich ferne von ihnen sein würde, wenn ich in diesem Zustand verbliebe. Die Geister, welche meinen Körper in Besitz nahmen, wie ehemals die der Propheten, redeten nachher mit mir und sagten, daß sie während dieser Zeit gar nicht anders gewußt hätten, als daß sie ein Leben führten wie im Leibe und dergleichen mehr. Außerdem wurde gesagt, daß auch andere Einflüsse bei den Propheten gewesen seien, nämlich von der Art, daß sie dabei selbständig und selbstdenkend waren, nur daß die Geister mit ihnen redeten, und zwar gemeiniglich tief in ihrem Innern; es sei aber kein Einfluß in ihr Denken und Wollen gewesen, sondern nur eine Rede, die zu ihrem Gehör gedrungen sei.

68. Daß die Hölle durch ihre Geister beständig Böses und Falsches einströmen läßt, und das Wahre und Gute verdreht und auslöscht, und daß der Herr durch die Engel es fortwährend abwendet, wegnimmt, mildert ist mir durch eine fast fortwährende Erfahrung von mehreren Jahren so ganz bekannt geworden, daß ich nicht einmal daran denken kann, es zu bezweifeln. Damit aber die Engel die Einflüsse von der Hölle abwehren können, müssen Glaubenswahrheiten verbunden mit dem Guten des Lebens bei dem Menschen vorhanden sein, in welches sie einfließen können; dies muß für sie die Grundlage sein, auf welche sie einwirken. Wenn hingegen der Mensch Solches nicht hat, wird er von der Hölle fortgerissen, und dann regiert ihn der Herr durch die Engel in Ansehung seines äußeren (Menschen) und dies nennt man die äußeren Bande, die zum Gebiet seiner eigenen Klugheit gehören, so daß er in der äußeren Form den Nächsten und das Vaterland zu lieben scheint, aber (er tut dies nur) um seiner Ehre, seines Gewinnes, seines Rufes willen, aus Furcht vor den Strafen des Gesetzes, wie auch (aus Furcht) vor dem Tode. Dies sind die äußeren Bande, durch welche der Mensch regiert wird, wenn die inneren, nämlich die des Gewissens, nicht vorhanden sind. Aber diese äußeren Bande nützen nichts im anderen Leben, denn sie werden ihm genommen, und wenn sie weggenommen sind, dann erscheint der Mensch so, wie er in seinem Inneren war.

69. Wie schwer es dem Menschen fällt, zu glauben, daß die Geister seine Gedanken wissen, konnte ich aus Folgendem deutlich erkennen: ehe ich noch mit Geistern redete, geschah es, daß ein gewisser Geist mich mit wenigen Worten über das anredete, was ich dachte; ich war bestürzt darüber, daß ein Geist dieses wußte, weil ich meinte, daß solche Dinge verborgen und nur dem Herrn allein bekannt seien. Späterhin, als ich anfing mit Geistern zu reden, wurde ich unwillig, daß ich nichts denken konnte, was sie nicht wußten (und meinte), daß mir dies lästig sein werde; nachher aber wurde ich durch die Gewohnheit einiger Tage damit vertraut. Zuletzt wurde mir auch gewiß, daß die Geister nicht nur den ganzen Inhalt des Denkens und Wollens des Menschen wahrnehmen, sondern auch noch viel mehr als der Mensch selbst; und mehr noch die Engel, nämlich die Absichten und Zwecke von den ersten an durch die mittleren bis zu den letzten, daß der Herr nicht nur weiß, wie der ganze Mensch beschaffen ist, sondern auch, wie er in Ewigkeit sein wird. Daraus kann erhellen, daß durchaus nichts verborgen ist, sondern alles, was der Mensch innerlich denkt und aussinnt, im anderen Leben offenbar ist wie am hellen Tage.

70. Daß aus der geistigen Welt durch Engel und durch Geister ein Einfließen in die Neigungen und Gedanken stattfindet, ist mir nun durch vieljährige Erfahrung so deutlich zu wissen gegeben worden, daß nichts deutlicher sein kann; ich habe diesen Einfluß empfunden nicht nur in Ansehung der Gedanken, sondern auch in Ansehung der Neigungen, und wenn Böses und Falsches einfloß, wurde mir zu wissen gegeben, von welchen Höllen es herkam, und wenn Gutes und Wahres, von welchen Engeln; ich wurde daher so vertraut mit dieser Sache, daß ich zuletzt bei dem Einzelnen der Gedanken und Neigungen wissen konnte, woher es stammte; und dennoch waren es meine eigenen Gedanken ebenso, wie sie es früher gewesen waren.

71. Dieses Einfließen findet durch Geister und Engel statt; die Ordnung des Einflusses ist von der Art, daß zuerst die bösen Geister einfließen, und dann die Engel das Böse vertreiben. - Daß der Einfluß von solcher Art ist, nimmt der Mensch nicht wahr, weil sein Denken durch das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Einflüssen in der Freiheit erhalten wird, und weil der Mensch  nicht darauf achtet. Die Bösen können es nicht wissen, wenn sie auch darauf achten würden, weil bei ihnen kein Gleichgewicht zwischen Bösem und Gutem stattfindet, aber die im Guten sind, können es wissen; auch wissen sie aus dem Worte, daß es etwas in ihrem Inneren ist, was gegen das Böse und Falsche bei ihnen kämpft, und daß der geistige Mensch gegen den natürlichen ist, also die Engel, welche im Inneren des Menschen und in seinem Geistigen sind, gegen die bösen Geister, welche in seinem Äußeren und Natürlichen sind. Daher wird auch die Kirche eine streitende genannt. Das Böse, welches von den Bösen Geistern in das Denken einfließt, schadet aber dem Menschen gar nicht, wenn er es nicht aufnimmt; denn wenn er es aufnimmt und vom Gedanken in den Willen übergehen läßt, dann tut es seine Wirkung; und dann tritt er auf die Seite der höllischen Geister; und weicht von den Engeln des Himmels zurück. Das ist es, was der Herr bei Marcus lehrt, "daß das, was zum Menschen eingeht, ihn nicht unrein macht, sondern das, was aus ihm herausgeht, weil dies aus dem Herzen oder dem Willen kommt", 7, 14 bis 23.

72. Ich habe mit guten Geistern über den inneren und den äußeren Menschen geredet, indem ich sagte, es sei zum verwundern, daß nur Wenige innerhalb der Kirche glauben (obwohl sie es aus dem Worte wissen), daß ein innerer Mensch sei unterschieden vom äußeren, während sie es doch durch einen nur oberflächlichen Hinblick auf ihre Gedanken und ihren Willen täglich erkennen könnten; nämlich daraus, daß sie oft innerlich anders denken als äußerlich; und daß sie, was sie äußerlich denken, in die Rede, in das Gesicht und in die Handlung übergehen lassen, das aber, was sie innerlich denken, nicht auf gleiche Weise, indem sie dies tief verbergen; wie dies bei denen, die sich verstellen, bei den Heuchlern und Listigen, ganz gewöhnlich ist; die im Guten sind, können es daraus erkennen, daß sie denken, man dürfe nicht so handeln, indem sie sich selbst anklagen; daraus kann es ihnen deutlich werden, daß es einen inneren Menschen gibt, getrennt vom äußeren. Daß sie aber nicht darauf achten, und wenn sie darauf achten, es nicht wahrnehmen, kommt daher, daß sie das Leben in den Körper setzen, und weil, wenn man sein ganzes Denken in das Körperliche und Weltliche versenkt, die Anschauung von solchen Dingen verloren geht, ja sogar der Glaube, daß es so sei; auch dieses wurde mir durch Erfahrung zu wissen gegeben; wenn ich in irgend einer Vorstellung von himmlischen Dingen war, und dabei in Gedanken an das Weltliche und Irdische verfiel, verschwand das Himmlische so völlig, daß es kaum noch erkannt wurde; die Ursache ist, weil alles was dem Himmelslichte angehört, zur Finsternis wird, wenn es in Solches fällt, was dem Lichte der Welt angehört; denn beide sind einander entgegengesetzt, damit sie aber nicht mehr entgegengesetzt seien, wird der Mensch wiedergeboren, und auch vom Sinnlichen gegen das Inwendige hin erhoben, und inwieweit er über jenes erhoben wird, insoweit verläßt er das Böse und Falsche; erhoben kann aber nur derjenige werden, welcher im Guten des Glaubens und des Lebens ist.

73. Das Inwendigere des Menschen ist vermittelst seiner Abzweigungen (oder Abteilungen) nach Graden unterschieden, und diesen Graden gemäß ist auch sein Licht. Das sinnliche Innere , welches den Sinnen des Körpers zunächst steht, hat ein sehr grobes (d.h. düsteres) Licht; dieses Licht ist mir durch viele Erfahrung zu erkennen gegeben worden; und ich habe bemerkt, daß, so  oft ich in dieses Licht versetzt wurde, Falsches und Böses mehrfacher Art sich einstellte, ja sogar Anstößiges gegen das Himmlische und Göttliche, und auch Häßliches und Unreines; der Grund ist, weil dieses Licht in den Höllen herrscht, und die Höllen durch dasselbe besonders bei dem Menschen einfließen. Wenn der Mensch in diesem Lichte ist, dann ist sein Denken fest in demselben Lichte, in welchem sein äußeres Gesicht ist, und er ist dann beinahe (ganz) in seinem Körper; die Menschen, welche in diesem Lichte sind, müssen S i n n l i c h e  genannt werden, denn sie denken nicht über das Sinnenhafte des Körpers hinaus; was darüber hinaus ist, nehmen sie weder wahr, noch glauben sie es; sie glauben vielmehr nur das, was sie sehen und berühren. In einem solchem Lichte sind diejenigen, welche ihr Inneres gar nicht ausgebildet haben, indem sie in Vernachlässigung und Verachtung alles dessen lebten, was dem Vernünftigen und Geistigen angehört; und in diesem Licht sind besonders die Geizigen und die Ehebrecher, ferner diejenigen, welche in lauter Wollüsten und in schimpflichem Müßiggange gelebt haben; daher denken sie Unreines und oft auch Anstößiges über die heiligen Dinge der Kirche.

74. In diesem Lichte sind, wie gesagt, die Höllen, und auch so Manche, die nicht so böse sind, die nämlich nicht Geizige, Ehebrecher, oder Wollüstige waren, die aber so geworden sind, weil sie ihr Vernünftiges nicht ausgebildet haben; ich durfte diese Geister in einer gewissen Dämmerung sehen, sie erschienen (wie) auf einem Markte, schaarenweise, Säcke tragend, in welchen rohe Stoffe waren, sie wägend und forttragend. Einige Sirenen waren damals nicht ferne, und ich hörte sie sagen, daß sie bei jenen sein möchten, weil sie mit ihren Augen Menschen sehen; denn weil die Sirenen vor anderen Ehebrecherinnen, und auch gegen alles Himmlische und Geistige feindlich waren, können sie keine anderen Geister sehen als solche, die im sinnlichen Lichte sind, weil sie selber so beschaffen sind.

75. Weil die Höllen in diesem sinnlichen Lichte sind, deshalb muß der Mensch, wenn er nicht über dasselbe erhoben wird, notwendig verloren gehen; er wird aber erhoben durch das Gute des Glaubens. Es gibt auch Höllen, welche in einer feineren Sphäre sind; in diesen befinden sich diejenigen, welche inwendig boshaft waren und allerlei Kunstgriffe erdachten, um Andere ihrer Güter zu berauben, und viele Trugkünste aussannen, um zu herrschen;  aber es wurde bemerkt, daß diese Sphäre in die äußere sinnliche Sphäre einfließt, und zwar von der Rückseite her, wo das Unwillkürliche des Menschen liegt; daher ist die sinnliche Sphäre so stark. -

76. Wenn der Mensch gegen das Inwendigere hin erhoben wird, dann kommt er von dem groben sinnlichen Licht in ein milderes Licht, und wird dann zugleich dem Einflusse anstößiger und unreiner Dinge entzogen, und näher gebracht zu dem, was gerecht und billig ist, weil näher zu den Engeln, die bei ihm sind, somit auch näher zum Lichte des Himmels. Diese Erhebung vom Sinnlichen war den Alten bekannt, und auch den Heiden; deshalb haben ihre Weisen gesagt, daß die Seele, wenn sie vom Sinnlichen entfernt werde, in das innere Licht komme, und zugleich in den Zustand der Ruhe, und in eine gewisse himmlische Seligkeit; hieraus schlossen sie auch auf die Unsterblichkeit der Seele. Der Mensch kann noch innerlicher erhoben werden, und je innerlicher, in ein desto klareres Licht kommt er, und endlich in das Licht des Himmels, welches Licht nichts ist, als Weisheit und Einsicht vom Herrn. Die drei Himmel sind auch nicht anders unterschieden, als nach den Erhebungen gegen das Inwendigere, also auch nach den Graden des Lichtes; weil der dritte Himmel im Inwendigsten ist, so ist er auch im größten Lichte; somit in einer Weisheit, welche die Weisheit der unteren Himmel weit übertrifft.

