Ich habe Jesus erlebt - Er lebt!

 

Käthe Pfirrmann 

 

sind hier in eins vereinigt und durch die kleine Schrift  MEIN JESUS IST MEIN LEBEN  

- ein Zeugnis ihrer Tochter - erweitert worden und werden neu herausgegeben. 

Herausgeber: Karl Mäußnest, 6780 Pirmasens, Bitscher Straße 30

 

INHALT

 

Wie ich Christus erlebte! 3

Wie ich Christus im Gefängnis erleben durfte ! 5

Um Jesu Christi willen  In Berührung mit der Kripo, der Gestapo, dem Gefängnis und dem Sondergericht 8

Der auferstandene Jesus Christus Im Gerichtssaal eines Sondergerichts 29

Die Evakuierung 31

Wie Kinder Gottes zusammengeführt werden und wie der Herr die Wege führt und alles lenkt. 34

Wie der Herr das Verlorene sucht. 35

Sie haben die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt 38

Vor der zweiten Verhaftung; die Verhaftung mit den Verhören durch die Gestapo. 40

Die Zeit des Münchner Abkommens im Jahre 1938_ 56

Kurz vor Kriegsausbruch 57

Erlebnisse im Geiste 58

Während des Krieges 59

Die Zeit von Stalingrad 61

Nach dem kurzen Rückblick in die Vergangenheit noch, ein kleiner Einblick in die nahe Vergangenheit und Gegenwart, und ein kleiner Ausblick auf die Zukunft 62

Mein Jesus ist mein Leben 69

Melodie: „O Welt, sieh hier dein Leben ... " 74

Melodie: „Welch ein Freund ist unser Jesus. . . " 77

 

 

Melodie: „Mit Dir, o Herr, verbunden ...

 

In allen ernsten Stunden

bin ich nie ganz allein.

Du bist mit mir verbunden,

Du teurer Vater mein.

Ich darf es mit Dir wagen,

und wenn es noch so schwer,

Du hilfst mir alles tragen

und liebest mich doch sehr.

 

Wenn schwere Weg` ich gehe

und alles trübe ist,

so blick ich auf zur Höhe,

wo Du mein Heiland bist.

So darf ich vor Dich treten

in Demut tief und still

und innig zu Dir beten,

der Du der Liebe Füll!

 

Und wenn mir Worte fehlen,

nur seufzen ich noch kann,

wenn Angst und Furcht mich quälen,

Du siehst mich gnädig an.

Denn Du bist Gott die Liebe,

und liebst mich armen Wurm.

Und wenn es noch so trübe,

Du bringst mich durch den Sturm.

 

So stehe ich im Glauben

und blick nach Golgatha,

und nichts kann mir mehr rauben,

was dort mein Auge sah.

Dort ist der Quell entsprungen,

der mir die Kraft verleiht;

dort ward die Höll bezwungen

und ich vom Fluch befreit.

K. P.

Zum innigen Gedenken an ein Gott hingegebenes, vom heiligen Geiste erfülltes und geleitetes, dem Gebet und der Fürbitte geweihtes Leben.

 

  Käthe Pfirrmann geb. Klensch  [1896-1972]

 

 

Wie ich Christus erlebte!

Durch meinen schweren Unfall, den ich an Silvester 1929/30 erlitt, und den darauf folgenden schweren Operationen war ich des öfteren ganz gelähmt und stand oft an der Pforte der Ewigkeit, das heißt, ich lag oft am Sterben. So war es auch Ende des Monats März im Jahre 1935. Meine Lieben, sowie auch die behandelnden Ärzte glaubten, daß nun mein letztes Stündlein auf Erden gekommen sei. Meine Lage war so, daß ich weder sprechen noch mich bewegen konnte. Angesichts dieser ernsten Stunde ließen mich meine Lieben mit dem heiligen Abendmahl versehen. Der junge Pfarrverweser, der mir das Abendmahl austeilte, sang mir noch an meinem Bett das Sterbelied: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott ich wär in dir ... " Meine Lieben warteten nun stündlich auf mein Ableben.

 

Da ich mich mit ihnen nach außen nicht mehr verständigen konnte, ging mein lieber Mann in das nebenan gelegene Zimmer. Dort ging er auf die Kniee und betete zum lieben Heiland. Was in diesem Augenblick in eines Mannes Herz vorgeht, das weiß der, der solche Stunden selbst erlebt hat. Er bat unseren Herrn und Heiland, er möchte mich doch ihm und unserem kranken Kinde (fast völlig blind nach ärztlicher Feststellung) noch erhalten, so es sein heiliger Wille sei. Er traue es ihm auch Jetzt noch zu, daß er wunderbar helfen könne, denn er wäre doch der Herr und der Sieger über Krankheit, Tod usw. Während mein Mann in dem nebenangelegenen Zimmer betete, hörte ich neben mir ganz deutlich die Stimme unseres lieben Heilandes, der zu mir sagte: „Glaubst du, daß dir dein Heiland helfen kann?" Und nun konnte ich plötzlich meinen Kopf drehen und dorthin sehen, von wo die Stimme gekommen ist. Da sah ich unseren lieben Heiland neben mir stehen im weißen leuchtenden Gewande. Seine großen, tiefen, blauen Augen, von heiligem Ernste und doch voll Freundlichkeit und Liebe auf mich gerichtet, die Hände über mich ausgebreitet, mich segnend. Und in diesen Händen sah ich ganz deutlich die Nägelmale.

 

Jetzt, während ich ihn so verzagt anblickte, konnte ich plötzlich reden und ihm antworten: „Ja, ich glaube, daß du mir noch helfen kannst, wenn auch all die Ärzte und Professoren mich als hoffnungslos betrachten." Darauf höre ich wieder ganz deutlich und klar seine Stimme: .,So will ich dir denn helfen, dich stärken und aufrichten, soweit wie ich es für gut halte. Doch ganz gesund und stark will ich dich nicht mehr machen. Denn in großer Schwachheit sollst du mir dienen und das Geheimnis der Worte an dir selbst erfahren, die mein lieber Sohn Paulus bezeugte, so wie es geschrieben steht: ich bin zu schwach, denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. Ja dann ist die Gnade Christi umso mächtiger in mir. - So will ich auch dich in Schwachheit gebrauchen zum Segen Vieler und zu meiner Verherrlichung. Siehe ich will dich ganz für mich haben ungeteilt und für meine Sache. Denn die da gesund und stark und die Arbeit für das leibliche 'Wohl und das irdische Tun vollbringen, sind Viele und läuft die ganze Erde voll. Aber wo sind diese, die auch um meinetwillen gern schwach sind, ein Schatz in irdenem Gefäße, an denen ich die Kraft der Schwachen, die Stärke der Unvermögenden und auch meine Leidensherrlichkeit so recht offenbaren kann.

 

Würde ich dich ganz gesund machen, so würdest du dich wieder deiner irdischen Pflichten ganz hingeben und wärest so geteilt und unbrauchbar für die Aufgabe, die dir vertraut. Denn du sollst mir eine rechte Priesterseele werden, eine rechte Fürbitterin und Beterin, die freudig im Heiligtum weilt und mit einem Herz voller Liebe für alle eintreten kann." Er legte mir die Hand auf das Haupt und frug mich: „Bist du bereit?" Ich bejahte. Und so sagte er: „So richte dich nun auf und laß' dich von mir gebrauchen, als ein Gefäß meiner Gnade, das ich mit dem heiligen öle füllen will. Ich salbe dich zu dem ich dich ersehen. Laß dir nun deine Kleider bringen und zeige und beweise den Deinen, wie ich Gebete erhören kann." Ich rief nun meinen Mann. Er eilte schnell herbei und als er mich sah, aufgerichtet im Bette sitzen und meine Kleider verlangen, da war er so überwältigt, daß er es nicht fassen konnte, was geschehen ist. Im ersten Erschrecken rief er aus: „Ach Gott, jetzt ist meine Frau auch noch verrückt geworden". Er konnte, nachdem, wie ich vorher im Sterben dagelegen bin, und nun so strahlend im Bette saß, seinem inneren Empfinden keinen anderen Ausdruck verleihen. Ich aber rief ihm zu: „Nein, lieber Mann, ich bin nicht verrückt geworden, sondern der liebe Heiland war bei mir und hat solches an mir getan".

 

Ich erzählte nun ihm den ganzen Hergang und wir dankten, lobten und priesen Gott für solche große Gnade. Auch die liebe Schwester, die mich schon in all den rund 24 Jahren meiner Leidenszeit pflegt, wurde von meinem lieben Mann herbeigerufen. Auch sie, die auf mein Ableben stündlich wartete, war überwältigt von diesem Wunder der Gnade, das der treue Heiland an mir getan hat. Von dieser Zeit an habe ich mich ganz dem Herrn geweiht und diente ihm mit Freuden, so wie er es mir schenkte. Dieses Geschehen an mir blieb natürlich meiner Umwelt nicht verborgen, denn viele wußten ja, daß ich zum Tode darniederlag. Und nun ging das Fragen los. Wir bekannten mit Freuden, was der Herr Großes getan hat. Durch unser Zeugnis und Bekenntnis bekamen etliche den Anstoß an den Herrn gläubig zu werden. Und diese kamen immer wieder zu mir und besuchten mich. So wurden wir bald eine kleine Gebetsgemeinde.

 

Im Jahre 1937, am 12. September, wurden ich und meine Lieben deshalb von der Gestapo verhaftet. Es waren damals diese Zusammenkünfte verboten, weil man irgendeine Staatsfeindlichkeit darunter vermutete. Besonders war die Gestapo hinter mir her, weil ich aufgrund vieler Gesichte und geistiger Schau, die mir mein Heiland in seiner Gnade schenkte, das furchtbare Ende des Hitlerregimes voraussah, und dieses auch offen bekannte, wo es galt zu warnen und Christus die Ehre zu geben. Ich wies dabei immer auf das teure Gotteswort und die Offenbarung hin. Es war diese Gefängnishaft für mich sehr, sehr schwer infolge meines sehr schwachen Leibes und seiner vielen Gebrechen.

 

Wie ich Christus im Gefängnis erleben durfte !

Schon am ersten Abend, es war an einem Sonntag, als nachts nach dem ersten großen Verhör in das Gefängnis eingeliefert wurde, hatte ich, nachdem ich mich auf die Pritsche niedergelegt hatte, wunderbares geistiges Erleben. Ich lag still und betete. Legte meine ganze Not, Mich und meine Lieben, dem Herrn in kindlichem Vertrauen ans Herz. Da auf einmal waren die Mauern um mich verschwunden. Ich sah ein großes Wasser. Die Wellen gingen hoch, schäumten und zischten. Der Himmel war mit schwarzen, verfetzten Wolken verhangen, durch die man schwach, ab und zu die Sonne scheinen sah. Da sah ich auf einmal ein Motorboot mitten durch das unruhige Wasser daherkommen. Es durchschnitt ganz scharf die sich auftürmenden Wellen und kam geradewegs auf mich zu. An dem Steuer sah ich eine Gestalt stehen mit fliegendem Gewand. Das Angesicht war ernst auf ein Ziel gerichtet. Und als es ganz nah zu mir herankam dieses Boot mit seiner Gestalt, sah ich, daß es der liebe Heiland war, der mich anschaute wie ein liebender Vater sein Kind. - Und auf einmal wurde mir ganz deutlich die Bedeutung des Gesichtes offenbar und ich konnte voll tiefen Vertrauens sagen: „Ja, so hast du auch jetzt die Sache um deretwillen ich hier bin, und die ja Deine Sache ist, in Deiner starken Hand und wirst alles herrlich hinausführen." Gleich darauf verschwand das Gesicht.

 

Ich sah dann auf's Neue einen großen Knödel von verschiedenen Garnen in verschiedenen Farben, ganz durcheinander und ganz verwirrt. Und als ich betete: „Was soll dieses bedeuten, was willst du mir damit sagen", da sah ich seine durchgrabene Hand über diesem dicken Knäuel mit den verschiedenen Garnen fahren. Und plötzlich waren all die Fäden wunderbar geordnet und hingen herab wie frisch gekämmtes geordnetes Haar. Nun verstand ich wiederum seine Sprache und konnte voll Vertrauen sagen: „Ja, mein lieber Heiland, so wirst auch du in all diese Verwirrung volle Klarheit bringen und alles wunderbar ordnen." Der treue Heiland forderte mich nun auf, alles niederzuschreiben, was er mir sagen würde. Alles weiß ich heute nicht mehr, aber was ich noch weiß, das will ich nach bestem Wissen und Gewissen wiedergeben.

 

Es lautete wie folgt: „An den Führer des deutschen Volkes, Adolf Hitler!"  „Ich habe es zugelassen, daß Du zum Oberhaupt geworden bist, dieses über 70-Millionen-Volkes. Ja, Ich habe dich groß werden lassen, aber doch nicht zu groß, daß Ich dich nicht wieder stürzen könnte. Ich habe dir durch einen sterbenden Mund (Hindenburg, Anmerkung!) sagen lassen, sorge Du dafür, daß Jesus Christus in allen deutschen Landen verkündigt werde. Du aber hast es nicht getan. Du läßt sogar die, die mir von ganzem Herzen treu ergeben, meine Nachfolger und Kinder sind, verfolgen und ins Gefängnis werfen. Siehe, Du bist in meiner Hand und Ich habe es dir schon wiederholt gezeigt, durch allerlei Durchkreuzungen Deiner Pläne und Vorhaben, daß Ich der Herr bin. Du aber hast Dich nicht warnen lassen. So rate Ich Dir, lasse diese meine Kinder frei, und tust Du es nicht, so werde Ich meine Hand wider Dich ausrecken und sie wird schwer über Dich kommen.

Wehe, dreimal wehe denen, die verhindern wollen, daß dieses Schriftstück in die rechten Hände kommt. Wehe, dreimal wehe auch Dir, und all denen, die diesem meinem Kinde, das nur ein Werkzeug ist in meiner Hand, ein Härlein krümmt. Mein Zorn und Fluch wird euch treffen, so wahr Ich lebe, und der bin, der Ich von Ewigkeit her gewesen bin, der alleinige Herr und wahre Gott in Jesus Christus. Amen. Das Schriftstück, das an Hitler ging, war in Wirklichkeit noch größer. Diese Stellen aber sind mir allein im Gedächtnis erhalten geblieben, weil sie ganz besonders mich tief beeindruckt haben. Ich gab das Schriftstück nun dem Gefängnisaufseher. Er gab es dann weiter an seine Vorgesetzten. Und so wurde es auch abgesandt. Dies war am Montag, dem 20. September 1937. Am Dienstag, dem 21. September 1937, also am 9. Tage.

An diesem letzteren Tage hörte ich, daß meine Brüder die mit mir verhaftet waren, darunter auch mein Hofstunde im Gefängnis hatten. Nun sann ich darauf, wie ich sie stärken und aufrichten könnte. Da stellte ich mich unter mein offenes Zellenfenster und sang laut das Lied: „Wenn Frieden mit Gott meine Seele erfüllt ... ". Da sagten die Aufseher zueinander: „Hört einmal da oben die Frau ... wie sie singt". - „Die ist eingesperrt mitsamt ihrem Heiland", so spotteten sie. Da sagte einer zum andern: „Geh du hinauf und stelle es ein wegen der vielen Juden, die hier inhaftiert sind (es war gerade in der Zeit der großen Judenverfolgungen) und sage ihr, daß wir hier kein Opernhaus hätten und sie das Singen einstellen solle". - Und so kam der eine Aufseher, der ein Altbayer war, herauf zu mir und sagte, daß ich das Singen einstellen solle. Da sagte ich zu ihm: „So, wollt ihr mir das auch noch nehmen? Nun es macht nichts. Bis am Donnerstag werde ja frei und wieder nach Hause kommen, dann kann ich wieder singen nach Herzenslust". Der Aufseher lachte mich aus und sagte: „Am Donnerstag? Da werden Sie sich aber schwer verrechnen. Denn ich habe es heute dem Papier, schwarz auf weiß, gelesen, daß Sie mit Ihrer ganzen Horde nach F. . . ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert werden".

 

Ich aber gedachte der Worte, die der treue liebe Heiland mir in jener Nacht gesagt hat, und glaubte ihm. Zu dem Aufseher aber sagte ich: „Der liebe Heiland hat zu mir gesagt, daß ich und meine Lieben bis Donnerstag frei werden. Und nun wollen wir abwarten und sehen, wer recht hat, Sie oder mein Heiland". -- Da sagte der Aufseher: „Ja, das wollen wir", und ging höhnisch lachend aus meiner Zelle hinaus. Ich aber sagte alles meinem Heiland und ließ mich nicht ängstigen noch erschrecken sondern vertraute ihm. So am folgenden Donnerstag. Es war um die Mittagszeit. Ich lag auf meiner Pritsche, die ich infolge meiner Leiden immer zum Liegen bereit haben durfte, und wollte gerade etwas einschlafen und dachte so in diesem Momente, als der Aufseher so unverhofft hereinkam, nicht daran, daß es der Tag meiner Befreiung sein sollte. Ich stutzte als der Aufseher so niedergeschlagen mich anschaute und so schleppend zu mir sagte: „Ziehen Sie sich einmal an, und machen Sie sich fertig und packen Sie Ihre Sachen zusammen bis ich wiederkehre."

 

Da betete ich zu meinem Heiland im Herzen als der Aufseher meine Zelle verlassen hatte und frug ihn, was das zu bedeuten hätte. Da hieß es in mir: „Hast du vergessen, was ich dir gesagt habe? Siehe es ist der Tag deiner und eurer Befreiung heute." Ach, sagte ich: „Mein lieber Heiland, jetzt weiß ich, warum der Aufseher so niedergeschlagen ist". Der Aufseher ging nun in dieser Zwischenzeit zu diesen anderen Mitinhaftierten, um ihnen die Nachricht zu bringen, daß sie frei werden. Nach ungefähr einer guten Stunde kam er wieder zu mir zurück und sagte zu mir ganz betreten: „Frau . . . , was ich nicht für möglich gehalten habe, nachdem ich es schwarz auf weiß geschrieben selbst gelesen habe, daß ihr heute nach F ... in die Untersuchungshaft kommen solltet, muß ich Ihnen sagen, Sie haben recht. Es ist telegrafisch die Mitteilung und Anweisung gekommen, Sie mit allen denen, die mit Ihnen verhaftet sind, sofort frei zu lassen."

 

Da blickte ich ihn groß an und sagte zu ihm: „Herr Aufseher, wie freut mich das, daß Sie es erleben durften aus Gnaden, daß Jesus ein auferstandener Heiland ist und sein Wort hält. Sie können nie mehr sagen, nachdem was Sie nun erlebt haben, daß es keinen Heiland gäbe. Denn Sie haben es nun selbst erfahren, wie Er den Seinen hilft. O suchen auch Sie ihn von ganzem Herzen und lassen Sie ihn den Herrn in Ihrem Leben sein, Ihren Heiland und Erlöser. Auch Sie werden dann so glücklich werden, wie ich es bin und sein darf aus Gnaden. Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen." - Da weinte der über zwei Meter große Mann wie ein Kind und drückte mir fest die Hand. Er ist später dann von dem Gefängnis versetzt worden. Ich gedenke heute noch sein in Fürbitte und Gebet und ich glaube bestimmt, daß der Herr nicht vergeblich an ihm vorübergegangen ist und solches an ihm getan hat. Denn er, wie auch der andere Aufseher, wurden uns gute Freunde.

 

Die 10 Gefängnistage waren sehr schwer für mich durch meine körperlichen Leiden. Aber es waren Segenstage, aus denen mir heute noch Segen und Kraft zuströmt. Meine Zelle wurde mir durch Christi Gnade in ein Heiligtum verwandelt. Ihm sei dafür Lob und Dank und ewig allein Ehre und Anbetung seinem heiligen Namen. Als wir nach Hause kamen, sagte mir meine Schwester, daß sie am Tage vorher beim Untersuchungsrichter gewesen wäre und ihn gebeten hätte, mich doch besuchen zu dürfen. Er aber hat ihrer Bitte nicht entsprochen und zu ihr gesagt, daß ein Besuch bei mir nicht erlaubt werden dürfe wegen Verdunkelungsgefahr. Er hat sie dann das Schriftstück lesen lassen, worin es geschrieben stand, daß wir den nächsten Tag, also an diesem Donnerstag, nach F. . . transportiert werden sollen ins Untersuchungsgefängnis.

 

Ich durfte aber auch da erfahren, wie Menschen denken und planen, Gott aber lenkt und leitet! Denn was Jesus mir zugesagt hat, das hat er auch erfüllt. Ja sein ist der Sieg und alles muß sich ihm beugen. Halleluja. Amen! Wohl dem, der ihm von ganzem Herzen vertraut und ihn zum Freund und Helfer hat. Seinem heiligen Namen sei allein Ehre und Anbetung, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen!

 

 

 

 

Um Jesu Christi willen  In Berührung mit der Kripo, der Gestapo, dem Gefängnis und dem Sondergericht

Oder gemachte Erfahrungen mit dem auferstanden Jesus Christus

„So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserem Heiland, der da will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gegeben hat, daß solches zu seiner Zeit gepredigt würde." Aus 1. Tim. 2, 1-6 Wer diese Mahnung oder Verordnung des heiligen Geistes im Ernste nachgekommen ist, der hat die beglückende Erfahrung machen dürfen, daß die unaussprechliche Heilandsliebe sehn1ichst will, daß allen Menschen geholfen werde. Ja, der hat nicht nur dies erfahren dürfen, sondern auch das, daß man bei diesem Seinem Helfenwollen zu Gebet, Fürbitte und Danksagung gedrängt wird für einzelne Menschen, für alle Menschen, auch für die Obrigkeit.

Und wer den lebendigen Gott in Jesus Christus als seinen Heiland und Erlöser erkannt und erfahren hat, der weiß auch, daß in keinem anderen Namen das Heil, ja kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen. Ja, der weiß auch um die Mittler-Rolle von den geopferten Menschen Jesus Christus. Der weiß, daß von diesem Menschen, dem auferstandenen Jesus Christus zu gegebener Zeit zu zeugen und zu predigen ist. Ja zu predigen ist, zur Zeit oder zur Unzeit, bei jeder Gelegenheit. Wer den Auftrag des erretten wollenden Herrn ernst genommen hat, ja, wer sein Wort überhaupt ernst genommen hat und dem Wort gehorsam geworden ist, der weiß auf einmal auch, daß er als Mithelfer in die Mittler-Rolle Jesu Christi mit hineingenommen worden ist. Er weiß sich zum Mithelfer gerufen und berufen. Gleichzeitig wird ihm durch den heiligen Geist aufgetragen, Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen zu tun, auch für die Obrigkeit.

Wie das so ist - wer es selbst erfahren hat, der weiß es - gibt der heilige Geist oft ganz ins einzelne gehende Aufträge zum Gebet und zur Fürbitte. Und wer es weiter erlebt hat, der weiß es auch, daß hier in der Kraft des heiligen Geistes Schlachten geschlagen und Entscheidungen herbeigeführt werden, die von sehr großem Ausmaß sind. An dieser Stelle sei auf die Verheißung gemeinsamen Gebetes in Matth. 18, 19: „Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, um etwas zu bitten, so soll es ihnen von meinem Vater im Himmel zuteil werden", hingewiesen. Manche Menschen wundern sich über diese oder jene Fügung und Führung, im einzelnen Leben, im politischen Bereich. Und oft ist dies das Ergebnis eines Gebets, er einzelnen dem Gebet gewidmeten und geweihten Seele oder eines kleinen Gebetskreises. Mancher unbekannte Beter wird dereinst im Lichte bei der Eröffnung von Gottes Weltgeschichte und Gottes Weltgericht auf Erden, bei dem Bau der Gemeinde im Namen zu finden sein. Sie sind angeschrieben im Buche des Herrn.

 

Der heilige Geist leitet gleichsam die Fürbitte und das Gebet. Und der Beter wird unwillkürlich hineingenommen in die zu verändernden Verhältnisse und erkennt sie in der Tiefe. Er erkennt auch gleichzeitig was und warum zu bitten not. Ihm wird nun im Gebete offenbar, was für Schaden vorhanden ist. Ja, der heilige Geist erhellt mit seinem Lichte die Finsternis, er macht offenbar. Da sieht man nicht mehr mit eigenen Augen, da darf man mit göttlichen Blicken, mit göttlichen Augen sehen. Ja, so erkennt man, wo man von der Wahrheit abgewichen ist und welcher Weg zurück zu neuer Erkenntnis der Wahrheit führt. Dies ist mir nicht nur bei einzelnen Menschen aufgeschlossen worden, sondern auch bei der damaligen Obrigkeit des deutschen Volkes. An dieser Stelle sei die Hinwendung zu einem geistesvollmächtigen Gebet des Glaubens sehr anbefohlen!

 

Warum wird es eigentlich so wenig ausgeübt und gepflegt? Ein Grund ist wohl der, daß hier ein ganzes Opfer gebracht werden muß und für ein Eigenleben kein Raum mehr ist und bleibt. Ein anderer Grund ist wohl auch der, daß das Gebet nicht so gewertet wird, wie es sein sollte; oft weniger Bedeutung hat und auf die Waage der Menschen nicht so viel wiegt. Die Aufgabe des Gebets wird meist in der Stille ausgeübt, im Kämmerlein ohne viel Wind und Aufhebens, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes und Gottes getan. Der rechte  Beter ist ein Werkzeug Gottes und wird gebraucht und kann dabei keine eigenen Lorbeeren ernten. Recht beten, erhörlich beten können wir nicht aus uns. Das wirkt der heilige Geist durch Gottes Gnade in uns. Und nur dort, wo man nicht seine eigene Ehre sucht, sondern allein für unseres Heilandes und Gottes Ehre steht und in reiner selbstloser Liebe diese Aufgabe erfüllt, da weht der heilige Geist.

 

Manche fürchten bei der Aufgabe des Gebets die dabei mit der Macht der Finsternis auszutragenden Kämpfe, auch die damit oft verbundenen körperlichen Leiden. Sie lassen deswegen das Gebet lieber sein. Durch das geistvolle Gebet wird man auch in die Mitregentschaft Jesu Christi hineingenommen. Und wer darin einige Erfahrungen sammeln und machen möchte, dem sei das Gebet wärmstens empfohlen. Solange die einzelnen Menschen oder die Obrigkeit auf den Wegen der Wahrheit wandeln und nach Gott fragen, ist der eingangs in i. Thim. 2, 1-6 verordnete Auftrag verhältnismäßig leicht auszuführen. Wo aber eine Obrigkeit die Menschen von der Wahrheit in den Irrtum abzieht, sie den Mächten der Finsternis zuführt, ist es für den Beter und den Mithelfer Jesu Christi in dieser seiner Versöhnung eine große Bürde, eine solche Aufgabe treu auszuführen. Ja, da ist dieser Auftrag ein großes Kreuz, ein Kreuz, das getragen sein will. Es ist ein Kreuz voll Hoffnung und des Sieges und der Kraft.

 

Und wie ich die Kraft dieses Zeichens und die Kraft der Auferstehung Jesu Christi in meinem mir von Gott aufgetragenen Dienst an Brüdern und Schwestern, an Volk und Obrigkeit erfahren habe, das hat mein Vertrauen zu meinem Heiland und Herrn zu einem unerschütterlichen bis in die tiefsten Tiefen werden lassen. O, Er ist ein mächtiger Herr, ein majestätischer Herr von unendlicher Größe und Liebe. Über der Verkündigung des Wortes und dem Zeugnisgeben bleibt es nicht aus, daß über aufgeschlossene Wahrheiten anhand des Wortes durch den heiligen Geist, oder auch, wie es mir oft zuteil geworden ist, durch ganz deutliche Weisungen und Offenbarungen des Herrn in der Gemeinschaft oder unter einzelnen Brüdern und Schwestern gesprochen worden ist. Und dies wiederum bringt mit sich, daß die Auslegung des Wortes und das Zeugnis an den Mitmenschen, weitergegeben wird. Es soll ja allen Menschen geholfen werden und alle sollen

zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Ja, gerettet sein bringt Rettersinn!

 

Ein Hund, der nicht mehr bellt, ist als Wachhund nicht mehr zu gebrauchen. So ist es nicht ausgeblieben, daß da und dort das Zeugnis der Wahrheit über die damalige Obrigkeit dem einen und anderen in der Kehle stecken geblieben ist. Daß die Wahrheit ohnehin nicht gerne gehört wird, ist ja bekannt. Ja, daß eine gottlose Obrigkeit die Wahrheit nicht gerne hört, und was aus dem Zeugnis der Wahrheit gegen sie werden kann, das muß erlebt sein.

 

In Joh. 16, Vers 13, lesen wir: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten, denn er wird nicht von sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was z u k ü n f t i g ist, wird er euch verkündigen". Durch den Geist der Weissagung (vergl. 1. Kor. 12, 10 und Offbg. 19, 10) ist mir vom Herrn vieles anvertraut worden, was zukünftig sein wird. Das habe ich auch da ind dort meinen Mitbrüdern und Mitschwestern niedergeschrieben und weitergegeben. Daß dieses den damaligen Machthabern unbequem und so gar nicht in ihr Konzept passen wollte, das versteht sich. Wer die Propheten liest, oder den Herrn durch die Weissagung reden hört, der weiß um die Macht des Wortes zur Zeit des Gerichts.

 

So war es eigentlich auch nicht verwunderlich, als am Abend des 30.4. 1935, abends zwischen 8 und 9 Uhr, zwei Herren der Obrigkeit während unserer Abendandacht in der Wohnung bei uns erschienen sind. Wir waren gerade im Gebet und ich lag besonders auf den Knieen im Gebet vor dem Gnadenthron. Als die beiden Herren in das Zimmer kamen, in dem ich im Gebet zubrachte, da sagte der eine von ihnen: „Frau Pfirrmann, wir müssen Sie sprechen. Wir sind von der Kriminalpolizei. Es liegt etwas gegen sie vor". In aller Ruhe habe ich den beiden Herrn geantwortet: .Meine Herrn, es tut mir leid, daß ich Ihnen jetzt nicht Rede und Antwort stehen kann. Wie Sie sehen, stehe ich jetzt vor meinem allerhöchsten Herrn, vor meinem treuen Heiland, den ich jetzt unmöglich warten lassen kann. Wenn ich mit der Zwiesprache mit meinem Herrn fertig bin, dann stehe ich Ihnen zur Verfügung. Ich kann jetzt nicht anders".

 

Daraufhin habe ich mein Gebet unter Augen und Ohren der beiden Herrn fortgesetzt, ohne mich von dem mir aufgetragenen Gebet irgendwie beeinflussen zu lassen. Im Anschluß an das Gebet haben wir dann das Lied angestimmt und gesungen:

 

Jesu, Dir leb` ich; Jesu, Dir sterb ich,

Jesu, Dein bin ich im Leben und im Tod!

O sei uns gnädig, sei uns barmherzig;

Führ uns, o Jesu, in Deine Seligkeit.

 

Und nun hat unser treuer Heiland diesen Beiden ihre Herzen angerührt, daß sie mit in den Gesang einstimmten. Dem einen kamen sogar die Tränen. Und der eine, er war katholisch, sagte, als wir mit dem Singen fertig waren: „Ihr singt ja unsere Lieder. Dieselben Lieder haben wir auch".Und als ich so meinem Heiland die Ehre gegeben hatte und Ihm alles im Gebet hingelegt und anvertraut hatte, wendete ich mich zu den Herrn: „So meine Herrn, jetzt stehe ich Ihnen zur Verfügung". Nun berichteten sie mir: „Frau Pfirrmann, es liegt eine Anzeige vor, daß hier unter dem Deckmantel der religiösen Betätigung gegen die Partei und gegen Hitler gearbeitet wird. Auch wird Ihnen angelastet, daß Sie Gesundbeterei betreiben würden".

 

Darüber mußte ich zunächst nur lachen. „Meine Herrn, sehen Sie mich an. Vor Jahren bin ich durch Unfall schwer verunglückt und bin behindert. Durch nachfolgende Operationen habe ich körperliche Leiden. Sehen Sie mein armes Kind an, das fast erblindet ist seit seinem Kindesalter. Wie gerne würde ich mein Kind und mich gesund beten, wenn ich das könnte. Da müßten Sie ja mir erst das Gesundbeten lernen. Ich kann nicht gesund beten noch gesund machen. Aber das Eine, was hier wahr ist, das will ich Ihnen sagen. Als ich den schweren Unfall hatte, der passierte, als wir das Lebensmittelgeschäft hatten, und die Ärzte mir sagten, daß ich nicht mehr geheilt werden könnte, da gingen mir auf einmal die Augen hell auf und das Herz. Und es wurde mir so deutlich und klar gegeben, daß dies mein Heiland zugelassen hat, daß ich aus dem Geschäft herauskomme; denn Er wollte mich gebrauchen für Seinen Dienst. Und dies wurde mir umso klarer, je länger meine Leiden währten.

 

Denn als ich den lieben Heiland immer und immer wieder um seine Hilfe und um Heilung bat, da hörte ich Ihn ganz klar zu mir reden: „Mein lb. Kind, trage Dein Leid in aller Geduld. Ich habe es Dir zugelassen, weil ich Dich zu etwas viel Höherem erwählt habe. Denn Du sollst Mir ein rechtes Werkzeug sein und eine Hilfe für viele. Deshalb habe ich Dir Dein Leid zugelassen. Was Du jetzt nicht verstehst, hernach wirst Du Dich freuen, daß Ich Dir solche Gnade zugelassen habe, damit Du die geistigen Fähigkeiten und Kräfte, die Ich in Dich geleget habe, auch betätigen kannst im Dienste für Meine Sache".

 

Also, sehen Sie, meine Herrn, von Gesundbeterei kann hier gar keine Rede sein.

 

Unser treuer Heiland hat mich zubereitet zu einer Priesterseele für alle Menschen, für die Obrigkeit und Regierungen. Auch für die Obrigkeit habe ich gebetet, so wie es die Bibel sagt. Der treue Heiland hat viele meiner Gebete erhört nach Seinem Willen und Wohlgefallen. Er hat auch viele kranke und leidende Menschen, Brüder und Schwestern, zu mir geschickt. Und wo der treue Herr in meinem Herzen mir den Auftrag gab, da habe ich die Hände aufgelegt in Seinem Namen und Er hat es geschenkt, daß bei den Kranken die Gesundheit wiedergekehrt ist. O, wir haben es mit einem herrlich auferstandenen Heiland zu tun und nicht mit einem Toten. Und Er kann sich herrlich und wunderbar offenbaren, Er will. Was hier unter uns geschieht und schon geschehen ist, das in der Schrift niedergelegt und heißt in Jakobus 5,14 und 15: Ist jemand krank, der rufe zu sich die Ältesten von der Gemeinde, daß sie über ihm beten und Salben mit öl in den Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten.

 

Auch das andere Wort, das der auferstandene Jesus glaubenden jünger verheißen hat und in Mark. Verse 17-18, zu finden ist: Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: in Meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben; und so sie etwas tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wirds besser mit ihnen werden. Ist es nicht gerade heute in unserer Zeit bezeichnend, daß Er sich so offenbart, und das gerade jetzt, wo man Ihn als eine Sage, einen verstorbenen Idealisten, und was dergleichen mehr, abtun will. Und was die andere Anschuldigung betrifft, da habe ich besonders von meinem Heiland den Auftrag bekommen, ganz besonders für unser Volk und Vaterland zu beten, daß es sich in großen Irrtümern befände und ein schlimmes Ende nähme, wenn sie sich nicht helfen lassen.

 

Ja, es wurde mir sogar gesagt: „Mein Kind, wenn Hitler und das deutsche Volk gegen Mich weiter aufstehen, so werde ich Schlimmes über ihn und das deutsche Volk zulassen". Ja, im Geiste ist mir gezeigt worden, welches Ende herbeikommen wird. Die Anschuldigung, wegen der Arbeit gegen Hitler und die Partei, muß ich entschieden zurückweisen. Es kann sich hier nur um infame Lügen handeln. Ich habe keinen politischen Auftrag. Wenn wir hier zusammenkommen, so ist es zur Andacht und Gebet; wir betrachten das Wort Gottes. Und ist denn heute nicht das Gebet mehr denn je notwendig? Also, sehen Sie, meine Herrn, daß hier von einer politischen Arbeit nicht die Rede sein kann. Vielmehr habe ich einen ganz klaren göttlichen Auftrag. Und das Bekenntnis des Herrn zu diesem Auftrag sind diese mitfolgenden Zeichen und Wunder."

 

Die Beamten frugen mich dann auch, was ich von Hitler halten würde. Ich durfte ihnen antworten: „Meine Herrn, wenn Hitler Jesus Christus auf dem Ehrenplatz stehen läßt, der Ihm allein gebührt, dann wird auch Jesus Christus, unser Heiland, auch ihn stehen lassen. Aber wenn er weiter Jesus Christus verfolgen wird, dann wird er weichen müssen und es wird ihm und seinen Anhängern übel ergehen. Dann werden diese Wehen und Gerichte über Hitler und unser Volk kommen, so wie sie mir gezeigt worden sind. Und meine Aufgabe darin ist, für meine Obrigkeit und mein Volk zu beten". Auch den beiden Beamten durfte ich dann von Jesus Christus zeugen und ihnen den Weg zu ihrem persönlichen Heiland weisen. Ja, ich durfte auch ihnen sagen, daß sie ihn, den Heiland, zum Leben und Sterben brauchen. Allen Ernstes und voll heiliger Liebe habe ich ihnen dann noch abschließend gesagt, daß Jesus Christus der Sieger ist und bleibt.

