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Die
Erweckung der Gottesliebe
Gerd Kujoth 
Inhaltsverzeichnis
1. Das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe
2. Der große Unterschied zwischen Knechten und Kindern
3. Die Voraussetzungen zur Erweckung der Gottesliebe
4. Das Verliebtsein
5. Der Vorgang des Verliebtwerdens
6. Die Erkenntnis Gottes als Voraussetzung für die Gottesliebe
7. Die Beschaffenheit der Gottesliebe
8. Die Wunschlosigkeit des Herzens
9. Die Übung der Gottesliebe
10. Mit dem Herzen bei Jesus sein
11. Sich nicht der Welt entziehen
12. Den allerbesten Teil erwählen
13. Ist es schwer, Jesus zu lieben?
14. Die Übung der Ruhe in Gott
15. Der innere Widerstand
16. Wann, wie oft und wie lange soll die Ruhe in Gott geübt werden?
17. Der Kampf gegen die zahllosen Gedanken
18. Die Gefahren bei der Durchführung der Übung
19. Nur einen Gedanken unverwandt betrachten
20. Die Wahrnehmungen beim Üben
21. Die Entzündungszeit
22. Die Trockenheit
23. Der eifersüchtige Liebhaber
24. Die Schätze des Himmels
25. Die Liebe – das Ziel des Lebens
1. Das Gebot der Gottes-
und Nächstenliebe
Gott ist die Liebe (1.Joh.
4,8) und liebt jedes einzelne Seiner Kinder mit mehr als der Glut von tausend
Sonnen, ja Er liebt es mit solch einer Stärke, als wäre es in der weiten
Unendlichkeit der ganz alleinige Gegenstand Seiner unendlichen und ewigen,
allertreuesten Vaterliebe! Könnte Er uns enthüllen, wie groß Seine Sehnsucht
nach unserer Liebe zu Ihm ist, unser Herz würde vor Liebe zerspringen und es
wäre um unser Leben geschehen. (2.Hi. Seite 47,3-6) - Wie aber steht es um
unsere Liebe zu Ihm? - Kaum einer auf dieser Erde liebt Gott so, wie Er Sich das
ersehnt.
Deshalb hat Er uns ein
Gebot gegeben, welches über allen anderen Geboten steht. Als Jesus von einem
Schriftgelehrten nach dem größten Gebot im Gesetz gefragt wurde, antwortete
Er: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit
deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüte. Das ist das erste und
größte Gebot. Ein anderes aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten
lieben wie dich selbst.“ (Matth. 22,37-39) Und Er setzte noch hinzu: „An
diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Matth.
22,40)
Mit diesem Zusatz wollte
Jesus andeuten, daß wir mit diesen zwei Geboten alles erfüllen, was zur
Erlangung der Wiedergeburt und des ewigen Lebens notwendig ist. Da bedarf es
keiner Ausübung irgendwelcher weiteren religiösen Vorschriften. Nur müssen
wir diese Gebote auch tatsächlich befolgen und es schließlich so weit bringen,
daß wir ständig in der Liebe zu Gott leben und aus dieser Liebe heraus auch
Taten der Nächstenliebe vollbringen. Wie die Taten der Nächstenliebe aussehen,
ist wohl jedem bekannt, denn was jemand möchte, das ihm der Nächste tun soll,
das tue er ihm zuvor. Aber wie die Gottesliebe aussehen soll, das ist eine ganz
andere Frage.
2. Der große
Unterschied zwischen Knechten und Kindern
Hier geht es jetzt nicht
darum, nur an Gott zu glauben, Ihn nur zu loben und zu preisen oder für Ihn im
Äußeren tätig zu sein, sondern es geht darum, den Brand der Liebe im Herzen
anzufachen, wie Jesus gesagt hat: „Ich bin gekommen, daß Ich ein Feuer
anzünde auf Erden; was wollte Ich lieber, als es brennete schon!“ (Luk.
12,49) Zwischen der ersten und der zweiten Verhaltensweise besteht aber ein
großer Unterschied, denn die brennende Liebe zum himmlischen Vater macht uns
erst zu wahren Gotteskindern.
Der Vater sagt: „Ihr
sollet aber als wahre Kinder nur das erkennen, daß da ein großer Unterschied
waltet zwischen jenen, die da erkennen einen Gott und Schöpfer, und jenen,
deren Herz Gott alsbald heißliebend erfaßt und Ihn nimmerdar ausläßt und
sich auch dann um nichts mehr kümmert als nur darum, wie es könnte Gott stets
liebender erfassen. Die ersten werden bei der Erkenntnis Gottes sagen: ,Gott, Du
allmächtiger, Du großer, Du heiliger, Du erhabener Schöpfer, wie groß und
herrlich sind Deine Werke; darum wollen wir Dich allzeit loben, rühmen und
über alles hochpreisen!‘ Die zweiten aber sagen: ,O Gott, wie liebevoll mußt
Du sein, da wir nicht umhin können, Dich trotz Deiner unendlichen Erhabenheit
und Heiligkeit dennoch über alles zu lieben!
O wie gut mußt Du sein, da
uns die Liebe also mächtig zieht zu Dir!‘ – Sehet hier die ersten staunend
über ihren erkannten Gott, die zweiten aber vor Liebe in Tränen zerfließend,
so sie an Mich nur irgend etwas erinnert, indem sie hinter ihrem guten Gott
schon einen liebevollsten Vater ahnen! Merket ihr hier den mächtigen
Unterschied?! Sehet, die erste Art sind nur Knechte, die für den Lohn arbeiten,
die zweite Art aber Kinder, welche da nichts wollen denn nur allein den Vater!
Sehet, das ist der große Unterschied und zeigt euch, wie sich die wahren Kinder
auszeichnen müssen, und worin also die wahre Kindschaft besteht, und wer sie
überkommt! (2.HG 83,19-26) Wer die flammende Liebe zum himmlischen Vater in
seinem Herzen erwecken und zu einem Brand entfachen will, der sollte jetzt ganz
aufmerksam weiterlesen. Wer nicht dazu bereit ist und das auch nicht glauben
kann, der sollte jetzt mit dem Weiterlesen aufhören.
3. Die Voraussetzungen
zur Erweckung der Gottesliebe
Die Liebe zum Herrn ist das
Größte (2.HG 215,6) und da stellt sich die Frage, wie wir den Herrn, unseren
Gott, über alles lieben können? Da sagt Jesus: „Wer Meine Gebote hat und sie
hält, der ist es, der Mich liebt.“ (Joh. 14,21) Ohne die Haltung der Gebote
aus freiem Willen, ist keine volle Gottesliebe möglich. Das gilt insbesondere
für das sechste Gebot. Ohne die völlige sexuelle Enthaltsamkeit (außer zur
Kinderzeugung) kann man wohl ein gewöhnliches religiöses Leben führen, man
kann sich Glaubenserkenntnisse aneignen, man kann auch viele Taten der
Nächstenliebe vollbringen, aber das Feuer der Gottesliebe kann im Herzen nicht
erweckt werden.
„Ja“, wird hier
vielleicht jemand sagen, „ich lebe nicht enthaltsam und sehe auch nicht ein,
warum die körperliche Liebe schlecht sein soll, aber ich liebe Gott trotzdem.“
- Und es kann ihm darauf geantwortet werden, daß er wohl Gott lieben kann, aber
er kann Ihn nicht über alles lieben, was Voraussetzung für die Erweckung der
brennenden Liebe zu Ihm ist, denn sein Herz ist noch zum Teil mit einer anderen
Liebe erfüllt, als mit der alleinigen zu Gott. Seine Phantasie wird immer
wieder in der aufreizenden Fleischeslust umherschweifen und er vermag deshalb
sein Herz nicht soweit zu Gott zu erheben, daß er es in die flammende Liebe
versetzen kann.
Die Fleischeslust macht die
Seele unfähig, den wahren Lebens- oder Liebegeist aus den Himmeln aufzunehmen,
so daß es unmöglich ist, die geistige Wiedergeburt zu erreichen. (8.GEJ 75,2)
Zudem werden durch das Ausleben des Geschlechtstriebes die alleredelsten und
seelenverwandtesten Lebenssäfte, die zur Vervollkommnung der Seele unbedingt
benötigt werden, vergeudet. (4.GEJ 230,2-3) Der Geist in unserem Herzen ist ein
Funke aus dem Feuer der ewigen Liebe Gottes und ist mit vielen Gefängnissen
oder Fesseln umgeben. Dieser Geistesfunke muß wachsen und zunehmen, d.h. er
muß zur Flamme entfacht werden und das geht nur, wenn wir ihm die Fesseln
abnehmen. Wenn aber durch die Ausübung des Geschlechtstriebes und anderer
weltlicher Interessen ständig neue hinzukommen, wird der Geist immer mehr in
der Materie versinken.
Wie aber kann der Mensch
den Geschlechtstrieb überwinden, ohne daß er unterdrückt wird? - Da gibt uns
der himmlische Vater den Rat: „Der Mann (der Mensch) sammle sein Gefühl
(seine Triebe und Wünsche) im Herzen und kehre es dann zu Mir; und wenn es die
gerechte Kraftreife wird erlangt haben, dann wird er in Mir, dem Urgrunde aller
Dinge und somit auch aller noch so schönen Weiber, den allergenügendsten und
allerbefriedigends- ten Ersatz finden. Wie aber die Früchte der Erde nur im
Lichte der Sonne reifen, also reifen auch die geistigen Kräfte des Menschen in
Meinem Lichte nur. Daher soll jeder Mensch seine Kräfte auf Mich hinwenden, so
wird er ein vollkommen reifer, mächtiger Mensch werden in Meiner Ordnung.“
(3.HG 64,15+17-18)
Wie wir unser Herz zu Jesus
kehren und es an der ewigen Liebe reifen lassen können, das soll in der Folge
gezeigt werden. Es werden dadurch unserem Geiste die Fesseln abgenommen, so daß
er mit der Seele eins werden und der Mensch die Wiedergeburt erreichen kann. In
den alten Prophetenschulen wurden die Schüler von klein auf in der Gottesliebe
erzogen. Der himmlische Vater beschreibt diese Prophetenschulen und sagt: „Die
Welt ward ihnen dargestellt als eine gefestete Unterlage Meiner Liebe, als ein
großes Schulhaus, in welchem alle Menschen durch eine kurze Abgeschiedenheit
von Mir durch den eigenen Antrieb ihres inneren Lebens eine große Sehnsucht
nach Mir bekommen sollen. Ihre äußeren Reize sind nur der Versuchung wegen da,
damit sich die Menschen selbst richten sollen nach Meiner Liebe.“ (1.HG
80,4)
Die weltlichen Reize
müssen überwunden und der Versuchungen muß standgehalten werden durch ein
geistiges Fasten. „Wenn ihr aber fastet“, sagt der himmlische Vater, „da
fastet in der wahren Verleugnung eurer selbst aus reiner Liebe zu Mir an allem,
was die Welt euch bietet, so werdet ihr durch solches gerechte Fasten zu dem ‚Brote
des Himmels’ gelangen. Wie eine Braut an ihrem Hochzeitstage alle ihre
früheren Kleider auszieht, sich wäscht am ganzen Leibe, dann ihre Brautkleider
anzieht und sich schmückt mit allerlei Blumen und Edelsteinen, auf daß sie dem
Bräutigam wohlgefalle, so er kommt und sie führet in sein Haus – ebenso
sollet ihr durch das gerechte Fasten alle euere weltlichen (Selbstliebe-) „Kleider“
ausziehen, euch waschen mit lebendigem Wasser und anziehen dann Kleider der
wahren (Gottes-) Liebe, der Unschuld und aller Demut und euch schmücken mit
allerlei Blumen und Edelsteinen aus den Werken der (Nächsten-) Liebe!“ (1.Hi.
Seite 329,16-17) Ohne die wahre Nächstenliebe ist ebenfalls keine Gottesliebe
möglich. (10.GEJ 140,4)
Der Jünger Johannes
schreibt: „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann Gott nicht
lieben, den er nicht sieht.“ (1.Joh. 4,20) Um den himmlischen Vater über
alles lieben zu können, ist es aber auch notwendig, daß wir demütig sind. „Ohne
die wahre, innere Demut seines Herzens“, sagt der Vater, „kann Mich niemand
wahrhaft liebend in seinem Herzen erfassen und dadurch dann leben ein
vollkommenes, ewiges Liebeleben aus Mir. Wann immer ihr Mich werdet lieben
wollen, euer Herz aber nicht stark genug sein wird, Mich mit flammender Liebe zu
erfassen, sondern wird sich müssen allein mit den trockenen Gedanken von Mir
sich beschäftigend begnügen, so denket, es fehlt euch an der wahren Demut;
denn sie ist das eigentlichste Grundfundament allen Lebens.“ (2.HG
12,14-15)
Wer Gott nur deswegen zu
lieben sucht, um dieser Liebe wegen von Ihm höhergestellt zu werden, der wird
sein Herz nicht in der flammenden Liebe zu Ihm erwecken können. Die wahre Liebe
muß ein innerer Trieb sein, Gott als den alleinigen, vollkommensten Herrn
anzuerkennen, sich selbst aber nur als ein vollkommenes Nichts Ihm gegenüber zu
betrachten. Wir können die glückselige Liebe nur dann erlangen, wenn wir den
himmlischen Vater nicht der Vorteile wegen, sondern Seiner Selbst willen zu
lieben suchen und es als eine Gnade betrachten, Ihn lieben zu dürfen. (2.GS
62,18-19)
Die Voraussetzungen, um
Gott über alles lieben zu können, sind also die freiwillige Haltung der Gebote
oder die Loslösung von der Welt, die tätige Nächstenliebe und die wahre
Herzensdemut. Ist ein Mensch in diesen drei Stücken genügend weit
fortgeschritten, dann steht er schon der Lebensmeisterschaft nahe und es fehlt
ihm nur noch die völlige Einung mit dem Liebegeiste Gottes. Diese wird aber nur
dem zuteil, der bereit ist aufzuhören, für sich etwas zu sein, um dann in Gott
alles werden zu können. Denn Gott über alles lieben heißt: in Gott ganz auf-
und eingehen. (4.GEJ 1,5-6) Wer dazu bereit ist, der ist dann in der Lage, das
Feuer der Gottesliebe in seinem Herzen zu erwecken.