77. Wie mit dem Lichte, ebenso verhält es sich auch mit der Wärme, welche die Lebenswärme des Menschen ist; diese Wärme hat ihren Ursprung keineswegs von der Wärme, die aus der Sonne von der Welt stammt, sondern von der geistigen Wärme, welche Liebe ist, und vom Herrn ausgeht, diese Wärme haben die Engel; inwieweit daher der Mensch in der Liebe ist, insoweit ist er in der Lebenswärme; der Körper hingegen ist in der Wärme der Welt, und auch nach innen zu sinnenhaft, aber die Lebenswärme fließt in diese Wärme ein und belebt sie; das Reine und Grobe desselben verhält sich ebenso wie sein Licht. Diese Wärme ist es, welche unter den heiligen Feuern im Worte verstanden wird, und deshalb werden auch durch diese Feuer die himmlischen Liebesarten bezeichnet, und im entgegengesetzten Sinn ist es diejenige Wärme, welche unter dem höllischen Feuer verstanden wird, und deshalb werden durch diese Feuer im Worte die höllischen Liebesarten und ihre Begierden bezeichnet.

78. Der Mensch, welcher in seinem Leben durch das Gute des Glaubens über das Sinnliche erhoben worden ist, befindet sich abwechselnd im sinnlichen Lichte und im inwendigeren Lichte; wenn er in weltlichen Sorgen ist, in Gesellschaften, wo äußere Dinge vorherrschen, oder in Vergnügungen (sinnlicher Art), dann ist er im sinnlichen Leben; in diesem Zustand vermeidet er es und scheut sich, über Gott zu reden und zu denken, und über das, was dem Glauben angehört; und wenn er dann über solche Dinge reden und denken wollte, würde er sie für nichts achten, wenn er nicht augenblicklich gegen das Inwendigere hin vom Herrn erhoben würde; wenn ein solcher Mensch nicht im Weltlichen lebt, sondern im inneren Lichte ist, dann denkt er gemäß dem Gerechten und Billigen; und wenn er in ein noch inwendigeres Licht kommt, denkt er aus dem geistig Wahren und Guten. Wer im Guten des Lebens ist, der wird von einem Licht zum anderen erhoben, und zwar augenblicklich in ein inwendigeres Licht, wenn er anfängt, Böses zu denken, denn die Engel sind ihm nahe. Dies wurde mir durch Erfahrungen zu wissen gegeben, indem ich häufig die Erhebungen wahrnahm, und dann zugleich die Veränderungen des Zustandes in Betreff der Neigungen und in Betreff der Gedanken.

79. Die Gelehrten sind seltsamerweise zum größten Teil sinnenhaft; die Ursache ist, weil sie die Wissenschaften nur um des Ruhmes willen erlernen, um dadurch zu Ehren und zu äußerem Gewinn zu gelangen, nicht aber zu dem Zwecke, um weise zu werden; denn alle Wissenschaften, welche in der gelehrten Welt existieren, sind Mittel, um weise zu werden, aber auch Mittel, um töricht zu werden. Wenn Solche zu Ehrenstellen gelangt sind, dann leben sie sinnlicher als die Einfältigen, und dann glauben sie, es sei Einfalt, dem Göttlichen etwas zuzuschreiben, und nicht vielmehr der Klugheit und der Natur, und das Übrige dem Zufall.

80. Es waren Geister bei mir, welche, als sie in der Welt als Menschen lebten, Gelehrte genannt wurden; sie wurden in den Zustand ihres Denkens zurückversetzt, in dem sie in der Welt waren, und es wurden mir ihre Gedanken mitgeteilt und zwar über die Geister; ihr Denken war aber von der Art, daß sie durchaus nicht dahin gebracht werden konnten, zu glauben, daß ein Geist irgend einen Sinn besitze, und auch das Übrige, was sie von den Geistern oder Seelen nach dem Tode gedacht hatten, war ganz ohne alle Merkmale irgendeiner Beschaffenheit; der Grund davon war, weil sie das Leben in den Körper setzten und sich gegen das Leben des Geistes oder ihrer Seele nach dem Tode durch wißtümliche Erkenntnisse und Philosophien begründet hatten; daher hatten sie sich das Inwendigere verschlossen, zu welchem sie somit durchaus nicht erhoben werden konnten. Nachdem sie sich einmal gegen dasjenige, was sich auf das Leben nach dem Tode bezieht, begründet hatten, wären sie, wenn ihnen auch nachher die größten Wahrheiten gesagt worden wären, wie Blinde dagegen gewesen, welche nicht sehen, und wie Taube, welche nicht hören; Einige von ihnen spotten auch darüber, und zwar um so mehr, als sie sich für weiser als die Anderen halten. Aber die Ungelehrten, welche im Guten des Glaubens waren, sind nicht so beschaffen, denn sie haben sich durch keine Wissenschaft oder Philosophie gegen das, was Angehör der Kirche ist, bestärkt, deswegen ist ihr Innewerden umfassender und klarer; und weil sie ihr Inwendigeres nicht verschlossen haben, sind sie in der Fähigkeit, das Gute und Wahre aufzunehmen.

81. Es gibt aber auch Menschen, welche mehr als sinnlich sind, nämlich körperhaft, und das sind diejenigen, welche sich ganz gegen das Göttliche begründet und Alles der Natur zugeschrieben haben, und so ohne alle Rücksicht auf das Gerechte und Billige außer der äußeren Form nach gelebt haben. Weil solche inwendig wie die unvernünftigen Tiere sind, obgleich sie äußerlich als Menschen erscheinen, so sind sie mehr als sinnlich und erscheinen sich und Andern im andern Leben gleichsam körperhaft. Sie erschienen mir nach vorne, nahe am rechten Fuß, heraufsteigend aus der Tiefe, stark behaart, und gleichsam hart und grob; als sie heraufgestiegen waren, erschien Etwas wie ein Schwert, das über ihren Häuptern schwebte; ich habe mit ihnen geredet, und sie sagten, es komme ihnen vollständig so vor, als ob sie im Leibe wären.

82. Was den Einfluß der Engel beim Menschen anbelangt, so ist er nicht von der Art, wie der Mensch sich ihn denkt, sondern ist den Entsprechungen gemäß; denn die Engel denken in geistiger Weise, der Mensch aber nimmt es auf natürliche Weise wahr, somit fällt das Geistige in seine Entsprechung, und demzufolge in sein Vorbildliches bei dem Menschen, so z.B., wenn der Mensch von Brot spricht, von der Saat, von der Ernte, von Fettem und dergleichen, dann denken die Engel an das Gute der Liebe und der Liebtätigkeit und sofort. Ich träumte einst einen gewöhnlichen Traum; als ich erwachte, erzählte ich alles von Anfang bis zu Ende; da sagten die Engel, dass es ganz und gar mit dem zusammenfalle, was sie unter sich geredet hätten; nicht als ob es dasselbe wäre, was ich geträumt hatte, sondern die Entsprechung und Vorbildung, somit Alles im Einzelnen; hierauf sprach ich mit ihnen vom Einfließen. Vor den Geistern aber, die bei den Menschen sind, erscheinen die Gegenstände nicht so, wie der Mensch sie vor Augen sieht, auch fassen sie nicht die Worte auf, wie der Mensch sie mit dem Ohre hört, sondern so wie der Mensch denkt. Daß das Denken sich ganz und gar anders verhält als die Rede, erhellt daraus, dass der Mensch in Einem Augenblick mehr denkt, als er in einer halben Stunde aussprechen kann, weil er abgezogen von den Worten der Sprache denkt. Daraus kann man einigermaßen erkennen, wie der Verkehr der Seele mit dem Körper ist, dass er nämlich so beschaffen ist, wie der Einfluß der geistigen Welt in die natürliche Welt; denn die Seele oder der Geist des Menschen ist in der geistigen Welt, und der Körper in der natürlichen Welt; also gemäß den Entsprechungen.

83. Wenn die Engel einfließen, bringen sie auch Neigungen hinzu, und die Neigungen selbst enthalten Unzähliges in sich; von diesem Unzähligen wird aber vom Menschen nur Weniges aufgenommen, und zwar nur das, was sich anschließen kann an das, was schon früher in seinem Gedächtnisse war; das, was vom Einfluß der Engel übrig bleibt, legt sich gleichsam um Jenes herum, und bewahrt es wie beschützend im Busen.

84.Dass es ein Einfließen der Engel gibt, und dass der Mensch ohne dasselbe nicht leben könnte, wurde mir durch Erfahrung zu wissen gegeben. Es gibt boshafte Geister , welche Kunstgriffe ersonnen haben, um den Einfluß der Engel zu verhindern, aber nur teilweise [ vermögen sie es ]; es wurde ihnen gestattet, dasselbe auch bei mir zu tun, zu dem Zweck, damit ich aus Erfahrung wissen möchte, dass die Sache sich so verhalte; sobald diese den Einfluß verhinderten, schwankte das Gedankenleben, und zuletzt war es wie bei denen, die in Ohnmacht fallen; aber in demselben Augenblick wurde ich wieder hergestellt, und diese Geister wurden in ihre Hölle geworfen; sie erschienen zur Linken an der Fläche des Wirbels am Kopfe, wo sie zuerst im Verborgenen waren.

85. Es hat ganz den Anschein, als ob die äußern Sinne, wie das Gesicht und das Gehör, in das Denken einflößen und hier Vorstellungen erregten; denn die Gegenstände scheinen die Sinne anzuregen, zuerst die äußern und dann die innern, und auch dasselbe [scheint] die Rede zu tun; allein, wie stark auch immer dieser Anschein sein mag, so ist er doch nur eine Sinnestäuschung; denn das Äußere, welches grob und materiell ist, kann nicht in das Innere, welches fein und geistig ist, einfließen und es anregen; dies ist gegen die Natur. Vielmehr ist es der innere Sinn, oder der Sinn des Geistes selbst, der durch den äußern Sinn fühlt und die äußern Sinne befähigt, die Gegenstände nach seinem Verlangen aufzunehmen, deshalb richten sich auch die Sinne [ z.B. der Sinn des Gesichts oder das Auge ] augenblicklich nach den Gegenständen gemäß ihrer Beschaffenheit; was in den äußern Sinnen nicht stattfinden würde, wenn nicht ein Einfluß von innen her wirkte, denn alle Fasern und Muskeln, deren sich eine Menge um jedes Sinnenwerkzeug oder Sinnenorgan herumlegen, werden augenblicklich zweckmäßig je nach der Beschaffenheit des Gegenstandes bestimmt, ja sogar dem Organe wird im Augenblick ein entsprechender Zustand beigebracht. Es war oft unter den Geistern die Rede von diesem Anschein, und von den Engeln wurde eben so oft geantwortet, dass das Einfließen keineswegs vom Äußern in das Innere stattfinde, sondern vom Innern in das Äußere, und dass dies der Ordnung gemäß sei, welcher entgegen kein Einfluß stattfinden könne. Ich habe zwei- oder dreimal Geister gesehen, abgesondert von ihrer Engel-Gesellschaft, weil sie zufolge des Anscheins glaubten, dass es einen Einfluß vom Äußern in das Innere gäbe, und da somit ein physischer und nicht ein geistiger Einfluß stattfinde; die Ursache der Absonderung war, weil man sonst hätte schließen können, dass die Höllen, welche im Äußerlichen sind, in die Himmel einfließen könnten, welche im Innerlichen sind; und weil man auch hätte schließen können, dass der Einfluß des Lebens nicht vom HErrn sei, während doch von Ihm alles Leben einfließt, weil Er Selbst im Innersten ist, und im Vergleich mit Ihm alles Andere ein Äußeres ist.

