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Ich habe Jesus erlebt - Er lebt!
Käthe Pfirrmann
sind hier in eins vereinigt und durch die
kleine Schrift MEIN JESUS IST MEIN LEBEN - ein Zeugnis
ihrer Tochter - Herausgeber: Karl Mäußnest, 6780 Pirmasens, Bitscher Straße 30
INHALT Wie
ich Christus im Gefängnis erleben durfte !
Um
Jesu Christi willen
In Berührung mit der Kripo, der Gestapo, dem Gefängnis und dem
Sondergericht
Der
auferstandene Jesus Christus Im Gerichtssaal eines Sondergerichts
Wie
Kinder Gottes zusammengeführt werden und wie der Herr die Wege führt und alles
lenkt.
Wie
der Herr das Verlorene sucht.
Sie
haben die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt
Vor
der zweiten Verhaftung; die Verhaftung mit den Verhören durch die Gestapo.
Die
Zeit des Münchner Abkommens im Jahre 1938
Melodie:
„O Welt, sieh hier dein Leben ... "
Melodie:
„Welch ein Freund ist unser Jesus. . . "
Melodie: „Mit Dir, o Herr, verbunden ... In allen ernsten Stunden bin ich nie ganz allein. Du bist mit mir
verbunden, Du teurer Vater mein. Ich darf es mit Dir
wagen, und wenn es noch so
schwer, Du hilfst mir alles
tragen und liebest mich doch
sehr. Wenn schwere Weg` ich
gehe und alles trübe ist, so blick ich auf zur Höhe,
wo Du mein Heiland bist. So darf ich vor Dich
treten in Demut tief und still und innig zu Dir beten, der Du der Liebe Füll! Und wenn mir Worte
fehlen, nur seufzen ich noch
kann, wenn Angst und Furcht
mich quälen, Du siehst mich gnädig
an. Denn Du bist Gott die
Liebe, und liebst mich armen
Wurm. Und wenn es noch so trübe, Du bringst mich durch den
Sturm. So stehe ich im Glauben und blick nach Golgatha, und nichts kann mir mehr
rauben, was dort mein Auge sah. Dort ist der Quell
entsprungen, der mir die Kraft
verleiht; dort ward die Höll
bezwungen und ich vom Fluch
befreit. K. P. Zum innigen Gedenken an ein Gott hingegebenes, vom heiligen Geiste erfülltes und geleitetes, dem Gebet und der Fürbitte geweihtes Leben.
Wie ich Christus erlebte!Durch meinen schweren Unfall, den ich an Silvester 1929/30 erlitt, und den darauf folgenden schweren Operationen war ich des öfteren ganz gelähmt und stand oft an der Pforte der Ewigkeit, das heißt, ich lag oft am Sterben. So war es auch Ende des Monats März im Jahre 1935. Meine Lieben, sowie auch die behandelnden Ärzte glaubten, daß nun mein letztes Stündlein auf Erden gekommen sei. Meine Lage war so, daß ich weder sprechen noch mich bewegen konnte. Angesichts dieser ernsten Stunde ließen mich meine Lieben mit dem heiligen Abendmahl versehen. Der junge Pfarrverweser, der mir das Abendmahl austeilte, sang mir noch an meinem Bett das Sterbelied: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott ich wär in dir ... " Meine Lieben warteten nun stündlich auf mein Ableben. Da ich mich mit ihnen nach außen nicht mehr verständigen konnte, ging mein lieber Mann in das nebenan gelegene Zimmer. Dort ging er auf die Kniee und betete zum lieben Heiland. Was in diesem Augenblick in eines Mannes Herz vorgeht, das weiß der, der solche Stunden selbst erlebt hat. Er bat unseren Herrn und Heiland, er möchte mich doch ihm und unserem kranken Kinde (fast völlig blind nach ärztlicher Feststellung) noch erhalten, so es sein heiliger Wille sei. Er traue es ihm auch Jetzt noch zu, daß er wunderbar helfen könne, denn er wäre doch der Herr und der Sieger über Krankheit, Tod usw. Während mein Mann in dem nebenangelegenen Zimmer betete, hörte ich neben mir ganz deutlich die Stimme unseres lieben Heilandes, der zu mir sagte: „Glaubst du, daß dir dein Heiland helfen kann?" Und nun konnte ich plötzlich meinen Kopf drehen und dorthin sehen, von wo die Stimme gekommen ist. Da sah ich unseren lieben Heiland neben mir stehen im weißen leuchtenden Gewande. Seine großen, tiefen, blauen Augen, von heiligem Ernste und doch voll Freundlichkeit und Liebe auf mich gerichtet, die Hände über mich ausgebreitet, mich segnend. Und in diesen Händen sah ich ganz deutlich die Nägelmale. Jetzt, während ich ihn so verzagt anblickte, konnte ich plötzlich reden und ihm antworten: „Ja, ich glaube, daß du mir noch helfen kannst, wenn auch all die Ärzte und Professoren mich als hoffnungslos betrachten." Darauf höre ich wieder ganz deutlich und klar seine Stimme: .,So will ich dir denn helfen, dich stärken und aufrichten, soweit wie ich es für gut halte. Doch ganz gesund und stark will ich dich nicht mehr machen. Denn in großer Schwachheit sollst du mir dienen und das Geheimnis der Worte an dir selbst erfahren, die mein lieber Sohn Paulus bezeugte, so wie es geschrieben steht: ich bin zu schwach, denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. Ja dann ist die Gnade Christi umso mächtiger in mir. - So will ich auch dich in Schwachheit gebrauchen zum Segen Vieler und zu meiner Verherrlichung. Siehe ich will dich ganz für mich haben ungeteilt und für meine Sache. Denn die da gesund und stark und die Arbeit für das leibliche 'Wohl und das irdische Tun vollbringen, sind Viele und läuft die ganze Erde voll. Aber wo sind diese, die auch um meinetwillen gern schwach sind, ein Schatz in irdenem Gefäße, an denen ich die Kraft der Schwachen, die Stärke der Unvermögenden und auch meine Leidensherrlichkeit so recht offenbaren kann. Würde ich dich ganz gesund
machen, so würdest du dich wieder deiner irdischen Pflichten ganz hingeben und
wärest so geteilt und unbrauchbar für die Aufgabe, die dir vertraut. Denn du
sollst mir eine rechte Priesterseele werden, eine rechte Fürbitterin und
Beterin, die freudig im Heiligtum weilt und mit einem Herz voller Liebe für
alle eintreten kann." Er legte mir die Hand auf das Haupt und frug mich:
„Bist du bereit?" Ich bejahte. Und so sagte er: „So richte dich nun auf
und laß' dich von mir gebrauchen, als ein Gefäß meiner Gnade, das ich mit dem
heiligen öle füllen will. Ich salbe dich zu dem ich dich ersehen. Laß dir nun
deine Kleider bringen und zeige und beweise den Deinen, wie ich Gebete erhören
kann." Ich rief nun meinen Mann. Er eilte schnell herbei und als er mich
sah, aufgerichtet im Bette sitzen und meine Kleider verlangen, da war er so überwältigt,
daß er es nicht fassen konnte, was geschehen ist. Im ersten Erschrecken rief er
aus: „Ach Gott, jetzt ist meine Frau auch
noch verrückt geworden". Er konnte, nachdem, wie ich vorher im Sterben
dagelegen bin, und nun so strahlend im Bette saß, seinem inneren Empfinden
keinen anderen Ausdruck verleihen. Ich aber rief ihm zu: „Nein, lieber Mann,
ich bin nicht verrückt geworden, sondern der liebe Heiland war bei mir und hat
solches an mir getan". Ich
erzählte nun ihm den ganzen Hergang und wir dankten, lobten und priesen Gott für
solche große Gnade. Auch die liebe Schwester, die mich schon in all den rund 24
Jahren meiner Leidenszeit pflegt, wurde von meinem lieben Mann herbeigerufen.
Auch sie, die auf mein Ableben stündlich wartete, war überwältigt von diesem
Wunder der Gnade, das der treue Heiland an mir getan hat. Von dieser Zeit an
habe ich mich ganz dem Herrn geweiht und diente ihm mit Freuden, so wie er es
mir schenkte. Im
Jahre 1937, am 12. September, wurden ich und meine Lieben deshalb von der
Gestapo verhaftet. Es waren damals diese Zusammenkünfte verboten, weil man
irgendeine Staatsfeindlichkeit darunter vermutete. Besonders war die Gestapo
hinter mir her, weil ich aufgrund vieler Gesichte und geistiger Schau, die mir
mein Heiland in seiner Gnade schenkte, das furchtbare Ende des Hitlerregimes
voraussah, und dieses auch offen bekannte, wo es galt zu warnen und Christus die
Ehre zu geben. Ich wies dabei immer auf das teure Gotteswort und die Offenbarung
hin.
Wie ich Christus im Gefängnis erleben durfte !Schon
am ersten Abend, es war an einem Sonntag, als nachts nach dem ersten großen
Verhör in das Gefängnis eingeliefert wurde, hatte ich, nachdem ich mich auf
die Pritsche niedergelegt hatte, wunderbares geistiges Erleben. Ich lag still
und betete. Legte meine ganze Not, Mich und meine Lieben, dem Herrn in
kindlichem Vertrauen ans Herz. Da auf einmal waren die Mauern um mich
verschwunden. Ich sah ein großes Wasser. Die Wellen gingen hoch, schäumten und
zischten. Der Himmel war mit schwarzen, verfetzten Wolken verhangen, durch die
man schwach, ab und zu die Sonne scheinen sah. Da sah ich auf einmal ein
Motorboot mitten durch das unruhige Wasser daherkommen. Es durchschnitt ganz
scharf die sich auftürmenden Wellen und kam geradewegs auf mich zu. An dem
Steuer sah ich eine Gestalt stehen mit fliegendem Gewand. Das Angesicht war
ernst auf ein Ziel gerichtet. Und als es ganz nah zu mir herankam dieses Boot
mit seiner Gestalt, sah ich, daß es der liebe Heiland war, der mich anschaute
wie ein liebender Vater sein Kind. - Und auf einmal wurde mir ganz deutlich die
Bedeutung des Gesichtes offenbar und ich konnte voll
tiefen Vertrauens sagen: „Ja, so hast
du auch jetzt die Sache um deretwillen ich hier bin, und die ja Deine Sache ist,
in Deiner starken Hand und wirst alles herrlich hinausführen." Gleich
darauf verschwand das Gesicht.
Ich
sah dann auf's Neue einen großen Knödel von verschiedenen Garnen in
verschiedenen Farben, ganz durcheinander und ganz verwirrt. Und als ich betete:
„Was soll dieses bedeuten, was willst du mir damit sagen", da sah ich
seine durchgrabene Hand über diesem dicken Knäuel mit den verschiedenen Garnen
fahren. Und plötzlich waren all die Fäden wunderbar geordnet und hingen herab
wie frisch gekämmtes geordnetes Haar. Nun verstand ich wiederum seine Sprache
und konnte voll Vertrauen sagen: „Ja, mein lieber Heiland, so wirst auch du in
all diese Verwirrung volle Klarheit bringen und alles wunderbar ordnen." Es lautete wie folgt: „An den Führer des deutschen Volkes, Adolf Hitler!" „Ich habe es zugelassen, daß Du zum Oberhaupt geworden bist, dieses über 70-Millionen-Volkes. Ja, Ich habe dich groß werden lassen, aber doch nicht zu groß, daß Ich dich nicht wieder stürzen könnte. Ich habe dir durch einen sterbenden Mund (Hindenburg, Anmerkung!) sagen lassen, sorge Du dafür, daß Jesus Christus in allen deutschen Landen verkündigt werde. Du aber hast es nicht getan. Du läßt sogar die, die mir von ganzem Herzen treu ergeben, meine Nachfolger und Kinder sind, verfolgen und ins Gefängnis werfen. Siehe, Du bist in meiner Hand und Ich habe es dir schon wiederholt gezeigt, durch allerlei Durchkreuzungen Deiner Pläne und Vorhaben, daß Ich der Herr bin. Du aber hast Dich nicht warnen lassen. So rate Ich Dir, lasse diese meine Kinder frei, und tust Du es nicht, so werde Ich meine Hand wider Dich ausrecken und sie wird schwer über Dich kommen. Wehe, dreimal wehe denen, die verhindern wollen, daß dieses Schriftstück in die rechten Hände kommt. Wehe, dreimal wehe auch Dir, und all denen, die diesem meinem Kinde, das nur ein Werkzeug ist in meiner Hand, ein Härlein krümmt. Mein Zorn und Fluch wird euch treffen, so wahr Ich lebe, und der bin, der Ich von Ewigkeit her gewesen bin, der alleinige Herr und wahre Gott in Jesus Christus. Amen. Das Schriftstück, das an Hitler ging, war in Wirklichkeit noch größer. Diese Stellen aber sind mir allein im Gedächtnis erhalten geblieben, weil sie ganz besonders mich tief beeindruckt haben. Ich gab das Schriftstück nun dem Gefängnisaufseher. Er gab es dann weiter an seine Vorgesetzten. Und so wurde es auch abgesandt. Dies war am Montag, dem 20. September 1937. Am Dienstag, dem 21. September 1937, also am 9. Tage. An diesem letzteren Tage hörte ich, daß meine Brüder die mit mir verhaftet waren, darunter auch mein Hofstunde im Gefängnis hatten. Nun sann ich darauf, wie ich sie stärken und aufrichten könnte. Da stellte ich mich unter mein offenes Zellenfenster und sang laut das Lied: „Wenn Frieden mit Gott meine Seele erfüllt ... ". Da sagten die Aufseher zueinander: „Hört einmal da oben die Frau ... wie sie singt". - „Die ist eingesperrt mitsamt ihrem Heiland", so spotteten sie. Da sagte einer zum andern: „Geh du hinauf und stelle es ein wegen der vielen Juden, die hier inhaftiert sind (es war gerade in der Zeit der großen Judenverfolgungen) und sage ihr, daß wir hier kein Opernhaus hätten und sie das Singen einstellen solle". - Und so kam der eine Aufseher, der ein Altbayer war, herauf zu mir und sagte, daß ich das Singen einstellen solle. Da sagte ich zu ihm: „So, wollt ihr mir das auch noch nehmen? Nun es macht nichts. Bis am Donnerstag werde ja frei und wieder nach Hause kommen, dann kann ich wieder singen nach Herzenslust". Der Aufseher lachte mich aus und sagte: „Am Donnerstag? Da werden Sie sich aber schwer verrechnen. Denn ich habe es heute dem Papier, schwarz auf weiß, gelesen, daß Sie mit Ihrer ganzen Horde nach F. . . ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert werden". Ich aber gedachte der Worte, die der treue liebe Heiland mir in jener Nacht gesagt hat, und glaubte ihm. Zu dem Aufseher aber sagte ich: „Der liebe Heiland hat zu mir gesagt, daß ich und meine Lieben bis Donnerstag frei werden. Und nun wollen wir abwarten und sehen, wer recht hat, Sie oder mein Heiland". -- Da sagte der Aufseher: „Ja, das wollen wir", und ging höhnisch lachend aus meiner Zelle hinaus. Ich aber sagte alles meinem Heiland und ließ mich nicht ängstigen noch erschrecken sondern vertraute ihm. So am folgenden Donnerstag. Es war um die Mittagszeit. Ich lag auf meiner Pritsche, die ich infolge meiner Leiden immer zum Liegen bereit haben durfte, und wollte gerade etwas einschlafen und dachte so in diesem Momente, als der Aufseher so unverhofft hereinkam, nicht daran, daß es der Tag meiner Befreiung sein sollte. Ich stutzte als der Aufseher so niedergeschlagen mich anschaute und so schleppend zu mir sagte: „Ziehen Sie sich einmal an, und machen Sie sich fertig und packen Sie Ihre Sachen zusammen bis ich wiederkehre." Da betete ich zu meinem Heiland im Herzen als der Aufseher meine Zelle verlassen hatte und frug ihn, was das zu bedeuten hätte. Da hieß es in mir: „Hast du vergessen, was ich dir gesagt habe? Siehe es ist der Tag deiner und eurer Befreiung heute." Ach, sagte ich: „Mein lieber Heiland, jetzt weiß ich, warum der Aufseher so niedergeschlagen ist". Der Aufseher ging nun in dieser Zwischenzeit zu diesen anderen Mitinhaftierten, um ihnen die Nachricht zu bringen, daß sie frei werden. Nach ungefähr einer guten Stunde kam er wieder zu mir zurück und sagte zu mir ganz betreten: „Frau . . . , was ich nicht für möglich gehalten habe, nachdem ich es schwarz auf weiß geschrieben selbst gelesen habe, daß ihr heute nach F ... in die Untersuchungshaft kommen solltet, muß ich Ihnen sagen, Sie haben recht. Es ist telegrafisch die Mitteilung und Anweisung gekommen, Sie mit allen denen, die mit Ihnen verhaftet sind, sofort frei zu lassen." Da blickte ich ihn groß an und sagte zu ihm: „Herr Aufseher, wie freut mich das, daß Sie es erleben durften aus Gnaden, daß Jesus ein auferstandener Heiland ist und sein Wort hält. Sie können nie mehr sagen, nachdem was Sie nun erlebt haben, daß es keinen Heiland gäbe. Denn Sie haben es nun selbst erfahren, wie Er den Seinen hilft. O suchen auch Sie ihn von ganzem Herzen und lassen Sie ihn den Herrn in Ihrem Leben sein, Ihren Heiland und Erlöser. Auch Sie werden dann so glücklich werden, wie ich es bin und sein darf aus Gnaden. Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen." - Da weinte der über zwei Meter große Mann wie ein Kind und drückte mir fest die Hand. Er ist später dann von dem Gefängnis versetzt worden. Ich gedenke heute noch sein in Fürbitte und Gebet und ich glaube bestimmt, daß der Herr nicht vergeblich an ihm vorübergegangen ist und solches an ihm getan hat. Denn er, wie auch der andere Aufseher, wurden uns gute Freunde. Die 10 Gefängnistage waren sehr schwer für mich durch meine körperlichen Leiden. Aber es waren Segenstage, aus denen mir heute noch Segen und Kraft zuströmt. Meine Zelle wurde mir durch Christi Gnade in ein Heiligtum verwandelt. Ihm sei dafür Lob und Dank und ewig allein Ehre und Anbetung seinem heiligen Namen. Als wir nach Hause kamen, sagte mir meine Schwester, daß sie am Tage vorher beim Untersuchungsrichter gewesen wäre und ihn gebeten hätte, mich doch besuchen zu dürfen. Er aber hat ihrer Bitte nicht entsprochen und zu ihr gesagt, daß ein Besuch bei mir nicht erlaubt werden dürfe wegen Verdunkelungsgefahr. Er hat sie dann das Schriftstück lesen lassen, worin es geschrieben stand, daß wir den nächsten Tag, also an diesem Donnerstag, nach F. . . transportiert werden sollen ins Untersuchungsgefängnis. Ich durfte aber auch da erfahren, wie Menschen denken und planen, Gott aber lenkt und leitet! Denn was Jesus mir zugesagt hat, das hat er auch erfüllt. Ja sein ist der Sieg und alles muß sich ihm beugen. Halleluja. Amen! Wohl dem, der ihm von ganzem Herzen vertraut und ihn zum Freund und Helfer hat. Seinem heiligen Namen sei allein Ehre und Anbetung, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen! Um Jesu Christi willen In Berührung mit der Kripo, der Gestapo, dem Gefängnis und
dem Sondergericht
