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Der
Sohn Gottes und das Geheimnis der Erlösung
Gerd Kujoth 
Inhaltsverzeichnis
1. Die Grundfragen des Christentums
2. Das Gottheitszentrum
3. Das Urgrundwesen Gottes
4. Der Anfang unseres Seins
5. Der Fall Luzifers und der Geister
6. Die Rückführung der Gefallenen durch die
Liebe
7. Die Trennung der ewigen Liebe von der Gottheit
8. Der Rückführungsplan
9. Adam sollte den Weg bahnen
10. Der Fall Adams
11. Die Zornflammen der ergrimmten Gottheit
12. Die Worte der erbarmenden Liebe
13. Die Erwiderung der Gottheit
14. Sind Vater und Sohn zwei Personen?
15. Warum wollte die Gottheit die Schöpfung
zerstören?
16. Die große und die unendliche Kluft zwischen
Gott und den Geschaffenen
17. Die gefallene Schöpfung wurde zur Bildung der
Gotteskinder ausersehen
18. Mußten Adam und die urgeschaffenen Geister
fallen?
19. Die freie Entscheidung Adams
20. Die freie Entscheidung der urgeschaffenen
Geister
21. Die bessere Ordnung
22. Die Nachteile für die Gefallenen und die
Vorteile für Gott
23. Der zweite Grund zur Zerstörung der
Schöpfung
24. Die letzte Möglichkeit zur Rettung der
gefallenen Schöpfung
25. Die freie Selbständigkeit der gerichteten
Schöpfung
26. Die mit aller Schuld überladene Liebe und die
ihr von der Heiligkeit
Gottes gemachten Vorwürfe
27. Die große Entscheidung
28. Das große Geheimnis des Kreuzesleidens
29. Das ist das Werk der Erlösung
30. Der ewigen Liebe das Kreuz tragen helfen
1. Die Grundfragen des
Christentums
Die ganze sichtbare Schöpfung drückt zu Tode ein alter zweifach harter Fall.
Auf alle hat sich der Tod vererbt, einmal durch den Fall der Geister und das
andere Mal durch den Fall Adams. (2.HG 25,86) Jesus hat durch Seinen Tod am
Kreuz die Schuld auf Sich genommen und nicht nur die ganze Menschheit, sondern
die ganze Schöpfung vom Tode erlöst. Doch da stellen sich für uns Menschen
wichtige Fragen und die lauten:
Was ist die Erlösung? -
Warum war die Erlösung neben den zehn Geboten Mosis nötig, da zur Wiedergeburt
nichts als die Haltung der Gebote aus reiner Liebe zu Gott benötigt wird? -
Warum mußte denn der Allmächtige von Seinen Geschöpfen so zugerichtet werden
und mußte wie ein Verbrecher den Kreuzestod erleiden, um ihnen die Seligkeit
und das ewige Leben geben zu können? Genügte denn Seine reinste Lehre und Sein
rein nur Gott mögliches Wundertun nicht? (5.GEJ 247,2) - Inwieweit ist die
Erlösung für uns Menschen da und wie können wir Teil an ihr nehmen? (3.Hi.
Seite 9,2)
2. Das Gottheitszentrum
Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir zurückgehen bis zu der
Zeit, als Gott noch keine Wesen aus Sich hinausgestellt hatte, denn zuerst waren
sie nur in Seinen Gedanken geschaffen. Da war der Raum noch wesenleer (1.GEJ
5,23) und nur die Kraft, die der Geist Gottes oder der Geist Seines Willens war,
erfüllte von Ewigkeit her die Unendlichkeit. Dieser endlose Raum aber hatte
einen Mittelpunkt, der ebenfalls von Ewigkeit her war. Dieser Mittelpunkt ist
das wesenhaft (oder als Wesen) gestaltete Gottheitszentrum, in dem alle Macht
und Kraft dieses unendlichen Geistes vereinigt ist zu einem Wirken. Dieses
Machtzentrum des unendlichen Gottesgeistwesens ist die Liebe oder das Leben in
der Gottheit. (2.HG 139,20)
Die Gottheit aber gefiel
Sich in Ihrer Liebe und drängte Sich zu Ihr. Alle Mächte und alle Kräfte
stürmten auf die Liebe los, so daß es Ihr immer heißer und heißer ward. Da
entstand ein großes Rauschen, Brausen und Toben und die Liebe ward geängstigt
und gedrückt von allen Seiten, so daß Sie bis ins Innerste erbebte! Und das
Rauschen ward zum Tone, der Ton aber ward in der Liebe zum Worte, und das Wort
sprach: „Es werde Licht!“ Da entzündete Sich die Liebe und es ward Licht in
allen Räumen der Unendlichkeit. Das Wort oder Licht war aber nicht erst in der
Folge des Urgottseins entstanden, sondern war mit Gott der ewigen Liebe Selbst
Gott und damit ewig. (1.GEJ 1,9)
Und Gott sah in Sich die
große Herrlichkeit Seiner Liebe, sah die unendliche Zahl der Gedanken in Ihr,
von denen jeder ein Wesen war, stärkte die Liebe mit Seiner Kraft und verband
Sich so auf ewig mit Ihr. (1.HG 5,2-4)Wir werden dann noch hören, wie diese
Verbindung durch den Fall der Geister und durch den Fall Adams wieder eine
Trennung erfuhr, bis sie durch den Tod Jesu auf Golgatha für ewig
unverbrüchlich wurde und die ewige Liebe Sich die Gottheit untertan machte, die
Ihr alle Macht, Kraft und Gewalt übergab.
3. Das Urgrundwesen Gottes
Die ewige Liebe ist das Grundwesen Gottes (1.GS 74,17) und wird der Vater
genannt. Aus der Flamme der entzündeten Liebe, d.h. aus dem Vater, ging das
Wort oder Licht, das aber ewig schon in der ewigen Liebe war, hervor und das ist
die Weisheit und wird der Sohn genannt. Die göttliche Weisheit oder das Licht
ist aber gleichzeitig auch das Urgrundsein der ewigen Liebe. (1.GEJ 6,3)
Das innerste Gottwesen als
die Urweisheit Gottes ist in der Liebe zu Hause, gleichwie das Licht in der
Wärme zu Hause ist. Licht und Wärme oder Wärme und Licht sind eines, indem
die Wärme fortwährend das Licht und das Licht fortwährend die Wärme erzeugt.
(1.GEJ 4,13) Weil das Licht nicht nur aus der Wärme bzw. dem Feuer hervorgeht,
sondern auch selbst Wärme bzw. Feuer erzeugt, (wenn die Wärme so weit
gesteigert wird, daß eine Entzündung stattfindet) so kann auch das Licht oder
die Weisheit Vater genannt werden und die Liebe ist dann ihr Sohn. Die ewige
Liebe ist das Urgrundsein Gottes und die ewige Weisheit ist ebenfalls das
Urgrundsein Gottes. (7.GEJ 198,14-15)
Die Wärme oder die Liebe
ist sonach Gott und das Licht oder die Weisheit ist ebenfalls Gott, denn beide
sind ungeschaffen und ewig und erzeugen sich gegenseitig selbst. (3.Hi. Seite
77,9) Die Liebe und die Weisheit sind aber nun nicht zwei Götter oder Personen,
sondern nur die zwei Grundeigenschaften des einen Gottes und sind erst zusammen
eine Person, wie der Geist und die Seele nur zusammen eine vollständige Person
sind. Jede dieser zwei Grundeigenschaften kann aber, wenn Sie für Sich allein
etwas zum Ausdruck bringen will, von Sich als Gottheit sprechen und dann ist
jeweils die andere Grundeigen- schaft der Sohn.
Aus diesem Grunde haben wir
in der Neuoffenbarung verschiedene Betrachtungsweisen von Vater und Sohn, die
nicht miteinander vermischt werden dürfen, weil solch eine Vermischung keine
klare Vorstellung von Gott ergibt. Zumeist wird in diesem Werk von der ewigen
Liebe als Gottheit und Vater und von der Weisheit als Sohn gesprochen. Wir aber
wollen uns nun mit der weniger bekannten Betrachtungsweise beschäftigen, in der
die Weisheit Gottheit und Vater und die ewige Liebe ihr Sohn ist.
4. Der Anfang unseres Seins
die Gedanken der Liebe, die selbst Liebe waren und ohne Zahl, gingen in die
Gottheit über und die Liebe in der Gottheit sprach: „Lasset Uns die Gedanken
der Herrlichkeit festhalten und heraustreten, daß sie frei werden und Uns
empfinden und sehen, wie Wir sie empfinden und sehen und Wir sie empfanden und
sahen, ehe noch das Licht ihre Formen erleuchtete!“ - Dieses Wort ging in die
Gottheit über, wodurch sie überall Liebe ward. „Da sprach die Gottheit zum
ersten Male: ‘Es werde!’ Und es ward ein Heer der Geister aus Gott frei,
deren Zahl kein Ende hat, und die Liebe sah Sich Selbst verunendlichfältigt.“
(1.HG 5,5-7) Das war der Anfang unseres Seins als Geist vor undenklich langen
Zeiten und der Beginn der jetzigen Schöpfungsperiode.
5. Der Fall Luzifers und der Geister
Nachdem die Geister ihre Willensfreiheit erhielten, entzündete sich der Oberste
der drei erstgeschaffenen Geister, der dem Lichte der Gottheit entsprach,
(Satana oder Luzifer der Lichtträger) in seiner Begierde, um sich der Gottheit
vollends zu bemächtigen. Durch ihn entzündete sich ein großer Teil der
Geister mit, die durch ihn geschaffen wurden. Die Folge war, daß sich neben
Gott eine der Ordnung entgegengesetzte Kraft bildete, die Seinem freien Wirken
Störungen entgegensetzte. Doch Gott müßte Selbst unvollkommen sein, um neben
Sich eine Unvollkommenheit zu dulden. (EM 27,13)
Da erbrannte die Gottheit
in Ihrem Grimme und schleuderte, durch die zwei niederen Geister der drei, die
böse Rotte in die Tiefe der Tiefe Ihres Zornes. (1.HG 5,14) Oder anders gesagt:
Die Geister verloren nach langen Zeiten des Falles durch ihr widergöttliches
Handeln schließlich ihr Bewußtsein, ihre Seelen lösten sich auf und
verdichteten sich zu Materie. Die Materie aber ist der Tod, der reine Geist ist
das Leben. Zwischen Materie und Geist besteht eine große Kluft, die nur schwer
überbrückbar ist. Diese Kluft verdeutlicht die Unvereinbarkeit zwischen Gottes
ewiger Ordnung und der Widerordnung. (2.RB 227,2)
Materie und Geist stehen
sich so schroff gegenüber, wie die entgegengesetzten Pole eines Magneten. Das
bedeutet jedoch nicht, daß die Materie nie mehr geistig werden kann, aber die
Geister, die einmal zu Materie geworden sind, können sich selbst unmöglich
wieder davon befreien. Deshalb mußte den Gefallenen geholfen werden. Zwar
konnten sie bis zum Rand der großen Kluft geführt werden, aber da sich Materie
und Geist nicht berühren können, mußte über die Kluft eine Brücke gebaut
werden. Es mußte ihnen ein Weg gebahnt werden, den sie dann selbst gehen
konnten und der sie aus der Materie wieder zum Geist zurückführen würde.
6. Die Rückführung der Gefallenen durch die Liebe
Da ereignete sich in Gott folgendes: „Und es dauerte die Liebe der Verlorenen;
aber die Gottheit (Gott ist in Seiner Dreieinheit Liebe, Weisheit und Wille oder
Feuer, Licht und Kraft oder Vater, Sohn und Heiliger Geist. Hier sehen wir einen
Gegensatz zwischen der Liebe und der Gottheit, die nun als Weisheit und Wille
oder Licht und Kraft auftritt.) erbebte in Ihrem Grimme, und es ward gehört in
allen Räumen der Unendlichkeit Gottes ein großer Donner.
Und der Donner drang bis
zum Innersten der ewigen Liebe, und die Liebe allein verstand den Donner der
Gottheit, und der Donner ward in Ihr zum Worte und sprach: ‘Alle Macht sei Dir
untertan; tue nach Deinem Gefallen und sprich ‘Es werde!’, und es wird sein!
