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Reise nach Hanoch 5
Santa Isabel, 3. August 2010
Meine lieben Freunde und Geschwister,
Friede sei mit Euch!
Seit meinem letzten Bericht sind nun schon wieder fünf kurze Monate vergangen. Selbst in der Abgeschiedenheit rennt einem die Zeit buchstäblich in Riesenschritten davon, aber die Zeit ist ja je länger je mehr, wie auch die Distanz, kein Faktor, der zählt. Diese Zeit habe ich aber trotzdem schreibend zugebracht, wie alle diejenigen wissen, welche schon einen Blick in meinen Blog (Webseite) gewagt haben. Diese Schreiberei hat unweigerlich auch etliche E-Mails hervorgerufen, welche ebenfalls alle in Liebe und Ruhe bearbeitet sein wollten.
Ein und ein halbes Jahr ist inzwischen ins Land gezogen, seit ich hier in diesem Chácara lebe. Einst dachte ich, fernab des Weltengetriebes, abgeschieden, so quasi als Einsiedler im Aussenleben zu leben und gleichzeitig ein vom Geist Gottes mehr und mehr erfülltes Innenleben zu haben, das sind die Insignien des wahren Lebens, das es zu erreichen gilt. Jetzt nach einem Jahr kann ich eine kleine, ganz private Bilanz ziehen und erkennen, was von diesem Traum sich realisiert hat. Hat sich die Reise gelohnt? Würde ich diesen Neuanfang noch einmal machen?
Im zweiten Teil dieses Berichtes werde ich darauf zurückkommen. Aber eines sei vorweg genommen: Das Innenleben hat eine so reiche Erfahrung gemacht und die anfängliche Vorstellung als ich das Berufsleben aufgegeben habe, sind weit mehr als nur erfüllt worden! Was das Aussenleben, also das weltliche Leben betrifft, habe ich eine äusserst interessante Erfahrung machen können, die ich nicht für möglich gehalten habe. Aber, wie gesagt, etwas weiter unten werde ich darauf zurückkommen.
Nilce, eine praktische Frau
Nilce ist, wer kann das bezweifeln, die wichtigste Person in meinem Umfeld. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt in und mit der Aussenwelt, dem Aussenleben. Wie gut es da ist, eine wirklich sehr praktische Frau zu haben, erfahre ich fast täglich. Wie schon einmal kurz beschrieben, ist sie das zehnte von vierzehn Kindern, die auf einer großen Fazenda (Riesenbauernhof) aufgewachsen ist, fernab einer jeglichen Stadt mit allen ihren vermeintlichen Annehmlichkeiten. Fernsehen kannte man nicht, ein Auto auch nicht und den ganzen Zirkus des leichten Lebens schon gar nicht. Nebst der Schule lernte sie aber alles auf dem Hof, vom Zäune erstellen über Kühe melken bis zum Gebrauch der Maurerkelle. Bei all diesen für eine Frau notwendigen Kenntnissen fehlten aber auch jene für das Nähen, das Kochen und alle anderen Arbeiten im Haushalt nicht. Von all den praktischen Begabungen und Fähigkeiten konnte ich mich nun über ein Jahr lang zu meiner vollsten Zufriedenheit überzeugen. So möchte ich ein kleines, nettes Geschichtchen zum Besten geben.
