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Käthe Pfirrmann Lebendige Erfahrungen
mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus und dem göttlichen
"Wort der Wahrheit“ in den schwierigsten
Lebenslagen Siehe,
Ich bin bei euch Alle
Tage Nach Aufzeichnungen und
persönlichen Niederschriften und Zeugnissen von Käthe
Pfirrmann und ihrer Tochter
Johanna Mäußnest (J. M.) Bearbeitet und
herausgeben von Karl Mäußnest, 678 Pirmasens, Bitscher Str. 30 Inhalt
Jesus steht auch heute
noch zu Seinen Verheißungen
Weshalb
werden viele Gebete nicht erhört?
Wie
der Herr vor Selbstmord bewahrte
Melodie:
„Hast du eine Sorgenlast,.."
Nicht
mein, sondern Dein Wille geschehe
Melodie:
„Heilig, Heilig, Heilig ..."
Melodie:
„Lohe den Herren, den mächtigen König . . ,"
Siehe,
ich bin bei euch alle Tage
Melodie:
„Fröhlich zieh ich meine Straße..“
Es
ist noch lange nicht der 28, Januar
Melodie:
„Pilger, sag, wohin dein Wallen ..."
Bewahrung
vor einem schweren Treibriemen
Der
Ehering am geschwollenen Finger
Erlebnisse
im Dienste des Herrn
Verfälschung
des Wortes Gottes
Predigen
und selbst verwerflich wandeln
Das
Licht scheint in die Finsternis
Wer
seine Suende nicht bekennt
Da
ich's wollte
verschweigen...!
Melodie:
„Der Trauersang hat aufgehört
Der
Herr bestellt ein Harmonium fuer uns
Jesus
steht auch heute noch zu Seinen Verheißungen
Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie befolgen alles, was Ich euch geboten habe. Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Diese Worte Jesu entnehmen wir aus Matth. 28, Verse 18 bis 20. Der Auferstandene, Jesus Christus, trag zu den Jüngern, trat sichtbar unter sie und redete mit ihnen. Tut Er das auch heute noch? Mancher wird sich so fragen, der noch keine solche Erlebnisse mit dem auferstandenen Herrn hat. Ja, Er tut das heute noch – und das nicht selten. Wer mit dem Auferstandenen lebt, der kann und darf bezeugen, dass er alle Tage bei Seinen Kindern ist. Auf vielfache Art und Weise ist Er bei den Seinen, um die Seinen. Wer in Seine Vater-Liebe hineingeschaut hat – Er sagt ja in dem oben angeführten Wort: siehe - , wer Seine Freundlichkeit schmeckt, wer Seine Hilfe erfahren; wer Seinen Trost erhalten, wen Seine Liebe erquickt hat, der weiß, dass Er wirklich und wahrhaftig bei uns ist. Auch dann ist Er da, wenn wir Ihn nicht fühlen, wenn wir Ihn weit, weit von uns wähnen; und wenn wir Ihn auch nicht sehen, wenn wir Ihn auch nicht so ganz direkt als Auferstandenen reden hören, auch dann ist Er da. Ganz besonders auch in Anfechtungen und in Trübsal; wenn wir meinen könnten, Er existiere überhaupt nicht, auch dann ist Er da, ist ER bei Seinen Kindern. Wenn wir einmal in Seine Fürsorge für ans einen richtigen Einblick gewinnen, uns durch den heiligen Geist in Seine Gnadenbeweise hineinführen lassen, die Er uns hat zuteil werden lassen, dann werden wir beschämt auf unsere Zweifel, unseren Kleinglauben und Unglauben blicken. Mehr als menschliche Väter und Mütter für uns sind und tun können, ist und gibt Er uns. Und wer einen rechten Vater und eine rechte Mütter in der wahren Liebe sein eigen nennen darf oder durfte, der weiß, daß der lebendige Gott in und durch Jesus Christus uns das in einem weit größeren Maße geworden ist. Werden wir da nicht an das Wort erinnert: „Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will Ich doch dein nicht vergessen." Jesaja49,15 Die Fürsorge und Liebe Gottes, — wer will sie recht beschreiben und sie in Worten völlig deutlich machen! Eine Fülle des Segens, der Liebe, einer unendlichen Liebe, der Wahren Gnade birgt sie in sich, eine Fülle der wahren Gnade und Liebe bringt sie mit sich. Einige von den vielen, vielen Erlebnissen mit meinem so herrlichen Heiland, mit dem wahrhaftig auferstandenen Herrn Jesus Christus, seien hier wiedergegeben. Diese Zeugnisse sollen meinen Brüdern und Schwestern zur Glaubensstärkung gereichen, neue Kraft und neues Vertrauen zufließen lassen in dem Müde- und Mattsein. Mögen auch diese Zeugnisse unbedingtes Vertrauen und lebendigen Glauben an Jesus Christus, unseren Heiland und Erlöser, unseren treuen und teuren himmlischen Vater, vermitteln und schenken! In den allerschwierigsten Lebenslagen dürfen wir mit Ihm als einem lebendigen Helfer rechnen und uns mit allem an Ihn wenden. Was ich hier niederschreiben darf, ist nicht etwa schriftstellerisch ausgeschmückt, sondern es sind wahre Erlebnisse, die ich bezeugen darf, und die ich genau in dieser lebendigen Herrlichkeit erlebt habe. Ich habe allen Grund, diese Seine lebendige Herrlichkeit freudig zu Seiner Ehre zu bezeugen und Ihn zu bekennen, und habe auch allen Grund, Ihm von ganzem Herzen für all diese große Gnade und Güte zu danken. Nicht alles, was ich mit Jesus Christus erlebt habe, ist hier wiedergegeben. Eine Fülle von Erlebnissen ist mir in meinem Leben geschenkt worden, so daß selbst ein umfangreiches Buch sie nicht aufnehmen könnte. Einige der herrlichen Erfahrungen habe ich ja schon niedergeschrieben und hinausgehen lassen, — wie der Herr in Krankheitsnot durchhalf und oft wunderbar heilte, wie Er mich leitete bei Begegnungen mit der Gestapo und Kripo und wie Er mich durch Zeiten der Gefängnishaft und den Verhandlungen vor den Sondergerichten hindurchführte, mich zu einem Auftrag an die damalige Regierung gebrauchte. Es fällt mir schwer bei der Auswahl der Erlebnisse das eine wichtiger als das andere zu machen, dadurch etwa, daß ich das eine berichte und das andere nicht hinausgebe. Wie gesagt, der Herr hat mir eine Fülle von Erlebnissen geschenkt. Jedes Erlebnis ist für sich eine Herrlichkeit. Bin ich doch dem Herrn täglich begegnet und Er hat nicht nur einmal des Tages zu mir geredet. Und wie unzählige Male ist mir der auferstandene Herr mit Seiner Herrlichkeitswelt sichtbar begegnet. Das Leben Jesu war ja reich an Herrlichkeit und Verherrlichung. Und die Schrift schreibt und berichtet uns auch nicht alles darüber. Doch das, was sie berichtet, soll zum Glauben dienen. „Auch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christus, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen." Johannes 20, Verse 30 bis 31. Möge das, was ich hier niederschreiben durfte, einem jeden Leser zur Glaubensstärkung gereichen und das Herz weit machen für diesen lebendigen Jesus. Dies ist umsomehr not in einer Zeit, wo der Unglaube überhandnehmen möchte, wo man diesen überaus herrlichen Jesus trotz der wahren und lebendigen Zeugnisse der heiligen Schrift so unfähig, so müde, so kraftlos, so wenig wirklich und wirkungsvoll, so arm und elend machen möchte. Jesus lebt. Seine Verheißungen sind Ja und Amen. Sein teures Wort ist wahr und wahrhaftig, ist ewig — und was Er zusagt, das hält Er gewiß! „Denn alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm, Gott zu Lobe durch uns." 2. Korinther 1,20 Weshalb
werden viele Gebete nicht erhört?
Wenn viele der Kinder Gottes die Erfüllung der herrlichen und wahren, lebendigen und ganz sicheren Verheißungen dieses unbeschreiblichen Gottes in und durch Jesus Christas in ihrem Leben nicht erfahren dürfen, so liegt das nicht an den Verheißungen! Der lebendige Gott ist treu und halt Sein Wort, Er hält sich an Sein gegebenes Wort. Und was Er zusagt, das ist gewiß! Er will auch Sein Wort einlösen, so wie es geschrieben ist, so wie Er es zugesagt hat. Er kann es aber nur dort, wo man es auch genau befolgen und Ihm in allem gehorchen will, auf Seinen Wegen geht und Seinen Willen tut und danach lebt. Die Gründe liegen also nicht beim Wort und bei Gott, wenn sich die Verheißung nicht erfüllt, sondern in mangelndem Gehorsam, in Halbheit und Lauheit, in der träge machenden Sünde (Hebräer 12, Verse 1—3), in der Weltförmigkeit (Römer 12, Vers 2), in Unentschiedenheit, in mangelnder Liebe zu Jesu, in fleischlichem Wesen (1. Korinth, 3, Verse 1—3; Galater 5, Verse 19—21), in Kleinglauben und Unglauben und dergleichen mehr. Viele Kinder Gottes haben sich gefragt, warum Er bei ihnen das Wort nicht wahrgemacht hat, Seine Zusagen bei ihnen nicht eingelöst hat. Sie konnten auf diese Frage keine Antwort finden, keinen Ausweg aus ihren Schwierigkeiten finden, weil sie sich nicht erforscht haben und vom heiligen Geiste sich nicht haben strafen, aufdecken und die verkehrte Art aufzeigen lassen. Wenn der lebendige Gott auf ihre Bitten nicht oder nicht gleich antwortet, weil er oft auch die Beugung und die Buße abwartet, dann lassen sie vom Worte Gottes und von Gott ab, und verfallen dem Unglauben, oft sogar dem Spott und der Lästerung. Manche sind auch an den Verheißungen irre geworden, weil sie Gott einmal nicht sofort ausgeführt hat, zum andern nicht nach eigenem Wunsch. Es sind diejenigen, die sich gerne Gott Untertan machen und mit Ihm nach belieben, nach ihrem Gutdünken und Begehren, nach ihrem jeweiligen Wollen und Wünschen verfahren wollen. Wenn es dann nicht so geht, fällt der selbstgemachte Himmel ein, stürzt die Religion zusammen und der Wert der Verheißungen zerbricht und ist dahin. „Mit diesem Gott ist nichts anzufangen", sagen sie dann. Sie wollen nichts oder nicht mehr viel von Ihm wissen. Zum Feind möchte man Ihn auch nicht gerade haben, so läßt man Ihn wenigstens recht und schlecht existieren; es könnte ja sein, daß man Ihn doch noch einmal brauchen kann. Es sollte doch wirklich darüber nachgedacht werden, daß Er ein Herr ist, und daß Er zuerst fordern kann, bevor Er erfüllt. Nicht zum Dienstknecht persönlicher, selbstsüchtiger Wünsche sollte man Ihn herabwürdigen. Er weiß besser, was wir bedürfen, was uns gut und heilsam ist. Er weiß auch besser, was uns fehlt, was wir in Seinen heiligen Augen brauchen und bedürfen; und das weiß Er schon viel eher, als es uns bewußt ist und wir daran denken! Wie sagt doch Jesus in der Bergpredigt über unsere Sorgen für Nahrung und Kleidung:„Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet!" Matth. 6, 32. Anderen wiederum gefällt der Weg der Nachfolge, der Weg des Heils, der Weg der Heiligung nicht, den Gott sie führen will. Sie wollen nicht ganz absterben und wollen nicht ganz mit Ihm, aus Ihm, in Ihm leben. Sie haben für sich und ihr Leben bestimmte Vorstellungen und Normen; und die sind ganz ausgeprägter, formvollendeter Art und Natur. Jedoch wenn nun alles nicht genau so in Erfüllung geht und im Leben sich vorstellungs- und wunschgemäß sich nachvollzieht, dann ist das Wort Gottes, sind die Verheißungen nicht wahr und nicht zu gebrauchen. Wie viel irdischer Sinn wird mit himmlischem verwechselt; wie viel irdisches Denken für himmlisches gehalten. Wieviele, denen ein angenehmes Christentum vorschwebt, werden durch Leiden, Verfolgungen, durch Gefängnisse, durch all das, was das Kreuz Jesu Christi mit sich kann, aus dem Sattel ihrer festsitzenden Vorstellungen geworfen und liegen dann gebrochen am Boden! – und können sich dann oft nicht mehr erheben. Das Geschehe hat nicht zum Zerbruch und einem Neuanfang geführt. Sie fühlen sich in ihren Vorstellungen und Meinungen betrogen und finden keinen Mut mehr, ein Neues, ein Besseres zu beginnen, es mit dem Herrn Unter Seiner Leitung und Führung neu und ganz zu wagen. Ein Beispiel, wie ein Mensch an seinen falschen Vorstellungen gescheitert ist, erlebten, wir in der Verfolgungszeit. Als ich zum zweiten Mal um Jesu willen ins Gefängnis kam, eben wegen meinem unerschrockenen Bekenntnis zu Jesu, blieb eine Schwester unseren Versammlungen fern und zwar mit dieser Begründung: „Wenn das bei Schwester Käthe echt wäre, dann dürfte sie nicht im Gefängnis sitzen!“ Ja, wie wenig werden doch die Wege des Herrn verstanden, und - wie wenig glaubt man ihnen. Wie viel möchte der Herr a n uns wirken, in uns wirken, durch uns wirken, wenn wir nur gehorsam wären und uns führen ließen, auch unter dem Kreuz! Wir haben doch allen Grund dem Herrn zu vertrauen und auch allen Grund, Ihm unser Leben ganz anzuvertrauen. „Denn Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken!, und! eure Wege sind nicht Meine Wege, spricht der Herr; sondern soviel der Himmel höher ist denn die Erde, so sind auch meine Wege höher denn eure Wege und Meine Gedanken denn eure Gedanken.“ Jesaja 55j, 8—9 Und das andere Wort: „Denn also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnt, des Name heilig ist.: Der Ich in der Höhe und im Heiligtum wohne und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf daß Ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ Jesaja 57,15 Da ist nicht mehr viel Raum, um alles besser zu wissen, um gescheiter zu sein als der Herr. Auf diesem Boden hat man ganz deutlich erkannt, daß der Herr die Weisheit ist und alles besser, viel besser übersieht und auch weiß, warum Er uns so und nicht anders führt. Das Verslein, das ich einmal in einer Losung gelesen habe, mag in dem Zusammenhang vieles in sich schließen und aussagen: „Willst Du gerade und Gott führt Dich krumm. Denk, Er ist weise, und Du bist dumm." Manche Menschen machen es sich so schwer, weiterzukommen, sie machen es aber auch Gott sehr schwer, sie auch nur einen Schritt weiter zu bringen, wenn sie nur immer nach dem Warum und Wozu fragen, anstatt der Liebe Gottes Und der Liebe ihres himmlischen Vaters zu vertrauen. H M. Danneberg schildert in ihrem Buch, „Er riß mich aus der Tiefe", ihre Not, weil sie als Kind schon immer für alles eine Erklärung förderte. Wenn es galt, Befehle auszuführen, von deren Bedeutung sie nicht überzeugt war, oder Dinge hinzukamen, die sie nicht verstand, dann brachte sie das in Aufruhr und machte sie zu einem unleidlichen Wesen. Eines Abends betet sie als Kind für einen Pfingstausflug: „Lieber Gott, laß die Sonne auch morgen scheinen!" Am frühen Morgen regnet es in Strömen, und sie sagt dann als Kind voller Empörung: „Du dummer, lieber Gott, was machst du nur?" Älter geworden und bei anderen Lebensführungen bekennt sie und betet sie: »Ach, ich Weiß es, ich bin immer noch nicht klüger geworden, und im Grunde stelle ich auch jetzt dieselbe kindliche Frage: Was machst du nur lieber Gott? Dir ist bestimmt ein Irrtum unterlaufen. Nein, ich weiß, so zu Sprechen habe ich kein Recht — überhaupt kein Mensch auf Erden. Umgekehrt ist es richtig: Gott hat alles Recht, mich zu fragen, ob der Irrtum nicht bei mir liegt.“ Wie leicht könnten wir es haben, wenn wir doch in allem dem Herrn vertrauten! Viele Kinder Gottes — das sind eigene Erfahrungen und auch solche, die ich mit Brüdern und Schwestern gemacht habe — bringen am Anfang und in der Mitte der Wege des Herrn, Ihm so viele wenn und aber und so manches Fragezeichen entgegen. Und wie hat der Herr oft sagen müssen: „Lasset Mich doch Meinen Weg mit euch zu Ende gehen!" Am Ende, vom Ende her, kann man es besser übersehen, und da sieht vieles anders aus und man sieht vieles anders an! Mancher Liederdichter hat diese Erfahrungen aus seinem Leben in dem einen und anderen Lied zum Ausdruck gebracht. Und es ist gut, wenn man in gleicher oder ähnlicher Lage zum Wort greift und auch solch ein Lied, das ja Ergebnis eines lebendigen Erlebnisses des Glaubens ist, herbeiholt und sich daran im Glauben und Vertrauen stärken läßt, sich dem Herrn neu und in ganzem Vertrauen hinlegt und hingibt im Glauben an die Verheißung, daß Er alles wohl macht und zum guten Ende führt und bringt. Viele unserer Brüder und Schwestern haben solche Not ja vor uns durchgemacht und Seine Hilfe erleben dürfen — und sie legen deswegen auch mit Recht ein gutes Zeugnis davon ab. Es ist des Herrn wohlweislicher Rat, daß wir bei all unserem Fragen oft nicht gleich innewerden, wofür das eine oder andere gut für uns ist oder war. Oft läßt der Herr es uns gleich, manchmal erst später deutlich werden, vielfach wird uns darüber auch keinerlei Aufschluß; da werden wir es erst hernach erfahren, wenn wir bei Ihm sind. Doch gibt uns das wahrhaftige und untrügliche Wort Gottes immer wieder neu die Gelegenheit, uns daran zu stärken. Der Herr lebt ja, das Wort lebt ja und Sein heiliger Geist weht und wirkt! Auch die mangelnde Liebe untereinander ist wohl mit ein Grund, warum der Herr und Sein Geist nicht immer bei uns sein können, und seine Verheißungen sich nicht an uns und in uns erfüllen können, warum auch so viele Gebete nicht erhört werden. Nicht jede Lebensführung ist die gleiche, nicht die eine Gabe wie die andere — und keine Gabe ist gleich der anderen. Doch es ist ein Herr! Ein Geist, ein Herr, ein Gott — 1. Korinth. 12, Verse 4—6. Der Herr führt und gebraucht den einen so und den andern wieder anders. Der Herr gibt und verteilt auch Seine Gaben, wem Er sie geben will, und wie Er es für richtig hält, 1. Korinth. 12, Vers 11. Doch alles, was auch von Ihm kommt, ist dazu da, daß es zum Segen werden soll und darf und Seinen Namen verherrlicht. Kinder Gottes sollen mit dem, was ihnen vom Herrn geschenkt worden ist, sich gegenseitig dienen, miteinander an Seiner Sache dienen, Seiner Sache auf Erden zum Siege verhelfen, an Seiner Erlösung mit dienen. Nicht der ist der Größte, der am meisten hat, der am meisten aufweisen möchte, sondern der im Dienen der Größte ist. Aber wie oft wird doch auch mit dem, was Er gegeben und geschenkt hat — dem Herrn sei es geklagt! — eine Herrschaft und Glanz und Glorie zur eigenen Ehre aufgerichtet! Die Demut wird vergessen! Damit ist aber für den Herrn und Seine Sache nichts gewonnen und nichts ausgerichtet. Ein solches Tun hat den Segen des Herrn nicht. Wenn ich so auf das Verhältnis der Kinder Gottes untereinander und zueinander sehe, will mich manche Wehmut beschleichen. Ist es nicht bitter, daß die Liebe — die ausgegossen sein soll in unsere Herzen — nicht mehr Vermag, nicht mehr lieben kann? Wie sehnlich will doch der Herr, daß sich Seine Kinder in eins zusammenbringen lassen zu einem lebendigen Zeugnis der Welt gegenüber! „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt." Johannes 17, 20—21 „Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, auf daß auch ihr einander liebhabt. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.“ Johannes 13, 34—35 Wer diese Liebe hier auf Erden nicht hat, der kann auch nicht in die Herrlichkeit Gottes eingehen, denn dort wird der sogenannte irdische „Haus- und Familienstreit der Kinder Gottes" nicht fortgesetzt! Streitende sind ausgeschlossen!!! Auch noch anderes ist es, das wir uns vor Augen halten wollen und sollten. Vielen werden die Gebete nicht erhört, weil sie nicht recht bitten. Bei Frauen ist dies oft deshalb, weil sie nicht bedeckt sind, verschnittenes und geschorenes, kurzes Haar tragen. 1. Korinther 11, 6! Viele bitten auch in ihrer Ichbezogenheit und in ihrer fleischlichen Art. Viele haben kein versöhntes Herz, vergleiche Matthäus 5, 23—24. Werden unter diesen Hindernissen Gebete nicht erhört, dann wirft man das Gebetsleben weg, hört mit Beten auf, anstatt das Leben vor Gott zu ordnen und, zu beugen, zu bereinigen und damit, in den verheißungsvollen Stand zu kommen, von dem Jesus sagt:
„So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren." Johannes 15, 7 Der treue Herr hat mir unzählige Gebetserhörungen geschenkt, die sehr weittragend waren, die sieh auch in vielen Geschehen in der Welt ausgewirkt haben, Doch das darf der Herr einst deutlich machen. Wir dürfen und müssen das Wort in seiner ganzen Kraft und Klarheit herausstellen: „Denn alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm, Gott zu Lobe durch uns." 2. Korinther l, 20 „So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren." Johannes 15,7 Um das in Ihm sein und bleiben geht es! Der Teufel verstellt sich zu einem Engel des Lichts Die Stimme des lebendigen Gottes, die wir aus Seinem Worte hören, ist ja für jeden da und jeder kann sie hören, der sich ein offenes Ohr hat schenken lassen. Oft läßt der Herr den einen und anderen aus Gnaden Seine Stimme im Herzen hören. Auch auf dem heiligsten Weg der Weissagung tritt der Herr uns nahe und stärkt uns. „Weg hat Er allerwegen, an Mitteln fehlt's Ihm nicht.“ Wollen wir uns doch einmal ganz, von den Zweifeln befreien lassen. „Und da sie Ihn sahen, fielen sie vor Ihm nieder; etliche aber zweifelten.'' Matth, 2;8, 17 Jesus steht lebendig und wahrhaftig vor ihnen Er ist es. Ganz zweifelsfrei. Und doch: Etliche zweifelten. Und wie oft und oft wiederholt sich das im Leben der Kinder Gottes. Darum kann sich der Auferstandene auch oft so w e n i g offenbaren. Das macht sich auch in gläubigem Kreise und ihrem Lieben bemerkbar. Wie lähmen diese Zweifel, diese Einstellung, wie hindert diese Haltung eine lebendige Offenbarung des auferstandenen Herrn! Der Herr ist nun einmal seit alters ein lebendiger Gott der Offenbarung — nicht erst seit der Auferstehung, aber erst recht seit der Auferstehung. Bei Offenbarungen hat man oft Angst, in einen falschen Geist hineinzugeraten. Nach gemachten Erfahrungen ist dies auch vielfach sehr begründet. Aber dies ist auch wiederum kein Grund, alles abzutun, das Kind mit dem Bade auszuschütten, wie man so sagt. Prüfet alles und ringet nach der Wahrheit!, mahnt uns die heilige Schrift. Viele haben Bedenken gegen Offenbarungen, auch gegen Gesichte und Schauungen, weil sie das Wort der Schrift: „Der Teufel verstellt sich in einen Engel des Lichts.“ Von der Sache und der Bedeutung her völlig falsch verstanden haben. Man beachte wohl in welchem Zusammenhang das Wort in 2. Korinther 11, Verse 13-14 steht, auf was hier letztlich Bezug genommen wird. Ja, der Teufel ist ein Verstellungskünstler und ein listiger Verführer. Eine List und eine Verführung ist ihm zu eigen, von der sich nur sehr wenige in der ganzen Tiefe eine echte Vorstellung machen können. Wir sehen die Verstellung und Verführung schon beim Sündenfall — wir sehen es bei jedem Sündenfall bis zu dieser Stunde; wir sehen es doch auch überall dort, wo er wirklich unter frommem Gewande sein Werk tut. Er verstellt sich für das Auge und verstellt sich für das Ohr — er kommt hinter einer Schlange mit göttlich verdrehten Worten, Ja, der Teufel verstellt sich und versteckt sich hinter etwas und spricht durch viel fromme Worte zu uns, die im Widerspruch zum Worte und Willen Gottes stehen. Dabei gibt er sich so schön und licht, so heilsvoll, wie wenn er nur unser Bestes wolle und nur das Beste für uns sei, als ob es so und nicht anders gut für uns sei. Einmal auf die uns sichtbare Gestalt in Form von Menschen, aber vor allen Dingen auf die süßlichen, betörenden Worte, auch die der frommen, sollte man vor allen Dingen achten, auf die Worte, die den Willen Gottes entfremden herabwürdigen, entstellen, verharmlosen, gar bedeutungslos machen. Auf dieses sein Tun ist besonders zu achten und trifft das vorerwähnte Wort aus 2, Korinther 11, Verse 13— 14 in der ganzen Tiefe zu. Wieviele solcher „Engelszungen" reden heute in einem frommen Gewande! Und wieviele sogenannte Diener Christi dienen in Wirklichkeit durch ihr falsches trügerisches Tun mehr dem Teufel als dem Herrn, schaden der Sache Jesu Christi mehr als sie stützen!, reißen mehr ein als sie aufbauen! In diesem Zusammenhang steht das Wort, daß der Teufel sich zum Engel des Lichts verstellt, An dieser Stelle darf und muß ich ganz deutlich sagen!, daß sich der Teufel einem geöffneten Geistesauge, geöffnet durch den heiligen Geist, sich überhaupt nicht verbergen kann, selbst wenn er sich verstellen wollte! In welcher Gestalt er sich auch zeigen mag, der heilige Geist erkennt und durchschaut es, durchschaut das alles. Diese Finsternis des Teufels steht im Licht durch den heiligen Geist. Schon der Psalmist bekennt das:
