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Die
Menschwerdung Gottes
Gerd Kujoth 
Wer war Jesus, als Er einst auf Erden wandelte? – War Er nur ein
gewöhnlicher Mensch oder ausschließlich Gott oder war Er beides
zugleich, also ein Gottmensch? - Die Beantwortung dieser Frage ist von
nicht geringer Bedeutung, denn Jesus Selbst hat uns gesagt: „Das ist
aber das ewige Leben, daß sie Dich, den allein wahren Gott, und den Du
gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ (Joh. 17,3) „Denn wer Gott
nicht richtig erkennt“, sagt Jesus im „großen Evangelium“, „kann
nie vollkommen an einen Gott glauben, noch weniger Ihn über alles
lieben und somit auch des Geistes Gottes nie völlig teilhaftig werden.
Denn aus einer unrichtigen Erkenntnis Gottes kommen mit der Zeit,
vermöge des freien Willens der Menschen, allerart Irrtümer unter die
Menschen, die dann wie eine tausendköpfige Hydra fortwuchern... und den
Menschen die Pforte zum wahren, ewigen Leben verrammen.“ (6.GEJ
228,19)
Deshalb fragte Er
auch Seine Jünger: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“
Sie sprachen: „Etliche sagen, Du seiest Johannes der Täufer; andere
aber Elia; noch andere Jeremia oder einer der Propheten.“ Wieder
andere sagten, Er sei ein Betrüger, Er sei ein Magier, Er verrichte
Seine Wunder durch einen mächtigen Geist der Unterwelt oder Er sei
einfach nur ein frommer Mensch. Aber niemand behauptete und glaubte,
daß Er der Christus (der Messias) sei. (6.GEJ 159,10) Dann fragte Jesus
Seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr Mich?“ Da antwortete
Simon Petrus und sprach: „Du bist der Christus, der Sohn des
lebendigen Gottes.“ (Matth. 16,13-16) Es waren also schon während der
Lehrzeit Jesu die verschiedensten Meinungen über Ihn vorhanden, die Ihn
für einen Propheten, Magier oder Betrüger und somit für einen
gewöhnlichen Menschen hielten.
Auch in der
heutigen Zeit hält man Ihn zumeist nur für einen Menschen. Nur sagt
niemand mehr: „Er war Elia oder ein Magier“, sondern jetzt sagt man:
„Er war ein Religionsstifter, ein Wanderprediger, ein Revolutionär,
ein aufgestiegener Meister oder ein inkarnierter hoher Lichtgeist.“
Ein gläubiger Christ aber, der einer der Kirchen angehört, wird wie
Petrus antworten: „Er ist der Sohn Gottes!“ Diese Antwort bringt
Jesus mit Gott in Verbindung. Aber auf welche Weise? – Jesus sprach
von Sich: „Wer Mich sieht, der sieht den Vater!“ (Joh. 14,9) Der
Vater war in Ihm (Joh. 14,10-11) und aus diesem Grund sah jeder, der
Jesus sah, auch den himmlischen Vater. „Ich und der Vater sind eins“,
(Joh. 10,30) sagte Jesus und das heißt, wie wir später noch hören
werden, daß Er mit dem Vater eine Person war, wie Seele und Geist nur
zusammen eine vollständige Person sind.
Paulus schrieb: „In
Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ (Kol. 2,9)
Damit wollte Paulus ausdrücken, daß nicht nur die Kraft Gottes in Ihm
war, sondern daß Gott in Seiner ganzen Fülle in Jesus leibhaftig
Mensch geworden ist. Aber hier stellt sich die Frage: Kann Gott denn
überhaupt Mensch werden? - Gott oder der Geist Gottes erfüllte mit
Seiner Kraft von Ewigkeit her die Unendlichkeit des Raumes. Dieser
unendliche Raum ist Gott Selbst. Dieses unendliche Wesen Gottes kann von
einem geschaffenen Wesen, welches endlich ist, nie geschaut und
begriffen werden. Wie auch könnte das Endliche Schauen und begreifen
das Unendliche? Es kann sich unmöglich bis ins Unendliche ausdehnen und
dabei sein Fünklein Leben erhalten. (1.HG 151,26-27) -
Aber im Zentrum
Seiner Unendlichkeit ist Gott ein Mensch. Dieser Mensch ist in Sich
Selbst ein Feuer, dessen Gefühl die Liebe ist; ein Licht, dessen
Gefühl die Weisheit ist und eine Wärme, deren Gefühl das Leben selbst
ist. (4.GEJ 56,1) Das Verhältnis zwischen der Weisheit als Gottheit und
Vater und der ewigen Liebe als Sohn, ist im vorher- gehenden Kapitel
beschrieben worden. Im Folgenden betrachten wir die ewige Liebe als
Gottheit und Vater und die Weisheit als Ihren Sohn und zwar in der
Weise, wie aus dem Feuer das Licht hervorgeht. Johannes schrieb: „Im
Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott...
und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ (Joh. 1,1+14)
Das bedeutet: Im
Urgrunde oder auch in der Grundursache alles Seins war der große
heilige Schöpfungsgedanke oder die wesenhafte Idee oder das Licht, was
alles eines und dasselbe ist. Dieses Licht war bei Gott und war Gott
Selbst. Jesus sagt: „Das Licht trat als wesenhaft beschaulich aus Gott
und war somit nicht nur in, sondern auch bei Gott und umfloß
gewisserart das urgöttliche Sein, wodurch schon der Grund zu der
einstigen Menschwerdung Gottes gelegt erscheint.“ (1.GEJ 1,6) Indem
das Licht, das schon ewig in Gott war, als wesenhaft beschaulich aus
Gott, der ewigen Liebe trat, stellte Sich Gott in Seinem ewig
vollkommensten Sein Selbst dar. Jesus sagte von Sich: „Ich bin das
Licht der Welt.“ (Joh. 8,12) Das ewige Wort als das Urgrundsein alles
Seins, als das Licht allen Lichtes, als der Urgedanke aller Gedanken und
Ideen, als die Urform und der ewige Urgrund aller Formen konnte nicht
formlos sein.
Gott ist in Seiner
Zentralwesenheit der höchste und allervollkommenste, ewigste Urmensch
aus Sich Selbst, (4.GEJ 56,1) weshalb Er auch Mensch werden konnte. Nach
dieser Form, nach dem Bilde Gottes ist der Mensch erschaffen worden. Wir
sind das Ebenmaß des Urlichtes, das aus Sich die Wesen hervorrief.
(1.GEJ 1,6-13) Warum aber ist Gott Mensch geworden? - Der erste
Hauptgrund Seiner Menschwerdung war es, zwischen Sich und Seinen
Geschöpfen ein volles Vater-Kind-Verhältnis herzustellen, denn zu
einem solchen Verhältnis gehört es, daß der Vater sichtbar unter
seinen Kindern weilen kann. (4.GEJ 255,3-4) Gott war für die
geschaffenen Geister, die Er einst aus sich herausstellte, unsichtbar.
Sie konnten Ihn wohl hören und empfinden, aber nicht sehen. Jesus sagt:
„Nur ein Erstes kann ein Erstes sehen, ein Zweites nur ein Zweites -
und das Zweite ein Erstes nur dann, wenn das Erste die Gestalt eines
Zweiten angenommen hat. So könntet ihr Mich als ein rein göttliches
Wesen nie sehen.
Da Ich aber ein
Zweites, Geschöpfliches angenommen habe, so könnet ihr Mich sehen
insoweit Ich ein vollkommenes, bleibendes Zweites aus Mir Selbst
geworden bin.“ (2.RB 292,5-6) Um von Seinen Geschöpfen geschaut
werden zu können, mußte Sich Gott selbst einen geschaffenen Leib
geben. Nach dem Fall Luzifers wurden den treu Gebliebenen die Augen
geöffnet, und sie sahen zum ersten Male die ewige Liebe. Da sprach die
ewige Liebe: „Der erste unter euch ging verloren; daher übernehme Ich
seine Stelle und werde sein unter euch ewiglich!“ (1.HG 5,15-19) Das
Gotteszentrum oder die ewige Liebe wurde den Geistern aber nun nicht wie
ein Wesen ihresgleichen schaubar, sondern zunächst als eine Sonne.
(11.GEJ 75,10) Diese geistige Sonne war in ihrer Sichtbarkeit aber nicht
unmittelbar Gott Selbst, sondern nur die Ausstrahlung Seiner Liebe und
Weisheit, (2.RB 283,13) aber Er wohnte in dieser Sonne. (6.GEJ
88,3)
Diese Sonne aber
war so gestellt, daß sie von allen geschaffenen Wesen weit entfernt war
und sich ihr niemand nähern konnte. Wer aber verlangte, Gott
unmittelbar zu schauen, dem mußte gesagt werden: „Gott kann niemand
schauen und dabei erhalten das Leben; denn die pure Gottheit in Sich ist
ein verzehrendes, ewiges Feuer!“ (8.GEJ 57,15) Die pure Gottheit in
Sich ist das Zentrum Gottes und ist ein Feuer, welches jedes geschaffene
Wesen verzehrt, das in Seine Nähe kommt, um es anzuschauen. Als Moses
einmal verlangte, Jehovas Angesicht zu schauen, da wurde ihm gesagt:
„’Gott kann niemand sehen und dabei erhalten sein Leben’, das
heißt das Leben des Leibes. Damals aber war nur von Gottes ewigem
Geiste die Rede, indem Gott in jener Zeit noch kein Fleisch angenommen
hatte, weil dazu die Zeit nach Seiner ewigen Ordnung noch nicht da war.“
(9.GEJ 85,3)
Und doch kam der
himmlische Vater sichtbar als der hohe Abedam und als Asmahael zu den
Urvätern der Menschheit und belehrte sie. Auch nach der großen Flut
hat sich der Herr als Melchisedek den Menschen persönlich gezeigt und
hat mit ihnen gesprochen. Wenn zu jener Zeit selbst die allerreinsten
Engelsgeister das Gotteszentrum nie anders sehen konnten, als wie wir
die Sonne am Firmamente, wieso hat Er sich dann den Menschen persönlich
zeigen können? (2.GS 13,5-7) Jesus erklärt uns im „großen
Evangelium“, auf welche Weise das möglich war und sagt: „Ich war
für kein geschaffenes Wesen ein schau- und begreifbarer Gott, auch
nicht für einen vollkommensten Engel. So Ich Mich jemandem, wie dem
Abraham, Isaak und Jakob, gewisserart beschaulich machen wollte, so
geschah das dadurch, daß Ich einen Engel besonders mit dem Geiste
Meines Willens erfüllte, daß er dann auf gewisse Momente Meine
Persönlichkeit darstellte.“ (8.GEJ 57,14) Es konnte damals also
niemand Gott unmittelbar schauen, sondern Gott war nur das, was da durch
den Geschauten sprach und wirkte. (1.HG 151,29)
Erst mit der
Menschwerdung Gottes in Jesus ging die Verheißung der ewigen Liebe an
die treu Gebliebenen, daß Er unter ihnen sein werde, vollumfänglich in
Erfüllung. Jesus sagt: „Nun aber hat nach der Weissagung der
Propheten Jehova das Fleisch der Menschen dieser Erde angenommen und
dadurch zwischen Sich als dem urewigen Geiste und den Menschen eine
Schutzwand gestellt, auf daß sie unbeschadet ihres Lebens Ihn sehen,
berühren, hören und sprechen können, und es hat sich da niemand zu
fürchten, daß er durch Meine sichtbare Gegenwart irgend vernichtet
werde.“ (9.GEJ 85,4) „Das (verzehrende) Feuer ist nun in Mir bedeckt
und gedämpft durch diesen Meinen Leib, und es heißt nun nicht mehr:
‚Gott kann niemand schauen und leben!‘, sondern: ‚Von nun an wird
ein jeder Engel und Mensch Gott schauen und leben können; und wer nicht
Gott schauen wird, der wird ein sehr elendes und gerichtetes Leben
haben!“ (8.GEJ 57,15)
Gott hat durch Jesu
Fleischleib zwischen Sich und Seinen Geschöpfen eine Schutzwand
gestellt, die das verzehrende Feuer bedeckt und dämpft, so daß uns das
Zentralwesen Gottes, das kein Geschaffener direkt schauen und dem sich
niemand nahen konnte, nicht mehr unschaubar ist, sondern ein Mensch wie
wir, den wir sehen, dem wir uns nahen und mit dem wir wie mit einem
Bruder reden können. (10.GEJ 207,11) Mit Seiner Menschwerdung hat Gott
Seinen Kindern wohl die höchste Seligkeit bereitet, aber auch Sich
Selbst. Denn welche Seligkeit könnte das für Gott auch sein, so Er
wohl Seine Kinder sehen könnte, diese Ihn aber nie anders als ein
unendliches Lichtmeer oder eine Sonne zu Gesichte bekommen könnten?
