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Das
Größte ist die Demut
Gerd Kujoth 
Einst fragten die Jünger den Herrn: „Herr, Du hast uns nun viel erzählt von
der eigent- lichen Gestalt des Himmelreiches, und wie es dort verschiedene Stufen
der ewigen Glückseligkeit gibt, von denen einige Gott am nächsten, andere von Gott
entfernter und wiederum welche gewisserart von der Gnadensonne am
entferntesten abstehen. Wir fanden das ganz richtig und jeder reinen Vernunft gemäß; denn es
muß auch in den Himmeln Unterschiede geben, sowohl in der Form, als in den
verschiedenen Stufen der Seligkeit und der Seligen. Wir möchten aber nun von
Dir erfahren, wer denn einst in Deinen Himmeln der Erste sein wird und, wie man
sagt, natürlich nach Gott der Größte.“ (Matth.18,1)
Es waren aber in der Nähe
mehrere kleine Kinder; von denen Jesus eines zu Sich rief, stellte es in
die Mitte der fragenden Jünger (Matth. 18,2) und sagte zu ihnen: „Wahrlich,
so ihr euch nicht umkehret von solchen weltlich hochtrabenden Gedanken und nicht
werdet ebenso demütig wie diese Kinder, da kommet ihr selbst, obwohl ihr nun
Meine Jünger seid, nicht in das Himmelreich hinein! (Matth.18,3) Wer sich
selbst erniedrigt wie dieses Kind und keine Spur irgendeines Hochmutes in sich
verspürt, der ist der Größte im Himmelreiche; (Matth.18,4) denn nur die wahre
Demut eines reinen Herzens bestimmt allein den Seligkeitsgrad in den Himmeln.“
(5.GEJ 244,1-3) Aus dieser Antwort des Herrn geht hervor, wie nicht das Groß-sein-wollen,
sondern das Klein-sein-wollen oder der Geringste-sein-wollen die wahre Größe
der Gotteskinder ausmacht.
Deshalb ist die Demut ein
gar überaus wichtiges Lebensfeld, auf dem man erst ganz zur vollen Wiedergeburt
des Geistes in seiner Seele gelangen kann. In einer jeden Seele liegt beständig
ein Hoheitsgefühl und Ehrgeiz, der bei der geringsten Gelegenheit und Veran-
lassung sich nur zu leicht zu einer alles zerstörenden Zornleidenschaft
entflammt und nicht eher zu dämpfen oder gar vollauf zu löschen ist, bis die
Beleidigung vergolten und der Rachedurst gestillt ist. Durch diese gräßliche
Leidenschaft aber wird die Seele so zerstört und von Materie voll, daß sie für eine innerliche, geistige
Vollendung fast völlig untauglich wird. (4.GEJ 82,1-2)
Der Hochmut zerstört die Seele
Dem Hochmut liegt der Ehrgeiz zugrunde, bei der sich jemand vor den anderen
hervortun will. „Darum hüte sich ein jeder vor dem Ehrgeiz,“ sagt Jesus,
„weil er der Vater des Neides, der Selbstsucht und am Ende, wenn er seine
Nahrung findet, des dicksten Hochmuts ist, der in der Hölle seine Urheimat
hat!“ (6.GEJ 236,12) „Der Hochmut, wie immer geartet er auch sein möchte
und von wo immer er seinen Ursprung nehmen mag, ist für Seele und Geist eine
allergiftigste Stickluft aus der Hölle, durch die in kurzer Zeit alles Leben
zugrunde gehen muß.“ (3.Hi. Seite 478,35) und „Es ist des Satans Lust, die
blinden Menschen durch den in sie eingepflanzten Hochmut von der Ordnung Gottes
soweit als möglich wegzubringen.“ (3.GEJ 207,7)
„Daher hütet euch alle
vor allem vor dem Hochmut; denn nichts in der Welt zerstört die Seele mehr als
der stets zornschnaubende Hochmut und Stolz!“ (4.GEJ 82,7)„Der Hochmut
treibt die Seele mit aller Gewalt in ihres Leibes Fleisch, und diese, sich in
sich selber stets mehr und mehr aufblähend, wird dadurch ordentlich völlig
eins mit ihrem Fleische und kann in solch einem Zustande dann nichts anderes fühlen
und empfinden als den Tod des Fleisches. Wo aber die Seele von ihrem Hochmute
absteht und sich demütigt, da isoliert sie sich auch stets mehr von ihres
Leibes grobem Fleische und steht mit demselben nur allein durch den ihr
verwandten Nervengeist im Verbande.
Ist das bei einer Seele
einmal eingetreten, dann wird sie auch schon lebensfühlend in sich werden, und
bestrebt sie sich, auch mehr und mehr in der Nächstenliebe und dadurch auch in
der reinen Liebe zu Gott, den sie in ihrer Demut auch bald und leicht finden
wird, recht tüchtig zu werden, so ruft sie dadurch auch ihren jenseitigen Geist
aus Gott wach und fängt an, sich mit demselben zu einen. Wenn das aber einmal
vor sich geht, dann geht sie schon in das vollkommene, ewige Leben ein und wird
dadurch Gott ähnlicher und ähnlicher in allem, und das ewige Leben ist in ihr
zur großen Klarheit geworden.“ (6.GEJ 111,4-5)
Erst mit der vollen Demut
kann der Mensch zur Wiedergeburt des Geistes in seiner Seele gelangen, (4.GEJ 82,1) denn die Demut selbst ist nichts anderes, als das
sich stets mehr und stärkere Kondensieren des Lebens. Erst wenn das göttliche
Leben in der Seele genügend verdichtet ist, kann der Geist in der Seele geboren
werden. Der Hochmut aber ist ein stets lockereres Gestalten und sich ins
Endloseste hin auseinander Zerstreuen und am Ende nahe gänzliches Verlieren des
Lebens und das ist der zweite oder geistige Tod. (4.GEJ 95,1)
Ärger, Zorn und Rache müssen aus dem Herzen weichen
Jesus sagte: „Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen,
die euch hassen, und bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen; auf daß
ihr Kinder eures Vaters im Himmel seid.“ (Matth. 5,44-45) Wer über seine
Beleidiger nicht schimpft, auch nicht in Gedanken, sondern ohne den geringsten
Groll im Herzen über sie nur Gutes denken und reden und ihnen Gutes wünschen
oder sogar tun kann, der liebt seine Feinde und segnet, die ihm fluchen. Wer das
kann, der ist erst ein wahres Kind des Vaters im Himmel. Jesus sagt: „Jeder,
der seinem Bruder zürnt, wird dem Gericht verfallen sein... Wer aber sagt: Du
Narr! (wer also jemandem ein Schimpfwort an den Kopf wirft) wird dem höllischen
Feuer verfallen sein“, (Matth. 5,22) nämlich dem höllischen Feuer im eigenen
Herzen.
Wie leicht passiert es uns
bei einer Autofahrt, daß wir durch das Verhalten eines anderen Autofahrers
gereizt werden, und schon haben wir einen kleinen Groll gegen ihn im Herzen und
ein Schimpfwort in den Gedanken oder gar auf der Zunge. Wer diese Unart bei sich
feststellt, der kann daraus erkennen, daß er vom Hochmut noch nicht ganz frei
ist. „Meine lieben Kindlein“, sagt Jesus, „lasset beiseite, was nur immer
den Namen Ärger hat! Denn seht, aller noch so geringe Ärger entstammt der Hölle
und verträgt sich nie mit der reinen Natur Meiner himmlischen, noch kleinen
Kindlein, als wie ihr es nun noch seid. Ihr müßt euch überhaupt über gar
keine Erscheinung, wie böse sie auch immer aussehen mag, auch nur im geringsten
ärgern.