„Spräche ich: Finsternis möge mich decken, so muß die Nacht auch Licht um mich sein. Denn auch Finsternis nicht finster ist bei dir, und die Nacht leuchtet wie der Tag, Finsternis ist wie das Licht!" Psalm 139, Verse 11—12. Dieser lebendige heilige Geist erforscht und durchschaut nicht nur die Tiefen der Gottheit, wie wir es aus 1. Korinther 2 Vers 10 wissen: „Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit!", sondern eben alle Dinge. Dazu gehört auch der Bereich der Finsternis, Auch sie ist von Gott her durchleuchtet — dem Herrn sei Dank! Durch diesen heiligen Geist wird aber auch alles und ist auch alles offenbar. Da kann sich nichts verbergen und verstecken — auch nicht die Finsternis, auch nicht der Teufel! Und das habe ich durch den heiligen Geist sehr deutlich geschaut und lebendig erlebt. Warum haßt mich der Teufel so und warum werde ich selbst durch ihn verdächtigt — weil ich durch den heiligen Geist seine Schliche aufgedeckt und sein Tun bloßgestellt und ins Licht gestellt habe, das Verborgene durch den heiligen Geist offenbar gemacht und sein Tun entlarvt habe. Der heilige Geist kennt die Pläne und Gedanken der Finsternis im Entstehen! Wohl uns. Wäre dem nicht so, wo blieben Kinder Gottes. Wollte es der Herr doch schenken, daß noch mehr Heiliger Geist in der Gemeinde wäre, dann könnten sich die verstellten „Engel", die falschen Apostel und trügerischen Arbeiter im Reiche Gottes nicht halten und nicht arbeiten, sie würden offenbar! Einige Zeugnisse davon, wie der heilige Geist wirkt, sind unter der Überschrift „Erlebnisse im Dienste des Herrn" wiedergegeben. Wie so überaus reichlich habe ich den Herrn in Seiner Auferstehungsherrlichkeit sehen dürfen und wie ist Er zu mir gekommen und bei mir aus- und eingegangen. Wieviele der heiligen Engel, die Ihn, den Herrlichen, Seine erhabene Majestät begleiten, habe ich schauen dürfen. Reiche Erlebnisse habe ich, die ich es nicht wert bin, mit dem Herrn und Seiner Engelwelt machen dürfen. Wie oft habe ich auch Blicke in die Finsternis und Verdammnis gehabt durch den heiligen Geist. Wie hat mir der Herr auch den tiefen Abgrund aufgeschlossen, Schauerliches gezeigt. Wie schrecklich wahr ist auch hier das Wort Gottes. Bei all meinen Schauungen und Gesichten hat mich der Teufel nie, aber auch nie täuschen und sich vor mir verstellen können. Durch den heiligen Geist ist er sogleich offenbar und im Namen Jesu weicht er sofort, er kann diesen Namen nicht ertragen, wenn er in der Kraft des heiligen Geistes ausgesprochen wird. O welche himmlische Majestäten sind die Diener des Herrn! Die Cherubim und Seraphim, wie sie im alten Testament bereits genannt werden, welche Macht und Herrlichkeit haben sie doch! Was ist doch so ein Engelsfürst in seiner herrlichen Erscheinung! Und wie armselig nimmt sich dagegen der entmachtete, des Lichtes bare, dieser frühere Engel, der vom Licht abgefallene, der nunmehrige Fürst der Finsternis aus — wie Nacht! Es ist in der Welt des Geistes Licht und Finsternis sichtbar. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Des Herrn Engel unterscheiden sich von denen, die vom Licht abgefallen sind. Nur wer das echt und wahr erlebt hat, der kann und wird auch das bezeugen können. Die Bedenken, die man haben muß, sind die, daß uns der Teufel im frommen Gewand das Wort Gottes verdreht, verstellt und entstellt anbietet, modern macht, und was sich da so alles tut. Das ist diese lebensbedrohende Gefahr, denn dort hält man dann Finsternis für Licht das ist doch heute ein weit verbreitetes Übel. Wo der heilige Geist wirken will, da sollte man sich nicht verstocken, nicht widerstreben, seine Wirksamkeit nicht dämpfen, aber auch in keiner Weise. Der heilige Geist möchte sich mächtig offenbaren. Der Herr und Sein heiliger Geist muß sich ja auch kundtun, wenn Leben in Erscheinung treten soll. Wo der heilige Geist nicht ist, da ist alles tot, und muß es ja auch sein; dort bleibt alles tot, trotz vielem frommen Gerede und viel religiösem Getriebe. Manche Gemeinden mögen sich prüfen, warum kein Leben in ihnen ist! Wenn man an der lebendig nahen Gegenwart des Herrn zweifelt, ja sie verdächtigt, Ihn am Wirken behindert und am Reden hindert, Ihn nicht als Helfer und Beistand haben will, so braucht man sich nicht zu wundern, wenn nur der Tod zu Hause ist. Mit eigener, natürlicher Veranlagung, auch mit dem Hinzugelernten ist im Reiche Gottes nichts, aber auch gar nichts auszurichten. Wir brauchen den Herrn und seinen, heiligen Geist. Nur eine lebendige Erfahrung mit dem Herrn, eine Ausrüstung durch den Herrn, ja der Herr selbst, der heilige Geist geben dem Evangelium überzeugendes Leben! Das Erscheinen des Herrn, des wirklich leibhaftig auferstandenen Herrn, Sein lebendiges Sichtbarwerden wird so oft bezweifelt von Predigern, die weder diese Gnade noch ein Verständnis dafür haben; und auch von sogenannten „Sachverständigen", die nur vom Buchstaben her leben, aber keine lebendigen Erfahrungen nachweisen können. Ja, wie würden diese erschrecken, wenn der Herr ihnen in ihrer Halbheit und Sünde begegnete! Und gerade diese Prediger und „Sachverständigen" bewirken oft so viele taube Hörer. Wie soll da die lebendige Auferstehung Wirklichkeit werden, wie Glauben, Hoffnung und Kraft wirken können? Der Herr hat gesagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden." Seine Herrschaft ist größer und mächtiger als wir sie Ihm einräumen und zutrauen. Wir messen so gern mit menschlichen Maßstäben — und die reichen eben nicht aus, sie sind so klein, wirklich klein. Aber daraus erwachsen die Zweifel, der Kleinglaube, der Unglaube, das Verzagen, das Versagen und dergleichen mehr. Aus einer wahrhaft reichlichen Erfahrung mit meinem Herrn und Heiland, Jesus Christus, meinem himmlischen Vater, zu dem ich wirklich und von Herzen „Abba, lieber Vater", sagen darf, sollen einige Erlebnisse hier Zeugnis geben, Gott zu Lobe, zur Ehre des Vaters. Jesus
Christus lebt! Er tritt sichtbar unter Seine Jünger und redet auch heute noch mit den Seinen. Er ist immer bei uns. Seine Gnadenbeweise zeigen das, Seine große und liebe Fürsorge bestätigen es. Zur Glaubensstärkung folgen einige der überaus vielen Erlebnisse mit diesem teuren und herrlichen Herrn und Heiland und Vater in und durch Jesus Christus. „Und welche da sei die überschwängliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche er gewirkt hat in Christo, da er ihn von den Toten auferweckt hat und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen; und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde..." Epheser 1,19—22 Der Herr schenkte mir meine zu Tode erkrankte Mutter wieder Als Kind von elf Jahren durfte ich schon erfahren, wie wahr das Wort Gottes ist, und wie ein kindlicher Glaube die lebendige Verheißung hat. Ja, elf Jahre war ich alt, da wurde meine liebe Mutter sehr schwer krank. Wir waren elf Geschwister. Fünf waren älter als ich und fünf jünger, ich war gerade mitten, drin. Wie nötig war doch gerade da eine Mutter! Ich erinnere mich noch sehr deutlich, denn das Erleben hat sich in mein Leben eingraviert. Es war im Herbst; und schon sehr frühzeitig dunkel. Meine Mutter lag zu Tode krank im Bett. Ihr Zustand war sehr bedenklich geworden; sie war ohnmächtig. Mein lieber Vater und wir Kinder alle standen um das Krankenbett herum. Der Arzt war aus der nahen Nachbarschaft gerufen worden and trat ins Zimmer. Wir machten dem Arzt Platz und ich stellte mich ans offene Fenster. Er untersuchte meine Mutter. Er wandte sich dann zu meinem Vater und sagte: „Herr Klensch, ich kann Ihnen keine Hoffnung mehr machen. Ihre Frau ist schon bewußtlos und wird wohl nicht mehr zu sich kommen. Es scheint keine Hoffnung mehr zu sein. Mein Vater weinte bitterlich auf diese Eröffnung hin, und wir Kinder weinten mit ihm. Da hörte ich meinen lieben Vater weinend ausrufen: „O Gott, was soll ich nur mit meinen vielen Kindern machen ohne unsere Mutter?" Diese Not
bewegte auch mein Kinderherz sehr. Da wurden meine Blicke am offenen
Fenster hinaus auf den Sternenhimmel gelenkt. Meine Gedanken gingen zu dem
Gott des Himmels, und ich wurde an das Wort der heutigen Schrift erinnert,
das wir am Nachmittag in der Schule durchgenommen hatten. Es war ein Wort
von der Auferweckung der Toten durch Jesus. Das Wort von der
Totenauferweckung und die Tat Jesu wurden auf einmal so lebendig und so
deutlich vor meinen Augen in dieser meiner Not, daß es mich ganz
unwillkürlich ins Gebet trieb. In meiner großen Not — hatte auch ich
doch erkannt, um was es hier ging und daß meine liebe Mutter von uns
gehen sollte and mußte — rief ich zum lieben Heiland:
»O wenn das wahr ist, was ich heute Nachmittag in der Schule gehört
habe, daß Du auch von den Toten auferwecken kannst, so laß es mich doch
bitte auch jetzt erfahren! und meine liebe Mutter wieder wach werden. Wir
brauchen doch unsere liebe Mutter noch so notwendig. Was soll denn mein
kranker Vater mit uns elf armen Kindern anfangen ohne unsere Mutter? Du
kannst helfen. Hilf uns lieber Heiland!" "So war
das Rufen des Herzens ohne wohl ein Amen zu sagen. Es betete ja unaufhörlich
im Herzen, die Not war doch so groß. Wir waren doch so sehr von dem, was
der Arzt gesagt, beeindruckt. Und diese Stille und das Weinen in dem
Zimmer, nachdem der Arzt gegangen war! Diese große Not! Doch mein Herz
hatte den Weg zu dem lieben Heiland gefunden und redete mit ihm. In dieses Rufen hinein zum lieben Heiland hörte ich auf einmal meine liebe Mutter zu meinem lieben Vater sagen: „Heinrich, weine nicht! Weine nicht mehr so! Siehe, ich : war an der Himmelspforte. Da sagte der liebe Heiland zu mir: „Meine Tochter, Deine Aufgabe auf eurer Erde ist noch nicht erfüllt. Kehre zurück zu Deinem Mann und Deinen 'Kindern, sie brauchen Dich noch und ich will Dich noch für sie erhalten.“ | Welche Freude das alles bei uns ausloste, brauche ich Wohl nicht zu sagen. Von da an wurde es mit ihr sichtbar besser; sie war bald genesen und konnte ihre Aufgabe im Haushalt wieder Übernehmen. Meine Mutter war damals 44 Jähre alt und hat noch das 71. Lebensjahr erleben dürfen. Sie hat auch meinen Vater überleben dürfen. Als ich meine Mutter, so vom Tode gezeichnet, solche lieben Worte zu meinem Vater reden hörte, mußte ich weinen vor lauter Freude. Welche lebendige Bestätigung des Wortes Gottes und der heiligen Schrift hatte sich vor meinen jungen Augen und Ohren hier leibhaftig vollzogen! Welche herrliche Antwort auf ein kindliches, gläubiges Gebet wurde mir da geschenkt! Es war für mich kleines Kind ein großes Erleben, daß der treue und liebe Heiland mein Rufen und Schreien so buchstäblich und wahrhaftig erhört hatte. Diese Erfahrung hat mir viel mitgegeben für meinen späteren Gebetsdienst und auch für mein Glaubensleben. Gott erhört Gebet! Ich erzählte nun auch
meinen teuren Lieben mein kindliches Rufen und Schreien zu Jesu. Nach
diesem so herrlichen Erlebnis konnten wir nur noch loben und danken.
Auch meiner lieben Mutter selbst war dieses Erlebnis eine lebendige
Kraftquelle, die sie im Glauben leben ließ bis an ihr Lebensende. Mit
einem Bibelwort, als letztes Zeugnis auf Erden, durfte sie in die
Ewigkeit gehen. Sehr jung schon durfte ich erfahren, daß Jesus Christus
der herrlich Auferstandene ist, daß Er wirklich von den Toten auferwecken
kann, daß Er die Macht über den Tod hat. Dieses Erleben prägte mein
weiteres Erdenleben und hat mich glauben gelehrt in solchen und noch
schwierigeren Lebenslagen. Ihm sei Lob und Preis und Dank in alle
Ewigkeit! Wie
der Herr vor Selbstmord bewahrte
Als junges Mädchen mußte ich mich auf Geheiß des Arztes einer Luftveränderung unterziehen. Ich sollte auch aus der kinderreichen Familie, aus den sehr kargen Verhältnissen herausgenommen werden, damit ich mehr zu Kraft kommen sollte. Bessere Kost und andere Luft sollten aus der Bleichsucht und der körperlichen Schwäche herausführen. Es war damals kurz nach der Zeit des ersten Weltkriegs. Wer die Verhältnisse kennt, der weiß, daß das Leben damals nicht so leicht war wie heute. Das In-Kur-gehen und eine Erholung nehmen, waren damals in den bescheidenen Verhältnissen nicht möglich. Damals konnte dies, Wenigstens für mich, nur in der Annahme einer entsprechenden Stellung in einem Haushalt geschehen. So wurde für mich eine von zu Hause etwas weiter entfernte Stellung im Haushalt in N. ausgesucht. Diese Stellung hat meinem Gesundheits- zustand nach einer gewissen Zeit sehr aufgeholfen und ich durfte wirklich kräftiger werden, auch durch das Mitgefühl und das Mitsorgen der Familie, in der ich untergebracht war. Diese Stellung hat mir in meiner äußerlichen Not wohl sehr aufgeholfen, dafür aber nachher innerliches Herzeleid gebracht. Im Umgang mit Menschen dort lernte ich auch einen Mann kennen, der einen sehr unglücklichen Eindruck machte, und der einer völligen Verzweiflung nahe war. Dieser unglückliche Eindruck und seine Niedergeschlagenheit erweckten mein Mitleid und eine gewisse Zuneigung, die darin bestand, dem Manne doch aus dieser Lage helfen zu können. Auf diese Art wollte ich mich des jungen Mannes annehmen. Versuchen wollte ich, dem Manne in seiner Lage zu helfen, ihm heraushelfen, ihm gut zureden — doch das ohne Jesus. Und so gestaltete sich ein Verhältnis zueinander, das nicht ohne Folgen blieb. Als ich erkannte, daß ich in Hoffnung war, kam ein Erschrecken und ein Erwachen über mich. Als ich auch noch dabei erfahren mußte, daß der Mann verheiratet war, eine Familie und auch liebe Kinder hatte, war mein Erschrecken doppelt groß. Es war einer Bestürzung gleich. An meine gläubige Mutter dachte ich, an meinen gläubigen Vater. „Was werden sie wohl sagen und wie werden sie sich dazu stellen?" Die letzten Worte meiner lieben Mutter kamen mir dabei ins Gedächtnis. Als ich von ihr schied, sagte sie noch zu mir: „Mein Kind, wenn ich auch jetzt nicht bei Dir sein kann, aber der Heiland kann es. Siehe, ich sehe es lieber, wenn Du auf den Friedhof getragen wirst, als wenn Du mir eine Hure wirst; ich sehe lieber Deine Hände verkrüppelt, als daß Du mir eine Diebin wirst!" Sie hatte ja recht, mußte ich mir sagen. Sie kannte ja das Wort der heiligen Schrift, sie wußte ja von den Folgen solchen Tuns, das schon hier und in der Ewigkeit erst recht, sein Gericht hat, wenn man nicht zur Buße kommt. So war das nun also. Von Mitleid getrieben wollte ich dem jungen Mann beistehen, und nun war daraus eine Verzweiflung bei mir geworden, in der mir niemand beistehen konnte. „Wer hilft nun mir — niemand? Nun bin ich allein gelassen mit meiner Not. Wer trägt sie!?" Die Gedanken an meine Eltern beschäftigten mich immer wieder. „Was werden sie dazu sagen, wie werden sie es aufnehmen?" Andere Gedanken stürmten auch auf mich ein. Der ganze Jammer stand vor mir, die ganze Enttäuschung kam als eine Wucht auf mich. „Ist es nicht eine Schande", dachte ich. „Kann man so überhaupt weiterleben?", fragte ich mich. Bei all dem Fragen und Überlegen, bei dem Denken hin und her ging es tiefer in die Nacht der Gedanken und die Finsternis kam mit dem einzigen und scheinbar erlösenden, dem einzig möglichen Angebot: Mache Deinem Leben ein Ende, und alles ist vorbei! Und nun meinte ich auch wirklich, es bliebe mir wohl nichts anderes mehr übrig und es sei wohl das Beste, meinem so gezeichneten Leben ein Ende zu machen. Die Einflüsterung fand bei mir auch eine Bejahung, und so nahmen die Gedanken feste Formen an, aus denen ein Plan gezeichnet und abgesteckt wurde. Der Plan wurde fertig gemacht und in seinen ganzen Linien aufgezeichnet. Es stand nun fest: Ich wollte mich ertränken. Abends zuvor ging ich an die Stelle, die ich mir ausgedacht und in Gedanken ausgesucht hatte, um meinem Leben dort im Wasser ein Ende zu machen. Ich wollte mir einmal genau die Stelle ansehen, an der mein Vorhaben Wirklichkeit werden sollte. Dabei wollte ich mir genau überlegen und mir einprägen, wie sich das am anderen Morgen ohne viel Aufhebens möglichst schnell, unbemerkt und ohne viel Aufhebens ausführen ließe. Mit einer gewissen Beruhigung ging ich dann heim auf mein Zimmer. Ich wollte kein Licht haben und blieb im Dunkel sitzen. Meine Gedanken schwebten so dahin. Meine Not stieg neu in mir auf und redete zu mir. Doch da brach eine mächtige Not über mich herein. Es trieb mich vor mein Bett auf die Knie. Die neu aufgestiegene Not trieb mich ins Gebet, ich fand Zuflucht im Gebet, schrie in meiner Not zum Heiland und sagte zu ihm: „Was habe ich doch Dir und meinen lieben Eltern für eine Schande bereitet! Ich schäme mich ja so sehr, ich kann so nicht mehr weiterleben. O Heiland, erbarme Dich meiner und meiner so sehr verirrten Seele! Wie bereue ich, daß ich mich mit dem Manne eingelassen habe und damit solch ein Unrecht getan habe. Tröste doch und stärke auch meine lieben Eltern, wenn sie dann die Nachricht bekommen, daß ich mein Leben beendet habe." Über all dem Schmerz und der seelischen Not mußte ich unaufhörlich weinen. Wie lange ich so geweint habe und über die Not immer wieder nachgedacht und auch dabei noch gebetet habe, das weiß ich wirklich nicht mehr zu sagen. Auf einmal wurde mein dunkles Zimmer lichthell. Vom hellsten Licht war ich umgeben. In diesem Lichte sah ich den Heiland vor mir stehen. Ernste und durch- dringende Augen waren auf mich gerichtet. Seine blauen Augen durchdrangen die Tiefe meines Seins und ruhten traurig auf mir. Er hob den Finger zu mir auf, und Ihn zu mir sagen: „Warum bin denn ich da?" Der tiefernste Blick Seiner Augen und Seine Worte gingen mir durchs Herz. Sie machten mir ganz deutlich, daß Er von meinem Vorhaben wußte und daß alles vor Ihm offenbar ist. Das durchzuckte mich und stellte mir mit ganzer Deutlichkeit mein verkehrtes Tun und vor meinen vor Augen. Mit einem Schlage wurde mir auch deutlich, was ich mir machen und wie ich mir noch mehr schaden würde als ohnehin schon getan worden ist. Seine Worte machten mich völlig nüchtern, und machten mir mit einem Schlage deutlich, daß nur Er meinen Schaden heilen konnte und Er, nur Er allein, mir helfen konnte. Aus tiefstem Herzen konnte ich nur zu Ihm sagen: „Ja, mein lieber Heiland, zu sündigen, da war ich nicht zu feige, O vergib mir! Nun bin ich aber zu feige, nun die Folgen meines Tuns auf mich zu nehmen und sie zu tragen. Vergib mir mein Tun und meine Sünde, vergib mir auch meine Selbstmordgedanken und Selbsttötungsabsichten! Und willst Du, daß ich weiterleben soll, dann will ich das Leben nicht fliehen." Dann streckte der Herr Seine durchgrabene Hand über mich aus. Ich wurde mit Kraft erfüllt, so daß alle Feigheit und Furcht von mir floh. Mit neuer Zuversicht war ich erfüllt und der Vergebung meiner Sünde war ich gewiß geworden. Für die damals biblisch richtig und ernst und streng denkende Umwelt war mir der rechte Weg aufgezeigt und geschenkt worden. Ich wollte diese Demütigung auf mich nehmen und dem Herrn nachfolgen und mich an Ihn halten. Kein Geringerer als der Herr selbst hatte sich ja in meiner so großen Not meiner angenommen und mir diese herrliche Hilfe geschenkt! Nach meiner heutigen Erkenntnis kann ich nur sagen: „Der Herr hat mich nicht nur vor Selbstmord, sondern auch vor Mord an meinem werdenden Kinde bewahrt.“ Daher habe ich ja allen Grund diesem meinem so teuren Heiland in der Tat dankbar und treu zu sein. Meine Mutter habe ich dann brieflich von meinem Zustande benachrichtigt. Die Mutter kam dann auch zu mir, und wir sprachen uns beide aus. Sie sagte dann schließlich zu mir: „Ich weiß, ich habe kein schlechtes Kind erzogen und großgezogen. Ich will Dir verzeihen. Doch siehe zu, daß Du nicht wiederum sündigst! Laß Dir dies eine Mal eine Lehre für Dein ganzes Leben sein! Du siehst ja, wohin das alles führt und welche Not und Schwierigkeiten es mit sich bringt. Wenn es dann soweit ist, kommst Du zu uns nach Hause und hältst Dein Wochenbett bei mir!" Des treuen Herrn Vergebung und auch die Vergebung meiner lieben Eltern halfen mir durch diese Zeit. Das Kind durfte ich im Glauben und Vertrauen zu Jesus Christus erziehen. Und der treue Herr hat den Fluch der Sünde schon im Mutterleib in Segen verwandelt. Es durfte ein Gotteskind werden und darf dem Herrn mit Freuden nach seinen Fähigkeiten und Gnadengaben dienen. Und vielen hat es schon ein Segen sein dürfen. Mit mir zusammen darf sie, dem Herrn dienen. Der Herr hat ihr auch eine gesegnete Ehe mit einem Gotteskind geschenkt. Dieses eine Erlebnis hat mich in meinem Leben gründlich gedemütigt, aber auch für den Dienst im Reiche Gottes geprägt. Im Kampfe Wider die Sünde, besonders auch der Hurerei und des Ehebruchs, wurde mir dies eine Kraft, aber auch zum Erbarmen für den von der Sünde Gezeichneten und den geplagten und gebundenen Sünder. Ja, diese Demütigung hat mich an der Demut festhalten lassen und mich vor Hochmut und Selbstgerechtigkeit bewahrt. Viele der modern und „aufgeklärt“, auch der christlich fortschrittlich denkenden Menschen werden sich an dieser Stelle sagen: „Wie gut!, daß doch heute solche alten Zöpfe abgeschnitten werden Wie so — werden sie sagen, — daß man diese althergebrachten Sachen gründlich abstaubt. Wie gut, — werden sie meinen, — ist es, daß doch endlich mit dieser Sittenstrenge aufgeräumt und es nicht mehr so genau genommen wird, daß unsere Kinder nicht mehr so in Ängsten leben müssen. Wenn schon einmal ein Ehebruch vorkommt, was ist das weiter schon tragisch, — sagt man ja. — Und wie gut ist es, daß man doch die Pille hat, die aus diesen Problemen heraushilft, und es erst gar nicht so weit kommen läßt. Und wenn's dann doch so weit kommen sollte, so kann man doch heute ungehinderter an die Abtreibung gehen!" Sie meinen und äußern, das sei gut, doch das Wort Gottes sagt etwas anderes — das Gegenteil. Mit dem Zudecken und dem Beseitigen-Wollen der Sünde ist es nicht getan. Nur durch das Aufdecken und Bereuen vor Gott und durch die vergebende Gnade Jesu ist wirklich geholfen. Das Feigenblatt drüber decken — es wurde ja in Wirklichkeit dort drüber gedeckt, wo auch gesündigt worden war —, das nützt nichts. Was von Gott als eine lebenschaffende Einrichtung in aller Offenheit geschaffen wurde, kann auch und darf auch zum Segen sein, Wenn es nach Willen Gottes und nach Seinem Segen gebraucht wird. Und wer wider den Willen des Herrn gesündigt hat — und Ehebruch und Hurerei ist nun einmal nach dem Wort des Herrn Sünde und wird von Ihm selbst gerichtet, Hebr. 13, 4 —, dem ist nicht mit Zudecken durch diese neuzeitlichen Feigenblätter geholfen. Der Herr hat es als eine lebenschaffende Kraft gegeben, auf Anraten und Drängen und Verführung des Teufels ist daraus eine so vielfache Not geworden. Wir sehen es ja am Sündenfall der ersten Menschen. Dieser Sündenfall beinhaltet ja als erstes den Zweifel an Gottes Wort und dann den von Gott ungesegneten Gebrauch der geschlechtlichen Fortpflanzung. Kain, ein Mörder, war die Frucht. Die Schmerzen beim Kindergebären nebst dem Tod waren die Folgen, 1. Mose 3,1—19. Was von Gott her gut geschaffen, offen und frei geschaffen wurde, und dazu dienen sollte, eine Menschheit für Gott zu befreien, hat sie durch Mißbrauch in nur größere Banden gebracht, versklavt. Ein gesegneter Gebrauch sollte dem lebendigen Gott zu echten und rechten Vater-Freuden gereichen, es sollten Kinder Seines Angesichts und Gottes Ebenbilder werden, Kinder Gottes, die Ihn lieben und die Er Wieder lieben möchte. Es sollten Menschen werden, die in Gott ihren lebendigen Vater sehen. Aber diese Nur-Erotik gereicht dem Teufel zur großen Freude. Kein Geringerer als Goethe hat dies in seinem Faust zum Ausdruck gebracht. Wer die heilige Schrift kennt, weiß dies ohnedies — und noch viel mehr dazu. In dem sinnlichen Begehren -des Faust, das auf ein frommes Mädchen, Margarete, gerichtet war, braucht er die Hilfe des Mephisto, des Teufels, um sie „umzustimmen", von göttlichem und kirchlichem Denken abzubringen und für eine geschlechtliche Begegnung „reif" zu machen. Wir lesen da: „Faust: Hör, du mußt mir die Dirne schaffen! Mephisto: Nun, welche? Faust: Sie ging just vorbei. Mephisto: Da die? Sie kam von ihrem Pfaffen, der sprach sie aller Sünden frei; ich schlich mich hart am Stuhl vorbei. Es ist gar ein unschuldig Ding, das eben für nichts zur Beichte ging; über die hab ich keine Gewalt! Faust: Ist über vierzehn Jahr doch alt. Mephisto: Du sprichst ja wie Hans Liederlich, der begehrt jede liebe Blum für sich, und dünket ihm, es war kein Ehr und Gunst, die nicht zu pflücken war; geht aber doch nicht immer an. Faust: Mein Herr Magister Lobesan, laß er mich mit dem Gesetz in Frieden! Und du sag ich ihm kurz und gut, wenn nicht das süße junge Blut heut Nacht in meinen Armen ruht, so sind wir um Mitternacht geschieden. Mephisto: Du übersinnlicher, sinnlicher Freier, ein Mägdlein nasführet dich. . . . nun heute Nacht —? Faust: Was geht dichs an? Mephisto: Hab ich doch
meine Freude dran! So gesehen ist der Teufel zum Spanner geworden, wie man zu einem sagt, der dabei zusehen will und die Gelegenheit dazu sucht; er ist zum Zuschauer geworden, zu einem, der in der sinnlichen Nur-Erorik seine Freude hat und sich dadurch gegen Gott selbst aufgeilt und befriedigt. Wen braucht es da zu wundern über dem, was da heute alles geschieht und geboten wird? Um 1965 begann sich in unserem Volke die sexuelle Welle mehr und mehr durchzusetzen. Alte Vorstellungen von Liebe, Reinheit und Zucht, von Gottes Gebot und Wort wurden in Presse, Film und Illustrierten als billige Mittel zur Unterdrückung der Menschen dargestellt und Sexualität als Kraft zur Befreiung und Verwirklichung besten menschlichen Lebens gefeiert. Eine Unmenge von Erscheinungen ist dann aufgetreten, bis zur Abtreibung hin in gesetzlicher Möglichkeit. „Das sollst Du aber wissen, daß in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen. Denn es werden Menschen kommen, die viel von sich halten, geizig, ruhmredig, hoffartig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ungeistlich, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, wild, ungütig, Verräter, Frevler, aufgeblasen, unkeusch, die die Wollust mehr lieben denn Gott ..." Aus 2. Thim. 3,1—7. Bereits im Jahre 1938 als damals schon die sogenannte „freie Liebe“ aufkam, hat der Herr gesagt: »Ihr meine Kinder, es wird eine Zeit kommen, da, so wie dereinst die Erde mit Wasser über- schwemmt worden ist, eine Flut aufkommen wird, eine -Sündenflut über die Erde gehen wird voll Hurerei und Ehebruch. Und die Ehe, die als heilige Ordnung von Mir eingesetzt, wird keinen Damm mehr setzen können gegen diese Flut. Ich aber muß es zulassen, um die Menschen aufs neue zu überzeugen, wo man hinkommt und welche Folgen es zeitigt, wenn man Meine Gebote verachtet und aus der heiligen Gottesordnung fällt. Wehe, wenn diese Saat, die jetzt gesät wird, aufgeht; es wird eine schreckliche Ernte werden." Auch der Weg in die Abtreibung, wie er heute so viel gesucht wird, ist keine Lösung. Es ist eben nicht nur ein leibliches, körperliches Problem, sondern es ist und bleibt letztlich ein seelisches, geistliches Problem. Und das nicht nur, was die Seele der Mutter anbelangt, sondern auch die des werdenden Kindes schon! Wie sagten doch die Alten mit sehr gutem Recht und aus gemachten Erfahrungen: „Lieber zehn Kinder auf dem Kissen als nur eines auf dem Gewissen!" War und ist dies etwa rückständig? Die Abtreibung ist und bleibt eine Frage des Gewissens und wird zu einer Last, zu einer bleibenden Last des Gewissens. Wer aber hat noch ein lebendiges Gewissen? Eine Hebamme, Lisbet Burger, gibt in ihrem Buch „40 Jahre Storchentante" viele ihrer Erlebnisse wieder. Ein sehr wichtiges davon sei hier gekürzt wiedergegeben.