(3.GEJ 183,20)
Der zweite
Hauptgrund, warum Gott Mensch wurde, war die Erlösung der gefallenen
Schöpfung, die kein Mensch mehr hätte vollbringen können, weil die
Hölle zu mächtig geworden war. Die Erlösung, die Jesus vollbrachte,
bestand in Seiner Lehre und in Seinen Taten. Jesus sagt: „Da die
Hölle ihre Gewalt über die ganze Erde ausübte, war es nun an der
Zeit, daß Ich Selbst in die Materie herabkommen mußte, um dieses alte,
aber notwendige Gericht mit aller Meiner Fülle zu durchbrechen und
dadurch der sich selbst geschaffenen Hölle einen Damm zu setzen, den
sie nimmerdar also durchbrechen wird, wie es bis jetzt der Fall war.
Ich, der Allerheiligste, mußte Mich mit der Unheiligkeit der
menschlichen oder geschöpflichen Schwachheit bekleiden, um Mich der
Hölle, wegen ihrer Besiegung, als ein starker Held nahen zu können.“
(6.GEJ 240,2-3)
Nun stellt sich die
Frage, auf welche Weise Gott denn nun Mensch geworden ist? War Gott in
dem Menschen Jesus so vorherrschend, daß Er die Schwere des Erdenlebens
mit Leichtigkeit ertragen konnte? - Jesus sagt: „Ich als Gott wollte
Meinen Geistern durch Meine Menschwerdung und das als Mensch erlebte
Schicksal (Seiner Gefangennehmung und Kreuzigung) das größte Beispiel
der Demütigung geben, wie Ich es auch wirklich getan habe. Nun frage
Ich euch, wäre das ein Beispiel der Demütigung gewesen, wenn Ich als
Gott auf der Erde gelebt, gewirkt und gelitten hätte? Gewiß nicht!
Denn als Gott wäre es in meiner Macht gestanden, entweder alle Leiden
zu vermeiden, oder wenn Ich wollte, mit einer Fühllosigkeit auch die
größten Schmerzen zu ertragen. Wo wäre dann das Beispiel der
Aufopferung und der Demut geblieben?
Ich mußte also,
als Ich auf diese Welt kam, ganz Mensch sein, und deswegen als
Selbst-Mensch auch seine Leidenschaften und Gebrechen, die Ich
wohlweislich in ihn gelegt habe, ebenfalls mit leiden, selbe bekämpfen,
und wie Ich es auch von den Menschen verlange, selbe auch besiegen.“
(G. Mayerhofer, Be. Fe. Dr. Seite 19) Jesus war also nicht
ausschließlich Gott, sondern auch ganz Mensch wie wir, denn sonst wäre
Sein Erdendasein ohne alle Wirkung geblieben. Er wollte ja einen Weg
zeigen und vorangehen, so daß Ihm alle nachfolgen konnten, und dazu
mußte Er ganz Mensch sein, ohne göttliche Vorteile, denn diese mußte
Er sich erst erringen. Er mußte denselben Versuchungen durch die
Materie Seines Fleisches ausgesetzt sein wie alle anderen Menschen und
diesen Versuchungen widerstehen. Dadurch überwand Er die Welt und wurde
Sieger über die Hölle, die in dieser Welt die Materie darstellt.
(7.GEJ 169,8)
„Es heißt in der
Schrift: ‘Und Er nahm zu an Gnade und Weisheit vor Gott und den
Menschen und blieb untertänig und gehorsam Seinen Eltern‘, (Luk.
2,51-52) bis da Er Sein Lehramt antrat. Frage: Wie konnte Jesus denn,
als das alleinig ewige Gottwesen, an Weisheit und Gnade vor Gott und den
Menschen zunehmen, da Er doch Gott von Ewigkeit war? Und wie namentlich
vor den Menschen, da Er doch von Ewigkeit das endlos allervollkommenste
Wesen war? Um das richtig zu fassen, muß man Jesum nicht abgeschlossen
als den alleinigen Gott ansehen; sondern man muß sich Ihn als einen
Menschen darstellen, in dem die alleinige ewige Gottheit Sich gerade
also untätig scheinend einkerkerte, wie da in eines jeden Menschen
Wesen der Geist eingekerkert ist.
Was aber ein jeder
Mensch nach göttlicher Ordnung tun muß, um seinen Geist frei zu machen
in sich, das mußte auch der Mensch Jesus ganz vollernstlich tun, um das
Gottwesen in ihm frei zu machen, auf daß er eins würde mit Ihm.“ (JJ
299,1-7) Hier wird Jesus als das „alleinig ewige Gottwesen“ und als
„Gott von Ewigkeit“ bezeichnet, aber gleichzeitig auch als Mensch.
In diesem Menschen Jesus war das Gottwesen eingekerkert und zwar in der
Art und Weise, wie in eines jeden Menschen Wesen der Geist eingekerkert
ist. So wie im Seelenherzen eines jeden Menschen der Lebens- oder
Menschengeist oder auch essentielle Geist in einem Bläschen
eingekerkert ist, so war auch das alleinig ewige Gottwesen zur Zeit der
Kindheit und Jugend im Seelenherzen des Menschen Jesus eingekerkert. Zu
dieser Zeit hatte der Mensch Jesus das Gottwesen in Ihm noch nicht
völlig freigemacht und Er war da noch nicht eins mit dem Geiste Gottes,
der in Ihm in aller Fülle wohnte.
Das Zunehmen an
Weisheit und Gnade vor Gott und den Menschen bezeichnet das allmähliche
Freimachen und Wachsen des Gottwesens im Menschen Jesus bis zur
Einswerdung mit Ihm. (JJ 0,6) Nun fragt es sich: Wer war das Gottwesen
oder der allein wahre Gott in Jesus und wer war der, den Er gesandt hat,
der Mensch Jesus, der Christus, der ein anderer als Gott zu sein
scheint, da von Ihm wie von einer anderen Person gesprochen wird? - War
Jesus Christus (Jesus, der Gesalbte) der höchste geschaffene Geist, wie
es z.B. von einem Medium durchgegeben worden ist, der einzige, der
direkt von Gott ins Dasein gerufen worden sei, also der erste Engel des
Himmels? (VG, Seite 330) - Nach dieser Ansicht wäre Jesus Christus,
auch wenn Er der erste und einzige direkt von Gott geschaffene Sohn
wäre, in keiner Weise Gott, sondern nur ein Geschöpf. Ohne den Glauben
an die Gottheit Jesu kann das wahre Christentum nicht fortbestehen, weil
„von dem Begriffe Meines Erdenwandels, ob als Gott oder als Mensch,
oder als beides zugleich, das ganze Glaubensgebäude abhängt.“
(Mayerhofer, Be. Fe. Dr. Seite 19)
Deshalb ist eine
Gemeinschaft, die Christus nicht in der Wahrheit und in seinem wahren
Geiste predigt, (EM 73,1) „keine Kirche“, sagt Jesus, „weil sie
Mich, den Herrn, (als Gott) leugnet und Mich zu einem gewöhnlichen
Menschen und Volkslehrer der Vorzeit macht. Sie verwirft sonach auch den
Grundstein, auf dem sie ihr Gebäude aufführen will, und ihr Haus wird
daher einen schlechten Stand haben.“ (1.RB 1,4) Gott hat zuerst drei
Geister geschaffen, von denen der Oberste, Luzifer, der dem Lichte
entsprach, von Gott abfiel. (1.HG 5,12-14) War der Mensch Jesus, wie
manche meinen, der aus Luzifer zuerst hervorgegangene, nach dem Fall
höchste, Gott treu gebliebene Lichtgeist, der dann mit dem Vatergeist
von Ewigkeit verschmolzen worden wäre? Das kommt in Kundgaben, die den
Anspruch erheben, vom himmlischen Vater durchgegeben worden zu sein, zum
Ausdruck.
Da heißt es: Jesu
„Seele war wahrlich der höchste Lichtgeist, der als erstgeborener
Sohn von Mir... d. h., aus Meiner Kraft und dem Willen dessen, den Meine
übergroße Liebe als erstes geschaffenes Wesen herausgestellt hatte,
ausgegangen war.“ (Nr. 8750) „...ein solches geschaffenes Wesen war
auch ich, (Jesus) ein Kind Gottes.“ (JCH Nr. 5148 - 10.6.51) „...zu
einer Sünde, die ein solches Erbarmungswerk erforderte, wie es der
Mensch Jesus vollbracht hat, der es erkannte, daß eben um der
Gerechtigkeit willen diese Sünde einmal entsühnt werden mußte. Eines
der reinsten Engelswesen erbot sich für dieses Sühnewerk.“ (UB Nr.
8923 - 1.2.65) „Der Mensch Jesus hat wohl auf Erden das Bitterste
erlitten, doch er hat durch seine Liebe das Höchste errungen, er stieg
als hohes Lichtwesen zur Erde und kehrte als Gott wieder in das
Lichtreich zurück, denn Er ist völlig verschmolzen mit Mir, (dem
Vatergeist von Ewigkeit) der Ich euch Menschen als Heiland Jesus
Christus schaubar geworden bin.“ (GL Nr.5213 - 16.9.1951)
In diesen Kundgaben
wird Jesus als „geschaffenes Wesen“, als „Kind Gottes“, als „erstgeborener
Sohn“, als „Engelswesen“ und als „höchster Lichtgeist“
bezeichnet. In diesem auf Erden inkarnierten, geschaffenen Engelswesen
soll der Geist Gottes Wohnung genommen haben, mit dem dann das
Engelswesen völlig verschmolzen worden wäre. - Wenn auf diese Weise
Gott Mensch geworden wäre, dann wäre wieder ein Engelsgeist zwischen
Gott und Mensch gewesen, wie das schon mit dem hohen Abedam und
Melchisedek der Fall war. Dann würde der Engelsgeist zwischen den
Herzen der Menschen und Gott stehen und die volle Liebe zu Ihm dämpfen.
Das ist ja gerade der Unterschied zu dem, wie es vor der Menschwerdung
Gottes war, daß Sich Gott Seinen Kindern nun nicht mehr durch einen
Engelsgeist naht, sondern Sich in Jesus unmittelbar schaubar gemacht
hat.
Gott hat sich nur
eine Hülle geschaffen und mit dieser das verzehrende Feuer gedämpft.
Wenn der Mensch Jesus ein Engelsgeist gewesen wäre, dann hätte nicht
der Sohn Gottes, sondern der hohe Engelsgeist die Schmerzen und den Tod
erlitten und somit das Kreuzesopfer vollbracht und der Sohn Gottes
hätte nicht Selbst das Beispiel der Aufopferung und Demut gegeben. Gott
wollte durch Seinen Sohn oder das Wort, welches Fleisch wurde, in diese
Welt kommen. (6.GEJ 88,11) Wenn es aber stimmen würde, daß die Fülle
des Geistes Gottes in einem hohen Engelswesen Mensch geworden wäre, so
wäre Gott nicht Selbst voll Mensch geworden. Dann wäre die
Schriftstelle „und das Wort wurde Fleisch“ nicht in Erfüllung
gegangen, denn dann wäre nicht das Wort Fleisch geworden, sondern der
Engelsgeist. In den Schrifttexterklärungen heißt es: „Der Ewige
erschuf Sich hier (auf dieser Erde) Selbst zum ersten und zum letzten
Male zu einem Menschen.“ (Schr. 8,6)
Das heißt, Gott
erfüllte nicht eines Seiner Geschöpfe mit der Fülle Seines Geistes,
sondern Er Selbst gestaltete Sich zu einem Menschen. Auch können wir
anhand des eben zitierten Wortes: „zum ersten und zum letzten Male“
alle diejenigen als falsche Christusse erkennen, die behaupten, der
reinkarnierte oder wiedergekommene Christus zu sein. Weiter geht daraus
hervor, daß angebliche Vorinkarnationen Jesu auf Unwahrheit beruhen.
