PREDIGTEN DES HERRN

Von Gottfried Mayerhofer Durch das Innere Wort erhalten und niedergeschrieben Predigt 28- 53

 

INHALT

INHALT. 1

 

gm.pred.028. Predigt: Lk.14,16-24 am2. Trinitatissonntage (27.03.1872). 2 - Das Gleichnis vom großen Abendmahle

gm.pred.029. Predigt: Lk.15,03-32 am 3. Trinitatissonntage (30.03.1872). 8 - Vom verlorenen Schaf

gm.pred.030. Predigt: Lk.05.01-11 am 4. Trinitatissonntag (01.04.1872). 15 - Der reiche Fischfang

gm.pred.031. Predigt: Mt.05,20 am 5. Trinitatissonntag (02.04.1872). 19 - Wahre Gerechtigkeit

gm.pred.032. Predigt: Mk.08,01 am 6. Trinitatissonntag (07.04.1872). 25 - Die Speisung der Viertausend

gm.pred.033. Predigt: Mt.07,15-23 am 7. Trinitatissonntag (10.04.1872). 29 - Falsche Propheten

gm.pred.034. Predigt: Lk.16,01-13 am 8. Trinitatissonntage (11.04.1872). 34 - Gleichnis vom ungerechten Haushalter

gm.pred.035. Predigt: Lk.19,41-46 am 9. Trinitatissonntag (12.04.1872). 38 - Trauer Jesu über Jerusalem

gm.pred.036. Predigt: Lk.18,09-14 am 10. Trinitatissonntag. 43 - Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner

gm.pred.037. Predigt: Mk.07,32-37 am 11. Trinitatissonntag (17.04.1872). 48 - Heilung eines Taubstummen

gm.pred.038. Predigt: Lk.10,25-37 am 12. Trinitatissonntage (10.04.1872). 53 - Gleichnis vom barmherzigen Samariter

gm.pred.039. Predigt: Lk.17,05-19 am 13. Trinitatissonntag (14.04.1872). 59 - Heilung der zehn Aussätzigen

gm.pred.040. Predigt: Mt.06,24-34 am 14. Trinitatissonntag (20.04.1872). 65 - Warnung Jesu vor weltlicher Einstellung

gm.pred.041. Predigt: Lk.07,11-17 am 15. Trinitatissonntag (22.04.1872). 69 - Erweckung des toten Jünglings zu Nain

gm.pred.042. Predigt: Lk.14,01-06 am 16. Trinitatissonntag (23.04.1872). 74 - Wahre Sabbatfeier

gm.pred.043. Predigt: Mt.22,34-40 am 17. Trinitatissonntag (24.04.1872). 79 - Das größte Gebot

gm.pred.044. Predigt: Mt.09,01-08 am 18. Trinitatissonntage (25.04.1872). 86 - Heilung eines Gichtbrüchigen

gm.pred.045. Predigt: Mt.22,01-14 am 19. Trinitatissonntag (26.04.1872). 90 - Gleichnis von der königlichen Hochzeit

gm.pred.046. Predigt: Joh.04,47-53 am 20: Trinitatissonntag (27.04.1872). 95 - Heilung des Sohnes eines königlichen Mitgliedes

gm.pred.047. Predigt: Mt.18,23-35 am 21. Trinitatissonntag (28.04.1872). 100 - Gleichnis vom Schalksknecht

gm.pred.048. Predigt: Mt.22,15-22 am 22. Trinitatissonntag (29.04.1872). 104 - Haltung Jesu zur Obrigkeit

gm.pred.049. Predigt: Mt.09,18-19, 23-25 am 23. Trinitatissonntag. 108 - Erweckung der toten Tochter des Jairus

gm.pred.050. Predigt: Mt.08,23-27 am 24. Trinitatissonntag (01.05.1872). 113 - Beilegung eines Sturmes

gm.pred.051. Predigt: 25. Trinitatissonntage (Den 2. Mai 1872). 116 - Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker

gm.pred.052. Predigt: Mt.13,31-33, 44-50 am 26. Trinitatissonntag (03.05.1872). 120 - Gleichnis vom Himmelreich

gm.pred.053. Predigt: Mt.24,15-28 am 27. Trinitatissonntag (04.05.1872). 126 - Die Endzeit

 

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gm.pred.028. Predigt: Lk.14,16-24 am2. Trinitatissonntage (27.03.1872)

   00] Das Gleichnis vom großen Abendmahle (Lk.14,16-24): Er aber sprach: "Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl und lud viele dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahles, zu sagen den Geladenen: ,Kommt, denn es ist alles bereit!` Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: ,Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.` Und der andere sprach: ,Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.` Und der dritte sprach: ,Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen.` Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: ,Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein!` Und der Knecht sprach: ,Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.` Und der Herr sprach zu dem Knechte: ,Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf daß mein Haus voll werde! Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird!"`

  

01] Dieses Gleichnis zeigt euch Mein Streben, die Menschheit für Mich und Meine Lehre zu gewinnen, wie auch die vorhergehenden Verse in einem Gleichnis sagen, daß Ich nicht gekommen bin, die Gesunden, sondern die Kranken aufzusuchen und sie zu heilen. Ferner zeigte Ich in den früheren Versen dieses Kapitels, wie ein jeder beschaffen sein soll, der sich Mir oder Meinem Tische nähern will, daß nämlich Bescheidenheit oder Demut die erste Eigenschaft eines Menschen sein soll, der Mir nachfolgen will. Auch die weiteren Verse dieses Kapitels setzen klar auseinander, wie derjenige, der Mir nachfolgen will, sein Herz von allem abwenden und nur Mir untertan sein muß.

  

02] Es sollte sich daher ein jeder fragen, bevor er sich entschließt, Mir zu folgen, ob er auch Kraft und Ausdauer besitzt, sich stets unter jeglichen Umständen und Verhältnissen zum Banner Meiner Liebe und Glaubenslehre zu bekennen und dasselbe zu verteidigen. Daraus geht hervor - was Ich euch schon oft gesagt habe -, daß Mir zu folgen, Meine Worte zu vernehmen und auszuüben eine ernste Sache ist, die nicht leicht genommen werden darf, weil nur die im strengsten Sinne verantwortlich, also Sünder sind, welche das Gesetz oder Meinen Willen kennen und doch dagegen fehlen, wenngleich ihnen ihr Gewissen davon abrät. Deswegen heißt es auch am Schlusse dieses Kapitels: "Wer Ohren hat, der höre!", was mit anderen Worten sagen will: Man lasse nicht Meine Worte zum einen Ohr hinein und zum andern hinausgehen, sondern nehme das Gehörte wohl in sein Herz auf, überdenke es und handle danach!

  

03] Um nun zum eigentlichen Gleichnis vom großen Abendmahl zurückzukehren, müssen wir wieder, wie in den meisten Fällen, mit der Worterklärung anfangen, wollen wir den tieferen Sinn Meiner Rede klar vor Augen haben.

  

04] Ich sagte also: Es gab jemand ein Abendmahl. Was ist nun unter einem ,Abendmahl` zu verstehen? - Das Wort ist zusammengesetzt aus ,Abend` und ,Mahl`. Es obliegt uns also zuerst, diese beiden Wörter einzeln näher zu erklären, dann auf die Bedeutung des zusammengesetzten Wortes und endlich auf seine Anwendung, wie Ich sie im Gleichnis machte, überzugehen.

  

05] ,Abend` ist das erste Wort und bezeichnet den letzten Teil eines Tages, wo die Arbeit aufgehört hat und man Ruhe und Stärkung in der folgenden Nacht bis zum andern Morgen sucht. Der Abend ist also eigentlich der Schlußstein alles Wirkens, das während des ganzen Tages vollbracht wurde. Und wenn der Abend Ruhe und Zufriedenheit bringen soll, so muß während des Tages natürlich alles das pflichtgemäß erfüllt worden sein, was man sich beim anbrechenden Morgen vorgenommen hatte, auszuführen.

  

06] Daß der Mensch, welcher den ganzen Tag geschafft und gearbeitet hat, sich am Abend auch danach sehnt, seine verbrauchten Kräfte wiederzuerlangen, um am morgigen Tag seinem Lebensberuf nachzugehen, versteht sich von selbst. Und da der Körper sowohl, als auch indirekt die Seele durch aufgenommene Nahrung das während des Tages Verbrauchte zu ersetzen sucht, führt das körperliche und seelische Bedürfnis die meisten Menschen zu einem Mahl, welches, weil es am Abend eingenommen wird, eben den Namen ,Abendmahl` erhalten hat zum Unterschied vom ,Mittagsmahl`, welches, inmitten des Tages eingenommen, denselben Bedürfnissen entspricht. Es hat aber nicht, wie das Abendmahl, das Ausruhen und die Wiedergewinnung der verbrauchten Kräfte zur Folge, sondern ihm folgt wieder nach kurzer Pause tätige Beschäftigung und Anstrengung. Das Mittagsmahl ist deswegen nur mit einem kleinen Ausruhen auf dem begonnenen Weg zu vergleichen, während das Abendmahl, als Schluß des Tages, außer zum Ausruhen auch noch nebenbei zum Überschauen des während des Tages Vollbrachten anregt, wobei nur demjenigen Ruhe und Zufriedenheit wird, welcher sich mit dem ruhigen Bewußtsein an den Tisch setzen kann, alles getan zu haben, was seine Pflicht oder sein Gewissen forderte.

  

07] Hiermit hätten wir die Bedeutung des Abendmahls, gemäß seinem tieferen Sinn, näher bezeichnet, und wir kommen nun zur zweiten Frage, nämlich warum - wie im Gleichnis angeführt wird - jemand Gäste zu seinem Abendmahl geladen hat.

  

08] Nun, hier ist wieder die Hauptsache der geistige Sinn dieser Handlung, welcher uns zum Verständnis dieses Bildes führt, das Ich in diesem Gleichnis Meinen Jüngern und den sonst Anwesenden ans Herz legen wollte.

  

09] Das Einladen anderer, um ein Mahl mit ihnen zu teilen, beruht auf der wichtigen Tatsache, daß der Mensch nicht allein Körper, sondern auch Geist ist, und daß, obgleich er oft nur Körperliches verrichtet, sein Geist und seine Seele dabei nicht vernachlässigt sein wollen. Es ist dies einer jener tiefen Beweise für die Doppelnatur des menschlichen Organismus, abgesehen von Meinem Gottesfunken, welchen Ich in euch gelegt habe. Selbst die Tiere fühlen dieses Bedürfnis des Beisammenlebens und sind nur im Sich-aneinander-Anschließen, also nur vereint, fröhlich und zufrieden.

  

10] Eure klugen Materialisten glauben, es sei die ganze Welt nur bewegt und erregt durch Kraft und bestehe aus Stoff - zwei Dinge, die sie aber selbst nicht recht erklären können. Sie sollten sich nur einmal bei einem einfachen Mahl selbst belauschen, dann würden sie leichter als bei allen anderen Forschungen erfahren, daß der Mensch zwei Seiten hat, aus Materiellem und Geistigem besteht, wobei das eine nur gedeiht und gesund ist, wenn das andere beteiligt wird. Sie würden sich überzeugen, daß eine Speise nur dann gedeihlich ist, wenn sie mit geistiger Nahrung, mit Liebe vermischt ist und so den beiden Hauptelementen des menschlichen Wesens entspricht.

  

11] Dieser unbewußte Drang der meisten Menschen, auch geistige Nahrung zu sich zu nehmen, ist der Grund, warum sie ein Mahl in Gesellschaft dem allein zu verzehrenden vorziehen, warum der Wunsch in jedem sich klar zeigt, auch andere zu einem Mahl einzuladen, und weshalb schon das Familienleben für die Gesellschaft bei der Mittags und Abendtafel sorgt.

  

12] Daß auch dieses Bedürfnis nach fröhlichem Beisammensein ins Extreme ausarten kann, wobei der Mensch sein geistiges Ich ganz vergißt oder durch Berauschung sogar verliert, das gehört nicht in unsere Untersuchung, da Ich bloß von Menschen spreche, deren Geistiges noch die Oberhand über das Körperliche hat. Wir übergehen also diese beiden oft vorkommenden Fälle, in denen der geistig geschaffene Mensch, trotz seiner höheren Bestimmung, weit unter das Tier herabsinkt.

  

13] Wir sind an dem Punkt angekommen, wo wir das Abendmahl, sowie den Grund des Einladens erklärt hätten, und können nun zur näheren Betrachtung des Gleichnisses, wie Ich es Meinen Jüngern und den Pharisäern gegeben habe, schreiten.

  

14] In den vorangegangenen Versen dieses Kapitels wird euch gezeigt, wie Ich den Pharisäern und Höhergestellten einen kleinen Wink geben wollte, daß Bescheidenheit und nicht Stolz die Zierde des Menschen sei. Ich erwähnte da, daß es besser sei, sich als geladener Gast bei einem Mahle eher an den untersten als an den höchsten Platz zu begeben, damit einem nicht die Beschämung einer Zurechtweisung begegne. Ich sagte ihnen: "Wer sich selbst erhöht, soll erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, soll erhöht werden!", was mit anderen Worten sagen will: Gebt nicht eurer Eigenliebe Gehör, um zu erfahren, was für einen moralisch-geistigen Wert ihr habt, sondern erwartet dieses Urteil von anderen, von Weiseren und Höhergestellten! So entgeht ihr jeder Zurechtweisung; denn wer sich auf diese Art selbst richtet, ist auch schon gerichtet.

  

15] Wenn Ich ihnen ferner sagte, daß ein Mensch, wenn er jemand einladet, mit dieser Einladung möglichst auch einen Akt der Bruderliebe verbinden soll, so tat Ich es, um ihnen zu zeigen, daß der Mensch bei jeder Handlung, auch bei der geringfügigsten, seines hohen geistigen Adels eingedenk sein soll. Deswegen sagte Ich ihnen: Verpflichte nicht andere zur Erwiderung eines Liebesdienstes; denn wurde dir ein solcher vergolten, so hört die Wirkung deiner guten Tat auf, gleichsam als hättest du keine getan. Darum handle so - wenn auch Undank dein Lohn sein sollte -, daß der Empfänger einer Wohltat sie dir nie oder höchstens schwach vergelten kann! Damit zeigst du, daß du höheren Grundsätzen als bloß weltlichen Interessen gefolgt bist.

  

16] Die Folgen dieser Einladungen, wie Ich sie im Gleichnis anführte, daß ein jeder geladene Gast mit Ausreden sich entschuldigte, sollten Meinen Zuhörern zeigen, wie wenig Dank und Anerkennung man erhält, wenn man Wohltaten und Begünstigungen an solche austeilt, die ihrer nicht bedürfen. So sah sich der, welcher das Abendmahl geben wollte, gezwungen, um es nicht umsonst bereitet zu haben, seinen Knecht nah und fern auf die Straßen zu schicken, um alle Armen, Lahmen und Durstigen zum Mahl zu sammeln, damit es nicht verlorenginge.

  

17] In diesem Falle hat der Hausherr freilich keinen Akt der Menschen oder Nächstenliebe ausgeübt - denn seine ursprüngliche Absicht war es nicht, solche Gäste an dem Tisch zu haben -; aber die Not zwang ihn zu solchem Schritt. Es hat ihm aber in der Folge zur Regel gedient, die geistigen Verhältnisse der Menschen mehr zu berücksichtigen und nicht mehr nach weltlichen Glücksgütern den Wert oder Unwert seines Nebenmenschen abzuwägen.

  

18] Dieses und noch mehr ließe sich aus diesem Kapitel erklären, da ein jedes Wort aus Meinem Munde Unendliches enthält. Wir wollen aber damit abbrechen und uns zu der Erklärung wenden, inwiefern dieses Gleichnis auf die jetzige Zeit oder auf die Menschheit überhaupt anwendbar ist, damit ihr einen geistigen, bleibenden Nutzen daraus ziehen könnt.

   

19] Das große Abendmahl, welches Ich der Menschheit gesonnen bin in Bälde zu geben, läßt sich aus allem Vorhergehenden leicht erklären. Ich lade und habe schon längst die ganze Menschheit zu diesem Mahl eingeladen, bei dem sie nach getaner Arbeit, zufrieden mit sich selbst, des vollbrachten Lebenswandels sich freuen soll und dann, nach der geistigen Ruhe, getrost dem neuen, anbrechenden Morgen eines nie endenden Tages entgegensehen kann.

  

20] Doch wie es dem Hausherrn im Gleichnis erging, so ergeht es auch Mir. Vor lauter Weltgeschäften entschuldigen sich die meisten und verschmähen oder scheuen Meine Tafel, auf der Mein geistiges Himmelsbrot der Liebe, Demut, Sanftmut und des unbedingten Vertrauens aufgetischt werden soll. Und warum? Weil sie auf ihrem ganzen Lebenswandel gerade den entgegengesetzten Neigungen gehuldigt haben.

  

21] So wird auch Mir nichts anderes übrigbleiben, als Meine Knechte und Diener, die Mir treu geblieben sind, in alle Welt hinauszuschicken, um unter den Armen, Krüppelhaften und Lahmen Tischgäste zu suchen, die auf ihrer Lebensbahn genug Gelegenheit hatten, wenn nicht Liebe, so doch Duldung und Sanftmut gegen ihre Mitbrüder auszuüben. Dadurch, daß ihnen weltliche Glücksgüter zum Teil unbekannt waren, oder daß sie wenig von ihnen genießen konnten, sind sie duldsamer und leichter zugänglich geworden und genießen die auf Meinem Tisch aufgesetzten Speisen mit Freuden, da ihnen in ihren körperlichen und seelischen Leiden dieses Abendmahl, am Ende einer mühsam durchwanderten Lebensbahn, doch wenigstens das Ende aller ihrer Duldungen und Entbehrungen ist.

  

22] Das ,Lahme` und ,Krüppelhafte` muß auch auf das geistige Seelenleben bezogen werden, da es doch bei weitem mehr geistige Krüppel gibt als körperliche. Auch ihnen wird geholfen werden, weil sie - verwahrlost, aber nicht verdorben - die reine, wahre, geistige Kost eher annehmen werden als jene, die in ihrem Eigendünkel sich aufgeklärt wähnen und glauben, keiner Belehrung zu bedürfen. Es wird ihnen bei Meinem Abendmahl ebenso ergehen wie den Juden, zu denen Ich einst, als sie Meine Worte nicht annehmen wollten, sagte, daß es ihnen entzogen und den Heiden gegeben werde.

  

23] So wird denn das große Abendmahl vor Meiner Wiederkunft die Würdigen von den Unwürdigen scheiden. Den einen wird der Weg zu Mir bedeutend verkürzt, während die anderen, auf lange zurückgewiesen, sich selbst überlassen werden, bis es auch in ihnen tagt. Erst wenn sie den ganzen Tag fleißig gearbeitet, gekämpft und gelitten haben, dann erst, nach langen Zeiträumen, ist auch bei ihnen ein Abendmahl möglich.

  

24] Auch jenes Abendmahl, welches Ich vor Meinem Hingang mit Meinen Jüngern hielt, hatte denselben Zweck, den die Auslegung dieses Gleichnisses euch sagt.

  

25] Während Meines Erdenwandels lud Ich das ganze Judenvolk, die Heiden und jeden, der Mich hören wollte, ein; allein die meisten entschuldigten sich, und es blieben Mir nur die Schwachen und Verwahrlosten übrig, die - obwohl nicht mit Glücks, so doch mit vielen Geistesgütern gesegnet - eher reif waren, Mein Brot, Meine Lehre in alle Welt auszutragen.

  

26] So seid auch ihr jetzt in den gleichen Verhältnissen. Noch hat kein Richter, kein Hochgestellter sich gemeldet, an Meine Tafel zu treten, auf der Ich ihm die Speisen einer großen Geisteswelt auftischen könnte. Sie wenden sich alle weg von Mir, und nur jene Hartgeprüften und von der Welt halb Verlassenen sind es, die Meinem Wort Gehör geben. Aus denen werde Ich auch Meine Arbeiterschar bilden, die für Mich auf den Landstraßen und hinter den Hecken die noch in stärkerem Grad Krüppelhaften und Bedürftigen suchen soll. Solche sind am leichtesten fürs Himmelreich zu gewinnen. Sie sind am leichtesten zu einem kindlichen Sinne und zum Vertrauen auf Mich zu führen, weil in ihnen während ihres Lebens nie der stolze Mannessinn erwacht ist, der gewöhnlich bei jenen zu finden ist, die durch Güter der Welt eine Stellung erhalten haben, in der sie glauben, das Geistige entweder verleugnen oder ganz entbehren zu können.

  

27] Nehmt auch ihr dieses Beispiel und Gleichnis aus Meinen Lehrjahren als Fingerzeig dafür, daß ihr erstens jeder Handlung einen geistigen Stempel aufdrücken sollt, und zweitens, daß ihr nur durch Liebe, Sanftmut und Geduld wieder Liebe, Zu und Vertrauen erwecken könnt! Trachtet danach, daß Ruhe und Zufriedenheit euer Mahl würze und ihr nicht mit Angst und Bangen dem großen, heranbrechenden Morgen des ewigen Liebereiches entgegensehet, wenn euer Lebenstag abgelaufen ist und ihr euch zur Rechenschaft begebt! Handelt also alle Tage so, als müßtet ihr heute von dieser Erde scheiden! Zieht euer Gewissen jeden Abend zur Rechenschaft und fragt euch: "Wäre ich bereit, wenn jetzt der Herr, mein Gott, mich zum Abendmahl laden würde?" Nur so könnt ihr, alle Tage etwas verbessernd, langsam aber sicher euer Seelenhaus ausbauen, damit es dem Äußern wie dem Innern gemäß das Haus einer von Mir durch Meinen göttlichen Funken geadelten Seele werde, welche einst wert sein wird und mit Recht Anspruch darauf hat, Mein Kind, ein Kind des Herrn der ganzen Schöpfung, genannt zu werden.

  

28] So seht ihr jetzt, wie Ich euch helfe, durch jeden Text, durch jeden Vers euer Inneres zu vergeistigen und zu veredeln, damit ihr, vorerst selbst als Werkzeug tüchtig, Mir einst dienen könnt - und zwar mit Erfolg - zu der hohen Aufgabe, die Ich mit euch im Auge hatte, als Ich es zuließ, daß ihr, aus so vielen bevorzugt, die Gnade genießt, von Mir durch direkte Mitteilungen für Meinen Zweck und fürs große Geisterreich erzogen zu werden.

  

29] Merkt euch dieses! Ich kann es euch nicht oft genug wiederholen: Harret aus! Das Ende wird euch belehren, daß Meine Worte nicht Worte der Vergänglichkeit, sondern Worte der Ewigkeit sind, wie Ich selbst ewig war, bin und sein werde! Amen.

 

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gm.pred.029. Predigt: Lk.15,03-32 am 3. Trinitatissonntage (30.03.1872)

   00] Vom verlorenen Schaf (Lk.15,03-32): Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: "Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und wenn er deren eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlornen, bis daß er's finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn und spricht zu ihnen: ,Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!` Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen.    Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: ,Freuet euch mit mir; denn' ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte!` Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut."    Und er sprach: "Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: ,Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört!` Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht lange danach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Da er nun all das Seine verzehret hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbige ganze Land, und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm. Da schlug er in sich und sprach: ,Wieviel Taglöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Taglöhner!` Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: ,Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.` Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: ,Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringet ein gemästetes Kalb her und schlachtet`s! Lasset uns essen und fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.` Und sie fingen an fröhlich zu sein. Aber der älteste Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen. Und er rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: ,Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat ein gemästetes Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat.` Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er aber antwortete und sprach zum Vater: ,Siehe, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästetes Kalb geschlachtet.` Er aber sprach zu ihm: ,Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden!"

 

 01] Dieses ganze Kapitel Meines Evangelisten Lukas handelt vom Verlorenen und von der Freude des Wiederfindens.

  

02] Es wurde den anwesenden Schriftgelehrten und Pharisäern in drei Gleichnissen erläutert, warum Ich nicht die Gesunden, sondern die Kranken, nicht die Guten und Gerechten, sondern die Sünder aufsuchte.

  

03] Um auch diese Gleichnisse im wahren Sinn aufzufassen, müssen wir - wie bei den meisten Texten - die wichtigsten Worte in desselben etwas näher erklären; denn obwohl ihr eine Sprache habt und euch ihrer Worte zum Ausdruck eurer Gedanken bedient, so muß Ich euch offen sagen, daß ihr von allen gebrauchten Worten die tiefe Bedeutung nicht versteht. Und so muß Ich sowohl als Belehrer und Erklärer Meines Evangeliums, wie auch als Sprachlehrer bei euch auftreten.

 

 04] Hier in diesen drei Gleichnissen - vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und vom verlorenen Sohn - ist zu erklären:

  

05] Erstens: Was heißt ,verloren`?

 

 06] Zweitens: Warum sehnt man sich so sehr danach, das Verlorene wiederzufinden?

  

07] Und drittens: Warum hat man eine solch außerordentliche Freude über das Wiedergefundene, eine Freude, die oft bei weitem größer ist als die über das vielleicht Wertvollere und Wichtigere, das man noch im Besitz hat?

  

08] Seht, diese drei Fragen müssen zuerst erörtert werden, ehe wir zur geistigen Erklärung und zur geistigen Anwendung auf euch, auf das ganze Menschengeschlecht, ja auf die ganze sichtbare Schöpfung schreiten können; denn wenn man um etwas fragt, so muß man erst genau und klar die Bedeutung der Frage und deren Wert kennen, indem dadurch die Antwort schon halb gegeben ist.

  

09] So wollen wir nun systematisch mit der ersten Frage beginnen, welche heißt:

  

10] Was bedeutet das Wort ,verloren`?

  

11] Seht, dieses Wort bezeichnet den Gedanken, welcher denjenigen überkommt, der etwas ihm Gehörendes oder Wertes, sei es eine Person oder eine Sache, seinem Wirkungskreise entrückt sieht und nicht mehr einen Gebrauch davon machen oder einen Genuß davon haben kann! Verloren ist jedes Ding, welches einer andern Bestimmung, einer andern Richtung als der ihm zugewiesenen gefolgt ist.

  

12] Wenn nun diese Bedeutung so tief in das Seelenleben des Menschen eingreifen kann, so entsteht daraus die zweite oben angeführte Frage, welche heißt:

  

13] Warum sehnt sich der Mensch so sehr nach dem Verlorenen?

  

14] Die Antwort darauf lautet: Weil die Seelenruhe des Menschen durch den Verlust gestört worden ist und der Mensch sich danach sehnt, das Gleichgewicht wiederzuerlangen. So hat das Verlorene für den Besitzer eigentlich einen geistigen Wert, der oft bei weitem größer ist als der materielle Wert desselben.

  

15] Der Mensch sehnt sich also danach, das Verlorene wieder in seinen Besitz, in seine Wirkungssphäre zu ziehen. Er wird sich beim Fund freuen, weil das Mangelnde wieder an seinen früheren Platz und an seine Stelle gelangt und er es wieder der Bestimmung zuführen kann, welche er für die beste erachtet hatte.

  

16] Aus diesem Sehnen entsteht der Eifer des Suchens oder die Anwendung aller möglichen Mittel, um sich wieder in den Besitz des Verlorenen zu setzen, eine Tätigkeit, welche oft mit Mühseligkeiten und Anstrengungen verbunden ist, daraus sich dann von selbst die dritte Frage löst, welche heißt:

  

17] Warum freut man sich des Wiedergefundenen mehr als dessen, was man schon im Besitz hat? Das läßt sich leicht erklären. Weil nämlich das Wiederfinden, resp. das Suchen, Mühe kostet und diese Anstrengung durch den Erfolg des Findens belohnt wurde!

  

18] Da nun aber eine Freude - welche auch immer - erst dann zur rechten Freude wird, wenn man sie mit anderen teilen kann, so sind eben diese angeführten Gleichnisse auch deshalb beachtenswert, weil sie auch diesen Seelengenuß nicht vergessen, sondern ihn mit erwähnen. Ebenso ist in diesen drei Gleichnissen, die Ich aus verschiedenen Lebensverhältnissen wählte, auch der Schmerz über etwas Verlorenes jedem Bild entsprechend ausgedrückt.

  

19] Voran geht der Vergleich mit einem Hirten, der ein verlorenes Schaf sucht. Dieses Gleichnis wendet sich gegen den Einwurf, daß Ich die Gesellschaft der in den Augen der Schriftgelehrten und Pharisäer mit Sünden behafteten Leute aufsuchte.

  

20] Was ist ein Hirte?

  

21] Seht, ein Hirte ist ein Mensch, dem eine gewisse Anzahl von Tieren anvertraut ist, die er auf die rechten Weideplätze führen und im Notfall vor allen Gefahren schützen soll. Der Hirte ist eben wegen dieses Auftrags seinem Herrn verantwortlich, daß keines seiner ihm anvertrauten Tiere Schaden leide, und daß sie stets genügend Futter haben, wozu der Hirte die geeigneten Plätze auszuwählen hat.

  

22] Wenn Ich mit Sündern aß und auf diese Weise bewies, daß Ich eben die Kranken gegenüber den Gesunden, die keines geistigen Arztes bedurften, bevorzugte, so war gerade dieses Gleichnis vom verlorenen Schafe am besten geeignet, Meinen Jüngern den Grund Meines Verhaltens einleuchtend zu machen; denn ein verlorenes, verirrtes Schaf ist - bildlich gesprochen - ebenfalls wie ein nichtbekehrter, nicht geistig geführter oder kranker Mensch.

  

23] Wie ein verirrtes Schaf Unglücksfällen ausgesetzt ist, Raubtieren zur Beute fallen oder in Abgründe stürzen kann, welche Gefahren zu beurteilen es oft nicht imstande ist, ebenso läuft ein verirrter, geistig kranker Mensch, der - von der Welt verführt - von seiner geistigen Bestimmung nichts weiß, Gefahr, seine eigentliche Bestimmung als Glied eines zukünftigen, ewigen Reiches ganz zu verfehlen, um erst nach langen Zeiträumen durch große Leiden und bittere Erfahrungen dahin zu gelangen, wohin Ich ihn auf dem kürzesten Wege führen wollte.

  

24] Ich sagte: Der Hirt ist verpflichtet, seine Schafe auf gute Weideplätze zu führen, und dies war ja auch Meine Pflicht, als Ich es unternahm, die Menschen von den Abwegen, auf welchen sie sorglos wandelten, wieder auf den wahren Lebenspfad, zu ihrer eigentlichen geistigen Bestimmung zurückzuführen.

  

25] Das Beispiel vom Hirten führte Ich deswegen an, weil es erstens den Menschen in jener Zeit am leichtesten begreiflich war, und weil es Meinem Berufe als Menschensohn am besten glich, indem Ich, die auf Erden herabgestiegene Weisheit, Meinem Vater die verlorenen Kinder, wie verlaufene Schafe eines Hirten, wieder zurückzubringen suchte.

  

26] Wie die Freude eines Hirten groß ist, der nach langem Suchen und Umherirren sein verlorenes Schaf, das ihm anvertraute Gut, wiederfindet, so ist auch Meine Freude groß über eine wiedergefundene Seele.

  

27] Um diesen Vergleich aber noch deutlicher zu machen, so wählte Ich das zweite Gleichnis, welches von einem Weibe erzählt, das einen Groschen verlor und alles aussuchte, um ihn wiederzufinden.

  

28] Ich wußte wohl, welchen Wert die Pharisäer und Gelehrten aufs Geld legten, und so war dies emsige Suchen des Weibes - eben ihrer eigenen Denksphäre entnommen - ihnen leicht begreiflich. Man kann ja auch um eine kleine Münze besorgt sein und so lange suchen, bis sie gefunden ist!

  

29] Ich folgte noch anderen Gründen, als Ich ihnen das Gleichnis vom verlorenen Schaf als seelischem Wesen zuerst, dann den Verlust materiellen Gutes von vermeintlichem Wert und endlich den Verlust der geistigen Würde im verlorenen Sohn zuletzt vortrug. Ich wollte ihnen damit sagen, daß seelische Verluste leicht, materielle schwerer und geistige am schwersten zu ersetzen sind.

  

30] Denn bei ersteren kann durch Umstände und Verhältnisse der Verirrte von seinen falschen Ansichten abgebracht werden, worauf er wieder den rechten Weg zu gehen anfängt. Materielle Verluste aber üben gewöhnlich einen solch starken Druck auf die Seele aus, daß sie im Vertrauen zu Mir wankt, ja ganz verzweifelt und wegen des gewohnten Lebens alles mögliche aufbietet, um die weltlichen Genüsse wiederzuerlangen. Das von Mir erwähnte Weib hätte sich mit den übrigen neun Groschen zufriedenstellen können; allein, der verlorene Groschen war ihr so ans Herz gewachsen, daß sie lieber alles durchstöberte, um ihn zu finden.

  

31] Daß Ich auch bei diesem Gleichnis nicht den materiellen Hergang, sondern nur das Geistige im Auge hatte, ist natürlich. Deshalb sagte Ich auch bei der Wiederfindung des verlorenen Groschens, als das Weib den Fund allen Nachbarinnen und Freundinnen mitteilte, daß im Himmel eine ebensolche Freude sein werde über einen Sünder, der Buße tut, d.h. über eine vom Untergang gerettete Seele.

  

32] Was das dritte Gleichnis, das vom verlorenen Sohn, betrifft, so hatte Ich Meine Zuhörer nun schon so weit in den Bereich Meiner geistigen Auffassung gezogen, daß Ich ihnen als größtes und letztes Beispiel eine Erzählung geben konnte, in welcher es sich nicht um materiellen Verlust, sondern um den Verlust der geistigen Würde eines Menschen handelt, welcher, uneingedenk seines eigenen Wertes, nur der Welt und ihren Genüssen fröhnt, alle anderen Bande, die ihn an Haus und Familie knüpften, zerreißt und in die Welt hinausstürmt, allen Leidenschaften die Zügel lassend, bis er, ermattet und geistig vernichtet, im größten Unglück erst die Tiefe des Abgrundes erkennt, in den er sich freiwillig stürzte.

  

33] Im ersten Beispiel war es ein Hirte, der ein tief unter ihm stehendes Wesen, ein Schaf, vom Verderben rettete, indem er es wieder zu den Seinen brachte. Im zweiten Fall war es ein Weib, welches, ihr materielles Gut wiederfindend, sich glücklich schätzte. In beiden Fällen ist nur Weltliches als Beispiel benützt. Im dritten Gleichnis kommt aber zu all diesen möglichen Verlusten noch die Vaterliebe hinzu, die einen noch größeren und wertvolleren Verlust erleidet. Dieses Gleichnis war in bezug auf Mich, als den Vater aller Kreaturen, am ehesten anwendbar, weil in ihm die Reue einer verlorenen Seele auf der einen Seite und die nie versiegende Barmliebe eines liebenden Vaters mit all ihren Folgen auf der andern Seite bildlich dargestellt ist.

  

34] Das Beispiel vom verlorenen Sohn war, dem menschlichen Leben entnommen, das allerwichtigste, weil Ich darin Meinen Zuhörern neben den Banden der Familie zeigte, wie ein Vater sein sollte, und wie es leider bei ihnen die wenigsten waren. Ich wollte ihnen an der Freude des Vaters über den zurückgekehrten Sohn zeigen, wie groß erst die Freude bei dem Schöpfer aller Wesen sein werde, wenn Er die Menschen, die Er frei in die Welt hinausstellte, dann freiwillig wieder zu sich zurückkehren sieht. Daß über einen solchen Zurückkehrenden die Freude in Meiner Geisterwelt noch größer ist als im Familienleben bei der Heimkehr eines längst vermißten Familiengliedes, konnte Ich ihnen in diesem Gleichnis dadurch begreiflich und verständlich machen, daß Ich bildlich von dem Feste sprach, das der Vater zur Wiederkehr seines schon längst tot geglaubten Sohnes anordnete.

  

35] So waren diese Gleichnisse drei Bilder aus dem Menschenleben, welche nicht nur in jenen Zeiten zu finden waren, sondern sich stets wiederholen und auch bei euch zu finden sind.

  

36] Um die verlorenen Schafe und Söhne wieder zu retten, die ersteren selbst heimzuführen und die letzteren zur freiwilligen Umkehr zu bewegen, scheue Ich keine Mühe. Mahnungen, Bedrängnisse aller Art, Krankheiten und Todesfälle sollen ihnen fortwährend vor Augen halten, daß es noch eine andere Welt als die eben sichtbare gibt. Nichts unterlasse Ich, und selbst die gesamte Schöpfung ist ja ein Beispiel dafür, auf welche Weise der verlorene Lohn nach und nach zu mir ,seinem Schöpfer und Vater, wieder zurückkehren muß. Schon seit Äonen Zeiträumen, geht dieser Prozeß auf anderen Welten vor sich. Auf dieser eurer Erde naht er sich bald einem Abschlusse. Dadurch wird ein großer Schritt vollendet sein, damit das gebundene Geistige sich leichter und schneller entwickeln kann, um zu der Bestimmung zu gelangen, zu welcher Ich diesen Erdball und seine Bewohner auserwählt habe.

  

37] Alles im ganzen Universum muß sich vergeistigen, muß aufwärtsschreiten; aber ihr Menschen, deretwegen Ich selbst zur Erde kam, habt eine größere Mission als Millionen anderer Geister auf anderen Welten vor euch; denn nicht ohne Grund und Zweck wählte Ich eure Erde und auf ihr Meine eigene Demütigung als Beispiel für Mein ganzes Geisterreich.

  

38] Deswegen seid ihr auch alle hier mehr von Versuchungen umgeben, weil der Preis eurer künftigen Existenz ein größerer ist als der vieler, auf anderen Welten lebender Wesen, welche langsam ihren Läuterungs- und Verwandlungsprozeß durchmachen, während ihr, mit dem großen Licht Meines Worts und Meines Beispiels ausgerüstet, bei starkem Willen in kurzer Zeit dahin kommen könnt, wohin andere Wesen erst nach undenklichen Zeiträumen gelangen. Hier auf dieser kleinen Erde muß der Vergeistigungsprozeß schneller vor sich gehen. Es sind nun alle Mittel vorhanden und alle Anordnungen getroffen, daß die Menschen, so wie sie sich selbst, ihre Seele und durch sie ihren Körper vergeistigen, auch rückwirkend die in finsterer Materie gebundenen Geister zum schnelleren Fortschreiten antreiben; denn für grob gebaute Seelen ist eine grobe, starre Materie, für feinere, geistig entwickelte Wesen auch eine leichtere Unterlage nötig. So wie sich also die Menschheit vergeistigt, so folgt ihr Schritt für Schritt auch ihre Welt nach, die ihr als Wohnort angewiesen ist.

  

39] Daher beeilt euch, zu diesem Vergeistigungsprozeß euer Möglichstes beizutragen! Fangt bei euch selbst an; denn je mehr ihr selbst das Weltliche entbehren könnt, desto mehr vergeistigt sich euer Inneres! Dieses leuchtet endlich durch die äußere Form hindurch und bildet damit eine Abspiegelung des inneren Gehaltes.

  

40] Dieses Fortschreiten, je mehr es sich vorerst bei einzelnen, später bei vielen kundgibt, wird die große Lösung Meiner geistigen Frage herbeiführen, wo Ich dann, als der eine Hirte, euch alle als Meine Schafe auf den fetten Triften des Himmelslichtes alles Geistige empfangen lassen werde, das ein liebender Vater euch seit Äonen von Zeiten vorbereitet hat.

  

41] Sorgt daher, diesem Zweck soviel als möglich nachzukommen! Gedenkt der Freude der Geister und Wesen, die an eurem Schicksal Anteil nehmen! Und wenngleich Leiden und Kämpfe aller Art dieses Fortschreiten begleiten müssen, so ist doch das Endziel aller dieser Mühen wert. Die eigene Freude, alle Mühen überstanden zu haben, die Freude der mit euch Jubelnden im Jenseits, die Belohnung mit Meiner ewigen Vaterliebe und die ewig dauernde Steigerung von Seligkeit zu Seligkeit, von Genuß zu Genuß, werden euch die leichten Unbilden eines kurzen Probelebens vergessen machen.

  

42] Daher folgt dem Hirten und verirrt euch nicht wieder auf andere Wege, nachdem Er sich so viele Mühe gegeben hat, euch den rechten Weg zum ewigen Leben und zu Seiner Kindschaft zu zeigen! Amen.

 

 

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gm.pred.030. Predigt: Lk.05.01-11 am 4. Trinitatissonntag (01.04.1872)

   00] Der reiche Fischfang (Lk.05,1-11): Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes (und er stand am See Genezareth und sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze), da trat er in der Schiffe eines, welches Simons war, und bat ihn, daß er`s ein wenig vom Lande führte. Und er setzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiffe. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug tut!" Und Simon antwortete und sprach zu ihm: "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen." Und da sie das taten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiffe waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Schiffe voll, also daß sie sanken. Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: "Herr, gehe von mir hinaus! Ich bin ein sündiger Mensch." Denn es war ihn ein Schrecken ankommen und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie miteinander getan hatten, desgleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: "Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen!" Und sie führten die Schiffe zu Land und verließen alles und folgten ihm nach.

  

01] In diesem Kapitel handelt es sich nicht um Gleichnisse und Bilder, in denen viel Geistiges verborgen liegt, sondern Lukas erzählt euch von der Gewinnung eines Meiner eifrigsten Jünger, des Petrus, früher Simon genannt, und seiner Mitarbeiter Jakobus und Johannes, der Söhne des Zebedäus. Lukas erzählt euch, wie Ich den Fischer Simon dadurch für Mich gewann, daß Ich ihm zeigte, daß, wer festes Vertrauen zu Mir hat, nie in seinen Hoffnungen betrogen wird, vorausgesetzt, daß seine Wünsche auch in Meinen Augen als billig und gerecht angesehen werden und den geistigen Fortschritt bezwecken wollen.

  

02] Das Auswerfen des Netzes durch Simon, trotz seiner Überzeugung, daß es vergeblich sein werde, und der reiche Fischfang haben zweierlei Bedeutung. Erstens bewies es dem Fischer, daß Meine Macht größer als die obwaltenden Umstände war, und zweitens zeigte es ihm, daß sein Vertrauen auf Mich nicht unbelohnt blieb. Als hierauf Petrus den Unterschied zwischen Mir und sich erkannte, rief er bittend aus: "Herr, gehe von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!", und Ich, seinen künftigen Beruf wohl vorauswissend, antwortete ihm: "Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen!"

  

03] Daß Ich beinahe alle Meine Jünger aus dem Fischerstand wählte, hatte seinen guten, geistigen Grund darin, daß ihre Arbeit auf dem beweglichen Element, dem Wasser, und die damit verbundenen Gefahren sie mehr an eine Gottes, an eine Vorsehungslehre band und sie deswegen religiöser, frömmer und auch vermöge ihrer Hauptnahrung, der Fische, friedlicher gesinnt waren als andere, fleischessende Menschen.

  

04] Ich lenkte die Umstände gewöhnlich so, daß sie, ohne Meine Absicht zu merken und Meinen Einfluß zu fühlen, selbst zu Mir kamen und Mir nachfolgten. Dieses war auch hier wieder der Fall. Ich wollte durch ein Wunder - nach eurer Denkungsart - ihre Herzen gewinnen und sie zu dem großen Schritt bewegen, alles im Stich zu lassen und Mir allein nachzufolgen, was nicht so leicht war, wie ihr vielleicht glaubt. Ich mußte diese Bedingung stellen; denn in jenen Zeiten, und gemäß dem künftigen Lehrberuf Meiner Jünger, war Mir nachzufolgen und gleichzeitig der Welt oder seiner Familie anzugehören eine Unmöglichkeit.

  

05] Heutzutage habe Ich nicht mehr nötig, Meinen Nachfolgern solch harte Bedingungen aufzuerlegen (krit. Anmerkung d. Hrsg.), weil die Verhältnisse anders sind; und würde Ich solches verlangen, so würde die Zahl Meiner Nachfolger sehr gering ausfallen. Denn bei einem so bequemen, schon von Jugend an gewöhnten Familienleben und bei solch häuslichen Verhältnissen würde es den meisten, welche sich jetzt so begeistert für Meine Lehre zeigen, eine Unmöglichkeit sein, alles zu verlassen und Mir nachzufolgen, wie es einst Meine Jünger taten.