 

Sie wurden darüber nachdenklich und waren innerlich sichtlich getroffen. Gegen 24 Uhr gingen sie mit einigen Aufzeichnungen, nachdem sie mir noch gesagt hatten, daß ich für den anderen Tag zum Chef der Kriminalpolizei bestellt sei, nach Hause. Bevor ich am andern Tag zur Kriminalpolizei ging, habe ich die ganze Angelegenheit im Gebet vor den Heiland gebracht, meinen Mann und mein Kind dem Schutze und Beistand des Herrn befohlen. Von meinem Mann habe ich mich, ehe er zur Arbeit ging, verabschiedet. Und zu meinem Kinde sagte ich, indem ich es in meine Arme nahm: „Mein Kind, Du warst ja dabei, als ich, Deine Mutter, zur Kriminalpolizei geladen worden bin. Ich weiß nun nicht, was aus mir wird, ob ich noch einmal heimkomme oder nicht. Mein lb. Kind, wenn ich auch nicht mehr komme, dann bleib nur Deinem Heiland treu. Er wird auch dann treu für Dich sorgen. Und denke stets daran, daß ich freudig bereit bin, wenn es sein muß, um seines Namens willen in den Tod zu gehen".

 

Mein Kind noch einmal fest an mein Herz drückend und ganz fest auf den Heiland blickend habe ich mich auf den Weg zur Kriminalpolizei gemacht. Der Chef der Kriminalpolizei eröffnete mir gleich, daß eine und unsere Stunden verboten seien. Ich solle mir darüber im Klaren sein, daß ich von nun ab unter Beobachtung stehen würde. Wenn ich wieder beim Stundenhalten angetroffen werden würde, ich mit einer Unterbringung ins Konzentrationslager Dachau zu rechnen hätte. Zu dem Chef der Kriminalpolizei durfte ich dann sagen; „Mein Herr, ich habe keinen Grund meinem Heiland untreu zu werden. Das hat Er um mich nicht verdient. Ihr könnt nun alles tun, was ihr wollt. Ihr könnt mich auch an die Wand stellen und erschießen. Was mir mein Heiland anvertraut hat, das lasse ich mir nicht nehmen. Und nach Dachau komme ich nur dann, wenn es mein Heiland will und Er für mich dort eine Aufgabe hat".

 

Meine Aussagen wurden alle protokolliert. Und der Chef der Kripo sagte mir dann, daß ein Bericht nach München weitergeleitet werden würde. (Angeblich wurden die Anzeigen über eine Zentrale in München bearbeitet.)  Zur Ehre meines Heilandes muß ich sagen, daß mir zu den obigen Aussagen vor der Kripo eine nie gekannte Kraft und ein Mut gegeben worden ist und mich erfüllte. Da lernte ich eigens die Standhaftigkeit der Märtyrer kennen und verstehen. Die ganze Sache vertraute ich meinem Herrn und Heiland an, stand ich doch für Ihn und Seine Sache. Ich legte auch die Kriminalbeamten in Seine Hände und vertraute sie Seiner Führung an. Wegen dem Stundenhalten habe ich mich nicht einschüchtern lassen. Sie wurden weiter gehalten und dem Herrn die Ehre gegeben. Ja, mein Vertrauen war bei meinem Herrn und Heiland Jesus Christus. Und lange Zeit habe ich auf Vorladung nach München gewartet; ich war bereit.

 

Eines Tages traf ich den Chef der Kripo auf der Straße. Im Vertrauen sagte er zu mir: „Freuen Sie sich, es ist bis jetzt nichts mehr gekommen. Wir wissen selbst nicht was wir davon halten sollen und wie das möglich war". „Ich aber weiß es, das hat unser Heiland getan", durfte ich bekennen. „Denn Er verläßt die Seinen nicht." Später kam der Chef der Kripo in meine Wohnung und hatte mich inzwischen noch einmal verhört. Neue Anzeigen sind da bei ihm eingetroffen. Der Chef der Kripo sagte auch zu mir: „Ach, schonen Sie sich doch, wo Sie doch so leidend sind und schon so viel durchgemacht haben". „Ich kann und darf meinem Heiland nicht untreu werden, und wenn es mich mein Leben kostet", mußte ich ihm sagen. In dieser Stunde hat der Geist Gottes in besonderer Weise persönlich mit ihm geredet. Der Kripo-Chef kam auch später in unsere Versammlungen mit seiner Frau. Er las auch sehr gern dann die Botschaften und Zeugnisse. Zu den Ausführungen der Worte in Jak. 5, 14-15 und Mark. 16, 17-18, sind noch einige erläuternde Zeugnisse anzufügen. Verschiedene Brüder und Schwestern haben die Kraftwirkung des heiligen Geistes an ihrem Leibe erfahren dürfen.

 

So seien noch einige Beispiele genannt, die der Herr geheilt hat.

 

Eine Schwester, die von den Ärzten hoffnungslos an Unterleibs- und Darmkrebs aufgegeben worden war, wurde durch Gebet geheilt. Sie hat vorher Jahre lang nur Haferflockensuppe essen können. Dies war schon im Jahre 1933. Sie lebt noch und ist, während ich dies schreibe, bei mir und hilft mir, weil ich so leidend bin. Eine andere Schwester, die an beiden Brüsten Brustkrebs hatte, hat der Herr auch zu dieser Zeit geheilt. Sie war sehr elend dran. Die Arzte gaben auch hier wenig und keine Hoffnung. Die sie behandelnde Schwester, eine Diakonissin, wurde während dieser Zeit zu einem anderen Dienst gerufen. Nach einem Jahr kam sie wieder zurück. In der Meinung, daß die Brustkrebskranke schon verstorben sei, fragte sie deren Mutter bei einem Besuch: „Wie lange ist nun ihre Tochter eigentlich schon tot?" Die Mutter sagte: „Mein Binchen, die ist nicht tot, die ist gesund, die lebt".

 

Eine andere Schwester, die vor der Einlieferung in eine Heilanstalt stand, hat unser treuer Heiland vom Verfolgungswahn freigemacht. Ein sehr bedauerlicher Fall. Und heute darf diese Schwester noch dem Herrn dienen. Und noch eine andere Schwester. Sie hatte mehrere Jahre hindurch unter schwerer Schlaflosigkeit zu leiden. Der Herr hat auch sie von diesem schlimmen übel befreit und ihr wieder einen ganz geordneten Schlaf geschenkt. Er hat sie dann zur Beterin und zum Zeugendienst gebraucht und sie unserer Gemeinde hinzugetan. Ein tiefes, freudiges Gotteskind ist sie geworden. Auch eine andere Schwester, die an einem sehr schlimmen Augenleiden getragen hat, ist vom Herrn angerührt und geheilt worden. Sie darf heute noch selbst das Wort lesen und sich dieser Gnade von Herzen freuen. So könnte noch von vielen anderen Geschwistern berichtet werden, die auffallende Wunder an sich erfahren haben und an denen der Herr sein vorstehendes Wort Seiner herrlichen Auferstehungskraft dokumentiert hat.

 

Über das eine und andere darf später noch berichtet werden. Diese Verherrlichung Jesu hat sich ja nicht verschweigen lassen und hat sich da und dort herumgesprochen. Aus dieser klaren biblischen Handlung, der Handauflegung im Namen Jesu, haben die Ankläger die Gesundbeterei gemacht. Später bin ich jedoch, und das bis heute, mit dem Auflegen der Hände recht vorsichtig geworden. Nicht aus dem Grunde der Anschuldigung der Gesundbeterei. Da und dort wollte es zur Sensation und zur Geltungsgier werden. Viele haben auch Mißbrauch getrieben mit ihrer neugeschenkten Gesundheit und sind wieder in Sünden und Welt zurückgefallen.

Das Wort in 1. Thim. 5, 22: „Die Hände lege niemand zu bald auf", wurde mir dadurch sehr deutlich gemacht in seinem tiefen Grund. Sie sollen davor bewahrt werden vor den Folgen, die uns in Hebr. 6, 4-6 niedergeschrieben sind. Dort ist davon die Rede, daß die, die die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt haben, und die dann abfallen, nicht mehr zur Buße kommen können. Im Frühjahr 1937, nach einem Besuch und Dienst am Wort bei Geschwistern in Mannheim, waren wir auf der Rückfahrt mit dem Schnellzug über K. nach P. Und wegen meinem schweren Rückgratsleiden hat mein Mann mit mir immer die gepolsterte II. Klasse benutzt. In dem Zugabteil saß ein ehemaliger Oberst aus dem 1. Weltkrieg. Beheimatet war er in der Nähe von Wiesbaden. Ein Generaldirektor war mit seiner Frau auf der Rückreise nach Saarbrücken. Von Leipzig her kam ein General-Ing. und begleitete uns bis nach K. Ein Kaufmann, der ein Geschäft in Frankenthal besaß, auch ehemaliger Offizier aus dem Ersten Weltkrieg, war geschäftlich unterwegs. Mein Mann und ich, sowie ein Glaubensbruder belegten die anderen Plätze.

Die Mitreisenden waren zum Teil in die Tageszeitungen vertieft, zum Teil haben sie anderweitig gelesen. Als ich sie so in ihre Weltliteratur vertieft sah, kam ein großes Mitleid mit ihnen in mein Herz. Es drängte mich die Retterliebe Jesu, diesen Armen etwas anderes zu lesen zu geben. In meiner Tasche hatte ich Traktate und Kalenderblättchen mit Zeugnissen aus der heiligen Schrift. Mein lb. Mann half mir beim Aufstehen und stützte mich. Zu den Mitreisenden gewandt, sagte ich: "Entschuldigen Sie bitte meine Herren, meine Frau, darf ; Ihnen etwas Besseres zum Lesen anbieten?" Sie blickten auf und ließen sich diese Traktate und Blättchen geben. Ihre Zeitungen legten sie beiseite und fingen gleich darin zu lesen an. Und wir setzten uns dann wieder und sahen zu, wie sie interessiert waren. Nach einer Weile, nachdem er das Blättchen zu Ende gelesen hatte, fragte mich der General-Ing.: „Liebe Frau, glauben Sie eigentlich selbst, was da drin steht? Glauben Sie das wirklich?"

 

Und als ich ihm mit freudigem ja antwortete, da fragte er mich: „Haben Sie wirklich schon den Heiland gesehen?“ Da durfte ich freudig antworten: „Nicht nur einmal, sondern des öfteren. Er hat mich sogar schon vom Tode errettet. Und Er ist auch jetzt mit seinen heiligen Engeln bei uns, und Er hört, was wir jetzt reden. Denn Er läßt die wahren Seinen nicht allein. In Seinem Wort steht ja geschrieben: Siehe, Ich bin bei euch alle Tage!"

 

Der General-Ing. zog dann seine dicke, mit Geldscheinen überreich gefüllte Brieftasche, klopfte dann mit der Hand so selbstbewußt, so bewußt reich und so vertraulich auf seine gezogene Brieftasche und sagte: „Das ist mein Gott!" Er unterstrich das so mit einem triumphierenden, harten Lachen: „Ha, ha". Ach, wie kam da ein Mitleid in mein Herz, und ich mußte ihm antworten: Sie armer Mann, trotz der dicken Brieftasche. Wie tun Sie mir leid. Sehen Sie doch einmal, wie schnell das irdische Leben vorüber sein kann. Was nützt ihnen dann Ihre so dick gefüllte Brieftasche, wenn der Ruf Gottes an Sie ergehen wird. An wen und an was wollen Sie sich dann halten und wer soll Ihnen helfen? Ihre Brieftasche kann Ihnen dann nichts mehr nützen. Sie müssen dann die Brieftasche und alles Irdische verlassen. Und wenn Sie zur Ehre Jesu nichts Gutes damit getan haben, dann wird sie Ihnen zum Gericht".

 

Wie zur Entschuldigung sagte er: Ich unterhalte meine Mutter, das ist die Einzige".

 

„O, das ist ihre selbstverständliche Pflicht, ist ihre heilige Pflicht, wenn Sie das tun", erwiderte ich. „Aber das ist nicht das, was ich vorhin sagen wollte. Denn die da reich sind, sollen der Notleidenden, der Witwen, der Schwachen nicht vergessen, sollen der Kranken, Alten und Bedürftigen gedenken, so sagt die Schrift." Durch diese meine Worte wurde er unruhig und blickte mich zitternd an und fragte wieder, diesmal aber nicht mehr so überheblich: „Liebe Frau, gibt es wirklich einen Heiland, und haben Sie Ihn wirklich schon gesehen?" Und da bezeugte ich Ihm den auferstandenen Herrn und Heiland und welche wunderbaren Erfahrungen ich habe mit Ihm machen dürfen. Auch sagte ich ihm wieder, daß ich Ihn schon habe schauen dürfen in Seiner Auferstehungsgestalt. Die anderen hörten alle mit großer Aufmerksamkeit zu. Und noch einmal, sichtlich bewegt von dem Zeugnis, fragte er: „Gibt es das denn wirklich? Ich kann es gar nicht fassen, noch glauben". Bei diesen seinen letzten Worten schüttelte er den Kopf.

 

Und da beteiligte sich der Oberst an dem Gespräch und erwiderte dem General-Ing. auf seine Frage: „Und ob es das gibtl Ich darf dazu ein wahres Erlebnis erzählen". „Eine mir nahe bekannte Grafen-Familie, die ein Schloß haben, ließen das, was ich jetzt berichte, notariell niederschreiben und beglaubigen." Freudig und kraftvoll erzählte er: „Zwei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, da hatte die Gräfin, die gläubig war, eine geistige Schau. Sie sah, daß ein furchtbarer Krieg ausgebrochen ist und daß in dieser Zeit der linke Flügel ihres Schlosses in ein Lazarett umgestaltet war. Sie sah viele Verwundete in ihrem Park spazieren gehen und auch viele in Sessel und Liegestühlen im Park zubringen. Unter den Verwundeten sah sie auch ihren eigenen Sohn mit einem Verband am Arm, einem so eckigen Verband. Sie ist darüber sehr erschrocken und sagte: Das hat mir der liebe Heiland gezeigt, damit wir uns zu Ihm halten und bei Ihm bleiben.

 

Weil sie nicht wußte, ob sie die Zeit, in der die Schau sich erfüllen sollte, noch erleben würde, so hat sie es beim Notar schriftlich niederlegen lassen. Und nach zwei Jahren schon ist dies genau so eingetroffen. Der Krieg, das Lazarett und ihr verwundeter Sohn, auch die verwundeten Soldaten im Park." Und er fragte nun in die Abteilrunde: „Wer hat dies nun gezeigt? Doch niemand anders als der liebe Heiland. Er ist ja allein der treue Helfer und Führer der Seinen". Er blickte dabei sehr ernst zu dem General-Ing. hinüber. Durch diese ernsten Zeugnisse angeregt, erweiterte der Kaufmann aus Frankenthal die Zeugnisrunde. Er sagte dann: „Meine Lieben, diese Frau und der Herr haben recht. Auch ich darf bekennen, daß es einen lebendigen Heiland gibt. Und zu Seiner Ehre darf ich auch hier was Erlebtes sagen.

 

Mit einem Trupp meiner Soldaten war ich an der Westfront auf Erkundigung. Der Feind mußte uns irgendwie ausgemacht haben, denn auf einmal wurden wir mit Granatfeuer belegt. Wir suchten in einem nahegelegenen Unterstand Schutz vor dem Feuerüberfall. Der Unterstand wurde jedoch getroffen und wir wurden verschüttet und konnten uns nicht mehr selbst befreien. Um uns her war alles dunkel. Unser Proviant war schon zu einem Teil aufgebraucht, ja nur noch ein geringer Rest war vorhanden. Und wie ich so über unsere Lage nachdachte, da frug ich meine Soldaten: Ist einer unter euch, der beten kann?

 

Dann meldete sich einer mit ja. Dieser wollte nun bei dem klitschigen Boden niederknieen, um zu beten. Er fiel dabei auf sein Hinterteil und schrie auf einmal vor Schmerz laut auf. Er war auf eine Taschenlampe gestürzt, die er von einer Familie geschenkt bekommen hatte in seinem letzten Quartier. So an die Taschenlampe erinnert, rief er dann mit Freuden in unterdrücktem Schmerz auf: O, ich habe eine Taschenlampe! Er machte dann Licht und wir fingen an, unser Gefängnis zu betrachten. Und als wir erkannten, daß für uns kein Entkommen mehr möglich war, dann haben wir unseren Heiland erst recht um Rettung angef1eht. Es ist dann auch nach uns gesucht worden. Und nach Tagen haben sie uns durch Rufen festgestellt und wir konnten uns ebenfalls durch Rufen melden und so bemerkbar machen. Zehn Tage mußten wir so in dem unfreiwilligen Gefängnis verbleiben. Ja, und das Wunderbare daran ist, daß die Taschenlampenbatterie, die sonst bei Dauergebrauch nur eine geringe Zeit hält, hat die ganzen zehn Tage uns mit Licht versorgt, bis wir ausgegraben wurden. Auch der geringe Proviant war so gesegnet, daß er mit kleinsten Portionen über 10 Tage reichte, und jeder reichlich und an jedem Tag gesättigt war".

 

In der Erinnerung gefangen strahlte der Erzähler und freute sich über die Maßen ob des göttlichen wundervollen Waltens. Zu dem General-Ing. gewandt sprach er: „Was diese Frau bezeugt ist Wahrheit. Das habe ich auch erlebt und mit mir viele Zeugen. Ja, wir haben erfahren und können es bezeugen, daß Jesus Christus lebt". Unter dem Zeugen ist in K. ein Herr eingestiegen und hat sich bei uns mitten ins Abteil gestellt. Er war sehr aufmerksam für die Abteilinsassen interessiert. Er schaute von einem zum andern und musterte einen jeden. Der Kaufmann fragte dann, ob er meine Adresse haben könnte. Er würde uns gerne einmal besuchen, wenn er nach P. käme. Ich habe ihm dann meine Adresse gegeben. Der General-Ing. stieg in K. aus. Er verabschiedete sich sehr freundlich und dankte für die Zeugnisse und wünschte uns alles Gute.

 

Beim Verabschieden sagte ich zu ihm: „Wir werden uns drüben einmal wiedersehen. Dann werden Sie erkennen, wie Ihnen hier die Wahrheit bezeugt worden ist. Darum vertrauen Sie nicht länger auf Ihre Brieftasche und das Geld, sondern auf Jesus Christus, der auch Ihr Heiland sein möchte und Ihnen helfen will; der es auch für Sie auf Golgatha vollbracht hat. Dann erst werden Sie recht glücklich werden, so wie ich es jetzt schon bin." Er drückte noch recht fest meine Hände und stieg dann aus. Mit dem General-Direktor und seiner lieben Frau war ich bis zu ihrem Abscheiden innig verbunden. Sie haben mich des öfteren in P. besucht. In W. stieg dann auch der Kaufmann W. aus Frankenthal aus und hat sich sehr freundlich von mir und uns verabschiedet. Nachdem der Kaufmann ausgestiegen war, redete mich der in K. zugestiegene Herr an. Er schlug dabei sich gebärdend und entrüstend mit einer Armbewegung in die Hände!

 

„Wissen Sie nicht," sagte er, daß Sie einen Juden eingeladen haben? Und wissen Sie nicht, daß das strengstens verboten ist?" Mein Herr", frug ich, „mit wem habe ich die Ehre?" Im Herzen wurde mir gesagt, daß dies ein Gestapo-Beamter sei. Er sagte nur: „Das tut nichts zur Sache." Ich antwortete dann: „Nun, er hat doch ein solch gutes Zeugnis von unserem Heiland Jesus Christus abgelegt. Und selbst wenn er Jude ist, das Verbot gilt nicht für mich. Denn ich bin ein Gotteskind. Und Jesus Christus, unser Heiland, lehrt uns, daß wir unsere Brüder und Schwestern, ja selbst unsere Feinde lieben sollen. Und in ihm, der so treu von unserem Heiland gezeugt hat, sehe ich niemand anders als meinen Bruder. Das ist Gottes Gebot und das lasse ich mir von niemand nehmen."

 

Der mit uns fahrende Glaubensbruder ist bei diesem Zeugnis blaß und blässer geworden. Er hatte den Mann erkannt und warnte mich flüsternd: „Gestapo". Ich war mit einem Mut und einer Zeugnisfreudigkeit erfüllt und ließ mich nicht beirren. War ich mir doch der Gegenwart meines Heilandes und seiner Engel bewußt. Jetzt stellte er die Frage an mich: „Was halten Sie von Hitler.« Furchtlos antwortete ich ihm: „Ich erkenne in ihm die Obrigkeit, die mein Heiland zugelassen, und bete für ihn und das deutsche Volk, so wie es mich das Wort Gottes lehrt." Dann frug er mich weiter: „Was halten Sie vom Alten Testament?" „Daß es Gottes Wort ist", antwortete ich. „Das muß ausgerottet werden," schrie er. „Das wird Ihnen nicht gelingen. Darüber wacht unser Heiland. Denn es ist sein Wort", entgegnete ich ihm. „Das muß hinweg, das muß um jeden Preis hinweg", ereiferte er sich immer mehr.

 

Wieder mußte ich antworten: „Das Neue Testament kann ohne das Alte nicht bestehen. So wenig das Obergeschoß eines Hauses ohne das Erdgeschoß bestehen kann. Das ist eine zusammenhängende Ergänzung. Das eine ist Verheißung, das andere ist die Erfüllung. Es ist Gottes Wort. Ich kann Sie nur warnen." Da blickte er mich zornig an und sagte: „Sie werden von mir hören." Nachdem die polizeiliche Anordnung von dem Verbot der Stunde nicht eingehalten worden ist und dem Herrn weiter gedient und Ihm der schuldige Gehorsam gebracht wurde, war es eigentlich gar nicht verwunderlich, daß die Verhaftung näherrückte. An einem Sonntag, acht Tage vor der ersten Verhaftung, hat der Herr mit uns selbst geredet und gesagt: „Ihr meine Kinder, nun kommt es auch an euch heran. Ja, die Stunde kommt immer näher, wo euer Glaube sich bewähren soll und Ich euch prüfen will auf eure Standhaftigkeit, Liebe und Treue; und wo ich mich aber auch an euch verherrlichen will, wenn Meine Stunde gekommen ist.

 

Denket daran und beweiset euch als Meine Kinder und laßt alles liegen, Mein Wort, die heilige Schrift, und auch die euch von Mir gegebenen Weissagungen und Offenbarungen. Räumt nichts hinweg, auch wenn die Häscher kommen und alles beschlagnahmen und euch verhaften. Denn Ich will durch euch auch ihnen begegnen und noch retten unter ihnen, wer sich retten läßt." Und es erging uns wie den Jüngern. Wir verstanden zu dieser Stunde nicht, was dieses bedeuten sollte. Als es dann herbeigekommen war, konnten wir noch zueinander sagen: „Habt acht, das ist das, worauf wir vorbereitet worden sind."  Das war der 12. September 1937 als die Gestapo uns verhaftete und ins Gefängnis in P. einlieferte.

 

Als die Gestapo erschien - 10 Mann hoch - war auch der Reisegefährte von dem Zuggespräch dabei, der in K. zugestiegen ist und über das Alte Testament so heftig sich geäußert hatte. Und als er mich sah, rief er aus: „Ah, das sind Sie!" Zu den Kollegen gewandt, sagte er: „Die hat ja auch den Juden zu Besuch eingeladen". „Erzählen Sie die Sache richtig, wie sie sich im Zuge begeben hat, nachdem Sie es ja selbst miterlebt haben," so mußte ich ihn zur Wahrheit ermahnen. Der ranghöchste von der Gestapo hat uns dann im Namen des deutschen Volkes und des Führers verhaftet und den Abtransport angeordnet. Im Auto hat dann mein Mann in Gegenwart der Gestapo ausgerufen: „Seid getrost, Jesus ist Sieger." Einer der Gestapo-Leute schrie ihn an, er solle ruhig sein. „Ja, ich sage es noch einmal: Jesus ist Sieger. Das werden auch Sie erleben."

 

Die Bücher und Schriften, Bibeln, Gesangbücher, alles, was wir an Schriftmaterial hatten, wurde beschlagnahmt. Zunächst wurden wir nach Gestapo-Methoden verhört und dann ins Gefängnis in P. eingeliefert. Wie ich Christus im Gefängnis erlebte, habe ich in dem Zeugnis „Wie ich Christus erlebte" niedergeschrieben. Dort ist auch berichtet, wie mir der Herr den Auftrag gegeben hat, an Adolf Hitler zu schreiben und von Ihm u.a. auszurichten: „Ich habe es zugelassen, daß Du zum Oberhaupt geworden bist, dieses über 70 Millionen-Volkes.

 

Ja, Ich habe dich groß werden lassen, aber nicht so groß, daß Ich dich nicht wieder stürzen könnte. Ich habe dir durch einen sterbenden Mund (Hindenburg, Anmerkg.) sagen lassen, sorge du dafür, daß Jesus Christus in allen deutschen Landen verkündigt werde. Du aber hast es nicht getan. Du läßt sogar die, die mir von ganzem Herzen ergeben, meine Nachfolger und Kinder sind, verfolgen und ins Gefängnis werfen. Siehe, du bist in meiner Hand und Ich habe es dir schon wiederholt gezeigt, durch allerlei Durchkreuzungen deiner Pläne und Vorhaben, daß Ich der Herr bin. Du aber hast dich nicht warnen lassen. So rate ich dir, lasse diese Meine Kinder frei, und tust du es nicht, so werde Ich Meine Hand wider dich ausstrecken und sie wird schwer über dich kommen.

 

Wehe, dreimal wehe denen, die verhindern wollen, daß dieses Schriftstück in die rechten Hände kommt. Wehe, dreimal wehe auch dir, und allen denen, die diesem Meinem Kinde, das nur ein Werkzeug ist in Meiner Hand, ein Härlein krümmt. Mein Zorn und Fluch wird euch treffen, so wahr Ich lebe, und der bin, der Ich von Ewigkeit her gewesen bin, der alleinige Herr und wahre Gott a Jesus Christus. Amen." Nach zehn Tagen kam von der Reichskanzlei telegrafisch die Anweisung und Mitteilung, mich mit allen, die mit mir verhaftet waren, sofort freizulassen. "Jesus Christus hatte sich hier als der Lebendige, der Auferstandene bewiesen. Ja, als der, dem Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden. Mit der Freilassung war die Sache jedoch noch nicht bereinigt. Es galt noch vor dem Sondergericht in F. zu erscheinen.

 

Am 25. 10. 1937 wurde vor dem Sondergericht in F. Anklage gegen mich und andere wegen Vergehens gem. §§ 1, 4 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 28.2. 1933, erhoben. Außerdem wurde ein Vergehen gegen einen Erlaß des Reichsführers der SS und Chef der deutschen Polizei und einem Verbot der Geheimen Staatspolizei München unterstellt, weil bei Beteiligten religiöse Schriften aufgefunden wurden, die angeblich jüdisch finanziert worden seien. Diese Anklage ließ der treue Herr zu, um sich aufs neue zu verherrlichen.

 

Anfang Februar 1938 brachte mir der Geldbriefträger morgens 50.- Reichsmark von einem Bruder aus F. B. an mich überwiesen. Wir waren in dieser Zeit finanziell sehr schlecht gestellt. Mein Mann war damals arbeitslos. Er bekam an Unterstützung die Woche nur 11.- Mark Arbeitslosengeld. Das sollte für die Miete und den Lebensunterhalt der Familie reichen. Ja, es hat nicht gereicht und da hat eine Glaubensschwester für mich etwas mitgesorgt und beigesteuert. Und als ich nun diese 50.- Mark in meinen Händen hatte, war ich dem Herrn so dankbar für diese Seine Hilfe. Voller Freude ließ ich die Schwester rufen und sagte zu ihr: „Sieh mal, liebe Schwester L., was mir der treue Heiland geschickt hat. Nun kann ich Dir etwas abtragen, von dem, was ich Dir schulde".

 

Und als ich dann dem treuen Heiland in meinem Herzen so recht gedankt habe für diese Seine Hilfe, da redete Er zu mir: „Mein lb. Kind, laß dieses Geld ruhig unangebrochen. Du wirst es bald erfahren, für was Ich dir es zusenden ließ. Und das andere mit deinen anderen vermeintlichen Schulden, das wird schon geordnet werden, darum sorge dich nicht". Zwei Tage danach kam die Vorladung vor das Sondergericht in F. Und da sagte der treue Heiland zu mir: „Siehst Du nun, Mein Kind, nun weißt Du, warum Ich Dir habe das Geld zukommen lassen".

 

Wir waren 9 Brüder und Schwestern, die vorgeladen waren. Mehrere unter ihnen waren ebenfalls arbeitslos und an geldlichen Mitteln sehr knapp und hatten auch nur das allernötigste zum Leben. Ein Bruder wollte deshalb das Geld für die Reise nach F. sich beim Wohlfahrtsamt geben lassen. Da sagte der liebe treue Heiland zu mir in meinem Herzen: „Sage ihm, deinem Bruder, daß Meine Kinder nicht betteln gehen brauchen; das besonders dann nicht, wenn sie für Mich im Kampfe stehen". Zu den 50.- Mark sind mir dann noch 5.- Mark dazugegeben worden. Mit diesem Geld konnte die Fahrt für alle 9 Angeklagten bezahlt werden. Der Beförderungsschein Nr. 107 der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft für den 9. Februar 1938 - ausgestellt am 8. 2. 1938 -, weist erhobenes Fahrgeld für die Hinid Rückfahrt von P. nach F., - G e s e 11 s c h a f t s f a h r t  für 9 erwachsene Personen - einen Betrag in Höhe von 53.10 Mark aus.

 

Kann der Herr noch besser sorgen? Er sorgte auch für genügend Proviant für die Reise. Nach der Vorladung an das Sondergericht habe ich an den Herrn Oberstaatsanwalt geschrieben und um Sachverständige und um ein ärztliches Gutachten gebeten. Wir waren angeklagt wegen Vergehens gem. der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat. Ja, viele Menschen, auch Parteiangehörige, und auch solche mit goldenem Parteiabzeichen, mußte ich warnen. Auch unter den 9 Angeklagten war einer mit dem goldenen Parteiabzeichen, der zum Glauben an den Herrn Jesus Christus gekommen war. Gerade die Parteiangehörigen mußte ich warnen, daß sie nicht um Hitler willen Jesus Christus verleugnen sollen. Ihnen habe ich auch in aller Deutlichkeit gesagt, wer Hitler ist. Vom Herrn ist mir gezeigt worden, wer er ist und wie das ihm kommen wird.

 

Die Gestapo wußte ja auch davon. Und diese wollte unbedingt mich in ein Konzentrationslager schaffen und mich wegräumen. Zwei Tage vor der Verhandlung wurde an meine Adresse, Name und Straßenbezeichnung ganz richtig und deutlich ausgeschrieben, ein Brief mit dem Stempel - Bahnpost aus dem Gebiet Sachsen-Thüringen zugestellt. Er war ohne Absender und jegliche Unterschrift. Den Schriftzügen nach muß es ein Bruder geschrieben haben. In diesem Brief redete der Herr zu mir und uns: „Mein lb. Kind, sorge und ängstige Dich ja nicht. Sei freudig und getrost. Diese Sache und die Verhandlung ist in Meiner Hand und Ich selbst werde sie führen. Und du und ihr werdet erkennen dürfen, wie ich helfen kann und wie Ich zu Meinem Worte stehe. Alle die daran Beteiligten sind in Meiner Hand und unter Meiner Gewalt".

 

Diese Botschaft hat uns allen Kraft und Zuversicht gegeben. Für diese Stärkung waren wir sehr dankbar. Zu der Sondergerichtsverhandlung in F. war auch ein Kriminalbeamter geladen aus P. Auf der Fahrt nach F. haben wir unsere Glaubenslieder gesungen und den Herrn gelobt. Vor der Abfahrt nach F. habe ich dem Herrn auf den Knieen im Gebet noch einmal alles hingelegt. Den Herrn frug ich dann auch wegen meinem Kinde. Wir wußten ja nicht, ob wir an diesem Tage noch einmal heimkommen würden oder ob wir inhaftiert würden. Das war ja zu der Zeit alles möglich. Und da sagte der treue Heiland zu mir vor der Abreise: „Du brauchst keine weiteren Vorbereitungen zu treffen. Heute Abend bist Du wieder zu Hause bei Deinem Kind". Auch diese Zusage hat uns die Fahrt vor das Sondergericht so recht erleichtert und in der Verhandlung gestärkt. Bei der Verhandlung nun wurden mir 2 Rechtsanwälte und 7 Referendare zur Verfügung gestellt. Die Verhandlung vor dem Gericht hatte ihren Anfang genommen. Der Kriminalbeamte und die Gestapo-Leute waren als Zeugen geladen.

 

Zunächst wurden wir zur Sache gehört. Der Kriminalbeamte aus P. wurde über unseren Leumund befragt. Der Beamte mit Namen Schw. hat sehr gut über uns ausgesagt. Die Gestapo wurde ebenfalls gehört. Der oberste der Gestapo-Leute, mit Namen Sch. aus N., hatte es ganz besonders auf mich abgesehen und wollte mich durchaus mit jeglichen Mitteln vernichten und aus dem Wege räumen. Von den bei der Verhaftung beschlagnahmten Botschaften und Offenbarungen hatte er sich welche zurückbehalten und wollte und glaubte mit diesen Unterlagen besonders hieb- und stichfeste Waffen in den Händen zu haben. Er hatte mit diesem angeblichen Belastungsmaterial zugewartet, um mich unerwartet schwer zu belasten, Da aber standen die mir zur Seite gestellten Anwälte  gegen dieses Vorbringen und gegen die Gestapo auf und verlangten Unterbrechung der Verhandlung zur Einsicht der dem Gericht nicht vorgelegten Unterlagen. Die Verhandlung wurde daraufhin unterbrochen. Während dieser Verhandlungspause bat mich Herr Oberstaatsanwalt B., ob ich nicht mit ihm einmal auf sein Zimmer kommen möchte, er hätte gerne mit mir gesprochen und mich einiges gefragt.

 

Ich sagte zu ihm: „Ich bin bereit, wenn mein Mann dabei sein darf". Er bejahte dies und führte uns auf sein Zimmer und lud uns zum Sitzen ein. ,Frau Pfirrmann", frug er mich, „warum haben Sie eigentlich um Sachverständige und um ein ärztliches Gutachten gebeten?" ,Herr Oberstaatsanwalt, verzeihen Sie, ich habe gehört und auch gelesen, daß in der letzten Zeit so mir nichts dir nichts in die Irrenanstalten verschwinden. Und die Sache, die mir Mein Heiland anvertraut hat, mögen den Herrn vom Gericht vielleicht nicht so verständlich sein, oder auch ich könnte nicht das rechte Verständnis finden. Die mir von unserem Heiland anvertraute Sache und Gabe, könnte leicht damit abgetan werden, daß es so etwas nicht gibt. Und dann?" „Frau Pfirrmann, ich habe es nicht zugelassen und nicht erlaubt, daß ein Sachverständiger zugelassen wird. Viele den Briefen und Schriften, die Sie geschrieben haben, ich gelesen, sie sind in meiner Hand. Und daraus ich entnommen, daß Sie geistig eine hochstehende u sind, die sich selbst verteidigen kann. Ich weiß, Frau Pfirrmann, daß heute in dieser Zeit es Dinge gibt zwischen Himmel und Erde, ja, daß Dinge geschehen, die mit dem Verstande nicht zu fassen sind. das habe ich auch aus Ihren Schriften entnommen gesehen.

 

Ich habe aber auch aus den Zeugnissen der Arzte, die sie operiert und nach dem schweren Unfall behandelt haben, eigentlich staunend feststellen müssen, daß es ein ganz Großes ist, daß Sie hier vor Gericht erscheinen können. Wäre es denn nicht besser für Sie, wo Sie doch so krank von den Reisen da und dorthin daheim zu bleiben, sich zu schonen und zu pflegen. Wo nehmen Sie nur die Kraft her?" „Mein Heiland hat mich dazu ausgerüstet, der in den Schwachen mächtig ist. Ohne Ihn hätte ich es auch nicht tun können. Aber ich soll ja Ihm ein Werkzeug sein.

Herr Oberstaatsanwalt, ich muß ihnen gestehen, daß ich mein deutsches Volk sehr lieb habe. Es ist ja das Volk, in das mich Gott selbst hineingestellt hat und für das Er mir große Aufgaben anvertraut hat. Und wenn mir Mein Heiland nun sagt, daß ich diese Botschaften und Offenbarungen hinausgeben soll, dann habe ich Ihm zu gehorchen, ich kann dann nicht anders. Denn Er will ja meines Volkes und Vaterlandes, der Obrigkeit Bestes. Die heilige Schrift sagt uns doch, daß Er um der Treue wegen Einzelner ein ganzes Volk segnen kann und will. Und ich sage Ihnen noch einmal, würde es mein Leben kosten, ich kann nicht anders."

 

Dann bezeugte ich ihm auch noch, wie der Herr sich schon mächtig an mir und durch mich geoffenbart hat, mich auch schon wiederholt vom Tode errettet hat. Darum könnte ich auch nicht anders, als Ihm treu sein; auch um des geliebten deutschen Volkes und Vaterlandes willen. „Sie wissen ja sicher auch, wie Abraham mit Gott um die Abwendung des Gerichts von Sodom verhandelt hat und wie der Herr zehn Gerechte gesucht hat, um deretwillen Er das Gericht abwenden könnte. Und deshalb darf auch ich nicht anders handeln." Und ich sagte ihm auch, daß der Herr die Verhandlung in Seiner Hand habe und sie führen werde. Er habe mir sagen lassen, daß ich mich nicht fürchten noch ängstigen solle.

