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Wo
kam das Böse her?
Gerd Kujoth 
Inhaltsverzeichnis
1. War Gott
der Ursprung des Bösen?
2. Der freie Wille der Geschöpfe als Ursprung des Bösen
3. Wird in den Offenbarungen durch J. Lorber gesagt, daß das Böse
von Gott
stamme?
4. Die gerechten und ungerechten Gegensätze
5. Die Wirkung der Gegensätze
6. Mit welcher Gegenkraft erschuf Gott die Geschöpfe?
7. Wurde Luzifer als unlauterer Geist erschaffen?
8. Wodurch bekamen die Geschöpfe einen freien Willen?
9. Der gegengesetzliche Reiz
10. Die Kräfte Eigenliebe und Hoheitsgefühl
11. Das Maß der Eigenliebe
12. Der Kampf des Demutsgefühls gegen das Hoheitsgefühl
13. Der Kampf der reinen Liebe gegen die Eigenliebe
14. Der Ursprung des Reizes zur Widerordnung
15. Das Gute und Böse kommt von Gott
16. Vor Gott gibt es nichts Böses
1. War Gott der
Ursprung des Bösen?
Jemand zweifelte die Existenz des Teufels an und begründete das
folgendermaßen: „Die Vorstellung von der Existenz eines Teufels
verdanken wir dem Christentum und einigen anderen Religionen. Dann gab
es aber auch Religionen, die keinen Teufel kannten. In ihnen gab es
viele Götter und diese beinhalteten jeweils das Gute und das Böse.
Shiva (eine indische Gottheit) beispielsweise ist Schöpfer und Zerstörer
gleichzeitig. Irgendwann kamen die Menschen auf den Gedanken, daß nur
ein Gott existiere und daß dieser der Schöpfer und ausschließlich gut
sei. Da in diesem Fall jemand hermußte, dem man das offensichtlich
ebenfalls in der Welt vorhandene Böse in die Schuhe schieben konnte,
entstand das Bild eines Teufels.
Das führte schon
immer zu Problemen in der Logik. Entweder ist Gott alles und hat alles
erschaffen, dann hat Er auch das Böse erschaffen. Das würde dann aber
dem wider- sprechen, daß Er nur gut ist. Wenn Er aber nur gut ist, kann
Er das Böse nicht erschaffen haben. Wo kommt es dann her? Da nahm man
die Theorie zu Hilfe, daß Gott dem Menschen den freien Willen gegeben
hat und daß es die Aufgabe eines jeden Einzelnen sei, dem Bösen zu
widerstehen. Damit wird aber an Gottes Allgewalt gekratzt. Denn da es
laut Christentum nichts geben kann, was nicht von Gott geschaffen wurde,
so müßte Er sowohl den freien Willen des Menschen, als auch den Teufel
erschaffen haben, dem zu widerstehen ist. Aber als guter Gott konnte Er
den Teufel nicht erschaffen haben. Ist Ihm da etwa mit der Schöpfung
etwas schiefgelaufen oder hat Er gar gepfuscht? Dann wäre Er kein
perfekter Gott.“
Auch Mahal, der
Bruder Noahs kam mit diesem Problem nicht klar und machte dem himm
lischen Vater den Vorwurf, Er habe den Satan böse erschaffen. Der Herr
aber gab ihm zur Antwort: „O du blinder Verfechter blinder Rechte
deiner Selbstsucht, was redest du?! Hast du denn vergessen, wie
vollkommen Ich den Menschen geschaffen habe, daß er außer Meiner
Allmacht tun kann, was er will, wie ein zweiter Gott, nach einer frei
von ihm gestellten Ordnung?! Meinst du, der Satan als ein freies Wesen
solle unvollkommener sein als du?! Wenn du Mir gegenüber tun kannst,
was du willst, ohne Berücksichtigung Meiner Ordnung, solle das dem
freien Geiste unmöglich sein?! Muß Ich euch nicht handeln lassen, wie
ihr wollt, so Ich euch nicht gerichtet haben will in Meiner Allmacht?!
Wenn aber also, da sage du, wie Ich den ersten Geist hätte gestalten
sollen, daß er nach deinem Sinne handeln müßte in Meiner Ordnung,
dabei aber dennoch haben solle eine vollkommene Willensfreiheit?! Oder
besteht die Vollendung der Wesen nicht in dem nur, daß sie ganz frei
wollen und tun können, – ob es nun für oder gegen Meine Ordnung
ist?!“ (3.HG 339,13-15)
2. Der freie Wille der Geschöpfe als Ursprung des Bösen
Wir sehen aus der Antwort des Herrn, daß auf die Frage, wo das Böse
ursprünglich herkam, mit der Freiheit geantwortet werden kann,
die Gott Seinen Geschöpfen gegeben hat. Der Denkfehler des Zweiflers an
der Existenz des Teufels war, daß Gott nicht fertige Teufel erschaffen
hat, sondern den erstgeschaffenen Geistern bereits schon den freien
Willen gab, demzufolge sie sich Gott widersetzen und zu Teufeln werden
konnten. Ein Geschöpf, das frei ist, hat die Möglichkeit, die Gebote
Gottes zu beachten oder ihnen entgegenzuhandeln. Aber trotzdem viele der
ersten Geschöpfe den Geboten Gottes entgegenhandelten und zu Teufeln
wurden, hat Gott kein Pfuschwerk erschaffen, sondern Er erschuf sie
vollkommen. Eines aber konnte Er ihnen bei ihrer Erschaffung nicht
geben, und das ist die freie Selbständigkeit der Gotteskindschaft.
Diese kann nur von jedem Wesen selbst erworben werden und zwar infolge
einer langen Erziehung durch den himmlischen Vater.
Wo Freiheit
herrscht und die Selbständigkeit erworben werden soll, dort muß es
auch möglich sein, entweder vorwärtszuschreiten und immer gottähnlicher
zu werden oder aber rückwärts zu gehen, sich von Gott zu entfernen und
ein vollendeter Teufel zu werden. Aus Freiheit, Selbständigkeit und
Vervollkommnung, die Gott Seinen Geschöpfen mitgegeben hat, ist
das Böse hervorgegangen. Erstmals entstand das Böse in dem erstgeschaffenen
Geist Luzifer, als er sich von Gott abwandte und Seinem Willen entgegenhandelte.
Somit kommt das Böse nicht von Gott, und Er hat keines Seiner Geschöpfe
als ein böses Wesen erschaffen, denn Gott ist in Seinem Grundwesen die Liebe
und Liebe kann nicht böse, sondern nur gut sein. (Sg 17,10-17) Gott und das
Böse schließen sich somit gegenseitig aus.
Satan aber wollte
die Verantwortung für seine Bösartigkeit von sich schieben und Gott
dafür verantwortlich machen. Er behauptete, daß es entweder zwei Götter
gäbe, einen guten und einen bösen, von denen der eine das Gute und der
andere das Böse erschaffen habe, oder der eine gute Gott habe aus Sich
heraus Gutes und Böses erschaffen. Johannes aber bewies ihm, daß er
ganz allein selbst für seine Bösartigkeit verantwortlich sei und gab
ihm zur Antwort: „Da Gott allein Schöpfer aller Dinge ist und es außer
Ihm keinen Gott irgendwo gibt, so ist auch klar, daß alles, was aus
Seiner Hand hervorging, unmöglich anders als nur gut und vollkommen
sein konnte. Alle Geister gingen von Ihm aus so rein und gut, wie Er es
Selbst ist. Aber Er gab den Geistern die vollste Freiheit des in sie
gehauchten Willens, demzufolge sie alles tun konnten, was sie wollten.
Und um sie den
Gebrauch dieser Gaben zu lehren, gab Er mit dem freiesten Willen auch
durch Ihn Selbst geheiligte Gesetze, die sie entweder beachten oder auch
nicht beachten konnten. Und siehe, alle beachteten die Gesetze bis auf
einen! Dieser eine und erste, mit dem größten Erkenntnislichte begabt, verschmähte die Gesetze Gottes
aus seinem freien Willen heraus und widerstrebte ihnen, nicht achtend
der Folgen! Dieser Geist verkehrte sonach in sich die göttliche Ordnung
mittelst seines freien, ihm von Gott eingehauchten Willens. Auf diese
Weise ist er gegenüber jenen Geistern, die ihren ebenso freien Willen
nicht mißbraucht haben, widerordentlich geworden und für sich selbst böse
und schlecht. Und er mußte ich dann, durch sich selbst genötigt, von
der Gesellschaft (der Gott treu gebliebenen Geister) entfernen auf so lange, bis er nicht freiwillig
umkehren und eintreten wird in jene Ordnung die der Herr allen Geistern
gleich gegeben hat, nämlich die Ordnung der Liebe.