86. Dass dem Guten der Liebe, welches vom HErrn durch die Engel einfließt, alles Wahre innewohnt, und dass dieses Wahre sich von selbst offenbaren würde, wenn der Mensch in der Liebe zum HErrn und in der Liebe zum Nächsten leben würde, geht nicht nur deutlich aus dem hervor, was im Himmel ist, sondern auch aus dem, was in der tieferstehenden Natur existiert; von dem, was in dieser untergeordneten Natur sich befindet, darf ich, weil es vor Augen liegt, Einiges zur Erläuterung anführen. Die vernunftlosen Tiere werden einzig und allein durch die Triebe ihrer Liebe und deren Neigungen geleitet, für welche sie erschaffen wurden, und in welche sie geboren werden; denn ein jedes Tier strebt nach dem, wozu seine Neigung und Liebe es zieht; und weil es so ist, so sind sie auch in allen Kenntnissen, welche irgendwie Anbehör dieser Liebe sind; denn vermöge ihres Triebes zur ehelichen Liebe wissen sie, wie sie sich begatten müssen, die Haustiere in ihrer Weise und die Vögel auf andere Art; die Vögel wissen, wie sie ihre Nester machen, wie sie Eier legen und sie bebrüten müssen, wie die Jungen ausschlüpfen, und auch wie sie dieselben ernähren müssen, und dies alles ohne irgend eine Belehrung, allein aus ihrem Trieb zur ehelichen Liebe und aus der Liebe zur Nachkommenschaft, in welchen alle diese Kenntnisse eingepflanzt sind. Ebenso wissen sie, mit welchen Nahrungsmitteln sie sich ernähren, und wie sie dieselben suchen müssen; und was noch mehr ist, die Bienen wissen sie aus den Blumen verschiedener Art hervorzusuchen, und auch Wachs zu sammeln, aus dem sie Zellen machen, in welche sie zuerst ihre Nachkommenschaft legen, und hernach ihre Speise aufbewahren, auch wissen sie sich für den Winter zu versorgen; um noch vieles Andere zu übergehen. Alle diese Kenntnisse sind in den Trieben ihrer Liebe eingeschlossen, und wohnen darin von ihrem ersten Ursprung an; in diese Kenntnisse werden sie geboren, weil sie in der Ordnung ihrer Natur sind, zu welcher sie geschaffen wurden, und fernerhin werden sie durch den allgemeinen Einfluß aus der geistigen Welt geleitet. Wenn der Mensch in der Ordnung wäre, zu welcher er erschaffen wurde, nämlich in der Liebe zum Nächsten und in der Liebe zum HErrn [denn diese Arten der Liebe sind dem Menschen eigen ], so würde er mehr als alle Tiere nicht nur in die Kenntnisse hinein geboren, sondern auch in alles geistig Gute und himmlisch Gute, und somit in alle Weisheit und Einsicht; denn er kann an den HErrn denken, und durch Liebe mit Ihm verbunden und so zum Göttlichen und Ewigen erhoben werden, was die vernunftlosen Tiere nicht können; dann würde also der Mensch nur vom allgemeinen Einfluß vom HErrn durch die geistige Welt regiert werden; weil er aber nicht in die Ordnung, sondern gegen seine Ordnung geboren wird, daher wird er in Unwissenheit über alles geboren, dass er später wiedergeboren werden und dann in so viel Einsicht und Weisheit kommen kann, als er Gutes, und durch das Gute auch Wahres mit freiem Willen aufnimmt.

87. Die Geister, welche viel vernünfteln im andern Leben, werden nur wenig inne, was gut und wahr ist, weshalb sie auch nicht in den innern Engelsgesellschaften zugelassen werden, denn ihnen kann daselbst keine Einsicht mitgeteilt werden. Sie stellten auch unter sich Erörterungen an über den Einfluß aller Gedanken und Neigungen, und sagten, wenn es so sei, könne Keiner für schuldig erklärt werden, und für sein Vergehen Strafe erleiden; aber es wurde ihnen geantwortet, wenn der Mensch glauben würde, wie die Sache sich wirklich verhält, dass nämlich alles Gute und Wahre vom HErrn sei, und alles Böse und Falsche von der Hölle, dann könnte er keines Vergehens für schuldig erklärt und ihm kein Böses zugerechnet werden; weil er aber glaubt, dass er aus sich handelt, eignet er sich das Böse an; denn der Glaube bewirkt dieses; somit hängt das Böse ihm an, und kann nicht von ihm getrennt werden; ja der Mensch ist von der Art, dass er in Unwillen gerät, wenn man ihm sagt, er denke und wolle aus Andern, nicht aus sich.

88. Es ist eine ewige Wahrheit, dass der HErr den Himmel und die Erde regiert; wie auch, dass Keiner aus sich selbst lebt, außer dem HErrn, und dass folglich alles Leben einfließt, das Gute des Lebens vom HErrn, und das Böse des Lebens von der Hölle; dieser Glaube ist (allgemein) in den Himmeln; wenn der Mensch diesen Glauben hat (und er kann ihn haben, wenn er im Guten ist), dann kann ihm das Böse nicht anhaften, noch angeeignet werden, weil er weiß, dass es nicht aus ihm selbst, sondern aus der Hölle stammt; wenn der Mensch in diesem Zustand ist, dann kann ihm Frieden gegeben werden, denn dann vertraut er einzig dem HErrn; der Friede kann keinem Andern gegeben werden, als denen, die in diesem Vertrauen aus Liebtätigkeit sind, denn die Andern stürzen sich beständig in Sorgen und Begierden, aus denen Beunruhigungen entstehen. Die Geister, welche sich selbst regieren wollen, meinen, dass man (durch jenen Glauben) seinen Willen, somit seine Freiheit verliere, und folglich alle Lust, somit das ganze Leben und seine Freude; dies sagen und meinen sie, weil sie nicht wissen, wie die Sache sich verhält; denn der Mensch, der vom HErrn geführt wird, ist in der wahren Freiheit, und dadurch in der eigentlichen Lust und Seligkeit; das Gute und Wahre wird ihm angeeignet, die Neigung und das Verlangen, Gutes zu tun wird ihm gegeben, und dann macht ihn nichts glückseliger, als Nutzen zu leisten; es wird ihm ferner ein Innewerden des Guten gegeben, und auch ein Empfinden desselben, und es wird ihm Einsicht und Weisheit verliehen, und das Alles, als wäre es sein eigen; denn dann nimmt er Leben vom HErrn auf. Es ist in der gelehrten Welt bekannt, dass die Grundursache und die werkzeugliche Ursache zusammen als eine Ursache wirken; weil der Mensch ein Aufnahmegefäß des Lebens vom HErrn ist, darum ist er eine werkzeugliche Ursache, das Leben aus dem HErrn aber ist die Grundursache; dieses Leben wird in dem Werkzeuge als das eigene (Leben) empfunden, obwohl es nicht sein eigenes ist.

89.Unter den berühmteren und vernünftigen Philosophen war Einer, der vor einigen Jahren gestorben war; mit dem sprach ich über die Stufen (Grade) des Lebens im Menschen, indem ich sagte, der Mensch bestehe aus lauter Formen zur Aufnahme des Lebens, und die eine Form sei immer inwendiger als die andere, eine jede aber entstehe und bestehe aus der andern; ferner (sagte ich), dass , wenn auch die untere oder äußere Form aufgelöst sei, dennoch die höhere oder innere Form fortlebe. Ferner wurde gesagt, alle Tätigkeiten des Gemütes seien Veränderungen der Form, und diese Veränderungen seien in den reineren Substanzen in solcher Vollkommenheit, dass sie nicht beschrieben werden könnten; auch die Vorstellungen im Denken seien nichts Anderes, und diese Veränderungen fänden statt gemäß den Zustandswechseln in den Neigungen. Die allervollkommensten Veränderungen treten in den reinern Formen ein, wie man aus den Lungen schließen kann, welche bei den einzelnen Worten der Rede und bei den einzelnen Worten der Rede und bei den einzelnen Tönen des Gesanges, bei allen Bewegungen des Körpers und auch bei allen Zuständen des Denkens und der Neigung sich verschieden gestalten und die Formen verändern; was muß erst in den inwendigeren (Organen) geschehen, welche in einem viel vollkommeneren Zustand sind als ein so großes Eingeweide! Der Philosoph versicherte und beteuerte, dass dergleichen Dinge ihm bekannt gewesen seien, als er in der Welt gelebt habe; und dass die Welt die Philosophie zu solchen Nutzwirkungen anwenden und nicht mit bloßen Phrasen sich abgeben sollte und mit Streitigkeiten darüber, und dadurch sich vergeblich abmühen.

90. Es ist aber oben gezeigt worden, dass beiderlei Leben bei dem Menschen, nämlich das Leben seines Denkens und seines Willens vom Himmel einfließt, und zwar durch die Engel und Geister, welche bei ihm sind; dass es vom Himmel einfließe, ist aber so zu verstehen, dass es durch den Himmel vom HErrn (geschieht), denn alles Leben bei den Engeln ist vom HErrn, was sie selbst einmütig bekennen; sie sind auch in dem Innewerden, dass es so sei; und weil alles Leben bei den Engeln vom HErrn ist, so ist auch alles Leben bei dem Menschen vom HErrn, denn der Mensch wird durch Engel und Geister im Besondern regiert, und durch den Himmel im Allgemeinen vom HErrn.

91. Hieraus erhellt, dass durchaus kein Mensch Leben aus sich hat, also auch nicht aus sich selber denken und wollen kann, denn das Leben des Menschen besteht ja im Denken und Wollen; es gibt nämlich nur ein einziges Leben, nämlich das des HErrn, welches in Alle einfließt, allein es wird verschieden aufgenommen, und zwar je nach der Beschaffenheit, welche der Mensch seiner Seele durch das Leben in der Welt gegeben hat; daher wird bei den Bösen das Gute und Wahre in Böses und Falsches verkehrt, bei den Guten hingegen wird das Gute als Gutes und das Wahre als Wahres aufgenommen. Man kann dies mit dem Lichte vergleichen, welches von der Sonne in die Gegenstände einfließt; es wird aber in denselben auf verschiedene Weise je nach der Form ihrer Bestandteile modifiziert und verändert, und dadurch in düstere oder heitere Farben verwandelt, also gemäß ihrer Beschaffenheit. Ebenso gibt der Mensch, während er in der Welt lebt, den reinsten Substanzen, welche sein Inneres bilden, die Beschaffenheit, nach welcher er das Leben vom HErrn aufnimmt. Man muß jedoch wissen, dass das Leben vom HErrn (wesentlich) ein Leben der Liebe gegen das ganze menschliche Geschlecht ist.

92. Die aus der Welt neu angekommenen Geister glauben, bevor sie von den Engeln belehrt worden sind, nicht anders, als dass alles Leben im Menschen selber liege, und dass nichts einfließe; der Grund ist, weil sie nichts im Besondern vom Himmel wissen, also auch nichts vom Einfließen aus demselben; die nicht guten Geister wollen auch nicht darüber belehrt werden, denn sie wollen aus sich leben; auch sagten sie, ich hätte kein Leben, weil sie mich sagen hörten, ich lebte nicht aus mir selber, und das wisse ich durch fortwährende Erfahrung; darauf wollten sie aber gar nicht achten; ferner durfte ich ihnen sagen, dass ein Jeder Leben habe nach der Form seines Innern, welche er sich durch sein Wollen und Handeln, Denken und Reden verschafft habe. Hierauf redete ich mit guten Geistern über den Einfluß des Lebens vom HErrn, dass es nämlich in Alles einfließe, und dass man dies deutlich ersehen könne aus (der Form) des Himmels, insofern er einen Menschen darstelle, und daher der Größte Mensch genannt werde ( worüber, so wie auch über die Entsprechung aller Dinge bei dem Menschen mit demselben an verschiedenen andern Stellen gehandelt (worden); dies könne durchaus nicht geschehen, wenn nicht Leben vom HErrn in den Himmel einfließe; im Allgemeinen, und in die einzelnen Dinge daselbst im Besonderen; und dies gehe auch deutlich daraus hervor, dass der ganze Himmel sich auf den HErrn beziehe, und dass der HErr darin der Mittelpunkt aller Anschauungen sei, und dass die, welche in dem Himmel sind, aufwärts zu Ihm hinblicken, die aber in der Hölle von Ihm hinweg; der HErr erscheint nämlich denen, die im Himmel sind, als Sonne, und daselbst ist für sie oben. Ich sagte ferner, es sei klar, dass alles Leben vom HErrn stamme, auch schon daraus, dass die Seele des Menschen auf so wunderbare Weise im Mutterleib ihren Körper und dessen mannigfaltige Glieder und Organe in solcher Reihenfolge und das Innere desselben nach dem Bilde des Himmels gestalten könne; dies könnte aber durchaus nicht geschehen, wenn nicht alles Leben vom HErrn stammte, und der Himmel nicht so beschaffen wäre.

93. Es wurde mir auch durch Einfließen gegeben, das wonnige Gefühl zu empfinden, welches die Engel dadurch empfinden, dass sie nicht aus sich denken und wollen, sondern aus dem HErrn; dadurch wird ihnen Ruhe, Friede und Glückseligkeit zu Teil. Und wenn die Engel in mein Innewerden einflossen, alsdann empfand ich deutlich die Gegenwart des HErrn, ein Zeichen, dass sie im Leben des HErrn sind; dies ist mir aus vieler Erfahrung zu erkennen gegeben. Einmal auch, als ich über den Einfluß des Lebens vom HErrn nachdachte, und einigen Zweifel hegte, floß vom Himmel ein, dass man nicht auf die tausenderlei Einwürfe und Vernünfteleien aus den Sinnestäuschungen achten dürfe.

94. Daß alles Leben vom HErrn stamme, durfte ich auch daraus erkennen, dass kein Geist aus sich denkt und redet, sondern aus Andern, und diese Andern wieder von Andern, und so fort; dies wurde öfters denen gezeigt, welche glaubten, das Leben sei in ihnen, und fließe nicht ein; daraus durfte ich den Schluß ziehen, dass, weil Niemand aus sich, sondern aus Andern denke und rede, zuletzt Alle aus Einem, somit aus dem HErrn (denken und reden); und dass, wenn dies nicht so wäre, niemals irgend eine Lebensordnung im Himmel bestehen könnte, während doch in demselben eine solche Ordnung ist, dass er auf`s Genaueste in Gesellschaften je nach der Beschaffenheit des Gutes unterschieden ist; ganz anders würde es sein, wenn Jeder aus seinem eigenen Leben handelte.

