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Die
Selbstgestaltung als Weg zur Gotteskindschaft
Gerd Kujoth 
Auf die Frage, ob wohl auch
auf anderen Gestirnen Menschen wohnen, gibt uns der himmlische Vater in der „Haushaltung
Gottes“ folgende Antwort: „Ja es gibt überall Menschen, die aus Meinen
Eingeweiden hervorgehen und Mich erkennen nach der Art der Eingeweide; und die
aus Meinen Händen hervorgehen und Mich erkennen an Meinen Händen; und die aus
Meinen Füßen hervorgehen und Mich erkennen nach Meinen Füßen; und die aus
Meinem Kopfe hervorgehen und Mich erkennen nach Meinem Kopfe; und die aus Meinen
Haaren hervorgehen und Mich erkennen nach Meinen Haaren; und die aus Meinen
Lenden hervorgehen und Mich erkennen nach Meinen Lenden; und überhaupt die aus
allen und jeden Einzelteilen Meines Leibeswesens hervorgehen und Mich danach
erkennen. Und ihr Leben und ihre Seligkeit entspricht dem Teile, aus dem sie
hervorgegangen, und sie sind alle Meine Geschöpfe, die Mir lieb sind; denn Ich
bin ganz Liebe und bin überall die Liebe Selbst.
Aber die Menschen dieser
Erde rief Ich aus dem Zentrum Meines Herzens hervor und schuf sie vollkommen
nach Meinem Ebenbilde, und sie sollten nicht nur Meine Geschöpfe, sondern Meine
lieben Kinder sein, die Mich nicht als Gott und Schöpfer, sondern nur als ihren
guten Vater erkennen sollen, der sie nach kurzer Prüfungszeit wieder ganz zu
Sich nehmen will, damit sie da alles haben sollen, was Er Selber hat, und bei
Ihm wohnen möchten ewiglich und mit Ihm herrschen und richten möchten das All.
Aber siehe, alle Meine Geschöpfe lieben Mich als ihren Schöpfer in dankbarer
Freude ihres Daseins; aber Meine Kinder wollen ihren Vater nicht und
verschmähen Seine Liebe! Siehe, Ich bin traurig, wenn Ich sehe, wie stündlich
Tausende und tausendmal Tausende dahinwelken und -sterben! Oh, wenn Ich ihnen
doch nur helfen könnte! Ist es nicht traurig, wenn der Allmächtige nicht
helfen kann?!
Du fragst Mich schon
wieder, wie denn das möglich sei? O ja, sage Ich dir, das ist sehr möglich!
Siehe, alle Meine Geschöpfe hängen an Meiner Macht, aber Meine Kinder hängen
an Meiner Liebe! - Meine Macht gebietet, und es geschieht; aber Meine Liebe
wünscht nur und gebietet in aller Sanftmut den freien Kindern, und die freien
Kinder verstopfen ihre Ohren und wollen nicht das Angesicht ihres Vaters
schauen. Daher, weil sie frei sind, wie Ich es bin, kann Ich ihnen nicht helfen,
wenn sie es nicht wollen. Denn Meine Macht geht über alles; aber Mein Wille ist
Meinen Kindern untertan. Dieses aber soll sich jeder hinter die Ohren schreiben:
Ich bin euer Vater, bin aber auch euer Gott, und außer Mir ist keiner mehr.
Wollet ihr Mich als Vater - oder als Gott? - Eure Taten werden Mir die
entscheidende Antwort geben. Dieses alles sagt der gute Wirt und der sparsame
Vater allen Seinen Kindern, damit sie sich bessern sollen, um einst das Erbe zu
nehmen, das Ich ihnen von Ewigkeit so treulich bereitet und aufbewahrt habe.“
(1.HG 3,2-5+7)
Wie ein reicher Gutsherr
auf dieser Erde Diener und Knechte, aber auch Kinder hat, so hat auch der
himmlische Vater Diener, Knechte und Kinder. Und wie der reiche Gutsherr ein
anderes Verhältnis zu seinen Kindern als zu seinen Dienern und Knechten hat, so
hat auch der himmlische Vater ein anderes Verhältnis zu Seinen Kindern als zu
seinen Geschöpfen. Die Diener und Knechte müssen pünktlich gehorchen und ihr
Herr ist strenge mit ihnen, aber die Kinder haben größere Freiheit und ihr
Vater erzieht sie zu seinen Mitverwaltern. Die Diener und Knechte wohnen nicht
im Hause des Gutsherrn, aber die Kinder wohnen im Hause ihres Vaters. Die Diener
und Knechte bekommen ihren Lohn, haben aber keinen Anteil am Erbe. Die Kinder
bekommen keinen Lohn, aber dafür sind sie die Erben des großen Gutes.
Die Diener und Knechte
haben Respekt vor ihrem Herrn und sind froh, wenn er nicht in der Nähe ist,
aber die Kinder haben Zutrauen zu ihrem Vater und suchen seine Nähe. Und wie
der Vater seine Kinder viel lernen läßt und sie, wenn sie größer geworden
sind, auf eine Universität schickt, so schickt auch der himmlische Vater Seine
Kinder auf eine Universität. Diese Erde ist Gottes Universität. Sie ist die
Hochschule zur Erlangung der Gotteskindschaft. (1.Hi Seite 345,6) Jesus sagt:
„Die Erde ist der häßlichste und letzte Planet in der ganzen Schöpfung,
(das ist in erster Linie geistig gemeint, z.B. das Elend, in dem viele Menschen
leben müssen, die Not und das Leid, das viele erfahren und die Bosheit, die oft
auf dieser Erde herrscht, EM 53,10) und dazu bestimmt, den größten Geistern
als eine Schule der Demut und des Kreuzes zu dienen! Sie ist ein schmaler und
dorniger Weg und eine niedere und enge Pforte zum Leben für jene Geister, die
einst übergroß waren und noch größer sein wollten.“ (BM 43,1+5)
Und „die Menschen dieser
Erde haben die große Bestimmung, selbstmächtige Kinder Gottes zu werden; daher
müssen sie auch in aller Selbsttätigkeit aus sich selbst geübt und gebildet
werden.“ (6.GEJ 111,19) Zwar werden auch die Menschen des ganzen Universums
nach und nach Gotteskinder, (NS 22,15) aber abgesehen von wenigen Ausnahmen
können sie keine Kinder des Herzenszentrums werden, denn der Kopf, die Hände
oder die verschiedenen Organe können nicht einfach zu einem Herzen umgestaltet
werden. Diese Erde entspricht im großen Schöpfungsmenschen dem Keimfunken der
Liebe Gottes, wie ihn ein jeder Mensch in seinem Herzen trägt. Alle anderen
Sonnen und Erden des großen Universums entsprechen den vielen Organen und
Gliedern dieses Schöpfungs- menschen und Gott rief sie aus Seinen Organen und
Gliedern hervor.
Aber die Erde rief Er aus
dem Zentrum Seines Herzens hervor, und ihre Bewohner sind es, die zu Kindern und
Erben Seines Reiches berufen sind. Deshalb sind die Menschen dieser Erde dem
himmlischen Vater am nächsten, weil Er sie dort persönlich zu Seinen ersten
Kindern berufen hat, die mit Ihm alle Schöpfungen beherrschen und richten
sollen. Die Menschen aus allen anderen Gestirnen stehen ihnen dabei ebenso zu
Diensten, wie die Glieder und Organe eines Leibes dem Willen des in ihm
wohnenden Geistes zum Dienen bereitstehen. (2.GS 2,13-15) „Ist der ganze
Mensch vollendet“, heißt es im „großen Evangelium“, „(so ist er) ein
neues Geschöpf, zwar im Grunde des Grundes immer aus Gott, weil der Geist im
Menschen eigentlich nichts als ein Gott im kleinsten Maße ist, weil völlig aus
dem Herzen Gottes. Aber der Mensch ist das nicht durch die Tat Gottes, sondern
aus seiner höchst eigenen, und ist eben darum ein vollwahres Gotteskind!“
(1.GEJ 214,10)
„In allen anderen
Weltkörpern müssen sich die Menschen nicht selbst gestalten, sondern sie
werden von Gott, oder was eines ist, von Seinen Kindern gestaltet. Hier aber
müssen sich die Menschen vollends selbst gestalten nach der geoffenbarten
Ordnung, ansonst sie unmöglich Kinder Gottes werden können! Und so ist ein
vollendeter Mensch auf dieser Erde als Gotteskind in allem Gott gleich; aber ein
unvollendeter Mensch ist dagegen auch tief unter dem Reiche der Tiere!“ (1.GEJ
214,11) Es ist das aber selbst für einen Gott keine leichte Sache, eine Seele
heranzubilden, die Ihm in allem völlig ähnlich ist. Welch lange Zeiträume
mußten vergehen, bis der Menschen Seelen den gegenwärtigen Lebensgrad erreicht
hatten. Da ist niemandes Seele jünger denn die ganze sichtbare Schöpfung. All
die vielen Vorschöpfungen, die bis jetzt in undenkbar langen Zeiten erfolgt
sind, gingen bloß der Reifung der Seelen wegen aus der Hand Gottes hervor.