4. Das Verliebtsein
Da wird oft die Frage
gestellt: „Ja wie soll ich das denn anstellen, Gott so richtig aus ganzem
Herzen zu lieben?“ - Doch da soll uns die Antwort nicht schwer fallen, denn in
der Neuoffenbarung finden wir diese Frage aufs genaueste beantwortet. In der
Bibel und in der Neuoffenbarung wird das Verhältnis der Menschenseelen zu Jesus
mit dem Verhältnis einer Braut zu ihrem Bräutigam verglichen. (3.GEJ
225,6-7)
Der Vater sagt: „Wer Mich
also liebt, der muß Mich lieben wie eine reine Braut ihren reinen Bräutigam,
da sich nichts denn allein die Herzen anziehen.“ (1.HG 134,18) Wie eine Braut
in ihren Bräutigam verliebt ist und auch umgekehrt, so sollen wir Jesus,
unseren Vater lieben. Dieses „Verliebtsein“ hat wohl ein jeder von uns schon
erlebt, so daß sich auch jeder die Art der Gottesliebe vorstellen kann, auch
wenn sie nicht völlig mit der Brautliebe übereinstimmt. Der Jünger Johannes
erklärt in der „Geistigen Sonne“ an Hand dieses Gleichnisses von Braut und
Bräutigam, wie die Liebe zu Gott erweckt werden kann. Aber da haben seine
Zuhörer einige Bedenken und sagen: „Es ist mit der plötzlichen Erweckung der
Liebe eine schwere Sache, was wir hie und da schon aus der Erfahrung
wissen.
Es hat sogar in dieser
Hinsicht mit dem sogenannten ’Verliebtwerden’ einen Haken. Wenn man der
Sache so recht nachspürt, so bringt man gar bald in die Erfahrung, daß man die
Liebe überhaupt nicht in seiner Gewalt hat, und man kann nicht sagen, daß man
in ein Wesen, wann man nur immer will, mag verliebt werden, sondern es fügt
sich solches nach den Umständen und nach den Bedingungen, und man ist als
Liebender durchgehends kein aktives, sondern ein rein passives Wesen und muß im
buchstäblichen Sinne genommen die Liebe nicht selten als eine Zentnerlast
herumschleppen; und es gibt dann und wann durchaus kein Mittel, sich derselben
ledig zu machen wie einer andern Last.
Und so meinen wir denn auch
hier, wären wir wirkliche Meister der Liebe, so würde es sicher durchaus nicht
fehlen, daß wir den Herrn ergriffen mit der flammendsten Heftigkeit unserer
Herzen. Aber wir können tun, was wir wollen, können drücken unser Herz und
unser Gefühl pressen, wie die Trauben auf einer Kelter gepreßt werden, und es
kommt alles eher heraus als eine von dir beschriebene flammende Liebe. Daher
sind wir der Meinung, daß entweder die Liebe zum Herrn von einer ganz andern
Beschaffenheit sein muß als etwa diejenige, die ein Mensch in der Blüte seines
Lebens nicht selten zu einer schönen Jungfrau empfindet, oder die Liebe zum
Herrn, wenn sie der Liebe zu einer Jungfrau ähnlich sein soll, muß unmittelbar
vom Herrn Selbst nach Seiner großen Erbarmung in das Herz eingegossen werden;
sonst ist es beinahe unmöglich, daß der Mensch aus seiner eigenen Kraft den
Herrn allezeit mit der heftigsten Liebe erfassen könnte, wann er nur immer
wollte.
Und wenn es hier demnach
auf uns ankommt, allhier plötzlich die größte Liebe zum Herrn zu erwecken,
so... können wir wollen, wie nur immer möglich, und dennoch können wir trotz
alles intimsten Wollens unser Herz nicht also entflammen im Momente des Wollens,
als wie leicht wir in der Nacht eine Kerze anzünden. Hier also, lieber Freund
und Bruder, wird es eines guten Rates gar sehr vonnöten haben.“ (2.GS 50,1-4)
Diese Kritiker haben einerseits wohl recht, andererseits aber auch wieder nicht.
Das „Verliebtwerden“ zwischen einem jungen Mann und einer jungen Frau
geschieht wohl mehr unbewußt und kann deshalb nicht willkürlich gesteuert
werden, aber es sind doch bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen nötig,
damit es zustande kommt. Wenn uns nun das Prinzip klar wird, dann kann es auch
bewußt auf die Gottesliebe angewendet werden.
5. Der Vorgang des
Verliebtwerdens
Wie kommt es zu einem „Verliebtsein“?
- Da begegnet z.B. ein junger Mann einer Schar junger Frauen. Nach kurzer Zeit
wird der Jüngling die Jungfrau erspäht haben, die seinem Schönheitsideal
entspricht. Bei näherer Begegnung gefällt dem jungen Mann auch das Wesen der
jungen Frau und er wird dann vielleicht auch entdecken, daß ihre Ansichten und
Interessen den seinen entsprechen. Schönheit, Wesen und Ansichten gefallen dem
Jüngling, weil sie entweder seinem Wesen verwandt sind oder seinen
Idealvorstellungen entsprechen. Durch das „Gefallen“ aber entwickelt sich im
Seelenherzen die Wärme der Liebe und der Jüngling kann schon nicht mehr
anders, als an die Jungfrau zu denken und sie sich vor seinem geistigen Auge
vorzustellen.
Nun braucht nur noch die
öftere Begegnung stattfinden, die dann auch gesucht wird, so nimmt dann auch
die Wärme im Herzen zu. Diese Wärme erhält durch das immer öftere in der
Liebe Gedenken mehr und mehr Nahrung, bis im Herzen, geistig gesehen, eine so
große Hitze entstanden ist, daß diese sich zu einem Brand entzündet, und das
„Verliebtsein“ ist fertig. Natürlich sind diese Vorgänge, die schneller
oder langsamer stattfinden können, den Verliebten nicht bewußt. Wer aber
weiß, wie ein Verliebtsein zustande kommt und die Liebe zu Gott erwecken
möchte, kann sie bewußt anwenden.
Nun wird hier vielleicht
jemand fragen: „Wie kann ich die Liebe zu Gott erwecken, wenn ich Ihn nicht
sehe, wie man eine Jungfrau sieht, wenn man sich in sie verliebt?“ - Johannes
beschreibt in der „Geistigen Sonne“, wie ein Jüngling sich in eine Jungfrau
verlieben kann, die er noch nie zu Gesicht bekommen hat, und wir können dies
auch auf die Erweckung der Liebe zum himmlischen Vater anwenden. Er sagt: „Versuchet
einmal, ob ihr bloß dem Namen nach, und möge er noch so majestätisch klingen,
euch in irgendeine Jungfrau verlieben möget! Ja, ihr werdet es bei solcher
Bekanntschaft mit der Liebe eben nicht gar zu weit bringen; denn was man
entweder gar nicht oder viel zu wenig kennt, das kann man ebensowenig mit der
Liebe erfassen, als wie wenig man etwas, das gar nicht da ist oder nur subtil da
ist, mit den Händen ergreifen kann.
Wenn ihr aber von der
vorbesagten Jungfrau eine vollkommene Beschreibung überkommen werdet, wie sie
aussieht und wie sie beschaffen ist, und wenn ihr von dieser Jungfrau selbst
noch obendrauf ein Handbilletchen gewissermaßen unbekannterweise überkommet,
in welchem sie einen oder den andern aus euch vollkommen ihrer Liebe versichert,
aus dem angegebenen Grunde, weil sie euch aus den Beschreibungen ebenfalls auf
das Vorteilhafteste hat kennen gelernt, so wird eure Liebe zu dieser Jungfrau
sobald erwachen, und ihr werdet den allersehnlichsten Drang in euch zu
verspüren anfangen, so bald als nur immer möglich sich dahin zu begeben, allda
die Jungfrau eurer in aller Liebe harret.
Und eure Liebe wird
heftiger und heftiger werden, je mehr Vorteilhaftes ihr von der Jungfrau
unterwegs oder im Verlaufe der Zeit vernehmen werdet. Sehet, das ist sicher aus
der Erfahrung richtig. Ich aber frage euch nun: Wie könnet ihr diese Jungfrau
denn so mächtig in eurem Herzen ergreifen, da ihr sie ja doch nie gesehen habt.
Die Antwort ist leicht und liegt ebenfalls in der Erfahrung: Weil ihr zu einer
wohlbegründeten Vorstellung gelangt seid, durch welche euch die besagte
Jungfrau stets mehr vielseitig auf das Vorteilhafteste dargestellt wurde.
Ihre Eigenschaften, ihre
Schönheit haben euch gefangen genommen, und ihr könnet nicht umhin, sie bei
solchen Vorteilen, die sie euch bietet, zu achten und zu lieben; ihr müßt sie
also lieben. Sehet, in diesem natürlichen Beispiele liegt es aber ja auch ganz
offenkundig, auf welche Weise man sich der Liebe zum Herrn bemächtigen kann.
Die Erkenntnis des Herrn ist die mächtige Triebfeder, welche die Funken im
Herzen zusammenzieht, und dann durch dieselben das ganze Herz in eine helle
Flamme versetzt. Wer möchte wohl Gott lieben können, so er Ihn nicht kennete?
Wer Ihn aber stets mehr und mehr erkennt, der wird Ihn auch stets mehr und mehr
lieben.“ (2.GS 50,7-13)
6. Die Erkenntnis Gottes
als Voraussetzung für die Gottesliebe
Wer Gott lieben will, der
muß nicht nur wissen und glauben, daß Er sei, sondern er muß Gott wahrhaftig
erkennen. (2.HG 215,10) Wie aber kann der Mensch Gott erkennen? - Durch Gottes
Wort und Seine Werke. (2.GS 12,16-17) Um den himmlischen Vater lieben zu
können, müssen wir Ihn in Seinem wahren Wesen erkannt haben.
Jesus sagt: „Das ist aber
das ewige Leben, daß sie Dich, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast,
Jesus Christus, erkennen.“ (Joh. 17,3) Das ist das ewige Leben, daß wir Gott
erkennen und Ihn dann über alles lieben. (2.HG 215,12) Wie kann jemand Gott
lieben, wenn er nicht weiß, wer der ist, den er lieben soll und wenn er noch
nicht erkannt hat, daß Gott kein rachsüchtiger Gott, sondern ein überaus
guter Vater und die Liebe Selbst ist? - Und dieser gute Vater ist Jesus, der zu
Seinen Kindern auf die Erde kam, um ihnen Selbst den Weg zum ewigen Leben zu
zeigen. -
Wie kann jemand Gott
lieben, wenn er noch nicht erkannt hat, daß Gott das viele Leid auf der Welt
nur zum Heil der Menschen zuläßt, damit ihre Seelen nicht verloren gehen,
sondern für ewig glückselig werden? - Wenn es jemanden selbst trifft und er
für ein Leid oder eine Demütigung nicht danken kann, der ist von der
Gottesliebe noch weit entfernt. Wenn der Mensch Gottes Werke betrachtet, kann Er
in ihnen den Schöpfer dieser Werke mehr und mehr erkennen, denn je mehr jemand
diese prüfen wird, desto mehr der tiefsten göttlichen Weisheit und Ordnung
wird er auch leicht und bald darin finden. Hat er die weise Einrichtung der
Werke des Schöpfers erkannt, so regt das sein Herz an, Gott mehr und mehr zu
lieben. (6.GEJ 87,11-12)
Jesus sagt: „Wer immer
einmal anfängt, daran zu denken, daß es einen Gott gibt, der alles, was da
ist, erschaffen hat und alles erhält und leitet, der wird auch bald einsehen,
daß alles, was da ist, gut und zweckmäßig eingerichtet ist. Er wird aus der
weisen Einrichtung auch bald dahin ins klare kommen, daß der Schöpfer alles
dessen, was da ist, höchst gut sein müsse. Denkt der Mensch recht oft daran
und beurteilt also Schöpfer und Geschöpfe, so wird er den Schöpfer zu lieben
anfangen, und von Tag zu Tag, immer mehr und mehr wird sich die Liebe zu Gott im
Herzen des Menschen mehren und festen.“ (6.GEJ 111,8) „Gott erkennen ist
Wachwerden der Liebe, aber nicht Gott lieben selbst; Gott lieben aber heißt
völlig leben in Ihm.“ (1.HG 134,20) Also ist die wahre Erkenntnis Gottes der
Grund der Liebe zu Ihm. (2.HG 215,11)
Je mehr wir Gott, ohne Ihn
gesehen zu haben, in Seinem wahren Wesen erkennen, um so mehr werden wir Ihn
lieben. Daher ist es auch jedermanns vorzüglichstes Geschäft, Gott zu
erkennen, damit er Ihn dann über alles wird zu lieben vermögen! (2.HG 215,11)
Es ist einerseits wohl leichter, den himmlischen Vater zu lieben, wenn wir Ihn
sehen, aber andererseits ist Seine Gegenwart auch eine Nötigung für uns, Ihn
zu lieben. Deswegen ist es besser, Jesus lieben zu lernen, ohne Ihn zu sehen,
und Er hat es deswegen auch so eingerichtet, daß Er uns verborgen ist.
