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Die
große Bedeutung der Neuoffenbarung
Gerd Kujoth 
Kurz vor Seiner
Gefangennahme, als Jesus die Jünger auf Seinen Abschied vorbereitete, sprach Er
zu ihnen: „Nun gehe Ich hin zu dem, der Mich gesandt hat“ und „Es ist gut
für euch, daß Ich hingehe.“ (Joh. 16,5+7) Da wurden die Jünger traurig,
denn sie hätten Jesus nur zu gerne weiter bei sich gehabt. Aber Er konnte nicht
ewig im Fleische auf dieser Erde verbleiben. Seine Erdenlebenszeit betrug nur 33
Jahre. Aber in dieser kurzen Zeit, die Er in Seinem neuen Wort als „die große
Zeit der Zeiten“ bezeichnet, hat Er durch Seine Lehre und durch Seine Taten
den Grundstein gelegt zunächst für einen neuen Himmel, den Er nach Seiner
Auffahrt eröffnete und später, bei Seiner Wiederkunft in dieser jetzigen
Endzeit, die er „die kleine Zeit der Zeiten“ bezeichnet, dann auch für eine
geistige Erneuerung der Erde.
Und weil Er nicht im
Fleische auf der Erde verbleiben konnte, verhieß Er Seinen Jüngern: „Siehe,
Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit.“ (Matth. 28,20) - Aber
auf welche Weise? - Jesus sagte im großen Evangelium: „In Meinem Worte, das
Mein Geist und Meine Liebe ist, werde Ich fortan bei den Menschen guten Willens
verbleiben bis ans Ende der Welt!“ (3.GEJ 226,4) Und Er sagte: „Ich will den
Vater bitten, und Er wird euch einen andern Beistand geben, daß er bei euch
bleibe in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit“ (Joh. 14,16) „der wird euch
alles lehren und euch an alles erinnern, was Ich euch gesagt habe.“ (Joh.
14,26) Und so blieb Jesus allezeit in Seinem Worte, im Geiste der Liebe und der
Wahrheit, den eben dieses Sein Wort in uns weckt, unter Seinen Nachfolgern und
offenbarte Sich all denen, die Seine Gebote hielten und Ihn liebten. (Joh.
14,21)
So gab es nie eine längere
Zeit unter den Menschen, die ohne eine Offenbarung von Ihm geblieben ist. Zwar
hat Jesus in Seiner Lehrzeit alles gesagt, was Er sagen wollte, aber dennoch
sagte Er kurz vor Seinem Tode zu Seinen Jüngern: „Noch vieles hätte Ich euch
zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der
Geist der Wahrheit, wird Er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn Er wird
nicht von sich selbst reden, sondern was Er hören wird, das wird Er reden, und
was zukünftig ist, wird Er euch verkündigen.“ (Joh. 16,12-13) „Noch vieles
hätte Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.“ - Aus
diesem Vers sehen wir, daß Jesus Seinen Jüngern gerne noch vieles gesagt
hätte, was sie aber damals noch nicht ertragen konnten.
Deshalb verhieß Er ihnen
den Geist der Wahrheit, der sie dann in die ganze Wahrheit leiten würde, d.h.
der ihnen noch das sagen würde, was Jesus ihnen zu Seiner Erdenlebenszeit noch
gerne gesagt hätte, einschließlich der Verkündigung des Zukünftigen. Wir
sehen daraus, daß es für die Menschen eine Notwendigkeit ist, daß von Zeit zu
Zeit neue Offenbarungen erfolgen müssen, die die Menschheit in der Wahrheit
leitet. Wie ein Lehrer seinen Schülern in der ersten Klasse nur wenige
grundlegende Dinge sagen und ihnen erst mit ihrem Älter- und Reiferwerden von
Klasse zu Klasse mehr beibringen kann, so kann es auch Gott mit uns Menschen
nicht anders machen. Deswegen sagte Paulus: „Und ich, meine Brüder, konnte
nicht mit euch reden als mit geistlichen, sondern als mit fleischlichen
Menschen, als mit Unmündigen in Christus. Milch habe ich euch zu trinken
gegeben, und nicht feste Speise; denn ihr vertruget sie nicht, ja ihr vertraget
sie jetzt noch nicht; denn ihr seid noch fleischlich.“ (1.Kor. 3,1-2)
Und im Hebräerbrief heißt
es weiter: „Obschon ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder
nötig, daß man euch gewisse Anfangsgründe der Aussprüche Gottes lehre, und
seid der Milch bedürftig geworden und nicht fester Speise. Denn wer noch Milch
genießt, der ist unerfahren im Worte der Gerechtigkeit; denn er ist unmündig.
Die feste Speise aber ist für die Gereiften, deren Sinne durch Übung geschult
sind zur Unterscheidung des Guten und des Bösen.“ (Heb. 5,12-14) Wir sehen
aus diesen beiden Texten, daß Jesu Nachfolger mit ihrem geistigen Wachsen und
Reifen auch fortschreitend belehrt werden müssen. Und was Jesus, als Er auf der
Erde war, Seinen Jüngern noch nicht sagen konnte, das hat Er ihnen und ihren
Nachfolgern später durch den Geist der Wahrheit verkündet. Was aber Jesus
damals seinen engsten Jüngern an tieferen Lehren gegeben hat, das durfte
wiederum der damaligen Menschheit noch nicht verkündigt werden, denn sie hätte
diese Lehren noch nicht verstanden.
Deshalb erlaubte Jesus
Seinen Evangelien-Schreibern nicht, alles aufzuzeichnen und sagte zu ihnen: „Das
ertraget ihr als Meine nächsten Zeugen wohl und möget es auch fassen; aber so
da alles beschrieben würde in vielen Büchern, was Ich vor euch alles tue und
rede, so würde solche Bücher die Welt nicht nur nicht fassen, sondern sich
dazu noch ärgern über alle Maßen und würde euch verschreien über alle Aase
der Erde! Darum soll von dir, Matthäus, nichts aufgezeichnet werden als das
nur, was Ich ausdrücklich dir aufzuzeichnen gebiete!“ (1.GEJ 216,10) „Wenn
ihr aber in Meinem Namen in die Welt hinausgehen und den Völkern Mein
Evangelium predigen werdet, so werdet ihr es auch in einer Milchspeise den
Kindern vorzusetzen haben. Denn so ihr mit solchen (tiefen) Lehren den Anfang
machen würdet, da würden euch die Menschen als Irrsinnige ansehen und euch gar
nicht anhören, was ihr lehren und sprechen würdet.“ (10.GEJ 155,7) Wir
werden nun die Entwicklungsschritte der Völker betrachten, die nötig waren,
damit Jesus auch Seine tiefe Lehre der Menschheit, die sich damals noch in einer
großen Lebensfinsternis befand, geben konnte.