(4.GEJ 246,3-5)
„Glaube es Mir“, sagt
Jesus, „Welten erschaffen ist ein leichtes; aber freie Menschen also ins
Dasein zu rufen und sie aus sich selbst vollenden zu lassen, wobei die
göttliche Allmacht vermöge der Ordnung ihrer Liebe und Weisheit schweigen und
untätig sein muß, das bleibt am Ende auch für Mich eine Sache, die nicht
leicht zu nennen ist! Da hilft Mir nichts als Meine unbegrenzte Geduld und
übergroße Sanftmut.“ (8.GEJ 14,16) Wir Menschen denken da wohl ganz anders
und meinen: „Der göttlichen Weisheit und Allmacht sollte das doch überaus
leicht möglich sein!“ Jesus aber sagt: „So ihr bloß durch Meine Allmacht
zu freiesten, Mir in allem völlig ähnlichen Kindern hättet gestaltet werden
können, so hätte Ich das sicher auch getan.
Da hätte Ich es auch nicht
nötig gehabt, je Selbst im Fleische als ein Menschensohn auf diese Erde zu
kommen und euch Menschen als ein Lehrer zu unterrichten, und hätte auch in der
Vorzeit nicht nötig gehabt, für euch allerlei Weise und Propheten zu erwecken.
Denn Götter zu erschaffen ist etwas ganz anderes denn Sonnen, Welten und all
die andern Wesen im ganzen endlosen Schöpfungsraume!“ (9.GEJ 171,1-2) „Siehe,
Ich bin allmächtig, und alles, was Ich Mir nur immer denke, das muß auch
sogleich geschehen, so Ich es will. Wenn Ich nun hier vor Mir eine Million
Menschen haben wollte, so wären sie auch da. Sie würden sogar weise reden und
handeln und wie die schönsten Seraphim aussehen. Sie würden dich sogar mit
aller Liebe umfassen und dir nach Herzenslust dienen - und dennoch wären sie in
sich selbst vollkommen tot. Denn alles, was sie täten und redeten, das täte
bloß Ich Selbst.“ (1.RB 95,3)
Sie wären „nichts als
Maschinen, die nie einen eigenen, freien Willen, nie ein eigenes, selbstisches
Bewußtsein (Selbstbewußtsein) und nie eine selbständige, freie Tätigkeit
weder im Denken noch im Fühlen und Handeln haben könnten.“ (6.GEJ 63,9) „Sie
sind für sich gar nichts, sondern pur momentane Gedanken und Ideen Gottes.“
(6.GEJ 133,10) Bei der Erschaffung eines Wesens kommt es nur auf den Willen
Gottes an. Ein von Ihm ausgesprochenes allmächtiges „Werde!“ genügt und
zahllose Wesen stehen in einem Augenblick so vollkommen vor Ihm, wie Er sie
haben will. Aber Gott kann durch Seine Allmacht einem neugeschaffenen Wesen
nicht die Art der Vollkommenheit geben, die in der freien Selbständigkeit nach
Gottes Willen lebt, (6.GEJ 133,10) denn einem freien Geiste ist ein
allmächtiges „Werde!“ ein Gericht und damit der Tod seines Geistes. (3.HG
42,10-12) „Wollte Ich aber solche (noch geistig toten) Menschen erhalten“,
sagt Jesus, „und sie in ein wirkliches, freitätiges und von Meiner Allmacht
unabhängiges Leben versetzen, da müßte Ich Meinen in diesen scheinlebigen
Menschen wirkenden Geist durch ein geeignetes Trennungsmittel von Mir
ablösen.
Und müßte ihn dann in
diesen Menschen binden und durch eine äußere, materielle Umfassung
gefangennehmen, ihn so Mir gegenüber zu einem förmlichen Objekte machen und
als solchem Verhaltungsgesetze geben. Ich müßte ihm dann Gelegenheiten und
Anreizungen zukommen lassen, durch die er in die Notwendigkeit gesetzt würde,
aus seiner freien, von Mir gänzlich abgelösten Erkenntnis- und Willenskraft
entweder nach dem gegebenen Gesetz oder auch wider dasselbe zu handeln.“ (1.RB
95,4) Als Gott im Uranfang die Geister erschuf, da waren diese vollkommen aus
Ihm hervorgegangen. Aber alle ihre Vollkommenheit hatten sie von Gott empfangen
und sie war deshalb eine ihnen gegebene und keine freie, selbständig erworbene.
Solche neugeschaffenen Wesen gleichen deshalb einem Embryo im Mutterleibe und
müssen geistig erst geboren werden. Sie sind dazu bestimmt, dereinst frei und
unabhängig und selbständig neben Gott dazustehen. Erst wenn sie auch aus sich
selbst vollkommen werden in der Ordnung Gottes, dann können sie erst zur wahren
Gottähnlichkeit gelangen. (4.GEJ 56,4) Im Anfangsstadium ihres Seins müssen
solche neugeschaffenen Wesen erst zur freien Selbständigkeit erzogen werden.
-
Wie aber ist das
anzufangen? „Die erste Hauptbedingung zur Gestaltung freier Menschen ist“,
sagt Jesus, „daß sie in der vollen Trennung von Mir einmal ihrer selbst
bewußt werden und aus sich selbst heraus zu handeln anfangen! Ob gut oder
schlecht, gesetzlich oder ungesetzlich, das muß für den Anfang völlig eins
sein.“ (1.RB 95,9) Damit die neugeschaffenen Wesen wie aus sich frei
fortbestehen konnten, mußten sie in ihrem Denken, Wollen und Handeln frei
werden. Dazu hatte es Gott vorgesehen, daß sich die einmal aus Ihm
hinausgestellten Ideen selbst nach und nach stets mehr und mehr von Ihm
isolieren müssen, bis sie sich als ein von Gott getrenntes Sein finden und
fühlen. Erst dann sind sie in der Lage, nach ihren eigenen Gedanken frei
wollend und frei tätig zu werden. (6.GEJ 63,10) Aber zunächst war in den
neugeschaffenen Wesen noch gar kein Tätigkeitssinn vorhanden, weil sie soeben
erst aus der Ruhe und Untätigkeit, die sie in Gott hatten, hervorgegangen
waren.
Deshalb mußte ihnen
gezeigt werden, wie und auf welche Weise sie frei tätig werden konnten und
mußten dann zur freien Tätigkeit angehalten werden. Aber werden diese Wesen,
in denen noch die Liebe zur Untätigkeit vorherrscht, sich zu irgendeiner
Tätigkeit aufraffen? - Nein, das werden sie nicht. Sie werden vielmehr, einem
Freßpolypen gleich, sich nur aufs bloße Sättigen ihres Wesens mit einer
entsprechenden Kost werfen und sonst gar nichts tun. Wenn aber also, wie sollten
dann die erstgeschaffenen Geistwesen zur freien Selbstätigkeit und daraus zur
vollen Selbständigkeit gelangen? - Gott mußte ihnen Seine Ordnung zeigen, nach
der sie denken, wollen und endlich handeln sollten. Dazu mußte ihnen ein „Du
sollst“-Gebot gegeben werden und mit ihm ein Reiz zur Übertretung. Dieser lag
ja schon in ihnen, als der Hang zur Untätigkeit und übermäßigen Sättigung.
Es mußte aber auch im Übertretungsfall eine schlimme Folge wie von selbst
daraus hervorgehen.