  

06] Auch unter euch, die ihr euch für Mich und Meine Lehre so begeistert wähnt, würden wenige die Charakterstärke besitzen, Mir zuliebe diesen Schritt zu tun, auch wenn sie Mich, wie einst Meine Apostel, sichtbar in ihrer Mitte leben und wirken sehen würden. Ich habe solche Mittel jetzt nicht mehr nötig und weiß wohl auch auf anderen Wegen ebenso Meinen Zweck zu erreichen wie einst unter jenen Voraussetzungen, deren Erfüllung Meine Nachfolger erst zu Meinen Jüngern machte.

  

07] Jetzt verlange Ich von euch und allen, welche Mir nachfolgen wollen, die Eigenschaften des Petrus, nämlich sein unbegrenztes Vertrauen auf Mich und die klare Erkenntnis seiner eigenen Unwürdigkeit. Weil er glaubte, er sei nicht würdig, in Meiner Nähe zu bleiben und zu leben, diese freiwillige Erniedrigung vor Mir hat den Fischer Simon zum Fels, zum ,Petrus` gemacht, auf welchen Ich Meine Kirche bauen will, die Himmel und Erde nie zerstören werden. Sein festes Vertrauen auf Mich, schon bei der ersten Begegnung, verstärkte sich noch fernerhin und ward zum Fels wie sein Glaube.

  

08] Wenn Ich also diesen Text als Wort an euch und die gesamte gläubige Menschheit richte, so wählte Ich ihn deshalb, damit Ich euch als Beispiel den Mann vor Augen führen kann, dem ihr vor allem nachfolgen sollt.

  

09] Auch Johannes, als personifizierte Liebe, ist ein Leitstern erster Größe am geistigen Himmel; aber um ihm ähnlich zu werden und seinen Beinamen ,Mein Liebling` zu verdienen, müßt ihr vorerst durch die Schule Petri gehen, und diese Schule ist für euch die Welt mit ihren Versuchungen.

  

10] Zwischen den Klippen der Welt, da alle möglichen Verhältnisse und Ereignisse dazu beitragen, gerade das als schön, angenehm und besonders wichtig zu finden, was nur von außen glänzt, aber keine Beständigkeit, sondern Verwesung in sich birgt, gerade inmitten dieser Versuchungen muß sich vorerst euer Glaube und euer Vertrauen stärken. Gerade da könnt ihr am besten sehen, wie gebrechlich ihr seid, und auf welch schwachen Füßen eure eigene moralische Kraft steht. Mitten in dem Weltgetriebe sind es diese zwei Hauptsektoren, die ihr stets im Auge haben müßt: Meine Allmacht und eure Ohnmacht! Sonst ist es unmöglich, zur Ruhe des Johannes zu gelangen, der nur Liebe und kindliche, innige Verehrung für Mich fühlte.

   

11] Diese zarten Regungen, dieses Hingeben in Meine Hände, dieses Leben nur für das Geistige ist den Menschen und auch Meinen Anhängern in jetzigen Weltverhältnissen nicht so leicht möglich und nicht so leicht ausführbar, da der Verfall der Welt und sein Eindringen ins geistige Leben der Menschen zu mächtig ist, als daß sich jemand gänzlich von ihm befreien könnte.

  

12] Eure Aufgabe und die Meiner jetzigen und künftigen Anhänger und Nachfolger ist daher, vorerst das innere, geistige Ich - wie Petrus auf das Vertrauen zu Mir und auf den festen Glauben zu stützen, daß Ich niemand verlassen werde, so drängend die Umstände sich auch gestalten sollten, die auf andere Wege als zu Mir hinzuführen scheinen.

  

13] Was Ich als Sohn und Vater, als Weisheit und Liebe, in der Schöpfung geistig bin, das stellten Petrus und Johannes als Meine Jünger vor. Petrus war die der Welt gegenüber zu beachtende Klugheit und Johannes die trotz alles Falschen in der Welt nie schwindende Herzensgüte, von welchen Eigenschaften die erstere Meiner Weisheit und die letztere Meiner Liebe entspricht.

  

14] So sollt auch ihr danach trachten, jene Worte, die Ich zu Meinen Jüngern sagte, geistig aufzufassen: "Seid listig wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben!" Denn die List der Schlange bedeutet in geistiger Entsprechung die Weltklugheit, und die Einfalt der friedlichen Taube bezeichnet die nichts Arges, nichts Schlechtes denkende und ausübende Tugend.

  

15] So sehet ihr, wie in den Worten, Werken und Wundern eures Jesus während Seiner Lehrjahre alles geistigen Ursprungs ist und alles eine geistige Bedeutung besitzt. Es genügt, daß man mit Geistesaugen die innere Bedeutung der Ereignisse erwägt, so daß der dichte Schleier der Unverständlichkeit sich nach und nach lüftet und reine, lichte Wahrheit da erscheint, wo man vorher nur mystische, unzusammenhängende Worte gelesen hatte. So wie die Natur dem Wiedergeborenen, dem geistig Fortgeschrittenen ein lebendiges Buch wird, aus dem er nicht nur Vorteile fürs weltliche Leben herausliest, sondern in welchem er Mahnungen und geistige Winke für die sich danach sehnende Seele aufgezeichnet findet, ebenso ist Mein euch hinterlassenes Buch, die Bibel, eine ewige Fundgrube, in der die einzigen herrlichsten Wahrheiten verborgen liegen, welche Ich jenen vorbehalten habe, die, durch Petri Schule gegangen, bei der Liebe Johannis angelangt sind.

  

16] Daher befleißigt auch ihr euch, mitten zwischen Dornen dahinwandelnd, doch unverletzten Fußes, euer Ziel zu erreichen, welches am Ende aller Versuchungen und Kämpfe die unbegrenzte Liebe ist, die bildlich in allem Geschaffenen und geistig in Meiner eigenen Nähe das Vertrauen und den Glauben, welche ihr während eures Lebenslaufes gezeigt habt, reichlich belohnen wird.

  

17] Erinnert euch Meines Mahnrufes an Petrus vor Meiner Gefangennahme, als Ich diesen sich jetzt stark Glaubenden durch Meine Vorhersage: "Ehe der Hahn kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen!" an seine menschliche, schwache Natur erinnerte, die er einst dort im Schiff bekannte, als er ausrief: "Gehe hinweg von mir, o Herr; denn ich bin ein sündiger Mensch!" Im Garten am Ölberg zeigte er sich stark, schlug mit dem Schwert drein, war voll des Glaubens, des Vertrauens, und kurz danach - seht die schwache menschliche Natur - verleugnete er Mich aus Furcht dreimal!

  

18] Deswegen gebt auch ihr euch nicht dem Wahne hin, als wäret ihr schon die Auserwählten, die Unfehlbaren! Vertraut auf Mich und nicht auf eure eigene Stärke; denn ein leichter geistiger Windstoß genügt oft, und das ganze gebäude geistigen Selbstbewußtseins und moralischer Stärke liegt danieder, zusammengeworfen wie ein von Kindern errichtetes Kartenhaus, und ihr habt dann das gleiche Resultat an euch selbst erfahren, das der Fels Petrus in Meiner Nähe erlebte, daß ohne Mich nichts, mit Mir aber alles ausführbar ist!

  

19] So soll auch dieser Text bei einem großen Fischzug anfangend, mit dem kleinen, aber wichtigen Resultat endigen: Wenn ihr, gleichwie Simon, bestimmt seid, nicht Fische, sondern Menschen in Mein Glaubensnetz zu ziehen, so müßt ihr zuerst bei euch selbst anfangen und nie außer acht lassen, daß nicht Worte, sondern Taten, ausgeübt im edelsten Sinne, es sind, welche die Nächsten, eure Brüder und Schwestern, in Meine Hände führen.

  

20] Aber bevor dieses möglich ist, müßt ihr, die Lebensklugheit Petri und dann die Liebe Johannis selbst schon im Herzen haben und stets eurer Schwäche und Meiner Stärke eingedenk sein. Auf diese Art vollführt ihr Meinen Willen in bezug auf euch und in bezug auf andere, wozu euch Mein Segen nie ermangeln wird. Amen.

 

 

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gm.pred.031. Predigt: Mt.05,20 am 5. Trinitatissonntag (02.04.1872)

   00] Wahre Gerechtigkeit (Mt.05,20): "Ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Schriftgelehrten und Pharis„er, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!"

  

01] Hier in diesem Kapitel liegt vor euch Meine ganze Lehre als Inbegriff alles dessen, was den Menschen betrifft. Es wird euch gezeigt, inwiefern seine Leiden, seine Aufopferungen und Kämpfe einst einen geistigen Wert haben werden, und wie er sein Gewissen als die Waagschale und die Richtschnur zu allen Gedanken, Worten und Taten gebrauchen soll, wenn er einst Mein Kind genannt werden möchte.

  

02] Diese Bergpredigt war die gewaltigste Predigt, welche Ich während Meines Erdenwandels gehalten habe, und eben deswegen umfaßt sie alles, was Mich bewog, zu euch auf diese finstere Erde herabzusteigen und die größte Schmach zu erdulden - zu Meinem und Meiner Lehre größtem Triumph.

  

03] In dieser Predigt stellte Ich Meinen Zuhörern und Jüngern alle Seligkeiten in hoffnungsvolle Aussicht, welche denen zuteil werden sollen, die Meine Liebesgebote halten und ihretwegen Unbilden und Leiden ertragen. Ich stellte ihnen aber auch die Wichtigkeit ihrer Mission in bildlichen Ausdrücken dar, daß Ich Meine Lehre nicht vergebens predigen will, sondern daß jeder, der sie hört, sie auch anwenden und verbreiten soll. Es sind jene Verse, die vom Salz der Erde, von der Stadt auf dem Berg und von dem angezündeten Licht handeln, damit es leuchte und nicht verborgen unter einem Scheffel brenne.

  

04] Ich sagte ihnen, sie seien das Salz der Erde, welches dem ätzenden oder anregenden Teile der geistig-seelischen Welt entspricht, da es zur Tätigkeit, zur Ausscheidung des Schlechten, zum materiellen Stoffwechsel notwendig ist.

  

05] Wo kein Salz oder Reizstoff ist, dort ist kein Leben, keine Bewegung, keine Wärme, kein Licht. Wo das Salz dumm wird - wie es im Evangelium heißt -, d.h. wo es verdirbt, da entstehen die umgekehrten Resultate, weshalb es ausgeschieden werden muß, damit es die Leute zertreten. Zu Staub und Sand zertreten, wird es anderen Schöpfungen auf anderer Basis zur weiteren Bildung behilflich sein, so wie das durch Menschen verübte Schlechte, ebenfalls durch Meine Fügungen am Ende zum Fortschritt, zur Besserung der geistigen Wesen beitragen muß, nur in anderer Form und unter anderen Umständen.

  

06] So ermahnte Ich das Volk und Meine Jünger, daß sie Mein Wort nicht bloß hören und für sich behalten, sondern daß sie es auch anderen mitteilen und es selbst in der Tat verwirklichen sollten. Ich sagte ihnen auch, daß Meine Lehre nicht neu sei, sondern daß sie nur die von Moses und den Propheten gegebenen Weisungen im wahren Licht darstelle, den Sinn der Worte erkläre und so der ganzen Menschheit zeige, wie alle diese göttlichen Vorhersagungen und Verordnungen der von Mir gesandten Männer stets denselben Zweck hatten, nämlich die Menschen ihren geistigen Wert erkennen zu lehren und sie alle auf dem kürzesten Weg vorzubereiten, ins große Geisterreich eintreten zu können, wie es Wesen geziemt, die einen göttlichen Funken von Mir im Herzen tragen. Ich versicherte allen, daß Meine Worte ewige Dauer haben, weil sie von dem ewigen, höchsten Wesen gegeben wurden.

  

07] Ich sagte ihnen auch, daß Ich jede Verunglimpfung dieser Meiner Gesetze bestrafen werde, hier und jenseits, weil Ich im voraus wußte, daß in späteren Zeiten Menschen Meine Gesetze der Liebe als Deckmantel benützen und, unter ihm ihren eigenen Interessen nachgehend, die Leidenschaften des Hasses und der Rache ungestört ausüben würden. Schon zu Meiner Zeit trieben die Pharisäer und Schriftgelehrten mit den Lehren Mosis und der Propheten das gleiche Spiel, weshalb Ich zu Meinen Jüngern und dein um Mich versammelten Volk die Worte sprach: "Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Pharisäer und Schriftgelehrten, sonst werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!"

  

08] Obwohl nur dieser Vers für diesen Sonntag gegeben ist, mußte Ich die vorhergehenden Verse desselben Kapitels zuerst erklären, damit wir folgerichtig auf diesen zwanzigsten Vers kommen und von diesem aus weiterschreiten können.

  

09] Weil Ich die falsche und scheinheilige Gerechtigkeit jener Kaste anführte, der in jener Zeit die Macht und das Recht gegeben ward, den Sinn, den Kultus und die Dogmen ihrer Religion dem Volke beizubringen und zu erklären, und weil Ich wußte, auf welche Weise sie es vollführten - nicht in Meinem, sondern in ihrem Sinne und nach ihren Plänen -, so ward Ich natürlich gezwungen, dem Volk und Meinen Jüngern diese schon vorhandenen Gesetze besser zu erklären und ihr Gewissen empfindlicher zu machen. Auch deshalb mußte Ich es tun, weil in jener Zeit die Priester und Gelehrten die Gesetze so erklärten, daß es sie nicht viel Mühe kostete, diese zu erfüllen, und weil ihnen dadurch ein weiter Spielraum blieb, die scheußlichsten Taten zu begehen, ohne dem Scheine nach gegen die mosaischen Religionsgesetze zu verstoßen; ja den Anschein erwecken konnten, als übten sie diese im strengsten Sinne aus.

  

10] Daher folgen dem zwanzigsten Vers alle anderen wahren Liebesgesetze, welche in jener Zeit gerade als Gegensätze zu dem Geglaubten betrachtet wurden; denn Wiedervergeltung, Rache, Haß und Verfolgung waren durch einzelne Sprüche der Religion dem Anschein nach gerechtfertigt. Auch deshalb sah man sie als Gegensätze an, weil es weit leichter ist, den Durst der Rache und des Hasses zu kühlen, als dem zu verzeihen, der feindlich gesinnt ist, oder den mit Wohltaten zu überhäufen, der nur Böses im Schilde führt.

  

11] Eben deswegen ist diese Predigt, besonders vom zwanzigsten Vers an, die wichtigste genannt worden, weil in ihr das Symbol der Liebe, die Fahne der Nächstenliebe und die Verzeihung von Mir als einzige Richtschnur für den Lebensweg aufgestellt wurden, indem Ich allen zurief: "Nur unter dieser Fahne und mit dieser allumfassenden Liebe, mit welcher Ich als Gott und Schöpfer alle Meine Wesen umfasse, nur mit dieser Liebe könnt ihr Menschen Bürger eines geistigen Reiches, Bürger Meines Himmels werden!"

  

12] Ich führte in den nachfolgenden Versen verschiedene Lebensverhältnisse an, in welchen der Mensch diese Bruder und Nächstenliebe ausüben soll und kann. Ich zeigte, wie weit diese Liebe gehen soll und muß, wenn ihre Taten vor Mir einen geistigen Wert haben sollen. Ich setzte den Eckstein der Aufopferungsfähigkeit, an dem sich leider in jener Zeit und bis auf den heutigen Tag viele gestoßen haben.

   

13] Ich sagte Meinen Zuhörern: Wie Ich als Gott die Sonne über Gute und Böse aufgehen lasse, wie Ich die Felder der Schlechten wie der Guten mit segnendem Regen befeuchte, so sollen auch Meine wahren Nachfolger - erhaben über alle menschlichen Leidenschaften, Mein Beispiel als Schöpfer und auch als Jesus stets vor Augen habend allen mit gleicher Liebe helfen, unbekümmert darum, ob ihnen je Dank zuteil wird oder nicht.

  

14] Ich stellte in dieser Predigt das Ideal eines geistig erhabenen Menschen auf und bewies selbst durch Meinen Lebenswandel, daß man so leben kann, wenn man will. Der Inhalt dieser Predigt, seien es die versprochenen Seligkeiten für die Leidenden, Kämpfenden und geduldig Ausharrenden, als auch, wie weit sich die Nächstenliebe erstrecken soll, hat heute noch dieselbe Geltung wie einst und wird sie auch nie verlieren, solange Ich, Meine geistige und Meine materielle Welt bestehen. Denn nur durch diese Gesetze und ihre Befolgung werden die vernünftig lebenden Wesen geadelt und werden Zeugen ihres göttlichen Ursprungs, während sie auf dem entgegengesetzten, am meisten gebräuchlichen und leider auch jetzt noch von vielen als rechtlich bezeichneten Weg, statt zur geistigen Höhe aufwärtszusteigen, zur materiellen Tiefe herabsinken.

  

15] In den folgenden Kapiteln des Matthäus wird diese Lehre noch weiter dargelegt, damit sich niemand entschuldigen kann, als hätte er nicht gewußt, was Gottes und Nächstenliebe im eigentlichen Sinne sei. So findet ihr auch im 6. Kapitel das einzige Gebet, welches Ich die Meinen lehrte, und das ihr heute noch als Inbegriff aller Gebete ansehen könnt. Nur müßt ihr den tiefen, geistigen Sinn eines jeden darin enthaltenen Wortes fassen; denn wisset, etwas anderes ist es, wenn ihr mit euren eigenen Worten betet, oder wenn Ich euch Worte in den Mund lege, die ihr bei Bedrängnissen, ja wohl auch täglich an Mich richten sollt, damit Ich euch Meine hilfreiche Hand in den Wirrnissen eines jeden neuen Tages reiche, auf daß ihr nicht fallet, sondern Meine Bergpredigt stets im Sinn behaltet und als einzige Richtschnur auf dem Prüfungsweg dieses irdischen Lebens vor Augen habt, um der im Anfang unseres Kapitels verheißenen Seligkeiten teilhaftig zu werden.

  

16] Ja, Meine Kinder, auch an euch geht die gleiche Mahnung wie einst an jene, die Mir bei der Bergpredigt zuhörten, wo Ich sagte: "Wenn ihr nicht gerechter werdet als eure Pharisäer und Schriftgelehrten, so könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen!" Auch euch sage Ich: Wenn ihr die Begriffe Gerechtigkeit, Liebe, Demut und Verzeihung nicht strenger nehmt, als sie euch von vielen gepredigt und falsch ausgelegt werden, so könnt ihr nicht in Mein Reich kommen und könnt nicht Meine Kinder werden; denn zu Meinen Kindern können nur die gezählt werden, die Meinem Beispiel folgend willig ihr Kreuz tragen, und die wie Ich, als Beispiel der Demut und Selbstverleugnung, alle weltlichen Genüsse weit hinter die geistigen zurücksetzen und bei Meinem Hauptgrundsatz verbleiben, der in dem Spruch aufgezeichnet ist: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt!"

  

17] Meine Kinder dürfen keine Weltkinder sein. Sie müssen danach streben, die höchste moralische Höhe zu erreichen, die überhaupt der Mensch erreichen kann. Sie müssen, wie Ich, ihrer Leidenschaften Meister werden und vertrauensvoll hinnehmen, was Ich ihnen zu ihrem Besten schicke. Sie sollen nicht die Welt als eine Gefahr fliehen, sondern sie müssen inmitten derselben alle ihre Eigenheiten, Genüsse und Versuchungen, damit sie diesen nicht unterliegen, dem wahren Werte nach beurteilen. Sie müssen in Gedanken, Worten und Taten reinen Gewissens dastehen, damit andere nicht allein ihren Worten Glauben schenken, sondern auch in ihren Taten den wirklichen Beweis des Gesagten ersehen können. Sie müssen, wie es im Evangelium heißt, als eine Leuchte dastehen, die weit hinaus über alle Unebenheiten des menschlichen Lebens ihr ruhiges Licht ausströmen läßt, das Licht der Liebe, des Vertrauens und der Verzeihung.

  

18] So nur können sie, wenn sie selbst gerechter, liebender, vertrauender als viele andere verirrte Kinder sind, jenen zur Richtschnur und als Wegweiser dienen, und nur so können sie nach vollendetem Lebens und Prüfungslaufe Anspruch darauf machen, von Mir an Kindesstatt angenommen zu werden und in Mein ewiges, großes Geisterreich, in Meine Himmel einzugehen, wo ihnen für alles Ausgestandene und Erlittene jene Seligkeiten zuteil werden, die beim Beginn Meiner Bergpredigt verheißen werden.

  

19] Dies nehmt euch zu Herzen! Lest oft diese Predigt, welche Ich vor mehr als tausend Jahren Meinen Jüngern und dem Volk gehalten habe! Sie enthält große Verheißungen und Forderungen an euch und an Meine Geisterwelt.

  

20] Wer diesen Bedingungen nicht nachkommen will, dessen Leben gleicht einem schön eingebundenen Buche, das aber nur weiße leere Blätter enthält.

  

21] Trachtet daher, euer Lebensbuch voll guter Gedanken, Worte und Taten ins andere Leben mitzubringen! Ich habe euch ja in diesen Versen gezeigt, wie die Gedanken schon ein Versündigen gegen Meine Liebesgesetze sein können; denn es mangelt oft nur an der Gelegenheit, sie auszuführen. Wäre solche vorhanden, so vollführte der Wille, was nur flüchtige Gedanken blieben.

  

22] Daher hütet euch zuerst vor sündigen Gedanken! Sie entwürdigen euren inneren Seelenmenschen. Flieht ferner die Gelegenheit, solche Gedanken in Ausführung zu bringen! Bekämpft die Gedanken, und ihr seid des Handelns eher mächtig! Gebt ihr aber den ersteren Raum, so seid ihr schon in das Reich der Sünde verstrickt und nur ein günstiger Augenblick, - und eure Seele ist durch eine unüberlegte Tat ihres ganzen Schmucks, der Reinheit, der Ruhe und der Zufriedenheit und ihrer schönen Vorsätze beraubt!

  

23] Daher lest diese Verse alle und sehr oft! Es wird euch so vieles darin gezeigt, worin ihr noch so schwach seid und so oft sündigt gegen euch und gegen Mich. Dadurch seid ihr noch weit davon entfernt, einen Anteil an Meinem geistigen Himmelreich zu haben.

  

24] Murrt nicht, wenn Ich euch durch Verhältnisse stets Gelegenheit gebe, euch in dem zu üben, was euch noch am meisten mangelt, nämlich das Vertrauen auf Mich und das stete Wachsein über die Regungen des eigenen Herzens, um alles Böse und Schlechte gleich im Keim zu ersticken!

  

25] So, stets sich übend, erstarkt eure Kraft; so werdet ihr fähig, aller Versuchungen zur rechten Zeit Herr zu werden; und so, Meiner Bergpredigt eingedenk, werdet ihr auch einst den Lohn Meiner Jünger erhalten, wenn eure Mission hier auf dieser Erde beendet und der Sieg errungen ist, um dann dort mit neuer Kraft größeren Anforderungen Genüge leisten zu können; denn wer hier weniges treu verwaltet, den werde Ich dort über vieles setzen!

  

26] Gedenkt eures Vaters, der euch nicht umsonst alle diese Worte sendet! Gedenkt, daß Er euch zu dem machen möchte, zu dem Er euch erschaffen hat, nämlich zu Seinen geistigen Kindern und damit zu jenen Wesen, welche einst in Seinem Reich über Welten und Millionen von Wesen das Licht der Liebe und der Gnade ihres ewig liebenden Vaters ausstreuen sollen! Daß zu solchen Missionen in allem Leid und Unglück erprobte, also gestählte Wesen gehören, versteht sich von selbst, weil sie, Gedanken und Tatenreinheit als Stempel auf ihrer Stirne tragend, durch die Erhabenheit ihres Geistes die andern emporziehen können.

  

27] Deswegen gab Ich euch diese ausführliche Auseinandersetzung Meiner Liebesgebote, damit ihr nicht den Einflüssen eurer Eigenliebe Raum gebt, um gerade das zu entschuldigen, was bei Mir vielleicht die größte Sünde ist, nämlich die Gedankenspiele, die der Same zu allerlei unreifen und bösen Taten sind. Amen.

 

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gm.pred.032. Predigt: Mk.08,01 am 6. Trinitatissonntag (07.04.1872)

00] Die Speisung der Viertausend (Mk.08,01): Zu der Zeit, da viel Volks da war und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: "Mich jammert des Volks; denn sie haben nun drei Tage bei mir beharret und haben nichts zu essen. Wenn ich sie ungespeist von mir heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn etliche sind von ferne kommen." Seine Jünger antworteten ihm: "Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste, daß wir sie sättigen?" Und er fragte sie: "Wieviel habt ihr Brote?" Sie sprachen: ,Sieben." Und er gebot dem Volke, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten. Und sie legten dem Volke vor. Und sie hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich.

  

01] Dieses Evangelium handelt wieder von einer Speisung des um Mich versammelten Volkes, und zwar von viertausend an der Zahl, wobei dann am Ende sieben Körbe voll Brot übrigblieben, während es anfangs nur sieben Brote und einige Fische waren.

  

02] Schon einmal verrichtete Ich ein ähnliches Wunder, indem Ich fünftausend Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen sättigte, wobei dann zwölf Körbe Brot übrigblieben. Was dort die fünf Brote und zwei Fische für geistige Bedeutung hatten, wißt ihr; auch bei diesem zweiten Male, bei dem Ich statt fünftausend nur viertausend Mann mit sieben Broten und einigen Fischlein speiste und dann sieben Körbe voll übrigblieben - wie dort zwölf -, hat alles eine geistige Bedeutung, welche Ich euch jetzt näher erklären will.

  

03] Die zwölf übriggebliebenen Körbe des ersten Wunders bezeichneten sowohl die zwölf Stämme Israels, als auch die zwölf Gebote, die den Menschen nach Meinem Hinscheiden noch verbleiben sollten. Die sieben Körbe, welche das zweite Mal übrigblieben, bezeichnen Meine sieben Haupteigenschaften, welche den Menschen zur Festigung und zur Richtschnur verbleiben sollten, wenn sie Mich nicht mehr persönlich besitzen würden. Diese sieben Eigenschaften heißen: Liebe, Geduld, Demut, Vergebung, Beharrlichkeit, Aufopferung und Barmherzigkeit.

  

04] Als Ich dem jüdischen Volke predigte, mußte Ich ihnen manchmal zurufen: "Wer Ohren hat, der höre!" Dies war ein deutlicher Beweis dafür, daß eben bei ihnen vieles zum einen Ohr hinein und zum andern hinausging, und daß die Mehrzahl Meine Lehre nicht so auffaßte, wie Ich es wollte. Das bildlich zu deutende Speisewunder am Ende Meiner Ansprache an sie bezeugt das lÜbrigbleiben gerade des Wichtigsten. Wie sie das Brot und die Fische nur verzehrten, um ihren leiblichen Hunger zu stillen, und sieben Körbe Brot zurückließen, so faßten sie auch nur oberflächlich den Inhalt Meiner Rede und ließen den Hauptinhalt derselben, Meine sieben Grundeigenschaften, welche Ich ihnen durch Gleichnisse, Wunder und wirkliche Lehren einprägen wollte, unbeachtet.

  

05] Wenn auch all die Gleichnisse, Worte und verrichteten Wunder dem Volke die Augen öffnen sollten, so waren doch stets wieder Schriftgelehrte und Pharisäer genug da, welche alles mögliche taten, um jeden Eindruck, den Mein Handeln auf das Volk machte, abzuschwächen oder gar zu vernichten. So suchten sie darin, daß von Mir und Meinen Jüngern die zeremoniellen Gebräuche der Kirche - Waschungen usw. - nicht eingehalten wurden, einen Grund zur Verdächtigung. Sie nahmen oft Anstoß an guten Werken, an Heilungen Kranker und dergleichen, wenn sie am Sabbat oder sonst an einem kirchlich geweihten Tag geschah. Sie regten sich darüber auf, wenn Ich nicht die vorgeschriebenen Fasten hielt oder gar mit Menschen Mich abgab, die in ihren Augen grobe Sünder oder unehrliche Leute waren. So waren sie bemüht, alles zu verdächtigen, was von Mir gesprochen und getan wurde.

  

06] Daher die verschiedenen Mahnungen, welche Ich Meinen Jüngern und dem Mir zuhörenden und nachfolgenden Volk gab, womit Ich ihnen beweisen wollte, daß bei Mir nur Geistiges und nicht Materielles gilt! Daher die Worte: "Was in den Menschen eingeht, das kann ihn nicht gemein oder unrein machen, sondern das, was von ihm ausgeht, das ist es, was den Menschen erniedrigen kann!" Aus dem gleichen Grunde erging der Mahnruf an Meine Jünger, sich vor dem Sauerteig der Pharisäer und des Herodes zu hüten, und aus dem gleichen Anlaß führte Ich an, was ein früherer Prophet geweissagt hatte: "Dieses Volk ehrt Mich mit den Lippen; aber sein Herz ist ferne von Mir!"

  

07] Als Ich diese viertausend Mann mit sieben Broten und einigen Fischlein gespeist, sie also materiell gesättigt hatte, blieben sieben Körbe Brot übrig.Wenn sie dem Anscheine nach auch geistig gesättigt waren, so ließen sie doch die von Mir als die höchsten bezeichneten Eigenschaften unbeachtet. Jeder Korb mit seinem vielseitigen Inhalt von großen und kleinen Stücken Brot bezeichnet zur Genüge, in wie vielfältiger Weise diese Meine vorher genannten Eigenschaften im menschlichen Leben ausgeübt werden könnten, wenn nicht der Mensch seinen eigenen Lebenskorb meistens mehr mit anderen, weltlichen Dingen angefüllt hätte, worin dann Mein Brot und Meine Geisteseigenschaften keinen Platz mehr haben.

  

08] Wenige gibt es, die wie das Weib aus Syrophönizia denken, welche auf Meine Rede: "Man soll Mein Brot nicht den Hunden vorwerfen!" doch vertrauensvoll antwortete, daß es aber den Hunden doch erlaubt sei, sich von den Brosamen zu sättigen, welche die Kinder unter den Tisch fallen lassen, was mit anderen Worten heißt: Wenn auch die Schwachen, die noch Unmündigen nicht wert oder fähig sind, sich von direkter Himmelsspeise zu nähren, so möge es ihnen doch vergönnt sein, vom Abfall das herauszusuchen, was für ihren momentanen geistigen Zustand gedeihlich ist.

 

 09] Solch gläubige Seelen gab es in jener Zeit nur vereinzelte, und jetzt sind sie gar zur höchsten Seltenheit geworden.

  

10] So wie Ich gegen alle herrschenden Ansichten, seien es weltliche oder kirchliche, kämpfen mußte und - wie Ich es manchmal selbst sagte von den Juden weniger als von den Heiden erhoffte, so ist es auch in jetziger Zeit, in der von jenen wenig zu erwarten ist, welche sich Katholiken nennen und glauben, es auch wirklich zu sein, wenn sie nur die vorgeschriebenen Gebräuche halten. Ja, gerade sie, die das beste und fruchtbarste Feld für Meine Lehre sein sollten, gerade sie sind die ärgsten Widersacher alles dessen, was sie aus ihrer so bequem eingerichteten Religionslehre aufweckt und Aufopferungen und Entsagungen fordert, denen sie nicht gewachsen sind, weil ihnen die moralische Kraft der Überwindung angewöhnter Gebräuche und Ideen fehlt.

  

11] Sie gleichen den meisten Zuhörern jener Zeit. Sie suchen Mich überall nur in den Kirchen, aber nicht auf dem Weg des Lebens, wo sie durch Taten beweisen sollen, was sie sooft in den Kirchen geloben. Sie sind auch hungrig wie jene, lassen aber den Hauptgrund Meiner Lehre, die sieben Körbe, ruhig stehen und verzehren bloß dasjenige, was ihnen für den Moment am meisten mundet.

  

12] Wenn Ich euch dieses Beispiel der Sättigung von viertausend Menschen mit sieben Broten und einigen Fischlein als Thema zu einer Sonntagspredigt anführe, so ergeht damit an jeden einzelnen, wie auch an alle Zuhörer Meines Wortes die Mahnung, sich nicht mit dem oberflächlichen Eindruck Meiner Worte zu begnügen, sondern die darin verborgen liegende Geistesspeise herauszufinden, sich nach dieser in seinen Handlungen zu richten und auch die anderen zu gleicher Ausübung anzueifern.

  

13] Daß in jener Zeit Meine Zuhörer wenig fruchtbare Äcker für Meine Lehre waren, das wußte Ich wohl; Ich wußte aber, daß Ich nicht nur für sie, sondern für die ganze Menschheit nach ihnen redete und handelte. Ich baute nicht nur für die Gegenwart, sondern Meine Pläne reichten weiter. Als die Pläne eines göttlichen, unendlichen Wesens waren sie von ewiger Dauer und Wirkung.

  

14] Selbst den Pharisäern und Schriftgelehrten antwortete Ich auf ihre Forderung nach einem Wunderzeichen, daß diesem Geschlecht kein Zeichen von Mir gegeben werde, was soviel sagen will, daß dort, wo Meine sichtbare Erscheinung das größte Wunderzeichen war, kein anderes, noch mehr beweisendes nötig sei, um Meine Göttlichkeit und die Wahrheit und die ewige Dauer Meiner Lehre zu beweisen.

  

15] Was Ich dort von den Pharisäern und Schriftgelehrten sagte, gilt auch heutzutage allen scheinheiligen Kirchenläufern und allen über die Materie philosophierenden Gelehrten eurer Zeit. Auch sie werden keine Zeichen sehen, weil sie das größte Zeichen, die Stimme eines Gottes und Vaters im eigenen Herzen nicht anerkennen wollen. Ebensowenig glauben viele eurer Gelehrten, trotz des steten Auffindens von Gesetzen in der Natur, daß es auch einen Gesetzgeber geben muß. Sie disputieren sich und andere lieber ihr eigenes Ich hinweg, als daß. sie sich durch tatsächliche Beweise vom Dasein Gottes für besiegt erklärten.

  

16] Auch in dieser Zeit tobt ein immerwährender Kampf zwischen Zeremonie und Geist, zwischen Trug und Wahrheit, der alle Gemüter in Aufregung bringt. Alle Sekten, alle Gläubigen mühen sich ab, das Neuauftauchende mit dem Alten, Angewöhnten zu verbinden und zu vermischen; aber es ist vergebens. Zwei Herren kann man nicht dienen, sondern: entweder der Materie oder dem Geist! Und weil sich viele nicht entscheiden können oder nicht wollen, so ist dies schuld daran, daß sie, soviel Ich auch die Menschen mit geistigem Brot sättigen will, bis auf wenige das Nebensächliche genießen, ja danach haschen, aber das Eigentliche, Wesentliche, geistig Wahre liegenlassen.

  

17] So müssen Meine Jünger der jetzigen Zeit, wie jene Meiner Lehrzeit, stets die übriggebliebenen Stücke Meiner Himmelslehre oder des geistigen Brotes wieder sammeln und dann bei anderen Hungrigen ihr Glück versuchen, bis endlich die sieben Körbe Meiner göttlichen Eigenschaften leer sind und in den großen Lebenskorb der Menschheit, wie auch jedes einzelnen, übergangen sind.

  

18] So ergeht auch an euch der Mahnruf: Befleißigt euch, Meine sieben Eigenschaften euch zu eigen zu machen! Nehmt die geistige Sättigung nicht so oberflächlich, daß ihr etwa glaubt, mit dem Hören oder Lesen genüge es schon! Weit davon entfernt! Denn auch zu euch werde Ich einst den Sammler schicken und werde das Übriggebliebene in Körbe legen und für Bessere, Würdigere aufbewahren lassen, die eher fähig sind, den geistigen Inhalt zu verwerten, während ihr - im Wahn, schon alles zu wissen - nicht einmal die erste Stufe geistiger Erkenntnis erklommen habt.

  

19] Befleißigt euch daher, Meiner direkten Mitteilung - wie einst Meine Jünger - würdig zu werden! Werdet auch ihr, wie eben diese Apostel, Verbreiter Meines Wortes! Streut es aus, jedoch so, daß es nicht auf unfruchtbaren Boden falle! Seid immer eingedenk dessen, daß alles, was ihr jetzt in so reichlichem Maße von Mir erhaltet, nicht für euch allein, sondern durch euch einst auch für andere bestimmt ist! Den einen oder andern werden Verhältnisse überkommen, wo er das Gelesene und Gehörte erproben muß; er muß zeigen, inwiefern er es verstanden und sich zu eigen gemacht hat, um es eben auch anderen so wiederzugeben, wie Ich es ihm angedeihen ließ.

  

20] Laßt also von Meinen Broten nichts übrig! Verdaut sie geistig! Macht sie zu eurem eigenen Ich, damit ihr als lebendig wandelnde Beispiele nicht nur durchs Wort, sondern auch durch Taten beweisen könnt, daß Liebe, Geduld, Demut, Vergebung, Beharrlichkeit, Aufopferung und Barmherzigkeit die Grundfesten eures Glaubens, die sieben Körbe sind, in welche ihr eure guten Taten sammeln wollt, um sie im eigenen Lebenskorbe als Eigentum Dem zu überbringen, der euch stets mit so vielen Gnaden und so vielem Licht aus Seinen Himmeln überschüttet hat! Amen.

  

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gm.pred.033. Predigt: Mt.07,15-23 am 7. Trinitatissonntag (10.04.1872)

   00] Falsche Propheten (Mt.0,15-23): "Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: ,Herr, Herr!` in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: ,Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viel Taten getan?` Dann werde ich ihnen bekennen: ,Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter!"`

  

01] Dieses ganze Kapitel handelt von Lebensregeln, wie sie, auf Meine Lehre gegründet, zu beachten sind, damit die Menschen - und besonders in jener Zeit Meine Jünger und Zuhörer wußten, wie sie ihre eigenen Religionsgesetze im praktischen Leben ausüben sollten. Da besonders in jenen Zeiten die Auslegung der mosaischen Gesetze nicht nach Meinem Sinn war, deswegen mußte Ich selbst kommen, um den geistigen Lebensbaum der den Juden übergebenen Religion vor dem Verfaulen zu retten, damit er wieder Früchte trage, die den Gesetzen Meiner Geisterwelt entsprechen sollten.

  

02] So lehrte Ich in diesem Kapitel die Nachsicht mit den Fehlern anderer, sowie die Vorsicht, Meine Lehre nicht ohne Vorbereitung einem jeden an den Hals zu werfen, ferner die Mildtätigkeit und Liebe, welche die Menschen, Meinem Beispiel gemäß, gegen andere ausüben sollen. Ihr seht das Gesetz der Nächstenliebe im weitesten Sinne erklärt und werdet auch darauf aufmerksam gemacht, daß diese Meine Forderungen nicht so leicht sind, weil den Aufopferungen für Meine Liebesgesetze die Versuchungen der Welt und die leicht überhandnehmende Selbstliebe entgegenstehen.

  

03] Ich predigte nichts Neues, sondern erklärte nur Meinen Jüngern und Anhängern das schon Bekannte in seinem wahren Sinn, damit auch sie in der Folge den Mitmenschen den wahren Inhalt der Gebote mitteilen konnten. Ich mußte dabei zuerst den Lehrern und dann den Lernenden gewisse Maßregeln und Kennzeichen geben, woran die ersteren ihre wahren Wißbegierigen und Gläubigen, die letzteren aber ihre Lehrer erkennen und die falschen Lehrer oder Propheten von den echten, wahren unterscheiden konnten. Daher sind die Kennzeichen in Gleichnissen aufgezählt. In wenigen Sätzen ist gesagt, daß nicht Worte genügen, um andere zu überzeugen, sondern daß Taten als Beweise darlegen sollen, daß der Lehrende von der Wahrheit seiner Worte wirklich durchdrungen ist.

  

04] Dieser Maßstab, um falsche von echten Führern zu unterscheiden, soll dem Urteil der Zuhörer bei allen Gelegenheiten als Richtschnur dienen, weil sie sonst, durch Irrlehrer verführt, auf ganz falsche Wege geraten könnten.

  

05] Meine Zuhörer in jener Zeit machte Ich deshalb darauf aufmerksam, weil Ich im voraus wußte, daß nach Meinem Dahingang auch andere neben Meinen Jüngern auftreten würden, die unter dem Deckmantel Meiner Liebelehre nur ihren eigenen Vorteil suchen würden. Ich sagte ihnen auch im voraus, welches das Schicksal dieser falschen Lehrer, sowie auch derer, die auf solche Wahnlehren ihr geistiges Wohl bauen, sein werde, wenn geistige und physische Stürme ihr Lebensschiff in Gefahr bringen würden, in denen nur derjenige mit Ruhe der Zukunft - wie immer sie sich auch gestalten möge - entgegensehen kann, der Meine Lehre auch in der Tat ausübt. Ich verglich sie mit Menschen, von denen der eine sein Haus auf einen Fels, der andere auf Sand gebaut hatte.

  

06] Was Ich nun in jenen Zeiten Meinen Jüngern und Anhängern als Lebensregeln auf ihre dornenreiche Bahn mitgegeben habe, findet seine Anwendung in allen Zeiten, bis auf die heutigen und noch kommenden; denn Meine Worte sind ja Worte der Ewigkeit und für die Ewigkeit. Sie können nie vergehen oder außer Gebrauch kommen, weil sie, ebenfalls auf den Felsen Meiner Wahrheit gebaut, den Tempel Meines Geisterhimmels ausmachen.

  

07] So wie dort gilt auch jetzt dieser Mahnruf. Er soll sowohl den Führern, als auch jenen zur Richtschnur dienen, die sich ihren Händen anvertraut haben und von ihnen in den bedrängten und noch bedrängteren kommenden Zeiten Trost und Hilfe verlangen.

  

08] Viel Mißbrauch ist schon mit Meiner Liebelehre getrieben worden, und viele sind den Irrlehren zum Opfer gefallen; aber jetzt ist die Axt an den Baum gelegt, der die Verirrten so lange beschattete und damit das eigentliche, göttliche Licht hinderte, bis zu ihnen zu dringen.

  

09] Bevor Ich komme, müssen alle Schatten in geistiger Hinsicht beseitigt werden; denn Ich bin das Licht und vertrage keinen Schatten. Meine Lehre ist gegeben, um alle Winkel der materiellen und geistigen Schöpfung zu erleuchten. Euer Scheinleben hat wohl Licht und Schattenseiten, wie eure Erde den Tag und die Nacht, - allein, es ist dies notwendig, weil ihr, sowie die ganze materielle Welt, neben der Tätigkeit auch Ruhe haben müßt, in der das Verausgabte ersetzt und der Organismus zur ferneren Tätigkeit gestärkt werden muß. Nicht aber so in der geistigen Welt! Da gibt es keine Nacht als nur die, welche die Geister sich selbst bereiten. Da ist ewiges Licht, ewige Wärme, ewige Liebe, ewige Tätigkeit.

  

10] Betrachtet nur eure Seele! Auch sie, obwohl an einen irdischen Körper gebunden, schläft nicht, sondern arbeitet Tag und Nacht an ihrem geistigen Leibe, um ihn möglichst vollkommen ins große Jenseits zu bringen.

  

11] Dasselbe Streben besitzt die ganze geistige Schöpfung, und was sich diesem entgegensetzen will, verfällt seinem Untergange, wie es euch die jetzige Zeit nur zu klar zeigt. Einrichtungen, so schlau und wohlberechnet sie auch angelegt und seit Jahrhunderten erhalten wurden und soviel Gutes sie anscheinend verbreiten sollten, sind doch nur auf Sand gebaute Häuser, die dem Platzregen und den Stürmen Meines göttlichen Wahrheitslichtes nicht widerstehen können.

  

12] Wie sich der Kalkstein bei der Berührung mit dem Lebens oder Sauerstoff eurer Atmosphäre in einen Brei auflöst, seine kompakte Form ändert und sich als feiner Staub, den Winden preisgegeben, in alle Regionen verliert, ohne die geringste Spur seines früheren Bestandes zurückzulassen - wenn er nicht, mit dem Sande vermischt, als Vermittler in einer andern Form zum Festen eines gebäudes beitragen muß -, so wird es auch den irdischen Einrichtungen ergehen. Weil sich aber ein solches schon lange bestehendes Gebäude und dessen Erhalter nicht so leicht dem Drange der Umstände ergeben, so rufe Ich euch allen zu: "Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, aber innerlich reißende Wölfe sind!"