Jesus sagte: „Wenn die
Menschen in ihrer inneren Lebenstätigkeit lau, träge, schläfrig und
lichtloser werden, so gibt es allerlei Bewegungen und Wogungen unter ihnen. Da
erhebt sich ein Volk wider das andere, eine Lehre bekämpft die andere, und es
geht dann lange Zeiten fort, bis die Menschen dadurch in eine möglich größte
Lebenstätigkeit versetzt werden. Dadurch wird es dann denn auch heller und
lichter unter ihnen. Die scheinbare Not macht sie erfinderisch und zwingt sie
auf diese Art zu einer stets größeren und geordneteren Tätigkeit. Durch
solche werden dann die Völker, die ehedem voneinander kaum etwas wußten,
miteinander bekannt und mit der Zeit sich gegenseitig nutzdienlich, und das
Licht wächst unter ihnen von Zeit zu Zeit stets mehr und mehr und erzeugt zum
ersten ein stets größeres Bedürfnis nach einer nahe greifbar erwiesenen
Lebenswahrheit. Wenn dieses Bedürfnis am Ende ein stets allgemeineres wird und
die Menschen sich mit dem puren Autoritätsglauben, der immerfort ein Grund zum
finsteren und trägen Aberglauben ist, nicht mehr begnügen, dann auch ist es an
der Zeit, ihnen ein großes und greifbares Lebenslicht voll Klarheit und
Wahrheit zu geben.
Und sehet, also müssen die
jetzt gar vielen in allerlei Trägheit und Lebensfinsternis wie von einem tiefen
Schlafe behafteten Menschen auf der ganzen Erde in eine große und sturmreiche
Bewegung versetzt werden, bis sie nach einer längeren Zeitenfolge dahin geweckt
werden, daß sie in solchem Gewecktsein endlich zu fühlen anfangen, was ihnen
mangelt! Wenn unter den menschen solch ein Zustand eintreten wird, dann wird es
auch an der Zeit sein, ihnen das zu geben, was ihnen mangelt, oder in solcher
Zeit erst werde Ich wieder zu den Menschen in diese Welt kommen und werde das im
allgemeinen tun, was Ich nun tue im Sonderheitlichen nur vor wenigen Zeugen. Ich
lege jetzt den Samen ins Erdreich und bringe dadurch den Menschen nicht den
Frieden, sondern nur das Schwert zum Streite und zu großen Kämpfen und
Kriegen.“ (8.GEJ 162,16 - 163,1) „Wenn Ich aber zum zweiten Male in diese
Welt kommen werde, dann auch wird unter den Völkern der Erde das Gären,
Kämpfen und Verfolgen ein Ende haben, und das Urverhältnis der Menschen zu den
reinen Geistern der Himmel wird ein normales und bleibendes werden.“ (8.GEJ
163,2)
Was die damaligen Menschen
noch nicht fassen konnten, das konnte ihnen aber in Bildern gegeben werden. Ja
es mußte ihnen sogar gegeben werden, auch wenn sie die Bilder nicht verstanden,
weil das Wort Gottes in die Menschen gelegt werden mußte, gleich wie ein
Samenkorn in die Erde, damit später eine Pflanze aus ihm hervorgehen kann, die
dann erst nochmals später ihre Früchte trägt. Und so hat Gott durch die alten
Propheten zumeist in bildlicher oder gleichnishafter Weise zu den Juden
gesprochen. Auch Jesus sprach viel in Gleichnissen und sagte: „Die volle,
nackte Wahrheit aber kann im allgemeinen dem Menschen auch von Mir aus jetzt
nicht gegeben werden, sondern nur verhüllt in Gleichnissen und Bildern, auf
daß er sie erst aus solchen Bildern suchend entwirren kann. Nur mit euch
wenigen rede Ich nun ohne Vorbehalt. Denen ihr sie aber wiedergebet, die sollen
sie von euch auch nicht völlig nackt erhalten, sondern auch irgend ein wenig
verhüllt, auf daß ihnen die Gelegenheit zum freien Nachdenken und zur freien
Tätigkeit ja nicht benommen wird.“ (3.GEJ 168,12)
„Es ist besser, die Sache
wird der Welt in aller Verhülltheit gegeben, und sie kann sich dann bloß mit
der Hülle zerbalgen, innerhalb deren aber dennoch der Lebenskern unversehrt
bleibt.“ (1.GEJ 216,13) Weiter sagte Jesus: „Wären jene Bücher der inneren
Geistesweisheit also geschrieben, daß sie für jeden natürlichen Weltverstand
schon auf den ersten Blick durch und durch verständlich wären, so würde sie
der Mensch dann bald zur Seite legen und nicht einmal mehr ansehen. Welchen
Nutzen hätte er dann davon?! So aber enthalten sie durchgreifend Geistiges von
der einfachsten Kreatur bis in das tiefst Himmlisch-Göttliche und können daher
von keinem natürlichen Weltverstande je völlig begriffen werden, sondern
allein von dem reinen, vollkommenen, jenseitigen Geiste des Menschen. Das
Nichtverstehen solcher (prophetischer) Schriften ist ein Wecker des Geistes im
Menschen und zeigt ihm, was und wie vieles ihm von der eigentlichen Lebensvoll-
endung abgeht.
Er wird daher solche
Schriften öfter zur Hand nehmen und darüber Betrachtungen anstellen, wobei ihm
von Zeit zu Zeit doch eines und das andere etwas klarer wird. Wenn er also durch
seine Mühe und durch seinen Eifer hinter ein Lichtlein des Geistes gekommen
ist, so wird er dann schon emsiger und emsiger im Forschen nach den inneren,
geistigen Wahrheiten und wird sogestaltig zu stets mehr und mehr Licht und auch
zu einer innigeren Verbindung mit seinem inneren, jenseitigen Geiste gelangen
und wird dann auch seinen Nebenmenschen ein helleres Licht zu geben imstande
sein, das ihnen sehr wohltun wird.“ (6.GEJ 101,9-11) Jesus sagte in Seinen
Abschiedsreden: „Solches habe Ich euch in Gleichnissen gesagt; es kommt aber
die Stunde, da Ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden, sondern offen vom
Vater Kunde geben werde.“ (Joh. 16,25) Zwar sagten die Jünger daraufhin, daß
Er nun offen rede und kein Gleichnis brauche, was für sie auch zum Teil zutraf,
aber für die gesamte Menschheit war damals die Stunde des offenen Redens vom
Vater noch nicht da.
