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Das inwendige Gottesreich
(in Kurzschrift stenographiert und später in Reinschrift geschrieben) Solange der Mensch die Gottesbotschaft
von außen hört, hat er sein Ziel zwar vor Augen, aber dann muß er sich
dieses Ziel erst erkämpfen. Doch was er innerlich erlebt, ist schon Ziel.
– Jetzt ist die Zeit da, wo sich erfüllt: „Ich will Mein Gesetz in ihr Herz
geben und in ihren Sinn schreiben, sie sollen mein Volk sein, und Ich will
ihr Gott sein.“ (vergleiche hierzu
Jeremia 31,3) Nicht mehr soll es heißen: „Gehe zu
Meinem Knecht, gehe zu Meiner Magd: siehe hier, siehe da ist der Herr!
Alle sollen IHN erschauen in sich selbst.“ – (Hiob
19,26) Das ist die große Zeit heute, die größte
Zeit, die angebrochen ist, wo die Tore geöffnet sind für das heilige
Vaterherz in jedem Menschenherzen. Die Verbindung zu Ihm kann der Mensch
herstellen. (vergleiche
hierzu 3.GEJ;241,1-4) Von Gott aus ist sie jetzt eröffnet
durch Menschen, die nur das Ziel im Auge haben das Jesus verkörpert hat.
Wir sind alle Kinder eines Vaters, jeder Mensch ist ein Teilchen Meines
Lebens und Ich bin ein Teilchen seines Lebens. Ein Mensch, der seinen Vater gefunden
und erkannt hat, hat keine Fragen mehr, aber ein Bedürfnis, mit seines Nächsten
Gesinnung eins zu werden. Das gesprochene Wort hat in dieser Zeit
nicht mehr genug Durchschlagskraft. Von allen Kanzeln herab rauscht das
Evangelium, und doch hat es keine Wirkung. – Aber die Liebe hat Wirkung, und wenn
man durch sie nur das Vertrauen gewinnt zu einem Menschen und von einem
Menschen! – In der Gegenwart eines liebenden
Menschen fühlt man sich frei. Doch wenn ich einem Menschen gegenübertrete
mit meiner Gesinnung im Vordergrund, und es ist nicht seine Gesinnung, und
sein Verlangen, fühlt er sich unfrei. Aber in der Liebe fühlt er sich frei,
durch sie soll sich auch der große Gegner und Gegenspieler frei fühlen. 2.
Der göttliche Lebenskeim im Menschen Einst, in Maria nahm Er Fleisch und
Blut an und suchte Fleisch und Blut auf dieser Erde – und heute sucht Er Licht, Liebe und
Leben im Menschen. – Gewiß, wir sagen, das können wir uns
nicht selbst geben, und das ist auch wahr. – Wir können es uns nicht geben, aber es
liegt als Keim in der Tiefe unserer Seele verborgen. Und wie das
Weizenkorn im Acker sich entfalten will zur goldenen Ähre, so will sich
dieser göttliche Lebenskeim im Acker unserer Seele entfalten. – Was sich hier entfaltet ist dann das
Eigentum des Menschen und hinter diesem Menschen steht Gott als Vater, als
ewige Liebe, als herrlicher Schöpfer, als der Liebevollste und Demütigste
wird Er offenbar. Man spricht von einem Gott Abrahams,
Isaks und Jakobs, man spricht von einem Gott Moses und man spricht von
einem Gott Jesus. – Es gibt doch nur einen Gott, wie kann
man dann sprechen von einem Gott Abrahams, Isaks und Jakobs, von einem
Gott Moses usw.? – Weil der Geist in der Seele den
Gottesbegriff nur binden (befestigen) konnte in der Form, wie die Seele in
ihrer Gesinnung gestaltet war. – Alle Glocken sind aus einem Erz, und
(doch) jede hat einen anderen Klang. Der Gott Jesus, das Gottesleben durch
die Seele Jesu, das war der wahrhaftige Gott, weil in dem Menschen Jesus
Christus kein Stäubchen Selbstisches, Menschliches vorhanden war! – Es war in Ihm kein Blut aus dem Blute
der vergänglichen Welt. So konnte sich in Jesus das Blut seines ewigen
Gottesgeistes ergießen, der Tempel war gereinigt, die Seele war
geheiligt. Denn wenn der Geist sich mit unserer Seele verbindet, so gibt
ihm die Seele die Form. Das ist das Heilige – die Seele gibt dem Geist
die Form. – Die Seele kann den Geist in die höchste
Herrlichkeit erheben, kann ihm Raum geben, daß er sich erheben kann, sie
kann ihn auf der anderen Seite auch erniedrigen. – Warum ist das so? Ehe die Gedanken Gottes nach außen
gestellt werden, die ihren Ursprung hatten im Leben Gottes, ehe das Leben
Gottes sich in Schöpfungswerken äußerte, sprach die Liebe in Gott: „Wenn Ich Meine herrlichen Gedanken
jetzt aus Mir hinausstelle in die unendlichen Räume und sie leben dort
als persönliche, individuelle, von Mir geschiedene Funken Meines
Gotteslebens, dann bin Ich ein herrlicher Schöpfer, aber Ich stehe über
allen Meinen Werken. Wenn Ich aber Meine Gedanken in Geschöpfe hineinlege
als Lebenskeime und befähige sie und gebe ihnen Pflege, daß sie diese
Meine Gedanken verkörpern, dann bin Ich nicht nur Schöpfer, dann bin Ich
Vater, dann kann Ich noch mehr sein: Liebender und Geliebter der von Mir
Geschaffenen.“ – Damit macht sich Gott von der
Entwicklung Seiner ebenbildlichen Geschöpfe abhängig! – Unter ihnen
war Luzifer der Erste, neben ihm die sieben Ur-Erzengel. (Michael,
Uriel, Gabriel, Raphael, Anael, Urifiel, Zarariel) Von ihnen war nun die Entfaltung Seines
göttlichen Lebens abhängig. – Er wollte nicht als Erhöhter über
seinen Geschöpfen stehen. Er wollte als Heiliger Vater bei ihnen stehen.