Die Frage war nun: Wer war der allein wahre Gott und wer war der, den Er
gesandt hat, der Mensch Jesus Christus? - Jesus erklärte Sein Wesen dem
Nikodemus, als dieser in der Nacht zu Ihm kam: „Ich sage es dir: Gott
ist die Liebe und der Sohn ist Dessen Weisheit. Also aber liebte Gott
die Welt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn, d. h. Seine aus Ihm Selbst
von Ewigkeit hervorgehende Weisheit, in diese Welt gab, auf daß alle,
die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben
sollen! -
Sage Mir, verstehst
du dieses?“ Sagte Nikodemus: „Es kommt mir wohl vor, als sollte ich
es verstehen, aber im Grunde verstehe ich es doch nicht. Wenn ich nur
wüßte, was ich aus dem Menschensohn machen sollte, da wäre ich dann
schon so ziemlich in der Ordnung! Du sprachst nun auch vom eingeborenen
Sohne Gottes, Den die Liebe Gottes in die Welt gab. Ist der ‚Menschensohn‘
und der ‚eingeborene Gottessohn‘ eine und dieselbe Individualität?“
Sagte Jesus: „Sieh her! Ich habe einen Kopf, einen Leib und Hände und
Füße. Der Kopf, der Leib, die Hände und Füße sind Fleisch, und
dieses Fleisch ist ein Sohn des Menschen; denn was da ist Fleisch, das
kommt vom Fleische. Aber in diesem Menschensohne, der Fleisch ist,
wohnet Gottes Weisheit, und das ist der eingeborene Sohn Gottes. Aber
nicht der eingeborene Sohn Gottes, sondern nur des Menschen Sohn wird
gleich der ehernen Mosis-Schlange in der Wüste erhöhet werden.“
(1.GEJ 21,1-3)
Jesus
unterscheidet in diesem Gespräch zwischen Gott als der Liebe, (Feuer,
Vater) dem Gottessohn als der Weisheit (Licht, Sohn) und dem
Menschensohn als dem Fleischleib. (geschaffene Umhüllung) Im
Menschensohn (Fleischleib) wohnte Gottes Weisheit oder der eingeborene
Sohn Gottes, den Gott in diese Welt (ins Menschenfleisch) gab, um Selbst
durch Seinen Sohn auch in diese Welt zu kommen. Jesus sagte: „So wie
Ich als Christus auf die Welt kam, und so oft Ich Meinen ‚Vater’ im
Himmel anrief, so war es stets die Weisheit, welche die Liebe in Mir
anrief.“ (G. Mayerhofer, Be. Fe. Wei. Seite 10) Der Vater wohnte in
seinem Sohn, in der Kindheit zunächst im Seelenherzen, in einem kleinen
Bläschen eingekerkert, im Jugend- und Mannesalter nach und nach befreit
und während der Lehrzeit eins mit Ihm. Jesus sagt: „In Gott aber
befinden sich unterscheidbar zwei Wesenhaftigkeiten, obschon sie (beide)
Sein Urgrundsein und sonach Sein unteilbares Eine Ursein ausmachen. Die
eine unterscheidbare Wesenhaftigkeit ist die Liebe als die ewige
Lebensflamme in Gott, und die andere unterscheidbare Wesenhaftigkeit
aber ist als Folge der allerhellsten Lebensflamme das Licht oder die
Weisheit in Gott.“ (7.GEJ 198,14-15)
Wenn „Gott von
Ewigkeit“ im Seelenherzen des Menschen Jesus eingekerkert war, so
waren nicht die Liebe und die Weisheit zusammen eingekerkert, weil sie
im Grunde nur beide zusammen das eine Gotteszentrum sind, sondern nur
die Liebe oder der Vater, denn die Liebe ist das innere Wesen des
Gotteszentrums und wird hier deshalb allein als Gott bezeichnet. (2.RB
157,10) Die Weisheit aber als der ungeschaffene Sohn Gottes ist das
äußere Wesen des Gotteszentrums. Diese mußte sich von der ewigen
Liebe trennen (3.Hi. Seite 77,9) und wurde von Ihr in die Welt (ins
Menschenfleisch) gesandt und war der Mensch Jesus Christus, in dem Sich
Gott (die ewige Liebe) drei Tage vor der Geburt einkerkerte. Diese
Unterscheidung ist sehr wichtig, um zu einer wahrheitsgemäßen
Erkenntnis von dem allein wahren Gott und den Er gesandt hat, Jesus
Christus, zu kommen. (Joh. 17,3)
Jesus sprach: „Denn
als Mensch bin Ich Mensch, wie ihr Menschen seid; aber in Mir wohnt die
Urfülle der göttlichen Herrlichkeit des Vaters, der in Sich pur Liebe
ist. Und nicht Ich als euer Mitmensch rede nun das zu euch, sondern das
Wort, das Ich zu euch rede, ist das Wort des Vaters, der in Mir ist, und
den Ich wohl kenne, ihr Ihn aber nicht kennet; denn würdet ihr Ihn
kennen, so wäre Meine Sendung eitel. Aber eben, weil ihr Ihn nicht
kennet und noch nie erkannt habt, bin Ich Selbst gekommen, um Ihn euch
zu zeigen und vollauf kennen zu lehren.“ (3.GEJ 178,3) Hier spricht
Jesus von Sich als Mensch, als einer, der gesandt worden ist, aber auch
höchstpersönlich Selbst als die göttliche Weisheit gekommen ist, um
den Menschen den Vater zu zeigen. - Wer war nun der, welcher „Ich“
sagte und der sprach: „als Mensch bin Ich Mensch, wie ihr Menschen
seid?“ - Jesus bestand wie alle Menschen aus Leib, Seele und Geist.
Sein Geist war der Gott in Ihm und war der Geist Gottes als die ewige
Liebe oder der Vater. (3.GEJ 100,3)
Sein Leib war aus
Fleisch und Blut, wie wir es auch haben. Dieses wurde am Kreuz erhöht,
denn nur ein Fleischleib kann an ein materielles Kreuz geheftet werden.
(2.RB 155,13) Der Leib aber hat kein eigenes Bewußtsein und kann nicht
„Ich“ sagen. Der Mensch Jesus, der „Ich“ sagt, hat das
Bewußtsein Seiner Seele, denn „die Seele ist der eigentliche Mensch
zwischen Geist und Leib“ (2.Hi. Seite 328,5) während des Menschen
Geist, der mit Gottes Geist identisch ist, (4.GEJ 228,4) das zweite,
innere oder höhere „Ich“ des Menschen ist. Die Seele ohne den Leib
kann zwar nicht an ein Kreuz geheftet werden, sondern nur, wenn sie in
einem Leib steckt, aber sie ist es, welche die Schmerzen erleidet. - Wer
aber war die Seele Jesu? War sie göttlich oder menschlich? War sie
geschaffen oder ungeschaffen und ewig? - Hierin liegt das Geheimnis der
Person Jesu und der Menschwerdung Gottes verborgen. Ist Jesu Seele eine
Naturseele gewesen, die pur aus dieser Erde hervorgegangen ist? -Jesus
sagt: „Es wohnen auf dieser Erde oder Welt zweierlei Art
Menschen.
Die eigentlichen
und meisten sind nach der geordneten Stufenfolge des geschöpflichen
Emporklimmens der Seele und dem Leibe nach pur von dieser Erde, und man
kann sie ‘Kinder der Welt’ nennen. Ein viel geringerer Teil der
Menschen dieser Erde aber ist nur dem Leibe nach von eben dieser Erde,
der Seele nach aber entweder aus den verschiedenen Sternenwelten oder
mitunter sogar als reinste Engelsgeister aus den reinen Geisterhimmeln.“
(5.GEJ 225,3-4) Menschen, die von oben her kommen, bringen ihre Seele
auf diese Erde mit. Die Geister von den Sternen und die ungefallenen
Engelsgeister bekommen nur den Leib von dieser Erde, ihre Seele aber
stammt entweder aus einer Sternenwelt oder aus dem Geisterhimmel. Manche
meinen, reine Engelsgeister hätten keine Seele gehabt und müßten
deshalb eine Naturseele von dieser Erde bekommen. Aber dem ist nicht so.
Wie der Gottesgeist den Weg des Fleisches durchmachte, so müssen auch
die Engelsgeister den Weg des Fleisches durchmachen, wenn sie
Gotteskinder werden wollen.
Dabei bringen sie
ihre reine Seele mit. Jesus sagt: „Was zu öfteren Malen geschieht und
hinfür noch öfter geschehen wird, das besteht darin, daß auch gar
viele Engel den Weg des Fleisches also durchmachen werden, wie Ich
Selbst als der höchste Geist Gottes ihn nun durchmache, auf daß sie
dann Gottes wahre Kinder werden können. Aber da werden sie sich selbst
eine rechte, noch nie in einem Fleische gewesene Seele erwählen und sie
in das Fleisch einer reinen Mutter geben, und sie werden dann sorgen
für das Weitergedeihen und für die rechte Lebensbildung nach ihrem
Lichte und nach ihrer Kraft, auf daß eine solche Seele erstarke für
die ewige Einigung mit ihnen.“ (5.GEJ 267,8-9) Engel, die erstmalig
ein Fleisch zu tragen bekommen, erwählen sich eine Seele.
Das ist keine
Naturseele von dieser Erde, sondern eine Seele, die noch nie in einem
Fleische war. Naturseelen waren schon oft in einem Fleische, denn sie
haben sich aus den Tieren entwickelt. Was ist das dann aber für eine
Seele, die sie sich erwählen? - Jesus erklärt im „großen Evangelium“,
was eine Seele ist. Er sagt: „Die Seele als der in die lebendige
Substanz umgewandelte Gedanke des Geistes, der im Grunde der Geist
selbst ist, kann doch gewisserart als ein zweites aus dem Geiste
Hervorgehendes angesehen und betrachtet werden, ohne deshalb ein anderes
zu sein, als da ist der Geist selbst.“ (8.GEJ 25,10) Das heißt: Die
Seele, die sie sich erwählen, ist aus den Gedanken ihres Geistes und
damit aus ihnen selbst hervorgegangen. Jesus sagt es nachfolgend noch
einmal ganz deutlich, daß die Seelen der Engel aus dem Himmel stammen:
„Mancher Menschen Seelen sind gar vormalige Engel der Himmel
gewesen.
Nun, bei denen kann
leichtlich nichts verdorben werden! Johannes der Täufer und mehrere
Propheten, wie Moses, Elias, Jesaja und noch andere mehr, können dir
als Beispiele dienen.“ (4.GEJ 34,9) Kein Mensch, der von oben kommt,
hat eine Seele, die aus der Naturseelenentwicklung dieser Erde
hervorgegangen ist. Das haben nur Menschen, die von unten kommen. Deren
Seelen sind noch sehr unrein und sind anfänglich nicht viel reiner als
der Leib. (2.GEJ 210,2) Erst eine völlig wiedergeborene Seele ist
geistig, denn dann ist ihre mit der Materie verwandte Substanz in rein
geistige Essenz umgestaltet worden. (8.GEJ 136,10) Aber dennoch
unterscheidet sie sich auch dann noch vom reinen Geiste in ihr, denn sie
ist das Gefäß oder der Leib des Geistes. Raphael sagt im „großen
Evangelium“: „Mein geistiger Leib (Raphaels Seele) ist gleich der
göttlichen Weisheit, und mein Leben (Raphaels Geist) ist die ewige
Liebe Gottes des Herrn... Was Gott der Herr von Ewigkeit in Sich Selbst
war, ist und bleiben wird ewig, das müssen ja auch wir sein, weil wir
vollkommen aus Ihm und somit auch völlig in allem Sein Wesen sind.“
(2.GEJ 218,5-6)
Der Lebensgeist
oder essentielle Geist ist dem Wesen nach ein Funke der göttlichen
Liebe (3.Hi. Seite 11,6) und ist Gottes ewige Liebe Selbst und die Seele
ging hervor aus dem Urlicht der göttlichen Weisheit. (1.RB 146,9) Der
Lebensgeist ist das innere, die Seele das äußere Wesen eines Geistes.
Der essentielle Geist muß ein Gefäß haben, in dem er wohnen kann und
das ist die Seele. (Der essentielle Geist ist aber gleichzeitig auch
eine Seele oder ein Gefäß des neuen, reinen Geistfunkens aus der
Vaterliebe. 1.Hi. Seite 54,6) Deshalb haben auch die ungefallenen
Engelsgeister eine reine, geistige Seele. Deshalb sagte Jesus, daß nie
eine reinere Seele einen Leib bewohnt und belebt hat, als die Johannes
des Täufers, (1.GEJ 144,11) und deshalb konnte Jesus von Moses sagen,
daß sein Geist und seine Seele rein aus den Himmeln herstammten.
(10.GEJ 178,15) Auch Gott hatte bereits seit Ewigkeit eine vollendetste
Seele, und Er brachte sie bei Seiner Menschwerdung mit.