Oder gemachte Erfahrungen mit dem auferstanden Jesus Christus„So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserem Heiland, der da will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gegeben hat, daß solches zu seiner Zeit gepredigt würde." Aus 1. Tim. 2, 1-6 Wer diese Mahnung oder Verordnung des heiligen Geistes im Ernste nachgekommen ist, der hat die beglückende Erfahrung machen dürfen, daß die unaussprechliche Heilandsliebe sehn1ichst will, daß allen Menschen geholfen werde. Ja, der hat nicht nur dies erfahren dürfen, sondern auch das, daß man bei diesem Seinem Helfenwollen zu Gebet, Fürbitte und Danksagung gedrängt wird für einzelne Menschen, für alle Menschen, auch für die Obrigkeit. Und wer den lebendigen Gott in Jesus Christus als seinen Heiland und Erlöser erkannt und erfahren hat, der weiß auch, daß in keinem anderen Namen das Heil, ja kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen. Ja, der weiß auch um die Mittler-Rolle von den geopferten Menschen Jesus Christus. Der weiß, daß von diesem Menschen, dem auferstandenen Jesus Christus zu gegebener Zeit zu zeugen und zu predigen ist. Ja zu predigen ist, zur Zeit oder zur Unzeit, bei jeder Gelegenheit. Wer den Auftrag des erretten wollenden Herrn ernst genommen hat, ja, wer sein Wort überhaupt ernst genommen hat und dem Wort gehorsam geworden ist, der weiß auf einmal auch, daß er als Mithelfer in die Mittler-Rolle Jesu Christi mit hineingenommen worden ist. Er weiß sich zum Mithelfer gerufen und berufen. Gleichzeitig wird ihm durch den heiligen Geist aufgetragen, Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen zu tun, auch für die Obrigkeit. Wie das so ist - wer es selbst erfahren hat, der weiß es - gibt der heilige Geist oft ganz ins einzelne gehende Aufträge zum Gebet und zur Fürbitte. Und wer es weiter erlebt hat, der weiß es auch, daß hier in der Kraft des heiligen Geistes Schlachten geschlagen und Entscheidungen herbeigeführt werden, die von sehr großem Ausmaß sind. An dieser Stelle sei auf die Verheißung gemeinsamen Gebetes in Matth. 18, 19: „Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, um etwas zu bitten, so soll es ihnen von meinem Vater im Himmel zuteil werden", hingewiesen. Manche Menschen wundern sich über diese oder jene Fügung und Führung, im einzelnen Leben, im politischen Bereich. Und oft ist dies das Ergebnis eines Gebets, er einzelnen dem Gebet gewidmeten und geweihten Seele oder eines kleinen Gebetskreises. Mancher unbekannte Beter wird dereinst im Lichte bei der Eröffnung von Gottes Weltgeschichte und Gottes Weltgericht auf Erden, bei dem Bau der Gemeinde im Namen zu finden sein. Sie sind angeschrieben im Buche des Herrn. Der heilige Geist leitet gleichsam die Fürbitte und das Gebet. Und der Beter wird unwillkürlich hineingenommen in die zu verändernden Verhältnisse und erkennt sie in der Tiefe. Er erkennt auch gleichzeitig was und warum zu bitten not. Ihm wird nun im Gebete offenbar, was für Schaden vorhanden ist. Ja, der heilige Geist erhellt mit seinem Lichte die Finsternis, er macht offenbar. Da sieht man nicht mehr mit eigenen Augen, da darf man mit göttlichen Blicken, mit göttlichen Augen sehen. Ja, so erkennt man, wo man von der Wahrheit abgewichen ist und welcher Weg zurück zu neuer Erkenntnis der Wahrheit führt. Dies ist mir nicht nur bei einzelnen Menschen aufgeschlossen worden, sondern auch bei der damaligen Obrigkeit des deutschen Volkes. An dieser Stelle sei die Hinwendung zu einem geistesvollmächtigen Gebet des Glaubens sehr anbefohlen! Warum wird es eigentlich so wenig ausgeübt und gepflegt? Ein Grund ist wohl der, daß hier ein ganzes Opfer gebracht werden muß und für ein Eigenleben kein Raum mehr ist und bleibt. Ein anderer Grund ist wohl auch der, daß das Gebet nicht so gewertet wird, wie es sein sollte; oft weniger Bedeutung hat und auf die Waage der Menschen nicht so viel wiegt. Die Aufgabe des Gebets wird meist in der Stille ausgeübt, im Kämmerlein ohne viel Wind und Aufhebens, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes und Gottes getan. Der rechte Beter ist ein Werkzeug Gottes und wird gebraucht und kann dabei keine eigenen Lorbeeren ernten. Recht beten, erhörlich beten können wir nicht aus uns. Das wirkt der heilige Geist durch Gottes Gnade in uns. Und nur dort, wo man nicht seine eigene Ehre sucht, sondern allein für unseres Heilandes und Gottes Ehre steht und in reiner selbstloser Liebe diese Aufgabe erfüllt, da weht der heilige Geist. Manche fürchten bei der Aufgabe des Gebets die dabei mit der Macht der Finsternis auszutragenden Kämpfe, auch die damit oft verbundenen körperlichen Leiden. Sie lassen deswegen das Gebet lieber sein. Durch das geistvolle Gebet wird man auch in die Mitregentschaft Jesu Christi hineingenommen. Und wer darin einige Erfahrungen sammeln und machen möchte, dem sei das Gebet wärmstens empfohlen. Solange die einzelnen Menschen oder die Obrigkeit auf den Wegen der Wahrheit wandeln und nach Gott fragen, ist der eingangs in i. Thim. 2, 1-6 verordnete Auftrag verhältnismäßig leicht auszuführen. Wo aber eine Obrigkeit die Menschen von der Wahrheit in den Irrtum abzieht, sie den Mächten der Finsternis zuführt, ist es für den Beter und den Mithelfer Jesu Christi in dieser seiner Versöhnung eine große Bürde, eine solche Aufgabe treu auszuführen. Ja, da ist dieser Auftrag ein großes Kreuz, ein Kreuz, das getragen sein will. Es ist ein Kreuz voll Hoffnung und des Sieges und der Kraft. Und wie ich die Kraft dieses Zeichens und die Kraft der Auferstehung Jesu Christi in meinem mir von Gott aufgetragenen Dienst an Brüdern und Schwestern, an Volk und Obrigkeit erfahren habe, das hat mein Vertrauen zu meinem Heiland und Herrn zu einem unerschütterlichen bis in die tiefsten Tiefen werden lassen. O, Er ist ein mächtiger Herr, ein majestätischer Herr von unendlicher Größe und Liebe. Über der Verkündigung des Wortes und dem Zeugnisgeben bleibt es nicht aus, daß über aufgeschlossene Wahrheiten anhand des Wortes durch den heiligen Geist, oder auch, wie es mir oft zuteil geworden ist, durch ganz deutliche Weisungen und Offenbarungen des Herrn in der Gemeinschaft oder unter einzelnen Brüdern und Schwestern gesprochen worden ist. Und dies wiederum bringt mit sich, daß die Auslegung des Wortes und das Zeugnis an den Mitmenschen, weitergegeben wird. Es soll ja allen Menschen geholfen werden und alle sollen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Ja, gerettet sein bringt Rettersinn! Ein Hund, der nicht mehr bellt, ist als Wachhund nicht mehr zu gebrauchen. So ist es nicht ausgeblieben, daß da und dort das Zeugnis der Wahrheit über die damalige Obrigkeit dem einen und anderen in der Kehle stecken geblieben ist. Daß die Wahrheit ohnehin nicht gerne gehört wird, ist ja bekannt. Ja, daß eine gottlose Obrigkeit die Wahrheit nicht gerne hört, und was aus dem Zeugnis der Wahrheit gegen sie werden kann, das muß erlebt sein. In Joh. 16, Vers 13, lesen wir: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten, denn er wird nicht von sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was z u k ü n f t i g ist, wird er euch verkündigen". Durch den Geist der Weissagung (vergl. 1. Kor. 12, 10 und Offbg. 19, 10) ist mir vom Herrn vieles anvertraut worden, was zukünftig sein wird. Das habe ich auch da ind dort meinen Mitbrüdern und Mitschwestern niedergeschrieben und weitergegeben. Daß dieses den damaligen Machthabern unbequem und so gar nicht in ihr Konzept passen wollte, das versteht sich. Wer die Propheten liest, oder den Herrn durch die Weissagung reden hört, der weiß um die Macht des Wortes zur Zeit des Gerichts. So war es eigentlich auch nicht verwunderlich, als am Abend des 30.4. 1935, abends zwischen 8 und 9 Uhr, zwei Herren der Obrigkeit während unserer Abendandacht in der Wohnung bei uns erschienen sind. Wir waren gerade im Gebet und ich lag besonders auf den Knieen im Gebet vor dem Gnadenthron. Als die beiden Herren in das Zimmer kamen, in dem ich im Gebet zubrachte, da sagte der eine von ihnen: „Frau Pfirrmann, wir müssen Sie sprechen. Wir sind von der Kriminalpolizei. Es liegt etwas gegen sie vor". In aller Ruhe habe ich den beiden Herrn geantwortet: .Meine Herrn, es tut mir leid, daß ich Ihnen jetzt nicht Rede und Antwort stehen kann. Wie Sie sehen, stehe ich jetzt vor meinem allerhöchsten Herrn, vor meinem treuen Heiland, den ich jetzt unmöglich warten lassen kann. Wenn ich mit der Zwiesprache mit meinem Herrn fertig bin, dann stehe ich Ihnen zur Verfügung. Ich kann jetzt nicht anders". Daraufhin habe ich mein Gebet unter Augen und Ohren der beiden Herrn fortgesetzt, ohne mich von dem mir aufgetragenen Gebet irgendwie beeinflussen zu lassen. Im Anschluß an das Gebet haben wir dann das Lied angestimmt und gesungen: Jesu, Dir leb` ich; Jesu, Dir sterb ich, Jesu, Dein bin ich im Leben und im Tod! O sei uns gnädig, sei uns barmherzig; Führ uns, o Jesu, in Deine Seligkeit. Und nun hat unser treuer Heiland diesen Beiden ihre Herzen angerührt, daß sie mit in den Gesang einstimmten. Dem einen kamen sogar die Tränen. Und der eine, er war katholisch, sagte, als wir mit dem Singen fertig waren: „Ihr singt ja unsere Lieder. Dieselben Lieder haben wir auch".Und als ich so meinem Heiland die Ehre gegeben hatte und Ihm alles im Gebet hingelegt und anvertraut hatte, wendete ich mich zu den Herrn: „So meine Herrn, jetzt stehe ich Ihnen zur Verfügung". Nun berichteten sie mir: „Frau Pfirrmann, es liegt eine Anzeige vor, daß hier unter dem Deckmantel der religiösen Betätigung gegen die Partei und gegen Hitler gearbeitet wird. Auch wird Ihnen angelastet, daß Sie Gesundbeterei betreiben würden". Darüber mußte ich zunächst
nur lachen. „Meine
Herrn, sehen Sie mich an. Vor Jahren bin ich durch Unfall schwer verunglückt
und bin behindert. Durch nachfolgende Operationen habe ich körperliche
Leiden. Sehen Sie mein armes Kind an, das fast erblindet ist seit seinem
Kindesalter. Wie gerne würde ich mein Kind und mich gesund beten, wenn
ich das könnte. Da müßten Sie ja mir erst das Gesundbeten lernen. Ich
kann nicht gesund beten noch gesund machen. Aber das Eine, was hier wahr
ist, das will ich Ihnen sagen.
Denn
als ich den lieben Heiland immer und immer wieder um seine Hilfe und um
Heilung bat, da hörte ich Ihn ganz klar zu mir reden: „Mein lb. Kind,
trage Dein Leid in aller Geduld. Ich habe es Dir zugelassen, weil ich Dich
zu etwas viel Höherem erwählt habe. Denn Du sollst Mir ein rechtes
Werkzeug sein und eine Hilfe für viele. Deshalb habe ich Dir Dein Leid
zugelassen. Was Du jetzt nicht verstehst, hernach wirst Du Dich freuen, daß
Ich Dir solche Gnade zugelassen habe, damit Du die geistigen Fähigkeiten
und Kräfte, die Ich in Dich geleget habe, auch betätigen kannst im
Dienste für Meine Sache". Also, sehen Sie, meine Herrn, von Gesundbeterei kann hier gar keine Rede sein. Unser treuer Heiland hat mich
zubereitet zu einer Priesterseele für alle Menschen, für die Obrigkeit
und Regierungen. Auch für die Obrigkeit habe ich gebetet, so wie es die
Bibel sagt. Der treue Heiland hat viele meiner Gebete erhört nach Seinem
Willen und Wohlgefallen. Er hat auch viele kranke und leidende Menschen,
Brüder und Schwestern, zu mir geschickt. Und wo der treue Herr in meinem
Herzen mir den Auftrag gab, da habe ich die Hände aufgelegt in Seinem
Namen und Er hat es geschenkt, daß bei den Kranken die Gesundheit
wiedergekehrt ist. O, wir haben es mit einem herrlich auferstandenen
Heiland zu tun und nicht mit einem Toten. Und Er kann sich herrlich und
wunderbar offenbaren, Er will. Was hier unter uns geschieht und schon geschehen ist, das in der Schrift
niedergelegt und heißt in Jakobus 5,14 und 15: Ist jemand krank, der rufe
zu sich die Ältesten von der Gemeinde, daß sie über ihm beten und
Salben mit öl in den Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem
Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten. Auch das andere Wort, das der
auferstandene Jesus glaubenden jünger verheißen hat und in Mark. Verse
17-18, zu finden ist: Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da
glauben, sind die: in Meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen
Zungen reden, Schlangen vertreiben; und so sie etwas tödliches trinken,
wird's ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen,
so wirds besser mit ihnen werden.
Ist es nicht gerade heute in unserer Zeit bezeichnend, daß Er sich so
offenbart, und das gerade jetzt, wo man Ihn als eine Sage, einen
verstorbenen Idealisten, und was dergleichen mehr, abtun will. Und was die
andere Anschuldigung betrifft, da habe ich besonders von meinem Heiland
den Auftrag bekommen, ganz besonders für unser Volk und Vaterland zu
beten, daß es sich in großen Irrtümern befände und ein schlimmes Ende
nähme, wenn sie sich nicht helfen lassen. Ja, es wurde mir sogar gesagt: „Mein Kind, wenn Hitler und das deutsche Volk gegen Mich weiter aufstehen, so werde ich Schlimmes über ihn und das deutsche Volk zulassen". Ja, im Geiste ist mir gezeigt worden, welches Ende herbeikommen wird. Die Anschuldigung, wegen der Arbeit gegen Hitler und die Partei, muß ich entschieden zurückweisen. Es kann sich hier nur um infame Lügen handeln. Ich habe keinen politischen Auftrag. Wenn wir hier zusammenkommen, so ist es zur Andacht und Gebet; wir betrachten das Wort Gottes. Und ist denn heute nicht das Gebet mehr denn je notwendig? Also, sehen Sie, meine Herrn, daß hier von einer politischen Arbeit nicht die Rede sein kann. Vielmehr habe ich einen ganz klaren göttlichen Auftrag. Und das Bekenntnis des Herrn zu diesem Auftrag sind diese mitfolgenden Zeichen und Wunder." Die Beamten frugen mich dann auch, was ich von Hitler halten würde. Ich durfte ihnen antworten: „Meine Herrn, wenn Hitler Jesus Christus auf dem Ehrenplatz stehen läßt, der Ihm allein gebührt, dann wird auch Jesus Christus, unser Heiland, auch ihn stehen lassen. Aber wenn er weiter Jesus Christus verfolgen wird, dann wird er weichen müssen und es wird ihm und seinen Anhängern übel ergehen. Dann werden diese Wehen und Gerichte über Hitler und unser Volk kommen, so wie sie mir gezeigt worden sind. Und meine Aufgabe darin ist, für meine Obrigkeit und mein Volk zu beten". Auch den beiden Beamten durfte ich dann von Jesus Christus zeugen und ihnen den Weg zu ihrem persönlichen Heiland weisen. Ja, ich durfte auch ihnen sagen, daß sie ihn, den Heiland, zum Leben und Sterben brauchen. Allen Ernstes und voll heiliger Liebe habe ich ihnen dann noch abschließend gesagt, daß Jesus Christus der Sieger ist und bleibt. Sie wurden darüber nachdenklich und waren innerlich sichtlich getroffen. Gegen 24 Uhr gingen sie mit einigen Aufzeichnungen, nachdem sie mir noch gesagt hatten, daß ich für den anderen Tag zum Chef der Kriminalpolizei bestellt sei, nach Hause. Bevor ich am andern Tag zur Kriminalpolizei ging, habe ich die ganze Angelegenheit im Gebet vor den Heiland gebracht, meinen Mann und mein Kind dem Schutze und Beistand des Herrn befohlen. Von meinem Mann habe ich mich, ehe er zur Arbeit ging, verabschiedet. Und zu meinem Kinde sagte ich, indem ich es in meine Arme nahm: „Mein Kind, Du warst ja dabei, als ich, Deine Mutter, zur Kriminalpolizei geladen worden bin. Ich weiß nun nicht, was aus mir wird, ob ich noch einmal heimkomme oder nicht. Mein lb. Kind, wenn ich auch nicht mehr komme, dann bleib nur Deinem Heiland treu. Er wird auch dann treu für Dich sorgen. Und denke stets daran, daß ich freudig bereit bin, wenn es sein muß, um seines Namens willen in den Tod zu gehen". Mein Kind noch einmal fest an mein Herz drückend und ganz fest auf den Heiland blickend habe ich mich auf den Weg zur Kriminalpolizei gemacht. Der Chef der Kriminalpolizei eröffnete mir gleich, daß eine und unsere Stunden verboten seien. Ich solle mir darüber im Klaren sein, daß ich von nun ab unter Beobachtung stehen würde. Wenn ich wieder beim Stundenhalten angetroffen werden würde, ich mit einer Unterbringung ins Konzentrationslager Dachau zu rechnen hätte. Zu dem Chef der Kriminalpolizei durfte ich dann sagen; „Mein Herr, ich habe keinen Grund meinem Heiland untreu zu werden. Das hat Er um mich nicht verdient. Ihr könnt nun alles tun, was ihr wollt. Ihr könnt mich auch an die Wand stellen und erschießen. Was mir mein Heiland anvertraut hat, das lasse ich mir nicht nehmen. Und nach Dachau komme ich nur dann, wenn es mein Heiland will und Er für mich dort eine Aufgabe hat". Meine Aussagen wurden alle protokolliert. Und der Chef der Kripo sagte mir dann, daß ein Bericht nach München weitergeleitet werden würde. (Angeblich wurden die Anzeigen über eine Zentrale in München bearbeitet.) Zur Ehre meines Heilandes muß ich sagen, daß mir zu den obigen Aussagen vor der Kripo eine nie gekannte Kraft und ein Mut gegeben worden ist und mich erfüllte. Da lernte ich eigens die Standhaftigkeit der Märtyrer kennen und verstehen. Die ganze Sache vertraute ich meinem Herrn und Heiland an, stand ich doch für Ihn und Seine Sache. Ich legte auch die Kriminalbeamten in Seine Hände und vertraute sie Seiner Führung an. Wegen dem Stundenhalten habe ich mich nicht einschüchtern lassen. Sie wurden weiter gehalten und dem Herrn die Ehre gegeben. Ja, mein Vertrauen war bei meinem Herrn und Heiland Jesus Christus. Und lange Zeit habe ich auf Vorladung nach München gewartet; ich war bereit. Eines Tages traf ich den Chef der Kripo auf der Straße. Im Vertrauen sagte er zu mir: „Freuen Sie sich, es ist bis jetzt nichts mehr gekommen. Wir wissen selbst nicht was wir davon halten sollen und wie das möglich war". „Ich aber weiß es, das hat unser Heiland getan", durfte ich bekennen. „Denn Er verläßt die Seinen nicht." Später kam der Chef der Kripo in meine Wohnung und hatte mich inzwischen noch einmal verhört. Neue Anzeigen sind da bei ihm eingetroffen. Der Chef der Kripo sagte auch zu mir: „Ach, schonen Sie sich doch, wo Sie doch so leidend sind und schon so viel durchgemacht haben". „Ich kann und darf meinem Heiland nicht untreu werden, und wenn es mich mein Leben kostet", mußte ich ihm sagen. In dieser Stunde hat der Geist Gottes in besonderer Weise persönlich mit ihm geredet. Der Kripo-Chef kam auch später in unsere Versammlungen mit seiner Frau. Er las auch sehr gern dann die Botschaften und Zeugnisse. Zu den Ausführungen der Worte in Jak. 5, 14-15 und Mark. 16, 17-18, sind noch einige erläuternde Zeugnisse anzufügen. Verschiedene Brüder und Schwestern haben die Kraftwirkung des heiligen Geistes an ihrem Leibe erfahren dürfen. So seien noch einige
Beispiele genannt, die der Herr geheilt hat. Eine Schwester, die von den Ärzten hoffnungslos an Unterleibs- und Darmkrebs aufgegeben worden war, wurde durch Gebet geheilt. Sie hat vorher Jahre lang nur Haferflockensuppe essen können. Dies war schon im Jahre 1933. Sie lebt noch und ist, während ich dies schreibe, bei mir und hilft mir, weil ich so leidend bin. Eine andere Schwester, die an beiden Brüsten Brustkrebs hatte, hat der Herr auch zu dieser Zeit geheilt. Sie war sehr elend dran. Die Arzte gaben auch hier wenig und keine Hoffnung. Die sie behandelnde Schwester, eine Diakonissin, wurde während dieser Zeit zu einem anderen Dienst gerufen. Nach einem Jahr kam sie wieder zurück. In der Meinung, daß die Brustkrebskranke schon verstorben sei, fragte sie deren Mutter bei einem Besuch: „Wie lange ist nun ihre Tochter eigentlich schon tot?" Die Mutter sagte: „Mein Binchen, die ist nicht tot, die ist gesund, die lebt". Eine andere Schwester, die vor der Einlieferung in eine Heilanstalt stand, hat unser treuer Heiland vom Verfolgungswahn freigemacht. Ein sehr bedauerlicher Fall. Und heute darf diese Schwester noch dem Herrn dienen. Und noch eine andere Schwester. Sie hatte mehrere Jahre hindurch unter schwerer Schlaflosigkeit zu leiden. Der Herr hat auch sie von diesem schlimmen übel befreit und ihr wieder einen ganz geordneten Schlaf geschenkt. Er hat sie dann zur Beterin und zum Zeugendienst gebraucht und sie unserer Gemeinde hinzugetan. Ein tiefes, freudiges Gotteskind ist sie geworden. Auch eine andere Schwester, die an einem sehr schlimmen Augenleiden getragen hat, ist vom Herrn angerührt und geheilt worden. Sie darf heute noch selbst das Wort lesen und sich dieser Gnade von Herzen freuen. So könnte noch von vielen anderen Geschwistern berichtet werden, die auffallende Wunder an sich erfahren haben und an denen der Herr sein vorstehendes Wort Seiner herrlichen Auferstehungskraft dokumentiert hat. Über das eine und andere darf später
noch berichtet werden. Diese Verherrlichung Jesu hat sich ja nicht
verschweigen lassen und hat sich da und dort herumgesprochen. Aus
dieser klaren biblischen Handlung, der Handauflegung im Namen Jesu, haben
die Ankläger die Gesundbeterei gemacht. Später bin ich jedoch, und
das bis heute, mit dem Auflegen der Hände recht vorsichtig geworden.