Er wollte sich sonnen in der Liebe, aus der alle geboren waren. – Denn Sich Selbst konnte Er nicht Wonne
sein. – Niemand kann sich selbst lieben zum
ewigen Leben. Wer die Liebe hat, hat, was er benötigt, auch an Weisheit.
Was er braucht mit dem Wachstum der Liebe, fällt ihm zu. Gibt es etwas Herrlicheres, als in
seinem lieben Himmlischen Vater die Liebe erkannt und gefunden zu haben?
– Erkannt zu haben, daß ich mich an Ihn
wenden kann als einem Freund, als Bräutigam und Braut, als Kind, als
Mitheiland? – Er ist mir alles das, was ich für Ihn sein will und was
ich für Ihn tun will. 3.
Urgeheimnisse Ich habe manchmal große Fragen in mir,
aber sie werden mir nicht gelöst. Ja, sagt mir der Geist, wenn Zeit und
Stunde kommt, wirst du sie alle beantwortet finden in dir selbst. – Es ist doch alles in uns. Es existiert
kein Lebendiges, kein Stäubchen in der Schöpfung, das nicht in uns
vorhanden ist. – Ist doch der Mensch die äußere Form
und die Zusammenfassung der materiellen Schöpfung. Der Geistmensch ist
die Zusammenfassung aller Gesinnungen, der Himmelsmensch die
Zusammenfassung aller Engelskräfte und der Gottmensch das ewig gleiche
Leben des Vaters selbst. – Aber dann gibt es
noch ein Leben, das Letzte, das ist der Heilige Geist! – Zwischen dem Heiligen Geist und dem göttlichen
Geist ist ein Unterschied. Der göttliche Geist ist die Erleuchtung der
Menschenseele, aber der Heilige Geist ist die Frucht der Verschmelzung
durch die Liebe mit dem Herzen des Vaters. (vergleiche
hierzu 2.HG;72,8 – 74,30) – Diesen Heilige Geist kann auch Gott
nicht geben. Er ist bedingt durch das Wachstum Seiner Freunde. Was ein
Geschöpf Ihm nicht nachfühlt, das ist auch für Ihn, den herrlichen
Vater, nicht da. – Er will nicht der Alleinige sein, der
von den Urtiefen Seiner unendlichen Herrlichen und Heiligen Liebe alles
beglückte. Erst mit dem Kinde wird Er reicher Vater. – Mit dem Kinde wächst der Vater. Durch
das Kind findet der Vater erst, was auch Ihm noch verdeckt ist. Könnt ihr
glauben, ihr lieben Freunde, daß der Vater sich selbst nicht kennt in
aller Tiefe? Der Jüngling erkennt nur voll, was in
ihm ruht, wenn er die liebende Braut gefunden hat. – Es wird ein Motiv in uns sein, das uns
antreibt zum Wachsen. Auch wenn wir freie Geister sein werden, wird nie
ein Lebensstillstand eintreten. Wohl gibt es niedrige und hohe Berge. Wer
an den Stufen eines niedrigen Berges steht, strebt hinauf zur Spitze. Und
wer auf dem Gipfel ist, sieht wieder einen Berg. Er steht wieder am Fuße
eines höheren Berges. So sind sich die Geister zwar nicht gleich im
Wachstum, aber sie gleichen sich im Streben und Verlangen. Im neuen Himmel kann keine Überhebung
und kein Fall mehr eintreten, weil alle sich gleich sind in der Erziehung,
alle gleich in der Liebe, alle gleich
im Verlangen und doch ungleich in ihrer Reife. So regen sie sich
gegenseitig an. Jedes Leben wird erst dann Leben, wenn
es die Kraft, die es besitzt, für den Menschen einsetzt. Auch unser
Himmlischer Vater will nicht Leben für sich allein. Er findet Erfüllung
erst darin, daß lebensreife Geschöpfe erstehen, die Verlangen haben nach
Seinem Ewigen Heiligtume. 4.
LIEBE, des Gesetzes Erfüllung. Der Gedanke ist das Einfließen in der
geistigen Welt. Er ist die Wurzel des Wortes. „Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung“.
– (vergleiche Paulus in Röm.13,10) Jesus mußte zu seinen Jüngern sagen:
„Wahrlich, Ich sage euch, wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt
ihr nicht in Mein Reich eingehen.“ – Die Kinder kannten keine Gesetze, sie fühlten
sich heimisch und wohl auf den Knien des Heilandes. Sie haben Ihn geherzt,
geküßt und umringt von allen Seiten, sie haben Seine Größe besiegt.
– Wer war denn der Sieger am Kreuze? – Seine Liebe. – Die Welt, die verneinenden Kräfte
trachteten die Liebe zu schwächen. Wäre es ihnen gelungen, hätten sie
der Gottheit eine Niederlage beigebracht, dann hätte die Schöpfung ihren
Ewigkeitsgrund verloren. Aber die Liebe blieb Sieger. Zum
zusammengebrochenen Heiland kam Simon von Kyrene und nahm das Kreuz auf
sich. „Wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm“,
spricht die Schrift. – So wisset, die Liebe liegt in jedem
Menschen, wie das Samenkorn im Acker. Aber das Samenkorn im Acker kann
sich nicht entfalten ohne Sonne, ohne Wärme und Feuchtigkeit. 5.
Der neue Mensch Wenn Jesus von Sich sprach, sprach Er
aus der Verschmelzung mit seinem Gottesleben, und wenn wir verschmolzen
sind mit dem Gottesleben, werden wir nicht anders sprechen. – Was Jesus lehrte und sprach, sind Früchte
vom Menschheitsbaume! – Jesus ist das Bild
eines in der göttlichen Ordnung wandelnden Menschen. – Darum ist
Er (der Gottmensch gewordene Mensch) Mein Wort. – Solange ich noch nicht in der Reife
stehe, daß mich dieses mein, mir von Gott zugedachtes, Wort nähren kann,
bahnt mir mein Himmlischer Vater Wege, die ich mir als vollkommener Mensch
(dereinst?) selbst bahnen soll. – Er stellt uns als unvollkommene
Menschen schon auf göttliche Wege! Er hat der Menschheit den
Entwicklungsgang zu Gotteserkenntnis abgekürzt. – Das ist das Große
und Heilige. – Wenn die Menschen alle zurückgekehrt
sein werden und ihre Reife erreicht haben, werden sie handeln wie Jesus.