Eines Tages waren wir zusammen unten beim Gästehaus und sie gab mir den Auftrag, einen Schlüssel aus ihrer über alles gehüteten Handtasche zu holen. Während ich nun vom Haupthaus zum Kiosk hinaufstieg überlegte ich mir, wie ich das anstellen sollte. Die Handtasche einer Frau ist das innerste Geheimnis einer Frau selbst. Man sagt ja, willst Du das Herz einer Frau ergründen, so blicke in ihre Handtasche. Ich will aber ihr feminines Mysterium wahren, will nicht wissen, was sie alles so mit sich herumschleppt. So hoffte ich, dass ich mit zwei Fingern den gesuchten Schlüssel raus fischen kann, der sicher oben aufliegen wird. Bei der Handtasche angekommen, die an einem Nagel hing, stellte ich sie auf den Tisch und staunte nicht wenig ob ihrem Gewicht. Nun wunderte es mich nicht mehr, warum diese Tasche einen so dicken Bauch hat. Woran liegt das? Am Geldbeutel? Nein, diesen Gedanken verwarf ich schnell wieder. Warum denn alles in der Welt sucht sie immer so lange, wenn sie dieser Tasche etwas entnehmen will? Nun, alle diese Fragen helfen mir ja nicht weiter und so zog ich den Reisverschluss, blickte in eine andere Richtung und versuchte mit Daumen und Zeigefinger den Schlüssel hervor zu klauben. Aber statt den Schlüssel zu fühlen stach es mich in den Daumen. "Oh verflixt! Was ist denn das?" Nach den physikalischen Gesetzen muss das Schwere sich ja auf dem Grund befinden, das Leichte oben. Und ein Schlüssel ist ja beileibe nicht schwer! Aber oben ist der gesuchte Schlüssel nicht. Ich begann mit dem Zeigefinger ein bisschen zu wühlen um Tiefe zu gewinnen und dann – schon wieder: es sticht mich in den Zeigefinger! "Nein das darf nicht wahr sein!" Heroisch begann ich Gegenstand um Gegenstand zu befühlen, aber etwas ähnliches wie einen Schlüssel fand ich nicht bis – es mich ein drittes Mal sticht. "Au! Nein, das kann nicht sein!" Hat sie mich in eine Falle gelockt? Nein, sowas! Ich schaute zu ihr hin, ob sie etwa selbst komme, den verlangten Schlüssel zu holen, aber nein, sie hantierte etwas und achtete mich nicht. Kurzentschlossen nahm ich die Handtasche, kehrte sie um und leerte den Inhalt auf den Tisch und fischte den gewünschten Schlüssel heraus, welcher nun oben lag. Aber den Türschlüssel. Denn neben ihm gab es neben vielen, vielen Utensilien eine reiche Fülle von einem kleinen Schraubenschlüssel, Schrauben, Dübel, und eben die spitzen Nägel und Agraffen. Nun, alles schnell wieder da hinein und die Werkzeugtasche fein säuberlich verschliessen, denn schon tönt es "Wo bleibst du?". Ich hängte die Tasche wieder an den Nagel, verbiss mir durch mit Autosuggestion angelernte Selbstbeherrschung ein Lachen und dachte mir, dass nur die Nägel, nicht aber Bemerkungen spitzig sein dürfen und händigte ihr den gewünschten Schlüssel aus mit der Anmerkung: "Es hat keine Milch mehr im Kühlschrank!".
Ein andermal überzeugte sie mich mit Ihrer angeborenen Gabe zum Improvisieren. Bei der Garageneinfahrt beim Gästehaus gibt es ein Plastikfass für das Auffangen des Regenwassers. Dieses Wasser brauche ich für das Begiessen der Blumenrabatten und die Zubereitung des Pflasters, um die Fugen der Pflastersteine abzudichten, denn der ganze Platz sollte ja dicht versiegelt sein, damit kein Wasser mehr eindringen kann, denn nur so ist die Gewähr gegeben, dass der Platz nicht wieder und weiter absackt. (Siehe Bild im Blog, Seite 'Hanoch'). Also, dieses besagte Fass bekam plötzlich einen feinen Haarriss und das Wasser begann auszulaufen. Damit wurde das Fass nutzlos. Ich überlegte mir, wie dieses auf die Schnelle zu reparieren war. Zwar existiert Leim für Kunststoffe, aber dieser verdient das Prädikat "haftend" nicht, wie alle übrigen Leime auch nicht. Ausserdem ist die leimende Stelle nass und das Wasser ausschütten wollte ich nicht, da man nicht weiß, wann es das nächste Mal wieder regnet. Also rief ich meinen 'Ingenieur der guten Einfälle'. Sie kam, sah und siegte, indem sie zwei Meter neben dem Fass mit dem Zeigefinger in ein Loch in der Wand griff und einen Finger voll wilden Honig entnahm, die schadhafte Stelle des Fasses bestrich und – das Problem war gelöst. Noch heute, vier Monate danach, hält der Bienenhonig das Fass weiterhin dicht!