95. Ein gewisser Geist, welcher nicht zu den Bösen gehörte, sondern zu denen, welche mehr als Andere Glaubenskenntnisse zu haben vermeinen, und viele Andere belehrt haben, und zwar auch darüber, dass alles Gute und Wahre vom HErrn sei, und dass der Mensch nicht aus sich das Gute denken oder wollen könne; dieser Geist wurde in den Zustand versetzt, dass er nicht aus sich denken und wollen konnte (denn in solche Zustände kann man im anderen Leben versetzt werden). Als er in diesem Zustande war, sagte er, so könne er nicht leben, sondern das Leben sei ihm widerwärtig; es wurde ihm hierauf gesagt, dass er somit auch nicht gewünscht habe, in der Wahrheit zu leben, welche er gelehrt habe, und dass die Engel in diesem Zustande seien, und dann sich glücklich fühlen, wenn sie inne werden, dass sie nicht aus sich leben; allein dies machte keinen Eindruck auf ihn; daraus erhellt, wie schwer sei, ein Leben des Glaubens zu führen, wenn man nicht im Guten der Liebtätigkeit lebt.

96. Wie es sich mit dem Einfluß des zwiefachen Lebens verhalte, nämlich mit dem Leben des Denkens und mit dem Leben des Willens vom HErrn, wurde mir durch Offenbarung zu wissen gegeben, dass nämlich der HErr in zwiefacher Weise einfließe, nämlich mittelbar durch den Himmel und unmittelbar aus Sich, und dass Er aus Sich einfließe sowohl in das Vernünftige des Menschen, welches sein Inneres bildet, als auch in sein Natürliches, welches sein Äußeres ist; was vom HErrn einfließt, ist das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens, denn was vom HErrn ausgeht, ist das Göttlich-Wahre, in welchem das Göttlich-Gute ist; es wird aber vom Menschen in verschiedener Weise aufgenommen, nämlich je nach seiner Beschaffenheit. Der HErr zwingt den Menschen nicht zur Aufnahme dessen, was von Ihm einfließt, sondern leitet ihn in Freiheit, und soweit als der Mensch sich durch Freiheit zum Guten führen lässt; der HErr führt also den Menschen in Gemäßheit seiner Lustreize, und auch gemäß seinen Sinnestäuschungen und den Grundsätzen, die er aus denselben angenommen hat; allmählig aber führt Er ihn davon ab, und das erscheint dem Menschen, als ob er aus sich (tue), somit zerstört der HErr sie nicht (gewaltsam), denn dann würde er seine Freiheit verletzen, welche doch notwendig da sein muß, damit der Mensch umgebildet werden könne. (Siehe „Himmlische Geheimnisse“ Ziffer 1937, 1947, 2875, 2876, 2881, 3145, 3146, 3158, 4021). Daß der HErr auf solche Weise bei dem Menschen einfließt, nämlich nicht nur mittelbar durch den Himmel, sondern auch unmittelbar aus Sich, sowohl in das Innere als in das Äußere bei dem Menschen, ist ein bis jetzt unbekanntes Geheimnis.

97. Der HErr regiert das Letzte des Menschen ebenso gut wie sein Erstes; dies kann daraus erhellen, dass eine Ordnung vom HErrn besteht, welche in steter Reihenfolge vom Ersten bis zum Letzten fortschreitet; und in dieser Ordnung selbst ist nichts als das Göttliche, und aus diesem Grunde muß notwendig die Gegenwart des HErrn im Letzten wie in dem Ersten sein, denn das Eine folgt aus dem Andern, nach dem Lauf der Ordnung.

98. Durch stundenlange Erfahrung wurde mir gezeigt, wie alle Gedanken vom HErrn regiert werden; der Einfluß war wie eine sehr gelinde und fast unmerkliche Strömung, deren Triebkraft nicht sichtbar ist, aber dennoch führt und zieht; das, was vom HErrn einfloß, leitete die ganze Reihe meiner Gedanken in (voller) Folgerichtigkeit, zwar gelind, aber dennoch kräftig, und zwar so, dass ich nicht zu andern Gedanken abschweifen konnte, was ich auch versuchen durfte, aber es war vergeblich.

99.Ich hörte, wie zu einigen bösen Geistern, welche in der geistigen Welt waren, und beständig (feindlich) gegen den HErrn dachten ( in welcher Art die Geister aus der Hölle sich benehmen, wenn sie in der geistigen Welt sind, sehe man Nr. 5852, gesagt wurde, sie möchten doch Einen herbeibringen, der über irgend einen Engel des Himmels die Wahrheit sagte, oder sie möchten Einen im Himmel zeigen, der den HErrn nicht anerkenne, und zugleich, dass Er das Leben Aller sei, und sie all das Ihrige von Ihm haben; sie schwiegen aber, weil sie das nicht konnten. Einige aus den bösen Geistern, welche glaubten, dass es auch Himmel gebe, wo der HErr nicht anerkannt werde, schweiften herum und suchten darnach, aber nach vergeblichen Versuchen kamen sie wieder zurück. Ferner wurde ihnen gesagt, dass Alle in der Hölle (feindlich) gegen den HErrn denken, und Ihm nichts zuschreiben, was über das Menschliche (hinausgeht); und dass dennoch die meisten sagen, sie erkennen ein höheres Wesen an, worunter sie den Vater verstehen, und dessen ungeachtet in Haß und Rachsucht leben, und sich beständig über die Andern erheben, und als Götter geehrt werden wollen, und sich so eine Hölle bereiten. Ganz anders verhält es sich bei denen, welche den HErrn anerkennen und von Herzen an Ihn glauben. Daraus erhellt auch, dass der HErr in Alle einfließt, sowohl auf allgemeine Weise durch den Himmel, als auch in besonderer und zugleich allumfassender Weise aus Sich; und dass Er da ist, wo das Gute der Liebtätigkeit waltet; wo aber das Gegenteil stattfindet, da ist Er zwar auch, aber nur so, dass Er ihnen Leben gibt, und sie so weit als möglich vom Bösen hinwegleitet.

100. So oft ich das Gebet des HErrn las, fühlte ich deutlich eine Erhebung gegen den HErrn hin, gleichsam eine Anziehung, und dann waren meine Vorstellungen (wie) geöffnet, und es fand mit irgend einigen Gesellschaften im Himmel eine Mitteilung statt; ich nahm auch wahr, dass ein Einfluß vom HErrn in das Einzelne der Rede stattfand, somit in die einzelnen Vorstellungen meines Denkens, welche vom Sinn der in der Rede vorkommenden Gegenstände herrührte; der Einfluß geschah mit unaussprechlicher Mannigfaltigkeit; nämlich nicht ein Mal ebenso wie das andere Mal; daraus erkannte ich auch deutlich, wie Unendliches in dem Einzelnen lag, und dass der HErr in jedem Einzelnen gegenwärtig war.

101. Während vieler Jahre habe ich die Sphäre des allgemeinen Einflusses rings um mich her beobachtet: sie bestand einerseits von der Hölle her aus dem beständigen Antrieb, Böses zu tun, andererseits aus dem beständigen Antrieb, Gutes zu tun vom Herrn her; durch diese sich widerstrebenden Antriebe wurde ich fortwährend im Gleichgewicht erhalten. Solche Antriebe und das daher entstehende Gleichgewicht sind bei einem Jeden, und dadurch haben sie die Freiheit, sich hinzuwenden, wohin es ihnen beliebt; aber das Gleichgewicht verändert sich, je nachdem das Böse oder da Gute bei dem Menschen vorherrscht. Hieraus konnte ich erkennen, dass der Herr auf allumfassende Weise einfließt, und zugleich auch in besonderer Weise; auch wurde ich belehrt, dass der widerstrebende Antrieb von der Hölle her nichts anderes sei, als die Verkehrung des vom Herrn ausgehenden Guten ins Böse.

102. Wenn ein Engel Jemandem etwas Gutes erzeigt, so teilt er ihm auch sein eigenes Gutes, sein Glück und seine Seligkeit mit, und zwar mit dem Verlangen, dem Anderen alles zu geben und nichts zurückzubehalten; wenn er in solcher Mitteilung ist, dann fließt das Gute mit seiner Wonne und Seligkeit ihm weit mehr zu, als er gibt, und zwar in fortwährender Zunahme. Aber sobald ihm der Gedanke kommt, er wolle das Seinige zu dem Zwecke mitteilen, damit er diesen Einfluß der Wonne und Seligkeit in sich erlange, so verliert sich der Einfluß, und mehr noch, wenn irgend ein Gedanke an Belohnung von dem, dem er sein Gutes mitteilt, in ihm auftaucht; dies wurde mir aus vielfacher Erfahrung zu wissen gegeben. Hieraus kann man auch erkennen, dass der Herr im Einzelnen waltet, denn der Herr ist von der Art, dass Er Sich Allen mitteilen will, daher vermehrt sich die Wonne und Seligkeit bei denen, welche Abbilder und Ähnlichkeiten von Ihm sind.

103. Die nicht sehr redlichen Geister, welche eine zeitlang bei mir waren, erregten fortwährend aus der Sinnestäuschung Zweifel gegen die Ansicht, dass alles aus einer Quelle, und somit vom Herrn einfließen kann; es wurde ihnen jedoch gesagt, dass man nicht so viele Zweifel in kurzer Zeit entfernen könne wegen der Sinnestäuschungen, welche man zuerst beseitigen müsse, und wegen der unzähligen, noch unbekannten Dinge, welche man zuerst wissen müsse; ja, dass bei denen, welche in der Verneinung sind, d.h. bei denen (der Geist) der Verneinung vorherrschend ist, die Zweifel gar nicht entfernt werden können, denn bei ihnen gilt ein kleines Bedenken mehr, als tausend Bestätigungen; denn ein leiser Skrupel ist bei ihnen, wie ein Sandkorn, welches nahe vor der Pupille ihres Auges liegt, und obwohl es nur ein einziges kleines ist, dennoch ihre ganze Sehkraft hemmt. Diejenigen aber, welche in der Bejahung sind, d.h. bei denen die Bejahung vorherrscht, verwerfen diese aus der Sinnestäuschung hervorgehenden Zweifel gegen die Wahrheiten, und wenn sie irgend etwas nicht begreifen können, stellen sie es auf die Seite und sagen, dass sie es noch nicht verstehen, bleiben aber dennoch im Glauben an die Wahrheit. Jene Geister aber achteten wenig darauf, weil sie in der Verneinung waren.

104. Weil hier vom Einfluß des Herrn (die Rede ist), welcher mittelbar durch den Himmel und unmittelbar aus Ihm Selbst wirkt, und derselbe passender Vorsehung genannt wird (denn der Herr fließt nicht nur in das Wollen und Denken des Menschen ein, sondern auch zugleich in Vieles, was ihm begegnet), deshalb möge in dem nun Folgenden der Ausdruck „Vorsehung“ dafür eintreten.

105. Die Geister, welche in das andere Leben kommen, bringen die Meinung mit, dass die göttliche Vorsehung im Allgemeinen sei, aber nicht im Besonderen und Einzelnen; die Veranlassung zu dieser Meinung war, weil sie sehen, dass die Bösen zu Ehrenstellen erhoben und reich werden und ihre Unternehmungen gelingen, was sie ihrer eigenen Klugheit zuschreiben; sie wussten aber nicht, dass die göttliche Vorsehung das ewige Heil des Menschen zum Zwecke hat, also nicht sein Glück in dieser Welt, nämlich Wohlstand und hohe Stellung, in welche Dinge die meisten, während sie im Körper leben, das wahre Glück setzen, während es doch nicht so ist; denn eine hohe Stellung erzeugt meistens Selbstliebe, und Reichtum Liebe zur Welt, somit das, was der Liebe zum Herrn und der Liebtätigkeit gegen den Nächsten entgegengesetzt ist; deswegen werden solche Güter den Bösen verliehen, aber auch den Guten, wenn sie ihnen nicht Nachteil bringen und vom Himmel ableiten; und außerdem vollführt der Herr seine Zwecke ebenso wohl durch die Bösen als durch die Guten, denn der Herr treibt die Bösen durch ihre eigenen Triebe an, dem Nächsten, dem Vaterland und der Kirche Gutes zu tun; denn die Bösen wollen emporsteigen, sich Gewinn verschaffen, und deshalb als Redliche und Fromme gelten, und durch diese Begierde werden sie wie durch ein (inneres) Feuer stärker angereizt, Gutes zu tun, als die Redlichen. Den Bösen wird auch zugelassen zu glauben, dass Alles Folge ihrer eigenen Klugheit sei, und dass es keine göttliche Vorsehung gebe, oder nur im Allgemeinen walte, weil sie es nicht anders auffassen wollen; und damit sie solches ausführen, was dem Staate heilsam ist, wird ihnen auch nach ihren Gedanken guter Erfolg gegeben; weil sie denselben sich selbst zuschreiben, werden sie dadurch noch eifriger.