Und siehe, die Liebe wurde gerührt bis ins Innerste, und es floß die erste
Träne aus dem Auge der ewigen Liebe, und diese Träne floß aus dem Herzen der
Gottheit und hieß und heißt und wird ewig heißen die Erbarmung.“ (1.HG
5,21-22)Der Entschluß war gefaßt; Gott erbarmte Sich der Gefallenen und die
ewige Liebe sollte die vom Schöpfer getrennten Geister zurückführen. Dazu
wurde Ihr von der Gottheit freies Handeln und alle Macht eingeräumt.
Um zu dieser Entscheidung
zu kommen, hatte Sich Gott die grundlegende Frage stellen und auch beantworten
müssen: „Was sollte mit der getrennten Unzahl (an Geistern) werden? Sollte
sie für ewig zugrunde gehen oder sollte sie, nur Mir allein möglicher Weise,
zurückgeführt werden? - Siehe, das war selbst für Mich, den Allmächtigen und
allerhöchst endlos weisen Schöpfer, keine so geringe Frage! Denn lasse Ich sie
zugrunde gehen, so ist auch in Mir der Tod zu Hause. Führe Ich sie aber
zurück, dann ist die unantastbare Heiligkeit Meiner urewigsten Ordnung
gefährdet. - Was war und ist sonach hier zu tun? -
Siehe, die Löse dieser
großen Fragen liegt jetzt noch vor deinen Augen, und gar viele Ewigkeiten
werden damit nicht fertig werden! Worin aber bestand diese, besteht sie jetzt
noch und wird sie ewig bestehen? - Die Liebe, als das alleinige Leben in Gott,
mußte sich (von der Weisheit) gewisserart trennen, die getrennte (die vom
Schöpfer abgefallene) Unzahl der Geister ergreifen, sie binden mit ihrer Macht
und aus ihnen gestalten zahllose Weltenmassen (Weltkörper) aller endlosen Arten
nach der Beschaffenheit der Geister, die darin eingefangen wurden.“ (2.Hi.
Seite 135,4-7)
7. Die Trennung der ewigen Liebe von der Gottheit
Gott konnte die Gefallenen und im Gericht und Tode sich befindenden Geister
nicht ewig im Tode belassen, denn dann wäre auch in Gott für ewig der Tod
vorhanden gewesen. Er konnte den gerichteten Geistern aber auch nicht einfach
die Freiheit wiedergeben, ohne daß sie im freien Willen zur Ordnung Gottes
zurückgekehrt wären, denn dann wäre Seine seit Ewigkeit geltende Ordnung
umgestoßen worden. Gott mußte deshalb einen Weg finden, der die gefallenen
Geister wieder zur Ordnung Gottes zurückführte, ohne daß Seine Gerechtigkeit
und Heiligkeit verletzt würde.
Dazu mußte Sich die ewige
Liebe von der Gottheit (Weisheit) trennen, denn die Weisheit in Ihrer
Gerechtigkeit und Heiligkeit konnte und durfte Sich nicht mit dem befassen, was
unrein geworden war. Die Liebe aber scheut Sich nicht, Sich auch der Verworfenen
anzunehmen. (2.RB 157,5) Durch die Trennung konnte die ewige Liebe nun zunächst
allein handeln, die Gefallenen ergreifen, sie in der Materie binden und die
Materie zu Weltkörpern gestalten, ohne daß die Heiligkeit Gottes verunreinigt
worden wäre.
Hier können wir die Frage
stellen: Wie war es möglich, wenn die Liebe und die Weisheit nur eine Person
sind, daß sie sich trennen konnten? - Die Antwort lautet: Weil eben die Liebe
und die Weisheit nur eine Person sind, so war es auch keine vollständige
Trennung, die zwischen der Weisheit und der ewigen Liebe stattfand, sondern nur
eine teilweise. Es blieb eine untrennbare Verbindung zwischen beiden bestehen.
Die Trennung ging aber doch so weit, daß Gottes Heiligkeit in den Hintergrund
trat, Seine Kraft der ewigen Liebe unterstellte, die nun die vorrangig Handelnde
wurde.
8. Der Rückführungsplan
In der Materie, die aus zahllosen Weltkörpern besteht, waren nun die Geister
gefangen und ihre Seelen in Atome aufgelöst. - Auf welche Weise sollten sie nun
aber zurückgeführt werden, daß sie nicht nur wieder die Stufe erreichten, die
sie vor dem Fall hatten, sondern darüber hinaus auch zur vollen Freiheit und
Selbständigkeit der Gotteskindschaft gelangen könnten? - Die Materie
aufzulösen und den Geistern nach einer gewissen Zeit der Gefangenschaft auf
einmal die Freiheit wiederzugeben, hätte nicht zum Ziele geführt, weil sie
dann wieder gefallen wären. (3.Hi. Seite 342,18-21) Deshalb machte die ewige
Liebe die Weltkörper zu Rückführungsstationen, auf denen die
Seelenintelligenzen aus kleinsten Anfängen durch die Durchschreitung des
Mineral-, Pflanzen- und Tierreiches sich läutern und immer höher entwickeln
konnten, bis sie wieder zu der Form zusammengesetzt waren, die sie ursprünglich
besaßen.
Nachdem die Seelenatome
viele Leibeswandlungen durchgemacht haben, ist die äußere Form in der
menschlichen Gestalt zum Abschluß gekommen. Deshalb begegnen sich im Menschen
zwei Prinzipien: Zum einen das Ende der Entwicklung zur menschlichen Form, in
der die Seele ihr Selbstbewußtsein wiedererlangte und in welcher die ewige
Liebe Seele und Geist dem Tode entriß und zum anderen der Anfang der
Seelenvollendung in der höchsten Willensfreiheit, in der der Mensch, zwar
noch ohne Rückerinnerung in der Materie steckend, die volle Selbständigkeit
erlangen soll. Als Mensch sollen die gefallenen Geister dann im freien Willen
zu Gott zurückkehren, d.h. sie sollen sich von der Materie und all ihren
Begierlichkeiten lösen und durch ein Leben in der Liebe und Demut Gott wieder
ähnlich werden.
9. Adam sollte den Weg bahnen
Adam sollte als erster vorangehen. Er sollte die Brücke über die große Kluft
zwischen Materie und Geist bauen. (11.GEJ 75,3-5) Er sollte den Weg bahnen und
alle seine Nachkommen wären ihm gefolgt. Einen Weg zu bahnen bedeutet aber, es
mußte gleich die erste Probe seines freien Willens die Entscheidende sein.
Dabei bestand die Gefahr, daß Adam die Willensfreiheitsprobe nicht bestehen
könnte, wodurch er und durch ihn alle seine Nachkommen, erneut in die Materie
zurückfallen würden, was dann ja auch geschehen ist. Die ewige Liebe unterrichtete das neugeschaffene Paar in allem und lehrte sie
alle Dinge kennen, benennen und gebrauchen.
Als sie alles verstanden
hatten und gebrauchen konnten, sprach die ewige Liebe zu ihnen: „Nun sehet,
ihr erlerntet nun alles, ihr kennet nun alles und könnet den Gebrauch machen von allem bis auf eines, und dieses Letzte will Ich euch jetzt lehren und die
Kraft in euch legen zur Fortzeugung und Fortpflanzung euresgleichen; aber ihr
dürfet davon erst dann Gebrauch machen, wenn Ich wiederkommen werde, euch
bekleidet werde finden mit dem Kleide des Gehorsams, der Demut, der Treue und
der gerechten Unschuld. Wehe aber euch, so Ich euch nackt finde; Ich werde euch
verstoßen, und der Tod wird die Folge sein!“ (1.HG 7,15)
Da verdeckte Sich die ewige
Liebe Ihr Angesicht und entfernte Sich auf eine bestimmte Zeit, damit sich die
Neugeschaffenen in ihrer Probe frei entscheiden konnten, denn zur völlig freien
Willensentscheidung gehört, daß es nicht schon im Voraus feststeht, wie sich
jemand entscheiden wird. Jesus sagt: „Sieh, Ich kann zwar alles wissen schon
von Ewigkeit her, was mit einem Menschen wird, wenn Ich es wissen will; aber auf
daß der Mensch in der Reife seiner Jahre völlig frei und unbeirrt handeln
kann, so ziehe Ich auf eine bestimmte Zeit Meine Augen von ihm ab und nehme
keine Wissenschaft von seinem freien Handeln, außer er bittet Mich
inständigst, ihm zu helfen beim freien Kampfe mit der Welt. Da sehe Ich Mich
nach ihm um, helfe ihm auf den rechten Weg und verleihe ihm beim Kampfe mit der
Welt die nötige Kraft.“ (2.GEJ 137,16)
10. Der Fall Adams
Von allen Bäumen im Garten durften sie essen, nur von dem einen Baum, dem
Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, sollten sie nicht essen; d.h. sie durften
von allem Gebrauch machen, was ihnen die ewige Liebe gezeigt hatte, nur von dem
einen noch nicht und das war der Zeugungsakt. Von diesem sollten sie erst dann
Gebrauch machen, wenn sie die sinnliche Begierde überwunden und damit in der
Lage gewesen wären, in Reinheit zu zeugen. Würden sie aber den materiellen
Wünschen oder fleischlichen Begierden nachgeben, so würden ihre Seelen wieder
in die Materie zurücksinken. Da gelüstete es die Eva stark nach der Frucht des
Baumes, von dem sie nicht essen sollten. Adam bemerkte, wie die Begierde in der
Eva emporstieg, was ihm sehr gefiel.
Da entbrannte auch Adam in
seiner Begierde und sie genossen, nachdem er zunächst der mahnenden Stimme der
ewigen Liebe Gehör schenkte, von der verbotenen Frucht mit wollüstiger
Begierde. Im ersten Buch Mose heißt es in der Bildersprache: „Sie nahm von
der Frucht des Baumes und aß und gab zugleich auch ihrem Manne davon, und er
aß.“ (1.Mos. 3,6) Nach dem Sündenfall erkannten Adam und Eva, daß sie nackt
waren, denn sie hatten sich nicht bekleidet mit dem Kleide des Gehorsams. Sie
schämten sich ihrer Nacktheit und bedeckten sie mit Blättern von einem
Feigenbaume. Adam verbarg sich in einer Höhle und weinte Tränen großen
Schmerzes, und die Eva verbarg sich hinter einem Dornstrauche und trauerte
gewaltig über ihre verführende Schuld. (1.HG 8)
11. Die Zornflammen der ergrimmten Gottheit
Was sich nun nach dem Sündenfall zwischen der Gottheit (Weisheit und Wille
oder Licht und Kraft) und der ewigen Liebe abspielte und anschließend zitiert ist,
war so gewaltig, daß wir es kaum fassen können, was da in Gott vorgegangen
ist. Es heißt in der „Haushaltung Gottes“: "Siehe zu, wie Ich, die
ewige Liebe, sie fand, nackt, verlassen, weinend und trauernd in gerechter Reue
und gerechter Scham, und rief hervor den Adam und zog hervor die Eva. Und siehe,
sie getrauten sich nicht anzuschauen das Angesicht ihres Vaters; denn sie waren
erschreckt von einem großen Donner des todbringenden Gerichtes aus der Tiefe
des Grimmes der Gottheit.
Und die Zornflammen Gottes,
des Unendlichen, wälzten sich furchtbar durch alle endlosen Räume zur Erde
hinab, auf welcher die große Liebe nun weilte bei Ihren reuigen und trauernden
gefallenen Kindern, geschaffen durch Ihre erbarmende Gnade. Und siehe, da gab es
einen heißen Kampf zwischen der durch die Reue und Trauer der Geschaffenen Sich
wieder erbarmenden ewigen Liebe und zwischen der alles zerstören wollenden,
ergrimmten Gottheit zur Sühnung Ihrer unbestechbaren Heiligkeit. Denn siehe,
die Zornflammen der ergrimmten Gottheit stürzten schneller denn Blitze zur Erde
nieder, drangen bis in die Mitte derselben und entzündeten dieselbe in und an
allen Orten und Enden, und es schlugen die verzehrenden Flammen bis an den Mond,
bis an die Sonne, - ja sie ergriffen alle Sterne!