Gott und uns allen
nun rein himmlischen Geistern gegenüber aber kannst du als der
widerordentlich gewordene Geist unmöglich böse sein, da du uns ewig
nie schaden kannst. Böse und schlecht bist du nur gegen dich selbst,
weil du ganz allein nur dir schadest, solange du in deiner Widerordnung
verharrst. Du hast mich nun fangen wollen. Denn du meintest, ich werde
genötigt sein zu sagen, daß Gott auch Böses erschaffen habe, weil du
als ein böser Geist auch ein Geschöpf Gottes bist… Wohl wäre Gott
dann unvollkommen, so Er den geschaffenen Geistern nur einen gerichteten
und keinen vollkommen freiesten Willen hätte einhauchen können. Davon
lieferst aber du selbst den allermächtigsten Gegenbeweis! Denn wie
ungeheuer frei und vollkommen Gott alle Geister und damit auch dich
erschaffen hat, ist eben daraus am hellsten zu ersehen, daß du, obschon
kreuz und quer dem Außen nach gerichtet, dich doch dem Schöpfer
schnurgerade entgegen- stemmen kannst, solange du nur willst. Du kannst
aber auch ebensogut wie wir alle vollkommen frei nach dem Willen des
Herrn handeln! (BM 198,7-14)
3. Wird in den Offenbarungen durch J. Lorber gesagt, daß das Böse
von Gott stamme?
In Gott ist keine Bosheit und Er hat deshalb auch keine bösen Geschöpfe
erschaffen können, sondern Er erschuf sie gut und vollkommen mit
absoluter Willensfreiheit. Nun wird aber den von Jakob Lorber
empfangenen Offenbarungen vorgeworfen, es wäre in ihnen der Irrtum
vorhanden, daß Gott der Ausgang des Bösen gewesen sei. (UB Seite 34,
BD 8882) Aus den soeben zitierten Texten können wir bereits entnehmen,
daß in der Offenbarung durch Jakob Lorber ganz klar gesagt wird:
Das Böse entstammt
aus der Freiheit der Geschöpfe. Wir wollen aber im Folgenden die Texte
genauer betrachten, von denen schon manche gemeint haben, es stände in
ihnen geschrieben, das Böse entstamme von Gott und wollen sehen ob
diese Worte wirklich einen krassen Irrtum in sich bergen oder ob nicht
doch die volle Wahrheit in ihnen steckt. Da ist zuerst die folgende
Aussage Jesu aus dem großen Evangelium: „Sehet, alles, was da ist,
besteht und irgendein Dasein hat, kann nicht anders bestehen, sein und
irgendein Dasein haben, als durch einen gewissen beständigen Kampf. Ein
jedes Dasein, das göttliche nicht ausgenommen, hat in sich lauter
Gegensätze, als verneinende und bejah- ende, die sich einander stets
also entgegenstehen wie Kälte und Wärme, Finsternis und Licht, hart
und sanft, bitter und süß, schwer und leicht, eng und weit, breit und
schmal, hoch und nieder, Haß und Liebe, böse und gut, falsch und wahr,
und Lüge und Wahrheit.
Keine Kraft kann
irgend etwas wirken, wenn sich ihr nicht eine Gegenkraft
entgegenstellt.“ (2.GEJ 228,4-6) Auf den ersten Blick sieht es tatsächlich
so aus, als stände dort geschrie- ben, daß in Gott das Böse und Gute,
der Haß und die Liebe, die Lüge und Wahrheit und die Finsternis und
das Licht vorhanden wären. Wer aber den Text genauer liest, der wird
feststellen, daß nicht gesagt wird, das Böse und Gute sei in Gott
vorhanden, sondern daß Gegensätze in Gott sind, die sich so kraß
gegenüberstehen wie böse und gut. Auf das Wörtchen „wie“ kommt es
hier an, denn „wie böse und gut“ und „wie Lüge und Wahrheit“
ist keine Bewertung, daß Gott böse und gut sei, sondern soll nur die
extreme Gegen- sätzlichkeit deutlich machen, so wie böse und gut
extrem gegensätzlich ist. Wir sehen daraus, daß im Lorberwerk nicht
gesagt wird, in Gott wäre auch das Böse, der Haß, die Lüge und die
Finsternis. Das widerspräche der Neuoffenbarung selbst und der Bibel,
in denen Gott als die Liebe, die Wahrheit und das Licht bezeichnet wird.
4. Die gerechten und ungerechten Gegensätze
Jesus kam später noch einmal auf die Gegensätze zurück und stellte
klar, daß Gott nicht der Ursprung der Gegensätze wie „Wahrheit und Lüge“
sei. Er sagte: „(Es) dürften dir die Gegensätze, als da sind Geist
und Materie, Leben und Tod, Liebe und Haß, Wahrheit und Lüge, doch
schon einen kleinen Fingerzeig geben, daß alles das irgendeinen
Entstehungs- grund haben muß, ansonst es nimmer in irgendeine fühlbare
Erscheinlichkeit kommen könnte! Wenn das Böse nicht irgendeinen
Entstehungsgrund hätte, woher sollte es dann wohl kommen in den Sinn der Menschen? Du wirst daraus etwa doch bei
deiner geübten Denkkraft wahrzunehmen anfangen, daß sich alles –
wie: Wahrheit und Lüge und der- gleichen Gegensätze mehr – dem höchsten
und besten Gottwesen nicht in die Schuhe schieben läßt!
Oder kannst du das
annehmen, daß Gott, als die höchste, tiefste Wahrheit Selbst, dem
Menschen einen lügenhaften Sinn ins Herz gelegt hat, auf daß er dann sündige
wider die Ordnung Gottes und unflätig würde in allen seinen Reden und
Handlungen? Oh, das sei ferne! Gott schuf den Menschen geistig nach
Seinem Ebenmaße, also rein, wahrhaft und gut.“ (5.GEJ 70,1-3) In
allem, was existiert, stecken lauter Gegensätze, die sich wie die zwei
Pole eines Magneten gegenüber- stehen. Der eine sowie der andere Pol
eines Gegen- satzpaares gehört der Ordnung Gottes an, obwohl sie
schnurgerade wie Tag und Nacht entgegen- gesetzt sind. Schwer und leicht,
groß und klein, hoch und nieder, breit und schmal, hart und sanft,
Bewegung und Ruhe, Mann und Weib, Ja und Nein, Plus- und Minuspol usw.
sind gerechte oder göttliche Gegensätze, denn wer könnte von dem
Nord- oder Südpol sagen, daß einer von ihnen böse sei? (BM 74,11)
Oder ist die
Bewegung böse oder die Ruhe? – Es gibt aber auch Gegensätze, die
ungerecht oder ungöttlich sind. Gut und böse, Wahrheit und Lüge,
Liebe und Haß und Licht und Finsternis sind Gegensätze, von denen der
eine Pol gut und der andere böse oder schlecht ist. Gott ist wohl gut,
die Liebe, die Wahrheit und das Licht, aber Er ist nicht böse, der Haß,
die Lüge und die Finsternis. Diese Gegensätze gibt es nicht in Gott,
denn diese haben sich erst infolge der Freiheit der erstgeschaffenen
Geister und der Nichtbeachtung der Ordnung Gottes gebildet. Es heißt
also in der Offenbarung durch J. Lorber nicht, daß alle Gegensätze in
Gott seien, denn die ungerechten sind nicht in Ihm, es heißt aber, daß
lauter Gegensätze in Gott sind und das bezieht sich auf die gerechten Gegensätze.
5. Die Wirkung der Gegensätze
Gegensätze müssen sein, denn eine Kraft hätte ohne eine Gegenkraft
keine Wirkung und Gott hätte nie etwas erschaffen können. Um das
zu verdeutlichen, stellen wir uns eine Säule vor, die aufgestellt
werden soll. Damit die Säule einen festen Stand hat, muß sie auf einen
festen Boden gestellt werden, denn würde sie auf einen Sumpfboden
gestellt, so sänke sie in den Boden ein. Die Kraft - das ist das
Gewicht der Säule - braucht eine Gegenkraft, um fest stehen zu können.