Nicht aus dem Grunde der Anschuldigung der Gesundbeterei. Da und dort
wollte es zur Sensation und zur Geltungsgier werden. Viele haben auch Mißbrauch
getrieben mit ihrer neugeschenkten Gesundheit und sind wieder in Sünden
und Welt zurückgefallen. Das
Wort in 1. Thim. 5, 22: „Die Hände lege niemand zu bald auf",
wurde mir dadurch sehr deutlich gemacht in seinem tiefen Grund. Sie sollen
davor bewahrt werden vor den Folgen, die uns in Hebr. 6, 4-6
niedergeschrieben sind. Dort ist davon die Rede, daß die, die die Kräfte
der zukünftigen Welt geschmeckt haben, und die dann abfallen, nicht mehr
zur Buße kommen können. Die Mitreisenden waren zum Teil in die Tageszeitungen vertieft, zum Teil haben sie anderweitig gelesen. Als ich sie so in ihre Weltliteratur vertieft sah, kam ein großes Mitleid mit ihnen in mein Herz. Es drängte mich die Retterliebe Jesu, diesen Armen etwas anderes zu lesen zu geben. In meiner Tasche hatte ich Traktate und Kalenderblättchen mit Zeugnissen aus der heiligen Schrift. Mein lb. Mann half mir beim Aufstehen und stützte mich. Zu den Mitreisenden gewandt, sagte ich: "Entschuldigen Sie bitte meine Herren, meine Frau, darf ; Ihnen etwas Besseres zum Lesen anbieten?" Sie blickten auf und ließen sich diese Traktate und Blättchen geben. Ihre Zeitungen legten sie beiseite und fingen gleich darin zu lesen an. Und wir setzten uns dann wieder und sahen zu, wie sie interessiert waren. Nach einer Weile, nachdem er das Blättchen zu Ende gelesen hatte, fragte mich der General-Ing.: „Liebe Frau, glauben Sie eigentlich selbst, was da drin steht? Glauben Sie das wirklich?" Und als ich ihm mit freudigem ja antwortete, da fragte er mich: „Haben Sie wirklich schon den Heiland gesehen?“ Da durfte ich freudig antworten: „Nicht nur einmal, sondern des öfteren. Er hat mich sogar schon vom Tode errettet. Und Er ist auch jetzt mit seinen heiligen Engeln bei uns, und Er hört, was wir jetzt reden. Denn Er läßt die wahren Seinen nicht allein. In Seinem Wort steht ja geschrieben: Siehe, Ich bin bei euch alle Tage!" Der General-Ing. zog dann seine dicke, mit Geldscheinen überreich gefüllte Brieftasche, klopfte dann mit der Hand so selbstbewußt, so bewußt reich und so vertraulich auf seine gezogene Brieftasche und sagte: „Das ist mein Gott!" Er unterstrich das so mit einem triumphierenden, harten Lachen: „Ha, ha". Ach, wie kam da ein Mitleid in mein Herz, und ich mußte ihm antworten: Sie armer Mann, trotz der dicken Brieftasche. Wie tun Sie mir leid. Sehen Sie doch einmal, wie schnell das irdische Leben vorüber sein kann. Was nützt ihnen dann Ihre so dick gefüllte Brieftasche, wenn der Ruf Gottes an Sie ergehen wird. An wen und an was wollen Sie sich dann halten und wer soll Ihnen helfen? Ihre Brieftasche kann Ihnen dann nichts mehr nützen. Sie müssen dann die Brieftasche und alles Irdische verlassen. Und wenn Sie zur Ehre Jesu nichts Gutes damit getan haben, dann wird sie Ihnen zum Gericht". Wie zur Entschuldigung sagte er: Ich unterhalte meine Mutter, das ist die Einzige". „O, das ist ihre selbstverständliche Pflicht, ist ihre heilige Pflicht, wenn Sie das tun", erwiderte ich. „Aber das ist nicht das, was ich vorhin sagen wollte. Denn die da reich sind, sollen der Notleidenden, der Witwen, der Schwachen nicht vergessen, sollen der Kranken, Alten und Bedürftigen gedenken, so sagt die Schrift." Durch diese meine Worte wurde er unruhig und blickte mich zitternd an und fragte wieder, diesmal aber nicht mehr so überheblich: „Liebe Frau, gibt es wirklich einen Heiland, und haben Sie Ihn wirklich schon gesehen?" Und da bezeugte ich Ihm den auferstandenen Herrn und Heiland und welche wunderbaren Erfahrungen ich habe mit Ihm machen dürfen. Auch sagte ich ihm wieder, daß ich Ihn schon habe schauen dürfen in Seiner Auferstehungsgestalt. Die anderen hörten alle mit großer Aufmerksamkeit zu. Und noch einmal, sichtlich bewegt von dem Zeugnis, fragte er: „Gibt es das denn wirklich? Ich kann es gar nicht fassen, noch glauben". Bei diesen seinen letzten Worten schüttelte er den Kopf. Und da beteiligte sich der Oberst an dem Gespräch und erwiderte dem General-Ing. auf seine Frage: „Und ob es das gibtl Ich darf dazu ein wahres Erlebnis erzählen". „Eine mir nahe bekannte Grafen-Familie, die ein Schloß haben, ließen das, was ich jetzt berichte, notariell niederschreiben und beglaubigen." Freudig und kraftvoll erzählte er: „Zwei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, da hatte die Gräfin, die gläubig war, eine geistige Schau. Sie sah, daß ein furchtbarer Krieg ausgebrochen ist und daß in dieser Zeit der linke Flügel ihres Schlosses in ein Lazarett umgestaltet war. Sie sah viele Verwundete in ihrem Park spazieren gehen und auch viele in Sessel und Liegestühlen im Park zubringen. Unter den Verwundeten sah sie auch ihren eigenen Sohn mit einem Verband am Arm, einem so eckigen Verband. Sie ist darüber sehr erschrocken und sagte: Das hat mir der liebe Heiland gezeigt, damit wir uns zu Ihm halten und bei Ihm bleiben. Weil sie nicht wußte, ob sie die Zeit, in der die Schau sich erfüllen sollte, noch erleben würde, so hat sie es beim Notar schriftlich niederlegen lassen. Und nach zwei Jahren schon ist dies genau so eingetroffen. Der Krieg, das Lazarett und ihr verwundeter Sohn, auch die verwundeten Soldaten im Park." Und er fragte nun in die Abteilrunde: „Wer hat dies nun gezeigt? Doch niemand anders als der liebe Heiland. Er ist ja allein der treue Helfer und Führer der Seinen". Er blickte dabei sehr ernst zu dem General-Ing. hinüber. Durch diese ernsten Zeugnisse angeregt, erweiterte der Kaufmann aus Frankenthal die Zeugnisrunde. Er sagte dann: „Meine Lieben, diese Frau und der Herr haben recht. Auch ich darf bekennen, daß es einen lebendigen Heiland gibt. Und zu Seiner Ehre darf ich auch hier was Erlebtes sagen. Mit einem Trupp meiner Soldaten war ich an der Westfront auf Erkundigung. Der Feind mußte uns irgendwie ausgemacht haben, denn auf einmal wurden wir mit Granatfeuer belegt. Wir suchten in einem nahegelegenen Unterstand Schutz vor dem Feuerüberfall. Der Unterstand wurde jedoch getroffen und wir wurden verschüttet und konnten uns nicht mehr selbst befreien. Um uns her war alles dunkel. Unser Proviant war schon zu einem Teil aufgebraucht, ja nur noch ein geringer Rest war vorhanden. Und wie ich so über unsere Lage nachdachte, da frug ich meine Soldaten: Ist einer unter euch, der beten kann? Dann meldete sich einer
mit ja. Dieser wollte nun bei dem klitschigen Boden niederknieen, um zu
beten. Er fiel dabei auf sein Hinterteil und schrie auf einmal vor Schmerz
laut auf. Er war auf eine Taschenlampe gestürzt, die er von einer Familie
geschenkt bekommen hatte in seinem letzten Quartier. So an die
Taschenlampe erinnert, rief er dann mit Freuden in unterdrücktem Schmerz
auf: O, ich habe eine Taschenlampe! Er machte dann Licht und wir fingen an, unser Gefängnis zu betrachten. Und
als wir erkannten, daß für uns kein Entkommen mehr möglich war, dann
haben wir unseren Heiland erst recht um Rettung angef1eht. In der Erinnerung gefangen strahlte der Erzähler und freute sich über die Maßen ob des göttlichen wundervollen Waltens. Zu dem General-Ing. gewandt sprach er: „Was diese Frau bezeugt ist Wahrheit. Das habe ich auch erlebt und mit mir viele Zeugen. Ja, wir haben erfahren und können es bezeugen, daß Jesus Christus lebt". Unter dem Zeugen ist in K. ein Herr eingestiegen und hat sich bei uns mitten ins Abteil gestellt. Er war sehr aufmerksam für die Abteilinsassen interessiert. Er schaute von einem zum andern und musterte einen jeden. Der Kaufmann fragte dann, ob er meine Adresse haben könnte. Er würde uns gerne einmal besuchen, wenn er nach P. käme. Ich habe ihm dann meine Adresse gegeben. Der General-Ing. stieg in K. aus. Er verabschiedete sich sehr freundlich und dankte für die Zeugnisse und wünschte uns alles Gute. Beim Verabschieden sagte ich zu ihm: „Wir werden uns drüben einmal wiedersehen. Dann werden Sie erkennen, wie Ihnen hier die Wahrheit bezeugt worden ist. Darum vertrauen Sie nicht länger auf Ihre Brieftasche und das Geld, sondern auf Jesus Christus, der auch Ihr Heiland sein möchte und Ihnen helfen will; der es auch für Sie auf Golgatha vollbracht hat. Dann erst werden Sie recht glücklich werden, so wie ich es jetzt schon bin." Er drückte noch recht fest meine Hände und stieg dann aus. Mit dem General-Direktor und seiner lieben Frau war ich bis zu ihrem Abscheiden innig verbunden. Sie haben mich des öfteren in P. besucht. In W. stieg dann auch der Kaufmann W. aus Frankenthal aus und hat sich sehr freundlich von mir und uns verabschiedet. Nachdem der Kaufmann ausgestiegen war, redete mich der in K. zugestiegene Herr an. Er schlug dabei sich gebärdend und entrüstend mit einer Armbewegung in die Hände! „Wissen Sie nicht," sagte er, daß Sie einen Juden eingeladen haben? Und wissen Sie nicht, daß das strengstens verboten ist?" Mein Herr", frug ich, „mit wem habe ich die Ehre?" Im Herzen wurde mir gesagt, daß dies ein Gestapo-Beamter sei. Er sagte nur: „Das tut nichts zur Sache." Ich antwortete dann: „Nun, er hat doch ein solch gutes Zeugnis von unserem Heiland Jesus Christus abgelegt. Und selbst wenn er Jude ist, das Verbot gilt nicht für mich. Denn ich bin ein Gotteskind. Und Jesus Christus, unser Heiland, lehrt uns, daß wir unsere Brüder und Schwestern, ja selbst unsere Feinde lieben sollen. Und in ihm, der so treu von unserem Heiland gezeugt hat, sehe ich niemand anders als meinen Bruder. Das ist Gottes Gebot und das lasse ich mir von niemand nehmen." Der mit uns fahrende Glaubensbruder ist bei diesem Zeugnis blaß und blässer geworden. Er hatte den Mann erkannt und warnte mich flüsternd: „Gestapo". Ich war mit einem Mut und einer Zeugnisfreudigkeit erfüllt und ließ mich nicht beirren. War ich mir doch der Gegenwart meines Heilandes und seiner Engel bewußt. Jetzt stellte er die Frage an mich: „Was halten Sie von Hitler.« Furchtlos antwortete ich ihm: „Ich erkenne in ihm die Obrigkeit, die mein Heiland zugelassen, und bete für ihn und das deutsche Volk, so wie es mich das Wort Gottes lehrt." Dann frug er mich weiter: „Was halten Sie vom Alten Testament?" „Daß es Gottes Wort ist", antwortete ich. „Das muß ausgerottet werden," schrie er. „Das wird Ihnen nicht gelingen. Darüber wacht unser Heiland. Denn es ist sein Wort", entgegnete ich ihm. „Das muß hinweg, das muß um jeden Preis hinweg", ereiferte er sich immer mehr. Wieder mußte ich antworten: „Das Neue Testament kann ohne das Alte nicht bestehen. So wenig das Obergeschoß eines Hauses ohne das Erdgeschoß bestehen kann. Das ist eine zusammenhängende Ergänzung. Das eine ist Verheißung, das andere ist die Erfüllung. Es ist Gottes Wort. Ich kann Sie nur warnen." Da blickte er mich zornig an und sagte: „Sie werden von mir hören." Nachdem die polizeiliche Anordnung von dem Verbot der Stunde nicht eingehalten worden ist und dem Herrn weiter gedient und Ihm der schuldige Gehorsam gebracht wurde, war es eigentlich gar nicht verwunderlich, daß die Verhaftung näherrückte. An einem Sonntag, acht Tage vor der ersten Verhaftung, hat der Herr mit uns selbst geredet und gesagt: „Ihr meine Kinder, nun kommt es auch an euch heran. Ja, die Stunde kommt immer näher, wo euer Glaube sich bewähren soll und Ich euch prüfen will auf eure Standhaftigkeit, Liebe und Treue; und wo ich mich aber auch an euch verherrlichen will, wenn Meine Stunde gekommen ist. Denket daran und beweiset
euch als Meine Kinder und laßt alles liegen, Mein Wort, die heilige
Schrift, und auch die euch von Mir gegebenen Weissagungen und
Offenbarungen. Räumt nichts hinweg, auch wenn die Häscher kommen und
alles beschlagnahmen und euch verhaften. Denn Ich will durch euch auch
ihnen begegnen und noch retten unter ihnen, wer sich retten läßt." Und es erging uns wie den Jüngern. Wir verstanden zu dieser Stunde nicht,
was dieses bedeuten sollte. Als es dann herbeigekommen war, konnten wir
noch zueinander sagen: „Habt acht, das ist das, worauf wir vorbereitet
worden sind." Das war
der 12. September 1937 als die Gestapo uns verhaftete und ins Gefängnis
in P. einlieferte. Als die Gestapo erschien - 10 Mann hoch - war auch der Reisegefährte von dem Zuggespräch dabei, der in K. zugestiegen ist und über das Alte Testament so heftig sich geäußert hatte. Und als er mich sah, rief er aus: „Ah, das sind Sie!" Zu den Kollegen gewandt, sagte er: „Die hat ja auch den Juden zu Besuch eingeladen". „Erzählen Sie die Sache richtig, wie sie sich im Zuge begeben hat, nachdem Sie es ja selbst miterlebt haben," so mußte ich ihn zur Wahrheit ermahnen. Der ranghöchste von der Gestapo hat uns dann im Namen des deutschen Volkes und des Führers verhaftet und den Abtransport angeordnet. Im Auto hat dann mein Mann in Gegenwart der Gestapo ausgerufen: „Seid getrost, Jesus ist Sieger." Einer der Gestapo-Leute schrie ihn an, er solle ruhig sein. „Ja, ich sage es noch einmal: Jesus ist Sieger. Das werden auch Sie erleben." Die Bücher und Schriften, Bibeln, Gesangbücher, alles, was wir an Schriftmaterial hatten, wurde beschlagnahmt. Zunächst wurden wir nach Gestapo-Methoden verhört und dann ins Gefängnis in P. eingeliefert. Wie ich Christus im Gefängnis erlebte, habe ich in dem Zeugnis „Wie ich Christus erlebte" niedergeschrieben. Dort ist auch berichtet, wie mir der Herr den Auftrag gegeben hat, an Adolf Hitler zu schreiben und von Ihm u.a. auszurichten: „Ich habe es zugelassen, daß Du zum Oberhaupt geworden bist, dieses über 70 Millionen-Volkes. Ja, Ich habe dich groß werden lassen, aber nicht so groß, daß Ich dich nicht wieder stürzen könnte. Ich habe dir durch einen sterbenden Mund (Hindenburg, Anmerkg.) sagen lassen, sorge du dafür, daß Jesus Christus in allen deutschen Landen verkündigt werde. Du aber hast es nicht getan. Du läßt sogar die, die mir von ganzem Herzen ergeben, meine Nachfolger und Kinder sind, verfolgen und ins Gefängnis werfen. Siehe, du bist in meiner Hand und Ich habe es dir schon wiederholt gezeigt, durch allerlei Durchkreuzungen deiner Pläne und Vorhaben, daß Ich der Herr bin. Du aber hast dich nicht warnen lassen. So rate ich dir, lasse diese Meine Kinder frei, und tust du es nicht, so werde Ich Meine Hand wider dich ausstrecken und sie wird schwer über dich kommen. Wehe, dreimal wehe denen, die verhindern wollen, daß dieses Schriftstück in die rechten Hände kommt. Wehe, dreimal wehe auch dir, und allen denen, die diesem Meinem Kinde, das nur ein Werkzeug ist in Meiner Hand, ein Härlein krümmt. Mein Zorn und Fluch wird euch treffen, so wahr Ich lebe, und der bin, der Ich von Ewigkeit her gewesen bin, der alleinige Herr und wahre Gott a Jesus Christus. Amen." Nach zehn Tagen kam von der Reichskanzlei telegrafisch die Anweisung und Mitteilung, mich mit allen, die mit mir verhaftet waren, sofort freizulassen. "Jesus Christus hatte sich hier als der Lebendige, der Auferstandene bewiesen. Ja, als der, dem Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden. Mit der Freilassung war die Sache jedoch noch nicht bereinigt. Es galt noch vor dem Sondergericht in F. zu erscheinen. Am 25. 10. 1937 wurde vor dem Sondergericht in F. Anklage gegen mich und andere wegen Vergehens gem. §§ 1, 4 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 28.2. 1933, erhoben. Außerdem wurde ein Vergehen gegen einen Erlaß des Reichsführers der SS und Chef der deutschen Polizei und einem Verbot der Geheimen Staatspolizei München unterstellt, weil bei Beteiligten religiöse Schriften aufgefunden wurden, die angeblich jüdisch finanziert worden seien. Diese Anklage ließ der treue Herr zu, um sich aufs neue zu verherrlichen. Anfang Februar 1938 brachte mir der Geldbriefträger morgens 50.- Reichsmark von einem Bruder aus F. B. an mich überwiesen. Wir waren in dieser Zeit finanziell sehr schlecht gestellt. Mein Mann war damals arbeitslos. Er bekam an Unterstützung die Woche nur 11.- Mark Arbeitslosengeld. Das sollte für die Miete und den Lebensunterhalt der Familie reichen. Ja, es hat nicht gereicht und da hat eine Glaubensschwester für mich etwas mitgesorgt und beigesteuert. Und als ich nun diese 50.- Mark in meinen Händen hatte, war ich dem Herrn so dankbar für diese Seine Hilfe. Voller Freude ließ ich die Schwester rufen und sagte zu ihr: „Sieh mal, liebe Schwester L., was mir der treue Heiland geschickt hat. Nun kann ich Dir etwas abtragen, von dem, was ich Dir schulde". Und als ich dann dem treuen Heiland in meinem Herzen so recht gedankt habe für diese Seine Hilfe, da redete Er zu mir: „Mein lb. Kind, laß dieses Geld ruhig unangebrochen. Du wirst es bald erfahren, für was Ich dir es zusenden ließ. Und das andere mit deinen anderen vermeintlichen Schulden, das wird schon geordnet werden, darum sorge dich nicht". Zwei Tage danach kam die Vorladung vor das Sondergericht in F. Und da sagte der treue Heiland zu mir: „Siehst Du nun, Mein Kind, nun weißt Du, warum Ich Dir habe das Geld zukommen lassen". Wir waren 9 Brüder und Schwestern, die vorgeladen waren. Mehrere unter ihnen waren ebenfalls arbeitslos und an geldlichen Mitteln sehr knapp und hatten auch nur das allernötigste zum Leben. Ein Bruder wollte deshalb das Geld für die Reise nach F. sich beim Wohlfahrtsamt geben lassen. Da sagte der liebe treue Heiland zu mir in meinem Herzen: „Sage ihm, deinem Bruder, daß Meine Kinder nicht betteln gehen brauchen; das besonders dann nicht, wenn sie für Mich im Kampfe stehen". Zu den 50.- Mark sind mir dann noch 5.- Mark dazugegeben worden. Mit diesem Geld konnte die Fahrt für alle 9 Angeklagten bezahlt werden. Der Beförderungsschein Nr. 107 der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft für den 9. Februar 1938 - ausgestellt am 8. 2. 