Und siehe, da war die
ganze, unermeßliche Unendlichkeit ein Feuermeer, und furchtbare Donner rollten
durch alle endlosen Räume, und es heulte die Erde, und es tobte das Meer, und
der Mond weinte, und die Sonne wehklagte, und alle Sterne schrien lauter denn
alle Donner, von zu großer Schmerzensangst der ewigen Vernichtung gedrückt,
und ihre großen Stimmen widerhallten furchtbar dröhnend aus den endlosen
Tiefen des Grimmes der Gottheit. Und die Stimmen riefen: Großer, erhabener
Gott, besänftige Deinen großen Zorn, und lösche die vernichtenden Flammen
Deines übergerechten Grimmes, und schone der Schuldlosen in Deiner Heiligkeit;
denn Deines Zornes Feuergrimm wird zerstören die Gerechten und wird vernichten
die ewige Liebe in Dir und wird Dich Selbst gefangen- nehmen in Deiner
übergroßen Macht und Kraft der Heiligkeit!’
Und siehe und höre mit
offenen Augen und offenen Ohren, was da die zornergrimmte Gottheit sprach;
jedoch die Sprache verstand niemand denn allein die ewige Liebe, die in der Zeit
des Zorngrimm- ausbruchs der Gottheit das reuige neugeschaffene Paar schützte
auf der heulenden Erde und wehrte ab der großen Zornflamme des Grimmes, zu
ergreifen die Reuestätte Adams und die Trauerstätte Evas, durch die große
Macht und Kraft Ihrer Barmherzigkeit. Und nun höre und verstehe wohl die
Schauerworte des Zornes aus der Tiefe des Grimmes der Gottheit, und sie
lauteten: ‘Was nützt Mir das Heulen und Toben der Erde, was das Weinen der
Monde, was das Wehklagen der Sonnen, und was das Jammergeschrei der Sterne?!
Denn Ich bin allein, verlassen von Meiner Liebe, die Mir untreu ist geworden und
Sich von mir entfernt hat hinab zur Erde zum Auswurf der Bosheit zwiefältig!
Was soll Ich ohne Sie?
Daher will Ich zerstören
alle Ihre Werke aus dem Fundamente und vernichten alles, damit nichts da sei,
was Meine Liebe von Mir in alle künftigen Ewigkeiten der Ewigkeiten vermögen
sollte abzuziehen und zu entfernen! Und Ich will bleiben Gott, der Alleinige, in
alle Ewigkeiten der Ewigkeiten, wie Ich war von Ewigkeiten der Ewigkeiten her.
Und du, morsches Gebäude der Schöpfung Meiner schwach gewordenen Liebe,
stürze zusammen in nichtige Trümmer, ins Nichts, damit Ich Meine Liebe
wiederfinde und Sie wieder stark mache durch die Macht und durch die Kraft
Meiner ewigen Heiligkeit. Amen!’
Und siehe, da lösten sich
die Bande der Schöpfungen in allen Räumen der Unendlichkeit Gottes, und es
stürzten die Trümmer durch die weiten Räume unter großem Krachen, Donnern,
Heulen, Toben, Brausen und Sausen in die Tiefen der Tiefen ihrer Vernichtung zu,
und diese war die Erde selbst, die ebenfalls zertrümmert lag im weiten Schoße
der erbarmenden Liebe. Und die Neugeschaffenen bebten vor Angst ob des
fürchterlichen Anblicks dieser großen, vernichtenden Schauderszene, deren
Größe kein geschaffener Geist je in ihrer ganzen Fülle ganz erfassen wird;
denn sie war unendlich.“
12. Die Worte der erbarmenden Liebe
„Und nun siehe und höre weiter, was die erbarmende Liebe da sprach und tat!
Vernimm die Worte der Liebe in ihrer Macht, und schaue die großen Taten der
Barmherzigkeit in ihrer Kraft, und höre und verstehe wohl die Worte, welche so
lauteten: ‘Großer, allmächtiger Gott aller Macht, aller Kraft und aller
Heiligkeit! Ziehe zurück Deinen großen Zorn, und lösche aus das Feuer Deines
alles zerstörenden Grimmes, und höre in der Ruhe Deiner Heiligkeit die Worte
Deiner ewigen Liebe, welche das alleinige Leben ist in Dir, ewig wie Du und
mächtig und stark wie Du (und Du) aus Ihr und Sie aus Dir, und wolle nicht
vernichten das Leben in Ihr und Dich durch Sie, sondern lasse Gnade für Recht
ergehen, und lasse genugtun die Liebe Dir, und fordere Sühnung für Deine
verletzte und gekränkte Heiligkeit, und Deiner Liebe wird kein Opfer zu groß
sein, das Du von Ihr fordern möchtest zur ewigen Sühnung Deiner Heiligkeit!’“
13. Die Erwiderung der Gottheit
„Und nun siehe und höre und verstehe wohl, was darauf geschah und was die
Gottheit darauf erwiderte! Es dämpfte sich das Feuer, und aus allen Räumen
wehte ein sanfterer Hauch, untermischt mit noch stark rollenden Donnern durch
die fliegenden Trümmer der aufgelösten Welten, welche von einer
Unermeßlichkeit bis zur andern gleich großen Blitzen noch brennend zuckten.
Und die Liebe verstand den Donner Gottes, welcher heftig sprach: 'Ich will alle
Schuld auf Dich legen, gleich den Welttrümmern auf die Erde, und Du sollst
tilgen die Schmach Meiner Heiligkeit, welche das ewige Band ist zwischen Mir und
Dir!
Und siehe, Ich verfluche
die Erde, damit kein Fleck besudle Meine Heiligkeit und Ich werden würde gleich
Dir ein unheiliger Gott. Und dieser Fluch sei Deiner Schuld anheimgestellt, die
Du auf Dich zu nehmen hast und zu tilgen für Meine Heiligkeit und zu waschen
die Erde mit Deinem Blute vom Fluche der Schande durch die Sünde Adams!' Und
siehe, höre und verstehe wohl, was darauf die Liebe entgegnete und sprach:
'Großer, überheiliger Gott aller Macht und Kraft! Es geschehe nach Deinen
Worten!' Und siehe, da erlosch auf einmal all das Feuer auf der Erde und in
allen den Schöpfungsräumen!
Und die Trümmer der
zerstörten Sonnen, Erden und Monde wurden wieder zusammengefügt durch die
Macht und Kraft der von der Gottheit erhörten Liebe und ordneten sich wieder,
wie sie geordnet waren im Anfange ihrer Entstehung. Sie behielten aber zu ewigen
Zeichen die unvertilgbaren Spuren ihrer damaligen gänzlichen Zerstörung gleich
den Wundmalen der ewigen Liebe, die später in der großen Zeit der Zeiten für
alle am Kreuze blutete.Und es blieben auch noch hier und da anderweltliche
Trümmer liegen auf der Oberfläche, in den Tiefen und den Meeren der Erde zu
Zeichen der Macht und Kraft Gottes und zugleich aber auch als sprechende Zeugen
der übergroßen Taten der erbarmenden Liebe.
Und siehe und höre weiter
und verstehe es wohl, was nun ferner geschah: Als nun die ewige Liebe die
Anforderungen annahm und dadurch schon im voraus der großen Heiligkeit Gottes
Genüge tat, da ließ die Gottheit in sanfterem Rauschen und Wehen, abermals nur
der Liebe verständlich, Ihren heiligen Willen vernehmen und sprach in der Rede
voll sanften Tones, wie folgt: ‘Siehe, Deine große Barmherzigkeit ist in Mir
aufgestiegen und ist getreten vor Meine allsehenden Augen, und Ich habe erkannt
in der Ruhe Meiner Heiligkeit Deine große Aufrichtigkeit und ewige Treue und
habe gezählt die Reuetropfen Adams und die Trauertropfen Evas und bin mitleidig
geworden durch Deine große Erbarmung durch und durch. Und siehe, daher will ich
Meine Gerichte zurückziehen in dieser Zeit und nach Deinem Verlangen Gnade für
Recht ausströmen lassen in großer Fülle und will den Schaden, welchen Meine
Gerichte angerichtet haben, wieder gutmachen.
Und außer Mir kann niemand
etwas gutmachen denn Ich allein, da niemand gut ist denn Ich, der heilige Vater;
denn das sei Mein Name fürder ewiglich. Und Du, Meine Liebe, bist Mein Sohn;
und die Heiligkeit als das mächtig allwirkende Band der Kraft zwischen Uns und
zwischen allem, was von Uns ausgegangen ist, sei der heilige Geist, der
erfüllen soll alle Räume der Räume und alle Unendlichkeiten der
Unendlichkeiten in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten, amen. Und das sagt nun der
gute, heilige Vater. Amen. Und nun sage Du, Mein geliebter Sohn, auch dem
reuigen und trauernden Paare - und grabe ihnen das Gesagte tief in ihre Herzen
-, daß sie die Gebote der Liebe und der Erbarmung bis an ihr Lebensende halten
sollen unverbrüchlich, und Ich will ihnen dann einen Mittler zwischen Mir und
ihnen zur Zeit, die Ich bestimmt habe, senden, zu tilgen die große Schuld und
zu erleichtern die große, schwere Last ihres Ungehorsams.
Bis dahin aber sollen sie
verharren in aller Geduld und Sanftmut, und das (geistige) Brot, das Ich ihnen
derzeit nur kärglich geben will, sollen sie dankbar im Schweiße ihres
Angesichtes genießen und sollen nicht satt werden bis zur Zeit des Mittlers,
den Ich erwecken werde aus ihrer Mitte vollkommen und gut, wie Wir vollkommen
und gut und heilig sind ewig. Und sage ihnen noch hinzu, daß Ich Meine Gerichte
nur eingestellt habe für jene, die Meine strengen Gebote halten werden
pünktlich. Den Übertretern aber seien sie für alle Ewigkeiten in aller
Strenge der ewig heiligen Wahrheit angedroht in der genauesten Erfüllung bei
der geringsten Übertretung! Das spricht der heilige und alleinig gute Vater
durch Seinen Sohn, der die ewige Liebe in Ihm ist, und durch den heiligen Geist
als der wirkenden Gnade aus Uns Beiden zur einstigen Vergebung der Sünde,
welche nun ihre Leiber mühselig machen und dann aber allezeit töten soll
zeitlich zur Erlangung des Lebens nach dem Tode des Leibes nach der Zeit des
versprochenen Mittlers. Das sagt der alleinig heilige und alleinig gute Vater.
Amen.’“ (1.HG 9,6-31).
14. Sind Vater und Sohn zwei Personen?
Mancher wird sich jetzt vielleicht fragen, nachdem er Vater und Sohn miteinander
reden gehört hat: Besteht Gott nicht doch aus mehreren Personen, wenn die
Gottheit und die ewige Liebe miteinander reden wie zwei verschiedene Menschen? -
Nein, denn in der Haushaltung Gottes lesen wir: „Während Er, der Heilige, mit
Seiner Rechten alles vernichtet im Zorne, der Entheiligung durch die Sünde des
großen Frevlers wegen, schützt Seine gleich heilige Linke den weinenden
Sünder!“ (1.HG 36,13) Aus diesem Vers ersehen wir, daß Gott nur eine Person
ist, die aber in ihrem Wesen zwei sich gegenüberstehende und ergänzende Seiten
oder Eigenschaften hat.
Seine Rechte entspricht der
Weisheit und Seine Linke der Liebe. Es reden also nicht zwei Personen
miteinander, sondern es wird uns Menschen der Kampf zweier gegensätzlicher
Eigenschaften, als innere Vorgänge in dem einen Gott, welche die Neugestaltung
Gottes einleiteten, durch Rede und Antwort verständlich gemacht, damit wir
überhaupt begreifen, was da vor sich ging. Es ist das auch wie ein inneres
Rathalten oder tiefes Nachdenken zur Bewältigung von Problemen, das sich bis zu
einem inneren Ringen steigern kann. Auch in uns findet manchmal solch ein Ringen
statt. Auch wir stehen manchmal vor der Entscheidung: Sollen wir die
Gerechtigkeit oder die Liebe walten lassen. Auch solch ein in uns
stattgefundenes Ringen könnte in Rede und Antwort dargestellt werden. (3.Hi.