Das mußte ihnen dann alles
gezeigt werden und auch, daß sich wohl im Übertretungsfall anfangs ein kurz
währender Vorteil erreichen läßt, aus dem sich aber später stets ein lange
währender Nachteil einstellt, dem zu begegnen es dann viel harte Mühe und
schmerzliche Anstrengungen kosten wird. Mit all dem versehen, kann erst das
neugeschaffene Wesen einen wahren Gebrauch von seiner Intelligenz und
Tatfähigkeit machen und es wird aus sich heraus selbständig zu handeln
beginnen. Und das ist es, was bei einem neugeschaffenen Wesen erreicht werden
soll. Ob es dabei die Ordnung Gottes einhält oder nicht, das ist zunächst
unwichtig, zwar nicht für das Geschöpf, weil es sich durch die Nichteinhaltung
große Nachteile eingehandelt hat, so aber doch für den Schöpfer. Zwar ist es
Ihm nicht einerlei, ob ein Geschöpf auf einem kurzen oder langen Wege in Seine
Ordnung eingeht, (1.GS 87,18) aber der Wirkung nach ist es vor Ihm ein und
dasselbe.
Gott erreicht auch auf dem
langen Wege sein Ziel mit dem Geschöpf, denn es ist einem jeden Wesen auch
später noch das Tor offengelassen, auf Gottes Wegen zu wandeln und in die
Seligkeit einzugehen. Die Selbständigkeit erreicht es so oder so. (2.GEJ 227)
Das Wesen Gottes, sowie auch ein jedes Sein, hat in sich lauter Gegensätze,
ohne die ein Dasein gar nicht möglich wäre. Damit eine Kraft wirksam werden
kann, muß auf sie eine Gegenkraft einwirken. So ist z.B. die Festigkeit eines
Bodens die Gegenkraft zum Gewicht eines Gebäudes, denn dieses Gebäude würde
in den Boden versinken, wenn es auf einem weichen Boden stände. Deshalb muß
die Festigkeit des Bodens größer sein, als das Gewicht des Gebäudes. Ist das
der Fall, dann hat die Gegenkraft über die Kraft des Gebäudegewichtes gesiegt
und wird dann zur Stütze des Gebäudes.
Die Gegensätze befinden
sich in einem ununterbrochenen Kampf, so daß der stetige Sieg der größeren
Kraft auch stets zur Stütze der kleineren Kraft dient. „Wollte nun Gott
einmal aus Sich heraus Ihm ähnliche freie Wesen erschaffen,“ sagt Jesus, „so
mußte Er sie ja auch mit eben den streitenden Gegensätzen versehen, die Er in
Sich Selbst von aller Ewigkeit her in den natürlich besten und reinst
abgewogensten Verhältnissen besaß und besitzen mußte, ansonst Er sicher nie
wirkend dagewesen wäre. Die Wesen wurden also völlig nach Seinem Ebenmaße
gestaltet, und es ward ihnen am Ende darum auch die Fähigkeit notwendig eigen,
sich selbst zu festigen aus dem Kampfe der in ihnen aus Gott niedergelegten
kämpfenden Gegensätze. Jedem Wesen ward Ruhe und Bewegung, Trägheit und
Tätigkeitssinn, Finsternis und Licht, Liebe und Zorn, Heftigkeit und Sanftmut
und tausenderleiartiges als vollends zu eigen gegeben; nur war zwischen dem
Maße darin ein Unterschied.
In Gott waren all die
Gegensätze schon von Ewigkeit her in der höchst besten Ordnung. Bei den
geschaffenen Wesen aber mußten sie erst durch den freien Kampf in die rechte
Ordnung wie von sich selbst heraus also durch die bekannte Selbsttätigkeit
gelangen.“ (2.GEJ 229,4-7) Wir wissen, daß der größere Teil der
urgeschaffenen Geister im freien Willen die in sie gelegten Gegensatzpaare in
ein Verhältnis nach der Ordnung Gottes brachte, während der kleinere Teil dem
versuchenden Reiz erlag, die Ordnung Gottes nicht beachtete und die ihnen
gegebenen Gebote übertrat. Sie fielen, erstarrten zu Materie und waren in ihr
gefangengenommen. Aus dieser Gefangenschaft dürfen sie erst wieder befreit
werden, wenn sie die Ordnung Gottes im freien Willen annehmen und danach
handeln. (1.RB 95,4) Die Gott treu gebliebenen Geister waren die endlosen
Zeitenläufe hindurch selig, während der ihre gefallenen Brüder das Leid der
Gefangenschaft ertragen mußten. Aber obwohl sie Gott treu blieben, so konnte Er
ihnen die volle Gotteskindschaft doch nicht geben, weil Er damals die
notwendigen Mittel zu ihrer Ausbildung noch nicht besaß. Zur Zeit Adams besaß
Er sie, nämlich die gefallene und zu Materie erstarrte Schöpfung, insbesondere
aber diesen Planeten Erde, den Sich der himmlische Vater zu einer Hochschule
für Seine ersten Kinder einrichtete und in dem der Verursacher des Falls
gefangen war.
Als Satana Gott besiegen
und Seine Stelle einnehmen wollte, verlor sie den Kampf, meint nun aber dennoch
auf die Art ein Sieger über Gott sein zu können, wenn sie Gott trotz biete und
so sei, wie sie es wolle und nicht wie Gott sie haben wolle. Aber Jesus gibt dem
Satan, wie wir es aus dem Band „Bischof Martin“ erfahren, die bis dahin
größte und tiefste Belehrung und spricht: „Ein Erzgießer verfertigt aus
einer feuerfesten Masse seine großen Schmelztiegel. Diese kommen in ein
mächtiges Feuer und in ihnen kocht dann das harte Erz. Und so es genug zerkocht
ist, da fließt es dann wie ein Wasser, und der Werkmeister läßt es fließen
in verschiedene brauchbare Formen. Ist das Erz in Formen gegossen, da werden
diese dann abgekühlt und erleiden keine Glut mehr. Der Tiegel aber bleibt in
der Glut, damit anderes Erz in ihm geschmolzen werde. Er wird nicht abgekühlt
eher, als bis er unbrauchbar geworden ist, wo er dann auch verworfen wird für
immer als eine zu nichts mehr brauchbare ausgebrannte Materie. Bin Ich aber
nicht ein Werkmeister aller Werke der Werke?
So Ich das aber bin und
schaffe Mir Werkzeuge, wie Ich sie brauche und haben will - sage, kannst du Mir
dann trotzen? Oder kannst du das Trotz nennen, wenn du so bist, wie du bist, und
nicht anders sein kannst als so nur, wie Ich es am Ende will?! Ich aber bin kein
harter Erzgießer, sondern ein Meister voll Liebe, so daß Ich sogar Meine
Tiegel aus ihrer langen Glut ziehen will, so sie es wünschen und in die Ordnung
Meiner freien Werke übergehen wollen. Wollen sie das aber nicht und macht es
ihnen mehr Freude, Meine ewigen Schmelztiegel zu verbleiben, so ist es Mir auch
recht, denn da brauche Ich Mir keine neuen zu schaffen. Bleiben sie aber Tiegel,
so sind sie, wie sie sein müssen, und unmöglich, wie sie sein wollen. Denn ein
Werkzeug kann nicht anders sein, als wie Ich es gestalte und haben will.