Die Gegenkraft des Bodens, die eine ruhende Kraft ist, muß sogar größer
sein als die Kraft des Gewichtes, damit die Säule einen festen Stand
findet. Stellen wir uns einen riesenhaften Menschen vor, der so stark wäre,
daß er es mit einem ganzen Heer von Kriegern aufnehmen könnte.
Nun steht dieser
Riese auf einem Sumpfboden, der nur gerade soviel Festigkeit hat, soeben
das Gewicht des Riesen zu tragen. Sobald aber der Riese einen großen
Felsbrocken hochheben will, um ihn gegen seine heranstürmenden Feinde
zu schleudern, so wird er ihn nicht vom Boden aufheben können; denn in
demselben Moment wird er in den weichen Boden einzusinken anfangen und
seine Riesenkraft wird wirkungslos bleiben, weil er unter sich eine
zu geringe Gegenkraft hat. Steht der Riese aber auf einem felsigen
Boden, so gibt ihm dieser eine feste Stütze und er kann den Felsbrocken
mit aller Kraft gegen seine Feinde schleudern. „Wenn also ein Riese
die große Muskelstärke seiner Hände als wirksam darstellen will“,
sagt Jesus, „so müssen auch seine Füße einen sehr festen Boden als
eine notwendige Stütze haben.“ (5.GEJ 227,2)
„Es kann daher
keine Kraft für sich etwas wirken, wenn sie sich zuvor nicht mit einer
entsprechenden Gegenkraft in eine gewisserart kämpfende Verbindung
setzt. Bei unserem Riesen kämpft offenbar die feste Ruhe des Bodens
gegen sein Gewicht und gegen seine Bewegung (des Aufhebens und
Schleuderns) und besiegt diese auch bis zu einem gewissen Grade; und
ebendieser Ruhesieg des Bodens wird endlich zur Stütze der bewegenden
Kraft und der Maßstab ihrer Stärke.“ (2.GEJ 228,10) „Dieses Verhältnis
muß darum in allem, was da ist, im rechten Maße vorhanden sein,
ansonst es so gut wie gar nicht da wäre. („es muß darum jedes Sein
irgendein Gegensein haben, damit es selbst wirkend sei.“ 2.GEJ 229,1)
Und so muß denn auch das vollkommenste Dasein Gottes in sich selbst in
jeder Hinsicht auch die ausgebildetsten Gegensätze fassen, ohne die es
eben auch so gut wie gar kein Wesen wäre.
Diese Gegensätze
sind in einem ununterbrochenen Kampfe begriffen, aber stets also, daß
der stetige Sieg der einen Kraft auch stets zur Stütze der gewisserart
besiegten Kraft dient, wie wir solches gesehen haben beim steten Siege
des festen Bodens über die bewe- gende Schwerkraft unseres Riesen.“
(2.GEJ 229,2-3)Betrachten wir einige Gegensätze. Da ist ein Mensch, der
die Liebe zu seinen Nächsten mehr und mehr steigert, indem er für sie
immer tätiger wird. Er kann also immer liebevoller werden, während er
andererseits aber auch aus weisen Gründen einen Wunsch, wenn er ihm
gestellt wurde, versagen kann, wenn es dem Nächsten zum Schaden
gereicht. Das Versagen des Wunsches ist aber gut, weil es echte Liebe
zur Grundlage hat. Wenn das Versagen des Wunsches aber nicht aus Nächstenliebe,
sondern aus selbstsüchtigen Gründen geschieht, so kann der Mensch,
wenn das selbstsüchtige Handeln weiter gesteigert wird, immer liebloser
werden und am Ende gänzlich verhärten. (11.GEJ 17,8-9)
An diesem Beispiel
kommen schon verschiedene Gegensätze zum Vorschein wie: wahre Liebe und
Selbstliebe, Tätigkeit und Untätigkeit, Bewegung und Ruhe, Gewähren
und Versagen, Weichheit und Härte sowie Ja und Nein. Nun kommt es auf
das Maß an, wieviel von dem einen oder anderen Pol eines Gegensatzes
ein Geschöpf anstrebt, um in der gött- lichen Ordnung oder außerhalb
von ihr zu sein. Die göttliche Liebe und Weisheit be- stimmen das
Maß an Gewähren und Versagen, an Weichheit und Härte, an Tätigkeit und
Untätigkeit. Da entstanden bei den Urgeistern und entstehen bei den
Menschen verschie- dene Siege. In den einen wurde das Versagen der
Nächstenliebe Sieger, wodurch sie das Gewähren zum völligen Schweigen
gebracht hatten. In anderen wurde die Untätigkeit Sieger, wodurch sie
die Tätigkeit zum völligen Schweigen gebracht hatten. „Bei vielen
Wesen aber haben die Gegensätze“, sagt Jesus, „ein rechtes Maß
nach der Ordnung Gottes erreicht, und ihr Sein ist dadurch ein
vollkommenes, weil sie sich durch ihre gleichartigen und gegenseitigen
Intelligenzfähigkeiten fortwährend allerbestens unterstützen.“
(2.GEJ 229,9)
6. Mit welcher Gegenkraft erschuf Gott die Geschöpfe?
Satan meinte einmal, daß Gott ihn als Gegenpol (und hier meinte er sich
als ungerechten Gegenpol) notwendig habe, um Sich äußern und etwas
erschaffen zu können. (BM 193,9-11) Aber da hat Satan die Wahrheit
wieder einmal verdreht, denn das kann sich nur auf die materiellen Schöpfungen
beziehen und Materielles hat Gott nie erschaffen wollen, denn die
Materie entstand erst aus dem Fall Luzifers. Die Materie ist in sich
hochmütig und selbstsüchtig und damit böse und deshalb kann der gute
Gott keine Materie erschaffen. Aber weil nun mal der Fall geschehen war
und sich somit die Materie gebildet hatte, so nahm Er die Materie und
erschuf dann aus ihr viele Schöpfungen wegen der Rückführung des
Gefallenen. (5.GEJ 230,1)
Was Satan
verschwieg, war, daß Gott zuvor ihn als Geist erschaffen hat und zwar
ohne das Mitwirken irgendeines Geschöpfes. Wenn aber auch die Kraft
Gottes ohne Gegenkraft keine Wirkung hat, so fragt es sich, welche
Gegenkraft Er denn dazu vonnöten hatte, die ersten Geister ins Leben zu
rufen? - Die Gegenkraft zu Gottes Liebe, die den Impuls zum Erschaffen
gab, ist die Weisheit. Sie regelt der Liebe unbegrenztes Wirken und,
wenn nötig, sagt sie Nein, während die pure Liebe immer nur Ja sagen würde.
(G. Mayerhofer, Be. Fe. Dr. Seite 19) Der Vater sagt: „Die Weisheit ist der Liebe
Gottes ewig eigentümlich unzertrennlich rechtes Weib, mit dem Ich ewig
ein’ger Gott doch alle Dinge hab gezeuget und geschaffen, – und kein
and’res Weib war ewig je vonnöten Mir, dem ein’gen, ewig wahren
Liebegott, dem Mann’ von Ewigkeiten her, dem Ersten ewig und dem
Letzten ewig! Ewig zeugte Ich mit diesem Meinem treu’sten Weibe
zahllos Milliarden Wesen.“ (3.HG 27,13-14)
Es ist aufschlußreich
zu beachten, daß hier der himmlische Vater von Sich als dem
„Liebegott“ spricht und von der Weisheit spricht Er nicht als Gott,
sondern als Seinem Weib. An vielen Stellen des Lorberwerkes ist aber
auch von Vater und Sohn die Rede und oftmals heißt es, daß Gott die
Liebe ist und Sein Sohn die Weisheit. Das ist ganz wichtig zu erkennen,
daß Jesu Seele die Weisheit ist und diese Seele der Sohn war, und der
Vater war der Geist in Ihm oder die Liebe. Jesus bezeichnete Sich aber
auch als Menschensohn, weil die Weisheit oder das Wort Fleisch wurde,
und so war die Weisheit der Mensch, und der Geist oder die Liebe in Ihm
war Gott oder der Vater. Natürlich ist die Weisheit genauso Gott wie
die Liebe und davon ist auch manchmal im Lorberwerk die Rede und die
Liebe ist dann der Sohn. Beides zu sagen ist berechtigt, denn die
Weisheit geht aus der Liebe hervor und die Liebe aus der Weisheit, und
deshalb ist die Liebe und Weisheit nur zusammen der eine Gott.