Rosca als Fluglehrer
Alle auf dem Hof haben so ihre Stärken und Schwächen. Rosca, zum Beispiel, unser Hund, oder besser gesagt unsere Hündin, wie sich definitiv herausgestellt hat, sinnt sich immer wieder neue Flausen aus. Der neueste Spass besteht darin, andere zu erschrecken. So rennt sie von hinten, absolut lautlos so nah an einem vorbei, dass ihr Fell knapp, aber spürbar am Bein vorbeistreicht. Ich glaube sie dann immer Lachen zu sehen, wenn ich erschreckt rufe "Heee Rosca, was soll das!" Als dann aber dieser Spass mit mir für sie nicht mehr steigerungsfähig war, versuchte sie es mit den Hühnern. Diese wurden derart überrascht, dass sie im Schreck das Heil im Fliegen suchten. So legen sie mittlerweile einen bilderbuchhaften Senkrechtstart hin und es ist unverkennbar, dass sie die Lust am Fliegen gepackt hat. Die Folge davon? Es gibt keine Mauern und keine Zäune, die sie hindern, die zartesten Salatblätter im Fluge zu finden! Sie überfliegen mittlerweile jedes Hindernis ohne abzusetzen, den Vögel gleich.
Im Weiteren gibt es von unseren Tieren noch zu berichten, dass ich die Schafe verkauft habe. Ein Nachbar hat sie übernommen, und manchmal bringt er sie wieder um zu hüten, wenn er auf Reisen geht. Dass der Schafstall leer wurde, kam unserem Herr Walter eben gerade recht.
Herr Walter
Wie ich nun ein Jahr Brasilien hinter mich gebracht habe, so war es Zeit, Bilanz zu ziehen. In meinem materiellen Umfeld habe ich alles auf das allernotwendigste reduziert. Mein Zimmer ist an Einfachheit nicht zu überbieten – wie ich glaubte und mein Essen ist weit weg vom einstmaligen Gourmet-Genuss, ist ebenfalls auf das einfache Überleben des Leibes ausgerichtet. Bier und Wein ist dem Wasser, Tee und Milch gewichen. Dass ich dabei über zwanzig Kilo an Gewicht verloren habe, ist nur ein angenehmer Nebeneffekt, weit wichtiger ist, dass das, was übrig blieb, absolut gesund und beschwerdefrei wurde. Mein Körper ist uneingeschränkt zufrieden mit Gemüsesuppe und dem selbstgebackenen Brot. Nur gelegentlich meldet sich das Verlangen nach einer gebratenen Kalbsbratwurst oder einem deftigen Cervelat-Salat. (Jeder Schweizer, der sich für einen Aufenthalt bei uns anmeldet, bekommt die Auflage, je ein Paar mitzubringen. Den nächsten Cervelat gib's im Oktober!) Nun, also im Großen und Ganzen ist der Paladar überwunden. Paladar ist portugiesisch und bedeutet Genusssucht. Aber wie gesagt, es gibt nicht nur Gemüsesuppe und Brot. Viel frische, rohe Milch, selbstgemachte Konfitüre, welche zwar fast mehr verschenkt als selbst gegessen wird, Marmorkuchen aus der Konditoreiecke unserer Küche, Pizzas auf dem Steinteller und natürlich sehr viel Gemüse und Salate. Ganz selten gibt’s Fleisch, und gerade jetzt im August, haben wir einen fleischlosen Monat.
Nun, wie ich mir also diesen vermeintlichen Fortschritt in der Einfachheit so überlegte, beschlich mich ganz leise ein bisschen Stolz. Natürlich wusste ich, dass Stolz nicht das Ding ist, das uns in der seelisch/geistigen Reife weiterbringt. Bevor nun dieser leise Stolz zum Hochmut avancieren konnte, vernahm ich die innere Stimme: 'warte, Ich will dir zeigen, was Einfachheit ist'!