Unser Herz ist wie ein
Garten, und wie wir einen Garten selbst bearbeiten müssen, um gute Früchte
ernten zu können, obwohl nur Gott sie wachsen läßt, so müssen auch wir,
damit wir selbständige Gotteskinder werden, unser Herz in voller
Willensfreiheit nach der Lehre Jesu selbst bearbeiten, um die wahre Liebe ernten
zu können, obwohl es nur Jesus ist, der Seine Liebe in uns wachsen läßt.
(4.GEJ 24,3-4) „Denn zu wissen allein, was recht und gut ist und was Gott dem
Herrn wohlgefällig, genügt nicht“, sagt Raphael, „ja bei weitem nicht, -
auch dann nicht, wenn man das entschieden alleinige und größte Wohlgefallen an
der Lehre aus den Himmeln hätte, würde sich aber dennoch nie ganz ernstlich
dazu entschließen, danach zu handeln.“ (4.GEJ 23,11)
7. Die Beschaffenheit
der Gottesliebe
Wie soll nun die Liebe zu
Jesus beschaffen sein, denn sie kann ja doch nicht völlig mit der Liebe zu
einer Jungfrau verglichen werden? - Dazu sagt Johannes: „Diese Liebe aber ist
nicht ein gewisser leidenschaftlicher Brand, sondern... ein sanftes Wehen, ein
hochachtendes Gefühl, voll erhaben zarten Nachklanges, und beirrt niemanden in
seiner Freiheitssphäre. Nicht mit Leidenschaft drückt sie das Herz des
Gott-liebenden, sondern mit großer Freudigkeit.“ (2.GS 50,15-17) Die Liebe zu
Jesus soll nicht leidenschaftlich wie die Liebe zu einer Jungfrau sein, sondern:
„(Wie) wenn dein Herz für irgendein großes darzustellendes Werk erbrennt.
Allda ist dir alles sonstige, als wäre es nicht da, und du lebst allein für
dein Werk.
Kehre die Sache um, und
betrachte alles deiner Welt für wertlos, und setze den Herrn über alles in
deinem Herzen, so liebst du Gott über alles; und in dieser Liebe wird der Geist
Gottes in deinem Herzen Wohnung nehmen, und du wirst von diesem Augenblicke an
sein ein wahrhaftiges Kind Gottes!“ (2.GS 59,18) 8. Die Wunschlosigkeit des
Herzens Fragen wir unser Herz, ob es Gott über alles lieben kann, d. h. ohne
noch irgendwelche anderen Interessen zu haben, außer dem der reinen Liebe
selbst. Wer diese Frage noch nicht bejahen kann, der ist noch nicht in der Lage,
die flammende Liebe zu Jesus in seinem Herzen zu erwecken. Jesus sagt: „So du
diese Liebe überkommen willst, da mußt du zuvor dein Herz ganz rein machen von
aller andern Liebe, die dir jetzt allerlei kleine und gar nichtige Vergnügungen
schuf!“ (2.Hi. Seite 251,4)
Haben wir auch nur noch
einen einzigen Wunsch in unserem Herzen, außer dem der Liebe zum Herrn und zu
dem, was Er will, so zieht Er Sich aus unserem Herzen zurück, denn der Herr und
die Welt haben in einem Herzen zusammen keinen Platz. Jesus fragt uns: „Möchtest
du Mir zuliebe wohl der Welt und allen ihren stark anlockenden Reizen entsagen?“
(2.Hi. Seite 21,2) denn „wann Ich kommen werde, müsset ihr nicht allzusehr
euren Magen beschäftigen und allerlei Weltgeplauder ans Ohr halten. Sondern
unterredet euch wie die zwei nach Emmaus wandelnden Jünger, so werdet ihr auch
ihrer Freude teilhaftig werden.“ (1.Hi. 297,6) „Wer Mich (aber) neben der
Welt herziehen will, ist Meiner nicht wert! Und ein großer Tor ist, wer Mich
nicht zu seinem allerhöchsten Gute macht.“ (1.Hi. Seite 264,10)
Wie viele andere Interessen
und Wünsche noch Raum in unserem Herzen haben, können wir an unseren Gedanken
und unserem Mund erkennen. Jesus sagt: „Siehe, von was das Herz erfüllt ist,
davon geht der Mund stets über, und die Vögel erkennt man an ihrem Gesange.
Höre dich demnach nur einen ganzen Tag selbst an, was alles aus deinem Munde
zum Vorschein kommt und du wirst daraus gar leicht und klar ersehen, wie viel
des allerwertlosesten Zeuges dein ...Herz voll ist! - Und solange das Herz von
solchem Zeuge nicht gereinigt ist, kann von einer reinen Liebe zu Mir keine Rede
sein!“ (2.Hi. Seite 252,5) Deshalb achten wir darauf, was aus unserem Munde
kommt und achten wir noch mehr auf unsere Gedanken.
Daran, womit sie sich den
ganzen lieben langen Tag beschäftigen, können wir ablesen, was die Liebe
unseres Herzens ist. Ist es die Liebe zu Jesus, oder sind es alle möglichen
anderen Dinge? Jesus sagt: „Sage und melde ihr, daß Ich sehr eifersüchtig
bin und daher ungern sehe, wenn von anderen Dingen als von Mir geplaudert wird.
Ich gleiche einem leidenschaftlichen Liebhaber, der hinter der Türe seiner
Geliebten horcht und lauscht und aus übergroßen Freuden in die wonnigste
Entzückung gerät, so er seine so innigst Geliebte von nichts als von ihm
schwärmen hört; aber auch alsbald traurig wird, sobald seine Geliebte ihr
Gespräch auf andere, nicht auf ihren Geliebten Bezug habende Dinge lenket,
wobei dann der traurige Liebhaber zu denken und bei sich selbst zu sprechen
anfängt: ‚O du meine zu innigst Geliebte, wenn du mich liebst, wie ich dich
liebe, wie können da noch andere Gedanken dir in den Sinn kommen, während ich
doch beständig an dich denke und vor deiner Türe gar ängstlich, um den
baldigsten Einlaß flehend, harre!?’“ (1.Hi Seite 164,6-8)
Jesus senkt den Geist
Seiner Liebe nur dann in unser Herz, wenn wir nichts anderes mehr lieben, als
Ihn. Hat Er aber Seine Liebe in unser Herz gesenkt, dann haben wir die Fülle
des Lebens in uns. Dann sind wir in der wahren Liebe und lieben alles andere mit
Seiner Liebe. Jesus sagt: „Mit der vollen Liebe aber nähert sich der ganze
Mensch Gott stets mehr und mehr, wird vertraulich mit Ihm und sehnt sich nach
Ihm und wird somit stets erfüllter mit dem Geiste Gottes; denn die stets
zunehmende und zutraulicher werdende Liebe zu Gott ist ja eben der wahre und
lebendige Geist Gottes im Menschen und der Geist des ewigen Lebens in der
Seele.
Darum ist denn auch ein
Sünder, der sich aus Liebe zu Gott bekehrt, Gott näher und angenehmer denn
neunundneunzig sehr gottesfürchtige Menschen, die sich noch nie an einem
Gesetze versündigt und somit als Gerechte der Buße niemals bedurft haben.“
(9.GEJ 129,3) Im Matthäusevangelium lesen wir: „Das Himmelreich ist gleich
einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und verbarg. Und vor
Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen
Acker.“ (Matth. 13,44) Jesus ist der verborgene Schatz in unserem
Herzensacker. Lassen wir unsere Freude über den Fund dieses Schatzes so groß
werden, daß wir alles verkaufen, um ihn besitzen zu können, d.h. daß wir alle
anderen Interessen lassen, um allein die Liebe zu Jesus erwecken zu
können.
Jesus sagt: „So du Mich
allein suchest, wirst du Mich auch finden. Und hast du Mich gefunden, dann hast
du alles gefunden. Denn Ich allein bin der größte Schatz aller Schätze und
bin mehr als alle Welten und alle Himmel!“ (1.Hi. Seite 408,4) „Wo dein
Schatz sein wird, da wirst auch du sein mit deinem Herzen, in dem der
Hauptschatz wohnet. Bin Ich dir ein köstlicher Schatz geworden in deinem
Herzen, wahrlich so sollst du Meiner ewig nimmer ledig werden; denn da Ich wohne
in der Liebe, da bin Ich eigentlichst zu Hause und ziehe ewig nimmer aus - aus
solcher Wohnstätte!“ (JJ 247,15-17)
9. Die Übung der
Gottesliebe
Was bei den Verliebten ganz
von selbst geht, daß sich ihre Gedanken nur mit dem Geliebten beschäftigen,
weil sie Gefallen aneinander gefunden haben, das müssen wir mit Jesus ganz
bewußt nachvollziehen und unser Beispiel mit dem „Verliebtwerden“ auf Ihn
anwenden. - Aber wie ist das anzufangen? - Voraussetzung ist, daß wir den
himmlischen Vater Jesus soweit erkannt haben, daß uns Sein Wesen der Liebe,
Demut, Sanftmut und Geduld überaus gut gefällt. Sicherlich gefällt uns unser
himmlischer Vater schon sehr gut, aber unser Gefallen an Ihn, an Seinem Wesen
der Liebe, ist noch nicht zur flammenden Liebe geworden und das aus dem Grunde,
weil uns so manches andere auch noch gefällt. Damit nun unser Gefallen an Jesus
immer stärker wird und unser ganzes Herz in einen Brand der Liebe versetzt,
können wir öfters am Tag die Übung der Liebe durchführen.
Diese Übung besteht in der
stets erneuerten Erweckung der Liebe zu Gott. (1.RB 35,6) Sie ist eine kurze
Gefühlsregung der Liebe zu Jesus und besteht darin, daß wir des himm- lischen
Vaters in Liebe gedenken, indem wir alle unsere Liebesgefühle zusammen- nehmen
und voller Freude und Sehnsucht auf Jesus richten. Diese Liebesregung wird
während des ganzen Tages so oft wie möglich wiederholt, besonders auch vor dem
Einschlafen und sofort nach dem Aufwachen. (1.HG 36,32) Jesus sagt: „Aber es
liegt alles daran, daß ihr euch in euren Herzen bei jeder Gelegenheit Meiner
wohl erinnert. Denn wer sein Herz voll Liebe treugläubig Mir zugewendet hat,
dessen werde auch Ich Mich ganz sicher noch um vieles mehr erinnern.“ (1.Hi.
Seite 293,5-6)
Wenn Jesus sich unser
erinnert, so steckt dahinter mehr als nur ein bloßes Erinnern. Das kommt in dem
Gedicht „Die Träume“ zum Ausdruck: „Wenn ihr oft am Tage Meiner habt
bedenket und alles Tun und Trachten stets zu Mir gelenket, dann wird, wenn Leib
und Seel’ sich hat zur Ruh begeben, dem Geist auf kurze Zeit im Himmel Kost
gegeben.“ (3.Hi. Seite 94) Wenn jetzt jemand fragt: „Ja, wie mache ich es
denn, meine Liebesgefühle zusammennehmen und auf Jesus richten?“ da frage ich
zurück: „Wie machen wir es denn, wenn wir z.B. unsere kleinen Kinder, die wir
ein paar Tage nicht gesehen haben, wieder in Empfang nehmen?“ - Wir nehmen sie
in die Arme und herzen sie.