Erst in der Neuoffenbarung
hat sich dieses Wort in vollem Umfang erfüllt. Erst in ihr finden wir das volle
Verständnis dafür, wer der Vater ist. Offen gibt uns Jesus in ihr kund, daß
Er der Vater, der Sohn und der heilige Geist Selbst ist, in einer Person. In der
heutigen Zeit ist die Menschheit fähig, größeres und tieferes zu fassen,
weshalb ihr auch im Laufe der Zeit neue und immer größere Offenbarungen durch
Jakob Böhme, Emanuel Swedenborg und Jakob Lorber, um nur die größten und
umfangreichsten zu nennen, gegeben wurden. Johannes, der schon in seinem
Evangelium bezeugte, daß Jesus noch andere Dinge getan hat, die nicht
aufgeschrieben wurden (Joh. 21,25), spricht in der gewaltigsten der neuen
Offenbarungen: „Es hat aber der Herr nach Seiner Auferstehung noch gar vieles
mit uns, Seinen Erwählten, gesprochen, welches nicht aufgezeichnet ward. Und
wäre es auch aufgezeichnet worden, so hätte die Welt die Bücher vor der Menge
und vor der Größe und Tiefe des Inhaltes nicht fassen können. Hier aber (d.h.
in der Neuoffenbarung) wird euch so manches davon kundgetan.
Daher möget ihr wohl
aufmerksamen Geistes sein, um in euch zu fassen das große Geheimnis des Lebens
und die innere große Weisheit des Geistes.“ (2.GS 15,29) Was Jesus Seinen
Jüngern nach Seiner Auferstehung alles gesagt hat, das durfte die Menschheit
damals noch nicht erfahren. Für uns heutige Menschen war erst in jüngster
Vergangenheit der Zeitpunkt gekommen, daß uns so manches davon offenbart werden
konnte. Was Jesus damals nur zu wenigen sagte und was nur bruchstückhaft oder
gar nicht aufgezeichnet wurde oder ganz verloren ging, das hat Er für uns
heutige Menschen in der Neuoffenbarung offen geredet für jedermann, der sie
annehmen will. Zwar sind die Grundzüge Seiner Lehre von der Liebe in der Bibel
vorhanden und einzelne Täter dieser Liebelehre wurden vom heiligen Geist in der
Wahrheit geleitet, aber der Großteil der Christen richtete sich nicht nach ihr
und verfiel schon bald in allerlei Irrtümer. Was nun von Seiner Lehre in der
Zwischenzeit falsch aufgefaßt wurde, das mußte berichtigt werden. Und das ist
ebenfalls ein Grund für die Notwendigkeit neuer Offenbarungen.
Jesus sagt durch Gottfried
Mayerhofer: „In jener Zeit galten unter dem Judenvolk nur Moses und die
Propheten. Es handelte sich darum, sie nicht umzustoßen, sondern ihre Worte vor
Verunglimpfungen zu bewahren, das Erz von den Schlacken zu reinigen und zu
beweisen, daß Ich als Christus nichts Neues bringen, sondern nur geistig
erklären und ins Leben übertragen will, was wörtlich verstanden und
aufgefaßt wurde.“ (PH 3) Auch in der heutigen Zeit ist die reine Lehre Jesu
von den wieder eingeschlichenen Irrtümern gereinigt worden. Auch jetzt ist uns
nichts Neues gegeben, sondern nur geistig erklärt worden, was seither wörtlich
verstanden und aufgefaßt wurde,. Er konnte aber erst dann mit Seinem neuen Wort
die eingeschlichenen Irrtümer beseitigen, nachdem ein Großteil des
Aberglaubens bzw. Falschglaubens durch die Wissenschaft hinweggeräumt worden
war. Denn zur Zeit Jesu waren die Menschen noch voll des dicksten
Aberglaubens.
Jesus sagte, als Er auf der
Erde war: „Wo es nun unter den Menschen eine Wissenschaft und eine von ihr
abgeleitete Kunst gibt, so sind dabei auch stets über drei Vierteile blinder
Aberglaube. (Mit Kunst ist hier aber nicht das Bildermalen gemeint, sondern die
Kunst, auf Grundlage der Wissenschaft allerlei Geräte, Apparate oder Maschinen,
insbesondere zum Erforschen der Natur der Erde und des Sternenhimmels,
anfertigen zu können.) Auf solch eine faule Frucht von dem noch ungesegneten
Baume der Erkenntnis aber läßt sich keine höhere Himmelswahrheit stellen; und
wollet ihr sie darauf stellen, so wird darauf eine Frucht zum Vorscheine kommen,
die man wohl den Drachen zum Fraße vorwerfen, aber nicht den Menschen zur
Nahrung geben könnte. Und sehet, und merket es wohl! Aus derlei Früchten
werden auch die falschen Propheten mit all ihren Irrlehren und falschen
Wunderzeichen hervorgehen und mehr denn drei Vierteile der Erde verderben.
Denn so man sich bemühen
wird, Meine reinste Wahrheitslehre mit den nun unter den Menschen bestehenden,
mit allerlei Aberglauben untermengten Wissenschaften und wenig sagenden und
leistenden Künsten in der Meinung zu vereinen, daß sie dadurch für die
Menschen um so leichter annehmbar würde, so wird man, leicht von selbst
verständlich, Meine Lehre stets mehr und mehr verunreinen.“ (9.GEJ 90,9-10)
Jesus wußte wohl, in welchem Zustand sich die damalige Menschheit und ihre
Wissenschaft befand und daß sie nur reif war für die Grundzüge Seiner Lehre.
Er wußte, daß selbst diese Grundzüge durch den abergläubischen Wissensstand
der damaligen Menschen verunreinigt werden würde. Aber Er hatte das mit
berücksichtigt. Auf Seine Erdenlebnenszeit zurückblickend sagt Jesus: „In
der Zeit, als Ich auf der Erde Meine Lehre den Menschen gab, da war das
Heidentum unter allerlei Formen und Gestaltungen nach allen Seiten hin weit
über die ganze Erde ausgebreitet, und Meine Lehre war nur ein heller
Morgenstern in der großen Heidennacht.
Der Morgenstern wurde bald
und leicht von dem dichtesten Nachtgewölke der Heiden so gänzlich verdeckt,
daß die Menschen nur hie und da mit Mühe seinen wahren Stand erraten konnten.
Einige sagten: ‘Siehe da!’, und andere: ‘Siehe dort!’ Und es geschah,
daß sie andere Sterne (d.h. die Lehren der Heiden) für den Morgenstern ansahen
und hoch verehrten. Und so hatte das damals so großmächtige Heidentum ein
leichtes zu tun, um den Morgenstern mit sich zu verschmelzen und zu vereinen und
sich so dem Volke, das nach dem Morgenstern, von dem es häufig reden gehört
hatte, fragte, als der allein rechte, alte Morgenstern darzustellen. Der so
umwölkte und verunstaltete Morgenstern wirkt vor dem blinden Volke auch
Wunderzeichen unter dem nur veränderten Namen des Zeus in den Meinen, und das
Volk war zufrieden, und das alte Heidentum blieb mit sehr geringen
Abänderungen. Aber Meine Lehre blieb denn doch auch bei allen Verfolgungen bei
wenigen unversehrt und wohlerhalten.