Einige Tage danach läutete es am Portal und ein schwarzer Mann aus dem heißen, hohen Norden begehrte Einlass. Er war etwa fünfzig Jahre alt, hatte einen Schnauz wie nur wenige Brasilianer, war mittelgross und kräftig, etwas salopp gekleidet mit kurzer Hose und einem nicht mehr neuen, abgetragenen Leibchen. Er erzählte dann, dass sein Neffe der Caseiro (der Bewohner und Hauswart) des angrenzenden Chácaras, und etwas weiter entfernt sein Bruder der Caseiro eines anderen Chácaras sei. Beide hätten nicht Platz für ihn zum übernachten. Er sei nun mit dem Bus drei Tage aus dem Norden hergereist und suche Arbeit, da es diese in seiner Heimat nicht gäbe, habe er doch Frau und drei Kinder. Von seinem Neffen und unserem Nachbar kannte er natürlich unsere Begebenheiten und meinte, dass er nicht ein Zimmer, sondern sonst eine Möglichkeit begehre, wo er am "Schärme" seine sieben Sachen unterbringen und schlafen kann. Nilce machte ihm dann, selbst ein bisschen beklommen, den Vorschlag, dass eben der Schafstall frei geworden sei. "Nemhum proplema", meinte er und willigte ein. Auf die Frage, was dieser Schafstall denn im Monat koste, (ich hielt mir innerlich die Ohren zu!) meinte Nilce, "hundert Real oder an drei Samstagen im Monat für uns arbeiten." Ich schluckte leer, sagte aber nichts, da ich die Gepflogenheiten und Sitten in dieser Beziehung zu wenig kenne, wurde aber sichtlich rot im Gesicht. Für Walter war dieser Vorschlag mehr als recht, etwas anderes habe er auch nicht erwartet.
Walter, er wurde dann für mich ein Vorbild im einfachen Leben, nannte ihn nicht einfach so ordinär 'Walter', sondern 'So Walter', was soviel heißt wie 'Herr Walter'. Das machte mich ihm auf der Stelle zum Freund.
Zwei Tage lang hat er den Stall gereinigt und ihn dann wohnlich eingerichtet, eine alte Schale einer Telefonkabine zur Badewanne umfunktioniert, Licht installiert – und immer war ein Lächeln in seinem Gesicht. So hat er mich gelehrt, was es heißt, einfach zu leben und trotzdem glücklich und zufrieden zu sein.
Zwei Monate blieb er, und da er keine Arbeit gefunden hat, blieb ihm leider nichts weiter, als wieder zurück zu reisen zu seiner Familie. Für mich hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Die Stadt Hanoch
Mancher meiner lieben Freunde hat sich schon gefragt, weshalb mein Reisebericht wohl "Reise nach Hanoch" heißen möge. Hier wollen wir dies ergründen. Hanoch war eine Stadt, die nach alter Überlieferung auch einen anderen Namen hat: Atlantis, die versunkene Stadt. Der Name Hanoch stammt aus den drei Bänden "Die Haushaltung Gottes", eine Kundgabe über die Zeit von Adam bis Noah, was einer Zeitspanne von ungefähr tausend Jahre entspricht. Adam und die noch gottesfürchtigen Bewohner der damaligen Erdbevölkerung wohnten 'auf der Höhe' in der erweiterten Region des heutigen Kaspischen Meeres. Die Bewohner Hanochs, die weniger Gottesfürchtigen, wohnten in eben dieser Stadt, in 'der Tiefe'. Hanoch umfasste die eigentliche Stadt mit etwa zwanzig Millionen Einwohnern und dazu noch zehn Vorstädte, die kulturell und wirtschaftlich mit der Stadt Hanoch zusammen gewachsen war. Hanoch war, wie später Sodom und Gomorrha, der Inbegriff der Sünde, Aristokratie, teilweise der Diktatur, des Krieges und der Missbrauch der Natur, was später dann zur Sintflut und dem Untergang der Stadt führte.