Wie dabei unsere Freude-
und Liebesgefühle angeregt werden und auf die Kinder ausstrahlen, genauso
sollen wir es bei dieser Übung mit Jesus machen. Und Er hat übergroße Freude
daran und wird jedes Ihn liebende Herz mit Seiner Liebe erfüllen. Er sagt: „Die
sind Mir stets die Liebsten, die von selbst zu Mir kommen, Mich allezeit im
Herzen aufsuchen und Mich dann von ganzem Herzen über alles lieb haben. - Sie
habe aber dann auch Ich über alles lieb und eröffne ihnen alle Schätze Meiner
Himmel!“ (2.Hi. Seite 333,8) Seiner in Liebe gedenken, heißt soviel als: das
Leben in uns aufnehmen; Seiner vergessen aber heißt: das Leben verlieren und
den Tod anziehen. (BM 51,10)
Wie ein Feuer Nahrung
braucht und stets von neuem trockenes Holz auf die Glut gelegt werden muß,
damit es nicht ausgeht, so braucht auch das Feuer der Liebe immer wieder
Nahrung. Die Weltgedanken und die Weltfreuden sind nasses Holz, das niemals
brennt, aber die Freude an Jesus und das Gedenken an Ihn in der Liebe, sind das
trockene Holz für das Feuer der Gottesliebe. Sorgen wir also dafür, daß das
Feuer der Liebe in unserem Herzen entfacht wird und niemals mehr ausgeht.
10. Mit dem Herzen bei
Jesus sein
Noch geht es uns so, wie es
einst Jesus zu jemandem sagte: „Dein Herz denkt an Mich zuletzt. - Wenn du des
Tages Geschäfte beendet hast, da wendest du dich zu Mir, manchmal mehr,
manchmal weniger in die Welt zerstreut. - Am Morgen denkst du wohl an Mich; aber
neben manchen leeren Weltsorgen. - Auch unter tags denkst du an Mich; aber da
sind deine Gedanken nicht selten wie eine gewisse Zuspeis' zum Rindfleische. -
Kurz und gut, ganz wie es sich gebühren möchte, magst du deines Herzens
Gedanken nimmer zu Mir erheben, nie ganz ohne alle Welt!“ (2.Hi. Seite 244,4)
Jetzt wird vielleicht jemand fragen: „Ja, wenn ich ständig an Gott denken
soll, wie kann ich dann noch meine Berufsarbeit ausüben und andere Arbeiten
erledigen, bei denen ich meine Gedanken immer beisammen haben muß?“ - Ja,
dieser Einwand ist berechtigt.
Es kommt während des Tages
oft vor, daß wir abgelenkt werden und es kommt oft vor, daß wir uns zu unserer
Arbeit Gedanken machen müssen, um ein Problem zu lösen und schon sind wir,
ohne es gemerkt zu haben, in Gedanken versunken. Aber sobald es uns bewußt
wird, können wir wieder des himmlischen Vaters in Liebe gedenken. Nun wird
vielleicht jemand des Abends bei sich feststellen, daß er sich des ganzen Tages
nicht ein einziges Mal des himmlischen Vaters erinnert hat. So sollte es
natürlich nicht sein, sondern wir müssen es uns fest vornehmen, immer wieder
Seiner in Liebe zu gedenken. Es ist aber ein Unterschied zwischen den Gedanken
des Kopfes und den Gedanken des Herzens. Das Gedenken an Jesus soll nicht mit
den trockenen Gedanken des Kopfes vorgenommen werden, mit denen wir über
irgendwelche Probleme nachdenken, sondern mit den Gefühlsgedanken der Liebe im
Herzen.
Auch die Verliebten
verrichten schließlich ihre Arbeit und haben ihr Herz dennoch ständig bei der
oder dem Geliebten und müssen immer wieder an sie denken, während ihnen alles
andere nicht mehr so wichtig ist. Auch können und sollen wir unsere Arbeiten,
selbst die unbedeutendsten, ganz bewußt aus Liebe zu Jesus verrichten. Dadurch
verrichten wir jede Arbeit mit Ihm und werden durch sie immer wieder an Ihn
erinnert. Jesus sagt: „Wer mit seinem Herzen bei Mir ist, der kann mit seinen
Gliedern unbeirrt sein nötiges Tagewerk verrichten, wie er mag und kann, und
wie es sein Gewerbe erfordert, und er widmet Mir dennoch die vollste und wahrste
Aufmerksamkeit; jede andere aber hat vor Mir ohnehin keinen Wert.“ (6.GEJ
60,2)
„Siehe,“ sagte einmal
der himmlische Vater zu Anselm Hüttenbrenner, „du hast wohl einen recht
festen Glauben; aber deine Liebe in deinem Herzen ist noch bei weitem nicht so
fest wie dein Glaube – und das darum, weil du noch stets deine Liebe an Meine
sichtbare Persönlichkeit hängst und suchest Mich irgend zu vernehmen und zu
erschauen. Und erst so du Mich irgend erschautest oder wenigstens vernähmest,
da würde dann auch dein Herz für Mich vollkräftig entflammen. Und siehe,
gerade also steht es auch mit deiner Familie! Ihr liebt alle den Christus, der
einst lehrte auf der Welt oder der da wiederkommen möchte, zu richten die Welt
– also den vergangenen oder den zukünftigen Christus liebet ihr nur! Aber das
ist gefehlt!
Denn bei solcher Verfassung
kann Ich Mich euch nicht nahen als euer Vater in der Gegenwart, sondern nur als
der der Vergangenheit oder der der Zukunft, und kann euch nicht kräftigen, weil
ihr Mich nur in eurer Erinnerung ehret, aber nicht in eurem Herzen lebendig
liebet! Wie aber die Erinnerung ihre Gegenstände bald recht lebhaft erfaßt und
bald wieder ganz fallen läßt, also ist es auch bei euch mit Mir der Fall! –
Leset ihr gerade etwas Erbauliches von Mir, dann seid ihr wie voll Liebe zu Mir
– aber das ist nicht Liebe, sondern nur eine zeitweilige Aufregung eures
Erinnerungsvermögens. – Sobald ihr euch umkehret und etwas anderes erschauet,
da schließt sich eure Erinnerungskammer im Kopfe, und Ich bin draußen, als
wäre Ich kaum je darin gewesen.
Ihr könnt dann Visiten
machen, mit der Welt verkehren, euch belustigen mit weltlichen Dingen, allerlei
Zeug plaudern, euren Leib zierlich bekleiden. Und so irgendein Freund oder eine
Freundin euch besucht, da könnet ihr mehr Freude haben, als je irgend in der
kurz dauernden Erinnerung an Mich! Denn an alledem hindert euch der vergangene
wie der zukünftige Christus nicht, der wohl in euerer Erinnerung, aber nicht in
euren Herzen wohnet! – Ich aber sage dir und deiner Familie und euch allen:
Der vergangene und der zukünftige Christus wird euch wenig nützen, so ihr
nicht den gegenwärtigen lebendig in euren Herzen traget! So Ich Meinen Knecht
heute von euch nehme, durch den Ich euch bereits vier Jahre lang tagtäglich
Erfrischungen zusende und euch so nur ein bißchen von der Weltfreundlichkeit
heimsuchen lasse – da werdet ihr Mich nach und nach so schön unvermerkt aus
eurer Erinnerung spielen, daß dieser Erinnerung kleine Fünklein euer Herz kaum
mehr auf Augenblicke für Mich entzünden werden.
Ihr freuet euch nun wohl
allezeit, wenn ihr von Mir etwas vernehmet. Aber eure Freude ist nicht bleibend,
weil sie mit eurer Erinnerung gleichen Schritt geht. Und ihr freut euch dann
bald darnach auf irgendein vorhabendes weltliches Vergnügen mehr als auf Mich
und machet Pläne, was ihr tun werdet, ohne zu bedenken, daß ihr ohne Mich nie
etwas tun könnet und noch viel weniger tun sollet. Und so Ich euch daran
hindern möchte, dann könnet ihr darob sogar traurig werden und sagen: Aber
dürfen wir denn gar keine Freude haben?! Ich aber sage: Ihr sollet ja Freude
haben, und nimmer soll die Freude von euch genommen werden – aber Ich sollte
stets eure größte Freude sein! Fraget euch selbst: Was bietet euch wohl eure
eigengemachte Freude? Wie lange dauert sie? – Wenige Stunden habt ihr wieder
unnütz mit der dummen Welt vergeudet, dumm verplaudert und verlacht. Dann steht
ihr wieder am alten Flecke!
Und nur Meiner endlosen
Liebe und Geduld habt ihr es zu verdanken, daß ihr nach einer jeden weltlichen
Freude nicht zurück, also dem Tode näher gekommen seid! Bei solchen
Verhältnissen ist von einem merklichen Fortschritte zu Mir noch lange keine
Rede, und Ich bleibe stets noch euer „vergangener“ oder „zukünftiger“
Christus. Ich aber sage dir dies alles gerade an diesem deinem Tage, auf daß du
mit deinem ganzen Hause für die Zukunft Mir näher kommen mögest, als das bis
jetzt der Fall war!
Du kennst die Wege zu Mir.
Willst du aus dem vergangenen oder zukünftigen Christus dir einen
gegenwärtigen, lebendigen Christus bereiten, so mußt du vollernstlich auf
diesen Wegen wandeln und dein Haus mit dir! – So wirst du Mich von deiner
Erinnerung in dein Herz bringen und wirst dann erst jene Freude überkommen, die
dir keine Welt und keine Ewigkeit mehr wird nehmen können auch nur auf einen
allerkürzesten Augenblick! Diese endlose Freude aber wirst du nicht eher
überkommen, als bis du mit Paulus wirst sagen können: „Nun lebe nicht mehr
ich, sondern Christus lebet in mir!“ Siehe, alle Welt ist Mein Feind; wie aber
kann jemand sagen, daß er Mich liebe, so er andererseits dennoch der Welt die
Hand zum Gruße bietet?! (2.Hi Seite 265,3-267,18)
11. Sich nicht der Welt
entziehen
Manche sind jetzt
vielleicht der Meinung: „Wenn wir das alles einhalten sollen, was hier gesagt
wird, da wäre es am besten, wenn wir in ein Kloster gingen; in der Welt kann
das alles nicht praktiziert werden!“ - Doch Jesus sagt darauf: „Ich rufe
nicht und sage: ‘Setzet euch gänzlich außer allen zu eurer zeitlichen
Existenz notwendigen Verkehr mit der Welt!’; denn dergleichen habe Ich ja
Selbst nicht getan, als Ich auf der Welt war. Ich Selbst habe in der Welt
gearbeitet und habe der Welt gar viele und gute Dienste mit Meinen eigenen
Händen getan. Und so sage Ich zu euch niemals: ‘Habet mit der Welt vollkommen
nichts zu tun!’; aber das sage Ich euch: Den Stein, ja den schweren Stein
hebet hinweg von eurem Lazarusgrabe, und ihr sollet alsbald in euch der
Herrlichkeit Gottes gewahr werden!“ (Schr. 16,9-10) -
Das heißt: Wir brauchen
nur den Stein der Welt und des Verstandes von unserem Herzen wegzunehmen, damit
der Ruf Jesu hineindringen und Er es zur Liebe erwecken kann. Das zeichnet die
wahren Gotteskinder aus: Sie haben nur das eine Hauptinteresse, nämlich Jesus
zu lieben und Seinen Willen zu erfüllen; alles andere ist ihnen nicht mehr so
wichtig. Bei den Weltmenschen ist es umgekehrt. Jesus sagt: „Die Menschen
mögen um eine Handvoll Erde Meiner vergessen, und Mich viel geringer achten als
alles andere, was sie umgibt. Denn wenn es nicht also wäre, wie könnte da so
mancher den ganzen Tag hin mit aller seiner Anstrengung fürs Zeitliche sorgen
und Mir dabei in einem Tage kaum eine erbärmliche Viertelstunde widmen!?“ (NS
20,22)
12. Den allerbesten Teil
erwählen
Viele machen sich auf, die
Welt zu verbessern, andere, den wahren Glauben zu verkündigen, und wieder
andere versuchen, die Menschen zu ändern. Soweit das aus Nächstenliebe
geschieht, ist das ja auch gut und soll auch so sein. Aber darüber hinaus
können wir uns noch einen besseren Teil erwählen. Es ist sogar der allerbeste
Teil, den wir erwählen können und das ist, eine Brautseele Jesu zu sein, denn
Jesus sehnt Sich nach Bräuten, die Ihn über alles lieben. Von ihnen kann viel
mehr zur Veränderung zum Guten ausgehen, als von anderen Menschen.