Denn das Ärgern der Kinder
der Himmel verleiht der Hölle einen Vorschub und gibt ihr Stoff zum Wiederärger,
den sie nur zu leicht und zu bald vergrößert und in einen neuen Wir- kungsstand
setzt.“ (2.RB 169,6) Jeglicher Ärger ist ein Abkömmling des Zornes und der
Rache. (3.GEJ 59,8) Wer Böses mit Bösem vergilt, der ist vom Rachedurst noch
nicht frei. Hören wir nicht ab und zu jemanden sagen, oder denken wir nicht
manchmal selbst noch so, wenn uns jemand etwas angetan hat: „Das zahle ich ihm
heim“ oder: „Das soll er mir büßen?“ - Das sind alles noch
Rachegedanken, hinter denen größter Hochmut steckt. Wer weniger hochmütig
ist, der sagt oder denkt von jemandem, der ihm ein Unrecht zugefügt hat: „Das
müßte er auch einmal erleiden, dann weiß er wie das ist.“
Ein Demütiger aber sagt
oder denkt: „Der Herr vergelte es dir nach Seinem Willen“ und stellt es dem
Ratschluß Gottes anheim, ob und was ihm geschehen soll. Wer dann noch für den,
der ihm ein Unrecht zugefügt hat, beten kann, wie Jesus am Kreuz gebeten hat:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ und ihm freudigen
Herzens Gutes tun kann, der ist dann schon groß in der Demut. Jesus sagt:
„Zorn und Rache muß aus euren Herzen weichen, an ihre Stelle muß Erbarmung,
Güte und Sanftmut treten. Wo das der Fall ist, da ist die volle Gottähnlichkeit
auch nicht mehr ferne, und diese ist das Ziel, nach dem allein ihr alle zu
streben habt.“ (7.GEJ 140,4)
Die Erziehung der Kinder zur Demut
Aber was können wir Menschen nun tun, daß unser Hochmut nicht noch stärker
wird, da doch in einer jeden Seele der Keim dazu als das bekannte Hoheitsgefühl
vorhanden ist? – Durch die Demut allein ist dieses möglich! (4.GEJ 83,1+3)
Aber wie wird man demütig? – Demütig wird man nicht von selbst, sondern mit
der Demut muß schon bei der Erziehung der Kinder angefangen werden. Das
Vorhandensein des Hoheitsgefühls merkt man schon an der Kinder Schamhaftigkeit.
Die Kinder schämen sich, wenn sie z.B. wegen ihres Aussehens lächerlich
gemacht werden, wenn sie sich ungeschickt benommen haben und sie deswegen
ausgelacht werden oder wenn sie einen Fehler begangen haben und sie deswegen bloßgestellt
werden.
In diesem Schämen zeigt
sich der verletzte Stolz. Ein Erzieher der Kinder sollte es nun verstehen, das
Schamhaftigkeitsgefühl zur rechten Demut zu lenken. Aber das ist zumeist nicht
der Fall, sondern da wird dieses Gefühl in den Kinderehrgeiz hinübergelenkt.
Der Erzieher beginnt, den Ehrgeiz des Kindes anzuregen, besser als die anderen
zu sein oder der Beste zu werden. „Da fängt (dann) ein Kind gleich an,“
sagt Jesus, „sich als ein vorzüglicheres zu denken denn ein anderes. Es wird
leicht beleidigt und gekränkt und weint darum ganz bitterlich; in diesem Weinen
gibt es klar und deutlich kund, daß es in seinem Hoheitsgefühle von jemand
verletzt worden ist. Suchen nun schwache und sehr kurzsichtige Eltern das
beleidigte Kind dadurch zu besänftigen, daß sie, wenn auch nur zum Scheine,
den Beleidiger des Kindes zur Verantwortung und zur Strafe ziehen, so haben sie
bei dem Kind schon den ersten Keim zur Stillung des Rachedurstes gelegt; und so
die Eltern ihr Kind gleichfort auf dieselbe Weise besänftigen, so erziehen sie
aus demselben nicht selten einen Teufel für sich und für viele andere
Menschen.
Wo aber die Eltern klug
sind und dem Kind schon frühzeitig stets den größeren Wert in den andern
Menschen und Kindern erschauen lassen und so das Schamhaftigkeitsgefühl in eine
rechte Demut hinüberlenken, da werden sie aus ihren Kindern Engel ziehen, die
später als wahre Lebensvorbilder den andern... voranleuchten und sie erquicken
werden mit ihrer Sanftmut und Geduld. Da aber Kinder nur selten eine solche
Erziehung erhalten, durch die ihr Geist in ihrer Seele erweckt würde, so hat
dann der erwachsene und zur reineren Erkenntnis gelangte Mensch vor allem darauf
zu sehen, daß er sich der wahren und rechten Demut befleißige aus allen seinen
Kräften. Bevor er nicht den letzten Rest eines Hochmutsgefühles getilgt hat,
kann er weder hier noch jenseits in eine völlige Vollendung des rein geistigen
Himmelslebens übergehen.“ (4.GEJ 83,5-7)
Wie wird man demütig?
Wie aber machen wir es als Erwachsene, die wir in unserer Kindheit nicht zur
Demut erzogen worden sind, nun aber die Wichtigkeit der Demut erkannt haben,
wahrhaft de- mütig zu werden? – Indem wir uns zunächst einmal sorgfältig prüfen,
ob auch wir in den verschiedensten Situationen so reagieren würden, wie es uns
der Herr als Hochmut ge- schildert hat. Manchem fehlt vielleicht gar nicht mehr
viel bis zur vollkommenen Demut, aber er prüft sich zu wenig und hat nicht acht
darauf, wo es bei ihm noch fehlt, weshalb er nicht völlig wiedergeboren werden
kann. Jesus gibt uns daher den Rat: „Wer da sich selbst erproben will, ob er
in der Demut ganz vollendet ist, der frage sein Herz, ob er noch durch irgend
etwas beleidigt werden kann, und ob er seinen größten Beleidigern und Ver-
folgern leicht aus vollem Herzen vergeben kann und Gutes tun denen, die ihm Arges zugefügt
haben, ob er gar keine Sehnsucht nach irgendeiner Weltherrlichkeit dann und wann
fühlt, ob es ihm angenehm ist, als der Geringste unter den Geringen sogar sich
zu fühlen, um jedermann in allem dienen zu können!
Wer das alles ohne Trauer
und Wehmut vermag, der ist schon hier ein Einwohner der höchsten Himmel Gottes
und wird es bleiben in Ewigkeit; denn durch solch eine gerechte Demut wird nicht
nur die Seele völlig eins mit ihrem Geiste, sondern auch zum größten Teile
der Leib.“ (4.GEJ 83,8) Sind wir uns dessen bewußt, was Jesus uns hier gesagt
hat? – In diesem kleinen Abschnitt steckt die ganze Vollendung bis zur
Wiedergeburt. Wir sind schon hier auf dieser Erde in unserem Leibe ein Einwohner
des höchsten Himmels, wenn wir uns nie mehr beleidigt fühlen, unseren größten
Beleidigern und Verfolgern nicht nur mit Mühe und Not, sondern mit Leichtigkeit aus vollem Herzen vergeben und
denen Gutes tun können, die uns etwas Böses angetan haben, wenn wir gar keine
Sehnsucht nach irgendeiner Weltherrlichkeit, wie einer höheren Position, nach
mehr Anerkennung, mehr Besitz oder nach weltlichen Vergnügungen dann und wann fühlen,
wenn wir uns als der Geringste unter den Geringen fühlen, um jedermann in allem
dienen zu können.