  

13] Ich weiß sehr wohl, daß von vielen diese Meine euch jetzt direkt gegebene Lehre im Anfang verhöhnt und verdächtigt werden wird und, wenn es auf diese Weise nicht gelingt, ihren Zweck zu erreichen, sie sich dann entschließen werden, diese Meine Lehre als Deckmantel zu gebrauchen, um ihre Existenz zu fristen; aber da gilt, was Ich einst zu Meinen Jüngern sagte: An ihren Taten werdet ihr erkennen, ob sie wirkliche, eifrige Ausüber Meiner Liebelehre oder nur Wortverkünder derselben sind!

  

14] Es ist nirgends so notwendig, auf seiner Hut zu sein, als gerade da, daß diese falschen Propheten und falschen Ausleger Meines Wortes sehen, daß ihnen alle ihre Anstrengungen mißlingen und sie sich entweder bekehren oder untergehen müssen. Denn sie werden alle Mittel anwenden, die zu ihrem früheren Glanz, zu ihrer früheren Macht führen sollen.

  

15] Daher gilt hier wieder Mein Mahnspruch: Seid listig wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben, damit ihr die List eurer größten Widersacher von ferne wittert und durch die Einfältigkeit eures Herzens alle giftpfeile von euch und euren Mitgläubigen abwenden könnt. Sollten euch einige treffen, so führen sie euch zum Leben statt zum Verderben.

  

16] Wie hauptsächlich der Anfang dieses Kapitels euch Gläubigen und Verehrern Meines wahren Liebewortes gilt, indem es euch Geduld und Sanftmut rät, so ist auch der weitere Inhalt für euch geeignet, daß ihr eure Anhänger auf all die Gefahren aufmerksam machen sollt, die ihnen im Gewirre der Welt drohen, wo neben Wahrem das Falsche, neben echtem Sein sich der Schein breit machen, damit sie nicht, durch falsche Lehrer und Propheten irregeführt, euch des Trugs beschuldigen.

  

17] Seid daher auch vorsichtig wie die Schlangen, und glaubt nicht blindlings jedem, der sich euch nähert und um Himmelsbrot bittet oder wie es im Evangelium heißt - zu Mir ,Herr, Herr!` sagen wird! Sie haben ganz andere Absichten, als euch zu folgen; sie wollen nur durch euch erfahren, was ihrem Zwecke dienlich sein könnte.

  

18] Lest dieses Evangelium recht oft! Es liegt bei weitem mehr geistige, tiefe Wahrheit darin, als Ich euch hier geben kann. Beachtet das Gesagte, damit auch ihr euer Haus nicht auf Sand, sondern auf den festen Felsen des Vertrauens baut! Sonst geht es euch wie vielen, die beim geringsten geistigen oder moralischen Unwetter das Gleichgewicht verlieren und nicht wissen, wie ihnen zu raten und zu helfen ist.

  

19] Viele Worte und noch viel mehr Geistiges gebe Ich euch unter tausenderlei Formen. Jetzt empfangt ihr in diesen Sonntagspredigten gleichsam den Schlüssel zu Meinen Worten, die Ich einst Meinen Jüngern und ersten Nachfolgern gegeben habe.

  

20] Und wißt ihr, warum dies alles geschieht? Seht, weil Ich eben nur zu gut weiß, wie sich die Zeitverhältnisse fernerhin gestalten werden, in denen Stärke, Sicherheit und festes Aushalten immer notwendiger sein werden! Bei manchem wird erprobt werden, ob er sein geistiges Haus auf den Fels Meiner Glaubens und Liebelehre gebaut oder ob er sich nur mit dem Lesen und Anhören Meiner Worte begnügt hat, was dem Hause auf dem Sande gleichkommt. So wie der Wind den Sand hinwegweht oder der Regen ihn wegschwemmt, ebenso verwischt die Zeit die gehörten oder gelesenen Worte aus dem Gedächtnis.

  

21] Die festen Bausteine zu Meinem und zu eurem künftigen, geistigen Wohnhause sind Taten, - Taten, ausgeführt auf Grund der Gottes- und Nächstenliebe. Nur diese sind bleibend, geben euch Ruhe und Frieden und leuchten als schöne Beispiele für andere, welche euch an euren guten Werken als echte und nicht als falsche Propheten und Lehrer erkennen werden, deren Herz nicht das der reißenden Wölfe, sondern das der gutmütigen Lämmer ist und nicht Haß, Zorn, Neid, Eifersucht oder Rache, sondern nur Liebe atmet, Liebe verbreitet und wieder Liebe ernten will.

  

22] So sollt ihr Meine Auserwählten werden, die mit Meinen Worten in der Hand alle Schatten und Zweifel verscheuchen und das Licht einer großen, über euch hoch erhabenen Geisterwelt verbreiten sollen, damit bei Meiner Wiederkunft nur ein Hirt und eine Herde sei und euer Wohnort, der Erdball, wieder zu dem Paradies umgestaltet werde, welches er einst gewesen ist, und welches nicht durch Mich, sondern einst durch die aus Liebe geschaffenen Menschen verlorengegangen ist.

  

23] Dies merkt euch, und befolgt es soviel und sooft wie möglich! Nur so blüht euch Ruhe und Frieden, und nur so seid ihr fähig, auch andern Trost zu geben. Amen.

  

 

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gm.pred.034. Predigt: Lk.16,01-13 am 8. Trinitatissonntage (11.04.1872)

   00] Gleichnis vom ungerechten Haushalter (Lk.16,01-13): Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: "Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: ,Wie höre ich das von dir? Tue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein!` Der Haushalter sprach bei sich selbst: ,Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir. Graben kann ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen.` Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: ,Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?` Er sprach: ,Hundert Tonnen Öls.` Und er sprach zu ihm: ,Nimm deinen Brief, setze dich und schreibe flugs fünfzig!` Danach sprach er zu dem andern: ,Du aber, wieviel bist du schuldig?` Er sprach: ,Hundert Malter Weizen.` Und er sprach zu ihm: ,Nimm deinen Brief und schreibe achtzig!` Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan hatte; denn die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlecht. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten! Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen? Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer wird euch geben, das euer ist? Kein Knecht kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott samt dem Mammon dienen."

  

01] Dieses Evangelium handelt von einem ungerechten Verwalter, welcher, nachdem sein Herr von seiner Untreue unterrichtet worden war, sich doch wenigstens die Hintertür sichern wollte, damit er nicht, der Not ausgesetzt, zum Darben verdammt würde oder durch schwere Handarbeit sein täglich Brot verdienen müsse.

  

02] Ich sagte dies Gleichnis den Pharisäern und Schriftgelehrten deswegen, weil sie am meisten dem Gelde oder dem Mammon huldigten und, um dasselbe in Fülle zu erwerben, sich keines Mittels schämten, ihren Zweck zu erreichen.

  

03] Was in diesem Gleichnis der ungerechte Haushalter getan hat, nämlich daß er Schuldverschreibungen seines Herrn von den Schuldnern auf die Hälfte herabsetzen ließ, um sich bei ihnen in größere Gunst zu setzen, das taten auch die Pharisäer in ihren Religionsgesetzen, indem sie den Reichen die Befolgung derselben erleichterten, wenn diese sehr gut dafür bezahlten. So waren sie mit den Armen streng und mit den Reichen nachsichtig, wie es eure Priesterschaft noch heute ist.

  

04] Die Lehren, welche Ich Meinen Jüngern gab: Meine Mahnung, sich mittels des Mammons Freunde zu erwerben, auf daß sie im Notfall nicht zu darben brauchen; dann der nächstfolgende Vers: "Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht!"; ferner: "So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhafte anvertrauen; und ferner: "So ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist?"; wie auch der folgende Vers: "Kein Hausknecht kann zwei Herren dienen; entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder umgekehrt!", was geistig auch heißt: "Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!"; - alle diese Verse enthalten, mit nur wenig Unterschied, das gleiche; nur der neunte Vers steht in scheinbarem Widerspruch mit den folgenden, weil dort angeraten wird, sich mit dem Mammon Freunde zu machen, auf daß im Falle der Not eine Freundeshand uns unterstütze, während in den anderen Versen gerade mehr darauf hingewiesen wird, daß man nicht zwei Herren dienen könne, und im dreizehnten Vers es sogar deutlich gesagt ist: "Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!" Denn wie kann sich jemand mit dem Mammon Freunde erwerben und dabei Gott dienen?

  

05] Ihr seht, hier bestehen dem Scheine nach Widersprüche; denn Gott und der Mammon, d.h. die materielle Welt, ihre Schätze und ihre Genüsse, sind doch gewiß entgegengesetzte Dinge, und es ist ganz natürlich, daß derjenige, der dem Mammon oder der Welt huldigt, nicht ebenfalls Gott lieben und Seinen Lebensregeln folgen kann.

  

06] Um die Widersprüche zu lösen, wollen wir diese Verse etwas näher betrachten und versuchen, trotz ihres scheinbaren Gegenüberstehens das gemeinsame Bewegen nach einem Ziel nachzuweisen.

  

07] Seht, wenn Ich in diesem Gleichnisse sagte, daß der schlechte Haushalter die Schuldverschreibungen seines Herrn bedeutend herabsetzen ließ, so bedeutet das geistig eigentlich nichts anderes, als daß die Fehler des Menschen, welche er gegen Mich als höchstes Wesen begangen hat in Rücksicht auf seine eigene Natur und auf die Verhältnisse, in welchen er leben muß, milder betrachtet werden. Wollte Ich ohne diese Berücksichtigung eure Taten beurteilen oder euch gar bestrafen, so stünde es wohl sehr schlecht um die ganze Menschheit. Das Ende müßte eine zweite Vernichtung des ganzen Menschengeschlechts, wie einst bei der Sündflut sein. Die Menschen wieder neu erschaffend, müßte Ich sie - wollte Ich nicht, daß sie in dieselben Fußstapfen fielen - zu Maschinen, aber nicht zu freien Menschen machen.

  

08] Wenn es heißt: "Erwerbt euch Freunde mit dem Mammon!", so will das soviel sagen als: Erleichtert dem mit Sünden und Gewissensbissen Beladenen seine Last! Stellt ihm vor, daß seine Schuld gegen Mich zwar groß ist, aber von seiner Seite nicht als untilgbar angesehen werden soll! Beweist ihm, daß der Mensch ohne die Welt nicht auf Erden leben kann, sondern daß er mit seinen Nebenmenschen leben muß; nur soll er das Gute wirken, soviel in seinen Kräften steht, wenngleich er durch schlechte Einflüsse daran gehindert werden sollte. Lehrt ihn, daß er Mich nicht als höchsten, strengen Richter, sondern als liebenden Vater ansehen soll, welcher bei Vergehungen wohl weiß, wieviel eigene Schuld und wieviel Schuld der Welt in Anrechnung zu bringen ist!

  

09] Auf diese Art macht ihr selbst den Beunruhigten ihre Last leichter und versöhnt sie mehr mit der Welt, der sie sich vielleicht aus zu großem Eifer entziehen wollten. Indem ihr ihnen, sie so tröstend, guten Rat erteilt, entspricht euer Handeln den Worten: "Machet euch Freunde mit dem Mammon!" So gewinnt ihr die Herzen anderer, welche auf anderen Wegen, vielleicht verzweifelnd, entweder sich der Welt ganz in die Arme geworfen hätten oder an Gott, Ewigkeit und sogar an der Existenz ihrer eigenen Seele verzweifelt wären.

  

10] Der nächste, zehnte Vers, welcher besagt, daß derjenige, der im Geringsten treu ist, es auch im Größten sein wird, bedeutet: Wenn ein Gläubiger es einmal erfaßt hat, daß er mit seinen schwachen Kräften der Welt widerstehen kann, indem er sich von ihr nicht verleiten läßt, sondern allem nur den Wert zuerkennt, den es eigentlich hat, so wird er sich durch materiellen Glanz nicht blenden lassen und, sollten ihn die Verhältnisse einst weltlich höher stellen, auch dann seine Treue in bezug auf seine Grundsätze bewahren, wie er es bei geringen Kräften und in beschränktem Wirkungskreise früher ebenfalls getan hat.

  

11] Das bestätigt auch der zwölfte Vers; denn das ,Fremde` bedeutet eure materielle und das ,Eigene` eure geistige Bestimmung. Sich ganz dem einen oder dem andern hinzugeben, ist natürlich nur dann möglich, wenn man das eine ganz hintansetzt und nur dem andern huldigt (was besagen will, daß man nicht zwei Herren dienen kann), während es doch angängig ist, daß man das eine benutzen kann, um im andern seinen Zweck vollends zu erreichen. Nur so ist es möglich, daß Menschen sich Mir nähern und ihre geistige Vervollkommnung anstreben können, nämlich wenn sie, wohl in der Welt lebend, diese und alle ihre Reichtümer und Schätze benützend, doch keinen andern Zwecks im Auge haben, als durch weise Anwendung des ihnen Anvertrauten dem Nächsten und durch ihn Mir selbst am meisten zu beweisen, wie sie Meine zwei Liebesgesetze aufgefaßt haben.

  

12] Das nachfolgende Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus sollte Meinen Zuhörern noch mehr zeigen, welche Folgen es hat, wenn man sich dem Mammon ganz hingibt, statt ihn zu geistigen Zwecken zu verwenden. Es sollte ihnen zeigen, daß auf diese Art der eine seinen Lohn schon auf Erden empfängt, während dem andern die Vergeltung für ein anderes, und zwar längeres Leben aufgespart wird, und daß das eine Leben von kurzer, das andere aber von ewiger Dauer sein wird. Der Weg zur Seligkeit wird dem weltlich Gesinnten ebenso unmöglich sein - außer aus seinem Innern heraus - wie dem schon Guten der Rückschritt zur Welt.

  

13] Daß der Reiche in seiner Qual gebeten hatte, wenigstens seine Brüder zu retten, worauf Abraham ihm antwortete, daß den, der seiner Religion und ihren Grundsätzen nicht glaubt, auch die Toten - kehrten sie auf die Welt zurück - nicht bekehren würden, will sagen, daß diejenigen, welche sich der Welt oder dem Mammon ganz hingegeben haben, wenig darauf achten würden, wenn selbst überirdische Einflüsse bei ihnen sich geltend machten, weil sie, selbst zu niedrig gesinnt, das Überirdische längst als nicht bestehend ansehen und durch Taten und Worte verleugnet haben.

  

14] Aus dem ganzen Evangelium vom ungerechten Haushalter geht also hervor, daß ihr Menschen - und besonders auch ihr, welche Ich mehr als andere in Meine Schöpfungsgeheimnisse und in Meine Lehre einführen will -, wollt ihr euch Freunde und Mir Kinder erwerben, ihr vorerst nicht durch zu überspannte Anforderungen den andern den Weg erschweren dürft, und daß ihr selbst bei euch, wenn ihr fehlet, es Meiner Gnade überlassen sollt, inwieweit Ich euch eure Fehler anrechne oder nicht.

  

15] Das Zuviel ist in keiner Hinsicht von Nutzen, sondern überall nur schädlich. Ihr müßt euch und andern den Weg zu Mir nicht erschweren, nicht Meine Geister sein wollen, während ihr noch schwache Menschen seid! Dieses Streben verträgt eure menschliche Natur nicht. Ihr könnt doch ganz Liebe für Mich, ganz Liebe gegen euren Nächsten sein und mitten in dem weltlichen Treiben eure sittliche Reinheit bewahren; ihr könnt Mir ganz dienen, ohne der Welt den Rücken wenden zu müssen.

  

16] Seht ihr denn nicht, wie Ich selbst die weltlichen Ereignisse benütze, um die Menschheit geistig zu erziehen? Ich selbst verachte nicht und kann nicht hassen, was Ich selbst geschaffen habe; nur ist dies der Unterschied, daß alles Gebaren der Menschen, so schlecht es auch von seiten des einen oder andern sein mag, Mir doch zur geistigen Vervollkommnung Meiner Kinder und der gesamten Menschheit dienen muß.

  

17] So wie Ich als höchster Richter und Regent verfahre, so sollt auch ihr tun! Ihr sollt die Umstände, Verhältnisse und Zusammenhänge, die euch auf eurem Lebensweg begegnen, ebenfalls so benutzen, daß ihr am meisten durch die Taten an euren Nebenmenschen Meinen Zweck fördern helft. Dann ist es nicht nötig, Verstorbene heraufzubeschwören - wie der Reiche im Gleichnis glaubte, verlangen zu sollen -, wenn ihr Lebenden die besten sichtbaren Zeugnisse dafür seid, daß mitten im Weltgetümmel die menschliche Seele, eingedenk ihrer hohen Mission, nicht zwei Herren, sondern nur einem Herrn, und zwar dem Herrn des ganzen Universums, nämlich Mir allein, dienen kann, ohne die Verhältnisse unbenützt zu lassen, die wohlweislich nur dazu da sind, um die große Aufgabe der Menschenkinder zu beschleunigen und glorreich zu Ende zu führen.

  

18] So erseht ihr aus einem Gleichnis, in dem die Ungerechtigkeit als Beispiel dient, wieviel Nutzen selbst aus Umständen gezogen werden kann, die dem Anscheine nach schlecht sind, deren Endresultat aber das Herrlichste ist, das Ich als Gott, als Jesus angestrebt habe, und das ihr als Meine Kinder mit vollenden helfen sollt! Amen.

  

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gm.pred.035. Predigt: Lk.19,41-46 am 9. Trinitatissonntag (12.04.1872)

   00] Trauer Jesu über Jerusalem (Lk.19,41-46): Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach: "Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkannt hast die Zeit, darin du heimgesucht bist." Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darin verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: "Es steht geschrieben: ,Mein Haus ist ein Bethaus`; ihr aber habt`s gemacht zur Mördergrube!"

  

01] Schon in den Mitteilungen über ,Die geistige Sonne` findet ihr erklärt, was es heißen will: "Und Jesus weinte!"

  

02] Dort ist euch gezeigt, daß diese Worte in geistiger Beziehung den tiefsten Schmerz Gottes ausdrücken, welcher Seinen Kindern Sein ganzes Himmelreich auf ihre Erde brachte, ja ihnen ihren Schöpfer und Herrn aller Welten in sichtbarer Gestalt zeigte, und wie die Verblendeten trotz alledem Ihn, den Ausdruck der höchsten Liebe, Demut und Gnade nicht erkannten. Sie verübten an Ihm was nur Verächtliches und Schmerzliches an einem Menschen geschehen kann, wie sie auch Seine Lehre, die Lehre der Liebe, der Versöhnung und des Vergessens, mit Füßen traten. Eben diese große Verblendung der meisten Seiner Zeitgenossen war es, welche dem großen Schöpfer, sichtbar als Jesus verkörpert, die Wehmutstränen auspreßte. Er weinte über den Verfall der Hauptstadt des Judenvolkes und sah dessen gänzliches Aufhören als selbständige Nation voraus, woran sich bis in ferne Zukunft auch die entgegengesetzte Geistesrichtung knüpfte, welche diese einst von Mir zum Größten ausersehene Nation bis auf den heutigen Tag verfolgt hat.

  

03] Das Frohlocken Meiner Jünger, welche in Meinem Einzug in Jerusalem den Gipfel Meiner Mission zu erkennen wähnten, war den Pharisäern und Schriftgelehrten nicht recht, und auf die Forderung, Meinen Jüngern eine Zurechtweisung zukommenzulassen, antwortete Ich: "Lasset sie frohlocken; denn wenn sie schweigen, werden die Steine reden!"

  

04] Ich wollte diesen betörten Menschen damit sagen, daß wenn das Frohlocken Meiner Jünger sich in Trauer verwandeln wird, kurze Zeit darauf die Steine der zerstörten Mauern ihrer Stadt und ihres Tempels ihnen zeigen werden, daß sie Mich nicht erkannt haben, der Ich in ihre Mauern mit der Friedenspalme einzog. Sie erkannten weder den göttlichen Lehrer, noch Seine himmlische Lehre, und sehnten sich nur nach weltlichem Glanz und Prunk und nach einem weltlichen Messias, der sie in ihrem Wohlleben und unlauteren Genuß noch mehr bestärken und festigen solle.

  

05] Keine fünfzig Jahre waren nach Meinem Tod vergangen, und Mein Mahnruf ging schon in Erfüllung. Das auserwählte Volk hatte aufgehört, als selbständiges Volk zu existieren. Wie Ich einst im Tempel die Verkäufer und Käufer austrieb, die aus dem Bethaus eine Marktbude gemacht hatten, so wurden später die Juden aus Jerusalem vertrieben, weil sie, was früher im Tempel geschehen war, auch in der Stadt fortgesetzt hatten, d.h. sie hatten das geistige, höhere Leben des Menschen gänzlich vergessen und nur weltlich gesinnt nach Genüssen, nach Macht und Reichtum getrachtet. So erfüllten sie selbst Meine Weissagung, die Ich vom Schmerz betrübt über die Mauern Jerusalems und ihren Tempel aussprach.

  

06] Wie Ich in jener Zeit den verirrten Menschen Meine Klageworte zugerufen habe, so möchte Ich sie auch jetzt dem lebenden und kommenden Geschlecht wieder zurufen; denn Ich bin nun ebenfalls betrübt über das Schicksal so mancher Seelen, die Ich selbst als Gott nicht retten kann, weil Ich ihnen ihre Freiheit des Handelns nicht nehmen darf.

  

07] So sehe Ich auch jetzt, wie das Schiff der Menschheit mit vollen Segeln gegen Felsen und Klippen steuert, sehe das Zerschellen aller ihrer Hoffnungen und geträumten Glückseligkeiten voraus, sehe, wie viele Tausende und aber Tausende erst spät, ja zu spät erkennen werden, was sie hätten tun sollen, aber doch nicht getan haben. Auch zu ihnen möchte Ich, wie einst zu Jerusalem und seinen Einwohnern, sagen: "Möget ihr doch bedenken, was euch zum Frieden dient; denn es wird die Zeit kommen, wo ihr alle bitter fühlen werdet, was ihr nicht erkannt habt zu der Zeit, als ihr durch Meinen Segen und Meine Gnade heimgesucht worden seid!"

  

08] Die Wehklagen über Jerusalems unausweichbares Schicksal könnte Ich auch heute wiederholen; denn die törichte Menschheit erkennt auch heute nicht ihre Mission, den Zweck ihres Geschaffenseins und den Zweck des jetzigen und künftigen Lebens. So muß denn auf ganz natürlich-geistigem Wege die Reaktion eintreten, welche, Meinen göttlichen Gesetzen gemäß, die Geister, Seelen und Wesen wieder in jene Schranken zurückweist, in welchen sie allein den Grad der Vervollkommnung erreichen können, den Ich ihnen als höchstes Ziel gesetzt habe.

   

09] Traurig ist es oft für einen irdischen Vater, wenn er sieht, wie seine Kinder trotz aller Aufopferung, Liebe und Sorgfalt, die er für ihre geistige und moralische Erziehung verwendet hatte, doch mißraten und den verkehrten Weg einschlagen, statt einst der Trost und die Freude seiner alten Tage zu werden, wie sie ihm mit Gram, Sorgen und oft mit Schande vergelten, was er aus Liebe für sie getan hat. Aber was bleibt ihm, dem Enttäuschten, übrig? Er kann die Individualität seiner Kinder nicht beherrschen; sie sind geistig frei und können denken und tun, was sie wollen. So sieht ein Elternpaar oft all seine so schön aufgebauten Hoffnungen eine nach der andern verschwinden, wie Luftschlösser zusammensinken, ohne im mindesten helfen zu können.

  

10] Was hier den weltlichen Eltern geschieht, das geschieht in noch intensiverem Grade auch Mir. Ich, der Schöpfer des ganzen Universums, muß sehen, wie Meine Geschöpfe, von Mir zur höchsten geistigen Würde erschaffen, gerade den verkehrten Weg gehen, statt - eingedenk ihrer hohen Abkunft - dem Geistigen entgegenzueilen; Ich muß sehen, wie das Geistige mit Füßen getreten, höhnisch verlacht und als Hirngespinst verrückter, fanatischer Frömmler hingestellt wird, während man den grobmateriellen Genuß des weltlichen Lebens als Höchstes preist; Ich muß sehen, wie gerade das äußere Kleid als Hauptsache und der geistige Inhalt, welcher unter dieser Umkleidung steckt, als Nichts betrachtet wird.

  

11] Auch hier gilt, was Ich einst zu den Pharisäern sagte: Wenn auch Meine Jünger und Meine Anhänger schweigen, so werden doch die Steine - d.h. das ganze, materielle Naturreich - reden und dem Menschen überall zurufen: "Wache auf, Mensch, aus deinem weltlichen Taumel! Vergebens suchst du deine Bestimmung und deinen Schöpfer wegzuleugnen! Wenn du auch Seinen hinterlassenen Lehren aus der Zeit Seines sichtbaren Lebenswandels keinen Glauben schenken willst, wenn du auch die Stimme in einem eigenen Herzen übertäuben willst, die dir als etwas ,Gewisses` doch immer wieder zuruft und dich ermahnt, wenn du all dieses ableugnen willst, - so betrachte die Natur! "

  

12] Die eifrigsten Grübler, Naturforscher und Untersucher der Materie, alle kommen am Ende dazu und müssen trotz ihres Sträubens dazu kommen, daß hoch über der Materie ein großer Geist lebt, der die kleinsten Atome wie auch die großen Welten zu einem Ganzen vereinigt, und der, wie aus allen Werken zu ersehen ist, nur ein Gott der Liebe, der Gnade und der Langmut sein kann, der - wie einst im Beispiel vom verlorenen Sohn gesagt wurde - über einen Wiedergefundenen mehr Freude hat als über neunundneunzig Gerechte, die des Trostes nicht bedürfen.

  

13] ,Es ist ein Gott!` Dieser Ruf tönt aus allem hervor. Selbst die Verkettung der politischen und sozialen Verhältnisse zeigen dem aufmerksamen Beobachter deutlich genug, daß nicht immer geschieht, was der Mensch bezwecken will, sondern daß sowohl beim einzelnen Menschen, wie auch bei ganzen Völkern die Ergebnisse des Angestrebten oft ganz andere als die erhofften sind. Überall zeigt sich diese Macht der Gottheit - liebend den Liebenden, zürnend den Zürnenden, versöhnend den Versöhnenden.

  

14] Und wie Ich einst über die Blindheit der Bewohner Jerusalems Tränen des göttlichen Schmerzes vergoß, weil Ich voraussah, wie diese verirrten Kinder sich zuerst an Mir - körperlich -, dann an Meiner Lehre - geistig - vergehen würden, und wie sie endlich selbst den Tod erleiden würden, als Nation für immer aufzuhören, weil sie es selbst nicht anders gewollt hatten, so füllt sich auch jetzt Mein Herz ob der Blindheit des Menschengeschlechts mit Trauer.

  

15] Überall lasse Ich Funken Meines Himmelslichts ausstreuen, überall ertönt Mein Vaterruf: ,Kehrt um, ihr Betörten! Vernehmt Meinen Ruf, vernehmt die Stimme eures himmlischen Vaters, der euch mahnt, ehe die große Katastrophe heranrückt - wie einst über Jerusalem und seine Einwohner! Vernehmt die Stimme, die euch die Augen öffnen und euch zeigen möchte, wie leichtsinnig ihr alle am Abgrund der Ewigkeit wie Betrunkene umhertaumelt und jeden Augenblick in Gefahr seid, auf lange Zeit von diesem verschlungen zu werden. Unreif, unzeitig werdet ihr dann in jenen zeitlosen Räumen nur unter vielen Beschwerden und mit großen Mühen das erreichen können, was hier in diesem irdischen Probeleben mit so leichter Mühe zu gewinnen ist!`

  

16] So wie damals die Zerstörung Jerusalems nur kurze Zeit nach Meinem Hingang erfolgte, so wird es auch jetzt nicht mehr lange währen, bis eure sozialen Verhältnisse, von denen ihr glaubt, sie bestünden für immer, zusammenstürzen werden.

  

17] Damals galt die Zerstörung einer Stadt und einem Volke, jetzt gilt sie vielen Städten und vielen Nationen, sie gilt der ganzen Erde und der darauf lebenden Menschheit.

  

18] Damals hörte nach der Zerstörung Jerusalems der jüdische Kultus im großen und ganzen auf, und Meine Lehre fing an unter den Heiden statt unter Meinem Volk, den Juden, die ersten Früchte zu tragen. Ebenso werden jetzt die sogenannten Vertreter Meiner Lehre aufhören, ihr sündiges Spiel mit Meinen Worten und Meiner Lehre zu treiben. Dort fielen die Mauern des Tempels, welche gleichsam das Volk vom Heiligtum trennten; jetzt fallen die geistigen Mauern. Was bis jetzt Eigentum einer Kaste war, wird nunmehr Gemeingut werden. Vom Tempel blieb kein Stein auf dem andern, Verwüstung und Greuel nur bezeichneten die Stätte, an der der große Gott, aber falsch und unverstanden, verehrt wurde. Die zerstörten Ringmauern der Stadt waren die einzigen Überreste, welche andeuteten, daß dort die Hauptstadt eines Volkes stand.

  

19] Ebenso wird es jetzt im Geistigen werden. Man wird nur mit Mühe erkennen können, wo einst unter lauter Lügengeweben die reine Wahrheit verborgen und vergraben lag. Die Finsternis wird schwinden, und nicht die trübe Lampe eines Tempelgewölbes, sondern die allmächtige Sonne des geistigen Lichts wird alles erleuchten und alles erwärmen. Auf den Ruinen des Wahns und des Truges wird man den ewig grünenden Baum der Hoffnung pflanzen, welcher - stets nach oben, nach dem nie vergehenden Himmelreich strebend - ein Symbol des Wegs für die übriggebliebene Menschheit sein wird.

  

20] Daher, Meine Kinder, weil Mein Gnadenlicht auf die große Masse der Verirrten umsonst scheint, was Ich mit betrübten Augen und bekümmertem Herzen erkennen muß, so nehmt ihr das Gnadenlicht auf, und bedenkt, daß Ich euch unter so vielen Tausenden deshalb auserwählt habe, um einst nach dem zerstörten Wahngebäude des Truges die ersten festen Bausteine des neuen Tempels eines neuen Jerusalems zu sein!

  

21] Einst wandelte Ich sichtbar unter Meinen Kindern, und sie erkannten Mich nicht; jetzt aber, wo ihr Mich erkennt oder wenigstens die Gelegenheit dazu habt - sei es durch Meine Worte, sei es durch Meine Werke -, Mich als liebenden Vater zu erfassen, jetzt trachtet doch wenigstens ihr danach, euch vom allgemeinen Verfall zu retten, damit ihr, wenn die Mauern des Alten, Angewöhnten einstürzen, aufrecht stehen bleibt! Beweist durch eure Ausdauer und euer Vertrauen, daß, wenn Ich auch jetzt wieder über viele Verlorene Tränen des Schmerzes vergießen muß, es doch noch einzelne gibt, die den Liebesblick des Vaters zu begreifen und zu verstehen wissen und die, trotz des vielen Traurigen, ein Anhaltspunkt einer künftigen, nie versiegenden Freude werden können!

  

22] Wenn andere Tränen des Mitleids verdienen, so trachtet ihr danach, daß in Meiner Geisterwelt über euch, euer Verhalten und eure Ausdauer Tränen der Freude und der Wonne vergossen werden, welche die größten Beweise eures Sieges sein sollen! Amen.

 

 

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gm.pred.036. Predigt: Lk.18,09-14 am 10. Trinitatissonntag

   00] Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Lk.18,09-14): Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: "Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten; einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: ,Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe.` Und der Zöllner stand von ferne, wollte seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: ,Gott, sei mir Sünder gnädig!` Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden."

  

01] In mehreren Evangelien, die Ich bis jetzt erklärt habe, waren Gleichnisse, durch deren Vorkommnisse im gewöhnlichen Leben Meine Lehre oder eigentlich nur Meine zwei Liebesgebote erläutert wurden, und von denen noch mehrere folgen werden.

  

02] Diese Erklärungen haben vor allem den Zweck, anderen Deutungen vorzubeugen, wie auch Moses Meine Gebote in zehn anderen näher bezeichnete, weil die Menschen sich nur zu oft bloß an den Buchstaben haltend, des Wahnes sind und auch waren: was in den Gesetzen nicht besonders erwähnt werde, sei auch nicht verboten.

 

 03] Da Ich während Meines Erdenwandels als Lehrer die Beschränktheit der Begriffe Meiner Jünger und sonstiger Zuhörer wohl kannte, wählte Ich öfters Beispiele, Gleichnisse und Vergleichungen von materiell Bestehendem mit geistig Unsichtbarem, um niemand in Zweifel zu lassen, wie er Meine Lehre auffassen und wie er die ihm schon früher gegebenen kirchlichen Gebote verstehen solle.

  

04] Hier in diesem Evangelium seht ihr wieder, wie Ich besonders den Pharisäern, welche stets im Eigendünkel lebten, als seien sie besser als das andere Volk, ein Gleichnis gab, welches ihre Fehler berührte; denn sie glaubten, wenn sie nur die religiösen Gebräuche hielten, so sei alles getan, und der Gott ihrer Religion könnte sich damit zufrieden geben.

  

05] Ich erzählte ihnen von zwei Menschen, von denen der eine, welcher die Satzungen seiner Religion in den verschiedenen Gebräuchen dem Anscheine nach hielt, so ganz mit Hochmut und Verachtung auf einen andern herabsah, welchen er weit unter sich glaubte, weil sein Lebensberuf einer von denjenigen war, die in jener Zeit nicht im besten Rufe der Redlichkeit standen.

  

06] Nun, dieser Vergleich des einen, der in seinem übermütigen Stolze glaubte, nie oder nur wenig gesündigt zu haben, mit dem andern, der in vollster Demut sich seiner Vergehen, die von der menschlichen Natur oft nur zu leicht begünstigt werden, bewußt ist, - dieser Vergleich war geeignet, den unbändigen Stolz der Pharisäer zu demütigen. Er gab auch Meinen Jüngern und Zuhörern über manche Meiner Taten, die gegen die gewöhnlichen Gebräuche der Juden verstießen, eine Aufklärung, damit sie alle erkennen sollten, was für ein Unterschied es ist, ein Gesetz dem Worte oder Buchstaben nach zu halten oder es im geistigen Sinne zu verstehen und zu befolgen.

  

07] Als Erklärung dieses Beispiels sagte Ich Meinen Jüngern: "Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden!"

  

08] In den folgenden Versen dieses Kapitels ist zum Ausdruck gebracht, daß ,gut` niemand genannt werden kann als nur Gott, wobei Ich Mich, als Menschensohn, selbst nicht ausnahm. Ich tat dies geflissentlich, damit sie alle hören und begreifen sollten, daß das Wort ,gut` als Eigenschaft nicht so leicht zu erwerben und zu verdienen ist, und daß viel, ja sehr viel dazu gehört, um auf eine solche Benennung Anspruch machen zu können; denn das Wort ,gut` hat hier auch die Bedeutung des Begriffes ,sündenfrei`.

  

09] In der weiteren Folge dieses Kapitels sagte Ich bei der Gelegenheit, als man die Kindlein zu Mir brachte, daß die Menschen, wollen sie auf Mein Reich Anspruch machen, den Kindern gleichen müssen in bezug auf die Einfalt ihres Herzens, ihre Unschuld und das unbeschränkte Vertrauen zu ihren Eltern. Denn nur derjenige, der diese Eigenschaften des Kindes besitzt, wird durch Beten und Bitten den Eingang in Mein Reich erzwingen können, - weswegen der erste Vers dieses Kapitels sagt, daß man stets beten und nicht davon ablassen, d.h. daß man alles im Hinblick auf Mich und Meine zwei einzigen Gebote vollführen solle. Um das aber tun zu können, muß man auch fähig sein, seine Lieblingsgewohnheiten, das am schwersten Entbehrliche nötigenfalls zu opfern, was Ich durch den Vorfall mit dem Obersten näher erklärte; denn von diesem Manne verlangte Ich gerade die Opferung dessen, was ihm am meisten ans Herz gewachsen war.

  

10] Das Gleichnis, daß ein Kamel (Schiffstau) leichter durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in den Himmel komme, will besagen, daß das erstere leichter zu bewirken sei - obwohl es zu den Unmöglichkeiten gehört -, als daß ein Mensch, der noch an weltlichen Dingen hängt, in Mein Reich des Geistes gelangen könne; denn nur, wenn alles Weltliche dem geistigen Zwecke untergeordnet wird, ist von der Stufe des Weltlichen ein Aufschwung ins Geistige möglich.

  

11] Das, was Petrus bei diesem Vorfall mit dem Obersten zu dem Schlusse veranlaßte, sie seien Meine Jünger, eben weil sie alles verlassen hätten und Mir nachgefolgt wären, zeigt klar, wie leicht die Menschen ihre gebrachten Opfer überschätzen und schon auf dieser Erde die Belohnung dafür erwarten, während diese ihnen vielleicht erst im Jenseits, in dem Bewußtsein erfüllter Pflicht, zuteil wird. Meine Jünger hatten davon deshalb eine andere Auffassung, weil sie alle noch sehr unter dem Einfluß Meiner sichtbaren Persönlichkeit standen und daher nicht zur eigenen Reife gelangen konnten. Ja, als Ich ihnen Meine Leidensgeschichte voraussagte, begriffen sie es nicht; denn sie glaubten, wenn ihnen schon wegen ihrer materiellen Aufopferungen hier und dort Seligkeiten versprochen würden, umsomehr müßte Ich, der sündlos und rein vor ihren Augen einherwandelte, deren teilhaftig werden.

  

12] Sie waren blind wie der Blinde am Wege gen Jericho, sie hörten Mich wohl, aber sie verstanden nicht den Sinn Meiner Worte. Und wie Ich diesen Blinden sehend machte, weil er fest an die Möglichkeit der Heilung durch Meine Hand glaubte, so ward auch ihnen mit der Ausgießung Meines Geistes über sie der geistige Star gestochen, und sie begriffen dann erst ganz und sahen im hellsten Licht, was Ich ihnen in vielen Gleichnissen und Bildern während Meiner dreijährigen Lehrzeit gesagt hatte. Da erst begriffen sie, wer Ich war, was Meine Lehre zu bedeuten habe, und was ihre eigene Mission sei.

  

13] Seht, dieses Evangelium sagt euch vom Anfang bis zum Ende mit wenig Worten immer das gleiche! Es sagt euch, wie im praktischen Leben das ,gut` oder ,ohne Sünde sein` so schwer ist, und wie die Aufopferungsfähigkeit so viele tausend verschiedene Abweichungen hat. Der Buchstabe des Evangeliums drückt eben nicht nur das vermeinte Eine aus, sondern der Sinn des Evangeliums zielt im ganzen darauf hin, den menschlichen Dünkel, man sei besser als der andere, herabzustimmen. Daher der Hinweis auf die Demut, wie sie im Zöllner als Tugend, dann beim Obersten als höchst Gefordertes, in den Kindlein als unbewußte Unschuld versinnbildlicht, Meinen Jüngern als künftige Belohnung verheißen und von Mir als irdischer Mensch auf Meinem letzten Leidensgange als höchstes Beispiel ausgelebt worden ist!

  

14] So seht ihr die Stufen der Demut vor euch, das Herabwürdigen der eigenen Natur vor dem zu erreichenden geistig höchsten Standpunkt, den Ich euch als Mensch als ewiges Beispiel zeigte.

  

15] Beachtet dieses Evangelium, in welchem der Lehren tiefste in Worten und in Meinem eigenen Lebensgang vor euren Augen stehen! Glaubt nicht, als wäret ihr schon etwas Besseres, weil euch Mein Wort vor vielen anderen zuteil wird und ihr gleichsam aus Meinem eigenen Munde erfahret, wie man es auffassen und im Leben ausüben soll!

  

16] Auch unter euch sind noch viele wie der Oberst. Wenn für euch die Stunde heranrücken wird, wo auch ihr dem Teuersten dieser Welt, welches ihr bis jetzt mit so vieler Ängstlichkeit bewahrt habt, entsagen müßt, da seid versichert, daß viele von euch traurig sein und sich von dannen schleichen werden wie der Oberste. Dann wird der Probierstein an eure menschliche Natur gesetzt, wieviel des Geistigen ihr aus Meinem euch so vielfach gespendeten Himmelsbrote mit eurem eigenen Ich vermischt und euch angeeignet habt. Deswegen geht auch an euch der Ruf des ersten Verses dieses Evangeliums: Betet und lasset nicht ab, damit euch stets Kraft genug bleibe, unter allen Umständen und Verhältnissen nicht zu wanken, sondern fest bei Mir zu stehen; denn nur den Ausharrenden werden im Jenseits ihre weltlichen Verluste vergütet werden, den Schwankenden und Zweifelnden aber nicht!

  

17] Betet ohne Unterlaß, daß euch in jeder Beziehung der Hochmut oder der Stolz verlasse, und zieht das Kleid der Demut an! Werdet wie die Kindlein! Glaubt vertrauensvoll an Meine Verheißungen; denn das, was Ich euch jetzt sage, ist ja nichts Neues! Schon vor mehr als tausend Jahren wurde es von Mir Meinen Jüngern und gläubigen Zuhörern gegeben! Schon lange liegt es, wie ihr sagt, schwarz auf weiß vor euren Augen; aber blind wie der Bettler von Jericho seht ihr nicht das Licht, das aus diesen Worten strahlt. In eurem Herzensdrange rufet auch ihr oft zu Mir: "O Herr, mach mich sehend Und es ergeht auch denjenigen unter euch, die vertrauensvoll wie der Blinde von Jericho sich Meinen Händen anvertrauen, so, wie es in diesem Evangelium heißt: "Wer ohne Unterlaß betet und bittet, den werde Ich erhören!"; denn auch ihnen wird ihr Glaube, wie jenem Blinden der seine, helfen.

  

18] Ihr bekommt jetzt in diesen Sonntagspredigten so viel Licht aus Meinen Himmeln, daß es unmöglich scheint, daß ihr über den eigentlichen Sinn Meines Wortes, wie es einst gesprochen wurde, noch Zweifel hegen könnt, ferner darüber, wie es ausgeführt werden soll, und daß es jetzt selbst in der sozialen und politischen Entwicklung eures gesamten Weltteils, dem Endresultat, der endlichen Vergeistigung der menschlichen Seele entgegengeht.

  

19] Ich sagte Meinen Jüngern Meine Leiden und Meinen Tod voraus, sagte ihnen aber nicht, daß eben diese Leiden und dieser Tod der größte Triumph, der größte Sieg des Geistigen über die menschliche Natur seien und bleiben würde. Ich verschwieg es, weil sie Mich nicht verstanden hätten; aber nun sage Ich es frei heraus, daß alles dahin drängt, zur Reife zu bringen, was Ich in jenen drei Lehrjahren als Samen ausgesät habe. Meine Lehre wird trotz aller blutigen und scheußlichen Vorgänge, denen sie in vielen Jahrhunderten als Deckmantel dienen mußte, am Ende doch siegend hervortreten, wenn die Menschheit durch Leiden und Trübsale gezwungen sein wird, sich all des Unflats zu entledigen, welcher ihr noch anklebt.

  

20] Was Mir in jenen Zeiten geschah - die Leiden und Kämpfe und selbst der Tod, der aber durch die Auferstehung und Himmelfahrt zum Sieg gekrönt wurde -, das geht jetzt mit der Menschheit vor. Was Ich damals als Mensch litt, wird jetzt die Menschheit leiden müssen.

  

21] Das Weltliche muß verspottet, verachtet, gekreuzigt werden, soll das Geistige im Menschen auferstehen, soll eine Annäherung mit Meinem Geisterreich möglich werden!

  

22] Ich ging in jener Zeit mit dein Beispiel voran, und die Menschen müssen jetzt nachfolgen. Wohl dem, der schon früh Hand anlegt und abstreift, was als weltlicher Ballast sein Aufschwingen in höhere Geistesstufen hindert! Er gewinnt viel im voraus, und die zu tief in der Materie stecken und Meinen Ruf zum Erwachen nicht vernehmen wollen, denen wird es ergehen wie den Mauern von Jericho, welche bei den Trompetenstößen einstürzten. Sie werden ihrer Vernichtung ebenfalls nicht entkommen, weil sie, nur Materie, in das Geistige Reich nicht aufgenommen werden können.