1938 -, weist erhobenes Fahrgeld für die Hinid Rückfahrt von P. nach F., - G e s e 11 s c h a f t s f a h r t für 9 erwachsene Personen - einen Betrag in Höhe von 53.10 Mark aus. Kann der Herr noch besser sorgen? Er sorgte auch für genügend Proviant für die Reise. Nach der Vorladung an das Sondergericht habe ich an den Herrn Oberstaatsanwalt geschrieben und um Sachverständige und um ein ärztliches Gutachten gebeten. Wir waren angeklagt wegen Vergehens gem. der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat. Ja, viele Menschen, auch Parteiangehörige, und auch solche mit goldenem Parteiabzeichen, mußte ich warnen. Auch unter den 9 Angeklagten war einer mit dem goldenen Parteiabzeichen, der zum Glauben an den Herrn Jesus Christus gekommen war. Gerade die Parteiangehörigen mußte ich warnen, daß sie nicht um Hitler willen Jesus Christus verleugnen sollen. Ihnen habe ich auch in aller Deutlichkeit gesagt, wer Hitler ist. Vom Herrn ist mir gezeigt worden, wer er ist und wie das ihm kommen wird. Die Gestapo wußte ja auch davon. Und diese wollte unbedingt mich in ein Konzentrationslager schaffen und mich wegräumen. Zwei Tage vor der Verhandlung wurde an meine Adresse, Name und Straßenbezeichnung ganz richtig und deutlich ausgeschrieben, ein Brief mit dem Stempel - Bahnpost aus dem Gebiet Sachsen-Thüringen zugestellt. Er war ohne Absender und jegliche Unterschrift. Den Schriftzügen nach muß es ein Bruder geschrieben haben. In diesem Brief redete der Herr zu mir und uns: „Mein lb. Kind, sorge und ängstige Dich ja nicht. Sei freudig und getrost. Diese Sache und die Verhandlung ist in Meiner Hand und Ich selbst werde sie führen. Und du und ihr werdet erkennen dürfen, wie ich helfen kann und wie Ich zu Meinem Worte stehe. Alle die daran Beteiligten sind in Meiner Hand und unter Meiner Gewalt". Diese Botschaft hat uns allen Kraft und Zuversicht gegeben. Für diese Stärkung waren wir sehr dankbar. Zu der Sondergerichtsverhandlung in F. war auch ein Kriminalbeamter geladen aus P. Auf der Fahrt nach F. haben wir unsere Glaubenslieder gesungen und den Herrn gelobt. Vor der Abfahrt nach F. habe ich dem Herrn auf den Knieen im Gebet noch einmal alles hingelegt. Den Herrn frug ich dann auch wegen meinem Kinde. Wir wußten ja nicht, ob wir an diesem Tage noch einmal heimkommen würden oder ob wir inhaftiert würden. Das war ja zu der Zeit alles möglich. Und da sagte der treue Heiland zu mir vor der Abreise: „Du brauchst keine weiteren Vorbereitungen zu treffen. Heute Abend bist Du wieder zu Hause bei Deinem Kind". Auch diese Zusage hat uns die Fahrt vor das Sondergericht so recht erleichtert und in der Verhandlung gestärkt. Bei der Verhandlung nun wurden mir 2 Rechtsanwälte und 7 Referendare zur Verfügung gestellt. Die Verhandlung vor dem Gericht hatte ihren Anfang genommen. Der Kriminalbeamte und die Gestapo-Leute waren als Zeugen geladen. Zunächst wurden wir zur Sache gehört. Der Kriminalbeamte aus P. wurde über unseren Leumund befragt. Der Beamte mit Namen Schw. hat sehr gut über uns ausgesagt. Die Gestapo wurde ebenfalls gehört. Der oberste der Gestapo-Leute, mit Namen Sch. aus N., hatte es ganz besonders auf mich abgesehen und wollte mich durchaus mit jeglichen Mitteln vernichten und aus dem Wege räumen. Von den bei der Verhaftung beschlagnahmten Botschaften und Offenbarungen hatte er sich welche zurückbehalten und wollte und glaubte mit diesen Unterlagen besonders hieb- und stichfeste Waffen in den Händen zu haben. Er hatte mit diesem angeblichen Belastungsmaterial zugewartet, um mich unerwartet schwer zu belasten, Da aber standen die mir zur Seite gestellten Anwälte gegen dieses Vorbringen und gegen die Gestapo auf und verlangten Unterbrechung der Verhandlung zur Einsicht der dem Gericht nicht vorgelegten Unterlagen. Die Verhandlung wurde daraufhin unterbrochen. Während dieser Verhandlungspause bat mich Herr Oberstaatsanwalt B., ob ich nicht mit ihm einmal auf sein Zimmer kommen möchte, er hätte gerne mit mir gesprochen und mich einiges gefragt. Ich sagte zu ihm: „Ich bin bereit, wenn mein Mann dabei sein darf". Er bejahte dies und führte uns auf sein Zimmer und lud uns zum Sitzen ein. ,Frau Pfirrmann", frug er mich, „warum haben Sie eigentlich um Sachverständige und um ein ärztliches Gutachten gebeten?" ,Herr Oberstaatsanwalt, verzeihen Sie, ich habe gehört und auch gelesen, daß in der letzten Zeit so mir nichts dir nichts in die Irrenanstalten verschwinden. Und die Sache, die mir Mein Heiland anvertraut hat, mögen den Herrn vom Gericht vielleicht nicht so verständlich sein, oder auch ich könnte nicht das rechte Verständnis finden. Die mir von unserem Heiland anvertraute Sache und Gabe, könnte leicht damit abgetan werden, daß es so etwas nicht gibt. Und dann?" „Frau Pfirrmann, ich habe es nicht zugelassen und nicht erlaubt, daß ein Sachverständiger zugelassen wird. Viele den Briefen und Schriften, die Sie geschrieben haben, ich gelesen, sie sind in meiner Hand. Und daraus ich entnommen, daß Sie geistig eine hochstehende u sind, die sich selbst verteidigen kann. Ich weiß, Frau Pfirrmann, daß heute in dieser Zeit es Dinge gibt zwischen Himmel und Erde, ja, daß Dinge geschehen, die mit dem Verstande nicht zu fassen sind. das habe ich auch aus Ihren Schriften entnommen gesehen. Ich habe aber auch aus den
Zeugnissen der Arzte, die sie operiert und nach dem schweren Unfall
behandelt haben, eigentlich staunend feststellen müssen, daß es ein ganz
Großes ist, daß Sie hier vor Gericht erscheinen können. Wäre es denn
nicht besser für Sie, wo Sie doch so krank von den Reisen da und dorthin
daheim zu bleiben, sich zu schonen und zu pflegen. Wo nehmen Sie nur die
Kraft her?" „Mein Heiland hat
mich dazu ausgerüstet, der in den Schwachen mächtig ist. Ohne Ihn hätte
ich es auch nicht tun können. Aber ich soll ja Ihm ein Werkzeug sein. Herr Oberstaatsanwalt,
ich muß ihnen gestehen, daß ich mein deutsches Volk sehr lieb habe. Es
ist ja das Volk, in das mich Gott selbst hineingestellt hat und für das
Er mir große Aufgaben anvertraut
hat. Und wenn mir Mein Heiland nun sagt, daß ich diese Botschaften und
Offenbarungen hinausgeben soll, dann habe ich Ihm zu gehorchen, ich kann
dann nicht anders. Denn Er will ja meines Volkes und Vaterlandes, der
Obrigkeit Bestes. Die heilige Schrift sagt uns doch, daß Er um der Treue
wegen Einzelner ein ganzes Volk segnen kann und will. Und ich sage Ihnen
noch einmal, würde es mein Leben kosten, ich kann nicht anders." Dann
bezeugte ich ihm auch noch, wie der Herr sich schon mächtig an mir und
durch mich geoffenbart hat, mich auch schon wiederholt vom Tode errettet
hat. Darum könnte ich auch nicht anders, als Ihm treu sein; auch um des
geliebten deutschen Volkes und Vaterlandes willen. „Sie wissen ja sicher
auch, wie Abraham mit Gott um die Abwendung des Gerichts von Sodom
verhandelt hat und wie der Herr zehn Gerechte gesucht hat, um deretwillen
Er das Gericht abwenden könnte. Und deshalb darf auch ich nicht anders
handeln." Und ich sagte ihm auch, daß der Herr die Verhandlung in
Seiner Hand habe und sie führen werde. Er habe mir sagen lassen, daß ich
mich nicht fürchten noch ängstigen solle. Der
Oberstaatsanwalt frug mich dann auch vieles über Hitler, die Zeit und das
Zeitgeschehen. Und ich durfte ihm dann auch freimütig, ohne Furcht, von
dem mir Aufgeschlossenen und Geoffenbarten bezeugen, so wie es sich auch
erfüllt hat. Und dann hat er mich gefragt: „Was hat Ihnen der Herr und
Heiland eigentlich gesagt, wie diese Sache heute ausgeht?" Da
hat Er mir geantwortet, ich soll mein Kind ganz Seinem Schutze anvertrauen
und es unseren Wohnungsnachbarn betreuend überlassen. Sonst bräuchte ich
nichts zu tun, denn am Abend wäre ich ja wieder bei meinet Kinde zu
Hause". Der Oberstaatsanwalt nahm das alles so ganz nachdenklich auf.
Und dann klingelte es auch wieder zur Fortsetzung de Verhandlung. Nun
aber hat der Vorsitzende des Gerichtes sich ernst zu dem Gestapo-Mann
gewandt und sagte: „Wehe Ihnen wenn Sie diese Frau, die nicht
vorbestraft ist, und über die mir sehr gute Zeugnisse geworden sind,
wollen zugrunderichten und ihr ihre Ehre rauben wollen. Das könnte Ihnen
teuer zu stehen kommen und auch Ihr Amt
kosten". Von diesem
Gestapo-Mann hatte ich gehört, daß er Frau und vier Kinder hätte. Nun
bat ich den Herrn Vorsitzenden, daß man doch Nachsicht und Milde walten möge
wegen seiner Frau und ihrer vier Kinder. Die Referendare mit den Anwälten verlangten Einstellung und Vertagung der Verhandlung, damit die vorgebrachten Anschuldigungen gründlich untersucht werden können und dazu Stellung bezogen werden könne. Diesem Antrag wurde vom Gericht stattgegeben, nachdem auch der Oberstaatsanwalt damit einverstanden war. Bei der Zustimmung zu dem Antrag der Verteidigung nickte mir der Oberstaatsanwalt zu, eingedenk der zuvor gehabten Unterredung. Auf der Rückfahrt von der Sondergerichtsverhandlung in F. nach P. mußten wir in Ludwigshafen umsteigen und einen Aufenthalt von etwa 2 Stunden hinnehmen. Bis nach N. mußten auch die Gestapo-Leute die gleiche Zugstrecke nehmen und auch in Ludwigshafen umsteigen und auf den Anschluß nach N. warten. Als wir in L. in den Wartesaal III. Klasse hineingingen, da sah ich durch die gläserne Tür in den Wartesaal II. Klasse und die Gestapo mit den Kriminalbeamten dort am Tische sitzen. Da sagte ich zu meinen Lieben: „Entschuldigt mich, ich muß unbedingt noch mit den Gestapo-Leuten reden", und ging dann zu ihnen hinein. Als sie mich kommen sahen, da bot mir der oberste von ihnen einen Stuhl an und wollte für mich Wein und ein Gedeck bestellen. Ich dankte und sagte, daß ich jetzt weder essen noch trinken wolle. Vielmehr möchte ich gerne mit Herrn Sch. reden. Ohne den Ton des Vorwurfs redete ich ihn dann an: „Ich weiß ja, Sie wollten nur Ihre Pflicht tun. Aber sie waren ja falsch unterrichtet. Und Sie werden sehen, daß Jesus Sieger ist und bleibt!" Dann habe ich ohne Furcht in der Kraft des Herrn gezeugt und Ihm auch gesagt, daß es für mich eine Ehre ist, um Seines Namens willen verfolgt zu werden und übles Gerede wider mich dulden und ertragen zu müssen. Ich gab ihm Zeugnis, wie ich Jesus erlebt habe, wie Er unser alleiniges Heil ist. Ich sagte weiter zu Ihm: „Sie haben falsches Zeugnis über mich geredet und falsch ausgesagt. Aber ich bin Ihnen nicht böse und verzeihe Ihnen. Steht doch in der Heiligen Schrift: Wohl euch, so sie euch Übles nachsagen und daran lügen. Ich werde viel für Sie beten, daß Jesus sich Ihrer erbarme und daß Er Sie davor bewahren möchte, daß Sie Ihr Amt verlieren; auch dies nicht zuletzt um Ihrer Frau und Ihrer Kinder willen. Wissen Sie, ich bin ein Gotteskind. Und ein Gotteskind nie Gleiches mit Gleichem, sondern überwindet das Böse mit Gutem. Möge Er Ihnen helfen, daß auch Sie Ihn noch erkennen als das und Ihr ewiges Heil! Möge Er auch Ihre Frau und Kinder segnen. Aber eins muß ich Ihnen noch sagen, daß Jesus, unser Heiland, diese Gerichtssache führt und ans Licht bringt. Und Er hat alles in Seiner Hand. Bis dahin - ich meinte hier die nächste Gerichtsverhandlung, die aber nicht mehr stattgefunden hat - auf Wiedersehen!" Er wurde darüber sehr nachdenklich und sehr freundlich. Ihn im Geiste segnend habe ich mich dann von ihm und den anderen verabschiedet. Das Verfahren wurde dann durch Beschluß des Sondergerichts Frankenthal vom 10. 5. 1938 gem. § 2 des Gesetzes über die Gewährung von Straffreiheit eingestellt. Und so waren wir am Abend des Verhandlungstages wieder zu Hause. Und die Zusage des Herrn hat sich neu erwiesen und als Siegeskraft bestätigt. Eine Glaubensschwester - Martha mit Namen - und ihr Schwager - ein 100prozentiger Kriegsinvalide - beide in Ludwigshafen wohnhaft, kamen 1937 vor der ersten Verhaftung noch zu uns nach P. Durch das Zeugnis eines Bruders haben sie sich aufgemacht uns zu besuchen. Die Schwester Martha hatte ein offenes Bein, und dieses war sehr vereitert. Sie konnte keine Heilung finden. Auf Anraten eines Bekannten von ihnen waren sie nach Möttlingen gefahren, wo der Herr auch schon herrlich und wunderbar sich erwiesen hat. Dort wurde sie aber nicht geheilt und sie war darüber sehr verzweifelt und traurig. Da lernten sie einen Bruder kennen, der auch schon in Möttlingen war und der auch mich kannte. Er war schon öfters in der Gemeinschaft unter uns gewesen. Er liebte auch die Botschaften des Herrn, und wußte, daß der Herr über Bitten und Verstehen helfen kann, wenn es Sein Wille ist. Dieser Bruder gab ihnen nun den Rat zu mir zu fahren, denn da seien auch schon große Wunder geschehen. Er meinte, und dies äußerte er der Schwester gegenüber, sie solle fahren, er hätte es in sich, daß ihr dort geholfen würde. Denn dort, meinte er weiter, offenbare sich der Herr mächtiglich, er habe dies ja selbst miterlebt. Und daraufhin waren die liebe Glaubensschwester und ihr Schwager auf einmal vor unserer Tür und in der Gemeinschaft unter uns. Sie brachte dann ihr Anliegen vor. Ja, und die Schwester hatte einen ganz schlimmen Fuß. Daraufhin kniete ich mich nieder und rief den Herrn an, und bat Ihn, sich doch der Schwester zu erbarmen. Die Löcher im Fleisch verschwanden und von Eiter war ebenfalls nichts mehr zu sehen. Preis und Dank dem herrlichen und wunderbaren Herrn. Dieses Geschehen wirft nun bei dem einen oder anderen die Frage auf, warum hat der Herr nicht in Möttlingen geheilt? Ist diese Versammlung dort nicht so gesegnet gewesen? Hier ist zweifellos der Grund für eine andere Wegführung und Wegleitung zu suchen. Auch darin, daß der Schwester noch mehr Gelegenheit zu innerer Beugung und zum Glaubensgehorsam gegeben worden ist. Der Herr hatte hier in der Gemeinschaft ohne Vorbedingung geheilt. Durch diese Heilung bei der Schwester Martha ist in Ludwigshafen ein Gemeinschaftskreis entstanden. Von Zeit zu Zeit durfte ich dort am Wort dienen. Geschwister aus Bad Dürkheim, Meckenheim, Mannheim, Neustadt und aus der Umgebung von Ludwigshafen haben sich dort versammelt, um das Wort des Herrn zu hören. Der Herr hat dort reich gesegnet und viele wurden auch geheilt. Aus diesem Kreis wäre ein besonderes Wunder hervorzuheben, das der Herr in Seiner Kraft gewirkt hat. Die liebe Schwester Martha brachte ihre Nachbarin - Schwester Mariechen im folgenden genannt - mit zu uns nach P. Sie war vor der ersten Verhaftung ein- oder zweimal bei uns in der Stunde gewesen. Am 12. September 1937 war wie berichtet die erste Verhaftung. Dabei sind ja alle Unterlagen der Gestapo in die Hände gekommen. Unter diesen schriftlichen Sachen war auch die Adresse von Schwester Mariechen zu finden gewesen. Während wir nun hier in P. im Gefängnis saßen, haben sich die Arme der Gestapo auch nach den Geschwistern in Ludwighafen ausgestreckt und auch die beiden Glaubensschwestern verhaftet. Mehrere Tage mußten sie in Untersuchungshaft zubringen. Und diese Schwester Mariechen, deren Mann in einer bekannten Fabrik Prokurist war, hat sich gegen die Verhaftung aufgelehnt und gemurrt. Bei der Schwester Martha beklagte sie sich nach der Freilassung: „Nein Martha, hier ist nicht der Heiland. Und die Schwester ist nicht ein Werkzeug des Heilandes, sonst wären wir nicht verhaftet worden. Das läßt der Heiland nicht über seine Kinder zu." Darüber und bei der Weiterverbreitung dieser ihrer Meinung wurde sie im Glauben laß und schuldig. Spätere Zeit nach unserer Freilassung aus dem Gefängnis und der Verhandlung vor dem Sondergericht, wurde ich von Schwester Martha eingeladen unbedingt mit meinem Mann nach Ludwigshafen zu kommen. Der Heiland wolle mich dort unbedingt gebrauchen, so schrieb sie. Am 30. April fuhren wir nach Ludwigshafen. Die liebe Schwester Martha war überglücklich, daß wir ihrer Einladung gefolgt waren. Sie freute sich sehr, als sie uns kommen sah. Sie wollte erst einmal, daß wir uns ausruhen sollten und dann wollte sie uns einmal etwas berichten. Über dem Ausruhen ist auch noch der 1. Mai vergangen. Nach dem Mittagessen des 2. Mai - ein denkwürdiger Tag, der stark ins Leben eingeschrieben ist, kann nicht so leicht vergessen werden - rückte sie heraus und sagte uns, wozu sie uns eigentlich eingeladen habe. „Schwester Mariechen", so begann sie, „die ja neben mir wohnt, wir waren ja beide auch in Untersuchungshaft genommen. Du weißt es ja. über diese Verhaftung hat sich Mariechen sehr aufgelehnt und geschimpft. Sie sagte mir auch, und auch zu anderen: Liebe Schwester Martha, die Schwester Käthe ist bestimmt kein Werkzeug vom 'heben Heiland, sonst hätte das mit der Verhaftung nicht sein dürfen. Und dieses Murren und Schimpfen, dieses Sich-Auflehnen dauerte über eine geraume Zeit an. Nun, ja, nun hat der Heiland über Schwester Mariechen eine sehr schwere Krankheit zugelassen. Sie, die doch eine bildhübsche Frau war, sie ist fast nicht mehr zu erkennen. Nur noch Haut und Knochen ist sie. Weißt Du, so ganz gelblich, und ein furchtbarer Geruch geht von ihr aus. Ich sage dies Dir, damit Du nachher, wenn wir zu ihr gehen, nicht so sehr erschrickst. Ihr Mann hat nun verschiedene Ärzte und auch Professoren zugezogen, aber sie bekam keine Hilfe. Darüber wurde sie sehr verzweifelt und außerordentlich mutlos. Sie bat mich da dieser Tage mit ihr zu beten und doch auf die Kniee zu gehen und um Heilung zu bitten. Unter dem gemeinsamen Gebet erkannte sie nun ihre Schuld und es wurden ihr die Augen geöffnet. Während dem Gebet redete der Herr mit ihr und sagte zu ihr: „Du hast meiner Sache großen Schaden gebracht, darum wirst Du keine Hilfe durch Ärzte bekommen, es sei denn durch Mein Werkzeug, der Du auch C7bles angetan hast, ohne Grund. Und wenn Du Dich über den Schaden, den Du Meiner Sache gebracht hast beugst und tiefe Buße tust, und auch sie, die an Meiner Sache dient, um Verzeihung bittest, dann will Ich Dir helfen." Der Herr hat ihr dann auch noch aufgeschlossen, daß gerade das Kreuz das sicherste Zeichen Seiner Kinder sei. Und dies war nun gerade vor Tagen. Ihren Mann hat sie daraufhin gebeten, ja keinen Arzt und Professor mehr kommen zu lassen und sich mit ihr keine weitere Mühe mehr zu machen. Ihre Leiden könne und würde sonst niemand mehr heilen, hätte der liebe Heiland zu ihr gesagt. Siehe, ich habe dem Herrn schweres Unrecht getan und auch seinem Werkzeug und das ist meine Krankheit. Wenn ich Buße darüber tun würde und mich beugen, auch die Schwester Käthe um Verzeihung bitten würde, dann würde mir geholfen, der Herr: würde mir helfen. Er ließ seine Frau gewähren, er konnte dies noch nicht fassen, da er ja noch ungläubig war. So, nun weißt Du, was zu wissen not war. Willst Du nun zu Schwester Mariechen mitkommen?" Ja, dieser Bericht zeigte mir wieder einmal mehr, wie ernst es der Herr mit den Seinen nimmt. Mit Schwester Martha, meinem Mann und meinem Kind ging ich dann zu Schwester Mariechen nebenan. Als die Schwester Martha die Wohnzimmertür auftat und uns hineinließ, wollten wir ob des sich uns bietenden Anblicks erschrecken. Sie, die bildhübsche Frau, war sehr entstellt. Auch mußte ich beten, daß ich den auf uns zukommenden unangenehmen Geruch ertragen konnte. Man hatte sie ins Wohnzimmer im Erdgeschoß gebettet, damit man nicht die Treppe auf- und abgehen mußte. Ihre mageren Arme ausbreitend rief sie: „Wenn Du nicht gekommen wärest, hätte ich mich morgen mit dem Sanitätswagen zu Dir fahren lassen. Denn der Heiland sagte zu mir, daß Er mir nur durch dich helfen würde, weil ich Seinem Werk so geschadet hätte und auch Dir übles angetan. Und jetzt weiß ich, daß mir geholfen wird, weil Du gekommen bist und mir Gelegenheit gegeben wird diese Sache vor dem Herrn in Ordnung zu bringen. Ja, ich habe sehr übel getan vor dem Herrn und auch an Dir. Und ich darf nun vor Dir alles bekennen und mich vor dem Herrn in Buße und Reue beugen und auch um Deine Vergebung bitten." Ich mußte sehr weinen, so leid tat sie mir. Durfte ihr dann meine Vergebung aussprechen und nahm sie in inniger Liebe in meine Arme. Wie mir der Heiland aufgetragen hatte, legte ich ihr im Namen Jesu die Hände auf und betete fest und innig. So geschah, wie bei Jakobus 5, 14-15, geschrieben steht. Und jetzt in Freude und Jubel ausrufend: „Dank, Dank, Dank Dir mein lieber Heiland." Sie, die nicht mehr laufen und gehen konnte, stand fröhlich auf, und ging, wie wenn nichts gewesen wäre, ans Harmonium und fing an zu spielen und zu singen: „Lobe den Herrn" und noch andere Lobgesänge. Der Herr hat auch in uns durch dieses Sein herrliches Wirken zu Lob und Dank gestimmt. Das üble Aussehen und auch der ebenso üble Geruch wann augenblicklich verschwunden und der Herr hat ihr das alte Gesicht und Gestalt wiedergegeben. Und dann schickte sie ihre Haushälterin fort, Kuchen holen Sie bat uns mit ihr Kaffee zu trinken. Den Kaffeetisch deckte sie selbst. Die Haushälterin hat diese Heilung nicht für sich behalten und beim Einkaufen davon Zeugnis gegeben. Da liefen die Leute zusammen und