Eine Kranke wird ins Krankenhaus eingeliefert. Sie hat nichts bei sich, das einen Anhaltspunkt für irgendwelche religiösen Interessen bildet. Puder, Lippenstift, Augentropfen, Nagelfeile, Kamm, Spiegel ... ein Dutzend unnötige Dinge. Die Hebamme schreibt dann in den hier auszugsweise vorliegenden Aufzeichnungen: „Mit einem dicken Klumpen schwarzen geronnenen Blutes geht ein Ärmchen eines etwa fünf Monate alten Kindes ab. Schwester Oberin, richten Sie alles bitte zur Operation, bis der Arzt kommt. Wenn überhaupt noch etwas zu helfen ist, wird es nur durch einen Eingriff zu machen sein. Es kam eine entsetzliche Nacht. Die schrecklichste 'Nacht meines Lebens’ und einige solch schauriger Tage und Nächte schlossen sich an. Doch ich wollte, daß alle sie hätten miterleben können, die der Teufel jemals auf Abtreibungsge- danken bringen möchte. Eine Hebamme ist vieles gewohnt. An Stöhnen und Schreien, Angst und Weh, Blut und Grauen.. Aber ein solches Ende, wie! dieses junge Weib von dreißig Jahren es erlebte, möchte ich nicht wieder mitmachen. Da richtet sich die Frau auf . . . starrt mit Augen voll grenzenlosen Entsetzens nach der Tür . . ., immer größer wird der Blick, das Haar sträubt sich. Mit einen Satz will sie aus dem Bett springen nach dem Fenster, sich hinausstürzen. ,Fort — nur fort', keuchen die fahlen Lippen. Angstschweiß perlt über die Stirn. Mit äußerster Kraft gelingt es uns, sie festzuhalten. Da verkriecht; sie sich unter die Decke, heult und winselt in Angst und Schrecken. Und es ist doch nichts da. Nichts. Dann schleicht das Entsetzen wieder heran und sie beginnt zu reden: Jetzt. .. jetzt kommen sie wieder ... eins nach dem andern, eins — zwei — drei, das ist schon groß, fast ausgewachsen, vier — fünf — das ist ganz klein geblieben, sechs — sieben — acht - dem ist der Kopf abgerissen, neun — zehn — dem sind die Beine weg, elf - zwölf — und jetzt nur ein Arm und ein Bein. Wo hast du deinen Kopf . . . die anderen Glieder? . . Warum habt ihr keine Augen?' Sie reißt plötzlich die Bettdecke hoch und preßt sie vor das Gesicht. ,Nein - nein — geht - geht. . . ihr habt kein Recht zu leben!’ und sinkt erschöpft zusammen. Mir steht das Herz still vor Schreck in jähem Begreifen. Aber daß es nun das dreizehnte sein soll . . .? Nach einer Weile fängt sie wieder an: ,Was wollt ihr hier — jetzt—heute? — Ihr seid tot... ihr habt nie gelebt — ich habe keine Kinder .. . wer hat euch hergeschickt? Die spitzen Finger der Kranken zeigen wieder zahlend die Wand entlang. ., zwei — vier — sechs — geht — geht!’ Abwehrend streckt sie die Hände aus, schlägt um sich, wehrt sich gegen unsichtbare andringende Gestalten, bis sie wieder zusammensinkt. Doch sie findet keine Rahe. Neues Grauen kommt: Da— eins — zwei — drei.. was seid ihr so häßlich... — blutig — zerschunden — zerrissen.— nackt . . . und habt keine Augen?' und sie schüttelt sich wie im Ekel. ,Rührt mich nicht an . .. geht fort. .. geht fort!' ,Seht ihr nichts? Hört ihr nicht, Wie sie klagen und wimmern, wie sie weinen und schreien ... da — jetzt wieder... Wir haben kein Kleid der Gnade unsere Blöße zu decken — kein Festkleid Zum ewigen Hochzeitsmahl. . . wir sind ausgeschlossen, können nicht eingehen in die ewige Ruhe . . . du hast uns vertrieben aus dem Mutterschoß! Wir können das ewige Licht nicht sehen, du hast unsere Augen genommen! . . . Hört ihr denn nichts? Da. . . dort . . . hier — eins — zwei — drei. . .' Und plötzlich wieder ganz rasend werdend, schreit sie auf!: „Geht, geht — rührt mich nicht an, Schwester laß mich fort . . .' Sie schleudert die Schwester beiseite. Zum Glück kommt der Arzt, Eine schnelle Diagnose: sofortiger Eingriff. Die arme Frau schrie und stöhnte drei Tage und drei Nächte lang. Nicht einmal die stärksten Dosen des betäubenden Giftes vermochten sie völlig zur Ruhe zu bringen. Immer wieder sah sie ihre im Mütterschoß ermordeten' dreizehn Kinder zu sich kommen mit ihren Klagen, Vorwürfen und Bitten. Nach vier Tagen würde sie unvermittelt klar. Der Geistliche kam. Nach den ersten Worten fiel sie ihm in die Rede: ‚Dreizehn sind es, ja. Braucht gar nichts zu fragen . . .' Und wie er von Gottes Barmherzigkeit sprechen wollte, sagte sie mit letzter Kraft: ,Laßt mich gehen . . . ich will in die Hölle ...will es dem Lumpen heimzahlen in der Ewigkeit. .! Ihr letztes Wort für ihren eintretenden Mann war: ,Lump!' — So starb sie. Abgetriebene Leibesfrucht — unförmige und unvollendete Seelen, die Leben haben, die anklagen! Im Mutterschoß ermordete dreizehn Kinder, so bezeichnet es diese Hebamme. Ermordet! Ist das so? In den neutestamentlichen Apokryphen finden wir eine Offenbarung des Petrus, Das Kanonverzeich- nis des Codex Claramontanus zählt die „Offenbarung des Petrus" immer noch unter die hochge- schätzten, einst dem Neuen Testament zugehörigen Schriften. Im 6. Kapitel der Offenbarung des Petrus werden verschiedene Schilderungen über jenseitige Qualen gebracht. Es heißt da: „Nahe bei diesem Feuer, in dem sich die Mörder und ihre Mitschuldigen befinden, ist eine große und sehr tiefe Schlucht, in die alles hinanfließt: Unrat und Schauderhaftes und Aussonderungen, Und die Weiber sitzen darin bis an ihre Kehlen und werden bestraft mit großen Qualen. Das sind die, welche ihre Kinder abtreiben und das Werk des Herrn, das er geschaffen hat, verderben. Ihnen gegenüber ist ein anderer Ort, an dem ihre Kinder sitzen, leben und schreien zu Gott. . .!" Die heilige Schrift, das Wort Gottes bleibt eben das oberste Gesetz des Lebens. Und Gott selbst ist und bleibt die letzte Instanz. Mögen auch weltliche Maßstäbe anders sein — Gottes Wort ist und bleibt unverrückbar. „Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und alle, welche die Lüge lieben und üben." Offenbarung 22, 15 „Selig sind, die ihre Kleider waschen, die seine Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt." Offenbarung 22,14 Wo Schuld ist, kann sie nicht durch neue und zusätzliche Schuld aus der Welt geschafft werden. Schuld und Sünde im Leben kann nur Jesus Christus vergeben. Sein Blut kann es, kann es für 'den, der seine Sünden aufrichtig bereut — auch die vorgenannt geschilderten. Und das Blut Jesu kann uns nicht nur von Schuld befreien, sondern uns auch von der Ursache zur Schuld — die überkom- mene Veranlagung zu sündigen! „Und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes." 1.Petrus l, 18—19 Sollte eine der Leserinnen mit solcher Schuld der Abtreibung belastet sein, irgendein Leser dazu Mitschuld haben, so bitte ich ihn innig und herzlich, die Gnade und Vergebung Jesu zu suchen. Melodie:
„Hast du eine Sorgenlast,.."
Jesus, meine Kron und Zier, Dir gehör ich für und für; Du mein Licht in dunkler Nacht, in der Schwachheit meine Kraft! Fest ergreif ich Deine Hand, Du führst mich ins Vaterland, wo vorbei ist aller Schmerz, an's geliebte Vaterherz. Ach, wie leh'n ich mich an Dich, wie liebst Du so inniglich; wardst zum Leben mein Gewinn, weil Dein Blut gabst für mich hin. Was mein Herz auch stets bewegt, ob sich Angst, ob Freude regt, immer komm ich, Jesu mein, so nur kann ich glücklich sein. Daß Dein Herz mir offen steht, ist's, was mich so tief bewegt. Schmach und Tod hätt’ ich verdient! Dank! Du hast für mich gesühnt. Nimmer bin ich Deiner wert, wie Dein Wort mich stets auch lehrt, und ich selber mich erkannt, doch Du hast mich Dein genannt. Sieh, Dein Kind im Staube hier dankt aus vollem Herzen Dir! Abba, es ist Deine Gab, daß ich einen Heiland hab! K.P. Nicht
mein, sondern Dein Wille geschehe
Das ist wohl die schwerste Bitte, die über unsere Lippen kommt, die von Herzen gehen kann. Wie oft beten wir diese Bitte im Vaterunser, und wie noch öfter leben wir doch nach eigenem Willen! Wir sehen es doch wie wenig nach Gottes Willen, nach, des Vaters Willen gefragt wird. Und doch ist es so wichtig, nach diesem Willen zu fragen und danach zu tun. „Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille." Römer 12, 2. Und das andere Wort, das der Herr selbst gesagt hat: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel." Matth, 7, 21. Die Auflehnung gegen Gottes Willen zieht sich ja bis in die „frömmsten Kreise" hinein; das Widerstreben gegen Gottes Willen ist doch so häufig. „Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche," Lukas 19, 14 „Denn er mußte ihnen einen nach der Gewohnheit des Festes losgeben. Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem — Jesus Christus — und gib uns Barrabas los! Welcher war um eines Aufruhrs, so in der Stadt geschehen war, und um eines Mordes willen ins Gefängnis geworfen." Lukas 23, 17—19 So tief ist letztlich die Abneigung gegen Gott und die Zuneigung zu Aufrührern und Mördern! Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe! Das hat uns der Herr lebendig vorgelebt: „Und er riß sich von ihnen einen Steinwurf weit und kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn." Lukas 22, 41-43 Wie der treue Herr mir in einer ganz besonderen, schmerzlichen Lebenslage geholfen und beigestanden hat, mir Seinen Willen kundgegeben hat, der mich immer wieder trägt und stärkt, die Last tragen hilft, immer wieder neue Gewißheit und Zuversicht vermittelt, das darf ich nachstehend bezeugen. Ich war sehr unglücklich über die äußerst schwachen Augen meines Kindes. Oft weinte ich deshalb und wünschte von Herzen sehende Augen. Mein Kind hatte nicht nur sehschwache Augen, sondern durch falsche Behandlung auch noch ein sogenanntes Augenzittern dabei. Deshalb flehte und betete ich auch viel zum Herrn um Abhilfe. Immer wieder brachte ich diese meine Not und meinen Wunsch vor den Herrn. War doch mein Kind mit einem regen Geist und einer Lebendigkeit ausgestattet und mit guten Anlagen für ein erfolgreiches Leben gesegnet! Es hatte ein überaus gutes Gedächtnis und auch eine schöne Singstimme. Sollten nun diese schwachen Augen hinderlich sein, da: sie im Leben etwas Tüchtiges werden sollte? Ich wünschte mir doch von Herzen, daß es brauchbar im Leben werden sollte. Dies machte mir viel Not, und diese Not trieb mich oft ins Gebet. Da schenkte mir der liebe Heiland ein geistliches Erlebnis. Mit meinem Kind an der Hand ging ich in die Kirche meines Heimatortes. In der Kirche waren auch andere Frauen mit gesunden Kindern, mit Kindern, die keine Gebrechen an sich trugen. Da sah ich den treuen Heiland unter sie treten und sie segnen. Er sah mich mit meinem Kinde, kam dann auf mich zu und hieß mich mit meinem Kinde willkommen, blickte mich so voller Liebe an und fragte nach meinem Begehr. Ich zeigte auf mein sehschwaches Kind and bat Ihn, doch meines Kindes Augen anzurühren und sie gesund zu machen. Voll Freude, Ihm selbst diesen meinen Herzenswunsch vortragen zu dürfen, sagte ich Ihm das und blickte in Sein Angesicht. Doch dieses Antlitz, das mich vorher so strahlend und leuchtend anschaute und so lieb auf mir ruhte, wurde etwas traurig. Das beachtete ich nicht so über meinem frohen Wunsch. Der liebe Heiland legte meinem Kinde die eine Hand auf das Haupt, fuhr ihm mit der anderen Hand über das Gesicht. Da wurde das Antlitz meines Kindes so lieblich und aus den Augen strahlte es nur so und seine Augen sahen mich so lebendig an, daß mein Herz glückselig wurde. Voll Freude über das herrliche Geschenk wollte ich Ihm danken und schaute zu Ihm auf, und — nun erschrak ich erst über Sein trauriges Angesicht, das mir vorher gar nicht so bewußt geworden war. Ich frug ihn: „Weshalb bist Du denn so traurig, mein lieber Heiland?" Nun wurde es mir in meinem Herzen gesagt und deutlich gegeben, daß der Grund der sei, weil ich für mein Kind um diese Bitte nachgesucht habe. Nachdem mir dies so deutlich im Herzen aufgeschlossen war, rief ich aus: „Lieber Heiland, wenn diese meine Bitte der Grund ist für Deine tiefe Traurigkeit, dann laß mein Kind wieder so werden, wie es nach Deinem Willen war und nach Deinem Willen sein soll." Als ich das sagte, da leuchtete Sein Angesicht wieder auf. Er führte mein Kind wieder an, fuhr mit der Hand über sein Antlitz, und es würde wieder so, wie es zuvor war. redete der treue Heiland mich an und sprach zu mir: Tochter Meiner Liebe, was Du auch jetzt nicht verstehst, Ich verstehe es. Sei getrost und glaube! Hernach wirst auch Du es erfahren und Freude die Fülle haben. Mein Segen und Frieden sei mit Dir!" Er gab mir dann die Kraft und die Gnade, auch für diesen Weg ein volles Ja zu haben, Seinen Willen zu heiligen. Ja, ich konnte für dieses Leiden Seinen Willen ehren und Ihm von Herzen danken,, daß Er mir das so treu und deutlich aufgeschlossen hatte. Ein Teil dieses „hernach" ist mir bis zur Stunde schon aufgeschlossen und mir vom Herrn deutlich gemacht worden. Meine Tochter wird jetzt 50 Jahre alt. Der Herr hat ihr zwar nicht die leiblichen, dafür aber um so mehr die geistlichen Augen geöffnet. Sie. darf viel und oft die Herrlichkeit des Herrn und Ihn selbst schauen. So gesehen hat Er mich hier schon reich getröstet und entschädigt für das äußere Gebrechen, für den äußeren Verlust; und reichlich innerer Gewinn fließt aus dem äußeren Schaden, dem Gebrechen. Der „Ärger" — Matth. 5, 29 — mit den Augen ist ihr erspart. Besser eins der Glieder verdorben als der ganze Leib in die Hölle geworfen! So ist ihr dies nicht zur Verdammnis geworden, sondern zu einem Licht aus dem Hammel in ihrem äußerlich dunklen Leben. Und dieses Glück in und durch die Gnade Jesu: Für dieses Geschenk kann sie nur danken und loben. Der Herr ist treu! Was aber wird erst hernach sein, wenn die ganze Fülle Seines Willens in der ganzen Höhe und Breite und Länge und Tiefe offenbar gemacht wird, wenn alles aus- und durchgehalten ist! Da wird nur Dank und Anbetung für Seine Führung sein und bleiben. Melodie: „Befiehl du deine Wege ..“ Ich leg' in Deine Hände mein ganzes Schicksal still. O Vater, Du nur wende, so wie es ist Dein Will', es stets in meinem Leben, bei Freuden und bei Leid: Dir hab ich mich ergeben für Zeit und Ewigkeit! Mach Du mich, Herr, beflissen, zu tun nach Deinem Wort! O heile mein Gewissen und helfe mir stets fort, nach edlem Gut zu streben zu meiner Seele Heil! Im Sterben wie im Leben, o, bleibe Du mein Teil! Ich danke Dir von Herzen, Du Jesu-Vater mein. In Freuden und in Schmerzen bin ich Dein Kindelein. Du hast mich ja gerettet, als ich verloren war; in Lieb' mich eingebettet bei jeglicher Gefahr. Du bist ja selbst die
Treue, die Wahrheit und das Licht, jed" Tag, jed' Stund' aufs neue;
sie hält, was sie verspricht. Ich preise Deinen Namen, der Du so viel
getan. Sprich Du dazu Dein Amen! Ich bet' Dich ewig an. K.P. Der
Herr kennt die Seinen
Der Herr besucht und
stärkt und segnet die Seinen Im Geiste stehe ich vor dem Gnadenthron des Herrn, Um mich her sehe ich viele anbeten, viele liegen auf den Knien und bringen Ihm, dem Treuen und Wahrhaftigen, dem Herrn und Gebieter, Dank und Lob, Preis und Anbetung dar. Sie danken immer wieder auch dafür, daß es noch Gnadenzeit ist, daß die Tür noch offen und nicht verschlossen ist, daß es noch Zeit ist zur Rettung vieler, daß es noch nicht zu spät ist, um umzukehren und heimzukehren. Ich sehe den Herrn auf Seinem heiligen Thron in Seiner königlichen, majestätischen Würde, in Seiner Königsherrlichkeit. Heilig, heilig, heilig ist es um den Thron und Heilig ist Er, der Höchste. Er ist der Herr und alles ist Ihm untertänig. Er ist der alleinige Regent Himmels und der Erde. Nun sehe ich, wie sich der Herr von Seinem Thron erhebt, und wie Er Krone und Zepter ablegt und mich zu sich ruft. Er sagt, daß Er nun einige Seiner Kinder, die aufrichtig und lebendig zu Ihm stehen, besuchen möchte; auch Verlorene, die nach Ihm rufen würden und errettet werden wollten, aufsuchen möchte. Der Herr bittet mich nun, Ihn auf Seinen Wegen zu begleiten. Er nimmt mich mit und Cherubim und herrliche Engel begleiten uns. Wir treten auf Erden in ein schmales, kleines Kämmerlein ein. Größte Armut herrscht dort. In dem Kämmerlein steht ein Bett und darin liegt ein krankes, altes Mütterchen in großen leiblichen Schmerzen und Nöten. Engel sind um sie her, der Himmel über ihr und ihrem Bett ist offen. Ihre Hände sind gefaltet, sie sind aber sichtbar durch Krankheit gekrümmt. Das Mütterchen fleht gerade für die Rettung derer, die noch zu retten sind. Sie fleht für die Ausbreitung des Reiches Gottes und für den Sieg Seiner Sache auf Erden. Sie ringt darum, daß doch die Liebe Jesu siege in allen Herzen. Sie fleht für ihre Leidensgenossen. Und sie tut das alles mit einem glänzenden Angesichte, das wohl von Zeit zu Zeit kurz von Schmerzen verzerrt wird. Ihre Augen sind strahlend. Die gefalteten Hände, so krumm und arm sie auch sind, hat sie emporgehoben. Ich sehe nun Jesus zu ihr hingehen. Nun höre ich den Herrn, der sich nun zu ihr geneigt hat an ihrem armen Lager, ihrem so harten Schmerzenslager, wie Er sie so voller Liebe tröstet. Und nun spricht Er zu dem kranken Mütterchen: „Bald werden alle Deine Leiden umgewandelt in Freude, und Du wirst als mein erlöstes Kind frohlocken, bei Mir einkehren, herrlich belohnt werden für alles, was Du hier um Meinetwillen erduldet hast und dennoch nicht müde geworden bist, für den Sieg Meiner Sache und die Verherrlichung Meines Namens zu flehen und zu beten!" Nun legt Er ihr Seine durchgrabenen Hände auf ihre krummen, gefalteten Hände, neigt sich zu ihr nieder, gibt ihr einen Kuß auf ihre Stirn. Da sehe ich, wie ein Freuen durch ihre Seele geht. Das Kämmerlein ist nicht mehr eng, ist nicht mehr klein, es ist zu einem wunderbaren Raum geworden voller Licht. Das alte Mütterchen betet nun weiter an, und mit ihr nun viele, die überwunden haben, und viele Cherubim und Engel stimmen mit ein: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr! Alle Himmel sind Seiner' Ehre voll! Kommt, betet Ihn an!" Noch einmal neigt der Herr sich zu diesem armen Mütterchen, das so von Schmerzen geplagt, aber unermüdlich im Gebet und in der Fürbitte geblieben ist, im Flehen zur Rettung für alle, und das aus inniger Liebe zu Jesus — und segnet sie. Nun winkt der Herr ihr und ruft ihr zu: „Nur noch ein Kleines, dann hole ich Dich heim," Aufs neue fallen die Engel nieder, auch viele der Vollendeten und der Überwinder. Meine Augen sehen umher, und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Dieser so große Gegensatz. Auf der einen Seite diese Ärmlichkeit, diese äußere Not und auf der anderen Seite diese so große Herrlichkeit Jesu, Diese arme Enge, und doch die so große Weite! Immer wieder gehen meine Augen zu dem kranken Mütterchen, zu ihrer! Hilflosigkeit, zu ihrem ärmlichen Lager. Dieses armselige Stübchen, und doch ist sie so zufrieden und freudig im Herrn. So krank und krumm, so gichtig und verwachsen die Hände — und doch gefaltet für den Herrn und Heiland Jesus. Mir fällt auch auf, daß sie den Kopf nicht so bewegen kann, wie die Leiden sie auch da hindern. Schmerzen zeichnen dieses Leben. Doch Freudigkeit strahlt aus ihr und ihre Leiden hat es ganz vergessen in der Fürbitte und dem Gebet für die anderen. Ein brennender Wunsch beseelt sie, der Wunsch, daß Jesus verherrlicht wird, daß Seine Sache siegt, daß Sein Wort über die Erde geht, daß Sein Reich komme, daß der Reichtum Seiner Gnade ausgeteilt werde für all die Notleidleiden und Kranken. Da werde ich auch unwillkürlich an meine eigene Lage erinnert, und wie groß wird mir auch da dieses Mütterchen zum Segen und zur eigenen Stärkung in meinen Leiden. Viel Kraft auch für meinen Auftrag und meinen Dienst fließt mir da zu. Ja, dieses Mütterchen, selbst so krank und leidend, so hilflos und doch so freudig, ist selbst so arm und denkt doch immer wieder nur in wahrer Retterliebe an die anderen. Selbst erfahrene Not drängt sie ins Gebet für andere, treibt sie in die Fürbitte, damit sie Kraft und Segen empfangen dürfen. Melodie:
„Heilig, Heilig, Heilig ..."
Liebe, Liebe, Liebe, liebe ist der Herr. Liebe, Liebe, Liebe, Hiebe ist nur Er. Liebe ist Sein Wesen, Liebe nur allein. In Ihm wir genesen, wenn wir uns Ihm weih'n. Heilig, heilig, heilig, heilig ist Sein’ Lieb. Heilig, heilig, heilig, heilig sie Ihn trieb dort zum Kreuzesstamme, wo Er für uns litt. Betet an im Lamme Ihn, der uns so liebt! Preiset, preiset, preiset, preiset Seinen Nam’! Danket, danket, danket Ihm, der zu uns kam als ein treuer Heiland, groß in Seiner Gnad, und für uns vollbrachte die größt' Liebestat! Lobet, lobet, lobet unser Vaterherz! Lobet, lobet, lobet auch im größten Schmerz! All ihr Engel stimmet freudig mit uns ein! Alle Ehr' Ihm bringet, auch ihr Kindlein Sein! K.P. Der
Herr sucht das Verlorene
Von dem alten kranken Mütterchen hinweg geht unser Weg in eine Gefängniszelle. Da liegt ein Mann auf dem Boden, Er ist in den mittleren Jahren. Vor ihm aufgeschlagen liegt die Bibel, und ich sehe, daß es das Kapitel vom verlornen Sohn ist. Der Mann weint und schreit es geradezu heraus: „Herr, vergib! Meine Sünde ist blutrot! Kann mir noch geholfen werden? Wenn Du bist, dann offenbare Dich mir! Ich habe gesündigt, ich habe gemordet, ich habe Blut vergossen. Ich war verblendet. Meine Hände sind unrein, auch mein Herz. O hätte ich doch auf meinen alten Vater gehört! Meine Mutter ist nun aus Gram dahin. Ist es wahr, was hier in der Bibel steht, Herr Jesu, dann offenbare Dich mir!" Wie ist mir doch auch da das Wort der heiligen Schrift so deutlich geworden: „Die Sünde ist der Leute Verderben!" Die Sünde ist eine Macht, eine verderbliche Macht. Wie kann sie doch den Menschen ruinieren und sein Leben zerstören! Da liegt ein noch junger Mann, von Gestalt sehr stattlich und jetzt so ein Haufen Elend! Welch ein Jammer. Nun sehe ich wie der teure Heiland an den Mann herantritt. Engel sind wiederum dabei, auch mehrere Überwinder mit Kronen, solche, die aus Gnaden daheim sein dürfen und überwunden haben durch des Lammes Blut. Eine Wolke von Zeugen! Nun legt der treue Heiland Seine durchgrabene Hand auf das Haupt dieses von der Sündenlast und der Sündennot zu Boden geworfenen Mannes. Dieser hört nun auf einmal auf zu weinen, er wird stille und stumm und hebt seinen Kopf in die Höhe. Jesus fährt ihm mit der Hand über seine Augen. Da geht ein Leuchten über sein Angesicht, und er erkennt den Herrn und ruft aus: „Jesus, Du bist's! Hast mich elenden Mörder erhört, der ich meine Sünden beklagt und bereut habe! Vergib, vergib! Du bist zu mir gekommen! Ja, Du bist's, den die Bibel mich lehrt, der wirklich Auferstandene!" Da ging ein Freuen und Jauchzen durch ihn. Das große Sehnen und Verlangen nach Gnade ist gestillt. Tränen der Freude fließen über sein Angesicht, doch die Augen leuchten. „Darf ich's glauben", fährt er nun fort, „Dein Blut quoll auch für mich, es reicht doch auch für meine schwere Schuld?" Jesus nickt ihm freundlich zu und antwortet ihm: „Glaub Meinem Wort! Ergreife das Heil, und Du bist gerettet! Es ist Kraft in Meinem Blut, es reicht auch für Dich." Der treue Heiland berührt noch einmal seine Stirn und segnet ihn. Da erhebt sich der auf dem Boden Liegende auf die Knie und fängt zu danken an. Er hat es im Glauben erfaßt, er kann es glauben. Die Last seiner Sünde, die so schwer war, ist dahin. Nun bittet er Jesus, den Auferstandenen: „Sag es meiner Mutter, daß ich nun Dein bin!" Er nickt ihm zu. Die Engel und Überwinder beten an. Der treue Herr neigt sich nun zu mir und Spricht: „Siehst Du, Mein Kind, Du Tochter Meiner Liebe, was das aufrichtige Vertrauen und das Gebet vermag! Hier kam ein Ruf aus tiefster Sündennot, ein tiefes Verlangen nach Rettung, nach Hilfe von dem ewigen Tod, nach Vergebung der Sünden," Nun jauchzt und triumphiert es in der ganzen Luft, es singt: „Lasset uns anbeten, lasset uns anbeten, lasset uns anbeten den König." Welche Freude herrscht über diesen Sünder, der da aufrichtige Buße getan hat! Nun tritt ein Lichtbote in strahlendem weißen Gewande auf mich zu und spricht zu mir: „Dem Herrn teure Schwester im Erdenstaube, siehst Du, der Herr bat Dich gewürdigt, das schauen zu dürfen, damit Du verkündigen kannst von der unendlichen Liebe und Gnade, die heute noch am Wirken ist, da und dort, wo man aufrichtig nach dem Herrn ruft, wo man Seinem Worte glaubt und wo man von Herzen will. Ja, es ist ewige Wahrheit: „Dem Aufrichtigen läßt Er es gelingen.' Du hast sehen dürfen wie diese gestärkt worden sind, Du hast miterleben dürfen, wie Er, der Herr, in Seiner so großen Liebe austeilt aus Seiner so reichen Fülle. O teure Schwester, halte aus in Deinem Leidenstiegel, halte durch in Deinem Kreuztragen, denn Du darfst ein Kreuz vom Herrn tragen. Halte aus!, es lohnt sich. Es ist eine große Gnade, die Dir widerfahren ist. Ja, große Gnade ist es, durch Leiden Vollendet zu werden. Rufe es allen zu! Gib Zeugnis mit frohem Mute! Wohl dem, dem die Gnade der Leiden zufällt, und der zum Kreuztragen ausersehen ist! Du tust recht daran, wenn Du Ihm auch weiterhin, und nur dem Herrn allein, die Ehre gibst in Deinem Leben. Ja, es lohnt sich, Ihm treu zu sein; es lohnt sich, für Ihn alles zu wagen! Überschwengliche Herrlichkeit und Freude warten auf die, die es mit Ihm ganz wagen, die Seinem Wort und Seinen Verheißungen ganz vertrauen. Er ist die Wahrheit und das Licht, Er hält, Was Er verspricht. Sein heiliger Name sei gepriesen, Er ist hocherhaben über alle Namen! Ihm, dem treuen Herrn, sei alle Ehre und Anbetung, jetzt und in alle Ewigkeit!" Wieviel Trost ist mir auch da geworden, und wie hat mir der Herr noch mehr Stärkung zuteil werden lassen! Er ist ein herrlicher Herr und Heiland, ein lebendiger Tröster, die lebendige und wahre Liebe. Noch viel mehr wurde mir in diesem Zusammenhang gezeigt. Der Herr führte und nahm mich mit an andere Stätten der Sünde, er zeigte mir den Sündenpfuhl der Welt. Was für eine Not, was für erschreckende Folgen! Aber Welche Freude, in Seiner Nähe zu sein! Er ist der Himmel, und von Ihm kommt diese unbeschreibliche Himmelsluft. Wie wird das Herz voller Freude und Liebe und Dankbarkeit in Seiner so herrlichen Nähe! Worte sind einfach viel zu atm und zu wenig, viel zu mangelhaft, um das auszudrücken, was Er für uns ist, und wie Er zu uns ist, und welche Liebe von Ihm ausgeht zu den Seinen. „Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen." Johannes 17,3
Melodie:
„Lohe den Herren, den mächtigen König . . ,"
Danket dem Vater, der uns hat in Liebe erworben und aus Erbarmen am Kreuz für uns alle gestorben! Denkt doch daran, was Er für uns hat getan, die uns die Sünd' hat verdorben! Danket dem Vater, der bisher uns treu hat geführet, die wir in Fehler und Nacht waren alle verirret! Betet Ihn an, der ja so Großes getan! Gebt unserm Vater die Ehre! Jesus, o Vater, wie
preisen wir all' Deinen Namen, wir Deine Kinder von Deinem geheiligten
Samen! Dir nur sei Ehr', der Du uns Schild bist und Wehr, jetzt und in
Ewigkeit, Amen!