  

23] Nicht umsonst sind diese dreiundfünfzig Predigten für die Menschheit kundgegeben. Für euch und für alle die, welche einst durstig nach Lebenswasser lechzen werden, sind sie gegeben. Alle sollen sehen, welche Fülle von Liebe, Wahrheit und Lebenswärme in den von Meinen Jüngern aufgezeichneten Evangelien verborgen liegt, für welche aber bis jetzt noch das geistige Verständnis bei der Mehrzahl fehlte.

  

24] Um euch also die Evangelien, mit mehr als sieben Siegeln verschlossen, zu öffnen und durch diese Bücher den Weg zu Mir und Meinen Himmeln anzubahnen, sende Ich euch diese Erklärungen. Sollen sie Nutzen bringen, müssen sie nicht allein gelesen, sondern im Leben ausgeübt werden, damit Ruhe, Frieden und Trost denjenigen im vollsten Maße werde, welche es sich zum Ziel gesetzt haben, Meine Kinder zu werden. Amen.

 

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gm.pred.037. Predigt: Mk.07,32-37 am 11. Trinitatissonntag (17.04.1872)

   00] Heilung eines Taubstummen (Mk.07,32-37): Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spützte und rührte seine Zunge und sah auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm: "Hephata!", das ist: ,Tu dich auf!` Und alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und er redete recht. Und Jesus verbot ihnen, sie sollten`s niemand sagen. Je mehr er aber verbot, desto mehr sie es ausbreiteten, und das Volk wunderte sich über die Maßen und sprach: ,Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend!"

  

01] Die schnelle Heilung eines Taubstummen, von der diese Verse erzählen, war eine von jenen Taten, mit welchen Ich von Zeit zu Zeit Meine Lehre bekräftigen mußte, damit Meine Jünger, sowie das Volk, welches Mir nachfolgte, auch durch Taten überzeugt wurden, daß Meine Worte göttlicher Abstammung sind. Diese Taten sollten auch Mein Dasein auf eurer Erde als eine höhere Mission als die eines Propheten und Sehers begründen und beweisen. Denn das Volk, durch scheinbare Wunderwerke der Magier und Essäer daran gewöhnt, Dinge vor seinen Augen verrichtet zu sehen, welche es nicht begreifen konnte, legte nur zu leicht dem einen oder dem andern einen Namen oder eine Kraft bei, die ihm nicht eigen war, weswegen Ich hauptsächlich nur Heilungen oder solche Wunder vollführte, die jenen Gauklern und Magiern nicht zu verrichten möglich waren.

  

02] Was den Akt der Heilung selbst betrifft, so wie Ich ihn verrichtete, hat er einen tieferen, geistigen Sinn als nur den, daß Ich einen Taubstummen heilte, damit er dann von Mir und Meiner Wunderkraft reden sollte. Ich hatte derlei Anpreisungen nicht nötig, ja - wie einer der Verse deutlich sagte - Ich verbot dem Geheilten sowie den Zeugen, von dieser Tat weiter zu reden. Dies wurde aber nur selten befolgt; denn eben durchs Verbot erwacht der Drang zum Sündigen noch stärker. Auch Mein Jünger Paulus empfand dies, indem er seufzend sagte: "Wäre nicht das Gesetz, so wäre nicht die Lust, dagegen zu sündigen!" Er bekannte in diesen Worten die Schwäche der menschlichen Natur und warnte zugleich vor der zu großen Sicherheit, eine gewisse Stärke erlangt zu haben, damit man nicht unverhofft desto tiefer falle.

  

03] Was das Verständnis der geistigen Bedeutung dieser Heilung des Taubstummen für euch alle betrifft, so müßt ihr die Worte ,taub` und ,stumm` recht ins Auge fassen und dann aus der gegebenen Erklärung die geistigen Schlüsse herausfinden.

  

04] Die Handlung wurde einer Sonntagspredigt deshalb zugrunde gelegt, um euch Mir näherzurücken. Denn ihr müßt wissen, daß in jedem Wort, das Ich sprach, und noch mehr in jeder Handlung, die Ich während Meines Erdenwandels verrichtete, die Hauptsache bei weitem mehr das Geistige war als der Akt der Tat, die Gelegenheit oder die Umstände, bei welchen Ich Meine Lehre dem Mir nachfolgenden Volk kundgab. Jedes Meiner Worte hatte einen weittragenderen Sinn, als jene Zuhörer ahnten und auch heutzutage noch die meisten Bibelerklärer und -forscher gefunden haben.

  

05] Deswegen muß Ich auch hier diese beiden Worte ,taub` und ,stumm` etwas näher erklären, damit wir durch geistige Entsprechung leichter herausfinden können, was jetzt zu Meinem Zwecke paßt, und was schon in jener Zeit in Meinem Wort ,Hephata` und in der Handlung, wie auch in der Person, an welcher Ich die Handlung vollzog, lag. Denn es war kein Zufall, daß ein Taubstummer auf diese besondere Art von Mir geheilt werden mußte, während Ich bei anderen Gelegenheiten Blinden, Lahmen, Aussätzigen und anderen nur durch Mein Wort oder durch Auflegen Meiner Hände die Gesundheit wiedergab.

  

06] Seht, um dies alles geistig aufzufassen und zu begreifen, müssen wir diese beiden Worte ,taub` und ,stumm` näher betrachten, woraus sich das Weitere dann von selbst erklären wird.

  

07] ,Taub` sein ist ein Zustand, bei dem der innere Geistesmensch, um einen Sinn ärmer, so manches von den Annehmlichkeiten und geistigen Einflüssen der Außenwelt entbehren muß, was dem gesunden Menschen durch das Gehör von allen Seiten zuströmt. Letzterem wird dadurch bewiesen, daß selbst in dem Vibrieren der Materie, das den Schall bewirkt, weit Größeres, Geistigeres liegt, als er wähnte; denn die Eindrücke des Schalls bilden, vom leisesten Geräusch bis zur höchsten Harmonie der Musik oder bis zum noch höheren Ausdruck aller geistigen Begriffe im Wort, eine große Stufenreihe von Genüssen, Erklärungen und Kundgebungen Meiner Göttlichkeit und Ewigkeit in der ganzen materiellen Schöpfung, welche alle dem Tauben fremd und nicht erklärbar sind, sowenig wie dem Blinden die Farben, zumal wenn diese Mängel von Geburt an bestehen.

  

08] ,Stumm` ist wieder das Entgegengesetzte von ,taub`. Während nämlich im Tauben der innere Mensch tausender Einflüsse von außen durch das Nichthören beraubt wird, so muß umgekehrt der Stumme, des Mittels der Sprache beraubt, den Mangel fühlen, die Einflüsse, welche die ihn umgebende Außenwelt auf ihn ausübt, nicht kundgeben und die durch das Äußere in seinem Innern sich abspiegelnde Welt anderen durch das größte und umfassendste Werkzeug, durch die Stimme und Sprache, nicht mitteilen zu können. Es stehen ihm im besten Falle neben Gebärden und Zeichen unartikulierte Laute zu Gebot.

  

09] Wie Ich in einem anderen Wort an euch schon sagte, daß gegenseitige Mitteilungen ein Hauptbedürfnis, ja ein notwendiges Mittel zum Fortschritt auf dem geistigen Wege sind, so versteht es sich von selbst, daß derjenige, welcher stumm ist, eine ungeheure Menge von Genüssen entbehren muß, was ihm erst dann zum Bewußtsein kommt, wenn er das von außen Empfangene wieder durch Mitteilung zurückstrahlen möchte.

  

10] Nachdem Ich euch die Bedeutung dieser beiden Worte und die Nachteile des Verlustes der einen oder der andern Eigenschaften näher erklärt habe, so könnt ihr euch einen rechten Begriff von denjenigen Geschöpfen und Menschen machen, welche nicht nur den einen oder den andern Sinn, sondern beide entbehren müssen.

  

11] Das Fühlen oder die Aufnahme der von außen kommenden Harmonien und das Wiedergeben der durch dieselben auf den Innenmenschen hervorgebrachten. Eindrücke fehlen. Es liegt in diesem Mangel ein ungeheurer Hemmschuh des Fortschritts im Geistigen; denn wer nur durch andere Mittel als durch das Gehör das außer ihm Liegende aufnehmen und das Aufgenommene notdürftig wieder mitteilen kann, der entbehrt in Meiner großen Schöpfung vieles, was anderen, ohne es zu wissen, in vollem Maße in den Schoß fällt.

  

12] Nicht ohne Grund bat Mich in jener Zeit das Volk, diesen Taubstummen zu heilen. Es war von dem Gedanken geleitet, daß auch er Meine Worte vernehmen sollte, und daß er so, wenn sein Inneres mit einem großen Reichtum von nie geahnter Geistesfülle genährt sei, seine und auch Meine Mission auf Erden begreifen könne.

  

13] Wie viele Menschen haben noch jetzt ihr geistiges Ohr Meiner Schöpfung und Meinen Lehren verschlossen, und wie vielen ist noch bis jetzt Meine ganze Schöpfung ein stummes, zusammengeworfenes Gemisch von Stoff und Materie, dessen Gesetze nach ihrer Meinung nur dem Zufall entstammen. Wie vielen rufe Ich zu: "Hephata!", d.h.: "Tuet auf eure Ohren, vernehmt den Jubelgesang der ganzen Natur, die vom letzten Atom bis zur größten Zentralsonne nur Liebe predigt! Macht auf eure Ohren und vernehmt das geistig Tiefe, welches euch in Meiner Lehre gegeben wurde, um euch zu etwas Höherem, zu etwas Größerem zu erziehen als zu vegetierenden kräuter- und fleischfressenden Tieren, die nur mit größerer Intelligenz als die anderen begabt sind!"

  

14] Wie vielen rufe Ich dieses alle Tage, jede Stunde, ja jeden Augenblick zu, und jede Gemütsbewegung, jede Idee, die doch nicht Produkt des Stoffes oder der Materie sein kann, zeigt ihnen deutlich, daß in dem körperlichen Tiermenschen ein geistiger, höherer Mensch verborgen liegt, der den äußeren Menschen so vergeistigen sollte, daß er eine würdige Umkleidung des Innern und ein Geschöpf werde, das seinem Schöpfer Ehre macht.

  

15] Und seht, Tausende haben sich selbst zur Taubstummheit verdammt. Sie begreifen nicht, welch großer Schatz geistiger Seligkeiten in Meiner Natur auf sie einwirken will; sie sind kalt oder stumm bei diesen Eindrücken. An ihren Ohren gehen alle geistigen Harmonien unbeachtet vorüber, und ihr Inneres ist leer oder nur von Eindrücken angefüllt, die aus der niedersten Sphäre der Materie oder der Sinnlichkeit herrühren und sie vom Menschen zum Tier herabdrücken.

  

16] Ihr Inneres ist leer, und weil sie nichts Geistiges geben können, empfangen sie auch von andern nichts. Für sie herrscht nur die Materie, und Geistiges ist ein Erzeugnis eines verrückten Gehirns.

  

17] Durch dieselben Worte, welche Ich euch schon seit mehreren Jahren zukommen lasse, rufe Ich Meinen verirrten Kindern das ,Hephata!` zulege Meine Finger in ihre Ohren, um sie noch zu retten, solange es möglich ist und ehe noch die ganze Natur mit Posaunentönen, statt mit sanften Harmonien, ihnen ins Ohr tönen wird, was sie auf friedlichem Wege nicht verstehen wollen.

  

18] Ich habe die Menschen nicht erschaffen, daß sie gegen alle Meine Werke taub seien, und habe Meine Schöpfung nicht mit so vielen Wundern ausgerüstet, daß sie Meinen geistigen Wesen ein stummes Buch sein solle.

  

19] Taubstumm ist und soll nichts sein in Meiner gesamten Natur! Alles, was lebt, soll die Sprache seines Schöpfers, seines Vaters vernehmen. Denn Er will mit den Eindrücken Seiner Schöpfungen die Seele der geschaffenen Wesen so erfüllen, daß in der Mitteilung des Geschauten, Gefühlten und Gehörten die ganze Wonne des Daseins liegt.

  

20] Nicht stumm soll Meine Natur sein; denn ,stumm` ist soviel wie ,geistig tot`. Jubelnd soll alles bezeugen, daß es lebt, daß es sich des Lebens freut, und daß es in allen Schöpfungen der Außenwelt seinen Schöpfer, seinen liebenden Vater wieder erkennt! So soll die materielle Schöpfung die Unterlage des Geistigen sein und die geistige Schöpfung das Materielle vergeistigen!

  

21] Taub oder stumm ist und soll nichts sein in der Welt, am wenigsten der Mensch, der als letztes Produkt der materiellen Schöpfung auf dieser Erde Mein geistiges Ebenbild in sich trägt!

  

22] Wie Ich dem Taubstummen das Gehör wiedergab, damit er höre, was und wie alles in der Natur Mich lobt und preist, so sollte er auch nicht mehr stumm sein, damit er in diesen Jubelgesang mit einstimmen könne und Mich als seinen Herrn, aber auch als seinen liebenden Vater erkennen möge.

  

23] Wie Ich jenen Taubstummen heilte, so laßt auch ihr euch heilen, damit ihr, nicht taub gegen Meine Worte, den andern laut mit der Macht der Stimme voller Überzeugung verkünden könnt, daß jene Taten und Wunder, vor mehr als tausend Jahren von Mir verrichtet, geistig nur andeuten wollten, was Ich mit der ganzen Menschheit im Sinne hatte, als Ich sie schuf, und als Ich euch Menschen auf dieser Erde zu Herren einsetzte!

  

24] Ich wollte nicht Taube und nicht Stumme, sondern Wesen für Mein Reich erziehen, die offene Geistesohren und beredte Zungen haben sollen, Mich und Meine Schöpfung zu vernehmen und laut zu verkünden: "Hosianna in der Höhe! Heil Ihm, der uns diese außerordentliche Gnade gab, Ihn zu vernehmen, und uns nebenbei auch die Mittel verlieh, das Vernommene wiederzugeben, damit es nicht für uns allein, sondern für alle diejenigen ein Gemeingut werde, die Seine Kinder werden wollen!"

  

25] So wünsche Ich, daß ihr Mir den täglichen Lobgesang darbringt, damit ihr der ganzen Welt durch Wort und Tat beweist, daß ihr während Meiner Lehrzeit weder taub noch stumm gewesen seid!

  

26] Dies beachtet zu eurem Heil, wie auch zum Besten eurer Nächsten! Amen.

 

 

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gm.pred.038. Predigt: Lk.10,25-37 am 12. Trinitatissonntage (10.04.1872)

   00] Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk.10,25-37): Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte Jesus und sprach: "Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?" Jesus aber sprach zu ihm: "Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liesest du?" Er antwortete und sprach: "Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte, und deinen Nächsten wie dich selbst!" Er aber sprach zu ihm: "Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben!" Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: "Wer ist denn mein Nächster?" Da antwortete Jesus und sprach: "Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder. Die zogen ihn aus, schlugen ihn, gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit, da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, goß drein Öl und Wein, hob ihn auf sein Tier, führte ihn in die Herberge und pflegte sein. Des andern Tages reiste er, zog heraus zwei Groschen, gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: ,Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme`.Welcher dünkt dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war?" Er sprach: "Der die Barmherzigkeit an ihm tat." Da sprach Jesus zu ihm: "So gehe hin und tue desgleichen!"

  

01] Diese Verse erzählen euch das Gleichnis vom Samariter. Mit diesem handgreiflichen Bild wollte Ich dem Pharisäer auf seine Frage: "Wer ist mein Nächster zeigen, wer dieser sei, und wie das zweite Liebesgebot - ,Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!` - im geistigen Sinn verstanden werden solle.

  

02] Die Menschen machten und machen zu allen Zeiten zwischen Menschen, Bruder und Nächstenliebe, die alle in eine Liebe zusammenfließen, einen großen Unterschied, worüber Ich euch vor längerer Zeit ein ausführliches Wort gegeben habe, welches hier eingeschaltet werden könnte, wenn keine andere Erklärung möglich wäre.

  

03] Da man aber in jenen Zeiten, als Ich dieses Gleichnis gab, durch die Unterschiede der Stände oder Kasten, wie auch durch die Ansichten der Menschen weit von dem entfernt war, was Ich unter ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!` verstanden haben wollte - was auch aus der Antwort des Pharisäers hervorgeht, welcher erst fragen mußte: "Wer ist denn eigentlich mein Nächster?" -, so war es ganz natürlich, daß Ich aus diesen triftigen Gründen ein Beispiel aufstellen mußte, um zu zeigen, wer eigentlich der Nächste jedes Menschen sei. Es besteht in allen künftigen Zeiten über den Begriff ,Nächster` und über die Ausübung der Liebe zum Nächsten kein Zweifel mehr, denn mit einem Wohlwollen allein, oder mit frommen Wünschen ist dem Nächsten, der Menschheit und Mir am wenigsten geholfen.

  

04] Soviel schon über dieses zweite Liebesgebot geschrieben und geredet wurde, so haben doch die wenigsten Menschen eigentlich verstanden, was die Nächstenliebe und wer der Nächste ist.

  

05] Der allgemeine Schluß ist gleich gemacht: "Die ganze Menschheit ist mein Nächster, und durch das Gesetz, daß ich den Nächsten lieben soll wie mich selbst, ist auch der Maßstab der Liebe bestimmt!"

  

06] Ganz recht, sage Ich; aber jetzt kommt es darauf an: "Inwiefern ist die Menschheit oder jeder Mensch mein Nächster, und was heißt: sich selbst - aber wohlgemerkt - im gerechten Maß lieben?"

  

07] In diesen beiden Begriffen liegt der Schlüssel zu Meinem Reich, weshalb Ich unter allen erdenklichen Geboten gerade dieses Gebot der Nächstenliebe zum zweiten Hauptgebot nicht allein für eure Erde, sondern für alle Welten und selbst für das große Geisterreich gemacht habe.

  

08] Es ist vor allem deshalb das Gebot der Liebe, weil es ohne Liebe keine Wärme, ohne Wärme kein Leben, ohne Leben keine Schöpfung - was immer für eine denkbare - gibt. Die Liebe ist der erste Trieb, welcher zur Tätigkeit anspornt; die Tätigkeit erzeugt entsprechend Wärme. Die Wärme - Ausdruck für Bewegung, Vibrieren - zeigt sich als Leben, und Leben ist Entstehen, Bestehen und Vergehen, als sichtbares Zeichen des Lebens oder der Schöpfung in ihrer ganzen Ausdehnung.

  

09] Die Liebe adelt alle Wesen, die sie fühlen und gegen andere ausüben. Ohne Liebe gäbe es keinen geistigen Maßstab der Handlungen, und ohne Liebe bestände weder Ich, noch etwas Geschaffenes, das ein Bleibendes werden könnte.

  

10] Nun, wie die Liebe in Mir Meine Geister, die lebenden Wesen und selbst die Materie schuf und sie alle mit gleicher Glut umfängt, sie ernährt, erhält und leitet, zum größtmöglichen, geistigen Ziel, zum Inbegriff der höchsten Liebe, - ebenso soll auch der Mensch seine Umgebung, die Welt, in welcher er leben muß, mit gleicher Liebe umfassen. Alles Geschaffene, aus Liebe und durch Meine göttliche Liebe erzeugt, soll steter Beweis sein, daß Ich ein liebender Vater erst dann bin, wenn Meine erschaffenen Wesen, Meine Nächsten, ihre Pflicht, ihre Mission so erfüllen, wie Ich sie Mir gedacht habe, und wie Ich sie aus freiem Antrieb und nicht durch Zwang ausgeführt haben möchte. Der freie Wille adelt das Geschöpf, im Gegensatz zu dem durch den Instinkt geführten Wesen, das so handeln muß und nicht anders kann.

  

11] Diese über alles sich ausbreitende Liebe soll der Maßstab für die Menschenliebe sein, welche in jedes Menschen Brust ihren Wohnort aufschlagen und als bleibendes Denkmal einer höheren Abkunft auch alle Gedanken, Worte und Taten auf sie beziehen soll. Diese Liebe soll aber auch, wie die Meine, keinen andern Zweck kennen als den, alles zum Besten seiner Mitmenschen und seiner mitlebenden Wesen zu tun, wobei man natürlich dem Nächsten das von ihm Gewünschte nicht immer gewähren darf, sondern ihm auch manches versagen muß, so das Gewähren vielleicht Schaden statt Nutzen bringen würde.

  

12] Betrachtet Mich! Ich liebe euch Menschen alle liebe euch mit einer Liebe, die ihr nicht begreifen, nicht fassen und nicht erwidern könnt, und doch sage Ich nicht zu allen Bitten, mit denen ihr Mich überhäuft: "Ja!", sondern meistens das Gegenteil: "Nein!" Und warum? Weil ihr oft Dinge wünscht, die euch geistig schädlich wären! Und wenn diese Verweigerung dann Leiden und Kämpfe, Unglücks und Trauerfälle über euch und die Eurigen bringt, so ist sie doch nur Ausfluß der Liebe, der Liebe eures himmlischen Vaters, der euretwegen alles erschaffen, euretwegen so manches erduldet hat und euch stets Undank, Verhöhnung, Verleugnung mit Segen vergilt.

  

13] Hier seht ihr, wie die Liebe aufgefaßt werden muß, wenn sie nicht Böses, sondern Gutes bewirken soll. So müßt auch ihr eure Menschen- oder Nächstenliebe auffassen! Wie ein Vater auf Erden seinen unmündigen Kindern nicht alles gewährt, was sie in ihrem Unverstand von ihm verlangen, sondern immer den höheren Erziehungszweck im Auge behält, ebenso sollt auch ihr nur dann eurem Nächsten Gutes tun, wenn ihr überzeugt seid, daß gemäß eurer Einsicht nicht etwa ein Laster genährt oder euer Nächster im Nichtstun bestärkt, statt zur Arbeit gewöhnt wird.

  

14] Dies ist die Liebe, mit welcher Ich aus Meiner Weisheit heraus Meine Welten regiere. Ebenso sollt auch ihr mit euren Verstandeskräften den Trieb des Wohltuns bezähmen und regeln, damit nicht das entgegengesetzte Resultat die Folge eures, wenngleich edelsten Willens ist.

  

15] Der zweite zu erwägende Punkt ist: "Ihr sollt den Nächsten lieben wie euch selbst!"

  

16] Nun, auch hier sind so viele Begriffe möglich, wie es geistige Stufen der menschlichen Natur gibt, die von der Verleugnung einer Selbstliebe bis zum höchsten Egoismus steigen kann, - und so entsteht die Frage:

  

17] "Wann ist meine Selbstliebe die gerechte, die mir und andern nützliche?"

  

18] Nur nach Beantwortung dieser Frage weiß man, welche Liebe und wie sie anderen erwiesen werden soll! Ihr seht, daß, genaugenommen, die Worte ,Liebe` und ,sich selbst' ganz andere Begriffe ergeben als bei deren oberflächlicher Betrachtung.

  

19] Die Bedeutung der Selbstliebe muß erst klar vor euren Augen stehen; ihr müßt wissen, wie und was ihr an euch lieben sollt, um dann nach dieser Erkenntnis eure Liebe auf andere übertragen oder die Liebe, mit welcher ihr andere behandeln sollt, genau beurteilen zu können.

  

20] Es ist in jeden Menschen der Trieb gelegt, sein Leben zu erhalten, es zu verlängern und so angenehm wie möglich zu gestalten. Dieser nötige Erhaltungstrieb für die äußere Hülle oder Umkleidung des geistig-seelischen Menschen mußte tief in ihn gelegt und eingepflanzt werden, damit er nicht bei den geringsten Mißhelligkeiten während seiner irdischen Lebensbahn auf den Gedanken kommt, diesen hindernden Trieb zu unterdrücken und sich seines Körpers noch vor der Reife des inneren Menschen zu entledigen.

  

21] Dieser Erhaltungstrieb ist so mächtig und nötig, daß nur Menschen, welche auf alles Geistige verzichten, keinen Glauben und keine Religion im wahrsten Sinn haben oder durch verkehrte Weltansichten oder geistige Störungen in ihrem Lebensorganismus geschwächt sind, dahin kommen können, die so tief eingewurzelte Liebe zum Leben zu zerstören und ihrem Dasein von sich aus früher ein Ende zu machen, als es im Plane Meiner göttlichen, überall gültigen Gesetze bestimmt war.

  

22] Solche Selbstmörderseelen werden im Jenseits einen mit weit schwierigeren Umständen verknüpften Weg zur Ausreife zurückzulegen haben, weil sie unreif aus dieser Welt gegangen und ebenfalls unreif in eine andere eingetreten sind.

  

23] Die zweite Art der Selbstliebe ist eine höhere, nämlich der Erhaltungs und Vervollkommnungstrieb des Geistigen. Der Mensch sucht sein geistiges Ich soviel als möglich Dem gleich zu machen, der diesen Funken göttlichen Bewußtseins in ihn gelegt, ihn damit weit über die Materie erhoben und an die Grenze zweier Welten gestellt hat, so daß er der körperlichen Hülle nach der Materie und dem Geist nach der Geisterwelt angehört.

  

24] Sowohl im materiellen wie im geistigen Wesen des Menschen kann ein Mangel oder ein Überfluß an Selbstliebe vorhanden sein.

  

25] Der Mangel an materieller Selbstliebe gibt sich durch Lebensüberdruß kund, wobei der körperliche Erhaltungstrieb so gering wird, daß der Mensch oft wegen geringfügiger Unannehmlichkeiten des irdischen Lebens sein Körperleben vernichtet. Dieser Zustand wird häufig durch eine verkehrte Erziehung, durch Nichtglauben an einen Gott oder an ein Fortleben der Seele, oder durch geistige Störungen hervorgerufen.

  

26] Diesem Extrem des Mangels an Selbstliebe steht dann wieder ein Übermaß an Eigenliebe gegenüber. Der Mensch, sein leibliches Wohl als Höchstes achtend, will nur dem fröhnen, was der schmutzigste Egoismus ist. Er ergreift alle Mittel, um seinen Zweck zu erreichen. Es gibt für ihn nichts als sein eigenes Ich, und er ist, jedes Band der Nächstenliebe verleugnend, stets nur allein sein Nächster. Diese Menschen stehen auf der untersten geistigen Stufe; denn sie entziehen sich aller Kämpfe und aller Aufopferungen. Sie wollen nur Genuß, und zwar nur für sich allein, und alle Mittel - erlaubte oder unerlaubte, gesetzliche oder ungesetzliche, göttliche oder teuflische - werden ergriffen, wenn sie nur zu ihrem angestrebten Ziel gelangen. Solche Eigenliebe schließt alle Nächstenliebe gänzlich aus.

  

27] Eine Eigenliebe kann auch bestehen, wenn der Mensch nur seiner selbst willen seinen inneren Menschen so ausbilden, so vervollkommnen will, daß ihm selbst sein Körper zur Last wird und er sich desselben sobald wie möglich entledigt fühlen möchte.

  

28] Hier habt ihr die beiden Extreme: Mangel und Überfluß an Selbstliebe, sei es im materiellen, sei es im geistigen Wesen des Menschen. Wenn aber eine Mittelstraße eingehalten werden soll, wo weder dem einen noch dem andern Extrem zu nahe gekommen werden darf, so fragt es sich, wie es mit der Nächstenliebe steht, die sich doch nach der Selbstliebe regeln soll.

  

29] Auch hier gilt das gleiche, was Ich schon im Anfang erklärte: Die gemäßigte, durch den Verstand geleitete Liebe, die das eigentliche, geistige Ziel des Menschen und das Ziel seiner irdischen Laufbahn stets im Auge hat, diese Liebe soll die Eigenliebe in solche Bahnen lenken, daß der Körper nicht unter dem Einfluß des Geistes und der Geist nicht unter dem des Körpers leide oder gar verkümmere. Der Mensch soll stets bedenken, daß ihm auch sein Körper als ein Gut anvertraut wurde, und wie er einst von seiner Seele wird Rechenschaft geben müssen, so wird auch die Frage an ihn ergehen:"Hast du deinen Körper zu dem Zweck gebraucht, zu dem er bestimmt war, oder hast du ihn mißbraucht?" So wird die Rechenschaft, die der Mensch über seinen Geist und die ihm anvertrauten Talente abzulegen hat, mit derjenigen, die er über das materielle Leben zu geben hat, zusammenfallen.

  

30] Beides, Geist und Körper so zu gebrauchen, so zu erziehen und derselben so Meister zu werden, daß alle Handlungen nur im Hinblick auf Mich, den Geber, geschehen und so den Stempel der Göttlichkeit tragen. Diese Art zu denken, zu handeln und zu wirken soll auch der Maßstab dafür sein, wie ihr dem Nächsten eure Liebe angedeihen lassen sollt! Diese Liebe soll dem Nächsten alles Gute gewähren, insoweit es Meinen eigenen, sittlichen Grundsätzen entspricht.

  

31] Der Mensch muß vorerst an sich selbst erkennen, was er zu leisten imstande ist, um auch die Leistungsfähigkeit anderer zu bemessen. Er muß vorerst bei sich das Gute und Schlechte unterscheiden lernen. Er muß lernen, was dem Geist und was dem Körper nützt oder schadet, ehe er aus blinder Liebe anderen angedeihen läßt, was sie nur zum Ruin und nicht zum höheren Ziel führt.

  

32] Daher regelt vorher eure Eigenliebe! Haltet darin gerechtes Maß und Gewicht, und es wird euch die rechte Selbstliebe am besten zur Nächstenliebe führen! Denn nur da, wo klare Ansichten herrschen, können auch vollgültige Taten das Resultat sein; sonst tappt ihr im Finstern herum, verkennt oder mißbraucht eure Liebe zum Schaden anderer. Überall in der ganzen Welt sind die Extreme schädlich und führen zu nichts: im Lieben wie im Hassen, im Geben wie im Verweigern, im Reden wie im Schweigen.

  

33] Daher seid bei jeder Handlung eurer höheren Bestimmung eingedenk und vergeßt dabei nicht, daß ihr Menschen und keine Götter seid, und daß zu große wie auch zu geringe Liebe für sich selbst ebenso zu schlechten Resultaten führt, wie zu hoch oder zu niedrig gespannte Begriffe von Nächstenliebe dem Nebenmenschen eher schaden als nützen können.

  

34] Erkennt zuerst eure eigenen Schwächen, um nachsichtig gegen die anderer zu sein! Prüft, ob die Gewährung einer Bitte bei euch Gutes oder Schlechtes hervorbringen möchte, und regelt danach eure Liebesgaben, eure Aufopferungen gegen euern Nächsten! Nirgends kann soviel Schaden gestiftet werden, als mit dem wörtlich genommenen Begriff der Nächstenliebe.

  

35] Seht, Ich bin euer Nächster und tue alles, damit ihr Meine Nächsten, Meine Brüder und Schwestern, ja, Meine Kinder werdet; und doch bin Ich trotz aller Liebe und Weisheit nicht so willfährig, den Menschen alles zu geben, was sie oft in ihrer Unmündigkeit von Mir verlangen, weil Ich als Geist, und zwar als höchster Geist, am besten weiß, was Meinen Kindern, Meinen geistigen Brüdern und Schwestern am zuträglichsten ist, und weil Ich sie erziehen und nicht verziehen will!

  

36] Daher nehmt euch ein Beispiel an Mir, wie Ich Meine ganze Schöpfung zusammenhalte und ihre Teile gemeinschaftlich zum großen Ziel der Erlösung aus der Materie führe, und ihr werdet gewiß den rechten Weg zwischen Geben und Nehmen, zwischen Gewähren und Verweigern finden! Dann wird das zweite große Liebesgebot erst den eigentlichen geistigen Ausdruck nicht allein im Wort, sondern auch in der Tat finden, wenn ihr euern Nächsten das tut, was ihr - wärt ihr in der Lage und in den Verhältnissen eures Nebenmenschen - als geistige Wesen für euch selbst für das beste halten würdet.

  

37] Stets das Geistige hoch, ja höher als alles andere haltend, müßt ihr darin den Anfangs und Ausgangspunkt aller eurer Handlungen suchen, damit sie mit Meinen großen Schöpfungsgedanken übereinstimmend, euch veredeln und adeln und ihr Mich dadurch als euern liebevollsten Vater stets mehr verklärt und als das erkennt, was Ich allen sein möchte, nämlich euer geistiger Führer, Leiter und Vater. Amen.

  

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gm.pred.039. Predigt: Lk.17,05-19 am 13. Trinitatissonntag (14.04.1872)

   00] Heilung der zehn Aussätzigen (Lk.17,05-19): Die Apostel sprachen zu dem Herrn:"Stärke uns den Glauben!" Der Herr aber sprach:"Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn und sagt zu diesem Maulbeerbaum: ,Reiße dich aus und versetze dich ins Meer!`, so wird er euch gehorsam sein. Welcher ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflügt oder das Vieh weidet, wenn er heimkommt vom Felde, daß er ihm sage: ,Gehe alsbald hin und setze dich zu Tische?` Ist's nicht also daß er zu ihm sagt: ,Richte zu, was ich zu Abend esse, schürze dich und diene mir, bis ich esse und trinke; danach sollst du auch essen und trinken?` Dankt er auch dem Knechte, daß er getan hat, was ihm befohlen war? Ich meine es nicht. Also auch ihr; wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: ,Wir sind unnütze Knechte, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren."`

   Und es begab sich, da Jesus gen Jerusalem reiste, zog er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: "Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!" Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: "Gehet hin und zeiget euch den Priestern!" Und es geschah, als sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sah, daß er gesund geworden war, kehrte um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: "Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling?" Und er sprach zu ihm: "Stehe auf, gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen!"

  

01] In diesen Versen wird erzählt, wie Ich durch Meinen Willen zehn Aussätzige heilte. Als sie sich, durch den Glauben an Meine Worte gestärkt, den Priestern zeigen wollten, verschwand beim Eintritt in den Tempel der Aussatz; denn mit Aussatz behaftet wäre ihnen der Eintritt in den Tempel verboten gewesen. Aus Gesundheitsrücksichten hielt sich jedermann, auch außerhalb des Gotteshauses, von Menschen fern, die von solchen Krankheiten befallen waren.

  

02] Diese Tat war ein Beweis, was der feste Glaube und das unerschütterliche Vertrauen vermögen, wenn die Seele davon ganz beherrscht wird. Ich wollte durch dieses Beispiel diese Kraft zeigen und sagte zu Meinen Jüngern - im gleichen Kapitel, Vers sechs - die Worte: "Wenn ihr Glauben habt, so groß nur wie ein Senfkorn, und sagt zu diesem Maulbeerbaum: ,Reiße dich aus und versetze dich ins Meer!`, so wird er euch gehorsam sein!"

  

03] Was diese Worte geistig bedeuten, das zeigte Ich kurz nachher durch die Heilung dieser zehn Männer. So folgte der Theorie die Praxis auf dem Fuß, damit Meine Jünger an anderen die Stärke des Glaubens beobachten könnten, welcher ihnen selbst bei so vielen Gelegenheiten mangelte.

  

04] Da Ich euch dieses Beispiel festen Glaubens als Sonntagspredigt gebe, wollen wir das Wort ,Glauben` ein wenig näher betrachten, damit ihr und viele andere verstehen lernt, was eigentlich ,Glauben` ist. Denn auch dieses Wort ist eins von denjenigen Wörtern, welche in vieler Mund, aber in weniger Herzen sind.

  

05] Ich muß diese Erklärung vorausschicken, sonst versteht ihr nicht einmal das Gleichnis vom Maulbeerbaum, das Ich den Jüngern gab, - um so weniger dann die Handlung mit den zehn Aussätzigen. Habt ihr erfaßt, was Ich unter ,Glauben` verstehe, dann erst können wir zu seiner Beziehung auf euch, auf die jetzigen, sowie künftigen Zustände übergehen, wobei auch des einen Samariters gedacht werden wird, welcher zurückkehrte, um Mir zu danken.

  

06] Alles hat seine natürliche Folge! Wer ein Haus baut, fängt nicht beim Dach, sondern bei den Grundmauern an. Wenn diese fest sind, ruht auch das Dach auf sicherer Grundlage. Wie im materiellen, so im geistigen Leben! Daher die vielen Erklärungen, die Ich euch gebe; daher die vielen Beleuchtungen oft ein und desselben Gegenstandes, damit ihr eure geistigen Ohren und Augen öffnet und es euch nicht geht wie einem Menschen, der an etwas denkt und sich dabei nicht bewusst ist, wie sich während dieser Zeit viele Tausende von Wundern Meiner Schöpfung auf der Netzhaut seines Auges abspiegeln, weil seine anderweitig beschäftigte Seele keine Notiz davon nimmt.

  

07] In der vorhergehenden Predigt erläuterte Ich die Selbstliebe und die Nächstenliebe. In der heutigen sollt ihr den wahren Sinn des Wortes ;Glauben` erfahren, desjenigen Wortes, welches so oft mißbraucht und gewiß unter Hunderten nicht von einem geistig in seiner höchsten Bedeutung aufgefaßt wird.

 

 08] Seht, in jener Zeit wußten Meine Jünger nicht, was eigentlich ,Glauben` ist. Ich mußte es ihnen begreiflich machen, indem Ich,sie sichtbar und persönlich führte und vor ihnen Wunder tat, - und doch begriffen sie die Bedeutung des Wortes ,Glauben` nicht. Glaubt vielleicht ihr, die ihr von Mir fast täglich so viel Himmelsbrot erhaltet, daß ihr wißt, was ,Glauben` heißt? Ich muß euch sagen: Ihr begreift dieses Wort ebensowenig und zeigt täglich und stündlich, daß ihr sehr wenig Glauben habt, obgleich ihr meint, wenn auch im Lieben schwach, so doch im Glauben stark zu sein. Dieses euch zu beweisen, soll der Zweck Meiner Worte sein.

 

 09] Was heißt eigentlich ,Glauben`?

  

10] Nun, die meisten von euch werden mit einer Antwort verlegen sein, oder sie wird so ausfallen: "Ich ,glaube` heißt soviel als: ich bin ,überzeugt', daß dies oder jenes wirklich so ist, wie man es mir sagte oder mich lehrte." -"Glauben stützt sich auf die Autorität desjenigen, welcher mir dies oder jenes sagt." - "Ich glaube es, weil derjenige, der es mir sagt, davon überzeugt sein wird."

  

11] Solche und ähnliche Antworten werdet ihr überall zu hören bekommen, die aber alle auf eins hinauslaufen und nur immer besagen, daß dieser Glaube auf so schwachen Füßen steht, daß der leiseste Windstoß ihn umwirft oder zunichte macht.

  

12] Einen solchen Glauben meinte Ich nie. Denn der Glaube, den Ich Meinen Jüngern in oben angeführtem Gleichnis - Vers sechs - erklärte, indem Ich sagte: "Wenn ihr glaubet, so heben sich die Berge hinweg!", dieser Glaube bedeutet etwas ganz anderes, als man gewöhnlich annimmt, wenn es z.B. heißt: ,Der Glaube macht selig!` Jener Glaube bedeutet einen ganz anderen Zustand, als je durch Glauben, wie ihn die Priester dem Volke lehren, erreicht worden ist. Ich zweifle sehr, ob mit dem angewöhnten Glauben schon jemand selig geworden ist, wenn er ihn nicht nach Meinem Sinn, sondern nach dem der Priester aufgefaßt hat.

  

13] Der Glaube also, den Ich Meine Jünger lehrte, und den Ich ihnen durch die Heilung der zehn Aussätzigen zeigen und begreiflich machen wollte, ist eine weit mächtigere Kraft in der Geisterwelt, als ihr glaubt und wähnt; denn dieser Glaube ist die feste Überzeugung, daß dies oder jenes unwiderruflich geschehen muß, wie es sich bei Meinem Wort ereignete. Dieser Glaube ist ein Eingreifen in Meine Macht, eine Teilung Meiner Allmacht, die Ich gerne denjenigen Kindern zulasse, die wahrhaft diesen Namen verdienen, die aber auch - wohlgemerkt - diese ungeheure Kraft nie mißbrauchen werden, weil sie nur zu klar und deutlich einsehen, wie groß dieses Geschenk von seiten des allmächtigen Schöpfers ist, das nur ein liebendes Kind als Geschenk vom Vater erhalten kann.

 

  

14] Dieser Glaube war es, welchen die zehn Aussätzigen so fest erfaßt hatten, daß sie noch mit der Krankheit behaftet ruhig zu den Priestern hingingen, fest überzeugt, Mein Wort - als göttliches Wort - könne nicht trügen und müsse sich erfüllen, weil Ich es wollte und sie es glaubten und ganz darauf vertrauten.

  

15] Diese Art des Glaubens, wer hat sie von euch? Legt die Hand auf euer Herz und fragt euch selbst, und es wird euch wie Meinen Jüngern ergehen! Das Geständnis wird sein: "Solchen Glauben begreifen wir nicht! Solcher Glaube, solch feste, unwandelbare Überzeugung, solch festes Vertrauen in Deine göttlichen Verheißungen fehlt uns gänzlich; wir sind dessen nicht fähig!"

   

16] Und Ich antworte euch: "Ja, Ich weiß es, daß ihr solchen Glaubens noch lange nicht fähig seid; sonst würdet ihr die Seligkeit - wie es heißt: Glaube macht selig! - in euch verspüren, wenn ihr mit Gottesmacht ausgerüstete Götter in menschlichen Körpern wäret." Welch großes Feld der Wirksamkeit sich da vor euch öffnen würde, wieviel Gutes ihr da stiften könntet, und wie erhaben ihr über dem niedrigen Getriebe der gewöhnlichen Welt stündet, das könnt ihr nicht begreifen. Da wäre jenes Wort erfüllt; denn ein solcher Glaube macht euch selig, überglücklich und zufrieden. Ihr würdet das langsame Aufgehen eures Ichs in dem Meinen gewahren, wenn ihr euch mit solcher Macht ausgestattet fühlen würdet, wie sie teilweise den ersten Menschen verliehen war, aber von ihnen selbst wieder verscherzt wurde.

  

17] Dieser Glaube, diese feste Überzeugung war und ist es, was Meinen Jüngern fehlte und auch euch und allen Menschen mangelt; und eben deswegen will Ich euch diesen Glauben, der sich auf die Liebe zu Mir gründet, ans Herz legen, damit auch ihr danach streben sollt. Denn wenngleich er nicht so leicht zu erringen ist, da viel Beherrschung und große Sittenreinheit dazu gehört, so könnt ihr dessen doch teilweise und in Momenten der höchsten Begeisterung teilhaftig werden, wenn ihr einmal die Idee dieses mächtigen Werkzeugs Meiner göttlichen Macht und Liebe begriffen habt.

  

18] Ihr habt das Wort ,Ich will!` noch nicht begriffen; denn dieses Wort gründet sich auf den Glauben, daß das, was man will, auch geschehen muß. Diese Macht der Willenskraft ist derjenige Glaube, der Berge versetzt, der selbst der Natur ihre geheimsten Gesetze abringt, und durch den manches möglich ist, was bis jetzt zu den Unmöglichkeiten gezählt wird.

  

19] Allein - alles, was ihr wollt, muß erstens zu geistigen Zwecken und zweitens nur durch Mich und Meine Macht gewollt werden; denn ohne sie seid ihr ohnmächtig, und nur mit ihr allmächtig!

  

20] Was ist es denn beim Magnetismus anderes als die Willenskraft oder dieser Glaube, der fest und unerschütterlich auf Mich vertrauend, durch Auflegen der Hände Ubel in kurzer Zeit heilt, die sonst einen längeren Verlauf hätten!?

 

 21] Diesem Glauben allein weicht alles! Nicht, daß das Bewirken außer dem Bereich der Naturgesetze läge, nein, sondern diese Gesetze, die sich bis jetzt der menschlichen Macht entzogen haben, werden dem Menschen dienstbar und gehorchen ihm als geistigem Wesen, als Abkömmling von Mir, während sie dem materiellen Menschen, seinem Grübeln und Forschen Hohn sprechen.