es war ein Loben und Preisen, wie man es nicht schildern kann. Als ihr Mann dann bald aus dem Büro der Fabrik nach Hause kam, da machte sie ihm freudig die Türe auf. Da hörten wir, wie er ausrief: „Frau, was ist denn da geschehen?" „Ja, mein lieber Karl. Schwester Martha hat die liebe Schwester Käthe aus P. kommen lassen und durch sie hat mich der treue Heiland geheilt, wie Er zu mir gesagt hatte," berichtete sie. Er konnte es nicht fassen und nicht begreifen. Und in den ersten Tagen hatte er immer Angst und Zweifel, ob die Krankheit nicht doch wiederkäme. Ja, und was dort der Herr getan hatte, blieb bis zum heutigen Tag. Wir blieben dann noch etwas dort, weil der Herr noch viel zu tun schenkte und großen Segen wirkte, auch wurden dort verborgene Sünden aufgedeckt. Aber dann kamen auch so viele, die geheilt werden wollten. Diese mußte ich aufweisen. Und weil sie bei mir Heilung suchten und mich ob des Geschehenen verherrlichen wollten, mußte ich von dort abreisen. Bald darauf sind wir wieder nach Ludwigshafen eingeladen worden, um am Wort zu dienen. An einem Samstag sind wir hingereist und schon am Sonntag in der Frühe, wir waren noch in den Betten, kam die Tochter der Schwester Martha, Hilde, atemlos und ängstlich zu uns heraufgesprungen und keuchte es mehr als sie es sagte: "Tante Kätchen, die Gestapo ist da und will Dich sprechen." Sie zitterte und bebte am Leibe. Da durfte ich ihr in aller Ruhe sagen: „Laß sie nur. Unser Heiland ist auch da. Gehe hinunter und sage, sie möchten eine Weile entschuldigen, wir würden gleich aufstehen." Die liebe Hilde staunte mich nur so an, weil ich ob dem unheimlichen Gespenst der Gestapo so getragen ruhig geblieben bin. Sie ging dann hinunter und richtete es ihnen aus. Wir machten uns dann fertig und ich bat die wiederkommende Hilde die Gestapo zu bitten, zu uns heraufzukommen. Die Arbeit für den Herrn und auch die Krankenheilungen sind auch der Gestapo in Ludwigshafen bekannt geworden. Es waren ja auch Leute darunter, die solches weitersagten, und das nicht um des Herrn willen. Nun war die Gestapo gekommen, um mich zu verhören. Ich bezeugte nun, daß die Heilungen nicht aus mir getan, sondern in der Kraft des auferstandenen Herrn Jesus geschehen würden, Der Herr habe mir neben anderen Aufträgen, auch diese in der Heiligen Schrift niedergelegte Gabe aus Gnaden verliehen. Man erzählte mir nun, ich sei angezeigt worden, ich würde eine Gesundbeterin sein, wir würden einer Sekte angehören und anderes mehr. Ich durfte ein unerschrockenes Zeugnis ablegen für den Herrn und Sein herrliches und wunderbares Wirken in Seiner Auferstehungskraft. Auch hier sagte ich, daß ich ja selbst schon lange Jahre krank und leidend sei durch Unfall und Operation. Mein Mann sei auch augenblicklich durch einen Betriebsunfall nicht arbeitsfähig. Dann sei ja auch mein Kind tast völlig blind. Erstens wüßte ich ja nicht, was Gesundbeterei sei und bedeuten würde. Und andererseits, wenn ich das könnte, dann würde ich ja auch für meinen Mann und mein Kind solches tun, und nicht zuletzt auch mich in einen anderen Stand setzen. Ja, es sei wahr, daß der treue Heiland schon viele durch mich geheilt hätte, aber das sei ja Er, der das durch mich ,wirke und sich in Seiner Kraft verherrliche, und nicht ich. Er frug mich dann auch, wie das zugehe, wenn man gesund wird. Ich antwortete ihm, daß dies ganz klar und deutlich in der heiligen Schrift niedergelegt sei und habe ihm auch diese Stellen der Schrift aufgeschlagen und mit im gelesen. Ich erzählte, wenn die kranken Menschen zu mir kämen und die Bitte um Handauflegung an mich herangetragen würden, daß ich dann den Herrn fragen würde - dessen Stimme ich in meinem Herzen deutlich höre und vernehme -, ob ich es nach Seinem Willen tun könne. Daraufhin würde ich dann stets ein Nein oder ja und die entsprechende Unterweisung vernehmen. Und danach würde ich handeln. So sei es ja auch ganz deutlich, daß nicht ich es tue, sondern daß der Herr die Anweisung und die Kraft schenkt, solches in Seinem Namen und zu Seiner Ehre zu wirken. Und eben nach diesem Willen des Herrn ist mein Mann im Augenblick nicht gesund. Auch meine Tochter und ich haben aus weisen Gründen diese unsere Leiden zu tragen. Es ist doch ganz eindeutig, daß diese Wunder, die meine Augen geschaut haben und die ich erleben durfte, nicht mein Werk sind, sondern die Kraftwirkung des auferstandenen Herrn Jesus Christus. Für die, denen er die Leiden nicht abnimmt, gibt Er Kraft, sie zu tragen aus Liebe zu Ihm. Denn Er, der ja allwissend und allweise ist, weiß ja im Voraus, was der einzelne auf seinem Lebensweg zur Zubereitung für Sein ewiges Reich braucht. Nur ist es eben bei der Krankenheilung leicht so, daß man dem handelnden Menschen die Ehre gibt und nicht dem heilenden Herrn! Der treue Heiland hat auch schon an meinem Mann, meinem Kinde und mir Großes getan und sich ebenfalls in Seiner Auferstehungskraft verherrlicht, auch mich vom Tode errettet. Aber dies und andere leibliche Schwachheiten und Nöten hat Er uns aufbehalten. Dazu wurde mir auch aufgeschlossen, daß viele Leiden und Krankheiten einen ganz bestimmten Auftrag in unserem Leben haben. Einer von denen ist auch in dem Wort 1. Pet. 4, i-2 zu finden: „Weil nun Christus im Fleisch für uns gelitten hat, so wappnet euch mit demselben Sinn; denn wer am Fleisch leidet, der hört auf von Sünden, daß er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes lebe!" Und Jesus will ja die Menschen von ihren Sünden erretten, Matth. 1, 21. Von mancherlei Wunder durfte ich ihm Zeugnis geben. auch von der Errettung aus vielen Nöten. Ich durfte ihm auch sagen, daß dem Christen ein Kreuz auferlegt sei, das zu tragen not und heilsam für ihn ist. Auch über die mir geoffenbarte Zukunft habe ich ihm Zeugnis gegeben. Er frug mich nun, was ich hier tue. Ich berichtete ihm ganz offen, daß die Geschwister uns eingeladen hätten am Wort zu dienen und daß wir diesen herrlichen Heiland und Herrn gemeinsam loben und preisen wollen. Dieses Zeugnis hat der Herr so reich an ihm gesegnet, daß er uns ein lieber Freund und treuer Beschützer geworden ist! Am selbigen Tag noch ließ er uns warnen und sagen, daß am Nachmittag wieder Gestapo-Leute kämen und uns verhaften wollten. Er gab uns dabei einen wunderbaren Rat: Wir sollten, wenn wir zusammensitzen unter dem Wort, den Tisch decken zum Kaffee trinken. Tischdecke auflegen, Kaffeetassen aufstellen, die Kaffeekanne mit frisch gekochtem Kaffee nicht vergessen, ebenso etwas zum Essen servieren. Die Bibel dann möglichst unter dem Tisch auf den Knieen verschwinden lassen. Ja, und wahrhaftig am Nachmittag, die lb. Schwester Martha war gerade mit dem Decken des Kaffeetisches fertig, klingelte es auch schon an der Tür. Herein kam die Gestapo. Als einer uns so um den Kaffetisch sitzen sah, rief er zu den anderen: „Ach, die trinken ja Kaffee. Die haben ja Kaffeekränzchen. Hier haben wir nichts mehr zu tun". Und gingen dann fort. An diesem Tage und auch in den restlichen Tagen unseres Ludwigshafener Besuchs sind sie nicht mehr wiedergekommen. An dem Tage unserer Rückreise
nach P. stand der Gestapo-Mann F., der uns diesen gesegneten Rat gegeben
hat - o, der treue Herr möge ihm nach Seinen Verheißungen treulich
lohnen - auf einmal am Bahnhof. Er begrüßte uns freundlich und fragte
mich, ob er, wenn er nach P. kommen würde, uns einmal besuchen dürfte.
Ich sagte ihm dies zu. Er war noch so sehr von dem abgelegten Zeugnis
beeindruckt. Auch davon, daß ich ihm für sein persönliches Heil Jesus
Christus vor die Seele und das Gewissen gestellt habe. Der Heiland hat sein Herz
umgewandelt. Und später mussten wir erfahren, daß er bei einem
Fliegerangriff umgekommen sei. Wunderbar hat uns unser treuer Heiland
geholfen und sich auch die Gestapo dienstbar gemacht. Der Herr e diese
Seele reichlich und überschwänglich segnen seinen helfenden Dienst. Wir können nicht genug danken, loben und preisen für
die erfahrene Liebe und Treue unseres Heilandes, der in Stunden der
Gefahren und Nöten so treu zu Seinen Kindern steht. Ja, wir haben
einen wunderbaren treuen Heiland, der lebt, der auferstanden ist, der bei
uns ist, der nach wie vor alles in Seinen Händen hat. Das kann ich, meine
Lieben und die Geschwis-ter, die es miterleben
durften, dankbaren Herzens bezeugen: Pfingsten
1939 waren wir in Bad Dürkheim, um am Wort zu dienen. In dieser Zeit war
ja nach dem Münchner Abkommen von 1938 viel von Krieg und
Kriegsvorbereitungen zu lesen und zu hören. Und wie das damals so
war, einige Brüder haben vor der Stunde sich politisierend über die Lage
ausgelassen. Ein begeisterter junger Offiziersanwärter, der auch dabei
war, meinte dann: „Ach, mit denen ist man bald fertig; die bekommen bald
eins auf den Kopf". In
der Versammlungsstunde kam dann des Herrn durch die Weissagung. Es wurde
darauf hingewiesen, daß wir die Feinde lieben sollen. Und Er gab uns das
Beispiel, daß er Seine Feinde noch am Kreuze segnete. Da wurde auch
darauf hingewiesen, daß der Krieg nahe ist.
Zu dem Offiziersanwärter redete der Herr: Da ist mir die Heiligkeit Gottes so groß vor die Seele getreten und ich mußte beten: „O Herr, Deine Wege sind heilig und gerecht! Dein Name sei hochgelobt und geehrt!" Unser treuer Heiland möge diese Zeugnisse reich segnen an allen Herzen, die es lesen und denen diese Zeugnisse zum Lesen geschenkt werden. Möge es allen Lesern und Hörern zeigen, daß Jesus Christus lebt und auferstanden ist. Ich kann und darf es bezeugen. Es ist nicht so, wie man da und dort gerne lehren will, daß es keine Geschichte Jesus Christus gäbe. Der heilige Geist hinterläßt glaubwürdige und dokumentechte Spuren und hat die Auferstehung Jesu Christina begleitenden Zeichen und Wundern von Anfang an verherrlicht. Die Geschichte Jesu Christi wird durch den heiligen Geist geschrieben und fortgeführt. Teure Brüder und Schwestern! Glaubt nicht den Irrlehrern. Denn Christus, Jesus Christus, ist das Heil, ist Heiland und Erlöser. Er h a t sich für uns zum Opfer hingegeben. Und Tod, Sünde und Höllenmacht i s t besiegt und überwunden. Seine Macht und Herrlichkeit will geglaubt und darf erlebt werden. Das Wort Gottes bezeugt es klar und deutlich. Und jeder, dem es aufrichtig darum zu tun ist, innezuwerden, ob diese Lehre von Gott ist, der darf es durch das Tun der Lehre erfahren, daß dies lebendige und lebendigmachende Wahrheit ist. Der Auferstandene ist da in ängstigenden, in leidvollen, aussichtslosen Lagen, alle Tage! Wir dürfen uns Seiner Auferstehung von Herzen freuen. Und wer an Ihn, den gekreuzigten und auferstandenen Heiland und Herrn glaubt, der ist auch mit ihm gekreuzigt und auferstanden; er kommt nicht ins Gericht. Dieser ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen und erfährt an sich die Kraft des ewigen Lebens. Er hat es für uns vollbracht! Halleluja. Amen. Der auferstandene Jesus Christus Im Gerichtssaal eines Sondergerichts „Und ich ging in das Haus des Töpfers hinab und siehe, er machte gerade eine Arbeit auf der Scheibe. Das Gefäß, welches er aus Ton machte, mißriet ihm unter den Händen. Da machte er ein anderes Gefäß daraus, wie es ihm richtig gefiel". Da hörte ich den Herrn zu. mir reden und er sprach also: „Kann ich mit euch nicht tun wie dieser Töpfer, ihr vom Hause Israel?, spricht der Herr. Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand, also seid auch ihr in meiner Hand, ihr vom Hause Israel. Plötzlich rede ich wider ein Volk oder ein Königreich, daß ich es ausrotten, zerbrechen und zerstören will. Wo es sich aber abkehrt von seiner Bosheit, dawider rede, so soll mich auch das reuen, was ich ihm an Unglück zu tun gedachte. Und plötzlich rede ich von einem Volk oder einen Königreich, daß ich es bauen und pflanzen will. Wenn es aber Böses tut vor meinen Augen und nicht auf meine Stimme hört und ihr gehorcht, dann soll mich auch das reuen, was ich ihm an Gutem zu tun verheißen hatte. So sprich nun zu denen in Juda und zu den Bürgern von Jerusalem, so spricht der Herr: Siehe, ich habe mir vorgenommen gegen tun, Ich bereite euch ein Unglück zu. Darum kehret doch um, ein jeder auf seinem bösen Weg und bessert euer Wesen und ganzes Tun. Aber sie sprechen: Daraus wird nichts! Wir wollen nach unseren Gedanken wandeln und ein jeglicher will nach Gutdünken seines bösen Herzens handeln." Jeremia 18, Verse 3-11 Plötzlich rede ich wider ein Volk, und man kann dies ergänzen, wider eine einzelne Person, daß ich es ausrotten, zerbrechen und zerstören will. Und dieses Reden Gottes kommt eigentlich gar nicht so plötzlich wie es da zu lesen ist. Die Bosheit ist da, sie vermehrt sich, und in diesen Vermehrungsprozeß hinein, an einer ganz bestimmten Stelle des Verböserungsprozesses, da redet der Herr zu Seiner Stunde ganz plötzlich und sehr massiv. Hat nun der Herr vorher überhaupt nicht geredet? 0 doch. Er läßt immer und zu jeder Stunde darüber reden, das Gute zu tun und das Böse zu lassen. Gottes Wort die heilige Schrift, gibt die Anweisung hierzu; und der heilige Geist erhellt und vertieft zur Zeit oder Unzeit dieses göttliche Wort. Und wo all die Ermahnungen zum Guten hin nichts fruchten und die Bosheit sich wider alles Reden und Wirken sich mehrt und mehrt, da redet der Herr plötzlich, daß Er ausrotten, zerbrechen und zerstören will. Und dieses Sein Reden, obwohl es gewaltig und letzten Endes, wenn nicht darauf gehört worden ist, nicht zu übersehen ist, man müßte meinen, daß es weithin verstanden wird als göttliche Sprache. Als vor geraumer Zeit Jünger Jesu freudig Gott lobten mit lauter Stimme in aller Öffentlichkeit, ob all der Taten, die Gott durch Jesus gewirkt, und die sie gesehen und die sie miterlebt hatten, da wollte eine bestimmte Gruppe das unterbinden und sprach: „Meister, weise Deine Jünger zurecht". Und Er, Jesus, antwortete und sprach: „Ich sage euch, wenn diese schweigen (müssen, oder dazu verurteilt sind), so werden die Steine schreien“! Der Herr redet durch die Zulassung des Krieges. Welche Züchtigung, welch ein Unglück dies ist, welche Schläge es einem Einzelnen, einem Volke einbringt, das hat sich vor vieler Augen und Ohren unseres deutschen Volkes ereignet. Für die, die es eigens nicht miterlebt haben, sind die Folgen des Redens Gottes ein zum Nachdenken sehr geeignetes Anschauungsmaterial. Es wird da und dort der Versuch gemacht, die Folgen des Redens Gottes mit eigenem Denken und Handeln beseitigen zu wollen. Es ist nun aber so, daß sich Gott nicht auf menschliches Gutdünken einläßt, sondern der Weg der Zwiesprache mit Gott ist in diesem Falle die Abkehr vom Bösen, die Besserung des Wesens und Tuns; ist die Umkehr und Heimkehr zu Gott, der das Licht des Lebens, das Brot des Lebens, der gute Hirte, die Auferstehung von den Toten, das Leben ist. Und da redet Er auch plötzlich von einem Volk, daß Er es bauen und pflanzen will. Das Bauen und Pflanzen eines Volkes, eines Einzelnen, hängt daher ganz von Ihm ab und auch von der Bereitschaft, die man Ihm entgegenbringt und für Ihn mitbringt. Die Alten, sie wußten es noch ganz deutlich: „An Gottes Segen ist alles gelegen". Sie wußten auch noch das Wort richtig und gewichtig einzuschätzen: „Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten u m s o n s t , die daran bauen. Wo der Herr nicht die Stadt behütet, da wacht der Wächter u m s o n s t .“ Psalm 127, 1 Und die den Herrn bauen und pflanzen und wachen lassen, bei denen hat es sich herausgestellt, daß es die Klügeren sind. Beharrlichkeit
im Bösen, Wandel in eigenen Gedanken, Handeln nach Gutdünken eines bösen
Herzens, das vermag ein vom Herrn beschlossenes Unglück - in welcher Form
es auch sein mag - nur in seiner Härte steigern, aber es niemals
abwenden. Und das menschliche Herz, es ist ja böse von Jugend auf. Sämtliche
Versuche, dieses böse und arge Herz mit anderen als göttlichen
Hilfsmitteln ohne Jesus Christus zu erneuern und zu bessern, müssen von
vornherein zum Scheitern verurteilt sein und von Erfolgslosigkeiten gekrönt
werden. Wo
man ohne den Herrn bauen und pflanzen will, da wird es eines Tages
deutlich, daß alle Anstrengungen und scheinbaren Erfolge, daß alles
umsonst gewesen ist. Wo man ohne den Herrn behüten will, da ist eines
Tages oder in der Nacht vielleicht mit Schrecken festzustellen, daß auch
der Wächter umsonst gewacht hat. Bei dem Versuch, das Unglück durch den Herrn, das Zerbrechen und das Zerstören des Herrn, mit selbsterdachten und selbstzurechtgemachten Mitteln und mit Hilfe bei da und dort zu beseitigen, muß auch umsonst sein. Denn nur bei Gott dem Herrn und bei Seinem Wort ist die Hilfe, ist Gelingen und Vollbringen; nur bei Ihm und durch Ihn werden Hindernisse beseitigt und wird ein Neues geschaffen. Und Er allein ist es auch, von dem geschrieben steht, daß Er die Herzen lenken kann wie die Wasserbäche. Die EvakuierungDurch
den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist die Stadt P. zur Frontstadt
geworden. Das im Schatten der Maginotlinie, im Schußbereich dieser
Festungslinie liegende P., hatte ab dem Frühjahr 1937 den Bau des
Westwalles miterlebt. Bis an die ersten Häuser der Stadt sind damals die
Bunker gebaut worden und erstanden. Mit
uns - meinem Mann und meinem Kind - wohnte auch eine Familie in einer
gemeinsamen Wohnung. Es war eine Glaubensschwester mit ihrer Familie. Die
Schwester hatte mir wegen meiner Krankheit im Haushalt geholfen. ihr Mann
war sechs Tage zuvor zur Wehrmacht einberufen worden. Das sechsjährige
Kind von ihr teilte unser Leben. Da war noch eine Glaubens die in
Pirmasens arbeitete, ihre Wohnung und Möbel aber noch in Frankfurt am
Main hatte. Auch ein 100prozentiger Kriegsinvalide aus dem Ersten
Weltkrieg, ein Glaubensbruder, hatte durch die Liebe Aufnahme und Pflege
bei uns gefunden. Die
eine Schwester mit der Frankfurter Wohnung reiste mit dem Kriegsinvaliden
bereits am 1. September nach Frankfurt/Main. Sie hatten den besonderen
Auftrag ihre dortige Wohnung für uns in Ordnung zu bringen und
herzurichten. Am Tage der Räumung mußten wir in der Nähe unserer
Wohnung mit unseren Bündeln auf einen Lastkraftwagen steigen. Zwei
weitere Familien aus dem Hause stiegen ebenfalls mit auf diesen
Lastkraftwagen. Zunächst ging es in Richtung Hochspeyer. In Hochspeyer
haben wir uns von dem Transport gelöst und sind auf Weisung des Herrn mit
einem Autobus nach Bad Dürkheim weitergefahren. Dort haben wir bei
Glaubensgeschwistern eine Zeit unter dem Wort verbracht und sind dann am
4. September nach Frankfurt/Main weitergereist. Im
Omnibus von Hochspeyer nach Bad Dürkheim hatten wir folgendes Erlebnis. Als
wir in den Omnibus einstiegen, saßen darin schon mehrere katholische
Schwestern; und mehrere junge Mädchen stiegen noch zu. Diese Mädchen
waren in eifrigem Gespräch und führten begeisterte Reden. Die
katholischen Schwestern waren darüber sehr bedrückt. Als die jungen Mädchen
nun von Adolf Hitler erzählten und sich in ihrer Begeisterung gegenseitig
darin steigerten, fragte doch eines der Mädchen: „Kennt
ihr eigentlich den Heiland, Jesus Christus?" Da
antworteten einige und das sehr geringschätzig: „Ja". Nun sagte
ich zu ihnen: „Adolf Hitler, unser Führer, ist ein Mensch, nur ein
Mensch, wenn er auch jetzt der Führer des deutschen Volkes ist. Jesus
Christus aber, ist unser Heiland und Erlöser, Er ist Gott von Ewigkeit.