Daher ist dein
vermeintlicher Trotz, an dem du eine Freude hast, auch nichts als eine Chimäre,
entstammend deiner großen Blindheit. Denn so wenig ein Topf zum Töpfer sagen
kann: ‘Ich bin, wie ich will!’, während ihn doch der Töpfer dreht und
gestaltet, wie er will - ebensowenig kannst du zu Mir sagen, daß du seist, wie
du wollest, während du doch nur sein mußt, wie und was du bist, wie Ich es
will! Nur gebe Ich, als die ewige Liebe selbst, dir nebst deinem Gerichte auch
so viel lebendige Freiheit, derzufolge du deinen qualvollsten Zustand fühlen,
begreifen und ändern kannst, so du es willst. Willst du es aber nicht, so
bleibe, wie und was du bist - nicht aber, weil du es so willst, sondern weil Ich
es so will! Willst du aber dein Los verbessern, so werde Ich an deine Stelle ein
anderes, Mir in deiner Art dienliches Werkzeug setzen! - Rede nun, was du
willst, Mir ist es völlig ein gleiches, ob du bleibst, wie und was du bist -
oder ob Ich, wie gesagt, an deine Stelle ein anderes Werkzeug setze!“ (BM
119,11-15)
Gott braucht also einen
Schmelztiegel, in dem Er das Gold läutern kann. „Denn gleichwie das Gold
durchs Feuer, also werden die, so Gott gefallen, durchs Feuer der Trübsal
bewährt.“ (Sir. 2,5) Er hat Sich diesen Schmelztiegel in Luzifer erschaffen,
aber es war nicht Sein direkter Wille, daß Luzifer fiel. Er sah seinen Fall
wohl voraus, wollte ihn aber nicht. Er ließ nur zu, was Luzifer trotz Gottes
Warnungen unbedingt wollte. Und was Gott an Bösem zuläßt, das läßt Er nur
so weit zu, inwieweit Er es für Seine Zwecke gebrauchen kann. Wären alle
Geister Gott treu geblieben, so hätte Er Sich einen Schmelztiegel erschaffen
müssen. So aber brauchte Er Sich nicht extra einen Schmelztiegel erschaffen,
wenn sich schon jemand freiwillig zur Verfügung stellte. Und einen
Schmelztiegel brauchte Er zur Heranbildung Seiner Kinder. „In einer Welt“,
sagt Jesus, „wo ein Mensch nicht zu einem ärgsten aller Teufel werden kann,
da kann er auch zu keinem wahren Kinde Gottes werden.“ (9.GEJ 144,9)
„Um aber das zu werden,
müssen in dieser Welt Himmel und Hölle unter einem Dache wohnen!“ (3.GEJ
178,5) „Und aus eben diesem Grunde wählte auch Ich als der Herr diese Erde
zum Schauplatze Meiner höchsten Erbarmungen und schuf auf ihrem Boden alle
Himmel neu.“ (EM 53,11) „Seine (Luzifers) Wohnung ist lediglich auf diese
von euch bewohnte Erde beschränkt. Alle anderen Weltkörper, obschon Teile
dieser einstigen Seele, sind von dieser Einwohnerschaft frei. Daher können aber
auch die Menschen jener Weltkörper, obschon in ihrer Natur gewöhnlich besser
als hier auf der Erde, dennoch nie zu jener vollkommen gottähnlichen Höhe
gelangen wie die Kinder aus dieser Erde, welche zwar das im Geiste von Gott
Allerentfernteste und das Allerletzte ist, aber eben darum im Besserungsfalle
das Allerhöchste und Allergottähnlichste werden kann.“ (EM 53,10) „Ja, ja,
es könnte wohl anders sein, so wie es auch auf zahllos vielen andern
Weltkörpern anders ist; aber dann wäre eben diese Erde nicht ausersehen für
die Zucht jener Menschen, die bestimmt und berufen sind, Meine Kinder zu werden!“
(5.GEJ 157,2)
Es ist dem himmlischen
Vater nicht möglich, in einer ungefallenen, vollkommenen Welt Sich völlig
freie gottähnliche Kinder heranzubilden, weil dort die Prüfungsmöglichkeiten
fehlen. Es ist leicht, in der Liebe und Demut zu sein, wenn alle Menschen um uns
herum voller Liebe und Demut sind. Deshalb müssen uns Bosheit und Herrschsucht
begegnen, und es müssen auf dieser Erde allerlei Not, Leid, Krankheit,
Bedrängnis, Verfolgung und aller Art Widerstände vorhanden sein. Hätte Satana
solche Zustände durch ihren Fall nicht freiwillig herbeigeführt, so hätte sie
Gott auf irgendeine Art künstlich herbeischaffen müssen, um gefestete Kinder
zu erhalten. Denn die Gotteskinder müssen eine große Festigkeit haben, welche
gediegen genug ist, das mächtige Feuer des Liebegeistes Gottes zu ertragen.
(2.GS 25,6) „Solange ein Mensch nicht in allen möglichen Dingen und
Verhältnissen den Satan mit höchst eigener Macht aus dem Kampffelde treiben
kann“, sagt Raphael, „hat er die volle Kindschaft Gottes noch lange nicht!
Wie sollte er aber je dieses Feindes Sieger werden, wenn man ihm alle
Gelegenheit nähme, auch nur mit einem Haare des Feindes in Berührung zu
kommen?“ (2.GEJ 59,14)
„Sehet“, sagt Jesus,
„das ist einerseits für die Menschen dieser Erde zwar ein Nachteil, weil sie
so nahe dem Bösesten aller Geister wohnen, der ihnen viel zu schaffen macht;
aber auf der anderen Seite haben sie auch den unendlichen Vorteil, daß sie
fürs erste einen kräftigen Geist aus Gott haben, mit dem sie leicht, wenn sie
nur wollen, die Bosheit des Bösesten bekämpfen können, um dadurch fürs
zweite vollkommene Kinder Gottes zu werden.“ (EM 53,14) So machte Luzifer auch
dem ersten Menschenpaar zu schaffen. Seine Bosheit verführte es zur Sünde. Es
übertrat das ihnen gegebene Gebot und erlangte die Gotteskindschaft zunächst
nicht. Zwar kam später der Vater, von der Liebe einzelner angezogen, zu den
Urvätern, erzog Sich Kinder und stellte auch Adam nahezu wieder her. Aber
dennoch waren es nur wenige der Nachkommen Adams, die in der Zeit ihres
Erdenwandels die Gotteskindschaft erreichten, wenn auch noch nicht die volle,
denn sie besaßen noch nicht den neuen Geist der reinen Gottesliebe. Der
Großteil der Menschheit aber verfiel immer mehr der Sünde, so daß Gott nur
noch das letzte Mittel einsetzen konnte, um die Menschheit wieder zu
erlösen.
Er stieg auf die Erde
herab, wurde Selbst Mensch und stellte die zerrüttete Ordnung wieder her. Das
Werk der Erlösung war die letzte nötige Voraussetzung zur Bildung völlig
freier Gotteskinder. Aber auch wenn Adam und Eva nicht gefallen wären, so
hätte auch das der Menschheit die volle Freiheit und die volle Gotteskindschaft
noch nicht gebracht, denn dann hätten alle Menschen von der Geburt an die
Seelenvollkommenheit besessen. Damit wäre die Grundvoraussetzung zur Gestaltung
der vollen Gotteskindschaft immer noch nicht vorhanden gewesen und die lieferte
gerade der Widersacher Luzifer, als er Adam und Eva zur Sünde verführte. Durch
den Sündenfall verloren Adam und Eva und ihre Nachkommen ihre
Seelenvollkommenheit, die sie von Gott bei ihrer Erschaffung geschenkt bekamen.
Nur Abel behielt sie, weil er nicht mitsündigte.
Aber Abel konnte sie nicht
weitervererben, weil er von Kain erschlagen wurde. So ging die
Seelenvollkommenheit der Menschheit fast gänzlich verloren. Nur ein Teil der
Schwarzen Afrikas besaß sie zur Zeit Jesu noch. Was die Seelenvollkommenheit
bedeutet, welch eine Erleichterung des Erdenwandels sie für den Menschen wäre,
zeigte uns Jesus im großen Evangelium an den Nubiern. Ihre Seelen waren ohne
Selbstsucht und Hochmut und deshalb gehorchte die Natur ihrem Willen. Bäume
entwurzeln und schwere Steine transportieren war für sie eine Leichtigkeit. Sie
konnten auf dem Wasser wandeln wie auf dem Lande und blitzschnell auf ihm
herumfahren. Die Tiere gehorchten ihnen und kein wildes Tier tat ihnen etwas
zuleide. Kämen alle Menschen schon so seelenvollkommen auf diese Welt, es gäbe
keine Verbrechen und keine Kriege. - Dafür wäre aber auch die Erreichung der
vollen Gotteskindschaft noch nicht möglich geworden und der himmlische Vater
hätte andere Maßnahmen ergreifen müssen, um Sich völlig freie Kinder
heranzubilden. „Seelen, wie die dieser Schwarzen“, sagt Jesus im großen
Evangelium, „sind bis jetzt zur Kindschaft Gottes noch nicht berufen gewesen,
und als das, was sie vorzustellen haben, genügte ihnen eine mehr stereotyp fest
erhaltene Vollkommenheit ihrer Seele; denn sie ist nicht etwa als eine besondere
Folge ihrer vortrefflichsten Selbstentwicklung anzusehen, sondern sie ist ihnen
gegeben gleichwie ihre schwarze Haut.