K. P. Siehe,
ich bin bei euch alle Tage
Des Herrn Wort ist wahr, und was Er zusagt, das hält Er gewiß. Seine Verheißungen sind Ja und Amen. Wir können uns voll, und ganz auf den Herrn verlassen und Ihm in allen Lagen unseres Lebens vertrauen. Wie lebensnah, wie wirklich nahe und lebendig und wahr des Herrn , Wort ist, das darf ich mit einigen Erfahrungen und Erlebnissen in den Kriegsjahren bezeugen. Was ich hier sage, das habe ich genau so erlebt. Wir wohnen ja im Grenzgebiet, im Südwesten von Deutschland. In den ersten Kriegsjahren waren wir evakuiert wegen der nahen Grenze. Unsere Stadt lag nämlich schon in der sogenannten Westwallinie und im Schatten der französischen Maginotlinie, sogar im Schußbereich dieser Festungslinie. Nach Beendigung des Frankreichfeldzuges durften wir wieder in unsere Heimat zurück. Doch später kam noch ein anderes hinzu: Viele der feindlichen Flieger überflogen auch unser Gebiet. Krank und hilflos lag ich im Bett. Doch der Herr war mit Seiner liebenden Fürsorge bei mir. Meine Leiden waren ja so, daß mir jede Aufregung schaden konnte, wenn der Herr nicht darüber wachte. Denn diese Aufregungen führten meist zu Lähmungserscheinungen. Der Herr wußte das besser als ich. Mit welcher Liebe, mit Welcher einfach unbeschreiblichen Liebe ist mir da der Herr begegnet und so groß und lieb geworden! Ja, und darum habe ich ja auch eine so große Liebe zu Ihm, und darum gilt auch mein Zeugnis nur Ihm, und darum gehört auch mein Leben Ihm ganz und gar. Immer nun, wenn diese Flieger, - oft waren es ja Hunderte und Tausende — unsere Stadt anflogen und überflogen, bevor noch die Sirenen aufheulten, sagte mir mein treuer und teurer Heiland: „Mein Kind, es wird gleich alarmieren! Fürchte Dich nicht! Ich bin bei Dir. Es gilt aber nicht für Dich und für Euch." Immer, wenn die Sirenen aufheulten, sah ich entweder den Herrn selbst oder Seine heiligen Engel bei mir. Waren die Gefahren wirklich groß, fühlte ich Seine durchgrabenen Hände, Seine väterliche Hand auf meinem Haupte liegen. Bei uns waren die Überfliegungen sehr häufig wie gesagt; in großer Anzahl überflogen sie auch unsere Stadt. Oft hat die Erde nur so gedröhnt von dem Motorenlärm, und die Fenster haben nur so geklirrt. Unsere Stadt selbst war ja auch mehreren Angriffen ausgesetzt, und sie wurde dabei um die 60 Prozent Zerstört und beschädigt. An einem der gewaltigen Fliegerangriffe erlebte ich meinen treuen Heiland und Väter recht lebendig und herrlich aus großer Not, — ich könnte ja sehr schlecht in irgendeinen Keller gebracht werden und dort lange aushalten und mußte deshalb das alles von meinem Dach-stübchen aus miterleben, - rief ich zu meinem lieben Heiland: „Herr Jesu, hilf!" Gleich darauf fühlte ich Seine segnenden Hände auf meinem Haupte. Ich sah meinen teuren und lieben himmlischen Vater dann auch neben mir am Bette stehen, und Er sagte so ruhig und so liebevoll: „Was ist denn, Mein geliebtes Kind?" Und wenn es auch um uns nun wütete und tobte, als wenn die Hölle los wäre, ich war Stille geworden und fühlte mich so geborgen und dürfte in Seiner Liebe ruhen. Wie oft wurde mir
Seine so große Liebe auf diese Weise zuteil, wie durften auch meine
Lieben das miterleben! Ja, wie durfte ich Seine Treue auf so herrliche und
wunderbare Weise erfahren und erleben! Er ist der wahrhaftig
Auferstandene, wie die Schrift sagt. Der treue Herr hat es auch geschenkt,
daß das Haus, in das wir unsere Wohnung hatten, vor Schaden und Zerstörung
verschont geblieben ist. Von meiner Mansardenstube könnte ich vom Bett
aus auf das Dach sehen. Diese Mansarde hatte kein so einfaches sondern war
mit einer Gaube oder Gaupe versehen , in die ein Doppelfenster eingefügt
war. Es war auch in
der Zeit der Fliegerangriffe. Da sah ich auf einmal den lieben Heiland mit
mehreren Engeln auf dem Dach stehen. Und da kamen auch schon die Flieger
und legten einen Teil der Stadt in Schutt und Asche, Währenddessen
stand der treue Heiland und Vater in Seiner majestätischen Gestalt da —
unbeweglich. Man muß das einfach erlebt haben, welche Majestät und
Herrschaft sich darin äußert. Auf einmal sehe ich, wie Er einen Arm erhebt
und mit lauter Stimme ruft, königlich gebieterisch: „Und nun
genug!" Und sofort, sofort!,
haben die Flieger abgedreht, umgedreht und sind weggeflogen. Er hat
dirigiert und befohlen. In Seiner majestätischen Haltung mit
gebieterischer Kraft das ausgerufen. Ja, diesen Ausruf „Und nun genug",
höre ich, solange ich lebe. Dieses Erlebnis hat sich mir so lebendig
eingeprägt, daß ich es nicht vergessen kann, Es hat mir das Wort so
deutlich veranschaulicht: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf
Erden!" Matth. 28, 18 oder auch das andere Wort: „Welche er gewirkt
hat in Christo, da er ihn von den Toten auferweckt hat und gesetzt zu
seiner Rechten im Himmel über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft
und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern
auch in der zukünftigen; und hat alle Dinge unter Seine Füße
getan." Epheser I,
Verse 20—22. Auch das machtvolle Wort, das Er selbst als der lebendig Auferstandene uns hinterlassen hat, ist mir so groß geworden in der erlebten Tat: „Und Er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes." Offenbarung 1, 17—18 Noch eins ist mir da ganz deutlich geworden: Gott bringt Gerichte und läßt Gerichte zu, aber Er, und nur Er allein ist auch das Maß des Gerichts, das Ausmaß des Gerichts. Auch darin ist und bleibt Er ein Herr und ist Er d e r Herr. Mit dein Kommen der Flieger waren auch der Herr und Seine mächtigen Engel zu mir gekommen. Ja, noch ehe uns das bewußt "geworden ist, war Seine Liebe schon vorauslaufend da, und hat Seine Gnade schon vorgesorgt. Da Sehe ich auf einmal auf unserem Dach einen mächtigen Cherub stehen. Seine Flügel hatte er ausgebreitet, soweit unser Dach war. Ein mächtiger Diener des Herrn, — so groß und mächtig! Dieser majestätische Diener machte einen gewaltigen Eindruck auf mich, und es wurde mir auch durch den heiligen Geist ganz deutlich, daß er einen besonderen Auftrag hatte. Das sagte ich auch meinen Lieben und fügte noch hinzu: „Ich glaube, heute tut sich noch was." Ja, und gerade an diesem Tag kam der schwerste Fliegerangriff, den unsere Stadt erlebte, der letzte Angriff im Jahre 1945, bei dem auch so viele Menschen ums Leben gekommen sind. In Seiner so großen Gnade hat mich der treue himmlische Vater so reich gestärkt. Seine lebendige Stärkung, Schutz und Bewahren, gaben mir Sicherheit durch Seine lebendige Gegenwart; denn dieser treue Herr und Vater Seines Kindes war mir nahe, war bei mir. Sehr oft haben wir zusammengesessen und gebetet. Und immer wieder kam in dieser Zeit der Fliegerangriffe Seine vorlaufende Gnade zu mir und tröstete mich: „Mein Kind, es wird gleich alarmieren. Aber sei getrost, es ist nicht für Dich!" Und gleich darauf gab es auch schon Fliegeralarm, und nicht lange danach tauchten die Flieger auf und überflogen die Stadt. So treu war der Herr in Seiner Liebe zu mir armen und krankem Menschenkind, Seinem Kinde, daß Er mir immer damit zu verstehen gab, daß es nur ein Überfliegen der Stadt bedeutete. Dieses „es ist nicht für Dich" sagte mir immer, daß der Warnung durch die Sirene nicht ein Anflug auf unsere Stadt, sondern nur ein Überflug folgte. Diesem Wort des Herrn konnte ich felsenfest vertrauen. Es war dieses göttliche Wort, das Ja und Amen ist, das Wahrheit und Leben ist. Und diesem Wort konnte ich deshalb, auch nach so vielen anderen herrlichen Erfahrungen mit dem Herrn durch seinen heiligen Geist voll und ganz vertrauen. Was Er sagt, das ist gewiß; und was Er zusagt, das hält Er auch gewiß! Es liegt nur an unserem Vertrauen. Bei einem solchen Fliegeralarm kam auch einmal eine Glaubensschwester, die in der Nähe war, zu uns in die Wohnung. Nach dem Erlebten und den da und dort geschehenen Angriffen mit den bekannten Folgen war auch sie in Not. Sie wollte mich dazu überreden, den Keller aufzusuchen und uns in menschliche Sicherheit, menschlich mögliche Sicherheit, zu bringen. Sie wollte mich unbedingt mit in den Keller zerren. Doch mit aller Bestimmtheit, im Glauben und Vertrauen zu dem Wort des Herrn, durfte ich ihr sagen: „Nein, ich gehe nicht mit! Der Heiland hat zu mir gesagt, daß dieser Alarm nicht für mich ist. Ich enttäusche Ihn nicht, ich werde Ihm und seinem Wort nicht untreu. Wenn Du gehen willst, dann kannst Du ja gehen." Wie oft habe ich auch gerade in diesen gefahrvollen Tagen den Herrn und Heiland gesehen, wie Er an unsere Tür mit Seinem Blut das Kreuzeszeichen gemacht hat. Immer wieder wurde es mir ganz deutlich gesagt, daß Er und Seine heiligen Engel auch da waren, daß mir nichts passieren würde. Diese lebendige Gewißheit hat sich auch auf den Hauseigentümer übertragen. Er war nicht gläubig im Sinne des Wortes Gottes. Er glaubte zwar auch an göttliche Dinge, in seinem Leben aber waren sie keine Kraft, er lebte noch in der Sünde. Doch hat auch ihn der Herr gebrauchen können, uns in der Verfolgungszeit gute Dienste zu tun. Mich bezeichnete er spöttisch als „Betschwester", ein Wort, das in den Augen des Herrn sicher angesehener ist. "Wenn nun dieser Mann in der Stadt unterwegs war und Fliegeralarm kam, hat ihn nichts abhalten und aufhalten können, sein Haus aufzusuchen und zu sagen: „Hier bin ich sicher!" Und wenn auch seine Pfeife im Munde vor Erregung wackelte bei all der Ungewißheit, die in der Luft lag, so konnte er doch auch immer wieder zu den anderen sagen, die noch im Hause waren: „Nur ruhig Blut!" Gegen Ende seines Lebens hat auch er noch sein Leben bereinigt. Die Fliegerangriffe waren ja gegen Ende des Krieges sehr häufig. Nicht nur das. Die Front kam auch immer näher. Die Stadt lag nun schon in der Reichweite der Artillerie. Es waren Tage und Nächte voller Unruhe. Der Schlaf war nicht mehr so möglich, er beschränkte sich nur auf Stunden am Tage oder in der Nacht. Eine Übermüdung wollte Platz greifen und der Schlaf seine Rechte geltend machen. Es war nun eine Zeit, da man sich viel im Keller aufhalten mußte. Flieger, die in das Frontgeschehen eingriffen, waren oft unterwegs, und auch Granaten der Artillerie schlugen häufig in der Umgebung ein. Da mußte mein Kind einmal seine Notdurft verrichten und wollte vom Keller aus in den Hof gehen zur Waschküche hin. Es war schon auf dem Weg die Treppe hinauf, da sagte der treue Heiland zu mir: „Mein Kind, lasse Deine Johanna jetzt hier; denn es ist allerhöchste Gefahr!" Ich rufe mein Kind zurück und sage es ihr auch, daß sie noch warten soll. Was geschieht? Während wir noch reden, rappelt und kracht es draußen, Glas zerbricht, Scherben klirren nur so in den Hof. — Was war geschehen? Der Hauseigentümer hatte im I. Obergeschoß seinen großen Balkon verglast und zu einem Art Wintergarten gemacht. Verschiedene Splitter einer in der Nähe eingeschlagenen Granate hatten den Wintergarten fast völlig in Scherben gelegt. Diese Glassplitter in kleinerer und größerer Form wären gerade auf meine Tochter herabgefallen, wenn sie dort ihre Notdurft verrichtet hätte. Wie elend wäre sie da zerschnitten worden! So treu und lebendig wacht und bewahrt der Herr die Seinen. Darum kann ich auch, nicht lebendig genug Seine so große und herrliche Gnade preisen, Seine Liebe rühmen. Diese große Übermüdung ob all dem Kriegsgeschehen wollte über uns kommen. Keine Ruhe und keine Rast war mehr möglich. Meine Leiden hatten bedenklich! zugenommen, und ich hatte geschwollene Beine bekommen, die fast doppelt so dick als normal waren. Viel Beschwernis kam hinzu. Wenig Schlaf, wenig Ruhe, viel Aufregung und ungeordnete Verhältnisse. Große Schmerzen plagten mich. Da kam wieder das so tröstliche Wort des Herrn zu mir: „Mein Kind, halte noch ein wenig aus; bald kommt meine Hilfe!" Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis die Stadt sich ergab, und die Amerikaner in die Stadt einrückten! Ja, der Herr ist ein treuer Gott, ein echter und treuer Vater Seiner Kinder! Wohl dem, der Ihm völlig und ganz vertraut! Schon am Anfang der heiligen Schrift heißt es: „So sollst Du nun wissen, daß der Herr, dein Gott, ein Gott ist, ein treuer Gott! der den Bund and die Barmherzigkeit hält denen, die um Heben und seine Gebote halten!" 5, Mose 7, 9 Er ist ein treuer Gott. Auch mir bleibt auch nichts anderes übrig als wie dem Psalmisten: „Ich will anbeten zu deinem heiligem Tempel und Deinem Namen danken für Deine Güte und Treue; denn Du hast Deinen Namen über alles herrlich gemacht; durch Dein Wort!" Psalm 138,2.
Melodie:
„Fröhlich zieh ich meine Straße..“
Gläubig geh du deine Wege durch dies dunkle Erdental; sieh die allertreu'ste Pflege Deines Vaters, überall! Liebe Seele, blick nach oben, wenn der Feind auch noch so tobt! Traue Ihm, im Lichte droben, Er ist Sieg in Not und Tod! Er hat dich stets treu geführet bis hierher durch Freud und Not. Und, die du in Sünd' verirret, auch erlöst durch Seinen Tod. Ach, wie hat Er dich geliebet, und es auch für dich vollbracht!, die du Ihn so viel betrübet, o, wie hat Er dein gedacht! Er ist auch dein treuer Hirte und dein Heiland Jesus Christ, der dich bisher treulich führte durch die Nacht zum hellsten Licht. Ihm weih' du nun ganz dein Leben! Er allein das Herz erfreut; Er will dir auch Frieden geben und ist Trost in allem Leid. Er hat auch für dich gestritten, der für dich am Kreuze starb, und so viel für dich gelitten, der der Seele Heil erwarb. O wie breitet Er die Flügel über dich, Sein Kindlein, aus der verblich auf Golga's Hügel und dich bringt ins Vaterhaus! Freudig gib Ihm nun die Ehren, der so viel für dich getan, preise Ihn mit uns in Chören, daß es schallet himmelan! Laß den Kot nun doch der Erde, trachte du nach höh'rem Gut, daß aus dir ein Neues werde, und du Lohn dem teuren Blut! K.P. Dein
Mann braucht nicht fort
Während des Krieges wurden viele Männer, die aus Altersgründen oder auch anderen Gründen nicht zur Wehrmacht einberufen werden konnten, zur Arbeitsleistung bei der sogenannten „Organisation Todt" verpflichtet. Diese Organisation war eine Arbeitseinheit, die zum Straßenbau und zum Bau von Verteidigungsanlagen bestimmt war und da und dort eingesetzt wurde. Es war während des Krieges. Eines Morgens sagte die liebe Mutter zu der Glaubens-schwester, die sie pflegte, und sagte es auch zu mir: „Ich weiß nicht, was das bedeuten soll. Vorhin sah ich den lieben Heiland und Er schaute mich an und sprach zu mir: „Mein Kind, rege Dich ja nicht auf und sei ganz stille! Dein Mann braucht nicht fort. Schicke Deinen Mann zu Deinem Operateur und laß Dir ein Attest zur Bestätigung Deiner vergangenen Operation geben und laß Dir auch Deine Leiden, die Du jetzt noch hast, bescheinigen und bestätigen! Damit soll er die weiteren Wege gehen im Glauben und Vertrauen auf Mich, und Du wirst wiederum erfahren, wie Ich helfen kann und werde. Ja, fürchtet euch nicht! Geht im Gehorsam den Weg, den Ich euch führe, und alles andere überlasset Mir!" Die Glaubensschwester, die sie pflegte, sagte, wie bei ähnlichen Anlässen, auch diesmal zu der lieben Mutter: „Warte nur ab! Du wirst es auch diesmal wiedererfahren, wie schon immer, was das bedeutet, und was der liebe Heiland damit gemeint hat und will." Der Herr hat der lieben Mutter vieles im voraus angekündigt, wie Er es auch Seinen Jüngern zu Seinen Lebzeiten geschenkt hat. „Und nun habe Ich es euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, ihr glaubet." Johannes 15, 29 Es sollte dies auch uns immer wieder zu einer neuen Glaubensstärkung dienen und die Erfahrungen mit Jesus lebendig werden lassen. Ja, es waren auch lebendige und zu wunderbare Erfahrungen mit dem herrlich und siegreich auferstandenen Herrn! Anderer-seits war es aber für die liebe Mutter mit ihren besonders gelagerten Leiden eine vorlaufende Gnade und eine außerordentliche Liebesbezeugung des Herrn. Der Herr wußte ja, daß
Aufregungen ihr bei ihrem Rückgratleiden sehr schaden, zu Lähmungserscheinungen
führen könnten. Er hat durch Sein freundliches Reden im voraus den
Ereignissen ihre überraschende, beschwerende und lähmende Wirkung genommen,
die Anschläge des Feindes, mit denen er die liebe Mutter treffen wollte,
entschärft und sie ganz einfach unter Seine liebende Obhut gestellt, in
Seine Hebende und starke Hand genommen. Durch solche Führungen haben
wir den auferstandenen Herrn immer und immer wieder lebendig erfahren dürfen. Nicht lange
zuvor hatte uns die liebe Mutter das berichtet, was der Herr ihr gesagt
hatte, da kam auch schon der Vater zur Tür herein und weinte fassungslos.
Wir, schon vorbereitet, sahen uns einander an. Er berichtete uns nun:
„Ich komme eben vom Arbeitsamt, wohin ich bestellt worden war. Hier habe
ich die Papiere und die entsprechenden Unterlagen über meine
Einberufung. Ich muß in die Nähe zur österreichischen Grenze, zu dieser
Organisation Todt, zu Bauarbeiten, und zwar schon morgen früh! Mein
Chef im Betrieb hat sich für mich eingesetzt, damit ich als wichtige
Arbeitskraft erhalten bleibe und dableiben kann, aber dieses Verwenden für
mich hat keinen Wert gehabt, hat nichts genützt, ich muß doch
fort." Meine Mutter
konnte ihm nun in aller Seelenruhe antworten: „Vater, Du brauchst
nicht fort!" Er entgegnete ihr, weil er ja von all dem Geoffenbarten
nichts wußte: „Doch, doch! Ich habe mich ja dagegen gewehrt und es zu
verhindern und auch zu begründen versticht, daß ich dableiben kann;
habe auch von Dir gesagt, daß Du krank bist und im Bett liegen mußt.
Eben deswegen habe ich einen heftigen Kampf gekämpft, aber davon wollte
man auf dem Arbeitsamt nichts wissen. Man gab mir ganz einfach die
Papiere und schickte mich fort.“ Da erzählte und
bezeugte ihm die liebe Mutter all das, was der Herr ihr gesagt hatte nicht
lange zuvor. Der Vater wurde darüber sehr froh und ging nun im Glaubensgehorsam
all die Wege, die der Herr anbefohlen hatte. Er ging zu dem Operateur von
der lieben Mutter und berichtete ihm, daß er zu dieser Arbeitseinheit
einberufen sei und fort müsse und gerne ein Attest hätte und benötige,
um diese Einberufung rückgängig zu machen. Der Arzt war willig, ihm ein
Attest zu geben und sagte ihm: „Ich gebe Ihnen ein Attest. Ob es aber
bei den heutigen Zuständen durchkommt? — ich weiß es nicht. Wir wollen
es aber versuchen. Gerne will Ich Ihnen das Attest ausstellen und geben,
denn was ich zu schreiben habe, ist ja zutreffend, und nur zu wahr, —-
aber ob es einen Wert haben wird in dieser heutigen Zeit und bei diesen Umständen?" Der Arzt händigte
ihm das Attest aus. Vater bedankte sich und ging damit auf das Arbeitsamt
zurück. Während der Vater die vom Herrn anbefohlenen Wege ging, haben
wir zu Hause uns zum Gebet versammelt. Die liebe Mutter betete ungefähr
so: „Mein lieber himmlischer Vater, Du weißt es, es ist nun so
gekommen, wie Du mir gesagt hast. Du weißt auch und siehst, daß mein
Mann nun die von Dir anbefohlenen Wege geht im Glaubensgehorsam zu Dir. Du
hast mir ja gesagt, was alles getan und unternommen werden soll. Nun führe
Du es weiter und wirke Du weiter in dieser Angelegenheit! Laß uns auch
jetzt wieder, wie schon so oft, erfahren, wie wahr Du geredet hast, und
wie Du das hältst und einlöst, was Du versprichst! Ich weiß, Du tust
es, mein Jesus. Dein Wort ist ohne Trug. Du hast mich noch nie enttäuscht.