Wer das alles ohne Trauer
und Wehmut zu verspüren und sogar mit freudigem Herzen ausführen kann, dessen
Seele ist eins mit ihrem Geiste. Wer nach solch einer Selbst- prüfung noch
Hochmut in sich entdeckt hat, und seien es nur wenige Atome, der übe sich in
der Demut, zu der es auf dieser Erde viele Gelegenheiten gibt. Wir sind auf
dieser Erde in einem die Seele und den Geist hemmenden Leib inkarniert, damit
wir unsere Ideen, die wir in die Tat umsetzen möchten, nicht in kürzester
Zeit, sondern nur nach und nach realisieren können. Dies ist vom Herrn deswegen
so eingerichtet worden, damit wir uns bei jeder möglichen Gelegenheit in der
allernotwendigsten Eigenschaft des Lebens üben
sollen.
Diese Eigenschaft ist die
Mutter der Demut und heißt: die göttliche Geduld. (2.GS 111,12) Wer demütig
werden will, der übe sich in der Geduld, zu der wir sicher täglich Gelegenheit
haben, der übe sich aber auch im Gehorsam, denn der Gehorsam, nach Gottes
Willen zu handeln, ist der Same der wahren inneren Demut. (2.HG 13,16) Das
Wasser ist ein Sinnbild der Demut. Es bewegt sich, wenn es nicht gehindert wird,
ohne Rast und Ruhe nach der größeren Niederung fort. Dabei klärt es sich und
ist erst dann völlig klar, wenn es des Meeres Niederung erreicht hat. So kommt
auch der Mensch erst dann zu einer Klarheit seiner Seele, wenn er nicht irdisch
nach den höchsten Würden strebt, sondern nach dem niedersten Standpunkt, und
das ist die wahre Demut.
Durch Gehorsam streben wir
nach unten, denn durch ihn unterstellen wir uns anderen Menschen. Darum kann die
Demut nie durchs Gebieten, sondern nur durchs Gehorchen erreicht werden. (1.RB 19,11) Die Demut wird deshalb neben der Übung in der
Geduld, auch durch Gehorsamsübungen gefördert, indem wir die göttlichen und
auch politischen Gesetze freiwillig beachten. Gehorsam kann aber auch unserem
Vorgesetzten gegenüber geübt werden. Wir leisten auf der Arbeitsstelle
gezwungenermaßen allerlei Dienste, die wir widerwillig oder im willigen
Gehorsam ausführen können. Und „je untergeordneter oft ein Dienst erscheint,
desto tauglicher ist er für die wahre Ausbildung des Lebens,“ sagt Jesus,
denn „durch das Dienen wird die Demut am meisten geübt und gefördert.“
(4.GEJ 95,1) „’Dienen’ heißt deshalb das große Losungswort durch alle
Sphären der Unendlich- keit.“ (4.GEJ 99,1)
Auch der Herr kam nicht
unter uns Menschen, um „sich dienen zu lassen, sondern damit Er diene und Sein
Leben gebe zum Lösegeld für viele.“ (Matth. 20,28) Während des letzten
Abendmahles stand Jesus auf, legte Seine Kleider ab, nahm einen Schurz und umgürtete
sich. Darauf goß Er Wasser in ein Becken und fing an, den Jüngern die Füße
zu waschen und mit dem Schurz zu trocknen. Das war ein untergeordneter Dienst,
wie ihn nur niedrig- gestellte Diener ausführen mußten. Deswegen wehrte sich
Petrus zunächst dagegen, als er an die Reihe kam, ließ es dann aber doch zu.
Nach der Fußwaschung sprach Jesus zu ihnen: „Versteht ihr, was Ich euch getan
habe? Ihr heißet Mich Meister und Herr und saget es mit Recht, denn Ich bin es
auch. Wenn nun Ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so
sollt auch ihr einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe Ich euch gegeben,
damit auch ihr tut, wie Ich euch getan habe.“ (Joh. 13,4-15) Ist es nicht so,
daß wir manchmal lieber einander den Kopf, anstatt der Füße waschen?
Das uneigennützige und eigennützige Dienen
Jesus war wie ein Diener unter Seinen Jüngern. (Luk. 22,27) So sollen auch wir
sein. Wie aber werden wir zu einem Diener? – Indem wir in die Tiefe
hinabsteigen und uns selbst erniedrigen. Dadurch stellen wir uns unter alle
Menschen, achten alle mehr als uns selbst und sind auf diese Weise bestrebt,
allen zu dienen. Dazu ein Beispiel: In jungen Jahren arbeitete ich in einem
christlichen Heim. Da kam eine Frau zu uns, die gewisse seelische Probleme
hatte. Nach einiger Zeit war sie in einer bestimmten Hinsicht mit der Leitung
des Heimes nicht mehr einverstanden. Da sie aber für ihr Anliegen kein Verständnis
fand, leerte sie eines Tages ihren Abfallkorb mitten im Zimmer auf den Boden
aus.
Die Angestellte, die das
Zimmer zu putzen hatte, erzählte das der Leitung und den anderen Angestellten.
Sie war entsetzt und sagte: „Das putze ich nicht auf!“ Eine andere
Angestellte, die im Büro arbeitete, ging dann auf das Zimmer, putzte den Abfall
auf und sprach mit der Frau. Die Frau sah ihr Unrecht ein und hat dann den
Abfallkorb nicht mehr
ausgeleert. Hier haben wir das Beispiel einer Fußwaschung oder
Selbsterniedrigung, und das heißt, mit aller Selbstverständlichkeit niedrigste
Dienste zu verrichten, die man eigentlich gar nicht zu machen brauchte und ohne
eine Anerkennung ernten zu wollen. Solch ein Dienst bewirkt mehr, als jemandem
so richtig die Meinung zu sagen oder anders gesagt, als jemandem den Kopf zu
waschen.
„Im Hochmute“, sagt
Jesus, „hat alles Dienen ein Ende genommen und somit auch alle weitere Fort-
und Ausbildung des Lebens. Deshalb muß ein jeder Mensch und Engel zum Dienen
sich bequemen und am Ende eben im ewigen, stets mehr und ausgebreiteteren Dienen
die größte Wonne und Seligkeit finden. Ohne Dienen aber gibt es kein Leben,
keine haltbare Dauer desselben, kein Glück, keine Glückseligkeit und keine
Liebe, keine Weisheit und keine Wonne des Lebens weder hier noch jenseits; und
wer sich einen Himmel voll Dienstlosigkeit, voll Trägheit und müßiger
Schwelgerei denkt, der irrt sich groß!“ (4.GEJ 95,1-3) „Auch der Hölle
arge Bewohner verstehen sich darauf (aufs Dienen), - nur mit dem gewaltigen
Unterschiede von der Dienerei der Bewohner der Himmel: In der Hölle will im
Grunde jeder bedient sein; und dient schon einer dem andern, so ist das
bloß eine Augendienerei, also ein allezeit höchst selbstliebig interessierter
Scheindienst, wodurch einer den andern täuschen will, um ihn bei einer günstigen
Gelegenheit desto sicherer unter seine Krallen zu bekommen und aus seinem Falle
Vorteile für sich zu ziehen...