Jesus sagt: „(Der
Vater), der Mich gesandt hat, war zwar in Mir, wie Ich in Ihm, aber Er
war der Geist Gottes als Vater von Ewigkeit; Ich aber war und bin dessen
Seele. Diese besitzt zwar ihre eigene Erkenntnis und Fähigkeit, als die
höchste Seele und die vollendetste Seele aller Seelen; aber dennoch
durfte diese Seele nicht tun, was sie wollte, sondern nur, was Der
wollte, von dem sie ausgegangen ist.“ (EM 70,8) Der Mensch Jesus, der
hier „Ich“ sagt, ist die Seele des Vaters von Ewigkeit. In der Seele
war der Geist Gottes, der Vater oder die ewige Liebe. (8.GEJ 138,10) Mit
Seele meint Jesus nicht eine geschaffene Naturseele, sondern Sich
Selbst, die Weisheit, als ewige Seele. Das geht daraus hervor, daß
Jesus sagt, daß diese Seele vom Vater ausgegangen (und hervorgegangen)
und in die Welt gesandt worden ist. Nur die ewige Seele konnte vom
Himmel auf die Erde gesandt werden, denn welch eine Mission sollte wohl
eine neu geschaffene Naturseele haben? (9.GEJ 213,15)
Jesus spricht: „Weder
Jehova in Mir, noch Ich Seele als Dessen ewiger Sohn, sondern allein
dieser Leib als des Menschen Sohn wird getötet werden in Jerusalem,
aber am dritten Tage als völlig verklärt auferstehen und dann für
ewig eins sein mit Dem, der in Mir ist und Mir alles offenbart, was Ich
als Menschensohn zu tun und zu reden habe.“ (5.GEJ 246,17) Wenn Jesus
von Sich sagt: „Ich Seele, als Jehovas ewiger Sohn“, so bedeutet
das, daß der Sohn Gottes oder Jehovas oder der ewigen Liebe, die Seele
Gottes ist und diese ist die Weisheit, das Licht oder das Wort Gottes.
Mit dem Begriff „ewiger Sohn“ bezeichnet Er auch Seine Seele als
ewig und ungeschaffen und damit als göttlich. Jesus sagt denn auch in
der „Jugend Jesu“, daß Er eine göttliche Seele hatte, die der
eigentliche Sohn war, (JJ 299,19) welcher die Weisheit ist.
In der materiellen
Welt sichtbar war nur Sein Leib und mit diesem war der Gottessohn auch
ein Menschensohn. Der Mensch Jesus war deshalb zugleich Gottessohn und
Menschensohn oder ein Gottmensch. Wer war nun also die Seele Jesu? - Sie
war das Fleisch gewordene Wort und das heißt nichts anderes, als wie es
der Evangelist Markus in der „Geistigen Sonne“ sagt, daß „wirklich
die Weisheit Gottes, als Sein ewiges Wort aus der ewigen Liebe
hervorgehend, das Fleisch angenommen hat und Gottes Sohn hieß.“ (1.GS
51,21) Wenn die Weisheit Gottes das Fleisch angenommen hat, so bedeutet
das, daß die Weisheit oder das Wort als göttliche Seele Jesu durch den
Nervengeist (Ätherkörper) mit dem Fleisch verbunden war.
So wurde der
Gottessohn durch Seinen Leib zum Menschensohn und dieser bedeckte und
dämpfte das verzehrende Feuer Gottes für die damaligen Menschen. Was
aber dämpfte das Gottesfeuer für die jenseitigen Geister nach dem Tode
Jesu, nachdem Er Seinen Leib verlassen hatte? - nach Seinem Tode bildete
der Nervengeist die Hülle und dämpfte das unzugängliche Licht Gottes,
so daß Seine jenseitigen Kinder ihn sehen und dabei am Leben bleiben
können. Denn der Nervengeist ist der eigentliche Leib, der beim Tode
von der Seele aufgenommen wird. (BM 1,7) Die fleischlichen Teile aber
sind nur Exkremente des Nervengeistes (3.Hi. Seite 16,22) und wurden bei
der Auferstehung nach ihrer Verklärung als Gewand der Seele Jesu bzw.
Seinem Nervengeistleib hinzugefügt. (11.GEJ 76,1) Wenn aber die Seele
Jesu eine göttliche war, wieso heißt es dann in der Jugend Jesu: „Seine
Seele war gleich wie die eines jeden Menschen und war mit um so mehr
Schwächen behaftet, weil der allmächtigste Gottgeist Sich Selbst in
die gewaltigsten Bande legen mußte, um in Seiner Seele gehalten werden
zu können?“ (JJ 299,17)
Wenn Jesu Seele
gleich wie die eines jeden Menschen war, so heißt das nicht, daß Seine
Seele eine geschaffene Naturseele war, sondern daß sie wie die Seelen
aller anderen Menschen im Fleisch und deshalb mit Schwächen behaftet
war, damit der Gottgeist in Seiner Seele eingekerkert und gehalten
werden konnte. Das heißt weiter, daß Er diese Schwächen wie ein jeder
andere Mensch durch die alleräußersten Selbstverleugnungen überwinden
mußte, (Ich habe die Welt überwunden) um zur Einswerdung mit dem
Geiste Gottes in Ihm zu gelangen. (3.Hi. Seite 138,6) - Und jetzt kommt
die Frage, bei der die Irrtümer über die Seele Jesu entstehen und
manche meinen, der Menschensohn Jesus sei ein Engelsgeist oder Seine
Seele sei eine Naturseele gewesen, und diese Frage lautet: „Woher
kamen die Schwächen Seiner Seele, wenn Sie göttlich war?“
Jesus sagte einmal
zu Robert Blum: „Deine Seele ist nicht von dieser, sondern von einer
andern Erde. Etwas, das mit dem Fleisch deines Leibes zusammenhing, ist
wohl von dieser Erde hinzugekommen; aber im ganzen gehörst du zu den
Seelen der Erdenwelt, die da heißt Uranus.“ (2.RB 265,3) Die Seele
Robert Blums stammte nicht von dieser Erde, sondern von einem Stern. Zu
solchen Seelen, die von oben kommen, kommt dann noch Seelisches von
dieser Erde hinzu. Woher kommt nun das Seelische, das zu den Sternen-
und Engelsseelen hinzukommt? - Eine jede Seele, die auf dieser Erde
geboren wird, ist zwar schon vor der Zeugung da und wird bei der Zeugung
in das Ei der Mutter gelegt, aber es kommt noch bei der embryonalen
Entwicklung Seelensubstanz von den Eltern und von der Nahrung der Mutter
hinzu.
Eine jede Seele,
bis sie geboren wird, entwickelt sich also noch zum Teil. Das geht, wie
uns Jesus erklärt, folgendermaßen vor sich: „Die Seele hat das
Fleisch und Blut gebildet und hat nachher selbst ihre formelle
Ausbildungsnahrung aus denselben (aus Fleisch und Blut) genommen.“
(3.GEJ 170,9) Das heißt: Die Seele bildet von der Befruchtung an, nach
der Anleitung ihres Geistes, den Leib aus der Nahrung der Mutter und
nimmt dann selbst, sobald der Leib, zwar noch nicht der Größe, aber
der Form nach ausgebildet ist, aus dem Fleisch und Blut Seelensubstanz
für die Ausbildung und Festigung ihrer Form. Auch nach der Geburt nimmt
die Seele noch aus der Nahrung das ihr Verwandte auf. (10.GEJ 209,5) Das
Fleisch und Blut des Leibes, weil es geistig noch sehr unrein ist,
schwächt eine reine Seele, denn es ist eine Versuchung für sie.
Jesus sagt: „in
das Fleisch ist für den Geist des Menschen ein denselben probendes
Gegengewicht gelegt und heißet Versuchung!“ (5.GEJ 70,4) Das sehen
wir am Beispiel Johannes des Täufers. Über ihn sagt Jesus: „Johannis
Geist ist groß und größer denn alle Geister, die je auf dieser Erde
in einem Leibe gewirkt haben; aber sein Leib gehört dieser Erde an, und
aus dessen Schwächen hat sich auch eine schwache Seele entwickelt.“
(1.GEJ 145,2) Trotzdem die Seele Johannes des Täufers rein aus dem
Himmel kam, so ist sie doch durch das Fleisch des Leibes mit Schwächen
behaftet worden. Aus der Nahrung und dem Leib, der sich schließlich
auch aus der Nahrung gebildet hat, kommen die Schwächen in eine reine
Seele von oben, bis diese von ihr vergeistigt worden sind. Auch die
Schwächen der göttlichen ewigen Seele Jesu, da Sie im Mutterleibe dem
gleichen Entwicklungsprozeß wie bei allen Menschen, die hier geboren
werden, unterworfen war, sind auf die gleiche Weise in Sie gekommen, wie
das bei den reinen Seelen der Engelsgeister geschehen ist. Der
materielle Leib hat einen eigenen Genußwillen und diese Begierde muß
die Seele überwinden.
Der reine Geist ist
in einem kleinen Bläschen im Seelenherzen eingeschlossen und muß sich
von der Seele, indem sie sich vergeistigt, befreien lassen. Die Seele
kommt völlig unausgebildet und ohne Rückerinnerung auf die Welt,
bekommt aber vom Geist die Fähigkeit, Wahres vom Falschen und Gutes vom
Bösen zu unterscheiden und völlig frei zu denken und zu wollen. (8.GEJ
24,11-12) Andererseits macht die Seele auch selbst durch die äußeren
Sinne ihres Leibes Erfahrungen von guten und schlechten, wohltuenden und
schmerzlichen Eindrücken. Außerdem wird ihr von Gott auf dem Wege der
inneren und äußeren Offenbarung, durchs Wort die göttliche Ordnung
gezeigt. Also ausgerüstet ist die Seele imstande, sich frei selbst zu
bestimmen, die göttliche Ordnung anzunehmen oder abzulehnen, nach ihr
zu handeln oder nicht nach ihr zu handeln. (2.GEJ 210,5-6)
Der innere Geist
arbeitet zwar unablässig dahin, die Seele ehestmöglich reif und von
der Materie frei zu machen, aber er darf ihr nicht den geringsten Zwang
antun. (7.GEJ 69,6) Die Seele muß sich aus ihrem eigenen Wollen (DTT
21,19) und mit ihrem freien Willen für das Wahre und Gute entscheiden,
(8.GEJ 24,12) muß des Leibes Genußwillen (4.GEJ 226,1) und ihre
eigenen seelischen Wünsche und Begierden (8.GEJ 24,10) überwinden und
all ihr Trachten, Tun und Treiben allein nach dem rein Geistigen
ausrichten. (5.GEJ 51,3) Wenn die Seele so in den Willen des Geistes
eingeht, der auch der Wille Gottes ist, dann nimmt sie ihrem Geiste die
Fesseln ab, der Geist wird frei und vereinigt sich mit der vergeistigten
Seele. Will aber die Seele etwas geistig Törichtes, so zieht sich der
Geist wieder in sein Bläschen zurück und überläßt der Seele allein
die Ausführung ihres Wunsches.
Läßt die Seele
wieder von ihren Selbstlustträumereien ab, so vereinigt sie sich, wenn
alles überwunden ist, mit dem Geiste. (4.GEJ 226,3-4) Unter diesen
Bedingungen mußte auch die Seele Jesu ihre Schwächen überwinden und
den Versuchungen ihres Fleisches widerstehen. Nun war aber die Seele
Jesu mit Schwächen behaftet, die bei weitem stärker waren als bei
allen anderen Menschen, damit die Fülle der Gottheit, welche die
reinste Gottesliebe war, (2.RB 157,10) in Seiner Seele gehalten werden
konnte. Der Grund, warum in Seiner Seele stärkere Schwächen als bei
den anderen Menschen waren, war der, weil Seine Seele als die ewige
göttliche Weisheit alles in allem war. Jede Seiner Eigen-
schaften war ja in Seiner Seele im höchsten Grade ausgeprägt, während
die Eigenschaften aller anderen Menschen jeweils nur mehr oder weniger
schwach hervortreten. Seine Eigenschaften waren wohl in Ihm seit
Ewigkeit geordnet und vollendet, als Er sich aber ohne Rückerinnerung
im Fleische befand und sich dem Probebeispiel der Demut unterzog, wurden
sie Ihm zu den größten Schwächen.
Er, aus dem alles
hervorgegangen war, der ein Herr war über alles Geschaffene, dem alles
auf den leisesten Wink untertan war, was Er in Seiner Seele fühlte,
hatte deshalb auch die größte Herrschlust als Schwäche in Seiner
Seele. Denn ohne Rückerinnerung als ein Mensch auf dieser Erde wurde
auch der ewigen göttlichen Seele Ihr Wissen um Ihre Macht zu einer
allergrößten Versuchung zum Herrschen. Diese allergrößte Versuchung
war ein gewaltiges Band, stärker als es bei allen anderen Menschen war.