  

22] Sobald sich aber dieser Glaube in das Menschenherz, eingebürgert hat, so wird auch das als zweites im Evangelium Erwähnte, nämlich die Danksagung und Anerkennung für das erhaltene Geschenk von oben erfolgen.

 

 23] Im Evangelium heißt es im fünfzehnten Vers: Einer der zehn Geheilten kehrte zurück und bedankte sich bei Mir.

  

24] Um es den Juden recht fühlbar zu machen, was Undank über empfangene Wohltaten bedeutet, mußte es gerade ein Samariter sein; denn diesen Stamm des jüdischen Volkes sahen die Juden als den verächtlichsten an, bei dem sie alle schlechten, aber keine guten Eigenschaften vorhanden glaubten.

  

25] Schon im vorigen Evangelium war es ein Samariter, welcher den Priestern und Pharisäern als Beispiel dafür dienen sollte, daß man Menschen nicht verachtet, welchen Stammes oder welcher Abkunft sie auch seien. Auch diesmal mußte wieder einer aus jenem verachteten Stamme die stolzen und sich besser dünkenden Juden beschämen, ihnen beweisen, daß niemand, weder Zöllner noch Samariter, so schlecht sei, daß er nicht Nächstenliebe üben könne, und daß man bei ihm nicht auch gute, ja oft bessere Eigenschaften antreffen könne als bei manchen sich hochrühmenden Kasten, - ein Beispiel für heutige Zeiten, in denen so mancher auf seine Mitmenschen wie jener Pharisäer auf den Zöllner oder ein Jude auf einen Samariter herabblickte!

  

26] Daß von den zehn Aussätzigen nur einer, und zwar derjenige zurückkehrte, von welchem man es am wenigsten erwartete, zeigt daß der wahre Glaube nur in ihm Wurzel geschlagen hatte und er, übermannt von der Gnade des Herrn, nicht anders konnte, als Dem die Ehre zu geben, von dem die Gnade ausgegangen war.

  

27] So wird es auch mit den Gnadenspenden im Leben aller Menschen sein. Nur diejenigen werden sich der schönen Resultate ihres festen Glaubens und Vertrauens auf Mich und ihre eigene Willenskraft zu erfreuen haben, welche offen und frei die Worte des zehnten Verses bekennen, der lautet: "Und wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so bekennet, daß ihr unnütze Knechte seid und nur getan habt, was ihr zu tun schuldig wart!"

  

28] Ich ließ es bei diesem Akt der Heilung zu, daß neben dem festen Glauben der Geheilten doch auch die größere Eigenschaft, die Dankbarkeit für die erhaltenen Wohltaten, nicht vergessen wurde. Eine empfangene Wohltat ohne Dankgefühl gegen den Geber ist eine halbe, ja oft gar keine Wohltat. Statt daß eine erteilte Gnade den Empfänger demütigt, macht ihn die Vernachlässigung des Dankes stolz. Das erste ist Ausdruck der Liebe, das andere Ausdruck des Hasses; das erste ist ein offenes Bekennen der eigenen Ohnmacht, das zweite ein Bereuen, daß Umstände es erheischen, anderen dankbar sein zu müssen; das erste ist himmlischer, das zweite höllischer Natur.

  

29] So wollte Ich in diesem Akt dem nachdenkenden Erforscher dieser Tat noch nach Jahrtausenden ins Gedächtnis zurückrufen, daß die Macht des Glaubens, so schön sie auch bis zur höchsten Steigerung sein kann, doch gleich null ist, wenn ihn nicht vor wie nach der Tat der Aufblick nach oben zuerst seine eigene Ohnmacht und danach die Allmacht Dessen begreifen läßt, der den Menschen als winzigen Wurm in der Schöpfung mit solchen Kraftmitteln ausstatten kann.

  

30] Dem Menschen, der sich seines göttlichen Ursprungs bewußt ist und nur nach oben blickt und alles von dort Geschenkte wieder demütig und dankend auf dem Altar der Liebe niederlegt, einem solchen Herzen wird die Kraft seines Wollens durch Meinen Willen verstärkt werden. In einem solchen Herzen lebt als eine Frucht der Überzeugung der rechte Glaube, welcher dem Menschen durch das Bewußtsein der Kraft die Seligkeit gibt, die nur ein Kind genießen kann, wenn es die Macht seines liebenden Vaters erkennt und sich derselben würdig fühlt.

  

31] Nach dieser Würde trachtet! Und wo dann die Dankbarkeit ist, da wird auch das Vollbringen des Gewollten eure Wünsche krönen!

  

32] So nehmt dieses Evangelium auf als Wegweiser durch das Labyrinth des Lebens. Baut auf einen soliden, festen Grund, und das Dach, welches dann das ganze Haus unter seine Obhut nehmen wird, wird Meine Geisterwelt sein, unter deren Schutz ihr, je nach Maßgabe eures Glaubens, von Stufe zu Stufe über höhere Wesen gestellt werdet und ihnen beibringen könnt, was Ich euch während eurer Lebens und Probezeit oft fühlen ließ, nämlich die unendliche Liebe als Vater und die unendliche Macht als Kinder, wenn ihr fest glauben und vertrauen gelernt habt! Amen.

 

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gm.pred.040. Predigt: Mt.06,24-34 am 14. Trinitatissonntag (20.04.1872)

   00] Warnung Jesu vor weltlicher Einstellung (Mt.06,24-34): "Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eines. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: ,Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?` Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürft. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe."

  

01] Diese Verse geben Verhaltungsmaßregeln für das Leben Meiner Jünger. Wörtlich genommen haben sie einen ganz speziellen Charakter, indem sie, dem Leben Meiner Jünger angepaßt, ihnen Vertrauen für die Zukunft, wenn Ich nicht mehr unter ihnen wandeln würde, einflößen sollten.

  

02] Das ganze sechste Kapitel enthält Maßregeln für das künftige Berufsleben, welchem Meine Jünger entgegengingen. Es waren die letzten väterlichen Ermahnungen, die Ich ihnen gab, damit sie Meine Worte in ihrem geistigen Sinn und nicht buchstäblich auffassen lernten, was oft geschah; denn sie mußten erst selbst darüber im klaren sein, ehe sie andere belehren und auf den Weg der wahren Erkenntnis führen konnten.

  

03] So enthält dieses Kapitel ausführliche Auseinandersetzungen über die Art und Weise, wie man Almosen geben, wie man beten und die kirchlichen Gebräuche geistig und zum Nutzen der Seele ausüben soll. Ferner ist darin der eigentliche Wert der zeitlichen, materiellen und der ewigen, geistigen Güter gezeigt und die Art, wie man die Lebenssorgen mit dem Vertrauen auf Mich verbinden kann. Letzteres war ein wichtiger Punkt, da Meine Jünger nach Meinem Hingang zwischen Geist und Welt oder - wie es dort geschrieben steht - zwischen Gott und Mammon zu wählen hatten.

  

04] Meine Jünger verließen alles, was sie an die Welt band, und folgten Mir, die weltlichen Güter und Bande den geistigen Gütern opfernd. Es war also wohlverständlich, daß, nachdem Ich ihnen so oft Meinen Hingang vorausgesagt hatte, in ihnen der Gedanke auftauchte: "Was wird aus uns werden? Es ist wahr, in Seiner Nähe hatten wir für nichts zu sorgen; aber wenn Er nicht mehr unter uns wandelt, - was dann?"

  

05] Auf diese sich oft einschleichenden Gedanken mußte Ich ihnen antworten, um ihre aufgeregten Gemüter nicht allein während Meines Erdenwandels, sondern auch für spätere Zeiten zu beruhigen, damit auch die Sorge um Nahrung und Kleidung nicht so schwer auf ihnen laste, wodurch ihre geistige Mission bedeutend gelitten hätte. Deswegen die väterlichen Worte, deswegen der Hinweis auf die Lilien des Feldes und darauf, daß der liebende Vater im Himmel nichts vergißt, was Er erschaffen hat, und Er aus diesem Grund auch sie, die Auserwählten für die höchsten Zwecke, nicht im Stich lassen werde!

  

06] Alle diese Worte, zu Meinen Jüngern gesprochen, hatten für sie in den Verhältnissen, in welchen sie lebten, eine wörtliche Bedeutung, sind aber für euch und alle künftigen Geschlechter geistig zu deuten; denn ihr lebt in anderen Verhältnissen und habt nicht nötig, euch von allem zu entledigen, um Mir geistig auf dem bezeichneten Weg zu folgen.

  

07] Wenn Ich in jenen Zeiten sagte: "Man kann nicht zwei Herren dienen!", so wollte Ich damit sagen, daß man unmöglich zwei verschiedene Dinge mit dem gleichen Grade der Liebe umfassen kann. ,Entweder Gott oder dem Mammon dienen` will soviel sagen als: entweder das eine oder das andere als höchstes Ziel vor Augen haben; denn ,dienen` bedeutet: sich mit ganzer Seele dem hingeben, das man vor allem andern liebt.

  

08] In solchem Sinne gilt dieses Wort auch für euch und das lebende und kommende Menschengeschlecht. Wer ganz der Welt und ihren Genüssen lebt, nur nach Befriedigung derselben strebt und alle Mittel aufbietet, das zu erlangen, was ihm als Höchstes erscheint - d.h. das zeitliche Wohl -, der kann natürlich von Gott und geistigen Gütern nur einen mittelmäßigen Begriff haben, und diesen Begriff wird er stets den andern Begriffen unterordnen, weil nur weltliches Wohl und nicht Geitsiges sein höchstes Ziei, sein einziger Wunsch ist. In dieser Hinsicht ist das Wort wahr: "Man kann nicht Gott und dem Mammon dienen!"

  

09] Aber den Mammon, die weltlichen Güter zu geistigen Zwecken benützen und demselben keinen größeren Wert beilegen, als er wirklich hat, ihn zum eigenen und zum Besten seiner Nebenmenschen verwenden, zumal wenn Ich einzelne mit besonderen Glücksgütern beschenkt habe, das ist eine andere Sache!

  

10] Auch gab es Reiche, Begüterte und Hochgestellte, welche dennoch nur Mir anhingen und die Welt so betrachteten, wie Ich es wünschte. Die ihnen anvertrauten Güter waren daher nur Mittel zum Zweck, aber nicht ausschließlich das einzige Endziel all ihres Strebens.

  

11] Daher ist für diesen Satz: "Man kann nicht zwei Herren dienen!" das rechte Verständnis äußerst notwendig.

  

12] Auch die übrigen Trostworte, die Ich Meinen Jüngern gab, sind nicht im wörtlichen Sinn zu nehmen; denn bei den jetzigen Lebensverhältnissen ist es sogar Pflicht eines jeden, für die irdischen Bedürfnisse zu sorgen. Nur soll diese Sorge nicht so weit gehen, daß sie einen Menschen hindert, sein geistiges Ziel zu verfolgen und seinem Nebenmenschen Gutes zu tun!

  

13] Wahr ist es wohl: ,Die Vögel säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und der Vater im Himmel sorgt für sie`; allein die Tiere sind unmündig, und ihre Erhaltung bewirkt der Instinkt, durch den die Hungrigen zur Nahrung, die Durstigen zur Quelle geführt werden. Die meisten Tiere haben auch nur für sich allein oder für ihre kleine Familie zu sorgen, und für letztere nur auf kurze Zeit.

  

14] Nicht so ist es mit dem Menschen. Er ist frei. Nicht die Stimme der Natur, nicht der Instinkt, sondern sein Geist treibt ihn, mittels des Verstandes seine Lage derart zu verbessern, daß er nicht von Sorgen für seinen körperlichen Organismus gestört werde, an seinem geistigen Ich zu arbeiten. Er muß also für sein künftiges Leben, für sich und seine Familie sorgen, weil diese einer längeren Fürsorge bedarf als die der Tiere.

  

15] Der Hauptzweck seines Lebens muß allerdings das Reich Gottes und seine höhere, geistige Bestimmung sein, die nach diesem kurzen Prüfungsleben im Jenseits ewig fort gilt. Es ist also seine Pflicht, die ihm anvertrauten Geschenke - die Talente und Glücksgüter - so zu verwerten, daß er dabei nie sein geistiges Kleid für jene lange Lebensdauer einbüßt.

  

16] Es heißt wohl in diesen Worten: "Sorget nicht für den morgigen Tag; denn jeder Tag hat seine eigene Plage!"; aber dieses Wort war für Meine Jünger in anderem Sinn gesprochen, als es für euch jetzt gedeutet werden muß. Es will - wie auch alle vorhergehenden Verse nur soviel sagen, daß der Mensch seine Sorgen nicht zu weit ausdehnen und nicht in die Räder des Schicksals oder in die göttliche Führung des einzelnen eingreifen soll, weil hier sein Bereich aufhört.

  

17] Ihr Menschen sollt euren Sorgen und Anstrengungen nur so weit Raum geben, als sie durch Meine Lehre, durch Mein Wort gutgeheißen werden und einen Erfolg versprechen. Dann sind sie gerecht, aber auch nicht zu groß; denn stets werdet ihr den kleineren, Ich aber den größeren Teil eurer Wünsche zu erfüllen haben. Wenn ihr dabei noch bedenkt, daß eure Einsicht als endliche Wesen stets beschränkt, die Meinige als die des allmächtigen Herrn und Schöpfers aber unbeschränkt ist, so müßt ihr auch einsehen, daß das durch Flehen sehnlichst Erwünschte nicht immer erfüllt werden kann, sondern daß Ich dasselbe oft verweigern muß, weil Ich weitblickender bin, als ihr es seid.

  

18] Ihr seht aus der Deutung dieser Verse, wieviel Mißverständnis durch einseitige Auffassung dieser in jener Zeit ganz anders gemeinten Worte herbeigeführt werden kann. Damals waren sie dem künftigen Lebensberuf und der sozialen Stellung Meiner Jünger angepaßt; heutzutage sind sie zwar ebenfalls wahr - denn nur Wahrheit konnte ja aus Meinem Munde kommen -, jedoch muß mehr ihr geistiger Sinn der Leitstern eures Tuns und Lassens sein. Die Meinen ersten Jüngern gegebenen Trostworte müssen Meinen jetzigen, vielleicht letzten Jüngern, in ganz anderer Bedeutung erscheinen.

  

19] Wahr bleibt alles, was Ich sprach; aber der geistige Standpunkt eines jeden einzelnen motiviert das Verständnis der Wahrheit. Wenn sie stets den eigenen Verhältnissen angepaßt und auf Mich bezogen wird, so kann sie die Resultate bringen, die Ich einst beabsichtigte, und die Ich jetzt bei der geistigen Erklärung derselben wieder bezwecken will. Ich wiederhole hier, daß das rechte Verständnis Meiner Worte - die, weil von Mir herrührend, von ewiger Dauer und ewiger Schönheit sein müssen - euch Dinge offenbart, welche ihr oft in einzelnen Augenblicken ahnt, aber deren Schleier ihr nie gänzlich zu entfernen vermöget.

  

20] Befleißigt euch also, das geistige Verständnis zu erlangen, damit das in euch einstrahlende Licht in seiner ganzen Stärke eure Seelen erleuchten, erwärmen, beleben und mit Meinem Geist verbinden kann! Dann ist der Augenblick gekommen, wo die Decke der materiellen Schöpfung für euer Auge nicht mehr existiert, wo sie dem geistigen Auge gewichen ist und euch überall nur Geistiges und Mich als Herrn des Geistigen, als ewig liebenden Vater erkennen läßt.

  

21] Dort blüht euch der Friede und die Ruhe, als Endziel aller gerechten und eitlen Sorgen; dort ist die Vergeltung für alles bitter Erlebte, die Belohnung für alles gerecht Verdiente; dort sind die letzten Bausteine der materiellen Welt zu den ersten der geistigen umgewandelt, auf denen der ganze, große Bau einer nie endenden Geisterwelt ruht. Den materiellen Dingen wird ihr geistiger Platz und den geistigen Wesen ihr zur weiteren Läuterung nötiger Weg angewiesen, damit sie - von Stufe zu Stufe, von Welten zu Welten, von Sonnen zu Sonnen emporsteigend, stets mehr Fähigkeiten empfangen, stets mehr Seligkeiten genießen und als Endziel aller Mühen endlich die Stufe erreichen, wo der Vater, als der eine Hirte, von Seinen Kindern, als der einen Herde, umringt wird, deren Sammlung im körperlichen Leben angefangen und im geistig-höchsten geendet hat.

  

22] Das ist euer Ziel, und das ist der Zweck all Meiner Kundgebungen an euch! Ich tue, wie ihr seht und wohl ahnen könnt, Mein möglichstes. Es liegt nur an euch, Meine vielen Worte so aufzufassen, wie Ich, der Ich Geist bin, sie nur gemeint haben kann.

  

23] Befleißigt euch, deren Verständnis zu gewinnen, und das Endresultat wird euch beweisen, daß nur auf diesem Weg ein Vater seine Kinder zu solch einem Ziel führen konnte! Amen.

  

 

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gm.pred.041. Predigt: Lk.07,11-17 am 15. Trinitatissonntag (22.04.1872)

00] Erweckung des toten Jünglings zu Nain (Luk. 7,11-17): Und es begab sich danach, daß Jesus in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seiner Jünger gingen viele mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein einziger Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselben, und er sprach zu ihr:"Weine nicht!", und trat hinzu und rührte die Bahre an, und die Träger standen. Und er sprach: "Jüngling, ich sage dir, stehe auf!" Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an, und sie priesen Gott und sprachen: "Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht." Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden Länder.

  

01] Hier habt ihr wieder eine jener Wundertaten, die das Volk und Meine Jünger im Glauben bestärken sollten, daß Ich nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, nicht nur ein Prophet, sondern etwas Größeres sei, damit sie alle nach und nach williger in Meine Wege eingehen sollten und sich leichter führen ließen.

  

02] Auch die Essäer erweckten Tote; das ,Wie` aber habe Ich euch schon in dem Großen Evangelium Johannes kundgegeben. Es war, wenn Ich ein Wunder wirken wollte, immer der Umstand zu bedenken, daß Meine Wunder auf eine andere Art gewirkt sein mußten als die Wunder anderer. Nur auf diesem Weg und nur durch die schlagendsten Beweise konnte Ich dieses in den Mosaischen Lehren und Zeremonien verrannte Volk eines Besseren belehren.

 

03] Eine Totenerweckung wie bei dem Jünglin, zu Nain war ihnen noch nicht vorgekommen; daher ihr gerechtes Staunen ob Meiner Macht über Leben und Tod, welche sie bei Menschen noch nicht gesehen hatten.

  

04] So erzog Ich Meine Jünger und viele des Volkes, auch Heiden, zu Fortpflanzern Meiner Glaubens und Liebelehre. Die Echtheit Meiner Worte und die Wichtigkeit Meiner Sendung, den Grund, warum Ich auf diese Erde kam, und was das Ziel und der Zweck Meiner irdischen Laufbahn als Mensch war, das alles bewies Ich ihnen bald durch Gleichnisse, bald durch Reden, bald durch Wunder. Wenige verstanden Mich; aber doch war der Same in ihre Herzen gelegt, der nach und nach aufging und, wenngleich spärlich, doch Früchte zu tragen anfing. Überall paßte Ich mich den Umständen an; entweder hielt Ich gewaltige Reden oder Ich wirkte Wundertaten, welche dazu beitragen mußten, den Menschensohn als das zu verkünden, was er eigentlich war.

  

05] Die Wundertat der Erweckung des Jünglings zu Nain ist aber, wenn sie als Predigt von Nutzen sein soll, geistig zu nehmen. Wir müssen den Akt des Natürlichen entkleiden, um seine für alle Zeiten gültige Bedeutung herauszufinden, damit ihr erkennt, daß in jeder Tat aus Meinen Lehrjahren etwas verborgen liegt, was für alle Ewigkeiten Geltung hat.

  

06] Hier in diesem Evangelium habt ihr ein einfaches Leichenbegräbnis vor euch, bei dem eine weinende Mutter dem Sarg ihres geliebten, einzigen Sohnes folgte. Ein gewöhnliches Vorkommnis, das euch täglich - entweder in eigener Familie oder bei Freunden und Bekannten begegnen kann. Überall werdet ihr einen starren Leichnam und weinende Nachfolgende treffen.

  

07] Um diesen Akt einer natürlichen Gesetzesfolge im menschlichen Leben geistig zu erklären, müßt ihr auch das, was einem Leichenbegängnisse vorangeht, geistig auffassen lernen.

  

08] Seht, jeder Todesfall ist ein Übergang von einem Extrem zum andern, vom Leben zum Tod, eine Verwandlung des festen Körpers in einfache Elemente, eine Scheidung des Geistigen vom Materiellen oder, wenn ihr es noch besser ausdrücken wollt, der Anfang des geistigen und das Ende des materiellen Lebens.

  

09] Es gibt in der Schöpfung einen materiell-scheinbaren und einen geistig wirklichen Tod. Insofern ist ein Begräbnis entweder als ein Begraben des Geistigen im Menschen oder als ein Verlassen alles Weltlichen anzusehen.

  

10] Hier in diesem Falle beweint eine Mutter ihren einzigen Sohn und folgt seinem Sarg. Zu dieser traurigen Schmerzensszene kam Ich hinzu. Die Mutter dauerte Mich. Ich ließ die Träger anhalten und erweckte ihren Sohn, damit er noch ferner die Stütze seiner ihn liebenden Mutter bleibe.

  

11] Diese Handlung, geistig aufgefaßt, will folgendes sagen: Jetzt und noch oft werden Eltern über ihre Kinder, die eine falsche Richtung eingeschlagen haben, weinen. Sie werden trauern, wenn sie sehen, wie diese - ungeachtet ihrer Mühen und Sorgen -, gleich einer materiellen Leiche nichts Geistiges mehr in sich bergend, nur der Welt und ihren Genüssen nachgehen und so dem geistigen Tod entgegeneilen..

  

12] Zu manchen solcher weinenden und trauernden Eltern trete Ich bei solchen Ereignissen, wo Vater und Mutter leider nur zu spät erkennen müssen, daß an dem frühen Geistestod ihres Kindes sie selbst auch Schuld tragen, hinzu und rufe die in Sünde und Laster versunkenen Kinder wieder ins Leben, ins geistige Leben zurück, indem Ich sie die Folgen ihres Lebenswandels in bitterster Weise verkosten lasse. Ich erwecke sie durch Leiden und Krankheiten, zerstöre ihre körperliche Gesundheit und ihre weltlichen Verhältnisse und gebe auf diese Weise dem zum Leichnam gewordenen Kind das Geistige wieder zurück, damit es von neuem anfangen möge, das Verlorene wiederzugewinnen, und so seinen Eltern durch reuige Umkehr die Selbstvorwürfe lindere und ihr Gewissen erleichtere.

  

13] Solche Leichenzüge gibt es täglich im gewöhnlichen wie auch im geistigen Leben. Auf eurer Erde ist jetzt mehr Fäulnis als geistiges Leben vorhanden; beinahe die ganze Menschheit liegt in materiellen Gelüsten vergraben, gleichsam unbeweglich im Sarge weltlicher Sorgen und Genüsse. Und die wenigen, welche noch geistiges Leben besitzen, sind die Leidtragenden, die hinter diesem Sarg einhergehen und zu Mir um Abhilfe und Rettung flehen, da sie die Toten, ihre Nächsten, bedauern, bemitleiden - und doch nicht retten können.

  

14] Dieser Leichenzug im Kleinen wie im Großen, wie auch das Wehklagen der wenigen Besseren veranlaßt Mich, zu diesem Sarg hinzutreten und die Schlafenden oder scheinbar Toten aufzuwecken, damit sie fürs geistige Leben nicht verlorengehen. Ich erwecke sowohl einzelne Menschen als auch ganze Völker durch Ereignisse und Unglücksfälle aller Art und lasse sie die Folgen ihres verkehrten Lebenswandels, da sie das Geistige so ganz außer acht lassen, fühlen.

  

15] Seht, dieser große Leichenzug bewegt sich langsam an den Ort, an dem die Zersetzung des materiellen Körpers stattfindet. Der seelische Zustand vieler Menschen, wie auch der staatliche der Völker, fängt an, in Fäulnis überzugehen, und es manifestiert sich ein allgemeiner Zersetzungs, Reinigungs und Scheidungsprozeß, wie es bei jedem Körper geschieht, der vom Leben verlassen und den natürlichen Gesetzen unterworfen, anderen Bildungen wieder als Grundlage und als Förderungsstoff dienen muß.

  

16] Mitten in diesem allgemeinen Auflösungsprozeß der ganzen Menschheit, die - bildlich gesprochen - leblos im Sarg der Weltgenüsse liegt, trete Ich hinzu, lasse durch Meine Boten und Schreiber neues Leben, neue Kraft, neuen Geist in die Pulsadern der menschlichen Seele strömen und rufe den eingeschlafenen Weltmenschen, wie einst dem Jüngling zu Nain, zu: "Jüngling! Ich sage dir, stehe auf!"

  

17] Die Menschheit, wie sie jetzt ist, gleicht mit der kurzen Dauer ihres Prüfungslebens einem Jüngling, der seine Mission noch lange nicht erfüllt hat. Auch die Menschheit muß ins Mannes und dann ins Greisenalter übergehen, damit sie reif wird und sich anschickt, ihre alten Kleider halbvermoderter Weltansichten auszuziehen und ein geistiges, nie verwesendes Kleid anzuziehen, welches über dieses kurze Erdenleben hinaus auch fürs andere, größere, ewige Leben tauglich ist. Dieser in die Verwesung übergehenden Menschheit rufe Ich zu: "Stehe auf; denn du bist nicht geschaffen, den langwierigen Weg der Materie, sondern den kürzeren des Geistes zu wandeln! Stehe auf und beachte Meinen Ruf, ehe der gänzliche Zerfall aller sozialen Bande dich nur zu bitter belehren wird, daß es noch eine ganz andere Welt gibt als die, an welche du bisher gedacht hast, und die nur aus lauter Spekulationen, Betrug und Machthaberei besteht!"

  

18] Seht, wie einst, so jammert Mich auch jetzt dieser Zustand der Fäulnis! Es jammern Mich die besseren Leidtragenden, aber auch die Toten, die - da sie Mein Wort nicht kennen - der Verwesung, dem geistigen Zersetzungsprozeß unwiederbringlich anheimfallen würden und den langen und beschwerlichen Weg der Erkenntnis von innen heraus, freiwillig, antreten müßten. Mich jammert es, die Menschheit als Leiche vor Mir zu sehen, da Ich doch bei Erschaffung der Menschen einem jeden einen geistigen Funken Meines eigenen Wesens als Mitgift gab. Später durch Mein Herniedersteigen auf eure Erde habe Ich nicht allein diesen Funken wieder zur Wirkung gebracht, sondern - was Ich durch Demütigungen und Opfer bezahlen mußte - euch Menschen vor so vielen anderen Geschöpfen auserkoren, Mich nicht nur als höchsten Geist, sondern auch als Vater zu erkennen und mit Mir und durch Mich zur Weiterbildung anderer Welten beizutragen, welchen ihr dann neue Seligkeiten und neue Wahrheiten bringen dürft. Das Geben derselben wird euch selbst noch größere Seligkeiten bringen, und ihr werdet als Kinder Meiner Liebe erst empfinden, was es heißt, die Bevorzugten des allmächtigen Schöpfers und Herrn des ganzen Universums zu sein!

  

19] Darum jammert Mich dieser Leichenzug, und deswegen ertönt durch Meine Worte und Himmelsgaben, die Ich auf euch und die ganze Menschheit seit Jahren herniederströmen lasse, stets der Ruf: "Steht auf, erwacht von eurem weltlichen Schlaf! Erwacht zum geistigen, zum ewigen Leben; denn nur dort ist die Löse eurer eigenen Existenz! Dort allein ist der Anfang und das Ende des Menschengeschlechts! Ihr braucht euch nicht wie der materielle Körper aufzulösen, um anderen Formen, Wesen und Dingen anzugehören! Nein, ihr sollt eures einfachen Ursprungs wohl eingedenk, als unmündige Seelen das Knaben-, Jünglings- und Mannesalter durchleben, um im Greisenalter mit dem Bewußtsein schöner Taten und mit erhabenen Empfindungen in jene Welt übergehen zu können, wo keine Verwesung des Weltlichen mehr hinreicht, sondern wo alles Geist, alles Liebe, alles Licht ist, wo alles Wärme und ewiges Leben atmet, wo es keine Leidtragenden, sondern lauter freudige, jubelnde Geister gibt! Sie sollen mit und durch euch zum großen Endziel, in Mein unendliches Geisterreich, geführt werden, und Ich werde als Vater Meiner Kinder die Erweckten zum ewigen Lichtborn des Lebens führen. Dann werden sie Mich als Vater erst ganz begreifen.

  

20] Diese Auferstehung aus dem Materiellen, dem weltlichen Sarg, will Ich mit all Meinen Worten bezwecken, wie Ich einst mit Meinen Wundertaten, Worten und Gleichnissen ebenfalls die damalige Welt beschützen und vorbereiten wollte, daß sie geistig nicht verwese.

  

21] In jener Zeit waren die Propheten, Meine Jünger und sonstige Gläubige die Leidtragenden; heutzutage seid ihr es, denen Ich das Wort des Heils und des ewigen Lebens gegeben habe, damit auch ihr, soviel wie möglich, zum Rettungswerk beitragen könnt!

 

 22] Arbeitet zu diesem Zweck in euren eigenen Familienkreisen! Laßt dort keine Tote oder Verwesende aufkommen! Säet den Samen des Lebens, den dann Mein geistiger Wind, wie die Herbststürme den materiellen Samen auf zu befruchtende Felder, in die durch Leiden und Unglücksfälle zubereiteten Herzen führen wird, damit auch dort das Auferstehungsfest sich wiederhole! Dann wird vom ganzen leblosen Leibe der Menschheit nichts als der Sarg, die Welt selbst übrigbleiben, die sich dann - will sie dem Menschen nützlich sein - durch den Einfluß der vergeistigten Menschheit ebenfalls vergeistigen muß. So wird das einstige Paradies wieder erstehen, in welchem der Mensch, als geistiges Geschöpf Meiner Schöpferhand entstiegen, wieder geistiger Herr über alles Getier und selbst über die Elemente ist, - was nur der lebende, nicht aber der tote ,Jüngling zu Nain` vermögen wird. Amen.

 

 

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gm.pred.042. Predigt: Lk.14,01-06 am 16. Trinitatissonntag (23.04.1872)

   00] Wahre Sabbatfeier (Lk.14,01-06): Und es begab sich, daß Jesus in ein Haus eines Obersten der Pharisäer kam auf einen Sabbat, das Brot zu essen; und sie hatten acht auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: "Ist es auch recht, am Sabbat zu heilen?" Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilte ihn und ließ ihn gehen. Und er sprach zu ihnen: "Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt und der nicht alsbald ihn herauszieht am Sabbattage?" Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben.

  

01] Der Anfang dieses Kapitels spricht von der Heilung eines Wassersüchtigen, und zwar im Hause eines Obersten der Pharisäer und an einem Sabbat, an dem nach den strengen Vorschriften der Juden nichts weiter getan werden sollte, als den kirchlichen Gebräuchen und Zeremonien nachzukommen.

  

02] Daß diese Heilung unter den angeführten Umständen vorgenommen wurde, hatte seinen guten Grund. Dieser Oberste war zwar ein Anhänger Meiner Lehre, jedoch faßte er die Satzungen des Tempels nur im buchstäblichen Sinne auf; auch hörte er Mich gern an, wenn Ich nur nichts unternahm, was gegen seine Ansichten und gegen seine Würde als Pharisäer verstieß. Ich ließ es daher zu, daß, während Ich am Tisch bei ihm saß, ein mit der Wassersucht behafteter Mann ins Zimmer trat und Mich um Heilung seiner Krankheit anflehte.

  

03] Daß Ich ihn heilte, bezeugt das Evangelium. Aber weil Ich ihn gerade an einem jüdischen Sabbat heilte, war das ein Stein des Anstoßes. Gerade dadurch wollte Ich den Pharisäern klar zeigen, wie schlecht sie ihre eigenen Satzungen verstehen, und wie falsch sie diese dem Volk beibringen. Daher der Einwurf, indem Ich sagte: "Wenn euch ein Ochse oder ein Esel am Sabbat in den Brunnen fällt, so ziehet ihr ihn doch heraus, weil es eben euer eigenes Interesse verlangt; aber am Sabbat ein gutes Werk an anderen oder für andere zu verrichten, das haltet ihr für Sünde!"

  

04] Ich wollte ihnen dadurch beweisen, daß Wohltaten und gute Handlungen nicht den vorgeschriebenen Feiertag oder Sabbat entheiligen, sondern ihn eher heiligen als viele nutzlose Gebräuche und Zeremonien, welche gedankenlos vollführt werden.

  

05] Bei dem jüdischen Volke gab es derlei Mißstände in Menge. Obwohl sie die Gesetze Mosis und die Propheten hatten, so wußten sie doch ihren Wortlaut nicht geistig zu deuten. Sie wurden von den Pharisäern und Schriftgelehrten im Wahne buchstäblicher Auffassung bestärkt, weil den letzteren sehr viel daran lag, die Gesetze so auszulegen, und daß es nicht viel Mühe kostete, ein Jude im Buchstabensinn zu sein.

  

06] Daher Mein Darniederkommen gerade inmitten dieses Volkes, welches schon lange eine Religion besaß, die als Unterbau zu Meiner Lehre am ehesten tauglich war. Es kam nur darauf an, die alten Gesetze nicht umzustoßen, sondern sie dem Judenvolk gereinigt wiederzugeben, geistig zu erklären und auf diese Weise die Menschenwürde zu retten, welche nahe daran war, in lauter zeremoniellen Gebräuchen des Tempels und in egoistischen Weltgenüssen unterzugehen.

  

07] Während Meiner drei Lehrjahre verfolgte Ich stets diesen Zweck. Ich suchte Gelegenheiten auf oder ließ solche zu, welche den Anlaß gaben, gegen die falschen Ansichten und Vorurteile der Juden anzukämpfen.

  

08] So war auch die Feier des Sabbats eine Frage, die Ich als Stifter Meiner göttlichen und einzig wahren Religion nicht gleichgültig übergehen konnte. Um diese Vorurteile auszumerzen, fing Ich gerade im Hause eines Obersten der Pharisäer an, dagegen zu handeln, damit diese Handlung einen Grund zur Aussprache geben sollte. Weil nun die Pharisäer die ersten sein und alles besser wissen und verstehen wollten, darum mußten auch sie zuerst von ihren irrigen Begriffen gereinigt werden, wenn je dem Volk reiner Wein eingeschenkt werden sollte. Deshalb wirkte Ich diese Heilung gerade vor ihren Augen und antwortete ihnen, daß sie verstummen mußten, wie die Verse 5 und 6 bezeugen.

  

09] Die Obersten des Tempels hatten vom Wohltaten erweisen eine ganz andere Ansicht, so daß Ich Mich oftmals genötigt sah, ihnen die Worte von der Nächstenliebe in Beispielen und Gleichnissen näher auseinanderzusetzen; denn nach ihrer Ansicht waren Wohltaten nur dem Tempel und ihrer Person zu erweisen. Alles andere, das an Menschen getan wurde, war für sie nicht der Beachtung wert.

  

10] Schon in jener Zeit wurde die Feier des Ruhetags jede Woche falsch aufgefaßt; und heutzutage wird dieser Tag ebensowenig richtig gefeiert oder - mit anderen Worten gesagt - der geistigen Erziehung gewidmet wie damals. Es ist deshalb wohl auch jetzt nicht unrecht, wenn Ich, anschließend an diesen Heilungsakt am Sabbat, über die Feier dieses Tages einige Bemerkungen anknüpfe und euch zeige, daß auch ihr noch sehr weit davon entfernt seid, diesen Tag so zu feiern, wie es Moses gemeint hatte und Ich selbst es verstanden wissen möchte!

  

11] In der Welt, wie sie war und noch ist, gibt es stets Befehlende und Gehorchende. Es war von jeher der Fall, daß die Befehlenden, nur ihren eigenen Nutzen im Auge behaltend, oft die Gehorchenden und ihre Arbeitskraft mißbrauchten, ihnen wenig Ruhe, wenig Zeit gönnten, um auch nur wenigstens einmal in der Woche das Zeitliche beiseitesetzen und entweder ein Wort geistigen Sinnes vernehmen oder eine Betrachtung höherer Art anstellen zu können über den wahren Grund ihrer eigenen Existenz, darüber, was sie als Menschen sind oder als mit göttlichem Geist begabte Wesen werden sollen.

  

12] Dies war der Grund, warum Moses in seinen Gesetzen das, was die Mächtigen nicht freiwillig wollen, als von Gott anbefohlen hinstellte. In der bildlich dargestellten Schöpfungsgeschichte ließ er den obersten Herrn und Schöpfer selbst nach sechstägiger Arbeit den siebenten Tag als den Tag der Ruhe einsetzen.

  

13] Diese Anordnung, die zur Bewahrung der moralischen Würde des Menschen notwendig war, ist auch von anderen Völkern angenommen worden und besteht jetzt fast überall. Wenn auch die damalige Woche anders eingeteilt war, als es eure jetzige Zeitrechnung tut, so ist doch immer ein Tag in der Woche festgesetzt, der zum Ausruhen von körperlicher Anstrengung, zur Einkehr in sich selbst und zum Nachdenken über die geistige Mission des Menschen bestimmt ist.

  

14] Was die Juden zuviel taten, indem sie durch buchstäbliche Auffassung ihrer Satzungen zu weit gingen, das ist bei den christlichen Völkern schon seit langer Zeit umgekehrt der Fall. Während bei jenen als strenges Gebot die Heiligung des ganzen Tages anbefohlen war, genügt bei den Christen zeitweiser Kirchgang; die übrige Zeit wird mit Vergnügungen, Prassen und Schlemmen zugebracht. Am Sonn und Feiertag wird im ganzen mehr Schlechtes getan als während der ganzen Woche, wo wegen Beschäftigung und Mangel an Mitteln die nötige Zeit und Gelegenheit fehlt.

  

15] Was bei den Juden die Pharisäer taten, das befolgten später die christlichen Priester. Sie dachten nur an ihr eigenes Ansehen und ihre Macht. Die Pharisäer setzten den Tempel als erstes voran, und die Priester der Christen ihre Kirche. Bei den ersten dehnte sich die Weihe des Feiertages auf 24 Stunden aus - auch außerhalb des Tempels mußte der Feier des Tages noch gedacht werden -, bei den Christen beschränkt sie sich nur auf einige Stunden in der Kirche. Die meisten Menschen glauben, sich mit Mir abgefunden zu haben, indem sie ein paar Stunden in einer Kirche saßen, standen oder träumten, nichtssagende Gebete herunterplapperten oder gemütlich einschlafend den Predigten der Priester ein natürliches Stillschweigen entgegensetzten. Damit ist freilich dem Ehrgeiz der Priester geschmeichelt, sehen sie die Kirchen voll menschlicher Leiber; aber die Seelen derselben beschäftigen sich entweder mit gar nichts oder mit etwas ganz anderem als mit dem, was die Kirche oder Meine von Mir gestiftete Religion erheischt.

  

16] So greift der Mißbrauch immer mehr um sich, und jetzt fängt man sogar an, auch diesen Tag nicht mehr als Ruhetag gelten zu lassen, da man das Gewissen der gehorchenden durch Geld zu beschwichtigen weiß und ihnen das wenige, was sie noch glauben, hinwegdisputiert, ohne ihnen dafür etwas Besseres zu geben.

  

17] So geht der Verfall von Stufe zu Stufe fort. Die Befehlenden glauben dadurch einen Gewinn erreicht zu haben, daß ihr Eigennutz nun freiwillig von der arbeitenden Klasse, die ebenfalls wieder aus Eigennutz schafft, unterstützt wird. Doch sie irren sich gewaltig! Sie werden sehen, wohin es führen wird, wenn man dem Minderbegüterten die wenigen geistigen Elemente, die auch den Mächtigen ganz fremd geworden sind, entzieht und ihm durch Vermehrung des Gewinns seine Laster vermehrt. Sie verachten alles, was sich auf Mich und Meine Lehre bezieht. Und dieses Beispiel wird auch von den Untergebenen gewissenhaft befolgt. So siegt endlich das Materielle über das Geistige, bis Ich die Verhältnisse so stellen werde, daß die Machthabenden die Früchte ihres Egoismus - welche ganz anders ausfallen werden, als sie es sich erträumen - ernten müssen.

  

18] Der Sonn und Feiertag soll ein gewisser Hemmschuh sein; er soll der Tag sein, an dem die Mächtigen den Niederen eine Anerkennung für das Geleistete zu geben haben. Und für die Gehorchenden soll der Sonn und Feiertag der Tag sein, an dem sie sich daran erinnern sollen, daß ein Tag zu Betrachtungen über seine eigene geistige Bestimmung nicht zuviel ist; er soll der Tag sein, an dem die Geschäfte zu ruhen haben.

  

19] An diesem Tag spricht Meine Natur ihre ewig gleiche Sprache zu allen Herzen: "Vergeßt über all euren Arbeiten den Schöpfer nicht, der so viel Wunderbares und Herrliches auf dieser Erde geschaffen hat, um euch stets daran zu erinnern, daß ihr nicht für diese Welt allein bestimmt seid, daß eure Arbeit nicht immer materiell, sondern auch geistig sein soll! Erkennt Den, der mit so viel Liebe und Geduld euch schwache Kinder führt, und der euch mitten unter die Herrlichkeiten setzte, die wenigstens an einem Tage der Woche euch eure schwere Arbeit vergessen machen möchten!"

  

20] Ich selbst als Schöpfer setzte den Tag der Ruhe nach Moses Schöpfungsgeschichte am siebenten Tag ein. Er war gleichsam das Bild dafür, daß Ich, nachdem Ich Mich mit Materie beschäftigt hatte, am siebenten Tag in die bis dahin starre Hülle den Geist eintreten ließ. Und dieser Tag, an dem Ich die Materie zu etwas Geistigem erhob, war der Tag der Feier oder der Weihe. Daher soll er auch vom Menschen gefeiert werden, wenn er - gleich Mir - sechs Tage geschafft und gearbeitet hat.

  

21] Am siebenten Tag soll der Mensch sein Werk betrachten, um darin die geistige Idee wahrzunehmen, welche ihn leitete, solches hervorzubringen. Es soll dieser Tag ein Tag der Feier in geistiger Hinsicht werden, an dem er erkennen soll, daß sein wöchentliches Schaffen und seine eigene Existenz nicht eine materielle, sondern eine geistige Grundlage hat, deren er sich eben an diesem Tag mehr als an anderen erinnern soll. An diesem Tag, wo keine Pflicht, keine Arbeitsstunde ihn zum materiellen Handwerk zwingt, soll er sich Meiner Schöpfung, Meiner Lehre, Meiner Liebe und Meiner Aufopferung für ihn im einzelnen, wie für die ganze Menschheit erinnern.

  

22] Dieser Tag soll ihm deswegen ein Tag der Weihe werden, weil er an ihm das Materielle abstreifend sich mehr dem geistigen, hehren und erhabenen Ziel nähern kann, zu welchem er und die Gesamtschöpfung gelangen sollen.

  

23] So soll ein jeder Mensch den Sonntag feiern als einen Erinnerungstag Meiner Liebe und zum Andenken an alles, was Ich für ihn getan habe. Dann wird dieser Tag für alle Werktage ein sanftes, religiöses Gefühl zurücklassen, durch welches auch die materiellste Arbeit geheiligt wird. So kann der Mensch allem, was er tut und leistet, den Stempel seiner eigenen Göttlichkeit aufdrücken.

  

24] So soll der Sonn oder Ruhetag von euch verstanden und gefeiert werden. Ihr sollt euch stets erinnern, daß es einst einen solchen Tag für Mich gegeben hat, und daß ein jeder einen solchen Festtag dann erleben wird, wenn er, der materiellen Hülle ledig, in der anderen, ewigen Welt als vergeistigter Seelenmensch ankommt und als Erinnerung das Bewußtsein mitbringt, allen seinen materiellen Beschäftigungen den Stempel eines großen Menschengeistes, der ihn adelte und dessen er würdig war, aufgedrückt zu haben.