Und wer an Ihn glaubt, der ist gerettet und hat das ewige Leben. Und was
meint ihr, wenn ihr einmal in Seine Augen sehen dürftet, da würdet ihr
Ihn bestimmt nie mehr vergessen." Sie
wollten nun wissen, woher ich das so genau wissen wolle, daß man Ihm auch
in die Augen sehen kann. Und da bezeugte ich ihnen, wie Er als der
herrlich Auferstandene sich auch mir geoffenbart hat in allerschwersten
Stunden meines Lebens. Ich durfte ihnen sagen, daß ich in Seine
wunderbaren Augen voller Güte und Liebe habe schauen dürfen. ja, ich
durfte ihnen bezeugen: „Wenn ihr einmal in Seine Augen schauen dürftet
und Seine Liebe erkennen könntet, dann würdet ihr anders reden und Ihn nie mehr vergessen können." Mir
taten doch die Mädchen in der Seele leid und ich hatte großes Mitleid
mit ihnen. Sah ich doch in und aus ihrem Gespräch ihre ganz große innere
Gefahr und eigentliche Not. Am Ende des Zeugnisses waren wir dann auch in
Bad Dürkheim angekommen. Freundlich und in rechter Liebe haben wir uns
von den Mädchen und den Schwestern verabschiedet. Wegen
meinen körperlichen Leiden war mir das Reisen eine gewisse Beschwerde.
Zur Erleichterung habe ich des wegen damals gerne die gepolsterte 2 Klasse der Bahn
benutzt. Von Friedrichsfeld aus sollten wir in den Schnellzug nach
Frankfurt einsteigen. In der damaligen Zeit war die Benutzung der Züge außerordentlich
stark und eine Überfüllung war nichts seltenes. Die Frage und das Bangen
nach einem Sitzplatz für mich war daher sehr berechtigt und war gerade für
mich eine gewisse Not. Auf dem Bahnsteig standen dichtgedrängt die
Menschen. Sie wollten doch alle mitfahren. Auch sie waren unterwegs und
wollten an ihren Ort. Diese Menge von Menschen ließ mich nun meine Sorge
um einen Sitzplatz zum Gebet werden. Im Herzen betete ich zu meinem
Heiland und sagte Ihm: „Lieber Heiland, Du weißt, daß ich nicht stehen
kann und einen Sitzplatz brauche. Du kannst es doch machen, daß der Zug
so hält und eine Wagentür zur 2. Klasse bei mir zu stehen kommt. Du weißt
ja um meine Not und weißt auch, was ich brauche. Und ich weiß, daß Du
helfen kannst." Durch meine Leiden und all den gemachten Erfahrungen
in den früheren Führungen, habe ich gelernt alle meine Anliegen und
Sorgen meinem Heiland zu sagen. Es ist mir geradezu zur Gewohnheit
geworden, mit allem, was mich beschwert, zu meinem Vater zu gehen, gleich
einem Kind. Hat mich doch mein damaliger Unfall in die Arme meines
Heilandes und zu Jesus gebracht. Im Glauben und Vertrauen habe ich mich
immer und jederzeit an Ihn gewandt und bin darin nie enttäuscht worden. Da fuhr der Schnellzug mit hoher Geschwindigkeit in
den Bahnhof ein. Bei dieser Geschwindigkeit sah es so aus, als ob der Zug
gar nicht halten und an uns vorübersausen wallte. Neben mir sagten sie: „0,
mit diesem Zug kommen wir nicht mit". Das war erst recht ein
Grund, Glauben zu halten und Vertrauen zu bewahren. In meinem Herzen sagte
ich zu meinem Heiland: „Du bist auch ein Herr über diesen D-Zug. Ich
vertraue Dir". Diese aus der Not des Herzens und in der Tat so
hilfreich gemachten Erfahrungen sind nicht zu vergessen. Es versteht sich,
daß wir von ganzem Herzen gedankt haben und ein Loblied nach dem anderen
nach Frankfurt/Main angestimmt und von Herzen gesungen haben. Wie Kinder Gottes zusammengeführt werden und wie der Herr die Wege führt und alles lenkt. Durch meinen Sturz in der Silvesternacht 1929/1930
sind verschiedene Leiden aufgetreten, die einer erneuten Behandlung
warteten. Durch den Sturz war besonders das Rückgrat in Mitleidenschaft
gezogen worden. Wegen eingeklemmten Nervensträngen sind sehr starke
Schmerzen aufgetreten und es haben sich auch Lähmungserscheinungen
gezeigt. Diese Kur mußte aus eigenen Mitteln bestritten
werden. Die Mittel waren aber, als der Herr mir den Auftrag gegeben hatte,
noch nicht da. Außer dem Arbeitseinkommen meines Mannes hatten wir kein
anderes Einkommen, Vermögen war auch nicht vorhanden. Und das
Arbeitseinkommen war zu der Zeit sehr gering. Im Kurheim in Bad Münster am Stein lernte ich eine
eine Schwester kennen. Sie kam aus Kaiserslautern und wohnte dort mit
ihrem Mann und Kind zusammen. Sie war vier Jahre jünger als ich, doch
sehr, sehr krank. Sie hatte Unterleibs- und Darmkrebs. Eine Operation war
schon durchgeführt worden, aber es wucherte weiter. Sie war nach dort
gekommen um Heilung und Besserung zu suchen. Von ihr mußte ich hören, daß
sie seit etwa fünf Jahren nur Haferschleim mit Wasser gekocht zu sich
nehmen kann; und auch das bliebe nicht mehr bei ihr. Sie war sehr schwach,
und wie man so sagt, auf Haut und Knochen abgemagert. Unter
den Zeugnissen für den auferstandenen Herrn vergingen die Wochen. Der
Schwester Zeit war um und sie wurde, ohne Besserung erfahren zu haben, zu
ihren Eltern nach F.-B. gebracht. Das Zeugnis vom Wort war nicht ohne
Wirkung geblieben. Der ausgestreute Same des Wortes ist aufgegangen. Der
heilige Geist hat es in ihrem Leben bestätigt und zum Leben gebracht. Ich
hatte sie auch eingeladen, zu uns zu kommen. Der Herr hatte mir dazu den
Auftrag gegeben. Dieser Einladung ist sie dann auch alsbald
gefolgt. In unseren gemeinsamen Gebetsstunden, Andacht und Betrachtung des
Wortes Gottes, sagte mir der treue Herr in meinem Herzen: „Lege
Deiner kranken Schwester H. in Meinem Namen die Hände auf und bete über
sie". Ich tat, wie ich geheißen wurde. Meine Schwester ist nach
dem Gebet und der Handauflegung gesund geworden. Sie lebt heute noch und
ist ein Zeugnis Seiner unbeschreiblichen Gnade. Diese auch heute noch so
gefürchtete Krankheit ist nicht mehr wiedergekehrt. Von der Zeit der
Heilung ab konnte sie auch die schwersten Speisen zu sich nehmen, ohne
dabei Beschwerden zu haben. Ja, sie darf den auferstandenen Herrn auch
heute noch loben, obwohl die Ärzte, gemessen an der Schwere der
Krankheit, ihr das Leben zu dieser Zeit nur noch kurz befristet hatten.
Auch heute noch, nach 35 Jahren, darf sie die Gemeinschaft des Gebets und
der Wortbetrachtung mit uns teilen. Durch
dieses große Wunder, das der Herr an ihr getan hat, sind ihre lieben
Eltern, ihr ältester Bruder mit seiner Frau zum Glauben an den Herrn
Jesus Christus gekommen. Auch in ihrem Geburtsort - dem Wohnort der Eltern
- sind noch mehrere zum Glauben gekommen, im Glauben gestärkt worden und
haben dem Herrn für Seine gnädigliche Hilfe gedankt. Auch in ihrem
Wohnort in K. hat die Schwester Zeugnis von ihrer Heilung gegeben.
Verschiedene Seelen wurde: angesprochen und kamen zum Glauben. Etliche
unter ihnen sind schon heimgegangen, und etliche, die auch den Weg zum
Herrn gefunden haben, kommen noch heute unter das Wort und in die
Gebetsgemeinschaft. Wie der Herr das Verlorene sucht. Der
Bruder der vom Krebs geheilten Schwester war den Lehren der sich
widersprechenden Philosophie beigetreten; er war besonders von den düsteren
Lehren eines Nietzsche umstrickt. Er war zu der Zeit sogar mit
Vorbereitungen beschäftigt, in einer Scheune sich mit seinem Blut dem
Teufel zu verschreiben. Er gehörte außerdem noch einer Loge an. Im Jahre 1936 an einem
Sonntag bekam ich vom Herrn den Auftrag, einen Geistesbruder in B. zu
besuchen. Der Herr sagte zu mir, daß Er mich gebrauchen wolle, um mit dem
Bruder in besonderer Weise zu reden. Es war in der Zeit, in der die ersten
Erntevorbereitungen im Gange waren. Wir machten uns an demselben Tage noch
auf und fuhren mit dem Zug nach B. in Württemberg. Mehrere Tage waren
mein Mann und ich bei dem lieben Bruder und seiner Familie zu Besuch. Dem
Bruder waren göttliche Dinge anvertraut, über die der Herr Sein Auge
hatte und Ihm etwas mißfiel. Auf
der Rückfahrt fuhren wir über Frankfurt/Main zu Geschwistern dort, um
auch ihnen zu dienen und Gemeinschaft zu haben. In Frankfurt gab mir der
Herr dann den Auftrag, nach F.-B. zu fahren und den dortigen Geschwistern
zu dienen; ich war dort schon länger eingeladen. In der Nachbarschaft
wohnte ein Mann, er war damals etwa dreißig Jahre alt. Dieser war ein gefährlich
Besessener. Mit der Axt und dem Messer ging er den Leuten nach, wenn er
getrieben wurde. Es war eine große Not für den Ort. Die Leute fürchteten
sich sehr vor ihm. Die Geschwister wußten, daß der Herr mächtig helfen
kann. Sie hatten es ja durch die Gnade der Heilung an der Schwester aus
ihrer Mitte, die in Bad Münster vergeblich Heilung von ihrem Krebsleiden
suchte, erfahren. Viele unter ihnen waren ja dadurch gläubig an den Herrn
geworden. Die
Geschwister baten mich nun, doch für den Besessenen zu beten; denn alles
fürchtete sich ja vor ihm. Und am Abend zu der Versammlung bei den Eltern
der geheilten Schwester wurde der Besessene von seiner Mutter hergebracht.
Vom lieben Heiland ließ ich mir ein ganzes Herz voller Liebe schenken für
ihn. Auch habe ich den Herrn um gnädige Bewahrung und Behütung in meinem
Herzen gebeten. Als er nun mit seiner Mutter kam, hatte er die Axt in
seiner Hand. Und als ich auf ihn zuging, um ihn zu begrüßen, blieb er
stehen und sah mich ganz groß und prüfend an. Er ließ dann die Axt
fallen und rief mir zu: „Hier kommt mir die Liebe Christi
entgegen". Darauf
frug ich ihn dann: „Lieber Heinrich, hast Du Angst, verloren zu gehen
und Angst, verloren zu sein?" Er erwiderte mir: „Ja, ich habe große
Angst und werde von Angst umhergetrieben. Und seitdem neige ich auch zu
den Gewalttätigkeiten und muß mit der Axt und dem Messer umhergehen. Ich
werde in solcher Unruhe getrieben, wie ich es nicht schildern kann". Dann
bezeugte ich ihm die Liebe Jesu, bezeugte ihm, daß der Gekreuzigte und
Auferstandene auch für ihn ein Heiland sei und alle seine Schuld und Sünde
durch Sein Blut getilgt und bezahlt habe. Wir knieten dann mit ihm nieder
und beteten in der Vollmacht des heiligen Geistes. Da brach ein Kampf aus
zwischen Licht und Finsternis. Die Macht der Finsternis und der Dämonie
wehrte sich sehr, ihr Opfer frei zu geben. Es war ein sehr heißer Kampf. Zu
dieser Zeit mußten die Dämonen weichen und ihr Opfer freigeben. Es war
ein stundenlanger, heißer, heißer Kampf. Im Geiste habe ich die dicken
Ketten der Finsternis, mit der sie ihr Opfer gebunden hatten, rasseln gehört.
Die Dämonen mußten mit ihren Ketten weichen. Der Bruder war frei und gelöst
aus den Banden der Dämonie und der Macht der Finsternis durch die Kraft
Christi, der unsere Gebete erhört hat. Ja, es war ein herrliches Eingreifen des.
Herrn, das Er auch an diesem Bruder gezeigt und bewiesen hat. Durften wir
doch bei diesem Geschehen die Herrlichkeit Jesu Christi sehen, die
Herrlichkeit des auferstandenen erfahren, die sich uns in dieser
Verwandlung und Freimachung des lieben Bruders offenbarte. Wir durften
hier in der Tat erfahren, daß Jesus Christus wirklich der Sieger ist und
daß Er ein Herr ist, allgewaltig und allmächtig über den Teufel und
Widersacher, über die Macht der Finsternis und Dämonie. Wir durften auch
erfahren, daß Golgatha ein Ort des Sieges mit alles durchdringender Kraft
und Gnade ist. Er, unser Herr ist groß und erhaben und kann noch größere
Dinge tun. Denn Ihm ist gegeben alle Gewalt über alles, was im Himmel und
auf Erden und unter der Erde ist. Sein Name sei allein hochgelobt in alle
Ewigkeit. Amen. Sie haben die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt Gotteskinder, die in Möttlingen durch Vater Stanger
den Herrn erlebt hatten, lebten in unserer Nähe. Diese Eltern hatten eine
schwerkranke Tochter, die vom nahenden Tod gezeichnet war. Von einer
Schwester, die zu uns in die Andachts- und Gebetsstunden kam, hatten sie
gehört, daß sich der Herr unter uns so oft verherrlicht hat. Die kranke Tochter war auch ein Gotteskind. Durch das Gerede der Adventistin wurden die Eltern hin- und hergerissen ob der Frage, was denn nun Wirklichkeit sei. Der Vater kam dann dennoch zu mir und hat mich gebeten, doch zu seiner Tochter zu kommen, um mit ihr zu beten; sie sei doch ihr einziges Kind. Die Tochter litt an Krebs und Wassersucht. Sie hatte einen unmäßig aufgetriebenen Bauch, in dem es nur so rumorte. Nach dem Urteil des Arztes soll ihre Lebenszeit auf Erden in ganz naher Zeit vorüber sein. Nach acht Tagen etwa bekam ich vom Herrn den Auftrag: Mein Kind, stehe auf und laß Dich ankleiden. Dein
Mann und Deine Schwester sollen Dich zwischen sich nehmen und Dich hinaufführen
zu der Kranken. Ich will Dich dabei stärken und Mich durch Dich
verherrlichen. Aber erschrecke nicht, mein Kind. Du wirst etwas zu sehen
bekommen, das Dich erschüttert. Ekle Dich auch nicht vor dem Geruch, den
Du dort vorfinden wirst. Ich bin mit Dir." Dann sagte der Herr zu mir: Unter dem Lob verklärte
sich das Antlitz der Schwester und sie rief aus: „Ich bin gesund, ich
kann aufstehen!" Sie stand dann hernach auf und ging, nachdem sie ja
lange nichts mehr essen konnte, sich selbst ein Essen bereiten. Der
Kranken wurden vorher ärztliche Bemühungen zuteil. Sie wurde operiert,
der Leib geöffnet. Die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen. Die Leiden
waren soweit fortgeschritten, daß jegliche ärztliche Hilfe zu spät kam
und irgendeine Hilfe nicht mehr möglich war. Wie schon erwähnt, sollte
ihre Lebenszeit alsbald vorüber sein. Bei unserem treuen Herrn
und Heiland ist nichts unmöglich. Er half; ja, Er half so, daß die
Kranke aufstehen und sich selbst ein Essen bereiten konnte. Das Glück der
Eltern für des Herrn Hilfe war groß. Drei
Tage später wurde ich zu einer anderen Schwester gerufen. Mein Weg führte
an dem Haus der geheilten Schwester vorbei. Und ich wollte nicht
vorbeigehen, ohne zu ihr hineingesehen zu haben. Mit Hilfe meiner Lieben
ging ich dann zu ihr hinauf. Da saß sie im Wohnzimmer vor einer Schüssel
Salat, Reis und Hähnchen. Ich hörte die Mutter und den Vater
sagen: „R., eß doch." Sie antwortete niedergeschlagen: „Ich kann nichts
essen, ich bringe habe keinen Appetit." Auf dem Sofa ließ ich mich
dann nieder und frug alle: „Sagt mir einmal, was ist denn da geschehen?
Da ist doch irgendetwas vorgefallen, weil dieser Rückfall eingetreten
ist. Was ist da vorgefallen?" Ja, da war die Adventistin
wieder zu Besuch da und hat der R. zugesetzt und sie irre gemacht. Die
ganze Geschichte mit der Heilung, das wäre doch vom Teufel und es wäre
größte Vorsicht geboten. R. konnte ihr nicht so widerstehen und es kamen
in ihr Zweifel auf. Als ich dann mit ihr über den Herrn und die
wunderbare Führung durch Ihn zu ihr geredet habe, tat sie Buße
und beugte sich tief in den Staub vor den Herrn. Dann konnte ich wieder
innig mit ihr beten und sie dem Heiland bringen und hinlegen. Da fiel all
ihre Schwere und all der Zweifel von ihr ab. Ja, und dann war auch der
Appetit wieder da und sie konnte wieder essen und wieder fröhlich sein.
Sie nahm an Gewicht zu und konnte auch ihrer vorherigen Arbeit bald danach
wieder nachgehen. Der Vater kam wiederum zu
mir und bat mich, doch zu der Tochter
zu kommen. Der Herr aber sagte zu mir: Erst dann, wenn Ich es Dir sage und
erlaube." Sie schickten dann immer wieder Order zu mir, doch zu ihr
zu kommen. Ich aber mußte dem Herrn gehorsam sein. In dieser Wartezeit kam wieder die Adventistin zu der
Schwester ins Haus. Diese benutzte mein besagtes
Fernbleiben, um auszusäen und zu sagen:
„Siehsts Du, daß es da nicht stimmt. Wenn das dort echt wäre, müssten
sie Deiner Bitte doch sofort folgen und zu Dir kommen, wo Du doch so krank
bist." Darauf
sagte dann der Heiland zu mir: „Bete mit ihr. Und sage ihr, daß sie bei
der Adventistin, von der sie sich aufs neue hat verführen lassen,
gestehen soll, daß sie sich an Mir versündigt hat. Sage ihr auch, daß
sie überall dort, wo sie falsche Reden verbreitet hat, dies in Ordnung
bringen soll. Sie hat Unrecht getan, wo ihr doch zweimal so große Hilfe
durch mich geschenkt worden ist. Sie soll Buße darüber tun und ihr Leben
in Ordnung bringen. Gesund werde Ich sie nicht mehr machen, weil sie auch
daran verlieren würde und ihr dann nicht mehr geholfen werden könnte.
Sie soll sich bereit machen. Genau nach vier Wochen eurer Erdenzeit, zur
selben Stunde, am selben Tage, am Freitag, werde Ich sie abrufen." Es
waren große Kämpfe, die durch diese Adventistin heraufbeschworen wurden.
Aber der Herr Jesus Christus blieb auch darüber Sieger! Sein Name sei
hochgelobt und gepriesen in alle Ewigkeit. Vor der zweiten Verhaftung; die Verhaftung mit den Verhören durch die Gestapo. Abends
gegen 8 Uhr, es war der 18. Mai 1940, hielten wir unsere Andacht während
der Andachtsstunde hörte ich den lieben Heiland in meinem Herzen reden: „Seid
nur getrost, wenn ihr auch jetzt nicht verstehen könnt, was Ich jetzt
tue, was Ich jetzt zulasse. Aber es kommt in Bälde die Zeit, wo ihr Mich
verstehen werdet. Doch verzaget nicht und sorget nicht; Ich will Feingold
aus euch machen. Deshalb kommt nichts an euch heran, was Ich nicht
zulasse. Und Ich bin bei euch und führe auch diese Sache herrlich hinaus.