Es ist dies wohl auch ein
Dienen, aber ein höchst eigennütziges, und sonach ist jeder irgend mehr oder
weniger eigennützige Dienst, den sich die Menschen gegenseitig erweisen, auch
stets mehr oder weniger mit der Dienerei der Hölle verwandt und kann, insoweit
er mit der Hölle verwandt ist, unmöglich einen Wert vor Mir und allen Meinen
Himmeln haben. Nur ein rein uneigennütziger Dienst ist auch ein wahrer und
somit auch ein rein himmlischer Dienst und hat vor Mir und vor allen Meinen
Himmeln allein einen wahren und vollkommenen Wert.“ (4.GEJ 99,2+5)
Lob, Eigenlob und Tadel
Nun übt sich jemand in der Liebe und Demut und verrichtet seinen Nächsten
Liebes- dienste. Für diese Dienste wurde er immer wieder mal von verschiedenen
Seiten aus gelobt. Er wies zwar stets das Lob zurück, aber dennoch konnte er
eine kleine Freude über das Lob nicht unterdrücken. Das kommt daher, weil es
einer jeden Seele schon vom Urbeginne ihres Seins an lieber ist, so sie gelobt,
als so sie, wenn auch berechtigt, getadelt wird. Aber solange eine Seele noch
stolz ist, solange ist in ihr auch noch Gier nach Lob vorhanden und dann ist
jedes, auch das verdiente Lob Gift für die Seele und schädlich für den Geist,
denn da wird der Mensch von der eigenen Vortrefflichkeit überzeugt.
Aus diesem Grunde schädigt
aber auch ein jeder, der Schmeichelei betreibt, in gefähr- licher Weise die Seelen seiner Nächsten. Nicht daß gar nie ein Lob ausgesprochen
werden darf, ein Lob kann auch eine erzieherische Wirkung haben, aber es sollte
doch sehr spar- sam und mit Bedacht ausgeteilt werden. Wir sollten dabei bedenken,
wann und wem ein Lob ausgesprochen werden darf und daß selbst das kleinste Lob
schon eine stolz machende Wirkung haben kann. Natürlich freut sich ein jeder über
ein Lob und fühlt sich dadurch emporgehoben. Ein Tadel bewirkt das Gegenteil.
Er drückt die Stimmung herunter und ein jeder fühlt sich schlecht, denn er ist
gedemütigt worden. Aber gerade das ist heilsam für die Seele und es sollte
sich eigentlich ein jeder über eine Demütigung freuen, so wie Maria, die
Leibesmutter Jesu, sich über jede Demütigung gefreut hat.
Als ein Weib einmal, so wie
sie meinte, Maria beleidigte und sich dieses Weib deswegen Vorwürfe machte,
sprach Jakob zu ihr: „’(Maria) ist sanfter als eine Turteltaube; darum kann
sie nimmer beleidiget werden. Wenn sie auch jemand beleidigen möchte, so kann
er aber das doch nicht zuwege bringen. Denn da segnet sie ihn für eine
Beleidigung zehn Male und bittet selbst den Beleidiger auf eine Art um seine
Freundschaft wieder, der auch der härteste Stein nicht widerstehen könnte!
Siehe, so gut ist dieses Weib! Daher sei ja ohne Sorge; denn ich versichere dir,
daß sie soeben zu Gott für dich betet!’ Und also war es auch. Maria betete fürwahr
zu Gott für dieses Weib, daß Er ihr den Verstand erleuchten möchte, und sie
dann einsehe, daß sie (die Maria) auch nur ein schwaches Weib sei. Maria war
wohl vom höchsten Adel; aber ihre Freude bestand darin, daß sie gedemütigt
werde allerorts und von jedermann.“ (JJ 94,10-15)
Mit dem Zunehmen an Wissen
und Können wächst sehr leicht, ohne daß es der Betreffende merkt, der
Hochmut. Jeder, der irgendeine herausragende Fähigkeit besitzt, der etwas
besser weiß oder kann als ein anderer, der steht schon in der Gefahr, darauf
stolz zu werden. Da fängt dann der Betreffende an, sich für mehr, höher,
besser oder vorzüglicher zu halten als seine Nebenmenschen. (3.Hi. Seite
479,41) Das kann so weit gehen, daß er sich sogar selbst lobt, entweder
heimlich oder auch vor anderen. Etwas Ärgeres aber kann sich ein Mensch nicht
antun, denn da versetzt er sich selbst geistig einen Todesstoß ins eigene Herz.
(1.RB 37,2-7)
Aus diesem Zustand kann ihn
dann zumeist nur Gott mit einer kleinen Demütigung heraushelfen. Aber auch der
Mensch selbst kann der ihn erhebenden Wirkung eines Lobes oder Eigenlobes
entgegentreten, indem er bekennt, wozu Jesus seine Jünger aufforderte: „Wenn
ihr alles getan habt, was euch befohlen war, so sprechet: Wir sind unnütze
Knechte, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren!“ (Luk. 17,10) denn:
„wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst
erniedrigt, der soll erhöht werden.“ (Matth. 23,12)
Sich selbst erniedrigen
„Solange noch jemand sagt: ‚Ich habe getan, und ich habe gegeben!’, da ist
er noch ferne von dem, der da spricht: ‚Ich bin allzeit ein fauler und unnützer
Knecht gewesen!’ und ist somit auch noch fern von Meinem Reiche. Nur wenn er
in sich lebendig bekennt und spricht: ‚Herr, mein Gott und Vater! Ich bin in
allem nichts, wie auch alle Menschen vor Dir gar nichts sind, sondern Du allein
bist Alles in Allem!’“ „Siehe unsere Arbeit also an, als wäre sie etwas
vor Dir! Denn wir sehen es ein und bekennen es lebendig vor Dir, daß all das
Gute, das da ist an unserer Arbeit, eine Tat ist von Dir; wir aber waren Dir nur
hinder- lich an Deiner Arbeit durch unsere ungeschickten Hände. Nimm daher
unseren Willen anstatt des Werkes an, und allzeit geschehe nur Dein heiliger
Wille!“ (2.HG 241,17) „dann ist er Meinem Reiche nahe, und Mein Reich ist
nahe zu ihm gekommen.“ (Schr. 30,16)
Ein Beispiel der
Selbsterniedrigung gibt uns der Erzengel Gabriel, der Maria die Botschaft ihrer
Empfängnis vom Heiligen Geist brachte. Maria sagte zu ihm, als er einmal
sichtbar bei der Familie war: „Wahrlich, dir gleich ist keiner; denn du hast
der Erde wohl die größte Botschaft gebracht, und das Heil allen Völkern!“
Und Gabriel erwiderte der Maria: „O Jungfrau, im Anfange hast du dich geirrt;
denn siehe, der Herr hat schon mit mir ange- fangen, Sich zur Ausführung der größten
Tat der kleinsten und geringsten Mittel zu bedienen! Darum bin ich wohl nur der
Geringste und Kleinste im Reiche Gottes, aber nicht der Größte! – Wohl habe
ich der Erde die größte und heiligste Botschaft gebracht; aber darum bin ich
nicht, als wäre mir an Größe keiner gleich; wohl aber umgekehrt, wie ich nämlich
der Geringste bin im Reiche Gottes!“
Da verwunderte sich Maria
samt Joseph über die große Demut des Erzengels. Das Jesuskindlein aber sprach:
„Du, Mein Gabriel, hast recht aus dir, und die Mutter hat auch recht; denn