 

Der Oberstaatsanwalt frug mich dann auch vieles über Hitler, die Zeit und das Zeitgeschehen. Und ich durfte ihm dann auch freimütig, ohne Furcht, von dem mir Aufgeschlossenen und Geoffenbarten bezeugen, so wie es sich auch erfüllt hat. Und dann hat er mich gefragt: „Was hat Ihnen der Herr und Heiland eigentlich gesagt, wie diese Sache heute ausgeht?" „Heute morgen", antwortete ich ihm, „ehe wir weggefahren sind, habe ich den treuen Heiland um Schutz und Beistand für den heutigen Tag gebeten. Auch habe ich Ihn darum gebeten, mir darüber Klarheit zu geben, was ich tun und mitnehmen soll, für den Fall einer Inhaftierung. Auch darum, was ich mit meinem Kinde machen soll. Denn ich wüßte ja nicht, ob sie mich in F. behalten würden oder nicht.

 

Da hat Er mir geantwortet, ich soll mein Kind ganz Seinem Schutze anvertrauen und es unseren Wohnungsnachbarn betreuend überlassen. Sonst bräuchte ich nichts zu tun, denn am Abend wäre ich ja wieder bei meinet Kinde zu Hause". Der Oberstaatsanwalt nahm das alles so ganz nachdenklich auf. Und dann klingelte es auch wieder zur Fortsetzung de Verhandlung. Nachdem sich das Gericht und der Staatsanwalt und die Beteiligten im Gerichtssaal wieder gesetzt hatten, rief mir der Staatsanwalt, der Verteidiger des Staates, zu: “Frau Pfirrmann, nur weiter so tapfer; ja nur weiter so“. Die Verhandlung begann nun wieder in Fortsetzung. Der oberste Gestapo-Mann Sch. trat nun wieder mit Anklagen und neuen Unterlagen so siegesfreudig hervor.

 

Nun aber hat der Vorsitzende des Gerichtes sich ernst zu dem Gestapo-Mann gewandt und sagte: „Wehe Ihnen wenn Sie diese Frau, die nicht vorbestraft ist, und über die mir sehr gute Zeugnisse geworden sind, wollen zugrunderichten und ihr ihre Ehre rauben wollen. Das könnte Ihnen teuer zu stehen kommen und auch Ihr Amt kosten". Von diesem Gestapo-Mann hatte ich gehört, daß er Frau und vier Kinder hätte. Nun bat ich den Herrn Vorsitzenden, daß man doch Nachsicht und Milde walten möge wegen seiner Frau und ihrer vier Kinder. Gegen die neuen Anschuldigungen, die er vorbrachte wehrten sich diesmal auch ganz laut und mutig die Referendare. Sie brachten vor, daß sie in der kurzen Zeit der Verhandlungspause, in der sie in die Unterlagen haben Einsicht nehmen können, nichts Strafbares haben erblicken können. Es gäbe doch Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir mit dem Verstande nicht begreifen könnten. Sie gingen dann auf verschiedene Ereignisse der Kirchengeschicht, auch der damals so bekannten Geschichte der Therese von Konnersreuth ein, und noch viele andere Dinge wurden angeführt, über die ich um meine Stellungnahme gebeten worden bin.

 

Die Referendare mit den Anwälten verlangten Einstellung und Vertagung der Verhandlung, damit die vorgebrachten Anschuldigungen gründlich untersucht werden können und dazu Stellung bezogen werden könne. Diesem Antrag wurde vom Gericht stattgegeben, nachdem auch der Oberstaatsanwalt damit einverstanden war. Bei der Zustimmung zu dem Antrag der Verteidigung nickte mir der Oberstaatsanwalt zu, eingedenk der zuvor gehabten Unterredung. Auf der Rückfahrt von der Sondergerichtsverhandlung in F. nach P. mußten wir in Ludwigshafen umsteigen und einen Aufenthalt von etwa 2 Stunden hinnehmen. Bis nach N. mußten auch die Gestapo-Leute die gleiche Zugstrecke nehmen und auch in Ludwigshafen umsteigen und auf den Anschluß nach N. warten.

 

Als wir in L. in den Wartesaal III. Klasse hineingingen, da sah ich durch die gläserne Tür in den Wartesaal II. Klasse und die Gestapo mit den Kriminalbeamten dort am Tische sitzen. Da sagte ich zu meinen Lieben: „Entschuldigt mich, ich muß unbedingt noch mit den Gestapo-Leuten reden", und ging dann zu ihnen hinein. Als sie mich kommen sahen, da bot mir der oberste von ihnen einen Stuhl an und wollte für mich Wein und ein Gedeck bestellen. Ich dankte und sagte, daß ich jetzt weder essen noch trinken wolle. Vielmehr möchte ich gerne mit Herrn Sch. reden. Ohne den Ton des Vorwurfs redete ich ihn dann an: „Ich weiß ja, Sie wollten nur Ihre Pflicht tun. Aber sie waren ja falsch unterrichtet. Und Sie werden sehen, daß Jesus Sieger ist und bleibt!"

 

Dann habe ich ohne Furcht in der Kraft des Herrn gezeugt und Ihm auch gesagt, daß es für mich eine Ehre ist, um Seines Namens willen verfolgt zu werden und übles Gerede wider mich dulden und ertragen zu müssen. Ich gab ihm Zeugnis, wie ich Jesus erlebt habe, wie Er unser alleiniges Heil ist. Ich sagte weiter zu Ihm: „Sie haben falsches Zeugnis über mich geredet und falsch ausgesagt. Aber ich bin Ihnen nicht böse und verzeihe Ihnen. Steht doch in der Heiligen Schrift: Wohl euch, so sie euch Übles nachsagen und daran lügen. Ich werde viel für Sie beten, daß Jesus sich Ihrer erbarme und daß Er Sie davor bewahren möchte, daß Sie Ihr Amt verlieren; auch dies nicht zuletzt um Ihrer Frau und Ihrer Kinder willen.

 

Wissen Sie, ich bin ein Gotteskind. Und ein Gotteskind nie Gleiches mit Gleichem, sondern überwindet das Böse mit Gutem. Möge Er Ihnen helfen, daß auch Sie Ihn noch erkennen als das und Ihr ewiges Heil! Möge Er auch Ihre Frau und Kinder segnen. Aber eins muß ich Ihnen noch sagen, daß Jesus, unser Heiland, diese Gerichtssache führt und ans Licht bringt. Und Er hat alles in Seiner Hand. Bis dahin - ich meinte hier die nächste Gerichtsverhandlung, die aber nicht mehr stattgefunden hat - auf Wiedersehen!" Er wurde darüber sehr nachdenklich und sehr freundlich. Ihn im Geiste segnend habe ich mich dann von ihm und den anderen verabschiedet. Das Verfahren wurde dann durch Beschluß des Sondergerichts Frankenthal vom 10. 5. 1938 gem. § 2 des Gesetzes über die Gewährung von Straffreiheit eingestellt. Und so waren wir am Abend des Verhandlungstages wieder zu Hause. Und die Zusage des Herrn hat sich neu erwiesen und als Siegeskraft bestätigt.

 

Eine Glaubensschwester - Martha mit Namen - und ihr Schwager - ein 100prozentiger Kriegsinvalide - beide in Ludwigshafen wohnhaft, kamen 1937 vor der ersten Verhaftung noch zu uns nach P. Durch das Zeugnis eines Bruders haben sie sich aufgemacht uns zu besuchen. Die Schwester Martha hatte ein offenes Bein, und dieses war sehr vereitert. Sie konnte keine Heilung finden. Auf Anraten eines Bekannten von ihnen waren sie nach Möttlingen gefahren, wo der Herr auch schon herrlich und wunderbar sich erwiesen hat. Dort wurde sie aber nicht geheilt und sie war darüber sehr verzweifelt und traurig. Da lernten sie einen Bruder kennen, der auch schon in Möttlingen war und der auch mich kannte. Er war schon öfters in der Gemeinschaft unter uns gewesen. Er liebte auch die Botschaften des Herrn, und wußte, daß der Herr über Bitten und Verstehen helfen kann, wenn es Sein Wille ist. Dieser Bruder gab ihnen nun den Rat zu mir zu fahren, denn da seien auch schon große Wunder geschehen. Er meinte, und dies äußerte er der Schwester gegenüber, sie solle fahren, er hätte es in sich, daß ihr dort geholfen würde. Denn dort, meinte er weiter, offenbare sich der Herr mächtiglich, er habe dies ja selbst miterlebt.

 

Und daraufhin waren die liebe Glaubensschwester und ihr Schwager auf einmal vor unserer Tür und in der Gemeinschaft unter uns. Sie brachte dann ihr Anliegen vor. Ja, und die Schwester hatte einen ganz schlimmen Fuß. Daraufhin kniete ich mich nieder und rief den Herrn an, und bat Ihn, sich doch der Schwester zu erbarmen. Die Löcher im Fleisch verschwanden und von Eiter war ebenfalls nichts mehr zu sehen. Preis und Dank dem herrlichen und wunderbaren Herrn. Dieses Geschehen wirft nun bei dem einen oder anderen die Frage auf, warum hat der Herr nicht in Möttlingen geheilt? Ist diese Versammlung dort nicht so gesegnet gewesen? Hier ist zweifellos der Grund für eine andere Wegführung und Wegleitung zu suchen. Auch darin, daß der Schwester noch mehr Gelegenheit zu innerer Beugung und zum Glaubensgehorsam gegeben worden ist. Der Herr hatte hier in der Gemeinschaft ohne Vorbedingung geheilt.

 

Durch diese Heilung bei der Schwester Martha ist in Ludwigshafen ein Gemeinschaftskreis entstanden. Von Zeit zu Zeit durfte ich dort am Wort dienen. Geschwister aus Bad Dürkheim, Meckenheim, Mannheim, Neustadt und aus der Umgebung von Ludwigshafen haben sich dort versammelt, um das Wort des Herrn zu hören. Der Herr hat dort reich gesegnet und viele wurden auch geheilt. Aus diesem Kreis wäre ein besonderes Wunder hervorzuheben, das der Herr in Seiner Kraft gewirkt hat. Die liebe Schwester Martha brachte ihre Nachbarin - Schwester Mariechen im folgenden genannt - mit zu uns nach P. Sie war vor der ersten Verhaftung ein- oder zweimal bei uns in der Stunde gewesen. Am 12. September 1937 war wie berichtet die erste Verhaftung. Dabei sind ja alle Unterlagen der Gestapo in die Hände gekommen. Unter diesen schriftlichen Sachen war auch die Adresse von Schwester Mariechen zu finden gewesen. Während wir nun hier in P. im Gefängnis saßen, haben sich die Arme der Gestapo auch nach den Geschwistern in Ludwighafen ausgestreckt und auch die beiden Glaubensschwestern verhaftet. Mehrere Tage mußten sie in Untersuchungshaft zubringen.

 

Und diese Schwester Mariechen, deren Mann in einer bekannten Fabrik Prokurist war, hat sich gegen die Verhaftung aufgelehnt und gemurrt. Bei der Schwester Martha beklagte sie sich nach der Freilassung: „Nein Martha, hier ist nicht der Heiland. Und die Schwester ist nicht ein Werkzeug des Heilandes, sonst wären wir nicht verhaftet worden. Das läßt der Heiland nicht über seine Kinder zu." Darüber und bei der Weiterverbreitung dieser ihrer Meinung wurde sie im Glauben laß und schuldig. Spätere Zeit nach unserer Freilassung aus dem Gefängnis und der Verhandlung vor dem Sondergericht, wurde ich von Schwester Martha eingeladen unbedingt mit meinem Mann nach Ludwigshafen zu kommen. Der Heiland wolle mich dort unbedingt gebrauchen, so schrieb sie. Am 30. April fuhren wir nach Ludwigshafen. Die liebe Schwester Martha war überglücklich, daß wir ihrer Einladung gefolgt waren. Sie freute sich sehr, als sie uns kommen sah. Sie wollte erst einmal, daß wir uns ausruhen sollten und dann wollte sie uns einmal etwas berichten.

 

Über dem Ausruhen ist auch noch der 1. Mai vergangen. Nach dem Mittagessen des 2. Mai - ein denkwürdiger Tag, der stark ins Leben eingeschrieben ist, kann nicht so leicht vergessen werden - rückte sie heraus und sagte uns, wozu sie uns eigentlich eingeladen habe. „Schwester Mariechen", so begann sie, „die ja neben mir wohnt, wir waren ja beide auch in Untersuchungshaft genommen. Du weißt es ja. über diese Verhaftung hat sich Mariechen sehr aufgelehnt und geschimpft. Sie sagte mir auch, und auch zu anderen: Liebe Schwester Martha, die Schwester Käthe ist bestimmt kein Werkzeug vom 'heben Heiland, sonst hätte das mit der Verhaftung nicht sein dürfen. Und dieses Murren und Schimpfen, dieses Sich-Auflehnen dauerte über eine geraume Zeit an. Nun, ja, nun hat der Heiland über Schwester Mariechen eine sehr schwere Krankheit zugelassen. Sie, die doch eine bildhübsche Frau war, sie ist fast nicht mehr zu erkennen. Nur noch Haut und Knochen ist sie. Weißt Du, so ganz gelblich, und ein furchtbarer Geruch geht von ihr aus. Ich sage dies Dir, damit Du nachher, wenn wir zu ihr gehen, nicht so sehr erschrickst.

 

Ihr Mann hat nun verschiedene Ärzte und auch Professoren zugezogen, aber sie bekam keine Hilfe. Darüber wurde sie sehr verzweifelt und außerordentlich mutlos. Sie bat mich da dieser Tage mit ihr zu beten und doch auf die Kniee zu gehen und um Heilung zu bitten. Unter dem gemeinsamen Gebet erkannte sie nun ihre Schuld und es wurden ihr die Augen geöffnet. Während dem Gebet redete der Herr mit ihr und sagte zu ihr: „Du hast meiner Sache großen Schaden gebracht, darum wirst Du keine Hilfe durch Ärzte bekommen, es sei denn durch Mein Werkzeug, der Du auch C7bles angetan hast, ohne Grund. Und wenn Du Dich über den Schaden, den Du Meiner Sache gebracht hast beugst und tiefe Buße tust, und auch sie, die an Meiner Sache dient, um Verzeihung bittest, dann will Ich Dir helfen."

 

Der Herr hat ihr dann auch noch aufgeschlossen, daß gerade das Kreuz das sicherste Zeichen Seiner Kinder sei. Und dies war nun gerade vor Tagen. Ihren Mann hat sie daraufhin gebeten, ja keinen Arzt und Professor mehr kommen zu lassen und sich mit ihr keine weitere Mühe mehr zu machen. Ihre Leiden könne und würde sonst niemand mehr heilen, hätte der liebe Heiland zu ihr gesagt. Siehe, ich habe dem Herrn schweres Unrecht getan und auch seinem Werkzeug und das ist meine Krankheit. Wenn ich Buße darüber tun würde und mich beugen, auch die Schwester Käthe um Verzeihung bitten würde, dann würde mir geholfen, der Herr: würde mir helfen. Er ließ seine Frau gewähren, er konnte dies noch nicht fassen, da er ja noch ungläubig war. So, nun weißt Du, was zu wissen not war. Willst Du nun zu Schwester Mariechen mitkommen?" Ja, dieser Bericht zeigte mir wieder einmal mehr, wie ernst es der Herr mit den Seinen nimmt. Mit Schwester Martha, meinem Mann und meinem Kind ging ich dann zu Schwester Mariechen nebenan.

 

Als die Schwester Martha die Wohnzimmertür auftat und uns hineinließ, wollten wir ob des sich uns bietenden Anblicks erschrecken. Sie, die bildhübsche Frau, war sehr entstellt. Auch mußte ich beten, daß ich den auf uns zukommenden unangenehmen Geruch ertragen konnte. Man hatte sie ins Wohnzimmer im Erdgeschoß gebettet, damit man nicht die Treppe auf- und abgehen mußte. Ihre mageren Arme ausbreitend rief sie: „Wenn Du nicht gekommen wärest, hätte ich mich morgen mit dem Sanitätswagen zu Dir fahren lassen. Denn der Heiland sagte zu mir, daß Er mir nur durch dich helfen würde, weil ich Seinem Werk so geschadet hätte und auch Dir übles angetan. Und jetzt weiß ich, daß mir geholfen wird, weil Du gekommen bist und mir Gelegenheit gegeben wird diese Sache vor dem Herrn in Ordnung zu bringen. Ja, ich habe sehr übel getan vor dem Herrn und auch an Dir. Und ich darf nun vor Dir alles bekennen und mich vor dem Herrn in Buße und Reue beugen und auch um Deine Vergebung bitten."

 

Ich mußte sehr weinen, so leid tat sie mir. Durfte ihr dann meine Vergebung aussprechen und nahm sie in inniger Liebe in meine Arme. Wie mir der Heiland aufgetragen hatte, legte ich ihr im Namen Jesu die Hände auf und betete fest und innig. So geschah, wie bei Jakobus 5, 14-15, geschrieben steht. Und jetzt in Freude und Jubel ausrufend: „Dank, Dank, Dank Dir mein lieber Heiland." Sie, die nicht mehr laufen und gehen konnte, stand fröhlich auf, und ging, wie wenn nichts gewesen wäre, ans Harmonium und fing an zu spielen und zu singen: „Lobe den Herrn" und noch andere Lobgesänge. Der Herr hat auch in uns durch dieses Sein herrliches Wirken zu Lob und Dank gestimmt. Das üble Aussehen und auch der ebenso üble Geruch wann augenblicklich verschwunden und der Herr hat ihr das alte Gesicht und Gestalt wiedergegeben.

 

Und dann schickte sie ihre Haushälterin fort, Kuchen holen Sie bat uns mit ihr Kaffee zu trinken. Den Kaffeetisch deckte sie selbst. Die Haushälterin hat diese Heilung nicht für sich behalten und beim Einkaufen davon Zeugnis gegeben. Da liefen die Leute zusammen und es war ein Loben und Preisen, wie man es nicht schildern kann. Als ihr Mann dann bald aus dem Büro der Fabrik nach Hause kam, da machte sie ihm freudig die Türe auf. Da hörten wir, wie er ausrief: „Frau, was ist denn da geschehen?" „Ja, mein lieber Karl. Schwester Martha hat die liebe Schwester Käthe aus P. kommen lassen und durch sie hat mich der treue Heiland geheilt, wie Er zu mir gesagt hatte," berichtete sie. Er konnte es nicht fassen und nicht begreifen. Und in den ersten Tagen hatte er immer Angst und Zweifel, ob die Krankheit nicht doch wiederkäme.

 

Ja, und was dort der Herr getan hatte, blieb bis zum heutigen Tag. Wir blieben dann noch etwas dort, weil der Herr noch viel zu tun schenkte und großen Segen wirkte, auch wurden dort verborgene Sünden aufgedeckt. Aber dann kamen auch so viele, die geheilt werden wollten. Diese mußte ich aufweisen. Und weil sie bei mir Heilung suchten und mich ob des Geschehenen verherrlichen wollten, mußte ich von dort abreisen. Bald darauf sind wir wieder nach Ludwigshafen eingeladen worden, um am Wort zu dienen. An einem Samstag sind wir hingereist und schon am Sonntag in der Frühe, wir waren noch in den Betten, kam die Tochter der Schwester Martha, Hilde, atemlos und ängstlich zu uns heraufgesprungen und keuchte es mehr als sie es sagte: "Tante Kätchen, die Gestapo ist da und will Dich sprechen." Sie zitterte und bebte am Leibe. Da durfte ich ihr in aller Ruhe sagen: „Laß sie nur. Unser Heiland ist auch da. Gehe hinunter und sage, sie möchten eine Weile entschuldigen, wir würden gleich aufstehen."

 

Die liebe Hilde staunte mich nur so an, weil ich ob dem unheimlichen Gespenst der Gestapo so getragen ruhig geblieben bin. Sie ging dann hinunter und richtete es ihnen aus. Wir machten uns dann fertig und ich bat die wiederkommende Hilde die Gestapo zu bitten, zu uns heraufzukommen. Die Arbeit für den Herrn und auch die Krankenheilungen sind auch der Gestapo in Ludwigshafen bekannt geworden. Es waren ja auch Leute darunter, die solches weitersagten, und das nicht um des Herrn willen. Nun war die Gestapo gekommen, um mich zu verhören. Ich bezeugte nun, daß die Heilungen nicht aus mir getan, sondern in der Kraft des auferstandenen Herrn Jesus geschehen würden, Der Herr habe mir neben anderen Aufträgen, auch diese in der Heiligen Schrift niedergelegte Gabe aus Gnaden verliehen. Man erzählte mir nun, ich sei angezeigt worden, ich würde eine Gesundbeterin sein, wir würden einer Sekte angehören und anderes mehr.

 

Ich durfte ein unerschrockenes Zeugnis ablegen für den Herrn und Sein herrliches und wunderbares Wirken in Seiner Auferstehungskraft. Auch hier sagte ich, daß ich ja selbst schon lange Jahre krank und leidend sei durch Unfall und Operation. Mein Mann sei auch augenblicklich durch einen Betriebsunfall nicht arbeitsfähig. Dann sei ja auch mein Kind tast völlig blind. Erstens wüßte ich ja nicht, was Gesundbeterei sei und bedeuten würde. Und andererseits, wenn ich das könnte, dann würde ich ja auch für meinen Mann und mein Kind solches tun, und nicht zuletzt auch mich in einen anderen Stand setzen. Ja, es sei wahr, daß der treue Heiland schon viele durch mich geheilt hätte, aber das sei ja Er, der das durch mich ,wirke und sich in Seiner Kraft verherrliche, und nicht ich.

 

Er frug mich dann auch, wie das zugehe, wenn man gesund wird. Ich antwortete ihm, daß dies ganz klar und deutlich in der heiligen Schrift niedergelegt sei und habe ihm auch diese Stellen der Schrift aufgeschlagen und mit im gelesen. Ich erzählte, wenn die kranken Menschen zu mir kämen und die Bitte um Handauflegung an mich herangetragen würden, daß ich dann den Herrn fragen würde - dessen Stimme ich in meinem Herzen deutlich höre und vernehme -, ob ich es nach Seinem Willen tun könne. Daraufhin würde ich dann stets ein Nein oder ja und die entsprechende Unterweisung vernehmen. Und danach würde ich handeln. So sei es ja auch ganz deutlich, daß nicht ich es tue, sondern daß der Herr die Anweisung und die Kraft schenkt, solches in Seinem Namen und zu Seiner Ehre zu wirken.

 

Und eben nach diesem Willen des Herrn ist mein Mann im Augenblick nicht gesund. Auch meine Tochter und ich haben aus weisen Gründen diese unsere Leiden zu tragen. Es ist doch ganz eindeutig, daß diese Wunder, die meine Augen geschaut haben und die ich erleben durfte, nicht mein Werk sind, sondern die Kraftwirkung des auferstandenen Herrn Jesus Christus. Für die, denen er die Leiden nicht abnimmt, gibt Er Kraft, sie zu tragen aus Liebe zu Ihm. Denn Er, der ja allwissend und allweise ist, weiß ja im Voraus, was der einzelne auf seinem Lebensweg zur Zubereitung für Sein ewiges Reich braucht. Nur ist es eben bei der Krankenheilung leicht so, daß man dem handelnden Menschen die Ehre gibt und nicht dem heilenden Herrn! Der treue Heiland hat auch schon an meinem Mann, meinem Kinde und mir Großes getan und sich ebenfalls in Seiner Auferstehungskraft verherrlicht, auch mich vom Tode errettet. Aber dies und andere leibliche Schwachheiten und Nöten hat Er uns aufbehalten.

 

Dazu wurde mir auch aufgeschlossen, daß viele Leiden und Krankheiten einen ganz bestimmten Auftrag in unserem Leben haben. Einer von denen ist auch in dem Wort 1. Pet. 4, i-2 zu finden: „Weil nun Christus im Fleisch für uns gelitten hat, so wappnet euch mit demselben Sinn; denn wer am Fleisch leidet, der hört auf von Sünden, daß er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes lebe!" Und Jesus will ja die Menschen von ihren Sünden erretten, Matth. 1, 21. Von mancherlei Wunder durfte ich ihm Zeugnis geben. auch von der Errettung aus vielen Nöten. Ich durfte ihm auch sagen, daß dem Christen ein Kreuz auferlegt sei, das zu tragen not und heilsam für ihn ist. Auch über die mir geoffenbarte Zukunft habe ich ihm Zeugnis gegeben. Er frug mich nun, was ich hier tue. Ich berichtete ihm ganz offen, daß die Geschwister uns eingeladen hätten am Wort zu dienen und daß wir diesen herrlichen Heiland und Herrn gemeinsam loben und preisen wollen.

 

Dieses Zeugnis hat der Herr so reich an ihm gesegnet, daß er uns ein lieber Freund und treuer Beschützer geworden ist! Am selbigen Tag noch ließ er uns warnen und sagen, daß am Nachmittag wieder Gestapo-Leute kämen und uns verhaften wollten. Er gab uns dabei einen wunderbaren Rat: Wir sollten, wenn wir zusammensitzen unter dem Wort, den Tisch decken zum Kaffee trinken. Tischdecke auflegen, Kaffeetassen aufstellen, die Kaffeekanne mit frisch gekochtem Kaffee nicht vergessen, ebenso etwas zum Essen servieren. Die Bibel dann möglichst unter dem Tisch auf den Knieen verschwinden lassen. Ja, und wahrhaftig am Nachmittag, die lb. Schwester Martha war gerade mit dem Decken des Kaffeetisches fertig, klingelte es auch schon an der Tür. Herein kam die Gestapo. Als einer uns so um den Kaffetisch sitzen sah, rief er zu den anderen: „Ach, die trinken ja Kaffee. Die haben ja Kaffeekränzchen. Hier haben wir nichts mehr zu tun". Und gingen dann fort. An diesem Tage und auch in den restlichen Tagen unseres Ludwigshafener Besuchs sind sie nicht mehr wiedergekommen.

 

An dem Tage unserer Rückreise nach P. stand der Gestapo-Mann F., der uns diesen gesegneten Rat gegeben hat - o, der treue Herr möge ihm nach Seinen Verheißungen treulich lohnen - auf einmal am Bahnhof. Er begrüßte uns freundlich und fragte mich, ob er, wenn er nach P. kommen würde, uns einmal besuchen dürfte. Ich sagte ihm dies zu. Er war noch so sehr von dem abgelegten Zeugnis beeindruckt. Auch davon, daß ich ihm für sein persönliches Heil Jesus Christus vor die Seele und das Gewissen gestellt habe. Der Heiland hat sein Herz umgewandelt. Und später mussten wir erfahren, daß er bei einem Fliegerangriff umgekommen sei. Wunderbar hat uns unser treuer Heiland geholfen und sich auch die Gestapo dienstbar gemacht. Der Herr e diese Seele reichlich und überschwänglich segnen seinen helfenden Dienst. Wir können nicht genug danken, loben und preisen für die erfahrene Liebe und Treue unseres Heilandes, der in Stunden der Gefahren und Nöten so treu zu Seinen Kindern steht. Ja, wir haben einen wunderbaren treuen Heiland, der lebt, der auferstanden ist, der bei uns ist, der nach wie vor alles in Seinen Händen hat. Das kann ich, meine Lieben und die Geschwis-ter, die es miterleben durften, dankbaren Herzens bezeugen:

 

Pfingsten 1939 waren wir in Bad Dürkheim, um am Wort zu dienen. In dieser Zeit war ja nach dem Münchner Abkommen von 1938 viel von Krieg und Kriegsvorbereitungen zu lesen und zu hören. Und wie das damals so war, einige Brüder haben vor der Stunde sich politisierend über die Lage ausgelassen. Ein begeisterter junger Offiziersanwärter, der auch dabei war, meinte dann: „Ach, mit denen ist man bald fertig; die bekommen bald eins auf den Kopf". In der Versammlungsstunde kam dann des Herrn durch die Weissagung. Es wurde darauf hingewiesen, daß wir die Feinde lieben sollen. Und Er gab uns das Beispiel, daß er Seine Feinde noch am Kreuze segnete. Da wurde auch darauf hingewiesen, daß der Krieg nahe ist. 

 

Zu dem Offiziersanwärter redete der Herr: „Rede nicht solche Dinge aus Deinem Hochmut, sondern bete vielmehr für sie. Denn Du weißt gar nicht, wie auch Du nach eine auf den Kopf bekommen kannst. Denn was man sät, das wird man ernten. Laß Dich unterweisen in Meinem Wort, dann lernst auch Du diese Zeit besser verstehen, auch das, warum Ich solche Dinge zulassen muß". Gegen Ende des Krieges wurde er als Major bei einem Fliegerangriff durch Splitter am Kopf tödlich verwundet. Wir alle mußten bei dieser Nachricht an jene Pfingststunde denken, wo er dieses so siegessicher ausgerufen hat, und sich an ihm die Weissagung buchstäblich erfüllt hat.

Da ist mir die Heiligkeit Gottes so groß vor die Seele getreten und ich mußte beten: „O Herr, Deine Wege sind heilig und gerecht! Dein Name sei hochgelobt und geehrt!" Unser treuer Heiland möge diese Zeugnisse reich segnen an allen Herzen, die es lesen und denen diese Zeugnisse zum Lesen geschenkt werden. Möge es allen Lesern und Hörern zeigen, daß Jesus Christus lebt und auferstanden ist. Ich kann und darf es bezeugen. Es ist nicht so, wie man da und dort gerne lehren will, daß es keine Geschichte Jesus Christus gäbe. Der heilige Geist hinterläßt glaubwürdige und dokumentechte Spuren und hat die Auferstehung Jesu Christina begleitenden Zeichen und Wundern von Anfang an verherrlicht. Die Geschichte Jesu Christi wird durch den heiligen Geist geschrieben und fortgeführt.

Teure Brüder und Schwestern! Glaubt nicht den Irrlehrern. Denn Christus, Jesus Christus, ist das Heil, ist Heiland und Erlöser. Er         h a t sich für uns zum Opfer hingegeben. Und Tod, Sünde und Höllenmacht i s t besiegt und überwunden. Seine Macht und Herrlichkeit will geglaubt und darf erlebt werden. Das Wort Gottes bezeugt es klar und deutlich. Und jeder, dem es aufrichtig darum zu tun ist, innezuwerden, ob diese Lehre von Gott ist, der darf es durch das Tun der Lehre erfahren, daß dies lebendige und lebendigmachende Wahrheit ist. Der Auferstandene ist da in ängstigenden, in leidvollen, aussichtslosen Lagen, alle Tage! Wir dürfen uns Seiner Auferstehung von Herzen freuen. Und wer an Ihn, den gekreuzigten und auferstandenen Heiland und Herrn glaubt, der ist auch mit ihm gekreuzigt und auferstanden; er kommt nicht ins Gericht. Dieser ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen und erfährt an sich die Kraft des ewigen Lebens. Er hat es für uns vollbracht! Halleluja. Amen.

 

 

Der auferstandene Jesus Christus Im Gerichtssaal eines Sondergerichts

 

Gottes Wege mit seinen Kindern Und der Weg mit einem abgewichenem Volk

 

„Und ich ging in das Haus des Töpfers hinab und siehe, er machte gerade eine Arbeit auf der Scheibe. Das Gefäß, welches er aus Ton machte, mißriet ihm unter den Händen. Da machte er ein anderes Gefäß daraus, wie es ihm richtig gefiel". Da hörte ich den Herrn zu. mir reden und er sprach also: „Kann ich mit euch nicht tun wie dieser Töpfer, ihr vom Hause Israel?, spricht der Herr. Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand, also seid auch ihr in meiner Hand, ihr vom Hause Israel.

 

Plötzlich rede ich wider ein Volk oder ein Königreich, daß ich es ausrotten, zerbrechen und zerstören will.  Wo es sich aber abkehrt von seiner Bosheit, dawider rede, so soll mich auch das reuen, was ich ihm an Unglück zu tun gedachte. Und plötzlich rede ich von einem Volk oder einen Königreich, daß ich es bauen und pflanzen will. Wenn es aber Böses tut vor meinen Augen und nicht auf meine Stimme hört und ihr gehorcht, dann soll mich auch das reuen, was ich ihm an Gutem zu tun verheißen hatte.

 

So sprich nun zu denen in Juda und zu den Bürgern von Jerusalem, so spricht der Herr: Siehe, ich habe mir vorgenommen gegen tun, Ich bereite euch ein Unglück zu. Darum kehret doch um, ein jeder auf seinem bösen Weg und bessert euer Wesen und ganzes Tun. Aber sie sprechen: Daraus wird nichts! Wir wollen nach unseren Gedanken wandeln und ein jeglicher will nach Gutdünken seines bösen Herzens handeln." Jeremia 18, Verse 3-11 Plötzlich rede ich wider ein Volk, und man kann dies ergänzen, wider eine einzelne Person, daß ich es ausrotten, zerbrechen und zerstören will. Und dieses Reden Gottes kommt eigentlich gar nicht so plötzlich wie es da zu lesen ist.

 

Die Bosheit ist da, sie vermehrt sich, und in diesen Vermehrungsprozeß hinein, an einer ganz bestimmten Stelle des Verböserungsprozesses, da redet der Herr zu Seiner Stunde ganz plötzlich und sehr massiv. Hat nun der Herr vorher überhaupt nicht geredet? 0 doch. Er läßt immer und zu jeder Stunde darüber reden, das Gute zu tun und das Böse zu lassen. Gottes Wort die heilige Schrift, gibt die Anweisung hierzu; und der heilige Geist erhellt und vertieft zur Zeit oder Unzeit dieses göttliche Wort. Und wo all die Ermahnungen zum Guten hin nichts fruchten und die Bosheit sich wider alles Reden und Wirken sich mehrt und mehrt, da redet der Herr plötzlich, daß Er ausrotten, zerbrechen und zerstören will.

 

Und dieses Sein Reden, obwohl es gewaltig und letzten Endes, wenn nicht darauf gehört worden ist, nicht zu übersehen ist, man müßte meinen, daß es weithin verstanden wird als göttliche Sprache. Als vor geraumer Zeit Jünger Jesu freudig Gott lobten mit lauter Stimme in aller Öffentlichkeit, ob all der Taten, die Gott durch Jesus gewirkt, und die sie gesehen und die sie  miterlebt hatten, da wollte eine bestimmte Gruppe das unterbinden und sprach: „Meister, weise Deine Jünger zurecht". Und Er, Jesus, antwortete und sprach: „Ich sage euch, wenn diese schweigen (müssen, oder dazu verurteilt sind), so werden die Steine schreien“!

 

Der Herr redet durch die Zulassung des Krieges. Welche Züchtigung, welch ein Unglück dies ist, welche Schläge es einem Einzelnen, einem Volke einbringt, das hat sich vor vieler Augen und Ohren unseres deutschen Volkes ereignet. Für die, die es eigens nicht miterlebt haben, sind die Folgen des Redens Gottes ein zum Nachdenken sehr geeignetes Anschauungsmaterial. Es wird da und dort der Versuch gemacht, die Folgen des Redens Gottes mit eigenem Denken und Handeln beseitigen zu wollen. Es ist nun aber so, daß sich Gott nicht auf menschliches Gutdünken einläßt, sondern der Weg der Zwiesprache mit Gott ist in diesem Falle die Abkehr vom Bösen, die Besserung des Wesens und Tuns; ist die Umkehr und Heimkehr zu Gott, der das Licht des Lebens, das Brot des Lebens, der gute Hirte, die Auferstehung von den Toten, das Leben ist.

Und da redet Er auch plötzlich von einem Volk, daß Er es bauen und pflanzen will. Das Bauen und Pflanzen eines Volkes, eines Einzelnen, hängt daher ganz von Ihm ab und auch von der Bereitschaft, die man Ihm entgegenbringt und für Ihn mitbringt. Die Alten, sie wußten es noch ganz deutlich: „An Gottes Segen ist alles gelegen". Sie wußten auch noch das Wort richtig und gewichtig einzuschätzen: „Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten u m s o n s t , die daran bauen. Wo der Herr nicht die Stadt behütet, da wacht der Wächter u m s o n s t .“ Psalm 127, 1 Und die den Herrn bauen und pflanzen und wachen lassen, bei denen hat es sich herausgestellt, daß es die Klügeren sind. 