Der edle Same, der auf ein
gutes Erdreich fiel, schlug gute und feste Wurzeln, trieb und trug gute
Früchte, wennschon im Verborgenen, von den Blindaugen der Hure Babels
unbemerkt. Aus dem Morgensterne ward eine Sonne, die nun vollends aufgeht,
(hiermit ist die Neuoffenbarung gemeint) und das Gewölk des Heidentums wird
diese Sonne nimmerdar derart mehr zu verdecken vermögen, daß selbst ein
Schwachsichtiger den Tag für die Nacht halten könnte. Das Licht Meines Blitzes
ist mächtig geworden und wird von der Heidennacht nimmerdar verdrängt werden.“
(10.GEJ 30,4-7) Der Vater konnte aber nicht einfach ohne jegliche Vorbereitung
der Menschheit eine neue Offenbarung geben. Die Menschen mußten erst Schritt
für Schritt soweit geführt werden, bis zumindest ein Teil von ihnen fähig
wurde, solch ein gewaltiges Himmelslicht im freien Willen zu erkennen.
Jesus erklärte, als Er auf
der Erde war: „Ich habe bei gar vielen Gelegenheiten die verschiedenen Dinge,
Erscheinungen und Vorkommnisse euch und auch anderen Menschen, die einen guten
Willen und ein empfängliches Herz hatten, wohl und anschaulich gründlich
erklärt, habe vor euren Augen und Ohren den ganzen Sternenhimmel so enthüllt,
daß ihr nun wohl wisset, was unsere Sonne, der Mond, die Planeten, und was die
zahllos vielen andern Sterne sind, und welch eine Beschaffenheit sie haben, und
habe euch mehrere sogar mittels der Eröffnung der inneren Geistessehe
besichtigen lassen; und so besitzet ihr nun in gar vielem schon die reinste
Wissenschaft. Gehet aber hin, und lehret die blinden Menschen so, wie Ich euch
belehrt habe, und ihr werdet es nur zu bald erfahren, wie schwer die Menschen
von ihrem alten (irrtümlichen) Wissen und seinen mystischen Vorurteilen
abzuwenden sind!
Dazu gibt es auch eine
Unzahl Menschen, die von ihren selbstsüchtigen Priestern und Beherrschern
derart verdummt sind, daß sie solch eine Aufklärung im Wissen als einen
niemals verzeihlichen Frevel gegen die Götter ansehen würden und einen
Menschen gar übel zurichteten, der sie zu einem Frevel wider ihre Götter
verleitete. Um bei den Menschen mit der Länge der Zeiten in den Wissenschaften
und den aus ihnen hervorgehenden Künsten eine volle Reinigung zu bewirken, muß
ihnen zuvor Meine Lehre gepredigt sein, und die vielen Götzen samt ihren
Priestern und Tempeln müssen zerstört werden. Ist das geschehen und Mein
Evangelium, wenn auch durch viele falsche Propheten, den Menschen gepredigt
worden, dann auch werden sie fähig, sich nach und nach in den Wissenschaften
und Künsten zu reinigen; und diese werden dann ein Blitz sein, der vom Aufgange
bis zum Untergange alles hell beleuchtet, was da auf der Erde ist.
Unter dem 'Aufgange' aber
versteht man das Geistige, unter dem 'Untergange' aber alles Naturmäßige.“
(9.GEJ 91,6-9) Zunächst mußte erst einmal das Götzentum verschwinden, und das
hat Jesus durch die Ausbreitung der Grundzüge Seines Evangeliums bewirkt. Es
spielte in diesem Anfangsstadium keine Rolle, daß es durch die Menschen, die
gerade noch einem abergläubischen Heiden- und Götzentum angehört hatten,
durch die Entstehung eines neuen Heiden- und falschen Prophetentums zum Teil
wieder verunreinigt würde. Wichtig war, daß sich später auf Grundlage des
Christentums eine reinere Wissenschaft entwickeln konnte, was auf Grundlage des
Heidentums nicht möglich gewesen wäre. „Die Menschen müssen vor aller
Wissenschaft erst wahre Menschen werden“, sagte Jesus, „ansonst ihnen was
immer für eine Wissenschaft viel mehr schaden als irgend frommen kann.
Denn alle Wissenschaft
beschäftigt nur den Verstand, der im Gehirne seinen Sitz hat; aber das Herz als
das Fundament des Lebens bleibt ungeschlacht, roh und wild, wie das eines
Raubtieres, und übt mit Hilfe der Wissenschaft noch mehr Böses aus als ohne
dieselbe; denn bei einem gottlosen Herzen ist die Wissenschaft eine wahre
Leuchte zum Bösen aller Art und Gattung! Darum, Meine Freunde und Brüder,
schaffet den Blinden vorerst eine rechte Lebensleuchte ins Herz, und lasset
durch solche Leuchte dann erst auch der Seele Verstand erleuchten, und es wird
dann alle Wissenschaft dem Menschen zu einem wahren Segen werden!“ (3.GEJ
175,4-5) Die rechte Lebensleuchte ins Herz der Menschen ist die Lehre Jesu von
der Liebe, die Er den Menschen verkündete. Mit dieser Lehre mußten die
Menschen erst durchgegoren werden, bis sie eine genügende Wirkung hervorbrachte
und eine möglichst reine Wissenschaft entstehen konnte.
Durch die Lehre von der
Liebe wurde das Gewissen der Menschen geweckt und durch das geweckte Gewissen
wurden der Menschheit die Forschungsergebnisse der Wissenschaft weder
vorenthalten noch wurden sie in zu großem Maße zum Bösen angewandt, was ohne
die Lehre Jesu der Fall gewesen wäre. Seit alters her sind in allen Gegenden
der Erde die Menschen ja oft genug des Geldes und Besitzes wegen von den
Priestern betrogen worden, die ihnen die Wahrheit vorenthielten. Das war
besonders bei ungewöhnlichen Naturerscheinungen der Fall, die aber Jesus selbst
und auch schon Moses wahrheitsgemäß ausführlich erklärten. Jesus sagte
darüber: „Zu allen Zeiten hat das Priestertum alle außergewöhnlichen
Naturerscheinungen vor den blinden Völkern zu seinem Nutzen auszubeuten
verstanden. Die Mond- und Sonnenfinsternisse, die Kometen, große Stürme und
große feurige Erscheinungen in der Luft und noch andere seltene Erscheinungen
erklärte es für außerordentliche, böse Anzeichen aus den Himmeln und ordnete
bald große Gebete und Opferungen an.“ (6.GEJ 166,9)
Und zu uns heutigen
Menschen sagt Jesus: „Von den Lehren, was die Dinge und Erscheinungen (auf der
Erde und am Himmel) und ihre Beschaffenheit betrifft, ist bis auf diese Zeit hie
und da ganz im Verborgenen nur weniges verblieben; und wo noch aus der Zeit der
Römer und Griechen etwas vorgefunden wurde, ward es von den Klöstern
aufgefangen, aber davon der im Finstern schmachtenden Menschheit auch nie ein
Häkchen groß verkündet. Sonnen- und Mondfinsternisse, Kometen und noch andere
ganz natürliche Erscheinungen haben bei ihrer Wahrheitsdarstellung den
Priestern nichts eingetragen. Man hat sie nur zu bald wieder zu Vorboten und
Verkündern der von Mir über die Menschen verhängten Strafen gemacht, damit
die dadurch geängstigten Menschen dann zu den Tempeln (bzw. Kirchen), die bald
wie die Pilze aus der Erde emporgewachsen sind, in großen Scharen wallfahrteten
und daselbst reiche und viele Opfer zu den Füßen der Priester
niederlegten.