Vater und Sohn oder
Mann und Weib sind also nicht zwei Personen, sondern nur bildliche
Darstellungen von Gottes Liebe und Weisheit oder von Seinem Geist und
Seiner Seele. Und so ist Jesus der eine und einzige Gott, Seine Weisheit
ist Seine Seele oder der Sohn und Seine Liebe ist Sein Geist oder der
Vater. Die Haupt- polarität in Gott ist sonach die Liebe und die Weisheit
bzw. Mann und Weib oder Vater und Mutter oder auch Vater und Sohn. Gott
ist Vater und Mutter zugleich. Der Vater ist die Liebe, die Mutter ist
die Weisheit. Hier stellt sich aber die Frage, wenn Gott Vater und
Mutter zugleich ist, warum Er Seinen Geschöpfen nur als Mann und nie
als Weib erscheint? – Der Grund ist folgender: Gott ist gegenüber
Seiner Schöpfung der positive oder gebende Pol, die Schöpfung aber ist
der negative oder empfangende Pol. Weil Gott gegenüber der Schöpfung
nie als der Empfangende, sondern immer nur als der Gebende, welcher der
Vater ist, auftreten kann, kann Er Sich den Geschaffenen gegenüber nie
als Weib zeigen.
Zwar geben die
Gotteskinder dem Vater die Liebe zurück, aber sie können Ihm im Grunde
nichts geben, was sie nicht vorher von Ihm empfangen haben. (3.Hi. Seite
230,2) Die ganze Schöpfung ist, weil sie der empfangende oder negative
Pol gegenüber Gott ist, wie ein Weib. Und so war denn auch Satana, als
der Inbegriff der Schöpfung ein Weib und sie war deshalb schon vor
ihrem Fall ein gerechter Gegenpol gegen die Gottheit. Der Name Satana
bedeutet denn auch „Gegenpol zur Gottheit“. Jesus sagt: „Als
Satana war dieser Geist von Gott aus wirklich also gestellt gegen die
Gottheit, wie das Weib gestellt ist gegen den Mann. Die Gottheit hätte
in sein Wesen ihre ewigen Ideen ohne Zahl hinein- gezeugt, daß sie reif
geworden wären in seinem konzentrierten Lichte, und es wäre dadurch
eine Wesenschöpfung aus dem Lichte dieses Geistes in höchster Klarheit
hervor- gegangen, und die ganze Unendlichkeit wäre fort und fort aus
eben diesem Lichte stets mehr und mehr bevölkert worden.“ (EM 56,2)
Nach ihrem Fall
wurde Satana zu Satan, welches „gleicher Pol mit der Gottheit“
bedeutet, denn sie wollte Gott gleich sein. Gleiche Pole aber stoßen
sich ab, und sie ist deshalb Gott am entferntesten und
entgegengesetzesten geworden. Luzifer verlor also durch seinen Fall
seine Stellung als gerechter Gegenpol zur Gottheit, es geschah eine Pol-
umkehrung und er war seither gleicher Pol mit Gott. Gleichzeitig wurde
er aber in anderer Hinsicht wiederum ein Gegenpol gegen die Gottheit und
zwar wurde er hinsichtlich des Gegensatzes „ordentlich und
widerordentlich“ ein ungerechter Gegenpol Gottes, denn durch den Fall
ist er ein gegen die Ordnung Gottes handelnder Geist geworden. Luzifer
ist nicht als ungerechter Gegenpol geschaffen worden, aber in seiner
Stellung als Satana war er vor seinem Fall ein gerechter Gegenpol.
7. Wurde Luzifer als unlauterer Geist erschaffen?
Luzifer ist nicht als unlauterer Geist erschaffen worden, obwohl manche
das aus dem nachfolgenden Text aus Robert Blum herausgelesen haben
wollen. Dort wurde aus alter indischer Weisheit folgendes zitiert: „Im
urewigen Sein war nur Gott allein. Und die Unendlichkeit und Ewigkeit
war Er Selbst im klarsten Schauen Seiner Selbst. Seiner Gedanken und
Ideen war kein Ende. Aber wie sich an einem schwülen Abend zahllose
Scharen von allerlei Eintagsfliegen in loser Freiheit kreuzen ohne
wahrnehmbare Ordnung, so stiegen auch die Gedanken und Ideen in der
Gottheit auf und ab und hin und her. Aber noch war der endlose Raum
wesenleer. Nur ihre großen Gedanken sah die endlose Gottheit in sich
selbst in ungezwungener Freiheit große Bewegungen machen. Dann schied
die Gottheit die Ideen von den Gedanken, und das war ein erstes Ordnen
in der Gottheit Selbst. Die großen Ideen stellte sie nach und nach
fest, nur den Gedanken ließ sie den
freien Lauf.
Als aber die Ideen
fester und fester gestellt waren, da zeigte es sich, daß sie nicht völlig
lauter waren. Da beschloß die Gottheit, ihre Ideen selbst zu läutern
und schied das Lautere von dem Unlauteren. Als dies bewerkstelligt war,
stellte die Gottheit all das Unlautere wie außer Sich, festete es durch
ihr allmächtiges Wollen und belebte es durch den Geist ihrer freiesten
Gedanken. Und es ging da hervor ein großer Geist voll Unlauterkeit
– zur Läuterung durch sieben andere Geister, welche die Gottheit aus
ihren lauteren Ideen durch den freiesten Geist ihrer Gedanken ins Dasein
rief.“ (2.RB 193,2-4) Nun kann der obige Text so gelesen werden, als hätte
die Gottheit vor der Erschaffung der Geister lautere und unlautere Ideen
gehabt und aus den unlauteren Ideen wäre Luzifer hervor- gegangen, so
daß er zwangs- läufig hätte fallen müssen und aus den lauteren die
sieben anderen Geister, die wegen ihrer besseren Ausgangslage Gott treu
geblieben wären. Aber es können diese alten indischen Weisheitsworte
auch anders gelesen werden, und sie müssen auch anders gelesen werden,
und da bedeutet das „fester und fester Stellen der Ideen“ das mehr
und mehr Selbständigwerden der Urgeister, denn ein Geschöpf ist eine
Idee Gottes.
Mit dem „da
zeigte es sich, daß sie nicht völlig lauter waren“, ist bereits der
Abfall Luzifers und seines Anhanges von Gott dargestellt, denn erst da
hat sich gezeigt, daß ein Teil der großen Ideen Gottes unlauter
geworden sind. Die Ideen, die sich als lauter erwiesen haben, sind die
Gott treu gebliebenen Geister. Das Scheiden des Lauteren von dem
Unlauteren bedeutet die Scheidung der Gott treu geblie- benen von den
Gefallenen. Die Gottheit stellte dann das Unlautere wie außer Sich und
festete es, und das bedeutet die Gefangennehmung der Gefallenen in der
Materie. Das Beleben durch den Geist der freiesten Gedanken Gottes ist die Rückführung der Gefallenen aus der
Materie.
Das Hervorgehen des großen Geistes voll Unlauterkeit ist der
verlorene Sohn oder der große materielle Schöpfungsmensch, der durch
die Gott treu gebliebenen Geister geläutert wird. Wenn der obige Text
auf die erste Weise interpretiert wird, so wären die Ideen Gottes zum
Teil bereits unlauter gewesen, bevor sie sich als selbständige Wesen
bewußt wurden, womit Gott unvollkommenes geschaffen hätte und Er
Selbst ebenfalls unvollkommen wäre. Aber Johannes sagte zu Luzifer:
„Alle Geister (also auch Luzifer) gingen von Ihm (Gott) aus so rein
und gut, wie Er es Selbst ist.“ (BM 198,8) Auf die zweite Weise wurden
die Ideen Gottes erst unlauter durch das eigenverantwortliche,
widerordentliche Handeln der Urgeister.