Beharrlichkeit im Bösen, Wandel in eigenen Gedanken, Handeln nach Gutdünken eines bösen Herzens, das vermag ein vom Herrn beschlossenes Unglück - in welcher Form es auch sein mag - nur in seiner Härte steigern, aber es niemals abwenden. Und das menschliche Herz, es ist ja böse von Jugend auf. Sämtliche Versuche, dieses böse und arge Herz mit anderen als göttlichen Hilfsmitteln ohne Jesus Christus zu erneuern und zu bessern, müssen von vornherein zum Scheitern verurteilt sein und von Erfolgslosigkeiten gekrönt werden. „Welcher ist unter euch Menschen, so ihm sein Sohn um ein Brot bittet, ihm einen Stein gäbe? oder, wenn er um einen Fisch bittet, ihm eine Schlange gäbe? Wenn nun ihr, die ihr doch (schlimm, böse, schlecht, auch als Hindeutung auf den Argen) arg seid, könnt euren Kindern diese gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater IM Himmel denen Gutes geben, die Ihn darum bitten"! Matth. 7, Verse 9-11

 

Wo man ohne den Herrn bauen und pflanzen will, da wird es eines Tages deutlich, daß alle Anstrengungen und scheinbaren Erfolge, daß alles umsonst gewesen ist. Wo man ohne den Herrn behüten will, da ist eines Tages oder in der Nacht vielleicht mit Schrecken festzustellen, daß auch der Wächter umsonst gewacht hat. Das hat sich immer und immer wieder wiederholt und deutlich bemerkbar gemacht. Und doch immer und immer wieder bauen und pflanzen und wachen ohne den Herrn. Und heute? Nach teilweiser Überwindung des Unglücks, des Zerbrechens und Zerstörens, nimmt man mehr und mehr Zuflucht zu eigenem Denken, zu eigenem Handeln, eigenem Streben, stützt sich auf eigene Tüchtigkeit und dergleichen mehr. Man braucht den Herrn nicht mehr so ganz, und das auch immer weniger. Wo mag das wohl hinführen? Doch nur dahin, daß alles Tun wieder und neu umsonst sein muß.

   

Bei dem Versuch, das Unglück durch den Herrn, das Zerbrechen und das Zerstören des Herrn, mit selbsterdachten und selbstzurechtgemachten Mitteln und mit Hilfe bei da und dort zu beseitigen, muß auch umsonst sein. Denn nur bei Gott dem Herrn und bei Seinem Wort ist die Hilfe, ist Gelingen und Vollbringen; nur bei Ihm und durch Ihn werden Hindernisse beseitigt und wird ein Neues geschaffen. Und Er allein ist es auch, von dem geschrieben steht, daß Er die Herzen lenken kann wie die Wasserbäche. 
  
Wann wird man es wohl lernen wollen, das Gute des Vaters im Himmel zu erbitten? „Israel, du bringst dich in Unglück; denn dein Heil steht allein bei mir. Hos. 13, 9. Mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich hie und da ausgehauene Brunnen, die doch löcherig sind und kein Wasser geben." Jer. 2 13. 

 

Die Evakuierung

Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist die Stadt P. zur Frontstadt geworden. Das im Schatten der Maginotlinie, im Schußbereich dieser Festungslinie liegende P., hatte ab dem Frühjahr 1937 den Bau des Westwalles miterlebt. Bis an die ersten Häuser der Stadt sind damals die Bunker gebaut worden und erstanden. Die Stadt P. lag nach gewissen Plänen in der sogenannten „Roten Zone", in einem so bezeichneten Kampfgebiet. Dieses Gebiet mußte deshalb bei Kriegsausbruch von der Zivilbevölkerung geräumt werden. Vor Kriegsausbruch waren sogenannte Rückführungsscheine ausgegeben worden. Sie hatten den Zweck, eine geordnete Räumung und Unterbringung der Haus und Hof zu verlassenden Menschen zu ermöglichen. Am 1. September 1939 ist bekanntlich der Zweite Weltkrieg ausgebrochen. Und schon am 2. und 3. September Wurde die Bevölkerung von der Räumung der Stadt verständigt und gleichzeitig wurde auch mit der Räumung begonnen. Die Einwohner wurden zu Sammelplätzen befohlen. Der größte Teil der Bevölkerung der Stadt P. sollte nach den Plänen der Behörden in den Raum Franken und in das Stuttgarter Gebiet gebracht werden. Zur Mitnahme war nur eine geringe Habe erlaubt; alles andere mußte zurückgelassen werden.

 

Mit uns - meinem Mann und meinem Kind - wohnte auch eine Familie in einer gemeinsamen Wohnung. Es war eine Glaubensschwester mit ihrer Familie. Die Schwester hatte mir wegen meiner Krankheit im Haushalt geholfen. ihr Mann war sechs Tage zuvor zur Wehrmacht einberufen worden. Das sechsjährige Kind von ihr teilte unser Leben. Da war noch eine Glaubens die in Pirmasens arbeitete, ihre Wohnung und Möbel aber noch in Frankfurt am Main hatte. Auch ein 100prozentiger Kriegsinvalide aus dem Ersten Weltkrieg, ein Glaubensbruder, hatte durch die Liebe Aufnahme und Pflege bei uns gefunden.

 

Die eine Schwester mit der Frankfurter Wohnung reiste mit dem Kriegsinvaliden bereits am 1. September nach Frankfurt/Main. Sie hatten den besonderen Auftrag ihre dortige Wohnung für uns in Ordnung zu bringen und herzurichten. Am Tage der Räumung mußten wir in der Nähe unserer Wohnung mit unseren Bündeln auf einen Lastkraftwagen steigen. Zwei weitere Familien aus dem Hause stiegen ebenfalls mit auf diesen Lastkraftwagen. Zunächst ging es in Richtung Hochspeyer. In Hochspeyer haben wir uns von dem Transport gelöst und sind auf Weisung des Herrn mit einem Autobus nach Bad Dürkheim weitergefahren. Dort haben wir bei Glaubensgeschwistern eine Zeit unter dem Wort verbracht und sind dann am 4. September nach Frankfurt/Main weitergereist.

 

Im Omnibus von Hochspeyer nach Bad Dürkheim hatten wir folgendes Erlebnis.

 

Als wir in den Omnibus einstiegen, saßen darin schon mehrere katholische Schwestern; und mehrere junge Mädchen stiegen noch zu. Diese Mädchen waren in eifrigem Gespräch und führten begeisterte Reden. Die katholischen Schwestern waren darüber sehr bedrückt. Als die jungen Mädchen nun von Adolf Hitler erzählten und sich in ihrer Begeisterung gegenseitig darin steigerten, fragte doch eines der Mädchen: „Habt ihr unserem Führer schon einmal in die Augen geschaut? Wenn man ihm einmal in die Augen geschaut hat, kann man ihn nicht mehr vergessen." Sie hatten ihn sozusagen vergöttert. Nun wurde ganz deutlich in mir, daß ich mit den Mädchen reden solle. Die Mädchen, die hinter mir saßen, und deren Unterredung ich ja mitanhören konnte, fragte ich dann:

 

„Kennt ihr eigentlich den Heiland, Jesus Christus?"

 

Da antworteten einige und das sehr geringschätzig: „Ja". Nun sagte ich zu ihnen: „Adolf Hitler, unser Führer, ist ein Mensch, nur ein Mensch, wenn er auch jetzt der Führer des deutschen Volkes ist. Jesus Christus aber, ist unser Heiland und Erlöser, Er ist Gott von Ewigkeit. Und wer an Ihn glaubt, der ist gerettet und hat das ewige Leben. Und was meint ihr, wenn ihr einmal in Seine Augen sehen dürftet, da würdet ihr Ihn bestimmt nie mehr vergessen." Da meinten diese Mädchen: „Das gibt es doch gar nicht.“ Etliche sagten: „Der ist ja gestorben am Kreuz und lebt nicht mehr." Dazu entgegnete ich ihnen: „Ja, gestorben am Kreuz für aller Sünden und Schuld. Er ist aber am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten. Die Heilige Schrift, das Wort Gottes, beweist es ganz deutlich, daß Jesus Christus auferstanden ist, daß Er den Tod, die ganze Dämonie und die ganze Finsternismacht besiegt hat. Er ist der Lebendige und deshalb durfte Ihn auch das Grab nicht behalten."

 

Sie wollten nun wissen, woher ich das so genau wissen wolle, daß man Ihm auch in die Augen sehen kann. Und da bezeugte ich ihnen, wie Er als der herrlich Auferstandene sich auch mir geoffenbart hat in allerschwersten Stunden meines Lebens. Ich durfte ihnen sagen, daß ich in Seine wunderbaren Augen voller Güte und Liebe habe schauen dürfen. ja, ich durfte ihnen bezeugen: „Wenn ihr einmal in Seine Augen schauen dürftet und Seine Liebe erkennen könntet, dann würdet ihr anders reden und Ihn nie mehr vergessen können." Dieses Zeugnis haben auch die katholischen Schwestern mitangehört. Sie neigten sich mir mit zunickenden und strahlenden Gesichtern zu. Und sie dankten mir auch, daß ich mit den Mädchen so deutlich gesprochen habe. Die jungen Mädchen wurden darüber dann ganz still und nachdenklich, sie waren in sich gekehrt. Man sah und merkte ihnen an, daß sie über das Zeugnis nachdachten. Etliche unter ihnen haben mir dann auch für das Gesagte gedankt.

 

Mir taten doch die Mädchen in der Seele leid und ich hatte großes Mitleid mit ihnen. Sah ich doch in und aus ihrem Gespräch ihre ganz große innere Gefahr und eigentliche Not. Am Ende des Zeugnisses waren wir dann auch in Bad Dürkheim angekommen. Freundlich und in rechter Liebe haben wir uns von den Mädchen und den Schwestern verabschiedet. Ob wohl von den beteiligten Mädchen aus den gemachten Erfahrungen gelernt und sich an den Herrn Jesus erinnert haben und sich von Ihm haben finden lassen? Montags, als wir von Ludwigshafen nach Frankfurt/Main weitergereist sind, mußten wir in Friedrichsfeld bei Mannheim umsteigen. Auch da durfte ich den sorgenden und herrlich auferstandenen Herrn ganz groß und so freundlich erfahren.

 

Wegen meinen körperlichen Leiden war mir das Reisen eine gewisse Beschwerde. Zur Erleichterung habe ich des wegen damals gerne die gepolsterte 2 Klasse der Bahn benutzt. Von Friedrichsfeld aus sollten wir in den Schnellzug nach Frankfurt einsteigen. In der damaligen Zeit war die Benutzung der Züge außerordentlich stark und eine Überfüllung war nichts seltenes. Die Frage und das Bangen nach einem Sitzplatz für mich war daher sehr berechtigt und war gerade für mich eine gewisse Not.

 

Auf dem Bahnsteig standen dichtgedrängt die Menschen. Sie wollten doch alle mitfahren. Auch sie waren unterwegs und wollten an ihren Ort.

 

Diese Menge von Menschen ließ mich nun meine Sorge um einen Sitzplatz zum Gebet werden. Im Herzen betete ich zu meinem Heiland und sagte Ihm: „Lieber Heiland, Du weißt, daß ich nicht stehen kann und einen Sitzplatz brauche. Du kannst es doch machen, daß der Zug so hält und eine Wagentür zur 2. Klasse bei mir zu stehen kommt. Du weißt ja um meine Not und weißt auch, was ich brauche. Und ich weiß, daß Du helfen kannst." Durch meine Leiden und all den gemachten Erfahrungen in den früheren Führungen, habe ich gelernt alle meine Anliegen und Sorgen meinem Heiland zu sagen. Es ist mir geradezu zur Gewohnheit geworden, mit allem, was mich beschwert, zu meinem Vater zu gehen, gleich einem Kind. Hat mich doch mein damaliger Unfall in die Arme meines Heilandes und zu Jesus gebracht. Im Glauben und Vertrauen habe ich mich immer und jederzeit an Ihn gewandt und bin darin nie enttäuscht worden.

 

Da fuhr der Schnellzug mit hoher Geschwindigkeit in den Bahnhof ein. Bei dieser Geschwindigkeit sah es so aus, als ob der Zug gar nicht halten und an uns vorübersausen wallte. Neben mir sagten sie: 0, mit diesem Zug kommen wir nicht mit". Das war erst recht ein Grund, Glauben zu halten und Vertrauen zu bewahren. In meinem Herzen sagte ich zu meinem Heiland: „Du bist auch ein Herr über diesen D-Zug. Ich vertraue Dir". Und als ich das im Herzen kaum ausgesprochen hatte, hielt der Zug mit schrill aufkreischenden Bremsen. Er hielt, und er hielt so, daß die Tür des Waggons 2. Klasse genau vor mir zu stehen kam. Es brauchte nur geöffnet zu werden und ich konnte einsteigen mit Hilfe meiner Lieben. Und was fanden wir auch noch gleich vor? Ein leeres Abteil dieser 2. Klasse. Auch da durfte ich erfahren, wie der treue Heiland auf das Rufen seines Kindes antwortet, das ihm vertraut; ja. wie Er doch der herrliche Auferstandene ist und wirklich lebt.

 

Diese aus der Not des Herzens und in der Tat so hilfreich gemachten Erfahrungen sind nicht zu vergessen. Es versteht sich, daß wir von ganzem Herzen gedankt haben und ein Loblied nach dem anderen nach Frankfurt/Main angestimmt und von Herzen gesungen haben.

 

 

Wie Kinder Gottes zusammengeführt werden und wie der Herr die Wege führt und alles lenkt.

 

Durch meinen Sturz in der Silvesternacht 1929/1930 sind verschiedene Leiden aufgetreten, die einer erneuten Behandlung warteten. Durch den Sturz war besonders das Rückgrat in Mitleidenschaft gezogen worden. Wegen eingeklemmten Nervensträngen sind sehr starke Schmerzen aufgetreten und es haben sich auch Lähmungserscheinungen gezeigt. Im Jahre 1933 hat mir der Herr den Auftrag gegeben, nach Bad Münster am Stein zur Kur zu gehen. Er sagte mir, daß ich bei der Kur etwas Linderung erfahren dürfte, nicht aber die ersehnte Heilung finden würde. Ich würde aber dort Seelen finden, die Ihn um Hilfe gebeten hätten und denen Er begegnen wolle.

 

Diese Kur mußte aus eigenen Mitteln bestritten werden. Die Mittel waren aber, als der Herr mir den Auftrag gegeben hatte, noch nicht da. Außer dem Arbeitseinkommen meines Mannes hatten wir kein anderes Einkommen, Vermögen war auch nicht vorhanden. Und das Arbeitseinkommen war zu der Zeit sehr gering. Durch mancherlei Führungen auch da gestärkt, wußten wir, daß Er auch diesen Weg ebnen und herrlich hinausführen wird. Wir durften auch die Sorge um die Mittel für die Kur Ihm im Glauben und Vertrauen hinlegen. Meinem Manne wurde aus einer Pflichtversicherung ohne sein Zutun ein größerer Betrag ausbezahlt. Mit diesem Geld konnte nun diese Kur bezahlt und der Weg des Herrn gegangen werden.

 

Im Kurheim in Bad Münster am Stein lernte ich eine eine Schwester kennen. Sie kam aus Kaiserslautern und wohnte dort mit ihrem Mann und Kind zusammen. Sie war vier Jahre jünger als ich, doch sehr, sehr krank. Sie hatte Unterleibs- und Darmkrebs. Eine Operation war schon durchgeführt worden, aber es wucherte weiter. Sie war nach dort gekommen um Heilung und Besserung zu suchen. Von ihr mußte ich hören, daß sie seit etwa fünf Jahren nur Haferschleim mit Wasser gekocht zu sich nehmen kann; und auch das bliebe nicht mehr bei ihr. Sie war sehr schwach, und wie man so sagt, auf Haut und Knochen abgemagert. Von den Patienten im Kurheim waren sie und ich die, die ohne fremde Hilfe nicht weit gehen konnten. Wir wurden deshalb in den Hof an die frische Luft und in Liegestühle verfrachtet. In dieser Ruhezeit war mir sehr viel Gelegenheit gegeben, vom Heiland zu erzählen. In inniger Liebe durfte ich der Schwester sagen, wie Er mich in meiner Krankheit und meinen Leiden trägt, und wie Er an mir auch schon Großes getan hat.

 

Unter den Zeugnissen für den auferstandenen Herrn vergingen die Wochen. Der Schwester Zeit war um und sie wurde, ohne Besserung erfahren zu haben, zu ihren Eltern nach F.-B. gebracht. Das Zeugnis vom Wort war nicht ohne Wirkung geblieben. Der ausgestreute Same des Wortes ist aufgegangen. Der heilige Geist hat es in ihrem Leben bestätigt und zum Leben gebracht. Ich hatte sie auch eingeladen, zu uns zu kommen. Der Herr hatte mir dazu den Auftrag gegeben. Dieser Einladung ist sie dann auch alsbald gefolgt. In unseren gemeinsamen Gebetsstunden, Andacht und Betrachtung des Wortes Gottes, sagte mir der treue Herr in meinem Herzen:

 

„Lege Deiner kranken Schwester H. in Meinem Namen die Hände auf und bete über sie". Ich tat, wie ich geheißen wurde. Meine Schwester ist nach dem Gebet und der Handauflegung gesund geworden. Sie lebt heute noch und ist ein Zeugnis Seiner unbeschreiblichen Gnade. Diese auch heute noch so gefürchtete Krankheit ist nicht mehr wiedergekehrt. Von der Zeit der Heilung ab konnte sie auch die schwersten Speisen zu sich nehmen, ohne dabei Beschwerden zu haben. Ja, sie darf den auferstandenen Herrn auch heute noch loben, obwohl die Ärzte, gemessen an der Schwere der Krankheit, ihr das Leben zu dieser Zeit nur noch kurz befristet hatten. Auch heute noch, nach 35 Jahren, darf sie die Gemeinschaft des Gebets und der Wortbetrachtung mit uns teilen.

 

Durch dieses große Wunder, das der Herr an ihr getan hat, sind ihre lieben Eltern, ihr ältester Bruder mit seiner Frau zum Glauben an den Herrn Jesus Christus gekommen. Auch in ihrem Geburtsort - dem Wohnort der Eltern - sind noch mehrere zum Glauben gekommen, im Glauben gestärkt worden und haben dem Herrn für Seine gnädigliche Hilfe gedankt. Auch in ihrem Wohnort in K. hat die Schwester Zeugnis von ihrer Heilung gegeben. Verschiedene Seelen wurde: angesprochen und kamen zum Glauben. Etliche unter ihnen sind schon heimgegangen, und etliche, die auch den Weg zum Herrn gefunden haben, kommen noch heute unter das Wort und in die Gebetsgemeinschaft.

 

Wie der Herr das Verlorene sucht.

 

Der Bruder der vom Krebs geheilten Schwester war den Lehren der sich widersprechenden Philosophie beigetreten; er war besonders von den düsteren Lehren eines Nietzsche umstrickt. Er war zu der Zeit sogar mit Vorbereitungen beschäftigt, in einer Scheune sich mit seinem Blut dem Teufel zu verschreiben. Er gehörte außerdem noch einer Loge an. In dieses zum anderen Tode führende Leben hat der treue Heiland durch das Wunder an seiner Schwester hineingegriffen. Und er hat sich ergreifen lassen und hat diesem ungöttlichen Leben, dem alten Leben, abgesagt und ein neues im Namen Jesu begonnen. Sein Sterben im Krankenhaus in Frankfurt/Main war ein offener Brief und Zeugnis seines gewandelten Lebens. Im Sterben waren ihm die Augen geöffnet für die Herrlichkeit Gottes. Er durfte seiner Umwelt bezeugen, daß Ihn sein Heiland und Erlöser abholte; er durfte Ihn sehen. Als glückliches, erlöstes Gotteskind durfte er heimgehen.

 

Im Jahre 1936 an einem Sonntag bekam ich vom Herrn den Auftrag, einen Geistesbruder in B. zu besuchen. Der Herr sagte zu mir, daß Er mich gebrauchen wolle, um mit dem Bruder in besonderer Weise zu reden. Es war in der Zeit, in der die ersten Erntevorbereitungen im Gange waren. Wir machten uns an demselben Tage noch auf und fuhren mit dem Zug nach B. in Württemberg. Mehrere Tage waren mein Mann und ich bei dem lieben Bruder und seiner Familie zu Besuch. Dem Bruder waren göttliche Dinge anvertraut, über die der Herr Sein Auge hatte und Ihm etwas mißfiel. Der treue Heiland redete darüber mit ihm durch mich. Er sagte zu ihm, daß er sich in dem ihm anvertrauten Pfunden treu bewähren soll. Die Sache, die ihm anvertraut sei, solle er treu verwalten. Wenn er dies nicht tun dann, müßte Er ihn empfindlich strafen. Er gab ihm über die rechten Unterweisungen. Auch solle er das ihm anvertraute Pfund nicht zu einem Gewerbe machen, sondern die Sache zu Seiner Ehre und Seines Namens Verherrlichung tun. Bei der Verbreitung Seines Wortes solle nicht die Gewinnabsicht im Vordergrunde stehen; wenn es not ist, soll das Wort auch unentgeltlich verbreitet werden. Der liebe Bruder ließ sich unterweisen.

 

Auf der Rückfahrt fuhren wir über Frankfurt/Main zu Geschwistern dort, um auch ihnen zu dienen und Gemeinschaft zu haben. In Frankfurt gab mir der Herr dann den Auftrag, nach F.-B. zu fahren und den dortigen Geschwistern zu dienen; ich war dort schon länger eingeladen. In der Nachbarschaft wohnte ein Mann, er war damals etwa dreißig Jahre alt. Dieser war ein gefährlich Besessener. Mit der Axt und dem Messer ging er den Leuten nach, wenn er getrieben wurde. Es war eine große Not für den Ort. Die Leute fürchteten sich sehr vor ihm. Die Geschwister wußten, daß der Herr mächtig helfen kann. Sie hatten es ja durch die Gnade der Heilung an der Schwester aus ihrer Mitte, die in Bad Münster vergeblich Heilung von ihrem Krebsleiden suchte, erfahren. Viele unter ihnen waren ja dadurch gläubig an den Herrn geworden.

 

Die Geschwister baten mich nun, doch für den Besessenen zu beten; denn alles fürchtete sich ja vor ihm. Und am Abend zu der Versammlung bei den Eltern der geheilten Schwester wurde der Besessene von seiner Mutter hergebracht. Vom lieben Heiland ließ ich mir ein ganzes Herz voller Liebe schenken für ihn. Auch habe ich den Herrn um gnädige Bewahrung und Behütung in meinem Herzen gebeten. Als er nun mit seiner Mutter kam, hatte er die Axt in seiner Hand. Und als ich auf ihn zuging, um ihn zu begrüßen, blieb er stehen und sah mich ganz groß und prüfend an. Er ließ dann die Axt fallen und rief mir zu: „Hier kommt mir die Liebe Christi entgegen". Ich hing mich dann in seinem Arm ein und führte ihn in den Versammlungsraum. Dort frug ich ihn dann um seine Not, betete dann innerlich fest in der Kraft des Geistes. Er sagte mir dann sein Leid, meinte, all das käme daher, weil er die Sünde wider den heiligen Geist getan hätte. Als er noch sehr jung war, hätte er Kinder Gottes und Geistesgaben bespöttelt und seinen Vater, der in diese Stunden ging, kritisiert und übles geredet: er sei sehr böse gewesen. Seitdem hätte er keine Ruhe gefunden; ihm könnte nicht mehr geholfen werden.

 

Darauf frug ich ihn dann: „Lieber Heinrich, hast Du Angst, verloren zu gehen und Angst, verloren zu sein?" Er erwiderte mir: „Ja, ich habe große Angst und werde von Angst umhergetrieben. Und seitdem neige ich auch zu den Gewalttätigkeiten und muß mit der Axt und dem Messer umhergehen. Ich werde in solcher Unruhe getrieben, wie ich es nicht schildern kann". Dann frug ich ihn: „Willst Du, daß Dir geholfen wird?" Mit einem verzerrten, verzweifelten Ausdruck im Gesicht antwortete er mir: „Mir kann niemand helfen; ich bin ein böser Mensch geworden". „Doch, Dir kann noch geholfen werden", sagte ich zu ihm. „Du hast nicht die Sünde wider den heiligen Geist getan. Wer noch Angst hat, verloren zu gehen, und ist darin unglücklich, der hat diese Sünde nicht getan", das durfte ich ihm in großer Liebe sagen. Er wollte dies nicht glauben.

 

Dann bezeugte ich ihm die Liebe Jesu, bezeugte ihm, daß der Gekreuzigte und Auferstandene auch für ihn ein Heiland sei und alle seine Schuld und Sünde durch Sein Blut getilgt und bezahlt habe. Wir knieten dann mit ihm nieder und beteten in der Vollmacht des heiligen Geistes. Da brach ein Kampf aus zwischen Licht und Finsternis. Die Macht der Finsternis und der Dämonie wehrte sich sehr, ihr Opfer frei zu geben. Es war ein sehr heißer Kampf. Ich bat ihn, mit mir den Namen Jesus auszusprechen und den Namen Jesus anzurufen. Es währte sehr lange, bis der Kampf beendet war. Abends um 8 Uhr gingen wir in die Stunde und morgens um halb 4 Uhr kamen die Worte aus seinem Munde und über seine Zunge: ,O Jesus.' Und dann konnte er auch das andere sagen: „Das Blut Jesu Christi wäscht mich rein. Ich glaube es und halte mich daran".

 

Zu dieser Zeit mußten die Dämonen weichen und ihr Opfer freigeben. Es war ein stundenlanger, heißer, heißer Kampf. Im Geiste habe ich die dicken Ketten der Finsternis, mit der sie ihr Opfer gebunden hatten, rasseln gehört. Die Dämonen mußten mit ihren Ketten weichen. Der Bruder war frei und gelöst aus den Banden der Dämonie und der Macht der Finsternis durch die Kraft Christi, der unsere Gebete erhört hat. Das Licht ist in den Bruder eingeströmt und eine lebendige Hoffnung hat ihn erfüllt; so auch die Kraft, glauben zu können. Diese vom Herrn geschenkte Hilfe bezeugte er mit frohem Herzen. Er wurde sogar noch Soldat und hat den Feldzug in Rußland mitgemacht. Ein dankbares Gotteskind ist er geworden. In tätiger Liebe suchte er seine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Er ist dann noch Kirchendiener geworden und übt diesen Dienst noch bis zum heutigen Tag aus.

 

Ja, es war ein herrliches Eingreifen des. Herrn, das Er auch an diesem Bruder gezeigt und bewiesen hat. Durften wir doch bei diesem Geschehen die Herrlichkeit Jesu Christi sehen, die Herrlichkeit des auferstandenen erfahren, die sich uns in dieser Verwandlung und Freimachung des lieben Bruders offenbarte. Wir durften hier in der Tat erfahren, daß Jesus Christus wirklich der Sieger ist und daß Er ein Herr ist, allgewaltig und allmächtig über den Teufel und Widersacher, über die Macht der Finsternis und Dämonie. Wir durften auch erfahren, daß Golgatha ein Ort des Sieges mit alles durchdringender Kraft und Gnade ist. O wie froh war der freigewordene Bruder und wir mit ihm alle. Wie hat er mit uns eingestimmt in die Lob- und Danklieder, und wie hat er selbst für das vom Herrn Geschehene gedankt. Ja wie groß und herrlich ist unser Heiland. Ihm und dem lieben himmlischen Vater sei allein Lob und Preis und Dank in Ewigkeit. Halleluja. Amen.

 

Er, unser Herr ist groß und erhaben und kann noch größere Dinge tun. Denn Ihm ist gegeben alle Gewalt über alles, was im Himmel und auf Erden und unter der Erde ist. Sein Name sei allein hochgelobt in alle Ewigkeit. Amen. Mancher wird sich fragen, warum die Gebundenheit nicht in einem Augenblick gelöst worden ist oder werden konnte. Der Herr hat auch hier Seine Absichten. Ein Grund ist wohl der, um dem Gebundenen die tiefen Einflüsse der Finsternismacht in seiner vollen Auswirkung ganz deutlich erleben zu lassen, damit die Freiheit durch Jesus Christus desto deutlicher wird. Es ist dies ein ganz bestimmtes Hilfsmittel für das Wachstum des neuen Lebens in dem Gnadenstand. Es soll auch der Gemeinde ganz deutlich gemacht werden, wie wichtig es ist, in Christo zu bleiben, der Macht der Finsternis keinerlei Einfluß einzuräumen. Gebunden ist man leichter als freigeworden. Und der Herr hilft nicht immer gleich und zu jeder Stunde!

 

Sie haben die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt

 

Gotteskinder, die in Möttlingen durch Vater Stanger den Herrn erlebt hatten, lebten in unserer Nähe. Diese Eltern hatten eine schwerkranke Tochter, die vom nahenden Tod gezeichnet war. Von einer Schwester, die zu uns in die Andachts- und Gebetsstunden kam, hatten sie gehört, daß sich der Herr unter uns so oft verherrlicht hat. Zu den Bekannten dieser Geschwister gehörte auch eine Adventistin. Auch sie hatte von mir gehört und bei ihren Besuchen immer vor mir gewarnt, daß ich eine Spiritistin sei; ich, die ich den Spiritismus bekämpfe bis aufs Blut. Nun für die, die den Lebendigen, den lebenden Herrn tot sein lassen müssen und Ihn nicht reden lassen dürfen, für diese muß die Wirkung des lebendigen Geistes Gottes immer und in jeder Form Spiritismus sein.

 

Die kranke Tochter war auch ein Gotteskind.

 

Durch das Gerede der Adventistin wurden die Eltern hin- und hergerissen ob der Frage, was denn nun Wirklichkeit sei. Der Vater kam dann dennoch zu mir und hat mich gebeten, doch zu seiner Tochter zu kommen, um mit ihr zu beten; sie sei doch ihr einziges Kind. Die Tochter litt an Krebs und Wassersucht. Sie hatte einen unmäßig aufgetriebenen Bauch, in dem es nur so rumorte. Nach dem Urteil des Arztes soll ihre Lebenszeit auf Erden in ganz naher Zeit vorüber sein.

 

Nach acht Tagen etwa bekam ich vom Herrn den Auftrag:

 

Mein Kind, stehe auf und laß Dich ankleiden. Dein Mann und Deine Schwester sollen Dich zwischen sich nehmen und Dich hinaufführen zu der Kranken. Ich will Dich dabei stärken und Mich durch Dich verherrlichen. Aber erschrecke nicht, mein Kind. Du wirst etwas zu sehen bekommen, das Dich erschüttert. Ekle Dich auch nicht vor dem Geruch, den Du dort vorfinden wirst. Ich bin mit Dir." Als wir das Krankenzimmer betraten, sagte die Tochter zu ihren Eltern:  Siehst Du, Vater, siehst Du, Mutter, jetzt kommt die Hilfe; ich habe es Euch ja gesagt. Heute früh hat der Heiland zu mir gesagt: Heute wird Deinem Hause Heil widerfahren! Seht, jetzt bringt Er die Schwester, durch die Er mir helfen will." Und als ich nun das Schlafzimmer betrat und die Kranke sah und den Geruch wahrnahm, mußte ich mich fest an den Herrn und Sein Wort halten, um dem aufkommenden Ekel zu begegnen.

 

Dann sagte der Herr zu mir: „Setze Dich zu ihr aufs Bett und lege ihr in Meinem Namen die Hände auf den Leib und bete, wie Du es immer tust." In Jesu Namen habe ich über ihr gebetet. Während der Handauflegung ging der Leib zusammen, wie wenn aus einem Luftballon die Luft entweicht oder herausgelassen wird. Das Rumoren im Leibe hörte augenblicklich auf. Wir dankten, lobten und priesen den Herrn, den uns so nahen Herrn, für dieses gewaltige Geschehen vor unseren Augen und gaben ihm die Ehre für Seine eindrucksvolle Hilfe.

 

Unter dem Lob verklärte sich das Antlitz der Schwester und sie rief aus: „Ich bin gesund, ich kann aufstehen!" Sie stand dann hernach auf und ging, nachdem sie ja lange nichts mehr essen konnte, sich selbst ein Essen bereiten. Der Kranken wurden vorher ärztliche Bemühungen zuteil. Sie wurde operiert, der Leib geöffnet. Die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen. Die Leiden waren soweit fortgeschritten, daß jegliche ärztliche Hilfe zu spät kam und irgendeine Hilfe nicht mehr möglich war. Wie schon erwähnt, sollte ihre Lebenszeit alsbald vorüber sein. Bei unserem treuen Herrn und Heiland ist nichts unmöglich. Er half; ja, Er half so, daß die Kranke aufstehen und sich selbst ein Essen bereiten konnte. Das Glück der Eltern für des Herrn Hilfe war groß. Drei Tage später wurde ich zu einer anderen Schwester gerufen. Mein Weg führte an dem Haus der geheilten Schwester vorbei. Und ich wollte nicht vorbeigehen, ohne zu ihr hineingesehen zu haben. Mit Hilfe meiner Lieben ging ich dann zu ihr hinauf. Da saß sie im Wohnzimmer vor einer Schüssel Salat, Reis und Hähnchen. Ich hörte die Mutter und den Vater sagen: „R., eß doch."

 

Sie antwortete niedergeschlagen: „Ich kann nichts essen, ich bringe habe keinen Appetit." Auf dem Sofa ließ ich mich dann nieder und frug alle: „Sagt mir einmal, was ist denn da geschehen? Da ist doch irgendetwas vorgefallen, weil dieser Rückfall eingetreten ist. Was ist da vorgefallen?" Ja, da war die Adventistin wieder zu Besuch da und hat der R. zugesetzt und sie irre gemacht. Die ganze Geschichte mit der Heilung, das wäre doch vom Teufel und es wäre größte Vorsicht geboten. R. konnte ihr nicht so widerstehen und es kamen in ihr Zweifel auf.

 

Als ich dann mit ihr über den Herrn und die wunderbare Führung durch Ihn zu ihr geredet habe, tat sie Buße und beugte sich tief in den Staub vor den Herrn. Dann konnte ich wieder innig mit ihr beten und sie dem Heiland bringen und hinlegen. Da fiel all ihre Schwere und all der Zweifel von ihr ab. Ja, und dann war auch der Appetit wieder da und sie konnte wieder essen und wieder fröhlich sein. Sie nahm an Gewicht zu und konnte auch ihrer vorherigen Arbeit bald danach wieder nachgehen. Während der Rückführung aus P. im Jahre 1939/1940 wurde sie krank an der Lunge. Mit ihren Eltern zusammen waren sie Wohnungsmäßig sehr schlecht untergebracht. In einer zugigen Mansarde hatte sie sich diese krankheit geholt. Mit diesem Leiden ist sie aus der Rückführung in ihre Heimat zurückgekehrt. Das Leiden selbst - es war TB - war nun fortgeschritten und sehr bemerkbar.

 

Der Vater kam wiederum zu mir und bat mich, doch zu der Tochter zu kommen. Der Herr aber sagte zu mir: Erst dann, wenn Ich es Dir sage und erlaube." Sie schickten dann immer wieder Order zu mir, doch zu ihr zu kommen. Ich aber mußte dem Herrn gehorsam sein. In dieser Wartezeit kam wieder die Adventistin zu der Schwester ins Haus. Diese benutzte mein besagtes Fernbleiben, um auszusäen und zu sagen: „Siehsts Du, daß es da nicht stimmt. Wenn das dort echt wäre, müssten sie Deiner Bitte doch sofort folgen und zu Dir kommen, wo Du doch so krank bist." Diese Saat ging auch gleich wieder auf. Kaum den Zweifel gesät, sprießte der Unglauben auch schon mächtig hervor. Das ist die Arbeit der Finsternis und die Schwester wurde ihr Opfer, ihre Beute. Und was wurde da an ungläubigen Worten, an falschem Zeugnis ausgestreut. Nach etwa vier Wochen bekam ich dann vom Herrn den Auftrag mich zu ihr bringen zu lassen. Als ich dann bei ihr ins Zimmer trat, sagte sie voller Hoffnung: „Jetzt kommt wieder die Hilfe!"

 

Darauf sagte dann der Heiland zu mir: „Bete mit ihr. Und sage ihr, daß sie bei der Adventistin, von der sie sich aufs neue hat verführen lassen, gestehen soll, daß sie sich an Mir versündigt hat. Sage ihr auch, daß sie überall dort, wo sie falsche Reden verbreitet hat, dies in Ordnung bringen soll. Sie hat Unrecht getan, wo ihr doch zweimal so große Hilfe durch mich geschenkt worden ist. Sie soll Buße darüber tun und ihr Leben in Ordnung bringen. Gesund werde Ich sie nicht mehr machen, weil sie auch daran verlieren würde und ihr dann nicht mehr geholfen werden könnte. Sie soll sich bereit machen. Genau nach vier Wochen eurer Erdenzeit, zur selben Stunde, am selben Tage, am Freitag, werde Ich sie abrufen." Der Schwester habe ich das vom Herrn ausgerichtet. Sie hat sich dann auf diesen Tag und diese Stunde vorbereitet, ihr Leben in Ordnung gebracht und getan, was der Herr von ihr verlangt hat. Der Herr hat Sein Wort eingelöst und sie zu genau derselben Stunde, dem angekündigten Tag und der vorhergesagten Woche abgerufen. Dieses Geschehen hat auch die Adventistin zur Buße gebracht. Sie ist dann auch zu uns in die Stunde gekommen, hat ihre Vorurteile und falschen Begriffe über das Wort abgelegt. Sie ist dann später zu ihrer Schwester, die sehr krank war, ins Allgäu verzogen. Lange, bis zu ihrem Heimgang, waren wir im Briefwechsel.

 

Es waren große Kämpfe, die durch diese Adventistin heraufbeschworen wurden. Aber der Herr Jesus Christus blieb auch darüber Sieger! Sein Name sei hochgelobt und gepriesen in alle Ewigkeit.

 

 

Vor der zweiten Verhaftung; die Verhaftung mit den Verhören durch die Gestapo.