Du enttäuscht mich auch jetzt nicht. Ich danke Dir. Amen." Nicht lange danach kam der Vater freudestrahlend heim und sagte: „Es hat alles geklappt. Es ist alles so gegangen und so geworden, wie es der liebe himmlische Vater gesagt hat. Das Attest wurde angenommen, und ich darf dableiben und brauche nicht fort." "Was haben wir auch da dem treuen Herrn danken können, Ihn gepriesen, der sich so mächtig und lebendig offenbar gemacht hatte und so herrlich geholfen hatte. Der Arzt, dem wir hernach auch alles berichten durften, war natürlich hoch erfreut, verwunderte sich aber auch sehr, daß sein Attest angenommen worden war und damit hatte helfen dürfen. In anderen Fällen, so sagte er nun frei heraus, habe er das Gegenteil erleben und erfahren müssen, daß eben auch seine Bemühungen erfolglos geblieben seien als er anderen Menschen in ähnlicher Lage und Situation helfen wollte. Er sah dann auch in diesem Falle das Wirken und die Gnade des Herrn. Ja, unser treuer Heiland kann helfen. Er kann! Er kann, wenn auch wir nichts mehr vermögen. So durften auch wir in dem Erlebnis — Dein Mann braucht nicht fort — Ihn als den lebendigen auferstandenen Herrn erleben. Das Erleben zeigt doch aber auch ganz deutlich, daß nichts an uns herankommt, was Er und von dem Er, der Allwissende und Allgegenwärtige nichts wüßte! Der Herr nimmt uns zwar in Proben und Prüfungen hinein, gibt und schenkt uns aber auch herrliche Hilfe und Durchhilfe und diese so lebendigen Erfahrungen mit Ihm. Dem treuen Herrn sei Lob, Preis und Dank und Anbetung! (J.M.) Es
ist noch lange nicht der 28, Januar
Durch eine heimtückische Krankheit, die auch ärztlich nicht richtig behandelt worden ist, habe ich im frühen Kindesalter meine Sehkraft, mein Augenlicht, bis auf einen geringen Seh-Rest eingebüßt. Deswegen konnte ich auch die Schule nicht besuchen und habe das Schreiben und Lesen nicht lernen können. Obwohl mir vom Herrn ein reger Geist und ein scharfes Gedächtnis und auch eine gute Singstimme verliehen und geschenkt waren, blieb ich in den Augen der Menschen eben ein geringerer Mensch, ein Mensch mit Gebrechen, eine Analphabetin. Wer mit guten Gaben ausgerüstet ist, sie aber nicht verwerten und auch nicht so auswerten kann, weil er gehindert und behindert ist, der wird verstehen können, wie es einem da zumute ist. Aber ich durfte ja auch diese Führung meines Lebens vom Herrn nehmen, und lernte sie auch annehmen und noch dafür danken. Eine mir angetragene Gesangsausbildung auf einer Gesangschule in München habe ich in der damaligen: Zeit des Dritten Reiches nicht angenommen, weil diese ja, in eine politische Abhängigkeit geführt hätte, und meine Mutter auch vom Herrn kein Ja dazu hatte. Doch der Herr gebrauchte mich in dieser Zeit, besonders während der Gefängniszeit meiner Mutter, für Seinen Dienst. Auch später durfte ich im missionarischen Dienst für den Herrn stehen. Mit diesem meinem Leibesgebrechen war ich eben auf die Fürsorge und das Mittragen und das Mithelfen meiner Lieben angewiesen. Es war im Anfang der nationalsozialistischen Zeit, im Jahre 1935. Schon damals hatte das Regime mit einer gewissen Menschenauslese begonnen. Erblich belastete Menschen oder auch solche, die sonst ein Leiden und Gebrochen hatten, Menschen, die leiblich und geistig nicht auf der Höhe waren, sollten durch Sterilisation unfruchtbar gemacht werden. Damit wollte man ja eine Nachkommenschaft unmöglich machen. Das entsprang und entsprach den damaligen Vorstellungen von einem reinrassigen und gesunden germanischen Volk. An vielen Kranken und Gebrechlichen, auch an Geistesschwachen wurde dann ja auch später die Euthanasie, die Sterbehilfe, das Zum-Sterben-bringen, das Töten, vollzogen. An vielen Kranken und Gebrechlichen wurde perfekter Mord vollzogen und diese Verbrechen begangen. Als sich gerade in der Zeit von 1935 herumsprach, daß Maßnahmen zur Sterilisation und auch so andere Dinge eingeleitet worden waren, kam dies auch meiner Mutter zu Ohren. Was dies für eine Mütter bedeutet, die ihr Kind trotz seinem Gebrechen lieb und gern hat, und die dann für ihr Kind solche Gefahren heraufziehen sieht, das brauche ich wohl nicht näher zu beschreiben. Es machte ihr viel Sorge und Not. Angst wollte meine Mutter ob all dem überfallen. Sie nahm aber mit all ihrer Sorge und ihrer Not den einzig richtigen Weg, zu Gott, und flehte den Herrn an Tag und Nacht. Er solle doch mein Geschick in Seine Hand nehmen und mich vor Unheil bewahren, auch vor dieser Sterilisation, die ja in der damaligen Zeit eine besonders entehrende Kennzeichnung bedeutete und auch war. Immer und immer wieder suchte sie den Thron der Gnade auf und legte dort ihre Not vor dem Herrn ab. Als sie wegen dieser Sache wieder einmal im Gebet lag und dem Herrn alles brachte und sagte, sah sie den Engel des Herrn, der ihr zurief: „Sorge Dich nicht! Sei getrost! Es ist noch lange nicht der 28. Januar!" Das war im Herbst des Jahres 1935. Nach dem Gebet, als die Glaubensschwester, die sie pflegte und betreute, hereinkam, um sie zu versorgen, sagte meine Mutter zu ihr: „Linchen, was meinst Du, was mir heute früh für eine Offenbarung vom Herrn geworden ist? Ich sah den Engel des Herrn, der mir zurief: „Sorge Dich nicht! Sei getrost! Es ist noch lange nicht der 28.Januar.“ Was das doch wohl zu bedeuten hat?", setzte meine Mutter nachdenkend hinzu. Die teure Schwester gab zur Antwort: „Warte nur einmal ab, Du wirst es schon noch erfahren, wenn die Stunde kommt. So war es ja schon immer, das weißt Du doch." Wie gesagt, das ereignete sich im Herbst des Jahres 1935. Inzwischen verstrich die Zeit, und einige Monate gingen darüber hin. Und so kam der 28. Januar 1936. Der Tag kam wie ein anderer, und sein Datum war eigentlich ganz in Vergessenheit geraten. Niemand unter uns dachte mehr an diesen Tag und an die Offenbarung, die für diesen Tag bestimmt sein sollte. Aber dieser 28. Januar machte sich sehr deutlich und prägte sich lebendig in unser Leben und Gedächtnis ein. Morgens an diesem Tag, etwa zwischen 8 und 9 Uhr, klingelte es an unserer Abschlußtür. Die Glaubensschwester, die die Mutter pflegte und den Haushalt führte, ging zur Tür und öffnete sie. Draußen stand ein Schutzmann, ein Polizist. Er nannte seinen Namen und sagte, er habe den Auftrag, die Tochter von Frau Pfirrmann abzuholen, und sie ins Krankenhaus zu bringen wegen einer behördlich angeordneten Sterilisation. Erschrocken über dem allem, leichenblaß und zitternd an allen Gliedern ging die Glaubensschwester zu meiner Mutter ins Krankenzimmer und berichtete ganz erregt: „Kätchen, was der Engel des Herrn Dir gesagt hat von dem 28. Januar, das ist nun da! Mit Schrecken bin ich des innegeworden. Draußen steht ein Schutzmann, der den Befehl hat, Dein Hannchen abzuholen, es ins Krankenhaus zur Sterilisation zu bringen." Meine Mutter antwortete ihr: „Sorge Dich nun ja nicht! Denn jetzt ist die Stunde da, wo Jesus sich verherrlichen will. Bringe mir den Mann herein!" Die Glaubensschwester führte den Mann zur Mutter herein. Als der Schutzmann zu ihr im Zimmer trat, trug er seinen Auftrag der lieben Mutter vor. Sie lud ihn freundlich ein, Platz zu nehmen, und begann dann mit den Worten: „Mein lieber Herr, daß gerade heute wegen meines Kindes etwas geschehen sollte, das habe ich gesagt bekommen; das hat mir mein Jesus schon im Herbst des vergangenen Jahres kundtun lassen. Ihr Erscheinen gerade heute an diesem 28. Januar hat mir dies wieder lebendig gemacht." Sie erzählte dann dem maßlos erstaunten Mann die oben wiedergegebene Offenbarung des Engels des Herrn. Der liebe Heiland gab meiner lieben Mutter viel Weisheit und legte ihr die Worte in den Mund, die sie zu dem Manne reden sollte. In größter Freundlichkeit und Liebe, aber auch ihrer festen und bestimmten Art sagte sie dann zu ihm: „Mein Kind gebe ich Ihnen nicht mit. Über mein Kind bestimme nebst dem lieben Heiland ich, was mit ihm zu geschehen und auch nicht zu geschehen hat. Noch bin ich die Mutter und trage die volle Verantwortung für es und für seine Erziehung." Der Schutzmann fragte zurück, woher sie eigentlich den Mut nähme, eine solche Sprache zu reden, da doch die Jugend Adolf Hitler geweiht sei und ihm gehöre, und er darüber verfügen könne. Meine Mutter gab mit Entschiedenheit eine Rückantwort, und da kam wieder der heilige Gottesadel zum Vorschein, der in einem wahren Gotteskind wohnen muß: „Ehe diese Jugend Adolf Hitler geweiht wurde, habe ich schon mein Kind Jesus Christus geweiht, und zwar schon damals, als ich es noch unter dem Herzen trug. Und Jesus bleibt es auch weiterhin geweiht! Ich verlange!, daß mein Kind auf seinen Geisteszustand geprüft wird, ehe man das, was man vorhat, an ihm vollzieht." Sie konnte noch weiter mit diesem Mann reden und ihm ein kräftiges Zeugnis von Jesus geben. Über zwei Stunden saß der Schutzmann am Bett meiner lieben Mutter und verließ dann ohne ihre Tochter, überwältigt von dem Gehörten, das Haus. Das war also der 28. Januar! Das war das Vorhaben am 28. Januar, und dieser Tag leitete dann noch das von der lieben Mutter geforderte Untersuchungsverfahren ein, bei dem sich der treue Heiland in Seiner so großen Liebe und Auferstehungsherrlichkeit mir so lebendig offenbarte. Dieser Tag war auch ein Tag, da ein Schutzmann durch das lebendige Zeugnis der lieben Mutter so sehr vom heiligen Geist Gottes angerührt und angesprochen worden ist, daß er sein Herz der Botschaft Jesu öffnete. Es dauerte nun auch gar nicht lange, da wurde ich vor den damaligen Bezirksarzt auf das Gesundheitsamt vorgeladen. Dort wurde ich einer gründlichen Prüfung unterzogen, von der ich nun berichten darf. Meine Mutter betete wie immer nachhaltig, gründlich und fest und brachte auch diese Vorladung vor den Gnadenthron des Herrn. Und sie hatte auch in dieser Sache beim Herrn ein offenes Ohr und blieb auch nicht ohne Antwort und Stärkung. Der Herr redete zu ihr und tröstete und stärkte sie mit den Worten: „Mein Kind, sei getrost! Dein Kind ist Mein Kind. Und auch diesmal sollst Du erfahren dürfen, daß Du einen lebendigen, auferstandenen Herrn hast, der da helfen kann und wird." Und mir persönlich rief er zu, als ich meine Vorbereitungen zum Weggehen traf, nachdem wir noch vorher gebetet hatten: „Ich will Dich mit Meinen Augen leiten und Dir den Weg zeigen, den Du wandeln sollst." Mit dem Vater ging ich dann auf das Gesundheitsamt. Er mußte ja mitgehen wegen meiner Sehbehinderung, auch, weil die liebe Mutter durch ihren Unfall und wegen ihrer Leiden bettlägerig war. Der Bezirksarzt war zu der damaligen Zeit noch sehr nationalsozialistisch eingestellt. Später jedoch, als auch er merkte, wohin es mit Hitler führte, hat er seinen Sinn geändert; auch als er merkte, daß Hitler sich gegen Christus wandte. Dieser vorher so dienststrenge Arzt wurde später ein guter Freund und half mir auf jede nur erdenkliche Art und Weise und schützte mich vor der Willkür der damaligen Machthaber. So kann eben nur der Herr führen und lenken und die Herzen wandeln — auch durch das gläubige Gebet! Die Zusagen des Herrn, Sein göttliches Wort, sind eben Ja und Amen, und was. Er zusagt, das hält Er gewiß. Davon darf auch diese herrliche Führung und Bewahrung ein lebendiges Zeugnis sein. Sein Wort bezeugt uns ja ganz deutlich: „So ihr in Mir bleibet und Meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren." Johannes 15, 7 So ihr in Mir bleibet! Wer ist das? Ist das so bei Dir, lieber Leser? Als wir dann an jenem Morgen zu dem Bezirksarzt kamen — und der Herr ihn damals noch nicht so gebrauchen konnte, weil er dem Wirken des Geistes Gottes gegenüber noch nicht so offen war —, fügte es der liebe Heiland jedesmal so, daß er diese Prüfung bei mir nicht vornehmen konnte und durfte. Immer, wenn er meine Vorladungskarte nehmen wollte, wurde er in eine andere Arbeit hineinverwickelt und abgerufen, so daß er immer von mir Abstand nehmen mußte. Er hatte noch einen Assistenzarzt bei sich. Weil sich das nun immer wieder und immer länger hinauszog, und der Bezirksarzt einfach nicht dazu kam, — oder kommen durfte, — mich zu untersuchen und zu prüfen, gab er dann dem Assistenzarzt den Auftrag. Und so kam ich dann zu ihm ins Sprechzimmer. Es stellte sich dann auch bald heraus, daß dieser junge Arzt für die Wirkungen des Geistes Gottes aufgeschlossen war. Er unterzog mich einer gründlichen Untersuchung und Prüfung. Wie ich schon erwähnte, konnte ich wegen meiner Augenleiden keine Schule besuchen. Der Arzt stellte mir, der damals 15jährigen, Fragen, die einer Schulbildung der damaligen Endstufe der Volksschule, der achten Klasse, entsprachen. Er frug mich unter allem anderen auch, wer Amerika entdeckt, wer die Kartoffel eingeführt habe. Dann frug er mich, was damals ja von großer Wichtigkeit war, wo Adolf Hitler geboren sei. Fragen über den ersten Weltkrieg, über Hindenburg und vieles Andere schlossen sich an. Das alles konnte ich gut beantworten, so daß der Arzt ganz sprachlos war. Dann kam eine sehr heikle Frage, die mich sehr in Bedrängnis brachte; es war eine Frage, von deren Beantwortung alles weitere wohl abhing, Sieg oder Niederlage, Gedeih oder Verderb! Diese Frage war: „An welchem Tag ist Adolf Hitler geboren?" Und gerade diese Frage wußte ich nicht zu beantworten, ich konnte im Augenblick keine Antwort darauf geben, es war mir einfach nicht möglich, ich wußte das Geburtsdatum nicht. Damals war ja dieser Geburtstag noch nicht so eingebürgert und wurde noch nicht so gefeiert wie später. Daß ich die Frage nicht beantworten konnte, machte mir innerlich sehr viel Not. Ich betete und schrie innerlich zum Herrn um Seine Hilfe. Des kritischen Augenblicks war ich mir auch durchaus bewußt. Was geschah nun? Es ist vielleicht für viele, die es lesen, unfaßbar, und doch ist es so geschehen, wie ich es berichten darf. Es entspricht der reinen Wahrheit. Der Arzt stellte mir zwar die Frage, konnte aber meine Antwort nicht abwarten, weil der Bezirksarzt hereinkam und ihn kurzfristig wegen einer anderen dringenden Sache abrief. Aber gerade dieser Augenblick war Gottes, des Herrn Augenblick. Während der Arzt draußen war, stand; plötzlich der treue Heiland vor mir, hielt mir einen Neukirchener Abreißkalender hin — die Abreißblätter warten mir bekannt, wir hatten ja immer einen Kalender in unserer Wohnung, — und ich sah deutlich die Zahl 20 darauf. Der treue, auferstandene Heiland sagte dann dazu: „Am 20. April ist dieser geboren." Dies konnte ich noch kurz meinem Vater sagen, und er konnte mir das nur bestätigen. Ihn überwältigte dieses Erleben sehr. Und schon ging auch die Türe auf; mein Fragesteller kam zurück und ich konnte ihm die Antwort auf seine Frage, mir vom Herrn in Seiner unendlichen Liebe und Güte gezeigt und gesagt, geben. Ist das nicht
herrlich? Wie hätte Er mir doch zugerufen!: „Ich will Dich mit Meinen
Augen leiten." Und so wörtlich, lebendig und selbst gegenwärtig hat
Er Sein Wort an mir, der praktisch Blinden, erfüllt. Ja, Er ist ein
herrlicher Heiland! Der Vater frug nun: „Herr Doktor, was meinen Sie,
Was geschieht nun mit der Töchter?“ „Nichts! Sie fällt nicht unter
das Gesetz. Das hat sie auch nicht nötig, sie ist nicht geistesschwach,
eher sind es andere. Als er mich dann noch nach meinen Lebensabsichten, nach meiner Zukunft frug, und wie ich diese zu gestalten gedenke, da durfte ich ihm ein freudiges Zeugnis von Jesus ablegen. Freudig und bewegt durfte ich ihm sagen, daß ich nicht gedenke, meine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, sondern willens sei, sie Jesus in die Hand zu legen und sie von Ihm gestalten zu lassen. Der Arzt war davon ganz überrascht und von meinem Bekenntnis überwältigt. Und wir durften als gute Freunde uns trennen. Etwa ein viertel Jahr später wurde ich noch einmal vor den Bezirksarzt selbst geladen. Er sah mich nur kurz an, und ich bekam dann den Bescheid, daß ich nicht unter diese laufenden Maßnahmen fallen würde, ich sei davon befreit. Menschen, die trotz Gebrechen geistig so hochstünden hätten nichts zu befürchten. Einer späteren Eheschließung würde auch nichts im Wege stehen, auch bestünden keine Bedenken, wenn ich Kinder bekommen würde. Der Herr hat mir dann später einen Mann geschenkt, mit dem ich in einer glücklichen Ehe, mit dem Herrn als Ersten im Bunde, leben darf. Daß wir nach all dem Erleben immer wieder auf die Knie gegangen sind und dem Herrn für Seine so herrlichen Führungen wieder reichlich gedankt und Ihn als ein herrlich auferstandenen Herrn gepriesen haben, das darf Ich wohl als nötige Ergänzung hinzufügen. Wessen Herz geht da auch nicht über in Lob und Dank, in Preis und Anbetung! Ja, Er ist ein lebendiger Herr, und Er beweist sich in unserem täglichen Leben so lebendig groß, Wir haben einen herrlichen, auferstandenen Herrn. Es ist Ihm ein Kleines, durch viel oder wenig zu helfen. Wie hat meine Mutter ob all den herrlichen Führungen und Erlebnissen immer wieder aus tiefstem Herzensgrund bezeugen und ausrufen dürfen: „Ich habe Jesus Christus erlebt Er lebt!" (J. M.) Melodie:
„Pilger, sag, wohin dein Wallen ..."
Lieber
Vater, sei gepriesen, der Du uns so reich beglückt, und so herrlich Dich
bewiesen, als Du uns so reich erquickt! Ja, auch selbst im schwersten
Leide stand'st Du treulich uns zur Seite! :/: Stand'st Du treulich uns zur
Seite, hast Dich herrlich offenbart! :/: Als
die Hölle sehr erbebet und uns brachte großes Leid, warst Du bei uns,
Herr des Lebens, hast so herrlich uns befreit. Ja, als all' sich von uns
wandten, bist Du uns zur Seit gestanden! :/: Bist Du uns zur Seit
gestanden, hast uns herrlich frei gemacht! :/: Dank sei Dir, Du lieber Vater, hast so treulich uns geführt! O, Du innigster Berater, unsre Seele jubiliert! Du hast uns die Sund' vergeben, brachtest uns zu neuem Leben. :/; Brachtest uns zu neuem Leben, lieber treuer Vater Du! :/: K.P. Du bist der Gott, der Wunder tut. Psalm 77, 15 Ich gedenke an Deine vorigen Wunder und rede von allen Deinen Werken und sage von Deinem Tun. Psalm 77, 12—13 Sein herrlicher Name kann nicht genug gerühmt werden, und Seine Herrlichkeit nicht genug bekannt gemacht werden. Er ist und bleibt ein herrlicher und wunderbarer Herr, unser Heiland und himmlischer Vater Jesus Christus! Einige der wirklich herrlichen Erlebnisse darf ich hier zu Seiner Ehre und zur Verherrlichung Seines teuren Namens wiedergeben. Der
Eisensplitter im Auge
Im Jahr« 1935 hat es sich zugetragen. Mein Mann war arbeitslos. Da werde er zu einem Arbeitseinsatz verpflichtet. Ein Gelände" am Rande der Stadt sollte abgegraben und geebnet werden. Die Arbeiten wurden damals mit Loren durchgeführt. Die Erde würde mit Schaufeln eingefüllt, die Arbeit eben noch mit Pickel und Schaufel getan. Einer der Arbeiter, die mit meinem Mann zusammen die Lore mit Erde füllten, klopfte seine Schaufel an die Lore, um sie von der Erde zu säubern, damit er wieder besser arbeiten und die Schaufel die Erde wieder besser aufnehmen konnte. "Wie er so die Schaufel an die Lore schlug, fühlte mein Mann plötzlich einen stechenden Schmerz in. einem Auge. Ein Metallsplitter war ihm ins Auge gedrungen. Das Auge fing nun so stark zu tränen an, daß er aufhören mußte zu arbeiten. Er meldete sich bei dem Baustellenführer und berichtete ihm, was geschehen war. Der schickte ihn gleich zum Augenarzt. Mein Mann ging aber nicht zum Augenarzt, sondern kam nach Hause, erzählte, was geschehen war und sagte dann zu mir: „Kätchen, Du weißt ja, wir haben einen guten Arzt. Zu dem wollen wir nun gehen!" Das Auge, schmerzte sehr, und die Tränen flössen nur so.
Ich sagte ihm dann: „Mein Lieber, lege Dich zuerst einmal aufs Sofa hin, wir wollen dann miteinander beten." Während des Gebets wurde er ruhiger. Auf einmal spürte er etwas Schmerzhaftes und ruft aus: „Ach, was ist denn das! Da ist ja der Splitter!" Urplötzlich kam der Splitter aus dem Auge. Der Herr hatte ihn auf das Gebet hin aus dem Auge entfernt. Wir konnten nur die Knie beugen, loben und danken für Seine herrliche und wunderbare Hilfe und Tat. Am anderen Morgen schon konnte er wieder zur Arbeit gehen. Der Baustellenführer staunte nur so, daß er schon wieder da war und frug ihn, bei welchem Arzt er denn gewesen, ob es denn wirklich besser und ob ihm wirklich geholfen worden sei.
Auch da durfte er ein lebendiges Zeugnis geben und bekannte: „Ich war bei keinem Arzt, ich war bei meinem Heiland, wir haben gebetet, — und Er hat geholfen: Auf einmal war der Metallsplitter aus dem Auge, und es ist nun so, wie wenn nichts, aber auch gar nichts gewesen wäre. Es ist alles in Ordnung." Ja, wir haben einen herrlichen Heiland! Bewahrung
vor einem schweren Treibriemen
Während des Krieges durfte mein Mann an seinem Arbeitsplatz eine Bewahrung erleben wodurch sein Leben geschont wurde. Er war damals Packer in einem Betrieb, der Schuhleisten aus Holz herstellte. Über seinem Arbeitsplatz lief ein etwa 15 Meter langer schwerer Treibriemen, der verschiedene Maschinen im Raum antrieb. Inmitten der Arbeit wurde er auf einmal innerlich gemahnt, seinen Arbeitsplatz zu verlassen und hinauszugehen. Er kam der Warnung nach, gehorchte und erledigte eine andere Arbeit. Als er dann zurückkehrte, umstanden die anderen Arbeiter seinen Arbeitsplatz. Große Aufregung herrschte unter ihnen. Was war geschehen? Der schwere Treibriemen hatte sich gelöst und lag genau auf seinem Arbeitsplatz. Die Mitarbeiter meinten: „Da hast Du aber Glück gehabt!" Dieser schwere Riemen hätte, als er sich loslöste und heruntersauste, meinem lieben Mann sehr großen Schaden bringen, wenn nicht sogar ihm das Leben kosten können. Lebendige Bewahrung und Gnade des Herrn! Auch das war Grund zum Dank und Lob und Preis! dem treuen Herrn. Der
Ehering am geschwollenen Finger
Eine Glaubensschwester, die auch immer unsere Versammlungen besucht, kommt mit einem besonderen Anliegen zu mir. Sie sucht Hilfe in und durch das Gebet. Auch sie hat ja schon lebendige Erfahrungen mit Jesus machen dürfen, auch ihre Tochter durch das Gebet vom Herrn wiederbe kommen. Sie zeigt mir ihre Hand. Sie ist furchtbar aufgeschwollen, auch die Finger, so daß der Ehering kaum mehr sichtbar ist. Die Schwester meint: „Ich muß wohl zum Arzt gehen und den Ring abfeilen lassen. Sieh einmal an, wie das aussieht! Wenn ich's jetzt nicht tue, wächst der Ring ja ganz ins Fleisch hinein." „Schwester", entgegnete ich ihr, „wir wollen beten! Auch da kann der Heiland helfen. Ihm ist ja nichts unmöglich." Wie ich ihr nun meine Hand auf die ihre lege und bete im Namen Jesus, da wird meine so geführt, den Ring zu fassen, und in einem Augenblick ist er in meiner Hand. So tief eingewachsen war er — und nun den Ring in meiner Hand! Wie sichtbar und wunderbar, über alles menschliche Denken und Vermögen hinaus hat der Herr hier geholfen, und diese herrliche Gnade geschenkt. Was blieb uns nach dieser lebendigen und wunder- baren Herrlichkeit nur noch übrig? Wir haben dem Herrn gedankt, Ihn gelobt und Ihn gepriesen. Das war wirklich auch vor unseren Augen ein Wunder des Herrn! Der
verschwundene Blutzucker
Der Herr führte mich durch eine Zeit der Krankheit. Es war die Zuckerkrankheit. Viel Durst und viel Entsagung brachte dieses Leiden mit sich. Die Strümpfe und Unterwäsche waren immer von den Ausscheidungen angefüllt. Es klebte alles an mir, und es war wirklich eine echte Not. Der behandelnde Arzt gab die entsprechende Arznei, doch alles wollte nicht helfen. Immer wieder wurde der Urin auf Zucker untersucht, und immer war der Zucker noch da. Der Arzt war aus der Umgebung meiner Heimat, und wir kannten uns deshalb gut. Auch ihn bedrückte es, daß die Behandlung noch keinen Erfolg aufzuweisen hatte, noch keine Besserung zu sehen war. Doch eines Tages kommt er die Treppen hoch in unsere Wohnung. In seiner ungezwungenen Art sagte er, ohne viel Wesens zu machen: „Mäde, sag einmal, wo hast Du denn Deinen Zucker? Dein Zucker ist fort! Ich habe keinen mehr feststellen können." „Wer anders als der liebe Heiland hat ihn weggenommen! Wir haben ja doch auch darum gebetet. Und Er hat das Gebet erhört!", durfte ich ihm bezeugen. Was war doch das für eine Gnade des Herrn, daß Er diese hochgradige Zuckerkrankheit von heute auf morgen weggenommen hat! Ja, Er ist ein herrlicher Heiland! Wunderbar
ist Seine Hilfe
Ja, es ist ein lebendiger Gott, und Er heißt Jesus Christus, der solche herrliche Wunder vor unseren Augen getan hat! Sie alle einzeln aufzuzählen, wäre wirklich wert, tun diesen Seinen herrlichen Namen auch recht gebührend zu loben und zu preisen, und Ihn aller Welt deutlich zu machen. Mein Kind war 1945 an Tuberkulose erkrankt. Die behandelnde Ärztin gab nach dem damaligen Krankheitsstand wenig Hoffnung auf eine Heilung. Doch der Herr sagte mir, daß Er eine Moment-Heilung schenken werde. Er rührte sie auch eines Tages in Seiner herrlichen Kraft an und sie wurde augenblicklich gesund und konnte aufstehen. Die durch die besorgte Ärztin veranlaßte Nachuntersuchungen ergaben keinerlei Befunde mehr bei den gemachten Röntgenaufnahmen. Welche herrliche Erfahrungen haben wir doch bei meinem Kinde in anderen Krankheitsnöten mit dem Herrn machen dürfen. Wie herrlich hat Er sich bei der Diphtherie, bei der Gelbsucht und bei den Magengeschwüren erwiesen. Ja wie herrlich hat auch hier der Herr durch Seinen heiligen Geist und Seine lebendige Kraft und durch das Gebet geholfen. Der Herr ist wunderbar! Er ist und bleibt ein herrlicher und wunderbarer Gott! Eine Schwester unter uns hat der Herr von Lupus an der Nase geheilt. Eine andere Schwester wurde von Hautkrebs geheilt. Meinem Mann war bei der Arbeit mit zentnerschweren Kisten eine Bandscheibe gerissen. Wie herrlich und wunderbar hat auch ihm der Herr aufgeholfen und ihn wiederhergestellt. Eine Fülle von Wundern hat der Herr vor unseren Augen getan. In Markus 16, Vers 20, lesen wir nicht umsonst: „Der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen." Der Herr bestätigt sich durch die Seinen! Der Sohn einer Schwester litt an einer hartnäckigen Darminfektion. Er war damals noch ein Säugling. Durch die Fürbitte und das Gebet hat der Herr auch hier ein Wunder gewirkt. Trotz starker und strenger Diät blieb kein Essen bei ihm, es wurde in kurzer Zeit ausgesondert, so wie der Körper es zu sich nahm. Die Schwester kam auch in die Gebetstunde. Da wurde auch für ihren kranken Sohn gebetet. Als sie nach Hause kam, blieb das Essen von da an bei ihm; die Krankheit war überstanden. Eine Schwester mußte sich einer Halsoperation unterziehen. Der Arzt zögerte etwas mit der Operation. Er meinte, er dürfte sie normal nicht operieren, da sie an Bronchitis leiden würde, und das könnte anschließend eine böse Sache geben. Aber er führte dann doch die Operation durch. Aber wie befürchtet, so kam es auch. Nach der Operation wurde sie von einem bösen Husten gequält, was zu einem Blutsturz und anderem hätte führen können. Ihr Mann schrieb an ihrem Bett im Krankenhaus einen Brief an Schw. Pfirrmann, Als der Brief ankam, und sie ins Gebet ging, horte der Husten um diese Zeit ganz auf und war völlig verschwunden. Der Mann dieser Schwester mußte sich einer Nierenoperation unterziehen. Es war eine schwere Operation. Die kranke Niere sollte durch einen künstlichen Harnleiter gerettet werden. Nach der Operation fragte man die Schwester, ob denn hinter ihrem Mann die Gebete stünden! Wie wenig war eine solche Operation damals geglückt. Aber auch hier würde gebetet. Und der Herr hat das Gebet erhört. Er ist ein wunderbarer Gott und Seine Hilfe ist herrlich Und mächtig!