Deswegen sagt Jesus: „Lasset
die Welt sein, was sie ist, denn Ich bin mehr denn alle Welt! - Lasset die
Herrscher sein, was sie sind, denn Ich bin mehr als alle Herrscher! - Lasset die
Dirnen sein, wie sie sind, voll Untreue in ihren Herzen, denn Meine Liebe ist
sanfter, treuer und zarter denn die aller der weltsüchtigen, wertlosen Mädchen
und Buhldirnen... Lasset die Weltgelehrten sein was sie sind, denn Meine Gnade
wiegt wohl unendlichmal zahllose Gelehrte auf! - Lasset die äußere Kirche sein
wie sie ist... Ich stehe höher und tiefer denn jede Kirche! ...Und so
dergleichen mehreres vermeidet aus Liebe zu Mir - und haltet Mich wie einen
guten Freund, der sich zu früh entfernen will. -
Wenn der Forteilende sieht,
wie seine Geliebte ihn umklammert, da kehrt er wieder um und verläßt nicht
eher das Haus, als bis er die Braut völlig gewonnen hat!“ (1.Hi. Seite
297,7-298,9) Die um das leibliche Wohl der Gäste besorgte Martha beschwerte
sich bei Jesus über ihre müßige Schwester, damit sie ihr helfen solle. Diese
aber saß zu Jesu Füßen und lauschte Seinen Worten. Martha aber hatte sich
wegen der Bewirtung unnötige Sorgen gemacht und war in eine innere Unruhe
geraten. Deshalb sprach Jesus zu ihr: „Martha, Martha, du machst dir Sorge und
Unruhe um vieles; eins aber ist not. Maria hat den guten Teil erwählt; das soll
nicht von ihr genommen werden.“ (Luk. 10,40-42) - „Nur eines tut not“,
sagt Jesus nun zu uns, „und dieses ist die wahre Liebe zu Mir! Alles andere
gehört der Welt an und ist ein eitel nichtiges Zeug!“ (2.Hi. Seite 63,5) Von
der kleinen Jarah sagte Jesus: „Sie hat sich schon den allerbesten Teil
erwählt! Ich sage es dir und euch allen: Wer nicht zu Mir kommt wie dies
Mägdlein, wird den Weg ins Reich Gottes nicht finden! Dieses aber hat ihn
bereits gefunden! Mit Liebe, und das mit heißester Liebe, müßt ihr zu Mir
kommen, so ihr das ewige Leben ernten wollet!“ (2.GEJ 112,9)
13. Ist es schwer, Jesus
zu lieben?
„Ja“, wird mancher
sagen, „wie schwer ist es doch, die heiße Liebe zu Jesus erwecken zu können!“
- Aber Jesus sagt: „Ist es denn (wirklich) gar so schwer, Den zu lieben, der
die ewige Liebe Selbst ist, und ist es wohl schwer, zu lieben den eigenen
Bruder? - O fürwahr, nichts ist leichter als das! Nehmet nur die Welt diese
alte Pest des Geistes, aus eurer Brust, und ihr werdet erfahren, wie süß und
leicht es ist, zu lieben die ewige Liebe und zu lieben den Bruder! Aber schwer
freilich wohl ist es, zu lieben die ewige Liebe und den Bruder, wenn das Herz
voll ist der Welt, voll der Weltrechnungen, voll des Geldes, voll der
Spekulation und voll der höllischen Mathematik die da auf ein Haar zu berechnen
versteht, was ein Groschen auf dem Wege des Wuchers in einem Jahre für Prozente
abwerfen muß.“ (Schr. 4,19-20)
In der „Haushaltung
Gottes“ wird uns geschildert, wie dem Kisehel die Herzen seiner Brüder
eröffnet wurden, die der Fleischeslust verfallen waren. Da sah er, wie eine
Menge nackter Dirnen die Gemächer ihrer Seelenherzen bewohnte, die der Liebe zu
Gott allein geweiht sein sollten. (1.GEJ 16,4) Er sah, wie sich der Geist seiner
Brüder an ihrem Anblick weidete und in ihrem Fleische herumwühlte. (2.HG
182,5) Wenn das Herz der Welt voll ist, dann hat darin die Liebe zu Jesus keinen
Platz und dann ist es schwer, Jesus mit heißer Liebe zu lieben. Ja es brauchen
nicht einmal solche Weltfelsbrocken zu sein, wie sie hier beschrieben sind, auch
die kleinen Steine der Welt genügen, daß sich das Herz nicht hinreichend zu
Gott erheben kann.
„Es gibt viele
Dinge,“ sagt Thomas von Kempen, „die an und für sich nicht schlecht sind,
aber weil sie die Stelle von Gott einnehmen, führen sie ins Verderben.“ „Denke
dir (also) ja nicht,“ sagt Jesus, „daß es etwa doch recht schwer sein
sollte, Mich zu finden und zu Mir zu kommen! - Siehe, so du irgend gehest, da
führe Ich dich an Meiner Hand! So du schläfst, da halte Ich getreue Wache an
deinem Bette! So du issest, da segne Ich dir jeden Löffel voll Speise, die du
zu deinem Munde führest! Ich gehe mit dir in das Bethaus! - Ja, denke dir, so
du deine Hühner und Küchlein fütterst, bin Ich bei dir und helfe dir, dein
Geschäftchen segnend! - Wenn du am Klaviere sitzest und dich übest, bin Ich an
deiner Seite! Nur so du irgendwann möchtest Tänze dir vorspielen, dann
freilich wäre Ich wehmütig hinter dir. Und wenn du möchtest der weltlichen
Dinge gedenken, da freilich auch wäre Ich hinter dir wie trauernd.
Und wann du möchtest
zeigen ein eigensinniges Herz und möchtest dich erheben über jemand andern -
siehe, da freilich wäre Ich auch hinter dir wie weinend. Sonst aber bin Ich ja
immer bei dir! - Siehe nun, wie leicht ist es, zu Dem zu kommen und Den zu
finden, der dir mit aller Seiner Liebe stets überaus gegenwärtig ist! (2.Hi.
Seite 25,5-9) „Da es aber also ist, ein wie großer Tor ist denn hernach
derjenige, der solches vernimmt aus Meinem Munde und dennoch nicht alsbald
eingehet in sich und richtet da in seinem Herzen alsbald ein großes Liebefeuer
an, auf daß es sodann eiligst durchglühe sein ganzes Wesen und es erleuchte
durch und durch, damit er dann in sich finden möchte, welche unendlichen
Schätze Ich da in ihn gelegt habe.“ (2.HG 86,4-6)
14. Die Übung der Ruhe
in Gott
Wer Jesus sucht, der darf
Ihn nur in sich suchen und kann Ihn auch nur in sich finden. Wer das Feuer der
Liebe zu Jesus anzünden möchte, der kann es nur im eigenen Herzen anzünden.
Jesus sagt: „So du mich suchest, da mußt du Mich aber bei dir und nicht bei
andern suchen! Denn kann Der in der Fremde gesucht werden, der da beständig in
dir zuhause ist und deiner harret!? – Wie du dein Leben nicht lebest in einem
fremden Leibe, sondern in deinem eigenen, so mußt du auch Mir in dir zu leben
beginnen und Mich in dir suchen! Da wirst du Mich sicher finden! Denn für dich
lebe Ich nur in dir!“ (1.Hi Seite 408,5) In der Kundgabe „Der kürzeste Weg
zur Wiedergeburt“ hat uns Jesus die Übung der Ruhe in Gott gezeigt, durch die
wir in kurzer Zeit den lebendigen Brand der Liebe in uns entfachen können.
(2.RB 157,7)
Diese zweite Übung geht im
Grunde wie die erste, nur daß sie intensiver ausgeführt wird. Was wir in der
ersten Übung den Tag über zwar oft aber nur kurz ausüben, das wird jetzt
längere Zeit geübt. Es heißt in der Kundgabe: „Dann muß er sich ganz fest
vornehmen, mit der Welt ganz zu brechen, und sich ganz Mir übergeben und in
seiner Liebe eine große Sehnsucht haben nach Mir - und muß in dieser großen
Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und allen Geschäften in ihr
zurückziehen und wenigstens 7 Viertelstunden lang bei verschlossenen Türen und
Fenstern weder beten noch etwas lesen, sondern er muß diese Zeit in der
völligen Ruhe, bloß nur sich in seinem Innersten mit Mir beschäftigend,
zubringen. - Und allzeit aber, sooft sich jemand in diese Ruhe begeben hat, soll
er folgende kleine anregende Rede halten in seinem Herzen an Mich im
allerfestesten Ernste und sagen: ‘Herr! - Hier bin ich. Ich ließ Dich, o
liebevollster heiliger Vater, lange warten, da Du mir schon seit meiner Kindheit
unablässig zugerufen hast: Komm zu Mir, Ich will dich erquicken! -
Nun, o Vater, ist die Zeit
gekommen, daß sich mein Ohr geöffnet und mein sonst starrer Wille ganz in den
Deinigen ergeben hat voll Demut und Gehorsam vor Dir, wie auch nach Deinem
Willen zu allen meinen besseren Brüdern. Daher komme Du, mein allerliebster
Jesus, zu mir und erquicke meine kranke Seele mit dem Balsam Deiner unendlichen
Liebe; laß mich finden meine große Unbild (Unrecht) in Deinem bitteren Leiden
und Sterben; lasse mich sehen die heiligen fünf Wundmale und erkennen darinnen
meine große Missetat! O Jesus, Du Überwinder des Todes und der Hölle, komme
zu mir und lehre mich Deinen Willen erst recht verstehen; lehre mich erkennen
mein völliges Nichts und Dein Alles!
O Du mein süßester,
liebevollster Jesus, Du Herr aller Heerscharen, komme zu mir Armem, - komme zu
mir Schwachem, - komme zu mir Blindem, - komme zu mir Taubem, - komme zu mir
Aussätzigem, - komme zu mir Gichtbrüchigem, - komme zu mir Lahmem, - komme zu
mir Krummem, - komme zu mir Besessenem, - ja o mein, mein, mein allerliebster
Jesus! komme, komme, komme zu mir Totem und laß mich nur anrühren Dein heilig
Kleid, so werde ich leben. - Herr, lasse Dir ja nicht Zeit, denn ich habe Deiner
unendlich nötig; ich kann ja nicht mehr ohne Dich sein, da Du mir Alles und
alles andere aus Liebe zu Dir zunichte geworden ist! Ohne Dich kann ich nicht
mehr leben; daher, o mein liebster Jesus, komme alsobald zu mir! - Doch wie
allezeit, so geschehe auch diesmal Dein heiliger Wille Amen. Nach dem begebet
euch zur Ruhe und wachset in der Sehnsucht und Liebe zu Mir.
So ihr das nur eine kurze
Zeit üben werdet, so sage Ich: Ihr werdet bald blitzen und donnern hören; aber
dann erschrecket nicht, und werdet auch nicht ängstlich; denn nun komme zu
jedem Ich erst als Richter unter Sturm, Blitz und Donner, und hernach erst in
sanftem, heiligen Wehen als Vater! Seht, das ist der kürzeste und wirksamste
Weg zur reinen Wiedergeburt, in welcher allein das ewige Leben zu gewinnen ist.
Jeder andere Weg dauert länger und ist unsicherer, da es sehr viele Diebesweg
gibt, allwo hinter dem Straßengebüsche arglistige Diebe, Räuber und Mörder
lauern; wer da nicht wohl gepanzert ist und bewaffnet kreuz und quer, der wird
hart ans Ziel gelangen. - Bedenket wohl, wer Der ist, der euch das sagt!“
(3.Hi. Seite 61,42-63,46+48)
15. Der innere
Widerstand
Wie schwer ist es für
viele, so still da zu sitzen und sich gesammelt zu halten. Da taucht bald einmal
der Wunsch auf, sich mit etwas unterhaltsamerem zu beschäftigen, mit etwas, das
einem Freude macht. Wer solch eine Unlust zur Ruhe in Gott in sich verspürt,
dessen Lust zur Welt ist noch sehr groß. Jesus sagt: „O ja, - ihr leset
fleißig, ihr schreibet auch fleißig, ihr besprechet euch auch gerne von Mir;
aber wenn Ich sage: ‘Widmet Mir an Stelle eurer gewissen Weltgedanken und an
Stelle eurer so manchen Welterheiterungen nur eine volle Stunde am Tage;
heiliget sie dazu, daß ihr euch in derselben mit nichts als nur mit Mir in
euerm Herzen abgebet!’, - oh, da werdet ihr hundert Anstände für einen
finden, und hundert weltliche Gedanken werden sich um einen einzigen schwachen
geistigen wie ein Wirbelwind drehen!
Allerlei weltliche
Rücksichten werdet ihr da zum Vorschein bringen; und wenn sich auch jemand für
eine solche Stunde entschließen möchte, so wird er sich sicher nicht zu sehr
freuen auf dieselbe, sondern wird vielmehr eine kleine unbehagliche Scheu vor
derselben haben und wird dabei fleißig die Minuten auf dem Zifferblatte seiner
Uhr zählen und nicht selten mit Ungeduld auf das Finale des Mir geweihten
Stündleins harren! Und käme da nur irgendein unbedeutendes Weltgeschäftlein
dazwischen, so wird das Stündlein entweder gar kassiert oder wenigstens in eine
solche Periode des Tages versetzt in welcher sich schon gewöhnlich der
wohltätige Schlaf über die Sterblichen senkt, und in welcher... keine
angenehmen Besuche mehr zu erwarten und keine nervenstärkenden Promenaden mehr
zu unternehmen sind. Sehet das alles ist Essig und Galle (für Mich)!
Und es ist in euch dadurch
nicht vollbracht wenn Ich zufolge Meiner unendlichen Liebe alles erdenkliche
tue, um euch auf den rechten Weg des Lebens zu bringen; denn zur Vollbringung in
euch ist (es) nötig, daß ein jeder sich selbst verleugne aus wahrer Liebe zu
Mir, sein Kreuz auf sich nehme und Mir treulich nachfolge. Wer aber tut das? Das
weibliche Geschlecht kann wohl wenn es gut geht den ganzen Tag für den Leib
stechen und heften und kann sich putzen und nicht selten über die Maßen freuen
auf irgendeinen Besuch; aber wenn Ich dazu sagen möchte: ‘Bleibet daheim in
euerm Kämmerlein, und gedenket in euerm Herzen Mein!’, da werden sie traurig,
lassen ihre Gesichter hübsch weit herabhängen und sagen: ‘Aber auf der Welt
haben wir doch nichts Gutes!’ Frage: Ist das nicht Essig und Galle, wie sich’s
gehört?!