Diese bändigte Er durch die Untertänigkeit und den willigsten Gehorsam
zu denen, die wie alle Menschen gegen Ihn wie gar nichts waren. Er, der
alles Sein Eigentum nennen konnte, hatte deshalb den Stolz als Schwäche
zu überwinden. Diesen demütigte Er durch die Armut. Aber welch ein
hartes Mittel war das für Den, dem alles gehörte und der dennoch
nichts in Seinen irdischen Besitz bringen durfte.
Er, der seit
Ewigkeit die allerhöchste Freiheit genoß, hatte auch den größten
Freiheitssinn als Schwäche zu überwinden, und es war für Ihn endlos
schwer, sich den Menschen wie ein sklavischer Knecht gefangenzugeben. Es
heißt in der Jugend Jesu: „Da Er ferner die Bosheit der Menschen mit
einem Blicke durchsah und sah ihre Hinterlist und Heuchelei,
Verschmitztheit und ihre Selbstsucht, so ist es auch begreiflich, daß
Er sehr erregbar war und konnte leichtlichst beleidigt und erzürnt
werden; aber da mäßigte Er Sein göttliches Gemüt durch Seine Liebe
und darauf erfolgte Erbarmung.“ (JJ 300,14-16) „Er kämpfte aus dem
Willen der Seele gegen alle diese gar mächtigsten, tödlichsten
Triebfedern Seiner Seele!“ (JJ 300,5) „Und also übte Er Sein Leben
durch lauter schwerste Selbstverleug- nungen, um dadurch die zerrüttete
ewige Ordnung wiederherzustellen.“ (JJ 300,17)
Hätte der Mensch
Jesus aus dem Willen Seiner Seele gegen diese gewaltigsten Schwächen
kämpfen können, ohne je im geringsten zu fallen, wenn Seine Seele eine
Naturseele gewesen wäre? - Sie wäre wohl mehr als einmal gefallen.
Durch Seine Selbstverleugnungen stellte die göttliche Seele, die
Weisheit, die zerrüttete ewige Ordnung wieder her und dazu war keine
Naturseele in der Lage. Aber auch einem Engelsgeist wäre es wohl zu
schwer geworden, das zu vollbringen, was die göttliche Weisheit
vollbrachte. Weil nun Jesu Seele eine göttliche war, dürfen wir nicht
meinen, Er hätte es leichter als wir gehabt, zur Einswerdung mit dem
Geiste Gottes zu gelangen. Gerade das Gegenteil war der Fall.
Jesus sagt: „Da
Ich... Meinem inneren Geistwesen nach (welches die ewige Liebe war)
etwas mehr denn ein purer Mensch bin, ...so hatte Ich es eigentlich
schwerer, weil Ich (die göttliche Weisheit) als Mensch dieser Erde nie
einen eigenen Willen in Mir aufkommen lassen durfte, sondern stets den
Willen Dessen (der ewigen Liebe) auf das genaueste befolgen mußte, der
durch Mich (die Weisheit) in diese Welt kommen und den Menschen das
ewige Leben bringen und geben wollte.“ (6.GEJ 88,11) Jesus durfte
nicht ein einziges Mal auch nur eine kleinste Sünde begehen, weil Er
sonst mit Seiner Mission völlig gescheitert wäre, während die
gewöhnlichen Menschen bis zu einem gewissen Grad sündigen konnten,
ohne daß sie gänzlich versagt hätten.
Jesus verbrachte
die Jahre bis zu Seinem Lehramtsantritt unter beständigen harten
Bekämpfungen von Versuchungen und übte so Sein Leben lang lauter
schwerste Selbstverleugnungen. (JJ 300,17-18) über diese Zeit, die bis
zur Taufe im Jordan ging, sagt der himmlische Vater: „Bis zu dieser
Zeit war Jesus ein Mensch, welchen der Vater (der Geist Gottes in Ihm
als die ewige Liebe) ganz vollkommen für Sich erzog, und dieser Mensch
Jesus war der Sohn Gottes (die Weisheit) darum, weil ihn Gott (die ewige
Liebe) unmittelbar für Seine allerhöchste Aufnahme durch eine Jungfrau
geboren werden ließ und ihm auch von Seiner allerhöchsten Seite Selbst
die gehörige Erziehung gab. So war dieser Jesus bis auf diesen ersten
Auftrittszeitpunkt weiter nichts als ein noch unbekanntes
fleischgewordenes Wort Gottes (die ewige Weisheit im Fleischleib) und
mußte als Mensch sich freitätig gleich jedem anderen Menschen durch
die alleräußersten Selbstverleug- nungen auf das allertüchtigste
vorbereiten zum bevorstehenden Vollempfange des Geistes Gottes.“
(3.Hi. Seite 138,6)
Der Mensch Jesus
war von der Geburt an bis zu Seiner Einswerdung mit dem Geiste Gottes,
der ewigen Liebe, nur das fleischgewordene Wort. Es heißt in den
Schrifttexterklärungen (17,4-6): „Christus war nur ein Mensch“ aber
gleichzeitig auch: „Christus war die Grundweisheit des Vaters.“ Das
bedeutet, daß die Grundweisheit des Vaters als Mensch so gestellt war,
wie es alle anderen waren, ein Mensch mit Fleisch und Blut, der in diese
Welt geboren worden ist. Jesus sagt: „Ich beschloß in Meiner Liebe,
Meine Weisheit von Mir zu trennen und selbe auf einem kleinen
unansehnlichen Weltkörper als Mensch einzukleiden.“ (G. Mayerhofer,
Be. Fe. Dr. Seite 29) Die Weisheit mußte Sich von der Liebe trennen und
wurde als Seele eingezeugt. Die Zeugung geschah geistig durch Ihn
Selbst.
Jesus sagt: „Ich
bin, als nun ein Mensch im Fleische vor euch, der Sohn und bin niemals
von einem andern als nur von Mir Selbst gezeugt worden und bin eben
darum Mein höchsteigener Vater von Ewigkeit.“ (8.GEJ 27,2) Gott oder
der Vater in Ihm hat die Seele oder den Sohn wohl erzogen, aber Er
durfte sie nicht zwingen, damit sie sich völlig frei entscheiden und
handeln konnte. Es heißt in der Vorrede der Jugend Jesu: „Ich lebte
die bekannte Zeit bis zum dreißigsten Jahre geradeso, wie da lebt ein
jeder wohlerzogene Knabe, dann Jüngling und dann Mann, und mußte durch
den Lebenswandel nach dem Gesetze Mosis die Gottheit in Mir - wie ein
jeder Mensch Mich in sich - erst erwecken. Ich Selbst habe müssen so
gut wie ein jeder andere ordentliche Mensch erst an einen Gott zu
glauben anfangen und habe Ihn dann stets mehr und mehr mit aller
erdenklichen Selbstverleugnung auch müssen mit stets mächtigerer Liebe
erfassen und Mir also nach und nach die Gottheit erst völlig untertan
machen.“ (JJ 0,1-2)
Die göttliche
Seele Jesu mußte durch die alleräußersten Selbstverleugnungen die
gewaltigen Schwächen, die der Vater wohlweislich in sie gelegt hatte,
überwinden, um eins zu werden mit Ihm. Jesus sagt: „Also mußte die
Seele Jesu auch die größten Versuchungen, Sich Selbst verleugnend,
bestehen, um ihrem Gottgeiste die Bande abzunehmen, Sich damit zu
stärken für die endloseste Freiheit des Geistes aller Geister, und
also völlig Eins zu werden mit Ihm. Und ebendarin bestand denn auch das
Zunehmen der Weisheit und Gnade der Seele Jesu vor Gott und den
Menschen, und zwar in dem Maße, als Sich der Gottgeist (die ewige
Liebe) nach und nach stets mehr und mehr einte mit Seiner freilich
göttlichen Seele, welche da war der eigentliche Sohn. (die ewige
Weisheit) Die Weisheit ist das helle Schauen der ewigen Ordnung Gottes
in sich, und die Gnade ist das ewige Liebelicht, durch das alle die
endlosen und zahllosen Dinge, ihre Verhältnisse und Wege erleuchtet
werden!“ (JJ 299,18-19+15)
Die Seele Jesu nahm
in dem Maße an Weisheit und Gnade zu, wie die göttliche Weisheit die
in ihre Seele gelegten Schwächen überwand und in demselben Maße wuchs
der göttliche Geist, der zunächst nur keimartig in Seiner Seele lag.
Jesus sagte: „Ich als Mensch, wie Ich nun vor euch dastehe, bin kein
Gott, wohl aber ein Gottessohn, was eigentlich ein jeder Mensch sein
soll... Einer von ihnen aber ist von Gott aus und von Ewigkeit her
bestimmt, der Erste zu sein, das Leben in Sich zu haben und es jedermann
zu geben, der an Ihn glaubt und nach Seiner Lehre lebt. Und dieser Erste
bin Ich! Aber Ich habe solches Leben aus Gott nicht etwa vom Mutterleibe
aus in diese Welt gebracht! Der Keim lag wohl in Mir, aber er mußte
erst entwickelt werden, was Mich nahe volle dreißig Jahre Zeit und
Mühe gekostet hat.
Nun stehe Ich
freilich als vollendet da vor euch und kann euch sagen, daß Mir alle
Gewalt und Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, und daß der Geist
in Mir (die Flamme des Feuers der Liebe, 4.GEJ 252,1) völlig eins ist
mit dem Geiste Gottes (der ewigen Liebe)... der freilich wohl in aller
Fülle in Mir wohnt. Dieser Geist ist wohl Gott, doch Ich als purer
Menschensohn nicht; denn Ich habe als solcher auch, jedem Menschen
gleich, durch viele Mühe und Übung erst Mir die Würde eines Gottes
erwerben müssen und konnte Mich als solcher erst einen mit dem Geiste
Gottes. Nun bin Ich wohl eins mit Ihm im Geiste, aber im Leibe noch
nicht; doch Ich werde auch da völlig eins werden, aber erst nach einem
großen Leiden und gänzlicher und tiefst demütigender
Selbstverleugnung Meiner Seele.“ (6.GEJ 90,9-12)
Wenn Sich Jesus als
ein Gottessohn bezeichnet und ein jeder Mensch ein Gottessohn sein soll,
heißt das dann nicht, daß Seine Seele wie die Seelen aller anderen
Menschen eine geschaffene Seele war? - Nein, Seine Seele war die
ungeschaffene göttliche Weisheit, während alle anderen Seelen
geschaffen wurden. In diesem Sinne war Er der einzige oder eingeborene
Sohn von Ewigkeit, (4.GEJ 252,4) alle anderen aber geschaffene Söhne
und Töchter oder Kinder Gottes. Deshalb ist Er auch von Gott aus und
von Ewigkeit her bestimmt, der Erste zu sein und das Leben (die ewige
Liebe) in Sich zu haben. In Ihm lag das Leben (die ewige Liebe) als Keim
im Bläschen des Seelenherzens, das erst entwickelt werden mußte. Bis
zum Anfang Seiner Lehrzeit war der Keim voll entwickelt und Vater und
Sohn waren eins. Jesus sagte: „Ich bin ein Mensch, in dem eine
göttlich unsterbliche Seele (die Weisheit) und der Geist Gottes (die
Liebe) wohnt in Seiner Fülle, so weit, als es für diese Erde notwendig
ist, und das ist der Vater (die Liebe) im Himmel, dessen Sohn Ich (die
Weisheit) bin und dessen Kinder auch ihr seid.
Aber ihr alle waret
blind und seid es noch in vieler Beziehung; aber Ich kam sehend in die
Welt, um euch allen den Vater zu zeigen und euch Mir gleich sehend zu
machen.“ (3.GEJ 100,3-4) Alle Menschen kommen blind, nur Jesus kam
sehend in die Welt. Das heißt nun nicht, daß Er allwissend in die Welt
kam, sondern „sehend“ heißt, daß Er fortwährend auf das
lebendigste die allmächtige Gottheit oder den Vater in Sich fühlte. Es
war ja trotz der Trennung immer eine innere Verbindung zwischen der
Weisheit und der Liebe vorhanden. Und Er wußte es in Seiner Seele, daß
alles in der ganzen Unendlichkeit Seinem leisesten Winke untertan ist
und ewig sein muß. (JJ 300,2) Jesu Leib und Seele mußten erst alles
lernen, (JJ 55,23-24) wie bei allen anderen Menschen. nur zur Zeit, in
der ein besonderes Wirken notwendig war, tauchte die Gottheit aus Ihrem
Eingekerkertsein zur Wunder- tätigkeit auf. (JJ 0,2) Jesus spielte
schon als kleiner Junge mit anderen Kindern oftmals auf eine sehr weise
Art. (JJ 297,26)
Da waren Seine
Spiele nicht die üblichen Spiele, wie Kinder sie spielen, sondern sie
waren geistige Belehrungen. Er brauchte auch keinen Schulunterricht,
denn der Unterricht, den Er bekam, kam aus Seinem Inneren. Die Lehrer,
die Jesus etwas beibringen sollten, richteten mit Ihm nie etwas aus.