8. Wodurch bekamen die Geschöpfe einen freien Willen?
Nun stellt sich die Frage, wie Gott die geschaffenen Urgeister in ihrem
Willen freistellen konnte? Womit mußte der himmlische Vater die Geschöpfe
ausstatten, damit sie eine freie Willensentscheidung besaßen? Jesus
sagt: „Wollte nun Gott einmal aus Sich heraus Ihm ähnliche freie
Wesen erschaffen, so mußte Er sie ja auch mit eben den streitenden
Gegensätzen versehen, die Er in Sich Selbst von aller Ewigkeit her in
den natürlich besten und reinst abgewogensten Verhältnissen besaß und
besitzen mußte, ansonst Er sicher nie wirkend dagewesen wäre. Nun, die
Wesen wurden also völlig nach Seinem Ebenmaße gestaltet, und es ward
ihnen am Ende darum auch die Fähigkeit notwendig eigen, sich selbst zu
konsolidieren (festigen) aus dem Kampfe der in ihnen aus Gott
niedergelegten
kämpfenden Gegensätze.“ (2.GEJ 229,4-5)
Die gegensätzlichen
Eigenschaften der Geschöpfe ist die Grundvoraussetzung für den freien
Willen, denn nur dann können sie sich dem einen oder anderen Pol eines
Gegensatzes zuwenden. Gott schuf die Geister rein, wahrhaft und gut. Sie
waren dafür am Anfang aber auch mehr Automaten als freie Wesen. Sie mußten
von Gott fähig gemacht werden, nicht mehr nur automatisch, sondern im
freien Willen aus sich selbst heraus gut zu sein, d. h. die Geschaffenen
mußten sich soweit selbst festigen, bis sie freiwillig in der Ordnung
Gottes verblieben.
Was dazu nötig
war, schildert uns Jesus folgendermaßen: „Als Ich im Voranfange die
Geister als Meine reifgewordenen Ideen aus Mir hinausstellte und sie erfüllte
mit Meiner Kraft also, daß sie selbst zu denken und zu wollen begannen,
da mußte ihnen denn auch eine Ordnung gezeigt werden, (das war die
Ordnung der Liebe und Demut) nach der sie zu denken, zu wollen und
endlich zu handeln haben sollten. Mit dieser angezeigten und gegebenen
Ordnung mußte aber auch der Reiz zur Nichthaltung der gegebenen Ordnung
in diese ersten Wesen gelegt werden, ansonst sie von ihrem Wollen nie
irgendeinen Gebrauch zu machen imstande gewesen wären. Der in sie
gelegte Reiz brachte in ihnen erst eine wahre Lebensregung zustande, der
zufolge sie zu schließen, zu wählen, fest zu wollen und zu handeln
begannen.“ (4.GEJ 103,1)
„Diese
entgegengesetzte Anreizung verschafft dem menschlichen Willen ja erst
die vollkommenste Freiheit und gibt ihm auch die volle Kraft, ihr (der
Anreizung) selbst zu widerstehen und den erkannten Willen Gottes an ihre
Stelle zu setzen.“ (6.GEJ 165,7)
9. Der gegengesetzliche Reiz
Indem Gott den Geschöpfen Seine Ordnung als Gebot gab und als Gegensatz
dazu in sie den Reiz zur Übertretung oder Widerordnung legte, wurden
sie freigestellt und konnten wählen und handeln wie sie wollten. Gott
hat wohl den Reiz zur Widerordnung in die Geschöpfe gelegt, aber das
war keine Verführung zur Sünde. Satan verführt die Geschöpfe, indem
er sie in Versuchung führt, dem Reiz nachzugeben, aber Gott will, daß
dem Reiz widerstanden wird. Der Reiz zur Übertretung ist nicht die
Widerordnung oder das Böse. Ein Geschöpf ist nicht widerordentlich
oder böse, wenn es den Reiz zur Übertretung in sich verspürt, sondern
erst dann, wenn es dem Reiz nachgibt und die Ordnung Gottes übertritt.
Die Ordnungsgebote durften keine „Muß-Gebote“ sein, sondern mußten
aus „Du sollst- Geboten“ bestehen, denn mit „Muß-Geboten“ wäre
der freie Wille, den sie gerade erst erhalten hatten, wieder eingeschränkt
worden. (2.GEJ 227,6)
Mit den
Ordnungsgeboten und dem Übertretungsreiz mußten den Geschöpfen aber
auch noch gezeigt werden, daß sich mit einer Übertretung wohl anfänglich
ein kurz währender Vorteil erreichen läßt, dem aber stets ein langwährender
Nachteil folgt, der nur mit großer Mühe wieder rückgängig gemacht
werden kann. (2.GEJ 227,8-9) Andererseits mußten ihnen aber auch die
ewigen Vorteile gezeigt werden, die zwar etwas später, aber doch sicher
der Handlung nach den gegebenen Geboten folgen werden. (2.GEJ 227,11) So
ausgerüstet waren erst die Wesen freigestellt und konnten frei
entscheiden und handeln. „Es ist, so man das weiß, dann endlich ganz
leicht zu begreifen“, sagt Jesus, „daß schon in den
erstgeschaffenen Geistern ein gewisses Unkraut sich zu zeigen anfangen
mußte, weil der Reiz gar viele der ersten Geister aus der Ordnung hob
und sie im stets mächtiger werdenden Widerstreben am Ende verhärten mußten
und auf diese Weise den Grund zur materiellen Weltenschöpfung boten.“
(4.GEJ 103,2)
Ein siebtel der
Geister erlagen dem Reiz zur Übertretung, widerstrebten der Ordnung,
die Gott ihnen gab und wurden böse. Dadurch verhärteten sie und es
entstand die sichtbare materielle Schöpfung, welche als ein Gericht
oder als die angedrohte Strafe auf die Nichtbefolgung der gegebenen
Gebote folgen mußte. (2.GEJ 227,12) Jesus sagt: „Alles, was Welt und
Materie heißt, ist ein Verkehrtes, der wahren, geistigen Ordnung aus
Gott stets und notwendig Widerstrebendes, weil es ursprünglich als eine
Gegenreizung zum Erwecken des freien Willens in der belebten und als
Selbstwesen aus Gott hinausgestellten und wohlgeformten Idee in sie
gelegt werden mußte, und ist darum als das wahre Unkraut auf dem allein
wahren und geistreinen Lebensacker anzusehen.“ (4.GEJ 104,2)
Am Anfang sprachen
wir davon, daß das Böse aus dem freien Willen der Geschaffenen stammt.
Aber nun ist uns noch eine tiefere Sicht des Bösen dargeboten worden, nämlich,
daß alle Materie, die etwas Gott widerstrebendes und damit Böses ist,
dem gegengesetzlichen Reiz entsprungen ist, den Gott in die Geschöpfe
gelegt hat. Er legte nicht die Widerordnung in sie hinein, sondern nur
den Reiz zur Widerordnung. Der Reiz zur Widerordnung oder zum Bösen ist
der Reiz, nach dem sofort eintretenden Vorteil zu greifen, der aber nur
kurz währt und einen langwährenden Nachteil mit sich bringt. Das sind
die weltlichen Vorteile und fleischlichen Genüsse, die gegen den Geist
gerichtet sind, wie Paulus schreibt. (Gal. 5,17) Das Geschöpf soll
diesem Reiz widerstehen und nach der Ordnung Gottes leben. Zwar wird der
Vorteil, den es dadurch erringt, erst später ein- treffen, aber er wird
lange währen, nämlich ewig. Aus dem gegengesetzlichen Reiz entstand
das Böse und als Folge davon das Unkraut.
Jesus sagt:
„Worin aber besteht das Unkraut, durch dessen Verwesung das Leben gedüngt werden soll? Welche Namen hat denn hernach der in die belebte Form
gelegte gegen- gesetzliche Reiz? Er heißt Eigenliebe,
Selbstsucht, Hochmut und am Ende Herrschsucht.“ (4.GEJ 104,8)
Das „euch nun bekannte Gefolge (des gegengesetzlichen Reizes) ist das
Unkraut und im weitesten Sinne der Inbegriff aller wie immer gearteten
Materie,…“ (4.GEJ 108,4) „die an und für sich nichts ist als eine
lose und sündige Erscheinlichkeit der Eigenliebe, der Selbstsucht, des
Hochmutes und der Herrschsucht.“ (4.GEJ 108,2)
10. Die Kräfte Eigenliebe und Hoheitsgefühl
Wie die Liebe und die Demut die Hauptstücke des Reiches Gottes sind, so
sind die Gegen- sätze dazu, die Selbstsucht und der Hochmut, die
Hauptstücke der Hölle. Die beiden Gegensatzpaare reine Liebe und
Selbstsucht sowie Demut und Hochmut sind ungerechte Gegensätze,
die es nicht in Gott gibt, denn sie haben sich erst in den Gefallenen
gebildet. Aber wie haben sie sich gebildet? – Sie bildeten sich aus
dem freien Willen, und dieser entstand aus dem gegen- gesetzlichen Reiz,
welcher die Eigenliebe und das Hoheitsgefühl ist. Die Selbstsucht ist
eine Steigerung der Eigenliebe und der Hochmut eine Steigerung des
Hoheitsgefühls. Die Gegensätze der als göttlich bezeichneten Kräfte
reine Liebe und Demut sind die Eigenliebe und das Hoheitsgefühl, die
aber trotzdem nicht ungöttlich sind, (11.GEJ 17,6) wenn sie die reine
Liebe und Demut zur Grundlage haben, auf denen sie stehen können.