Und dann beginnt erst eigentlich die neue Schöpfung – beginnen die
Werke mit den gottähnlich gewordenen Menschen. – Die alte Schöpfung wird vergehen, auch
wenn noch Ewigkeiten verrinnen werden, bis sich die Ursonnen aufgelöst
haben, bis sie ihre Geister freigegeben haben. – Die ganze materielle Schöpfung ist ein
großer Friedhof, wo die Geister alle, gebunden durch Gesetze, in den Gräbern
ihres materiellen Seins ruhen und der Auferstehung harren, der
Auferstehung durch die Sonne der Sonnen, durch ihr Licht und ihre Wärme.
– Was
in der geistigen Welt Weisheit ist, wurde in der materiellen Welt Licht,
und was in der geistigen Welt Liebe ist, wurde in der materiellen Welt Wärme.
In der materiellen Welt ist noch keine
Reife für das Gottesleben. Die Geister sind hier alle gebunden als Teile
von Luzifer, in seiner von göttlichen Grundsetzen getrennten Selbständigkeit,
und darum auch alle losgelöst von der Wurzel der Gottheit. – Oh. hier sind noch Tiefen.
Ewigkeitsschulen liegen hinter uns, bis unsere Seele reif wurde, das
Gottesleben aufzunehmen. Diese Ewigkeitsschulen werden wir dereinst mit
unseren Augen sehen. Wir werden jeden kleinsten Abschnitt unseres Weges
erkennen und werden uns an die Brust schlagen und sagen: „Du großer
Gott, Du hast mich umsorgt, als hättest Du in der ganzen Schöpfung nur
mich allein.“ – So sorgt die ewige Liebe und alle
Kreatur kann dieses sagen! – Siehe, diese Blume spricht: "So
wie Der, Der mich und dich erschaffen hat, dich ausgestattet hat, hat Er
auch mich ausgestattet. Mir konnte Er nicht mehr geben als die Schönheit,
aber dir konnte Er die Lebensfülle geben, aufzunehmen und zu verstehen
Sein Heiliges Herz. Doch auch ich werde dereinst dort landen, wo du
landest, wieder im Herzen Gottes, aber nicht mehr als kleine Kreatur –
nein – als eigenes, selbständiges Leben aus Deinem Herzensleben, Du großer
Schöpfer. Auf solchen Wegen macht Gott, unser
Himmlischer Vater, Sich selbst frei. – Alles, was gebunden war und was genährt
wurde von seiner Allmacht, geht der Auferstehung entgegen, der Freiheit.
So wird letzten Endes wieder der große EINE Schöpfungsmensch dastehen,
der gottähnliche Mensch, die erfüllte Sehnsucht der Ewigen Liebe, oder
das Gefäß für die Heilige Liebe, oder die Braut für die Ewige Liebe. – Das wird die Erfüllung sein – der
neue Mensch! – 6.
Wo wir stehen, soll ein Heiland sein. Ach, es gibt Gedanken, die man nicht in
Worte fassen kann, liebe Geschwister. Aber das eine, was uns not tut,
verstehen wir alle, in Jesus den ewigen herrlichen Vater zu erkennen. Und
wenn wir Ihn erkannt haben, als den heiligen Vater, als Den, Der alles
leitet, ohne Den sich nichts vollzieht und nichts geschehen kann, dann
sind Seine Worte auch Richtschnur für unser Leben. Dann weiß jeder, wie
er sich zu verhalten hat. – Mit wenigen Worten ausgedrückt: wo wir
stehen, soll ein Heiland stehen, wo wir stehen soll eine leuchtende, wärmende
Sonne für unsere Umgebung aufgegangen sein. Das andere kommt von selbst.
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und Seiner Gerechtigkeit, so wird
euch alles Übrige zufallen. Sieht man den Zeitgeist an, erscheint er
manchmal, als habe der Himmlische Vater Seine Augen geschlossen vor dieser
Erde, wenn man die jungen Menschen ansieht, wie sie aufwachsen, wie sie
gebildet werden. Soll unser Himmlischer Vater Zwang
anwenden zum Triumph des Lichtengels, des Lichtträgers? Ich sah ihn
(Luzifer) einmal in einem Gesicht vor dem Vater stehen. Und er sprach zu
seinem Gott und Vater: „Ich werde Dich dann zwingen, von Deiner Allmacht
Gebrauch zu machen.“ – Der Zwang drohte zu Adams Zeiten, wie die
Schrift spricht: „Und Gott reute es, daß Er den Menschen geschaffen
hatte." (1.Mose 6,6) Und es
kam die Sintflut, wo (nach der NO durch Jakob Lorber) – der liebe Vater
so bitterlich weinte, als Er die Arche verschloß. Wieder drohte der Zwang im Garten
Gethsemane und jetzt droht erneut der Zwang für diese Zeit,
Geschwisterherzen. Darum ist unser Leben so heilig. – Wenn der
Himmlische Vater keinen empfänglichen Menschen mehr für das Heiligtum
Seiner Liebe hat, dann vergreist die Erde, dann kann sie nicht mehr
bestehen. – Sie kann nur bestehen durch die
Lebensverbindung zwischen Mensch und Gott, und wenn es nur einer ihrer
Bewohner ist, der diese Lebensverbindung verwirklicht. – Denn in der materiellen Schöpfung ist
der Menschenmund Gottes Mund, das Menschenauge Gottes Auge. – Laßt
uns eintreten dafür, daß das Licht des Geistes siegt. – Ein einziger Mensch kann die
Vernichtung aufhalten. – Wir sollen mit der Verschmelzung
mit der Jesusgesinnung das Granitufer sein, an die die Sünden
dieser Welt zerschellen. – Das
ist unsere heilige große Aufgabe, die Aufgabe des Gottmenschen im
Menschen! 7. Wir warten auf den Gottmenschen im Menschen. Vor ungefähr zwanzig Jahren sah ich in
einer Dienstagsstunde das Bild der ringenden Erde. Ich war den Tag über
in meiner Arbeit gewesen und hatte dort meine Pflicht erfüllt. Als eben Feierabend war, erhielt ich
großen Besuch. Sieben Brüder aus Senftenberg (in Sachsen/Oberlausitz)
waren mit den Rädern im Regen nach Dresden gekommen, sie waren durch und
durch naß. Was konnte ich tun? Ich gab ihnen trockene Sachen,
inzwischen hatten wir Feuer gemacht, noch mehr Freunde waren dazu
gekommen, ich kochte Kakao und reichte Brot. Nun war es acht Uhr, die Stunde sollte
beginnen, ich sollte in der Stunde sprechen und war mit meinen Kräften völlig
am Ende. Mein Herz sandte eine innige Bitte zum himmlischen Vater. Ein
paar hundert Menschen waren versammelt, der ganze Saal war voll und ich
leer und erschöpft. Mein Schwager sang mit seinen Sängern ein
Eingangslied. Oh, sagte ich zu ihm: Max, singe noch ein Lied mit deinen Sängern!