In den Katakomben Roms und
in den Pfaffenburgen Spaniens und Italiens und hie und da auch des deutschen
Reiches finden sich noch gar manche sehr gewichtigen Aufzeichnungen aus Meiner
Zeit vor; aber die noch jetzt bellendste Hab-, Glanz- und Herrschsucht der Hure
Babels läßt davon ja nichts unter die Menschen kommen, und das aus der Furcht
und großen Sorge, nun sich zu gewaltig zu verraten und dann von aller Welt
dahin zur strengsten Rechenschaft gezogen zu werden, aus welchem Grunde sie den
Menschen so viele Jahrhunderte die Wahrheit vorenthalten habe. Da der schnöde
Grund wohl jedem Denker von selbst einleuchtend ist, so ist es hier denn auch
wahrlich nicht nötig, ihn noch näher zu beleuchten. Wie lange ist es denn seit
der Zeit, als man dem Volke die vier Evangelien und die Apostelgeschichte des
Lukas, die Briefe der Apostel und die Offenbarung Johannis auf das strengste
vorenthalten hat?“ (10.GEJ 25,7-10)
Aber Jesus sagte schon zur
Zeit Seines Erdenwandels voraus: „Ich werde zur rechten Zeit Menschen erwecken
für die reinen Wissenschaften und Künste, und diese werden es den Menschen von
den Dächern herab verkünden, wie die Diener Balaams ihre Wunder bewirkt haben.
Dadurch wird die reine Wissenschaft in allen Dingen, sowie auch die reinen
Künste zu einem unbesiegbaren Vorläufer und Vorkämpfer für Mich gegen den
alten Aberglauben werden; und so durch sie der Augiasstall wird gereinigt sein,
dann werde Ich ein leichtes und wirksamstes Wiederkommen auf dieser Erde haben.
Denn mit der allenthalben reinen Wissenschaft der Menschen wird sich Meine
reinste Lebenslehre auch leicht vereinen und so den Menschen ein vollständiges
Lebenslicht geben, da eine Reinheit die andere nimmerdar verunreinigen kann, so
wie eine sonnenhelle Wahrheit die andere nicht.“ (9.GEJ 90,11) Wer kennt nicht
den Kampf der falschen Propheten gegen Galilei?
Er war einer der vielen
Erweckten für die reinen Wissenschaften und Künste, zu deren Durchbruch er
entscheidend mit beigetragen hat. „Wie sträubte man sich gegen das Licht
Meines hellen Wissenschaftsblitzes“, sagt Jesus in unserer heutigen Zeit, „der
vom Aufgange bis zum Niedergange alles, was auf Erden ist, von neuem hell zu
erleuchten anfing, und das schon vor dreihundert Jahren, und dessen Licht nun
stets heller und heller leuchtet, und das also, daß in dieser Zeit sogar die
geheimsten und verborgensten Gemächer der einst so großen und mächtigen Hure
Babels wie am hellsten Tage offen liegen!“ (10.GEJ 25,11) „Sage: Kann irgend
die Nacht auf der Erde ihre Herrschaft ausüben, wo die Sonne bereits schon hoch
über dem Horizonte steht?! Also ist es auch nun schon auf der Erde!
Das Licht ist zu mächtig
geworden, und die ehedem aller Finsternis - ihrer Throne und ihres
unbeschreibbaren Wohllebens wegen - so sehr huldigenden Machthaber fangen an, in
der unbesiegbaren Macht dieses Lichtes ihre große Ohnmacht einzusehen, und
müssen nun, so sie bestehen wollen, dem ihnen ehemals so verhaßten Lichte ein
freundliches Gesicht zu machen beginnen. Und wollen sie wieder so ganz
unvermerkt in die alte Finsternis einlenken, so erkennt das das Volk und versagt
ihnen den Gehorsam und treibt sie bald in große Verlegenheiten und auch von
ihren Herrscherthronen. Meinem Willen läßt sich kein Trotz bieten. Ich lasse
zwar den Menschen gleichfort ihren ganz freien Willen im Besonderen; aber im
Allgemeinen bin Ich der Herr und nehme keine Rücksicht vor den Mächtigen
dieser Erde! Die Zeit des Lichtes ist einmal da und kann durch keine irdische
Menschenmacht mehr aufgehalten werden.“ (10.GEJ 25,15-16)
Das Licht des
Wissenschaftsblitzes war die Voraussetzung dafür, daß wir Jesu reine und
tiefere Lebenslehre, wie sie die Neuoffenbarung bietet, überhaupt verstehen
können. Wenn wir von der Wissenschaft her nicht gewußt hätten, daß die Erde
keine Scheibe, sondern eine Kugel ist und daß die Monde, Planeten und Sonnen
ähnliche, zum Teil noch größere Himmelskörper sind, die im Weltall kreisen,
wie hätten wir in der Neuoffenbarung die geistige Erklärung des Weltalls, den
damit zusammenhängenden Fall der Geister und die Erlösung des ganzen, großen
Schöpfungsmenschen überhaupt verstehen können? „Ihr könnet es nun noch gar
nicht ahnen“, sagte Jesus weiter, „zu welch großen und vieles umfassenden
Wissenschaften und Künsten es dereinst die Menschen bringen werden, und wie
sehr dadurch aller Aberglaube unter den Menschen gelichtet werden wird.“
(9.GEJ 90,8)
Es gibt heute zwar noch
immer manchen Aberglauben unter den Menschen, aber er ist doch gegenüber der
Zeit des Götzentums und auch gegenüber der Zeit des Mittelalters schon
wesentlich geringer geworden. „Erst am Ende“, sagte Jesus, „wird aller
Aberglaube mit den Waffen der Wissenschaften und der Künste vom Boden der Erde
hinweggeräumt werden, wobei aber dennoch kein Mensch in seinem freien Willen
nur im geringsten beirrt wird. Dadurch wird mit der Zeit wohl eine volle
Glaubensleere unter den Menschen sein; aber es wird ein solcher Zustand nur eine
höchst kurze Zeit dauern.“ (9.GEJ 89,9-10) Natürlich hätte Jesus gleich auf
der Erde bleiben und die Menschen weiter belehren können, nachdem Er
auferstanden war, aber da wären die Menschen nicht mehr frei, sondern gerichtet
gewesen.