also bist du der Größte, weil du der Geringste bist aus und in dir!“ (JJ 114,10-19) „Das Reich Gottes kann nur von denen in Besitz genommen werden“,
sagt Jesus, „die sich bis in die letzte und kleinste Lebensfiber gedemütigt
haben.“ (2.RB 211,6) Joseph demütigte sich selbst, indem er zu Cyrenius, der
sich in Gottes Willen ergeben hatte, sprach: „O Bruder! Du bist groß geworden
vor dem Herrn; wahrlich, du bist ein Heide gewesen – und bist nun besser denn
viele Israeliten! Ja, ich selbst muß es vor dir bekennen: Dein Herz und dein
Mund beschämet hoch mich selbst; denn eine solche Erge- bung in den Willen des
Herrn habe ich an mir selbst noch nicht erlebt!“
Hier richtete Sich das
Kindlein auf und sprach: „Joseph! Ich weiß, warum Ich dich erwählte; doch größer
warst du noch nie vor Mir als eben jetzt, da du deine Schwäche vor einem Heiden
bekennest!“ (JJ 189,12-15) „Wer aus euch sich erniedrigt am meisten vor
seinen Brüdern“, sagt Jesus, „der ist der Erste im Gottesreiche; jedes
Sichbesserdünken setzt ihn aber im Gottesreiche auf eine letzte Stufe zurück.“
(2.GEJ 76,2) „Ganz etwas anderes wäre es, so jemand auf dieser Welt bloß der einstigen himmlischen Priorität
wegen der Geringste und ein Diener aller werden wollte! Oh, der wird auch einer
der Letzten im Reiche Gottes sein!“ (2.GEJ 76,7) „So aber jemand sich unter
alle seine Brüder herab- gesetzt hat und also bereit ist, allen zu dienen nach
seiner Fähigkeit, so ist er der Erste im Reiche Gottes, und alle andern können
sich ganz füglich nach ihm bilden.
Wahrhaft göttlich großen
Geistes ist nur derjenige, der sich unter alle menschliche Kreatur herabzuwürdigen
vermag!“ (2.GEJ 76,4) Können wir das in der Tiefe erfassen: Nur dessen Geist
ist göttlich groß, der sich unter alle Menschen herabzuwürdigen vermag? - Es
ist nicht einfach, so demütig zu werden, daß wir uns unter alle Menschen
herabwürdigen können. Da ist jemand intelligent, besitzt hervorragende Fähigkeiten
und soll sich trotz- dem für geringer halten, als jemand, dessen Intelligenz
nicht so groß ist und der nur mit geringen Fähigkeiten ausgestattet ist. Das ist äußerst schwer für ihn.
Es ist auch äußerst schwer für jemanden, der eine höhere Position in der
Gesellschaft einnimmt, sich für geringer zu halten, als ein niedrigster
Arbeiter. Jesus sagt: „So jemand von euch noch irgendein Hoheits- und somit
Besserseinsgefühl in sich verspürt, da ist er von der alles verzehrenden,
gierigsten Hölle noch nicht frei und noch lange nicht geschickt zum
Reiche Gottes; denn solch ein Mensch ist nicht freien Geistes.“ (2.GEJ 76,3)
Es fragt sich nun, wie wir
unser Besserseinsgefühl loswerden können? – Indem wir uns bewußt werden, daß
nicht die hervorragenden Fähigkeiten, die wir besitzen und nicht die höhere
Position, die wir uns errungen haben, bei Gott etwas gelten, sondern nur die
Demut, gepaart mit der Liebe. Je demütiger jemand wird, umsomehr stehen ihm
nicht seine Vorzüge, die er besitzt, im Vordergrund, sondern seine
Mangelhaftigkeit. Der völlig Hochmütige, der ein Teufel ist, hält sich für
besser, höher und mehr wert als alle anderen und verachtet alle anderen. Der
vollkommen Demütige aber, der schon hier auf Erden ein Himmelsbürger ist, hält
sich für den Geringsten unter den Geringen und achtet alle anderen mehr als
sich selbst. (Phil. 2,3)
Wie können wir der
Geringste sein und uns unter alle Menschen herabwürdigen? – Indem wir alle
anderen mehr achten als uns selbst. – Wie achten wir aber alle anderen mehr
als uns selbst? – Indem jeder nicht nur das Seine ins Auge faßt, sondern auch
das des anderen und so zum Diener aller anderen wird. (Phil. 2,4) Kisehel hat es
uns vorgemacht. Er wollte lieber der Letzte, Geringste und Schwächste sein, um
niemandem etwas voraus zu haben, aber andererseits wollte er der Stärkste sein,
um allen dienen zu können. Er wollte nicht ein Führer der anderen sein und
ihnen Verhaltungsregeln vorschreiben, sondern er wollte sich lieber von den
anderen führen lassen und lieber gehorchen.
Gerade deshalb machte ihn
der himmlische Vater zum Führer der anderen und sagte zu ihm: „Das ist das Größte:
Wer wahrhaft sein will der Letzte und der Geringste, der ist bei Mir der Größte;
denn nichts als die wahre Demut macht euch wahrhaft groß vor Mir!“
(2.HG 11,6) Nur dem Demütigsten, der am meisten dient, kann die meiste Macht gegeben
werden. Nur dem Demütigsten kann am meisten anvertraut werden, nämlich die
Leitung und Führung der Menschen und Geister. Der Demütigste ist gleichzeitig
auch der aller- tätigste zum Wohle aller. Nun will sich jemand selbst erniedrigen
und versucht, sich unter alle Menschen herabzuwürdigen und will sich für den
Geringsten unter den Geringen halten. Aber bald darauf stellt er fest, daß sein
Herz da nicht mitmacht. Trotzdem er sich immer wieder sagt: „Ich bin der
Geringste unter den Geringen“, spürt er manchmal immer noch das Gefühl des
Besserseins in sich. Ja, die völlige Demut ist erst dann erreicht, wenn jemand
nicht nur denkt, der Geringste unter den Geringen zu sein, sondern sich im
Herzen auch so fühlt. (4.GEJ 83,8)
Die falsche Demut
Wenn es die Demut gebietet, sich zu erniedrigen, so ist es aber eine übertriebene,
falsche Demut, sich untertänig zu verhalten. Mit einem untertänigen Verhalten
verleiten wir unsere Mitmenschen dazu, sich uns gegenüber für besser zu
halten, wodurch wir sie hochmütig machen. Es ist auch keine wahre Demut, sich
unter alle Scheusale zu ver- achten.
Demütig zu sein, heißt
nicht, sich minderwertig zu fühlen. Wer Minderwertigkeitsgefühle hat, ist
mit sich unzufrieden, verachtet sich, möchte mehr sein als er ist und mehr können,
als er an Fähigkeiten besitzt. Deshalb steckt hinter dem Sich-minderwertig-Fühlen
noch ein verborgener Hochmut. Dasselbe gilt für Depressionen. Der Demütige fühlt
sich zwar als der Geringste unter den Geringen, aber nicht weil er sich
minderwertig fühlt und verachtet, sondern weil er alle anderen mehr achtet, als
sich selbst. Der Mensch ist ein Werk Gottes, und wer sich als Werk Gottes
verachtet, der verachtet ja auch Gott. So gefehlt es also ist, so sich ein
Mensch überschätzt, so gefehlt ist es aber auch, so sich ein Mensch unterschätzt.