Verbrennungen
dritten Grades
Das Geschehen, von dem ich berichten will, trug sich im Jahre 1946, genau am 2. Weihnachtsfeiertag, zu. Wie man ja weiß, sind Verbrennungen dritten Grades sehr hoffnungslose, ja meist lebens- gefährliche Fälle, die allermeist mit dem Tode enden. Doch auch hier hat sich der Herr über der menschlichen und ärztlichen Ratlosigkeit und Hilflosigkeit sich erbannt, und sich als der Herr über Leben und Tod, in Seiner Auferstehungsherrlichkeit bewiesen und bezeugt! Beim Rückblick auch auf dieses Geschehen wird mir wieder die Herrlichkeit Jesu so lebendig. Ich muß mich aber auch fragen, was hat dieses Wunder an den Beteiligten in ihrem Leben ausgerichtet? Obwohl des Herrn Gnade und Hilfe so sichtbar war, hat es nicht bei allen eine lebendige Erneuerung ihres Lebens herbeigeführt. Zunächst wirkte es bei dem einen und anderen ein lebendiges Aufflammen für den Herrn, im übrigen verblieb es bei dem alten Wesen, das sich nicht grundlegend hat erneuern lassen. Das menschliche fromme Ich hat etwas vom Herrn entgegennehmen dürfen, ist damit befriedigt und zufrieden, will nichts, am wenigsten sich selbst dafür entgegengeben. Und so werden herrliche Wunder oft zu einer Feindschaft wider den lebendigen Herrn und Seinen lebendigen Geist! Unwillkürlich werden meine Gedanken auf das Wort der heiligen Schrift gerichtet. Dabei werde ich an die Heilung der zehn Aussätzigen erinnert, Lukas 17, 11—19! Zehn werden geheilt! Einer nur bringt seinen Dank und erkennt Den, und findet zu Dem, der ihn so reich beschenkt und geheilt hat. Die Fragen Jesu: „Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling?" Lukas 17—17—18, klingen uns doch allen in den Ohren. Wo sind die neun? Keiner sonst, der umkehrte? Was hat dieses Wunder, diese Heilung, in den Neunen bewirkt? Eine Erfüllung und Fortsetzung ihres! selbstsüchtigen Lebens! Oder was hat beispielsweise die andere herrliche Tat Jesu unter den Gerasenern ausgerichtet? Wir können diesen Bericht in Markus 5, Verse 1-20, nachlesen. Weil bei der Befreiung des so arg gequälten Besessenen die Säue der Gerasener draufgegangen sind, hat diese Tat Jesu ihm Feindschaft eingebracht. Anstatt dankbar zu sein, daß diese Plage mit diesem Besessenen nun ein Ende hat, bitten sie nun Jesus, den Helfer, von ihnen zu gehen! Anstatt Ihm, dem lebendigen Helfer, die lebendige Ehre und Anerkennung und Anbetung zu beweisen wurde er, vorwurfsvoll und anklagend weitergebeten, weggestoßen, abgedrückt, weggeschickt – wegen der Säue! Und was ist es bei dir? In den Jahren nach dem Kriege ereignete es sich in den Heilungsversammlungen im Rheinland, daß dort Mädchen angerührt und gesund geworden ist. Ihr Bekenntnis und Dank zum Herrn war: „Nun kann ich wieder tanzen gehen!" Nicht alle Wunder führen zu einer lebendigen Erneuerung der Herzen, zu einem lebendigen Gehorsam und Hingabe des Herzens an Gott und Seinen Willen, Können deswegen so wenig Wunder mehr geschehen, weil so! wenig Herzen für Gott bereit und dienstbar sein wollen? Eines Tages, in dem eingangs erwähnten Jahr 1946, läutete es an unserer Wohnungstür. Als wir öffneten, stand ein Fräulein vor uns. Wir sahen ihr sofort an, daß sie sehr niedergeschlagen war, einen gar verstörten Eindruck machte, ja der Verzweiflung nahe war. Wir fragten sie nach ihrem Begehr. Sie nannte ihren Namen und frug, ob sie hier recht sei bei Frau Pfirrmann, und ob sie sie auch sprechen dürfe. Sie bat sehr innig darum, daß wir sie doch hereinlassen mochten, da sie in sehr großer Not sei. Wir redeten mit der lieben Mutter und fragen sie, ob dieses Fräulein zu ihr hereinkommen könne. Wir frugen deshalb, weil die liebe Mutter ihre Zeit dem Herrn geweiht hatte in Fürbitte und Gebet, auch für Aufgaben, die ihr vom Herrn selbst aufgetragen wurden - und der Herr sollte auch da immer wieder über ihre Zeit verfügen können. Und wir wußten ja nicht immer, wie sie der Herr gebrauchen wollte. Die liebe Mutter tat auch da, wie sie es immer zu tun pflegte, sie wandte sich an den Herrn, ob sie dieses Fräulein hereinlassen solle, oder ob Er sie anderweitig gebrauchen wolle. Bei diesen Fragen an den Herrn wurden ihr dann auch immer die nötigen Aufschlüsse für ihren jeweiligen Dienst zuteil. Der Herr gab ihr auch da eine klare Weisung und redete mit ihr: „Laß sie nur zu Dir herein, denn sie ist in sehr großer Not!" Ein Pfarrer, der auch schon in unseren Andachten war, und von verschiedenen Wundern wußte, die der Herr durch die liebe Mutter gewirkt hatte, hat sie mit ihrer Not an die liebe Mutter verwiesen. Was war nun diese ihre große Not? Ihr Neffe, zu jener Zeit nahezu drei Jahre alt, litt sehr an Husten und Bronchitis. Die Mutter wußte sich keinen anderen Rat mehrmals ein altes Hausmittel ihrer Großmutter anzuwenden. Medizin gab es jenesmal noch wenig ohne Rezept. Die Familie ihres Bruders wohnte damals abseits eines Dorfes, und noch weiter war der Weg bis zur Stadt. Ärztliche Hilfe konnte damals auch nur in Anspruch genommen werden, wenn zu dem nötigen Benzin verbrauch beigetragen wurde. Der Neffe war etwas widerspenstig bei der Behandlung mit aufgelegten Kartoffelkompressen. Diese unruhige und widerspenstige Art hat sie nun bewogen, sich über ihn zu beugen und ihn unter die Decke zu zwingen, damit die Kartoffelkompressen ihre volle Wirkung haben sollten. Auch mit durch den Dampf sollte die Erkaltung und der Husten gelindert werden. Durch Unvorsichtigkeit beim Zudecken und Zurechtrücken des widerspenstigen Kerlchens muß die Kompresse zu stark aufgedrückt worden sein und ist die Verbrennung entstanden. Das Kind hat nun solche Schmerzen bekommen, daß es nur noch wimmern konnte und ohnmächtig wurde. „An diesen Folgen," so erzählte sie weiter, „habe sie nun erkennen müssen, daß da etwas nicht in Ordnung sei. Die Kompresse wurde abgenommen und mit Schrecken hätten sie gesehen, daß das Kind ungewollt verbrannt worden sei. Gleich hätten sie den Arzt geholt und er hatte feststellen müssen, daß es Verbrennungen schwersten Grades seien. Das Kind schwebe in Lebensgefahr, meinte er, und der Tod wäre näher als das Leben." „Deshalb, liebe Frau Pfirrmann," fuhr sie dann fort, „bin ich nun zu Ihnen gekommen. Ich bin darüber ganz verzweifelt, was der Arzt festgestellt und was ich da angerichtet habe. Ich weiß wirklich nicht, was mit mir wird, wenn diesem Kinde durch meine Schuld etwas geschieht. Ich bin deshalb gekommen, Sie zu bitten, mit mir zu beten, daß doch der Heiland sich meiner erbarme und das Kind wieder dem Leben zurückgeben, am Leben erhalten möchte. O bitte, seien Sie doch so gut und beten Sie jetzt mit mir, wenn es Ihre Zeit erlaubt und es möglich ist. Das habe ich nicht gewollt, was daraus entstanden ist!“, und das weinte und rief sie geradezu in Verzweiflung heraus. „Frau Pfirrmann", fragte sie weiter, „können Sie mich verstehen, wenn ich Ihnen sage, daß ich es nicht ertragen könnte, wenn diesem Kinde etwas passieren würde, und ich mir ein Leben lang sagen müßte, daß ich der Mörder des Kindes bin! O, ich könnte auch nicht meinem Bruder und meiner Schwägerin, die ja ebenfalls so verzweifelt sind, besonders meine Schwägerin, begegnen und ihnen unter die Augen kommen. Wenn das Kind durch meine Schuld sterben müßte — was dann? Verstehen Sie mich?" Meine Mutter war von dieser Not selbst auch sehr erschüttert. Sie durfte sie dann verständnisvoll in inniger Liebe und wahrem Glauben trösten: „Und ob ich Sie verstehen kann! Denn mir erginge es in der mir nun geschilderten Lage genau nicht anders. Ja, ich glaube auch, wenn ich da keinen Heiland hätte, daß ich um den Verstand käme. Aber blicken Sie nun auf den Heiland — und seien Sie jetzt ganz getrost. Sie haben es ja nicht so gewollt. Nachdem Sie sich tief gebeugt haben unter ihre Schuld, dürfen Sie auch glauben, daß der Heiland vergibt. Das Blut Jesu Christi hat die Macht und Kraft zu vergeben und zu reinigen. Und zum andern hat Er auch die Macht dieses Kindlein zu durchströmen und es zu heilen. Ja Jesus kann noch mehr! Er kann auch diese Sache in Segen umgestalten, indem auch Ihr Bruder und Ihre Schwägerin durch diese Not zu Jesus finden!" Daraufhin betete die liebe Mutter mit ihr und bat den Herrn, daß er sich doch an dem Kinde verherrlichen möchte, es anzurühren in Seiner Kraft und ihm zu helfen nach Seinem Willen. Das Kind kam in ärztliche Behandlung. Die Ärztin glaubte ja, daß das Leben des Kindes nur noch kurz befristet sei. Als das Kind dann nach drei Wochen doch noch lebte, wurde es am 12. 1. 1947 ins Krankenhaus eingewiesen. Doch die Ärzte hatten dort auch keine Hoffnung mehr. Allein durch das Gebet und die treue Fürbitte, blieb dies Kind jenesmal am Leben und wurde dann am 19. 4. 1947 aus dem Krankenhaus entlassen. Eine noch offene Wunde in Größe eines 5-Mark-Stückes war noch da. Aber auch diese Wunde durfte dann verheilen. Was aber ist aus dem Leben dieses Neffen und seiner Tante geworden? Hat sie diese lebendige Erfahrung zu Menschen gemacht, die dem Herrn danken und Ihm ihr Leben ganz übergeben konnten? Wie steht es um ihren Gehorsam dem Herrn, Seinem Wort, Seinem lebendigen Geisteswirken gegenüber? Arg schlecht! Was tut der Herr für große Dinge und wie wenig achtet und dankt man ihrer, wie wenig dankt man Ihm! (J.M.)
Der
Nervenzusammenbruch
Die Mutter des Kindes mit den Verbrennungen dritten Grades kam dann später auch zu der Mutter, um ihr für das Gebet und mit ihr für die Hilfe des Herrn zu danken. In ihr wirkte der Herr durch das Geschehen ein echtes Verlangen und ein tiefes Sehnen nach dem Heiland. Durch das aufreibende Geschehen mit ihrem Kinde während der Krankheit, durch die vielen damit verbundenen Ängste und Nöte, auch durch andere familiäre Erlebnisse, war sie einem Nervenzusammenbruch nahe. Sie war sehr lustlos, niedergeschlagen, schwermütig. Von tiefen Depressionen wurde sie geplagt. Ihr Wesen war sehr gedrückt.
Das dritte oder vierte Mal war sie nun in unseren Stunden, nachdem ihr Kind geheilt wurde, und der Herr ihr den Weg zu uns gewiesen hat. Auch für ihre Leiden wurde immer gebetet, und ihre Leiden dem Herrn gebracht. Während einer Versammlungsstunde, während der Wortverkündigung, rief sie plötzlich aus: „Mutter Pfirrmann, ihr lieben Geschwister, eben wurde ich von meinen Leiden geheilt. Ich habe die Kraft des Herrn gespürt, die meinen Leib durchströmte. Es war in dem Augenblick, als Du sagtest, daß das Blut Jesu Christi eine wunderbare und reinigende Kraft und Macht für uns alle ist!" Was haben wir doch auch hier dem treuen und wunderbaren Herrn von Herzen gedankt! Diese Schwester blieb bis heute von ihren Leiden geheilt! Sie ist in vielen Stürmen ihres Lebens ein freudiges Gotteskind geblieben? (J. M.)
Erlebnisse
im Dienste des Herrn
Billige Gnade
— teure Gnade
„Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." 1. Joh. 5, 4 „Ja, selig sind, die da/s Wort Gottes hören und bewahren." Lukas 11, 28 Ein Dichter hat einmal sehr zutreffend gesagt: „Doch den geht die Gnad nichts an, der noch auf Gnaden sündigen kann!" Teure Geschwister im Herrn, alle, die Ihr wirklich und aufrichtig nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit strebt und trachtet, alle, alle, die Ihr unter der teuren Gnade steht, von Jesus Christus teuer erkauft seid, haltet diese teure Gnade fest, damit Euch niemand Eure Krone raube! Und die Ihr das Wahre wollt, Euch möchte ich das Nachfolgende wiedergeben. Durch den heiligen Geist werde ich getrieben, Euch solches kundzutun; denn die Sache des Herrn liegt mir sehr am Herzen. Auch mir tut ein jeder Bruder, eine jede Schwester, die noch nicht die Tiefe der Wahrheit erkannt haben, die irregeleitet oder verführt sind, unendlich leid. Vor einigen Jahren kamen ein Bruder und eine Schwester nach hier und wollten mich besuchen. Sie kamen aus Stuttgart. Meine Tochter nahm sie auf und redete mit ihnen, weil ich gerade zu der Zeit von unserem lieben Heiland und Herrn in die Stille geführt worden war, um als rechte Priesterseele und Beterin meine Aufgabe treu erfüllen zu können. Denn die Beter, so sagt uns der Herr, sind gerade jetzt in dieser Zeit am notwendigsten. Er selber ruft die Beter auf, und hat es ja auch schon durch die Botschaften getan, die Er uns in Seiner Gnade geschenkt hat. Während diese beiden Geschwister in unserem kleinen Wohnzimmer bei meiner Tochter waren, redete der Herr zu mir und warnte mich vor diesen Beiden. Er sagte mir, wie es um die Geschwister stand. Meiner Tochter müßte ich deshalb, als sie zu mir hereinkam, sagen: „Mein Kind, sei vorsichtig! Sei vorsichtig mit diesen Geschwistern, da ist etwas nicht rein! Sie leben im Ehebruch." Nach einer Weile der Unterredung mit den Geschwistern kam meine Tochter wiederum zu mir herein und sagte: „Mutter, bei diesen Geschwistern ist es wirklich nicht in Ordnung. Der Heiland hat recht. Ich behalte sie nur bis morgen früh." Und in diesem Augenblick sagte mir der Heiland in meinem Herzen: „Mein Kind, keine Minute mehr! Sofort heiße sie gehen. Jetzt ist noch Zeit, da sie noch heimfahren können. Meine Tochter war über diesen heiligen Ernst ganz erschüttert. Sie ging dann zu diesen beiden Geschwistern und überbrachte ihnen, was der Herr durch mich gesagt hatte. Da schrie der Bruder unter anderem auf:„Hier ist der Herr, hier ist der lebendige Heiland! Ich mache mich auf, bringe mein Leben und das Leben mit meiner Frau in Ordnung und verkünde in L. und auch da und dort, was mir hier widerfahren ist." Sie waren ja da und dort hingefahren und hatten sich in ihrem ehebrecherischen Leben geistliche Zurüstung geholt in der einen und anderen Gemeinde, ohne daß sie aufgedeckt worden waren. Doch die Schwester meinte: „Ach, wären wir doch nicht hierher gekommen!“ Der Bruder jedoch schrie geradezu in sichtbarer Erleichterung, daß hier nun seine Bande gesprengt! Worden waren: „Doch, gerade da! O, wie bin ich dankbar, daß mir mein Heiland es gezeigt und gesagt hat! Schon lange quält! mich diese Sache. Wir sind zu Ehebrechern geworden. Aber nun will ich von Dir nichts mehr wissen." Er packte dann seine Sachen, bedankte sich und Bannhof und ging zum Bahnhof. Diese Frau aber, — sie wehrte sich gegen die geoffenbarte Wahrheit, sie wollte sich nicht beugen. Sie hatte gar nichts dabei gefunden, mit dem Bruder allein in der Welt herumzufahren und den Bruder seiner Familie zu entziehen. Wie aber begründete die geschiedene „Schwester" ihr Verhältnis zu einem verheirateten Mann mit vier Kindern, den sie mit „christlichem Mantel der Nächstenliebe" seiner Frau und Familie entfremdet und entzogen hatte!: „Was Wollt ihr denn? Jesus hat doch alles für uns vollbracht, da brauchen wir doch nichts mehr zu tun. Wir können doch jetzt machen, was wir wollen und können doch leben wie wir wollen. Wir sind doch frei, wir sind doch erlöst! Das kann uns doch nicht mehr zur Sünde gerechnet werden. Ich kann darin keine Sünde erkennen." Es war dies nicht der erste Fall, den wir erlebten, wo diese leichtfertige Stellung zur Sünde, unter Berufung auf die Erlösung, an uns herangekommen ist. Schon viele Fälle dieser Art waren es. Wie furchtbar sind diese blinden Geschwister dran, Wenn sie sich nicht haben helfen lassen! l Haben wir ihr weiteres Leben verfolgt, so konnten wir nur feststellen, daß sie immer mehr in die Sünde hineinversunken sind und großen Schaden ihrer Seele gebracht haben. O, mir wurde es so auf die Seele gebunden, zu warnen, zu warnen! Denn ich weiß und habe es erfahren in so vielen Fällen: „Die Sünde ist wirklich der Leute Verderben." Und wer noch in der Sünde lebt, der ist tot; der ist noch nicht mit Christus gestorben und noch nicht mit Christus auferstanden. Denn Christus ist wie die Schritt sagt nicht gekommen, um uns mit der Sünde zu erlösen, sondern von der Sünde. Denn allein dieses: Von der Sünde — ist ja das Wichtigste. Denn mit der Sünde können wir nie in das Reich Gottes eingehen. Denn Fleisch und Blut könnten - so sagt es uns wiederum die heilige Schrift, und der Herr unterstreicht dies immer wieder - das Reich Gottes nicht ererben. „Denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden." Matth. 1, 21 »Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben." 1. Korinther 15, 50. Darum, Ihr teuren lieben Brüder und Schwestern, überall, die Ihr das leset, lasset Euch vor dieser sogenannten billigen Gnade warnen!, die diese Schwester zum Ausdruck gebracht hat. Nehmt das ganze Wort Gottes ernstlich zu Herzen! Ganz ausdrücklich steht es geschrieben und heißt es ja: „Denn das ist der
Wille Gottes, eure Heiligung,
daß ihr meidet die Hurerei!" 1.
Thess. 4, 3 oder: „Ihr sollt heilig sein; denn ich bin heilig." 1. Petr. 1, 15 Es steht weiter geschrieben: „Wer Sünde tut, der ist vom Teufel." 1. Joh. 3, 8 „Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei." Johannes 8, 34 und 36 Wer sich frei machen läßt von der Sünde, der ist dem alten Menschen, dem sündigen Menschen abgestorben und lebt in Christo — frei! Denn wir können nie mit der Sünde in Christo leben, sonst wäre ja das Opfer auf Golgatha umsonst und vergebens gewesen. Denn Er ist gekommen, uns aus unserer Not zu erretten, aus unserer Sünde und Schuld, auf daß wir Kinder Seines Geistes werden. Als Kinder Seines heiligen Geistes aber können wir nicht mehr mutwillig sündigen. „Denn so wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir fürder kein anderes Opfer mehr für die Sünden!" Hebr. 10, 26 „Wir ermahnen aber euch als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfanget." 2. Kor. 6,1 Das wird viel zu wenig ernst genommen, Der Herr und Sein Wort können nicht ernst genug genommen werden. Verfälschung
des Wortes Gottes
Aus einer Gemeinde kam ein jungen Mädchen, ungefähr 20 Jahre alt. Sie war Hausgehilfin und im Haushalt eines Predigers. Wir lasen zusammen ein Bibelwort, das mir der Herr gegeben hatte. In dem Kapitel kam vor, daß Gott die Ehebrecher selbst richten wird (Hebr. 13, 4). Das Mädchen fragte mich nun, was denn eigentlich Ehebruch sei. Anhand der heiligen Schrift, dem Worte Gottes, erklärte ich ihr es und sagte ihr, was die Schrift unter Ehebruch versteht. Auf einmal schrie das Mädchen auf, so furchtbar, daß es meine Angehörigen, die in anderen Zimmern waren, gehört haben. Es schrie geradezu heraus: „Da bin ich ja verführt, da bin ich ja belogen und betrogen worden. Zu mir sagte ein Prediger: „Wenn ein junges Mädchen mit einem verheirateten Mann die Ehe bricht oder umgekehrt, dann sei es nur dann Ehebruch, wenn daraus ein Kind hervorgehe." Das hat mich doch sehr tief getroffen! Wie wird das Wort Gottes von Predigern verdreht und verfälscht! Wie sucht man auf Kosten des Wortes Gottes eine Entschuldigung für seine Sünde, für seine Gebundenheit! Den Namen des Predigers hat mir das Mädchen nicht genannt, und ich habe sie auch in meiner großen Bestürzung nicht danach gefragt. Doch der Herr sagte mir in meinem Herzen, wer der Prediger sei, und was die Frage des Mädchens in sich berge. Warum gebe ich gerade dieses Erlebnis hier wieder? Etwa um einen Sünder zu richten oder zu verwerfen, den Stab über ihn zu brechen? Wie könnte ich das, die ich selbst von der Gnade lebe! Der Herr hat mich gelehrt, selbst den tiefstgefallenen Sünder zu lieben. Aber Er hat mir auch einen Haß gegen die Sünde gegeben, und ich hasse sie wie die Pest. Sie ist und bleibt das Verderben der Leute. Und der Herr hat mich beauftragt, gegen die Sünde einen heiligen und unerbittlichen Kampf zu führen. Diesen rechten und richtigen Kampf tue ich im Gehorsam und aus Liebe zu Ihm. Die Sünde hat ja nicht nur Folgen bei den Beteiligten, sondern wirkt sich auch auf das Leben einer Gemeinde aus. Diese Sünden sind und werden zum Schaden der Gemeinde, sie lähmen und unterbinden das Geisteswirken. Der Herr kann nicht mehr segnen und die Gemeinde hat keinerlei Wachstum zu verzeichnen bei noch so viel religiösem Getriebe. Diese Sünden stehen dazwischen, sind wie ein Bann auf der Gemeinde. Deshalb muß es gesagt sein, deshalb muß offen über die Sünde geredet werden. Wie sagte mir ein geisterfüllter Bruder, der in der Gemeinde jenes Predigers dienen wollte, dem das Evangelium und seine Verbreitung ein ganz besonderes Anliegen ist: „Schwester Käthe, ich kann in der dortigen Gemeinde nicht mehr am Wort dienen; ich rede wie gegen eine Wand, die nichts mehr durchdringen läßt. Das Wort kommt wieder leer zurück. Es liegt ein Bann auf dieser Gemeinde, der Herr kann nicht mehr segnen." Darum reinigt die Gemeinde! In dieser Gemeinde ist durch Ehebruch großer Schaden entstanden. Viele, die den geist-losen Zustand erkennen und empfinden, unbewußt mitempfinden mußten, sind weggeblieben. Ja mancher in einer solchen Gemeinde fragt sich, warum kein Geistesleben mehr in der Gemeinde ist, warum sich nichts mehr tat, warum alles zur bloßen äußeren Form herabgesunken ist. Und mancher bekennt: Ich werde da nicht mehr gesegnet. Viele sagen und erkennen, daß der Herr nicht mehr in der Gemeinde, nicht mehr amt der Gemeinde ist. Die Sünde macht träge, läßt eine bittere Wurzel aufwachsen, richtet Unfrieden an und viele werden dadurch verunreinigt. Die Sünde kann aber auch zum Verlust der Gnade führen, so schreibt uns Hebräer Kapitel 12. Achten wir darauf! Predigen
und selbst verwerflich wandeln
Vor Jahren, es war in der Zeit 1939/1940, hatte ich ein Erlebnis in der Gemeinde in F. Mit meinen Lieben ging ich während der Rückführung unter das Wort in eine der dortigen Gemeinden. Der Prediger hatte eine liebe Frau mit zwei Kindern. Während der Wortverkündigung hüpfte der Prediger auf dem Podium hin und her, deutete mit dem Finger auf diesen und jenen Hörer und rief in die Gemeinde hinein: „Bist Du bereit, wenn der Herr kommt? Bist Du bereit, wenn der Herr kommt? Bist Du bereit, wenn der Herr kommt, bist Du bereit?" So ging es eine kleine Zeit, und er deutete dabei immer wieder von einem zum andern. Da sprach der Herr zu mir in meinem Herzen: „Sage diesem Prediger, was Ich Dir jetzt sage!" Den Bruder ließ ich dann nach der Stunde zu mir rufen und übermittelte ihm, was der Herr mir gesagt hätte: „Was ist das doch für eine Heuchelei, eine furchtbare Heuchelei und ein Betrug, wenn man da hin- und herhüpft auf dem Podium und ruft: Bist Du bereit!" Und wie einst Nathan zu David, so mußte ich zu ihm sagen: „Du bist der Mann, der im Ehebruch mit zwei Frauen lebt! Und Du erlaubst Dir, anderen zuzurufen, „Bist Du bereit, wenn der Herr kommt". Ist das nicht eine Heuchelei?" Das haben mehrere Brüder aus der Gemeinde mitangehört. Sie sind in ihrem großen Schmerz und in ihrer Enttäuschung gegen ihn aufgestanden und wollten ihn mehr als zurechtweisen. Der Prediger konnte in der dortigen Gemeinde nicht mehr bleiben. Er kam dann später in unsere Wohnung und hat mir alles bekannt und gesagt, wie schlecht er sei. Aber er hatte eine große Sünde wider den heiligen Geist getan. Anderen hat er zugerufen, „Bist Du bereit, wenn der Herr kommt?" — und er lebte in mehrfachen Ehebruch und auch in anderen Sünden. Er ist, wie ich von einem dienenden Bruder nach Jahren erfahren habe, völlig der Trunksucht anheimgefallen und hat den Weg der Buße nicht mehr gefunden. Die
falsche Zunge
„Strebet nach der Liebe! Befleißiget euch der geistlichen Gaben.“ 1. Korinth. 14,1 „Dieses alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeglichen das Seine zu, wie er will." 1. Korinth. 12, 11. Er teilt zu — wie Er will! Wie verhängnisvoll es werden kann, wenn man das Streben nach Geistesgaben nicht auf diesen nüchternen Boden der heiligen Schrift nachvollzieht, das mag das nachfolgende Erlebnis sehr deutlich machen. Diese Begebenheit will ich berichten, die uns das Wort in Matth. 7, Verse 21—23 sehr klar und lebendig macht. Diese Schriftstelle sagt uns: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch, nie gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!" In F. kam eine Schwester aus der dortigen Pfingstgemeinde zu mir. Sie hatte von mir gehört und wandte sich in leiblicher Not an mich, sie bat mich um Handauflegung und um das Gebet zur Heilung ihres kranken Leibes. Entsetzlich war ihr Aussehen! Es bot sich mir ein fürchterlicher Anblick. Diese Schwester hatte keine Haare mehr auf dem Kopfe, sie hatte eine Glatze, Ihr Körper war überall von Geschwüren gezeichnet. Sie bat mich, ihr doch die Hände aufzulegen, damit ihr in ihrer Not geholfen werde. Sie erzählte mir auch, daß sie in einer Pfingstgemeinde sei, sie hätte auch die Gabe des Zungenredens. In dieser Gemeinde ist niemand angesehen, und als echtes Kind Gottes geachtet, der nicht die Gabe des Zungenredens habe oder andere Gaben. Und sie hätte ja auch so gerne eine Gabe haben wollen. Zwei Jahre währte dieses „Zungenreden" schon, so wie sie sich mir gegenüber äußerte. Auf einmal redete diese „Zunge" auch in meiner Gegenwart! Der Herr hat es so geführt und zugelassen. Doch der Herr offenbarte mir, daß ein Geist aus der Unterwelt aus ihr reden würde. Und der Herr hat diesen Geist offenbar gemacht. Sie hatte auch eine Gabe haben wollen — aus Geltungstrieb. In diesem Hochmut hatte sie sich dem Teufel in die Hand geliefert und sich „Zungen" erzwungen und von der Finsternis geben lassen. Ja, es hatte aus ihr gesprochen, und es hörte sich an wie Zungenreden. Sie hatte auch keine Auslegung dabei. Die Schwester war bis dahin der Meinung, in Zungen zu reden und zu beten. Doch der Teufel lästerte durch sie — und das zwei Jahre lang! Ja, die Schwester war besessen von Dämonen. In der dortigen Gemeinde wurde dies bei der grundverkehrten Einstellung nicht erkannt. Was für Einflüsse werden der Finsternis eingeräumt!, wenn man nicht in der Demut und auf dem klaren und deutlichen Wort der heiligen Schrift bleibt! Für die Schwester ging ich ins Gebet vor den Gnadenthron. Aber es wurde ihr keine Hilfe vom Herrn. Sie hatte diese „Zungen" aus Hochmut und Geltungstrieb an sich gerissen, weil sie in der Gemeinde etwas sein wollte. Nicht aus der Demut heraus hatte sie sich nach der Gabe ausgestreckt, sie wollte vielmehr zu dem Rechte kommen, daß sie auch angesehen würde. Wie können doch Menschen durch eine unbiblische Lehre in solche Gewalten verführt werden! Und so war der teuflische Geist des Hochmuts mit dieser falschen Zunge in sie gekommen. Sie hatte sich dem Teufel, dem Widersacher, geöffnet, war sein Werkzeug geworden. Nicht um Jesus zu verherrlichen, Ihm zu dienen, war es ihr zu tun. Sie wurde daher zu den Übeltätern gerechnet. Später kam sie dann in ein Heim. Sie ließ mir noch schreiben, daß ich doch für sie beten solle. Sie brachte in ihrem Brief zum Ausdruck, daß sie nicht mehr frei werden könne, weil sie wissentlich gesündigt habe aas Hochmut und die Sünde wider den heiligen Geist getan. In diesem Zustand ist sie, wie mir die Heimleitung dann berichtete, auch gestorben. Wie leid tat sie mir dennoch! Aber der Herr ließ mich hier auch Sein Wort erleben, in eine große Not hineinblicken. Wie wichtig ist es doch, dem Worte Gottes, dem Herrn und Heiland und Seinem heiligen Geiste gehorsam zu sein, — demütigen Herzens zu bleiben! Das