– Ich wußte wohl, es geht auch ohne
mich, ihr lieben Freunde, aber ich wollte doch auch mit der letzten Kraft
meinem Heiland zur Verfügung stehen, da, in dem Augenblick, als mein
Schwager mit den Sängern die letzte Strophe sang, stand vor meiner Seele
ein Bild: Ich sah die ganze Erde greifbar vor mir. Auf ihr war ein
einziges Völkerringen, von Nord bis Süd, von Ost bis West, wohin ich
schaute. Aber um die Erde herum gelagert ein Gürtel von Engeln Gottes,
als Wächter, die alles Geschehen bewachten. – Ich wandte mich im Geist zu den Engeln:
„Ihr Diener meines Himmlischen Vaters, wie könnt ihr dieses Ringen mit
ansehen, ohne zu helfen? – Ich weiß doch, daß euer Hauch mächtiger
ist, als all diese sich bekämpfenden Kräfte hier.“ Da trat der Engel, der mir zunächst
war, auf mich zu und verneigte sich. Ich sagte: „Warum verneigst du dich
vor einem unvollkommenen Menschen?“ – „Ich verneige mich vor der
Liebe meines Gottes zu euch Menschen und vor dem göttlichen Lebensfunken,
den eure Brust einschließt. Du hast mich gefragt, warum wir nicht
eingreifen? – „Wir warten auf den
Gottmenschen im Menschen!" Nun war ich nicht mehr leer. Das Thema
für diese Stunde war gegeben. Sie wurde gewaltig und weihevoll. „Warten
auf den Gottmenschen im Menschen!“ – Wer ist dieser Gottmensch? – Wer aus Büchern schöpft, der ist es
nicht, der holt sich erst Klarheit. – Ist das der Gottmensch, den die Engel
lehren, oder den vielleicht Gott, Jesus persönlich lehrt? – Nein, ein Gottmensch ist der, der sein
Menschliches (Ich) auf den Altar der Nächstenliebe gelegt hat, dessen Ich
verbrennt im Heiligen Feuer der Liebe zu seinem ewigen Vater. Wenn das
Menschliche und Ichhafte aufhört, dann kann der Geist den Gottmenschen
zeitigen. Den gottverbundenen Menschen, der
vollendet, was Jesus angefangen hat, (nämlich) das Werk der ewigen Liebe. Wir
brauchen also nicht Kanzeln, wir brauchen keine Katheder, wir brauchen
nicht Wunderkräfte, wir brauchen nur die Liebe, die uns mit Gott
verbindet! Und die Kanzeln, die diese Wahrheit
verkünden, betreten dann die Engel Gottes und sie tragen die Kräfte, die
frei geworden sind, dahin, wo sie wirksam werden sollen. Darum, was sich an göttlichen Leben
durch den Menschen vollzieht, ist Speise für die ganze Schöpfung, ist
Speise auch für die Erzengel. – Was der Erzengel ist, ist er aus Gott,
was aber der Erzengel wird aus einem gottverbundenen Menschen erhebt ihn
zu einem freien, selbständigen Liebeleben, zu einem Kindesleben der
Kinder Gottes. Was kein Auge je gesehen und kein Ohr
gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott
bereitet denen, die Ihn lieben (1.
Korinther 2, 9). Denn die höchste Seligkeit fühle ich
in mir durch das, was ich meinem Nächsten tun kann. 8.
Erziehungsschule Erdenleben. Nichts geschieht ohne Seine Zulassung.
Alle Dunkelheiten in mir sind noch Unvollkommenheiten meiner Seele, sind
noch Schatten und Wolkengebilde in meiner Seele, weil in ihr die
Lebenssonne, der Geist seinen Lichtglanz und seine Wärme noch nicht
entfalten kann. Ist es nicht so? – Und doch, solange wir die Körperform
tragen, die Gott geweiht hat, durch die Er das höchste Werk Seiner Liebe
vollbracht hat, sind wir geheiligt, sind alle Türen geöffnet. In dieser Form hat die Ewige Liebe noch
Gelegenheit, uns zu Sich zu rufen, leider oftmals – was nicht im Plane
der Ewigen Liebe liegt – durch Krankheit, Unglücksfälle und Leiden.
Denn im Erdenleben werden wir so gepflegt, daß unser ganzes Leben ein
Ersterben alles Menschlichen mit sich bringt, damit, wenn unsere Stunde
kommt, nichts Sterbliches mehr da ist, und jeder Tag bringt ein Ersterben,
jeder Tag erfordert ein Stückchen von meinem Ich. Wenn du die höchste
Reife erreicht hast auf dieser Erde – das Vaterauge dringt doch bis in
den Kern deines Lebens – dann ist auch die Stunde deines Ablebens da.
– „Ist Gott für mich, wer mag wider
mich sein?“ – In Seinem ganzen Königreich ist alles recht, ist alles
gleich, gebt unserem Gott die Ehre! Der uns ein scharfes Denken gegeben
hat, muß auch unserem scharfen Denken entsprechen, muß denen die größte
Fürsorge angedeihen lassen, denen Er dieses Denken verliehen hat, daß
sie nicht etwas finden an Ihm, das er vergessen hatte. – 9.