(7.GEJ 141,8-11)
„Demut,“ sagt Jesus,
„ist wohl die erste und größte Tugend eines jeden menschlichen Herzens, aber
sie darf ebensowenig übertrieben werden wie eine andere Regel des Lebens.“
(BM 183,7) „Jene Demut, die da hervorgeht aus der reinen Liebe, ist eine
rechte und wahre Demut; denn sie achtet und liebt im Nebenmenschen einen Bruder
als Bruder, macht aber weder sich selbst noch den Nächsten zu einem Gott, vor
dem man auf die Knie fallen und ihn anbeten soll.“ (3.GEJ 195,13) Die wahre
Demut ist nicht eine äußerliche Gebärde, wie Kniefall, gebeugte Haltung oder
ein demutsvolles Gesicht, das jemand macht, sondern sie ist das Demutsgefühl im
Herzen und die aus ihm hervorgehenden Taten.
Jesus sagt: „Die wahre
Demut liegt ja ohnehin nicht in einem äußerlichen Werke ins Gesicht, sondern
im Herzen, der vollen Wahrheit gemäß. Gehe nach Jerusalem, und siehe dort die
Pharisäer und alle Schriftgelehrten an, mit welch demutsvollen Gesichtern und
Kleidern sie einherschreiten; ihre Herzen aber sind danebst doch des
stinkendsten Hochmutes voll und hassen bis tief unter die Hölle jedermann, der
nicht nach ihrer Pfeife tanzen will, – während ein König mit Krone und
Zepter, so er diese nicht setzt über den Wert eines Menschen, so demutsvollen
Gemütes sein kann wie ein letzter Bettler auf der Straße!“ (4.GEJ 86,3)
Die Demütigungen annehmen
Wenn der Hochmut, wie es zumeist der Fall ist, sich in unseren Herzen hartnäckig
festhält und nicht weichen will, dann kommen wir in der Demut nur weiter, wenn
wir gedemütigt werden. Lehnen wir uns gegen eine Demütigung auf, so bleiben
wir hochmütig, nehmen wir sie aber in Geduld und völliger Gottergebenheit an,
so hat die Demut in uns gesiegt. Die Demut können wir im Zusammenleben mit
unseren Mitmenschen bei vielen Gelegen- heiten des täglichen Lebens erlernen.
Wenn das Gute, das wir beabsichtigen oder tun, schlecht gemacht wird, wenn
unsere Pläne durchkreuzt werden, wenn man unserem Ge- schmack zuwiderhandelt,
unseren Rat verschmäht, unsere Ansichten lächerlich macht, und wir nehmen
alles still in Liebe und Geduld an, so ist das ein Sieg der Demut.
Wenn wir jede Mißstimmung,
jede Unregelmäßigkeit, jede Unordnung und jede verkehrte Handlung (1.RB 95,9)
bei anderen, zwar nicht gutheißen, aber ertragen können, ohne uns zu ärgern,
so ist das ein Sieg der Demut. Wenn wir jeder Torheit, Verschrobenheit und jeder
Gefühllosigkeit, mit Geduld begegnen können, so ist das ein Sieg der Demut.
Wenn wir jeden unrechten Widerspruch, jeden ungerechtfertigten Tadel und jedes
Unrecht, das uns geschieht ertragen können, wie Jesus es ertragen hat, so ist
das ein Sieg der Demut. Wenn es uns nie daran liegt, weder uns selbst noch
unsere Werke im Gespräch zu er- wähnen, wenn es uns nie daran liegt, gelobt,
geehrt oder gar berühmt zu werden, (2.HG 10,25-27) ja, wenn es uns in Wahrheit
recht ist, unbekannt zu bleiben, so ist das ein Sieg der Demut. Wenn wir
vernachlässigt oder vergessen werden, wenn wir verspottet oder beleidigt werden, wenn wir verachtet oder verfolgt werden und wir nehmen das
alles dank- bar aus des Herrn Hand an, so ist das ein Sieg der Demut.
Wenn wir über alle
bitteren Vorkommnisse, die uns auf dieser Erde begegnen können, weder klagen,
noch murren oder ärgerlich werden, (3.GEJ 8,7) so ist das ein Sieg der Demut.
Wenn wir mit jeder Lebensstellung, jeder Lebenssituation und mit allem, wie der
Herr es führt, zufrieden sind, so ist das ein Sieg der Demut. (BM 68,13-21)
Wenn wir uns selbst demütigen können, indem wir unsere Schwächen, Fehler oder
Sünden vor einem anderen Menschen bekennen, (JJ 189,13-15) so ist das ein Sieg
der Demut. Wenn wir niemals Böses mit Bösem und Scheltwort mit Scheltwort
vergelten, (1.Petr. 3,9) sondern freudigen Herzens Böses mit Gutem vergelten können
(4.GEJ 78,5) und sogar unseren Feinden Gutes tun und für sie beten können, ja,
wenn wir in unserer Seele keinen Schmerz mehr empfinden, wenn wir gedemütigt
oder lieblos behandelt werden, (4.GEJ 52,13) dann, ja dann sind wir in der Demut
vollendet. Viele, die Gotteskinder sein möchten, weichen allem aus, was sie in
die Tiefe führen könnte. Anstatt ihr Kreuz auf sich zu nehmen, suchen sie
vielmehr Befreiung von allen Demütigungen. Betrachten wir doch alle Demü-
tigungen, seien sie von Freund oder Feind, als willkommene Gelegenheit, um uns
in der echten Demut zu üben. Nehmen wir alles freudig an, was uns demütigt.
Lassen wir es uns gefallen, schwach, niedrig und nichts zu sein.
Die christliche Närrin
Ein großartiges Beispiel, wie wir Demütigungen annehmen und uns selbst demütigen
sollen, ist die Nonne von Tabenna. Sie lebte zur Zeit des frühen Christentums
im Non- nenkloster zu Tabenna in Ägypten. Alle hielten sie für nicht ganz normal
und hatten einen solchen Abscheu vor ihr, daß keine mit ihr essen wollte. Sie
half in der Küche, erledigte jede unangenehme Arbeit, welche die anderen ihr
auftrugen und war sozusagen das Wischtuch des Klosters. Mit einem Lumpen hielt
sie den Kopf umhüllt, während die anderen geschoren waren und Kapuzen trugen.
Keine der vierhundert Nonnen sah sie jemals am Tisch essen während der vielen
Jahre, die sie im Kloster lebte, sondern sie war mit dem zufrieden, was sie beim
Spülen der Geschirre fand. Sie kränkte niemand und murrte nie, obgleich sie
beschimpft, verwünscht, geschlagen und verächtlich behandelt wurde. Ein ganz
unerwartetes Ereignis brachte eine Wendung in ihr klösterliches
Küchendasein.