106. Ich habe mit den Geistern über die allumfassende Regierung des Herrn geredet, dass nämlich das Allgemeine gar nicht möglich ohne das Einzelne, und dass sonst das Allgemeine gar nichts wäre; denn es heißt allgemein, weil das Einzelne in seiner Gesamtheit so genannt wird, sowie auch die besonderen Dinge zusammengenommen das Allgemeine heißen; deshalb ist es richtig, von einer Vorsehung im Allgemeinen zu reden, welche nicht auch im Besonderen sei. Wenn Jemand unter Vorsehung im Allgemeinen die Erhaltung des Ganzen versteht, nämlich in der Ordnung, welche der ganzen Natur im Anfang der Schöpfung eingeprägt wurde, so bedenkt er nicht, dass nichts bestehen kann, wenn es nicht fortwährend entsteht, denn (was auch in der Gelehrtenwelt bekannt ist), das Bestehen ist ein fortwährendes Entstehen, somit ist die Erhaltung eine fortwährende Schöpfung, folglich muß die Vorsehung fortwährend im Einzelnen sein. Einige begründen sich zwar in der Meinung, dass es ein Allgemeines gebe ohne ein Besonderes, durch den Gedanken an den König, welcher im Allgemeinen regiert, aber nicht im Besonderen, sie bedenken aber nicht, dass das Königliche (d.h. die Macht zu regieren) nicht nur beim König ist, sondern auch bei seinen Dienern, welche an seiner Statt die Verwaltung über das führen, was er selbst weder verwalten will noch kann; somit ist das Allgemeine, was Sache des Königs ist, auch in dem Einzelnen. Dessen bedarf es aber nicht bei dem Herrn, denn alles, was in Ihm ist, ist Unendliches, weil Göttliches; die Engel sind nur deshalb Seine Diener, damit sie in einem tätigen Leben stehen, und darinnen ihre Glückseligkeit finden; dennoch aber sind die Dienste, welche sie leisten, nicht aus ihnen, sondern aus dem Einfluß des Herrn, was auch die Engel einmütig bekennen.

107. Aus dem eben Gesagten kann man auch erkennen, dass das Allgemeine sich ganz so verhält wie das Einzelne; je weniger Einzelnes da ist, desto niedriger steht das Allgemeine; wenn es aber mehr Einzelnes in sich schließt, wird das Allgemeine erhabener, denn das Besondere macht, dass es allgemein ist, und auch so genannt wird. Hieraus kann man erkennen, wie beschaffen das allgemeine Göttliche ist, denn es ist das über alles Erhabenste, weil es das Göttliche und Unendliche ist.

108. Es war ein Gewisser zugegen, der sich in der Meinung bestärkt hatte, dass nichts von der göttlichen Vorsehung ausgehe, sondern alles im Ganzen und Einzelnen von der Klugheit (abhänge), wie auch vom Glück und vom Zufall; Glück sagte er, wusste aber nicht, was es sei; derselbe gehörte zu bösen und schlauen Geistern, weil er sich mehr mit Denken als mit Reden und Unterhaltung beschäftigt hatte. Als er ins andere Leben kam, setzte er sein früheres Leben fort, wie alle zu tun pflegen; er untersuchte alles, und nahm daraus, was ihm seiner Meinung nach dienlich war, und wodurch er glaubte , aus sich glücklich zu werden, auch magische Künste (erwarb er sich). Ich redete mit ihm, und er sagte, er sei in seinem Himmel, wenn er es so mache, und es gebe keinen anderen Himmel, als den, welchen er sich selbst mache; aber ich durfte ihm antworten, dass sein Himmel sich in eine Hölle verwandeln werde, sobald der eigentliche Himmel in demselben einfließe. Er befand sich damals in der geistigen Welt, und hier sind die Geister in denselben Lustreizen ihrer Liebe, wie früher, als sie in der Welt waren (Nr. 7); jetzt aber geschah es, dass der Himmel in seinen Lustreiz einfloß, und nun fühlte er plötzlich die Hölle und sagte mit Entsetzen, so etwas hätte er niemals geglaubt. Es wurde mir von guten Geistern gesagt, dass er schlimmer als die übrigen sei, weil von ihm ein feinerer Einfluß ausgehe, als von den andern. Nachher wurde derselbe in den Zustand seiner Kindheit versetzt, und vom Herrn den Engeln gezeigt, wie er damals gewesen, und auch wie sein zukünftiges Leben beschaffen war, welches vorhergesehen worden war, und dass das Einzelne seines Lebens vom Herrn geleitet wurde, indem er sich sonst in die schrecklichste Hölle gestürzt haben würde, wenn die beständige Vorsehung des Herrn nur im Geringsten aufgehört hätte; dies kann den Engeln deutlich zur Anschauung gebracht werden. Als man ihn fragte, ob er jemals an das ewige Leben gedacht habe, sagte er: er habe nicht daran geglaubt, und alles dergleichen verworfen, aus der Ursache, weil er so viele Verwirrung gesehen, und dass der Gerechte leide, und der Gottlose sich rühme und dergleichen mehr; ferner, weil er gesehen habe, dass die unvernünftigen Tiere gleiche Sinne hätten (wie der Mensch), und das gleiche Leben, wie auch Wahrnehmungsvermögen und Klugheit, darum hätte er geglaubt, dass er sterben werde wie sie; und dass er in das größte Erstaunen geraten sei, als er bemerkt habe, dass er nach dem Tode fortlebe.

109. Ich sprach mit guten Geistern über die göttliche Vorsehung und über die eigene Klugheit des Menschen, und sie erläuterten diese Sache vermittelst einer bei ihnen gewöhnlichen Vorbildung, mittelst eines dünnen, sich zerteilenden Dunstes in der Atmosphäre, indem sie sagten, die eigene Klugheit verhalte sich zur göttlichen Vorsehung wie zur ganzen Atmosphäre dieser Dunst, welcher im Vergleich damit nichts war und sich auch zerteilte; sie fügten hinzu, dass die, welche in dunklen Wäldern umherirren, und keinen Ausgang kennen, und wenn sie ihn finden, es entweder ihrer Klugheit oder dem Glück zuschreiben. Ferner sagten sie, alle zufälligen Ereignisse seien von der Vorsehung abhängig, und dass die Vorsehung leise und im Verborgenen wirke aus vielfachen Gründen; wenn sie offen und sichtbar wirkte, so würde der Mensch niemals gebessert werden können.

110. Ich hörte auch Engel unter sich über die Vorsehung des Herrn reden; ich verstand zwar, was sie redeten, es kann jedoch nur Weniges davon beschrieben werden, weil ihre Rede beständig mit himmlischen Vorstellungen verknüpft ist, welche nur einem kleinen Teile nach ausgedrückt werden können. Sie redeten mit Weisheit, indem sie sagten, die göttliche Vorsehung sei im Allereinzelnsten, doch nicht nach einer solchen Ordnung, wie der Mensch es sich vorstellt, weil das Zukünftige nicht nur vorausgesehen, sondern auch vorgesehen (d.h. vorbereitet) wird; es verhalte sich damit, wie wenn jemand, der einen Palast erbaut, zuerst Baumaterial aller Art sammelt und auf einen Haufen wirft, wo es ohne alle Ordnung liegt, während nur der Baumeister in seinem Verstande erkennt, was für ein Palast daraus hervorgehen werde.

111. Als ich mit den Engeln über die göttliche Vorsehung des Herrn redete, waren auch Geister hinzugetreten, welche sich etwas vom Fatum oder von der unbedingten (absoluten) Notwendigkeit eingeprägt hatten; sie meinten, der Herr wirke aus ihr heraus, weil Er nicht anders könne, also nach dem, was der vollkommensten Ordnung gemäß sei; es wurde ihnen aber gezeigt, dass der Mensch freien Willen habe, und deshalb könne er nicht aus Notwendigkeit handeln; dies wurde erläutert durch das Beispiel von Häusern, die gebaut werden sollten; man schaffe Ziegelsteine, Ton, Sand, Steine herbei, welche zu den Postamenten und zu den Säulen dienen, ferner Bretter und Balken und dergl. mehr, aber nicht in der Ordnung, in welcher das Haus erbaut werden müsse, sondern nach freiem Belieben, und nur der Herr (des Baues) allein wisse, was für ein Haus daraus erbaut werden könne; so sei alles, was vom Herrn komme, im höchsten Grad wesentlich, es folge aber nicht aus Notwendigkeit in seiner Ordnung, sondern so, wie es der Freiheit des Menschen angemessen sei.

112. Es war auch die Rede von der Prädestination (oder Vorherbestimmung), und viele von den Geistern waren, vermöge ihrer Grundsätze in der Welt, der Meinung, dass einige für den Himmel vorherbestimmt seien und andere für die Hölle; aber ich hörte aus dem Himmel die Antwort, dass durchaus niemand zur Hölle, sondern alle zum ewigen Leben bestimmt seien.

113. Mit der Vorsehung des Herrn verhält es sich so, dass sie mit dem Voraussehen verbunden, und die eine ohne das andere nicht möglich ist; das Böse wird nämlich vorausgesehen, aber das Gute wird vorgesehen; und das Böse, welches vorausgesehen wird, wird durch die vorsorgliche Anordnung (und Fügung) des Herrn beständig zum Guten hingewendet, denn die göttliche Endabsicht herrscht allumfassend zum Guten; daher wird auch nichts zugelassen außer zu dem Zweck, dass etwas Gutes daraus hervorgehe, weil aber der Mensch freien Willen hat, damit er gebessert (oder umgebildet) werden könne, so wird er (immer) vom Bösen zum Guten hingeleitet, soweit er sich in der Freiheit lenken lässt und fortwährend von der schrecklichsten Hölle, in welche er sich mit aller Macht zu stürzen strebt, zu einer milderen (hingelenkt), wenn er nicht zum Himmel geleitet werden kann.

114. Wäre die Vorsehung des Herrn nicht im Allereinstelnsten, so könnte der Mensch durchaus nicht selig werden, ja nicht einmal leben; denn das Leben ist vom Herrn, und alle Momente des Lebens haben eine Reihe von Folgen für die Ewigkeit. Einstmals wurde mir auch die Sphäre der Zwecke, welche von der Vorsehung des Herrn ausgeht, deutlich zu erkennen gegeben.

115. Die Vorsehung des Herrn ist unendlich und hat immer das Ewige als Zweck im Auge; dies kann man aus der Bildung des Embryo im Mutterleib ersehen, wo fortwährend die Anfänge (oder Grundzüge) für das Zukünftige gebildet werden, so dass eins immer die Grundlage für das andere bildet, und zwar ohne alle Abirrung, bis der Embryo vollendet ist, wird allmählich das eine zum anderen und für das andere bereitet, damit ein vollkommener Mensch entstehe, und schließlich von solcher Beschaffenheit, dass er den Himmel (in sich) aufnehmen kann; wenn schon so für das Einzelne vorgesorgt wird, wenn der Mensch empfangen und geboren wird und heranreift, was wird erst in Beziehung auf sein geistiges Leben geschehen?

116. Im Traum erschien mir (einst) mein Vater; ich redete mit ihm und sagte, der Sohn dürfe seinen Vater nicht so wie früher als Vater anerkennen, nachdem er sein eigener Herr geworden sei; als solcher müsse er anerkannt werden während der Erziehung, weil er dann die Stelle des Herrn vertrete, und der Sohn nur durch die Anleitung des Vaters wisse, was er zu tun habe; wenn er aber sein eigener Herr sei und selbständig denken könne, und seiner Meinung nach sich selbst zu leiten wisse, dass dann der Herr der Vater sei, dessen Stelle früher der natürliche Vater vertreten habe. Dieses redete ich im Traume, als ich aber erwachte, schien mir ein langes an Stäben befestigtes Paket (volumen) aus dem Himmel herabzukommen, welches durch sehr schöne Bänder von hellblauer Farbe zusammengebunden war; ihre Schönheit war unbeschreiblich; es wurde gesagt, dass die Engel sich untereinander solche Geschenke geben.

117. Oft sprach ich mit den Geistern über das Glück, welches in der Welt als Zufall erscheint, weil man nicht weiß, woher es kommt; und weil man es nicht weiß, so leugnen Einige, dass es einen solchen gebe. Da mir nun etwas begegnete, was als Zufall erschien, wurde von den Engeln gesagt, solches geschehe, weil derartige Geister zugegen seien, und wenn ein böser Zufall eintrete, (so komme es daher), dass die Sphäre solcher Geister vorwalte. Die bösen Geister haben auch durch ihre Künste erfunden, eine Sphäre hervorzubringen, aus welcher Unglücksfälle entstanden, welche als ganz zufällig erschienen. Ferner wurde gesagt, dass alles, ja auch das Allergeringste, sogar bis auf die Schritte, von der Vorsehung des Herrn geleitet werde, wenn aber solches obwaltet, was dem entgegensteht, so treten Unglücksfälle ein; es wurde auch von ihnen bestätigt, dass es keinen Zufall gebe, und dass das anscheinend Zufällige oder das Glück die Vorsehung im Letzten der Ordnung sei, in welchem sich alles bzw. unbeständig (und schwankend) verhalte.