Licht scheint in die Finsternis
Obwohl dieses Erlebnis sich schon vor mehr als 25 Jahren zugetragen hat, ist mir die Zeit noch gut in Erinnerung. Es war nachmittags gegen ½ 4 Uhr. Wir waren gerade zur Versammlung bereit. Da sagte der treue Herr zu mir: „Mein Kind, komm, mache Dich reisefertig mit Deinem Manne und Deinem Bruder G. Fahre nach dieser Stadt, die ich Dir angebe; denn ich habe dort eine Aufgabe, eine schwere Aufgabe für Dich. Aber Ich will es tun, um der Getreuen willen dort in dieser Gemeinde." Der Herr nannte mir dann die Stadt und eine Adresse von Geschwistern, die ich nie vorher im Leben gesehen und auch vorher nicht gekannt hatte. Wir machten uns reisefertig und schnell ging es zur Bahn, denn es sollte noch der Schellzug dahin erreicht werden. Und der Herr war mit uns. Als wir nun vor dem Wohnungsabschluß der angegebenen Adresse klingelten, machte uns eine liebe Schwester auf. Ich sagte ihr, daß mich der Herr gesandt und mir auch ihre Adresse angegeben habe. Da schrie die Schwester auf und rief ihren Mann: „Martin, Martin, da hör einmal! Der treue Herr hat mein Gebet erhört. Er hat uns ein Werkzeug geschickt, auf daß uns in unserer großen Not geholfen werde." Während ich an der Garderobe meine Hutkappe abnahm, betrachtete sie einst und prüfend mein Gesicht. Dann rief sie zu ihrem Mann gewandt: „Martin, siehst Du, das ist sie, die ich vom treuen Heiland gezeigt bekommen habe im Traum, gestern nacht. Ganz genau! Ganz genau! Sie ist es!" Die Schwester erzählte uns dann von all dem, was sie so sehr bewegte, und was ihr Herz bedrückte. Sie meinte, daß es in ihrer Gemeinde nicht mehr stimmen würde. Sie könnten sich einfach des Eindrucks nicht erwehren, daß der Gemeindevorsteher mit einer Frau aus der Gemeinde Ehebruch treiben würde. Bei Andeutungen und Hinweisen darauf würde er es immer wieder ableugnen, und ebenso diese Frau. Sie hätten jedoch den ganz deutlichen Eindruck, daß es so sei. Der Gemeindevorsteher war ein verheirateter Mann mit einer lieben Frau und vier Kindern. Nun bat ich sie, mir, auf ihre Andeutung des Traumes hin zu sagen, was sie gesehen und was ihr gezeigt worden sei. Sie erzählte mir nun: „Wir, die wir schon seit Wochen und Monaten um Hilfe beim Herrn geschrien und gebetet haben, haben dies auch in den letzten Tagen mit ganz besonderem Ernste und Nachdruck getan. Es war uns eine große Not, und sie ist uns schwer aufs Herz gelegt. Es sind auch in der Zwischenzeit verschiedene andere Werkzeuge gekommen, aber diese mußten wir als falsch erkennen. So haben wir nun inbrünstig unseren treuen Herrn gebeten, daß Er uns doch jemand senden möge, durch den Er alles hier entlarven und ans Licht bringen kann, damit der Gemeinde geholfen werde." In dem besagten Traum-Gesicht habe sie mich gesehen mit einem langen, wallenden weißen Gewand und mit einer brennenden Kerze in der Hand. So sei ich auf sie zugekommen, die sie vor einem dunklen schwarzen Tunnel gestanden und nicht gewußt hätten, wie sie da hindurchkommen sollten. Auf der anderen Seite des Tunnels habe sie den treuen Heiland mit weit ausgebreiteten Armen stehen sehen. Nun habe ich zu ihr gesagt: „Komm, wir wollen hindurch zum Heiland gehen!" Mit brennen- dem Lichte voran sei ich voraus- gegangen und habe die Dunkelheit erhellt, hindurchgegangen, den Weg zum Herrn. Und die ehrlich suchten und aufrichtig wollten, hätten sich angeschlossen. Der treue Herr habe uns wartend mit Freuden empfangen. Wir sahen uns nach diesem Bericht einander an und wußten: Hier hat der Herr schon vieles vorbereitet. Die Schwester bestellte nun den Gemeindevorsteher und die Gemeindeglieder, auch diese Frau, zur Versammlung auf den Nachmittag des anderen Tages in ihr Heim. Die Gemeinde versammelte sich in einem größeren Raum. Unter der Tür sangen mein Mann, der Bruder G. und ich ein Lied. Als wir dann zur Tür hineingingen, und der Gemeindevorsteher mich sah, erschrak er, bedeckte seine Augen mit der Hand. Ich ging von Bruder zu Schwester und begrüßte sie alle. Die Stunde begann mit Gebet. Während dem Gebiet offenbarte sich der Herr mächtig durch die Weissagung und entlarvte den Bruder als Ehebrecher. Der Herr hat ihm vor der Gemeinde alles gesagt, wovon ich und die anderen nichts wußten und wissen, konnten. Unter der Beweislast all des Geoffentarten fiel der Bruder auf die Knie und schrie: „Es ist der Herr! Das ist der Herr!" Er weinte auf den Knien und bekannte vor der Gemeinde, daß er ein Ehebrecher sei. Er habe seine Frau und die Kinder unglücklich gemacht, er, der er der Gemeinde! vorstehe. Ja, er sei ein Ehebrecher, und laut schrie er den Herrn vor der ganzen Gemeinde um Gnade an. Die Ehebrecherin hingegen wollte es auch nach diesem noch nicht zugeben. Doch der Bruder schrie sie geradezu an: „Du hast mich verführt und mich meiner Familie entfremdet!" Neben der Ehebrecherin
saß deren Mann. Wie war dieser erschrocken, obwohl er es schon des längeren
ahnte! Nun hat der Herr durch mich auch die widerstrebende Ehebrecherin
aufgedeckt. Der Herr hat ihr jeden Ehebruch, jede Zusammenkunft von den
beiden, der Reihe nach, ausführlich aufgezählt. Auch ihre
zurechtgemachten Pläne, ihre Gedanken, hat Er ihr bloßgelegt, ihr alles
aufgedeckt. Da konnte sie nicht anders, sie mußte es bei dieser
Deutlichkeit, bei der es wirklich an nichts mangelte zugeben. Doch Zur Buße kam sie nicht. Ihr Zugeben War eher frech und schnippisch. Wegen ihrer Unbußfertigkeit und Unbeugsamkeit ist sie aus der Gemeinde ausgewiesen worden. Der Bruder hingegen tat aufrichtig Buße und hat sich von ganzem Herzen zum Herrn gewandt; ihm wurde geholfen. Sein Weg ging aber von da ab durch schwere Leiden und viele innere Nöte, auch vor der Gemeinde. Er scheute es auch nicht, in dieser Zeit alle vierzehn Tage eine mehrstündige Reise zu unternehmen, um zu uns in die Stunde zu kommen. Der Herr hat auch seine Familienverhältnisse geordnet, Seine Frau war dem treuen Herrn so dankbar und mir war sie bis an ihr Lebensende schwesterlich verbunden. Der Mann der Ehebrecherin ist kurz nach diesem Geschehen verstorben. Sie heiratete dann bald wieder einen um viele Jahre jüngeren Mann. Aus der ersten Ehe war eine erwachsene Tochter da. Und was ist bei der zweiten Ehe geschehen? Die eigene Tochter und der zweite Mann haben sich zum Ehebruch gefunden! Was die Frau ihrem ersten Mann angetan hatte, mußte sie nun durch ihre eigene Tochter erleiden und erdulden, von ihrem eigenen Kinde ist sie betrogen worden. Die Folgen ihres bösen Tuns hat sie in noch anderer, sehr bitteren Weise tragen müssen. Durch die Ausweisung der Unbußfertigen Ehebrecherin und die Buße, die aufrichtige Buße des Bruders, wurde die Gemeinde gereinigt und die Gemeindeglieder wurden wieder neu und reich gesegnet. Die Gemeinde wuchs und gedieh. Der Herr konnte wieder mächtig dort segnen, und es wurden noch viele gerettet. Viele Beispiele sind es noch, die aufgezählt werden könnten. Mit Wehmut denke ich an das alles. Wenn ich mir vergegenwärtige, wie die Betreffenden sich und der Sache des Evangeliums geschadet haben, will mir fast das Herz schwer werden. Und da und dort wurde mir der schwere Auftrag vom Herrn, diese Sünden aufzudecken. Aber ich war dem Herrn gehorsam. Wie ist es heute? Wie ich an anderer Stelle erwähnt habe, hat mir der Herr Einblick in die Zustände der Gemeinden gegeben. Da und dort in den Gemeinden dienen sie und suchen ihre Ehre. Sie dienen um des Brotes und der Fische willen, leben im Fleische und nicht im Geiste, leben im Ehebruch und in der Hurerei, in der Heuchelei, in Lug und Trug. Und davon soll eine Gemeinde lebendig werden, das Wirken des heiligen Geistes erleben und erfahren? O daß ihr lieben Brüder und Schwestern es verstehen würdet, Warum ich das alles aufführe! Mein Herz ist mit brennender Retter-Liebe erfüllt und möchte allen helfen. Der Christus für mich ist der Christus in mir geworden. Und es ist Jesus Christus in mir, der so zu mir und mit mir redet. Er ist es, den ich so oft und viel in allen Verfolgungen und Trübsalen und Leiden als den herrlich Auferstan- denen erfahren habe. Er ist der wunderbare Siegesfürst, ein majestätischer Herr, ein wunderbarer Heiland! Und was wollte ich lieber, als daß doch alle diesen herrlichen Herrn lebendig und wahrhaft in ihrem Leben als eine Kraft und den Sieg erfahren, daß dieser herrliche Name überall zu seinem Rechte kommt und Ihm die Ihm gebührende Ehre wird!
Der
gefälschte Ausweis
An einem trüben und grauen Novembertag des Jahres 1938 besuchte mich ein Mann. Das Wetter war an diesem Tag sehr stürmisch, und der Wind trieb den Regen und die Schneeflocken, die sich dazwischen mischten, nur so dahin. Mein Mann und meine Tochter hatten gerade im Treppenhaus zu tun als er heraufkam. Er sprach sie an und frug sie, ob er recht sei bei Frau Käthe Pfirrmann. Als sie ihm das bejahten, stellte er sich vor und nannte seinen Namen. Mein Mann unterbrach seine Arbeit und brachte den Bruder zu mir und sagte: „Hier bringe ich Dir jemand, einen lieben Bruder. Er hat von Dir gehört, und möchte Dich gerne kennenlernen. Er hat Fragen, wie er uns sagte, und er bittet Dich, mit ihm zu beten." Den Bruder, der mir als solcher vorgestellt wurde, begrüßte ich sehr herzlich und bat ihn, doch Platz zu nehmen und frug ihn nach seinem Begehr. Er kam aber der Aufforderung, Platz zu nehmen, nicht nach, sondern frug mich: „Schwester Pfirrmann, ich danke Dir für Deine freundliche Einladung. Aber ich habe an der Bahn meine Frau und Kinder. Dürfte ich, da es so kalt und regnerisch ist und so stürmisch, — dürfte ich sie hierherholen? Ich möchte sie in der Kälte nicht mehr länger warten lassen. Und was ich noch fragen möchte: Könnten wir bei Euch hier übernachten?" Wir waren ja immer gastfreundlich und haben das Wort der Schrift: „Herberget gerne!", in der Tat, wo wir es nur konnten, immer gerne getan und Brüder und Schwestern in unsere, wenn auch beengte, Wohnungsgemeinschaft einbezogen. Es hat uns oft viel Freude bereitet, auch deswegen auf dem Boden zu schlafen, — und der Fußboden war oft ein regelrechtes Übernachtungslager. Aber die Liebe hat auch da immer Rat gewußt und die Möglichkeit geschaffen. Ich bejahte ihm seine Frage und sagte ihm, daß er seine Familie holen, und sie aufs schnellste ins Warme bringen solle. Dies ließ er sich nicht zweimal sagen und machte sich sofort auf den Weg, seine Familie zu holen. Unsere damalige Wohnung war etwa eine halbe Stunde vom Bahnhof entfernt. Somit mußte ja eine geraume Zeit vergehen, bis er wieder zurückkomme. In dieser Zeit sagte auf einmal der Herr in meinem Herzen zu mir: „Mein Kind, sei vorsichtig! Habe Du nicht viel mit diesen Menschen zu tun! Hier sind dunkle Machenschaften und Geheimnisse dahinter verborgen. Ich will Dir das Geheimnis lüften, um Dich vor großen Schwierigkeiten zu bewahren. Diese Beiden sind nicht verheiratet! Die Kinder sind nicht sein, bis auf eins. Sie leben ein mir widerliches Hurenleben. Sie standen schon miteinander im Ehebruch, als der Mann der Frau noch lebte. Die Frau entzieht sich obrigkeitlichen Gesetzen, sie ist Todkrank und will sich nicht aus-heilen lassen. Die Polizei und auch die Kriminalpolizei fahnden nach ihnen. In dem Haus, wo sie gefunden werden, muß mit großen Unannehmlichkeiten und mit Strafen gerechnet werden. Rufe Deinen Bruder G. herunter! Er soll den Mann und den ältesten Sohn mitnehmen! Diese Frau mit den anderen Kindern laß bei Dir übernachten! Laß sie aber nur die eine Nacht hier! Ermahne sie ernstlich und rufe sie zur Buße! Sie sollen sich der Aufforderung der Obrigkeit stellen und auf sich nehmen, was kommt. Danach sollen sie eine geordnete Ehe eingehen. Gib ihm morgen früh etwas Geld und laß sie dann ziehen. Ich will Dich bewahren vor großem Leid." Dieses Geschehen trug sich nicht lange nach der ersten Verhaftung zu. Und wir waren ja weiter unter Beobachtung. Wenn der Herr aber zu mir sagte, „Rufe Deinen G. herunter", so versteht sich das aus folgendem Grund: Unsere Stadt ist sehr hügelig. Die Wohnung des Bruders lag höher als die unsere, wir wohnten an einem Abhang, der ins Tal führte. So mußte der Bruder zu uns „herunter" -kommen. Inzwischen kamen nun der Mann, die Frau und die Kinder an. Er wollte sie nun anstandsgemäß vorstellen. Doch nun mußte ich weitergeben, was mir der Herr gesagt hatte und ich entgegnete ihm deshalb: „Mein lieber Bruder, laß das! Denn was Du jetzt sagen willst, ist doch gelogen. Diese Deine angebliche Familie ist ja nicht Deine Familie, das ist ja nur eine Finte. Es ist ja nicht wahr, was Du sagst. Diese Frau ist nicht Deine Frau. Ihr betrügt die Menschen.“ Da brauste er auf und widersprach: „Das ist doch meine Familie! Wer hat denn das gesagt? Hier, bitte, hier sind die Papiere, ordnungsgemäß und polizeilich abgestempelt. Was willst Du noch mehr? Da ist der Beweis!" Ich besah mir die Papiere, — und diese waren nach außen hin einwandfrei. Während ich sie so betrachte, sprach der Herr zu mir in meinem Herzen: „Mein Kind, laß Dich nicht betrügen und hinters Licht führen! Diese Papiere sind gefälscht. Die hat ihm ein guter Freund, der auf dieser Behörde sitzt, fälschlich ausgestellt." Ich gab ihm die Papiere zurück mit den Worten: „Diese Papiere sind gefälscht! Das, was Du da sagst geht mich nichts an. Ich glaube nicht Dir und Deinen Lügen, sondern dem, was mir der Herr gesagt hat." Und nun bezeugte ich ihm alles bis ins Kleinste, was mir der Herr offenbart hatte. Da stürzte er auf die Knie und schrie laut vor innerer Erregung und innerem Erbeben auf: „Ja, hier ist der himmlische Vater! Hier ist der Vater! Überall bin ich mit meinen gefälschten Papieren und mit meinen Lügen durchgekommen, selbst bei denen, die angaben, geistgesalbte Werkzeuge zu sein. Aber hier bin ich nun aufgedeckt." Dann folgte ein umfassendes Bekennen der Schuld unter aufrichtiger Reue und Buße. Inzwischen kam auch der herbeigerufene Bruder G. Auch er war erschüttert überall das Geschehen und wurde wiederum in seinem Glauben neu gestärkt. Alles, bis ins Kleinste, war so, wie es mir der treue Herr über den Bruder und diese Frau geoffenbart hatte. Ich ermahnte sie ernst, den Weg der Sünde zu verlassen. Die Geschwister waren bereit, sich dem Willen des Herrn zu beugen und ihr Leben, in Ordnung zu bringen, zu tun, was ihnen aufgetragen war. Wir bewirteten sie und lasen noch das Wort Gottes und beteten mit ihnen, auch am nächsten Morgen ehe sie abfuhren. Doch die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Früh morgens hatten wir die Geschwister fortziehen lassen nach dem Willen des Herrn, Abends ging meine Tochter, da wir ja zu der damaligen Zeit noch kein Radio hatten, zu der Nachbarfamilie, die auf dem gleichen Stockwerk wohnte, um dort die Nachrichten zu hören und uns über das Neueste zu unterrichten. Bei den Nachrichten kam dann eine Durchsage, die sie sehr erschreckte. Sie hatte Mühe, sich vor dieser Familie bei dem Gehörten zu beherrschen. Über dem, was sie da vernahm, war sie bis ins Innerste erschrocken. Sie zitterte am ganzen Leibe, als sie herüberkam. Wir fragen sie, was ihr denn fehle, weil sie so kreidebleich war. Sie erzählte nun: „Am Radio war die folgende Durchsage: .Achtung, Achtung! Die Polizei und die Kriminalpolizei suchen ...... '. Diese angebliche Familie aus Zw. In Sachsen wurde mit vollem Namen genannt. Sie seien entwichen und hielten sich irgendwo im Großdeutschen Reich auf. Sie seien nicht willens, sich der Behörde zu stellen. Wir rufen hiermit die Bevölkerung auf, sich an der Fahndung zu beteiligen. Sachdienliche Angaben sind bei der örtlichen Kriminalpolizei zu machen. Wir möchten dringend davor warnen, diese 'Personen aufzunehmen und ihnen Obdach zu gewähren, Wer es tut, hat mit hohen Strafen zu rechnen. Zuerst waren wir ob dem Gehörten alle stumm. Darin aber drängte es mich zum Loben und Danken. Meine lieben stimmten mit überaus dankbaren Herzen mit ein. Wie! überwältigt waren wir von der Treue und der wunderbaren Führung des Herrn! Wie hatte Er uns aufs Neue bewährt! Neu dankte ich dem Herrn für Seine herrliche Offenbarung und diese lebendige Geistesleistung. Wer
seine Suende nicht bekennt
„So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend. So wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir Ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns." 1. Johannes, 1, 8—10 So wir unsere Sünden bekennen, so vergibt er uns! „Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet, in des Geist kein Falsch ist. Denn da ich's wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Heulen." Psalm 32, 1—3 Da
ich's wollte
verschweigen...!
Welche Folgen das haben kann, mag das nachfolgende Erlebnis zeigen. Möge jeder Leser ein Vielfaches daraus lernen — für sich! Ein Bruder, der ab und zu unsere Stunden besuchte, kam während des Krieges in seinem Urlaub bei uns vorbei. Von Beruf Lehrer, tat er auch seinen Dienst als Soldat. In diesem Urlaub kam er von Frankreich heim. Er hatte eine gute Ehe und auch ein gutes Familienleben. Als er nun die liebe Mutter besuchte, sagte sie zu ihm: „Bruder K., was hast Du getan? Tue aufrichtig Buße! Denn der Herr hat mir geoffenbart, daß Du zum Hurer und Ehebrecher geworden bist. Du hast mit einer Dirne Deine Frau und Deine Kinderchen betrogen!" Sie bezeugte ihm auch alles bis ins Kleinste, was der Herr ihr geoffenbart hatte. Bis dahin wußten wir ja noch nichts von alledem, was sich da zugetragen hatte; wir haben dies alles erst später erfahren. Wir hörten nur draußen in der Küche, wie der Bruder auf die Knie fiel und laut aufheulte wie ein wundes Wild und seine Schuld unter Tränen bekannte. Auch hier war alles bis ins Kleinste so, wie der Herr es der lieben Mutter kundgetan hatte. Der Herr machte noch zur Bedingung, daß er sein Leben bereinigen und seine Verfehlungen seiner Frau bekennen sollte. Doch dieser Aufforderung kam der Bruder nicht nach. Er entgegnete: „Ich kann das nicht." Weil er aber den Willen des Herrn nicht tat, war er von Stund an kein froher Mensch mehr. Er ging dann von Gemeinschaft zu Gemeinschaft und fand keinen Frieden mehr. Er wurde ein an Leib und Seele unruhiger und zerstreuter Mensch. Als man ihn fragte, warum er nicht mehr in die Stunde von Sch. Pfirrmann komme, wollte mir wahren Grund, die Wahrheit nicht bekennen. Er fing daraufhin an zu lügen, er habe erkannt, Schwester Pfirrmann habe den Teufel und sei im Lug- und Trugwesen. Anstatt der Aufforderung des Herrn nachzukommen, sein Leben zu bereinigen, seine Schuld auch vor seiner Frau, die ja ein Gotteskind war, zu bekennen, flüchtete er in die Lüge und in die Verleumdung, redete er falsches Zeugnis — wider besseres Wissen! Darauf wurde er ganz finster und fiel aus der Gnade. Bei einem geistgesalbten Bruder in Württemberg wollte er auch die liebe Mutter schlecht machen. Dieser Bruder kannte die Mutter persönlich, wußte aber von dieser Geschichte nichts. Doch der Herr unterrichtete ihn in aller Deutlichkeit von dem, was sich tatsächlich ereignet haste. Der geistgesalbte Bruder erhielt auch vom Herrn die Weisung, wenn er nicht wolle, daß der Segen von seiner Gemeinde weiche, dann solle er noch unverzüglich in der Nacht diesen Bruder wegschicken und ihn nicht mehr kommen lassen.
Ich war damals gerade auch auf der Tagung in dieser Gemeinde. Am nächsten Morgen rief mich der leitende Bruder zu sich. Er frug mich, ob ich schon erfahren habe, was sich in der vergangenen Nacht zugetragen habe. Ich verneinte, denn ich wußte wirklich nichts. So erzählte mir der leitende Bruder den ganzen Vorfall, wie dieser Mann zu ihm in die Seelsorge gekommen sei, wie er ihn zerfahren und nervös gefunden habe, und wie er ihn dann nach der Ursache dieser Unruhe gefragt habe. Doch der Bruder habe nichts darauf geantwortet und sich in Schweigen gehüllt. Doch dann habe er über meine Mutter losziehen wollen und allerlei Verdächtigungen und Verleumdungen absprechen wollen. In diesem Augenblick habe der Herr ihm in seinem Herzen — er wußte ja von dem allem nichts und war von keinem Menschen darüber unterrichtet — die volle und ganze Wahrheit gesagt und ihn über alles aufgeklart, wie sich es in Wirklichkeit verhielt. Der Herr habe dann von ihm verlangt, daß er ihn sofort aus der Tagung wegschicken solle noch in der Nacht, falls er nicht mit seiner Gemeinde unter einen Bann kommen und einen Fluch auf sich laden wolle. Das alles habe er auch dem Bruder berichtet und bezeugt. Dieser sei darüber sehr erschrocken gewesen und sogleich weggegangen. Ich war damals nicht wenig erstaunt, daß sowohl die Offenbarung der Mütter als auch die des geistgesalbten Bruders völlig übereinstimmten, ohne daß sie sich besprochen hatten. Beide wohnten ja räumlich sehr weit auseinander. Dieser schuldbeladene Bruder ließ sich aber auch dann noch nicht helfen. Noch weiter in die Unruhe versunken, verstrickte er sich noch mehr. Seine Frau kam noch öfter in die Stunde, doch sie wußte ja nichts von all dem. Aber das schlechte Gewissen, das belastete Gewissen, sann eben darauf, wie er nun seine Frau abhalten könnte, weiter in die Stunde zu gehen. Er wollte keine Verbindung mehr haben aus Angst, es könnte doch noch irgend etwas herauskommen von dem, was er nicht bekennen und nicht bereinigen wollte. Was alles gesprochen worden ist zwischen den beiden, wissen wir nicht; auf einmal zogen sie aus unserer Stadt weg. Aber der briefliche Kontakt mit der Schwester, seiner Frau, war ja noch immer da. Darum ging es eben noch weiter in die Verstrickung und in die Lügen hinein. Die Frau schrieb dann einen Brief. Darin wollte sie meine Mutter in guter Meinung warnen und sie auf einen Lügen- und Irrgeist aufmerksam machen. Sie hielt dies eben für ihre Pflicht, ihre schwesterliche Pflicht, mach all dem, was ihr Mann ihr vorgemacht hatte. Der Mann machte seiner Frau glaubhaft vor, in meiner Mutter sei ein Irr- und Lügengeist von dem sie besessen sei. Mit diesen bösen Reden, — die ja wider besseres Wissen und Erleben waren — glaubte der Mann, den sichersten Weg gegangen zu sein und das Wirkungsvollste getan zu haben, um das Verhältnis zwischen seiner Frau und der lieben Mutter aufzulösen. Das tut eben ein solch schlechtes Gewissen! Meine Mutter dachte nicht daran, von sich aus seiner Frau zu sagen, was sein Leben belastete. Das war ja ihm aufgetragen worden und sollte er selbst tun. Denn meine Mutter wollte von sich aus diese Ehe nicht zerstören. Als aber der Brief nun kam, und die Mutter ihn gelesen hatte, ging sie mit dem Brief vor den Herrn und breitete ihn vor dem Herrn aus und betete vor dem Herrn. Sie pflegte das in so wichtigen Fällen immer zu tun, genau so, wie es Hiskia mit dem Brief Sanheribs getan hat. Sie bat den Herrn, daß Er ihr doch sagen mochte, was sie hier tun solle. Auf der einen Seite habe sie kein Interesse, diese Ehe zu zerstören, auf der anderen Seite stehe die Schwester in Gefahr, auf die Verleumdungen und Lügen ihres Mannes hin, sich am Geiste Gottes zu versündigen. Er möge doch bitte ihr Seinen Rat erteilen, damit sie in dieser Sache auch das Rechte, Seinen Willen, tue. Der Herr antwortete ihr dann: „Bis jetzt, Mein Kind, habe ich geschwiegen und gewartet, ob dieser dein Bruder K. sich von Meinem Geiste leiten läßt und sich beugt und seiner Frau seine Schuld bekennt. Ja, ich gab ihm noch Raum zur Buße. Jetzt will Ich aber, daß Du der Schwester schreibst und ihr die volle Wahrheit mitteilst! Denn jetzt werde Ich ihn entlarven; und sein Lug- und Trugwesen ans Licht bringen," Als meine Mutter zögerte, sagte der Herr sehr erneut zu ihr:
„Warum zögerst Du?" „Ach," antwortete sie, „Du weißt, daß ich Dir gern gehorsam bin, aber hier steht doch diese Ehe auf dem Spiel. Du weißt ja, wie ernst mir die Ehe ist." Darauf sagte ihr der Herr: „Diese Ehe brauchst
D u nicht mehr zu zerstören!“ Er selbst hat sie zerstört. Oder willst
Du Dich durch Dein Zögern in falscher Rücksicht seiner Sünde teilhaftig
machen? Denn es gilt doch, wenigstens dieser Schwester! die ja belogen und
betrogen worden ist, zu helfen." Daraufhin setzte sich dann meine
liebe Mutter hin und schrieb an die Schwester. Sie schrieb ihr die volle.