Die Gegensatzpaare
reine Liebe und Eigenliebe sowie Demutsgefühl und Hoheitsgefühl sind
gerechte Gegensätze und sind Bestandteil von Gott und Gott hat sie in
die neu- geschaffenen Geister und in die Menschen gelegt. Gott konnte
bei der Erschaffung der Wesen die Eigenliebe und das Hoheitsgefühl
nicht schon als besiegte Kräfte in sie hineinlegen, sondern der Sieg mußte
und muß von den Geschöpfen im freien Willen erkämpft werden. In Gott
aber waren sie von Ewigkeit her in der besten Ordnung. Er brauchte nie
die richtigen Verhältnisse dieser Kräfte herzustellen, das heißt, die
Eigenliebe und das Hoheitsgefühl waren in Gott schon von Ewigkeit her
von der wahren Liebe und vom Demutsgefühl besiegte, aber nicht
vernichtete Kräfte. In den neugeschaffenen Geistern und in den Menschen
mußten und müssen sie erst durch den freien Kampf oder durch die
Selbsttätigkeit in die göttliche Ordnung gebracht werden. (2.GEJ
229,7)
11. Das Maß der Eigenliebe
Jetzt könnte jemand fragen: „Warum hat Gott denn in die geschaffenen
Wesen nicht nur reine Liebe, sondern auch Eigenliebe hineingelegt? Ist denn die
Eigenliebe nicht schon das Widergöttliche?“ – Nein, denn da kommt
es allein auf das Maß an. Ohne ein bestimmtes Maß an Eigenliebe könnte
kein Wesen existieren, weil die Eigenliebe das eigene Leben eines jeden
Wesens ist. (2.GS 103,2) Essen, Trinken und Atmen gehören der
Eigenliebe an. Würden die Menschen nicht essen, trinken und atmen, könnten
sie nicht leben. Natürlich gehört auch noch mehr zum Leben, denn der
Mensch braucht auch noch Kleidung und eine Wohnung.
Das alles in einem
gerechten Maße gehört zu den 6 Teilen Eigenliebe, die gerecht vor Gott
sind, während die Nächstenliebe 60 und die Gottesliebe 600 Teile
betragen sollen. Nun kann aber auf Grund des freien Willens der
Eigenliebe mehr Raum gegeben werden, indem man sich selbst mehr Gutes
tut, als es von Gott angeraten ist. Man ißt und trinkt mehr, man
verschafft sich ohne Rücksicht auf den Nächsten mehr und bessere
Kleidung als nötig und andere Güter, die zum Leben nicht unbedingt
notwendig sind, und das kann soweit gesteigert werden, bis jemand ein
vollendeter Teufel geworden ist.
Dann hat er nicht
mehr den gerechten Teil Eigenliebe, sondern ist selbstsüchtig geworden
und die Anteile an Eigenliebe sind auf 600 gestiegen, wobei gleichzeitig
die Gottesliebe abgenommen hat und nur noch 6 Teile beträgt. Jesus
sagt: „Der Mensch aber soll aus eigener Kraft das (die Eigenliebe,
wenn sie über das gerechte Maß hinausgeht) als ein Übel für seine
Seele an sich erkennen und es mit den von Gott ihm gegebenen Mitteln so lange fort bekämpfen, bis er ein vollendeter Meister über alle seine
leiblichen Leidenschaften geworden ist.“ (7.GEJ193,3)
12. Der Kampf des Demutsgefühls gegen das Hoheitsgefühl
Auch das Hoheitsgefühl hat Gott in die Geschaffenen gelegt. Das ließ
sich bei der Erschaffung der Wesen gar nicht vermeiden. Gott hat die
Geschöpfe vollkommen nach Seinem Bilde erschaffen und deshalb ersahen
sie, daß ihr Leben ein Gott völlig eben- mäßiges war. Gleichzeitig
aber erkannten sie, daß sie nicht wie Gott von Ewigkeit her
existierten, sondern daß ihr Sein mit ihrer Erschaffung einen Anfang
genommen hatte. „So wir aber diesen Umstand näher betrachten“, sagt
Jesus, „so ergibt es sich, daß sich in den geschaffenen Wesen
notwendig zwei Gefühle begegnen müssen, und zwar erstens und zunächst
das Gefühl der göttlichen Ebenmäßigkeit oder des Urlichtes Gottes in
ihnen und zweitens aus eben diesem Lichte aber dann auch notwendig das
Gefühl des zeitgemäßen Werdens durch den Urwillen des Schöpfers.“
(1.GEJ 1,16)
Das erste Gefühl
der göttlichen Ebenmäßigkeit stellt das Geschöpf dem Schöpfer
gleich und es ist deshalb das Hoheitsgefühl. Das zweite Gefühl des
zeitgemäßen Werdens demütigt das Geschöpf, weil es sich von Gott als
sehr abhängig ansehen muß und deshalb ist es das Demutsgefühl. Diese
beiden Gefühle sind zwei Kräfte, die gegeneinander stehen. Wie bei dem
Riesen die Gegenkraft des Bodens die Kraft des Riesen besiegen muß,
damit seine Kraft zur Wirkung kommen kann, so muß das Demutsgefühl das
Hoheitsgefühl besiegen und auch zu einem Demuts- gefühl machen. Die
siegende Kraft des Demutsgefühls darf das Hoheitsgefühl nicht zum untätigen
Schweigen bringen, sondern es muß dem Hoheitsgefühl zur festen
Unterlage dienen und ihm eine Stütze sein.
Das Hoheitsgefühl,
das die Demut zur Grundlage hat, ist die Kraft, mit der sich das Geschöpf
mutig betätigt und sich für das Gute und die Wahrheit einsetzt. Wenn
das Demutsgefühl das Hoheitsgefühl zum völligen Schweigen brächte,
dann würde es zu einer übertriebenen und falschen Demut werden, die
keinen Mut hätte, dem Nächsten Dienste zu erweisen. Das Hoheitsgefühl
aber streitet in den Geschöpfen ganz gewaltig gegen jegliche
Erniedrigung und will das Demutsgefühl besiegen. „Wo (aber)
irgendeine Kraft“, sagt Jesus, „in einem sich frei konsolidierenden
(festigenden) Wesen durch ihr überwiegend hartnäckiges Bestreben alle
andern Gegenkräfte zum untätigen Schweigen in ihrer Sphäre bringen
will und auch zum größten Teile bringt, da tötet sich gewisserart so
eine Kraft selbst, dadurch, daß sie sich alle Gelegenheiten aus dem
Wege räumt, bei denen sie ihre Kraft hätte äußern können.
Eine Kraft aber
ohne eine entsprechende Gegenkraft ist, wie schon gesagt, so gut wie gar
keine Kraft, und wie wir solches eben schon aus dem früher angeführten
Beispiele unseres Riesen sicher klar haben sehen können.“ (2.GEJ
229,10) Als Satana mit ihrem Hoheits- gefühl gegen ihr Demutsgefühl
ankämpfte und es schließlich, indem sie hochmütig wurde, zum untätigen
Schweigen brachte, da hatte sie sich den Boden unter ihren Füßen zerstört,
auf dem sie hätte wirken können. „Jede Kraft aber ist so gut wie
keine Kraft mehr, sobald sie keinen Stützpunkt hat.“ (Fl. 5,9) Das
Hoheitsgefühl erlahmte und verfinsterte sich und
aus dem Urlicht im geschaffenen Wesen wurde Nacht und Finsternis. (1.GEJ
1,20)
13. Der Kampf der reinen Liebe gegen die Eigenliebe
Gott hat die Geister vollkommen erschaffen und stattete sie mit der
reinen Liebe aus. Aber eine gegebene Liebe ist maschinenhaft. Nur die
selbst erworbene Liebe ist die wertvolle Liebe eines freien Gotteskindes
und die muß aus dem eigenen freien Willen kommen. Deshalb gab Gott den
Geistern und Menschen den Reiz zur Eigenliebe und gleichzeitig das Gebot
der Gottes- und Nächstenliebe, damit die gegebene Liebe durch den Reiz
zu einer freien Liebe werde, sei sie positiv oder negativ. Und wenn ein
Geschöpf, welches einen freien Willen hat, zwischen dem Einhalten und
dem Übertreten der Ordnung Gottes schwankt, so veranlaßt das entweder
das Gebot Gottes oder der Reiz zur Nichteinhaltung.