118. Während mehrerer Jahre habe ich sorgfältig beobachtet, ob das Glück etwas (Wirkliches) sei, und die Erfahrung gemacht, dass es etwas sei, und dass die Klugheit nichts dabei tue; das wissen und bekennen auch alle, welche länger darüber nachgedacht haben, aber sie wissen nicht, woher es kommt; dass es aus der geistigen Welt ist, weiß kaum jemand, während es doch wirklich daher stammt. Einst, als ich mich bei der Unterhaltung des bakannten Würfelspiels bediente, redeten die Geister, welche bei mir waren, mit mir über das Glück im Spiele und sagten, das Glückliche werde ihnen durch eine helle Wolke vorgebildet, und das Unglückliche durch eine düstere Wolke; und da bei mir eine düstere Wolke erschien, (so sagten sie), ich könne nicht gewinnen; aus diesem Anzeichen sagten sie mir auch die Glückswechsel in diesem Spiele voraus; dadurch wurde mir zu wissen gegeben, dass das, was man dem Glücke zuschreibt, auch bei den Spielen, aus der geistigen Welt herrührt; und mehr noch das, was den Menschen in Bezug auf Wechselfälle im Verlauf des Lebens begegnet; und dass das, was man Glück nennt, aus dem Einfluß der Vorsehung im Letzten der Ordnung stamme, wo es somit hervortritt; dass also die Vorsehung im Allereinzelnsten ist, gemäß den Worten des Herrn, dass nicht einmal ein Haar vom Haupte falle ohne den Willen Gottes.

119. Aus dem, was bisher beigebracht wurde, kann man erkennen, dass es einen unmittelbaren Einfluß vom Herrn gibt, und auch einen mittelbaren durch den Himmel; aber der Einfluß, welcher vom Herrn ausgeht, ist das Gute der himmlischen Liebe, somit der Liebe gegen den Nächsten; in dieser Liebe ist der Herr gegenwärtig, denn Er liebt das gesamte menschliche Geschlecht, und will alle selig machen auf ewig; und weil das Gute dieser Liebe von Ihm stammt, so ist Er Selber darinnen, also auch gegenwärtig bei dem Menschen, der im Guten dieser Liebe steht. Wenn sich aber der Mensch in einen solchen Zustand bringt, dass er den Einfluß von der Hölle aufnimmt, dann empfindet er das Leben der Selbstliebe und Weltliebe als Lust, und das Leben der Liebe zum Nächsten, wenn es nicht zu seinem eigenen Vorteil dient, als Unlust. Und weil der Mensch in diesem Zustand nichts als Böses begehrt und nichts als Falsches denkt über das geistige Leben, deshalb wird er, damit er nicht auch ebenso handeln möge, wie er wünscht, und so reden, wie er denkt, gerade durch jene Liebe in gewissen Banden gehalten, deren Verlust er fürchtet, somit durch Furcht vor Verlust der Ehre, des Gewinnes, des guten Rufes, des Lebens, in diese Bande, welche die letzte Grundlage bilden, fließt dann der Herr ein, und durch sie regiert er ihn; daher erscheint er in der Wirklichkeit gesittet und anständig und bisweilen wie ein Engel; auch fügt er der Gesellschaft und dem Nächsten keinen Schaden zu; denn wenn er es täte, so würden ihn die bürgerlichen Gesetze bestrafen. Diese Grundlage hat jedoch keine Bedeutung im anderen Leben, denn dann ist der Mensch in der geistigen Welt und somit in der Sphäre seines Innneren, dort nämlich ist er so, wie er inwendig beschaffen war, nicht so, wie er im Äußern erschien; denn das Äußere wird ihm weggenommen, und nach Wegnahme desselben zeigt sich deutlich, was für ein Teufel oder was für ein Engel er in der Welt gewesen war.

120. Es ist bekannt, dass ein Mensch mehr als der andere befähigt ist, zu verstehen und inne zu werden, was ehrenhaft ist im moralischen Leben, was gerecht im bürgerlichen Leben, und was gut im geistigen Leben; der Grund davon liegt in der Erhebung des Denkens zu dem, was dem Himmel angehört; von solchem wird aber das Denken durch die äußern Sinneswahrnehmungen abgelenkt; denn diejenigen, welche bloß aus dem Sinnlichen denken, können keineswegs sehen, was ehrenhaft, gerecht und gut ist; deshalb verlassen sie sich auf andere, und reden viel aus ihrem Gedächtnis, und glauben daher, weiser zu sein als andere; diejenigen hingegen, welche über das Sinnliche hinaus denken können, sind, wenn ihr Gedächtniswissen geordnet ist, mehr als andere befähigt, zu verstehen und wahrzunehmen, und zwar gemäß der Stufe ihrer inneren Anschauung.

121. Wie es sich mit denen verhält, welche im Sinnlichen denken, und mit denen, welche über das Sinnliche (sich ergeben), und wie der Einfluß in jene und diese beschaffen sei, kann ich aus Erfahrung berichten. Zuvor aber muß man wissen, daß das Denken des Menschen unterschieden ist in Vorstellungen, und daß eine Vorstellung der anderen folgt, wie ein Wort dem andern in der Rede; aber die Vorstellungen des Denkens folgen mit solcher Schnelligkeit aufeinander, daß dem Menschen, während er im Körper ist, das Denken als ein stetig fortdauerndes und daher ohne Unterschied erscheint, im anderen Leben aber zeigt es sich deutlich, daß das Denken sich in Vorstellungen unterscheidet; denn dann bildet sich die Rede vermittelst der Vorstellungen (Himml.Geh. Nr. 2470, 2478, 2479), Wie es sich mit dem Denken und dessen Vorstellungen verhält, soll nun gesagt werden, daß nämlich das Denken sich ringsumher in die Geister- und Engelgesellschaften verbreite, und daß die Fähigkeit des Verstehens und Wahrnehmens sich nach der Ausdehnung daselbst richtet, d.h. nach dem Einfließen von dort her; und daß ferner in einer einzigen Vorstellung des Denkens Unzähliges enthalten ist, und mehr noch in einem Gedanken, welcher aus Vorstellungen zusammengesetzt ist.

122. Es wurde mir deutlich gezeigt, daß das Denken des Menschen und auch der Geister, wie auch der Engel, sich in mehrere Gesellschaften in der geistigen Welt verbreitet, aber das Denken des einen in anderer Weise als das des anderen; damit ich dieses gewiß erkennen möchte, wurde mir gegeben, mit einigen Gesellschaften zu reden, zu denen mein Denken hindurchgedrungen war, und daraus wurde mir zu wissen gegeben, was in mein Denken einfloß, aus welcher Gesellschaft es stammte, dann auch, wo diese sei, und wie beschaffen, sodaß ich mich nicht täuschen konnte. Je nach der Ausdehnung der Gedanken und Neigungen in die Gesellschaften bildet sich die Fähigkeit zu verstehen und inne zu werden bei den Menschen, dem Geiste und dem Engel. Wer im Guten der Liebtätgkeit und des Glaubens ist, der hat eine Ausbreitung in Gesellschaften des Himmels, und die Größe derselben richtet sich nach dem Grade, in welchem er in jenen und im echten Guten ist; denn diese stimmen mit dem Himmel überein, weshalb sie von selbst und weithin dort einfließen; es sind jedoch andere Gesellschaften, in welche die Neigung des Wahren, und andere, in welche  die Neigung des Guten eindringt; die Neigung des Wahren dringt zu den Gesellschaften der geistigen Engel, hingegen die Neigung des Guten zu den Gesellschaften der himmlischen Engel. Umgekehrt aber hat das Denken und das Gefühl derer, die im Bösen und Falschen sind, seine Ausdehnung in höllische Gesellschaften, und zwar auch nach dem Grade des Bösen und Falschen bei ihnen. Es wird gesagt, das Denken und das Gefühl (oder die Neigungen) des Menschen, Geistes und Engels verbreite sich in Gesellschaften, und daß daraus Verständnis und Innewerden hervorgehe; man muß aber wissen, daß hierbei nach dem Anscheine gesprochen ist, denn es gibt kein Einfließen der Gedanken und Neigungen in die Gesellschaften, sondern es geht von den Gesellschaften aus, und zwar durch die Engel und Geister bei den Menschen; denn, wie am Ende der vorhergehenden Kapitel gezeigt worden, geht alles Einfließen, vom Inwendigeren aus, also bei den Guten vom Himmel, d.h. durch den Himmel vom Herrn, bei den Bösen aber stammt der Einfluß von der Hölle.

123.  Eines morgens wurde mir deutlich gezeigt, daß in jeder Vorstellung und jeder Neigung Unzähliges enthalten sei, ferner daß dieselben in die Gesellschaften eindringen. Ich wurde eine Zeit lang in einer gewissen Neigung und dem daraus hervorgehenden Denken gehalten, und dann wurde mir gezeigt, wieviele Gesellschaften dabei zusammenwirkten; es waren fünf Gesellschaften, welche sich durch lebhafte Rede deutlich kund gaben; sie sagten, was sie dachten, und auch, daß sie wahrnahmen, wie ihre Gedanken bei mir wären; außerdem wüßten sie, worauf ich nicht gemerkt hatte, die Ursachen der Dinge, welche gedacht wurden, und auch die Zwecke derselben; die übrigen Gesellschaften, deren viele waren, und zu welchen sich das Denken ausbreitete, wurden nicht so offenbar, sie waren auch weiter entfernt. Mit der Ausdehnung des Denkens von den Gegenständen aus oder von den Dingen, über welche gedacht wird, verhält es sich so wie mit den Gegenständen des Gesichtes; von diesen verbreitet sich eine Strahlensphäre in großer Entfernung, welche in das Gesicht des Menschen einfällt, und zwar in gößere und kleinere Entfernung, je nach dem Rötlichen und Flammigen im Gegenstande; denn wenn er flammig ist, erscheint er in viel größerer Entfernung, als wenn er düster und trübe ist; ebenso ist es bei dem inneren Sehen, welches dem Denken angehört, in betreff seiner Gegenstände; die Gegenstände dieses Gesichtes sind nicht materiell wie in der Welt, sondern geistig, und daher verbreiten sie sich gegen solche Dinge hin, welche in der geistigen Welt sind, also zu dem Wahren und Guten daselbst, und somit zu den Gesellschaften, welche in diesen sind; und wie das Flammige in der Welt sich am weitesten ringsum verbreitet, so das Gute und dessen Neigung in der geistigen Welt, denn die Neigung des Guten entspricht der Flamme. Hieraus kann man ersehen, daß die Beschaffenheit des Lebens eines Menschen völlig im Verhältnis steht zu den Gesellschaften, in welche sein Denken und seine Neigung sich ausbreitet, wie auch zu der Beschaffenheit und dem Maße der Ausbreitung.

124.  Daß die Sphären der Gedanken und der Neigungen sich ringsumher in die Sphären der Gesellschaften ausbreiten, welche entfernt von ihnen sind, konnte ich auch aus folgendem Umstand erkennen: Wenn ich aus Neigung über solche Dinge nachdachte, welche eine Gesellschaft aus der Ferne anregte, so redeten sie mit mir über dieselbe Sache, indem sie sagten, was sie davon meinten; dies geschah einige Male;  eine Gesellschaft war zur Rechten, in ziemlich großer Entfernung, auf der Fläche eines Teiles der unteren Brusthöhle; und eine andere war auch zur Rechten, aber näher, und hatte ihren Sitz an den Knien. Daß man eine Entfernung bemerkt, kommt von dem Zustand der Neigung des Wahren und Guten; inwieweit der Zustand der einen Gesellschaft von dem Zustand der anderen verschieden ist, soweit erscheinen die Gesellschaften voneinander entfernt..

125.  Man muß aber wissen, daß die Gedanken und Neigungen, welche in die Gesellschaft eindringen, nicht daselbst auf besondere Weise die Vereine bewegen, zu denken und zu wollen, wie der Mensch, der Geist oder der Engel, von dem die Gedanken und Neigungen ausgehen, sondern sie gehen in die allgemeine Sphäre ihrer Neigung und des daraus hervorgehenden Denkens ein; daher wissen jene Gesellschaften nicht davon; denn die geistige Sphäre, in der alle Gesellschaften sind, ist verschieden bei einer jeden; wenn in diese Sphäre die Gedanken und Neigungen eindringen, so werden die Gesellschaften nicht (besonders) angeregt; alle Gedanken und Neigungen dringen in die Sphären der Gesellschaften (Vereine) ein, mit denen sie übereinstimmen; daher kommt es, daß die Ausdehnungen nach allen Richtungen hin möglich sind in voller Freiheit, wie die Ausdehnung der Strahlen von den Gegenständen in der Welt, welche ungehindert von allen Seiten zur Sehe eines jeden dringen, der in ihrem Bereich steht, aber mit Verschiedenheit, je nach der Klarheit oder Stumpfheit des Gesichtes, und auch je nach der hinteren oder dunklen Atmosphäre; der heiteren Atmosphäre entspricht in der geistigen Welt die Neigung, das Wahre und Gute zu erkennen.