Wahrheit und teilte ihr es so mit, wie es sich zugetragen hatte und machte
nun alles auf des Herrn Geheiß hin offenbar. Lange Zeit kam auf den Brief
keine Antwort. Doch eines Tages kam ein kurzes Brieflein, das ungefähr in
seinem Inhalt so gelautet hat: „Liebe
Schwester Pfirrmann, ich danke Dir für Deinen Brief, in dem Du so offen
zu mir warst und mir den ganzen Sachverhalt geschildert hast. Ich glaube
Dir. Nun weiß ich, woran ich bin.. In herzlicher Verbundenheit Deine
Schwester E." Dann hörten wir
nichts mehr von der Schwester selbst. Von zwei anderen Gotteskindern, die
diese Schwester inzwischen auch kennengelernt hatten, erfuhren wir aber
noch ein gutes Zeichen. Die Schwester hatte sie getroffen und erfahren, daß
diese beiden Gotteskinder auch zu uns gingen und auf dem Weg in die Stunde
waren; da sagte sie zu ihnen: „Dort
geht nur hin! Ich war stets gesegnet. Schwester Pfirrmann ist in der
Wahrheit." Später haben wir
dann, von anderen Geschwistern erfahren müssen, daß dieser Bruder K.
geistig umnachtet wurde und in eine Heilanstalt gebracht werden mußte. Da ich's wollte verschweigen . . . ! Es ist schrecklich, ach gegen den Herrn und das Wirken Seines Heiligen Geistes bewußt und mutwillig zu versündigen. Es mag auch für viele eine ernste Lehre sein, solchen Von Gemeinschaft zu Gemeinschaft laufenden und wandernden Brüdern und Schwestern, die da vieles da und dort auszusitzen haben und so Wichtiges wissen und erlebt haben, nicht alles zu glauben, sondern zu prüfen. Und mancher wird gut daran tun, bei diesen „Wanderern" zuerst besser nach dessen eigenen Verfehlungen zu fragen, als die Ohren für böse Gerüchte zu leihen. So kann man sich selbst vor viel eigener und fremder Schuld bewahren.
Melodie:
„Der Trauersang hat aufgehört
Wie ist es doch schon hier so schön, seit ich den Heiland hab! Ich fühle ja schon Himmelswehn und Freude, die Er gab. Denn nun bin ich ja nicht mehr allein: Er ist mein bester Freund! Ja, Jesus, Er ist mein, ich sein, für ewig nun vereint. Drum kann ich nicht mehr traurig sein, seit ich das weiß und kenn. Mir strömt das Glück ins Herz hinein, wenn ich Sein' Namen nenn. Darum mögen auch die
Stürme wehn, mein Jesus ist bei mir. Er wird stets alles wohl versehn für
mich, Sein Kindlein hier.
Wenn alles mich nun auch verläßt, Mein Jesus, Er ist treu! Was Er verspricht, das hält Er fest, jed' Tag, jed' Stund aufs neu. Darum ist Er auch mein Trost allhier und auch ein sichrer Hort; und sorget für mich für und für, so wie's verheißt Sein Wort. Und wenn dann meine Stunde da, holt Er mich zu sich heim. Dann singe ich Haleluja, darf ewig bei Ihm sein. Denn nun bin ich ja nicht mehr allein: Er ist mein bester Freund! Ja, Jesus, Er ist mein, ich sein, für ewig nun vereint!
K.P.
Der
Herr bestellt ein Harmonium fuer uns
Im Monat März 1939 hat es sich, zugetragen. Der Vater war krankgeschrieben, er lag mit einer vereiterten Angina und einer Genickstarre zu Bett. Meine Mutter hatte sich etwas hingelegt aufs Sofa; sie mußte sich des Mittags etwas ausruhen, weil sie ja oft in der Nacht oder schon sehr früh am Morgen ihre Zeit im Gebet zubrachte. Da läutete es an unserer Wohnungstür. Die Glaubensschwester, die ja meine Mutter pflegte und versorgte, ging zur Tür und öffnete. Ein großer und feiner Herr stand da vor unserer Tür. Er stellte sich vor: „Ich komme von O. von der Firma R., Harmoniumbau, und möchte gerne Frau Käthe Pfirrmann sprechen." „Ach," erwiderte die Schwester, „da kommen Sie jetzt nicht recht. Frau Pfirrmann hat sich etwas umgelegt und schläft. Haben Sie noch etwas in der Stadt zu erledigen, dann kommen Sie doch bitte etwas später vorbei!" „Nein," entgegnete der Herr, „ich bin eigens nach hier gekommen, um Frau Pfirrmann zu sprechen." „Ja," wollte die Schwester nun erfahren, „woher wissen Sie denn von uns, wer hat Sie eigentlich gesandt, und woher haben Sie denn die Adresse von Frau Pfirrmann erfahren?" „Der mich gesandt hat," bekannte er nun, „ist Jesus. Ich habe das Wort des Herrn in mir. Der Herr Jesus redet selbst zu mir, und ich habe persönlichen Umgang mit Ihm. Er hat zu mir gesagt, ich solle mich nach Pirmasens zu Seinem Kinde begeben, zu einem auserwählten Rüstzeug Seines Namens. Der Herr sagte mir, ich solle ihr ein Harmonium verkaufen. Er gab mir die Adresse, den Namen und die Straße an. Und da bin ich nun und möchte deshalb Frau Pfirrmann sprechen." Die Augen der Glaubensschwester wurden immer größer bei dem, was der Mann, der Bruder, ihr sagte. Sie frug ihn dann noch, ob er denn schon vorher etwas von Frau Pfirrmann gehört habe. Er verneinte dies, er wisse von Frau Pfirrmann nur durch den Herrn, der ihm gesagt habe, sie sei Sein Kind und Sein Rüstzeug. Was blieb nun der Schwester anderes übrig, sie ging ins Schlafzimmer der lieben Mutter und -weckte sie sanft auf und erklärte ihr kurz alles, was sie erfahren hatte. Die liebe Mutter bat sie, doch den Mann hereinzubringen. Er stellte sich ihr auch vor und sagte: „Ich bin Herr O.., der Schwiegersohn von Herrn R., Harmoniumfabrik in O. bei Stuttgart." Die liebe Mutter lud den Herrn, der sich ja nun als ein Bruder in Christus Jesus bezeugt und vorgestellt hatte, zum Sitzen ein. Wie ihre Art so war, sie wollte es genau und gründlich wissen, und sie frug daher noch einmal nach dem Woher und Wohin: „Daß ich die Frau Pfirrmann bin, das habe ich Ihnen vorhin beim Vorstellen gesagt. Nun erklären Sie mir bitte einmal, woher Sie meine Adresse haben, und wie Sie hierher gekommen sind!" „Ihre Adresse habe ich von niemand anders als von Jesus selbst bekommen. Der Herr steht mit mir in inniger Verbindung und ich mit ihm," fuhr er dann in seiner erneuten Vorstellung fort. Man hat es ihm angesehen, daß er ein Gotteskind war, er war auch vergeistigt und anständig in seiner ganzen Art. „Jesus hat zu mir gesagt," so fuhr er fort, „ich solle hierher fahren und Ihnen ein Harmonium verkaufen." Er wiederholte nun das alles, was er vorher auch der Glaubensschwester gesagt hatte. Die Mutter hörte sich das alles an und erwiderte dann schließlich: „Mein lieber Mann, ich glaube, diesmal haben Sie sich geirrt. Sind Sie sich dessen auch ganz gewiß, daß es Jesus war, der Ihnen den Auftrag gegeben hat?" „Frau Pfirrmann, es war Jesus, es war der Herr!,“ beteuerte and bezeugte er wieder. „Also, ich kann es nicht glauben," entgegnete sie ihm. „Es tut mir leid, daß ich das sagen muß. „Es ist für mich nach meinen Verhältnissen ein unmöglicher Fall. Das hängt für mich wirklich zu hoch. Denn wie soll Jesus zu Innen gesagt haben, daß ich ein Harmonium haben soll? Er kennt doch meine Verhältnisse wie sie jetzt im Augenblick sind. Sie sollen hierher kommen und mir ein Harmonium verkaufen? Sie sehen ja, mein Mann liegt schon bald ein Vierteljahr krank zu Bett und wir haben nur ein kleines Krankengeld. (Es betrug damals etwa 2,17 Mark pro Tag!) Und ich bin schon fast 10 Jahre krank. Wir haben unsere Existenz verloren, mein Mann ist viel arbeitslos. Und dann habe ich ja auch noch mein fast blindes Kind. Wo soll ich jetzt im Augenblick denn die Mittel hernehmen, um ein Harmonium zu kaufen? Ich habe im Augenblick keinerlei Mittel, um das Harmonium zu bestellen und zu bezahlen. Wir brauchten zwar eins für unsere Stunden, aber das ist für mich momentan ein völlig fremder Begriff und ein ganz unmöglicher Fall. Ich bin ja ein Gotteskind, und ich kann mir keine solche Schuld aufladen, von der ich nicht weiß, ob ich sie je bezahlen kann. Und so wie es jetzt ist, geht es nicht! Und auf irgend etwas eingehen, von dem ich von vornherein schon so gut wie sicher weiß, daß ich's von mir aus nicht einhalten kann, weil mir einfach die Mittel fehlen? Würde ich dennoch auf solches eingehen wider besseres Wissen, dann wäre das ja Betrug, und ich würde Sie schädigen. Darum kann ich auf den Kauf nicht eingehen, es ist unmöglich. Ich kann's auch nicht glauben, deswegen nicht glauben, daß es Jesus war, der Ihnen das gesagt hat. Diesmal haben Sie sich ganz bestimmt geirrt!" Das hat meine Mutter dem Bruder gesagt. Sie konnte nicht den Willen des Herrn sehen und erkennen, weil sie auf ihre Verhältnisse, die damals sehr kümmerlich waren, geblickt hat. Auch war sie eben grundehrlich und konnte niemand betrügen. Sie wußte ja nicht für sich den Willen des Herrn und konnte sich daher auch noch nicht auf Seine Verheißungen und Seine Möglichkeiten berufen. Er segnet auch nicht immer das, was wir wollen, sondern nur das, was nach Seinem Willen ist. Aber der Bruder war seiner Sache gewiß und meinte zu dem allem: „Frau Pfirrmann, wir wollen nicht mehr lange darüber reden, Jesus hat mir auch gesagt, daß sie Ihn sehen und hören. Sie haben den Heiland im Herzen! und ich auch. Er redet mit Ihnen wie mit mir. Bitte, Sie brauchen mir nicht zu glauben. Gehen Sie auf die Knie! und fragen Sie den Herrn selbst, jetzt! Jesus wird Ihnen das sagen, was Sein Wille ist." Meine Mutter wollte nicht so recht wegen der Last, die da auf sie zukam, sie wollte aber auch dennoch den Willen des Herrn erkennen und danach tun. Ich durfte sie darin nur noch unterstützen und sie ermuntern: „Mutter frag doch, frag doch. Der himmlische Vater; sagt Dir auch da, was Er haben will." Wir gingen dann auf die Knie und beteten alle miteinander, auch der Bruder. Meine liebe Mutter betete lange und inbrünstig: „Lieber Heiland, Du hast das alles gehört. Ist es Dein Wille, daß Du uns ein Harmonium geben willst, dann zeig und sage es mir bitte! Du weißt, ich habe ja kein Geld. Und mein lieber Mann hat jetzt keinerlei Verdienst, wir leben ja nur von dem wenigen Krankengeld. Und Du siehst ja, wie krank er daniederliegt, und ich weiß auch nicht, wie lange Du ihn noch darin belassest. Ich kann mir doch unmöglich eine solche Schuld aufladen, von der ich von vornherein überzeugt bin, daß ich sie von mir aus nicht bezahlen kann. Gib mir Deine Unterweisung und lasse mich, wie schon so oft, Deine Unterweisung erfahren. Und ich weiß, Du läßt mich auch jetzt nicht zuschanden werden. Du wirst mir auch jetzt das sagen, was Dein heiliger Wille ist. Nicht das, was wir wünschen oder auch nicht wünschen, soll geschehen, sondern das, was Du wünschest und willst, daß es geschehe, das will auch ich haben und nehmen." Darauf redete der Herr zu ihr, und ihre Augen wurden immer größer. Der Heiland sagte zu ihr: „Ja, Mein Kind, Ich habe diesen Meinen Sohn zu Dir gesandt. Denn Ich will euch ein Harmonium schenken. Um das Bezahlen mache Du Dir jetzt keine Sorgen das übernehme Ich. Ich habe Dich ja nicht gefragt, ob Du es bezahlen kannst. Weshalb sorgst Du Dich? Siehe, Ich bin doch Dein Vater und Du Mein teures und geliebtes Kind. Und wenn ich sage, daß Ich Dein Vater bin and Du Mein Kind, dann Werde Ich doch, von Dem es geschrieben ist, daß Mein Silber und Gold ist, auch in der Lage sein, Mein Kind, Dir ein Harmonium zu schenken und es zu bezahlen. Bestelle es Dir aber mit Äolsharfen, Bässen . . . Der Herr hat ihr von den Registern bis zur Farbe hin alles im einzelnen gesagt, und der Bruder hat sich alles aufnotiert. Was wußte meine Mutter von Äolsharfen, von Bässen, von Tonzusammensetzungen und von all den Sachen, die Ihr im einzelnen gesagt worden sind und die da beim Bau von einem Harmonium verwandt werden! Der Bruder schrieb das alles auf, er war ja darin nicht unkundig, sondern Fachmann. Als er diese Angaben aufgenommen hatte, da verwunderte er sich: „Frau Pfirrmann, dieses Harmonium wird sogar ein ganz neues Modell; es gibt ein ganz neues Modell, das wir noch gar nicht haben. Und so wie der Herr es Ihnen gesagt hat, ist der Klang, wenn es recht gespielt wird und die Register recht gezogen werden, einer kleinen Orgel gleich. Daß es der Herr ist, der Ihnen das gesagt hat, das sehe ich auch daran, was Er gesagt hat. Was haben Sie selbst für sine Ahnung von einem Harmonium, vom Zusammenklang von Tönen und von dem allem, was Ihnen gesagt worden ist! Das gibt ein ganz neues Modell!" Und wie zu einer gewissen Bestätigung seines empfangenen Auftrags fügte er dann hinzu: „Sehen Sie, ich hab's Ihnen ja gesagt, daß es der Herr ist, der mir den Auftrag gegeben hat! Aber Sie Kleingläubige wollten es nicht wahrhaben." „Was die Zahlung nun anbelangt, Frau Pfirrmann", so fuhr er fort, „darüber machen Sie sich bitte keine Gedanken! Sie haben ja gehört, daß es der Herr bezahlen will, Damit das alles seine Richtigkeit hat, und auch dem Finanzamt gegenüber ein Nachweis da ist, Würde ich Ihnen die folgenden Zahlungsbedingungen vorschlagen,. Wir nehmen eine Anzahlung Von 40,— RM vor Lieferung und den Rest in Monatsraten von 12,— RM nach Lieferung im April, also ab Mai 1939. Sie brauchen sich, an diese Zahlungsweise nicht zu halten, zahlen Sie es so, wie der Herr es Ihnen schenkt. Er hat ja gesagt, daß Er das bezahlen will." Der Bruder füllte dann den Vertrag aus, so wie es besprochen war. Nun war aber für die notwendige Anzahlung vor Lieferung das Geld auch noch nicht da, die Mutter hatte ja keines. Gerade, als sie dabei war, ihre Unterschrift unter den Vertrag zu setzen, da läutete es abermals an der Tür, und die Post kam. Zu dieser Zeit wurde vormittags und nachmittags die Post ausgetragen. Der Briefträger brachte einen Einschreibe-Brief von einem Bruder aus Bad D. — und darin waren 40.— Reichsmark. Die liebe Mutter war natürlich darüber sehr bewegt, weil sie die Zusage des Herrn eben postwendend hatte erfahren dürfen. Der Bruder aus Bad D. schrieb dann noch in seinem Brief:
„Liebe Schwester Käthe! Heute Nacht gab mir der Heiland den Auftrag, an Dich zu schreiben und Dir 40,— RM zu senden. Du brauchtest es zu einer Anschaffung für Sein Werk. Ich möchte es Dir deshalb gleich zusenden." Die liebe Mutter erzählte nun auch das alles dem Mann von der Harmoniumfirma und konnte natürlich voller Freuden die 40.— Reichsmark gleich aushändigen. „Sehen Sie," konnte der Bruder, wieder im Glauben gestärkt, sagen, „da ist schon die Anzahlung! So sorgt der Herr.« Wie ein Siegel gleichsam waren diese 40.— RM für den abgeschlossenen Vertrag, Was der Herr tut, das ist immer wieder nur ein Grund zu Dank und Anbetung. Und wie das alles so bereitet ist und so geführt wird, da bleibt immer wieder nur Preis und Anbetung, Auch die übrigen noch zu zahlenden Beträge hat der treue Herr geschenkt. Die abgemachten Monatsraten brauchten nicht eingehalten zu werden. Der treue Herr löste auch da Seine Zusage herrlich und wunderbar ein. So herrlich führt der treue Herr, Was Er zusagt, das hält Er auch ganz gewiß. Im Laufe des Gesprächs stellte es sich auch heraus, daß der Bruder auch das erste Harmonium an Vater Stanger von der Arche in Möttlingen verkauft hatte. Zu Palmsonntag schon stand das Harmonium in unserer Wohnung. Vater wurde inzwischen gesund. Er konnte nur Klavier spielen, vom Harmonium hatte er keine Ahnung. Als Samstagsmorgens das Harmonium hereingebracht wurde durch die Bahnfracht, da lief der Vater herum und rief aus, als sie es zur Tür hereinbrachten: „Ihr liebe Leut, sagt einmal, wo will denn das Harmonium mit dem Gustav hin; denn der Gustav kann doch nichts, was soll ich damit anfangen, was soll das werden?" Wir haben dann viel gebetet für sein Spiel, für die Umstellung von Klavier auf Harmonium. Er hatte ja auch länger schon nicht mehr auf dem Klavier geübt. Der Herr hat ihm dann das Spielen auf dem Harmonium geschenkt, daß er da eine gute Spielweise durch des Herrn Gnade hat empfangen dürfen. Solange er darauf spielen konnte, hat er es nicht nur vom Können her, sondern auch mit Seele und Herz tun dürfen. Im April 1939 kam das Harmonium in die Wohnung. Im Herbst 1939 bei Kriegsanfang mußten wir ja die Stadt räumen und unsere Wohnung verlassen. Das Harmonium mußte zurückbleiben. Hatte der Herr da etwas zu früh gemacht? Nein. Ende 1940 durften wir wieder in unsere unversehrte Wohnung zurückkehren. Das Harmonium darf auch heute noch, im Jahre 1974, zu des Herrn Ehre dienen und wird zu des Herrn Ehre in den Stunden gebraucht. Was der Herr sich vorgenommen hat, das führt Er auch aus. Und immer wieder darf man nur Wunder Seiner Gnade schauen und erfahren, daß Er der Herr und Vater Seiner Kinder ist. Auch dieses Erlebnis gab uns viel Grund zur Danksagung, und wir haben viel den Herrn darüber gepriesen, daß Er so herrlich ist, so freundlich, so in Liebe für die Seinen sorgt. Seine Wege sind Wunderwege, sind Segenswege! (J.M.) Die
abgeschnittenen Haare
Meine Mutter trug immer schon langes Haar. Nicht lange vor ihrer Bekehrung lernte sie eine Frau kennen, die auch bei ihr in ihrem damaligen Geschäft eingekauft hat. Diese Frau war sehr weltförmig und liebte die Welt von Herzen. Sie trug ihre Haare kurz und hatte den damals üblichen Bubikopf. Die Frau — sie hat sich später nach der Bekehrung meiner Mutter auch bekehrt und wurde dann ihre Pflegerin — brachte es nun fertig, meine Mutter vom Vorteil und der Zweckmäßigkeit der kurzen Haare, eben auch bei der Vielgeschäftigkeit in Laden und Haushalt, zu überzeugen und nahm sie mit zum Friseur. Als sie nun die langen Haare los hatte, da fing aber unwillkürlich ein Weinen bei ihr an. Sie beweinte ihren Schritt und die abgeschnittenen Haare so ungefähr acht Tage lang — im unbekehrten Zustand wohlgemerkt! Aber von da ab hatte sie wohl nichts sehnlicher herbeigewünscht, als daß die Haare wieder lang würden und der Schaden damit behoben wäre! Später als der Herr dann mit ihr reden konnte, hat Er sie auf die Stellen in der heiligen Schrift aufmerksam gemacht, die von dem verschnittenen Haar Zeugnis geben und den Willen Gottes aussagen, und ihr auch gesagt, daß es Sein Wille ist, daß ein Weib oder eine Frau langes Haar trage. Der Herr verlangte es auch von allen Frauen unter uns, daß wir unser Haar lang tragen. Der Herr sagte uns, daß kein Weib mit beschnittenem Haar vor Seinen Thron treten darf, es sei denn, es wäre eine Krankheit da, die das Haar in seinem natürlichen Wachstum behindere. Sie hat darum auch in der Zeit, wo sie meist ans Bett gefesselt war, ihre Haare lang getragen und keine Mühe gescheut, dem Herrn auch da gehorsam zu sein. Obwohl beim dauernden Liegen die Haare sehr ineinander kamen, das Kämmen für sie selbst oder durch andere oft sehr schmerzvoll für sie war, oft eine große Mühe und Anstrengung bedeutete, blieb sie dem Wort des Herrn gehorsam! Viele kennen sie ja, wenn sie im Bett liegen mußte, mit ihren langen Zöpfen. Ihr Gehorsam zum Wort des Herrn war wohl mit eine Macht in ihrem Gebetsleben. Auch über das Schmucktragen der Frauen, hat der Herr selbst uns die Heilige Schrift deutlich gemacht und in der Tiefe aufgeschlossen. Ja, der Herr selbst hat mit uns Frauen darüber ausführlich geredet. Und wir können darüber nicht genug dankbar sein. Wir können diese große Gnade nicht genug preisen. Dem lieben Leser empfehle ich herzlich, besonders die nachstehenden Bibelstellen unter Gebet zu lesen und den Heiligen Geist um die rechte Erleuchtung und den rechten Gehorsam zu bitten. „1. Petrus 3, Verse 1—6; 1. Timoth. 2, Verse 9—10; 1. Korinther 11, 3—15; Jesaja 3, Verse 16—24; 5. Mose 22, Vers 5." Der Herr sagte uns ganz klar und deutlich, daß die Frauen keinen Schmuck nach außen hin tragen sollen. Dies alles sei Ihm ein Greuel. Auch über die Kleidung der Frau hat uns der Herr belehrt und uns sehr eindringlich auf unsere Verantwortung hingewiesen. Das war bereits schon in den Jahren nach 1930! Und wenn ich dabei an die heutige Mini-Mode denke, dann überkommt mich ein Erschrecken! Was wird daraus, wenn die Kinder Gottes darüber keine Buße mehr tun können? Da kam damals ein schon älterer Mann zu der lieben Mutter und bekannte und bat sie: „Schwester Kätchen, kannst Du nicht meiner Schwiegertochter sagen, sie solle doch keine Söckchen oder keine von den durchsichtigen Strümpfen mehr tragen. Ihre bloßen und so sichtbaren Beine erregen mich sehr und bringen mich alten Mann noch in sehr große Anfechtung. Ich leide darunter!" Auch darüber hat uns der Herr belehrt, und uns auf die Schwachheit des anderen Menschen aufmerksam gemacht, für die wir Frauen Mit - Verantwortung tragen würden. Wir können uns nicht unserer, sogenannten Stärke rühmen. Sie ist ja praktisch und richtig nur Gnade. Wir haben des Schwachen zu achten und darauf zu sehen, daß er nicht verloren geht, sondern errettet wird, Wenn er schon verloren gehen will, dann nicht durch meine und Deine Schuld! Sagt nicht der Herr in Seinem heiligen Wort?: „Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte wiederbringen und das Verwundete verbinden und des Schwachen warten!" Hesekiel 34, 16 Spricht nicht auch der heilige Geist durch, das Wort zu uns?: „Sehet aber zu, daß diese eure Freiheit nicht gerate zum Anstoß der Schwachen!" 1. Korinther 8, 9. Meine Mutter hat sich nie kurz oder ausschnitt getragen. Der Herr verlangte von ihr, daß sie sich einfach und schlicht, und vor allen Dingen sehr sittsam tragen sollte. Daher hatte sie auch stets sehr lange Kleider, bis weit über das Knie, ja eher noch länger. Die Ärmel der Kleidung waren halblang oder ganz lang. Und so trugen wir Frauen uns übrigens alle, nach dem Willen des Herrn. Durchsichtige Strümpfe und durchsichtige Kleider waren nicht erlaubt. Eben auch die damals so gerne getragenen Söckchen durften wir nicht tragen. Auch unsere Brüder mußten sich entsprechend tragen, sie durften nicht so weltförmig frei umhergehen.. Denn so sprach der Herr zu uns: „Ihr Meine Kinder, ihr sollt sittsam und keusch einhergehen. Wenn ihr diese aufreizenden Kleider traget, so sei es euch ganz klar gesagt, das ihr euch dadurch vom Teufel gebrauchen lasset, das andere Geschlecht aufzureizen und zu verführen. Meine Töchter und Söhne tragen hier eine große Verantwortung. Wenn sie das andere Geschlecht aufreizen und entzünden in der Fleischeslust und der Fleischesbegierde, und diese kommen zu Fall in Gedanken oder auch so, daß sie ihre Begierden nicht mehr beherrschen können, ihrem Triebleben nachgeben müssen, so sollt ihr wissen, dass ihr an einem solchen Fall schuld seid. Auch selbst dann, wenn diese so hart gebundenen Seelen, von euch in Gefahr gebracht, zwar nicht zu euch kommen, aber zu anderen gehen, ja selbst zu ihren eigenen Weibern gehen müssen und sie in dieser Wollust gebrauchen, der Hurerei leben müssen, so seid ihr daran schuld! Und ihr müßt euch einmal vor Meinen Thron im Gericht verantworten, darum dass ihr solchen Seelen für die ich ein so teures Lösegeld bezahlt habe, statt mitgeholfen sie zu erretten, sie noch erst recht in die Hölle verdorben habt!“ Und wie redete der Herr erneut wieder zu mir am 18.5. 1973: „Wer sich heute wie die Kinder der Welt kleidet, der muß sich einmal vor Mir verantworten für all die Seelen die durch diese Kleidung aufgereizt worden sind in ihrer Lust; für all die Männerseelen, die dadurch zu Fall gekommen sind, den Lüsten und Begierden nicht widerstehen konnten, und somit dem Teufel in die Fänge geraten sind! Möchte doch vor allen Dingen eine jede Leserin vor dem Herrn sich Klarheit verschaffen über ihr diesbezügliches Verhalten, ihr Tun und ihre Verantwortung – und dann dem heiligen Wort Gottes und dem heiligen Geist gehorsam werden! (J.M.) Im
Grunde werden ja nicht die Haare abgeschnitten oder sonst etwas getan oder
nicht getan, sondern das Wort Gottes wird abgeschnitten, gekürzt oder
verkürzt. Welche Kraft aber hat ein Wort,
das nicht mehr Gottes Wort ist; welche Kraft hat
ein zerstückeltes, zerkleinertes, mißgestaltetes; verkrüppeltem
Wort Gottes? Es hat eben keine Kraft mehr." Und deswegen gibt es auch
so viele kraftlose und so viele um die Kraft Gottes betrogene Leute? Dem ganzen Wort gehorsam sein, heißt einen ganzen Segen
haben. Deswegen
in allen Dingen dem Herrn und Seinem Wort gehorsam sein.
Lieber
Leser! Wie
steht es um Dein Leben? Gehörst Du noch zu den Namenschristen, die nicht
Frucht bringen, die weggenommen und verbrannt werden (Johannes 15, 6)? O
dann tue Buße über Dein fruchtloses Leben und beginne es neu mit Jesus.
Darfst Du durch die Gnade schon Frucht bringen, dann laß Dich- reinigen,
da Du noch mehr Frucht bringen darfst. Hat die Gnade das in Deinem Leben
schon ausrichten können, dann laß Dich heiligen, daß Du viel Frucht
bringen kannst. Weihe
Jesus Dein Leben, damit Er viel Frucht schaffen kann in Dir und durch
Dich! Weihe Dich jetzt für Jesus und übergib Ihm Dein Leben ganz! Werde
gehorsam bis ins Kleinste! Er wartet auf Dich, um sich auch in
Dir und an Dir und durch Dich zu verherrlichen! „Darin wird mein Vater
geehrt, daß ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger." Johannes
15,8 Schriftenhinweis
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Christus Rufenden, dem auf Jesus Christus Wartenden, dem wachenden und
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diese Zeit recht erkennt und sich auch recht bereiten läßt nach 1.
Thess. 5, Vers 23: „Er
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Aktualisiert
am: 02.12.2008 - Home