 

Abends gegen 8 Uhr, es war der 18. Mai 1940, hielten wir unsere Andacht während der Andachtsstunde hörte ich den lieben Heiland in meinem Herzen reden: „Meine lieben Kinder, fürchtet euch nun nicht, wenn nun auch die Nacht über euch hereinkommt". Mit diesem Wort wußte ich zunächst nichts anzufangen und konnte es mir auch nicht erklären. Ich bat den Herrn deshalb, Er solle es uns beleuchten, was Er uns damit sagen möchte. Ganz deutlich hörte ich Ihn dann reden und sah Ihn auch in Seiner majestätischen Gestalt neben mir stehen:

 

„Seid nur getrost, wenn ihr auch jetzt nicht verstehen könnt, was Ich jetzt tue, was Ich jetzt zulasse. Aber es kommt in Bälde die Zeit, wo ihr Mich verstehen werdet. Doch verzaget nicht und sorget nicht; Ich will Feingold aus euch machen. Deshalb kommt nichts an euch heran, was Ich nicht zulasse. Und Ich bin bei euch und führe auch diese Sache herrlich hinaus. Bleibet nur fest und treu an Mir und haltet euch fest an Mein Wort und ihr werdet abermals erfahren und erkennen dürfen, besonders Du, Mein Kind, wie Ich Mich verherrlichen und mächtig offenbaren werde; und daß es Meine Sache ist, an der Du stehst". Er segnete mich und uns daraufhin und ward wieder unsichtbar.

 

Am nächsten Tag, dem 19. Mai, einem Sonntag, vor der Andachtstunde gegen 2 Uhr nachmittags, es waren noch nicht alle Brüder und Schwestern beisammen, da stand auf einmal die Gestapo vor uns, um uns zu verhaften. Die Bibeln, alles Schriftmaterial, unsere ganzen Bücher wurden beschlagnahmt. Die Anwesenden, es waren 10 an der Zahl - darunter auch eine Jüdin -, wurden für verhaftet erklärt, und 3 Geschwister, die während der Anwesenheit der Gestapo hinzukamen, wurden hinzugenomrnen und mit uns abtransportiert. Verschiedene andere Geschwister waren an diesem Tage nicht und noch nicht da, und entgingen so einer Verhaftung. Die Gestapo-Leute nahmen uns einfach fest, ohne daß wir etwas dazu sagen, uns befragen und uns verteidigen konnten. Wir wurden alle in das Polizeigefängnis in die Hammelgasse gebracht. Dort wurden wir nach den Methoden der Gestapo ins Verhör genommen. Ganz besonders hatten sie es ja auf mich abgesehen und mich auch deswegen viel gefragt und auf Aussagen gedrängt. Der Leiter der Gestapo-Gruppe und mehrere andere verhörten mich, andere gingen ab und zu.

 

Aufs neue wurde ich wieder gefragt, ob ich einer Sekte angehören würde. Es sei auch bekannt, daß ich Gesundbeterei betreiben würde. Man wollte mir noch anlasten, daß ich von Sach- und Geldspenden meiner Geschwister leben würde. Dabei hatten wir auf Arbeitsmöglichkeit verzichten müssen und von den staatlichen Behörden während der Rückführung keinerlei Unterhaltsleistungen verlangt. Auch in diesem Stück hatten wir der Fürsorge des Herrn vertraut. Man wollte uns auch nahelegen - doch die Beweise haben nicht ausgereicht -, daß wir den Soldaten an der Front religiöse Schriften senden und damit eine Wehrzersetzung betreiben würden. Und so viele andere Lügen wurden beim Verhör vorgelegt und sollten die Anklage be- und verstärken.

 

Nun wurde ich ja um der Wahrheit willen gezwungen, Zeugnis zu geben und zu den einzelnen Fragen Stellung zu nehmen. Dabei wurde ich auch gefragt, ob es wirklich Jesus Christus gäbe, ob diese Erzählungen von Ihm nicht den Märchen einzureihen wären. Denn sie, die Gestapo, würden glauben, daß es keinen Heiland gibt. Daraufhin mußte und durfte ich sagen und bezeugen: „Doch, ich kann es bezeugen. Denn Er hat sich mir schon oft geoffenbart und schon oft zu mir geredet". „Das ist doch nicht möglich", entgegneten sie, „das gibt es doch gar nicht. Und wenn es das doch gäbe und er - dies so geringschätzig - dort oben sitzen würde, so kümmert er sich doch nicht um Sie."

„Und ob", erwiderte ich, „erst gestern Abend vor der Verhaftung hat Er mit mir geredet und mich auf das vorbereitet, was heute geschehen ist, und hat mich und uns gestärkt". „Das gibt's nicht, das sind Phantasien. Der kümmert sich doch nicht um Sie, wenn der da oben sitzt", meinte er machtbefugt und überheblich. „O, da seid ihr aber groß im Irrtum. Er lebt und ist Sieger von und in alle Ewigkeit. Er hört jetzt alles, was wir da reden; Ihm ist nicht verborgen. Oder meinen Sie, Er, der sich für uns geopfert hat auf Golgatha und Sein Leben hingegeben hat für uns, Er würde eines Seiner Ihm getreuen Kinder im Stiche lassen, wenn es im Kampfe steht und leidet um Seines Namens willen?" bezeugte und fragte ich. „Ja, warum tut Er jetzt nichts?" fragte er spöttisch. „O, so meinen Sie Er täte nichts? Haben Sie eine Ahnung. Er steht mir und allen Seinen Kindern in solchen Lagen treu zur Seite. Und Sie dürfen sich darauf verlassen, Er wird Ihnen zur rechten Stunde eine Antwort geben", bekräftigte ich aufs neue. Da sagte der eine, mit Namen G.: „Frau Pfirrmann, ist das wirklich wahr?"

 

.>So wahr, wie ich es gesagt habe. Und ich weiß und darf Ihnen sagen, daß Er auch euch liebhat und es auch für euch vollbracht hat am Kreuze von Golgatha. Und wenn ihr es wollet und im Glauben annehmet, dann werden auch Sie und alle erfahren, daß Er kein toter Heiland ist, sondern daß Er der herrliche auferstandene Heiland ist, der Herr über Leben und Tod. Er ist der Auferstandene, der sich mir und auch vielen anderen so herrlich und wunderbar geoffenbaret hat." Da sagte der Oberste von ihnen: „So etwas gibt es nie und nimmer. Sie sind eine Hexe. Ich möchte Ihnen gerne eine runterhauen, daß Sie zusammenbrechen würden. Aber ich werde Sie ins Konzentrationslager nach Auschwitz schaffen. Was sagen Sie dazu?" Darauf erwiderte ich ihm in aller Liebe und Freundlichkeit: „Aber nur wenn es mein Heiland will und ich dort eine Aufgabe zu erfüllen habe. Mir fällt kein Härlein vom Haupte ohne Seinen Willen. Aber auch Sie sind in Seiner Hand, Er ist der Herr auch über Sie und euch alle. Und auch ihr könnt nichts tun ohne Seinen Willen, denn ich bin Sein Kind. Ich darf Sie lieben in Jesu Liebe; für Sie beten und um Vergebung für Sie bitten. Er hörte auch jetzt, was Sie zu mir gesagt haben. Ich weiß, Sie wollen ja nur Ihre Pflicht tun".

 

Nach diesem Zeugnis blickte er mich mit großen Augen, furchtsam, ratlos und auch staunend zugleich, an. Er sprang dann, ohne etwas zu sagen, auf, ging aus dem Zimmer und ließ sich nicht mehr blicken, auch nicht mehr in der kommenden Zeit. Die anderen beiden Gestapo-Leute, die dabei waren, sind innerlich auch sehr angesprochen worden. Das bezeugte ja auch die Frage des einen von ihnen. Ja, ihnen konnte ich zu Jesu Ehre auch bezeugen, wie Er auch sie lieb hat und ihnen helfen will, damit sie gerettet werden. Einer der Gestapo-Leute meinte auch: „Sie haben, wie angegeben, nur die Volksschule besucht und keine Fortbildung auf religiösem Gebiet gehabt. Ihre Angabe, daß Sie Ihr Wissen von Gott oder vom Heiland hätten, ist doch Unsinn. Ohne Schrift und ohne Unterlagen kann man keine Bibelstunden halten. Sehen Sie das ein?" „Nein. Bei meinen Gebeten halte ich mich nicht an eine vorgedruckte Schrift oder an sonstige Sektenmäßige Unterlagen. Ich bete so, wie es mir der heilige Geist ein gibt und wie es mir aus dem Herzen kommt. Ebenso ist es mit der Betrachtung des Wortes in der Heiligen Schrift. Der heilige Geist Gottes ist es, der in die Tiefe der Wahrheit führt und die Wahrheit aufschließt".

 

Solche Verhöre sind ja dazu angelegt, wie man so sagt, aufs Glatteis zu führen, um dabei auszurutschen und zu Fall zu kommen. Die Frage des einen: „Wenn Sie heute geschlagen den, was machen Sie dann?" „Ich schlage nicht zurück und verteidige mich auch nicht", war meine Antwort. Und gleich darauf wurde die delikate Frage vorgelegt: „Wie stehen Sie zum Militärdienst, Kriegsdienst, Verteidigung des Vaterlandes? Könnten Sie, wenn Sie ein Mann wären, mit der Waffe einen Gegner erschießen?"„In diesem Falle unterstehe ich meiner Obrigkeit. Die Verantwortung für mein Handeln fällt damit auf die Obrigkeit. Folglich könnte ich auch als Soldat meine Pflicht erfüllen. Dies würde ich auch schon aus Liebe zu meinem Vaterlande tun", erwiderte ich ihm. „Innerhalb Ihres Kreises bezeichnen Sie sich doch als Bruder und Schwester. Diese Bezeichnung ist doch sektenmäßig und wird in den Sekten angewandt. Das ist doch bezeichnend für eine Sekte und dies entspricht doch den Tatsachen? Was sagen Sie dazu?" Das wurde mir vorgehalten mit dem Hinweis auf eine vom Reichsführer der SS verbotene Sekte und eine internationale opponente Gruppe. Ich mußte darauf antworten: „Ich verstehe dies nicht. Die Bezeichnung Schwester und Bruder ist doch bei uns geläufig und ich sage zu allen Gläubigen Bruder und Schwester".

 

Ja, so wollte man mit der biblischen Anrede „Bruder und Schwester" eine Zugehörigkeit zu einer verbotenen und opponenten Gruppe erzwingen, um der Anklage die richtige Würze und für eine Verurteilung ein bereits festgelegtes Maß zu schaffen. Auf einmal erinnert sich da einer der Gestapo-Leute an das Abendmahl und fragt: „Haben Sie bei Ihren Zusammen-künften das Abendmahl erteilt?"„Wenn ich von meinem Heiland den Auftrag zur Austeilung des Abendmahls bekommen habe, dann habe ich dies getan", bekannte ich. „Wie macht sich das eigentlich bei Ihnen bemerkbar, wenn Sie den Auftrag vom Heiland bekommen?" wollte er wissen. Daß ich Seine Stimme in meinem Herzen höre, durfte ich ihm dann sagen. ,Werden Sie in Zukunft noch derartige Zusammenkünfte leiten?", fragte er mich weiter.

 

„Wenn der Heiland mich dazu beauftragt, ja!", antwortete ich ihm ohne Furcht. „Denn ich habe ja von Gott persönlich den Auftrag erhalten, Seinen Namen zu verkünden und Seine Lehre zu verbreiten, im Gebet und in der Fürbitte für Ihn zu wirken. Daraus erklärt sich auch meine ganze Handlungsweise. Die Zusammenkünfte mit meinen Brüdern und Schwestern dienen doch dazu, das Evangelium gemeinsam zu hören und danach zu leben. Und ich sehe nicht ein, daß ich damit etwas verbotswidriges getan habe und gegen bestehende Gesetze verstoßen haben soll".

 

Mir wurde dann eröffnet, daß die Zusammenkünfte verboten sind.

 

Meinen mitverhafteten Brüdern und Schwestern wurden Erklärungen vorgelegt, daß sie an verbotswidrigen Versammlungen teilgenommen haben; diese mußten sie unterschreiben. Damit schienen die Zusammenkünfte auseinandergesprengt zu sein. Doch die Geschwister wurden nach einigen Tagen wieder freigelassen. Nur für mich und meinen Mann wurde Haftfortdauer angeordnet wegen Verdunkelungsgefahr, Fortsetzungsgefahr und Gefahr im Verzuge.Doch der Herr stärkte meine Tochter die so zerstreute Herde zu weiden unter den Nachstellungen der Gestapo. Meine Aussagen vor der Gestapo wurden teilweise protokolliert. Weitere Verhöre erfolgten dann nicht mehr. Während der drei Tage im Polizeigefängnis habe ich verschiedenes erleben dürfen und dort inhaftierten Seelen vom Heiland Zeugnis geben dürfen.

 

Dort war ein ehemaliger großer Saal. Er war abgeteilt durch einen Gang in der Mitte und hüben und drüben in kleine Zellen aufgeteilt. Die Vorderseite und ein Teil der Zwischenwände waren aus Draht, so daß man die Nachbarn und die Gegenüber sehen konnte. Diese Zellen waren irgendwie notdürftig hergerichtet. Sie haben den Eindruck eines Zookäfigs hinterlassen. So konnte ich mit meinen Nachbarn und auch mit meinen Gegenüber reden und aus ihrem Leben erfahren. Viele von den Inhaftierten haben ob der Haft geweint. Es waren auch junge Mädchen da, die sehr tief gefallen waren. Ihnen allen durfte ich in aller Liebe und mit einem Herzen voll Liebe den gekreuzigten und auferstandenen Heiland vor die Seele stellen. Er sei doch auch für ihre Sünden gestorben und hätte auch für sie das Lösegeld bezahlt.

 

Ein stetiges Hin und Her in dem Saal. Da sind welche zur Arbeit eingesetzt worden, andere sind weggekommen und weitertransportiert worden, andere sind wieder neu eingeliefert worden. Es war ein steter Wechsel in den Tagen. Wo ich aber konnte, durfte ich allen Zeugnis geben von dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Was taten sie mir doch so leid. Ja, da war das Wort so groß geworden bei vielen: „Die Sünde ist der Leute Verderben". Es waren auch solche darunter, die sich über Hitler kritisch geäußert haben. So wurde auch eine bessere Frau hereingebracht und in die übernächste Zelle neben mir eingesperrt. Diese Frau weinte und weinte herzzerbrechend. Als nun am Abend alles ruhig war, frug ich sie, was sie denn so bewegen würde. Da betrachtete sie mich und sagte: „Ach, ich bin froh, daß Sie da sind. Warum sind Sie denn eigentlich hier?"

 

„Weil ich Jesus die Treue halte, und für Ihn, wenn es sein muß, auch mein Leben hingeben darf. Ich habe mich dem Herrn Jesus Christus angelobt, ich könnte deswegen nicht anders". „Da haben Sie doch nichts Böses getan", meinte sie dann. Ja, Sie sehen, wenn man zum Heiland Jesus Christus hält, dann wird man verhaftet. Ich diene am Wort und halte Stunden und der Herr hat viele teure Seelen durch mich gesegnet und errettet. - Sie dürfen mir völlig vertrauen, wenn ich Sie frage, warum Sie hier sind". „Ja, das will ich auch", sagte sie unter Weinen und fuhr dann fort: „Ich war unterwegs in einem Lebensmittelgeschäft und machte dort meine Einkäufe. Dort wurde über die Zeit gesprochen und auch über Hitler. Bei diesen Gesprächen habe ich dann gesagt, daß ich Hitler nicht trauen würde, denn es sei doch wirklich schon viel Schlimmes geschehen. Mein Mann ist Direktor. Wissen Sie, da hört man gar vieles, man hört und weiß etwa: mehr als die anderen Menschen.

 

Ach, was sagt mein Mann bloß, wenn er nach Haus. -kommt und ich bin nicht da und wenn er erfährt, daß ich nicht heimkomme, weil ich hier im Gefängnis bin. Die haben mich ja gleich aus dem Laden heraus hierher gebracht". Recht leise antwortete ich ihr: „,Ja, in dieser Zeit muß man sehr vorsichtig sein. Aber vertrauen Sie nur die Sache unserem Heiland an. Wenn niemand mehr helfen kann, Er kann helfen. Wollen Sie, daß ich mit Ihnen bete?" „Ja, sehr gern", antwortete sie mir. Für sie und ihre Sache betete ich dann laut, auch für all die anderen, die mit mir eingesperrt waren. Für diesen Dienst war sie sehr dankbar und wurde zusehends ruhiger und stiller. Auch die Angst wich von ihr, als ich ihr sagen durfte, daß auch diese alle nichts tun könnten, was Jesus nicht zuließe. Sie dankte mir sehr herzlich dafür.

 

Am folgenden Morgen, dem vierten Tag, wurde ich dann in das Frauengefängnis nach Höchst abtransportiert. Deshalb weiß ich nun nicht, was weiter mit ihr geschehen ist. Doch habe ich weiter für sie gebetet und tue es auch heute noch. Was ist das doch für ein Leid. Viele andere haben sich auch noch mit mir ausgesprochen, haben mir aus ihrem Leben gesagt; in tiefe Tiefen habe ich da geblickt. Auch mit ihnen habe ich gebetet und sie zum treuen Heiland gewiesen. Mehrere unter ihnen nahmen das Zeugnis an. Ich durfte sie dann segnen. Wie waren sie doch so dankbar dafür.

 

Und ich war meinem Heiland auch für diese Tage so dankbar und dankbar für den Dienst, den ich diesen allen tun durfte.

 

lm Frauengefängnis in Höchst wurde ich dann in eine Einzel-Zelle gesperrt, ganz oben unter dem Dach. Dort wurde ich in der ersten Zeit sehr streng behandelt. Bei einigermaßen gutem Wetter wurden wir in den Hof gebracht zur sogenannten Hofstunde. Wegen meiner Leiden wurde ich nicht in den großen Hof geführt, sondern in den kleineren. Dieser war den Gehbehinderten zugedacht. In diesem kleinen Hof waren zwei Blumenbeete. Um diese Blumenbeete herum mußten und durften wir nur hintereinander gehen. Von den an die Luft geführten Häftlingen waren wir so gegen 7 an der Zahl. Es durfte keiner mit dem anderen sprechen. Wenn die Aufseherin nicht so auf uns schaute, habe ich der einen und anderen, wie sie für mich erreichbar waren - meistens waren es die vor und hinter mir Gehenden -, ein Traktat oder Kalenderblättchen zugesteckt. Oft habe ich ihnen auch ein nicht allzu lautes tröstendes und stärkendes Wort zugerufen.

 

Für die Traktate und Kalenderblättchen sorgte meine Tochter und meine Geschwister.

 

Ein Teil der Mitgefangenen hat auch über ihre Haft sehr geweint. Etliche waren darunter, die beim Abhören von ausländischen Radiosendungen erwischt worden sind. Eine Mitgefangene war darunter, die wegen Urkundenfälschung eine Strafe abzusitzen hatte. Der treue Heiland gab mir Freudigkeit, bei sich jeder bietenden Gelegenheit von Jesus zu zeugen. Für diesen Jammer und diese Not war auch keine bessere Botschaft, als die des Heilandes und Erlösers. An dieser Stelle möchten ganz besonders die jungen Menschen angesprochen werden, sich von der Sünde durch unseren teuren und treuen Heiland erretten und bewahren zu lassen, daß sie nicht an solche Stätten kommen, um der Sünde willen. Einem jeden Einzelnen sei dieser Hinweis aus Liebe ans Herz gelegt.

 

Es ist nun einmal so, daß man wegen Haftstrafen gering abgetan und gering ab- und eingeschätzt wird, als Mensch 2. Klasse betrachtet und behandelt wird. Und was bringt das oft für seelische Not und neue Gefahren. Um meines Heilandes willen durfte ich auch dort Mißhandlungen ertragen und erleiden. An einem Morgen war es mir sehr elend zum Erbrechen und ich hatte sehr starke Schmerzen. Zum Zeitpunkt des Aufstehens wurde geklingelt und man mußte sich fertig machen und die Zelle vom Nachtlager herrichten. Und ich konnte nicht aufstehen und blieb deshalb einfach liegen. Bei der Überprüfung und Kontrolle frugen die Wärterinnen so herrisch: „Frau Pfirrmann, was ist denn, sie liegen ja noch auf der Pritsche". Und sie riefen dann in ihrem Befehlstone: „Auf, auf, auf".

 

Ich entgegnete ihnen: „Ich möchte gerne, aber ich kann nicht".

 

Es war mir doch so schlecht zum Erbrechen. Die Schmerzen waren die Folgen des harten Lagers, denen mein durch den Unfall geschwächter Leib nicht gewachsen war. Sie meinten, ich würde mich verstellen und haben mich. von der Pritsche heruntergerissen. Ich hatte keine Kraft mich zu halten und bin dann auf dem Boden liegengeblieben. Mit Fäusten schlugen sie mir auf den Kopf und gaben mir heftige Fußtritte. Sie nahmen meine langen Haare und wollten mich an den Haaren hochziehen. Wie sie dann gesehen haben, daß ich ohnmächtig wurde, haben sie einen Krug Wasser über mich geschüttet. Durch das Wasser bin ich dann wieder zu mir gekommen, konnte mich aber vom Boden nicht erheben.

 

Innerlich mußte ich beten: „Mein lb. Heiland, nun darf ich ein Tröpfchen von dem leiden, was Du für mich erduldet hast".

Der treue Heiland stärkte und tröstete mich innerlich mit Seinem Frieden.

 

Zu zweit haben sie mich dann auf die Pritsche geschafft mit Ach und Weh, und da mußte ich mich dann erbrechen. Dann haben sie gemerkt, daß ich mich nicht verstelle, sondern wirklich leidend bin. Einen Arzt haben sie jedoch nicht benachrichtigt. Mehrere Tage mußte ich dann auf meiner Pritsche zubringen. Über die Mißhandlung habe ich mich nicht beschwert und auch nichts verlauten lassen.  Den beiden Wärterinnen begegnete ich mit Liebe und Freundlichkeit auf all ihr hartes und liebloses Wesen, das sie da und dort zeigten. Und diese Liebe machte auf sie Eindruck und wandelte auch ihre Herzen.

 

Sie suchten dann mein Los zu erleichtern.

 

Durch meine Leiden konnte ich das schwere Essen der Haftanstalt nicht vertragen. Auch da ging es bis zur Androhung der Zwangsjacke, die sie mir in Händen entgegenhielten. Aber auch da wandelte der Herr ihr Herz und ihren Sinn. Sie brachten mir leichtere Kost, wenn ich die schweren Speisen nicht essen konnte. Hinfort waren sie mir freundlicher gesinnt. Da mußte ich an das Wort denken: „Der Herr kann aus den schlimmsten Feinden noch die besten Freunde machen«. Auch das andere Wort: „Der Herr lenkt die Herzen wie die Wasserbäche", mußte und durfte ich erfahren. O wie wahr und lebendig sind gerade in solchen Lagen diese herrlichen Wahrheiten. Und wie ist es gerade da stärkend und erquickend, die Wahrheit des Wortes lebendig erfahren zu dürfen. Wegen dem Vierjahresplan sind da und dort Sparmaßnahmen eingeleitet worden. So wurden uns als Toilettenpapier nur etwa 2 Blättchen pro Tag zugeteilt. Und dieses war mir ausgegangen, weil ich mehr benötigte und nicht mit, mehr versorgt wurde. Als ich so auf der Toilette der Zelle saß und weinte darüber, da habe ich meinem Heiland diese Not hingelegt. Währenddem drehte sich ziemlich laut der Schlüssel in der Tür und herein kam die Oberwachtmeisterin:

 

„Ich werde gedrängt zu Ihnen zu kommen. Ist was mit Ihnen?"

 

Ich stand auf und nahm sie voller Liebe um den Hals und sagte ihr: „Sie hat mir der liebe Heiland schickt." „Warum denn?" fragte sie. „Sehen Sie meine Not, meine fraulichen Bedürfnisse in den Wechseljahren, dazu mein Darmleiden. Sehen Sie., diese wenigen Blättchen reichen ja nicht aus. Ich schäme mich ja, wenn diese meine Wäsche hinaus muß. Sicher haben Ihre Wärterinnen so viel zu tun, daß sie nicht für jede Einzelne so nachsehen können und auch nicht die Möglichkeit haben, bei dem Mangel alles so zu beschaffen.« Da rief die Oberwachtmeisterin die eine Wärterin herbei und sagte zu ihr: „Wenn diese Frau Papier verlangt, dann sorgen Sie dafür, daß sie welches bekommt." Die Wärterin wollte gleich Papier holen, sagte aber dann zu ihr: „Nein, ich gehe selbst." Ging fort und brachte mir eine Menge von Papier. Wie dankte ich auch dafür meinem Heiland.

 

Während der Haftzeit wurden wir auch zur Arbeit angehalten. Da sollten verschiedentlich täglich in die tausende gehende Artikel fertiggestellt werden. Für die Arzneimittelindustrie waren in auf Gläser bestimmte Verschlüsse Abdichtungen einzulegen. An einem Tage konnte ich das mir vorgeschriebene Soll wegen meiner Leiden und der mir ungewohnten Tätigkeit nicht erreichen. Beim Abholen meiner fertigen Sachen und beim Anblick eines unfertigen, noch ziemlichen Restes, schrie mich die Wachtmeisterin an: „Sie sind ja hier nicht in einem Hotel. Sie haben hier zu arbeiten." „Ja, das weiß ich wohl, daß ich hier in keinem Hotel bin. Aber ich habe mich ja nicht selbst hierher gebracht. Ich habe mein Bestes getan, habe so viel fertig gemacht. was ich fertigbringen und verkraften konnte," erwiderte ich ihr in aller Liebe. Zu dieser Zeit der Haft wurden von den Alliierten Flugzeugangriffe auf die in der Nähe liegenden Industriewerke geflogen. Dröhnender Motorenlärm drang oft Tag und Nacht in meine Zelle.

 

Flakbatterien schossen, und die Splitter der Geschosse gingen in der Nähe und so auch auf das Dach der Haftanstalt nieder. Und dies alles kam so alleine unter dem Dach auf mich zu. In dieser äußeren Not befahl ich mich und die von mir getrennten Meinen dem Schutze meines Herrn und Heilandes. Viele der Gefangenen wurden in die Luftschutzbunker gebracht und ich mußte in meiner Zelle unter dem Dach verbleiben. Meine Zelle wurde noch dazu für mich hörbar fest verschlossen. Diese Sonderbehandlung um Jesu willen, trieb mich um so inniger ins Gebet zu meinem Heiland. Da öffnete mir der treue Heiland die Augen und ich durfte mehrere Engel in meiner Zelle stehen sehen. Und nicht zuletzt stärkte mich auch das Nahetreten meines Herrn und Heilandes in Seiner Auferstehungsgestalt. Auch der Apostel Paulus durfte mir dienen und mich stärken; ich war gerade im Gebet auf den Knien vor der Pritsche:

Teure Schwester, halte aus und durch. Er ist es wert, daß man für Ihn leidet. Wenn ich noch zehn Leben hätte, würde ich sie alle Ihm hingeben. O wie wirst Du Ihm einmal danken, daß Du all dieses Leid und diese Schmach für Ihn tragen darfst. Siehe mich an, ich bereue keine meiner Leiden, Verfolgungen und Trübsale, auch nicht mein Sterben für Ihn. Meine Freude ist groß, daß ich das alles für Ihn leiden durfte. 

Sei getrost, alle diese Schande, die Du für Ihn leiden darfst, wird zu Seiner Ehre gereichen und zu Deiner Freude. O, Er ist es wert, daß man sich in Seinem Dienst verzehrt und freudig für Ihn alles erdulden und tragen kann, sich opfert, so wie Er es für uns getan, noch weit mehr getan hat. Teure Schwester, halte aus und durch. Der Herr ist mit Dir und wird sich wunderbar an Dir verherrlichen. So nimm hin den Kuß meiner Bruderliebe - auf die Stirn, Du bist nicht allein und nicht verlassen. Du trägst ja alles für Ihn, und das ist große Gnade". Nach mehreren Wochen Haft wurde ich in die Sprechstunde des Gefängnisarztes hinuntergebracht. Seine Frage war: „Was tun Sie eigentlich hier, warum sind Sie eigentlich da?"

„Weil ich meinen Heiland lieb habe und Ihm gehöre", antwortete ich.

Wie von etwas gestochen, schrie er: „Lassen Sie den Juden da draußen, der hat da herin nichts verloren". „Nein, gerade hier gehört Er her. Wohin gehört er denn notwendiger als gerade hierher zu den Armen und Gefangenen", entgegnete ich ihm ganz unbefangen und unbeeindruckt von seinem Schreien. Voller Wut rief er dann die Hauptwachtmeisterin und gab ihr Anweisungen für mich. Er sagte ihr auch, daß sie sich für den anderen Tag bereithalten solle. Wie ich aus den Andeutungen des Arztes an die Wärterin entnehmen konnte, sollte ich wegen meines Zeugnisses in noch strengeren Gewahrsam kommen. Dies veranlaßte mich, von der diensttuenden Wärterin L. am nächsten Tag Schreibpapier zu verlangen.

Innerlich wurde ich gedrängt, dem Untersuchungsrichter zu schreiben über das Verhalten des Arztes zu mir. Ich schrieb das nieder und berichtete ihm das Vorgefallene. Die Wärterin L. brachte selbst den Brief zum Untersuchungsrichter. Was sie dabei selbst dem Untersuchungsrichter zu sagen hatte, ist mir nicht bekannt. Jedenfallt war am anderen Tag der Arzt nicht mehr in der Haftanstalt! Am anderen Tag kam die Hauptwärterin mit dem Auftrag zu mir, mit ihr hinunterzugehen in ein Bürozimmer. Als ich das Zimmer betrat, sehe ich einen jüngeren Mann da sitzen. Wie ich ihn weiter so betrachte, sehe ich, daß er mein Schreiben an den Untersuchungsrichter in Händen hatte. Er machte einen sehr vornehmen Eindruck. Und es stellte sich dann heraus, daß dies der neue Gefängnisarzt war. Er frug mich: „Sagen Sie mir mal, Frau Pfirrmann, weshalb sind Sie denn hier festgehalten?" Wie beim ersten Arzt durfte ich erwidern: „Weil ich meinen Heiland liebhabe. Er hat so Großes an mir getan und mich vom Tode errettet". „Was hat Er denn an Ihnen getan? Wollen Sie mir nicht darüber erzählen", bat er mich.

Nun durfte ich ihm erzählen, wie Er mich durch tödliche Krankheiten hindurchgetragen hat, in den Nachstellungen durch die Gestapo bewahrt und behütet hat, wie Er mich aus der Haft in P. befreit hat, wie Er in der Sondergerichtsverhandlung in Frankenthal bei mir gewesen ist und wie Er mich bis zur Stunde vor drohender. Konzentrationslagern bewahrt hat. So gab ich ihm Zeugnis von dem Auferstandenen und Seiner Kraft und Herrlichkeit. Er frug mich dann auch über das Verhalten seines Vorgängers. Bei meinen Ausführungen über sein nicht gerade ärztliches Verhalten, hat er immer wieder nur den Kopf geschüttelt. Zu den von mir abgelegten Zeugnissen hat er sich nicht geäußert. Er frug mich dann, in welchen Krankenanstalten ich gewesen sei und wo und wann ich operiert worden sei. Diese Frage hatte wohl den Zweck, die Krankheitspapiere von den betreffenden Krankenhäusern und Ärzten zu besorgen.

 

Schon nach Tagen kam er morgens mit der Wärterin L. zu mir herauf in meine Zelle. Er bat mich, daß ich mich auf meine Pritsche legen möchte, legte mir dann die Hand auf meinen Kopf und sagte: „Heute komme ich zu Ihnen. Denn das zu mir Kommen ist zu schwer für Sie. Ich habe Ihre Krankheitspapiere schon bekommen. O, Sie arme Frau, was müssen Sie für Schmerzen haben nach den mir vorliegenden Papieren. Ich bin über alles unterrichtet, was Ihre Krankheiten anbelangt. Ich werde nun für Sie sorgen, daß Sie so schnell wie möglich in ein Krankenhaus kommen und Sie Erleichterung bekommen". Die Arbeit wurde mir vom Arzt sofort verboten. Denn trotz meiner schmerzhaften Leiden wurde ich in der Zelle gehalten und zur Arbeit gezwungen. Der Arzt sagte dann noch: „Das ist doch ein Verbrechen, Sie hier in der Haft zu halten. Ja, ich werde dafür sorgen, daß Sie in ein Krankenhaus kommen oder frei werden". „Herr Doktor, am kommenden Freitag ist Verhandlungstermin. Da wird wohl entschieden werden, was mit mir werden wird", erwiderte ich. „Ach so", meinte er nachdenklich. „Dann kann ich wohl jetzt nichts für Sie tun und werde diesen Termin abwarten müssen. Wenn Sie nicht frei werden, werde ich dafür sorgen, daß Sie freigelassen werden".

 

Der Arzt sorgte aber dafür, daß ich von da ab eine meinen Leiden entsprechende Kost bekam. Als er sich dann von mir verabschiedete, machte er einen Finger zu der Wärterin und sagte: „Hüten Sie sich, und ihr alle, die ihr bei Frau Pfirrmann Dienst habt, dieser Frau Aufregung zu bereiten. Sorgen Sie dafür, daß sie die rechte Kost und die rechte Arznei, die ich ihr verordnet habe, auch bekommt. Von Arbeit keine Spur mehr. Denn das ist ja ein Verbrechen, was hier an dieser Frau geschieht. Nach dem Termin werden wir weiter darüber reden." So hat der treue Heiland dafür gesorgt, daß ich etwas gestärkt zur Verhandlung vor dem Sondergericht erscheinen konnte. Was ist Er doch für ein treuer Vater, ein guter Hirte der Seinen. Für den 2. August 1940 war die Verhandlung vor dem Sondergericht in Frankfurt/Main anberaumt. Am 1. August wurde ich vom Frauengefängnis in Höchst wieder ins Untersuchungs-Gefängnis nach Frankfurt gebracht. Und dort wurde ich in ein Zimmer mit einem Bett gebracht, einem Bett mit allen seinen Merkmalen. Nach der langen Zeit ein Bett. Was war ich dem Herrn für diese Erleichterung vor der Verhandlung so dankbar. Und wie durfte ich in dieser Nacht vor der Verhandlung so gnädig ruhen.

 

Gegen neun Uhr wurde ich in den Gerichtssaal gebracht. Es wurde mir verboten, mit meinen Lieben und mit den angeklagten Geschwistern zu reden. „Frau Pfirrmann, Sie sind Gefangene, da ist das nicht erlaubt", hat man mir nachdrücklich gesagt. Aber das konnte ich nicht halten, da ich ja auch diesbezüglich nichts versprochen hatte. Als ich auf dem Gang zum Gerichtssaal mein Kind kommen sah, bin ich auf mein Kind zugegangen und habe es in die Arme genommen. Dann wurde ich in den Gerichtssaal hineingeführt. Dort saß schon mein Mann auf der Anklagebank. Er rief über mich mit meinem Namen. Und dann ging ich schnell auf seinen Platz auf der Anklagebank. Ich konnte ja nicht anders. Und als ich so meinen Mann umarmt hatte, weinten wir aus Freude über das Wiedersehen. Und auch dem Aufseher kamen die Tränen.

 

Bald danach kam das hohe Gericht. Die Sitzung wurde mit dem damals üblichen Hitlergruß eröffnet, die Akten auf dem Tisch ausgebreitet. Die Verhandlung hatte begonnen. Nach den einleitenden Ermahnungen wurden die einzelnen Punkte mit den Angeklagten besprochen. Der Herr Vorsitzende wandte sich an mich und fragte auch unter anderem: „Frau Pfirrmann, wissen Sie, daß Sie angeklagt sind, eine Gesundbeterin zu sein. Und wie machen Sie das eigentlich, wenn Sie Menschen gesund machen? Wollen Sie dies uns nicht ausführlich berichten?" „Meine Herrn", begann ich zu antworten, „erstens weiß ich nicht, was das Gesundbeten bedeuten soll, was unter diesem Begriff verstanden werden soll. Zweitens, sehen Sie, ich selbst bin schon lange Jahre leidend, mein Mann ist leidend, mein Kind ist praktisch blind. Wenn ich das könnte, was mir mit dem Gesundbeten vorgehalten wird, dann hätte ich wirklich meiner Familie und auch mir damit gedient.

 

Wahr ist es, daß der treue Heiland schon viele meiner Gebete um Gesundung des Leibes erhört hat, auch die biblische Handauflegung nach Jak. 5 und Mark. 16 schon reich gesegnet hat. Und viele sind in der Tat von den schwersten Krankheiten, wie Darmkrebs und Brustkrebs und anderen Leiden geheilt worden. Er ist doch der Arzt aller Ärzte. Und wenn die Schwestern und Brüder in ihrer Not zu mir kamen, hat mich das immer wieder tief berührt. Im Gebet haben wir gemeinsam die Not vor das Angesicht des auferstandenen Herrn gebracht und Ihn gebeten, wenn es Sein Wille wäre, Er doch den Armen helfen möge. Das ist das, was ich getan habe."

 

Da wurde ich vom Vorsitzenden gefragt: „Können Sie dies denn uns nicht zeigen?"

„Nein, zeigen kann man das niemand, das muß erlebt und geglaubt werden. Und zum Vormachen oder Nachmachen ist diese Handlung nicht geeignet. Nur der Herr, unser Heiland, kann durch den Glauben dem Glaubenden helfen," bezeugte ich. Diese Worte kaum ausgesprochen, bekam der 100prozentige Kriegsinvalide - auch Mitangeklagter -, der vor mir auf der Anklagebank saß, einen ganz schlimmen Anfall. Er hatte im 1. Weltkrieg eine Gehirnverletzung davongetragen, sein linkes Bein war weit überm Knie amputiert und die rechte Hand war verkrüppelt.