Nicht umsonst lesen wir im Luk 17,26 ff: "Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: sie aßen, sie tranken, sie freieten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging, und kam die Sintflut und brachte sie alle um." Viele Menschen 'aus der Höhe' machten sich auf, Hanoch zu besuchen um zu missionieren, und alle, bis auf sehr wenige, wurden von Hanoch verschluckt, das heißt, sie lernten die Sünde lieben, blieben in dieser Stadt und vergassen das Gottesfürchtige Leben. Wenn ich nun von Hanoch schreibe, so meine ich die Stadt São Paulo in Brasilien. Ähnlich wie Hanoch, hat auch São Paulo zehn bedeutende Vorstädte mit alles in allem etwa vierzig Millionen Einwohnern. Das urbane Stadtgebiet umfasst etwa vierzig mal vierzig Kilometer und stellt die dritt- bis viertgrösste Stadt der Welt dar. Vor vielen Jahren wohnte ich schon einmal während zweier Jahre im Zentrum dieser Südamerikanischen Metropole und kenne das Treiben und Walten sehr gut. Heute jedoch sehe ich SP mit ganz anderen Augen. Damals freute ich mich über den Betrieb, das 'Leben' in den Strassen, die Strassenhändler, den Überfluss an materiellen Gütern, kurz: Hanoch war meine Stadt. Nun aber, nachdem ich das wahre Leben kennengelernt habe, kann mich Hanoch nicht mehr reizen. Im Gegenteil, die einstige Zuneigung ist dem Eckel gewichen. Die vielen verwahrlosten Menschen, darunter viele Kinder, die auf der Strasse lebten, Die 'Sündendistrikte', ganze Strassenzüge in der Innenstadt, die sich Samstagnachts mit tausenden von Schwulen füllen, das Blut, das in den Strassen fliesst, geben mir heute ein ganz anderes Bild. Mit dem Blut auf der Strasse meine ich nicht nur die immense Kriminalität, sondern vor allem die jährlich 1,4 Millionen vorgeburtliche Kindstötungen, die vor allem auf ein offensichtliches Leben in vollster Freizügigkeit zurückzuführen ist (Die Zahl ist auf das ganze Land bezogen). Neun-, zehn- und elfjährige Mädchen, die von den Eltern auf den Strich geschickt werden, erzählen Bände!
Nicht nur die sittliche Moral ist völlig aus dem Ruder gelaufen, auch die Politik ist unter der Fuchtel von Korruption, Gericht und Gerechtigkeit stehen nur für die Reichen offen, ebenso Gesundheits- und Bildungswesen. Will man den Überlieferungen glauben, so war Hanoch im Vergleich zu SP noch ein halbes Paradies.
Da ich mich in dieser Region auch nach geistigen Brüder und Schwestern umgesehen habe, so habe ich bald erkannt, dass es relativ viele bekehrte Seelen gibt, die sich auch zum Glauben bekennen. Aber man sieht dann beim näheren Hinsehen sofort, dass es genau so wie in der Schweiz auch, Menschen sind, die zwar den Namen Jesus Christus bekennen (und dadurch auch gerettet sind!), aber, die einen mehr, die anderen weniger, die Welt immer noch liebhaben. In Santa Isabel (auch zu Gross-São Paulo zugehörig) habe ich nun eine kleine Gruppe gefunden, der dieses Problem bewusst ist.
"Die Welt überwinden" ist ein Postulat Jesu. Warum man die Welt überwinden soll, kann man erst begreifen, wenn man die Welt wirklich überwunden hat. Das ist die Schwierigkeit. Einem Weltmenschen zu erklären, warum er eben der Weltliebe absagen soll, ist beinahe unmöglich, er würde das nie verstehen. Dieses Unmögliche habe ich bald einmal eingesehen, und habe mich dann gefragt, was denn die Weltliebe eigentlich ist und bin dann zu einem für mich eigenartigen Schluss gekommen, welcher eben, wie schon gesagt, eingefleischte Weltmenschen kaum nachvollziehen können. Die Welt ist das eigentliche Aussenleben, das Leben außerhalb des Seelenlebens. Dazu gehört der Körper, das Fleisch. Die ganze Weltwirtschaft mit allem Drum und Dran, Politik, Militär, Gesundheits- und Bildungswesen, kurz, das ganze System steht im alleinigen Dienst des menschlichen Leibes. Alles existiert nur deshalb, weil jeder Mensch für seinen Körper nur das Beste, Gesündeste, Bequemste und das Dienlichste möchte. Alle Begierden, alle Bedürfnisse kommen aus dem Leib und die Seele hat dann den ganzen Tag und oft auch die ganze Nacht nichts anderes zu tun als sich um die Erfüllung aller leiblichen Wünsche zu sorgen. Es ist ein Teufelskreis im wahrsten Sinne des Wortes. Obendrein werden in Europa politisch die Zwänge geschaffen, alle Sorgen und Vorsorgen im Leben einzubeziehen.