Bist du die Liebe? Ich habe es erlebt im Felde, im ersten
Weltkrieg. Vier Jahre im Kriege draußen, Heimweh und Krankheit hatten
mich auf einen toten Punkt gebracht. Mein Leib verweigerte die Nahrung,
ich konnte nicht mehr weiter. In diesem Zustande suchte ich dort in Rußland
die Einsamkeit. In unserem kleinen Dörfchen war eine zerschossene Kirche,
in ihrem Raum waren neue Bettgestelle gezimmert als Schlafstellen für
Kameraden. Hier, an diesem Ort, sagte ich mir, sind Kinder getauft, sind
Ehen eingesegnet worden, hier wurden Gebete zu Gott geschickt, in dieser
Ruine bin ich auf meine Knie gefallen. Im Raume lagen nur Steine
zerstreut, kein Altar war mehr da, aber der Ort war noch zu sehen, wo er
gestanden hatte. Dort kniete ich nieder: "Mein lieber Himmlischer
Vater, Du bist die Liebe?" Da, in der Stille wurde auch meine
Seele still, und ich rang mich durch: „Ja, Du bist die Liebe, nur ich
weiß noch nicht, warum Du mich so führst!“ Ich stand auf, war gekräftigt, war
wieder ausgesöhnt mit meiner Lage und hatte wieder den Weg zu meinem ewig
herrlichen Vater gefunden. Ich wußte wieder, daß Er die Liebe ist, daß
Er mich nicht vergessen hat. Und ich danke Ihm für diese Stunde heute
noch, denn in solchen Stunden hat man gelernt. 10.
Das Leid als Erzieher Dann im zweiten Weltkrieg. Ich stand
vor den Trümmern meines Schaffenswerkes. Abends stand unsere Werkstatt
noch – früh war sie ein glimmender Aschenhaufen. (13/14.2.1945) Oh, ich dachte an Hiob: „Der Herr hat
es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt!“ Es
fiel mir nicht schwer darüber hinwegzukommen, daß das Schaffenswerk ein
Trümmerhaufen und ich arm geworden war. Aber wie jetzt aus dem Trümmerhaufen
etwas aufbauen? Mit der Werkstatt war auch das
elterliche Haus zerstört. Dort wohnten vier Familien meiner Brüder. Sie
sollten jetzt nicht sagen: „Unser Onkel hat nur für das Göttliche
gelebt, aber er hat sich nicht um unser Leid, um unsere Not gekümmert.“
So setzte ich mich mit meinem Bruder in
Verbindung. „Gustav, ich werde meine besten Sachen verkaufen, kaufe du
dafür Zement und Kalk und wir durchsuchten die Trümmer und führen aus
den guten Ziegelsteinen die Mauer wieder in die Höhe.“ Für Überdachung wird sich auch noch
Rat finden, damit ein Sohn meines Bruders das Handwerk, auf das mein Vater
sich in redlichem Bemühen eine Existenz aufgebaut hat, das ich selbst ein
Leben lang ausgeübt habe, wieder zum Segen anderer Menschen weiterführen
kann. Und die Liebe half mir. Wir brachten den Bau wieder in die Höhe,
doch waren keine Fenster und Türen da, die elektrischen Leitungen waren
soweit nicht zerstört und unbrauchbar – abmontiert und gestohlen
worden. Und doch kam es nach ein paar Jahren so
weit, daß die Familien wieder eine Wohnung hatten und glücklich darin
leben konnten, wenn auch primitiv. Alte Türen und Fenster waren
zusammengekauft, aber schön zusammengefügt, die Zimmer sauber
gestrichen. Oh, ihr glaubt nicht, wie mein Herz
beseelt ist von der Liebe Gottes. Aber die Liebe Gottes läßt auch zu, daß
der Mensch seine letzte Kraft aus sich herausholt und einsetzt. Der Vater will sein Kind nicht leiden
sehen, nein, der Himmlische Vater will Seine endlose Liebe herausholen aus
dem Kinde und weiß, welches Erleben dazu gehört, daß diese Seine Liebe
frei wird in uns, ihr lieben Freunde. Bereite mir alle Himmel, mein
Himmlischer Vater, komme persönlich hierher, daß ich Dein Antlitz sehen
kann - Du beglückst mich nur äußerlich, aber nicht bis in den Grund
meines Lebens. Gib mir aber Kraft, daß ich Dir einen
Himmel bereite! Hast Du Dir keinen anderen Himmel
geschaffen, als Dein Leben von Ewigkeit her dienend einzusetzen und
zuletzt noch abzuschließen am Kreuze, da gibt es auch für mich, Dein
werdendes Kind, keinen anderen Himmel als Dein Glück. Zeige mir Augenblicke, in denen ich
Augenblicke lang Dich glücklich gemacht habe, dann
11.