Bleibet nur fest und treu an Mir und haltet euch fest an Mein Wort und ihr
werdet abermals erfahren und erkennen dürfen, besonders Du, Mein Kind,
wie Ich Mich verherrlichen und mächtig offenbaren werde; und daß es
Meine Sache ist, an der Du stehst". Er segnete mich und uns daraufhin
und ward wieder unsichtbar. Am
nächsten Tag, dem 19. Mai, einem Sonntag, vor der Andachtstunde gegen 2
Uhr nachmittags, es waren noch nicht alle Brüder und Schwestern
beisammen, da stand auf einmal die Gestapo vor uns, um uns zu verhaften.
Die Bibeln, alles Schriftmaterial, unsere ganzen Bücher wurden
beschlagnahmt. Die Anwesenden, es waren 10 an der Zahl - darunter auch
eine Jüdin -, wurden für verhaftet erklärt, und 3
Geschwister, die während der
Anwesenheit der Gestapo hinzukamen, wurden hinzugenomrnen und mit uns
abtransportiert. Aufs
neue wurde ich wieder gefragt, ob ich einer Sekte angehören würde. Es
sei auch bekannt, daß ich Gesundbeterei betreiben würde. Man wollte mir
noch anlasten, daß ich von Sach- und Geldspenden meiner Geschwister leben
würde. Dabei hatten wir auf Arbeitsmöglichkeit verzichten müssen und
von den staatlichen Behörden während der Rückführung keinerlei
Unterhaltsleistungen verlangt. Auch in diesem Stück hatten wir der Fürsorge
des Herrn vertraut. Man wollte uns auch nahelegen - doch die Beweise haben
nicht ausgereicht -, daß wir den Soldaten an der Front religiöse
Schriften senden und damit eine Wehrzersetzung betreiben würden. Und so
viele andere Lügen wurden beim Verhör vorgelegt und sollten die Anklage
be- und verstärken. Nun
wurde ich ja um der Wahrheit willen gezwungen, Zeugnis zu geben und zu den
einzelnen Fragen Stellung zu nehmen. Dabei wurde ich auch gefragt, ob es
wirklich Jesus Christus gäbe, ob diese Erzählungen von Ihm nicht den Märchen
einzureihen wären. Denn sie, die Gestapo, würden glauben, daß es keinen
Heiland gibt. Daraufhin mußte und durfte ich sagen und bezeugen: „Doch,
ich kann es bezeugen. Denn Er hat sich mir schon oft geoffenbart und schon
oft zu mir geredet". „Das ist doch nicht möglich",
entgegneten sie, „das gibt es doch gar nicht. Und wenn es das
doch gäbe und er - dies so geringschätzig - dort oben sitzen würde, so
kümmert er sich doch nicht um Sie."
„Und ob",
erwiderte ich, „erst gestern Abend vor der Verhaftung hat Er mit mir
geredet und mich auf das vorbereitet, was heute geschehen ist, und hat
mich und uns gestärkt". „Das gibt's nicht, das sind Phantasien.
Der kümmert sich doch nicht um Sie, wenn der da oben sitzt", meinte
er machtbefugt und überheblich. „O, da seid ihr aber groß im Irrtum.
Er lebt und
ist Sieger von und in alle Ewigkeit. Er hört jetzt alles, was wir da
reden; Ihm ist nicht verborgen. Oder meinen Sie, Er, der sich für uns
geopfert hat auf Golgatha und Sein Leben hingegeben hat für uns, Er würde
eines Seiner Ihm getreuen Kinder im Stiche lassen, wenn es im Kampfe steht
und leidet um Seines Namens willen?" bezeugte und fragte ich. .>So
wahr, wie ich es gesagt habe. Und ich weiß und darf Ihnen sagen, daß Er
auch euch liebhat und es auch für euch vollbracht hat am Kreuze von
Golgatha. Und wenn ihr es wollet und im Glauben annehmet, dann werden auch
Sie und alle erfahren, daß Er kein toter Heiland ist, sondern daß Er der
herrliche auferstandene Heiland ist, der Herr über Leben und Tod. Er ist
der Auferstandene, der sich mir und auch vielen anderen so herrlich und
wunderbar geoffenbaret hat." Nach
diesem Zeugnis blickte er mich mit großen Augen, furchtsam, ratlos und
auch staunend zugleich, an. Er sprang dann, ohne etwas zu sagen, auf, ging
aus dem Zimmer und ließ sich nicht mehr blicken, auch nicht mehr in der
kommenden Zeit. Die anderen beiden Gestapo-Leute, die dabei waren, sind
innerlich auch sehr angesprochen worden. Das bezeugte ja auch die Frage
des einen von ihnen. Ja, ihnen konnte ich zu Jesu Ehre auch bezeugen, wie
Er auch sie lieb hat und ihnen helfen will, damit sie gerettet werden.
Einer der Gestapo-Leute meinte auch: Solche Verhöre sind ja dazu angelegt, wie man so sagt, aufs Glatteis zu führen, um dabei auszurutschen und zu Fall zu kommen. Die Frage des einen: „Wenn Sie heute geschlagen den, was machen Sie dann?" „Ich schlage nicht zurück und verteidige mich auch nicht", war meine Antwort. Und gleich darauf wurde die delikate Frage vorgelegt: „Wie stehen Sie zum Militärdienst, Kriegsdienst, Verteidigung des Vaterlandes? Könnten Sie, wenn Sie ein Mann wären, mit der Waffe einen Gegner erschießen?"„In diesem Falle unterstehe ich meiner Obrigkeit. Die Verantwortung für mein Handeln fällt damit auf die Obrigkeit. Folglich könnte ich auch als Soldat meine Pflicht erfüllen. Dies würde ich auch schon aus Liebe zu meinem Vaterlande tun", erwiderte ich ihm. „Innerhalb Ihres Kreises bezeichnen Sie sich doch als Bruder und Schwester. Diese Bezeichnung ist doch sektenmäßig und wird in den Sekten angewandt. Das ist doch bezeichnend für eine Sekte und dies entspricht doch den Tatsachen? Was sagen Sie dazu?" Das wurde mir vorgehalten mit dem Hinweis auf eine vom Reichsführer der SS verbotene Sekte und eine internationale opponente Gruppe. Ich mußte darauf antworten: „Ich verstehe dies nicht. Die Bezeichnung Schwester und Bruder ist doch bei uns geläufig und ich sage zu allen Gläubigen Bruder und Schwester". Ja, so wollte man mit der biblischen Anrede „Bruder und Schwester" eine Zugehörigkeit zu einer verbotenen und opponenten Gruppe erzwingen, um der Anklage die richtige Würze und für eine Verurteilung ein bereits festgelegtes Maß zu schaffen. Auf einmal erinnert sich da einer der Gestapo-Leute an das Abendmahl und fragt: „Haben Sie bei Ihren Zusammen-künften das Abendmahl erteilt?"„Wenn ich von meinem Heiland den Auftrag zur Austeilung des Abendmahls bekommen habe, dann habe ich dies getan", bekannte ich. „Wie macht sich das eigentlich bei Ihnen bemerkbar, wenn Sie den Auftrag vom Heiland bekommen?" wollte er wissen. Daß ich Seine Stimme in meinem Herzen höre, durfte ich ihm dann sagen. ,Werden Sie in Zukunft noch derartige Zusammenkünfte leiten?", fragte er mich weiter. „Wenn der Heiland mich dazu beauftragt, ja!", antwortete ich ihm ohne Furcht. „Denn ich habe ja von Gott persönlich den Auftrag erhalten, Seinen Namen zu verkünden und Seine Lehre zu verbreiten, im Gebet und in der Fürbitte für Ihn zu wirken. Daraus erklärt sich auch meine ganze Handlungsweise. Die Zusammenkünfte mit meinen Brüdern und Schwestern dienen doch dazu, das Evangelium gemeinsam zu hören und danach zu leben. Und ich sehe nicht ein, daß ich damit etwas verbotswidriges getan habe und gegen bestehende Gesetze verstoßen haben soll". Mir wurde dann eröffnet, daß die Zusammenkünfte verboten sind. Meinen mitverhafteten Brüdern und Schwestern wurden Erklärungen vorgelegt, daß sie an verbotswidrigen Versammlungen teilgenommen haben; diese mußten sie unterschreiben. Damit schienen die Zusammenkünfte auseinandergesprengt zu sein. Doch die Geschwister wurden nach einigen Tagen wieder freigelassen. Nur für mich und meinen Mann wurde Haftfortdauer angeordnet wegen Verdunkelungsgefahr, Fortsetzungsgefahr und Gefahr im Verzuge.Doch der Herr stärkte meine Tochter die so zerstreute Herde zu weiden unter den Nachstellungen der Gestapo. Meine Aussagen vor der Gestapo wurden teilweise protokolliert. Weitere Verhöre erfolgten dann nicht mehr. Während der drei Tage im Polizeigefängnis habe ich verschiedenes erleben dürfen und dort inhaftierten Seelen vom Heiland Zeugnis geben dürfen. Dort war ein ehemaliger
großer Saal. Er war abgeteilt durch einen Gang in der Mitte und hüben
und drüben in kleine Zellen aufgeteilt. Die Vorderseite und ein Teil der
Zwischenwände waren aus Draht, so daß man die Nachbarn und die Gegenüber
sehen konnte. Diese Zellen waren irgendwie notdürftig hergerichtet. Sie
haben den Eindruck eines Zookäfigs hinterlassen. So konnte ich mit meinen
Nachbarn und auch mit meinen Gegenüber reden und aus ihrem Leben
erfahren. Viele von den Inhaftierten haben ob der Haft geweint. Es waren
auch junge Mädchen da, die sehr tief gefallen waren.
Ihnen allen durfte ich in aller Liebe und mit einem Herzen voll Liebe den
gekreuzigten und auferstandenen Heiland vor die Seele stellen. Er sei doch
auch für ihre Sünden gestorben und hätte auch für sie das Lösegeld
bezahlt. Ein
stetiges Hin und Her in dem Saal. Da sind welche zur Arbeit eingesetzt
worden, andere sind weggekommen und weitertransportiert worden, andere
sind wieder neu eingeliefert worden. Es war ein steter Wechsel in den
Tagen. Wo ich aber konnte, durfte ich allen Zeugnis geben von dem Herrn
und Heiland Jesus Christus. Was taten sie mir doch so leid. „Weil
ich Jesus die Treue halte, und für Ihn, wenn es sein muß, auch mein
Leben hingeben darf. Ich habe mich dem Herrn Jesus Christus angelobt, ich
könnte deswegen nicht anders". „Da haben Sie doch nichts Böses
getan", meinte sie dann. Ja, Sie sehen, wenn man zum Heiland Jesus
Christus hält, dann wird man verhaftet. Ich diene am Wort und halte
Stunden und der Herr hat viele teure Seelen durch mich gesegnet und
errettet. - Sie dürfen mir völlig vertrauen, wenn ich Sie frage, warum
Sie hier sind". Ach,
was sagt mein Mann bloß, wenn er nach Haus. -kommt und ich bin nicht da
und wenn er erfährt, daß ich nicht heimkomme, weil ich hier im Gefängnis
bin. Die haben mich ja gleich aus dem Laden heraus hierher gebracht".
Recht leise antwortete ich ihr: „,Ja, in dieser Zeit muß man sehr
vorsichtig sein. Aber vertrauen Sie nur die Sache unserem Heiland an. Wenn
niemand mehr helfen kann, Er kann helfen. Wollen Sie, daß ich mit Ihnen
bete?" Am
folgenden Morgen, dem vierten Tag, wurde ich dann in das Frauengefängnis
nach Höchst abtransportiert. Deshalb weiß ich nun nicht, was weiter mit
ihr geschehen ist. Doch habe ich weiter für sie gebetet und
tue es auch heute noch. Und
ich war meinem Heiland auch für diese Tage so dankbar und dankbar für
den Dienst, den ich diesen allen tun durfte. lm
Frauengefängnis in Höchst wurde ich dann in eine Einzel-Zelle gesperrt,
ganz oben unter dem Dach. Dort wurde ich in der ersten Zeit sehr streng
behandelt. Bei einigermaßen gutem Wetter wurden wir in den Hof gebracht
zur sogenannten Hofstunde. Wegen meiner Leiden wurde ich nicht in den großen
Hof geführt, sondern in den kleineren. Dieser war den Gehbehinderten
zugedacht. Für
die Traktate und Kalenderblättchen sorgte meine Tochter und meine
Geschwister. Ein
Teil der Mitgefangenen hat auch über ihre Haft sehr geweint. Etliche
waren darunter, die beim Abhören von ausländischen Radiosendungen
erwischt worden sind. Eine Mitgefangene war darunter, die wegen Urkundenfälschung
eine Strafe abzusitzen hatte. Der treue Heiland gab mir Freudigkeit, bei
sich jeder bietenden Gelegenheit von Jesus zu zeugen. Für diesen Jammer
und diese Not war auch keine bessere Botschaft, als die des Heilandes und
Erlösers.
Es
ist nun einmal so, daß man wegen Haftstrafen gering abgetan und gering
ab- und eingeschätzt wird, als Mensch 2. Klasse betrachtet und behandelt
wird. Und was bringt das oft für seelische Not und neue Gefahren. Um
meines Heilandes willen durfte ich auch dort Mißhandlungen ertragen und
erleiden. Ich
entgegnete ihnen: „Ich möchte gerne, aber ich kann nicht". Es
war mir doch so schlecht zum Erbrechen. Die Schmerzen waren die Folgen des
harten Lagers, denen mein durch den Unfall geschwächter Leib nicht
gewachsen war. Sie meinten, ich würde mich verstellen und haben mich. von
der Pritsche heruntergerissen. Ich hatte keine Kraft mich zu halten und
bin dann auf dem Boden liegengeblieben. Mit Fäusten schlugen sie mir auf
den Kopf und gaben mir heftige Fußtritte. Sie nahmen meine langen Haare
und wollten mich an den Haaren hochziehen. Wie sie dann gesehen haben, daß
ich ohnmächtig wurde, haben sie einen Krug Wasser über mich geschüttet.
Durch das Wasser bin ich dann wieder zu mir gekommen, konnte mich aber vom
Boden nicht erheben. Innerlich
mußte ich beten: „Mein lb. Heiland, nun darf ich ein Tröpfchen von dem
leiden, was Du für mich erduldet hast". Der
treue Heiland stärkte und tröstete mich innerlich mit Seinem Frieden. Zu zweit haben sie mich dann auf die Pritsche geschafft mit Ach und Weh, und da mußte ich mich dann erbrechen. Dann haben sie gemerkt, daß ich mich nicht verstelle, sondern wirklich leidend bin. Einen Arzt haben sie jedoch nicht benachrichtigt. Mehrere Tage mußte ich dann auf meiner Pritsche zubringen. Über die Mißhandlung habe ich mich nicht beschwert und auch nichts verlauten lassen. Den beiden Wärterinnen begegnete ich mit Liebe und Freundlichkeit auf all ihr hartes und liebloses Wesen, das sie da und dort zeigten. Und diese Liebe machte auf sie Eindruck und wandelte auch ihre Herzen. Sie
suchten dann mein Los zu erleichtern. Durch meine Leiden konnte
ich das schwere Essen der Haftanstalt nicht vertragen. Auch da ging es bis
zur Androhung der Zwangsjacke, die sie mir in Händen entgegenhielten.
Aber auch da wandelte der Herr ihr Herz und ihren Sinn. Sie brachten mir
leichtere Kost, wenn ich die schweren Speisen nicht essen konnte. Hinfort
waren sie mir freundlicher gesinnt. Da mußte ich an das Wort denken:
„Der Herr kann aus den schlimmsten Feinden noch die besten Freunde
machen«. Auch das andere Wort: „Der Herr lenkt die Herzen wie die
Wasserbäche", mußte und durfte ich erfahren. O
wie wahr und lebendig sind gerade in solchen Lagen diese herrlichen
Wahrheiten. Und wie ist es gerade da stärkend und erquickend, die
Wahrheit des Wortes lebendig erfahren zu dürfen. Wegen dem Vierjahresplan
sind da und dort Sparmaßnahmen eingeleitet worden. So wurden uns als
Toilettenpapier nur etwa 2 Blättchen pro Tag zugeteilt. Und dieses war
mir ausgegangen, weil ich mehr benötigte und nicht mit, mehr versorgt
wurde. Als ich so auf der Toilette der Zelle saß und weinte darüber, da
habe ich meinem Heiland diese Not hingelegt. Währenddem drehte sich
ziemlich laut der Schlüssel in der Tür und herein kam die
Oberwachtmeisterin: „Ich
werde gedrängt zu Ihnen zu kommen. Ist was mit Ihnen?" Ich
stand auf und nahm sie voller Liebe um den Hals und sagte ihr: „Sie hat
mir der liebe Heiland schickt." „Warum denn?" fragte sie.
„Sehen Sie meine Not, meine fraulichen Bedürfnisse in den
Wechseljahren, dazu mein Darmleiden. Sehen Sie., diese wenigen Blättchen
reichen ja nicht aus. Ich schäme mich ja, wenn diese meine Wäsche hinaus
muß. Sicher haben Ihre Wärterinnen so viel zu tun, daß sie nicht für
jede Einzelne so nachsehen können und auch nicht die Möglichkeit haben,
bei dem Mangel alles so zu beschaffen.« Während
der Haftzeit wurden wir auch zur Arbeit angehalten. Da sollten
verschiedentlich täglich in die tausende gehende Artikel fertiggestellt
werden. Für die Arzneimittelindustrie waren in auf Gläser bestimmte
Verschlüsse Abdichtungen einzulegen. Flakbatterien
schossen, und die Splitter der Geschosse gingen in der Nähe und so auch
auf das Dach der Haftanstalt nieder. Und dies alles kam so alleine unter
dem Dach auf mich zu. Teure
Schwester, halte aus und durch. Er ist es wert, daß man für Ihn leidet.
Wenn ich noch zehn Leben hätte, würde ich sie alle Ihm hingeben. O wie
wirst Du Ihm einmal danken, daß Du all dieses Leid und diese Schmach für
Ihn tragen darfst. Siehe mich an, ich bereue keine meiner Leiden,
Verfolgungen und Trübsale, auch nicht mein Sterben für Ihn. Meine Freude
ist groß, daß ich das alles für Ihn leiden durfte. Sei
getrost, alle diese Schande, die Du für Ihn leiden darfst, wird zu Seiner
Ehre gereichen und zu Deiner Freude. Wie von etwas gestochen, schrie er: „Lassen Sie den
Juden da draußen, der hat da herin nichts verloren". „Nein, gerade
hier gehört Er her. Wohin gehört er denn notwendiger als gerade hierher
zu den Armen und Gefangenen", entgegnete ich ihm ganz unbefangen und
unbeeindruckt von seinem Schreien. Voller Wut rief er dann die
Hauptwachtmeisterin und gab ihr Anweisungen für mich. Er sagte ihr auch,
daß sie sich für den anderen Tag bereithalten solle. Innerlich wurde ich gedrängt, dem Untersuchungsrichter zu
schreiben über das Verhalten des Arztes zu mir. Ich schrieb das nieder
und berichtete ihm das Vorgefallene. Die Wärterin L. brachte selbst den
Brief zum Untersuchungsrichter. Was sie dabei selbst dem
Untersuchungsrichter zu sagen hatte, ist mir nicht bekannt. Jedenfallt war
am anderen Tag der Arzt nicht mehr in der Haftanstalt! Nun durfte ich ihm erzählen, wie Er mich durch tödliche
Krankheiten hindurchgetragen hat, in den Nachstellungen durch die Gestapo
bewahrt und behütet hat, wie Er mich aus der Haft in P. befreit hat, wie
Er in der Sondergerichtsverhandlung in Frankenthal bei mir gewesen ist
und wie Er mich bis zur Stunde vor drohender. Konzentrationslagern bewahrt
hat. So gab ich ihm Zeugnis von dem Auferstandenen und Seiner Kraft und
Herrlichkeit. Er frug mich dann auch über das Verhalten seines Vorgängers. Schon nach Tagen kam er morgens mit der Wärterin L.
zu mir herauf in meine Zelle. Er bat mich, daß ich mich auf meine
Pritsche legen möchte, legte mir dann die Hand auf meinen Kopf und sagte:
„Heute komme ich zu Ihnen. Denn das zu mir Kommen ist zu schwer für
Sie. Ich habe Ihre Krankheitspapiere schon bekommen. O, Sie arme Frau, was
müssen Sie für Schmerzen haben nach den mir vorliegenden Papieren. Ich
bin über alles unterrichtet, was Ihre Krankheiten anbelangt. Ich werde
nun für Sie sorgen, daß Sie so schnell wie möglich in ein Krankenhaus
kommen und Sie Erleichterung bekommen". Der Arzt sorgte aber dafür, daß ich von da ab eine
meinen Leiden entsprechende Kost bekam. Als er sich dann von mir
verabschiedete, machte er einen Finger zu der Wärterin und sagte: „Hüten
Sie sich, und ihr alle, die ihr bei Frau Pfirrmann Dienst habt,
dieser Frau Aufregung zu bereiten. Sorgen Sie dafür, daß sie die rechte
Kost und die rechte Arznei, die ich ihr verordnet habe, auch bekommt. Von
Arbeit keine Spur mehr. Denn das ist ja ein Verbrechen, was hier an dieser
Frau geschieht. Nach dem Termin werden wir weiter darüber reden." Gegen
neun Uhr wurde ich in den Gerichtssaal gebracht. Es wurde mir verboten,
mit meinen Lieben und mit den angeklagten Geschwistern zu reden. „Frau
Pfirrmann, Sie sind Gefangene, da ist das nicht erlaubt", hat man mir
nachdrücklich gesagt. Aber das konnte ich nicht halten, da ich ja auch
diesbezüglich nichts versprochen hatte. Als ich auf dem Gang zum
Gerichtssaal mein Kind kommen sah, bin ich auf mein Kind zugegangen und
habe es in die Arme genommen. Bald
danach kam das hohe Gericht. Die Sitzung wurde mit dem damals üblichen
Hitlergruß eröffnet, die Akten auf dem Tisch ausgebreitet. Die
Verhandlung hatte begonnen. Nach den einleitenden Ermahnungen wurden die
einzelnen Punkte mit den Angeklagten besprochen. Wahr
ist es, daß der treue Heiland schon viele meiner Gebete um Gesundung des
Leibes erhört hat, auch die biblische Handauflegung nach Jak. 5 und Mark.