Im Porphyrgebirge lebte der
heilige Piterum als Einsiedler. Eines Tages hatte er eine Vision, in der ein
Engel zu ihm sagte: „Was bist du stolz auf deine Frömmigkeit und dein
weltfernes Leben? Willst du ein Weib sehen, das frömmer ist als du, so geh’
nach dem Frauenkloster der Mönche von Tabenna! Dort wirst du eine finden, die
einen Lumpen um den Kopf gebunden hat. Diese ist besser als du; denn obgleich
sie von allen Seiten Unbill erfährt, hat sie niemals ihr Herz von Gott
gewendet; du dagegen sitzest hier (in der Einsamkeit), deine Gedanken aber
schweifen in den Städten umher.“ Obwohl Piterum sonst nie seine abgelegene
Einsiedelei verließ, machte er sich nach der Vision auf den Weg nach Tabenna.
Der Ruf seiner Heiligkeit verschaffte ihm ohne weiteres Einlaß im Kloster. Dort wünschte er die Nonnen zu sehen. Die Vorsteherin stellte sie ihm
alle vor, aber nach Piterums Vision fehlte gerade jene unter ihnen, die er
suchte. Auf seine Frage, ob dies alle seien, erwiderten die Nonnen: „Eine
haben wir noch in der Küche, aber die ist närrisch.“ „Führt sie
herein“, sprach Piterum, „ich möchte sie sehen.“ Die Nonnen gingen in die
Küche und versuchten, die gewünschte Schwester zu holen.
Aber sie weigerte sich
kurzerhand, mitzukommen, ahnend, daß ihr Geheimnis verraten werden könnte.
Doch die anderen zogen sie mit Gewalt und sagten: „Der heilige Piterum wünscht
dich zu sehen.“ Als Piterum nun die Nonne sah, ereignete sich eine höchst
über- raschende
Szene, auf die keine der Schwestern vorbereitet war und die in einem Augen-
blick
die bisherige Situation ins Gegenteil umkehrte. Zu ihrem maßlosen Erstaunen
fiel der heilige Piterum alsogleich dem „Wischtuch des Klosters“ zu Füßen
und sagte zu ihr: „Segne mich!“ Im gleichen Moment kniete jedoch auch die verachtete
Nonne nieder und bat Piterum: „Segne du mich, Herr!“ Über die beinahe
komische Situation dieses gegen- seitigen Wunsches, gesegnet zu werden, wunderten
sich die verdutzt zuschauenden Nonnen aufs höchste.
Sie konnten das Geschehen
in keiner Weise begreifen, starrten einander nur fassungslos an und sprachen
schließlich zu Piterum: „Vater, laß dich doch nicht zum besten halten, sie
ist ja närrisch.“ Piterum aber antwortete: „Ihr seid närrisch; denn sie
ist (in der Heiligkeit) meine und eure Mutter, und ich wünsche nur ihrer würdig
befunden zu werden am Tage des Gerichtes.“Nach dieser unerwarteten
Mitteilung Piterums kam eine wirkliche Betroffen- heit über die versammelten
Nonnen. Mit Schrecken gewahrten sie, wie unchristlich sie ihre Küchenmagd
behandelt hatten. Sie fielen der Verachteten ebenfalls zu Füßen, und jede
gestand ein anderes Vergehen, dessen sie sich schuldig gemacht hatte.
Die eine bekannte, sie mit
Spülwasser begossen zu haben, die andere, sie so stark geschlagen zu haben, daß
sie blaue Flecken bekommen hatte, und die dritte klagte sich an, ihr die Nase
mit Senf bestrichen zu haben. Alle ohne Ausnahme hatten sich ihr gegen- über gar
nicht als fromme Klosterschwestern benommen, sondern sich die unstatt- haftesten
Übergriffe erlaubt und baten nun voll Reue für ihr häßliches Verhalten um
Verzeihung.Die Närrin im Kloster aber wollte nicht Ruhm und Ehre bei den
Schwestern genießen und fand die vielen Abbitten lästig. Sie fühlte sich in
ihrer verborgenen Herzens- gemeinschaft mit Gott ertappt und entwich nach wenigen
Tagen aus dem Kloster. Wohin sie ging, wo sie sich verbarg und wo sie gestorben
ist, hat niemand erfahren. (DCN)
An diesem Beispiel sehen
wir den Unterschied zwischen zwei Menschen, die Gott näher kommen wollen: Da
sitzt jemand friedlich in der Einsamkeit, um sein Herz Gott besser zuwenden zu können,
weswegen er im Ruf der Heiligkeit steht, schweift aber mit seinen Gedanken in
den Städten umher. Im Kloster dagegen lebt eine Nonne, die sich vieler Demütigungen
ausgesetzt hat, obwohl sie ihnen hätte ausweichen oder sich hätte verteidigen
können und hat trotzdem niemals ihr Herz von Gott gewendet. Sie erblickt in
jeder Plage, die sie von Menschen erfährt, eine von Gott gegebene Gelegenheit,
sich in der Demut zu üben. Sie hält ihr inneres Leben geheim und als es
dennoch ans Licht kommt und sie geehrt wird, ist ihr das unangenehm. Deshalb
weicht sie der Ehre aus, indem sie sich heimlich davonschleicht. – Und wir?
– Hätten wir auch so gehandelt? – Ich glaube, wir hätten, wenn wir uns überhaupt
hätten solche Demütigungen gefallen lassen, am Ende doch die Ehre genossen. -
Nun brauchen wir zwar diese Nonne nicht in allem nachzuahmen, aber sie ist uns
dennoch ein großes Vorbild in der Demut.
Bis auf den letzten Tropfen gedemütigt werden
Wir können vom himmlischen Vater alles haben, nur die Demut nicht. Diese kann
und darf Er uns nicht einfach geben, sondern nur lehren und begehren, denn die
Demut ist jedes Menschen Eigentum, hervorgehend aus dem Kampf zwischen dem Abhängigkeits-
und dem Hoheitsgefühl. Wie uns der himmlische Vater die Demut nicht geben kann,
so kann Er uns auch die freie Liebe zu Ihm nicht geben, aber einen Anteil Liebe
hat Er jedem Menschen bei der Erschaffung mitgegeben. Mit dieser freien eigenen
Liebe müssen wir Ihn erfassen, wenn wir das Leben in uns erfassen wollen. (1.HG
142,4-6) Die Demut aber ist das
einzige, das wir Jesus geben können, ohne es eigentlich vorher von Ihm
empfangen zu haben. Das ist der Acker, auf dem Er nicht säte und den
eigentlichen Samen in das Erdreich streute – und doch ernten will! (2.HG
11,10-12)
Wenn der himmlische Vater uns die Demut auch nicht einfach geben kann,
so kann Er uns aber doch zur Demut führen und muß es auch tun, denn allein
sind wir nicht imstande vollkommen demütig zu werden. Wer also den ernsten
Willen hat, vollkommen demütig zu werden und die Wiedergeburt zu erreichen, der
muß bis in die tiefste Wurzel seines Hoch- mutes gedemütigt werden. Jesus übte
Sein Leben lang die Demut. Den Stolz demütigte Er durch die Armut, die
Herrschlust bändigte Er durch den willigsten Gehorsam zu denen, die wie alle
Menschen gegen Ihn wie gar nichts waren. (JJ 300, 6-7) Aber zum Schluß mußte
Er noch von den hochmütigsten Menschen seiner Zeit durch Seine Gefangennehmung,
Verur- teilung und Kreuzigung gedemütigt und vollständig entehrt werden. (2.GS
114,4-5)
Auch wir, die wir uns schon
lange bemühen, demütig zu sein und auch schon manchen Hochmut abgelegt haben,
müssen zum Schluß vollständig entehrt werden, und diese Entehrung willig erdulden, wie sie Jesus willig erduldet hat. Jesus sagt: „In
Christus ging alle urgöttliche Weisheit in die Liebe zum Vater über; dadurch
ward aus Sohn und Vater Eins. Desgleichen muß es aber auch bei dem Menschen der
Fall sein. Bevor er nicht in seinem hochmütigen Verstande und in allen
Begehrungen desselben, welche auf allerlei Ehrungen hinauslaufen, bis auf den
letzten Tropfen gedemütigt wird, – ja, bevor er nicht alles der Liebe zu Füßen
legen wird und darum erleiden wird eine kurze Verfinsterung aller seiner
weltlichen Weisheit, wird er wahrlich nicht in die Herrlichkeit des Vaters
eingehen.“ (Schr. 17,16) „Ihr wisset, was unter ‚Sohn‘ zu verstehen ist,
die Weisheit des Vaters nämlich. Dem Sohne entspricht hernach auch alles in
einem jeden Menschen, was da ein
Angehör der Weisheit ist.