Seite 344,30-31)
15. Warum wollte die Gottheit die Schöpfung zerstören?
Es wird sich sicher auch mancher fragen, warum die Gottheit wegen einer kleinen
Sünde so erzürnt war, daß Sie die ganze Schöpfung zerstören wollte. (Hier
muß noch gesagt werden, daß der Zorn Gottes nicht wie der Zorn eines Menschen
ist, sondern er ist Gottes Liebeseifer 2.HG 231,35 oder der stets gleiche und
feste Ernst Seines Willens. 4.GEJ 141,3) Später sündigten die Menschen viel
schlimmer als das erste Menschenpaar. Warum also wollte Er da die Schöpfung
zerstören? -
Das hat folgenden Grund:
Wäre Adam der Versuchung widerstanden, so hätte er in sich den Keim zur Sünde
vernichtet. Durch seinen Fall aber hat er diesen Keim nicht nur nicht
vernichtet, sondern der ganzen nachfolgenden Menschheit weitervererbt und es war
dadurch das Zurücksinken seiner Nachkommen in die Materie geschehen. Alle
späteren, manchmal noch viel schlimmeren Sünden seiner Nachkommen waren also
schon in der einen ersten Sünde Adams keimartig enthalten. Die Gottheit wollte
also deshalb die Schöpfung zerstören, weil der Fall Adams grundlegender Natur
war.
Nach dem Rückgängigmachen
der Zerstörung wuchs dann ja auch der Same der Sünde und wurde zu einem
großen und starken Baume. Dieser Sündenbaum wäre weitergewachsen, so daß
neben der Ordnung Gottes eine neue Widerordnung entstanden wäre, die immer
stärker geworden wäre, wenn nicht Jesus diesen Baum gebrochen hätte. (11.GEJ
75) Jesus sagt: "Damit es aber bei dieser Neugestaltung der alten Wesen an
der Seite Gottes gegen Ihn Selbst keine Widerordnung gebe, mußte Gott Sich
gewisserart durch Meine Mensch- werdung Selbst neu gestalten, hernach bauen
einen neuen Himmel und endlich machen, daß da alles neu werde, gleich
Ihm!" (2.Hi. Seite 136,9).
16. Die große und die unendliche Kluft zwischen Gott und den Geschaffenen
Zwischen Gott und allen geschaffenen Wesen bestand schon von Anfang an eine
unendliche Kluft, der zufolge sich niemand Gott nahen und ihn sehen konnte, ohne
sein Leben gänzlich zu verlieren. (2.GS 13,5 / 9.GEJ 85,5) Gott sprach zu Mose:
„Kein Mensch kann Mich sehen und leben.“ (2.Mos. 33,20) Die ewige Liebe
hatte aber schon von Ewigkeit her den Plan gefaßt, sich Kinder heranzubilden
und das setzt voraus, daß die Kinder keinen fernen Gott, sondern einen Vater,
Freund und Bruder haben, den sie sehen und dem sie sich nahen können. Dazu
mußte Gott über die unendliche Kluft eine Brücke bauen und diese Brücke war
Seine Neugestaltung durch die Menschwerdung. (9.GEJ 85,5)
Adam hätte wohl die
Brücke über die große Kluft zwischen Materie und Geist bauen können,
wenn er nicht gefallen wäre, aber als geschaffener Geist wäre er niemals dazu
imstande gewesen, die Brücke über die unendliche Kluft zwischen Gott und
Geschöpf zu bauen. Dazu war nur der Allerhöchste Selbst in der Lage. Deshalb
hatte Er Seine Neugestaltung durch die Menschwerdung schon von Ewigkeit her
vorgesehen und dazu benutzte Er den Fall der Geister und den Fall Adams. Durch
den Fall der Geister war bereits die Erlösung aus der Materie notwendig
geworden, diese setzte die Trennung der ewigen Liebe von der Gottheit voraus und
dieser mußte schließlich auch die Wieder- vereinigung folgen. Durch Adam
sollten die gefallenen Geister in seinen Nachkommen in jedem einzelnen Menschen
aus der Materie erlöst werden, aber er fiel. (1.HG 36,3)
17. Die gefallene Schöpfung wurde zur Bildung der Gotteskinder ausersehen
Voraussetzung für den Fall Adams war der Fall der Geister. Adam wäre nie
gefallen, ja er wäre nie auf einer materiellen Erde gewesen, wenn nicht der
Fall der Geister vorausgegangen wäre. Wären zwar die Geister, nicht aber Adam
gefallen, dann wäre auch die Kreuzigung nicht geschehen, weil es bei einer
ungefallenen Menschheit keine schlechten Menschen gegeben hätte, die Jesus
gekreuzigt hätten. Böse, selbstsüchtige und herrschsüchtige Menschen, wie es
sie auf dieser Erde gegeben hat und immer noch gibt, hätten nicht sein müssen,
aber sie waren eine Folge des Falles Adams.
Jesus sagt: „Ja, ja, es
könnte wohl anders sein, so wie es auch auf zahllos vielen andern Weltkörpern
anders ist; aber dann wäre eben diese Erde nicht ausersehen für die Zucht
jener Menschen, die bestimmt und berufen sind, Meine Kinder zu werden!“ (5.GEJ
157,2) Ohne den Fall der Geister und den Fall Adams hätte Gott zur Erziehung
Seiner Kinder ähnliche Zustände, wie sie nach dem Fall Adams auf der Erde
entstanden sind, künstlich erschaffen müssen, um sie zu Seinen Kindern
heranziehen zu können, denn zur vollen und höchsten Gotteskindschaft gehört
eine große Probe der Willensfreiheit, die nur mit einem materiellen
Übergewicht gegenüber dem Geist möglich ist. (6.GEJ 239,2)
Jesus fragt uns: „Kann
die wahre, mächtige Liebe sich als solche je völlig erkennen unter Menschen,
die selbst pur Liebe sind? Welchen Probierstein soll man zur Übung in der
Geduld, Demut und Sanftmut den schon von Geburt an mit aller Liebe erfüllten
Menschen geben? So Ich aber schon jedes Menschen Natur also gestellt hätte,
daß er schon von der Geburt an in der höchsten Vollendung ohne sein Zutun
dastünde, welche Übung des Lebens und Selbstfortschreitens wäre für ihn da
wohl noch denkbar?“ (5.GEJ 157,3-4) Kein geschaffenes Wesen hätte je die
volle Gotteskindschaft erlangt, wenn es nie seine Seelenvollkommenheit verloren
hätte.
Denn eine bei der
Erschaffung gegebene Seelenvollkommenheit hat bei weitem nicht den Wert, wie
eine selbst errungene. Deshalb kann kein geschaffenes Wesen die volle
Gotteskindschaft erreichen, wenn es nicht selbst den Weg aus der
Unvollkommenheit seiner Seele zur Vollkommenheit gegangen ist. (4.GEJ 245)
Deshalb müssen auch alle Gott treu gebliebenen Engelsgeister den Weg durch die
Materie gehen, um die volle Gotteskindschaft erlangen zu können. Wie hätte
wohl Gott den nachfolgend beschriebenen Zustand der Demut bei Seinen Geschöpfen
besser erreichen können, als durch den Fall in die Sünde?
Jesus sagt zum Zorel: „Wer
seine Gebrechen reuig bekennt und Buße wirkt in der wahren, lebendigen Demut
seines Herzens, der ist Mir lieber denn neunundneunzig Gerechte, die der Buße
noch nie bedurft haben. Komme daher nun zu Mir, du bußfertiger Freund; denn in
dir waltet nun das rechte Gefühl der Demut, das Mir lieber ist denn das der
Gerechten von Urbeginn an, die da in ihren Herzen rufen: ,Hosianna, Gott in der
Höhe, daß wir Deinen heiligsten Namen niemals entheiligt haben durch eine
Sünde mit unserem Wissen und Willen!‘ Das rufen sie wohl und haben auch ein
Recht dazu; aber darum sehen sie auch einen Sünder mit richterlichen Augen an
und fliehen seine Nähe wie die Pest.“ (4.GEJ 78,1)
Bis zur Menschwerdung
Gottes hatte noch kein geschaffenes Wesen völlig die Gotteskindschaft erreicht,
weil bis dahin die Eingeburt des reinen Gottesfunkens noch nicht erfolgt war.
Die ungefallenen Engelsgeister müssen bei ihrer Inkarnation ins Fleisch ihre
Seelenvollkommenheit verlieren, um sie sich neu, aber diesmal völlig
selbständig, erringen zu können. Auch sie können den reinen Gottesfunken erst
dann bekommen, wenn sie als Mensch auf der Erde waren und wenn sie an Jesus
geglaubt und nach Seiner Lehre gelebt haben. Ohne den Fall der Geister und den
Fall Adams wäre nie eine Seele unvollkommen geworden.
Erst durch den Fall der
Geister und Adams war alles, was Gott zur Bildung der geschaffenen Wesen zur
völligen Gotteskindschaft benötigte, vorhanden. Es waren der Schmelztiegel
Luzifer, die verlockende Materie und die Unvollkommenheit der Menschenseelen
entstanden, ohne daß Er Sich diese Werkzeuge und Zustände hätte extra
erschaffen müssen. Hätte Sich Gott die Mittel zur Bildung Seiner Kinder extra
erschaffen müssen, so wären das doch künstliche Mittel gewesen, hinter denen
kein voller Ernst gestanden wäre. Durch das Fallgeschehen aber stand der volle
Ernst dahinter, nämlich der Kampf des Lebens gegen den Tod, für den Gott
Selbst sein Leben gab.
Auch hätte die ewige Liebe
ohne den Tod Jesu am Kreuz Ihren Geschöpfen die Größe Ihrer Liebe und Demut
nicht in vollem Maße zeigen können. Sie hätte Ihre große Demut und Ihre
große Liebe zu den gefallenen Geschöpfen nicht besser in die Tat umsetzen
können, als daß Sie für die Gefallenen in den Tod gegangen ist. Jesus sagte:
„Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine
Freunde.“ (Joh. 15,13) Dazu kommt noch, daß der Tod Jesu am Kreuz gut dazu
geeignet war, die Gottheit neu zu gestalten und die ewige Liebe mit der Gottheit
zu vereinen. Wir werden später noch davon hören.
Weil nun der Fall der
urgeschaffenen Geister und der Fall Adams geschehen war, so war die Vereinigung
und Neugestaltung Gottes durch den Tod Jesu am Kreuz der beste Weg zur Gründung
einer neuen Schöpfung und eines neuen Himmels.
18. Mußten Adam und die urgeschaffenen Geister fallen?
Wenn dem himmlischen Vater ein reuiger Sünder lieber ist als ein Gerechter,
der nie gefallen ist und nie eine Sünde beging, weil nur auf diese Art die größte
Demut erreicht werden kann, so stellt sich die Frage, ob sich Adam und die
urgeschaffenen Geister frei entscheiden konnten oder ob Gott den Fall
vorherbestimmt hatte und sie fallen mußten, damit der sündige Zustand der
Geschaffenen entstehen konnte und deshalb die Mensch- werdung und Neugestaltung
Gottes und mit ihr die Einlegung des reinen Liebefunkens in die geschaffenen
Wesen geschehen konnte, wodurch sie erst die volle Gotteskindschaft bekommen
konnten?
Dazu gibt uns Jesus
folgende Antwort: „Was da betrifft den ‘Fall Adams’, so hat solcher schon
freilich mehr Objektivität als der sogenannte ‘Fall der Engel’, ist aber
dabei in der Entsprechung dennoch homogen dem Falle der Engel; nur kommt bei ihm
schon wirklich ein positives Gesetz zum Vorscheine, während es sich bei dem
Falle der Engel noch lange um kein solches Gesetz handeln konnte, weil damals
erst mit der großen Entwicklung der frei zu machenden Wesen der Anfang gemacht
ward und sonach außer Gott noch keine solche Intelligenz dastand, der man
irgend ein positives Gesetz hätte geben können.