War es nun durch die ganze Luft des Sondergerichts bedingt, waren es die zuvor an ihn gerichteten Fragen, um die mit Angst beim Verhör durch die Gestapo nicht ganz einwandfrei gemachten Angaben vor dem Gericht zu entkräften und richtigzustellen, waren es die Folgen einer Aufregung über den ungewissen Ausgang der Verhandlung auch für ihn, der Herr weiß es. Jedenfalls hat es  der Herr zugelassen, um sich zu verherrlichen und sich zu bekennen, so wie Sein Wort es sagt. Der Beinstumpf des Invaliden hatte gezittert und geschlagen und er selbst wurde von krampfartigen Zuckungen geschüttelt. Auch die Hände zitterten, der Kopf bewegte sich und er gab Laute von sich. Ein Bild des Jammers bot sich dem Gericht und den im Gerichtssaal anwesenden Zuhörern. Die Verhandlung wurde unterbrochen, die Fenster aufgerissen, damit frische Luft in den Saal hereinkäme. Der Gerichtsdiener wurde angewiesen, nach dem Gerichtsarzt zu suchen und ihn herzubringen. Der Diener kam in Kürze zurück mit dem Bericht, daß der Arzt nirgends anzutreffen und aufzufinden sei.

 

Das Bild des Jammers brachte unter die Zuschauer eine gewisse Unruhe und Ängstlichkeit herein. Auch die Richter wurden ratlos und wußten nicht im Augenblick, was sie machen sollten. Manche Leute haben ob dem erbarmungswürdigen und leidenden Kranken zu weinen angefangen, man hörte Schluchzen. In diese Situation hinein redete der Herr mir in meinem Herzen:  „Mein Kind, fürchte Dich nicht. Lege ihm auf und bete für ihn." Und das nun vor Gericht und all den Leuten? Ja, der Herr wollte es so! Der Kriegsinvalide saß vor mir auf der Anklagebank etwas tiefer. Dies war auch so geführt worden. Ich beugte mich über die Brüstung zu ihm hinab und legte ihm die Hände auf und betete über ihm im Namen Jesu. Ich war meinem Heiland gehorsam.

 

Aller Augen, die des Gerichts und der Zuschauer und Zuhörer, sie sahen ja, daß ich mich erhoben hatte, waren auf mich und mein Tun gerichtet. Meinen linken Arm legte ich ihm um den Hals und die rechte Hand auf den Kopf. Unter dem Gebet wurde der Invalide plötzlich ganz still und ruhig. Das Bein zitterte nicht mehr, die Hand und auch die Bewegungen des Kopfes wurden still, die Laute verstummten.

Beschauliche und stille Ruhe im Gerichtssaal. Die Folge, der Handauflegung und des Gebets: ein von seinem Anfall geheilter Invalide. Der Gerichtsvorsitzende frug nun: „Herr K., ist das möglich, daß der Anfall vorüber ist und daß es Ihnen wieder besser geht? Können wir die Verhandlung fortsetzen?` Da bekannte der Kriegsinvalide: „Ja, meine Herren, es ist alles vorbei; ich spüre nichts mehr. Mir ist so wohl. Die Verhandlung kann fortgesetzt werden." Nach dieser herrlichen und wunderbaren Verherrlichung des Herrn sagte ich zu dem Gerichtsvorsitzenden und den Beisitzern, sowie zu dem Oberstaatsanwalt:

 

„Sehen Sie, meine Herren, unser treuer Heiland, der Herr des Himmels und der Erde, ist und war bei uns hier. Das ist nun das, was ich Ihnen habe nicht zeigen können. So geht es auch in meinen Versammlungen zu und nicht anders. Das ist die Kraft Jesu Christi, die solches wirkt und überall dort gewirkt hat, wo Menschenkinder eine solche heilige Erfahrung haben machen dürfen. So geht es zu, wenn der Herr mir den Auftrag gibt, für die Kranken zu beten und ihnen die Hände aufzulegen. Ich konnte es Ihnen nicht zeigen und nun ist der Auferstandene selbst auf den Plan getreten und Jesus Christus selbst hat sich unter uns ganz deutlich geoffenbart und sich bekundet. Es ist doch ganz deutlich, daß ich es nicht bin, ich nur ein schwaches Werkzeug bin, sondern daß Er, mein Herr und Heiland es ist, der solche Dinge wirkt und tut. Er hat sich an dieser Gerichtsstätte nun selbst offenbart.

 

Ja, solches muß man erlebt haben und Sie haben es nun erleben dürfen." Die Herren waren tief bewegt und zogen sich dann zur Beratung zurück. In dieser Zeit hat mich der Staatsanwalt besonders betrachtet. Als die Herren vom Sondergericht wieder in den Gerichtssaal kamen, frug der Gerichtsvorsitzende: „Nun, Herr Oberstaatsanwalt, was sagen Sie dazu?" Da stand er auf und rief, die Akten mit lautem Knall auf den Tisch werfend: „Meine Herren, ich beantrage völlige Freisprechung für die Frau und alle Angeklagten.

 

Ja, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir Menschen, wer wir auch sein mögen, mit dem Verstande nicht fassen können. Wir haben nun hier so Gewaltiges erlebt. Es tut mir von ganzem Herzen leid, daß ich diese Frau aufgrund falscher Anklagen solange gegen ihren Willen hinter Schloß und Riegel habe sitzen lassen. Dieser Frau steht es zu, eine enorme Entschädigung zu verlangen. Bei diesen Worten nickte er mir freundlich und wohlwollend zu. Das Gericht - das Sondergericht - hat uns dann, selbst überzeugt von der Unhaltbarkeit der Anschuldigungen und Anklagen, gestützt auch auf den Antrag des Staatsanwalts, sofort freigesprochen. Der Freispruch war mit dem Hinweis auf den Anspruch einer Entschädigungssumme ausgesprochen worden.

 

Der Gerichtsvorsitzende - ein älterer aus der Pension herbeigeholter Richter - hat dann noch die Freisprechung begründet. Er hat die im Gerichtssaal Anwesenden gefragt, wie man nur solche Menschen, die doch nur wohl tun, Wohltäter sind in der Kraft Christi, wie man die verfolgen und sie einsperren kann. Wir haben doch hier in unserer Mitte ein augenscheinliches Beispiel und dies Wunder an dem 100prozentigen Kriegsinvaliden sehen und miterleben dürfen." Zu mir gewandt: „Frau Pfirrmann, Sie dürfen mit all ihren Lieben nun nach Hause gehen. Und wir freuen uns, Sie kennengegelernt zu haben." Im Gerichtssaal hörte man wieder Schluchzen und Weinen. Von meiner Anklagebank aus ging ich auf die Herren vom Gericht und den Herrn Oberstaatsanwalt zu und sagte zu ihnen: „Meine Herren, den Entschädigungs-anspruch möchte ich nicht wahrnehmen. Was ich für meinen Heiland habe erdulden und erleiden dürfen, möchte ich nicht bezahlt haben.

 

Aber, meine Herren, verzeihen Sie, wenn ich diese Frage nun an Sie richte: Was ist mit meinen Versammlungen, die mir verboten sind?" Zunächst versuchten sie mich dahingehend umzustimmen, daß ich doch von der angebotenen Entschädigung im Antragswege Gebrauch machen solle. Ich durfte ihnen sagen, daß ich bei meiner gemachten Äußerung verbleibe; ich könne auch hier nicht anders handeln. Darüber waren sie sehr verwundert und ganz überwältigt. Die Frage nach meinen Andachts- und Gebetsstunden beantwortete der Gerichtsvorsitzende und der Oberstaatsanwalt fast gleichzeitig: „Diese dürfen sie halten. Da steht Ihnen nichts mehr im Wege." Sie kamen auf mich zu und drückten mir die Hand und haben sich noch einmal bei mir entschuldigt. Besonders der Staatsanwalt sagte: „Es tut mir leid, es tut mir leid.` Wir verabschiedeten uns dann von den Herrn des Gerichts und dem Herrn Oberstaatsanwalt und freuten uns der Gnade des Herrn wieder in der Freiheit sein zu dürfen.

 

So herrlich und wunderbar hat sich der Herr bewiesen und erwiesen, daß er aus Anklägern gute Freunde geschaffen hat. Ja, solches kann nur der Herr. Der Herr, der da lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit, in dessen Hand auch ein Sondergericht einer ihm feindlichen Diktatur ist. An dieser Stelle sei auch des Dienstes des Gefängnispfarrers gedacht. Wie stärkend war es doch in der Gefängniszeit, an den Gottesdiensten teilzunehmen. Möge auch sein Mut und seine Liebe vom Herrn für diesen Dienst reichlich belohnt und gesegnet sein. Des Wortes Gottes durch die Gestapo beraubt, hat der Pfarrer es mir wiedergebracht, daß ich mich daran stärken, darin lesen konnte, und Er, der Auferstandene, so zu mir reden durfte. Der Gefängnispfarrer kannte auch den Gerichtsvorsitzenden. Er sagte später zu mir, wie die Gerichtsitzung den Vorsitzenden und die Beteiligten überwältigt und einen sehr starken Eindruck hinterlassen hätte. Zu mir selbst äußerte er sich: „Frau Pfirrmann, ich habe eigentlich nichts anderes erwartet. Ich wußte, daß es nicht anders ausgehen konnte. Wer so zum Heiland steht, den verläßt der Heiland nicht; zu dem steht auch Er."

 

Weiter möchte ich noch berichten, was der treue Heiland vor der Gerichtsverhandlung noch so herrlich und wunderbar gewirkt hat. Die Gestapo, die sich ihres Erfolges und ihrer Macht so bewußt war, hatte doch gedroht, und dies auch bei jeder Gelegenheit, bei Vorsprachen meiner Lieben auf der Amtsstelle, geäußert:  „Diesen Kopf werden wir vernichten." Diese Gestapo durfte bei der Gerichtsverhandlung, sie waren ja als Zeugen geladen, nicht zugegen sein. Und wie hat der Herr das geführt? Die beiden Ladungen an die Gestapo-Leute K. und Sch. kamen von der Staatspolizei mit dem Vermerk an das Gericht zurück: ,unbekannt versetzt". Die Ladungen an die beiden Anwärter T. und G, kamen von der Staatspolizeistelle urschriftlich mit dem Bemerken zurück, daß die Geladenen an dem am 2. 8. 1940 vor dem Sondergericht Frankfurt stattfindenden Termin nicht teilnehmen können, weil beide Beamte an diesem Tag schriftliche Prüfung haben. So konnten sie ihre Drohungen nicht wahrmachen und sie konnten auch nicht ausführen, was sie wollten. Und der erste Staatsanwalt, der die Anklage verfaßte und mich mit dem Prozeß erledigen wollte, dieser wurde ungefähr acht Tage vor der Verhandlung versetzt. Er konnte bei der Verhandlung auch nicht da sein und sein Vorhaben nicht durchführen. Seinen Nachfolger konnte der Herr so segnen. Ihn konnte der Herr gebrauchen, wie ich berichtet habe. Dieser wurde zum Freunde, und dieser war so erschüttert, daß solches überhaupt geschieht. Das Niedergeschriebene gibt ja Zeugnis darüber.

 

Unter uns Angeklagten war ja auch eine Jüdin. Die Juden wurden ja damals so sehr verfolgt. Diese Frau hielt sich ganz zu uns, sie war unsere Schwester. Nach Gesinnung und Glauben war sie keine Jüdin des alten Testamentes. Sie bekannte sich zu Jesus Christus und kam daher immer in unsere Versammlungen. Als nun die Gestapo zu uns kam, da überfiel die Schwester, verständlicherweise für die damalige grausame Zeit, eine nicht geringe Furcht. Ihre Papiere bestätigten ja ihre jüdische Herkunft. Wir wußten ja darum. Ich flüsterte ihr deshalb noch schnell zu: „Gehe schnell auf den Clo und vernichte Deine Papiere." Dort hat sie dann auch gleich alles in rissen und weggespült.

 

Was haben wir auch da fest für sie gebetet und den Herrn um seine Hilfe für sie angerufen.

Bei den vielseitigen Fragebogen, die durch die Gestapo für die einzelnen Personen ausgefüllt worden sind, vom Geburtsort und Geburtsdatum bis zu Orden und Ehrenzeichen und Vorstrafen reichten, war auch die Frage der Religionszugehörigkeit. Die Schwester konnte angeben. daß sie Mitglied der Methodistengemeinde in Frankfurt war. Die weitere Frage anschließend an die Religionszugehörigkeit unter gleicher Ziffer, nur Buchstabe b):

1. Eltern

2. Großeltern

deutschblütig? ..... war im Falle unserer Schwester nicht ausgefüllt!

 

So war es auch bei der Gerichtsverhandlung. Als die Namen der Angeklagten und die Angaben zu ihrer Person verlesen wurden, war ja auch unsere liebe Jüdin darunter und an der Reihe. Auch hier wurde die Tatsache nicht besprochen und durfte nichts über ihre Abstammung verlauten. Auch zur Aussage und zum Verhör und zur Angabe ihrer Personalien ist es vor Gericht nicht mehr gekommen. Herrlich und wunderbar hat der treue Heiland gesegnet und wir durften auch hier erfahren, daß Er der Auferstandene, der Herr ist. Und das Wort ward uns auch da aufs neue so groß: „Siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende." und das andere Wort: „Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen."

 

In solchen Situationen lernt man erst recht erkennen, wie wahr und zuverlässig das Wort Gottes ist und wie treu Er, der Vater, zu Seinen Kindern ist. Nach der Gerichtsverhandlung wurde ich zum vor dem Gerichtsgebäude wartenden Gefängnisauto geführt. Als der Fahrer hörte, daß wir alle frei geworden sind, meinte er: „Nun sind Sie nicht mehr Mensch 2. Klasse. Nun dürfen Sie sich wieder als Mensch 1. Klasse fühlen." Er fuhr mich noch einmal in das Frauengefängnis nach Höchst, damit ich meine Sachen in Empfang nehmen konnte. Im Gefängnis in Höchst war es schon bekannt, daß ich freigeworden bin. Vom Gericht war es ihnen mitgeteilt worden. Nun sind Oberaufseherinnen und Aufseherinnen, wie sie gerade Dienst hatten, herbeigekommen. Sie baten mich, ich solle doch auch für sie beten und sie nicht vergessen. Die eine legte mir ihre kranke Mutter und Geschwister hin, die anderen den schwerkranken Vater und ihre Lieben. So kam eins und eine nach der anderen.

 

Die Oberwachtmeisterin ließ mir nun von Gefangenen meine Sachen packen und behandelte mich nun so, wie, wenn ich eine Fürstin wäre. Von ihnen allen verabschiedete ich mich und versprach ihnen an ihre Sorgen und an sie selbst zu denken, so wie es der Herr mir schenken würde. - Ich denke auch heute noch an alle. Eins um das andere nahm ich in meine Arme und segnete sie. Mit einer Glaubensschwester, die mir nachgefahren kam, um zu helfen, ging ich dann zum Ausgang und wir fuhren zu unserem Frankfurter Heim. Umgeben von vielen lieben gläubigen Geschwistern lobten wir in unserer Wohnung den Herrn für Seine unaussprechliche und wunderbare Hilfe. Was freuten sich doch auch die Geschwister über die Maßen mit uns. Ja, was freuten sie sich von Herzen über diese herrliche Glaubenserfahrung. Es war auch ein gewaltiges Geschehen vor vieler Augen und Ohren. Wer in einer Zeit dauernder Bedrückung und Bewachung, Verfolgung und Bespitzelung durch die Gestapo lebt, der weiß diese Hilfe in die Freiheit mehr als zu schätzen.

 

Es war eine Freude, es war ein Loben und Danken. Ihm, unserem herrlichen, auferstandenen, treuen Herrn sei all Lob und Ehre, Preis und Anbetung in alle Ewigkeit. Ja, ohne Ihn wäre ich auf verlorenem Posten gewesen. Er aber hat für mich gestritten und die Herzen so wunderbar gelenkt. Sollten wir ihm nicht danken, daß wir wieder zu Hause sein durften und Er sich so herrlich und wunderbar erwiesen hat? Er hatte es doch wirklich verdient. Und rückblickend gesehen darf ich Ihm auch heute immer und immer wieder dafür danken. Wir hielten dann wieder unsere Andachten und Versammlungen wie vorher und wurden nicht mehr gestört. Während der Untersuchungshaft habe ich dem Führer geschrieben, daß ich um des Auftrages willen, den mir der treue Heiland gegeben hat, nun schon das 2. Mal Gefängnis sitzen würde. Ich hatte ihn gebeten sich Sache selbst anzunehmen und für eine gerechte Behandlung zu sorgen. Dieser Brief wurde nicht zu ihm befördert.

 

In einem weiteren Brief habe ich ihm geschrieben und ihn gebeten, daß ich ihm persönlich vorgestellt werden möchte. Ich wollte ihm Zeugnis von Jesus Christus geben und ihn warnen Jesus Christus nicht mehr länger zu verfolgen, usw. Es wurde mir geschrieben, eine Vorstellung wäre unmöglich, er sei im Hauptquartier und dort jetzt unabkömmlich. „Sehet an, liebe Brüder, eure Berufung: nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, dass hat Gott erwählt, daß er die Weisen zuschanden mache und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zuschanden mache, was stark ist; und das Niedrige und das Verachtete vor der Welt, das hat Gott erwählt und das da nichts ist, daß Er zunichte mache, was etwas ist, auf daß sich vor ihm kein Fleisch rühme." 1.Kor.1, Verse 26-29.

 

Wie kam eigentlich die Verhaftung zustande?

Das wird sich mancher Leser fragen. Nun, die Verhaftung hat einen ernsten Hintergrund. Dieser Grund richtet sich an unentschiedene, an halbe, an laue Christen; an wissende Christen, die nicht ernst machen. Der Grund richtet sich auch an solche, die sich um eines Vorteils willen, und sei es auch nur um Ansehen bei Menschen, der Sache Jesu Christi schaden können und zu schaden suchen. Das Nachfolgende wird deshalb wiedergegeben, damit Viele aus dem oben angeführten Stande sich ganz für Jesus Christus entscheiden. Die Geschichte wird auch deswegen hinausgegeben, damit Viele, die der Einheit der Kinder Gottes so leichtfertig Abtrag tun, sich dies einmal reichlich überlegen sollen und über die Folgen eines solchen Tuns einmal nachdenken können.  

Während meines Verhörs durch die Gestapo in Frankfurt/Main wurde ich so nebenbei von dem Leiter gefragt: „Frau Pfirrmann, kennen Sie eine Frau R.?" Darauf erwiderte ich: „Ja, die kenne ich sehr gut." Mit einem vielsagenden Lächeln hat er diese meine Antwort quittiert. Und da wußte ich auch sofort ganz deutlich, daß er nicht umsonst gefragt hat und daß sie an einer Anzeige; die unsere Verfolgung eingeleitet hat, mitbeteiligt ist. Diese Schwester kam öfters zu uns in die Stunde. Sie durfte auch öfters bei uns essen und unsere Gastfreundschaft erfahren. Und als sie schwer krank darniederlag - wir bekamen öfters Geflügel - da ließen wir sie auch zur Stärkung ihres Leibes daran teilhaben. Wir halfen ihr, wo wir nur konnten und wo es die Liebe gebot.

 

Als wir anfangs September 1940 nach unserer Freilassung in unsere Heimatstadt P. zurückgekehrt und schon etliche Wochen zu Hause waren, schrieb uns eine Schwester, bei der wir in Frankfurt öfters die Andachts- und Gebetsstunden gehalten hatten, wir sollten doch unbedingt, so schnell es geht, zu ihr nach Frankfurt kommen. Wir fuhren alsbald hin, mit mir mein Mann und mein Kind. Die Geschwister freuten sich, als wir wieder beisammen sein durften. Ja, sie nahmen uns mit Freuden auf. Als wir uns etwas ausgeruht hatten von der Reise, führte uns die Schwester in ihr Wohnzimmer. Und da saß die Schw. R. auf der Couch. Sie sprang auf mich zu und nahm mich in die Arme und sagte:

 

„Schwester Pfirrmann, ich war ein Verräter, ich habe euch bei der Gestapo angezeigt. Es hat mir manches bei euch, auch die Gesundbeterei, nicht gefallen wollen. Vergeben Sie mir, vergebt mir, es tut mir aufrichtig leid. Und bitte, beten Sie für mich und legen Sie mir die Hände auf. Mir kann sonst niemand helfen, und wenn ich keine Hilfe bekomme, bin ich verloren."

 

„Was fehlt Dir denn:" fragte ich sie.

 

Darauf zog sie ihre Kleider etwas aus und zeigte mir von ihrem Körper. Fast bin ich umgefallen vor lauter Abscheu. Ihre ganze Haut war voller kleiner Löcher, in denen sich kleine Würmer bewegten. Ach, ich war tief erschüttert. Ein unsagbares Erbarmen kam über mich mit dieser armen Seele. Ich wollte ihr im Namen Jesu die Hände auflegen. Da sagte mir der Heiland in meinem Herzen: „Mein Kind, diese Krankheit wird ihr nicht abgenommen werden; sie wird nicht geheilt werden von diesen Würmern. Sie hat eure Freundlichkeit und eure Hilfe in Anspruch genommen, hat sich alle eure Liebe gefallen lassen. Sie hat mit dem Verrat wissentlich gesündigt. Bemühe Dich nicht länger, Mein Kind; sie wird nicht geheilt. Sie muß den Weg gehen, damit sie die Hand des Gerichts, das Ich über sie habe kommen lassen, erkenne.`' Und dieses mußte ich ihr in ihre Not hinein sagen und ausrichten.

 

Sie ist dann auch nicht lange darauf verstorben, ohne Heilung erfahren zu haben. Der Herr hat sie durch diese Krankheit in eine schwere und tiefe Buße hineingeführt.

 

Ich selbst durfte ihr von Herzen vergeben.

 

Als ich so die Würmer bei ihr sah, da mußte ich an den Bericht der Schrift von der Krankheit des Herodes denken. Die Frau des Hausmeisters in dem Frankfurter Wohnhaus, die auch mit an der Anzeige beteiligt war, ist nicht lange danach in eine Anstalt für Umnachtete eingeliefert worden und dort verstorben. Ja, unser Gott ist ein heiliger Gott; Er läßt Seiner nicht spotten. Und er läßt die, die von ganzem Herzen an Ihm sind, nicht zuschanden werden. Gottes Wege sind heilig Und was Er tut, ist allezeit recht und gerecht. Das durften wir nicht nur in diesen beiden Fällen erleben. Der Herr hat uns vielfach Seine heiligen Wege sehen und erleben lassen und Seinen heiligen Lebens-Odem in Seinen hinterlassenen Spuren deutlich gemacht. Das Leben der wissentlich Unentschiedenen und der Feinde Gottes ist bedenklich schwer. Wir blieben darauf noch einige Tage in Frankfurt, weil uns die einladenden Geschwister darum gebeten hatten. Das ernste Geschehen mit Schwester R hat unsere Versammlungen vertieft und wir wurden viel und reich gesegnet. „Erforsche mich, Gott, und erkenne für mich mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken. Und siehe, ob ich auf bösem (trüglichem) Wege bin (auf einem Weg, der zum Schmerze führt) und leite mich auf ewigem Wege."  Psalm 139, Verse 23 u. 24.

 

Laß Dir von Gott Dein Herz erforschen, auch Deine Hintergedanken sagen, damit Er Dich auf ewigem Wege leiten kann.

 

Die Zeit des Münchner Abkommens im Jahre 1938

 

Durch den Westwallbau ab dem Frühjahr 1937 ist für die Bewohner der Grenzgemeinden mehr denn woanders die Frage aufgetaucht: Bleibt es beim Frieden oder gibt es Krieg. Die Sorge um die Zukunft, die Sorge um das, was da kommen kann, die Sorge um die eigene Sicherheit hat bei Vielen zu einer Vorsorge geführt und sie zu bestimmten Handlungen veranlaßt. Viele haben den Wohnort gewechselt und in einer anderen Gegend Sicherheit gesucht. Andere wiederum haben von ihren Sachen, die nötigsten und wertvollsten Gegenstände weggeschickt und sie bei Verwandten und Bekannten in Obhut gegeben.

 

In München wurde ja bekanntlich zwischen England - vertreten durch Chamberlein -, und Frankreich - vertreten durch Daladier -, und Italien - vertreten durch Mussolini, und Deutschland unter Hitler, ein Vertrag geschlossen, der die sogenannte Sudetenkrise beendete durch die Abtretung dieses Gebietes an Deutschland. Die drohende Kriegsgefahr schien damit abgewendet und besiegt. Die damals gehegte Hoffnung, daß mit dem Vortrag dem Frieden ein wertvoller Dienst geleistet worden st, hat sich anders herausgestellt und was den Frieden anbelangt, sich als sehr kurzfristig gezeigt. So kam auch in dieser Zeit eine Glaubensschwester in großer Unruhe zu mir. Sie hatte sich ihre Gedanken über die Zeit gemacht und war durch angstvolles Sorgen bedrückt. Sie war mit ihrer betagten Mutter allein und wollte alles tun, was zu dieser Stunde zu tun not war. Der Frage der Schwester habe ich vorauszuschicken, daß der treue Herr, der Auferstandene, mir sehr viel und sehr deutliches über das Völkergeschehen gesagt und auch geoffenbaret hat.

 

Die Schwester wußte davon und frug mich daher: „Sag mal, liebe Schwester, was sagt denn der treue Herr zu dem Völkergeschehen und was sagt Er denn zu den Vorbereitungen, die da und dort getroffen werden. Hat Er eigentlich zu Dir schon etwas gesagt, was Du tun sollst? Was sollen wir denn tun, und was macht ihr denn in dieser Lage?" Mit dieser Schwester kniete ich dann nieder und betete mit ihr zu unserem treuen himmlischen Vater. Wie ein Kind frug ich meinen Vater: „Bitte, sage und zeige Du es uns, wie wir uns verhalten und was wir jetzt angesichts dieser Zeit, dieser angespannten Zeit, an Vorbereitungen tun sollen. Denn nur so wie Du willst, wollen auch wir tun."

 

Da bekam ich ganz klar und deutlich die Antwort:

 

„Du Mein geliebtes Kind, ihr braucht noch nicht ein Taschentuch einzupacken, viel weniger braucht ihr eure Koffer packen. Ihr bleibt hier in eurer Heimatstadt. Er steht wohl sehr schlimm; aber Ich will noch ein Jahr zusehen, ob man der Bußrufe, die da und dort verkündet werden, achtet, hört und danach tut. Doch denke daran: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben'. Ja, noch ein Gnadenjahr will Ich dazu geben. Hört und achtet man der Bußrufe nicht, dann wird es so kommen wie ihr es jetzt befürchtet habt." Man hat der Bußrufe nicht geachtet. Und dann ist es ja gekommen, wie wir in der Tiefe es erlebt und durchlitten haben. Der Krieg ist ein Jahr später ausgebrochen und das Packen und die Rückführung sind gekommen und habe-. zum Verlassen der Heimat gezwungen.

 

Kurz vor Kriegsausbruch

 Wegen meinem Sturz war ich ja, Bett angewiesen.

Eines Morgens, der Tag ist mir noch sehr deutlich in Erinnerung, es war der Tag, an dem Hitler den deutsch sowjetischen Wirtschafts- und Nichtangriffspakt abgeschlossen hatte (23. 8. 1939) und darüber in den Zeitungen berichtet worden ist, sah ich den treuen Herrn auf mich zukommen ans Bett.

 

Da sagte Er zu mir: „Nun muß es sein von hier zu scheiden. Denn die Stunde ist gekommen, wo Ich der alten Schlange den Kopf zertreten will.

 

Ich will Dich nun segnen und Dich ausrüsten mit Kraft aus der Höhe. Fürchte Dich nun nicht. Blicke jetzt nicht auf Deinen schwachen Leib, sondern blicke auf Mich. Stehe nun täglich aus Deinem Bett für einige Stunden auf. Die Zeit ist nun gekommen, wo ihr von hier fort müßt. Aber verzage nicht. Ich bin bei Dir und euch und werde euch nicht verlassen, sondern segnen und helfen, wo es auch sein mag." Er legte Seine Hand auf mein Haupt und segnete mich. Von meinem Bett weg sah ich den treuen Heiland auf das im Zimmer stehende Sofa zugehen und sich dort niedersetzen. Dann sah ich, wie Er eine Zeitung auseinander faltete, sie mit beiden Händen hoch hob und sie mir zeigte. Dabei wandte Er sich mit Abscheu von der Zeitung weg. Er wandte sich mir zu, mit zwei Fingern einen ganz kleinen Abstand andeutend, sagte Er zu mir: „So viel nur ist Wahrheit, alles andere ist gelogen. Glaubet dem nicht, was da drinnen steht. Es wird Krieg geben, denn die Stunde ist gekommen.« Zu Mittag kam der Mann der Schwester, die mich versorgte, zum Essen nach Hause. Die Tage zuvor ist ja viel über Krieg gesprochen worden. Und so sagte er mit einer gewissen Erleichterung: ,Ach, es gibt jetzt keinen Krieg. Freut euch. Hitler hat mit Stalin einen Nichtangriffspakt gemacht."

 

Da mußte ich zu allen sagen: „Kinder, jetzt kommt, was ich heute Morgen gesehen habe." Und zu dem Bruder gewandt: „Nein, nein, mein lieber Bruder, so ist es nicht, wie Du es meinst." Der Bruder, oft mit Zweifel belastet, sagte ungläubig: .,Ei, es steht ja heute schon in der Zeitung." „Und gerade eben von dieser Zeitung hat sich heute früh der Heiland abgewandt", erwiderte ich ihm und berichtete ihm, was ich im Einzelnen erlebt hatte. „Das alles wird so kommen, wie der treue Heiland mir gezeigt hat", bekräftigte ich meine Schilderung. Während ich das so sagte, redete der Herr zu mir: „Ja, glaube dem, was Ich Dir gesagt habe. Und laß Dich mit Deinem Bruder in keine weitere Diskussion mehr ein. Gerade er wird bald die Wahrheit all dessen an sich selbst erfahren müssen, was Ich gesagt habe. Denn ihn wird es am allerersten treffen, noch vor euch." So konnte ich ihm nur noch antworten: „Gut denn, glaube Du der Zeitung, Heiland." Bevor wir uns an diesem Abend zur Ruhe begaben, frug ich den Herrn, ob wir uns zur Ruhe begeben könnten, oder ob Er uns noch gebrauchen wolle.

 

Darauf sagte der Herr: „Begib Du Dich und die Deinen zur Ruhe. Doch erschrecket nicht, was sich auch in dieser Nacht begeben mag. Denn in dieser Nacht kommt es auch an euch heran. Sei aber eingedenk dessen, was Ich Dir heute Morgen gesagt und gezeigt habe." Um die Mitternachtsstunde läutete es an unserer Abschlußtür. Der Stellungsbefehl für diesen Bruder wurde überbracht mit der Auflage, den nächsten Zug, er fuhr gegen 4 Uhr in der Frühe ab, zum Einrücken in die Kaserne zu benutzen. Das Staunen des Bruders nach dem Erleben kann man sich leicht vorstellen.

 

In dieses sein Staunen und Fragen zugleich hinein, sagte und fragte ich: „Und nun, mein Bruder, was sagst Du jetzt?" „Ja, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Man hat uns doch gesagt, es gäbe keinen Krieg. So was." Über dem Nachdenken verstummte er für kurze Zeit und fuhr dann fort: „O, teure Schwester, ja, der Herr hat recht. Der treue Herr hat ja immer schon recht gehabt." Ich glaube dem vorangegangenen. Bereits im Jahre 1935 hat mich der treue Heiland auf das Völkergeschehen hingewiesen und auch auf den kommenden Kampf, dem Völkerbrand, der sich schon im Geheimen vorbereiten würde, aufmerksam gemacht. Im Jahre 1937 hat Er durch Weissagung in der Gemeinschaft zu Geschwistern, die sehr fest an ihrem Besitz und an das Geld gebunden waren, geredet. Schon zu dieser Zeit sprach der Herr von einer kommenden Entwertung. Er machte auf die Wertlosigkeit des irdischen Besitzes aufmerksam. Wir sollten alles irdische Besitztum so halten, als ob wir es nicht besäßen. Bald würden wir von der Wertlosigkeit selbst überzeugt werden.

 

Dann, wenn die Besitztümer, die man sich mühsam in mehreren Jahrzehnten errungen, in ganz kurzer Zeit in Schutt und Asche liegen würden. Zu dieser Zeit würden sich dann auch Seine Worte als wahr bestätigen. Auch a11 das Geld, das so gierig angehäuft, auf welches die Menschen so viel Wert legen, und mit dem unterlassen worden ist Gutes zu tun, würde von einem Tag zum andern seinen Wert verlieren. Wir sollten uns von all dem lösen lassen und uns ausstrecken nach dem, was droben ist.

 

Erlebnisse im Geiste

 

Im Geiste sah ich einen Brunnen. An diesen Brunnen ging ich mit einem Gefäß Wasser schöpfen. Da kam auch Hitler herzu mit einem Wasser-Eimer. Das wiederholte sich des öfteren. Mit der Zeit wurde das Gefäß, mit dem ich zum Brunnen ging, immer größer. Das Gefäß, das Hitler benutzte, wurde ein immer kleineres. Mit der Zeit ging er nicht mehr Wasser holen, er kam nicht mehr zum Brunnen.

 

Im Geiste wurde ich zu ihm geführt und mußte ihn fragen: „Warum kommst Du nicht mehr zum Brunnen? Brauchst Du nicht mehr das Wasser des Lebens? Du hast Jesus Christus verlassen; denn Er ist ja für uns der Brunnen und das Wässer des Lebens. Kehre um! Denn sonst wird es Dir übel ergehen." Da sagte er zu mir: „Ich kann nicht mehr. Ich bin der Nation verpfändet." Darauf erwiderte ich ihm: „Es fehlt nur an Dir. Denn die Nation, die mit Dir das Heil Jesus Christus verlassen hat, diese Nation würde genau so wieder mit Dir zurückkehren, wenn D u nur wolltest."

 

Er drehte sich um und zeigte mir seine Umgebung, seine Minister und besonders Eifrige, und sagte: „Ich kann nicht mehr. Ich bin der Nation verpfändet." Nein, Du willst nicht. Denn Dein Haß hat Dich verblendet, Dein Haß auch gegen die Juden. Und Jesus ist der Geburt nach ein Jude, deswegen. Wie wirst Du aber mit der Nation ein furchtbares Ende nehmen und erleben." Ein andermal wurde ich im Geiste in einen Raum geführt. Dort sah ich Hitler selbstbewußt in Militäruniform auf der einen Seite des Raumes. Auf der anderen Seite sah ich den Herrn, den auferstandenen Herrn ihm gegenüber stehen. Ich sah, wie ihn der Herr sehr ernst und durchdringend anschaute. Und da hörte ich den Herrn zu ihm sagen:

 

„Nun bist Du auf den Plan getreten, aber auch Ich. Nun wollen wir sehen, wer siegt: Du oder Ich." Und Jesus wurde Sieger. Ein andermal wurde ich in das Quartier von Hitler geführt. Da saßen sie beieinander und machten Pläne und dachten dies und jenes aus. Da sah ich den Herrn dabeistehen und hörte, wie Er zu ihnen sagte: „Ihr könnt nur denken. Aber hindurchlenken kam nur Ich.

 

Wie deutlich und eindrucksvoll ist mir der Schrift geworden:

„Denn sie hegen Arges die sie nicht ausführen

wider Dich, sie schmieden Pläne, können."

Psalm 21, 12, Schlachter Übs.

 

Öfters wurde ich im Geiste zu Hitler geführt, um ihn zu warnen. Es wurde mir noch viel mehr gezeigt, das hier an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden kann. Ein andermal sah ich sieben mächtige Engel vor das Angesicht des Herrn kommen. Über ihren herrlich weißen Gewändern hatten sie einen schwarzen Schleier. Sie sprachen: „Herr, Du Gewaltiger, wir sind gekommen, Deine Befehle entgegenzunehmen. Wir warten auf Deinen Wink." Und ich hörte wie ihnen der Herr ganz bestimmte Befehle erteilte. Die Engel verbeugten sich vor Ihm und enteilten, ihre Aufträge auszuführen.

 

Während des Krieges

 

Der Herr hat unseren Brüdern, die bei der Wehrmacht und in Frankreich bei den dort verbliebenen Truppen waren, besondere Anweisungen gegeben. Er hat ihnen untersagt, sich an den Geschäften des Schwarzen Marktes und an der Ausplünderung durch Beschlagnahme und Auskauf von Waren, wie es da gang und gäbe war, sich in irgendeiner Form zu beteiligen. Der Herr sagte ganz eindeutig: „Ihr meine Söhne, machet euch nicht schuldig an der barbarischen Verwüstung dieses französischen Volkes, wie es eine zügellose Soldateska tut. Wenn sich die Zeit ändert, das Blatt der Geschichte sich dreht, dann wehe Deutschland, wenn dann Frankreich seine Rechnung begleicht.

 

Oder wallt ihr auch schuldig werden, daß sich viele französische Mütter an das deutsche Militär verkaufen müssen, so zu Dirnen werden, nur weil sie kein Brot und Kleider für ihre Kinder haben und sich selbst nicht kleiden können. Darum rühret nichts an und schicket auch nichts nach Hause, damit die Not in diesem Volk nicht noch größer wird."