Einem Lehrer, der Jesus Lesen und Schreiben beibringen wollte, las Jesus
etwas aus dem Daniel vor und erklärte es ihm auf eine Art, daß er ganz
verwundert sagte: „O Bruder Joseph, jetzt begreife ich es klar, warum
mit diesem Knaben kein Lehrer es auszuhalten vermag! Der Knabe versteht
ja ohnehin mehr als alle Lehrer zusammen auf der ganzen Erde! - O darum
behalte ihn ja daheim!“ (JJ 296,20-21) Schon als kleines Kind redete
Er als die göttliche Weisheit und sprach: „Der Vater und Ich (der
Sohn) sind einer Liebe und eines Herzens!“ (JJ 91,12)
Später aber sprach
Er zum Joseph: „Von jetzt an bin Ich wieder wie ein jeglich
Menschenkind - und muß es sein; denn auch Mein Fleisch muß wachsen zu
euer aller Heile.“ (JJ 226,4) Von da an redete das Jesuskind wieder
ganz kindisch, und in Seiner Rede war keine Spur mehr von irgend etwas
Göttlichem. (JJ 226,16) Jesus sagt: „Wenn Ich in Meiner frühesten
Kindheit schon Worte des Geistes sprach, wo andere Kinder noch
unverständliche Laute hervorbringen, wenn Ich, wie während des
dreitägigen Aufenthalts im Tempel, Aufklärungen gab und sogar Wunder
wirkte, so müßt ihr bedenken, wessen Geist in diesem Jesus verborgen
lag, und wie leicht er bei der geringsten Erregung durch die
Menschenhülle durchleuchtete.“ (PH 7,5) als zwölfjähriger Knabe
sprach Jesus im Tempel: „Ich aber kenne Meinen Geist und bin schon
lange eins mit ihm und kann darum auch aller Natur gebieten, weil der
Geist wahrhaft ein Gottesgeist ist.“ (DTT 21,21)
Nun fragt es sich
aber, warum Jesus als zwölfjähriger sagte, daß Er schon lange mit
Seinem Geiste (der ewigen Liebe) eins sei, obwohl es doch hieß, daß
diese Einswerdung erst am Anfang Seiner Lehrzeit erfolgte? - Dem Außen
nach hatten Sich die Liebe und die Weisheit wohl wie getrennt, (2.GS
95,12) aber dem Inneren nach waren Sie immer eins. Eine weitere Frage
ist die, warum Jesus während Seiner Lehrzeit sagte, daß der Geist in
Ihm völlig eins sei mit dem Geiste Gottes, der in aller Fülle in Ihm
wohnt? (6.GEJ 90,11) Bis jetzt war immer nur die Rede von der
göttlichen Seele Jesu und dem in ihr zunächst eingekerkerten und
später mit Ihm einsgewordenen Geiste Gottes. Wer ist nun der Geist des
Menschen Jesus, der eins ist mit dem Geiste Gottes in Ihm? - Dieser
Geist ist kein Engelsgeist und auch kein sonstiger geschaffener
essentieller Geist, denn diese hätten jeweils ein eigenes Ich, welche
dann nicht das Ich des Vaters (der Liebe) oder des Sohnes (der Weisheit)
wären. Gott aber kann Seine Herrlichkeit keinem anderen, d. h. keinem
Geschaffenen geben. (8.GEJ 26,6)
An dem Vergleich
des Wesen Gottes mit der Sonne, den Jesus anstellt, können wir
verstehen, wer dieser Geist ist. Im Innersten der Sonne brennt ein
allerheftigstes Feuer, dessen Lichtkraft die Lichtstärke der äußeren
Lichtatmosphäre ums unaussprechliche übertrifft. Dieses inwendige
Feuer erzeugt fortwährend eine reinste Sonnenluft. Im Inneren der Sonne
ist demnach stets Luft vorhanden, deren Überfluß aus dem Sonnen-
körper entweicht und die Lufthülle bildet. An der Oberfläche der
Lufthülle wird die Luft selbst Feuer und Licht, aber in einem
Mindergrade als das Feuer im Zentrum der Sonne. Das inwendige Feuer ist
gleich dem Geist Gottes oder dem Vater in Jesus und die äußere
Lufthülle ist gleich Seiner Seele. Das Feuer aber könnte ohne die Luft
nicht bestehen und die Luft könnte ohne das Feuer nicht erzeugt werden.
So muß, wenn der Vater da ist, auch der Sohn vorhanden sein, wenn ein
Geist da ist, auch eine Seele vorhanden sein. Des Feuers Flamme ist nur
Luft, deren Geister sich in der größten Tätigkeit befinden, und die
Luft ist in sich wie die Flamme, aber im Zustand der Ruhe ihrer Geister,
aus denen sie besteht.
Das Feuer mit
seiner lichten Flamme und die Luft sind deshalb in ihrem Wesen eins -
und doch besteht zwischen beiden ein großer Unterschied, denn wenn die
Luftgeister nicht bis auf einen gewissen Grad erregt werden, bleibt die
Luft immer nur Luft. Wird sie aber im höchsten Grade erregt, dann wird
sie auch ganz dem innersten Feuer gleichen. Jesus sagt: „Dieses
innerste Feuer der Sonne ist gleich dem Vater in Mir, und Ich (die
Weisheit) bin das aus dem Grundzentralfeuer stets gleich hervorgehende
Licht und auch Feuer, durch das alles, was da ist, erschaffen ward, lebt
und besteht. Also bin Ich in Meinem gegenwärtigen Sein das Äußere und
Auswirkende des innersten Vaters in Mir... Ich bin die Flamme Seiner
Liebe, und Meine Seele ist das Licht aus dem Feuer der Liebe des Vaters.“
(4.GEJ 252,1-15) Der Mensch Jesus als die Weisheit, ist das äußere
Wesen Gottes, das mit der Lufthülle der Sonne vergleichbar ist.
Diese wird an ihrer
Oberfläche zu Feuer und Licht. Das Licht entspricht der Seele Jesu und
die Feuerflamme (an der Oberfläche) Seinem Geist, der völlig eins und
gleichen Wesens mit dem Geiste Gottes (dem innersten Feuer der Sonne) in
Ihm ist. Jesus sagt: „Derselbe Geist, der da ewig war im Vater (der da
ist der urewige Grundgedanke oder die ewige reinste Liebe Selbst) - ist
ja doch auch sicher in des Vaters ausgesprochenem „Worte“. (im Sohn)
Wo aber ein Geist, da wird ja doch etwa wohl auch eine und dieselbe
Wesenheit sein!“ (2.Hi. Seite 67,12) Das äußere Licht wird von dem
inneren Feuer nur stets in dem Grade erregt, als es notwendig ist.
(4.GEJ 152,14) Jesus sagt: „Die Gottheit trat in Ihm nur bei
Gelegenheiten in dem Maße wirkend auf, als Er als Mensch durch Seine
Taten dieselbe in Sich flott machte; aber ohne Taten tauchte die
Gottheit nicht auf.“ (Schr. 8,9) So wurde zur Zeit der Kindheit und
Jugend Jesu, wenn Er durch ein besonderes Ereignis angeregt wurde, Seine
Seele vom inneren Gottesgeistfeuer entzündet, so daß sie zur Flamme
wurde.
In diesem Zustand
konnte Jesus dann, obwohl er noch ein kleines Kind war, als der Sohn
Gottes oder die Weisheit sprechen und auch Wunder wirken. Wenn Sich der
Gottesgeist oder der Vater wieder zurückzog, so ging die Anregung
Seiner Seele wieder zurück und das Jesuskind benahm Sich wieder so wie
die anderen Kinder Seines Alters. Jesus lebte und handelte stets so,
daß der Geist Gottes in Ihm nach und nach befreit wurde, bis Er Sich
mit der Seele vereinte. Jesus sagt: „Sein Handeln ging lediglich aus
seiner fortwährend großen Liebe zum Göttlichen und eben also auch aus
der Liebe zu dem Nächsten hervor. Er opferte jede Handlung Gott auf und
übte sie also, daß er dabei nie seinen Vorteil, sondern bloß den
seines Nächsten vor Augen hatte. Daneben verwendete dieser Mensch
tagtäglich eine Zeit von drei Stunden der allgemeinen Ruhe in Gott.“
(Schr. 8,14) Bevor Sein innerer Gottgeist (1.GEJ 150,6)
Sich mit der Seele
Jesu vereinen konnte, mußte Er Ihn durch Seine äußere Tätigkeit, die
stets aus der Liebe hervorgehen mußte, erst erwecken. Jesus sprach: „die
volle Einung der Fülle der Gottheit mit dem Menschen Jesus ist nicht
auf einmal, wie mit einem Schlage, sondern - wie alles unter der Leitung
Gottes - erst nach und nach, gleich dem sukzessiven Erwachen des
göttlichen Geistes im Menschenherzen, und erst durch den Kreuzestod
vollends erfolgt.“ (JJ 0,6) So kam die Zeit heran, in der die Seele
Jesu die Welt überwunden hatte und die ewige Liebe von allen Fesseln
befreit, sich mit Ihr vereinigen konnte. Die Einswerdung geschah bei der
Taufe im Jordan, als der Geist Gottes, die ewige Liebe, sichtbar über
Ihn kam.
Da sprach der Geist
Gottes: „Dies ist Mein geliebter Sohn, oder dies ist Mein Licht, Mein
eigenes Urgrundsein, an dem Ich als die urewige wesenhafte Liebe Mein
Wohlgefallen habe.“ (1.GEJ 6,3) – „Das heißt: mit welchem Ich
Mich jetzt auf ewig unzertrennlich in Eins verbinde. Diesem Menschen
Jesus sollet ihr von nun an folgen und hören Sein Wort! Sehet, hier ist
Jesus Eins mit dem Vater, (der ewigen Liebe) so zwar, daß da zwischen
Ihm und dem Vater es keinen Unterschied mehr gibt.“ (3.Hi. Seite
138,8-9) Die Liebe Gottes, des Vaters, nahm nun volle Wohnung im
Menschen Jesus, aber nicht so, als wäre diese Liebe von außen in Ihn
gekommen, sondern sie quoll hervor aus Seinem Innersten. So konnte Jesu
große Mission ihren Anfang nehmen, um jedem Menschen, der Seine Lehre
annimmt und befolgt, das Leben zu geben, das Er für alle Geschaffenen
erkämpft hat.
Jesus sagt: „Ich
habe die Fülle des Lebens vom Vater überkommen und kann jedermann, der
das Leben will, auch das Leben geben; denn es hat der Vater Mich also
schon vor der Welt verordnet, daß in Mir alle Fülle des Lebens wohne
und durch Mich alle Menschen leben sollen. Und dieser Verordnete bin Ich
Meiner Seele nach; dem Geiste nach aber bin Ich eins mit Dem, der Mich
verordnet hat... die Seele wird mit der Ablegung des Leibes nur freier,
heller und lebendiger, und vollends eines mit Dem, der sie vor aller
Welt verordnet hatte zum Heile aller, die an den Sohn des Menschen
glauben werden und halten Seine Gebote.“ (3.GEJ 100,5+7)
Der Mensch Jesus
hat die Fülle des Lebens vom Vater überkommen, (Ich bin der Weg, die
Wahrheit und das Leben) der Ihn schon vor aller Welt verordnet hat, um
den Menschen das Leben zu geben. Der Verordnete aber war die Weisheit,
die in die Welt gesandt wurde, damit auch der Vater (die ewige Liebe)
durch sie in die Welt kommen konnte. Hier taucht noch die Frage auf:
Wieso mußte denn die Seele Jesu, der Sohn, mit dem in Ihr wohnenden
Geiste Gottes, dem Vater, eins werden, da doch Jesus von Sich und dem
Vater sagte: „Wir sind ja von Ewigkeit Eins gewesen!?“ (1.GEJ 148,9)
- Weil zum einen die Liebe Sich dem Außen nach von der Weisheit wie
getrennt hatte (2.GS 95,12) wegen des Ungehorsams des ersten
Menschenpaares und zum anderen, weil damals der Sohn im Fleisch war, in
dem Er Seine Schwächen wie jeder andere Mensch, durch ein Leben der
Liebe und Demut überwinden mußte, um dadurch erst wieder eins zu
werden mit dem Vater.