Dergleichen Angehör ist
der Verstand, die Vernunft, allerlei Wissenschaft und Erkenntnis. Dieses Angehör
der Weisheit muß aber zugleich auch in einem jeden Menschen diejenige Demütigung,
gleichsam die Kreuzigung durchmachen, muß dann wie getötet in ein neues Grab
im Herzen gelegt werden, von da wieder auferstehen und sich dann, dem Vater gänzlich
hingebend und aufopfernd, in die Höhe begeben, um eins zu werden mit dem Vater.
Ist solches geschehen, dann erst wird die Verheißung des Vaters, welche ist das
ewige Leben, in des Menschen Leben offenbar werden. Das ist der Akt der
Wiedergeburt.“ (Schr. 30,4-6) Wer einen klugen Verstand und eine gute
Erkenntnis hat, der muß an seinem Verstand und seiner Erkenntnis, auf welche
der Mensch gewöhnlich stolz ist, gede- mütigt werden. Selbst der größte Weise muß sich vor der unendlichen
Weisheit Gottes beugen bis zur innersten Faser seines Lebens. Das ist heilsam
sogar für den tiefsinnigsten Engelsgeist, denn auch die größten Engel müssen
demütig sein, so sie ganz selig sein wollen. (1.RB 37,9)
Wir müssen also zuvor
dort, wo wir noch hochmütig sind, bis auf das äußerste gedemütigt werden,
ehe wir zu der unvergänglichen Ehre erhoben werden können, nämlich der Wieder-
geburt, die uns ewig niemand mehr nehmen kann. (6.GEJ 21,12) Erst nachdem wir
bis in die tiefste Wurzel unseres Hochmutes gedemütigt worden sind, können wir
uns als der Geringste unter den Geringen fühlen. Dann können wir uns unter
alle Menschen herab- setzen und haben dann erst die wahre Gesinnung des Dienens im
Herzen. Dann fällt uns das Dienen nicht mehr schwer, sondern es ist uns eine
Freude und Wonne, allen zu dienen. In diesem Zustand sind wir Jesus nahe. Er
sagt: „Näher ist Mir niemand und Ich nie jemandem näher irgendwann als
gerade im Zustande seiner größten Demütigung vor Mir.“ (2.HG 23,27)
„Darum befleißiget auch
ihr euch vor allem der Demut! Wenn ihr derselben innerste Wurzel werdet gefunden
haben, dann habt ihr auch vollends Mich gefunden!“ (2.HG 12,17) „denn ohne
die wahre, innere Demut seines Herzens kann Mich niemand wahrhaft liebend in
seinem Herzen erfassen.“ (2.HG 12,14) „Wenn aber jemand Meine Lehre vollends
befolgen wird, der wird es gut haben hier und jenseits; denn eine demütige
Seele findet sich bald in allem zurecht, und weil sie Mir am nächsten ist, so
hat sie auch allezeit die aller- sicherste und allerbeste Hilfe bei der Hand.“
(EM 63,28)
Vor der wahren Demut erbebt ehrfurchtsvoll die Unendlichkeit
Weil es in der heutigen Zeit so wenig vollkommen Demütige gibt, bekommen die
Menschen Jesus so wenig zu Gesicht. Selbst wenn jemand nur noch ein Atom Hochmut
in seinem Herzen hat, wird Er ihm nicht erscheinen. Deshalb ist die Demut eine
der not- wendigsten Tugenden. „Aber diese Tugend“, sagt Jesus, „besteht
eigentlich nur in der rechten Liebe zu Gott und zum Nächsten. Sie ist die
sanfte Geduld des Herzens, durch die der Mensch seine Vorzüglichkeit wohl
erkennt, sich aber über seine noch viel schwächeren Brüder nie herrscherisch
erhebt, sondern sie nur mit desto mehr Liebe umfaßt und zur eigenen erkannten höheren
Vollendung durch Lehre, Rat und Tat zu erheben trachtet.“ (7.GEJ 141,9) Demut
und Liebe hängen so eng zusammen, daß es keine wahre Demut ohne Liebe und
keine wahre Liebe ohne Demut gibt. Man kann auch sagen: Die Demut vollendet die
Liebe und die Liebe vollendet die Demut.
Ja, die Demut besteht
eigentlich nur in der wahren Liebe zu Gott und zum Nächsten und die Liebe
besteht eigentlich nur in der wahren Demut. Denn die Demut ist ja der Mut, allen
Dienste zu verrichten und das will ja auch die Liebe. Als jemand einst den himm-
lischen Vater über die Demut reden hörte, rief er begeistert aus: „Er - Er
Selbst hat es uns allen nun gezeigt, daß vor Ihm nur die Niedrigkeit der wahren
Demut im Verbande mit der reinen Liebe zu Ihm etwas gilt, alles andere aber gänzlich
ohne Wert ist.“ (2.HG 9,16)„Die Demut“, sagt der himmlische Vater, „ist
die innerste, allerhöchste Kraft, Macht und Gewalt in Mir Selbst. Alles, was da
füllt die ganze Unendlichkeit, ist durch die Demut entstanden und ist aus ihr
hervorgegangen.“ (2.HG 11,14) „In der wahren Demut besteht die eigent- liche,
allerhöchste Freiheit des Lebens, daher auch die größte Vollkommenheit
desselben. Durch die Demut könnet ihr sogar euch in Mir der unantastbaren
Heiligkeit Meiner Gottheit nahen, – ja die wahre Demut ist des Menschen höchste
Weisheit, die höchste Liebe, die höchste Kraft allen Lebens, die Macht und die
höchste Gewalt, vor der die ganze Unendlichkeit ehrfurchtsvoll erbebt!“ (2.HG
11,13)
Quellenverzeichnis
GEJ Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981-1986
HG Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1981
RB Von der Hölle bis zum Himmel, (Robert Blum) Jakob Lorber, 1963
BM Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960
GS Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955, 1956
JJ Die Jugend Jesu, Jakob Lorber,
Hi. Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935 und 1993
EM Erde und Mond, 1953
Schr. Schrifttexterklärungen, Jakob Lorber, 1985
Lorber-Verlag, 74308 Bietigheim-Bissingen
DCN Der christliche Narr, Walter Nigg
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