Deshalb war es gut, daß Er
hinging. Unter Beachtung des freien Willens, gab es keinen anderen Weg, als wie
ihn Jesus hier aufgezeigt hat. Er mußte deshalb auch die Ablehnung jeglichen
Glaubens, hervorgerufen durch die Wissenschaften, für eine Zeitlang in Kauf
nehmen. Die Glaubensleere war sogar höchst notwendig, denn mit dem Glauben
lehnten die Menschen auch die falschen Propheten ab, die immer einen
Autoritätsglauben lehren, der mit mancherlei Irrtümern durchsetzt ist, und
waren frei zur Aufnahme der neu geoffenbarten reinen Lehre Jesu. „Wann es aber
einst vonnöten sein wird“, sagte Jesus damals zu Johannes, „so werde Ich
schon von neuem Menschen erwecken und werde ihnen kundgeben alles, was hier
geschehen ist, und was die Welt zu erwarten hat um ihrer unverbesserlichen
Bosheit willen. Wie aber das alles geschehen wird, das werde Ich dir, du Mein
Bruder Johannes, nachdem Ich wieder in Meinen Himmeln wohnen werde, noch in
dieser Welt für alle Welt in verhüllten Bildern offenbaren!“ (1.GEJ
216,14-15) Von einem dieser verhüllten Bilder schrieb Johannes: „Und ich sah
die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabsteigen von Gott,
zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.“ (Off. 21,2)
Natürlich ist das keine
materielle Stadt, die da vom Himmel auf die Erde herabkommt, sondern das ist ein
Bild, durch das ein geistiges Ereignis dargestellt wird. Im großen Evangelium
erklärte uns Jesus dieses Bild. Er sagte: „Die Lehre, die Ich euch nun gebe,
ist Gottes Wort und bleibt ewig, und darum werden jene Menschen, von denen hier
die Rede ist (also wir heutigen Menschen), auch nur diese Lehre von Mir
überkommen, die ihr von Mir überkommen habt; aber in jenen Zeiten wird sie
ihnen nicht verhüllt, sondern völlig dem himmlischen und geistigen Sinne nach
enthüllt gegeben werden, und darin wird das neue Jerusalem bestehen, das aus
den Himmeln auf die Erde herniederkommen wird. In seinem Lichte wird den
Menschen erst klar werden, wie sehr ihre Vorgänger von den falschen Propheten,
gleichwie die Juden nun von den Pharisäern, hintergangen und betrogen worden
sind. Sie werden dann nicht mehr Mir und Meiner Lehre die Schuld an all dem
vielen Unheile auf der Erde in die Schuhe schieben, sondern den höchst selbst-
und herrschsüchtigen falschen Lehrern und Propheten, die sie schon im Lichte
ihrer Wissenschaften und vielen Künste nur zu genau werden erkannt haben,
wessen Geistes Kinder sie waren.
Wenn aber das hellste Licht
des neuen Jerusalems über die ganze Erde scheinen wird, dann werden die Lügner
und Betrüger völlig enthüllt und der Lohn für ihre Arbeit ihnen gegeben
werden.“ (9.GEJ 90,2-4) Die Herabkunft des neuen Jerusalems ist also kein
Ereignis, auf das wir noch warten müssen, sondern es ist bereits mitten unter
uns. Das ist die ausführliche Lehre Jesu, das Reich Gottes, (6.GEJ 220,7) das
nahe herbeigekommen ist, in das wir aber erst eingehen durch die Tat nach der
Lehre. Diese Lehre, die bereits schon vor über 100 Jahren in vollster Reinheit
aus den Himmeln auf die Erde herniedergekommen ist und sich zusammensetzt aus
vielen Teilenthüllungen des inneren, geistigen Sinnes aller Worte Gottes, die
je seit Adam den Menschen durch den Mund der Propheten und Seher und durch Jesus
Selbst gegeben wurden. (7.GEJ 54,4) Und Jesus sagte: „Aus solchen vielen
Teilenthüllungen des inneren, geistigen Sinnes des Wortes Gottes wird sich eine
wahre und große Licht- und Lebenslehre zusammenformen, und diese Lehre wird
dann das große und neue Jerusalem sein, das aus den Himmeln zu den Menschen
herniederkommen wird.
Und die in der neuen Lehre
sein und leben werden, die werden wandeln im neuen Jerusalem und werden darin
ewig wohnen, und ihrer Seligkeiten über Seligkeiten wird ohne Maß und Ziel
nimmer ein Ende sein. Denn Ich Selbst werde bei ihnen sein, und sie werden
schauen alle die zahllosen Herrlichkeiten Meiner Liebe, Weisheit und Allmacht.“
(7.GEJ 54,5) Allein durch den Glauben an die große Licht- und Lebenslehre
werden wir keine Bürger des neuen Jerusalems sein, sondern nur durch die Tat
nach ihr. Die zwölf Tore dieser Stadt sind die zwölf Gebote und durch das
Halten der zwölf Gebote gehen wir durch die Tore in die Stadt ein und sind
Bewohner des neuen Jerusalems. (7.GEJ 54,8-10) Dieses neue Jerusalem, sagte
Jesus, „bin Ich im Geiste Meines lebendigen Wortes, das Ich in Zukunft in die
Herzen jener Menschen legen werde, die Mich lieben und Meine Gebote halten
werden; zu denen werde Ich Selbst kommen und werde Mich ihnen offenbaren. Und
also werden sie alle von neuem von Gott belehrt sein.“ (7.GEJ 54,3)
Jesus ist es Selbst, der
bereits auf geistige Weise in Seinem Wort als eine große Licht- und Lebenslehre
vom Himmel auf die Erde herabgekommen ist. Und so sind die Neuoffenbarungen die
geistige Wiederkunft Jesu auf diese Erde. Denn Jesus sagte: „Ich werde zuerst
unsichtbar kommen in den Wolken des Himmels, was soviel sagen will als: Ich
werde vorerst Mich den Menschen zu nahen anfangen durch wahrhaftige Seher, Weise
und neuerweckte Propheten, und es werden in jener Zeit auch Mägde weissagen und
die Jünglinge helle Träume haben, aus denen sie den Menschen Meine Ankunft
verkünden werden, und es werden sie viele anhören und sich bessern.“ (9.GEJ
94,3) Welch eine Bedeutung unter den neuen Offenbarungen das Werk hat, das uns
durch Jakob Lorber gegeben wurde, erfahren wir aus dem Buch „Der große Advent“.
Waren die Offenbarungen vor Lorber hauptsächlich Bahnbrecher für dieses Werk
und die Offenbarungen nach ihm kleinere Ergänzungen dazu, so ist dieses Werk
selbst das Hauptwerk der geistigen Wiederkunft Jesu.