  

25] Daher haltet auch ihr diese Ruhetage in einem höheren, geistigen Sinn! Seht durch des Buchstabens harte Rinde das Geistige hindurchleuchten! Dieses ist, was beseligt. Vergeistigt alles, eure Umgebung, euch selbst, eure Taten und Worte!

  

26] Nicht allein der siebente, sondern ein jeder Tag, an dem ihr geistig vorwärtsschreitet, wird dann für euch ein Sonn und Feiertag sein, der - wie die Sonne, nach welcher dieser Tag bei euch benannt ist - Licht, Wärme und Leben über euch und eure Umgebung ausströmen wird. Jeder Tag wird ein Tag der Feier oder der Wonne werden, wenn ihr eures Schöpfers würdig und euer Ziel klar erkennend - von Stufe zu Stufe vorwärtsschreitet, bis euch der ewige, nie endende Feiertag, der Tag der Feier der ewigen Seligkeit in jenen Räumen zuteil wird, in denen jeder Tag ein Tag der Weihe und des Friedens ist, wie ihn ein liebender Vater Seinen Kindern schon von unendlichen Zeiten her bereitet hat. Amen.

 

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gm.pred.043. Predigt: Mt.22,34-40 am 17. Trinitatissonntag (24.04.1872)

   00] Das größte Gebot (Mt.22,34-40): Da aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: "Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz Jesus aber sprach zu ihm: "Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen beiden Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten."

  

01] Über die Antwort, welche Ich dem Pharisäer auf seine Frage: "Welches ist das vornehmste Gebot?" gab, ist euch schon manches gesagt worden, und es wäre eigentlich nicht notwendig, hier über die beiden Liebesgebote: "Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst!" noch weiter etwas zu sagen. Allein da es hier als eine Sonntagspredigt besonders angeführt ist, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten Mich versuchten, um einen Anklagepunkt gegen Mich zu finden - weil ihnen Mein Treiben und Meine Wahrheiten lästig waren -, so wollen wir diese zwei Gesetze einer näheren Betrachtung unterziehen. Ich werde euch sowohl die dortige Lage der Dinge, als auch ihre analoge geistige in jetziger Zeit etwas näher auseinandersetzen, damit ihr den Zusammenhang Meiner Worte und Taten in jener Zeit mit den jetzigen Ereignissen leichter in Einklang bringen könnt.

  

02] Seht also, in jenen Zeiten meines Erdenwandels war die Priesterkaste ebenso ehr und habsüchtig, wie sie es in allen späteren Zeiten gewesen ist, und wer ihre Macht schmälern oder gar vernichten wollte, war natürlich ein Feind der Kirche, weil er ein Feind der Priester war und das Volk von ihnen abwenden wollte, was sie dann besonders in bezug auf ihre Macht und am meisten an ihren Geldsäcken verspürt hätten. Sobald also ein Lehrer auftrat, wie Ich es tat, dem sie wegen seiner klaren Worte wenig Widerspruch entgegensetzen konnten, waren sie nur darauf bedacht, ihn als gefährlichen Aufwiegler gegen die bestehenden politischen Einrichtungen unter irgendeinem Vorwand der Obrigkeit zur Bestrafung zu überliefern, welches ihnen auch gelang, als die Zeit Meiner Mission auf Erden zu Ende ging. So oft sie es früher versuchten, wich Ich ihren gelegten Fallen persönlich und ihren verfänglichen Fragen durch wohlbedachte Antworten aus.

 

 03] In diesem Kapitel findet ihr verschiedene Fragen, verschiedene Versuche, Mich mit der Obrigkeit zu verwickeln, damit sie ihren Zweck erreichen könnten, ohne daß es den Anschein hätte, als wären sie die Urheber Meiner Gefangennahme, weil sie das Volk fürchteten, das Mir anhing und nachfolgte. Daher solche Fragen, wie die wegen des Zinsgroschens und mehrere andere dieser Art. Auch die Frage eines Schriftgelehrten: "Welches ist das vornehmste Gebot?" war auf einen Fang abgesehen; denn dieser Fragende erwartete von Mir eine Antwort, aus welcher eine Mißachtung der bestehenden weltlichen Gesetze herausgefunden werden könnte, worauf die Diener und Knechte des Statthalters triftigen Grund gehabt hätten, Mich den Gerichten zu überliefern. Da Ich jedoch ihre Gedanken und Absichten im voraus wußte, hütete Ich Mich wohl, ihnen vor der Zeit Anlaß zu lügnerischen Beschuldigungen zu geben. Meine Antwort fiel so aus, wie sie schon in ihren Gesetzen lag, nur war Meine Deutung dieser Gesetze von ihrer Deutung verschieden, verschieden war auch die Anwendung dieser Gesetze, also die Art und Weise, wie Ich sie befolgt haben wollte.

  

04] In den mosaischen Gesetzen waren die beiden einzigen und wichtigsten Gesetze ebenfalls enthalten. Doch die Deutungen und Erklärungen der Priester und Schriftgelehrten machten sie dem Volk nur von der Seite zugänglich, von welcher für den geistigen Menschen wenig herausleuchtete und es ihm schwer wurde, seine richtige Stellung zu Mir und zu seinem Nächsten, sowie zur ganzen Schöpfung herauszufinden, ein Verhältnis, welches auch jetzt noch von wenigen in dem Sinne aufgefaßt wird, wie es dem Geiste nach sein sollte. Damals hielt sich das Volk an den Buchstaben, und jetzt, nach mehr als tausend Jahren, klebt es noch immer ängstlich an demselben wie eine Fliege an einer Leimrute, welche gerne frei sein möchte, der aber die nötige Kraft fehlt, sich selbst frei zu machen.

  

05] Wenngleich Ich dem Pharisäer diese zwei einzigen Gebote als die größten bezeichnete, so begriff er sie ebensowenig wie die Antwort auf Meine Frage: "Was haltet ihr von Christus?" Diese Antwort war einem Psalm Davids entnommen und zeigte ihnen in Fernsicht, daß Mir als Herrn der Schöpfung am Ende doch alles untertan und zu einem Fußschemel wird, auf dessen Fläche Meine Füße ruhen werden, d.h. worauf Meine Lehre als Gebäude aufgerichtet werden wird.

  

06] Was es heißt: "Gott über alles lieben", begriffen damals und begreifen heute noch viele nicht; und was es heißt: "Seinen Nächsten lieben" - ein Ergänzungsgebot des ersten -, ist vielen Menschen ebensowenig klar.

  

07] Seht, "Gott über alles lieben" ist ein Wort, das leicht auszusprechen, aber nicht so leicht verstanden und noch schwieriger auszuführen ist! Da muß Ich wieder zuerst fragen: "Warum sollen denn die Menschen Gott über alles lieben?" - Diese Frage muß zuerst beantwortet werden, ehe über Liebe und das Maß derselben gesprochen werden kann.

  

08] Nun, wenn ihr diese Frage mit kühlem Verstand betrachtet, so geht aus dieser Betrachtung eine andere Frage hervor, nämlich die: "Warum soll ich denn Gott lieben?" Hier ist nun in Betracht zu ziehen, daß der kalt urteilende Mensch so antworten wird: "Wenn ich so recht nachdenke, finde ich keinen Grund, einen Gott zu lieben, erstens, weil ich etwas Unsichtbares nicht lieben kann, und zweitens, weil ich dem Gott, der mich erschuf, nicht zum Dank verpflichtet bin. Als Er mich erschuf, hat Er mich nicht gefragt, ob es mir recht ist oder nicht! Er hat dabei nur sein Vergnügen des Erschaffens im Auge gehabt, aber nicht danach gefragt, ob ich als erschaffenes Wesen dann mit meinem Zustand und meiner Stellung, die Er mir unter den andern Wesen angewiesen hat, wirklich zufrieden bin, und ob ich mich glücklich fühle."

  

09] Aus diesen Schlüssen ginge hervor, daß von seiten des Menschen gar keine Verpflichtung vorläge, seinen Schöpfer zu lieben, selbst wenn Er ihn auch in die glücklichsten Verhältnisse gestellt hätte, um so weniger aber, wenn in Betracht gezogen wird, mit welchen Drangsalen, Leiden und Mißhelligkeiten der Mensch von Geburt an bis zum Tode kämpfen muß. Deswegen sollten die Menschen Gott lieben, und dazu noch über alles? Das wäre doch etwas zuviel verlangt! So manche Menschen möchten zu ihrem Schöpfer sagen: "Wenn Du mich nicht als Mensch erschaffen hättest, könntest Du noch eher Anspruch auf meine Liebe erheben; aber unter diesen traurigen Lebensverhältnissen, gehört eine zu große Dosis Einfalt dazu, Den zu lieben, der mich im Materiellen in mancher Hinsicht unter das Tier gestellt hat, und der mir nur die Fähigkeit verlieh, meine Lage so recht beurteilen und beweinen zu können!"

  

10] Seht, Meine Kinder, so urteilt, und nicht mit Unrecht, der Verstandesmensch, dem die kalte Wirklichkeit - d.h. das, was er vor sich sieht, mit Händen greifen und mit seinen Sinnen wahrnehmen kann die ganze Welt ausmacht. Eine solche Denkungsweise war schon seit Entstehung des Menschen immer bei einzelnen die Basis ihrer Handlungen, und in jetziger Zeit predigen solches eure gelehrten Materialisten ohne Scheu und finden ein großes Publikum, welches ihren Ansichten ganz beistimmt und ihnen Beifall klatscht.

  

11] Wenn Ich also das Gebot: "Du sollst Gott über alles lieben!" in dieser Predigt wieder berühre, so geschieht es deswegen, um dem größten Teil der Menschen ihre falschen Ansichten von Mir und der Welt nebst den damit zusammenhängenden Fehlschlüssen - vor Augen zu halten, und um derer willen, die noch für etwas anderes Sinn haben, als nur Verehrer der vergänglichen Materie zu sein, und welche fühlen, daß noch etwas Besseres und Tieferes sich in ihrem Innern bewegt und sie zu geistigem Leben antreibt.

  

12] Wenn Ich ein Gebot gegeben habe, so muß doch ein Grund dazu vorhanden sein, warum das Gebot ausgeführt oder befolgt werden soll. So muß also auch ein Grund bestehen, warum Ich dieses Gesetz der Liebe als das vornehmste und größte in Meiner Schöpfung bezeichnete, und warum es zu deren Fortbestand, Zusammenhang und Vervollkommnung eingesetzt wurde.

  

13] Nun seht, bei jedem Gesetz kann leicht beurteilt werden, was der Beweggrund war, das Gesetz so und nicht anders zu geben, und ob das Gesetz aus Liebe, also zum Besten anderer, oder nur aus Eigennutz für den Gesetzgeber selbst gegeben wurde.

  

14] Wenn nun Ich als Schöpfer Meinen geschaffenen, Mir gleichenden Wesen als erstes Gesetz die Liebe vorschreibe, die sie gegen ihren Erschaffer haben sollen, so ist doch klar, daß man den Grund oder das Warum dieses Gesetzes auch in Meinen Anordnungen erkennen muß, und begreift, daß überall - es mag geschehen, was will - Liebe zugrunde liegt.

  

15] Was ist denn eigentlich ,Liebe`?

  

16] Seht, auch diesen Begriff müssen wir erklären, um dessen Größe besser beurteilen zu können!

  

17] Liebe ist nichts anderes als eine gewisse Zuneigung zu einem belebten oder unbelebten Gegenstand. Diese Zuneigung bedingt die Erhaltung dieses Gegenstandes in dem Maße, in dem er eben unsere Liebe in Anspruch nimmt. Unter lebenden Wesen ist Liebe eine Zuneigung oder ein Hingezogenwerden zu anderen Wesen, die wegen ihrer Eigenschaften mit ihren Gefühlen harmonieren. Beim Menschen kommt hinzu, daß der, der Liebe gibt, auch wieder Liebe empfängt. Der Liebende möchte mit dein geliebten Wesen im Austausch seiner Gesinnung und Gefühle bleiben und, Liebe wieder von ihm zurückerhaltend, sich gleichsam mit ihm vereinen und ein geistiges Ganzes ausmachen. Die Liebe, welche keinen andern Zweck hat, als den Geliebten so glücklich wie möglich zu sehen, ist ferner die Eigenschaft, welche uns fähig macht, dem Geliebten alles zu geben und für uns nichts zu behalten als nur das Bewußtsein, ihn so glücklich gemacht zu haben, wie es unsere Kräfte erlaubten.

  

18] Nun, wenn der Mensch diese Liebe von seiten seines Gottes, Schöpfers und Herrn begriffen und erfaßt hat, dann ist ihm auch das Gesetz der Liebe leicht verständlich, welches ihm gebietet, dem Gott, der alles hergegeben hat, um Seine Geschöpfe glücklich, ja ewig selig zu machen, auch aus ganzer Seele und mit aller ihm möglichen Kraft zu lieben.

  

19] Wie beweist aber Gott dem Menschen diese Liebe, die Er für ihn geopfert hat, um seine menschliche Liebe so anzuregen, daß sie über alles Irdische, Sichtbare und Unsichtbare hinaus den Schöpfer des großen Universums über alles lieben lernt?

  

20] Seht, hier gibt es zwei Wege, die dem Menschen die Liebe seines Schöpfers beweisen und klar machen können: die geistige, unsichtbare, in ihm wohnende Welt, und die materielle, sichtbare, ihn umgebende Welt. Beide Wege, obwohl verschieden in ihrer Ausdrucksweise, führen zum gleichen Ziel, d.h.: den Schöpfer als liebenden Herrn und Vater zu erkennen.

  

21] Betrachten wir zunächst den ersten Weg.

  

22] In früheren Zeiten, als man die Natur weniger kannte, wurden durch die Gelehrten so manche Anfänge des Unendlichen im Großen wie im Kleinen aufgedeckt. In jener Zeit war es der innere Mensch, der die begeisterten Gesetzgeber, wie Moses und die Propheten und Seher beschäftigte. Sie machten den Menschen auf sein Inneres aufmerksam und stellten das als Gebot hin, was eigentlich aus freiem Antrieb geschehen sollte.

  

23] Damals stand dieses Gesetz der Gottesliebe als Gesetz, nicht aber als Liebesgebot vor dem Menschen. Deswegen fragte auch der Pharisäer, welches das vornehmste Gebot sei, weil er dieses Gebot nicht für so wichtig hielt und vielleicht glaubte, von Mir eine Antwort zu bekommen, welche auf ein bürgerliches Gesetz hindeutete. Denn Liebe, wie Ich sie gebot, war diesem Pharisäer und auch vielen anderen Menschen in jenen Zeiten fremd, wie auch jetzt noch die Liebe, wenn sie etwas anderes bedeutet als nur Liebe für sich, Millionen Lebender trotz aller Aufklärung ein unbekanntes Ding ist.

  

24] Um dieses Gesetz Meiner großen Schöpfung zur Geltung zu bringen, stieg Ich selbst auf eure dunkle Erde hernieder und zeigte euch durch Wort und Tat, was Liebe zu Gott und was Liebe zum Nächsten ist. So brachte Ich den Menschen aus seiner materiellen Richtung und erhob ihn zu einem geistigen Geschöpf, das zwar die Wurzel, seine Füße auf Erden, im Materiellen, jedoch seinen Kopf oder die geistige Blume in Regionen emporhebt, welche mit der Materie nichts zu tun haben.

  

25] So wie Ich Meinen Mitlebenden die Gottesliebe erklärte, so zeigte Ich ihnen auch in vielen Gleichnissen, Worten und Taten, was eigentlich Nächstenliebe ist, wie sie verstanden und ausgeübt werden soll, zeigte ihnen wie das zweite Gebot, das der Nächstenliebe, nur dann erfüllt werden kann, wenn man das erste ganz im geistigen Sinne aufgefaßt hat, und wie umgekehrt die Gottesliebe nur dann echt und rein ist, wenn sie am Nächsten und an der ganzen, den Menschen umgebenden Welt als Bruderliebe ihren Ausdruck findet.

  

26] Der zweite Weg, die Liebe Gottes durch die Natur zu beweisen und in ihr Gottes Sprache auf jedem Schritt zu gewahren, war späteren Jahrhunderten vorbehalten, obwohl auch schon in jenen Zeiten Meines Erdenwandels und noch früher die Priesterkasten mit den Geheimnissen der Natur vertraut waren, so gut, wie es jetzt nur wenige sind. Lange blieb diese Stimme, durch welche Ich den Menschen von Meiner allumfassenden Liebe tausend und abertausend Beweise geben wollte, unbemerkt. Auch jetzt noch ist es nur einzelnen vorbehalten, diese Stimme bei ihren Forschungen zu vernehmen. Leider kennen die meisten im Gebiet der Naturwissenschaft Herumwühlenden nur die Materie und ihre von Mir ihr aufgedrungenen Gesetze, statt den leisen Ruf der Liebe zu vernehmen, der ihnen aus jedem Atom entgegenweht, weil eben in jedem Atom ein Liebeshauch Meines göttlichen Ichs verborgen liegt, der ebenfalls auf seine weitere Entwicklung nach den Liebesgesetzen wartet.

  

27] Es war für euch jetzt Lebenden das Fernrohr, das euch die weiten Räume über euch erschloß; es war das Mikroskop, welches euch die Wunder des Kleinsten enthüllte. Durch beide Instrumente könnt ihr die Unendlichkeit und den Unendlichen selbst wohl ahnen, aber nicht begreifen.

  

28] Beide Wissenschaften, Astronomie und Naturwissenschaft, sind dem Menschen gegeben, um seinen Stolz zu dämpfen, seinen Dünkel zu beseitigen und ihn doch als Geist hoch über alle Räume zu erheben, weil sie dem Endlichen die Fähigkeit gaben, das Unendliche zu erfassen und zu ahnen.

  

29] Beide Wissenschaften sollen zur Gottesliebe, die Gottesliebe zur Menschenwürde und die Menschenwürde zur Nächstenliebe führen, die sodann wieder zu Dem zurückführt, der alles so geordnet hat, daß jeder Funken Liebe seinen Kreislauf vollenden kann, indem er, von Mir als Gott ausgegangen, zu Mir wieder zurückkehrt.

  

30] So soll denn die Gottesliebe sich von selbst in den Herzen der Menschen bilden und ihren Ausdruck in der Nächstenliebe finden, indem diese auf die erstere gegründet den Kreislauf beschleunigt und sich so beide Gesetze, aus denen alles hervorgegangen ist, und zu denen alles zurückzukehren sucht, als die höchsten, aber auch die einzigen bewahrheiten. So sind diese Gesetze die vornehmsten; denn sie sind auf Liebe, auf die Hinneigung von Gleichem zu Gleichem gebaut und können nur Harmonie, d.h. Ruhe, Glückseligkeit und Wonne bereiten.

  

31] Wenn auch der Mensch auf seiner Lebensbahn so manche Kämpfe und bittere Leiden zu ertragen hat, sieht doch der geistige Seelenmensch darin nicht die Folge materieller oder sozialer Verhältnisse, sondern er sieht in ihnen die Schulung zu einem höheren Leben. Es müssen zuerst die Versuchungen der materiellen Welt überwunden sein, ehe die geistige in ihrer ganzen Wichtigkeit erfaßt und verstanden werden kann. So sind ihm, dem Sohn eines Gottes, Kämpfe und Leiden nur ein Ansporn zum Vorwärtsschreiten, nicht aber ein Grund zur Enttäuschung; so fühlt er sich im Kampf mit der materiellen Welt erhaben und als geistiges Kind eines ihn ewig liebenden Vaters stark genug, sie zu besiegen, wie Ich zur größeren Bekräftigung euch als Jesus ein glänzendes Beispiel gegeben habe.

  

32] In diesem Bewußtsein begreift der Mensch, warum er Gott über alles - d.h. weit über jede andere Neigung hinaus - lieben, die Liebe zu Gott somit als Höchstes achten und nur ihr genügen soll, und warum er seinen Nächsten, ebenfalls ein aus Gottes Hand hervorgegangenes geistiges Wesen, ebenso wie sich selbst lieben, d.h. ihn so achten soll, wie er selbst, als Gottes Ebenbild, angesehen und geachtet sein will.

  

33] So sollt ihr Mich als Gott lieben, und diese Liebe an dem Nächsten beweisen, damit ihr die wahren Abkömmlinge dessen seid, der allem so viele Wunder eingehaucht hat. Dann wird euch klar werden, daß eine Welt nur dann bestehen kann, wenn Liebe ihr Grundwesen, Liebe ihr Bestehungs und Vervollkommnungstrieb ist.

  

34] Das ist es, was Meine beiden Gesetze euch predigen, was sie euch von der Wiege bis zum Grabe in tausend Formen und Verhältnissen sagen und weit über dieses Erdenleben hinaus immer wiederholen werden, daß ohne Liebe kein Vater sein kann, aber ohne Liebe auch keine Kinder bestehen können. Amen.

 

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gm.pred.044. Predigt: Mt.09,01-08 am 18. Trinitatissonntage (25.04.1872)

   00] Heilung eines Gichtbrüchigen (Mt.09,01-08): Da trat Jesus in das Schiff, fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: "Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!" Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: ,Dieser lästert Gott.` Da aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: "Warum denkt ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben (sprach er zu dem Gichtbrüchigen): Stehe auf, heb dein Bett auf und gehe heim!" Und er stand auf und ging heim. Da das Volk das sah, verwunderte es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.

  

01] Dieses Evangelium gibt wieder mehrere Wunder kund, die Ich wirkte, und erzählt, wie Ich die Einwürfe und Bemerkungen der Pharisäer abfertigte, mit welchen sie Meine Lehr und Handlungsweise stets kritisierten.

  

02] Schon das erste Wunder an dem Gichtbrüchigen störte sie in ihrem priesterlichen Eifer, weil Ich, ehe das Wunder der Heilung getan wurde, zu dem Kranken sagte: "Deine Sünden sind dir vergeben!" Ich vergab dem Gichtbrüchigen die Sünden seines Glaubens bzw. seiner sicheren Überzeugung wegen, welche er und seine Verwandten und Bekannten hatten, und dann vergab Ich ihm die Sünden, weil er - so wie die meisten Kranken, die sich die Übel selbst zuziehen, weil sie sich gegen ihre Natur versündigen - nun die Folgen davon tragen mußte.

  

03] Die Pharisäer und Hohenpriester glaubten, nur sie hätten das Recht Sünden zu vergeben; deswegen ihre Aufregung. Allein, Ich wollte ihnen zeigen, daß Ich nicht nur die Sünden vergeben kann - und das im wahrsten Sinn -, sondern daß Ich auch die Macht besitze, die Folgen der Sünden zu heilen, was sie nicht konnten.

  

04] Der Grund ihres Neides und Hasses war, daß Ich das Volk durch solch schlagende Beispiele von Wundertaten für Mich gewann und es nach und nach von ihnen entfernte.

  

05] Es war in jener Zeit notwendig, Meine Worte durch solche Taten zu beweisen und zu bekräftigen, weil die Masse des Volkes noch nicht auf jener religiösen Bildungsstufe stand, durch geistige Beweisgründe allein auf den rechten Weg des Heils gelangen zu können. Und so seht ihr in diesem Evangeliumsabschnitt, wie Ich die geistigen Krankheiten und falschen Ansichten Meiner Umgebung zu berichtigen suchte, und wie Ich durch Taten stets das als wahr bewies, was Ich eben gelehrt hatte. Es bestanden in jenen Zeiten unter den Priestern des Judenvolkes sehr viele Vorurteile, welche Ich erst beseitigen mußte, wollte Ich Meine Lehre allgemein machen; denn vor Mir waren alle Menschen gleich, alle hatten durch den in sie gelegten göttlichen Geist Anspruch auf Meine Kindschaft.

  

06] Ich mußte die falschen geistigen Ansichten durch Meine Worte widerlegen und durch die Tat die körperlichen Krankheiten zum Beweise Meiner Macht vertilgen. Daher seht ihr, wie Ich und Meine Jünger öfters gerade das Gegenteil von dem taten, was die religiösen Zeremonien der Juden vorschrieben, damit das Volk dadurch aufmerksam gemacht werde, daß die Haltung der Tempelgesetze dem Wortlaut nach noch nicht Religion, noch nicht dasjenige sei, was Moses, die Propheten und Ich wollten.

  

07] So arbeitete Ich daran, alle mißverstandenen Gebräuche auf ihren rechten Wert zurückzuführen, um Meiner rein geistigen Lehre Platz zu machen. Deswegen sprach Ich die Worte: "Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, aber die Kranken". Ich habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer!" - "Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Frommen!" - und bei dem Einwurfe wegen des Fastens: "Wie können die Hochzeitsleute Leid tragen, solange der Bräutigam unter ihnen ist? Es wird aber eine Zeit kommen, da der Bräutigam ihnen genommen wird, alsdann werden sie fasten!" - "Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Fleck von neuem Tuche!" - "Man faßt nicht Most in alte Schläuche!" usw.

  

08] Aus all diesem erseht ihr, wie Ich unter verschiedenen Formen, durch Worte und Gleichnisse, die alten Vorurteile bekämpfte, damit Meine Lehre als geistig anerkannt werde, und damit man einsehe, daß sie nicht durch Zeremonien und Tempellauferei zu ersetzen sei und der Spruch zur Wahrheit werde: "Wer Mich anbeten will, der muß Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten!"

  

09] Auch Meine Jünger erinnerte Ich daran. Ich zeigte ihnen die vielen verirrten Kinder und sagte ihnen, daß die Ernte groß, aber wenig Arbeiter seien. Deswegen ermahnte Ich sie: "Bittet den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in Seine Ernte sende!"

  

10] Seht, Meine Kinder! Bei der Heilung des Gichtbrüchigen sagte Ich vorher zu ihm: "Deine Sünden sind dir vergeben!" Seine Krankheit rührte von Sünden gegen seinen eigenen Organismus her. Ich vergab ihm die Sünden; denn er wußte nicht, daß er sich dieses Übel durch die Jagd nach sinnlichen Genüssen zugezogen hatte. Ich sagte auch nicht zu ihm: "Gehe hin und sündige nicht mehr!"; denn er war noch weit davon entfernt, diese Sünden zu begreifen und zu bereuen.

  

11] Seine plötzliche Heilung bloß durch Mein Wort sollte ihn zum tieferen Nachdenken erwecken und ihm beweisen, daß nicht das, was ihm anfangs so viel Vergnügen und später so viel Leiden verursachte, das eigentliche Leben des Menschen ausmacht, sondern daß es noch etwas Höheres, Geistigeres im Menschen gibt, welches ihn in schönere Regionen ziehen will, in denen andere Reize als bloß schnöde Sinnenreize die Hauptsache sind.

  

12] Mit Meinen Worten wollte Ich diesen kranken Gichtbrüchigen erhöhen und den Stolz der Pharisäer erniedrigen, damit sie ihre Ohnmacht fühlen sollten, da sie nicht imstande waren, ihren Worten solchen Nachdruck zu geben. Worte verhallen, doch die Tat spricht fort! So waren Meine Bemerkungen, welche Ich bei verschiedenen Anlässen machte, dahin gerichtet, den aufgeblasenen, stolzen Menschenverstand in seine Grenzen zu weisen, damit er sich demütig vor der hohen Macht des Geistes beuge.

  

13] Alles, was Ich in jener Zeit bei dieser Gelegenheit geredet und getan habe, findet jetzt und in allen Zeiten seine Anwendung. Gichtbrüchige, Blinde, Lahme, ja Tote gibt es überall, wohin das Auge sich wenden mag. Überall herrscht mehr Finsternis als Licht, höchstens Dämmerung. Auch jetzt gibt es viele, die geistig lahm oder gelähmt sind ob der falschen Richtung ihrer Seele, und die sich an Dinge vergänglicher Natur hängend, das Geistige gänzlich verachten und hintansetzen. Die Folge dieser geistigen Lähmung ist die verkehrte Ansicht über Geist und Materie. Dies sind die Sünden, die Ich ihnen tagtäglich vergeben muß, wenn der größte Teil der Menschen nicht zugrunde gehen soll.

  

14] Auch jetzt geschehen Wundertaten in Menge in der Welt; aber die Menschen nehmen sie nicht als solche an. Sie suchen mit dem Verstand alle Naturereignisse und alle politischen Ereignisse auf ganz gewöhnliche Ursachen zurückzuführen und bemerken dabei nicht, wie Ich ihnen selbst aus der Schlinge helfe, wenn sie sich ob ihres Eigensinns in ein Labyrinth von Hypothesen und verhängnisvollen Ereignissen verwickelt haben.

  

15] Allein, wie Ich einst sagte, daß Ich die Kranken und nicht die Gesunden aufsuche, so geschieht es auch jetzt. Die Kranken, Schwachen, Gichtbrüchigen, Blinden und mit allerlei Übeln behafteten Seelen suche Ich auf und bestrebe Mich, sie zu heilen, indem Ich ihre eigenen Sünden zu ihrer Schule wähle, aus welcher sie womöglich gestärkt und gekräftigt hervorgehen sollen. So manchen heile Ich, weil er festen Glauben hat. Ich bringe ihn in Verhältnisse, die ihm Zeit geben, über seine Lebensbahn und über seine Irrtümer nachzudenken und sie zu berichtigen.

  

16] Auch euch, die ihr in vielem schon besser erkennt, was Ich eigentlich mit dem Menschen bezwecken will, und wozu Ich ihn auserkoren habe, muß Ich oft die Sünden vergeben, weil ihr euch dessen noch nicht ganz bewußt seid, woher so manche Mißhelligkeiten, die euer Dasein verbittern, kommen. Noch kann Ich zu euch nicht, wie zu der Ehebrecherin, sagen: "Gehe hin, und sündige nicht mehr!" denn nicht alle sind so weit zur Einsicht gekommen, daß sie trotz des besten Willens und der größten Aufopferung nur unnütze Knechte sind.

  

17] Auch jetzt seufzt so mancher unter dem Druck der Erkenntnis seiner Schwächen. So soll er nur, wie der Kranke im Evangelium, sich Mir nahen mit dem festen Glauben, daß Ich ihn heilen werde, und er wird bald in seinem Innern die Stimme hören, die ihm zuruft: "Deine Sünden oder Irrtümer sind dir vergeben! Nimm dein Bett und gehe heim!" Das will besagen: "Verlaß dich nicht auf andere, nicht auf kommende Ereignisse und bessere Verhältnisse, sondern wirf die Schwachheiten, in deren Bett du bis jetzt gelegen hast, von dir! Nimm deine falschen Ansichten und Irrtümer auf die Schulter, trage sie und gehe festen Fußes deiner Vervollkommnung entgegen! Deine Ansichten und Irrtümer, auf denen du seither wie ein Kranker gelegen bist, sollen dich, da dir jetzt leichter ist, nicht auf dem Weg nach vorwärts hindern, und du wirst sie fortschreitend auch gänzlich loswerden! Nur muß vorher das umgekehrte Verhältnis eintreten. Früher lagst oder ruhtest du auf ihnen, jetzt mußt du sie, wohlbewußt ihrer Bedeutung, selbst auf deine Schultern nehmen, ohne daß sie dir infolge ihrer Schwere lästig werden dürfen."

  

18] So sollt auch ihr, die Ich vor vielen bevorzugt und mit Meiner Lehre vertraut gemacht habe, mit der Heilung bei euch selbst anfangen. Ich schicke euch dazu die Verhältnisse, unter welchen eure Seelenstärke erprobt und geübt werden soll; denn auch jetzt muß Ich die Kranken aufsuchen. Ich muß ihnen helfen, damit sie geheilt als gutes Beispiel für andere dienen können.

  

19] Auch Ich kann auf ein altes Sündenkleid keinen neuen Fleck heften und keinen neuen Most in alte Schläuche bringen. Beide halten das nicht aus. Das Kleid zerreißt, und der Schlauch zerspringt. Es muß also vorerst das alte Kleid oder der alte Schlauch beseitigt, der alte Adam ausgezogen werden, soll der neue an dessen Stelle treten. Es müssen zuvor die Sünden, die Urheber des Übels, vergeben, d.h. ausgemerzt werden, - dann erst kann der frühere Kranke als geheilt rüstig seine Wege weitergehen. Zu alldem muß aber jedes Wort, jede Tat, jedes Ereignis beitragen, um die Arbeiter zu vermehren, die zur Ernte nötig sind.

  

20] Schon einmal sagte Ich: "Viele sind berufen, doch wenige auserwählt!" Viele Lahme, Blinde und Gichtbrüchige gibt es noch. Sie müssen alle gesunden. Dazu bedarf es tüchtiger Arbeiter in Meinem Weinberge, und diese Arbeiter, sollen sie ihren Dienst erfüllen, müssen selbst jeder Arbeit gewachsen sein. Dies ist nur dann möglich, wenn auch sie durch die Schule der Erkenntnis, die sie andern bringen wollen, gegangen sind.

  

21] So bildet sich für sie eine Kette von Prüfungen, Leiden und Kämpfen, die als letztes Resultat das Abstreifen des Angewohnten und die Erneuerung mit dem Kleid der göttlichen Wahrheit haben sollen, damit auch sie alle dem Ruf folgen können: "Steh auf, nimm dein Bett und gehe heim!"

  

22] Ihr alle wart krank, mehr oder minder gichtbrüchig. Ich habe euch die Mittel zur Heilung in Fülle dargereicht. Wenn ihr ganz geheilt sein werdet, werdet ihr die Arbeiter zur Ernte sein, die binnen kurzem in größerem Maßstab als bis jetzt betrieben werden wird.

  

23] Trachtet daher danach, daß ein jeder von euch seine Pflicht, wie Ich sie von ihm verlangen kann und darf, auf seinem Platz recht erfülle, da es bei euch an Heilmitteln nicht fehlt! Amen.

 

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gm.pred.045. Predigt: Mt.22,01-14 am 19. Trinitatissonntag (26.04.1872)

   00] Gleichnis von der königlichen Hochzeit (Mt.22,01-14): Jesus antwortete und redete abermals durch Gleichnisse zu ihnen und sprach: "Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohn Hochzeit machte. Und er sandte Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen, und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: ,Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles bereit; kommt zur Hochzeit!` Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andre zu seiner Hantierung. Etliche aber griffen seire Knechte, höhnten und töteten sie. Da das der König hörte, ward er zornig, schickte seine Heere aus, brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: ,Die Hochzeit ist zwar bereit; aber die Gäste waren's nicht wert. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet!` Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden: Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und er sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an. Er sprach zu ihm: ,Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an?` Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: ,Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus! Da wird sein Heulen und Zähneklappern. Denn viele sind berufen; aber wenige sind auserwählt."`

  

01] Hier liegt das Gleichnis einer Hochzeit vor euch, mit dem Ich den Pharisäern ihre eigenen Umtriebe und deren Folgen begreiflich machen wollte; denn sie lebten stets in dem Wahne, daß niemand ihre Schliche durchschaue. Ich aber, dem an ihrer Besserung gelegen war, verhüllte bei vielen Gelegenheiten Meine Worte und Mahnungen, welche Ich an sie richtete, durch Gleichnisse, welche den Pharisäern wohl, aber dem Volk nicht immer verständlich waren. Ich wollte ihre Autorität, ihr Ansehen beim Volk nicht ganz vernichten, solange sie noch einer Besserung fähig waren. Weil Ich aber stets den Nagel auf den Kopf traf, so war ihr Ingrimm gegen Mich stets im Wachsen, bis ihnen endlich, wie es bestimmt war, Gelegenheit und Macht erteilt wurde, an Mir zu erfüllen, was die Propheten schon längst vorhergesagt hatten, und was auch Ich Meinen Jüngern als Mein künftiges Schicksal und Ende prophezeit hatte.

  

02] Hier nun, in diesem Gleichnis, verglich Ich das Himmelreich oder den Vater im Himmel mit einem König, der zum Festmahl seines Sohnes Einladungen an Freunde und Bekannte ergehen ließ, jedoch überall eine ausweichende oder abschlägige Antwort erhielt. Der König, darüber erzürnt, rächte sich an ihnen, indem er ihnen Hab und Gut verbrannte und sie selbst töten ließ.

  

03] Bei der zweiten Aussendung seiner Knechte ließ er alle einladen, die sie auf den Straßen und Plätzen finden würden, und die Knechte brachten Gute und Böse zum Tisch des Herrn. Unter diesen hereingebrachten Gästen befand sich auch einer, der kein hochzeitliches Kleid anhatte. Als er nichts zur Entschuldigung antworten konnte, wurde er hinausgewiesen in die äußerste Finsternis, um dort seinen Fehler zu büßen. Und das Ende des Gleichnisses waren die gewichtigen Worte: "Viele sind berufen, aber wenige sind erwählt!"

  

04] Das ist der Inhalt dieses Gleichnisses. Um es aber geistig auffassen zu können, müssen wir alle in ihm angeführten Umstände genau prüfen, bis wir zu dem eigentlich geistigen Sinn des Gleichnisses kommen und seine Anwendung auf jene, sowie auch auf die jetzige und künftige Zeit deutlich finden. Ihr müßt immer bedenken, daß in den Worten aus Meinem Mund eine größere Bedeutung liegt, als es die Zuhörer in jener Zeit ahnten und es auch viele Leser der jetzigen und künftigen Zeit vermuten werden. Wir wollen also vorerst mit der Form dieses Gleichnisses anfangen, damit ihr seht, wie alles seine tiefe, geistige Bedeutung hat, wenn es geistig beleuchtet vor das innere Auge des Seelenmenschen gestellt wird.

  

05] Ich verglich das Himmelreich mit einem König, der seinem Sohn ein Hochzeitsmahl geben wollte. Nun seht, dieser Vergleich bedeutet im höchsten Sinne die einstige, gänzliche Vermählung oder Vereinigung des Materiellen mit der Geisterwelt oder die Auflösung der Materie und die Befreiung des in der Materie eingeschlossenen Geistes, um ihre Vereinigung mit dem Höherstehenden zu verwirklichen.

  

06] Das erste Bild - eine Hochzeit - bedeutet die Vereinigung zweier zu einem geistigen Wesen, wenn auch getrennt in zwei Körpern. Die Hochzeit ist das Bild der hohen oder höchsten Zeit, in der Gleichgesinntes sich findet und vereint das vollführt, was dem einzelnen nicht möglich gewesen wäre.

  

07] Zu dieser Vereinigung oder Hochzeit, welche - wie gebräuchlich auf Erden mit einem Hochzeitsschmause gefeiert wird, waren alle geladen, die solcher Teilnahme für würdig befunden wurden; das Gleichnis aber sagt, daß die Eingeladenen ihre Teilnahme an dem Hochzeitsmahle verweigerten.

  

08] Seht, dieses Hochzeitsmahl bedeutet die ganze Periode von der Erschaffung der Menschen bis zur Sündflut. Die Erde, in ihrem Hochzeitsschmuck prangend, lud alle Menschen zur geistigen Vereinigung ein. Als materielles Abbild des freudigen Entwicklungsprozesses der ganzen Schöpfung wollte sie die geistigen Wesen, die Menschen zu diesem Freudenfeste heranziehen. Die Menschen aber, der Sinnenwelt und ihren Genüssen mehr als dem Geistigen huldigend, achteten nicht auf die Einladung und Aufforderung, sich nach oben zu richten, sondern zogen das Streben nach unten vor. Und so mußte, damit die Vereinigung Meines Geisterreiches mit der Materie doch geschehe, die Sündflut der ganzen damals lebenden Menschheit ein Ende machen, und gerade jene Menschen treffen, welche Ich mit allen Vorzügen ausgestattet hatte und durch alle möglichen Mittel belehrte und erziehen ließ.

  

09] Nach dieser Katastrophe erging an die übriggebliebenen Nachkommen in späteren Zeiten wieder eine Einladung, sich zum Vereinigungsfest anzuschicken, und es verlangte die damals lebende Menschheit, erschreckt vom früheren Strafgericht, als auch vom inneren Gefühl getrieben, eine Vereinigung des Geistigen, des in ihrem Körper Gebundenen mit den höheren Regionen der Geisterwelt. Dieses Verlangen war jedoch nicht klar ausgeprägt und wurde von den verschiedenen Menschen verschieden gedeutet; deswegen kamen zu diesem Hochzeitstisch - wie das Gleichnis sagt - Gute und Böse.

  

10] Nun - fährt das Gleichnis fort - befand sich auch ein Mensch unter diesen Geladenen, welcher das Hochzeitskleid nicht anhatte und deshalb in die äußerste Finsternis hinausgestoßen wurde. Dies will soviel sagen als: Alle, die wenigstens einen Drang nach geistiger Besserung empfanden, waren der süßen Hoffnung, ihre Wünsche, ihre Ideen erfüllt zu sehen. Sie waren alle voll freudiger Hoffnung, d.h. ein jeder zog - bildlich gesprochen - das Beste, das er hatte, als Hochzeitskleid an. So trugen die Guten ihre innere Liebe, ihr inneres, wahres Streben, stets reiner und besser zu werden, offen zur Schau, ja, selbst die weniger Guten und sogar die Bösen zierten sich nach außen hin mit den Abzeichen der Frommen, weil sie doch besser scheinen wollten, als sie in Wirklichkeit waren.

  

11] Nur ein einziger - wie das Gleichnis sagt - kümmerte sich weder um das Sein, noch um den Schein. Er wollte sich zeigen, wie er war, wollte aber auch an dieser Vereinigung teilnehmen, vorausgesetzt, daß sie seinen Ansichten entsprechen würde. Und dieser einzige, der Mir, dem König, so frech die Stirn bieten wollte, ist niemand anders als der von Mir längst verstoßene Geist Luzifer oder Satana, welcher als personifiziertes böses Prinzip den Gegenpol Meines eigenen Ichs ausmacht. Nun, dieser Böse, mit Willen böseste Geist, wurde in die äußerste Finsternis gestoßen, in der Heulen und Zähneklappern ist, oder - mit andern Worten gesagt - in der er, der Finsternis des eigenen Gemüts überlassen, so lange harren kann, bis eine in ihm selbst auftauchende Besserung seine Rückkehr möglich macht.

  

12] Was nun der Satan als Person ist, das vertritt auf eurer Erde diejenige Gattung von Menschen, die des Guten und Edlen wohl kundig ist, doch mit Willen das Böse liebt und ausübt. Mit der Bezeichnung ,Gute` und ,Böse`, die am Hochzeitstisch saßen, sind alle jene gemeint, welche sündigen, weil sie zu schwach sind, aber, teilweise ihren eigenen Schwachheiten unterliegend, doch nicht im mindesten den Trieb zum Besserwerden verloren haben, ihn weder verachten noch mit Füßen treten. Die Ärgsten, Unverbesserlichsten und die am meisten in der Schöpfung Zurückstehenden sind jene Geister und Seelen, welche,das Gute wohl kennen, aber es aus Haß gegen dasselbe nicht ausführen und womöglich andere zum Abfalle von demselben verleiten wollen. Dieses Trachten ist teuflischer Natur, weil der in alle Geister und Wesen von Mir eingelegte Trieb der Liebe sich statt dem Guten dem Schlechten zugewendet hat.

  

13] Daß die Pharisäer unter dem Bild des Menschen ohne Hochzeitskleid sich getroffen fühlten, das war es, was sie mit Ingrimm erfüllte. Sie merkten, daß sie aus eigener Schuld von allen künftigen Genüssen im Geisterreich ausgeschlossen seien, solange nicht freiwillige Umkehr sie würdig mache, sich Mir zu nähern. Daher lautet das Schlußwort des Gleichnisses: "Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt!" Dies will soviel sagen als: Allen Geistern Meiner Schöpfung waren und sind die Tore Meines großen Geisterreiches offen, aber nur wenigen wird es gelingen, in jene Räume zu dringen, wo ewig Friede, Ruhe und Seligkeit herrschen. Es wird nicht eher möglich sein, als bis sie alles Weltliche und Sinnliche aus ihrem Herzen vertrieben haben. Nur dann sind sie als Auserwählte der Teilhaftigkeit an Meinem Reich fähig; nur dann kann ihr geistiges Auge - wenn aus demselben ein ähnlicher Himmelsstrahl leuchtet, der nur im Widerscheine des großen Geisterlichthimmels seine Befriedigung, seine gänzliche Sättigung finden kann und muß - den Glanz Meines Liebe und Lichthimmels ertragen.