Darum geschah unter
dem sogenannten 'Falle der Geister' auch eine notwendige und genötigte
Scheidung, während die adamitische, als schon von ihm selbst ausgehend, eine
freie war und sonach keine Nötigung, sondern ein freier Akt des schon in allen
seelischen
Sphären freien ersten Fleischmenschen. Im ganzen ist sie aber dennoch auch ein
vorher- gesehener Aktus aus der geheimen Ordnung Gottes, die zwar nie als eine
absolute Nöti- gung, aber dennoch als eine Zulassung unter ‘du sollst’ und
‘du sollst nicht’ dem freien Willen des Menschen wegen seiner aus der
eigenen Tätigkeit zu gewinnenden Konsolidierung (Festigung) gegeben wird.
Es ist da ein Unterschied
wie zwischen einem Kindmenschen, der seine eigenen Füße noch nicht gebrauchen
kann und daher von einem Orte zum andern hingetragen werden muß und einem
gesunden Manne, der schon lange oft nur schon zu gut und zu fest gehen
kann.“ (2.GEJ 224,2-4)
19. Die freie Entscheidung Adams
Adams Entscheidung war eine freie und deshalb hätte er nicht fallen müssen.
Er hätte nur das eine „Du sollst“ - Gebot beachten brauchen, das ihm der
himmlische Vater gegeben hatte. Dem gegenüber stand der Reiz zur Übertretung, der in
ihm aber noch klein war, und deswegen hätte er es sogar leicht gehabt, ihm zu
widerstehen. (11.GEJ 75,5) Es bedurfte nur der Willensanstrengung im Gehorsam
und er hätte die Probe bestanden. Seine Ent- scheidung war die Entscheidung eines
erwachsenen Mannes, der aber die Festigkeit, in der Ordnung Gottes zu bleiben,
erst durch seine Erprobung im freien Willen erreichen mußte, wegen der
selbständigen Erringung der Gotteskindschaft.
Deshalb war der Fall Adams
von Gott zwar nicht gewollt, aber doch ein vorhergesehener Akt aus der geheimen
Ordnung Gottes. Die geheime Ordnung Gottes ist der Umweg, auf dem Gott dennoch
zu Seinem Ziel gelangt, auch wenn die mit freiem Willen ausge- statteten
Geschöpfe Seinem ersten Plan zuwiderhandeln. Welchen Weg die Geschöpfe gehen,
ob den ersten oder den geheimen zweiten, darf Gott nicht mit absoluter
Gewißheit vorausschauen und auch nicht im Voraus hinausposaunen, damit der
freie Wille der Geschöpfe gewahrt bleibt.
Jesus sagt: „Wir wollen
durchaus nicht laut im vorhinein sagen und behaupten: ‘So und so wird es
gehen!’; denn soll das große Werk gelingen, so darf selbst Ich nicht einen
scharfen Blick in die weite Zukunft tun, auf daß zwischen Mich und die von Mir
geschaffenen Menschen ja nicht das Geringste trete, das da irgendeinen Einfluß
auf der Menschen freiesten Willen zu nehmen imstande wäre.“ (5.GEJ 130,1)
Wenn es um den freiesten Willen der werdenden Gotteskinder geht, so darf auch
Gott, obwohl Er es könnte, nicht so scharf vorausschauen, daß Er mit
hundertprozentiger Sicherheit weiß, wie die freie Entscheidung ausfallen wird,
(3.GEJ 137,16) denn sonst würde die Vorausschau zur Bestimmung.
Deshalb hat Er den Fall der
Geister und den Fall Adams zwar vorhergesehen, aber nicht mit äußerster
Schärfe, sondern nur bis an die Grenze zur Gewißheit, wodurch die freie
Willensentscheidung gewahrt blieb. Weil nun der Fall der Geister und Adams
möglich werden könnte, so hat Er beide als Umwege, die einerseits zwar länger
dauern und schwerer zu gehen sind, aber andererseits Ihm auch einige Vorteile
bei der Bildung Seiner Geschöpfe zu Gotteskindern brachte, geheim mit
eingeplant und zugelassen. „Ohne Meine Zulassung kann nichts geschehen“,
sagt der himmlische Vater, „wenn Ich aber irgend etwas zulasse, so habe Ich
allzeit Meinen besten Grund dazu!“ (2.HG 158,26)
Der Grund Seiner Zulassung
war, daß der Fall der Geister und Adams gut in Seinen Plan paßte, Sich Selbst
umzugestalten, Sich Gotteskinder zu erziehen, alles neu zu machen und eine neue
Ordnung einzuführen. Jesus sagt: „Nach der alten Ordnung konnte niemand in
die Himmel kommen, der einmal in der Materie gesteckt ist; von nun an aber wird
niemand wahrhaft zu Mir in den höchsten und reinsten Himmel kommen können, der
nicht gleich Mir den Weg der Materie und des Fleisches durchgemacht hat.“
(4.GEJ 109,4) -
Alle ungefallenen
Engelsgeister werden noch den Weg des Fleisches gehen müssen, (3.GEJ 180,12)
wenn auch nicht alle über die Erde, sondern auch über die vielen anderen
Weltkörper. - „So mache Ich nun alles neu, und alle alten Verhältnisse
müssen umge- wandelt werden, dieweil Ich Mich Selbst umgewandelt habe dadurch,
daß Ich Selbst die Materie angezogen habe.“ (4.GEJ 109,8)
20. Die freie Entscheidung der urgeschaffenen Geister
Auch die urgeschaffenen Geister konnten sich frei entscheiden, aber es war
die Ent- scheidung eines kleinen Kindes, das noch keine Selbständigkeit
erlangt hatte. Es kam zunächst darauf an, die neugeschaffenen Geister zuerst
zur Tätigkeit anzuhalten, weil kurz nach ihrer Erschaffung die Gefahr bestand,
daß sie in die Ruhe zurücksinken würden, aus der sie gerade erst
hervorgegangen waren. Dazu mußte ihnen ein „Du sollst“ - Gebot gegeben
werden und mit dem Gebot ein Trieb oder Reiz zur Übertretung. Gleichzeitig
mußte ihnen die schlimme Folge gezeigt werden, wenn sie dem Gebot
zuwiderhandeln würden.
Dazu mußte ihnen aber auch
noch gezeigt werden, daß sich anfangs für das dem Gebot zuwiderhandelnde
Geschöpf ein kurzwährender Vorteil erreichen läßt, aus dem aber später
stets ein lange währender Nachteil folgen wird, dem zu begegnen es dann viele
harte Mühe und schmerzliche Anstrengungen kosten wird. Mit allem dem versehen,
kann erst das neugeschaffene Wesen einen wahren Gebrauch von seiner freien Intelligenz
und der daraus hervorgehenden Tatfähigkeit zu machen beginnen, gehe es dann wie
es wolle, krumm oder gerade, recht oder unrecht. Erst nach der Selbsttätigkeit
konnte der Hauptakt zur vollen und wahren Selbständigkeit beginnen.
Ob die Tätigkeit zunächst
gut oder schlecht, gesetzlich oder ungesetzlich ausfiel, das mußte, zumindest
dem Schöpfer gegenüber, für den Anfang eines jeden neugeschaffenen Wesens
völlig gleich sein. Für das Geschöpf war es allerdings nicht gleich, denn es
entschied sich damit entweder für ein seliges oder unseliges Sein. Die
Selbständigkeit wird dadurch erreicht, entweder auf einem kürzeren oder
längeren Wege, denn der Rückweg wird einem jeden gefallenen Geiste
offengehalten. Dem Zurücksinken in die Ruhe, aus der sie als neugeschaffene
Wesen erst hervorgegangen waren und damit der vollen Vernichtung war dadurch
vorgebeugt und das war es, was für den Anfang erreicht werden mußte. (2.GEJ
227)
Jesus sagt: „Die alte,
sündige Materie, die an und für sich nichts ist als eine lose und sündige
Erscheinlichkeit der Eigenliebe, der Selbstsucht, des Hochmutes und der Herrsch-
sucht …entstand zwar aus dem notwendigen Reize, den Ich wegen der
Erkenntnis des eigenen freien Willens in die Geister legen mußte; aber obschon
der Reiz notwendig war, so war ihm als Folge die sündige Werdung der
materiellen Welten durchaus keine Notwendigkeit. Sie war nur eine aus Meiner
Ordnung zugelassene, leider notwendige Folge dessen, daß so viele Geister dem
Reize nicht widerstehen wollten, obschon sie es vermocht hätten, - ebensogut
wie es sechsmal so viele urgeschaffene Geister vermochten, von denen uns zu
Diensten nun einer hier stehet und den Namen Raphael führt.“ (4.GEJ 108,2-3)
21. Die bessere Ordnung
Welche Ordnung ist besser: Ein erstgeschaffener Engelsgeist neben dem
unsichtbaren Gott an der Spitze aller Geschaffenen oder Gott als sichtbarer
Vater mitten unter Seinen Kindern, die alle gleiche Brüder und Schwerstern
sind? - Wohl die zweite, neue Ordnung, und deshalb hatte Gott sie von Ewigkeit
her vorgesehen. Die erste Ordnung war wohl eine notwendige, weil sie bei der
Erschaffung der zuerst aus Gott hinausgestellten Wesen nicht anders möglich
war. Wie Adam als erstgeschaffener Mensch am Anfang an der Spitze aller Menschen
stand, weil sie alle fleischlich aus ihm hervorgegangen sind, so sind auch
alle Geistwesen aus den drei erstgeschaffenen Geistern hervorgegangen, von denen
Luzifer der erste war.
Da Luzifer an der Spitze
einer großen Geisterschar stand und er, außer dem noch unsicht- baren Gott, der
Herrlichste und Mächtigste war, so war von Anfang an die Gefahr groß, daß
Luzifer hochmütig werden und fallen könnte. Das hat aber Gott absichtlich so
eingerichtet, denn weil gerade dieser Geist in der ersten Ordnung eine
herausragende Stellung gegen- über den anderen Geistern hatte, so mußte er auch,
um dieser Bestimmung würdig be- funden zu werden, einer schwersten Prüfung
unterzogen werden, die er aber nicht bestand. Gott war es nicht möglich, die
zweite Ordnung zuerst entstehen zu lassen, denn aus der ersten Ordnung mußte
erst die zweite, neue Ordnung hervorgehen.
Die erste Ordnung, wie die
Geschöpfe erschaffen wurden, war von Gott bestimmt, aber
die Entwicklung zur zweiten, neuen Ordnung bestimmten die Geschöpfe mit. Erst
ihr Ungehorsam gegen Gottes Gebote setzte den geheimen Plan in Kraft, der für
die Ge- schöpfe einen Umweg bedeutete, auf dem sie das Ziel um vieles schwerer
und um vieles später erreichen würden. (2.GEJ 224,7)
22. Die Nachteile für die Gefallenen und die Vorteile für Gott
Jesus fragte einmal den Luzifer: „Weißt du denn wohl, ob das nicht Mein
geheimer Wille ist, daß du eben so sein mußt, wie du bist?! Weißt du es, ob Ich dich
nicht schon von Urbeginn zum Fall bestimmt habe?!“ (BM 119,10) - Auch für den
Fall Satanas und der Geister gilt: Gott hat den Fall wohl vorhergesehen und mit
eingeplant, aber nicht mit absoluter Gewißheit und deshalb war er keine
Bestimmung von Ihm. Er hat auch nicht die Proben so gestaltet, daß sie nicht
hätten bestanden werden können, um Seinen Plan einer neuen Schöpfung auf die
nun in Verwirklichung befindliche Weise ganz sicher ausführen zu können. Gott
will immer den geraden und damit kürzesten Weg gehen. Ein Fall bringt aber
einen langen Umweg und ein unseliges Sein mit sich und das wollte die ewige
Liebe Ihren Geschöpfen ersparen.