Wenn sie aber auch die
Kindschaft Gottes werden erreichen wollen, dann wird ihnen dieses alles nicht
mehr gegeben werden, sondern allein die Lehre. Werden sie nach dieser sich
selbst bestimmen und suchen, die Vollendung ihrer Seele aus eigenen Kräften zu
erstreben, und dadurch erwecken in sich Meinen Geist der Liebe, sodann werden
sie freilich gleich sein wie ihr nun. Aber solange ihre Seelenvollkommenheit zu
zwei drittel Teil eine gegebene und nur zu einem Teile eine selbsterworbene ist,
können sie mit solch einer Seelenvollkommenheit den Geist in sich nimmer
erwecken und bleiben auch jenseits das, was sie hier sind: ganz gute, aber mehr
mechanisch selige, vollkommene Seelen, bei denen die Grenzen der Seligkeit denn
sicher notwendig fest gestellt sein müssen, was nimmer anders zu denken
möglich ist.“ (4.GEJ 245,1-2)
Inzwischen haben die
Schwarzen schon längst keine Seelenvollkommenheit mehr und können deshalb die
Gotteskindschaft ebenso erreichen, wie alle anderen Menschen auf dieser Erde.
„Ganz was anderes“, sagt Jesus, „ist es bei einer sich selbst bestimmenden
und sich selbst nach dem vernommenen Gottesworte ausbildenden Seele! Was die
hat, das ist ihr volles Eigentum, und sie kann sich daraus tausend Himmel
erbauen und mehr; denn sie hat nun ja ihren eigenen Stoff und ihre eigene
Materie und durch ihren in ihr erweckten Geist der Liebe auch die vollkommen
gottähnliche Kraft, solches zu tun und so vollkommen in allem zu sein, wie auch
der Vater im Himmel vollkommen ist!“ (4.GEJ 245,4) „Da aber einer zur
Kindschaft Gottes berufenen Seele nur das Material zum Baue ihrer selbst zu
geben ist und daneben die Lehre, wie der Bau zu führen ist, so ist es wohl
sicher einsichtlich zur Genüge dargetan, daß einer jeden Seele auch jenseits
nicht mehr getan werden darf, so sie in ihrer Ichheit verbleiben soll.
Ist dann eine Seele noch so
verdorben, so darf sie dennoch nicht mit Meiner Allmacht ergriffen werden,
sondern es wird ihr nur das Material in dem Maße gestellt, als sie es zu
verarbeiten imstande ist, und es darf ihr auch nicht mehr aufgebürdet werden,
als wie groß da ist ihre Kraft.“ (4.GEJ 245,7) Wenn Gott Geister ins Leben
ruft, so kann Er sie, als der vollkommenste Geist, nur vollkommen aus sich
hervorgehen lassen. Aber aus dieser gegebenen Vollkommenheit können keine
freien, selbständigen Gotteskinder gebildet werden. „Sollen sie mit der Zeit
möglich selbständig werden“, sagt Jesus, „so müssen sie den Weg der
Materie oder des gerichteten und also gefesteten Willens Gottes durchmachen, auf
die Art, wie ihr sie auf dieser Erde vor euren Augen habt.“ (6.GEJ 133,11) Die
Grundvoraussetzung dazu ist eine gefallene, unvollkommene Welt, wie es diese
Erde nach dem Fall Adams ist. Hier kommt die Seele total unbehilflich, schwach
und wie ein gänzlich leeres Gefäß auf die Welt, muß vollständig bei Null
anfangen sich selbst zu gestalten, kann sich aber gerade deshalb bis zur
höchsten Vollendung emporklimmen. (3.GEJ 178,12-13)
„So Ich aber schon jedes
Menschen Natur also gestellt hätte“, sagt Jesus, „daß er schon von der
Geburt an in der höchsten Vollendung ohne sein Zutun dastünde, welche Übung
des Lebens und Selbstfortschreitens wäre für ihn da wohl noch denkbar?! Zu
welcher Tätigkeit könnten dann endlich solche Geister verwendet werden? Ich
sage es dir: Da wären ja die Bäume des Waldes und die Felsen der Gebirge in
der zum freien Leben allerunentbehrlichsten Selbsttätigkeit ums gar Vielfachste
bevorzugter als ein schon von der Geburt an in jeder Beziehung ganz vollendeter
Mensch!“ (5.GEJ 157,4-5) Aus diesem Grunde können auch die ungefallenen Engel
die höchste Gotteskindschaft nur dann erlangen, wenn sie alle ihre
Vollkommenheit verlieren, indem sie auf diese Erde als ein mit allerlei Mängeln
behafteter Mensch inkarniert werden.
„Ihr Menschen dieser Erde“,
sagt Raphael im „großen Evangelium“, „seid unaussprechbar über uns
hinaus bevorzugt, und wir werden euren Weg zu wandeln haben, um euch gleich zu
werden. ...Von uns gehört alles, was du an uns siehst, dem Herrn. Nichts ist
als irgend selbständig uns zu eigen, und es ist eigentlich alles an uns der
Herr Selbst. (Der ungefallene Erzengel Raphael spricht hier allgemein von den
ungefallenen Engelsgeistern, aber auch von sich, trotzdem er schon als Henoch
auf der Erde war, denn damals hatte er noch nicht den neuen Gottgeist bekommen
können.) Ihr aber seid berufen und bestimmt, das zu werden in der vollsten
Selbständigkeit, was der Herr Selbst ist; denn zu euch wird es noch vom Herrn
aus gesagt werden: ‘Ihr müsset gleich so vollkommen sein in allem, wie endlos
vollkommen euer Vater im Himmel ist!’ Wenn aber vom Herrn solches zu euch
Menschen gesagt wird, dann werdet ihr daraus erst vollauf ersehen, zu was endlos
Großem ihr berufen und bestimmt seid, und welch ein unendlicher Unterschied
dann zwischen euch und uns obwaltet! Aber es wird des Herrn endloseste Liebe,
Gnade und übergroße Erbarmung auch mit der Zeit für uns Engelsgeister einen
Weg bestimmen, auf welchem wir euch völlig ebenbürtig werden können.
Der Weg, den nun der Herr
Selbst geht, wird noch der Weg aller urgeschaffenen Geister aller Himmel werden,
- aber freilich nicht von heute bis morgen, sondern nur nach und nach.“ (3.GEJ
180,4-7+11-12) Deswegen ist den Menschen hier auf dieser Erde auch jegliche
Rückerinnerung an ein vorheriges Sein genommen, während die Bewohner aller
anderen Weltkörper eine traumartige Rückerinnerung behalten. (4.GEJ 106,4) Nur
so ist ihnen die Möglichkeit gegeben, von Grund auf neu anfzufangen und sich
unabhängig von der Allmacht des göttlichen Willens frei aus sich völlig
selbst zu gestalten nach dem Worte und der Lehre Jesu. Auf diese Weise wird dann
der Mensch dereinst als ein starkes, freies, und selbständiges Wesen neben Gott
leben und handeln können. (7.GEJ 121,3)
„Der Mensch, wie er in
diese Welt kommt“, sagt Jesus, „wird der Seele nach völlig von der Allmacht
Gottes getrennt und ist in allem seinem eigenen Wollen und Erkennen anheim-
gestellt. Erst so er auf dem Wege des Unterrichts aus dem Munde seiner Eltern
und anderer weiser Lehrer zur Erkenntnis Gottes gelangt, sich dann gläubig an
Ihn wendet und Ihn um Seine Hilfe und Seinen Beistand anfleht, fängt dann auch
von der göttlichen Seite das Einfließen an durch alle Himmel hindurch, und die
Seele des Menschen geht in ein stets klareres Erkennen über und aus dem immer
mehr und mehr in die Liebe zu Gott; sie ordnet dann ihren Willen dem erkannten
Willen Gottes unter und einigt sich also mit dem Geiste Gottes und wird dadurch
nach und nach ebenso vollkommen in und durch den Geist Gottes in ihr, wie der
göttliche Geist in ihr selbst vollkommen ist, und bleibt dabei dennoch in allem
vollkommen frei und selbständig, wie Gott an und für Sich ewig vollkommenst
frei und selbständig ist.“ (9.GEJ 171,4)
Der Vorwurf vieler Menschen
gegen Gott, Er kümmere Sich nicht um die Menschen und schreite gegen das Böse
nicht ein, kann nur mit der Selbständigwerdung beantwortet werden. Ja, da wird
oft die Existenz Gottes geleugnet und gesagt, wenn es einen Gott gäbe, so
würde Er gegen das Böse einschreiten und die grausamen Taten der Menschen
nicht zulassen. Aber Gott muß die Menschen zu ihrer Selbständigwerdung bis zu
einem gewissen Maß frei handeln lassen und darf auch nur höchst selten
sichtbar, auch nicht durch Engelsgeister, (6.GEJ 190,3) unter den Menschen
wirken. (9.GEJ 22,8) Jesus sagt: „So ein Geist, wie zum Beispiel der des
Moses, dir erschiene und zu dir sagte: ‘Dieses und jenes mußt du tun, so du
zum Leben eingehen willst; tust du das nicht, so verfällst du dem Gerichte des
allmächtigen Gottes, und es wird schwerlich ein vollglückliches Erstehen vom
Tode des Gerichtes geben!’, da wirst du nach solch einer Mahnung erbeben und
wirst dich dein Leben lang nichts anderes zu tun getrauen, als was dir der Geist
Mosis zu tun befohlen hat. - Welches Verdienst aber wirst du dann dabei haben?