Er sagt: „Eine besondere
Gabe zum Gedächtnisse an den wichtigsten Tag Meiner Darniederkunft durch Wort
und Tat geistig am Morgen des 15. Tages des Monates März im Jahre 1840. Ich,
der große und allezeit wahrhaftige und getreueste Geber aller guten Gaben und
der großen Offenbarung aus den Himmeln, sage und rate es euch, dieses Tages
allezeit zu gedenken; denn er ist eigens dazu ausersehen, daß da an diesem Tage
von Mir Großes den Völkern der Erde gegeben wird – entweder eine große
Gnade oder ein großes Gericht: Gnade, so die Menschen durch ihren
liebegerechten Wandel sich derselben verdient und würdig gemacht haben, ein
Gericht, so die Völker von Mir gänzlich abfallen und so ganz eigentlich an gar
keinen Gott mehr glauben und denselben verwerfen.“ (3.Hg Seite 468,1)
Welch eine große Bedeutung
für die kommende Menschheit dieses Werk hat, sagt uns der Vater durch Gottfried
Mayerhofer: „Zum Zwecke Meiner direkten Mitteilung diente Mir auch ein Mann
von schlichtem Charakter (Jakob Lorber), welcher mehr als viele sich angewöhnt
hatte, auf seine innere Stimme zu horchen, die Phantasiegemälde seines Gehirns
von Meiner Stimme der Liebe unterscheiden lernte, und so geeignet war, alles zu
Papier zu bringen, was bestimmt ist, nicht bloß für den kleinen Leserkreis,
der jetzt diese Schriften kennt, sondern für die ganze Menschheit, als das
zukünftige Religionssystem zu dienen, welches bloß auf Meine eigenen Aussagen
während Meines Erdenwandels basiert, den Kultus und das ganze Lehrgebäude der
Religion auf das zurückführen soll, wie Ich es einst Meinen Aposteln,
einfachen Männern aus dem Volke, gegeben habe.“ (Sg Seite 2)
Welch große Bedeutung
dieses Offenbarungswerk hat, geht auch aus dem verhüllt gegebenen Vers aus der
Haushaltung Gottes hervor, der folgendermaßen lautet: „Schon steht im Osten
ein Stern, welcher dem Orion die Bahn brechen wird, und das Feuer des großen
Hundes wird sie alle verzehren.“ (1.HG 1,12) Welch ein geistiger Sinn steckt
nun hinter diesen Worten? - Der „Osten“ ist das innere lebendige Wort und
durch dieses das wahre Verständnis der Heiligen Schrift des Alten und des Neuen
Bundes. - Der „Stern“ ist das Liebelicht in diesem Worte selbst. - Der „Orion“
ist die Liebe Gottes. - Das „Feuer des großen Hundes“ bedeutet die große
Treue dieser Liebe, weil der Hund ein Zeichen der Treue ist. - Die aber, „welche
das Feuer verzehren“ oder zu Schanden machen wird, sind die
Weltmenschen.
Also heißt obiger Satz mit
anderen Worten nichts anderes als: Das Liebelicht des neuen Wortes wird der
göttlichen Liebe Bahn brechen. Und die Treue dieser Liebe wird alle Frevler,
alle Ungläubigen und Lauen zu Schanden machen. (2.Hg Seite 121) „Das
Liebelicht des neuen Wortes wird der göttlichen Liebe Bahn brechen“. Das
heißt nichts anderes, als daß die gläubige Annahme der Neuoffenbarung von
immer mehr Menschen Voraussetzung ist dafür, daß die göttliche Liebe nicht
nur in einzelnen, wie das bisher der Fall war, sondern in vielen Menschenherzen
zur Herrschaft gelangen kann. Denn nur wenn sich jemand die Lehre Jesu von der
Liebe zur Hauptsache gemacht hat, wie das besonders deutlich in der
Neuoffenbarung zum Ausdruck kommt und danach tätig wird, kann die göttliche
Liebe in sein Herz einziehen.
Und die Liebe in den Herzen
Seiner Kinder ist wiederum die Voraussetzung Seiner persönlichen, nur ihnen
sichtbaren Wiederkunft Jesu und zur Errichtung Seines Friedensreiches auf dieser
Erde. Und wenn in dieser „Zeit der kleinen Zeit“ Sein Reich auf dieser Erde
errichtet ist, dann sind Satan durch die Liebe in den Gotteskindern die Hände
gebunden und das hat eine positive Auswirkung auf den ganzen großen
Schöpfungsmenschen, der dann ungestört seinen Entwicklungsweg weitergeführt
werden kann. Mit der Neuoffenbarung hat Gott den Völkern der Erde Großes
gegeben, entweder eine große Gnade, oder ein großes Gericht. Und so folgt
jeder Offenbarung ein Gericht, wenn die Menschen nicht nach ihr leben. (6.GEJ
150) Jesus ist aber nicht in diese Welt gekommen, um die Menschen zu richten und
wird auch nicht wiederkommen, um Gericht zu halten, sondern um sie zu
retten.
Wer aber Jesus verwirft und
Sein Wort nicht annimmt und danach lebt, der hat schon seinen Richter, nämlich
das Wort, das Jesus zu ihm geredet und das er nicht befolgt hat, das wird ihn
richten. (Joh. 12,46-48) Denn „darin besteht das Gericht, daß das Licht in
die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das
Licht; denn ihre Werke waren böse.“ (Joh. 3,19) Die Menschheit hat Jesus zum
größten Teil verworfen. Deshalb ist das Gericht über sie unausbleiblich, denn
durch die Nichtbefolgung der Worte Jesu beschwört sie sich selbst das Gericht
über sich herauf. Die Annahme der Neuoffenbarung in größerem Maße und das
Leben danach wäre die Rettung für die Menschheit gewesen, denn dann würde das
Gericht ausbleiben. Nun aber ist die Schar nur klein, die Sein neues Wort
angenommen hat und noch kleiner die Schar, die danach lebt. Je kleiner aber
diese Schar ist, um so größer ist das Elend, das noch über die Welt kommen
wird. Jesus sagte zu Jakob Lorber: „Es ist hohe Zeit, mit dem rechten Lichte
zu kommen, da sonst zu viel Elend über die Welt kommen würde und müßte.
Daher sollet ihr darauf
sehen, daß der alleinigen Friedenssonne (das ist das neue Wort und das Handeln
danach) ein heller Aufgang bereitet wird. Denn glaubet es mir, solange diese
unterwegs bleibt, wird es nicht zum Frieden kommen auf der Erde! Im Gegenteil
wird es nur stets stürmischer und stürmischer werden, so daß am Ende jeder
seines Lebens kaum mehr sicher sein wird und wird verlieren alle irdische Habe,
so er irgendeine besitzt.“ (3.Hg Seite 437,10-11) „Mache, daß es (das neue
Wort) bald in die Hände vieler gelangt, und du wirst darin das wahre
Gottesreich auf Erden erschauen!“ (2.Hg Seite 436) Mache, daß das neue Wort
bald in die Hände vieler gelangt, sagt uns der Vater, denn „es soll und muß
(nun) alles offen werden vor der Welt, damit dann ein jeder wisse, wie er daran
ist. Ja es soll der Mittelpunkt der Erde so offen vor aller Welt Augen
aufgedeckt werden wie eine verdeckte Speise vor den Gästen zur stärkenden
Nahrung.