 

Unsere Brüder haben sich daran gehalten und das Wort des Herrn befolgt.  

Der Mann von der Familie, die neben uns auf dem Stockwerk wohnte, kam auf Urlaub nach dem Frankreich-Feldzug. Zu dieser Zeit war viel von der Landung und der Ausweitung des Krieges nach England die Rede. im Blick auf den so geglückten Frankreich-Feldzug meinte er mit der eigenen Überheblichkeit und der damals so reichlichen Begeisterung: „Ach, das mit England, ist für uns nur ein Spaziergang." Vom Herrn war ich anders unterrichtet und sagte deshalb zu ihm:

 

„Mein lieber, junger Freund. Diesmal werdet ihr euch aber verrechnen; denn der Heiland hat es mir anders gesagt. Mit England wird die Sache nicht so leicht, wie ihr es euch vorstellt." Er lachte darüber und meinte zu wissen: „Wer kann denn schon unserem Führer widerstehen und einer so gut ausgerüsteten Wehrmacht." In aller Ruhe erwiderte ich ihm: ,,Lachen Sie nur. Auch sie werden die Wahrheit dessen, was ich ihnen jetzt gesagt habe, noch erkennen. Die heilige Schrift sagt es uns. Warten wir ab, die Zeit wird es uns lehren. Hitler widersteht dem Heiland, darum wird auch Er ihm widerstehen."

 

Diese so oberflächlichen und verblendeten Aussagen des Mannes trieben mich ins Gebet für ihn. Da antwortete der Herr mir im Gebet: „ja, Mein Kind, so wie sie meinen wird es nicht gehen. England hält stand in dieser Auseinandersetzung und wird weiter standhalten, solange das Volk und die Regierung in Mir und auf Mein Wort gegründet bleibt. Jetzt ist noch Ehrfurcht und Gottesfurcht und die Liebe zu Meinem Wort in diesem Lande vorherrschend. Sollte aber es und andere Länder sich auch von Mir wenden, dann müssen auch sie erfahren, was Hitler in Bälde erfahren muß."

 

Dieser junge Mann mußte die Wehen des Krieges erfahren und mit einem Bauchschuß erleiden. Auch in der Zeit des Ausbruchs des Rußlandfeldzuges ist viel geredet und gesprochen worden. Ein junger Mann meinte zu einem älteren: „Auch das wird bald erledigt sein." Und der Herr redet ja auch zur Zeit und Unzeit, zu einer Stunde, da man's nicht gedachte; und Seinem Ohr entgeht durchaus nichts. In der Versammlungsstunde erging durch die Weissagung das Wort auch an den jungen Mann: „Mein Sohn, Mein Sohn, diesmal wird es ihnen nicht so leicht ergehen. Denn diesmal haben sie auch die Rechnung ohne Mich gemacht. Diesmal werden sie erkennen müssen, wie sie sich verrechnet haben. Denn diesmal werde Ich die Rechnung frühzeitiger zusammenstellen. Wie kann und soll das auch anders ausgehen, wenn man, wie eure Regierung, Mich und Mein Wort verwirft und ein solches Lug- und Truggewebe spinnt.

 

Könnt ihr nun verstehen, warum Ich damals vor Ausbruch des Krieges Mein Angesicht von den Veröffentlichungen in der Zeitung abwandte, als Hitler den Nichtangriffspakt mit Stalin verkündigte? Von Mir steht es doch geschrieben, daß Ich der Herzenskündiger und Nierenprüfer bin, und ich wußte doch, daß Hitler nicht im entferntesten daran gedacht hat, sich jemals an diesen Vertrag zu halten. Seine Pläne waren doch ganz andere. Ja, Ich wußte schon damals, daß alles Lug und Trug ist, und daß dies nur dazu angetan ist, auch den Russen hereinzulegen. Aber dies wird ihm nicht gelingen. Noch hat er nichts gelernt, wie furchtbar es ist, ein Land zu regieren ohne Mich. Ja, im Gegenteil. Um zu seinem Ziel zu kommen, hat er sich mit seinem schlimmsten Widersacher verbunden. Er muß sich es nun gefallen lassen, daß diese Verbindung ihm das Genick bricht.

 

Und Du, Mein Sohn, bringe Dein junges Leben in Ordnung; denn es trifft auch Dich. Und gerade dort wirst Du fallen. Doch fürchte Dich nicht, Du weißt, daß für die Meinen der Tod seine grauen Schrecken verloren hat. Und Du weißt, daß Ich ewiges Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht habe. Was auf Golgatha geschehen ist, das gilt auch für Dich. Wisse eins: In Meiner Hand bist Du geborgen, im Leben oder im Sterben. Vor Mir bleibst Du offenbar, ob Du auf Erden oder in der ewigen Heimat bist. Und wenn Du fällst, so kannst Du nicht tiefer fallen, als in Meine weit ausgebreiteten Arme." Von der Westfront an die Ostfront verlegt, ist der Bruder am 28. 7. 1942 vor Smolensk gefallen.

 

Die Zeit von Stalingrad

 

Mein leiblicher Bruder, der jüngste Bruder von uns Geschwistern, Vater von vier Kinder, war auch Soldat und mit der Armee in Stalingrad eingeschlossen.

 

Er schrieb mir von dort einen Feldpostbrief, daß sie viel Hunger haben, und wenn es so weitergeht, auch bald verhungern müßten. Ein bißchen Wassersuppe und ein Stück Brot, das sei oft eine Tagesration. Er bat mich, ob ich ihm nicht einige Pakete mit der Feldpost senden könnte. Daraufhin habe ich ihm gleich einige Sachen zurechtgemacht und nach der damaligen Versendungsmöglichkeit an ihn weitergeleitet. Ob er es noch bekommen hat, weiß ich nicht. Seit diesem letzten Brief, in dem er mich um Pakete gebeten hatte, habe ich nichts mehr von ihm gehört. Bis heute ist er noch vermißt.

 

Diese Not habe ich auch dem Heiland hingelegt und ihn und seine Kameraden Ihm besonders anbefohlen. Unter dem Gedenken an meinen Bruder dort an der Front ist auch der 29. Januar 1943 herangerückt. Ein denkwürdiger Tag für mich.

 

Der Herr sprach an diesem Tage zu mir:

 

„Mein Kind, ehe d i e s e r  (d. i. Hitler) zum Volke redet (gemeint war der Tag der Machtübernahme, der 30. 1.), will Ich zu Dir und mit Dir reden.

 

Denn Du sollst wissen, was geschieht.

 

Diese alle, die dort in Stalingrad geblieben sind, mußten ja ein Opfer werden. Sie sind ja gezwungen worden und sie werden in Meinem Reiche besondere Begnadigung erfahren. Ich habe dies und werde noch anderes über Deutschland zulassen. Das deutsche Volk hat den Lügen Hitlers mehr geglaubt als Meinem Wort. Ja, Ich werde noch Schlimmeres zulassen, weil sich dieses Volk zum Himmel erhoben hat wie Kapernaum. Darum muß Ich es hinabstoßen in die Tiefen der Tiefen, damit sie erkennen, daß ich der Herr bin und kein anderer.

 

Ja, Ich werde noch viele Wehen und Demütigungen zulassen. Deutschland war nicht berufen mit fleischlichen Waffen zu kämpfen und Blut zu vergießen. Es war berufen, das göttliche Licht in die Völker hineinzutragen mit den geistlichen Waffen. Es war dazu berufen, den anderen Völkern ein Wegweiser zu Mir und Meiner Wahrheit zu sein. Deswegen habe Ich auch diesem Volk die Männer geschenkt, die für diese Aufgabe von Mir geschickt und tüchtig gemacht worden sind. Es hatte einen viel größeren Auftrag von Mir. Ihm war Großes anvertraut. Aber es hat sich einen anderen Gott erwählt und muß nun völlig zuschanden werden.

 

Die aber, die Mir treu gewesen sind, werde Ich beschützen und bewahren. Ja, ich werde über das deutsche Volk diese große Demütigung zulassen und den Russen hereinlassen. So wie Israel zerstreut wurde, so werde ich Deutschland zerreißen. Denn diese Demütigung ist not, weil dieses Volk große Erkenntnis hatte und viele gesegnete 'Männer hervorgebracht, eine andere Aufgabe hatte.

 

Es wird so gedemütigt werden wie selten ein Volk gedemütigt worden ist."

 

Nicht lange nach dem Fall von Stalingrad hatte ich ein Gesicht. Da sah ich im Geiste eine weiße Gestalt, die das Antlitz meines Bruders trug. Ich hörte diese Gestalt über das Geschehen reden und auch über den Führer des deutschen Volkes. Und die weiße Gestalt sagte: „Wir haben einem Dämon gedient."

 

 

Nach dem kurzen Rückblick in die Vergangenheit noch, ein kleiner Einblick in die nahe Vergangenheit und Gegenwart, und ein kleiner Ausblick auf die Zukunft

 

Manches unverständliche Zeichen dieser Zeit kann nur im Lichte der Schrift und der Offenbarung durch Seinen Geist erklärt werden. Manches nicht zu erklärende Ereignis kann nur darin verstanden werden, daß Jesus Christus gekommen ist, sich zur Aufgabe gemacht hat. die Werke des Teufels zu zerstören. - 1. Joh. 3, 8.

 

Das Leben des Einzelnen, das Leben der Völker ist auf ein viel größeres und herrlicheres, ewiges Ziel als der vielen irdischen, vergängliche Ziele gerichtet. Wenn auch da und dort seit nahe 2000 Jahren immer wieder in Worten gesagt, in entsprechender wortloser Einstellung, dafür aber umso deutlicheren Handlungsweise zum Ausdruck gebracht wird: „Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche", - Luk. 19, 14 - so kann damit weder die Majestät Gottes verkleinert noch Seine Wege und Ziele, Sein Vorhaben und Sein Wille gehindert werden. Wenn sich die Menschen auch angewöhnt haben, ohne Gott zu leben und zu handeln, oft unter Mißbrauch Seines heiligen Namens das Böse tun, so verändert das die Souveränität des lebendigen Gottes in keiner Weise. Was Er sich vorgenommen, wird Er auch hinausführen; immer zu Seiner Zeit und Stunde und Seiner Ihm eigenen Weise und der erforderlichen Notwendigkeit. Die heutige Zeit mit all seinen Erscheinungen, seinen sich überstürzenden Ereignissen, ist ganz eindeutig auf den Herrschaftsanspruch Jesu Christi und Seine baldige Wiederkunft, Seine unbeschränkte Herrschaft auf Erden, abgestellt. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, in Erinnerung an all das Erlebte und Durchlittene, hat sich die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden sehnlichst in den Herzen breitgemacht.

 

In diese Zeit hinein spricht der Herr:

 

„Ich weiß, wie ihr euch sehnet nach einer Erquickungszeit. Ihr habt Mein Wort, darauf könnt ihr euch verlassen. O, o wohl euch, wohl eurem ganzen Volk und Menschheit, so ihr diese nochmals geschenkte, sehr kurze Gnadenpause erkennt und sie restlos auskaufet. Wehe aber, dreimal wehe dem Volk wie der einzelnen Seele, die dieser Meiner großen Liebe und Gnade aufs neue widersteht. Ich habe Mich bewegen lassen, diese, wenn auch sehr kurze Atempause, diese Gnadenzeit zu schenken.

 

Aller Menschen Weisheit und Vermögen ist begrenzt; das seht ihr immer mehr. Aber Meine Weisheit und Mein Können ist unbegrenzt, ist ohne Grenzen. Ich bin daran, aller Welt Weisheit und Können zunichte zu machen; ja, Menschen von Menschen, wer sie auch sind und heißen, zu heilen und frei zu machen; ja, ganze Völker wie Einzelne, Hohe und Niedrige, aller ihrer Stützen zu berauben, damit alle im Staube liegen und erkennen müssen, daß Ich allein alles in allem bin, war und sein werde in und für alle Ewigkeit:

 

Und ist kein Gott und keine wahre Hilfe und Rettung außer Mir"!

 

An anderer Stelle sagte Er, daß die Völker in ein Sieb genommen und durchgesiebt würden. Das Sieb, das Er sich bedienen würde, wäre haarfein. Er wäre dabei die Völker und die Erde samt ihren Obrigkeiten zu richten. Die Frage nach dem Ende dieser Welt oder der Ankunft des Herrn, ist schon bei Lebzeiten Jesu Christi gestellt worden. Diese Frage hat sich nach den Aussagen, dem Wehe über die Schriftgelehrten und Pharisäer, nach dem Wehe über Jerusalem und der besonderen Andeutung, der Voraussage über die Zerstörung des Tempels, ergeben.

 

„W a n n  wird das geschehen? Und welches wird das Zeichen sein deiner Zukunft und des Endes der Welt?" Matth. 24, 3.

 

Die Frage nach dem Zeichen (das Zeichen) hat der Herr sehr genau und vielfältig beantwortet. Er hat diese Frage nach dem Zeichen mit mehreren Zeichen beantwortet. Das ist sehr bedeutungsvoll. Die übrigen in Matth. 24 aufgeführten Zeichen sind also nicht einfacher oder einzelner, sondern sie sind mehrfacher, hochkonzentrierter Art. Ein hochdosiertes Mittel gegen die Schläfrigkeit, eben ein starkes Mittel, das die Bereitschaft auf das Kommen des Herrn und das Wachen in ganz besonderer Weise fördern und erhalten will. Sie sind auch deswegen in der mehrfachen Art gegeben, damit eine Täuschung in dieser Endzeit schlechterdings unmöglich wird. Denn es werden mehrere Zeichen nebeneinander zur gleichen Zeit sichtbar werden.

 

Die Frage nach der Zeit, diesem zeitlich hindeutenden Wann, ist vom Herrn umschrieben beantwortet worden. In welcher Stunde, in welcher Minute oder Sekunde der Stunde der Blitz ausgeht und vom Aufgang bis zum Niedergang scheint, das kann zeitlich nicht gesagt werden. Das hängt ganz und gar von auslösenden, den Blitz auslösenden Merkmalen ab. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Hätte man darauf und auf die Tiefe der Bedeutung der Zeichen besser geachtet, dann wären die irreführenden und schädigenden Zeitberechnungen unterblieben, vergl. auch Matth. 24, 36.

 

Diese für die Erscheinung des Menschensohnes auslösenden Blitzmerkmale hängen ganz eindeutig mit der Vollendung, der Vollzahl der Gemeinde, auch mit dem Wachstum Israels zusammen. Wann nun die Vollzahl erreicht, aufgerundet ist, das hängt wiederum vom Hören des Erwählungsrufes und dem Gehorsam in der Nachfolge Christi und Heiligung derer ab, die in diese Zahl eingeschlossen sind. Die Auffüllung dieser Zahl kann also durch eine einzelne Zahl, oder besser gesagt, durch eine einzelne Seele aufgehalten und beschleunigt werden. Den Ausschlag für ein Pfund auf der Waage gibt das letzte Gramm! Wann wird das sein? Wie wir aus Matth. 24, 36 wissen, weiß das nur der Vater!

 

Die Zeichen: „Verführung unter dem Namen Christus; Kriege und Geschrei von Kriegen; Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder; Haß und Überantwortung wegen des Bekenntnisses des Namens Jesu Christi; Verrat; falsche Propheten; Üherhandnahme der Ungerechtigkeit, Erkaltung der Liebe; Predigt des Evangeliums in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker - über das Ausmaß der Verbreitung des Evangeliums sind aufschlußreiche Veröffentlichungen zu empfehlen -; verwesendes Aas, Sammlung der Geier; ein Vergleich mit der Zeit Noahs: sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien; das Gleichnis vom Feigenbaum: Wenn sein Zweig saftig wird und Blätter gewinnt, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist!" Aus Matth. Kap. 24.

 

„Wenn ihr das alles sehet, so wisset, daß es nahe vor der Tür ist." Matth. 24, 33.

Auf zwei der aufgeführten Zeichen soll hier besonders und näher eingegangen werden.

„Aber gleichwie es zu der Zeit Noahs war."

 

Von dieser Zeit steht es geschrieben: „Da sich aber die Menschen begannen zu mehren auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Kinder Gottes nach den Töchtern der Menschen, wie sie schön waren, und nahmen zu Weibern, welche sie wollten. Da sprach der Herr: Die Menschen wollen sich von Meinem Geist nicht mehr strafen lassen; denn sie sind Fleisch!" Nachzulesen in 1. Mos. 6, 1-3, Übers. Luther. „Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut: sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien." Matth. 24, 38. Also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.

 

Vergleichen wir auch die Anweisung des heiligen Geistes und die apostolischen Vollmachten zur Bereinigung der Verhältnisse in Korinth, und der ähnlichen Verhältnisse nach Korinth. Es sei dabei auf 1. Kor. 6 und 7 verwiesen. In Korinth war die Unzucht, und auch anderes in diesem Sinne, so sehr im Schwunge, daß im ganzer. Altertum, wenn man einen davon Befallenen kennzeichnen wollte, man von ihm sagte:

 

„Er lebt korinthisch."

 

Vielleicht gewinnt beim näheren Hinsehen, besser gesagt, beim Hineinführen des heiligen Geistes in die Tiefe der Wahrheit das Wort aus 1. Mos. 2, 24 in der Auslegung des 1. Kor. 6, 16, „ ... es werden die zwei ein Fleisch sein", eine sintflutähnliche, eine endzeitähnliche Bedeutung. Betrachten wir die Bemühungen der Ausweitung durch Bücher, Zeitschriften, Mode, Film und sonstige Möglichkeiten, dann werden die Worte Jesu und Sein Wissen um die Erscheinungen in der Endzeit noch mehr Bedeutung haben.

 

Ja, „ . . . wer aber dem Herrn anhanget, der ist ein Geist mit ihm." 1. Kor. 6, 17.

 

Vor etwa 30 Jahren, genau im Jahre 1938, als die „freie Liebe" gepredigt, geduldet, und man sich zum Weibe nahm, welche man sich irgend schön erwählte, hat der Herr gesagt: „Ihr Meine Kinder, es wird eine Zeit kommen, so wie einst die Erde mit Wasser überschwemmt worden ist, eine Flut aufkommen wird, eine Sündflut über die Erde gehen wird voll Hurerei und Ehebruch. Und die Ehe, die als heilige Ordnung von Mir eingesetzt, wird keinen Damm mehr setzen können gegen diese Flut.

 

Ich aber muß es zulassen, um die Menschen aufs neue zu überzeugen, wo man hinkommt und welche Folgen es zeitigt, wenn man meine Gebote verachtet und aus der heiligen Gottesordnung fällt. Wehe, wenn diese Saat, die jetzt gesät wird, aufgeht; es wird eine schreckliche Ernte werden.

 

Darum, ihr meine Kinder, bleibet fest an Meinem Worte und laßt euch helfen. Denn es kommt die Zeit, wo allen, die jetzt nicht ernst machen, die Festigkeit fehlt, die sie brauchen, um in dieser Zeit bestehen zu können. Auf der einen Seite wird es eine böse, arge Zeit werden und sein, aber auf der anderen Seite ist es eine hohe heilige Zeit der Zeiten, wo Meine Kinder können eine Reife erlangen und einen C7berwindergrad wie nie zuvor und nie nachher es mehr möglich sein wird. Für die, die nicht gefestet sind, wird es eine verhängnisvolle Zeit. Sie werden abfallen wie dürres Laub an den Bäumen! Die Zeit, die jetzt kommt, duldet keine Halbheit und Lauheit, sondern fordert eine volle Entschiedenheit: entweder ganz der Welt angehören oder Mir! Die Zeit der Wortmacher ist vorbei; jetzt bedarf es der Kraft, der Ausrüstung mit Meinem heiligen Geiste."

 

„Aber gleichwie es zu den Zeiten Noahs war." Kennzeichen, Vorboten, Merkmale, Kennzeichen - Zeichen dieser Zeit! Zeichen der Zukunft des Menschensohnes. Zeichen zur Bereitschaft und des Wachens. Zugleich auch Zeichen und Aufforderung zur Hinwendung an den Herrn, zur Gemeinschaft eines Geistes mit Ihm, wo es noch nicht geschehen und vollzogen ist. Seit dem 15. Mai 1948 ist der jüdische Staat, ist Israel als Staat ausgerufen worden. Seit dieser Zeit ist der Feigenbaum - I s r a e 1 - saftig geworden und treibt Blätter. Seine Form verändert sich und wirft Schatten. Der kahle Feigenbaum ist ein Zeichen des Winters. Oder nach Jesaja ein Zeichen des Abfalls und der Sünde.

 

„Wir sind allesamt abgefallen wie Laub und unsere Sünden haben uns mit sich fortgerissen wie der Wind." Jes. 64, 6, nach Menge. Der Saft treibende und Blätter tragende Feigenbaum ein Zeichen neuen Lebens. Ein Leben mit Saft, voller Saft - und woher fließt der Saft? Saft und Blätter ein Zeichen des Frühlings und des nahen Sommers. Schattenwerfende Blätte: sind ein Zeichen des nahenden Sommers. In diese Zeit fällt die Ernte, in der Jesus Gericht halten wird, Matth. 13, 30. Die eigentliche Ernte fällt in den Sommer, von dem Jesus sagt, daß, wenn der Feigenbaum Blätter gewinnt, der Sommer nahe ist.

 

Der Weizen wird in dieser Sommerzeit hellgelb bis weiß. „Nun sage Ich euch: Laßt eure Augen ausschauen und seht die Felder an, sie sind weiß zur Ernte." Joh. 4, 35, nach Menge. Die Traubenernte und Feigenernte beginnt nach dieser Zeit! Es wäre daher verkehrt von dem Feigenbaum Israel Früchte des Herbstes zu erwarten. Wir siad auf die Blätter, dem den Blätter nahen Sommer hingewiesen. Nachstehend ein Einblick in die Kriegstage des 5. bis 10. Juni 1967, aufgezeichnet am 6. Juni 1967 in der Andacht und Gebetsgemeinschaft. „Da sah ich einen mächtigen Cherub, einen majestätisch herrlichen Engel auf mich zufliegen. In der einen Hand hatte er einen Kelch, in der anderen Hand das Kreuz. Und da redete er mich an und sprach zu mir:

 

„Siehe, teure Schwester im Herrn, dem Herrn teure Priesterseele. Du sollst es nun wissen, was nun kommt und erfahren, und ihr alle, wie groß und mächtig, wie voll heiliger Majestät und Erhabenheit Er ist, der am Steuer sitzt und im Regimente. Und wie Er sich auch jetzt wieder herrlich erweisen und zu Seinem Wort bekennen wird. Und nun betet und stehet fest. Denn was jetzt kommen wird, das wird auch Dich erfreuen und euch alle. Ja, der Herr, Er wird sich aufmachen und wird seinem Volke Israel zur Seite stehen und ihm wunderbar helfen." Und ich war entrückt im Geiste. Ich sah große Herden von weißen Pferden, wunderbar geschmückt. Ich sah den heiligen Herrn selbst. Seine Cherubim und Seraphim waren versammelt; große stattliche Gestalten mit glänzenden weißen Gewändern. Sie beugten sich alle als Er in ihre Mitte trat. Und dann sah und hörte ich wie Er Seine Befehle und Aufträge erteilte, um Israel zu Hilfe zu eilen.

 

Und ich hörte, wie Er zu mir sagte:

 

ja, der Sieg ist und bleibt Mein in alle Ewigkeit. Nun geht es von Sieg zu Sieg!" Nachdem der Herr geredet hatte, beugten sich die Engel und legten die Hände vorne auf die Brust. Die Engel enteilten ihren Auftrag auszuführen und der Herr zog mit ihnen aus. Und nun spricht einer der erhabenen, mächtigen Enge! in wunderbarem Glanze und Herrlichkeit: „Teure Schwester im Erdenkleid! Freuet euch, und abermals sage ich: Freuet euch! Ich, ein Diener des Allerhöchsten, gerufen auch jetzt auf dem Plan zu sein, füIhn zu dienen, und auch Dir Bericht zu erstatten, so wie mir aufgetragen worden ist von Ihm. Bleibet in der Freude, bleibet im rechten Vertrauen und im felsenfesten Glauben. Denn Er ist es wert, was auch kommen mag; Er ist wert, denn Er wird Seinen Namen herrlich machen. Er ist es, der geschworen hat: „So wahr ich lebe!" Und Er wird es auch tun. Er wird Sein Wort wahrmachen, daß alle die Verächter noch zuschanden werden, im Staube liegen und jammern und weheklagen und nach Ihm rufen lernen, und erkennen ihre frevelhaftes Tun.

 

Er, der nur Liebe ist, aber nicht süßliche Liebe, nicht Liebe, die das Böse gelten läßt; Er, der die Sünde hasset und verabscheut und der für die Sünde, für aller Sünde gestorben ist. Er, der deshalb Mensch geworden ist, Knechtsgestalt angenommen hat, Er ist es, der die wahre Liebe ist, die auch streng und ernst sein kann, wenn es sein muß; der ja weiß, um was es geht und was sein Widersacher, der Feind alles Lichtes und aller Wahrheit, im Schilde führt. Er ist auch jetzt auf den Plan getreten, wie schon so oft, und steht dein Widersacher gegenüber und sagt:

Du bist auf den Plan getreten, nun aber auch Ich! Nun wollen wir sehen, wer siegt.

O preiset Seinen Namen. Betet Ihn an. Gebt Ihm die Ehre, der so Großes tut und der nur Liebesabsichten hat, Gedanken des Friedens mit allen, die Ihm vertrauen. Der will, daß allen Menschen geholfen werde und gerettet werden, auch die schlimmsten Feinde, so sie sich von Herzen bekehren und willig sind, sich helfen zu lassen. Er, der nicht gekommen ist zu vernichten, sondern um zu helfen, zu erhalten; der nicht gekommen ist, zu zerstören, sondern aufzubauen und aufzurichten.

 

Er, der Wunderbare, der Herrliche, über alles große und mächtige Herr, aus dem die Liebe strömt wie ein Strom über alle und dessen Herz brennt für alle. Und der auch auf Golgatha diese Seine große Liebe in solch großem Maße, in solcher Heiligkeit, in solcher unbegrenzten Größe geoffenbart hat und sich selber für alle gab und in den Riß getreten ist. Er, der Wege und Bahn gemacht hat für alle, die eines guten Willens sind und für alle eine Hilfe zu sein, die sich danach sehnen aus ihrer Gefangenschaft, ihrer Gebundenheit, ihren Stricken und Ketten erlöst zu werden. O lasset uns anbeten und Ihm dienen. Denn: heilig, heilig, heilig ist der Herr und alle Himmel sind Seiner Ehre voll.

 

Und wir alle, Seine Himmelsheere und -mächte, auch ich, der ich von ihm beauftragt bin, stehe Ihm zur Verfügung. Er, der den Seinen Zuflucht und Hilfe ist, Er wird alles recht führen. Darum ängstiget euch nicht, sorget nicht, sondern freuet euch. Denn alles ist in Seiner Hand, Seiner allmächtigen starken Hand. Es geschieht nur alles wie Er will und es gilt Sein Ruhm und Seine Ehre. Sein Name sei ewig hoch gepriesen und gelobt, Sein Name, der über alle Namen ist, jetzt und in alle Ewigkeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.«

 

Und jetzt sehe ich viele weiße Pferde mit mächtigen herrlichen Reitern darauf. Die Reiter nehmen ihren Auftrag entgegen, mitzuhelfen nach Seinem heiligen Willen. Und jetzt sehe ich Schlachtfelder, furchtbares Drunter und Drüber, „in Feuermeer; ein Donnern und Brausen ist zu hören. Aber über dem allem, Er, der Erhöhte, mit ausgebreiteten Armen alles führend und alles lenkend. Alles geht drunter und drüber; viel Geschrei, viel Blutvergießen. Aber auch viel Siegesjubel bei den himmlischen Mächten, aber auch da und dort auf Erden. Und Er ist es, der nun redet, Kraftströme von sich gehen Iäßt über alle, die sich zu Ihm wenden und die auf Ihn harren, die für das Rechte stehen und kämpfen.

 

Und Er ist es, der jetzt redet, viele Engelsfürsten um sich versammelt:

 

„Ja, Ich bins, der da winket. Und Ich will nun mLh: und n:ehr Meinen Namen offenbaren, die Mir vertrauen. Und Ich werde Großes tun. Nach vielen Glaubenskämpfen und -prüfungen Mich beweisen denen, die sich an Mein Wort halten und Mir glauben. Ja, da und dort werde Ich Meine Allmacht offenbaren und den Verfolgern zeigen, wie Ich die Verfolgten um Meines Namens willen und alle, die Mich lieben, nicht verlasse noch versäume. Und ich werde nun nach und nach in der kommenden Zeit Mich mächtiglich offenbaren und tun, so wie Meine Verheißungen es sagen, wie es geschrieben steht. Denn alle Zweifler, alle die Verleugner, alle die Verfolger, die Widersacher und Feinde sollen es erkennen, daß Ich der Herr bin und kein anderer von Ewigkeit zu Ewigkeit, und daß der Sieg ist und bleibt Mein!

 

Selig sind, die auf dem Boden Meines Wortes, Meine: Schrift stehen und sich daran halten. Sie werden erfahren dürfen wie ich geredet habe. ja; es wird sich Großes tun durch Mein Wirken und Führen. Zu den Engeln ganz besonders:

 

,.Stehet treu auf eurem Posten. Seid Meines Willens gegenwärtig. Tut nach Meinen Befehlen, so werden wir das Ziel erreichen. Amen." Und jetzt ruft aufs neue eine wunderbar leuchtende Gestalt: „Selig sind, die da glauben den Worten, die Er geredet hat. Der Glaube aber ist eine gewisse Zuversicht dessen das man hofft, ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht. Bald aber wird für alle, die glauben, ihr Glauben zum herrlichen Schauen werden. Der Herr: „Zu euch, ihr meinen Kindern, sage Ich: Bleibt fest auch weiter auf Meinen Worten gegründet und fest in der Fürbitte und Gebet. Es Ist Mein Ruf auch für euch und Meine Aufgabe an euch. Denn dies Eine tut not, daß Ich Meine Verheißungen, erfüllen kann und das ausrichten, was Mein heiliger Wille ist und wie es nun sein und werden soll. Denn Ich habe euch nicht im Unklaren gelassen und euch gesagt, daß es mit Riesenschritten immer mehr der Erfüllung entgegen geht. Selig ist der, der von Herzen glaubt und vertraut. Amen."

 

Ihr meine teuren Brüder und Schwestern, in unserem irdischen Vaterland und auf der ganzen Erde, ich grüße Euch herzlich in heiliger Jesu-Liebe. Möge Euch alles was auch in diesem neuen Heftchen niedergeschrieben steht, reich gesegnet sein. Werdet rechte Täter Seines Wortes, so wird sich unser treuer Herr und Heiland dazu bekennen und Euch reich segnen. Denn Er ist es ja, der immer wieder sagt: „Tut danach, so werdet ihr, innewerden, wie wahr Ich geredet habe." Ja. nur wenn wir im Glauben danach tun, dann wird sich diese Verheißung erfüllen; so, wie wir es schon oft und viel erfahren haben und auch diese Schrift davon Zeugnis geben will. Er segne Euch, Er schenke Euch allen ein rechtes Pfingsten, die Ausgießung Seines heiligen Geistes, damit auch ihr in der Tiefe erfahren dürft, wie wahr Sein Wort ist. Sein guter heiliger Geist wird Euch dann alle in die Tiefe der Wahrheit leiten und Ihr immer mehr erfahren, wie wahr sein Wert Ist.

 

Meine Gedanken und Gebete sind bei Euch.

Der Herr wird Seine Sache herrlich hinausführen, wenn Seine Stunde gekommen ist.

 

Sein Frieden und Segen sei mit Euch. Möge Seine Gnade nicht von Euch weichen.

 

Innige und herzliche Segenswünsche

 

Eure geringe Mitschwester

Käthe Pfirrmann

 

 

Ihm allein sei Lob und Preis und Anbetung! Amen.

 

 

Was ich hier niedergeschrieben, habe ich mit bestem Wissen und Gewissen zur Ehre meines Herrn getan. Soweit Unterlagen, auch Gerichtsakten vorhanden, sind diese verwendet worden.

 

 

Mein Jesus ist mein Leben

 

Im Leben eines gläubigen Menschen gibt es Stunden und Tage, die sehr bedeutungsvoll sind. Diese Stunden sind oft entscheidend über Gedeih und Verderb des Glaubenslebens. Da wird eine Entscheidung gefordert, die auch das Leibesleben vor Leben oder Sterben stellt, die auch das geistliche Leben, das Geistesleben, vor ein gedeihliches, gesegnetes Weiterleben, vor ein Absterben oder ein Abfallen stellt. In diesen Stunden wird ein Bekenntnis aufgerufen mit überschaubaren und unübersehbaren Folgerungen, da wird ein Bekenntnis verlangt, das ganz eindeutig ausweist, zu wem wir gehören, wes Geistes Kind man ist.

 

Ja, da sind wir gefragt, was einem Jesus Christus wirklich w e r t ist; es wird geprüft, ob die Liebe zu Jesus größer ist als die Liebe zum eigenen Leben, als die Liebe zur Welt. Diese Stunde fragt unumgänglich, unausweichlich: Kannst Du um Jesu willen Dein vergängliches Leben hingeben, um Dein ewiges Leben zu erhalten, zu empfangen, zu bewahren? Du wirst gefragt: Welches Gewicht hat Jesus in Deinem Leben? Hat Er Dein vergängliches, sterbliches Leben zu ewigem Leben aufgewogen, daß Du es getrost ganz für Ihn und Seine Sache in die Waagschale werfen kannst oder hat Jesus so wenig bei Dir an Gewicht, daß Deine Weltliebe, Deine Eigenliebe, Dein alter Mensch, Deine Sündenliebe, mehr zieht, die Waagschale hinabzieht?

 

Ein gutes Bekenntnis fordert diese Stunde, dieser Tag, sie sind aber auch offen für eine Verleugnung! Wer zuvor nicht sich selbst verleugnet hat, Jesu Kreuz auf sich genommen hat und Ihm gefolgt ist, dei wird Jesus in dieser Stunde verleugnen müssen und das Wort wird wahr werden: „Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren."      Matth. 16, 25 a

 

Wer aber zuvor sein Leben Jesus gegeben und es damit für sich um Seinetwillen verloren hat, der wird auch der. anderen Teil des Wortes erfahren: „Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden." Matth. 16, 25 b

 

Und dieser wird dann, wann und wo auch immer, a 11 e n Grund zu einem guten und lebendigen Zeugnis und Bekenntnis haben. Es darf oder muß sich hier ein jeder Leser allen Ernstens fragen, inwieweit er sein Eigenleben verleugnet und verloren hat, ob er Jesus Christus g a n z gewonnen hat

 

Das Wort des Apostels drängt sich hier hervor:

 

„Aber was m i r Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Ja, ich achte es noch alles für Schaden gegen die überschwengliche Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und a c h t e  e s  f ü r  K o t , auf daß ich Christum gewinne." Phil. 3, 7-8 Im Urtext wird für das Wort Kot ein viel derberer Ausdruck gebraucht, den man auch heute noch landauf landab für etwas Minderwertiges, Gewöhnliches, Mißliches, Ausgefallenes, hören kann. Ja so ein ... dreck! Ja, wir sind gerade heute in dieser Wohlstandszeit und auch immer gefragt, ob dieser Kot der Erde, dieser Dreck, dieses Vergängliche, uns mehr bedeutet als das Herrliche, als Jesus Christus.

 

Wenn wir Jesus und das ewige Leben gewinnen wollen, kommen wir um diese Frage nicht herum. Möge gerade diese Frage uns bewegen, zur Not werden. Möge es dem heiligen Geist gelingen, unsere wahre Stellung, unseren Stand zu beleuchten, damit wir die rechte Entscheidung treffen. Mein Jesus ist mein Leben, so bekennt eine Jüngerin Jesu in der Zeit der Verfolgung, in einer Zeit, wo das Leben auszulöschen und verschwinden zu lassen, keine Seltenheit mehr gewesen ist. Und man wußte ja selbst nicht, ob man davon erfaßt wird. Das Damoklesschwert schwebte ja ständig über unserem Haupt. Mein Jesus ist mein Leben, ist das Bekenntnis gegenüber allzu leicht gehandhabter und doch so folgenschwerer und schwerwiegender Worte wie Gefängnis, Konzentrationslager, Erschießen und anderes.

 

Mein Jesus ist mein Leben, war so festgewurzelt, so ausgeprägt, so überzeugt, so leibhaftig in Fleisch und Blut übergegangen, daß diese Jüngerin auch sagen konnte: „Will man mein Leben nehmen, ich will mich gar nicht grämen, man kann mich töten nicht. In der Verantwortung wegen Jesus Christus vor der damaligen Obrigkeit ist das Lied entstanden:

 

„Mein Jesus ist mein Leben. . . "

 

Wir haben es mit dem Bild der lieben Heimgegangenen hinausgegeben und viele werden es schon kennen. Wie ist es aber zu diesem Lied gekommen, das so von Herzen kam, und was war eigentlich der nähere Anlaß dazu? Meine Mutter wurde am 30.4. 1935 abends während der Gebetsstunde von zwei Herren der Kriminalpolizei aufgesucht. Sie berichteten ihr, daß eine Anzeige gegen sie vorliegen würde, die aussagt, daß in ihrer Wohnung unter dem Deckmantel. der religiösen Betätigung gegen die Partei und gegen Hitler gearbeitet würde. Auch würde ihr angelastet, daß sie Gesundbeterei betreiben würde. Die Herren von der Kriminalpolizei hatten ja an diesem Abend einen ganz bpsonderen Eindruck von der Gebetsstunde mitbekommen. Während sie noch betete und sieh nicht unterbrechen ließ, sagte der eine von den Beamten zu ihr: „Frau Pfirrmann, wir müssen Sie sprechen. Wir sind von der Kriminalpolizei. Es liegt etwas gegen Sie vor."