16 schon reich gesegnet hat. Und viele sind in der Tat von den schwersten
Krankheiten, wie Darmkrebs und Brustkrebs und anderen Leiden geheilt
worden. Er ist doch der Arzt aller Ärzte. Und wenn die Schwestern und Brüder
in ihrer Not zu mir kamen, hat mich das immer wieder tief berührt. Im
Gebet haben wir gemeinsam die Not vor das Angesicht des auferstandenen
Herrn gebracht und Ihn gebeten, wenn es Sein Wille wäre, Er doch den
Armen helfen möge. Das ist das, was ich getan habe." Da
wurde ich vom Vorsitzenden gefragt: „Können Sie dies denn uns nicht
zeigen?" „Nein, zeigen
kann man das niemand, das muß erlebt und geglaubt werden. Und zum
Vormachen oder Nachmachen ist diese Handlung nicht geeignet. Nur der Herr,
unser Heiland, kann durch den Glauben dem Glaubenden helfen,"
bezeugte ich. Diese Worte kaum ausgesprochen, bekam der 100prozentige
Kriegsinvalide - auch Mitangeklagter -, der vor mir auf der Anklagebank saß,
einen ganz schlimmen Anfall. Er hatte im 1. Weltkrieg eine
Gehirnverletzung davongetragen, sein linkes Bein war weit überm Knie
amputiert und die rechte Hand war verkrüppelt. War
es nun durch die ganze Luft des Sondergerichts bedingt, waren es die zuvor
an ihn gerichteten Fragen, um die mit Angst beim Verhör durch die Gestapo
nicht ganz einwandfrei gemachten Angaben vor dem Gericht zu entkräften
und richtigzustellen, waren es die Folgen einer Aufregung über den
ungewissen Ausgang der Verhandlung auch für ihn, der Herr weiß es.
Jedenfalls hat es der
Herr zugelassen, um sich zu verherrlichen und sich zu bekennen, so
wie Sein Wort es sagt. Das
Bild des Jammers brachte unter die Zuschauer eine gewisse Unruhe und Ängstlichkeit
herein. Auch die Richter wurden ratlos und wußten nicht im Augenblick,
was sie machen sollten. Manche Leute haben ob dem erbarmungswürdigen und
leidenden Kranken zu weinen angefangen, man hörte Schluchzen. In diese
Situation hinein redete der Herr mir in meinem Herzen:
„Mein Kind, fürchte Dich nicht. Lege ihm auf und bete für
ihn." Und das nun vor Gericht und all den Leuten? Ja, der Herr wollte
es so! Der Kriegsinvalide saß vor mir auf der Anklagebank etwas tiefer.
Dies war auch so geführt worden. Ich beugte mich über die Brüstung zu
ihm hinab und legte ihm die Hände auf und betete über ihm im Namen Jesu.
Ich war meinem Heiland gehorsam. Aller
Augen, die des Gerichts und der Zuschauer und Zuhörer, sie sahen ja, daß
ich mich erhoben hatte, waren auf mich und mein Tun gerichtet. Meinen
linken Arm legte ich ihm um den Hals und die rechte Hand auf den Kopf.
Unter dem Gebet wurde der Invalide plötzlich ganz still und ruhig. Das
Bein zitterte nicht mehr, die Hand und auch die Bewegungen des Kopfes
wurden still, die Laute verstummten. Beschauliche
und stille Ruhe im Gerichtssaal. Die Folge, der Handauflegung und des
Gebets: ein von seinem Anfall geheilter Invalide. „Sehen
Sie, meine Herren, unser treuer Heiland, der Herr des Himmels und der
Erde, ist und war bei uns hier. Das ist nun das, was ich Ihnen habe nicht
zeigen können. So geht es auch in meinen Versammlungen zu und nicht
anders. Das ist die Kraft Jesu Christi, die solches wirkt und überall
dort gewirkt hat, wo Menschenkinder eine solche heilige Erfahrung haben
machen dürfen. So geht es zu, wenn der Herr mir den Auftrag gibt, für
die Kranken zu beten und ihnen die Hände aufzulegen. Ich konnte es Ihnen
nicht zeigen und nun ist der Auferstandene selbst auf den Plan getreten
und Jesus Christus selbst hat sich unter uns ganz deutlich geoffenbart und
sich bekundet. Es ist doch ganz deutlich, daß ich es nicht bin, ich nur
ein schwaches Werkzeug bin, sondern daß Er, mein Herr und Heiland es ist,
der solche Dinge wirkt und tut. Er hat sich an dieser Gerichtsstätte nun
selbst offenbart. Ja,
solches muß man erlebt haben und Sie haben es nun erleben dürfen."
Die Herren waren tief bewegt und zogen sich dann zur Beratung zurück. In
dieser Zeit hat mich der Staatsanwalt besonders betrachtet. Als die Herren
vom Sondergericht wieder in den Gerichtssaal kamen, frug der
Gerichtsvorsitzende: „Nun, Herr Oberstaatsanwalt, was sagen Sie
dazu?" Da stand er auf und rief, die Akten mit lautem Knall auf den
Tisch werfend: Ja,
es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir Menschen, wer wir auch
sein mögen, mit dem Verstande nicht fassen können. Wir haben nun hier so
Gewaltiges erlebt. Es tut mir von ganzem Herzen leid, daß ich diese Frau
aufgrund falscher Anklagen solange gegen ihren Willen hinter Schloß und
Riegel habe sitzen lassen. Dieser Frau steht es zu, eine enorme Entschädigung
zu verlangen. Bei diesen Worten nickte er mir freundlich und wohlwollend
zu. Der Gerichtsvorsitzende - ein älterer aus der Pension herbeigeholter Richter - hat dann noch die Freisprechung begründet. Er hat die im Gerichtssaal Anwesenden gefragt, wie man nur solche Menschen, die doch nur wohl tun, Wohltäter sind in der Kraft Christi, wie man die verfolgen und sie einsperren kann. Wir haben doch hier in unserer Mitte ein augenscheinliches Beispiel und dies Wunder an dem 100prozentigen Kriegsinvaliden sehen und miterleben dürfen." Zu mir gewandt: „Frau Pfirrmann, Sie dürfen mit all ihren Lieben nun nach Hause gehen. Und wir freuen uns, Sie kennengegelernt zu haben." Im Gerichtssaal hörte man wieder Schluchzen und Weinen. Von meiner Anklagebank aus ging ich auf die Herren vom Gericht und den Herrn Oberstaatsanwalt zu und sagte zu ihnen: „Meine Herren, den Entschädigungs-anspruch möchte ich nicht wahrnehmen. Was ich für meinen Heiland habe erdulden und erleiden dürfen, möchte ich nicht bezahlt haben. Aber, meine Herren, verzeihen Sie, wenn ich diese Frage nun an Sie richte: Was ist mit meinen Versammlungen, die mir verboten sind?" Zunächst versuchten sie mich dahingehend umzustimmen, daß ich doch von der angebotenen Entschädigung im Antragswege Gebrauch machen solle. Ich durfte ihnen sagen, daß ich bei meiner gemachten Äußerung verbleibe; ich könne auch hier nicht anders handeln. Darüber waren sie sehr verwundert und ganz überwältigt. Die Frage nach meinen Andachts- und Gebetsstunden beantwortete der Gerichtsvorsitzende und der Oberstaatsanwalt fast gleichzeitig: „Diese dürfen sie halten. Da steht Ihnen nichts mehr im Wege." Sie kamen auf mich zu und drückten mir die Hand und haben sich noch einmal bei mir entschuldigt. Besonders der Staatsanwalt sagte: „Es tut mir leid, es tut mir leid.` Wir verabschiedeten uns dann von den Herrn des Gerichts und dem Herrn Oberstaatsanwalt und freuten uns der Gnade des Herrn wieder in der Freiheit sein zu dürfen. So herrlich und wunderbar hat sich der Herr bewiesen und erwiesen, daß er aus Anklägern gute Freunde geschaffen hat. Ja, solches kann nur der Herr. Der Herr, der da lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit, in dessen Hand auch ein Sondergericht einer ihm feindlichen Diktatur ist. An dieser Stelle sei auch des Dienstes des Gefängnispfarrers gedacht. Wie stärkend war es doch in der Gefängniszeit, an den Gottesdiensten teilzunehmen. Möge auch sein Mut und seine Liebe vom Herrn für diesen Dienst reichlich belohnt und gesegnet sein. Des Wortes Gottes durch die Gestapo beraubt, hat der Pfarrer es mir wiedergebracht, daß ich mich daran stärken, darin lesen konnte, und Er, der Auferstandene, so zu mir reden durfte. Der Gefängnispfarrer kannte auch den Gerichtsvorsitzenden. Er sagte später zu mir, wie die Gerichtsitzung den Vorsitzenden und die Beteiligten überwältigt und einen sehr starken Eindruck hinterlassen hätte. Zu mir selbst äußerte er sich: „Frau Pfirrmann, ich habe eigentlich nichts anderes erwartet. Ich wußte, daß es nicht anders ausgehen konnte. Wer so zum Heiland steht, den verläßt der Heiland nicht; zu dem steht auch Er." Weiter möchte ich noch
berichten, was der treue Heiland vor der Gerichtsverhandlung noch so
herrlich und wunderbar gewirkt hat. Die Gestapo, die sich ihres Erfolges
und ihrer Macht so bewußt war, hatte doch gedroht, und dies auch bei
jeder Gelegenheit, bei Vorsprachen meiner Lieben auf der Amtsstelle, geäußert:
„Diesen Kopf werden wir vernichten." Diese Gestapo durfte
bei der Gerichtsverhandlung, sie waren ja als Zeugen geladen, nicht
zugegen sein. Und wie hat der Herr das geführt? Die beiden Ladungen an
die Gestapo-Leute K. und Sch. kamen von der Staatspolizei mit dem Vermerk
an das Gericht zurück: ,unbekannt versetzt". Die Ladungen an die beiden
Anwärter T. und G, kamen von der Staatspolizeistelle urschriftlich mit
dem Bemerken zurück, daß die Geladenen an dem am 2. 8. 1940 vor dem
Sondergericht Frankfurt stattfindenden Termin nicht
teilnehmen können, weil beide Beamte an diesem Tag schriftliche Prüfung
haben. So konnten sie ihre Drohungen nicht wahrmachen und sie konnten auch
nicht ausführen, was sie wollten. Und der erste Staatsanwalt, der die
Anklage verfaßte und mich mit dem Prozeß erledigen wollte, dieser wurde
ungefähr acht Tage vor der Verhandlung versetzt. Er konnte bei der
Verhandlung auch nicht da sein und sein Vorhaben nicht durchführen.
Seinen Nachfolger konnte der Herr so segnen. Ihn konnte der Herr
gebrauchen, wie ich berichtet habe. Dieser wurde zum Freunde, und dieser
war so erschüttert, daß solches überhaupt geschieht. Das
Niedergeschriebene gibt ja Zeugnis darüber. Unter
uns Angeklagten war ja auch eine Jüdin. Die Juden wurden ja damals so
sehr verfolgt. Diese Frau hielt sich ganz zu uns, sie war unsere
Schwester. Nach Gesinnung und Glauben war sie keine Jüdin des alten
Testamentes. Sie bekannte sich zu Jesus Christus und kam daher immer in
unsere Versammlungen. Als nun die Gestapo zu uns kam, da überfiel die
Schwester, verständlicherweise für die damalige grausame Zeit, eine
nicht geringe Furcht. Ihre Papiere bestätigten ja ihre jüdische
Herkunft. Wir wußten ja darum. Ich flüsterte ihr deshalb noch schnell
zu: „Gehe schnell auf den Clo und vernichte Deine Papiere." Was
haben wir auch da fest für sie gebetet und den Herrn um seine Hilfe für
sie angerufen. Bei
den vielseitigen Fragebogen, die durch die Gestapo für die einzelnen
Personen ausgefüllt worden sind, vom Geburtsort und Geburtsdatum bis zu
Orden und Ehrenzeichen und Vorstrafen reichten, war auch die Frage der
Religionszugehörigkeit. Die Schwester konnte angeben. daß sie Mitglied
der Methodistengemeinde in Frankfurt war. Die weitere Frage anschließend
an die Religionszugehörigkeit unter gleicher Ziffer, nur Buchstabe b): 1.
Eltern 2.
Großeltern deutschblütig?
..... So
war es auch bei der Gerichtsverhandlung. Als die Namen der Angeklagten und
die Angaben zu ihrer Person verlesen wurden, war ja auch unsere liebe Jüdin
darunter und an der Reihe. Auch hier wurde die Tatsache nicht besprochen
und durfte nichts über ihre Abstammung verlauten. Auch zur Aussage und
zum Verhör und zur Angabe ihrer Personalien ist es vor Gericht nicht mehr
gekommen. Herrlich und wunderbar hat der treue Heiland gesegnet und wir
durften auch hier erfahren, daß Er der Auferstandene, der Herr ist. Und
das Wort ward uns auch da aufs neue so groß: „Siehe, Ich bin bei euch
alle Tage, bis an der Welt Ende." und das andere Wort: „Ich bin der
gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen." In
solchen Situationen lernt man erst recht erkennen, wie wahr und zuverlässig
das Wort Gottes ist und wie treu Er, der Vater, zu Seinen Kindern ist.
Nach der Gerichtsverhandlung wurde ich zum vor dem Gerichtsgebäude
wartenden Gefängnisauto geführt. Als der Fahrer hörte, daß wir alle
frei geworden sind, meinte er: „Nun sind Sie nicht mehr Mensch 2.
Klasse. Nun dürfen Sie sich wieder als Mensch 1. Klasse fühlen." Er
fuhr mich noch einmal in das Frauengefängnis nach Höchst, damit ich
meine Sachen in Empfang nehmen konnte. Die
Oberwachtmeisterin ließ mir nun von Gefangenen meine Sachen packen und
behandelte mich nun so, wie, wenn ich eine Fürstin wäre. Von ihnen allen
verabschiedete ich mich und versprach ihnen an ihre Sorgen und an sie
selbst zu denken, so wie es der Herr mir schenken würde. - Ich denke auch
heute noch an alle. Eins um das andere nahm ich in meine Arme und segnete sie.
Mit einer Glaubensschwester, die mir nachgefahren kam, um zu helfen, ging
ich dann zum Ausgang und wir fuhren zu unserem Frankfurter Heim. Es
war eine Freude, es war ein Loben und Danken. Ihm, unserem herrlichen,
auferstandenen, treuen Herrn sei all Lob und Ehre, Preis und Anbetung in
alle Ewigkeit. Ja, ohne Ihn wäre ich auf verlorenem Posten gewesen. Er
aber hat für mich gestritten und die Herzen so wunderbar gelenkt. Sollten
wir ihm nicht danken, daß wir wieder zu Hause sein durften und Er sich so
herrlich und wunderbar erwiesen hat? Er hatte es doch wirklich verdient.
Und rückblickend gesehen darf ich Ihm auch heute immer und immer wieder
dafür danken. In
einem weiteren Brief habe ich ihm geschrieben und ihn gebeten, daß ich
ihm persönlich vorgestellt werden möchte. Ich wollte ihm
Zeugnis von Jesus Christus geben und ihn warnen Jesus Christus nicht mehr
länger zu verfolgen, usw. Es wurde mir geschrieben, eine Vorstellung wäre
unmöglich, er sei im Hauptquartier und dort jetzt unabkömmlich. Das
wird sich mancher Leser fragen. Nun, die Verhaftung hat einen ernsten
Hintergrund. Dieser Grund richtet sich an unentschiedene, an halbe, an
laue Christen; an wissende Christen, die nicht ernst machen. Der Grund
richtet sich auch an solche, die sich um eines Vorteils willen, und sei es
auch nur um Ansehen bei Menschen, der Sache Jesu Christi schaden können
und zu schaden suchen.
Während
meines Verhörs durch die Gestapo in Frankfurt/Main wurde ich so nebenbei
von dem Leiter gefragt: „Frau Pfirrmann, kennen Sie eine Frau R.?"
Darauf erwiderte ich: „Ja, die kenne ich sehr gut." Mit einem
vielsagenden Lächeln hat er diese meine Antwort quittiert. Und da wußte
ich auch sofort ganz deutlich, daß er nicht umsonst gefragt hat und daß
sie an einer Anzeige; die unsere Verfolgung eingeleitet hat, mitbeteiligt
ist. Als
wir anfangs September 1940 nach unserer Freilassung in unsere Heimatstadt
P. zurückgekehrt und schon etliche Wochen zu Hause waren, schrieb uns
eine Schwester, bei der wir in Frankfurt öfters die Andachts- und
Gebetsstunden gehalten hatten, wir sollten doch unbedingt, so schnell es
geht, zu ihr nach Frankfurt kommen. „Schwester Pfirrmann, ich war ein Verräter, ich
habe euch bei der Gestapo angezeigt. Es hat mir manches bei euch, auch die
Gesundbeterei, nicht gefallen wollen. Vergeben Sie mir, vergebt mir, es
tut mir aufrichtig leid. Und bitte, beten Sie für mich und legen Sie mir
die Hände auf. Mir kann sonst niemand helfen, und wenn ich keine Hilfe
bekomme, bin ich verloren." „Was fehlt Dir denn:" fragte ich sie. Darauf zog sie ihre Kleider etwas aus und zeigte mir
von ihrem Körper. Fast bin ich umgefallen vor lauter Abscheu. Ihre ganze
Haut war voller kleiner Löcher, in denen sich kleine Würmer bewegten.
Ach, ich war tief erschüttert. Ein unsagbares Erbarmen kam über mich mit
dieser armen Seele. Ich wollte ihr im Namen Jesu die Hände auflegen. Da
sagte mir der Heiland in meinem Herzen: Sie ist dann auch nicht lange darauf verstorben, ohne
Heilung erfahren zu haben. Der Herr hat sie durch diese Krankheit in eine
schwere und tiefe Buße hineingeführt. Ich selbst durfte ihr von Herzen vergeben. Als ich so die Würmer bei ihr sah, da mußte ich an
den Bericht der Schrift von der Krankheit des Herodes denken. Die Frau des
Hausmeisters in dem Frankfurter Wohnhaus, die auch mit an der Anzeige
beteiligt war, ist nicht lange danach in eine Anstalt für Umnachtete
eingeliefert worden und dort verstorben. Ja, unser Gott ist ein heiliger
Gott; Er läßt Seiner nicht spotten. Und er läßt die, die von ganzem
Herzen an Ihm sind, nicht zuschanden werden. Gottes Wege sind heilig Und
was Er tut, ist allezeit recht und gerecht. Laß Dir von Gott Dein Herz erforschen, auch Deine
Hintergedanken sagen, damit Er Dich auf ewigem Wege leiten kann. Die Zeit des Münchner Abkommens im Jahre 1938 Durch den Westwallbau ab dem Frühjahr 1937 ist für
die Bewohner der Grenzgemeinden mehr denn woanders die Frage aufgetaucht:
Bleibt es beim Frieden oder gibt es Krieg. Die Sorge um die Zukunft, die
Sorge um das, was da kommen kann, die Sorge um die eigene Sicherheit hat
bei Vielen zu einer Vorsorge geführt und sie zu bestimmten Handlungen
veranlaßt. Viele haben den Wohnort gewechselt und in einer anderen Gegend
Sicherheit gesucht. Andere wiederum haben von ihren Sachen, die nötigsten
und wertvollsten Gegenstände weggeschickt und sie bei Verwandten und
Bekannten in Obhut gegeben. In München wurde ja bekanntlich zwischen England -
vertreten durch Chamberlein -, und Frankreich - vertreten durch Daladier
-, und Italien - vertreten durch Mussolini, und Deutschland unter Hitler,
ein Vertrag geschlossen, der die sogenannte Sudetenkrise beendete durch
die Abtretung dieses Gebietes an Deutschland. Die drohende Kriegsgefahr
schien damit abgewendet und besiegt. Die damals gehegte Hoffnung, daß mit
dem Vortrag dem Frieden ein wertvoller Dienst geleistet worden st, hat
sich anders herausgestellt und was den Frieden anbelangt, sich als sehr
kurzfristig gezeigt. Die Schwester wußte davon und frug mich daher:
„Sag mal, liebe Schwester, was sagt denn der treue Herr zu dem Völkergeschehen
und was sagt Er denn zu den Vorbereitungen, die da und dort getroffen
werden. Hat Er eigentlich zu Dir schon etwas gesagt, was Du tun sollst?
Was sollen wir denn tun, und was macht ihr denn in dieser Lage?" Mit
dieser Schwester kniete ich dann nieder und betete mit ihr zu unserem
treuen himmlischen Vater. Wie ein Kind frug ich meinen Vater: Da bekam ich ganz klar und deutlich die Antwort: „Du Mein geliebtes Kind, ihr braucht noch nicht ein
Taschentuch einzupacken, viel weniger braucht ihr eure Koffer packen. Ihr
bleibt hier in eurer Heimatstadt. Er steht wohl sehr schlimm; aber
Ich will noch ein Jahr zusehen, ob man der Bußrufe, die da und dort verkündet
werden, achtet, hört und danach tut. Doch denke daran: Aufgeschoben ist
nicht aufgehoben'. Ja, noch ein Gnadenjahr will Ich dazu geben. Hört und
achtet man der Bußrufe nicht, dann wird es so kommen wie ihr es jetzt befürchtet
habt." Kurz vor Kriegsausbruch
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Aktualisiert
am: 02.12.2008 - Home