Der himmlische Vater sagte
sogar vor der Willensfreiheitsprobe zu Adam: „O Mein geliebter Adam, bedenke
wohl die Worte deines liebevollsten Schöpfers, und verdirb Mir ja nicht Mein so
weit schon gediehenes, größtes Werk Meiner Liebe und Weisheit!“ (1.HG 36,7)
Wenn aber die Geschöpfe unbedingt den langen und schweren Umweg gehen wollen,
so gebraucht Gott auch die Vorteile, die sich für Ihn daraus ergeben. Jesus
verglich einmal Luzifer und seinen Anhang mit Tiegeln, in denen Erz geschmolzen wird, die Er
Sich als Werkzeug zur Erziehung Seiner Kinder geschaffen hat und sagte zu ihm:
„Ich aber bin kein harter Erzgießer, sondern ein Meister voll Liebe, so daß
Ich sogar Meine Tiegel aus ihrer langen Glut ziehen will, so sie es wünschen
und in die Ordnung Meiner freien Werke übergehen wollen.
Wollen sie das aber nicht
und macht es ihnen mehr Freude, Meine ewigen Schmelztiegel zu verbleiben, so ist
es Mir auch recht, denn da brauche Ich Mir keine neuen zu schaffen.“ „Willst
du dein Los verbessert haben, so wird es geschehen. Willst du es aber nicht,
so
wirst du bleiben, was du nun bist so lange, bis aller gegenwärtigen Schöpfung
letzter Gefangene entkeimen wird durch den Weg des Fleisches! - Was aber dann
mit dir, das weiß Ich allein und niemand in der Unendlichkeit außer Mir!“
(BM 119,13+21)
23. Der zweite Grund zur Zerstörung der Schöpfung
Es fragt sich nun, wenn Gott den Fall der Geister und den Fall Adams, wenn
auch nicht mit Bestimmtheit, vorhergesehen hatte und Er beide wohl bedauerte, sie
aber andererseits doch auch gut gebrauchen konnte, warum die Gottheit dann so
erzürnt war und warum Sie beim Falle Adams sogar die ganze Schöpfung
zerstören wollte, während Sie das beim Fall der Geister nicht im Sinn hatte? -
Ja, Gott sah wohl den Fall, wenn auch nicht mit abso- luter Gewißheit, voraus und
hatte ihn geheim mit eingeplant, aber die Gottheit konnte Sich dennoch nicht
anders verhalten, weil die Weisheit und die ewige Liebe, als gegen- sätzliche
Eigenschaften des Wesens Gottes, eine unterschiedliche Handlungsweise
haben.
Nicht das ganze Gottwesen,
sondern nur die Gottheit geriet in Zorn, welcher aber, wie schon erwähnt, kein
menschlicher Zorn, sondern der feste Ernst Seines Willens war. Die Gottheit, die
als Weisheit die Gerechtigkeit und Heiligkeit in ihrem Wesen vertrat, konnte
einen Fall nicht akzeptieren, weil er etwas Unheiliges war, während die Liebe
Gottes die Gottheit zur Erbarmung zu bewegen suchte, Sich Selbst als Opfer anbot
und bei der Rückführung der gefallenen Schöpfung die vorrangig Handelnde
wurde, auch wenn Sie dabei unheilig werden würde.
Die Gottheit zeigte mit
Ihrem Zorn (oder dem festen Ernst Ihres Willens) an, daß es Ihr mit der Rettung
der gefallenen Geister ernst war, aber Sie konnte Sich nicht mit den Gefallenen
abgeben. Wenn Sie da bereits die Schöpfung endgültig hätte vernichten wollen,
so hätte Sie diese in einem Augenblick aufgelöst. Sie wollte die Schöpfung
retten, aber Sie Selbst konnte es nicht, sondern mußte es der ewigen Liebe
überlassen und Ihr Gelegenheit geben, noch die letzte, aber auch schwerste
Maßnahme einzusetzen.
Der ewigen Liebe war zwar
kein Opfer zu groß, (2.HG 251,17) aber ohne unbedingte Not- wendigkeit hätte
auch Sie Sich nicht dafür entschieden, Ihr Leben hinzugeben. Mit der
Zerstörung der Schöpfung, aber ohne sie völlig zu vernichten, veranlaßte die
Gottheit die ewige Liebe Sich für den schweren Opferweg zu entscheiden, (der so
schwer war, daß selbst, wie wir noch hören werden, die ewige Liebe schwach wurde, als die
letzte Ent- scheidung in Gethsemane bevorstand) denn es gab nur noch diese eine letzte
Möglichkeit zu ihrer Rettung.
24. Die letzte Möglichkeit zur Rettung der gefallenen Schöpfung
Warum war der Opferweg der ewigen Liebe die letzte Möglichkeit zur Rettung
der ge- fallenen Schöpfung? - Das hatte folgenden Grund: Die Zahl der materiellen
Weltkörper im Universum ist für uns unfaßbar, und auf jeder findet die
Rückführung statt. Aus jedem Weltkörper werden ständig Geister frei und
kehren, wenn auch manchmal erst nach langen Umwegen, zu Gott zurück. Jeweils
eine große, für uns unzählbare Anzahl von Weltkörpern ist in einer
Hülsenglobe zusammengefaßt. Und die Gesamtzahl der Hülsengloben, die wiederum
für uns unzählbar ist, entspricht in ihrem Aufbau einem Menschen, - einem
toten Menschen.
Das ist der große
Schöpfungsmensch, auch Makrokosmos genannt, der in sich tot ist, weil er von
Gott abfiel. Das ist der Seelenleib Luzifers, der aller seiner Lichtfülle,
Macht und Kraft verlustig ging. Sein Geist aber ist gebunden an diese Erde, wo
er heute noch die Menschen verführt. Und wie ein jeder Mensch in seinem Herzen
einen Lebenskeim, einen Funken hat, durch den er mit Gott verbunden ist und
durch den er das Leben empfängt, das den ganzen Menschen belebt, geistig und
materiell, so hat auch der große Schöpfungsmensch einen Lebenskeim, also das
Universum einen Weltkörper, der diesem Lebenskeim entspricht, von dem aus die
ganze gefallene Schöpfung wieder belebt werden muß.
Und der Lebenskeim des
Universums, des großen Schöpfungsmenschen, ist unsere Erde. Und ausgerechnet
auf dieser Erde, auf der durch das erste freie Menschenpaar nicht nur das ganze
nachfolgende Menschengeschlecht seine geistige Belebung erhalten sollte, sondern
darüber hinaus auch das ganze unermeßliche Universum, erlitt der
Rückführungs- plan Gottes einen gewaltigen Rückschlag. Begreifen wir nun,
warum der Sündenfall Adams nicht nur ein kleiner Ungehorsam irgendeines
unbedeutenden Menschenpaares war, sondern daß hier bereits im Keime die
Rückführung der ganzen gefallenen Schöpfung zunichte gemacht wurde?
Satan wäre mit der Zeit
Sieger über die ganze Schöpfung geworden, weshalb der Sünden- fall Adams in
seiner Auswirkung weit schlimmer war, als der ganze Fall der Geister. -
Begreifen wir nun den Grimm der erzürnten Gottheit und warum sie die ganze
Schöpfung, die für Sie bereits verloren war, zerstören wollte? - Mit der
Zerstörung veranlaßte Sie die ewige Liebe zu Ihrer schwersten aber auch
größten Tat. Wenn Sich die ewige Liebe da nicht entschieden hätte, alle
Schuld auf Sich zu nehmen und versprochen hätte, sie zu sühnen und den Schaden
wieder gutzumachen, d.h. jeden Menschen sonderheitlich zu heiligen, die
Schöpfung wäre aufgelöst, und es wäre in alle Ewigkeit nie wieder etwas
erschaffen worden.
25. Die freie Selbständigkeit der gerichteten Schöpfung
Jesus sagte: „Ich, als Gott von Ewigkeit, könnte freilich wohl mit Meinem
Willen die Hölle, aber mit ihr auch die ganze Schöpfung zunichte machen. - Was
aber dann? Etwa eine neue Schöpfung beginnen? - Ja, ja, das ginge schon; aber
eine neue Schöpfung von materiellen Welten ist in keiner andern Ordnung denkbar,
als die gegenwärtige da ist, weil die Materie das gefestete und notwendig
gerichtete Medium ist, durch das ein Mir in allem ähnlich werden sollendes Wesen, von
Mir ganz abgelöst, die Willensfreiheitsprobe durchmachen muß, um zur wahren Lebensselbständigkeit zu gelangen. -
Es ist darum besser, alles
bestehen zu lassen, aber in einer wohl gesonderten Ordnung. Diese aber konnte
von Mir nur dadurch bewerkstelligt werden, daß Ich Selbst Mensch geworden bin,
Selbst alle Materie durchdrungen und somit allen ihren noch so alten,
gerichteten geistigen Inhalt zur Beseligung fähig gemacht habe. Und das ist
eben die zweite (neue) Schöpfung, die Ich schon von Ewigkeit her vorgesehen
habe, ohne die nie ein Mensch dieser oder auch einer andern Erde vollkommen
selig hätte werden können;
denn vor dieser Meiner Darniederkunft war Ich ewighin ein unschaubarer Gott, wie
es auch im Moses heißt, daß niemand Gott sehen kann und leben. Von nun an aber
bin Ich für jedermann ein schaubarer Gott, und jeder, der Mich sieht, lebt und
wird ewig leben.“ (6.GEJ 239,2-4)
Weil nun die ewige Liebe
die Anforderungen der Gottheit annahm und dadurch ihrer Heiligkeit schon im
voraus Genüge tat, so konnte die Schöpfung bis zur letzten Ent- scheidung über
ihr Sein oder Nichtsein weiterbestehen. Diese letzte Entscheidung fiel etwa 4000
Jahre später in Gethsemane. Somit konnten die Menschen weiterbestehen, obwohl
sie später oft ärger sündigten als Adam und Eva beim ersten Sündenfall. Aber
sie waren gerichtet. Sie hatten kein selbständiges Leben, wie es Adam für die
ganze Menschheit, ja für die ganze Schöpfung hätte erringen können, wenn er
die Prüfung bestanden hätte, sondern ein gerichtetes Leben.
Zwar hatten sie die
Freiheit, gegen die Ordnung Gottes zu handeln, worauf dann auch kleinere und
größere Gerichte über sie kamen, aber im Grunde genommen waren sie tot, denn
die ganze Schöpfung wäre ja durch die Heiligkeit Gottes vernichtet worden. Das
Leben der Menschheit bestand also vor der Erlösung nur auf das Versprechen hin,
die Schuld zu tilgen und war deshalb so lange ein gerichtetes, bis daß die
ewige Liebe auf Golgatha alles Gericht auf Ihre Schultern genommen hatte. Ein
gerichtetes Ding aber ist tot und gleicht einem Automaten, der kein
selbständiges Leben hat.
„Sie (die Welt) war (vor
der Erlösung) bloß ein durch Meine Barmliebe immer gerichteter Automat“,
sagt die ewige Liebe in der Kundgebung „Der sehr Schwache“, „...dem die
Kunst des Bildners sowohl, als die des Mechanikers alles gegeben hätte, daß
ihm nichts abginge, als nur das selbständige Leben, um ein Mensch in aller
Vollkommenheit zu sein. Ja würdet ihr da nicht sehnlichst wünschen, nicht nur
das künstliche Leben diesem Auto- maten, sondern ein wirkliches selbständiges
Leben (zu geben)? Und wäret ihr (dazu) fähig, wie Ich es bin, so würdet ihr
euch mit eurem Leben im Geiste selbst hineinziehen in den Automaten und würdet
somit alle seine Mängel und innerlichen Gebrechen notwendig an euch ziehen und euch gewisserart mit denselben bekleiden.“
26. Die mit aller Schuld überladene Liebe und die ihr von der Heiligkeit
Gottes gemachten Vorwürfe
„Sehet, wie war es denn nun da zu tun, da Ich nur allein das Leben bin, und
das Leben habe in und aus Mir, um der beständig zu richtenden Welt ein wahres
freies und nicht bloß mechanisches Leben zu geben? Sehet, da mußte die Liebe sich
trennen von Gott oder (von) der urewigen heiligen Kraft, aus der sie ewig
geboren ward und die Kraft Gottes ewig aus Ihr. Also dieses ewige Leben aus sich
selbst oder aus der urewigen Kraft Gottes, mußte einen Bruch machen mit Gott
und mußte sich niedersenken zur toten Welt und anziehen das Sterbliche
derselben, damit das Sterbliche dadurch die Sterblichkeit verliere und wieder
frei lebendig werde in und aus dem Leben aus Gott, welches ist das Leben alles
Lebens, da Gott Selbst ist in diesem Leben und das Leben selbst in Gott.