Siehe, gar keines; denn da hat nicht dein eigenes besseres Erkennen deinen
freien Willen zur besseren Tätigkeit bestimmt, sondern die Macht des zu dir
gekommenen Geistes, und das hat für deine Seele beinahe gar keinen Wert!“
(6.GEJ 225,4-5)
„Ein unsichtbares
Einwirken (eines Engelsgeistes) ist dem Menschen um vieles heilsamer denn eine
Sichtbarkeit und Hörbarkeit eines abgeschiedenen Geistes. Denn so dir ein guter
und schon sehr erleuchteter Geist gute und edle Gedanken und Gefühle in dein
Herz legt, so sind sie schon so gut, als hättest du selbst sie in dir erfunden;
sie einen sich mit deinem Leben und bestimmen dich zur Tätigkeit.“ (6.GEJ
225,3) Es gibt keine Selbständigwerdung ohne die Willensfreiheit. Der freie
Wille ist der einzige Keim zur Gewinnung des selbständigen, freien, ewigen
Lebens der Seele. (6.GEJ 205,5) Deshalb achtet Gott den freien Willen der
Menschen aufs Genaueste, darf nicht in ihren Willen eingreifen und muß sie
alleine handeln lassen. (6.GEJ 225,8) Die Menschen würden sonst nicht zur
Selbständigkeit erzogen und erlangten nie die Gotteskindschaft. Gerade weil
Gott die Menschen dieser Erde so sehr am Herzen liegen und Er sie sogar zu
Göttern gestalten will, darf Er Sich nur in verborgener Weise um die Menschen
kümmern. (6.GEJ 204,6) Und weil Er die bösen Menschen nicht verderben, sondern
retten und zur freien Selbständigkeit erziehen will, so darf Er nicht in
offensichtlicher Weise mit Blitz und Donner gegen die Menschen einschreiten,
sondern nur auf verborgene Weise und darf sie nur belehren.
Jesus sagt: „Wenn Ich
vermöge Meiner Allmacht wollte, daß kein Mensch je eine Sünde begehen solle,
so würde auch kein Mensch je mehr sündigen; denn er würde sich nicht um eine
Linie über Meinen Willen hinauswagen und -bewegen können... So nun Gott es
nicht zuließe, daß ein Mensch je eine Sünde begehen könnte, wer hätte dann
da ganz allein für sich das Verdienst ob des ganz sündenfreien Lebens eines
Menschen, den allein Gottes Allmacht also leitete, wie sie das Wachstum der
Bäume und aller anderen Früchte leitet und die Welten leitet und führt durch
den endlosen Raum? Doch sicher niemand anders als Gott allein, weil der Mensch
da nichts als eine Spielpuppe in den Händen Gottes wäre!“ (6.GEJ 225,6) „Ich
könnte durch Mein allmächtiges Wort freilich alle Menschen im Augenblicke (zu
guten Menschen) umgestalten; aber wo bliebe dann ihres Geistes durch sich selbst
zu gewinnende Lebenstüchtigkeit und Freiheit?!“ (3.GEJ 168,1) Wenn Gott die
Menschen zu selbständigen Gotteskindern gestalten will, so müssen sie aus sich
selbst vollkommen werden.
Da darf Gott wohl auf
verborgene Weise helfend eingreifen, aber nicht offensichtlich und schon gar nie
mit Seiner Allmacht, sondern muß sie mit der größten Geduld und Langmut
behandeln. Die Größe der Geduld Gottes ist nicht nur an den Zuständen auf
dieser Erde, sondern auch an der ganzen materiellen Schöpfung sichtbar
geworden, die sich aus dem Geisterfall bildete und die der himmlische Vater zu
Schulhäusern eingerichtet hat, um die Gefallenen auf dem langen mühsamen Wege
wieder zurückzuführen. Handelte es sich am Anfang zunächst erst einmal um die
Tätigwerdung der neugeschaffenen Geister, und in den für uns fast unendlich
langen Zeiträumen, die seit der Erschaffung der Geister verflossen sind, um
eine schrittweise Selbständigwerdung, so ging es beim ersten Menschenpaar
bereits um die Gotteskindschaft. Die volle Gotteskindschaft aber brachte erst
das Erdenleben Jesu. „Nach solch einer langen Vorbereitungszeit“, sagt
Jesus, „bin erst Ich Selbst da und zeige den Menschen klar die Wege, die sie
zu gehen haben aus ihrer höchst eigenen inneren Kraft... Mit diesem Meinem
Hiersein wird dem Menschen erst die vollste Freitätigkeit zu seiner
Lebensvollendung gegeben und mit ihr ein neues Gesetz der Liebe, das im rechten
göttlichen Vollmaße alle anderen Gesetze und alle Weisheit aus Gott in sich
faßt.“ (2.GEJ 230,8)
Um Sich völlig
selbständige Kinder heranziehen zu können, muß Gott die Seelen dahin bringen,
Ihn aus ihrem freien Wollen aus sich selbst heraus wie ein Kind zu lieben. Dazu
darf ihr freiester Wille nicht die geringste Nötigung von der allmächtigen
Seite Gottes erfahren. Da muß an die Stelle der Allmacht dann Gottes große
Liebe, Erbarmung, Geduld und Sanftmut treten, womit Er die Seelen weise zur
freien Selbständigkeit führen muß. (3.HG 42,12) Sie dürfen nur durch
Offenbarung und Lehre und durch das äußere Gesetz angehalten werden, mit ihrem
freien Willen das Wahre und Gute aus sich selbst zu ergreifen und aus eigener
Selbstbestimmung danach tätig zu werden. (6.GEJ 225,7) Durch ihr eigenes Wollen
müssen sie den Willen Gottes zu dem ihrigen machen. (7.GEJ 62,9) Sie müssen
völlig selbständig das aus Gott strömende Leben an sich zu ziehen anfangen
und daraus ein eigenes, für sich dastehendes Leben bilden. (5.GEJ 71,14) Auf
diese Weise werden die Menschen dieser Erde fähig, eine Wohnstätte des ewigen
Gottesgeistes zu sein (2.GS 25,6) und damit Kinder Seiner Liebe und - wie es in
der Bibel geschrieben steht - Götter. ( Joh. 10,34) Manche ärgste Teufel
halten sich in ihrem größten Hochmut für den alleinigen Gott.