Mit den Mitmenschen gehen! Man muß mit dem Gemüt eines
Mitmenschen mitgehen. Ich rede nicht vom Leiden, ich rede von der Liebe,
von der unendlichen Liebe, meine lieben Freunde! – Die Liebe unseres Himmlischen Vaters
kann einen Schiffbrüchigen auf einem Strohhalm erhalten, wenn Sie es
will. Aber das Leben festigt sich nur durch Erfahrungen, Überzeugungen
gewinnen wir nur durch die Erfahrung. Und ich sage es immer wieder, und
mag es noch so dunkel erscheinen vor unseren Augen, als schliefe die ewige
Liebe: Nein, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Er ist
bedacht bei Tag und Nacht, für uns zu sorgen, für unser Ewiges, für
unser Unsterbliches. Er will uns das höchste Ziel hier erschließen, und
das höchste Ziel ist, in Seine Fußstapfen zu treten. Es gibt kein herrlicheres Himmelreich,
als Seine Lebenskräfte einzusetzen in den Dienst der Nächstenliebe. Und
es gibt keinen höheren Himmel, als gelebt zu haben für die Liebe. Dies sättigt
die Seele voll und ganz. Sie hat dann kein Verlangen mehr, ihr Durst, ihr
Hunger ist ewig gestillt. Als wir beschlossen haben, noch einmal
zu euch zu kommen, habe ich jeden Abend und jeden Morgen gebetet:
„Lieber Himmlischer Vater, nur Dein heiliger Wille geschehe. Willst Du
es nicht, dann mache Du es selbst unmöglich und willst Du es, dann wirst
Du mir auch die Kraft geben dafür.“ – Ich bin nicht mit den Gedanken zu euch
gekommen euch etwas zu bringen, nein, nur mit dem Gedanken, mich in eurer
Mitte zu verschenken, und mit dem Bewußtsein heimzuziehen: Wir sind
gegangen, doch unser Leben ist geblieben. – Solange noch ein Heilandsleben über
diese Erde geht, ist nicht nur die Erde gesichert, ist die ganze Schöpfung
gesichert. Da ist der Fortgang des Erlösungswerkes gewahrt, ihr lieben
Freunde, denn es heißt: „Alles, was ihr den Vater bittet in Meinen
Namen, das wird Er euch geben.“ – Was heißt in meinen Namen? – Es heißt:
Im Vater Selbst, in Seinem Geiste, oh, in Seiner heiligen
Christusgesinnung. Was ist das Höhere, Jesus ins Auge zu sehen oder Jesus
ins Herz zu blicken? – Ihm ins Herz zu blicken, Ihn in deinem Herzen zu
tragen und dann deinen Jesus in deinem Bruder, in deiner Schwester zu
suchen und Ihn anzubeten in ihnen durch deine Liebe, daß du dich beseelt
fühlst, für sie einzutreten, sei es im Gebet, sei es in dem großen
Wunsche: Möchten sie doch alle entwachsen dieser Erde mit ihren
Unvollkommenheiten, möchten sie alle dem heiligen Leben der ewigen Liebe
reif gegenüberstehen, das sich die lieblichen Worte erfüllen:
"Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König
der Ehren einziehe!" Hätte Er uns Gaben verliehen, Kranke gesund zu
machen, alle Elementarkräfte zu beherrschen, so würde uns dies nichts nützen.
Das könnte uns nur aufhalten, ihr lieben Freunde. Nur eines tut not: Das
seine Worte meine Worte werden! Das ist nicht Gesetzes-Sinn, das ist dann
mein eigenes Lebensgesetz! 12.
Der ewigen Jugend entgegen. Ich bin heute selbst ein lebendiges
Wunder vor euch, Gestern hat hier mein Freund Armin mich herausgetragen
aus dem Zug, ich habe keinen Schritt gehen können. In Leipzig auf dem
Bahnhof beim Umsteigen hat er mich gesucht, ich habe gezittert wie
Espenlaub. Ich wollte ihm entgegengehen und konnte
nicht, keinen Schritt hätte ich gehen können. Und heute so ein frischer Mensch, jung,
lebensfroh, kraftvoll, der Welt aufgetan. An den Stunden, in denen mir der
Vater Gelegenheit gibt, mich hinzugeben, fühle ich mich (mit 83) wie ein
Jüngling von 18 Jahren. So erlebe ich es und kann es euch sagen: Mit dem
reifen Alter schreiten wir der ewigen Jugend entgegen. – Ist es nicht wunderbar, wenn die
Geisterwelt sieht, er ist noch ein Mensch und spricht nicht wie ein
Mensch? Ist das nicht ein großes Wunder? Ist es nicht ein Zeugnis der
Ewigen Liebe Gottes? Ist dann nicht die Zeit erfüllt, wo sie alle zur
Hochzeit geladen werden, auch die kein hochzeitliches Kleid anhaben? Ist es nicht schön, Mensch unter
Menschen zu sein und zugleich seinem Nächsten sein Ziel vor Augen zu
stellen? Und hier ist man immer noch Mensch. Oh,
das Menschliche ist oftmals der Dämpfer für die Seele, damit sie wieder
Kraft findet zum neuen Aufflug, sonst könnte das göttliche Leben in ihr
sie auflösen. Aber das Menschliche hält uns verbunden mit der Erde. Ich
will lieber Mensch sein mit dem geringsten Menschen, als ein Bewohner höchster
Himmel, in welchem meine Mitmenschen nicht weilen können. So auch Jesus.
– Er wollte lieber Mensch sein unter
Menschen, als der ewige Heiland und Unnahbare. – Er wollte in dem Bewußtsein leben,
Seiner geliebten Menschheit zu dienen – so sind meine Empfindungen. Wenn ich einem Menschen ins Auge
blicke, sagt mir seines Auges Blick, daß ich es diesem treuen Blicke
schuldig bin, mit dem Heilandsleben eins zu werden, damit der Blick ein
gesegneter bleibe bis in alle Ewigkeiten. 13.
Das größte Wunder Wie kann der Wunsch eines Menschen dem
Wunsche Gottes vorausgehen? Ewig nie! Jede Wundertat, die sonst unser
Heiland vollbracht hat, hat er mit Schmerz vollbracht. Und die letzte Träne am Grabe des
Lazarus – und Jesus weinte – galt nicht dem Tod von Lazarus, nein,
Seinen Freunden, Seinem Bethanien und den Worten: Herr, wärest Du hier
gewesen, so wäre unser Bruder nicht gestorben!" – Darüber weinte
Er! Wissen
wir denn nicht, warum die Hölle mobil ist auf Erden? Daran sind wir
schuld. Nur unser frei gewordenes Gottesleben
schafft Ordnung. Was sich verbergen konnte von Anfang der Völker an, kann
sich nicht mehr verbergen. Der Geist schafft Ordnung. – Wo falscher Grund ist, hebt er ihn aus,
meine lieben Freunde. Der Geist wird auch noch die erkrankten Völker
unserer Erden gesund machen. – Die Entwicklung vollzieht sich durch
das Göttliche Leben. Unser lieber Vater könnte die Geister nicht glücklich
machen, die erweckt werden durch Zeichen und Wunder. – Das größte Zeichen und Wunder ist die
lichtvolle Erkenntnis eines Jeden, zu sehen, wo er steht. Und wenn die
Menschen erkennen, wo sie stehen, wird sich auch das Verlangen in ihnen äußern,
frei zu werden. Die Stühle, die Katheder, die Kanzeln unserer Welt, sie
werden wie Feuer werden, wer nicht aus dem Geiste spricht, wird unruhig
werden auf dem Platz, auf dem er steht. Man fragte mich einmal: "lieber
Bruder, wer ist rein vor Gott?" – Wenn man solche Fragen an mich
stellt, wage ich natürlich nicht, sie aus mir selbst heraus zu
beantworten, da gehe ich zu meinem Heiland: "Erschließe Du den
Licht– und Lebensstrom in mir, auf daß ich die Frage beantworte, wie Du
sie beantwortest hättest." – Ihr müßt wissen, wenn ich aus dem
Himmlischen Vater spreche, so spreche ich nicht als sogenanntes Werkzeug,
beeinflußt durch einen Engel, einen Geist außer mir. Nein,
ich spreche aus meinem eigenen Innenleben, denn unser eigenes inneres
Leben ist göttlich, meine lieben Freunde! – Was wir von Werkzeugen
(Medien) und Brüdern hören und alles, was ihr mit Augen und Ohren
aufnehmt, ist nur Weg, aber nicht Wahrheit und auch noch nicht Leben. –
Wahrheit ist das, was ich in mir als Wahrheit erkenne. – Und ich staunte auf jene Frage: „Wer
ist rein vor Gott?" und ich empfing die Antwort: „Rein vor Gott ist nicht einmal der
reinste Engel.“ – Aber ein Mensch, der in den Unvollkommenheiten und
Fehlern seiner Mitmenschen nur Wunden sieht und beseelt ist von dem
Verlangen, diese Wunden zu heilen, der ist rein vor Gott.