Und so ist das Leben von
Gott ausgegangen, hat sich mit der Sterblichkeit des Fleisches bekleidet, damit
dadurch alles Fleisch möchte frei lebendig werden in sich durch das Leben aus
Gott, wie Gott Selbst lebendig ist von Ewigkeit und dasselbe ewige Leben der
Liebe in Sich. Sehet, das ist nun das große Geheimnis, warum die Liebe Gottes im
Menschen sich selbst gemacht hat zur allerartigen Verbrecherin und Sünderin, damit da nicht
nur ein Fleisch, sondern alles Fleisch mit dem Leben aus Gott durchwirket werden
mochte. Und diese nun so mit aller Schuld überladene Liebe mußte sich dann
...vor der Heiligkeit Gottes, vermöge der an sich genommenen allgemeinen Schuld
oder Sterblichkeit, eben auch bis auf den alleräußersten Punkt aller Punkte
demütigen und mußte ertragen jeden erdenklichen Vorwurf, um dadurch sich mit
Gott wieder vereinigen zu können, wie auch alles das dem Vater oder der
Heiligkeit Gottes lebendig wieder anheimzustellen, was zwar lebendig dereinst
aus Gott gegangen ist, aber sich tot gemacht hat durch die eigenwillige und
hochmütige Losreißung von Gott - oder von Seiner ewigen Ordnung.
Sehet, nachdem ihr dieses
doch so ziemlich mochtet begriffen haben, so will Ich euch nun auch ein wenig
mit den Vorwürfen bekannt machen, die Mir da notwendigerweise von der
Heiligkeit Gottes gemacht wurden, damit ihr da etwas erfahret, was die Welt bis
zur gegenwärtigen Minute noch nicht erfahren hat. Ihr wißt, daß alles, was da
erschaffen wurde in der ganzen Unendlichkeit, laut des Zeugnisses Meines lieben
Johannes (Joh. 1,1-3) durch Mich gemacht und erschaffen wurde. Nun nehmet aber
die böse gewordene Welt, die dadurch von der Heiligkeit Gottes immer verdammt
ward, daß Ich als der Hervorbringer solcher Verdammlichkeit ...diesen Vorwurf
notwendig teilen mußte, da die Welt und alles, was in ihr ist, nicht durch sich, sondern durch Mich einzig und allein ins
Dasein gerufen wurde.
Da also die Welt
schnurgerade entgegen war der Heiligkeit Gottes, wie war hernach das Bestehen
der Liebe, die solches hervorgerufen hatte, das die Heiligkeit Gottes verdammen
mußte, anders als ein selbstverdammliches? Nun denket euch all die namenlosen
Taten der Menschen. Sehet, aller dieser Taten wegen mußte Ich verdammt sein von
der Heilig- keit Gottes, weil die Taten selbst verdammt waren als Erscheinungen in
der Welt, die aus Mir hervorgegangen ist. Was war da zu tun? Sehet, nur zwei
Wege standen Mir offen, nämlich der Weg nach oben, und der Weg nach unten, das
heißt: (Entweder) Ich kehre zu Gott zurück, werde Eins mit Ihm und vernichte
durch die Kraft Seiner Heiligkeit alles das, was aus Mir hervorgegangen ist,
oder aber Ich trenne Mich mit allem Vorwurf beladen, mit der höchsten
Verdammlichkeit, von Gott, belebe und heilige da Meine Werke und tue in Meiner
unendlichen Demütigung Genüge der ebenso unendlichen Heiligkeit Gottes.
Sehet, wenn Ich nicht die
ebenso unendliche Liebe selbst wäre, wie Gott die unendliche Heiligkeit selbst
ist, so hätte Ich freilich das erste getan (nämlich die gefallene Schöpfung
vernichtet). Allein Meine Liebe vermochte das Unaussprechliche aussprechlich
(d.h. möglich) zu machen, verleugnete ihre Heiligkeit und machte sich unheilig,
da sie sich belastete mit aller Schuld und somit auch mit des Todes schwerster
Bürde.“
27. Die große Entscheidung
„Allein, ihr wißt die Begebenheit, als Ich in dem Garten Gethsemani an
dem sogenannten Ölberge zu Gott, von dem Ich Mich der Welt wegen getrennt habe,
betete, sehet, da erst erwachte vollends die große Blindheit Meiner Liebe und
sah mit dem entsetzlichsten Grauen zwischen Sich und Gott die unendliche Kluft.
Allda bereute Ich im Ernste, daß Ich Gott verließ und zum toten Werke Meiner
eitlen Lust Mich gewendet habe, und damals stand die ganze Schöpfung in der
großen Schwebe zwischen Sein und dem ewigen Nichtmehrsein. Denn entweder trinke
Ich den Kelch, so besteht die Welt und alles, was auf ihr ist - oder Ich setze
den Kelch zur Seite und die Welt und alles unter (und über) ihr wird zunichte
in dem Augenblick, da Ich den Kelch zur Seite setze.
Aber sehet, eben da, wo die
Liebe und das Leben in der unendlichen Entfernung von Gott schwach geworden ist,
da erbarmte Sich Gott Seiner Liebe selbst, stärkte Sie und gebot Ihr, den
vorgesetzten Kelch zu leeren, und sprach insgeheim zu Ihr: 'Noch sind zwischen
Mir und Dir die Extreme der Unendlichkeit nicht berührt; daher senke Dich hinab
in die äußerste Tiefe des Todes, welcher ist die äußerste Grenze im
Gegensatze zu Meiner Heiligkeit, damit Ich Dich da wieder erfassen kann, da der
ewige Kreis Meiner Heiligkeit sich schließt.'Sehet, so ging Ich dann geduldig
diesem Ziele entgegen, allwo Ich in dieser unendlichen Entfernung von Gott am
Kreuze ausrief: ‘Mein Gott, Mein Gott, warum hast du Mich verlassen?’ - und ferner: ‘Es ist vollbracht!’ und ‘In
Deine Hände empfehle Ich Meine Seele’ - oder die Seele alles Lebens, oder die
Seele, aus der alles, was da ist, hervor- gegangen ist.
Sehet, nun werdet ihr, so
ihr dieses ein wenig bedenket, wohl einsehen, wie Ich bei euch Sündern der ‘Sehr
Schwache’ bin, und wie Ich Mir noch immer muß von der Heiligkeit Gottes an
eurer Statt in irgend einer vorgestellten menschlichen schwachen Beschaffen-
heit Vorwürfe machen lassen, um euch, jeden sonderheitlich, neuerdings wieder
(vom Tode) zu erlösen und einzuführen lebendig in die Heiligkeit des Vaters!“
(3.Hi. Seite 77,7-79,16)Welch eine Tiefe des Gethsemanegeschehens und des
Kreuzestodes wird uns in dieser Kundgebung geoffenbart. Die letzte und
endgültige Entscheidung war gefallen, als Jesus ausrief: „Vater, ich weiß,
es ist möglich, daß dieser Kelch vorübergehe, aber Dein Wille allein geschehe
und darum will ich ihn trinken.“ (11.GEJ 72,14) Mit dieser freien Entscheidung
der ewigen Liebe konnte die ganze Schöpfung weiterbestehen, die sonst zunichte
geworden wäre, aber es fing damit auch das Leiden Jesu an.
28. Das große Geheimnis des Kreuzesleidens
In diesem Leiden ist nun das große Geheimnis Seines Kreuzestodes
verborgen. Verstünden wir in der Tiefe unseres Herzens dieses große Geheimnis, von dem
wir nun schon einiges vernommen haben, so würden die Engel des Himmels
ehrfurchtsvoll und in höchster Freude zu uns in die Schule gehen. (1.Hi. Seite
326,3) Allein, wir verstehen noch so gut wie nichts davon und die meisten
Menschen werden immer wieder fragen: „Warum mußte denn der Allmächtige wie
ein Verbrecher den Kreuzestod erleiden, um uns das ewige Leben geben zu können?“
Doch im 1. Band „Himmelsgaben“
führt der himmlische Vater Seine Kinder noch tiefer in das große Geheimnis
ein. Äußerlich hat Jesus so gelitten wie viele andere Menschen, die einen
Foltertod erlitten haben. „Weil aber das menschlich leidende Ich“, sagt
Jesus, „noch ein anderes, göttliches Ich in sich schloß, so war dieses
Leiden auch ein doppeltes, näm- lich das äußere, leibliche und das innere,
göttliche. Worin das äußere Leiden bestand, wisset ihr, aber worin das
göttliche Leiden bestand, das ist eine andere Frage. - Damit ihr euch davon
einen Begriff machen könnet, so denket euch, was das heißen will, wenn der unendliche Gott in dieser Leidensperiode Sich aus Seiner unendlichen und
ewigen
Freiheit zurückzog und in dem Herzen des leidenden ‘Sohnes’ Seine Wohnung
nahm!
Nun sehet, Mein Äußeres
wurde durch die bitteren Leiden bis auf den Punkt des Todes gedrückt. Die im Herzen sitzende Gottheit aber mußte den Tod und die
Hölle von dem innersten Punkte aus besiegen. Nun denket euch den leidenden
Gottmenschen, Der da nun gestellt war zwischen zwei Feuer: Von außen her
drückte Mich der Tod und die Hölle mit all ihrer Gewalt so lange, bis Mein
natürliches Leben bis zu dem innersten Punkte Meines Herzens getrieben ward.
Von innen aus aber wirkte diesem Drucke die Gottheit mit all Ihrer unendlichen
Macht und Kraft entgegen und ließ Sich nur durch die Liebe Selbst bis auf einen
Punkt zusammentreiben.
Nun denket euch wieder:
Dieselbe Macht und dieselbe Kraft, welche mit einem Hauche alles, was da lebt
und webt in der ganzen Unendlichkeit, in einem Augenblick zerstören könnte,
dieselbe Macht und Kraft, die alle Ewigkeiten und Unendlichkeiten nicht
erfassen, welche die ganze unendliche Schöpfung aus Sich werden hieß - o
höret! - dieselbe Macht und Kraft in Ihrer vollsten Allheit hat Sich so weit
aus ihrer Unendlichkeit heraus, wie schon gesagt, auf einen Punkt beengen
lassen, welche Beengung die größte freiwillige Demütigung der Gottheit in Mir
war! Wenn ihr dieses nur ein wenig in eurem Herzen zu fassen imstande seid,
welchen leidenden Kampf Ich da als die ewige Liebe zu bestehen hatte, so werdet
ihr euch wohl auch einen kleinen Begriff machen können, was alles unter Meinem
Leiden verstanden wird.
Dieses Leiden dauerte bis
auf den Punkt, da Ich am Kreuze ausrief: ‘Es ist vollbracht! Vater, in Deine
Hände empfehle Ich Meinen Geist!’ - oder mit anderen Worten: ‘Siehe Vater!
Deine Liebe kommt zu Dir zurück!’ - Und sobald wurden von der unendlichen
Macht Gottes alle Bande des Todes und der Hölle zerrissen. Hinaus stürmte die
ewige Macht mit verunendlichfältigter Gewalt. Die ganze Erde bebte, angerührt
von der Allgewalt Gottes. Freiwillig öffnete sie ihre Gräber und trieb die
Gefangenen zum Leben hervor. Und weiter drang dieselbe Allgewalt über alle
sichtbare Schöpfung hinaus, erfüllte in diesem Augen- blicke die Unendlichkeit
wieder. Und alle Sonnen in allen endlosen Räumen zogen ihr Licht aus
übergroßer Ehrfurcht vor der sie neu berührenden Allgewalt Gottes in sich
zurück. Daß aber die Gottheit bei diesem neuen Austritte in diesem Augenblicke
nicht alles zerstört und vernichtet hat, war allein die Liebe schuld, die da
nun völlig wieder mit Ihr vereinigt war.