Dazu sagt Jesus:
„Ich als Gott bestehe, bestand und werde stets bestehen aus zwei
Dingen oder Hauptprinzipien, das Eine heißt die Liebe, das andere die
Weisheit! Das Eine ist ‘der Vater’ das andere ‘der Sohn’. So
müsset ihr also diese Eigenschaften gesondert betrachten, die jede wie
für sich ihre Sphäre haben kann, ohne die andere zu beeinträchtigen.
Der Vater ist die allumfassende Liebe, die zu allem Erschaffenen den
Impuls gab, und alles durch dieses Band zusammenhält; die Weisheit ist
der ordnende Sohn, Der der Liebe unbegrenztes und unbeschränktes
Wirken, die nirgends Nein sagen könnte, regelt, ihr mäßigende
Schranken setzend. Als Ich den Geistern Mein Probebeispiel von (einer)
Demütigung geben wollte, trennte sich gewissermaßen die Weisheit von
Mir (dem Vater), und wurde Mensch, und die Liebe beeinflußte selbe nur
insoweit, als selbe mit ihr in Verbindung stehen mußte, da Liebe nicht
völlig ohne Weisheit und Weisheit nicht ohne Liebe sein kann.
Da also (selbst bei
der dort nötigen Trennung) stets eine Verbindung dieser beiden
Eigenschaften, die Mein eigentliches Ich ausmachen, vorhanden war, so
waren ja die Reden Jesu stets gerechtfertigt, wenn Er vom ‘Vater’
sprach, z.B. wo Er sagte: ‘Ihr kennet Ihn nicht, aber Ich kenne Ihn’,
oder ‘Ich komme vom Vater und gehe zum Vater.’ Auf dem letzten Gange
nun, im Garten, wo die Weisheit als Mensch den letzten bittersten Akt
als Schlußstein Ihres Probelebens begehen mußte, sah zwar dieselbe Ihr
unerbittliches Schicksal voraus, allein die Liebe, um Sich Selbst
konsequent zu sein, mußte Ihn, den Sohn, den Menschen Jesus, ganz
allein als Mensch Sich Selbst überlassen wegen Seiner Aufgabe.
(Da fiel auf Ihn)
die ganze Wucht Seines Versprechens, die gefallene Menschheit durch
Seinen Tod als Selbst-Mensch wieder vom Tode zu erlösen, und die
Geister alle wieder auf den rechten Weg zurückzuführen, der allein nur
möglich zur Erreichung des großen Zieles war. Und in dieser letzten
totalen Verlassenheit fühlte Ich als Jesus Mich alles Göttlichen
beraubt, ein Zustand, der bis dort noch nie eingetreten war, und
deswegen rief Ich: ‘Wende den Kelch von Mir ab, aber nicht Mein,
sondern Dein Wille geschehe!’ Es war der Moment der Todesangst und
größten Demütigung, der wichtigste Moment Meiner Mission, die, hätte
Ich sie nicht erduldet, wie Ich sie dort wirklich erduldet habe,
wirkungslos für euch Menschen und alle Geister gewesen wäre.
Begreifet ihr nun,
warum Ich als Mensch so sprach und so betete? - Weil Ich da eben ganz
wie ihr nur Mensch und nichts anderes war; nur mit dem kleinen
Unterschied, daß Ich noch die Voraussicht hatte dessen, was Mir
begegnen wird, welche ihr als gewöhnliche Menschen entbehret; deswegen
aber auch diese Stunde im Garten vor Meiner Gefangennahme so
verhängnisvoll und bitter für Mich war.“ (G. Mayerhofer, Be. Fe. Dr.
Seite 19-20) Im Garten Gethsemane trat erstmals seit der ganzen Ewigkeit
der Moment ein, in dem die göttliche Weisheit Sich alles Göttlichen
beraubt fühlte, weil Gott, die ewige Liebe, Sich in dem Menschen Jesus
zurückzog.
Hier mußte Sich
die Weisheit ganz allein als Mensch entscheiden, Ihr Versprechen
einzulösen, die gefallene Schöpfung vom Gericht zu erlösen und den
Weg des Gehorsams und damit des Leidens zu gehen. In dieser totalen
Verlassenheit, in der Jesus nur ein schwacher Mensch war, kam auf Ihn
die ganze Last Seiner Aufgabe, das unmittelbar bevorstehende Leiden und
Sterben am Kreuz, das Er klar vor Seinen Augen hatte. Der Apostel
Johannes sagt: „Was tat der Herr am Kreuze als die alleinige
göttliche Weisheit, da Sie gewisserart dem Außen nach wie geschieden
war von der ewigen Liebe? - Er, als die Weisheit, und als solche der
Grund aller Gerechtigkeit, wandte Sich Selbst an den Vater oder an die
ewige Liebe, forderte diese nicht gewisserart gerechtermaßen um Rache
auf, sondern Er bat die Liebe, daß Sie allen diesen Missetätern, also
auch allen den Hohepriestern und Pharisäern alle ihre Tat vergeben
möchte, indem sie nicht wissen, was sie tun!“ (2.GS 95,12)
Die Liebe mußte
sich von der Weisheit trennen, weil die Weisheit in ihrer Heiligkeit
nach dem Fall der Geschaffenen unerfüllbare Gerechtigkeit von der Liebe
forderte. (Schr. 17,4) Die Weisheit aber fühlte Sich verlassen ohne die
innigste Vereinigung mit der Liebe. Um sich aber mit der Liebe wieder zu
vereinigen, mußte die Weisheit in dem Menschen Jesus die von Ihr
gestellten Aussöhnungsbedingungen Selbst erfüllen. Sie durfte nicht
Gerechtigkeit fordern, sondern nur um Liebe bitten. Über den Bibelvers:
„Mußte nicht Christus solches leiden und so eingehen in Seine
Herrlichkeit?“, (Luk. 24,26) sagt uns der himmlische Vater: „Man
wird hier freilich sagen: ‘Christus war ja ohnehin das ewige Leben
Selbst und besaß in Sich alle Herrlichkeit desselben; warum mußte Er
denn hernach leiden, um in diese Herrlichkeit einzugehen?’ Ich aber
sage: Christus war nur ein Mensch und mußte Sich als erstes
Grundvorbild die vollkommene Herrlichkeit Gottes erst durch Seine Taten
vollkommen zu eigen machen!
Und hätte Er
dieses nicht getan, so wäre es um die ganze Schöpfung geschehen
gewesen; denn erst in Ihm ward Vater und Sohn wieder eins oder - was
dasselbe ist - die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit. Denn
zuvor hatte sich die Liebe abgezogen von der Weisheit, weil die Weisheit
in ihrer Heiligkeit sich zu unerreichbar allerhöchst aufgestellt hatte,
und ihre Forderungen waren über alle Erfüllungsmöglichkeit gestellt.
Aber die Weisheit war öde ohne die innigste Vereinigung mit ihrer
Liebe. Wie konnte sich aber jene mit der Liebe wieder vereinigen? - Sie
mußte in dem Menschen Jesus die von ihr gestellten
Aussöhnungsbedingungen Selbst erfüllen; sie mußte sich demütigen bis
auf den kleinsten Punkt, und dadurch erst ward sie vollkommen wieder
eins mit ihrer Liebe, welche der ‘Vater’ ist.
Darum verschmähte
denn auch Christus, als Selbst die ewige, allmächtige Grundweisheit des
Vaters, alle Weisheit der Weisen der Welt; und alle Schriftgelehrten
mußten Ihm ein Greuel sein, so ihre Taten nicht aus dem Grunde des
Lebens der Schrift gemäß waren. Er als die ewige Weisheit des Vaters
mußte Werke der Liebe tun und lehren die Menschen das alleinige Gesetz
der Liebe; ja, Er mußte am Ende Sich von der Weisheit der gelehrten
Priester gefangennehmen und kreuzigen lassen und mußte auf diese Weise
als das urewige Licht des Vaters oder der Liebe die größte Schmach und
an Sich Selbst die größte Verfinsterung erleiden, darum Er denn auch
ausrief: ‘Vater! Warum hast Du Mich verlassen?!’ Daß aber Er als
das urewige Licht der ganzen Unendlichkeit in Sich Selbst eine
gänzliche Verfinsterung erdulden mußte, beweist jener bisher noch von
niemandem verstandene Augenblick, in welchem nach dem Verscheiden
Christi am Kreuze eine Verfinsterung der ganzen unendlichen Schöpfung
eintrat.
Und es war dieser
Verfinsterungsmoment auch gleich dem, von dem ihr wisset, daß in ihm
die Seele Christi nach dem Tode in die Hölle hinabstieg, um da die
Geister, welche in der alten Weisheit gefangen waren, zu erlösen und
sie zu führen an das neue Licht, welches aus der Wiedervereinigung des
Sohnes mit dem Vater alle Unendlichkeit zu erfüllen anfing. Christus
mußte daher das alte Gesetz der Weisheit in Sich Selbst bis auf ein
Häkchen erfüllen, um dadurch alle Irrungen wider dieselbe vor dem
Angesichte des Vaters zu sühnen; oder es mußte alle Weisheit
gekreuzigt werden, damit dadurch die Liebe des Vaters gerechtfertigt
ward! Nun, das tat also Gott Selbst; was wollet denn dann ihr tun?
Meinet ihr wohl, daß ihr durch die Rechtfertigung eurer Weisheit in die
Herrlichkeit des ewigen Lebens eingehen werdet? Wenn Christus, als die
göttliche Weisheit Selbst, Werke der Liebe tun und lebendigst predigen
mußte und alle Seine Weisheit kreuzigen und in die größte Finsternis
übergehen lassen mußte, um dadurch vollkommen wieder einzugehen in die
Herrlichkeit des Vaters, welcher die getrennte Liebe in Christus Selbst
war, so werden doch auch die Menschen ebenfalls diesen Weg wandeln
müssen und werden Christus nachfolgen müssen, so sie mit Ihm in die
Herrlichkeit Seiner väterlichen Liebe eingehen wollen.
In der Urkirche der
Welt hieß es: ‘Ihr Menschen könnet nur durch die Liebe Gottes
gelangen zu der sonst unerreichbaren göttlichen Weisheit!’ mit
Christus aber heißt es: ‘Nun bin Ich als die göttliche Weisheit
Selbst, als der Weg und das Leben die Tür zur Liebe oder zum Vater! Wer
nun zum Vater will, der muß durch Mich eingehen!’ Wie aber? - Etwa
durch die Weisheit, weil Christus als die Tür die göttliche Weisheit
Selbst ist? - O nein; denn eben diese Weisheit ließ sich demütigen bis
auf das letzte Atom! Sie, als die unantastbare Heiligkeit Gottes stieg
unter alle Sünder tief herab; diejenige Weisheit, die ehedem kein
allervollkommenster Engelsgeist in ihrem Grundlichte ansehen durfte,
ging jetzt mit Sündern um und speiste unter ihrem Dache und mußte sich
am Ende von heidnischen Kriegsknechten und Schergen ans Kreuz schlagen
lassen!
Aus dieser endlosen
Demütigung der göttlichen Weisheit Selbst aber geht doch mehr als
sonnenklar hervor, daß da niemand etwa mit seiner aufgeblasenen
Weisheit in die Herrlichkeit des ewigen Lebens gelangen wird! Niemandem
werden seine durchstudierten Bücher und Schriften zu Stufen in das
Himmelreich werden, sondern allein seine wahre Demut und die wahre
werktätige lebendige Liebe zum Vater. In Christus ging alle
urgöttliche Weisheit in die Liebe zum Vater über; dadurch ward aus
Sohn und Vater eins. Desgleichen muß es aber auch bei dem Menschen der
Fall sein. Bevor er nicht in seinem hochmütigen Verstande und in allen
Begehrungen desselben, welche auf allerlei Ehrungen hinauslaufen, bis
auf den letzten Tropfen gedemütigt wird, - ja, bevor er nicht alles der
Liebe zu Füßen legen wird und darum erleiden wird eine kurze
Verfinsterung aller seiner weltlichen Weisheit, wird er wahrlich nicht
in die Herrlichkeit des Vaters eingehen!
Christus
mußte solches leiden und tun, um in die Herrlichkeit des Vaters
einzugehen; also muß es auch ein jeder Mensch tun und muß Christus
lebendig nachfolgen, wenn er in die Herrlichkeit des Vaters eingehen
will.“ (Schr. 17,3-17) Hier sind die Leiden der göttlichen Weisheit
beschrieben, die Leiden der ewigen Liebe sind unter dem schon erwähnten
Titel: „Der Sohn Gottes und das Geheimnis der Erlösung“ gesondert
erläutert und können dort nachgelesen werden. Jesus sagt: „Weil aber
das menschlich leidende Ich noch ein anderes, göttliches Ich in sich
schloß, so war dieses Leiden auch ein doppeltes, nämlich das äußere,
leibliche, und das innere, göttliche.“ (1.Hi. Seite 327) Von zwei „Ichs“
ist hier die Rede, vom menschlichen „Ich“ und vom göttlichen „Ich“.