Und so soll auch keine
Sonne so weit entfernt sein, daß sie nicht sollte unter dem Mikroskop des
lebendigen Glaubens der Einfalt in kleinste Teile zerlegt werden, und wäre ihr
Umfang größer als der eures größten Gedankens, den ihr nur immer zu denken
vermöget. - Und es soll auch keinen noch so kleinen Faden irgend geben, und
wäre er noch so fein gesponnen, der da nicht käme an das stark vergrößernde
Licht Meiner Gnadensonne! Ja, Ich will aus Punkten durchsichtige Weltkörper
bilden und die Zentralsonnen in enthüllte Punkte zerlegen, damit die Welt sehe,
daß am Ende doch Ich alles in allem bin. (Wir wissen alle, daß uns der Vater
in Seinem neuen Wort die größten Zentralsonnen, ja und noch größere
Strukturen Seiner Schöpfung, sowie die für uns unendlich kleinen atomistischen
Tierchen enthüllt hat.)
Wenn dadurch (durch das
neue Wort) nun die Welt zur Einsicht gelangen wird, daß außer Mir kein Heil zu
suchen ist und gefunden werden kann, so wird dann der Friede die Erde küssen.“
(1.Hg Seite 101) „Sehet, nun ist die Zeit der 'kleinen Zeit' gekommen! Wer sie
wohl beachtet, dem werden große Dinge werden in Ewigkeit. Wer sich aber daran
ärgern und Bedenken tragen wird über Meine Treue (nämlich daß Jesus getreu
Seiner Verheißung alles, was Er damals lehrte, wieder geoffenbart hat), dem
wird die 'kleine Zeit' bald verrinnen und die große des ewigen Zornes wird ihn
ergreifen!“ (1.Hg Seite 102) Können wir noch Zweifel haben an der
herausragenden Bedeutung gerade der Offenbarung, die uns durch Jakob Lorber
gegeben wurde? - Können wir die Wichtigkeit erahnen, daß Sein neues Wort
verbreitet wird und die noch größere Wichtigkeit, daß jeder einzelne von uns
auch wirklich danach lebt? - Sind wir uns der Größe der Verantwortung bewußt,
die wir durch das neue Wort bekommen haben? -
Können wir die Größe der
Gnade erahnen, daß wir Sein neues Wort erkennen durften? - Können wir die
unschätzbare Kostbarkeit Seines neuen Wortes erahnen? - Ein jeder von uns frage
sich, welchen Wert es für ihn hat. „Sehet, bald nach Meiner allergrößten
Tat“, sagt Jesus, „welche ist das große Werk der Erlösung für euch, da
war dieses Mein Brot (das Wort Gottes) sehr teuer noch, und die Menschen konnten
sich dasselbe nur in kleiner Gabe nicht anders als nur wieder durch ihr Mir
dafür geopfertes Blut und Leibesleben erkaufen, und dieses Mein Brot schmeckte
damals bitter im Munde der Käuflinge und war noch nicht bestrichen mit dem
Honig der Liebe und getränkt mit der Milch des freien Lebens auch zeitlich
schon, sondern sowohl der Honig als auch die Milch wurden den trauernden
Käufern erst im Reiche der Geister wohlgewogen hinzugegeben; und siehe, doch
gab es der Käufer in die großen Mengen!
Jetzt aber, wo Ich es gebe
jedem, der es nur immer wünscht, ganz umsonst, bloß für das gewiß sehr
kleine Entgelt eurer Liebe, mit Honig und Milch, und nun siehe, nun verachtet
man es bitter und verschmäht den großen, freundlichen, gewiß und wahr für
euch aller höchsten Liebe vollsten Geber! So merket es denn: Die Pforten Meiner
Himmel habe Ich jetzt weit öffnen lassen. Wer immer herein will, der komme und
komme bald und komme alsogleich; denn es ist gekommen die große Zeit der Gnade,
und das neue Jerusalem kommt zu euch allen hinab zur Erde, damit alle, die Mich
lieben, darinnen Wohnung nehmen sollen und sollen darinnen gesättigt werden mit
dem Honige und Milchbrote und trinken in vollen Zügen das reine Wasser alles
Lebens und sollen es schöpfen im Übermaße aus dem ewigen Brunnen
Jakobs!
Aber wie auch immer die
Niederkunft dieser Meiner großen Stadt wird sein eine unermeßlich große Gnade
allen Meinen Kindern, so wird sie aber doch auch erdrücken durch ihre starken
Mauern (das heißt, die Niederkunft dieser Stadt wird auch ein Gericht zur Folge
haben) alle Blinden (das sind die, die Jesu Lehre nicht erkennen wollen) und
wird zerquetschen alle Tauben (das sind die, die nicht auf das Wort Gottes
hören wollen); denn ihre Größe wird einnehmen die ganze Fläche der Erde! Und
wer sie nicht sehen wird herniederkommen und nicht vernehmen wird ihr Rauschen
durch die reinen Lüfte der Erde, der wird nie mehr einen Platz finden auf
Erden, da er sich verbergen soll vor ihr und entweichen ihrer Last.
Denn siehe, die Last ihrer
Paläste wird zermalmen die Berge (das sind die Hochmütigen, die Großen dieser
Welt) und sie gleichmachen den Tälern, und ihre Wohnhäuser will Ich stellen
über die Pfützen und Moräste; und all das Geschmeiß (das sind die
Übeltäter, die den niederen, sinnlichen Begierden verfallen sind), das
darinnen haust, wird erdrückt werden im Grund und Boden durch die Grundfesten
der Wohnhäuser der großen Stadt Gottes, eures heiligen Vaters im Himmel und
auf der Erde.“ (1.HG 12,2-6) „Und es wird rufen der wahre Hirte Seine
Schafe, und sie werden Seine Stimme hören und wohl erkennen bis an alle Enden
der Erde und werden hinzukommen und sich weiden in aller Lust auf den weiten
Weideplätzen der ewigen Liebe des heiligen Vaters, welches sind die großen
Gärten der neuen heiligen Stadt des großen Königs aller Völker, die waren,
sind und sein werden ewig. Und diese Gärten werden sein das durch Adam
verlorene Paradies, welches Ich zuerst wiedergefunden und getreulich aufbewahrt
habe für sie zu einer ewigen Wohnung“ (1.HG 12,7-8).
Quellenverzeichnis
GEJ Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1930
HG Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1966
GS Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955
Hg Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935 und 1993
PH Predigten des Herrn, Gottfried Mayerhofer
Sg Schöpfungsgeheimnisse, Gottfried Mayerhofer, 1932
DW Das Wort, Zeitschrift für ein vertieftes Christentum, Lorber Verlag, 7120 Bietigheim/Württ.
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