Die reine Liebe
sollte in den geschaffenen Wesen eine feste Grundlage bilden für die
Eigenliebe. Dazu mußte die reine Liebe die Eigenliebe besiegen und auch
zu einer reinen Liebe machen. Das ist dann erreicht, wenn das
eigenliebige Essen, Trinken, Kleiden, Wohnen und Besitzen anderer Güter
nur aus dem Grunde geschieht, um die Gottes- und Nächstenliebe ausüben
zu können. Man will dann nur noch für Gott und den Nächsten dasein
und was man für sich selbst tut, hat deshalb die Gottes- und Nächstenliebe
zur Grundlage. Die reine Liebe darf die Eigenliebe nicht zum völligen
Schweigen bringen, denn dann würde die Eigenliebe nicht einmal mehr
essen, trinken oder atmen und die Existenz dieses Wesens hätte ein Ende
genommen. Jesus sagt: „Lasset ihr euch nicht von der Eigenliebe überwältigen,
sondern bekämpfet ihr dieselbe leicht und mächtig mit dem glühenden
Schwerte der wahren, alleruneigennützigsten Liebe zu Mir und zu euren nächsten
Brüdern und Schwestern, so werdet ihr den Acker von allem Unkraute rein
erhalten und jüngst selbst als reinste und kostbarste Frucht in Mein
Reich eingehen und dort neue und rein geistige Schöpfungen schauen und
leiten in Ewigkeit!“ (4.GEJ 108,6)
14. Der Ursprung des Reizes zur Widerordnung
Wo kommt nun die Eigenliebe oder der Reiz zur Widerordnung her? Wo hat
Gott ihn hergenommen, um ihn dann in die zu erschaffenden Wesen zu legen? – Wir
wissen, daß ein jedes Wesen nichts anderes als eine große Idee Gottes
ist, die aus vielen einzelnen Gedanken besteht. Also hat auch die
Eigenliebe oder der Reiz zur Widerordnung in den Gedanken Gottes seinen
Ursprung. Jesus sagt: „Ihr kennet die gerechte und wahre Ordnung
Gottes, kennet aber auch die Exzen- trizitäten derselben; ihr könnet sie
denken, fühlen und empfinden! Was aber ihr könnet, das gleiche kann
auch Gott; Er kennt Seine ewige Ordnung sicher am besten und hellsten,
kennt aber dahinzu auch alle die möglichen und verschiedenartigsten
Aus- und Übertretungen dieser Ordnung, muß sie also auch denken und
tiefst zu fühlen imstande sein.
Ja, Gott muß in
die frei und selbständig werden sollenden und frei wollenden Geschöpfe,
besonders in die Engel und dieser Erde Menschen, wie ihr wisset, sogar
den Reiz zur Widerordnung legen, auf daß sich daraus für die Benannten
eine wahre, freitätige Sich- selbstbestimmung vollkommen bewahrheite.
Aus dem aber geht doch etwa klar hervor, daß Gott die möglichste
Widerordnung ebenso bekannt sein muß wie die gute, wahre und lebendige
Ordnung. Die Gedanken und die Gefühle der Widerordnung in Gott sowohl
als im Menschen unter den ordnungs- mäßigen Gedanken und Gefühlen sind
entsprechend den Giftmineralien, Giftpflanzen und Gifttieren. Weil sie
aber auch Gottesgedanken und Gottesgefühle sind, so können sie nicht
vergehen... Aus diesem Urborne entstand eigent- lich zumeist die ganze
materielle und gerichtete Schöpfung. Diese aber ist berufen, den
Geistgeschöpfen nicht nur als ein prüfend Lebensgift zu dienen,
sondern bei gerechtem Gebrauch auch als ein heilsamer Lebensbalsam.“
(4.GEJ 158,4-7)
Als Gott Seine Schöpfung
plante, der Er die Willensfreiheit geben wollte, so mußte Er auch darüber
nachdenken, welche Auswüchse und Folgen daraus entstehen könnten, wenn
die Geschöpfe ihre Willensfreiheit mißbrauchen würden. Da aber jeder
Gedanke Gottes bereits ein Erschaffungsakt ist, so war das Nachdenken über
eine mögliche Widerordnung der Geschöpfe auch ein Erschaffen von
Seelen- partikeln. Diese Seelenpartikel, die zur Willensfreiheit
notwendig waren, gab Er in gerechtem Anteil einem jeden Seiner Geschöpfe.
Bei dem Nachdenken über die Widerordnung hat Gott nicht etwas Böse
erschaffen, denn Er hat nicht darüber nachgedacht, daß die Geschöpfe
die Ordnung übertreten, sondern nur was geschehen würde, falls die Übertretung
geschieht.
Dadurch hat Er
ihnen die Möglichkeit geschaffen, wenn sie es wollen, Seine Ordnung übertreten
zu können. Ein Geschöpf ist einem Bild vergleichbar. Die einzelnen
Pinsel- striche können für sich nie schlecht sein, da sie Grundformen
sind. Aber die Anordnung der einzelnen Pinselstriche können ein schönes,
harmonisches oder ein schlechtes Bild darstellen. So sind Gottes
Gedanken Grundformen, die nie schlecht sein können, aber die großen
Ideen, die sich aus den Gedanken zusammensetzen, können gut oder
schlecht sein. (2.RB 265,6) Gott hat wohl aus Seinen Gedanken nur gute
Ideen erschaffen, aber weil Er die Ideen, als die geschaffenen Wesen, so
ausstattete, daß sie die Willensfreiheit besaßen, so konnten sie ihr
vollkommenes Wesen selbst zum Bösen hin verändern.
15. Das Gute und Böse kommt von Gott
Hiob sprach zu seinem Weibe: „Haben wir Gutes empfangen von Gott,
sollten wir das Böse nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10) – Hiob
bringt damit zum Ausdruck, daß das Gute und das Böse von Gott kommt.
Nun wird mancher denken: „Wir hatten doch gehört, daß das Böse
nicht von Gott gekommen ist, sondern in den Geschöpfen infolge des
freien Willens seinen Anfang genommen hat und jetzt soll es doch wieder
von Gott kommen?“ – Welche Lösung gibt es für diese Frage? –
Hier ist das „Böse, das von Gott kommt“, wie es Hiob sagte, nicht
so zu verstehen, als wäre Gott böse, denn in Gott gibt es nichts Böses,
sondern nur Liebe. In der Haushaltung Gottes spricht der himmlische
Vater: „In Meinem Angesichtsbündel gibt es durchaus nichts Böses,
sondern nur Unterschiede in der Wirkung Meines Willens; und dieser ist
in der Hölle wie im Himmel, im Schaffen wie im Zerstören
gleich gut.
Aber im Angesichtsbündel
der Geschöpfe ist nur eines als gut zu betrachten und zu stellen, das
heißt: der Verhältnisteil der Bejahung allein nur ist als gut zu
betrachten und zu stellen, unter dem das Geschöpf bestehen kann neben
Mir und in Mir, und das ist der erhaltende oder stets schaffende Teil
aus Mir, – der auflösende oder zerstörend herrschende mächtige Teil
aber als böse im Anbetrachte des Geschöpfes, weil es im selben neben
Mir und in Mir nicht als existierbar gedacht werden kann. In Mir also
ist das Ja wie das Nein gleich gut; denn im Ja schaffe Ich, und im Nein
ordne und leite Ich alles. Aber fürs Geschöpf ist nur das Ja gut und böse
das Nein, und das so lange, bis es nicht völlig eins im Ja mit Mir
geworden ist, allwo es dann auch im Nein wird bestehen können.
Sonach gibt es für
Mich keinen Satan und keine Hölle, – wohl aber im Anbetrachte seiner
selbst und der Menschen dieser Erde, weil es sich hier um die Bildung
Meiner Kinder handelt.“ (3.HG 67,12-16) In Gott ist der positive und
der negative Pol, das Plus und Minus, das Ja und Nein und noch viele
andere Gegensätze, und in Ihm sind sie alle gut. Das „Ja“ ist der
erhaltende oder schaffende Teil und das „Nein“ ist der auflösende
oder zerstörende Teil in Gott. Gott ist also Schöpfer und Zerstörer
zugleich. Gutes und Böses kommt von Gott, sagte Hiob, aber da Gott in
Seinem Grundwesen die Liebe ist, so ist auch das Böse in Ihm gut. –
„Nanu“, denkt da der eine oder andere, „das Böse soll in Gott gut
sein? Das ist unmöglich! – Natürlich hat Gott nichts Böses im Sinn,
sondern Er benutzt das Böse, wenn Er es zuläßt, für gute Zwecke.