14.
Richtet nicht. Dann wurde ich wieder einmal gefragt:
Es steht doch geschrieben in der Bibel: "Wir werden alle vor dem
Richterstuhl Gottes stehen". – Was bedeutet das? – Das ist auch eine tiefe, heilige und
ernste Frage, meine lieben Freunde. – Ach, das Gericht schaffen wir uns
selbst. Wenn ich meine Nächsten richte, gehe ich meinem eigenen Gericht
entgegen. Wenn ich aber nur Wunden sehe und davon beseelt bin, noch den
von Meinem Vater weitest entfernten, meinen Feind, meinen Gegner an meine
Brust drücken zu dürfen, dann ist kein Gericht in mir. Dann heißt es: Hättet
ihr Sünden soviel wie Sterne am Himmel, wie des Sandes am Meere und wie
des Grases auf der Erde, so wird die Liebe sie dennoch tilgen ganz und
gar. In der Schrift drückt es Jesus so aus:
"Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem
Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden und mit welchem Maß ihr
messet, werdet ihr gemessen werden. Was siehst du aber den Splitter in
deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr das Balkens in deinem Auge?“ Darum steht auch geschrieben: "Dem
Reinen ist alles rein." – Rein sind wir Menschen nicht, aber doch
sind wir rein, so wir der Liebe Raum geben in uns, denn vor der Liebe ist
alles rein. Vor der Liebe ist alles in ewiger Ordnung, meine lieben
Freunde! Und wenn es auch nach außen noch nicht zu erkennen ist, der
Mensch, den wir liebhaben, ist in unserer Welt eingeschlossen, der geht
nie verloren. Einmal kommt die Stunde, wo auch er in
unserer Welt erwächst in dem Stand, in den uns die Ewige Liebe gebracht
hat. Das erlebe ich oft, wir alle erleben das! – Wie viele verschiedenartigste Sphären
erlebe ich! Genau nach dem Maße unserer Liebe, genau bis an die Grenzen
unserer Liebe führen die Engel die Geistwesen in unsere Welt. Geistwesen
mit Eigenschaften die unsere Liebe noch nicht aufnehmen, noch nicht
zudecken kann, haben in unserer Welt noch keinen Zugang. 15.
Jesu Erlösertat Durch den Menschen Jesus ist eigentlich
das Erlösungswerk schon vollbracht, aber wenn die Wirkungen nur ausgehen
würden von diesem Menschen Jesus, ohne unser eigenes, inneres Wachstum,
verlören wir die Kindschaft und Er die Vatereigenschaft. Darum ist das
Erlösungswerk durch Ihn nur im
Prinzip vollbracht. – Und Sein Prinzip muß aufs neue Fleisch
werden auf dieser Erde, und wenn es nur in einem einzigen Menschen ist! – Darum konnte keine andere Lehre gegeben
werden als die: "Liebet euch untereinander, wie Ich euch geliebt
habe, auf daß auch ihr euch untereinander liebhabet. Dabei wird jedermann
erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander
habt." – Oh, bedenket es, die Erlösungskräfte
sind in ihrer Wirkung abhängig von dem Reifezustand in der Seele der
Menschen! Darum kann eine Seele, die nicht eins
ist mit dem Geist und durch ihren Geist nicht das Göttliche findet,
niemals ein Gefäß werden für die Erlöserkraft der Ewigen Gottesliebe. Unser lieber himmlische Vater ist der
Herr aller Äonen, durch Seine Liebe steht Er über allen Geschöpfen, und
doch respektiert Er den ersten Geist, der Träger Seiner Gedanken wurde,
den Lichtträger, und Er greift diejenigen nicht an mit Seiner Macht, an
welchen dieser erste Geist noch einen Anteil hat. – Wir sagen: Der Vater vermag alles, der
Vater soll kommen und soll uns Erlöserkraft schenken. Doch die Erlöserkraft
liegt als Keim in uns, meine lieben Geschwister. – Darum wurde der Vater Mensch und zeigte
uns den Weg zu unserer hohen und heiligen Bestimmung, Träger Seiner
Gedanken zu werden, Erreger zu werden, die in die Tiefen Seines
Gottesherzen hineindringen und im Gottesherzen die Quellen freimachen. Denn unendliche Quellen sind noch
verschlossen im Herzen unseres Ewigen Vaters, die nicht eher hervorquellen
können, bis Verlangen nach ihnen vorhanden ist. – Zu seinen Jüngern, die überzeugt
waren von der Göttlichkeit Ihres Meisters, sagte Er, nicht ohne Wehmut im
Herzen: "Ich habe Euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt
nicht tragen", und Er gab ihnen die Verheißung: Wenn aber der Geist
der Wahrheit kommen wird, der wird euch in aller Wahrheit leiten, nämlich
in die Tiefen Seines unendlichen Liebegeheimnisses. Aber welcher Mensch bringt das Maß der
Selbstverleugnung auf, daß sich das Heiligste und Schönste des
Gottesherzens für ihn erschließen könnte? – Den Schlüssel zu Seinem Herzen hat
kein Fürstenengel, kein Erzengel, kein Cherub und Seraph, den Schlüssel
zum Herzen Gottes hat nur der IHN über alles liebende Mensch. "Ich will dir des Himmelsreiches
Schlüssel geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im
Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch
im Himmel los sein", spricht Er zu Petrus. –
16.