Das menschliche „Ich“
ist die Seele, der Sohn, das Licht, die Weisheit oder das Wort, das
Fleisch wurde. Das göttliche „Ich“ ist der Geist in Ihm, der Vater,
das Feuer, die ewige Liebe oder der Gedanke, der dem Wort zugrunde
liegt. Diese beiden, die das persönliche Gotteszentrum sind, hatten
Sich getrennt (wenn auch nicht total) und vereinigten Sich wieder in dem
Leib des Menschen Jesus. Bei Seinem Tod am Kreuze aber geschah die
Vereinigung mit dem Allerinnersten des Vaters. (4.GEJ 252,4) „Diesem
unendlichen Wesen Gottes hat es einmal wohlgefallen“, sagt der
Evangelist Johannes, „und zwar zu einer Zeit, in welcher die Menschen
am wenigsten daran dachten, sich in Seiner ganzen unendlichen Fülle zu
vereinen, und in dieser Vereinigung anzunehmen die vollkommene
menschliche Natur!“ (2.GS 13,8)
Zu den Urvätern
der Menschheit sagte damals der himmlische Vater, daß Er arm sei, weil
Er alles von Sich gegeben habe, als Er die Schöpfung aus Sich ins Leben
rief und Er nur Sein Leben als Seine Liebe in Sich zurückbehalten habe.
Wenn es sich aber darum handeln würde, daß da ein Kind nur dadurch zu
retten wäre, daß Er Sein Leben für dasselbe dahingeben müßte, so
würde Er es eher von Sich lassen, als eines Seiner Kinder zu verlieren.
- Auf diese Rede hin weinten alle, weil sie von zu großer Liebe zum
Vater ergriffen wurden. Der himmlische Vater aber sprach: „O Kindlein,
solches hat nun euer guter Vater geredet, damit ihr Seine Liebe erkennen
möchtet! Aber nicht umsonst hat Er solches geredet; denn was Er geredet
hat, das wird Er einst auch tun durch Sein fleischgewordenes Wort in der
großen Zeit der Zeiten. Ja, einen Sohn werde Ich zeugen, und Ich werde
diesem Sohne geben all Mein Leben, und Ich werde sein im Sohne, und der
Sohn wird sein in Mir, und der Vater und der Sohn werden dann ewig
vollkommen eins sein!“ (2.HG 251,20)
Auf diese Rede
wurde es dem Henoch wehmütig ums Herz, denn er meinte, daß dann wohl
alles Leben zugrunde gehen müßte, wenn der Grundquell des Lebens in
den Tod ginge. Der Vater aber sprach zum Henoch: „Dir, Mein Henoch,
soll es gegeben sein, das große Geheimnis Meines Reiches zu erfahren
und zu erfassen, aber sonst keinem außer dir (bis zur großen Zeit der
Zeiten)... Also wird es auch sein in der großen Zeit der Zeiten, da das
ewige Wort als der wesenhafte Grund aller Dinge in Sich Selbst Fleisch
wird, in dem da wohnen wird alle Fülle Meines Wesens. Das Fleisch aber
wird die Welt töten; aber die im Fleische wohnende Gottesfülle, also
die ewige Liebe, wird das Fleisch alsbald wieder beleben aus Sich, und
dann wird wohnen die Fülle Gottes ewig in Seinem fleischgewordenen
Worte als ein Mensch gegenüber Seinen Geschöpfen, und diese werden Ihn
schauen und sprechen wie einen rechten Bruder. Dieser Gottmensch erst
wird euch allen bringen das wahre, ewige Leben; bis dahin aber werdet
ihr leben nur ein getrenntes Leben.“ (2.HG 252,6+18-20) Der allein
wahre Gott, die ewige Liebe oder der Vater, war der Geist Gottes in
Jesus.
Den der allein
wahre Gott gesandt hat, die ewige göttliche Weisheit oder der Sohn
Gottes, war die Seele Jesu Christi. Deshalb war Jesu Seele nur zusammen
mit Seinem Geist eine Person, wie das auch bei allen anderen Menschen,
Geistern und Engeln der Fall ist. Deshalb sind auch Vater und Sohn oder
Liebe und Weisheit, welche der Geist und die Seele Jesu sind, nicht
zwei, sondern nur eine Person und nur ein Gott. Jesus Christus nannte
Sich aber auch Menschensohn, weil Er einen Fleischleib trug. Er war
deshalb das fleischgewordene Wort und war Gott und Mensch zugleich. Er
war der einzige, der das je hat werden können und Er wird auch der
einzige bleiben. Er hat unsere Schwächen angenommen, weil Er uns kein
ferner Gott, sondern ein naher und leicht erreichbarer Vater, Freund und
Bruder sein wollte. (9.GEJ 85,5) Die menschliche Natur, die der
vereinigte Gott angenommen hat, ist das Fleisch, bzw. der Nervengeist.
Mit diesem hat Er sich bekleidet, um Seinen Kindern sichtbar zu sein.
Jesus sagt: „Der Gottmensch Jesus war wesenhaft der Vater Selbst oder
die Sich mit menschlichem Fleische bekleidende Ewige Liebe und Weisheit
Selbst - oder die Fülle der Gottheit leibhaftig.“ (2.Hi. Seite
67,8)
In Jesus war das
ganze Gotteszentrum gegenwärtig, die ewige Liebe und Weisheit, Vater
und Sohn oder Geist und Seele und haben Sich mit menschlichem Fleische
bekleidet. Der Gottessohn ist vom Vater als ein Menschensohn in diese
Welt gesandt worden, aber der Vater hat Seinen Sohn nicht allein
gesandt, sondern Er kam durch und in Seinem Sohn mit und wollte durch
Ihn in diese Welt kommen. Jesus sagt: „Der Vater, der Mich als einen
Menschensohn in diese Welt gesandt hat, ist in Mir. Ich und Er aber sind
nicht zwei, sondern vollkommen Eins; des Vaters Wille ist sonach auch
Mein Wille, und der wirkt allenthalben. Den Vater für Sich aber kann
kein Mensch sehen; denn Er wäre ohne Mich nicht da und Ich nicht ohne
Ihn, weil Ich und Er vollkommen ein Wesen sind. Wer aber nun Mich sieht
und hört, der sieht und hört auch den Vater; denn Ich als Vater habe
Mich durch Meinen Willen Selbst in diese Welt gesandt.
Darum wohl euch,
die ihr an Mich glaubet; denn wer an Mich glaubt, der glaubt auch an den
Vater, der Mich gesandt hat, und Der wird ihm darum geben das ewige
Leben.“ (8.GEJ 158,16-17) Der Gottmensch Jesus hat uns das wahre ewige
Leben gebracht, denn bis dahin lebte der Mensch nur ein von Gott
getrenntes Leben. Nun aber ist es allen Menschen möglich, mit Gott eins
zu werden. Jesus sagt: „Ihr werdet durch die volle Wiedergeburt eures
Geistes mit Mir eins, so wie Ich auch eins bin mit dem Vater im Himmel,
doch mit dem Unterschiede, daß ihr alle mit Mir eins sein werdet in
gesonderter Persönlichkeit, während Ich und der Vater, der Meine Liebe
ist, miteinander in ewig ungesonderter Persönlichkeit vollkommen eins
sind.“ (4.GEJ 163,6) Ein jeder geschaffene Mensch oder Engelsgeist
bleibt trotz des Einswerdens mit Jesus für sich eine gesonderte
Persönlichkeit mit einem eigenen Ichbewußtsein.
Deshalb konnte in
Jesus kein Engelsgeist gewesen sein, denn ein solcher hätte nicht mit
dem Geiste Gottes in ungesonderter Persönlichkeit eins werden können.
Es kann bei jedem Menschen mit seinem Geiste nur seine zu ihm gehörende
Seele (die aus ihrem Geiste einst hervorging) in ungesonderter
Persönlichkeit eins werden und Geist und Seele sind dann nur eine
Person mit einem einzigen Ichbewußtsein. Deshalb konnte die Seele Jesu
als Sohn nur mit Seinem Geiste, dem Vater in Ihm in ungesonderter
Persönlichkeit eins werden, so wie sie schon ewig in ungesonderter
Persönlichkeit eins waren. Die Menschwerdung Gottes gehört neben dem
Geheimnis der Erlösung zu den allergrößten Geheimnissen Gottes, die
Er aber uns Menschen dieser Erde in Seinem neuen Wort, wenn auch etwas
versteckt, in großer Klarheit offenbart hat.
Den Weisen und
Klugen sind diese göttlichen Geheimnisse dennoch verborgen, den
Unmündigen aber, das heißt denen, die nicht verstandesmäßig klug und
weise sind, dafür aber Gott über alles lieben, sind sie verständlich.
„Seht“, sagt Jesus, „die Schrift der Propheten... sagt und
erklärt, daß Ich, namens Jesus Christus - auch Menschensohn genannt -,
der wahre Gott sei, obschon Er unter verschiedenen Namen, als Vater,
Sohn und Geist bezeichnet und benannt wird! Und dennoch ist Gott nur
eine persönliche Herrlichkeit in der vollkommensten Form eines
Menschen.“ (8.GEJ 25,14) „Der Vater in Mir ist die ewige Liebe und
als solche der Urgrund und die eigentliche Ursubstanz aller Dinge, die
da erfüllet die ganze ewige Unendlichkeit. Ich als der Sohn bin das
Licht und die Weisheit, die hervorgeht aus dem Feuer der ewigen Liebe.
Dieses mächtige Licht ist das ewige vollkommenste Selbstbewußtsein und
die hellste Selbsterkenntnis Gottes und das ewige Wort in Gott, durch
das alles, was da ist, gemacht worden ist. Damit aber das alles gemacht
werden kann, dazu gehört noch der mächtigste Wille Gottes, und das ist
eben der Heilige Geist in Gott, durch den die Werke und Wesen ihr volles
Dasein bekommen.
Der Heilige Geist
ist das große ausgesprochene Wort, Werde!‘ - und es ist da, was die
Liebe und die Weisheit in Gott beschlossen haben. Und seht, das alles
ist nun da in Mir: die Liebe, die Weisheit und alle Macht! Und somit
gibt es nur einen Gott, und der bin Ich, und Ich habe nur darum hier
einen Leib angenommen, um Mich euch Menschen dieser Erde, die Ich
völlig nach Meinem Ebenmaße erschaffen habe aus der Ursubstanz Meiner
Liebe, in eurer Persönlichkeit näher offenbaren zu können, - wie es
nun soeben der Fall ist.“ (6.GEJ 230,3-6) Und nun ist „Jesus der
vereinigte Gott in aller Seiner Fülle.“ (2.GS 13,18) Er ist das A und
das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (Off. 22,13)
„Er“, (der Vater) sagt Jesus, „ist kein anderer denn Ich und Ich
(der Sohn) kein anderer denn Er, bis auf die Haut, die uns beide umgibt.“
(2.GEJ 32,4)
Quellenverzeichnis
GEJ Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981-1986
HG Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1981 GS Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955, 1956
JJ Die Jugend Jesu, Jakob Lorber, 1996
RB Von der Hölle bis zum Himmel, (Robert Blum), Jakob Lorber, 2 Bände, 1963
DTT Die drei Tage im Tempel, Jakob Lorber, 1952 Schr. Schrifttexterklärungen, Jakob Lorber, 1985
EM Erde und Mond, Jakob Lorber, 1953
Hi. Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935, 1993
Be. Fe. Dr. Unser Betrachtungsbuch, Der Fest-Garten, Zur Dreieinigkeit, 1899
Be. Fe. Wei. Unser Betrachtungsbuch, Der Fest-Garten, Weihnachten, 1899 PH Predigten des Herrn, Gottfried Mayerhofer, 1968
VG Der Verkehr mit der Geisterwelt, Johannes Greber, 1932 Johannes Greber Memorial Foundation, 139 Hillside Avenue, Teaneck, N.J. Lorber Verlag, 74321 Bietigheim-Bissingen JCH Jesus Christus unser Heil, Bertha Dudde, Urgemeinde Gottes Nr.6
GL Geisteslehrer und Liebeboten,
Bertha Dudde, Urgemeinde Gottes Nr.10 Herausgeber: Karl Veit, Wiesbaden-Schierstein, Wörthstr.5 UB Ursprung des Bösen, Bertha Dudde, herausgegeben von W. Kühner
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