Nun sehet, Meine lieben
Kinder, das ist, so viel ihr es fassen könnt, zu verstehen unter 'Meinem
Leiden'! - Allein es liegt noch Unendliches darin verborgen, daran ihr
Ewigkeiten genug zu erforschen haben werdet, und das zwar immerwährend
Größeres und Unend- licheres. Denn was Ich euch jetzt gesagt habe, verhält sich
zur Vollheit geradeso wie ein Punkt zur Unendlichkeit.“ (1.Hi. Seite
327,8-329,15) Es wäre wohl keinem Menschen je in den Sinn gekommen, was das
Leiden Jesu und Sein Kreuzestod noch alles in sich birgt, wenn es uns die ewige
Liebe nicht Selbst geoffenbart hätte. Mit dem Kreuzestod hat der Allerhöchste,
wie Er es dereinst verheißen hat, dem Allerhöchsten das allerhöchste Opfer
dargebracht.
(1.HG 143,8) Es ist für
uns unfaßbar, daß sich der Allmächtige, der größte Geist von Ewigkeit, von Seinen nichtigen Geschöpfen gefangennehmen und ans Kreuz
schlagen ließ. Ohne die unbegreiflich große Liebe des Schöpfers zu Seinen
Geschöpfen, die verloren waren und die Er dadurch erlöste und für die ewige
Seligkeit fähig machte, ist das nicht zu verstehen. Durch das Gericht und den
Tod Seines Fleisches ist Jesus in das Gericht und in den Tod eingedrungen, um
dessen Bande zu lockern und zu lösen, wodurch Er die materielle Schöpfung, die
durch die Festigkeit Seines eigenen Gottwillens dem Gericht und dem Tod
verfallen war, erlöst hat.
Jesus sagt: „Ich als der
alleinige Träger alles Seins und Lebens muß nun auch das, was von Ewigkeiten
her durch die Festigkeit Meines Willens dem Gerichte und dem Tode verfallen war,
(erlösen und muß) eben durch das Gericht und durch den Tod dieses Meines
Fleisches und Blutes in das alte Gericht und in den alten Tod eindringen, um so
Meinem eigenen Gottwillen jene Bande insoweit zu lockern und zu lösen, wegen
der in sich reif gewordenen Materie der Dinge, auf daß darauf alle Kreatur aus
dem ewigen Tode zum freien und selbständigen Leben übergehen kann. Und es ist
darum des Menschen Sohn in diese Welt gekommen, um das, was gewisserart von
Ewigkeit her verloren war, aufzusuchen, es zu erlösen und also für die
Seligkeit fähig zu machen. (Matth.18,11)
Was dünket euch: Wenn
irgendein Mensch hundert Schafe hätte und eines derselben
sich verirrte irgendwo im Walde, läßt er nicht die neunundneunzig stehen auf
dem Berge und geht hin und sucht das verlorene? (Matth.18,12) Und so es sich
dann begibt, daß er es findet, wahrlich sage Ich euch: Wird er da nicht mehr
Freude haben über das wiedergefundene denn über die neunundneunzig, die nie
verloren waren? (Matth.18,13) Und sehet, es ist denn auch also bei Gott, obwohl
Er durch Seinen allmächtigen Willen alles, was da fasset der unendliche Raum,
erschaffen hat aus der ewigen Fülle Seiner ewig zahllosen Gedanken, Ideen und
Begriffe und wie außer Sich gestellt hat durch die Festigkeit Seines
Willens!
Wenn das alles für ewig
also bleiben müßte, wie es nun ist im starren Gerichte und Tode, so wäre das
alles gleich dem verlorenen Schafe, das aber nimmer irgendwo mehr zu finden
wäre. Und welches Vergnügen und welche Freude böte Gott wohl eine ewig tote,
materielle Kreatur? Ich aber kam ja hauptsächlich eben darum als nun Selbst
materiell in diese Welt, um dies verlorene Schaf zu suchen und es der seligen
Bestimmung zuzuführen. Gottes Geist und Wille wird nun in diesem Meinem Leibe,
also in der Materie, gesänftet und gleichsam beugsam und lösbar gemacht. Ist
das geschehen, dann muß diese Meine Materie in der möglich größten
Erniedrigung und Demütigung gebrochen und zuerst gelöset werden, und der Geist
Gottes, der in aller Seiner Fülle in Mir wohnt und eins ist mit Meiner Seele,
muß diese gebrochene Materie, als durch Sein Liebefeuer geläutert, erwecken
und beleben, und sie wird dann auferstehen als ein Sieger über alles Gericht
und über allen Tod.
Daß ihr es nun noch nicht
ganz klar einsehen werdet, wie und warum dieses also geschehen muß und auch
wird, das habe Ich euch zum voraus gesagt; aber das könnet ihr nun schon daraus
schließen, daß solch ein Akt, so abschreckend er auch für ein pures
Menschenauge aussehen mag, doch notwendig ist, um alle Kreatur mit der gerechten
Länge der Zeiten zum freien, unabhängigen und reinen Gottleben
zurückzuführen.“ (5.GEJ 247,5-11) In Jesus übernahm die ewige Liebe die
Stelle der gefallenen Satana, (1.HG 5,19) deren Hochmut Er durch Seine tiefste
freiwillige Demütigung am Kreuz besiegte.
Sein Gehorsam bis zum Tod
am Kreuz (Phil. 2,8) machte die Folgen von Adams Unge- horsam wieder gut, wodurch
Er ein neuer Adam, ein neuer Stammvater wurde, aber nicht mehr für körperliche Nachkommen, wie beim ersten Adam, sondern für
Seine geistigen Nachfolger. Aus dem Vorhergehenden „kann nun jeder im Herzen
denkende und sehende Mensch sehr leicht und klar den endlosesten Nutzen des
leiblichen Todes Jesu einsehen.“ (JJ Vorrede, Teil 3)
29. Das ist das Werk der Erlösung
Jesus sagt: „Was übrigens das Werk Meiner Erlösung bedeutet und ist, so sage
Ich euch: Fürs erste ist es das allergrößte Werk der ewigen Liebe, da
hierdurch Ich, der Aller- höchste, in aller Fülle Meiner Liebe und in der
unendlichen Fülle Meiner Gottheit, selbst Mensch, ja euch allen sogar ein
Bruder wurde, die ganze Masse der Sünden der Welt auf Meine Schultern nahm und
so die Erde reinigte vom alten Fluche der unantastbaren Heiligkeit Gottes.
Fürs zweite ist es die
Unterjochung der Hölle unter die Kraft Meiner Liebe, die früher nur in der
Macht der zornergrimmten Gottheit stand und somit entfernt war von allem
Einflusse Meiner Liebe, welche aber ist die furchtbarste Waffe gegen die Hölle,
da sie das aller- blankeste Gegenteil derselben ist, wodurch dieselbe auch schon
bei der liebevollen andächtigen Nennung Meines Namens in eine ganze
Unendlichkeit zurückgetrieben wird. Fürs dritte ist sie die Eröffnung der
Pforten des Himmels und ewigen Lebens und der getreue Wegweiser dahin; denn sie
versöhnt euch nicht nur wieder mit der Heiligkeit Gottes, sondern sie zeigt
euch, wie ihr euch vor der Welt erniedrigen müßt, so ihr wollt erhöhet werden
von Gott.
Sie zeigt euch ferner, alle
Verspottung, Leiden und Kreuz aus Liebe zu Mir und euren Brüdern zu ertragen in
aller Geduld, Sanftmut und Ergebung eures Willens, ja sie lehret
euch, eure Freunde auf den Händen tragen und eure Feinde zu segnen mit der
göttlichen Liebe in eurem Herzen.“ (3.Hi. Seite 18,30) Durch die
Menschwerdung Gottes in Jesus und Seinen Tod am Kreuz ist die unendliche Kluft
zwischen Gott und Geschöpf beinahe völlig aufgehoben worden. Das ist uns
angezeigt worden durch das Zerreißen des Vorhangs im Tempel, der das
Allerheiligste vom Volk trennte.
Durch den Lanzenstich ins
Herz der ewigen Liebe, ließ Sie die heilige Pforte zum Licht und zum ewigen
Leben öffnen. (3.Hi. Seite 18,29) Jesus ist die Tür zum ewigen Leben oder die
Brücke über die wir von der Materie zum Geist und zu Gott gelangen können.
Durch unsere Liebe zu Jesus überschreiten wir die Brücke und finden da Jesus
als unseren Vater, Freund und Bruder. (2.GS 13,13-14) Wir haben dann unseren
liebevollsten, heiligen Vater erkannt, können Ihn mit liebetrunkenen Augen
schauen und freuen uns Seiner über alle Maßen; und auch der Vater freut Sich
über alle Maßen, daß Er nun nicht mehr allein dasteht, sondern mitten unter
Seinen Kindern, die Ihn erkennen und über alles lieben. (3.GEJ 239,13) Jesus
sagt: „Des Satans Walten in der äußeren Form mag wohl stets noch bemerkbar
sein, aber den einmal zerrissenen Vorhang zwischen der Gottheit und den Menschen
kann er ewig nicht mehr errichten und so die alte unübersteigbare Kluft
zwischen Gott und den Menschen von neuem wiederherstellen.“ (JJ Vorrede, Teil
3)
30. Der ewigen Liebe das Kreuz tragen helfen
Unsere Liebe zu Ihm, der es so gewollt hat, daß die unendliche Kluft aufgehoben
würde, gibt uns aber auch das Verlangen, mitzuhelfen am großen Werk der
Erlösung.„Das ist der große Schritt“, sagt die ewige Liebe, „den ein
jeder in seinem Herzen zu machen hat, daß er helfe, der ewigen Liebe das Kreuz
tragen, damit er dereinst Teil haben möchte an dem großen Werke der bis jetzt
noch immer unbegriffenen Erlösung, der Überwindung des Todes und der
Auferstehung.“ (3.Hi. Seite 76,5)„Sehet, ein solcher Mensch, dessen Ich Mich
bediene und gewisserart seine Wesenheit anziehe, um dadurch eure Mängel
verhüllt zu tragen, gleicht dem Simon von Cyrene und könnte ebenfalls großen
Lohn erreichen, so er Mir willig auf eine kurze Zeit nur hätte das Kreuz ein
wenig tragen helfen. Allein der Mensch ist schwach und fürchtet jede Last, am
allermeisten aber die Last des Kreuzes, und daher bleibt Mir denn wieder nichts
anderes übrig zu tun, als was Ich dereinst
tat, nämlich für alle das Kreuz Selbst zu schleppen.“ (3.Hi. Seite 79,16)
„So bin Ich nun für euch
wieder beladen mit allen euren Schwächen und Mängeln und trage sie für euch
in dieser euch etwas fremdartigen Umhüllung, (nämlich als der sehr Schwache)
damit, wie ihr schon wißt, euch nicht Schaden geschehe an eurer Seele.“
(3.Hi. Seite 80,17) Stellen wir uns das einmal vor: Mit jeder Sünde, die wir
begehen, mit jeder Schwäche, die wir nicht überwinden, kreuzigen wir die
ewige Liebe aufs neue und Sie muß sich dafür von der Heiligkeit Gottes
Vorwürfe gefallen lassen. Wir helfen Ihr aber mit, das Kreuz zu tragen, wenn
wir die Sünde überwinden und wenn wir Not, Leid, Krankheit, Verfolgung und
Beleidigung, wenn sie uns auferlegt werden, willig, freudig und dankbar auf uns
nehmen. Was könnte uns mehr anspornen, die Materie zu überwinden und Jesus,
die ewige Liebe, über alles zu lieben?
Quellenverzeichnis
GEJ
Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981-1986
11.GEJ Das große Evangelium Johannes, Leopold Engel, 1987
HG: Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1981
JJ Die Jugend Jesu, Jakob Lorber, 1996
GS Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände,
1955, 1956
RB Von der Hölle bis zum Himmel, (Robert Blum)
Jakob Lorber, 2 Bände, 1963
BM Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960
Hi.: Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935,
1993
EM Erde und Mond, Jakob Lorber, 1953
Lorber Verlag, 74308
Bietigheim/Württ.
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