Oder halten solche
weiblichen Menschen in ihrem Herzen nicht eine noch so nichtssagende
Welterheiterung höher denn Mich?! Haben solche Menschen auch in sich
vollbracht, wie Ich am Kreuze für sie den großen Kampf vollbracht habe?!“
(Schr. 5,15-20) Etwas anderes wäre es, wenn gerade während der Zeit der Ruhe
in Gott ein armer, in irgendeine Not geratener Mensch zu uns käme und bäte uns
um Hilfe. Da steht dann die Not dieses armen Menschen höher als die Übung der
Ruhe in Gott und da gebietet es die Nächsten- liebe, die Übung zu
unterbrechen, um diesem armen Menschen zu helfen. (4.GEJ 1,13) Wer nun Jesus
schon mehr liebt als alle Weltinteressen und Ihn mehr liebt als allen
Wissensdurst nach geistigen Erkenntnissen, für den ist es nicht schwer, die
Ruhe in Gott zu üben, denn er wird sich nur zu gerne in die Stille seines
Gemütes begeben, um dort Jesus begegnen zu können. (8.GEJ 95,7)
Jesus sagt: „So du... nun
Gott ganz sicher über alles liebst und eben darum auch über alles ehrst, -
wirst du dich da nicht gerne, und das sehr oft, von dem weltlichen
Tagesgeschäft zurückziehen und dich mit dem Gegenstand deiner heißesten Liebe
beschäftigen? Ja, ganz ungezweifelt wahr und sicher! Und siehe, darin besteht
ja auch die wahrste und rechteste und vor Gott allein gültige Feier des
Sabbats, die Moses befohlen hat! Denn an dem Tage selbst liegt wenig oder auch
gar nichts, sondern allein daran, daß du am Tage oder in der Nacht in der Liebe
und Ruhe deines Herzens gern an Gott denkst und dich mit Ihm unterhältst.“
(7.GEJ 28,7)
16. Wann, wie oft und
wie lange soll die Ruhe in Gott geübt werden?
Nicht wer sich am siebten
Tag in der Woche der Arbeit fernhält und den Gottesdienst besucht, erfüllt das
Gebot der Sabbatheiligung, sondern wer täglich die Ruhe in Gott einhält,
insbesondere aber an den arbeitsfreien Tagen, weil wir dann gewöhnlich mehr
Zeit haben. (10.GEJ 63,3) Daher soll niemand meinen, die Ruhe in Gott zu üben
sei nicht notwendig, weil er die Gebote halte und dadurch Gott liebe, denn
gerade mit der Übung der Ruhe in Gott hält er erst das dritte Gebot. Wer die
Ruhe in Gott nicht so übt, wie in dem Gleichnis des Johannes, (2.GS 54) der
letzte der Musikschüler auf seiner Violine übt und sich nicht von anderem
freimacht, damit er jeden Tag mindestens eine Stunde allein mit dem himmlischen
Vater verbringen kann, dessen Liebe zu Ihm ist noch nicht sehr groß. Manch
einer würde ja gerne die Ruhe in Gott einhalten, wenn er nur Zeit dazu hätte.
Vielleicht hat er sich aber
auch, trotz knapper Zeit, schon einige Male die Zeit dazu genommen, aber weil er
gar keine Wirkung dabei gespürt hat, ist er zu der Überzeugung gekommen, das
sei eine verlorene Zeit. Man sitze nur herum, sei untätig und könne die Zeit
nützlicher verbringen. Aber da sagt Jesus: „Die wahre, innere Gemütsruhe ist
für jeden Menschen das notwendigste geistige Element, ohne das er nichts
wahrhaft Inneres und geistig Großes zu fassen vermag...
Es ist aber solch eine
Ruhe, in der dem Leibe und seinen Gliedern die Tätigkeit vorenthalten wird,
dennoch keine Ruhe, sondern vielmehr eine innere große Tätigkeit der Seele...
(die) darin (besteht), sich mit ihrem Geiste, den sie wahrzunehmen angefangen
hat, mehr und mehr zu einen. ...Nach fortgesetzter und täglich einmal
vorgenommener solcher innerer Ruhe, oder besser Seelentätigkeit, wirst du erst
zu fühlen anfangen, welch einen großen wahren Lebensnutzen du daraus gewonnen
hast.“ (5.GEJ 218,1-2) Andere sind wieder der Meinung, daß sie die Zeit, die
ihnen am Tag noch übrig bleibt, für ihre Erholung brauchen.
Doch Jesus sagt: „Daher
bemühet euch, aus euren Erholungsstunden in stiller Ruhe und Zurückgezogenheit
eures Gemütes Mir geweihte Stunden zu machen - so könnet ihr früh erfahren,
wie überaus gut und voll Liebe Ich, euer Vater, bin. Und wahrlich, in einer
Minute möchte Ich euch da mehr geben, denn alle Welt in tausend Jahren. So euch
aber eure Erholungsstunden zu was anderem dienen, so werdet ihr auch ebenso
sicher erfahren, wie fremd, unerforschlich und unerbittlich Ich jenen zu bleiben
pflege, die den Unrat der Welt und allen Trug des Satans Mir vorziehen.
Schließlich denket wohl
gar sehr darüber nach, von Wem diese Worte zu euch kommen! Machet euch
frühzeitig bekannt mit Mir!“ (1.Hi. Seite 295,19-21) Nun hat sich jemand
vorgenommen, die Ruhe in Gott einzuhalten und fragt sich, wie lange er denn nun
üben soll? - Da kann ihm, falls er noch nie die innere Gemütsruhe geübt und
auch noch nie meditiert hat, empfohlen werden, am Anfang nur wenige Minuten zu
üben und diese Zeit täglich etwas zu steigern. Denn sobald sich jemand in die
Stille begibt, können verdrängte ungelöste Probleme oder nicht überwundene
seelische Verletzungen, falls solche vorliegen, plötzlich heftig aus dem
Unterbewußtsein, oder besser gesagt, aus der Tiefe des Herzens hervorbrechen
und an die Oberfläche kommen. Diese müssen dann zuerst verarbeitet werden,
bevor die Zeit weiter gesteigert werden kann. Wieviel Zeit sollen wir nun pro
Tag für die Ruhe in Gott verwenden? - Jesus hat uns gesagt, daß eine
Viertelstunde am Tag zu wenig ist.
Eine Stunde täglich sollte
es wohl mindestens sein. Wer es aber mit der Liebe zu Jesus und mit seiner
geistigen Wiedergeburt ganz ernst nehmen will und er sich die Zeit dazu nehmen
kann, der versenke sich täglich sieben Viertelstunden in die Liebe zu Jesus.
Diese Zeit kann pro Tag aber auch aufgeteilt werden. Jesus Selbst verwendete
täglich eine Zeit von drei Stunden für die Ruhe in Gott. (Schr. 8,14) Nun
könnte vielleicht noch die Frage gestellt werden, welches die geeignetste
Tageszeit ist, in der wir uns in die Ruhe in Gott begeben sollen? - Jesus sagt
darauf: „Ich bin stets zu Hause, gehe niemals aus, und habe nicht nur gewisse
Stunden oder Zeiten bestimmt, in welchen man zu Mir kommen kann wie zu den
Königen der Erde und allen Großen der Welt. Also nicht nur am Sabbate oder
Feiertage, sondern zu jeder Minute ist Mir ein liebendes Herz angenehm, und in
der Nacht selbst habe Ich noch nie vor jemandem die Türe verriegelt; wann immer
ihr also klopfen werdet, will Ich ‘Herein!’ sagen.“ (1.HG 3,16)
17. Der Kampf gegen die
zahllosen Gedanken
Nun hat jemand schon öfter
die Ruhe in Gott geübt und sagt: „Ich kann meine Gedanken nicht zum schweigen
bringen. Immer wieder kommen mir irgendwelche Gedanken, und bis ich gemerkt
habe, daß ich mit meinen Gedanken woanders, aber nur nicht bei Jesus bin, ist
schon wieder viel Zeit vergangen.“ - Darauf kann ihm geantwortet werden, daß
dies wohl allen gleich geht. Jedesmal, wenn wir uns in die Ruhe in Gott begeben,
beginnt der Kampf gegen die zahllosen Gedanken, die uns zerstreuen.
Ein sich schnell drehendes
Rad kann nicht mit einem Ruck angehalten werden. Selbst wenn es abgebremst wird,
braucht es seine Zeit, bis es still steht. So ist es auch mit unseren Gedanken,
sie können nur langsam zur Ruhe gebracht werden. Auch ein Geübter braucht
jedesmal eine gewisse Zeit dazu. Beherrschen wir unsere Gedanken auch nicht
gleich, so sollten wir deshalb aber doch nicht aufgeben, sondern es immer wieder
neu versuchen und geduldig auf Gottes Wirken warten. - „Die Übung in allem
aber macht erst den Meister,“ sagt Raphael, „durch eine zu geringe Übung
aber bleibt der Mensch ein ewiger Stümper und kann zu nichts Großem und
Außerordent- lichem verwendet werden.“ (10.GEJ 17,10)
Wo unser Herz ist, da sind
auch unsere Gedanken. Sorgen, Interessen und Wünsche, welche die störenden
Gedanken verursachen, müssen uns einerlei werden. Tauchen diese Gedanken auf
und werden uns bewußt, müssen wir sofort unser ganzes Verlangen wieder auf
Jesus richten. Indem wir uns in liebender Sehnsucht Jesus zuwenden, werden die
störenden Gedanken vertrieben. Wächst aber unsere Demut vor Gott, dann wird
auch unsere Liebe stärker, und solch eine demütige Liebe kann nicht mehr
anders, als nur an den zu denken, der ihr so überaus kostbar geworden ist.
Jesus sagt: „Die Demut ist die Hauptnahrung der Liebe. Die Liebe wird dadurch
mächtiger und kräftiger zu dem, vor dem sie ihren großen Unwert fühlt! Und
je unwürdiger sie sich fühlt, desto größer wird ihr Zug zu ihm, weil ihre
Achtung in dem Grade wächst, als sie in ihrem eigenen Werte sinkt. Solche Liebe
denkt dann nur an den, den sie als ihr höchstes Gut allerhöchst achtet.“
(Schr. 31,11)
18. Die Gefahren bei der
Durchführung der Übung
Die Übung der Ruhe in Gott
ist, wenn man sich genau an die Anweisung hält, völlig ungefährlich. Faßt
man jedoch einiges von der Anweisung falsch auf und übt dadurch auf falsche
Weise, so bleibt der ersehnte Erfolg aus und man kann sogar in große
Schwierigkeiten geraten. Ein Geistesfreund nahm es sehr ernst und übte zwei
Stunden am Tag.
Weil nun der Geistfunke der
Liebe im Herzen wohnt und weil Jesus sagte, daß wir Ihn im Herzen aufsuchen und
uns in unserem Innersten mit Ihm beschäftigen sollen, so konzentrierte er sich
während der Übung auf sein Herz. Nach Jahren des Übens berichtete er, daß
nun in der Zeit der Ruhe sein Herz zu brennen anfange. Nach weiterer längerer
Übungszeit mußte er sich der warmen Kleidungsstücke entledigen, denn das
Brennen wurde stärker und gab ihm eine große Hitze. Als die Hitze
unerträglich wurde, mußte er schließlich mit dem Üben aufhören. Er glaubte
auf dem richtigen Weg zu sein, weil er das Wort „brennen“ wörtlich nahm,
obwohl es nur die übergroße Liebe und Freude versinnbildlicht.
Gopi Krishna, ein Inder,
hatte keinen Lehrer, der ihm das Meditieren beibrachte. Er hatte von der
Meditation gehört und gelesen und faßte den Entschluß, diese zu üben. Er
setzte sich jeden Morgen vor seiner Arbeit hin und konzentrierte sich dabei auf
sein Gehirn. Nach Jahren der Übung war es dann soweit, daß er ein helles Licht
aufflammen sah. Aber dieses Licht erwies sich nicht als wohltuend und
beseligend, sondern bereitete ihm große Qual. Es verursachte ihm schwerste
Störungen, bis ihm nach langem Suchen ein in Yoga erfahrener Mann helfen
konnte. Was haben nun diese beiden, die so intensiv ihre Übung durchführten,
falsch gemacht? - Sie verstanden die Worte „sich nach innen wenden“
räumlich anstatt geistig und richteten ihre Aufmerksamkeit auf Teile ihres
Körpers.