Aber kein Mensch kann Gott
werden, denn Gott gibt es nur einen. Doch werden alle die Menschen, aus denen
aller Hochmut gewichen ist und in denen nur die Liebe zu Gott brennt, kleine
Götter oder Gotteskinder. (9.GEJ 22,6) „Bei der Hervorbringung einer Mir
völlig ähnlichen Seele, also einer zweiten Gottheit“, sagt Jesus, „darf
Meine Allmacht nur sehr wenig, alles aber der neu werdende Gott aus Mir zu tun
und zu versehen haben. Von Mir aus bekommt er nur das Material geistig und nach
Bedarf auch naturmäßig. Und wäre es nicht also, und könnte es anders sein,
so würde Ich wohl nicht, als der ewigste Urgeist, Mir Selbst infolge Meiner
Liebe die saure Mühe aufgebürdet haben, Selbst Fleisch anzunehmen, um die bis
zu einem gewissen Punkte gediehenen Seelen nicht etwa durch Meine Allmacht,
sondern lediglich durch Meine Liebe weiterzuleiten und ihnen zu geben eine neue
Lehre und den neuen Gottgeist aus Mir, auf daß sie nun, so sie es ernstlich
wollen, mit Mir in kürzester Zeitenfrist vollkommen eins werden können. Ich
sage es euch: für Meine ewigen Vorarbeiten fängt nun erst die Ernte an, und
ihr (sagt Er zu Seinen Jüngern) werdet wohl Meine ersten ganz vollendeten
Kinder sein, was aber noch immer bei eurem und nicht bei Meinem Willen steht.“
(4.GEJ 246,6-7)
Als Philippus Jesus einmal
bat, ihn von seiner zeitweiligen Glaubensschwäche zu befreien, wodurch er dann
der glücklichste Mensch werden würde, gab ihm Jesus zur Antwort: „So Ich dir
das täte durch die Mir innewohnende Kraft, da wärest du kein freier Mensch
mehr, gerietest in eine große Trägheit und wärest dadurch mit der Übung zur
stets höheren Gewinnung der wahren Lebenskraft deiner Seele bald am Ende. Darum
trage ein jeder seine Bürde willig und übe sich gleichfort in allen guten
Dingen des inneren Lebens! Zur rechten Zeit wird dadurch auch sein Lebensmaß
voll werden, und er wird dann erst über das (geistige) Brot, das er sich selbst
im Schweiße seines Angesichtes erworben hat, eine rechte und unverwüstbare
Freude haben. Ich aber bin ein rechter Lehrer und Führer und trage Meine
Jünger nicht über alle noch so schroffen und holperichten Wege und Fußsteige
auf den Händen, sondern Ich lasse sie selbst gehen, auf daß sie stark werden,
ohne Anstoß fürderhin zu wandeln auf allen noch so knorrigen Wegen. Stellt
sich aber jemandem auf irgendeinem Wege ein gar zu großes Hindernis in den Weg,
so werde Ich ihm dann schon ein Licht und eine Kraft geben zur sicheren
Besiegung auch solch eines großen Hindernisses. Aber vor allem muß ein jeder
Mensch selbst so viel tun, als in seinen Kräften liegt; was darüber not tut,
wird ihm gegeben werden zur rechten Zeit.“ (6.GEJ 52,8-9+12-13)
Judas, der einmal von Jesus
ermahnt wurde, sich zu bessern, trat daraufhin mit folgendem Begehren an Ihn
heran: „Ich will ja ein besserer Mensch werden und kann es dennoch nicht, weil
ich mein Herz nicht umändern kann; daher gestalte Du mein Herz um, und ich bin
ein anderer Mensch!“ Da gab ihm Jesus zur Antwort: „Darin eben liegt das
große Geheimnis der Selbstgestaltung des Menschen! Alles kann Ich dem Menschen
tun, und er bleibt Mensch; aber das Herz ist sein eigen, das er vollkommen
selbst bearbeiten muß, so er das ewige Leben sich selbst bereiten will. Denn
würde Ich Selbst zuerst die Feile an des Menschen Herz legen, so würde der
Mensch zur Maschine und gelangte nie zur freien Selbständigkeit. Wenn aber der
Mensch die Lehre bekommt, was er zu tun hat, um sein Herz für Gott zu bilden,
so muß er diese auch frei befolgen und sein Herz nach ihr bilden! Hat er sein
Herz danach gebildet und es gereinigt und gefegt, sodann erst ziehe Ich im
Geiste in dasselbe und nehme Wohnung darin, und der ganze Mensch ist dann im
Geiste wiedergeboren und kann fürder ewig nimmer verlorengehen, da er dadurch
eins mit Mir geworden ist.“ (2.GEJ 75,6-8)
Alles kann Jesus uns
Menschen tun, wenn wir Ihn darum bitten, aber unser Herz müssen wir
vollständig selbst bearbeiten und gestalten. Das ist das Werk, welches wir
selbst vollbringen müssen. Nur lehren darf Er die Menschen, aber niemals in
ihren Willen eingreifen, will Er nicht Automaten, sondern freie Kinder
heranbilden. Jesus sagt: „Darum nehme Ich Jünger an und lehre Selbst so, wie
da lehrt ein recht weiser Vater seine Kinder, was sie zu glauben, zu kennen und
dann zu tun haben; denn würde Ich sie mit Gewalt auf einen Schlag mit Meinem
Geiste erfüllen, so wäre es mit ihrer eigenen Selbständigkeit, mit ihrem
eigenen Suchen, Forschen, Prüfen, Erkennen, Glauben und Wollen aus und damit
auch mit ihrem individuellen Leben und mit seiner Freiheit. So Ich sie aber nun
lehre, die volle Wahrheit zu erkennen und danach selbständig zu handeln, so ist
dadurch ihrer Seelen vollste Freiheit nicht im geringsten gehemmt, und was sie
sich nach Meiner Lehre ehest werden errungen und erkämpft haben, das wird dann
ihr Werk und auch ihr volles Eigentum sein.“ (8.GEJ 126,7-8)
Jesus lehrt uns, die
Wahrheit zu erkennen und zeigt uns den Weg, der zu Ihm führt. Von Ihm können
wir uns das ewige Leben holen. Jesus sagt: „Was sich der Mensch mit seinen ihm
verliehenen Kräften nicht als selbsttätig verschafft, das kann und darf ihm
auch Gott nicht verschaffen, ohne ihn zu richten!“ (1.GEJ 220,6) „Denn Ich
darf und kann niemandem Meine Kraft und Macht anbinden aus Meinem Willen, es sei
denn, daß da jemand kommt und sie sich selber nimmt; denn es wird von Mir aus
niemandem je vorenthalten, sich zu nehmen das Leben oder das Gericht, was er
will.“ (1.GEJ 145,4) Mancher denkt sich vielleicht: „Was muß ich doch alles
leisten, um ein Gotteskind werden zu können. Schaffe ich das überhaupt?“
Doch da läßt uns Jesus wissen: „Wer einmal ernstlich diesen Weg betreten
hat, dem wird auch ohne sein Wissen von Gott aus geholfen, daß er weiter und
endlich sicher auch ans Ziel kommt. Gott wird die Einung der Seele mit dem Geist
aus Ihm freilich wohl nicht mit Seiner Allmacht erzwingen, aber Er wird des
Menschen Herz stets mehr erleuchten und es erfüllen mit wahrer Weisheit aus den
Himmeln.“ (7.GEJ 223,8-9)
Und wenn der Mensch nicht
mehr weiter kann so soll er in seinem Herzen rufen: „Herr, ich bin zu schwach,
hilf Du mir!“ Da kann dann der Herr auch sogleich einwirken und einer
schwachen Seele augenblicklich helfen, denn da hat der Mensch aus seinem eigenen
Willen und aus der Erkenntnis der unzulänglichen Kraft die Hilfe begehrt. Das
darf aber nicht aus der Trägheit heraus erbeten werden, sondern es muß die
vollste Entschiedenheit des menschlichen Willens dabei sein, alles nur mögliche
nach der Ordnung Gottes selbst zu tun, denn sonst bleibt es bei der Ordnung,
nach der sich eine jede Seele mit den dargebotenen Mitteln selbst helfen muß.
(5.GEJ 97,7-8) Denn Jesus sagt: „Mein Erbarmen kann und darf sich nicht und
nie über die Schranken Meiner nun aus dem Fundamente gezeigten unwandelbaren
Ordnung erstrecken. Denn diese Ordnung ist an und für sich schon Meine ewige
Erbarmung.