126. Es erschien mir einige Male ein Engel, und auch sein Angesicht ganz deutlich; es veränderte sich beständig nach den Neigungen, wie dieselben abwechselnd bei ihm der Ordnung nach folgten, also von einer Grenze zur anderen; dennoch blieb die allgemein herrschende Meinung , aus der man erkennen konnte, daß es derselbe Engel war; ich wurde auch belehrt, daß die Bewegungen seines Gesichtes aus den Gesellschaften kamen, mit denen er in Verbindung stand, und daß sie hervortraten je nach den Veränderungen des näheren Verkehrs mit der einen als mit der anderen; und so geschah es in bestimmter Reihenfolge; denn die Ausbreitung der Neigungen und Gedanken hat ihre Grenzen und entschwindet in den entferntesten Gesellschaften, wie ein Blick ins Allgemeine; innerhalb der Begrenzungen dieser allgemeinen Sphäre können die Gedanken und Neigungen wechseln, und bald der einen Gesellschaft, bald der anderen näher sein; wenn sie inmitten der einen sind, dann sind die übrigen Gesellschaften in den Umkreisen derselben: und so ferner mit aller Verschiedenheit innerhalb dieser Grenzen.

127. Es ist bemerkenswert, daß so wie der ganze Himmel einen Menschen darstellt, der deshalb der größte Mensch heißt, ebenso jede Gesellschaft einen Menschen darstellt; denn das Bild des ganzen Himmels fließt in die Gesellschaften ein, und macht, daß sie ähnlich sind; und zwar nicht nur in Gesellschaften, sondern auch in die Einzelnen in der Gesellschaft, daher bei jedem Einzelnen die menschliche Gestalt, denn ein jeder in einer Engelsgesellschaft ist ein Himmel in kleinster Form; die Verschiedenheiten ihrer menschlichen Form verhalten sich je nach der Verschiedenheit des Guten und Wahren bei ihnen. Daher kommt es, daß jeder Geist und Engel in seiner Form völlig nach der Mitteilung seiner Gedanken und Neigungen mit den Gesellschaften erscheint; je nachdem sie daher im Guten und Wahren sind, so erscheint er in einer schöneren menschlichen Form; wenn sich aber die Mitteilung der Gedanken und Neigungen in die Gesellschaften nicht nach der himmlischen Ordnung verbreitet, dann ist seine Form in demselben unschön. Wenn aber eine Mitteilung mit höllischen Vereinen stattfindet, dann ist die Form mißgestaltet und teuflisch; und die, welche ganz im Gegensatze mit dem Guten und Wahren stehen, weil im Gegensatz mit der Form des Himmels, welches die menschliche ist, dann erscheinen sie im Lichte des Himmels nicht wie Menschen, sondern wie Ungeheuer; so die ganze Hölle, so die Gesellschaften darin, und so die Einzelnen in denselben; aber auch mit Verschiedenheit je nach dem Grade des Gegensatzes ihres Bösen mit dem Guten, und ihres Falschen mit dem Wahren.

128. Wenn ich mit Engel-Geistern redete, so bemerkte ich, daß die Neigungen und Gedanken wie eine Strömung ringsum erschienen, und daß der Gegensatz des Gedankens in der Mitte von dieser Strömung umgeben war, und von hier sich nach jeder Richtung ausbreitete. Hieraus ging auch deutlich hervor, daß die Gedanken und Neigungen sich von allen Seiten zu den Gesellschaften hin ausbreiten.

129. Es wurde mir auch gezeigt, daß die Gedanken mit den Neigungen, wenn sie sich ausbreiten, fast nach der Form der Windungen der aschgrauen Substanz im menschlichen Gehirn umherfließen; diese kreisförmigen Bewegungen wurden mir längere Zeit gezeigt; es waren Umkreisungen, Einbiegungen, Windungen und Wallungen, wie sie bei den genannten Substanzen in dem Gehirne vorhanden sind. Aber die Formen des Himmels sind noch wunderbarer, und so, daß sie nicht einmal von den Engeln verstanden werden können; in solcher Form sind die Engelgesellschaften in den Himmeln, und in solche Form fließen die Gedanken der Engel ein: und fast im Augenblick in weiter Entfernung, weil einer unendlich vollkommenen Form.

130. Das Licht des Verstandes wurde mir gegeben, genommen, vermindert und gemäßigt beim Denken, Reden und Schreiben, und zwar häufig, und es wurde mir gegeben, die Veränderungen und Unterschiede inne zu werden. Das Licht selbst wurde wahrgenommen wie eine Erleuchtung, welche die Substanzen des inneren Gesichts erhellte, wie das Sonnenlicht die Organe des Gesichtes; diese allgemeine Erleuchtung machte, daß die einzelnen Gegenstände erscheinen wie die Gegenstände der Erde dem erleuchteten Auge; und ich wurde belehrt, daß diese Veränderungen gemäß dem Verkehr mit den himmlischen Gesellschaften eintraten.

131. Die Gedanken und Reden der Gesellschaften, innerhalb welcher mein Denken war, wurden mir einigemale vorgebildet durch Wolken in Himmelblau, welche auf- und niederstiegen; aus den Formen, Farben, der Feinheit und Dichtigkeit der Wolken wurde mir zu erkennen gegeben, was einfloß; die Wahrheiten wurden durch eine himmelblaue Farbe vorgebildet, untermischt mit einem schönen hellen Glanz; dieser Glanz ist unbeschreiblich; die Scheinbarkeiten des Wahren wurden durch einen dunklen Glanz vorgebildet, und das Falsche durch schwarze Wolken; auch hieraus konnte man den Einfluß der Gedanken und Neigungen erkennen.

132. Solange der Mensch lebt, verändern sich die Vorstellungen seines Denkens, sie werden nämlich teils vermehrt, teils geteilt, und so zu verschiedenen und neuen Gesellschaften (gleichsam) ausgedehnt; bei denen, welche im Bösen sind, zu höllischen Gesellschaften, ebenso bei denen, welche in Beredungen des Falschen; bei denen hingegen, welche in den Beredungen des Wahren, d.h. welche in einem Beredungsglauben sind, werden die Vorstellungen sehr beschränkt. Dagegen bei denen, welche wiedergeboren werden, verbreiten sich die Gedanken und Neigungen beständig in neue himmlische Gesellschaften, und die Ausdehnung nimmt zu; auch werden die früheren Gedanken und Neigungen geteilt, und die geteilten mit den Vorstellungen vereinigt, welche wiederum mit neuen Gesellschaften in Verbindung stehen; hauptsächlich wird das Allgemeine mit Besonderem erfüllt, und dieses mit Einzelnem, also mit neuen Wahrheiten, durch welche die Erleuchtung zunimmt.

133. Ich sprach mit Geistern über die Veränderungen des Zustandes im menschlichen Leben, nämlich daß es unbeständig sei, und daß es aufwärts und abwärts steige gegen den Himmel und gegen die Hölle; daß aber diejenigen, welche sich wiedergebären lassen, immer aufwärts, und dadurch in immer innerlichere himmlische Gesellschaften gebracht werden. Die Ausdehnung der Sphäre bis zu diesen Gesellschaften wird vom Herrn denen gegeben, welche wiedergeboren werden, besonders durch Versuchungen, in denen dem Bösen und Falschen widerstanden wird; denn dann kämpft der Herr durch die Engel gegen das Böse und Falsche, und dadurch wird der Mensch in die mehr innerlichen Gesellschaften der Engel eingeführt; und wenn er einmal in diese eingeführt worden ist, dann bleibt er darin; und dadurch empfängt er auch eine ausgedehntere und höhere Fähigkeit des Innewerdens.

134. Hieraus geht auch deutlich hervor, daß der Mensch, je äußerlicher er denkt, eine desto geringere Ausdehnung er hat, und eine desto größere, je innerlicher er denkt; denn die, welche mehr äußerlich denken, d.h. aus dem Sinnlichen, haben nur mit gröberen Geistern Gemeinschaft, die aber, welche innerlicher, d.h. aus dem Vernünftigen denken, haben Verkehr mit den Engeln; wie dieser Unterschied beschaffen sei, kann man aus der Dichtheit der Sphären, in welchen die sinnlichen Geister sind, und aus der Reinheit der Sphären, in welchen die himmlischen Engel sind, erkennen; es verhält sich der Unterschied wie der Unterschied zwischen der Ausdehnung des Schalles und der Ausdehnung des Lichtes; wie groß aber dieser ist, wissen die in der Naturkunde Erfahrenen.

135. Daß in einer Denkvorstellung Unzähliges enthalten sei, und mehr noch in Einem aus Vorstellungen zusammengesetzten Gedanken, wurde mir aus vieler Erfahrung zu wissen gegeben, welche ich hier zum Teil berichten darf.

136. Durch lebendige Erfahrung wurde mir gezeigt, wie die Vorstellungen der Engel in die Vorstellungen der Geister einfliessen, welche unterhalb, und daher in gröberen Vorstellungen sind; die Menge der Vorstellungen aus dem Engel-Himmel wurde anschaulich dargestellt wie eine helle, in kleine Teilchen unterschiedliche Wolke; ein jedes Teilchen, welches wieder aus Unzähligem bestand, brachte eine einfache Vorstellung bei den Geistern hervor; und nachher wurde gezeigt, daß Tausend und aber Tausend (Vorstellungen) darinnen enthalten seien, welche auch in der Geistersprache durch eine Wolke vorgebildet wurden. Dann redete ich darüber mit den Geistern, daß nämlich dieses durch Gegenstände des Gesichtes erläutert werden könne; wenn ein Gegenstand, welcher einfach erscheint, mit dem Augenglas betrachtet wird, dann werden tausend Dinge gesehen, welche vorher nicht sichtbar waren; wenn z.B. kleine Würmer, welche wie ein dunkler Gegenstand erscheinen, durch das Mikroskop betrachtet werden, sind es nicht nur Viele, sondern Jedes in seiner Gestalt; wenn man sie mit noch schärferen Gläsern betrachtet, so sieht man Organe, Glieder, Eingeweide, und auch Gefäße und Fasern. So verhält es sich auch mit den Vorstellungen des Denkens, in einer jeden liegen Tausend und aber Tausend, obgleich viele Vorstellungen zusammen, aus denen der Gedanke besteht, nur als eine einfache erscheinen. Gleichwohl aber ist in den Denkvorstellungen des Einen mehr enthalten als in den Vorstellungen des Andern; die darin enthaltene Menge verhält sich je nach der Ausdehnung in die Gesellschaften.

137. Wenn das Denken der Engel sich in untergeordnete Gebiete hinabsenkt, erscheint es, wie gleich oben gesagt wurde, wie eine weiße Wolke; wenn aber das Denken der Engel, welche in den oberen Himmel sind, sich herabsenkt, erscheint es wie ein flammendes Licht, aus dem ein Glanz in Schwingungen (hervorgeht); diese weißen Wolken und das flammende Licht sind nichts anderes als Unzähliges, was in ihrem Denken enthalten ist; wenn dieses in die Gedanken der Geister, welche unterhalb sind, einfließt, stellt es sich nur als Eines dar; das Licht und der Glanz fließt in ihre Gedanken ein, und das Flammende in die Neigung, welche ihrer Liebe angehört, und ihre Vorstellungen leitet und unter einander verbindet; aber das leuchtende Flammige und der vibrierende Glanz erscheint ihnen nicht; mir erschienen sie aber, damit ich erkennen möchte, daß das Obere in das Untere einfließt; und daß es Unzähliges enthält, was nur als Eines wahrgenommen wird:

138. Daß in einer Vorstellung so viele enthalten sind, konnte ich auch aus Folgendem erkennen: wenn ich Geister mit mir reden hörte, so konnte ich schon aus dem Tone ihrer Rede wahrnehmen, ob sie mit Verstellung oder aufrichtig, ob sie aus Freundlichkeit oder aus dem Guten der Liebe redeten; der Mensch kann dies aus den Gesichtszügen des Anderen ersehen, und auch gewissermaßen an seiner Rede hören; denn wenn der Mensch eine freundliche Miene vor sich sieht, und eine wohlwollende Rede hört, so kann er wahrnehmen, ob Verstellung dabei obwalte, ob Listiges, ob natürliche oder zufällige Heiterkeit, ob Achtung, ob Freundschaft, ob Wahnsinn und anderes dergleichen; auch dies ist ein Zeichen, daß einer jeden Vorstellung Unzähliges innewohnt. Als ich einmal mit Geistern hierüber sprach, wollten einige von ihnen es nicht glauben; sie wurden deshalb in eine höhere Region erhoben, und als sie von dort aus mit mir redeten, sagten sie, sie bemerkten Unzähliges in einer jeden Vorstellung meines Denkens; und nun glaubten sie es.