  

14] Hier habt ihr die geistige Bedeutung dieses Gleichnisses, welches von der Zeit an, da es von Mir gegeben wurde, bis auf heute seine Bedeutung bewahrt hat.

  

15] Seit jener Zeit sandte Ich Meine Knechte aus, um alle zum Hochzeitsschmaus in Meine Wohnung einzuladen; aber unverrichteter Sache kehrten sie oft wieder zurück. Ein Jahrhundert nach dem andern rollt hinab in den Abgrund der Vergangenheit, und Ich ließ nicht ab einzuladen. Es kamen wohl Geladene; aber töricht erwarteten sie von Mir und Meinem Reich, was Ich von ihnen forderte. Sie kehrten dem Geisterreich den Rücken und zogen die lange Straße dem kürzeren, beschwerlicheren Weg vor.

  

16] Noch immer lasse Ich nicht ab, Boten auszusenden, die Meinen Willen verkünden, die den Menschen begreiflich machen sollen, was der eigentliche Zweck ihres Daseins ist, und daß sie trotz allen Sträubens über kurz oder lang doch dahin kommen müssen, wohin Ich sie haben will. Viele wenden ihre Ohren ab, um die Stimme der Liebe, des Friedens nicht zu vernehmen; sie sind auf lange Zeit verloren. Mit Trauern sehe Ich, wie die große Masse anfängt, Mir nach und nach den Rücken zu kehren und statt Mir zu folgen, dem folgt, das ihnen als böse bekannt ist.

  

17] Wie Ich einst, da Mein Einladen umsonst war, durch die Sündflut die verlorene Menschheit retten mußte, so werde Ich auch jetzt gezwungen sein, um der Guten willen und um den Zweck der Menschheit nicht aus dem Auge zu verlieren, eine ähnliche Katastrophe über die Menschheit ergehen zu lassen. Nur wird das materielle Wasser jener Zeit durch das geistige Wasser Meiner Lichtwahrheit ersetzt werden. Und wie damals die Menschen sich vor dem Steigen der materiellen Flut retten wollten, so werde Ich sie jetzt mit Licht übergießen und werde bessere Geister erwecken, daß sie dasselbe verbreiten; und wenn dann überall Licht sein wird, bleibt den Finsterlingen nichts anderes übrig, als vor dem Glanz desselben zu fliehen und sich in der äußersten Finsternis ihrer eigenen Schwächen zu verbergen.

  

18] So wird sich geistig erfüllen, was Ich den Pharisäern bildlich sagte. Auch jetzt werden sich manche über dieses gewaltige Licht erzürnen, weil es ihren lange im Finstern gehaltenen Bau erleuchten wird. Allein, es muß Licht werden, - und mag sich Satana noch so sträuben; denn Mein Reich ist ein Reich des Lichts! Entweder in ewiger Finsternis der eigenen Seele, der dichtesten Materie gleich, einen langen Reinigungsprozeß vor sich sehend oder mit Aufopferung und Kraftanstrengung, mit Leiden und Kämpfen den kürzeren Weg der Erkenntnis gehend: Das ist das Los der Geister und der von Mir geschaffenen Wesen, sowie der ganzen Menschheit.

   

19] Geladen sind sie alle als Geister; doch wehe, wer ohne Hochzeitskleid ins Reich des Lichts eindringen wollte! Es würde ihm ergehen wie dem, von dem dieses Gleichnis erzählt: er würde hinausgestoßen werden in die Finsternis, bis es in seinem Innern von selbst zu dämmern anfängt! So wie Ich in jener Zeit Meines sichtbaren Wandels auf eurer Erde durch Meine Worte alle finsteren Winkel des menschlichen Herzens erleuchten wollte, ebenso müssen auch bei Meiner nahen Ankunft alle Herzen Licht haben oder doch wenigstens für das Licht aufnahmefähig gemacht sein, damit das Hochzeitsfest gefeiert werden kann. Dann werde Ich als König und Vater dem Sohn, Meinen Geistern, den Hochzeitstisch bereiten, und wir werden, ein Herz und ein Sinn, das Jubelfest der größten geistigen Einigung feiern, deswegen Ich in jenen Zeiten das größte Beispiel der Demut und Liebe für euch alle gegeben habe. Amen.

 

 

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gm.pred.046. Predigt: Joh.04,47-53 am 20: Trinitatissonntag (27.04.1872)

   00] Heilung des Sohnes eines königlichen Mitgliedes (Joh.04,47-53): Es war ein Königischer, dessen Sohn lag krank zu Kapernaum. Dieser hörte, daß Jesus kam aus Judäa nach Galiläa. Und er ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinabkäme und hülfe seinem Sohne; denn er war todkrank. Und Jesus sprach zu ihm: "Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. "Der Königische sprach zu ihm: "Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt!" Jesus spricht zu ihm: "Gehe hin, dein Sohn lebt!" Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinabging begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: "Dein Kind lebt!" Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: "Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber." Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: "Dein Sohn lebt!" Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.

  

01] Dieses Kapitel gibt eine Tat kund, da Ich einem sterbenden Kinde nur durch das Wort seine Gesundheit wiedergab. Es beweist euch, wie mächtig das Wort ist, und wie es, begleitet vom festen Willen, Dinge bewirken kann, welche dem gewöhnlichen Menschen unmöglich erscheinen.

  

02] Auch dieser Königische erfuhr dasselbe, als er heimkehrend schon durch seine ihm entgegeneilenden Knechte vernahm, daß sein Kind im gleichen Augenblick das Leben zurückerhielt, als Ich das bedeutsame Wort ausgesprochen hatte.

  

03] Bei dieser Tat hatte Ich dreierlei Absichten. Ich wollte Meinen Jüngern und den Mir Angehörigen zeigen, daß der Königische erstens ein Mann aus einem höheren Stande und zweitens noch dazu ein Heide war, und drittens sollte seine Erprobung als Festgläubiger allen, die anwesend waren, die Augen öffnen über das, was ihnen noch am meisten fehlte.

  

04] Schon an anderer Stelle sagte Ich zu den Juden, daß ihnen alles genommen und den Heiden übergeben werde, weil gerade sie, die an erster Stelle Auserkorenen, so halsstarrig waren, Mich und Meine Mission nicht anzuerkennen, - daß ihnen dieser Segen genommen und den Heiden gegeben werde, weil bei diesen Meine Lehre einen besseren Acker finden werde.

  

05] Dann wollte Ich ihnen zeigen, daß nicht nur unverständliches Volk der niedersten Klasse zu Mir kam, sondern auch Leute aus höheren Ständen, welche mit wissenschaftlicher Bildung ausgezeichnet waren, sich nicht schämten, zu Mir zu eilen und Mich um Hilfe durch Wort und Tat anzuflehen.

  

06] Hier war es wohl nicht die Überzeugung von Meiner Macht allein, sondern vielmehr die Liebe zu seinem Kinde, die diesen Römer zu Mir trieb; denn der Heilung erst folgte die Überzeugung auf dem Fuße. Deswegen sagte Ich auch ihm: "Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht!" Ich sagte das, weil Ich wohl wußte, daß dieser Mann nach der Heilung seines Kindes nicht anders konnte, als zu glauben. Die Tatsache stand doch greifbar vor ihm, nämlich: statt seines toten, sein genesenes Kind.

  

07] Am allerwichtigsten aber war die dritte Absicht. Ich wollte Meinen Jüngern und sonstigen Verehrern Meines Wortes mit Beispielen zeigen, daß zu allen Taten als Hauptfaktor von seiten der Bittenden das Vertrauen auf Mein Wort nötig sei, das ihnen gerade vielmals mangelte. So war diese Begebenheit geeignet, ihnen zu zeigen, daß man nie betrogen sein wird, wenn man Meinem Wort unbedingt glaubt und darauf vertraut.

  

08] Der Königische ging von Mir hinweg und hatte eine weite Strecke bis zu seinem Hause zu gehen; aber er verließ Mich mit dem festen Vertrauen, daß sein Sohn leben müsse, weil Ich ihm sagte:"Dein Sohn lebt!" Eben dieses Vertrauen auf Meine Worte und dieses feste Glauben, das möglich sein kann und stets vorhanden sein soll, wollte Ich Meinen Jüngern und Zuhörern durch eine Tat zeigen.

  

09] So war diese Tat für Meine Umgebung fruchtbringend; denn Ich unterließ nicht, ihr diese drei Gründe und Meine damit verbundenen Absichten auseinanderzusetzen.

  

10] Zweifler gab es auch dort; ja selbst dieser Königische war ein Zweifler, trotz seines Glaubens an Mich. Er forschte bei seinen Knechten nach, wann diese Umwandlung in dem kranken Zustand seines Sohnes stattgefunden habe. Und erst als er erfuhr, daß es in dem gleichen Augenblick war, als Ich es zu ihm gesagt hatte, da erst war er von Meiner Göttlichkeit fest überzeugt, und er, sowie sein ganzes Haus glaubten an Mich und Meine Sendung.

  

11] Seht nun, wie dieses Beispiel - als ein Glied der großen Kette, mit welcher Ich Meine Lehre auf Erden befestigen und dauernd verankern wollte - euch zeigt, daß ein glücklicher Erfolg nur dann zu verzeichnen ist, wenn das feste Zutrauen des Flehenden dabei ist. Auch jetzt will Ich euch in Erinnerung bringen, daß ohne festes Vertrauen auf Mich und ohne Zutrauen auf die Verheißungen, welche Ich euch oft gebe, kein befriedigendes Resultat erwartet werden kann. So wie bei einer körperlichen Heilung nicht der Arzt allein der Gesundheitsbringer ist, sondern das Vertrauen zu ihm und die feste Überzeugung von der Wirksamkeit der Mittel, welche er anwendet, ein Hauptfaktor, ja oft der Hauptfaktor sind, welcher die Genesung herbeiführen kann, ebenso ist bei jeder Bitte an Mich - um geistige und auch weltliche Dinge - das Vertrauen oder Zutrauen zu Mir der mächtigste Hebel, welcher die Erfüllung beschleunigen und verwirklichen kann. Dieses feste Vertrauen bindet Mich direkt, das zu gewähren, was Mein Kind von Mir als seinem Vater erbittet; wo anders sollte die Vaterliebe sich zeigen können, als eben im Gewähren? Im Verweigern gewiß nicht!

  

12] Schon früher habe Ich euch ein Wort über ,Vertrauen` gegeben, vor kurzem ein anderes über ,Glauben`, und jetzt soll diese Ausführung von beiden - aber in einem andern Sinn - handeln. Das Vertrauen soll hier als Zutrauen zu Mir erklärt werden und der Glaube nicht als der mächtige Hebel, selbst Taten zu vollbringen, sondern als feste Überzeugung von dem Gewicht Meiner Worte und Meiner Verheißungen.

  

13] Jener Hauptmann im Evangelium hatte das Zutrauen und die feste Überzeugung, daß Meine Worte nicht trügen können, deshalb verließ er Mich getrost und ging nach Hause. Er war überzeugt, er müsse sein Kind gesund wiederfinden.

  

14] Begreift ihr, was das für ein Glaube ist, der in der Brust eines Vaters so mächtig wirken kann, daß er auf Meine persönliche Ankunft in seinem Hause verzichtet und nur Meinen Worten, Meiner Versicherung glaubt, da es sich um das Leben seines einzigen Kindes handelt?

  

15] Wo habt ihr dieses Vertrauen schon gezeigt, ihr, die Ich mit so vielen Gnadenworten überschüttet und so oft durch die Tat gezeigt habe, wie Ich stets mit euch bin? - Legt die Hand aufs Herz und bekennt offen und frei, daß ihr im Glauben und Zutrauen noch weit hinter diesem Manne im Evangelium zurück seid!

  

16] Ihr seid bei dem kleinsten Mißgeschick, das euch trifft, verzagt. Sogleich eilt ihr zu Meinem Schreiber und verlangt direkte Worte von Mir, weil ihr noch taub gegen Meine Stimme seid, die euch in eurem Herzen so oft Trost zusprechen will. So seid ihr, die ihr euch zu den Auserwählten zählen wollt!

  

17] Ich will euch durch dieses Beispiel wieder auf das rechte Maß der Selbstschätzung zurückführen, damit ihr erkennt, was euch abgeht, und wieweit ihr noch von dem eigentlichen Ziel eines Wiedergeborenen entfernt seid.

  

18] Wenn ihr Bevorzugten so seid, was soll Ich von denen erwarten, denen diese Gnadenworte mangeln, die im Strom des Weltgewirrs hi- nund hergeworfen werden und trotz aller Mahnworte und Leiden, die Ich über sie hereinbrechen lasse, nicht zur Besinnung kommen können?

  

19] Hier in diesem Wort will Ich euch zeigen, wo der Grenzstein des Fragens an Mich sein sollte, damit ihr nicht bei jeder Gelegenheit fragt und von Mir Bescheid haben wollt.

  

20] Jede Frage von euch an Mich ist ein Beweis von Mangel an Zutrauen, Mangel an Vertrauen, Mangel an Glauben, Mangel an dem eigentlichen Verständnis Meiner Worte und Mangel an der Erkenntnis, was es eigentlich heißt, Mich fragen zu wollen. Hättet ihr einen rechten Begriff von Meiner Größe und Meiner Heiligkeit, so wäre auch die Wahrheit Meiner Worte festgestellt, die Ich euch in den Evangelien, in Antworten auf eure oft einfältigen Fragen gegeben habe. Ich verfolgte den Zweck, euch alle Geheimnisse Meiner Natur, eures Herzens, Meiner Darniederkunft und Meines künftigen Wiederkommens klar zu machen.

  

21] Allein, ihr seid noch lange nicht zur Einsicht gekommen, was ein Schöpfer und Herr des Universums ist, deswegen übernehmt ihr euch oft in euren Fragen, auf welche Ich natürlich nicht als Herr, sondern als liebender Vater geduldig antworte. Aber es stünde euch zu, etwas reifer darüber nachzudenken, wozu die vielen Worte da sind, welche Ich euch durch Meinen Schreiber bis jetzt gegeben habe. Ihr sollt sie nicht bloß lesen, abschreiben und in Bücher binden lassen, nein, ihr sollt euch bestreben, sie zu eurem eigenen Ich zu machen. Ihr sollt durch sie Meine ganze materielle Schöpfung, den eigentlichen Wert der weltlichen Güter und eure Mission und Stellung im Weltall immer mehr begreifen lernen. Ihr sollt in dem kleinsten Atom und Sonnenstäubchen, das in der Luft herumfliegt, bis zu dem größten, fernsten Stern, der als eine Zentralsonne euch sein Licht aus Millionen und Millionen Meilen zusendet, überall euern Vater erkennen, der obwohl groß, im Kleinsten und im Geringsten gerade am mächtigsten erscheint.

  

22] Aus diesen Betrachtungen sollt ihr den Beweis schöpfen, daß Seine Wort gerade so wahr und wirkend sind wie die Sprache Seiner Schöpfung, und wie Er so groß, unermeßlich, gut und liebend ist. Seinen Versprechungen und Verheißungen muß der größte Glaube geschenkt werden, weil es nicht Worte eines endlichen, wohl aber eines unendlichen, höchsten Wesens sind, das sich in geringer Menschengestalt herabgelassen hat, euch den Beweis der größten Demut und der größten Verleugnung seiner selbst zu geben.

  

23] Lernt von jenem Hauptmann im Evangelium, was es heißen will, Vertrauen auf Meine Worte haben! Er stellte im höchsten Schmerz, dem Verlust seines Kindes, Meine Worte höher als diesen Schmerz, warf sich vertrauensvoll in Meine Arme und wurde in seinen Erwartungen nicht betrogen.

  

24] Diese euch im Evangelium Johannes mitgeteilte Tat nahm Ich zum Gegenstand der Belehrung, nicht um der ganzen künftigen Menschheit, sondern um Meinen Auserwählten einen Maßstab zu geben, wie sie alle Meine Worte auffassen und auf sie vertrauen sollen; denn nur dann, wenn sie in diesem Vertrauen fest und wahres Zutrauen zu Mir haben werden, können sie auch hoffen, ähnliches bei andern zu erwecken. Sonst sind sie den meisten Priestern eurer Zeit gleich, die etwas predigen, was sie selbst nicht glauben. So kann Mein Reich auf Erden nicht gefestigt, nicht einmal gegründet werden.

  

25] Zuerst müßt ihr und alle späteren Erwählten, wie einst Meine Jünger, mit gutem Beispiel vorangehen, wenn ihr wollt, daß euch jemand folgen soll!

  

26] So nehmt euch diesen Königischen zum Beispiel! Erstarkt im Vertrauen und Glauben, und ihr werdet Ruhe und Frieden haben und beides überall verbreiten können! Amen.

 

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gm.pred.047. Predigt: Mt.18,23-35 am 21. Trinitatissonntag (28.04.1872)

   00] Gleichnis vom Schalksknecht (Mt.18,23-35): Darum ist das Himmelreich gleich einem König, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da er's nun nicht hatte, zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn, sein Weib, seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an, und sprach: "Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen!" Da jammerte den Herrn des Knechtes, und er ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbe Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an, würgte ihn und sprach: "Bezahle mir, was du mir schuldig bist!" Da fiel sein Mitknecht nieder, bat ihn und sprach: "Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen!" Er wollte aber nicht sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er bezahlte, was er schuldi war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, das sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: "Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe?" Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er ihm schuldig war. - Also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler.

  

01] Schon öfters habe Ich euch gesagt, daß Ich Meinen Jüngern und sonstigen Anhängern alles einzeln auslegen mußte, was in Meinen zwei Liebesgeboten gesagt und in den zehn Geboten Mosis noch deutlicher erklärt ist. Allein, da Ich mit Leuten zu tun hatte, die gern ausführliche Gebote wollten, damit sie genau wüßten, wie sie sich in verschiedenen Fällen zu benehmen hätten, so war Ich gezwungen, dieser Neigung wegen alles zu erläutern, ihnen bei allen Gelegenheiten die Gebote entweder durch nähere Erklärungen oder durch Gleichnisse so darzustellen, daß sie für jeden vorkommenden Fall im Leben einen Anhaltspunkt boten.

  

02] So findet ihr in diesem Kapitel vom Anfang bis zum Ende Verhaltungsmaßregeln, teils klar, teils in Bildern und Gleichnissen ausgesprochen, um Meine Jünger und künftigen Anhänger Meiner Lehre nicht im Zweifel zu lassen, wie sie sich bei allen vorkommenden Fällen benehmen sollten, und wie sie auch andere erfolgreich darüber belehren könnten.

  

03] Meine Jünger waren noch wie unmündige Kinder, die anfangs von Mir und Meinem Reich nicht die hohen Begriffe fassen konnten wie später nach dem Überkommen Meines Geistes. So findet ihr oft Fragen, so unschuldig und einfach, daß es zum Verwundern ist. Wie konnten Meine Jünger, stets unter dem Einfluß Meiner Gegenwart, Meiner Worte und Taten, noch fragen: "Wer ist der Größte im Himmel?" Wenn nun Meine Jünger noch so fragen konnten, so könnt ihr euch denken, wie erst die andern, minder Eingeweihten dachten. Deswegen ist auch die Antwort, die Ich ihnen darauf gab, und das Folgende in den anderen Versen einfach.

  

04] Ich verglich die Einfalt des Kindes mit dem Engelsinn Meiner Mir am nächsten stehenden Wesen. Wie Meine Engel nicht beleidigt werden sollen, so sollen auch die an Kindeseinfalt reichen Gemüter nicht erzürnt werden, weil in ihnen kein Falsch ist und die Kinder im allgemeinen mit vollem Vertrauen einem jeden entgegenkommen, der sich ihnen nähert. Deswegen ist es die größte Sünde, dieser Einfalt mit Falsch, Hohn, Spott und Haß entgegenzutreten. Darauf beziehen sich die andern Verse, in denen bildlich gesagt ist, daß, wenn eine Leidenschaft die Seele eines Menschen beherrscht, es besser ist, diese zu überwinden zu suchen, als daß die ganze Seele durch diese einzige Leidenschaft verlorengehe.

  

05] Diese Beispiele und Gleichnisse sind in Bildern der Sprache jener Zeit gegeben, wie auch heute noch im Orient die Bildersprache gang und gäbe ist.

  

06] Nachdem Ich Meinen Jüngern vorgestellt hatte, daß es besser sei, einen Teil des Ichs anstatt den ganzen Seelenmenschen zu opfern, deutete Ich ihnen in den nachfolgenden Versen die Freude an, die Ich als Schöpfer habe, wenn nichts verlorengeht, was Ich in die Welt hinausgesetzt habe, sondern alles einst gereinigt und vergeistigt zu Mir zurückkehrt. Das ist in den Gleichnissen vom Hirten und dem verlorenen Schaf zur Genüge ausgedrückt.

  

07] Um die Verlorenen zu gewinnen, gab Ich - wie die weiteren Verse berichten - Meinen Jüngern die Mittel an, wie sie die Verirrten und Fehlenden, ohne ihrer Eigenliebe zu nahe zu treten, bessern könnten. Ich gab ihnen Ratschläge, was bei verstockten Sündern oder minder hartnäckigen zu tun sei. Ich gab ihnen ferner die Versicherung, daß wenn zwei sich vereinigt haben, in ihren Ansichten eins geworden sind und Mich um Meinen Segen bitten, Ich ihnen diesen nie verweigern werde. Ich sagte ihnen, daß, wo zwei in Meinem Namen versammelt sind, Ich als Dritter, als Vereinigungs und Friedensgeist mitten unter ihnen sein werde. Ich stellte ihnen vor, daß dem reuigen Bruder seine Fehler nicht nur einmal, sondern unendliche Male vergeben werden sollen, um seine Besserung zu ermöglichen. Ich sagte ihnen auch: wenn sie, mit der Tugend der Duldung ausgerüstet, einem Bruder seine Fehler vergeben, so würden sie ihm auch von Mir vergeben und vergessen werden.

  

08] Ich führte ihnen das gleichnis vom Schalksknecht vor Augen. Mit diesem Gleichnisse wollte Ich sagen, was Ich schon in dem ihnen von Mir hinterlassenen Gebet lehrte, in welchem es heißt: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!", - daß sie in hartnäckigen Fällen nicht die Geduld verlieren, nicht verdammen, wo sie verzeihen, nicht fluchen, wo sie segnen sollten.

  

09] Ich stellte das Beispiel des Schalksknechts deshalb in so grellem Licht dar, damit sie keinen Grund finden sollten, hart zu sein - auch nicht in einzelnen Worten -, sei es aus übertriebenem Eifer, sei es aus wirklicher, falscher Beurteilung und Intoleranz gegenüber den menschlichen Fehlern. So lehrte Ich sie Meine Langmut und Meine unbegrenzte Geduld begreifen, so bewies Ich ihnen, warum Ich Meine Sonne über Gute und Böse aufgehen lasse, weil eben Mein Ich nur Liebe ist und Liebe nicht strafen, sondern nur bessern will.

  

10] In diesem Kapitel findet ihr das ganze menschliche Leben geschildert, wie es sein sollte: wie der Mensch, nur durch Liebe geleitet, vorerst wie ein Kind vertrauensvoll auf Mich blicken, alles ohne Falsch und ohne Hintergedanken tun und keinen andern Zweck im Auge haben soll, als nur Mir, seinem Vater, zu gefallen um so des Namens ,Mein Kind` würdig zu werden. Ferner wird gezeigt, wie der Mensch mit Kindeseinfalt stets wieder Liebe erwecken soll und es böse wäre, einem solchen mit aller Einfalt und Zutrauen entgegenkommenden Menschen das Gute, das er will, mit Bösem zu vergelten. Es wird gezeigt, wie der Mensch die Nächstenliebe verstehen und höchst zart und sanft versuchen soll, seinen Bruder auf seine Fehler aufmerksam zu machen und nur in den schlimmsten Fällen zu strengen Mitteln greifen, aber stets verzeihen, vergessen und sogar am Ende Böses mit Gutem vergelten soll.

  

11] In diesem Kapitel liegt die ganze geistige Mission des Menschen, wie er sich selbst zu dem Kinde erziehen soll, wie Ich es wünsche, und wie er auf seine Mitwelt einwirken soll, um auch sie Mir in die Arme zu führen, um dann im Jenseits als das dazustehen, was Ich bei Erschaffung des ersten Menschen gewollt habe, nämlich als Mein würdiges Ebenbild.

  

12] So sollt ihr Meine Evangelien lesen und auffassen, dann wird euch das Gnadenlicht erleuchten, und ihr werdet in den Gleichnissen nicht die harte Rinde des Lebensbaumes, sondern den hinter ihr versteckten Kern der göttlichen Wahrheit erkennen. Um dieses zu vermögen und zu verstehen, was dem profanen Auge verborgen ist, dazu gehören geistige Augen und ein tiefes Verständnis.

  

13] So wird die Bibel eine Fundgrube und eine Lichtquelle für alle menschlichen Verhältnisse, und der verständige Leser wird finden, daß schon seit mehr als tausend Jahren die höchsten Schätze in diesem Buch aufbewahrt liegen, um der Menschheit einziger Führer und Leiter zu sein, und ihr zu zeigen, wie Ich schon in jenen Zeiten gesorgt habe, daß nichts von dem verlorengehe, was für alle Zeiten und Ewigkeiten gesagt wurde.

  

14] Jetzt, da bald die Zeit herannaht, wo die Menschen strenger gefragt werden, ob sie denn eigentlich wissen, wozu sie auf der Welt sind, und ob sie auch wissen, warum Ich auf diese Erde kam, jetzt ist es an der Zeit, die Rinde des Buchstabens und Wortlauts Meiner Evangelien wegzunehmen und den Menschen unter dieser scheinbar harten Rinde den glänzenden Strom des göttlichen Lichts zu zeigen, damit sie in dieser letzten Zeit noch das Versäumte an sich und an anderen einholen und so ihre Mission erfüllen können. Deswegen Meine vielen Erläuterungen und Erklärungen an euch, deswegen diese ganze Reihe von Sonntagspredigten, damit ja niemand sagen kann, dieses oder jenes habe er nicht gewußt, nicht verstanden.

 

 15] Ich bin der Gott des Lichts, der Liebe und der Weisheit. Wenn Ich einst wiederkomme, kann keine Finsternis neben Mir bestehen. Es muß deshalb in den Herzen aller Menschen Licht werden. Sie müssen alle lieben lernen, um diese Liebe, mit Weisheit verbunden, an ihren Nächsten anzuwenden.

  

16] Der Grund Meiner Worte, die Ursache Meiner Mahnungen und das Endziel Meines Strebens ist, euch auf diese Art zu Meinen Kindern zu machen und die Welt wieder in ein Paradies zu verwandeln, wie sie zur Zeit der ersten Menschen war, in dem kein Haß, kein Zorn, kein Spott, sondern Liebe, Friede und Ruhe alle Geschöpfe beseelte und der Mensch, das letzte Schöpfungswerk der Erde, alle die göttlichen Eigenschaften in sich vereinte.

  

17] So muß es kommen, und dahin muß alles streben! Trachtet danach - ihr und alle Menschen -, eure Mission zu erfüllen, indem ihr so gut als möglich werdet! Tragt aus allen Kräften dazu bei, euren Mitmenschen den Weg zu dem gleichen Ziel zu zeigen, dann sind Meine Worte an euch nicht verschwendet, und ihr werdet, des Namens Meiner Kinder würdig, auch den Vater im Jenseits finden, der hier schon mit so viel Liebe und Geduld Seine verirrten Schafe zu retten sucht! Amen.

 

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gm.pred.048. Predigt: Mt.22,15-22 am 22. Trinitatissonntag (29.04.1872)

   00] Haltung Jesu zur Obrigkeit (Mt.22,15-22): Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie Jesus fingen in seiner Rede. Sie sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes Dienern und sprachen: "Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünkt dich? Ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht?" Da nun Jesus ihre Schalkheit merkte, sprach er: "Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weist mir die Zinsmünze!" Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: "Wes ist das Bild und die Überschrift?" Sie sprachen zu ihm: "Des Kaisers." Da sprach er zu ihnen: "So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" Da sie das hörten, verwunderten sie sich, ließen ihn und gingen davon.

  

01] Dieses 22. Kapitel ist voller Gleichnisse, die Ich den Pharisäern und Schriftgelehrten vortrug, um allen ihren Einwürfen richtig zu begegnen.

  

02] Die obigen Verse behandeln eine jener Fallen, welche Mir die Pharisäer legten, um Mich durch eine unvorsichtige Antwort der Obrigkeit überliefern zu können.

 

03] Die Römer, als ihre Herren, kümmerten sich um nichts anderes als um ihre Oberherrschaft im Judenland; was aber die Religion der Juden und ihre Reformatoren - seien es Propheten oder Prediger, wie Mein Vorläufer Johannes oder gar der erwartete Messias, wie Ich ihn vorstellte - betrifft, so war ihnen dies ganz gleichgültig, solange diese Neuerungen auf kirchlichem Gebiet blieben und nicht ins Politische hinüberreichten. Deswegen war es den Pharisäern hauptsächlich darum zu tun, eine Frage zu finden, bei deren gewissenhafter Beantwortung Ich unmöglich das Politische umgehen konnte.

  

04] So sandten denn die Pharisäer ihre Jünger samt einigen Dienern des Herodes zu Mir mit der zweideutigen Frage: "Ist es recht, dem Kaiser den Zinsgroschen zu entrichten?"

  

05] Es war dies eine Frage, bei der sie vermuteten, daß Ich ihnen zur Antwort geben würde, vor allem gehe das Opfer des Tempels vor, und die Steuer für den Kaiser sei eine ungerechte, durch die Macht des Schwertes aufgedrungene Last. - Indem sie durch solch eine Antwort die schlagendsten Beweise dafür in der Hand hätten, daß Ich das Volk mit schlechten Erklärungen betöre und es feindlich gegen die Regierung stimme, glaubten sie, Mich mit der Obrigkeit verwickeln zu können. Damit aber nicht der Schein auf sie fiele und sie im Falle des Leugnens Meinerseits auch Zeugen hätten, schickten sie Diener des Herodes mit, welche Meine von ihnen erwarteten Aussagen bestätigen sollten.

  

06] Ich muß gestehen, die Frage war verfänglich. Da die Römer nicht die rechtmäßigen Herren, sondern nur die durch die Umstände aufgedrungenen Besitzer dieses Landes waren, vermuteten die Pharisäer, daß Ich als geborener Jude die Fremdherrschaft verachten und derselben entgegentreten werde. Ich aber, der Herzen und Nieren der Menschen erforscht und wohl wußte, was die Pharisäer wollten, antwortete ihnen mit wenigen Worten so, daß eine weitere Frage ihrerseits unmöglich wurde. Denn in der Antwort: "Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist!" lag schon die ganze Erklärung, die nur Ich als Der, welcher Ich war, geben konnte, - die aber eben nicht die von ihnen erwartete Antwort war.

  

07] Da Ich ihnen auf der Mir dargereichten Münze das Bildnis des Kaisers und seine Überschrift gezeigt hatte, konnte Ich nicht anders sprechen als: "Dieses Bildnis auf der einen Seite der Münze zeigt euch, wessen Untertanen ihr seid; und wenn ihr die Bedeutung des Bildnisses nicht verstehen wollt, so beweist es euch die Aufschrift auf der andern Seite noch besser. Diese Münze ist eine Scheidemünze, mit welcher ihr Handel und Wandel treiben und damit eure weltlichen Bedürfnisse befriedigen könnt; das Geistige aber ist erhaben über alle Münzen sie mögen von Gold oder sonstigem Metall sein -, das Geistige hat einen anderen Anfang, einen anderen Grund und ein anderes Ziel!" Damit schied Ich streng den pflichtmäßigen Tribut der weltlichen Macht gegenüber dem der geistigen.

  

08] Meine an sie gerichtete Antwort sollte ihnen sagen: "Mit den Abgaben an den Kaiser erkauft ihr euch eure weltliche Ordnung, Ruhe und Sicherheit; mit den geistigen Opfern aber verschafft ihr euch Ordnung in eurem Innern, die Ruhe eines reinen Gewissens und die Sicherheit im Handeln, so daß ihr wißt, was und warum ihr etwas tut. So erlangt ihr auf beiden Wegen das gleiche Ziel, hier im Geistigen und dort im Weltlichen. Beide müssen bestehen; denn ohne sie ist kein Zusammenleben mehrerer möglich, und ohne sie ist nicht klar ausgesprochen, was eigentlich das Wichtigere ist: die Schätze der Welt oder die Schätze des Geistes.

  

09] Was Ich zu den Pharisäern sprach, das hat auch für alle späteren Zeiten seine Geltung gehabt und wird sie noch ferner haben, solange Menschen in Städten und Dörfern beisammenleben, und solange noch Religion und Glauben an ein höchstes Wesen in ihren Herzen leben. So gut wie ein Herrscher als weltliches Oberhaupt nötig ist, ebensogut ist auch ein Gott nötig, der das ganze Universum zusammenhält. Beide sind Ordnungsstifter, Ordnungserhalter und darum auch die alleinigen Gesetzgeber. Die weltlichen Herrscher mögen heißen wie sie wollen, stets wird die Exekutivgewalt nur einem einzigen übertragen werden; ebenso kann es auch in geistiger Beziehung nur einen Regenten und nicht mehrere Götter geben.

  

10] Daß es immer Menschen gegeben hat, welche als Herrscher ihre Gewalt mißbrauchten und andere, die keine Macht über sich anerkennen wollten, ist ebenso natürlich, wie es Menschen und Völker gegeben hat, denen ein Gott nicht genügte, und die sich ein ganzes Heer von Göttern und Göttinnen schufen, um bequem ihren weltlichen Leidenschaften leben zu können, - in welchem Falle aber auch wieder jede Tat durch einen göttlichen Beschluß sanktioniert war. Ebenso gab und gibt es noch Menschen, die gar keinen Herrscher, gar keinen Gott haben wollen - als nur ihr eigenes Ich.

  

11] Und doch - die Menschen mögen es machen, wie sie wollen, den Zinsgroschen müssen sie überall zahlen! Sie müssen dem weltlichen Herrscher einen Teil ihres Erwerbs und dem geistigen Herrscher, nämlich Gott, alle weltlichen Leidenschaften opfern, wollen sie bei ersterem in gutem Ansehen stehen und bei letzterem das Ziel erreichen, das Er ihnen gesetzt hat.

  

12] Überall droht Strafe beim Nichtbezahlen - hier weltliche, dort geistige -, und so hatte Ich wohl recht, wenn Ich den Pharisäern sagte: "Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist!"; das heißt: "Erfüllt eure sozialen Pflichten so gut wie die geistigen! Erkennt eure Stellung als Menschen zu euren Nächsten und zu dem weltlichen Herrscher! Vergeßt aber dabei eure Verpflichtungen nicht, die ihr gegen Den habt, der euch in die Welt setzte und euch Talente oder Pfunde gab, von denen Er einst den Zehent oder Zinsgroschen fordern wird! Vermengt beide Pflichten nicht und trachtet nicht danach, auf einem Weg beide zufriedenstellen zu wollen, was nicht möglich ist; denn ihr könnt euch des Weltlichen sowenig wie des Geistigen ganz entledigen!"

  

13] Was für euch aus diesem Spruch an die Pharisäer erhellt, ist, daß auch ihr der Welt den Zinsgroschen nicht verweigern sollt, ohne jedoch das Geistige eures Wesens dabei einzubüßen, ohne aber auch dabei ganz Geist sein zu wollen, solange ihr noch in der Körperhülle diesen Erdball bewohnen müßt! Es ist so nötig, sowohl hier im irdischen Leben, wie auch jenseits im höchsten Geistleben die rechte Mittelstraße zu kennen, damit niemand in die Extreme verfällt, in welchen er niemand nützen kann, sondern sich und andern nur schadet.

  

14] Daher beachtet auch ihr dieses Wort an die Pharisäer, dessen tiefer Sinn euer ganzes irdisches und künftiges Leben beleuchtet, damit nicht eine falsche Auffassung verkehrte Resultate hervorbringe! Wie Ich sagte, daß die Liebe, als Liebe allein, dem Liebenden wie dem Geliebten nur verderblich wäre, würde sie nicht durch die Weisheit geleitet und gemildert, ebenso kann eine jede Tugend - auch die beste - verderblich werden, sobald sie über die Grenzen des Möglichen hinauswill.

  

15] Vergeßt nie in eurem ganzen irdischen Lebenswandel, der Welt das zu geben, was sie von euch zu verlangen berechtigt ist!

  

16] Gebt der Welt, was der Welt ist, laßt aber nicht weltliche Triebe ins Geistige hinüberschweifen! Vergeistigt, wenn ihr wollt, alle möglichen Beschäftigungen, aber verweltlicht nicht eure heiligen, geistigen Eigenschaften, die für länger als für dieses kleine Pilgerleben dauern sollen! Gebt Gott, was Gottes ist! Betrachtet auch die weltlichen Güter als Geschenke des Himmels; vergeßt aber ob der vergänglichen, weltlichen Glücksgüter die ewigen, bleibenden nicht! Obwohl Welt und Gott dem Anscheine nach zwei verschiedene Dinge sind, die verschiedene Ziele verfolgen, so ist es doch möglich, beiden nicht nur zu genügen, sondern sie auch zu vereinen, insofern als auch die Welt von Gott als Mittel erschaffen wurde, die geistigen Eigenschaften Seiner Wesen zu steigern und zu kräftigen und so auf diese Art das Weltlich-Grobe oder Materielle wieder zu seinem Ursprung zurückzuführen, von dem es ausgegangen ist.

  

17] Der Tribut oder Zinsgroschen muß der Welt gegeben werden; denn sie ist die Führerin zum Geistigen. Wie man das Licht nur deswegen schätzt, weil man die Finsternis kennt, so wird man auch das Unvergängliche dann höher schätzen, wenn man das Vergängliche, das Weltliche kennt. Der Zinsgroschen, den ihr der Welt geben müßt, besteht in der Bekämpfung ihrer Versuchungen, ferner in der klaren Ansicht über den eigentlichen Wert ihrer Güter, welche nur dann gut verwertet sind, wenn sie ein geistiges Produkt der Liebe liefern können. Auch der materielle Zinsgroschen an den Kaiser gibt dem Menschen, dem Untertan die Ruhe, seinen friedlichen Arbeiten nachzugehen und dadurch für sich und das Wohl seiner Familie sorgen zu können. So sorgt der Richter fürs allgemeine und der Bürger fürs eigene Wohl.

  

18] So ist das irdische Leben nur der Grund eines höheren Baues, welcher auf den rohen Steinen der materiellen Wirklichkeit angefangen, in den letzten, geistigen Lichtelementen einer anderen, höheren Welt enden soll. Um das höhere Leben zu erreichen, muß der weltliche Zinsgroschen reichlich fließen, damit er viel Gutes und Erhabenes im Geistigen erwirkt. Auf diese Art kann das, was des Kaisers ist, und das, was Gottes ist, vereinigt werden. Dies kann das geistige Leben der einzelnen Menschen nur fördern und entspricht dem eigentlichen Zweck, warum Ich euch in die Welt setzte und mit so vielen, verschiedenen Eigenschaften - guten sowohl wie schlechten - ausrüstete. Die letzteren bekämpft, sie sollen zur Stärkung der ersteren beitragen und werden euch zu Meinem geistigen Ebenbild gestalten.

  

19] Beachtet daher dieses Wort, das Ich euch in diesem Evangelium gegeben habe; auch in ihm liegt des Tiefen viel, woraus der Verständige und Umsichtige Regeln für sein ganzes Leben ziehen kann! Er wird dann nicht Extreme von sich, von seinem Nächsten und von der Welt verlangen, sondern den rechten Mittelweg wandeln, indem er durch Zahlung des Zinsgroschens seinem Nächsten das Beibringen des Tributs erleichtert. So wird er seine Mission und Meinen Zweck erfüllen, deswegen Ich überhaupt Geister und Materie erschuf, welch letztere, das Bindungsmittel der ersteren, am Ende auflösen und das wiedervereinigen soll und muß, was Ich getrennt in den großen Weltschöpfungsraum hinausgestellt habe.

  

20] So wollt auch ihr, indem ihr den Mittelweg geht, dazu beitragen, daß das Materielle vergeistigt werde, damit Mein Wiederkommen auf eurer Erde durch eure und der Menschheit Vergeistigung gerechtfertigt werde. Dann wird es sich herausstellen, was ihr dem Kaiser, und was ihr Gott gegeben habt, und inwieweit in diesem Geben das rechte Maß und das rechte Gewicht vorherrschte. Nur wenn ihr fähig geworden seid, auch das geringste Meiner Worte im rechten, tiefen und geistigen Sinn aufzufassen, ist eine Vereinigung mit Mir und Meiner Geisterwelt möglich. Ich unterlasse zu diesem Zweck kein Mittel, euch zu zeigen, was der Welt oder des Kaisers ist; Ich erinnere euch aber auch stets daran, was Gottes oder Mein ist, und wie beides, obwohl getrennt, doch vereint werden kann, wenn zum rechten Verständnis auch die rechte Ausführung kommt. Amen.

 

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gm.pred.049. Predigt: Mt.09,18-19, 23-25 am 23. Trinitatissonntag

   00] Erweckung der toten Tochter des Jairus (Matth. 9,18-19, 23-25): Es kam der Obersten einer, fiel vor Jesus nieder und sprach: "Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben! Komm, und lege deine Hand auf sie so wird sie lebendig!" Und Jesus stand auf und folgte ihm nach und seine Jünger. Als er in des Obersten Haus kam und die Pfeifer und das Getümmel des Volks sah, sprach er zu ihnen: "Weichet; denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft!" Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand. Da stand das Mägdlein auf.

  

01] Dieses Kapitel handelt wieder von Heilungen, teils durch Auflegen der Hände, teils durch den festen Glauben der Leidenden; und unser Text behandelt sogar die Wiedererweckung der toten Tochter eines Obersten, der so viel Glauben und Vertrauen auf Meine Macht hatte, daß - wie das Evangelium sagt - er Mich bat, in sein Haus zu kommen, damit seine Tochter durch Auflegung Meiner Hände lebendig würde.

  

02] Seht, wo sich so viel Vertrauen zu Mir zeigt, da kann Ich nicht anders, als dem Flehenden seine Bitte zu gewähren, um allen zu zeigen, was man durch unbedingtes Vertrauen auf Mich erlangen kann. Wenn ein Kind mit Inbrunst seinen Vater um Erfüllung seiner Wünsche bittet, so erhört er es gewiß. Was vom rechten Glauben schon früher gesagt wurde, bezieht sich auch auf diesen Akt der Totenerweckung, und es wäre überflüssig, dasselbe zu wiederholen. Diese Beispiele zeigen euch alle nur zu deutlich, welchen Weg die Menschen einschlagen sollen, um der Erfüllung ihrer Wünsche - vorausgesetzt, daß sie gerecht sind - gewiß zu sein.

  

03] Wenngleich Ich in jenen Zeiten körperlich sichtbar diese Handlung vollbrachte, so kann nichtsdestoweniger jetzt das gleiche geschehen; denn der Körper gibt hier nicht den Ausschlag, sondern Mein Geist. Wie er dort unter Meinen Jüngern und Verehrern Meines Wortes weilte, so ist er auch bei euch. Nur die Sichtbarkeit Meiner Person mangelt; diese dürfte euch aber, die ihr wißt, wer Ich eigentlich bin, nur stören. Bei Meinen Jüngern und dem Mir nachfolgenden Volk war das anders, da sie in Mir wohl einen mächtigen Propheten oder den von ihnen erwarteten Messias, aber nicht den Herrn der Schöpfung, der alles erschaffen hat, zu sehen glaubten.

  

04] Was die Erweckung der Tochter des Obersten betrifft, so war sie der Lohn für den unbegrenzten Glauben des Vaters und zugleich ein Wegweiser und Fingerzeig für die erweckte Tochter.