Die ganze Wirtschaft, das gesamte System steht und fällt mit den unkontrollierten leiblichen Wünschen, Bedürfnissen und Begierden. Dabei ist es die Aufgabe der Werbeindustrie, diese leiblichen. Bedürfnisse und Begierden zu wecken und zu entfesseln. Das Fernsehen ist dabei die grösste Macht, die manipulierbare Menschenmasse in die gewünschte (Meinungs-) Ecke zu drängen. Wer die Kraft nicht aufbringt, gegen diese Macht des Fernsehens und der anderen Massenmedien zu widerstehen, hast niemals die Möglichkeit, das eigene Fleisch jemals zu überwinden und frei zu werden. Nicht nur sich von den systemischen Zwängen freizusetzen, sondern vielmehr von den Geistigen Mächten, die einzig und allein nur durch und mit dem eigenen Fleisch wirksam sind.
Gibt es einen Ausweg? Ist es nicht ein bisschen billig, einfach zu glauben "Trachte nach dem Reiche Gottes, dann wird dir alles zufallen", und das Problem ist dann gelöst? Kann man diesen Teufelskreis in der Tat durchbrechen und das in der heutigen Zeit?
Man kann. Das Problem dabei ist nicht die "Welt", nicht das manipulierende Fernsehen, nicht die politischen Zwänge und nicht die tägliche Arbeit, der wir nachgehen, kurz: nicht das System. Das Problem ist einzig unser Leib mit allen seinen Wünschen und Bedürfnissen. Diese Bedürfnisse sind stets und ausnahmslos immer ein ganz klein bisschen grösser als der momentane Inhalt des Geldbeutels. Der moderne Mensch gleicht dem Esel (entschuldige diesen Vergleich!), dem der Hafersack einen halben Meter vor das Maul gebunden wird. Er läuft immer schneller, vergisst die angehängte Last und sieht nichts mehr als nur diesen Hafersack, bis er mit einem Herzinfarkt zusammenbricht.
Gelingt es uns, alle Bedürfnisse, einmal vom einfachen Essen und Kleider abgesehen, abzulegen, so entbinden wir uns dem obigen Hafersack und leben mit fast nichts, immer im Überfluss, wie ich schon im letzten Hanoch-Brief erwähnt habe.
Also, die Weltliebe ist immer die Liebe des eigenen Fleisches. Eine Bekehrung zum Glauben mit Jesus nützt nicht viel, wenn wir "das Fleisch" nicht überwinden, denn die Sorgen und die eigenen und unnötigen Wünsche können wir auch mit dem stärksten Glauben so nicht ablegen. Ein Leben im Geist ist nur möglich, wenn wir alle Wünsche des Leibes willentlich, bewusst, konsequent und kompromisslos abtöten. Eine munzig-kleine Annäherung zu diesem Punkt habe ich in dem vergangenen Jahr erfahren dürfen. Erst nach und nach war es mir zu erleben vergönnt gewesen, was der "Gegenwert", um es ein wenig profan auszudrücken, eigentlich dann darstellt, nämlich der wachsende Geist Gottes und damit das erwachende Innenleben. Als Weltling konnte ich mir ein sogenanntes Innenleben nicht vorstellen, wusste nicht, was das sein sollte. Schön langweilig! Klar, ich konnte mir nicht ausmalen, dass erst das geistige Innenleben das materielle Aussenleben bestimmt! Und weil ich nicht begreifen konnte, dass die selbstlose Liebe die Basis für ein glückliches materielles Leben ist, bin ich diesem auch immer mit viel Aufwand, aber erfolglos, hinterher gerannt.
Dabei wäre es so einfach. Die wahre Liebe, die Göttliche Liebe, kommt nie aus der menschlichen Seele, sondern immer aus dem Geiste Gottes in der Seele. Wenn der Geist Gottes wächst, wächst auch die Göttliche Liebe zu Gott und daraus zu den Mitmenschen. Damit dieses Wachstum des Geistes in Gang kommt, muss jedoch zuerst die Seele vom Materiellen gereinigt (geheiligt) werden. Dies geschieht aber nicht von heute auf Morgen, es ist ein langer, harter und teilweise zermürbender Prozess, der viel Selbstüberwindung erfordert. Aber das Ziel wird mit jedem kleinen Fortschritt immer deutlicher und erstrebenswerter: Das Eins werden mit der allesumfassenden Liebe, die auch das eigentliche Leben darstellt. In dieser Sicht verblasst plötzlich das Vergängliche, das Unwirkliche und es lösen sich Krankheiten und andere Kalamitäten ins Nichts auf: man erkennt sich als Teil eines zusammenhängenden und harmonierenden Ganzen. Die Quelle dieser harmonisierenden Kraft erkennt man dann als innere, innenwirkende, lebenspendende Kraft. Alle anderen Kräfte, materieller oder geistiger Art, die von Aussen wirken, verblassen ebenfalls. Diese innere Energie, diese Macht ist der Christus, der Geist Gottes. Kein Krishna, kein Buddha und kein Mohammed, nur der innewohnende Christus Jesus kann dieses unteilbare Leben leben. Da es nur einen Gott gibt, gibt es auch nur einen Geist, und wir alle sind Teil dieses einen Geists, darum, wenn wir Eins mit Christus (Geist Gottes) sind, sind wir auch Eins mit dem Mitmenschen, und in ihm, unserem Nächsten, erkennen wir wieder Christus Jesus.