 

In aller Ruhe hat sie dann den beiden Herren geantwortet:

 

„Meine Herren, es tut mir leid, daß ich Ihnen jetzt nicht Rede und Antwort stehn kann. Wie Sie sehen, stehe ich jetzt vor meinem allerhöchsten Herrn, vor meinem treuen Heiland, den ich jetzt unmöglich warten lassen kam. Wenn ich mit der Zwiesprache mit meinem Herrn fertig bin, dann stehe ich Ihnen zur Verfügung. Ich kann jetzt nicht anders." Daraufhin hat sie ihr Gelobet unter Augen und Ohren der beiden Herrn fortgesetzt, ohne sich von dem ihm aufgetragenen Gebet irgendwie beeinflussen zu lassen. Im Anschluß an das Gebet haben wir dann das Lied gesungen:

 

Jesu, Dir leb ich; Jesu, Dir sterb ich, Jesu, Dein bin ich im Leben und im Tod. O sei uns gnädig, sei uns barmherzig; Führ uns, o Jesu, in Deine Seligkeit. Und als wir alle so dem Heiland die Ehre gegeben hatten; die liebe Mutter dem Herrn alles im Gebet hingelegt und anvertraut hatte, wandte sie sich zu den Herren und sagte: „So, meine Herren, jetzt stehe ich Ihnen zur Verfügung.“ Von da an wiederholten sich die Besuche der Kripo und Gestapo ja häufig, bis es dann zu der ersten Verhaftung im Jahre 1937 kam. Und immer und immer wieder wurde ihr die Frage aufgedrängt, ob sie als noch nicht von Jesus lassen wolle.

 

Einmal in der Anfangszeit war sie auch zur Kripo vorgeladen. Und da wurde ihr von einem Beamten gesagt sie solle doch ihre Stunden einstellen, sie seien ja doch nicht e r w ü n s c h t ! Darauf antwortete sie in der ihr geschenkten weisen Art mutig und lächelnd: „Mein Herr, Sie sagten eben, meine Stunden seien nicht erwünscht! Aber nicht erwünscht ist noch lange nicht verboten. Das will für mich heißen, daß meinen Stunden nichts im Wege steht, und ich halte sie auch weiterhin!"

 

Das ausgesprochen, verabschiedete sie sich und ließ einen verdutzten Beamten zurück. Und gerade dieser Mut, diese Festigkeit und diese Beharrlichkeit war es, was diesen Beamten zum Glauben zurückbrachte. Dieses beharrliche Festklammern an Jesu, ihren Heiland, an Seine Sache auf Erden, an den ihr aufgegebenen Auftrag, das trat immer und immer wieder, sei es in der Verfolgung, sei es in Krankheit und körperlicher Not, sei es in Verkennung und Verspottung durch Menschen, das trat als eine eindrucksvolle Gnadengabe mit dem Feuer der brennenden Liebe zu Jesus immer wieder hervor.

 

Im Jahre 1937, nach der ersten Gefängnishaft im September, wurde sie wieder einmal vor die Kriminalpolizei geladen. Ich erinnere mich noch ganz deutlich an jenen Tag, von dem ich nun berichten will. Stets war ihr ja der Ernst dieser Stunden vor Augen und sie war sich ja auch wann und immer der ganzen Tragweite ihres Handelns bewußt. Bevor sie nun zur Kriminalpolizei ging, verbrachte sie immer eine Zeit im Gebet. Sie legte das vor ihr Liegende, den Anfang und Ausgang der Sache, in des Herrn Hand. Aus allem hat sie ja ein Gebet gemacht und alles dem Herrn befohlen und Ihm gebracht. Wollten doch alle Leser alles so dem Herrn bringen und Ihm hinlegen, auch die kleinsten Dinge!

 

Auch uns hat sie dem Herrn hingelegt und sich von uns verabschiedet. Es war ja wirklich eine Zeit, wo wir die liebe Mutter wohl zur Wohnungstür hinausgehen sahen, aber nicht wußten, ob sie noch einmal zurückkommen wird. Darin hatten wir ja oft keine Gewißheit, wir wußten nicht, wie der Herr diesen Weg führen wird. Die Ungewißheit lastete oft auf uns, und wir konnten ihr nur im festen Glauben und in einem hoffnungsvollen Vertrauen und mit einem Ergeben in Gottes heiligen Willen begegnen. Es war eine Zeit, die auf das Wort und seine Verheißungen merken lehrte.

 

Es schreibt sich das heute alles so leicht nieder, doch es mußte durchlebt werden. Immer wieder haben wir auch heute noch Grund zum Danken für die gnädige und treue Durchhilfe des Herrn und Seinen so treuen Beistand in diesen Zeiten. Und es ist nicht nur so, daß nur der Dank zum Herrn geht, sondern viel Kraft zu uns zurückfließt, die den Glauben stärkt, das Vertrauen mehrt beim Gedenken an die wunderbaren und herrlichen Wege und Hilfe des Herrn.

 

Gerade auch diese Zeit mit dem so herrlichen Hindurchtragen durch die Gefängnisse und die Gerichte, durch die dauernden Nachstellungen vonseiten der Gestapo. haben meiner lieben Mutter in den schweren Krankheitstagen kurz vor ihrem Heimgang so unendlich vie: Glaubenszuversicht, so viel inniges Vertrauen zufließen lassen, so viel Grund zum Dank an die Liebe des Herrn gegeben, daß sie es immer wieder bezeugt und gepriesen hat und dadurch unendlich viel Kraft selbst gewonnen hat. Doch ich wollte von jenem Tag berichten, als sie wieder einmal zur Kriminalpolizei gehen mußte. Dieser Tag ist mir heute noch so deutlich wie damals. Beim Abschied nahm sie mich in die Arme und die glaubensvollen und -starken Worte kamen aus ihrem Munde:

 

„Mein Kind, ich weiß nun nicht, was aus mir wird, ob ich noch einmal heimkommen werde oder nicht. Mein liebes Kind, wenn ich auch nicht mehr kommen sollte, dann bleib Du nur Deinem Heiland treu. Er wird dann treu für Dich sorgen. Und denke stets daran, daß ich freudig bereit bin, wenn es von mir gefordert wird, um Seines Namens willen in den Tod zu gehen!" Mich noch einmal fest an sich drückend und auf den treuen Heiland blickend, ging sie morgens zur Kriminalpolizei. Sie war dann einige Stunden weg. Wir anderen zu Hause hatten schon das Mittagsmahl eingenommen, weil ja welche unter uns waren, die wieder zur Arbeit mußten.

 

Das Mittagessen war längst beendet, da kam die liebe Mutter zurück. Nachdem sie die Straßenkleidung an der Garderobe abgelegt hatte, ging sie mit uns ins Zimmer herein und wir dankten gemeinsam dem Herrn dafür, daß sie wieder unter uns sein durfte und daß der Herr alles wieder so treu geführt und durchgeholfen hatte. Wir wollten dann ja gerne wissen, wie alles war, und nun ging es ans Fragen, wie denn alles so verlaufen sei. Unserem wohl berechtigtem Fragen antwortete sie: „Der Chef der Kriminalpolizei eröffnete mir gleich, daß meine und unsere Stunden verboten seien. Ich solle mir darüber im Klaren sein, daß ich unter Beobachtung stehen würde. Wenn ich wieder beim Stundenhalten angetroffen werden würde, müßte ich mit einer Unterbringung ins Konzentrationslager Dachau rechnen."

 

Sie erzählte dann weiter, daß sie vor die Entscheidung gestellt worden sei, doch diesem Dienst für Jesus abzusagen und von Ihm abzulassen. Würde sie dieser Aufforderung nicht folgen, so könne man für ihr Leben nicht mehr garantieren. Man bat sie dringend zu bedenken, daß sie doch krank sei und auch auf ihre Gesundheit Rücksicht nehmen solle. Sie sei doch wirklich krank und leidend und solle doch nicht weiter so stur auf ihrer Haltung bestehen. Wenn sie so weiter mache, würde sie sich noch mehr zuziehen und man könnte es von hier aus nicht verhindern, daß sie in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert werden würde. Diese Gefahr bestehe und dort könnte sie ja nur damit rechnen, bei ihrem Gesundheitszustand ihr Leben zu verlieren.

 

Und wie durfte sie diesen Herrn entgegnen:

 

„Meine Herren, ich habe keinen Grund, meinem Heiland u n t r e u zu werden. Das hat Er um mich nicht verdient. Ihr könnt nun alles tun, was ihr wollt und was ihr müßt. Ihr könnt mich auch an die Wand stellen und mich erschießen. Das, was mir mein Heiland anvertraut hat, das lasse ich mir nicht nehmen. Und nach Dachau komme ich nur dann, wenn es mein Heiland will und Er dort für mich eine Aufgabe hat!" Weiter sagte sie dann noch zu den Kripobeamten: „Meine Herren, ich weiß, Sie meinen es gut mit Ihrem menschlichen Rat mit mir. Aber danach kann und darf ich mich nicht richten. Ich muß dem Auftrag Jesu, den ich als meinen persönlichen Heiland erlebt und erfahren habe, stets gehorsam sein. Ich kann nicht anders. Ich weiß mich in Seiner Hand geborgen. Mir kann nur das geschehen, was Er will.

 

Was mir mein Heiland gab, kann mir niemand nehmen. Und ich muß hier sagen, wie einst auch Martin Luther gesagt hat:

 

,Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen!`

 

Oder wie haben denn die teuren Apostel des Herrn geredet, als man ihnen verbot, hinfort im Namen Jesu zu reden: ,Richtet ihr selbst, ob es recht ist, daß wir euch mehr gehorchen denn Gott. Wir können's ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollen, was wir gesehen und gehört haben!` (siehe Apostelg. 4, 19-20)

 

Sie müssen nicht meinen, meine Herren, daß ich Ihnen böse bin. O nein. Ich liebe euch alle in der Liebe Jesu. Denn ihr, meine Brüder, tut ja nur, was ihr tun müßt und wozu ihr beauftragt seid. Ihr müßt ja euren vorgesetzten Behörden gehorchen und müßt ja so handeln. Aber sehen Sie, genau so ist es ja bei mir. Denn auch ich kann und darf nicht andern tun, und will es auch nicht, als meiner Obrigkeit zu dienen. Und meine vorgesetzte Stelle ist der König aller Könige, der Herr aller Herren. Auch um Ihretwillen kann und darf ich nicht ungehorsam sein. Wissen Sie auch weshalb nicht? Wenn ich um Ihretwillen Jesus ungehorsam werden würde, dann würde erstens Sein Segen von mir weichen und auch Sie könnten nicht gesegnet werden. Und ich würde dazu beitragen, daß Ihre Schuld vor Gott um so größer würde. Und diese Schuld bestünde darin, daß es Ihnen gelungen wäre, mich von Jesus abzubringen, mich überredet zu haben, daß ich Jesus untreu geworden wäre. Gerade das darf nicht sein, weil ich auch Sie lieb habe und möchte, daß auch Sie gesegnet werden.

 

Sie müssen aber nicht meinen, daß ich jetzt traurig und niedergeschlagen bin. O nein. Mir geht es jetzt vielmehr wie den Aposteln, die sich freuten, gewürdigt zu sein, um Jesu willen diese Schmach zu leiden. Ja, mir geht es nicht anders und ich kann deshalb auch nicht anders!" Dieses Zeugnis machte einen großen Eindruck auf die Beamten. Doch die Beamten führten dann weiter aus und sagten: „Überlegen Sie sich, Frau Pfirrmann, was Sie tun. Die Sache ist doch deshalb auch so schlimm, weil Jesus ein Jude war!" Darauf antwortete sie: „Das weiß ich wohl. Die heilige Schrift sagt aber dazu ganz deutlich und unüberhörbar: ,Das Heil kommt von den Juden.` Dieses Volk ist und bleibt das Volk der Verheißung, es digkeit und mit Liebe bezeugen. Und Gott bezeichnet sich als ein Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Und diese waren auch Juden!"

 

Dieses alles durfte sie mit Kraft und Mut und mit Freudigkeit und mit Liebe bezeugen. Und wie sie uns sagte, lernte sie in diesen Stunden immer wieder die Freudigkeit der Märtyrer und die der Apostel und jünger kennen und konnte aus eigenem Erleben verstehen lernen, was die Schrift und die Berichte von ihnen bezeugen. Und wenn sie gerade in diesem Zusammenhang auf die Mißhandlungen im Gefängnis, die Verhöre und das alles zu sprechen kam, wie konnte sie dann immer wieder sagen und sich freuen: ,Hab ich doch wenigstens ein Tröpflein von dem erleben dürfen, was mein Heiland für mich und uns hat durchmachen müssen!`

 

Beim Abschied von der Kriminalpolizei reichte man ihr die Hand und bat sie, sich das alles noch einmal reiflich zu überlegen. Sie hätten dann noch gerne eine schriftliche Stellungnahme, weil sie ja auch der Gestapo zu berichten hätten. Es wurde ihr eine kleine Bedenkfrist eingeräumt und sie noch einmal aufgefordert, ihre Entscheidung zu treffen und sich darüber zu äußern. Als sie so mit uns erzählt hatte, forderten wir sie auf, doch nun etwas zu essen, da ja die Mittagszeit längst vorüber sei und sie gewiß nun auch hungrig sei. Sie verneinte das und lehnte dankend ab, bat mich aber um Bleistift und Papier und zog sich in die Stille zurück. So viel bewegte sie und das Herz und die Liebe wollten Zeugnis geben und reden. Wie mag wohl in diesem Augenblick das Leben überdacht worden sein, ein inniger Aufblick zu Jesus stattgefunden haben, das Ziel und die Berufung wieder neu ins Auge gefaßt worden sein.

 

Das mögen wohl, so ernst auch und folgenschwer diese Stunden wohl sind, die herrlichsten Stunden eines Kindes Gottes in der Gemeinschaft mit seinem himmlischen Vater sein. Ein unsichtbarer Glanz der Herrlichkeit mag in diesen Stunden leuchten, ein Strom der göttlichen Liebe mag hier fließen, und die Augen Gottes, des Vaters, leuchten und Sein Herz erfreut werden in nicht zu beschreibender Weise und nicht zu sagenden Worten. Das mögen Feststunden des lebendigen Gottes und Vaters in und durch Jesus Christus sein, dessen Augen wohl mehr Sünde, Weh und Schmerz sehen müssen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gaben sich die Hand und bilden gleichsam einen Strauß von leuchtenden Blumen zur Ehre des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Es kommt vom Herzen und will zum Herzen dringen, es ist lebendig und will Leben wecken und schaffen, es ist Dank und will zum Dank gewinnen, es ist aus der Liebe und will die Liebe entflammen, es ist Geist und will zu Geist und zu Leben werden. Es ist Bekenntnis und Zeugnis zugleich und gibt Antwort auf so viele Fragen.

 

Sie schreibt es nieder und sie schreibt es noch einmal ab in Reinschrift:

 

Melodie: „O Welt, sieh hier dein Leben ... "

 

Mein Jesus ist mein Leben,

Ihm hab ich mich ergeben,

und will für Ihn nur sein.

Nur Ihm will ich vertrauen

und nicht auf Menschen bauen,

Er ist die beste Hilf` allein.

 

 

Und kommen trübe Tagen,

ich will gar nicht mehr zagen,

Er ist ja stets bei mir.

Ich will den Sorgen wehren,

und mich nicht drin verzehren;

ich hab ja eine offene Tür.

 

Beim Vater voller Gnaden,

auf meinen Lebenspfaden,

denn Er sprach für mich gut.

Ja, Jesus hat gestritten,

und auch für mich gelitten;

wie floß für mich Sein teures Blut.

 

Für alle schweren Stunden

hab ich nun Trost gefunden

in Jesu Lieb und Treu.

Will man Ihn mir auch

rauben und spotten meinem Glauben,

ich halt Ihn fest: es bleibt dabei!

 

Will man mein Leben nehmen,

ich will mich gar nicht grämen,

man kann mich töten nicht.

Er hat den Tod bezwungen!

Und ich bin durchgedrungen

dadurch zum ew’gen wahren Licht.

 

Kurz und bündig schrieb sie dann unter die Reinschrift:

 

„Meine Herren von der Polizei!

In diesem Lied ist meine Antwort und meine Entscheidung enthalten, die Sie von mir erbeten haben. Ich kann nicht anders, mag mit mir geschehen, was da will!

Käthe Pfirrmann."

 

 

So ist dieses Lied entstanden und an die Kriminalpolizei und an die Geheime Staatspolizei weitergeleitet worden. Es ist ein Zeugnis des Glaubens, der Hingabe an Jesus, der Liebe zu Jesus, der Bereitschaft auch, das ergeben auf sich zu nehmen, was man von ihr fordern sollte.

 

Zutiefst war die davon überzeugt:

„Will man mein Leben nehmen,

ich will mich gar nicht grämen,

man kann mich töten nicht!"

 

Das ewige Leben in und durch Jesus Christus, ihren persönlichen Heiland und Erlöser, war ein voller Bestandteil ihres irdischen Lebens geworden, daß sie dieses Leben nicht mehr nach dem Fleische kannte, sondern nur nach dem Geiste. Es war auch vielfach in ihrem Leben durch die innige Verbindung mit dem Herrn und dem geöffneten Himmel, den sie hatte, so, daß die Herrlichkeit wirklich so in ihr Leben hineinragte, daß sie sich oft selbst fragen mußte:

 

„Bin ich eigentlich noch auf Erden oder schon in der Herrlichkeit?"

 

An anderer Stelle haben wir ja bezeugt, wie gerade diese ihre entschiedene und doch von inniger Liebe geprägte Haltung die Beamten von der Polizei zu guten Freunden gewandelt hat. Und das Leben dieser Beamten hat ja auch immer in Gefahr gestanden all die Jahre hindurch, wo sie zur Überwachung und immer wieder zu neuen Ermittlungen herangezogen worden sind. Die Verhaftungen durch die Gestapo konnten sie ja nicht verhindern und vermeiden. Doch was sie tun konnten, das haben sie getan. Und wenn sie ihre Pflicht auch unter dienstlichem Gesicht und ernster Miene haben ausgeführt, so haben sie immer wieder eine Hilfe, einen Rat anklingen und durchblicken lassen, so daß wir immer Bescheid gewußt und uns entsprechend eingerichtet oder verhalten haben.

 

Mein Mann hat einen dieser Beamten vor Jahren einmal aufgesucht. Im Verlauf des Gesprächs über jene Zeit, zeigte er ihm ein Schreiben einer Dienststelle des damaligen dritten Reiches, die ihn wegen seinem Nichtaustritt aus der Katholischen Kirche und seiner unverkennbaren Einstellung zum Glauben als n i c h t zuverlässig beurteilte und ihn deshalb von einer Beförderung ausnahm und ausschloß. Und wie das eben so war, wer in dieser Zeit vorangekommen und befördert worden ist, das war er dann auch nach dem Umsturz und ist es auch nach der Entnazifizierung geblieben. Die anderen - wie auch er - sind in dieser Zeit nichts geworden und konnten hernach auch nichts oder nicht so ohne weiteres werden, weil die Laufzeit und ihre Beurteilung im Wege standen.

 

Im Vergleich mit den Wegen seiner Kollegen und mit seinem Werdegang wollte ein bitterer Ton hervorkommen. Doch mein Mann durfte ihm sagen, daß das, was Jesus belohnt, nicht in ein oder zwei Beförderungen liegt, sondern in einem unvergänglichen Erbe, das Jesus denen bereitet hat, die Ihn lieben. Und was er in seinem Leben für Jesus getan hat, daß ihm das auch nur Jesus, und nur Jesus, königlich erstatten werde. Er solle sein Vertrauen nur bei Jesus belassen und Jesus das Zu-kurzkommen im Leben hinlegen. Für diese um Jesu willen Zu-kurz-gekommenen im Leben, hat Er sich vorbehalten, einen nicht zu beschreibenden Ausgleich zu geben. Doch letztlich sei die Liebe zu Jesus größer denn alles.

 

Wer zu der damaligen Zeit noch durch das Lied gesegnet und angesprochen worden ist, das wird die Ewigkeit aufschließen. „Mein Jesus ist mein Leben, Ihm hab ich mich ergeben!" Und dieser Jesus war auch im Sterben u n d in der Auferstehung ihr Leben. Das ist ein frohmachendes und glaubensstärkendes Erleben, das wir machen durften, und das wir immer und immer wieder sagen dürfen und müssen! (J. M.)

 

„Mein Jesus ist mein Leben, Ihm hab ich mich ergeben!"

 

Das war ihr Zeugnis in einer sehr schweren und entscheidungsvollen Stunde. Und wir dürfen hier jedem Leser die Frage stellen: „Ist Jesus auch Dein Leben? Hast Du Dich Ihm so ergeben? Wenn das noch nicht der Fall ist: „Dann suche Jesus und sein Licht, alles andere hilft Dir nicht!" Jesus ist in die Welt gekommen, um ein Heiland und Erlöser zu sein, um das Verlorene zu suchen und aufzunehmen. Jesus will auch Dir Deine Sünden vergeben und - was als wichtigstes unbedingt dazu gehört - Dein Leben durch Seinen Geist heiligen! Wir alle kennen das viel angeführte Wort aus der heiligen Schrift: „Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn (Jesus) gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das e w i g e L e b e n haben!"      Johannes 3, 16

 

Wenn Du Jesus noch nicht hast, dann nimm Ihn in Dein Leben auf.

 

Hast Du Jesus in Dein Leben aufgenommen, einen Anfang mit Ihm gemacht, dann bleibe nicht dabei stehen, laß es nicht bei diesem Beginn bleiben, sondern laß Dich von Ihm und durch Seinen heiligen Geist zur Vollendung führen. Er ist Anfänger und Vollender des Glaubens. Hast Du die Rechtfertigung durch Jesus erfahren, dann ergreife auch die Heiligung, die Dir angeboten ist und die Du brauchst, damit Du um und bei Jesus in der Herrlichkeit sein kannst.

 

Forschen wir über der Heiligung in der Schrift und wollen wir dazu die nachstehend aufgeführten Bibel-Stellen aufgeschlossenen Herzens nachlesen, darüber beten, die Worte der Schrift im Herzen vor Gott bewegen, damit der heilige Geist Gottes sie uns zu Geist und Leben machen kann:

 

Hebräer 12, 1-3,

1.Thessal. 4, 3-7,

Hebräer 12, 10-15,

2. Korinther 7, 1.

 

Der treue Herr segne einen jeden einzelnen Leser und schenke ihm viel von der Herrlichkeit J e s u, die E r zu geben hat, Johannes 17, 22! Öffnen wir uns dazu, damit auch wir dieser Herrlichkeit teilhaftig werden!

 

Wen es nicht nur zum Lesen und zum Beten antreibt, wer auch gerne von Herzen singen möchte, der kann und darf auch das nachfolgende Lied anstimmen:

 

Melodie: „Welch ein Freund ist unser Jesus. . . "

 

Welche Liebe ist der Vater;

wie durchdringet sie das All

tief hinab zu allen Sündern,

sie erretten von dem Fall!

 

O wie breitet sie die Flügel

über aller Kreatur,

führet siegreich sie am Ende

all zum Vaterherz retour.

 

Welche Treue birgt sie in sich,

voll von Kraft und Majestät;

wie ein heilig Licht und Feuer

sie durch alle Herzen geht.

 

Sie, die -einst auf Golga's Hügel

hat das Größte doch vollbracht;

und noch heute ihre Flügel

über Schwache hebt voll Kraft.

 

Liebe, die Du nichts als Liebe,

und auch uns geboten hast,

daß wir Liebe üben sollen,

bei Dir halten froh wir Rast.

Sende jetzt auch Deine Strahlen

tief in uns're Herzen ein,

daß nach Deinem Wohlgefallen

wir auch andere erfreun!

 

Liebe, die Du nichts als Liebe

- o wie danken wir Dir sehr –

die Du uns so reich gesegnet,

werde auch in uns stets mehr!

Lehre Sanftmut uns und Milde

und verklär uns licht und hehr

ganz in unsres Vaters Bilde,

der uns liebet doch so sehr.

K. P.

„Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glauben." Joh. 7, 38 u. 39

 

Das oben angeführte Wort darf in der Tat immer wieder neu erlebt werden. Und es ist auch so, daß ein vom heiligen Geist erfülltes Leben nicht verborgen bleiben kann. Es muß offenbar werden wo Ströme lebendigen Wassers fließen, es wird sichtbar und hörbar, es wird spürbar, und es wirkt sich erquickend und belebend aus, wo die Segnungen des heiligen Geistes fließen und strömen. Wo der Leib ein Tempel des heiligen Geistes geworden ist und auch hingebend bleibt, da erfüllt sich das Wort des Herrn auch heute noch in sehr deutlichem Maße. Wir haben heute Anlaß und allen Grund für ein Glaubensleben zu danken, in dem der Herr seine Verheißung so wörtlich wahrmachen und erfüllen konnte. Ja, wir dürfen heute eines erfüllten Lebens gedenken, das der Herr vom Glauben ins Schauen gerufen hat. Wenn wir heute auf dieses Leben zurückblicken, so dürfen wir dem Herrn für seine unaussprechliche Gnade danken, die Er diesem Leben hat zuteil werden lassen und es mit seinem heiligen Geiste in so reichem Maße ausgefüllt hat.

 

Unsere liebe Mutter, Schwester K ä t h e P f i r r m a n n , hat der treue Herr nach einem Ihm mit nachahmenswerter Aufopferung hingegebenen Leben am 9.2. 1972 zu sich in Seine Herrlichkeit genommen. Wer mit ihr leben durfte, wer ihr begegnete, wer mit ihr in Berührung kam, weiß, daß von diesem Leibe Ströme des lebendigen Wassers geflossen sind. Eine Bevollmächtigte des Gebets und der Fürbitte, die beim Herrn ein offenes Ohr hatte, und der sie viel und oft wörtlich erhörte, ist von dieser Erde gegangen. Der Sache des Herrn galt ihre Liebe in ganzem Maße. Dem Wirken des heiligen Geistes durch sie wurde nicht selten widersprochen, meist von Menschen, die sich in ihrer Sünde nicht strafen und raten lassen wollten, die nicht aufrichtig waren, die in fleischlichem Wesen wandelten, denen es an Erkenntnis der Wahrheit mangelte.

 

 

Wir sind zutiefst davon überzeugt, daß wir das Leben von Schwester Pfirrmann nicht so darstellen können, wie es der Herr in Seiner Herrlichkeit dargestellt hat. Wir wissen, daß unsere Worte nicht ausreichen, dieses Leben so gebührend zu würdigen, wie es dem Herrn zur vollen Ehre gereicht! Der treue Herr hat dieses Leben gesegnet und es durfte und darf noch heute durch all die Schriften und Weissagungen ein Segen sein. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit dem auferstandenen Herrn, Heiland und Erlöser, waren so zahlreich und so vielseitig, so herrlich und wunderbar, daß darüber viel zu schreiben wäre. Einiges haben wir ja schon zu ihren Lebzeiten herausgeben dürfen, noch Aufgezeichnetes und anderes werden wir, so der Herr will und wir leben, noch herausgehen zur Ermunterung in der Nachfolge Jesu und zur Glaubensstärkung vieler.

 

Obwohl Schwester Pfirrmann einen gebrechlichen, einen schwachen und kranken Leib getragen hat, der selbst der Hilfe bedurfte, so hat dies in keiner Weise die obige Verheißung des Herrn geschmälert. Sie hat es wie auch der Apostel Paulus erfahren dürfen, daß der Herr gerade in der größten Leibesschwachheit seine Gnade und Kraft mächtig offenbart. Die Ströme lebendigen Wassers haben nicht nur andere Brüder und Schwestern erquickt, sondern sie hat es auch an sich selbst erfahren, daß dieser heilige Geist einen solchen Leib über mehr als vierzig Jahre segnen, stärken und ausrüsten, und bis ins 76. Lebensjahr erhalten konnte. Eine Fülle von Krankheiten hat dieser Leib ertragen und durchgemacht. Man kann umgekehrt mit Recht sagen, daß es nur wenige Krankheiten sind, die sie nicht gehabt und nicht durchlitten hat.

 

Obwohl sie seit 1967 im Bett nur auf einem Gummiring liegen konnte, immer auf dem Rücken liegen mußte, sich weder auf die eine noch auf die andere Seite drehen konnte, mehrere Schlaganfälle erlitten hatte, die ihr zeitweise das Reden verwehrten oder erschwerten, dazu ein Darmleiden hatte, das sie vor Schmerzen oft ohnmächtig werden ließ, hat sie immer wieder ausgerufen: „Erst recht bleibe ich an Dir; was mit mir geschieht, geschehe nach Deinem Willen; wenn nur Du mit mir und Deine Sache zu ihrem Rechte und Ziele kommt." All ihre Leiden schmälerten ihre Liehe zum Herrn nicht und auch in den schwersten Leiden hat sie an Seine Liebe geglaubt und Ihm erst recht vertraut. Auch vermochten diese Leiden nicht das Zeugnis für ihren Vater, Herrn und Heiland, unterbinden. Ja gerade in dieser Zeit hat sie der Herr noch mehr gesegnet und gebraucht, ihr Lobgesänge geschenkt, Seine Herrlichkeit offenbar gemacht, den Schriftendienst gefördert, viele Weissagungen geschenkt, sie noch mehr zum Segen gesetzt.

 

Keine Krankheit konnte sie an ihrem Gebetsdienst und durch den heiligen Geist geleiteten Gebetsauftrag hindern. Im Vertrauen und Aufblick zu Ihm, im felsenfesten Glauben, daß der Herr auch ein Herr über zu Tode führende Krankheiten ist, hat ihr den Sieg verliehen, daß sie dann auch bei ärztlich verordneter größter Schonung und strengster Vorsicht, den ihr aufgetragenen Dienst getan hat. Und der Herr hat sie nicht zuschanden werden lassen. Ja selbst dort, wo sie zu schwach zum Reden war, hat sie der heilige Geist vertreten und leiblich gestärkt, worüber leiblich Gesunde ins Staunen und Wundern kamen, ob dieser Hingabe oft beschämt wurden. Ausgestattet mit der Gabe der Weissagung, berufen mit prophetischem Auftrag an Obrigkeit und Volk, getrieben, die Gemeinde der Endzeit zum Wachen und Warten auf ihre Entkleidung und Überkleidung zu ermahnen, begnadet mit der Gabe der Handauflegung, die vielen zur Hilfe in auch menschlich hoffnungsloser Lage werden durfte, angetan mit der Kraft aus der Höhe, die die Mächte der Finsternis weichen hieß, der Dienst am Wort und in der Seelsorge mit Erleuchtung durch den Herrn, der ihr das Verständnis der Schrift aufgeschlossen und auch selbst ausgelegt hat und viel und oft seinen Willen für Einzelne ausgesprochen hat, erhellt mit Licht von oben, die die Geister zu unterscheiden und sie auch zu erkennen vermochte, geöffnete Augen, dis in Gesichten und Schauungen die Herrlichkeit aber auch den Abgrund haben schauen lassen, ein heiliger Gebetsdienst, der Stunden um Stunden des Tages und in der Nacht glaubend und ringend um Seelen und die Sache des Herrn ausgeführt wurde, haben ihr eine vielseitige Aufgabe aufgetragen gehabt.

 

Doch die Liebe Jesu erfüllte dieses Leben. Und wer hat diese Liebe nicht erfahren und erleben dürfen. Es war wohl das beste Kennzeichen ihrer Gotteskindschaft. Welches Leuchten strahlte aus ihren Augen und wie konnte sie ihre Neider und ihre Hasser, ihre Feinde und Verfolger, die viel übles und Lügen über sie verbreiteten und sie verleumdeten, segnen und ihnen da und dort wohltun. Sie tat es nicht mit einem Lächeln des Mundwinkels, bei dem der Wurm im Herzen weiternagt und weiterwühlt, sondern mit der ganzen Kraft der segnenden und vergebenden Liebe Jesu. In wohl seltener Weise hat sie der Herr teilhaben lassen und unterrichtet über seine Pläne und Vorhaben, über seine Gnadenerweise und seine Gerichte an Einzelnen und ganzen Völkern. Und wenn Er dies nicht selbst in Person oder durch seinen heiligen Geist im Herzen getan hat, so hat Er seine Engelsfürsten gesandt, um ausrichten zu lassen, was zur Zeit und Stunde nach Seinem Willen geschieht. Wie beugte sie gerade das immer wieder tief, so daß sie hernach immer wieder ausgerufen hat: „Herr, wer bin ich, daß Du solches mit mir tust."

 

Die letzte Woche ihres Erdenlebens hat allen, die sie miterleben durften, bleibende und unvergeßliche Eindrücke von der Kraft des Wortes Gottes und den lebendigen Verheißungen Jesu Christi hinterlassen. Darüber wird noch später viel zu bezeugen sein. Durch den heiligen Geist wurde sie auf ihren Heimruf vorbereitet. Und als man ihr sagte, daß nach ärztlichem Ermessen in wenigen Tagen ihre Zeit auf Erden ein Ende haben wird, welches Leuchten und welche selige Freude strahlte dann aus ihr. Wie hat sie diese Zeit genutzt und wie hat sie all die Lieben um sie her, jedes Einzelne, noch gesegnet und für alle Liebe und alles Mittragen gedankt. Wie hat sie betend und segnend all derer gedacht, für die sie gebetet und deren Not und Ergehen, deren geistliches Wachstum ihr am Herzen lag. Wie hat sie noch der Sache des Herrn auf Erden, der Verkündigung des Wortes gedacht, alles im Glauben dem Herrn hingelegt und Seinen Sieg gepriesen. In welcher Liebe hat sie sich von allen verabschiedet und noch an dies und das in Liebe gedacht, das ihr anvertraute Werk in unsere Hände gelegt. Ihre letzten noch ausgesprochenen Worte waren noch: „Auf Wiedersehen, ich gehe jetzt heim!"

 

Die Patriarchen und Propheten des alten Bundes, die Apostel des Herrn, viele Herrliche und Selige in weißen Kleidern, der Herr selbst in ihrer Mitte, herrliche Engelscharen und -chöre kamen, um sie mit himmlischer Musik heimzugeleiten. Der himmlische Vater hat es sich nicht nehmen lassen, sein Kind auf Seinen Armen heimzutragen. Und wir dürfen wissen, daß sie nicht weit von der Residenz des Herrn im himmlischen Jerusalem ihre Wohnung hat.

 

Sie ist heimgerufen worden und steht nun im höheren Dienst.

 

Ich habe Jesus Christus erlebt Er lebt, das hat sie bei Lebzeiten immer und immer wieder sagen und mit Recht sagen dürfen bei all dem reichen Erleben mit ihrem Herrn und Heiland und himmlischen Vater. Das in dieser Broschüre Bezeugte ist nur ein geringer, wohl aber sehr wichtiger Teil ihrer lebendigen Erfahrungen mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus. Sie hat im Leben nicht geschwiegen und Jesus Christus auch unter Gefahr und Einsatz ihres Lebens bezeugt, sie tut es auch jetzt noch durch diese Schrift und nicht zuletzt noch an einer Stätte, wo trotz christlicher Lehre so wenig Auferstehungsglaube zu finden ist.

JESUS LEBT ER GIBT EWIGES LEBEN

 

 

Schriftenhinweis

 

Weitere Schriften:  

 

Käthe Pfirrmann

 

Ich habe Jesus Christus erlebt - Er lebt"

 

Lebendige Zeugnisse mit dem auferstandenen Jesus Christus in der Verfolgungszeit des dritten Reiches. Besondere Erlebnisse mit Jesus. Erlebnisse und Erfahrungen mit der Gestapo und Kripo, in Gefängnissen und in Verhandlungen vor den Sondergerichten um Jesu willen. Ein wirkliches, lebendiges Zeugnis von der Macht und der Durchhilfe und der Gnade des Herrn.

 

„Kinder der Auferstehung"

Biblische Ausführung für das Auferstehungsleben der Kinder Gottes auf Erden.

 

 

Käthe Pfirrmann

Siehe, Ich bin bei euch alle Tage"  

Lebendige Zeugnisse in persönlichen Lebensführungen und herrliche Erfahrungen mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus. Erleben, die Jesu Nähe und Hilfe ganz besonders deutlich werden lassen.

 

Käthe Pfirrmann

 

,,Der Bräutigam kommt"

 

  

Eine Schriftenreihe für die Endzeit. Eine Schrift mit Weissagungen und Gesichten. Sie soll dem Gläubigen dieser Endzeit, dem nach Jesus Christus Rufenden, dem auf Jesus Christus Wartenden, dem wachenden und betenden jünger Jesu eine Hilfe sein, damit er anhand des Wortes Gottes diese Zeit recht erkennt und sich auch recht bereiten läßt nach 1. Tess. 5, 23:

 

„Er aber der Gott des Friedens h e i 1 i g e euch d u r c h und durch, und euer Geist samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unversehrt und unsträflich auf die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus."

 

 

Traktate:          

Jesus liebt Dich

Jesus sucht Dich

Ewiges Leben

 

 

 


 

Aktualisiert am: 02.12.2008 - Home