Die große Bestimmung des Menschen
Ich habe manchmal Lichtmomente, daß
ich aufschreien möchte aus Ehrfurcht vor der göttlichen Liebe, wie lieb
Er einen Menschen hat und was Ihm ein Mensch ist. Und wenn ich mit
geistigen Augen die Größe des Menschen sehe, kein Stäubchen kreist in
den unendlichen Räumen, das nicht schon mit den Menschen verbunden ist. Was ist denn die ganze Schöpfung? Sie
ist ein einziger großer Mensch. – Betrachtet den Bau des sterblichen
Menschen: er hat die Fassungskraft, seinen Gott aufzunehmen, seinen Gott
zu erkennen, zunächst von außen und damit er Ihn erkennen kann, ist ihm
die Denkkraft des Gehirns geschenkt. – Auf dem Wege des Denkens und Erkennens
findet er zu seinem Gott durch das ewige Wort. Hat er ihn dann gefunden
durch das ewige Wort, so tritt der äußere Mensch in Verbindung mit dem
Geistmenschen. Auch der Geistmensch besteht
entsprechend aus unendlichen Einzelteilchen wie der materielle Mensch. Und
wenn der materielle Mensch den Geistmenschen gefunden hat, dann steht er
im Lichte der Ewigen Wahrheit, dann kennt er sich und kennt sein Ziel. Und siehe, dann enthüllt sich in ihm
der Himmelsmensch, der lockt und mahnt ihn, sein herrliches Licht, das ihm
jetzt gegeben ist, nicht als Höchstes zu betrachten, sondern nur als
Leuchter auf seiner großen Lebensbahn. – Folgt der Mensch diesem Lockruf, so
tritt er in Verbindung mit dem Himmelsmenschen. Aus so unzählbar vielen Atomen unser
äußerer Mensch besteht, aus entsprechend vielen persönlichen
Engelsgeistern besteht der Himmelsmensch. In der Verschmerzung mit ihm steht der
Mensch als König im Engelsheer des Himmelsmenschen, er steht da als der
Weg für die Engel zum Herzen Gottes, in ewiger Ungebundenheit und
Freiheit. Und zuletzt geht der Weg vom Himmelsmenschen über die Demut zum
Gottmenschen – das heißt – zur Lebensvereinigung mit unserem einzigen
herrlichen Vater, Der alles in den Menschen hineingelegt hat. Dann steht
Er hinter ihm durch Seine unendliche Liebe, mit einem Herzen voll Liebe,
und der Vater zieht ihn, damit der Mensch groß sei in seiner Macht, aber
noch größer in seiner Demut und in seiner Liebe. – Dann ist es
vollbracht. – Die große Verschmelzung des Menschen
vollzieht sich mit Gott. – Und damit beginnt erst die neue Schöpfung.
Das liegt versinnbildlicht in der Auferweckung des Lazarus. Lazarus lag
viele Tage im Grabe. Er war der Berufene und mit allen Fähigkeiten
ausgestattete Mensch. Im Menschen suchte Gott Seinen Freund,
Seinen Heiland, Seine Bruder. So groß war die Liebe Gottes zu ihm. Wo ist
ein Mensch, der der Liebe Raum gibt und etwas zurück halten möchte für
seine eigene Person? Ein Mensch, der unter dem Einfluß der
Liebe steht, möchte die ganze Schöpfung besitzen, um beglücken zu können.
Das sagt mit schon meine Liebe, die nur ein Atomteilchen ist von der Liebe
meines Himmlischen Vaters. Aus diesem meinem Erleben weiß ich,
unser himmlischer Vater nennt nichts Sein eigen – auch zurückgekehrt in
Sein Reich, auf Seinen Thron, nennt Er nichts Sein eigen. – Alles ist für die Liebe da. Und nur
was dem Kinde zu eigen geworden ist und in ihm in freier Liebe den Vater
zurückgebracht wird, wird wieder Sein Eigentum. Lazarus lag erstorben im Grabe. Und Martha spricht: "Herr, er
stinket schon." Das ist unsere Verstandesauffassung. Wie kann ein sündiger
Mensch, wie kann ein gefallener Mensch, wie kann ein von Gott entfernter
Mensch, begraben im Morast dieser Welt, eine göttliche Auferstehung
erleben? – Und Maria spricht: "Meister, wärest
Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben!" Da weint der
Heiland. Er weint nicht über den verstorbenen Lazarus. Er weint über das
erstorbene Leben in Seinen Freunden, die Er doch gelehrt hatte. – "Muß Ich denn überall sein mit
Meiner äußeren Person, erwacht noch kein Kind, das Mich als ewiges Leben
gefunden hat in sich selbst?" Nun kommt der große Augenblick dort am
Grabe, das große Werk, worin uns das größte Vermächtnis offenbar wird,
das uns zugedacht ist von Seiner unendlichen Liebe: "Vater, ich danke
Dir, daß Du mich erhört hast. Lazarus komme hervor!" – Und
Lazarus ersteht. – Doch von nun an soll jeder seinen
erstorbenen Lazarus selbst in sich erwecken. Damit ist der Weg erschlossen zur
Verschmelzung mit dem göttlichen Leben. Bedenket, was das heißt, seinen
Lazarus erwecken, den Geistmenschen, den Himmelsmenschen, den
Gottmenschen! Darum mit wenigen Worten gesagt: Die
Erde ist eine Götterschule, meine lieben Freunde, und trügen wir nicht
eine höhere Kraft in uns, uns über alles Niedere und Böse zu erheben, würde
die Erde nicht ein Konzentrationspunkt der Hölle sein. – Euer
Bruder Georg Riehle |
Aktualisiert am: 21.02.2010 - Home