Wer aber über die
Schranken dieser Ordnung tritt, der wird nur sich selbst einen überaus langen,
unglückseligsten Zustand jenseits zuzuschreiben haben. Denn es muß ein jeder
sich selbst gestalten, so er sein will das, was er sein soll. Will jemand sich
diese Mühe nicht nehmen, so muß er dann auch so lange im ewig notwendigen
Gerichte verharren, bis er sich selbst zu umstalten (umzugestalten) anfangen
wird, was der Seele einen harten Kampf kosten würde.“ (JdS Seite 116) Wenn
sich z.B. ein Mensch das Leben nahm, weil er die Schwierigkeiten, in die er
geriet, nicht mehr ertragen wollte, so kann sich Jesus nicht außerhalb Seiner
Ordnung dieser Seele erbarmen. Denn wenn ein Mensch das Mittel, mit dessen Hilfe
er sich selbst zu einem Gotteskind gestalten soll, nämlich das Leben auf dieser
Erde mit all den Schwierigkeiten, die Gott über ihn zuläßt, verwirft, wie und
wodurch soll er es dann noch werden können? (6.GEJ 163,2) Der Herr darf solch
einer Seele die Gotteskindschaft mit Seinem allmächtigen Willen nicht einfach
aufzwingen, sondern kann ihr höchstens noch einmal die Mittel anbieten, wobei
es auch weiterhin bei ihr liegt, ob sie diese gebrauchen will. Weist sie die
Mittel erneut zurück, so kann sie dann noch die Seligkeit des untersten Himmels
oder vielleicht auch nur seiner Grenzmarken erreichen. (4.GEJ 152,13)
Raphael sagt: „Daß aber
dann auch jenseits vom Herrn in der ordnungsmäßigen Art alles Mögliche
zugelassen wird, um eine verdorbene Seele zu heilen, kannst du dir wohl denken;
denn der Herr hat keine Seele fürs Verderben, sondern nur für die möglichste
Lebensvollendung erschaffen. Aber das kannst du dir auch merken, daß da im
ganzen, unermeßlichen Schöpfungsraume keine einzige Seele durch ein irgend
unvermitteltes, ganz unbedingtes Erbarmen zu einer Lebensvollendung gelangen
kann, sondern nur durch ihren höchst eigenen Willen! Der Herr läßt dem
Menschen wohl allerlei Hilfsmittel in die Hände spielen; aber dann heißt es
beim Menschen, diese als solche erkennen, sie mit dem eigenen Willen ergreifen
und selbst wie ganz eigenmächtig gebrauchen!“ (5.GEJ 97,6) Das In die Hände
spielen der Hilfsmittel und die Führung zur sicheren Erreichung des Zieles, ist
Gottes Gnade.
Und „Das Zukommenlassen
Meiner Gnade“, sagt Jesus, „ist Mein Werk, das niemandem vorenthalten wird.
Aber das Ergreifen dieser Gnade und das Handeln darnach ist das eigene Werk
eines jeden freien Geistes.“ (BM 144,11) Doch eines dürfen wir nie vergessen
und das ist: „Ohne Mich könnt ihr niemals etwas wahrhaft Verdienstliches zum
ewigen Leben eurer Seele wirken. Aber dennoch muß zuvor ein jeder so viel tun,
als er aus seinem freien Willen heraus kann; alles andere werde dann schon Ich
ganz sicher und zuverläßlich tun.“ (8.GEJ 151,3) „Und hat er auch alles
nach den ihm geoffenbarten Gesetzen wie aus eigener Willenskraft getan so soll
er aber dennoch in sich bekennen, daß er ein fauler und träger Diener war, und
soll in allem Guten, das er gewirkt hat, Gott allein die Ehre geben, und Gott
wird ihn also denn auch allzeit stärken und kräftigen.“ (9.GEJ 159,3)
Jesus hat durch Sein
Erlösungswerk die Brücke über die große Kluft gebaut, die kein Mensch bauen
konnte. (11.GEJ 75,4-5) Aber Er hat sie nicht gebaut, um uns dann über die
Brücke zu tragen, sondern Er läßt uns selbst darübergehen. Das Darübergehen
ist dann zwar unser Werk, aber im Grunde sind wir dennoch allein Gottes Werk,
denn Jesus hat uns ja erst durch den Bau der Brücke ermöglicht, darübergehen
zu können, um in Sein Reich zu gelangen. Es ist nicht nur Jesu Wort, das uns
anleitet, sondern Er stellt uns auch alles Material und alle Hilfsmittel,
geistig und materiell, zur Verfügung und es ist nur Seine Führung, die uns zum
Ziel bringt. Wahrhaft Verdienstliches können wir nur aus der Liebe zum Herrn
wirken, weshalb das Verdienstliche allein Jesus zukommt. Wir aber sind reine
Empfänger Seiner Liebe, Gnade und Erbarmung. (Schr 30,15)
„So ihr saget: ‘Wir
haben dieses und jenes Gute gewirkt!’“, sagt Jesus, „da lüget ihr erstens
euch selbst, dann Gott und auch eure Nächsten an, weil kein Mensch aus sich
etwas Gutes zu wirken vermag, und das darum, weil erstens schon sein Naturleben
nur ein von Gott ihm gegebenes ist - und zweitens aber auch die Lehre, nach der
er zu leben und zu handeln hat. Wenn ein Mensch das nicht einsieht und begreift,
so ist er für sich auch soviel wie nichts, und es ist bei ihm von einer
Selbständigkeit noch lange keine Rede, weil er zwischen seinem eigenen Wirken
und dem Wirken Gottes in ihm und durch ihn noch nicht unterscheidet und beides
als ein und dasselbe fühlt und betrachtet; nur dann erst tritt der Mensch in
den Kreis der Lebensselbständigkeit, so er es wahrnimmt, daß sein eigenes
Lebenswirken ein eitel nichtiges ist und nur das göttliche Wirken in ihm allein
gut ist.“ (6.GEJ 144,4)
Der himmlische Vater hat es
sich viel Zeit und Mühe kosten lassen, Seine Geschöpfe zur
Lebensselbständigkeit zu führen. Dazu mußte Er sie von Seiner Allmacht
trennen und ihnen Gelegenheit geben, Selbstschöpfer ihres Seins zu werden. Wenn
ein Mensch Gott wie außer sich seiend erkannt hat und Ihn aus seinem freien
Willen über alles liebt, so steht er als ein selbständiges Gotteskind neben
Gott und ist in gesonderter Persönlichkeit mit Ihm eins geworden. Jesus sagt:
„Das sicherste Zeichen der schon erlangten Lebensselbständigkeit einer
Menschenseele ist und besteht darin, daß sie Gott erkennt und Ihn sogar aus
allen ihren Kräften liebt. Denn solange eine Seele Gott nicht erkennt als ein
Wesen wie außer ihr seiend, ist sie noch wie blind und stumm von der Gewalt der
göttlichen Allmacht nicht ledig; da muß sie dann noch gar gewaltig kämpfen,
um sich aus solchen Fesseln loszumachen. Aber sowie eine Seele anfängt, den
wahren Gott wie außer ihr seiend zu erkennen und durch das Gefühl ihrer Liebe
zu Ihm Ihn ordentlich wesenhaft wahrzunehmen, dann ist sie schon von den Banden
der göttlichen Allmacht frei und gehört dann auch schon stets mehr und mehr
sich selbst an und ist sonach Selbstschöpferin ihres eigenen Seins und Lebens
und dadurch eine selbständige Freundin Gottes für alle Ewigkeiten der
Ewigkeiten.“ (6.GEJ 133,6)
Wir haben nun erfahren, auf
welch wundersame Weise Gott Seine höchsteigenen Gedanken und Ideen trotz ihrer
Willensfreiheit zu selbständigen, Ihm vollkommen ähnlichen Kindern gestaltet
und erzieht und wir erkennen daran Seine unendliche Weisheit und Liebe. (6.GEJ
133,12) Jesus sagt: „Die aus sich selbständig, selbstdenkend und freiwillig
handelnden Kinder Gottes tun allzeit den Willen Gottes, aber nicht weil er ihnen
durch die Allmacht Gottes aufgedrungen ist, sondern sie erkennen solchen als
höchst weise und bestimmen sich selbst, nach solchem zu handeln, was dann für
sie selbst lebensverdienstlich ist und ihnen erst des Lebens höchste Seligkeit
und Wonne gibt.“ (6.GEJ 133,11)
Quellenverzeichnis
Sir. Sirach Die Heilige Schrift, Übersetzer: Martin Luther, Übersetzung: 1912 Württembergische Bibelanstalt, Stuttgart, 1968
GEJ Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981
GS Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955
HG Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1966 RB Von der Hölle bis zum Himmel (Robert Blum), Jakob Lorber, 2 Bände, 1963
BM Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960
Hi Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände
EM Erde und Mond, Jakob Lorber, 1958
JdS Jenseits der Schwelle, Jakob Lorber, 1990
Schr Schrifttexterklärungen, Jakob Lorber, 1958 Lorber Verlag, 74308 Bietigheim/Württ.
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