Wenn einem Menschen
ein Unglück zustößt, wenn Naturkatastrophen ihm alles zerstören was
er besitzt, wenn jemand in sein Haus einbricht und ihm seinen Besitz
nimmt oder wenn jemandem Frau oder Kinder getötet werden, so empfindet
der Mensch das als böse und ein Mensch, der das einem Nächsten zufügt,
der ist böse. Wenn Gott das zuläßt, dann kommt das Böse, das über
einen Menschen hereinbricht, letztlich von Gott. Aber in Gott gibt es
nichts Böses, sondern nur Unterschiede in der Wirkung Seines Willens
und dieser ist im Schaffen wie im Zerstören – also auch im Töten –
immer nur Liebe und somit gut (3.HG 67,12) und Er weiß alles Böse,
welches ein Mensch einem andern zurügen will, zu guten Zielen zu
lenken. Gott hat also keine böse Absicht, wenn Er es zuläßt, daß über
einen Menschen etwas Böses hereinbricht, sondern Er läßt das nur aus
Liebe zu, wenn es zur Erziehung Seiner Kinder notwendig ist. Durch das Böse
läutert und erprobt Er diejenigen, die berufen sind, Seine Kinder zu
werden. Somit ist das Böse, das einem Menschen geschieht, vor Gott gut
und im Grunde ist es Seine Liebe, die das alles zuläßt.
„Aber fürs Geschöpf
ist nur das Ja gut und böse das Nein und das so lange, bis er nicht völlig
eins mit Mir geworden ist, allwo es dann auch im Nein wird bestehen können.“
sagte der himmlische Vater. (3.HG 67,15) Wenn ein Mensch jemanden tötet,
so tötet er zumeist aus Selbstsucht und Herrschsucht, denn er will sich
widerrechtlich etwas aneignen oder er will andere beherrschen und das
ist für ihn böse. Ein Todesengel, der von Gott den Auftrag hat, eine
Seele von ihrem Körper zu trennen, tötet nicht aus Selbstsucht und
Herrsch- sucht, sondern aus Gottes- und Nächstenliebe. Das kann ihm
aber erst dann von Gott aufgetragen werden, wenn ein Geschöpf in der
Liebe völlig eins mit Ihm geworden ist.
16. Vor Gott gibt es nichts Böses
Die gesamte Materie entstand aus dem gegengesetzlichen Reiz. Obwohl es
notwendig war, daß Gott den Reiz in die Geschöpfe legen mußte, weil
sie ohne ihn keinen freien Willen gehabt hätten, so war es aber keine
Notwendigkeit, daß viele Geister dem Reiz nachgaben. Dadurch
widerstrebten sie der Ordnung Gottes und als Folge davon entstand die
Materie. Sie hätten aber dem Reiz ebenso gut widerstehen können, wie
es die sechsmal so vielen Urgeister vermocht hatten, dem Reiz zu
widerstehen. (4.GEJ 108,3) Jesus sagt: „Ist das Unkraut ursprünglich auch eine Notwendigkeit zur
Konstatierung (Feststellung) eines völlig freien, geistigen Lebens, so
muß es aber endlich von dem frei geschaffenen Menschwesen doch als
solches erkannt und freiwillig hinausgeschafft werden, weil es mit
demselben unmöglich fortbestehen kann.
Es ist wohl ein
notwendiges Mittel zum Zwecke, kann aber nie mit dem Zwecke selbst eins
werden. Das Netz ist auch ein notwendiges Mittel zum Fange der Fische;
aber wer wird es darum ins Wasser tauchen, um es statt der Fische
um seiner selbst willen wieder herauszuziehen, es dann am Feuer zu rösten und als eine Speise zu genießen?!
Das Netz ist also nur zum Fange der Fische notwendig; und hat man damit
die Fische aus dem Wasser gehoben und sie in die Speise- kammer gebracht,
so legt man das Netz weg und benutzt den damit gemachten Gewinn... Das
Unkraut oder der Reiz zum Übertreten des Gesetzes ist daher ein
Untergeordnetes und darf nie und nimmer zu einer Hauptsache werden!“
(4.GEJ 104,3-4+7)
Wer dem Reiz zum Übertreten
des Gesetzes nachgibt, der ist mehr oder weniger böse, schlecht oder
unrein. Aber Gott und den himmlischen Geistern gegenüber gibt es kein Böses,
Schlechtes oder Unreines, denn es kann ihnen kein Satan oder Teufel
einen Schaden zufügen. Böse, schlecht und unrein sind solche Geschöpfe
nur sich selbst gegenüber, weil sie sich, solange sie noch
widerordentlich sind, nur ganz allein selbst schaden. Jesus sagt: „Vor
Gott aber gibt es nichts Unreines, nichts Schlechtes und nichts Böses;
denn dem Reinen ist alles rein, und alles ist gut, was Gott geschaffen
hat, und Gott gegenüber gibt es denn auch keinen Satan, keinen Teufel
und somit auch keine Hölle. Nur das Geschaffene in und für sich ist
alles das so lange, als es ein Geschaffenes und Gerichtetes zu
verbleiben hat und endlich im Besitze des freien Willens, ob gut oder böse,
verbleiben will.“ (8.GEJ 34,12)
Vor Gott gibt es
nichts Böses und Er hat auch keinen Keim des Bösen erschaffen und in
die Geschöpfe gelegt, sondern nur den Reiz zum Bösen oder zur Wider-
ordnung. Das ist ein gewaltiger Unterschied, denn im Keim des Bösen
ist das Böse bereits keimhaft vorhanden, aber im Reiz zum Bösen ist
die Entscheidung für das Gute oder Böse noch nicht gefallen. Da
entscheidet das Geschöpf im freien Willen, ob es dem Reiz nachgeben und
böse werden will, oder ob es dem Reiz widerstehen und aus eigenem
Antrieb in der Ordnung Gottes und damit in der göttlichen Liebe und
Demut verbleiben will. Somit ist es unberechtigt, zu sagen, in der
Offenbarung durch Jakob Lorber stände geschrieben, daß Gott der
Ausgang des Bösen gewesen sei.
Es ist wohl vielen
klar, daß in der freien Willensentscheidung des Geschöpfes erst das Böse
seinen Anfang nehmen kann. Aber es ist mir nicht bekannt, daß außer
dem Lorber- werk noch irgendwo erklärt wird, wie denn ein Geschöpf von
Gott ausgestattet sein muß, um einen freien Willen haben zu können, daß
es einen gegengesetzlichen Reiz dazu braucht und wo der Reiz herkommt.
Diese Erklärungen finden wir nur in der echten Offenbarung, die uns
Jesus durch Jakob Lorber gegeben hat. Weil aber solche tief- gehenden
Erklärungen in diesem Werk vorhanden sind, so sind diese Erklärungen
auch schwerer zu verstehen als das, was in anderen Schriften über das
Thema geschrieben steht und deshalb sind Mißdeutungen und falsche
Anschuldigungen zwangsläufig davon die Folge.
Quellenverzeichnis
GEJ Das
große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981-1986
11.GEJ Das große Evangelium Johannes, Leopold Engel, 1987
HG Die Haushaltung Gottes, Jakob
Lorber, 3 Bände, 1981
BM Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960
RB Von der Hölle bis zum Himmel,
(Robert Blum), Jakob Lorber, 2
Bände, 1963
Hi. Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände,
1935, 1936, 1993
EM Erde und Mond, Jakob Lorber, 1953
Fl. Die Fliege, Jakob Lorber, 1979
Sg. Schöpfungsgeheimnisse, Gottfried Mayerhofer,
1932
Be.Fe.Dr. Unser Betrachtungsbuch, Der Fest-Garten, Zur
Dreieinigkeit, 1899
Lorber Verlag, 74321 Bietigheim-Bissingen
UB Ursprung des Bösen, BD Bertha Dudde,
herausgegeben von W. Kühner
Gal. Bibel, Galaterbrief, Übersetzung Franz Eugen
Schlachter
Hiob Bibel, Hiob, Übersetzung Franz Eugen Schlachter
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