139. Daß in einer Vorstellung Unzähliges enthalten sei, konnte ich auch daraus erkennen, daß die Engel im Augenblick das Leben eines Geistes und Engels innewerden, wenn sie ihn nur reden hören, oder seine Gedanken beobachten; schon die Engel des unteren Himmels können dies sehen, und noch mehr die Engel des oberen. Ein gewisser guter Geist wurde in den ersten Himmel erhoben, und als er von dort mit mir redete, sagte er, er erblicke Unzähliges in dem, was ich damals im Worte las, während ich über diesen Gegenstand nur ganz einfach dachte; nachher wurde er in einen inwendigeren Himmel erhoben, und von dort aus sagte er, daß er nun noch mehr erblicke, und zwar soviel, daß das Erstere, was er gesehen, ihm verhältnismäßig als Grobes erschien. Als er hierauf noch höher erhoben wurde, wo die himmlischen Engel sind, sagte er, was er früher gesehen, erscheine kaum als etwas im Verhältnis zu dem, was er nun sehe; als dieses fortdauerte, floß Verschiedenes ein, und ich wurde von Mannigfaltigem angeregt, was von dort her kam.

140. Einige Geister rühmten sich, alles zu wissen; diese Geister stellen im größten Menschen das Gedächtnis dar; es ist ihnen jedoch gesagt worden, daß es unendlich Vieles gebe, was sie nicht wüßten, ja, daß eine Vorstellung von unendlich Vielem erfüllt sein und dennoch als einfach erscheinen könne; ferner (wurde gesagt), wenn sie auch in Ewigkeit täglich mit vielen Vorstellungen erfüllt würden, könnten sie doch nicht einmal alles Allgemeine wissen, und daraus könnten sie schließen, wie Vieles noch sei, was sie nicht wüßten. Dies wurde ihnen auch nachgewiesen, bis daß sie es anerkannten. Ein Engel redete mit ihnen durch Veränderungen seines Zustandes, aber sie konnten das, was er redete, nicht verstehen; und alsdann wurde ihnen gesagt, daß eine jede Veränderung Unendliches enthalte, was man nicht einmal bei ihnen wahrnehme, denn von dem, was sie nicht verständen, wurden sie auch nicht angeregt.

141. Daß Unzähliges in den Vorstellungen des Denkens enthalten sei, und zwar in bestimmter Ordnung vom Inwendigeren her, wurde mir auch klar, als ich morgens und abends das Gebet des Herrn las: alsdann wurden jedesmal die Vorstellungen meines Denkens gegen den Himmel hin geöffnet, und es floß Unzähliges ein, so daß ich deutlich bemerken konnte, wie die Vorstellungen meines Denkens, welche aus dem Inhalt des Gebets geschöpft waren, vom Himmel aus erfüllt wurden, und daß Solches sich hinein ergoß, was unaussprechlich war, und auch von mir nicht begriffen werden konnte; nur die daraus hervorgehende allegemeine Gefühlsstimmung empfand ich; und, was wunderbar ist, das, was einfloß, wechselte mit jedem Tage. Daraus konnte ich erkennen, daß in dem Inhalt dieses Gebetes mehr enthalten war, als der ganze Himmel zu begreifen vermag, und daß auch bei dem Menschen um so mehr darinnen liegt, je mehr sein Denken gegen den Himmel zu geöffnet ist, und umgekehrt, daß desto weniger darinnen liegt, je verschlossener sein Denken ist; denn bei denen, bei welchem das Denken verschlossen ist, erscheint nichts mehr darin als der Buchstabensinn oder der, welcher dem Wortlaute zunächst liegt.

142.  Hieraus kann man erkennen, wie Unendliches auch in jedem Teile des Wortes enthalten ist, denn es ist vom Herrn durch den Himmel herabgekommen, obgleich es denen, deren Vorstellungen verschlossen sind, wie das allereinfachste erscheint. Hierüber sprach ich einst mit Geistern, welche leugneten, daß etwas innen im Worte verborgen liege; ich sagte ihnen aber, daß Unendliches und Unaussprechliches darinnen liege, was aber von denen, die verschlossenen Vorstellungen haben, nicht wahrgenomen werden könne, weshalb sie nichts anderes als den Buchstabensinn zulassen, den sie zugunsten ihrer Grundsätze und Begierden deuten, und hierdurch verschließen sie sich den Zugang zu dem darin Verborgenen, und entleeren oder vergröbern ihre Vorstellung selbst. Dann wurde auch gezeigt, wie die Vorstellung des Denkens erscheint, wenn sie verschlossen ist, und wie, wenn sie offen ist, denn das kann im Lichte des Himmels leicht gezeigt werden; die verschlossene Vorstellung erschien wie ein schwarzer Punkt, in dem nichts sichtbar hervortritt, die offene Vorstellung dagegen wie etwas Leuchtendes, in dem gleichsam etwas Flammiges war, bei welchem sie alles Einzelne darin erschauten; das Flammige bildete den Herrn vor, und das, was sich auf Ihn bezog, stellte den Himmel dar; und es wurde gesagt, daß in einer jeden Vorstellung, welche vom Herrn stamme, das Bild des ganzen Himmels sei, weil (sie ausgehe) von Ihm, Welcher Selbst der Himmel ist.

143. Diejenigen, welche im Leben des Körpers sich nur mit Kritik beschäftigten, wenn sie das Wort lasen, bekümmern sich wenig um den Sinn desselben, ihre Gedanken wurden dargestellt, wie in sich verschlossene Linien, welche nicht offen waren, und wie ein Gewebe daraus. Einige von dieser Art waren bei mir, und alsdann wurde alles, was gedacht und geschrieben wurde, in Verwirrung gebracht, und durch ihr Denken gleichsam in einen Kerker eingeschlossen, denn es wurde auf den Wortlaut gerichtet, und das Gemüt vom Sinn abgezogen, und dies so sehr, daß sie mich sehr ermüdeten, und dennoch hielten sie sich für weiser als die Andern.

144. Ich sprach auch mit den Geistern über das Einfließen in die Vorstellungen des Denkens, daß nämlich der Mensch keineswegs glauben könne, daß so Unzähliges darinnen liege, weil man immer nur das Einfache und den einen Gegenstand auffasse, und somit nur aus dem äußeren Sinnlichen urteilt. Die Geister, mit denen ich damals redete, waren in der Meinung, daß nichts innerhalb der Vorstellungen enthalten sei; dies hatten sie sich im Leben des Körpers eingeprägt; damit sie aber begreifen möchten, daß sie Unzähliges nur wie Eines auffassen, durfte ich ihnen sagen, daß zu einer Handlung Myriaden von beweglichen Fasern zusammenwirken, und daß zu dieser Handlung alles, was ein Körper ist, sich zugleich bewegt und fügt sowohl im Allgemeinen als im Besonderen, und doch erscheint diese unbedeutende Handlung einfach und als eine, als ob gar nichts der Art darinnen liege; ebenso, daß zu einem Wort Zahlloses zusammenwirke, wie die Biegungen der Lippen und aller darin befindlichen Muskeln und Fasern, dann auch (die Bewegungen) der Zunge, der Kehle, der Stimmritze, der Luftröhre, der Lungen, des Zwergfelles, mit allen ihren Muskeln im Allgemeinen und im Besonderen; wenn hierbei der Mensch das eine Wort als einen einfachen Ton wahrnimmt, in dem nichts weiter liegt, so kann man daraus erkennen, wie grob die Wahrnehmung aus dem Sinnlichen ist; wie grob werden erst die Wahrnehmungen aus dem Sinnlichen sein über Denkvorstellungen, welche in eine reineren Welt und dadurch vom Sinnlichen weiter entfernt sind.

145. Weil so Unzähliges in den Denkvorstellungen liegt, so können die Engel schon aus einem Worte, welches aus dem Gedanken hervorgeht, erkennen, wie beschaffen der Geist oder wie geartet der Mensch ist; dies wurde mir auch durch Erfahrung bestätigt; als das bloße Wort "Wahres"  genannt wurde, was von mehreren Geistern nacheinander geschah, wurde sogleich gehört, ob dasselbe hart, weich oder kindlich, liebevoll, unschuldig, voll, gehaltlos, ob darin Falsches, Verstelltes, Verschlossenes, Offenes enthalten, und in welchem Grade mit einem Worte: die innere Beschaffenheit der Vorstellung, und zwar nur im Allgemeinen; was wird nicht erst in den Einzelheiten enthalten sein, welche die Engel wahrnehmen?

146. Weil der Mensch aus dem Sinnlichen denkt, so sind ihm dergleichen Dinge dunkel, ja so dunkel, daß er nicht weiß, was eine Vorstellung ist, und besonders, daß das Denken sich in Vorstellungen unterscheide, wie die Rede in einzelne Wortlaute, denn das Denken erscheint ihm als etwas Stetiges, ohne unterschieden zu sein, obwohl doch die Denkvorstellungen die Worte der Geister bilden, und die noch innerlicheren Vorstellungen des Denkens die Worte der Engel. Weil die Vorstellungen die Worte der Rede sind, so sind sie auch hörbar bei den Geistern und Engeln; daher ist auch das geheime Denken des Menschen den Geistern und Engeln hörbar, wenn es dem Herrn gefällt. Wie viel vollkommener die Vorstellungen des Denkens sind als die Worte der Rede, kann daraus erhellen, daß der Mensch innerhalb einer Minute mehr denken kann, als er während einer Stunde reden oder schreiben könnte; ferner konnte ich es auch erkennen, und der Rede mit Geistern und Engeln ersehen, denn dann erfüllte ich in einem Augenblick eine allegmeine Sache mit ihren besonderen Einzelheiten, mit Hinzufügung der Neigung; hierdurch faßten die Engel und Geister alles genau auf, und viel anderes, was diesen Gegenstand der Rede wie eine Lichthülle [nimbus] umgab.

147. Hieraus kann man nun erkennen, wie beschaffen die Vorstellungen derer sind, welche schlecht leben und daher schlecht denken, daß nämlich inwendig in denselben Haß, Rachsucht, Neid, List, Ehebruch, Hochmut liegt, ferner äußerlich Umständiges, was nur erheuchelt ist, Keuschheit, aber nur um des Scheines halber, Freundschaft wegen der Ehrenbezeugungen und des Gewinnes, ohne alle Freundschaftsgesinnung, und noch viel Unreines und Häßliches , was ich nicht aussprechen kann; außerdem enthalten dieselben Glaubenslehren, welche die (bösen) Begierden in Schutz nehmen, oder wenn dies nicht der Fall ist, Unglauben und Spott; dieses und Ähnliches liegt in den Vorstellungen derer, welche schlecht leben, und daher auch schlecht denken. Wenn Solches darin enthalten ist, so müssen dergleichen Menschen, wenn sie ins andere Leben kommen, notwendig abgesondert und weit vom Himmel entfernt werden, wo solche Dinge verabscheut werden.

148. Etwas Wunderbares will ich noch berichten; der Herr Selbst, welcher allein Mensch ist, und durch Ihn die Engel, die Geister und die Bewohner der Erdkörper Menschen genannt werden, bewirkt durch Sein Einfließen in den Himmel, daß der ganze Himmel einen Menschen vorbildet und darstellt, und vermittelst Seines Einfließens durch den Himmel und unmittelbar aus Sich in die Einzelnen daselbst macht ER, daß ein Jeder als Mensch erscheint, die Engel in schönerer und glänzender Gestalt, als man beschreiben kann; ebendasselbe bewirkt Er durch Sein Einfließen in den Geist des Menschen; ja, bei dem Engel, Geist und Menschen, welcher in Liebtätigkeit gegen den Nächsten und in Liebe  zum Herrn lebt, stellt auch das Allergeringste eines Gedankens den Menschen dar, aus dem Grunde, weil dies Liebtätigkeit und diese Liebe vom Herrn ist, und alles, was vom Herrn ist, stellt sich als Mensch dar; das ist es auch, was den Menschen ausmacht. Umgekehrt aber in der Hölle erscheinen diejenigen, welche darin sind, weil sie im Gegenteil der tätigen Liebe und der himmlischen Liebe sind, zwar in ihrem Lichte als Menschen, hingegen im Himmelslichte als schreckliche Ungeheuer, in denen kaum etwas von menschlicher Form zu erkennen ist; die Ursache ist, weil der Einfluß des Herrn durch den Himme4l nicht aufgenommen, sondern zurückgewiesen oder ausgelöscht oder verkehrt ist, weshalb sie so erscheinen. Ebenso sind in dem Geringsten ihrer Gedanken, d.h. ihren Vorstellungen solche Formen, denn wie jemand im Ganzen beschaffen ist, so ist er es auch in jedem Teile, denn (die Formen) sind entsprechend und gleichartig. Diese Form, in der sie erscheinen, ist auch die Form der Hölle, in der sie sind; denn eine jede Hölle hat ihre eigene Form, welche im Lichte des Himmels als ein Ungeheuer erscheint, und bei denen, welche daraus erscheinen, wird schon an der Form erkannt, aus welcher Hölle sie kommen; sie erschienen mir an den Pforten, welche zur Geisterwelt führten, und sie erschienen mir wie Ungeheuer, aber mit vieler Verschiedenheit.

Zitiert aus: "Der Verkehr zwischen Seele und Leib" von E. Swedenborg.  

 


Aktualisiert am: 02.05.2011 Home