Diese Erkenntnis durfte ich als Lichtgedanken vor einigen Monaten erhalten. Darauf ward ich gedrängt, die Gemeinschaft mit dem Geist Gottes ständig im Bewusstsein zu halten. Aber das funktionierte immer nur einen kleinen Augenblick, dann waren meine Gedanken wieder irgendwo und überall, nur nicht da, wo sie sein sollten. Darauf begann ich, jede volle Stunde kurz abzusitzen und kurz zu meditieren mit dem Gedanken, dass 'alle Arbeit, die ich gerade verrichte, nur einen ganz kleinen Zeitwert haben, sonst aber zu Nichts nütze ist. Das einzige, was Sinn macht, den Christus, die Göttliche Schöpferkraft als mein stetiger Begleiter in meinem Bewusstsein zu haben'. Nun ging es immer ein bisschen besser, meine Gedanken flirteten weniger mit dem Vergänglichen. Wie freute ich mich dann, als vor etwa zwei Wochen die neuesten Kundgaben von Helga eintrafen, als ich in der ersten las:
" … Ich bin allezeit bei euch, in euch, und eigentlich bräuchtet ihr nicht mit Worten oder Gesten zu beten. Doch manchesmal ist es gut für den Nächsten zu sehen, daß gerade die Einkehr und die Konzentration auf Mich eine tiefere Verbindung bewirkt. Doch wie Ich schon sagte durch Meinen Knecht, was geschieht in der Meditation, nach der Meditation: Seid ihr allezeit bei Mir, oder kann Mein Mägdlein ein Lied davon singen, wie schnell es geht, außerhalb Meines Bewußtseins zu sein? Doch ihr sollet lernen, Mich beständig im Bewußtsein zu halten, so daß ihr zum Schluß eins seid mit Mir in all euren Taten und Handlungen, in euren Gedanken, in euren Wünschen und Hoffnungen, die Ich dann in euch hege und in euer Herz lege."
Das war eine Bestätigung!!
Ja, meine Lieben, ich habe nun einfach 'frisch von der Leber weg' geschrieben, was sich in meinem Aussenleben und auch in meinem Innenleben so tut. Nun bleibt mir noch
einen Gruss nach Holzach zu senden. Am nächsten Wochenende findet bei Euch, Gerhard und Barbara, wiederum das Geschwistertreffen statt, das ich sehr gerne auch besucht hätte. Doch die physische Distanz hindert mich nicht, wenigstens geistig bei Euch zu sein. Ich weiß, dass ihr alle Christus stets im Bewusstsein habt, ihr also Eins mit Ihm seid, und dadurch auch untereinander Eins seid. So sind wir – ob fern oder nah – geistig einmütig beieinander und dürfen alle dem verheissenen Segen unseres Bruders und Vaters Jesu teilhaftig sein!
In eigener Sache
Den Blog "Nachfolge Jesu" möchte ich empfehlen, und auch die Gelegenheit, Kommentare zu schreiben. Uber einen Gästebucheintrag würde ich mich freuen … Du findest in dieser Webseite ausserdem viele Fotos vom Chácara und auf der Seite "Hanoch" Bilder zu den Reiseberichten.
Die Adresse lautet: http://jesus-ist-in-uns.blogspot.com/
Einladung
Wieder möchte ich die Einladung für Besuch und Ferien erneuern, wir haben genügend Platz, Nilce ist immer noch fleissig am Deutsch lernen und freut sich auch auf Besuch aus Europa.
Bis zum nächsten Mal wünsche ich allen Gottes reichen Segen
und verbleibe
mit offenem Haus und Herzen
HansK