Auch der Ausspruch „Das
Herz zu Gott emporheben“, bedeutet nicht, daß wir es in unserer Vorstellung
über alle Sterne hinaus emporheben sollen. Das Mißverstehen solcher Worte hat
schon manchen, die sich auf den Weg zur Innerlichkeit begeben haben, viel Irrtum
und Selbsttäuschung eingebracht. (WdN 51,2) Worauf sollen wir denn nun unsere
Aufmerksamkeit richten? - Wenn wir in Gedanken versunken sind, richten wir
unsere Aufmerksamkeit weder auf das Herz, noch auf das Gehirn noch räumlich
sonst wohin, sondern auf das Problem, worüber wir nachdenken wollen. Genauso
machen wir es auch bei der Ruhe in Gott. Wir richten unsere Aufmerksamkeit mit
aller Sehnsucht und Liebe auf Jesus und das ist geistig. Sind wir aber im
Geiste, so sind wir in unserer Vorstellung körperlich und räumlich
nirgendwo.
19. Nur einen Gedanken
unverwandt betrachten
Manche Menschen üben sehr
ernsthaft. Sie wiederholen eine ganze Stunde lang entweder leise mit dem Munde
oder in Gedanken immer wieder den Namen „Jesus Christus“. Da kann man sich
fragen, ob durch die ständige Wiederholung Seines Namens die Liebe zu Jesus
geweckt wird oder ob das nicht mit der Zeit in ein Herunterleiern übergeht?
Hätten wir wohl Freude daran, wenn unsere Braut ständig unseren Namen
wiederholen würde? Und doch könnte ein Ratschlag von Johannes, den er in der
„Geistigen Sonne“ an uns richtet, so aufgefaßt werden, als sollten wir den
Namen Jesu in unserem Herzen ständig aussprechen. Er sagt: Es „genügt zur
Erweckung unserer Liebe zu Jesu ja doch sicher schon ein einziger Gedanke - nur
Sein Name (oder „Vater“ 2.GS 50,17) in unseren Herzen ausgesprochen sollte
ewig genug sein, um in aller Liebe für Ihn zu erbrennen!
Daher sprechet auch ihr in
euren Herzen diesen Namen würdig aus, und ihr werdet es selbst erschauen, in
welcher Fülle das Feuer der Liebe aus euren Herzen hervorbrechen wird.“ (2.GS
13,16) Wenn Johannes sagt, daß wir den Namen Jesu in unserem Herzen aussprechen
sollen, so meint er aber nicht, daß wir ihn ständig wiederholen, sondern daß
wir, wenn wir Seiner gedenken, auch Seinen Namen im Herzen voller Liebe
aussprechen sollen. An einer anderen Stelle desselben Bandes gibt uns Johannes
eine Anweisung, wie die Ruhe in Gott am besten durchgeführt werden kann. Aber
auch da wird der Name Jesu nicht ständig wiederholt, sondern im Geiste
festgehalten und unverwandt betrachtet.
Er sagt: „Also muß ja
notwendig ein jeder, der in das Leben seines Geistes eingehen will, sich
tagtäglich auf eine Zeitlang in die vollkommene Ruhe seines Geistes begeben und
muß in dieser nicht etwa mit allerlei Gedanken umherschweifen, sondern er muß
einen Gedanken nur fassen und diesen als ein bestimmtes Objekt unverwandt
betrachten. Der beste Gedanke ist hier freilich der Herr. Und wenn jemand
solches mit Eifer und aller möglichen Selbstverleugnung fort und fort tun wird,
so wird dadurch die Sehe wie das Gehör seines Geistes stets mehr und mehr an
innerer Schärfe gewinnen.“ (2.GS 44,16-17)
20. Die Wahrnehmungen
beim Üben
Es wird sich durch die
Übung der Ruhe in Gott unsere geistige Sehe und das Gehör schärfen. Da
geschieht es bei manchen, daß sie schon nach kurzer Übungszeit Licht, Musik
oder angenehme Düfte wahrnehmen. Auf solche Wirkungen sollten wir keinen
großen Wert legen und sie unbeachtet lassen, denn es geht in dieser Übung um
die Erweckung der Gottesliebe und das ist mehr als Licht, Musik und angenehme
Düfte. Sind sie da, so lassen wir es gut sein, sind sie nicht da, so lassen wir
es auch gut sein. Auch Visionen und Stimmen können wahrgenommen werden. Diese
müssen geprüft werden, ob sie von Gott kommen. Visionen sind am Anfang nur
Bilder aus der eigenen Seele, gleich den Bildern in einem Traume. Erst nach
längerem geistigem Fortschreiten werden auch höhere Schaugrade erreicht.
(8.GEJ 135-136) Das gilt auch für Stimmen, die gehört werden können. Diese
können entweder im Herzen oder wie von außen kommend wahrgenommen
werden.
Die Stimme Jesu, die Stimme
der Engel und die Stimme des eigenen Geistes werden ganz leise als Gedanken des
Herzens wahrgenommen. (4.GEJ 23,9-10) Die Gefahr bei geistigen Übungen wie
Stille oder Meditation ist die, daß sich der Mensch für die jenseitigen
Einflüsse öffnet. Da ist der Mensch dann von Geistern umgeben, deren geistiger
Entwicklungstand dem seinen entspricht. Viele dieser Geister möchten sich
mitteilen, und manche reden dann, ohne einen Auftrag von Gott zu haben, in der
Weise, als wären sie eine bekannte religiöse Persönlichkeit oder Jesus
Selbst. Erst bei wem die Liebe zu Jesus dauerhaft zu einem Brand entzündet ist,
bei dem ist es wirklich Jesus, der zu ihm spricht. Wir müssen uns immer bewußt
sein, daß es nicht unser Ziel ist, besondere Gaben zu bekommen, sondern
fortzuschreiten in der Liebe, Demut, Sanftmut und Geduld. Sind wir in diesen
Eigenschaften fest geworden, dann wird auch die Gabe echt sein, die wir dann
bekommen. - Nach einer Gabe aber sollen wir streben, welche die größte Gabe
ist, die Jesus uns geben kann – nach Seiner Liebe.
21. Die Entzündungszeit
Wann aber ist es soweit,
daß die Liebe zu Jesus, unserem himmlischen Vater, sich zu einem Brand
entzünden kann? - Wenn jemand schon längere Zeit die Ruhe in Gott in richtiger
Weise geübt hat, wird in seinem Herzen die innere Freude und Liebe wachsen und
er wird sich immer leichter und fröhlicher fühlen. Da wird es dann eines Tages
geschehen, daß die Freude und Liebe so überschäumend wird, daß er die ganze
Welt umfassen könnte. Da hat seine Hingebung an Jesus Frucht getragen, denn in
dem Maße, wie unsere Sehnsucht nach Ihm über allem steht, gibt Er uns Seine
Liebe zum Geschenk. Der Vater sagt: „Wenn ihr aber gewahren werdet, daß es da
in eurem Herzen heißer und heißer wird, dann achtet auf euer Herz; denn dann
ist die Entzündungs- und Lichtzeit auch schon da.
Und so dann eure Herzen
alle erbrennen werden zu Gott, dem allerheiligsten, liebevollsten Vater, da
schauet in euch, und ihr werdet die Wunder des ewigen Lebens in euch erschauen!“
(2.HG 56,12) „Solche ewige Liebe ist erst das lichte Wachwerden des ewigen
Geistes, der da selbst nichts als pur Liebe ist.“ (2.HG 56,14) Wenn der ewige
Geist im Menschen seine Fesseln sprengt und in den ganzen Menschen übergeht,
dann ist es soweit, daß die Liebe zu Jesus sich zu einem Brand entzündet. Was
wir dazu tun können und müssen, davon ist bereits im Vorhergehenden die Rede
gewesen*. *Ebenso unter den Titeln „Wer sich selbst verleugnet, überwindet
die Welt“ und „Das Größte ist die Demut“.
22. Die Trockenheit
Nun hat jemand schon
längere Zeit die Ruhe in Gott geübt, da empfindet er in seinem Herzen auf
einmal eine überschäumende Freude und eine Liebe, mit der er die ganze Welt
umfassen könnte. Da hat seine Hingebung an Jesus Frucht getragen, denn in dem
Maße, wie unsere Sehnsucht nach Ihm über allem steht, gibt Er uns Seine Liebe
zum Geschenk. Aber noch kann der Übende die Liebe nicht ständig in seinem
Herzen erhalten, und nach einer gewissen Zeit ist die große Freude und heiße
Liebe wieder verschwunden. Da empfindet er seinen alten Zustand als eine
Trockenheit, deren Ursache im Nachlassen des Verlangens nach Gott liegt, weil
die weltlichen Interessen und Wünsche, wenn vielleicht auch nur wenige, wieder
sein Herz erfüllen.
Jesus sagt: „Ich aber bin
ein gar allwissender Bräutigam! - Daher sehe Ich es auch genau, wie jemandes
Herz bestellet ist! Und Ich sage daher: Wer zu Mir kommen will Meiner Selbst
willen, der komme, und er wird sogleich die ewige Aufnahme finden. Aber ein
jeder prüfe sein Herz genau! Denn solange nur noch ein Fünklein fremder Liebe
darinnen hauset, werde Ich nicht einziehen und Mich völlig finden lassen!“
(2.Hi. Seite 181,11) Fängt er aber wieder an, sich Jesus zuzuwenden und steht
geduldig diese Trockenheit durch, so wird er den göttlichen Trost wieder
finden. Wenn nun sein Sehnen nach Jesus wieder stärker wird, so kann er eine
Beklemmung seines Herzens empfinden, die sich wie durch eine innere
Zusammenschnürung seiner Brust kund gibt. (3.Hi. Seite 14,17) Dieser
demütigende Schmerz ist das Erschrecken der Seele, die nun in sich die große
Zahl ihrer Sünden wahrgenommen hat.
Das ist dann ein Zeichen,
nicht nachzulassen in dem Bestreben, Jesus über alles zu lieben. Da erwacht
dann die Liebe wieder und erfüllt die ganze Seele. Göttliche Tröstungen,
Zeiten der Trockenheit und der Beklemmung des Herzens wechseln einander so lange
ab, bis es keinen Rückfall zur Welt mehr gibt und die Liebe fest geworden ist.
Der Vater sagt: „Aber solches merket euch gar wohl hinzu, daß… eure Liebe
nicht also sich gestalte, als möchte sie nur dauern von heute bis morgen; denn
mit einer sich nur zeitlich gestaltenden Liebe ist ja nicht einmal das schwache
Weib zufrieden, geschweige erst der ewige Gott! Ist aber die Liebe für ewig
gestaltet, so ist auch das Leben gleich ihr; und sehet, solche ewige Liebe ist
erst das lichte Wachwerden des ewigen Geistes, der da selbst nichts als pur
Liebe ist.“ (2.HG 56,13)
23. Der eifersüchtige
Liebhaber
Ist Jesus uns durch Seine
Liebe schon sehr nahe gewesen, und werden wir Ihm dann wieder untreu, so kränkt
und schmerzt Ihn das außerordentlich. Denn es ist ein Unterschied, ob Jesus
Seine Liebe schon in uns hineingelegt und wir sie schon empfunden hatten oder ob
das noch nicht der Fall war. „Ich sage dir,“ sagt Jesus, „daß Ich ganz
außerordentlich eifersüchtig bin und Mich von niemandem etwas mehr kränkt,
als so die Meinen Mir dann und wann ein wenig untreu werden! Siehe, wer Mich
liebt, der muß Mich ganz lieben! - Wenn sich die Meinen irgendeiner
Weltbelustigung manchmal mehr freuen denn Meiner Liebe, siehe, das kränket Mich
schon!
Denn Ich bin ein Todfeind
von aller Weltkoketterie! Glaube es Mir, ganz kleine Seitenblicke von denen, die
Ich zu den Meinigen aufgenommen habe, bereiten Mir schon einen Schmerz! - Willst
du Mich so recht kennen, da stelle dir so einen recht hitzigen und kreuz und
quer eifersüchtigen Liebhaber vor! Dieser liebt seine Braut mit aller Glut
seines Herzens, und ihr Leben ist ganz das seinige; aber wehe ihr, so er sie auf
irgendeiner Zweideutigkeit ertappt! Wie wird er sie das auf alle mögliche Weise
fühlen lassen! - Kehret sie aber wieder um und bekennet dem Liebhaber reuig und
offen einen schwachen Seitenblick, so kehrt in dem Liebhaber sobald die alte
Glut wieder zurück. Und er liebt seine ihm ein wenig untreu gewordene Braut
noch glühender als vorher! Siehe, gerade ein solcher Liebhaber bin Ich auch! -
Freilich wohl habe Ich mehr Geduld und viel öfters Nachsicht als ein
sogestaltig hitziger Weltbräutigam.
Aber was da die Kränkung
anlangt, so trifft sie Mich bei Untreue Meiner Bräute auch ums Vielfache ärger
als einen Weltbräutigam, eben da Ich so oft verzeihe und Meinen Bräuten die so
oftmaligen Weltkoketterien nachsehe! Denke: Liebe, Leben, Gesundheit und Meine
Gnade haben die Bräute in jeder Sekunde von Mir! Ich versehe sie sorgfältigst
mit allen Wohltaten des Lebens, sie stehen in Meiner alleinigen Verpflegung
ewig! Sollte es Mich da nicht kränken, wenn Ich Mich dennoch so dann und wann
unter den Liebhabern als der Letzte ansehen muß?! Daher aber sage Ich... dir
das als Meinen Wunsch: daß du Mich in Zukunft zum ersten Liebhaber in deinem
Herzen an- und aufnehmen möchtest!“ (2.Hi. Seite 244,5-245,10) „Wer Mich
nicht ...völlig eifersüchtig liebt und Mich in seinem Herzen wie nahe
ausschließend allein besitzen will, der hat noch keine wahre, lebendige Liebe
zu Mir! Hat er aber diese nicht, so hat er auch die Fülle des Lebens nicht in
sich; denn Ich bin ja das eigentlichste Leben im Menschen durch die Liebe in
seiner Seele zu Mir, und diese Liebe ist Mein Geist in jedem Menschen.“ (2.GEJ
41,4)
Sieht man aber in der
heutigen Zeit Menschen, die alles daran setzen, Jesus zum ersten Liebhaber zu
haben und die flammende Liebe in sich zu erwecken? - Ja, wenn man diese Liebe
durch den Verstandesglauben und die Gesetzeswerke haben könnte, aber wo ist
jemand, der sie in die Tat umsetzt? - „Es gibt deren schon auch hier und da“,
sagt Jesus, „aber sie sind jetzt beinahe seltener und köstlicher geworden als
große Krondiamanten. Diese leben schlicht, von der Welt soviel als möglich
abgezogen, und ihre Freude bin Ich, und der Gegenstand ihrer Gespräche bin auch
Ich.
Warum denn? Weil der Mund
davon übergeht, wes das Herz voll ist! Also bin Ich auch der Gegenstand, mit
dem sich ihr Herz beschäftigt, und alles andere in der Welt ist ihnen um eine
hohle Nuß feil.“ (Schr. 19,20) So wenige ihrer auch sind, so steht auf ihnen
aber doch die ganze Christenheit, ja die ganze Menschheit und sogar der ganze
materielle Schöpfungsmensch. (10.GEJ 146,11 + BM 43,10-11) Sind ihrer zu wenig,
so fängt es in der Christenheit, ja auf der ganzen Welt sehr zu hapern an. Je
mehr ihrer aber sind, um so mehr verändern sich die Weltmenschen und alle
Verhältnisse zum Guten.
Sie sind die wahren Kinder
Gottes und die wahren Täter Seines Wortes. Wenn sich jemand aufmachte, Jesus
über alles zu lieben, so würde Jesus ihn auf Seinen Händen tragen und ihm
Seine Gnade und Seinen Segen schenken. Die meisten Menschen sind dazu nicht
bereit, hätten aber gerne eine Gabe von Ihm. Diesen aber schenkt Er wenig
besondere Gnade. Wo aber solch ein Mensch wäre, der die flammende Liebe in die
Tat umsetzte, den hätte Jesus unsäglich lieb und Er wäre bereiter als je, ihm
die Schätze Seiner Himmel zu eröffnen. Haben sie daran aber auch nur etwas
Selbstgefallen, so können sie auch wieder fallen.
24. Die Schätze des
Himmels
Welches sind nun die
Schätze Seiner Himmel, die Jesus uns eröffnen will, wenn wir Ihn über alles
lieben und unser Herz in dieser Liebe fest geworden ist? - Als erstes, daß der
himmlische Vater uns gegenwärtig ist. Er sagt: „So ihr Mich ladet, zu euch zu
kommen, wie sollte Ich da nicht tun, darnach euer Herz ein lebendiges Verlangen
trägt!? - Und so fraget euch denn auch heut im Herzen, und eure Liebe zu Mir
wird es euch getreu verkünden, ob und wann Ich zu euch kommen werde!
Sehet, Ich bin Einer, der
da folgt der Liebe bis ans Ende aller Welten. Daher liebet und glaubet - so
werde Ich sein mitten unter euch und in euch - was euch getreu verkünden wird
der große Trost im Herzen.“ (1.Hi. Seite 297,4-5) Als nächstes werden wir
eine sanfte Liebe in unserem Herzen verspüren. Jesus sagt: „So ihr in euren
Herzen sanfte Liebe empfindet zu Mir, eurem heiligen, guten Vater, dann wisset,
daß der Vater nicht ferne ist! Denn Mich kann niemand lieben, so er nicht hat
Meine Liebe. Meine Liebe aber kann niemand haben von anders woher denn von Mir.
Wer aber Meine Liebe hat, der hat auch Mich, der Ich die Ewige Liebe Selbst bin.
So aber Meine Liebe bei euch sein wird, da werde ja auch Ich bei euch sein!“
(1.Hi. Seite 296,2-297,3)
Des weiteren wird unser
Herz mit einer großen Freudigkeit und Seligkeit erfüllt. Jesus sagt: „(Es)
werden sich wunderbare Wirkungen... in euch augenblicklich verspüren lassen,
welche sich alsobald in übergroßer, unbegreiflicher Freude und himmlischer
Wonne kundgeben werden.“ (3.Hi. Seite 63,47) „Die Gott in Mir, dem
Menschensohn, wahrhaft erkennen und lieben, werden schon in diesem Leben
Seligkeiten zum Genusse bekommen, von deren Herrlichkeit noch bis zur Stunde
keines Menschen Sinn je etwas empfunden und gefühlt hat!“ (3.GEJ 175,9) Als
viertes wird Jesus unsere Bitten erfüllen. Er sagt: „Euch wird allzeit alles
gegeben, um was ihr den Vater in Mir in Meinem Namen ernstlich bitten werdet.
Aber es versteht sich von selbst, daß ihr Mich nicht um dumme und nichtige
Dinge dieser Welt bittet; denn so ihr das tätet, da zeigtet ihr ja doch
offenbar, daß ihr derlei Dinge mehr liebtet denn Mich.“ (9.GEJ 43,5)
Als fünftes werden auch
die leiblich Kranken geheilt. Jesus sagt: „So ihr den leiblich kranken
Menschen aus wahrer Nächstenliebe in Meinem Namen die Hände auflegen werdet,
soll es mit ihnen besser werden, wenn das Besserwerden zum Heile ihrer Seelen
dienlich ist.“ (9.GEJ 43,6) Als sechstes werden wir Jesus zu uns sprechen
hören. Er sagt: „Sammle dich nur einmal oder, noch besser, mehrere Male in
der Liebe zu Mir! Habe aber dabei wohl acht auf alle Gedanken in dieser
Andachtszeit! - Siehe, alle diese Gedanken werden Meine an dein Herzlein sanft,
leise und stille gerichteten Worte sein! (2.Hi. Seite 26,13) Als siebtes
verspüren wir eine große Nächstenliebe. Diese muß sich dann aber auch als
werktätig erweisen.
Jesus sagt: „Die Liebe zu
Mir muß werktätig sein nach eines jeden Kraft und Vermögen, darum ist denn
auch die Liebe zum Nächsten, Dürftigen gleich der Liebe zu Mir. Wer da sagt,
daß er Mich liebe über alles, der liebt auch werktätig den Nächsten mehr
denn sich, hilft ihm - und zwar aus Liebe zu Mir - aus der Not.“ (3.Hi., Seite
312,3) Als achtes werden wir die Wiedergeburt und die Einswerdung mit Gott
erreichen. Jesus sagt: „Die Liebe zu Gott erfüllt den ganzen Menschen mit dem
Gotteslebensgeiste, und die Nächstenliebe verkörpert und befestigt denselben
in der Seele, wodurch sie dann notwendig in allem identisch wird mit Gott Selbst
durch den Liebegeist Gottes in ihr.“ (5.GEJ 230,5) -
Wer von der Gottesliebe
erfüllt ist, der übe auch die Nächstenliebe, denn erst die werktätige
Nächstenliebe befestigt den Liebegeist Gottes in der Seele, wodurch dann erst
die volle Einswerdung mit Gott erreicht wird. Als neuntes werden wir Jesus
sehen. Er sagt: „Die flammenden Herzens (sind), sollen Mich sogar nicht selten
zu Gesichte bekommen, besonders wenn sie ihre Herzen vom Anbeginne ihres Seins
rein erhalten haben und sich nicht so leicht haben von der Welt berennen lassen!“
(2.HG 2,23) „Und sobald jemand an der Welt kein Wohlgefallen mehr finden wird,
sondern nur an der stets wachsenden Sehnsucht nach Mir, dem wird dann alsobald
das innere Auge und Ohr erschlossen werden, und er wird, wenn auch noch im
sterblichen, ebenso verführerischen Leibe, alsbald wieder den heiligen Vater
hören und dann und wann zu sehen bekommen.
Der Geist der ewigen Liebe
wird ihn dann erfüllen; er wird schauen die Zukunft, Gegenwart und
Vergangenheit allörtlich, und des Leibes herbeigekommener Tod wird jeden mit
einer unaussprechlichen Wonne erfüllen, da er da erst überklar zu schauen wird
anfangen, daß der Tod des Leibes kein Tod, sondern nur ein gänzlich
vollendetes Wachwerden zum ewigen Leben ist.“ (1.HG 80,4-5) Als zehntes wird,
wenn unsere Liebe stets weiter wächst und zu einem wahren Brand geworden ist,
unser Leib aufgelöst. Jesus sagt: „Wessen Liebe zu Mir heftig und mächtig
ist, ...der wird auch schon im Leibe verwandelt durch die heftige Liebe zu Mir,
so daß sein Fleisch vom Feuer seines Geistes alsbald zersetzt, geläutert und
in das eigene Leben und Wesen des Geistes aufgenommen wird, ohne daß vorher der
Leib gänzlich vom Wesen des Geistes getrennt zu werden braucht.“ (BM
188,10)
Das geschah beim Henoch
(7.GEJ 67,7) und bei Maria, der Leibesmutter Jesu. Von ihrem Hinübertritt
heißt es: „Ihre Krankheit aber war die stets wachsende Liebe zu Mir, - und
die Flamme dieser Liebe hatte Mariam aufgelöst und für ewig verklärt.“
(3.Hi. Seite 204) Auch für die plötzliche Auflösung des Leibes und andere
wunderbare Wirkungen gilt, was vom sichtbaren Erscheinen Jesu gesagt worden ist,
daß dies hauptsächlich bei denen geschehen wird, die sich vom Anbeginn ihres
Seins rein erhalten haben. Diese himmlischen Schätze erhält derjenige aus
Gnade, der Jesus über alles liebt. Aber da darf niemand den himmlischen Vater
wegen dieser Gaben zu lieben beginnen, denn der allerheiligste Vater will Seiner
Selbst willen geliebt sein und nur dann wird Er ihm Seine Liebe geben. (2.Hi.
Seite 94,13)
Bei wem aber die Gaben an
erster Stelle stehen, der bekommt die Gaben nicht, denn seine Liebe hat nicht
den nötigen Wärme- und Lichtgrad erreicht. 25. Die Liebe – das Ziel des
Lebens Wenn wir die Liebe des himmlischen Vaters unerschütterlich in unserem
Herzen haben, so haben wir Alles in Allem. Sie ist die Taufe mit dem heiligen
Geist und mit Feuer, (Matth. 3,11) sie ist das wahre Beten ohne Unterlaß,
(1.Thess. 5,17) die wahre Anbetung Gottes (1.HG 1,4 + 3.GEJ 207,4) und das wahre
Abendmahl. (2.Hi. Seite 3,13) Sie ist das Ziel unseres Lebens, unsere
Wiedergeburt und Vollendung. Das wollte uns ein von der Liebe begeisterter
klarmachen, indem er sprach: „Wohl demjenigen, ja unendlichmal wohl, der auf
der Erde sich die Liebe zum Herrn zum einzigen Bedürfnisse gemacht hat; denn
der hat zu solcher Vollendung des Lebens den kürzesten Weg eingeschlagen!“
(1.GS 7,14)
Aber nicht nur uns bedeutet
die Liebe zu Jesus alles, sondern auch Ihm, unserem himmlischen Vater. Die
Seligkeit für einen seine Braut über alles liebenden Bräutigam ist groß,
wenn er weiß, daß er von seiner Braut ebenfalls über alles geliebt wird, aber
die Seligkeit Jesu über ein Kind, das Ihn über alles liebt, ist unermeßlich
größer. Er sagt: „Ein demütiges, Mich allzeit liebendes Herz ist Mir ein
unschätzbar köstlicher Edelstein in der unendlichen Krone Meiner ewigen
göttlichen Macht und Herrlichkeit und ist Mir auch wie ein Balsamtropfen in
Mein liebeheißes Vaterherz gegossen, der Mich über die Maßen erquickt und die
Freude Meiner ganzen unendlichen Gottheit ums für dich und vor dir
Unaussprechliche erhöht!“ (1.GS 98,4-5)
Quellenverzeichnis
GEJ Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981
HG Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1981
GS Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955
RB Von der Hölle bis zum Himmel, (Robert Blum) 2 Bände, 1963
BM Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960
JJ Die Jugend Jesu, Jakob Lorber, 1996
Hi. Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände
NS Die natürliche Sonne, Jakob Lorber, 1956
Schr. Schrifttexterklärungen, Jakob Lorber, 1958 Lorber Verlag, 74308 Bietigheim/Württ. WdN Die Wolke des Nichtwissens, Kontemplative Meditation Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz, 1974
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