  

05] Dieses körperliche Erwecken in jener Zeit ist dem geistigen der Jetztzeit entsprechend; denn was in jener Zeit durch Mich geschah, bewirkt und von Mir gesprochen wurde, das geht jetzt wieder vor sich, nur in geistiger Beziehung. In jenen Zeiten zog Ich von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, predigte, heilte und tat Gutes, gab den halb Eingeschlafenen wieder Anregung und erweckte körperlich und geistig Tote. Und auch jetzt, schon seit langer Zeit geschieht das gleiche. Überall erwecke Ich durch einen unbewußten Trieb der Seelen innerste Eigenschaften, erwecke durch Verkettung von Verhältnissen, durch Unglücksfälle und Leiden aller Art die Menschen, auf daß sie nicht ganz vergessen, daß sie aus mehr als einer Substanz geformt sind, und damit sie das Geistig-Seelische nicht ganz hinwegleugnen. Überall treibe Ich, wie bei dem Obersten, die Pfeifer und Schmauser, welche einer Totenfeier sogar den Anschein einer fröhlichen Szene geben wollen, aus dem Hause. Das Leben und sein Zweck sind zu ernst, als daß man mit seinen Perioden und Wechselfällen wie mit Kinderspielsachen tändeln dürfte.

  

06] Es muß, ehe die wahre Einsicht kommt, im innern Hause stille werden, damit die Seele Zeit gewinnt, sich in ihrer Lage wieder zurechtzufinden, damit sie nach und nach darauf aufmerksam gemacht werden kann, wie wenig Gehalt und Dauer im Weltlichen ist, damit sie das Geistige vorzieht und keine Mühe und kein Opfer scheut, sich dieses anzueignen.

  

07] So erwecke Ich manchen von seinem geistigen Schlaf. Ich lege ihm Meine Hand auf oder rühre ihn nur mit einem Finger an, damit er nicht ganz verlorengehe und im Materiellen seinen geistigen Untergang finde; denn aus dieser Nacht ist nur ein langsames Erwachen möglich.

  

08] Wie Ich zu den Umstehenden sagte: "Das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft nur!", so zeige Ich auch jetzt den Menschen oft, daß manche, dem Anschein nach die verdorbensten Menschen, nur in den geistigen Schlaf versunken sind und es des rechten Weckrufs bedarf, um diese Lethargie zu beheben und aus dem Siebenschläfer einen tätigen Arbeiter in Meinem Weinberg zu machen.

  

09] Wie viele habe Ich schon erweckt, die es Mir jetzt tausendmal danken, wenngleich die Art und Weise des Erkennens nicht nach ihrem Geschmack war. Jedoch, gemäß der geistigen Individualität waren oft Reizmittel nötig, die allein den Endzweck zu fördern vermochten. Auch euch, die ihr alle in einen gemächlichen Geistesschlaf eingewiegt wart, indem ihr euch eure Glaubensanschauung so bequem wie möglich machtet, habe Ich durch verschiedene Mittel erweckt, um die ruhenden Eigenschaften der Seele wieder in Anregung zu bringen. Auch unter euch legte Ich so manchem Meine Hand auf, und manchen berührte Ich mit dem Finger, je nachdem der eine eine leise, der andere eine stärkere, einflußreichere Berührung nötig hatte, um zur Erkenntnis zu kommen, wo er eigentlich steht, und wieviel ihm noch fehlt, um zu dem angestrebten Ziel zu gelangen oder es wenigstens zu erkennen. Da Mein euch vorgestecktes Ziel nicht so nahe und nicht so leicht zu erreichen ist, so mußte Ich bei euch, so wie Ich einst die Musikanten bei Trauerfällen auswies, zuvor die alt angewöhnten Vorurteile ausmerzen, ehe zur Kenntnis Meiner Lehre geschritten werden konnte.

  

10] Was Ich bei euch in so verschiedener Weise bewirkte, das geschieht auch jetzt noch mit ganzen Völkern. Auch bei ihnen vertreibe Ich die lärmenden Musikanten, Pfeifer und Trommler, die selbst über Gräbern noch Freudentage anregen möchten. Ich mache die Völker durch Not nüchtern. Ich reiße sie aus dem Wahn heraus, daß die weltliche, nur nach Genuß strebende Sucht das erste sei, was der Mensch suchen müsse. Ich lehre sie - leider durch unangenehme Ereignisse - die Vergänglichkeit weltlichen Eigendünkels, weltlichen Ruhmes und weltlicher Glücksgüter und beweise ihnen nebenbei die ewige Dauer geistiger Schätze.

  

11] So ergeht es dem einzelnen, so den Völkern, so den Herrschern, so den Priestern. Allen zeige Ich, daß über ihnen noch ein anderer steht, der sie zwar machen läßt, was sie wollen, der aber die Fäden der Verkettung der Umstände und Verhältnisse allein in der Hand hält und alles - selbst das Schlechteste, von Menschen ausgeführt - zum Besten der Gesamtmenschheit wie auch des einzelnen zu verwerten weiß.

  

12] So geht der Entwicklungsprozeß zwar langsam vorwärts, nähert sich aber unaufhaltsam seinem Ziel. Ich erwecke alle Menschen, alle Völker, alle Könige und Priester. Alle sollen einsehen und begreifen, daß sie vorher geschlafen haben. Alle sollen aber auch erkennen, daß man nicht immer schlafen kann, und daß der Schlaf, nur dann gut und nützlich ist, wenn er dazu dient, die verbrauchten Kräfte wiederzuersetzen. Wo er aber dieses nicht bewirkt, ist er nutzlos, schädlich und verschlimmert nur. So ist der geistige Schlaf, in den viele eingelullt wurden oder sich selbst eingewiegt haben, nur als eine große Versäumnis auf der Bahn der geistigen Entwicklung zu betrachten. Daher ist das Erwecken nötig, umsomehr jetzt in dieser Zeit, in der die Lösung, der ganzen geistigen Bestimmungsfrage des Menschengeschlechts vor der Tür steht und die meisten Menschen sich so in das weltliche, egoistische Treiben hineingelebt haben, daß durch leise Berührung mit einem Finger fast niemand mehr erweckt werden kann, sondern für die so tief in den Schlamm der Welt Versunkenen zumeist Gewaltmittel angewendet werden müssen, um sie herauszuziehen.

  

13] Die Menschen sind jetzt so weit von ihrem eigentlichen Ziel abgekommen, daß keine menschliche Macht mehr imstande wäre, sie aus ihren Träumen zu erwecken und sie von ihrem Jagen nach Genuß abzubringen. Jetzt muß Ich Mich mehr als sonst ins Mittel legen, da auch die Herrscher wie ihre Völker, vom gleichen Wahn befangen sind. Eben deswegen ertönt überall und unter verschiedenen Formen der Weckruf sowohl an einzelne, als auch an ganze Völker.

  

14] Bis jetzt sind sich weder die Menschen noch die Völker darüber klar, was sie wollen. Doch, nur Geduld! Laßt erst die Musikanten vertrieben sein, dann wird die ernstere Stimmung, die Besinnung schon nachkommen! Die Verhältnisse werden sich klären, und das Unnatürliche, Ungesetzliche und Überspannte wird dem Reellen, dem Unvergänglichen Platz machen müssen. Des Sträubens von seiten vieler wir übergenug sein, - doch, die Arznei muß genommen und der Kelch des Bitteren bis auf die Hefe geleert werden!

 

15] Sind die Menschen einmal so weit vom rechten Weg abgekommen, so muß natürlich auch der Rückweg ein längerer sein, - aber umgekehrt muß werden! Sie müssen zur Einsicht kommen, daß es nur einen Gott und ein Geisterreich gibt, dem alles andere zum Fußschemel dienen muß, und daß das Materielle, mag es noch so verehrt werden, doch keinen bleibenden Gehalt hat und keinen bleibenden Genuß gewähren kann.

  

16] Tausende von Verirrten eilen auf dem Irrweg ins frühe Grab. Sie gehen unreif aus dieser Welt und kommen noch unreifer drüben an. Was soll aus solchen werden? Hier konnten sie nicht bleiben, und dort behagt es ihnen auch nicht. Oh, ihr kennt nicht die Qualen solcher Seelen, die unentschlossen umherirren! Das verlorene Irdische ist ihnen nicht mehr zugänglich, und das Geistige ist für ihre Ansichten und ihr Wesen nicht passend.

  

17] So geht es, wenn Menschen, ja ganze Völker ihr geistiges Glück mit Füßen treten, nur dem Weltlichen nachhängend und am Ende, nachdem sie das Weltliche verloren haben, nicht fähig sind, sich das Geistige anzueignen. Es ist ihre eigene Schuld. - Dies ist der Grund des Erweckens Meinerseits. Nicht umsonst sagte Ich: "Wenn dich ein Auge ärgert, so reiße es aus; denn es ist besser, daß du mit einem Auge in einer besseren Welt ankommst, als daß du dich mit zwei Augen der größten, geistigen Qual aussetzest!"

  

18] Nehmt alle Ereignisse, wie und wann sie kommen mögen, als Gaben der Liebe an; denn Ich weiß am besten, wie, wann und womit Ich verwahrloste Menschen und verirrte Völker auf den rechten Weg bringen und sie so noch beizeiten vom gänzlichen Verfall retten kann!

  

19] Man lehrte euch ein Fegefeuer, worin die Seelen von den schlechten Leidenschaften gereinigt werden sollen, ehe sie ins Paradies oder in den Himmel aufgenommen werden könnten. Ich sage euch: So, wie man euch das Fegefeuer beschrieb, ist es ein wahrer Unsinn; aber geistig existiert es wohl, nämlich im Menschen selbst, Dort muß alles Schlechte erst weggefegt werden, bis man sich in besseren Verhältnissen heimisch fühlen kann, und zu diesem Wegfegen trage Ich durch Schickung von allerlei Kämpfen und Leiden bei. Ich erwecke dadurch die schlummernden guten Eigenschaften in der menschlichen Seele, damit sie sich ermannen und aufraffen soll, das Böse mit Energie zu bekämpfen und alles wegzufegen, was ihr Schaden bringen könnte.

  

20] Als Ich einst sagte: "Das Mägdlein ist nicht tot, es schläft nur!", wurde Ich von den andern verlacht. Ebenso werde Ich auch heute von den wenigsten verstanden, wenn Ich sie erwecken will, obgleich es zu ihrem Besten ist. Daher trachtet danach, Meine Winke und Mahnungen zu verstehen, damit ihr es merkt, wenn Ich euch zu eurem Besten auch nur mit dem Finger berühre! Denn ein liebender Vater, dem es um das Wohl seiner Kinder zu tun ist, kann nur bessern, nie strafen. Dessen seid stets eingedenk! Amen.

 

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gm.pred.050. Predigt: Mt.08,23-27 am 24. Trinitatissonntag (01.05.1872)

   00] Beilegung eines Sturmes (Mt.08,23-27): Jesus trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein großes Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: "Herr, hilf uns, wir verderben!" Da sagte er zu ihnen: "Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?" Er stand auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: "Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist?"

  

01] Dieses Evangelium erzählt davon, wie Ich einst in ein Schiff stieg und, als sich ein großer Sturm erhob und Ich eingeschlafen war, von Meinen Jüngern aufgeweckt wurde, damit Ich dem Sturm und dem Meer Ruhe gebieten möchte.

  

02] Diese Tat geschah nur vor den Augen Meiner Jünger, obwohl auch am Land stehende Menschen beobachtet hatten, wie auf Mein Geheiß die Wogen sich legten und der Sturm verstummte. So gab Ich Meinen Begleitern einen neuen Beweis, daß Ich nicht allein Herr des Todes und des Lebens, sondern auch Herr der ganzen sichtbaren Natur bin.

  

03] Obwohl diese Tat manchem hätte die Augen öffnen können, mit wem er es zu tun habe, begriffen doch wenige, daß Ich mehr als Mensch, daß Ich Gottes Sohn oder Gott selbst war. Meine Jünger verloren den Mut, als der Sturm seine Kraft vermehrte, und weckten Mich voll Angst, weil sie glaubten, ihr Ende sei nahe. Sie hätten das nicht denken sollen, da sie Mich so ruhig schlafen sahen. Aber ihnen war der Begriff ,Sohn Gottes` noch nicht klar, und deswegen seht ihr sie in verschiedenen Fällen verzagt und an Meiner Allmacht zweifeln, obgleich sie Mich erst einige Augenblicke vorher Taten verrichten sahen, die kein gewöhnlicher Mensch, sondern nur Der verrichten kann, der weit über alles Körperlich-Materielle hinaus die Fäden der ganzen Schöpfung fest in Seiner Hand hält. Meinen Jüngern zeigte Ich oftmals durch Wundertaten Meine Macht, und doch konnten sie sich nicht ganz mit dem Gedanken befreunden, daß sie es mit keinem gewöhnlichen Erden, - sondern mit einem Gottmenschen zu tun hätten. Stets ließ Ich die Umstände sich so gestalten, daß außer Meiner Lehre Meine Taten noch deutlicher von Dem zeugen sollten, der Mich gesandt hatte. Sogar nach Meinem Tode, bei Meinem Wiedererscheinen unter Meinen Jüngern, gab es noch Zweifler, wie Thomas zum Beispiel einer war.

  

04] Was in jenen Zeiten unter Meinem direkten, sichtbaren Einfluß so schwer war, ist jetzt, wo Ich entweder durch eigens dazu bestimmte Schreiber oder durchs Herz eines jeden Menschen mit ihm rede, noch schwerer und zweifelhafter geworden. Jetzt sollen und müssen Meine Worte genügen, da die Zeit des notgedrungenen Glaubens vorbei ist und keine Wundertaten mehr ausgeführt, noch durch Mitwirkung anderer Menschen zugelassen werden. Die meisten, welche jetzt an Mein Wort glauben, sind nicht im mindesten von der Unfehlbarkeit desselben überzeugt. Auch ihnen ergeht es bei der geringsten Gefahr wie den Jüngern, d.h. auch sie zweifeln an Meinen Versprechungen, an Meinen Worten.

  

05] Die Lage, als Ich mit Meinen Jüngern in einem Schiff weilte, entspricht bei einem jeden Menschen seinem eigenen Lebensschiff, in welchem Ich als göttlicher Funke schlummere, bis Unglücksfälle aller Art den Menschen drängen, seine Zuflucht bei Mir zu suchen.

  

06] Es geht den meisten Menschen wie Meinen Jüngern. Solange es ihnen nicht schlecht geht, kommen sie nicht zu Mir. Meine Jünger glaubten sich verloren und riefen Mich an. Der Mensch sucht in bedrängten Lagen, in denen ihm die Gebrechlichkeit alles Irdischen die Maske der nackten Wirklichkeit zeigt, im Innern seines Herzens Trost und Ruhe zu gewinnen, welche er von der Außenwelt umsonst erwartet. Bis dahin schlummerte Ich auch bei diesem Menschen. Er betrachtete Mich nicht als etwas Notwendiges und Wirkliches, sondern als etwas Eingebildetes, ihm von anderen, z.B. von Priestern Eingeredetes, das aller Realität entbehrend den Menschen nur aus dem Grunde gelehrt wurde, um die Macht der Priester zu vermehren, während das geistige Wohl der Menschen gar nicht in Betracht gezogen wurde.

  

07] Wenn dann das Lebensschifflein, von weltlichen Stürmen gepeitscht, umhergeworfen wird, dann kommen Angst, Zweifel und Furcht. Man sucht alle Lehren hervor, die der Seele durch die Erziehung eingebleut wurden, erfährt aber mit Schaudern, daß alle diese Dogmen und schönen Sprüche nicht geeignet sind, der geängstigten Seele Ruhe und Frieden zu geben. Dann wendet sich der Mensch an den in ihm schlummernden göttlichen Geist. Dann sucht er in der bis dahin nicht beachteten Innenseite des menschlichen Lebens eine Stütze, damit er unter der Macht der Umstände nicht zugrunde gehe. Und wenn er diesen inneren Schatz gefunden hat, wenn er begriffen hat, wie wenig alles Materielle gegen einen einzigen Gedankenblitz aus diesem Heiligtum ausmacht, dann glätten sich die Wellen. Es schweigen die Winde der Leidenschaften, der Besorgnisse, und Ruhe und Frieden kehren mit ihm in die Außenwelt zurück; denn die Außenwelt selbst war nicht trüber, sondern nur der Blick in diese war getrübt. Da sagt dann der im Innern geweckte göttliche Funken zur geängstigten Seele: "Aber warum bist du denn so kleinmütig, wo du doch einen solchen Herrn über alles Leibliche in dir trägst?"

  

08] Seht, so hat diese Tat auf dem See ihre geistige Entsprechung im menschlichen Einzelleben.

  

09] Auch im Leben der Völker ist ein Funken göttlicher Triebkraft, welcher sie zuzeiten zum Denken anregt, damit ebenso wie der einzelne auch ein ganzes Volk sich seiner Mission auf dieser Erde bewußt werde. Denn alles, was auf dieser sichtbaren Welt vorgeht, ist nur ein einfaches Wirken der Liebe, um das Seelisch-Geistige im Menschen zur Geltung zu bringen.

  

10] Es geht dieser Prozeß aber auch im Leben der Tiere, Pflanzen und Steine vor sich, ist dort aber nur geistigen Augen sichtbar. Das Sich-Gestalten, Sich-Formen und Sich-wieder-Zersetzen aller Materie ist kein anderer Drang als der des erweckten Geistes, welcher in der Materie gebunden und schlummernd lag. Das Aufwärtsschreiten von Stufe zu Stufe, das Sich-Vervollkommnen könnte nicht stattfinden, wäre nicht im Innersten der Materie der durch äußere Umstände geweckte Geist.

  

11] Wie in jener Zeit das Schifflein mit Meinen Jüngern und mit Mir die ganze Welt ausmachte, welche auf dem beweglichen Element, dem Wasser, herumgeschleudert wurde, ebenso ist das durch äußere Einwirkung hervorgerufene Anregen des in der Materie liegenden Geistes das gleiche, das zum Fortschreiten und zur Vervollkommnung drängt. Meine Jünger mußten ebenfalls durch verschiedene Ereignisse zum Fortschreiten im Glauben und Vertrauen veranlaßt werden. Sie mußten erstarken, damit sie in den künftigen Lebensstürmen nicht zweifelten, sondern fest vertrauten.

  

12] Der Geist ist in der festen Materie ein unbewußter Trieb, offenbart sich beim Tier als Instinkt und ist beim Menschen der am höchsten ausgebildete göttliche Funken. Der Mensch soll erstarken in dem Bewußtsein, daß er nicht nur ein Erden, sondern auch ein Weltenbürger ist, der zwischen zwei Welten stehend auf dieser Erde zwar die materielle Überkleidung hat, dabei aber auch das geistige Ebenbild eines höchsten Wesens, des Schöpfers ist, der weit hinaus über alle Vergänglichkeit im Unendlichen wohnt. Er will Seine Abkömmlinge zu dem erziehen, wozu Er sie erschaffen hat, zu Veredlern der Materie, zu Vergeistigern des Groben und Festen und zu ewigen Bewohnern eines Geisterreiches, in dem die Materie einst ihren ersten Ursprung genommen hat und ihr letztes Ende finden muß und wird.

  

13] Daher seid auch ihr beflissen, den göttlichen Funken im Innern zu wecken, zu kultivieren und zu verstehen, damit ihr auf des Lebens bewegten Wogen, unter den Stürmen der Leidenschaften, Verhältnisse und Ereignisse nicht den Mut verliert wie einst Meine Jünger im Schifflein, sondern stets dessen eingedenk seid, daß euer Vater bei euch ist. Wenn auch Seine Stimme nicht immer vernehmbar ist, so schläft Er doch nicht, sowenig als Mein göttlicher Geist in dem Schifflein Meiner Jünger geschlafen hat, sondern nur geduldig abwartete, bis eine neue Kleinmütigkeit die Schwäche Meiner Jünger offen an den Tag legte.

  

14] Dort gebot Ich den Winden und dem Meer Ruhe; ebenso wird der, welcher Mich in seinem Innern suchen wird, durch den in ihm geweckten göttlichen Geist auch Ruhe und Frieden - vorerst in seinem Innern - haben und dann diese Ruhe auch auf die Außenwelt übertragen können.

  

15] Dies merket euch, und verzweifelt nicht sogleich, wenn eure Wünsche nicht immer so erfüllt werden, wie ihr es gerne haben möchtet! Erstarket auch ihr im Glauben und im Vertrauen auf euren in euch gelegten göttlichen Geist! Amen.

 

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gm.pred.051. Predigt: 25. Trinitatissonntage (Den 2. Mai 1872)

   00] Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker (Mt.13,24-30): Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: "Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: ,Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?` Er sprach zu ihnen: ,Das hat der Feind getan.` Da sprachen die Knechte: ,Willst du denn daß wir hingehen und es ausjäten?` Er sprach: ,Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausjätet! Lasset beides miteinander wachsen bis zu der Ernte, und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuer!`"

  

01] Die Gleichnisse dieses Kapitels enthalten die ganze Geschichte Meiner Lehre und die Geschichte Meiner Schöpfung vom Anfang bis zum Ende. Die Geschichte Meiner Lehre, weil sie euch zeigt, auf welch verschiedenen Boden Meine Lehre und Meine Worte fallen, und die Geschichte Meiner Schöpfung, weil sie euch klar vor Augen stellt, wie das göttliche Wort der höchsten Geistesweihe, von Stufe zu Stufe aufwärts steigend, in den Millionen von Welten seinen Ausdruck findet. Und wie der Eindruck, den Mein Wort auf Millionen von Menschen macht, bei jedem verschieden ist, so ist auch der Entwicklungsprozeß einer jeden Welt verschieden von dem einer anderen.

  

02] Diese Gleichnisse, wie Ich sie zum Volke Israel redete, waren dem gewöhnlichen Leben entnommen, damit sie die Zuhörer leicht verstehen konnten. Aber sie begriffen in dem Gleichnis, welches für diesen Sonntag bestimmt ist, trotzdem nicht, wer unter ihnen mit dem guten, wer mit dem steinigten Boden, und wer mit dem Wege, auf den der ausgestreute Samen fällt, zu vergleichen sei.

  

03] Dieses Gleichnis bezeugt, daß Ich wohl durch Taten und Worte die Leute zum Besseren bekehren möchte, daß aber der gute Same, da die Welt mit ihren Genüssen sich darein mengt, nur vereinzelt an manchen Stellen gedeiht, doch im allgemeinen nicht solche Frucht bringt, wie es den Worten aus Meinem Munde gemäß verlangt werden könnte. Es bezeugt euch, daß das Ende, die Ernte, Gutes vom Schlechten scheiden wird und die Guten den gerechten Lohn empfangen werden, die Halsstarrigen und Bösen aber den langen Weg der Materie werden durchmachen müssen, bis sie alles Unreine abgelegt haben und sich in Meinem Himmel und Geisterreich als ein geistiger Ton zur dort herrschenden Harmonie gesellen können.

  

04] Seht, seit dem Abfall Luzifers hat in der ganzen Schöpfung das Gute oder Leichte, Geistige - im Bösen oder Schweren, Materiellen seinen Gegensatz!

  

05] Die ungeheure Menge abgefallener Geister, welche mit Luzifer fielen und dann als Träger der Materie in ihr gebunden wurden, sie alle klassifizieren die ganze Weltenschöpfung nach dem geistigen Inhalt, und die Welten sind deswegen mehr oder minder moralischgeistig leicht oder schwer, was nichts anderes heißt als: Auf allen Welten ist das große Prinzip der höchsten Eigenschaften Meines eigenen Ichs als höchste Liebe mit allen von ihr abhängenden Eigenschaften ausgedrückt.

  

06] Wenn Ich Meine Jünger lehrte und selbst auf eure Erde kam, so hatte dies keinen andern Zweck, als allen geschaffenen Wesen Mein geistiges Reich, seine Gesetze und seine Grundprinzipien kundzugeben. Als Ich auf Erden lehrte, sagte Ich nichts Neues, sondern immer das gleiche, was Ich von Anbeginn der Welt all Meinen Geistern eingeprägt hatte, nämlich: was ihr endliches Ziel und ihr ganzes Streben sein soll. Selbst der Materie mit ihren in sie eingeschlossenen Geistern legte Ich den Trieb ein, nach Vervollkommnung zu ringen, um so die Außenseite, die Bestandteile der Materie zu vergeistigen, bis diese endlich, mit dem Innern in Übereinstimmung, sich zu höheren Potenzen der Lebensentwicklung, vom schweren Gestein bis zum sich seiner selbst bewußten Menschen aufschwingen kann, der dann - mit dem Berwußtsein seiner Mission - sein eigenes Materielles vergeistigen muß, bis er, wenn sein Äußeres mit seinem Inneren gleich geistig geworden ist, zur Aufnahme in Mein Reich reif ist.

  

07] Dem Durchlaufen dieser Phasen entsprechen die Gleichnisse mit dem Samen; denn der ausgestreute Samen wird, auf verschiedenes Erdreich fallend, verschiedene Produkte hervorbringen, je nachdem, was für Elemente er zu seinem Gedeihen dort vorfindet. Das Freigeben der menschlichen Natur, d.h. der freie Wille, bedingt diese verschiedene Auffassung Meiner Lehre, so wie Ich sie einst Meinen Jüngern predigte und jetzt nur wenigen auf dieser Erde wieder kundgebe. Die Menschen, mitten zwischen den beiden Polen von Gut und Böse stehend, mußten natürlich auch verschiedene Reaktionen zeigen, wie sie Meine Lehre auffassen wollten oder konnten.

  

08] Wie die Welten in Meiner ganzen Schöpfung millionenartig verschieden sind und dadurch bildlich das verschiedene Auffassen der reinen Wahrheit ausdrücken, ebenso verschieden mit Millionen von Abweichungen sind die Menschen, ein jeder einzelne als geistige Welt für sich betrachtet.

  

09] Ihr erseht also aus diesen Gleichnissen die weitgehende Bedeutung des Samens, des Wortes "Es werde!", das Ich einst gesprochen habe, das heute noch fortwirkt und am Ende alle Geister in einem Geisterreich vereinen wird, wenngleich einzelne Welten und Individuen längere und andere kürzere Wege dahin zurücklegen müssen.

  

10] Mein Wort, oder der Ausdruck der Liebe in jeder Bedeutung, enthält die ganze Schöpfung und enthält Meine ganze Lehre. Das beweist, daß Ich nur Gesetze der Liebe, und zwar nur zwei, gegeben habe, die aber nur dann von Wert sind, wenn eins das andere ergänzt.

  

11] Diese Gesetze der Liebe sind der Same, den Ich materiell in Meiner ganzen Schöpfung und geistig in den Herzen aller vernünftigen Wesen gesät habe. Das Aufkeimen dieses Samens, je nach dem mehr oder minder großen Einfluß der materiellen Welt, bedingt das Fortschreiten zum Guten oder das Zurückschreiten zum Bösen, zum Materiellen.

  

12] Eingedenk der Freiheit des Menschen und aller geschaffenen Geister mußte auch unterm guten Weizen Unkraut aufkeimen, wie Ich es im Gleichnis bildlich sagte. In diesem Fall werden die Menschen, welche nicht auf rechten Wegen gehen, erst am Ende ihrer irdischen Lebensbahn erkennen, wie weit sie von der eigentlichen Straße zu ihrem Heil abgekommen sind. In der andern Welt muß dann dieser Kampf, den so manche mit dem Ende auf dieser Welt beendet glaubten, unter anderen Verhältnissen und mit wenig Mitteln und großen Hindernissen von innen nach außen wieder neu begonnen werden.

  

13] Was für einen jeden Menschen als kleine geistige Welt der Körpertod ist, das ist für die Menschheit auf der Erde das Ende alles Materiellen, das Ende aller weltlichen Versuchungen, welches noch vor Meiner Wiederkunft eintreten wird, da nach derselben das geistige Reich auf eurer Erde seinen Anfang nehmen und Mein Same oder Mein Wort überall gleiche Früchte tragen wird.

  

14] Dahin zielen alle Meine Vorbereitungen in eurer Zeit; denn auf eurer Erde ist leider schon mehr das Unkraut als der gute Weizen vorherrschend, es ist beinahe nur noch steiniger und sandiger Boden zu finden, und Disteln und Dornen sind die Hauptgewächse, die die Oberfläche eurer Erde verunzieren. Meine Schnitter sind schon längst in Tätigkeit und rotten das wuchernde Unkraut mit allen Mitteln aus; aber es wird noch ärger kommen, weil eben der freie Mensch wirklich ein beinahe steinernes Herz bekommen hat, auf dem, wie auf einem harten Stein, eine Berührung keine Spur mehr zurückläßt, sondern über dessen Oberfläche alles spurlos weggleitet.

  

15] Seht euch vor, daß in euren Herzen nicht so manches Unkraut schlechter Leidenschaften, durch weltliche Einflüsse begünstigt, aufkeimt! Ich sage euch wie einst Meinen Zuhörern: "Wer Ohren hat, der höre, und wer Augen hat, der sehe!" Denn leider gibt es noch viele, die Ohren haben, aber den geistigen Wind, der durch die ganze Schöpfung geht, nicht hören, und die Augen haben und nichts bemerken von dem Lichtstrahl aus Meinem ewigen Geisterreich, welcher anfängt, nach und nach alle Winkel eurer finsteren Erde zu erleuchten, damit bei Meiner Ankunft als König des Lichts kein Schatten, keine Finsternis mehr vorhanden sei.

  

16] Viele gibt es noch, die, bloß weltlichen Genüssen und weltlichen Gütern nachjagend, keine geistige Welt, kein höheres geistiges Prinzip, keinen Gott als Schöpfer anerkennen wollen. Sie sind wie die Disteln und Dornen. Entfernt euch von ihnen! Ihre Stacheln lassen es euch wahrnehmen, daß ihr euch solchen Scheinphilosophen und Gelehrten nur mit Vorsicht nähern dürft. Sie werden, wie es geschrieben steht, ins Feuer geworfen, ins Feuer der Drangsal und Leiden. Dann erst, nach langem Kampf geläutert, werden sie an dem geistigen Reich teilnehmen können, das sie vorher so fest hinweggeleugnet haben.

  

17] Ihnen gelten die Naturereignisse und Epidemien, welche sie in Massen hinwegraffen. Andere werden durch den Verlust geliebter Personen daran gemahnt, daß es noch eine andere als nur diese natürlichmaterielle Welt gibt. Ihr Erwachen wird traurig sein, - und doch muß Ich sie erwecken, weil Ich nicht ein Atom, viel weniger eine Menschenseele, die Ich einst von innen wie außen nach Meinem Ebenbilde geschaffen habe, verlieren möchte.

  

18] Lernt auch ihr zu hören, aber mit geistigen Ohren, was Ich euch sage, was die Ereignisse der Welt euch sagen, und was die ganze Natur euch zuruft: ,Es ist ein Gott, und dieser ist ein Gott der Liebe!`

  

19] Unbekümmert um den Boden sät Er Seinen Samen aus, es mag die Heerstraße oder steiniger Boden oder auch zwischen Dornen und Disteln sein. Frei ist der Mensch, und der Same kann daher je nach der Individualität des einzelnen wirken; aber am Ende wird doch der Zweck erfüllt werden, den Ich als Sämann im Auge hatte.

  

20] Es wird trotz des verschiedenen Ackerbodens am Ende doch eine reichliche Ernte kommen, die Ewigkeit sichert Mir den Erfolg. Mein Wort, nachdem es alle Phasen durchlaufen hat, indem es von den einen mit Füßen getreten und von den andern mit freudigem Herzen begrüßt wurde, muß doch das gleiche Resultat hervorbringen; denn Mein Wort - der Same - ist göttliches Wort, und deswegen kann und muß es den Boden, worauf es fällt, verbessern und vergeistigen, wenn auch nicht auf dieser Erde, so doch gewiß jenseits.

  

21] Mein Streben und der Zweck dieser Mitteilung ist ja nur, den Menschen diesen Weg zu verkürzen und ihnen das Vorwärtsschreiten zu erleichtern. Daher der wiederholte Mahnruf in diesem Kapitel: "Wer Ohren hat zu hören, der höre!"

  

22] Versteht und faßt es wohl und handelt danach, und ihr werdet es an euch selbst verspüren, ob der Same auf guten oder steinigen Boden gefallen ist! Amen!

 

 

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gm.pred.052. Predigt: Mt.13,31-33, 44-50 am 26. Trinitatissonntag (03.05.1872)

   00] Gleichnis vom Himmelreich (Mt.13,31-33, 44-50): Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor, und sprach: "Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und säte es auf seinen Acker, welches das kleinste ist unter allem Samen. Wenn es aber erwächst, so ist es das größte unter dem Kohl und wird ein Baum, daß die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen." Ein ander Gleichnis redete er zu ihnen: "Das Himmelreich ist einem Sauerteig gleich, den ein Weib nahm und vermengte ihn unter drei Scheffel Mehl, bis daß es ganz durchsäuert ward." "Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand, und verbarg ihn. Er ging hin vor Freuden über denselben, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. "Abermals ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. "Abermals ist gleich das Himmelreich einem Netze, das ins Meer geworfen ist, damit man allerlei Gattung fängt. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, sitzen und lesen die guten in ein Gefäß zusammen; aber die faulen werfen sie weg. Also wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen, die Bösen von den Gerechten scheiden und sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein."

 

   01] In diesen Versen ist das Himmelreich mit verschiedenen Dingen bildlich verglichen, um Meinen Jüngern und dem um Mich versammelten Volk begreiflich zu machen, was für ein Reich sie alle nach ihrem Lebensende erwartet, um ferner darauf aufmerksam zu machen, wie sie dessen teilhaftig werden können, aber auch, was ihr Los sein wird, wenn sie, den göttlichen Gesetzen zuwiderhandelnd, sich desselben unwürdig machen.

  

02] Vom Himmelreich, von der andern geistigen Welt haben die Menschen leider nie den rechten und wahren Begriff; denn hätten sie diesen, so würden sie gewiß alles aufbieten, es zu gewinnen und es sich nicht so leichtsinnig verscherzen, wie sie es heutzutage tun.

  

03] Alles, was in der Welt sichtbar ist, hat durch seine Sicht und Tastbarkeit bei weitem mehr Beweisendes an sich als eine geistige Potenz, welche sich nicht sehen, nicht greifen, nicht wiegen läßt. Deswegen auch der größere Einfluß dieser materiellen Welt auf das Gemüt der Menschen im Vergleich zu dem der geistigen Welt! Es ist wahr, würden die Menschen die materielle Welt recht begreifen und beurteilen, wie sie wirklich ist, woraus sie besteht, wie sie erhalten wird, und zu welchem Zweck sie da ist, so würden sie auch aus diesem großen Buch Meiner Schöpfung so manches herauslesen können, was ihnen die Türe zur geistigen Welt leicht öffnet.

  

04] Wenn man irgendeine Maschine betrachtet und deren Einrichtung begreifen gelernt hat, wird man anerkennen müssen, daß diese jemand gemacht haben muß, und man wird vor ihrem Erbauer immer mehr Achtung bekommen, je mehr man in die Geheimnisse dieser Maschine eindringt. Es lechtet einem ein, daß kein Zufall, sondern ein wohlberechnetes System alles so und nicht anders geordnet sein läßt.

  

05] Daß man es bei Betrachtung Meiner Natur ebenfalls so halten sollte, wäre zu wünschen, aber leider geschieht es nicht. Eine jede Entdeckung auf naturwissenschaftlichem Gebiet wird von euren Gelehrten auf falsche Art erklärt und nur zu materiellen Zwecken ausgebeutet, woraus wenig Gewinn für den Schöpfer dieser kunstfertigen Maschine der Natur herausschaut. Findet auch der eine oder andere Spuren einer höheren, geistigen Macht als gerade die schon längst bekannten Elemente, so gibt er sich alle Mühe, auf weiten Umwegen und mit großen, wissenschaftlich gelehrten Worten das wegzuleugnen, was so nahe vor ihm liegt, oder er erklärt es nach seinem Gutdünken anders, weil er keinen Gott anerkennen will. Wenn es einen geben muß, so möchte er es selbst sein!

  

06] Diese falsche Auffassung Meiner Natur ist schuld, daß gerade das größte Buch irreführt, das vor den Augen der Menschheit Tag und Nacht offen daliegt. Ein jeder könnte darin lesen, was Ich alles tue, um Meinen Geschöpfen Meine Liebe begreiflich zu machen, und wie kurz der Weg zu Mir wäre, wenn die Menschen diese Natur und ihre Gesetze beachten, und nicht den göttlichen Gesetzen zuwiderhandelnd, sich durch die verkehrte Auffassung der materiellen, sichtbaren Welt die weit größere, ewige unzugänglich machten.

 

 07] In jener Zeit, in der Ich diese im Evangelium erwähnten Gleichnisse dem Volk zur geistigen Verarbeitung gab, mußte Ich alle wissenschaftlichen Vergleiche weglassen und Mich nur solcher bedienen, welche als bekanntes Bild leichter verstanden werden konnten.

  

08] Das zuerst angeführte Gleichnis vom Senfkörnlein bezeugt srhon, daß Ich einen Vergleich mit einem Samenkorn machte, das sowohl als Same wie auch als Pflanze dem Volk wohlbekannt war. So wollte Ich ihnen andeuten: Wie in diesem kleinsten Samen eine so große Pflanze eingeschlossen ist, ebenso ruht in dem menschlichen Herzen das ganze künftige Geisterreich, das Himmelreich verborgen. Es braucht nur beim menschlichen Herzen, wie beim Samen die Feuchtigkeit, die allmächtige Liebe als geistiger Wecker hinzuzukommen, um diesen eingeschlossenen Keim göttlicher Abkunft zu entwickeln, welche Entwicklung dann in einem so großen Maße fortschreitet, daß - wie das Evangelium sagt - selbst die Vögel unter dem Himmel kommen und unter den Zweigen Wohnung nehmen. Geistig will das besagen, daß selbst die Engel, die leichten, seligen Bewohner der geistigen Sphären - wie die Vögel, die Bewohner der Luft -, an dem Himmel, welcher von einem gottbegeisterten Herzen ausgeht und Friede und Freude überall umher verbreitet, Anteil nehmen.

  

09] So wollte Ich mit diesem Gleichnis von einem kleinen Samenkörnchen und dessen Entwicklung beweisen, wie unendlich die Kraft des göttlichen Wortes ist, wenn es gleich dem Samen auf guten Grund fällt und somit Stoff zu seiner Entwicklung findet.

  

10] Das weitere Gleichnis, in dem das Himmelreich mit einem Sauerteig verglichen wird, stellt den geistigen Prozeß dar, der in einem menschlichen Herzen vor sich geht, sobald dasselbe das Wort in sich aufnimmt und anfängt, das Gute vom Bösen zu scheiden, wie auch der Sauerteig unter dem mit Wasser zubereiteten Mehl einen Gärungsprozeß bewirkt, wodurch die verschiedenen Elemente der Mehlsubstanz in Streit geraten. Dieser Proeß endet damit, daß durch ihn das erzeugte Brot dem menschlichen Organismus weniger schädlich gemacht wird, was besonders bei verschiedenen künstlich erzielten Mehlgattungen beinahe unumgänglich notwendig ist.

  

11] So sollte mit diesem Gleichnis der Kampf angezeigt werden, der beginnt, sobald sich das menschliche Herz vom Weltlichen ab und dem Geistigen zuwendet.

  

12] Weiter ist ein Gleichnis erwähnt von einem Menschen, der einen verborgenen Schatz in einem Acker fand und alles verkaufte, um Eigentümer dieses Ackers und somit des Schatzes zu werden. Das will besagen: Wer einmal erkannt hat, welche Genüsse und Freuden von nie geahnter Seligkeit aus der Aufnahme des göttlichen Wortes und dessen Befolgung erwachsen, der läßt alles andere hinter sich und folgt nur dem Trieb, diese geistigen Genüsse ja nicht mehr entbehren zu müssen, ebenso wie der Kaufmann, welcher einer Perle zuliebe alles opferte, um sich deren Besitz zu sichern.

  

13] So waren diese Gleichnisse Bilder vom Himmelreich, welche alle etwas Wichtiges bezeichnen sollten. Das erste zeigt die großartige Entwicklung des Himmelreichs, wenn es einmal im menschlichen Herzen Wurzel gefaßt hat; das zweite den Kampf, den das Himmelreich zwischen Welt und Himmel oder Materie und Geist hervorruft; das dritte den Wert des Himmelreiches und die damit verbundene Ruhe und Seligkeit. Mit diesem Schatz kann sich alles Irdische nicht messen oder mit ihm in die Schranken treten.

  

14] Es liegt uns noch ein anderes Gleichnis vor, nämlich das mit dem Netz, das im großen Meer ausgeworfen wird, um reiche Beute aufzunehmen. Dieses Gleichnis besagt, daß das göttliche Wort für alle zugänglich ist, für Schwache und Starke, für Gute und Böse, und daß erst am Ende der Fang gesichtet wird und die Guten ihren Lohn empfangen werden, während die Verächter dieses Wortes die Folgen sich selbst zuzuschreiben haben.

  

15] Wie dieses Gleichnis sagt, wird eine Sichtung zwischen denen stattfinden, die Mein Wort, das allen gegeben wurde, geistig in sich aufgenommen haben, und denen, die es unbeachtet ließen. Das sollte Meinen Zuhörern in jenen Zeiten begreiflich machen, daß es nicht gerade in ihrem Ermessen stehe, Mein Wort anzunehmen oder nicht, sondern daß die Menschen durch mancherlei Umstände gezwungen werden können, ihrem freien Willen eine bessere Richtung zu geben.

  

16] Ich schilderte ihnen die Folgen der Nichtbeachtung Meiner Lehre mit den Ausdrücken ,Ins Feuer werfen` und ,Ewige Finsternis`, was gleichbedeutend ist mit geistig peinigenden Vorwürfen und einem vernachlässigten Herzen. Mein Geist sollte doch Licht und nicht Finsternis verbreiten!

  

17] So sagte Ich ihnen das Ende oder die Scheidung voraus, die endlich zwischen Hell und Dunkel kommen muß, damit alle begreifen sollten, daß ein Gott mit dem was Er schuf auch einen Zweck verband, den Er aber nicht wegen der Halsstarrigkeit der einen oder der andern aufzugeben gewillt ist.

  

18] Daß solche und ähnliche Reden unter dem Volk Aufsehen erregten, war vorauszusehen, da ihnen von ihren Priestern und Gelehrten der Weg zum künftigen Genusse geistiger Seligkeiten und selbst das nach ihren Begriffen rechtliche Handeln sehr leicht und bequem gemacht wurde, während Ich zwar die gleichen Seligkeiten versprach, ihnen jedoch den Gewinn nicht gar so leicht darstellte und sie vor den Folgen der Übertretung der gegebenen Gesetze warnte.

  

19] Daher ihr Entsetzen über Meine Sprache, und daher ihr Ärger über Mich, was Mich zu dem Ausspruch veranlaßte: "Der Prophet gilt in seinem eigenen Lande nie etwas!", ein Sprichwort, welches noch heutzutage bei euch gang und gäbe ist und durch Tausende von Beispielen bestätigt werden kann.

  

20] Die Welt ist noch immer dieselbe, wie sie zur Zeit Meines Erdenwandels war. Damals predigte Ich vielen tauben Ohren, und jetzt ist ebenfalls die Taubheit in geistigen Dingen Mode geworden. Ein jeder glaubt, er wäre kein gebildeter Mensch, wenn er sich nicht dieser Taubheit rühmen könnte. In jenen Zeiten war es öfter der Fall, daß man seine Taubheit hinter schön tönenden Worten verbarg, in der jetzigen Zeit der Aufklärung aber schämt man sich der geistigen Taubheit nicht mehr, sondern man legt gerade ein großes Gewicht darauf, so recht stocktaub zu sein und auf diese Art gleichsam Mich selbst zum Wettkampf herauszufordern, etwas Besseres zu beweisen, wenn Ich dazu imstande sei.

  

21] Nun, diesen sogenannten starken Geistern setze Ich eine unendlich große Langmut entgegen, und am Ende werden wir schon sehen, ob sich nicht ein Mittel finden läßt, auch ihre Taubheit zu heilen. Den übrigen aber - bei weitem kleiner an der Zahl -, welche von Meinem Himmelreich eine leise Ahnung haben, lasse Ich ein Senfkörnchen Meiner Liebe zukommen. Ich beobachte, ob das Körnchen die Macht hat, in ihren Herzen zu wachsen und einen Kampf, gleich dem des Scheidungs- oder Gärungsprozesses im Sauerteig hervorzurufen, und ob es fähig ist, ihnen den verborgenen Wert des Schatzes in ihrem eigenen Herzen erkennbar zu machen, damit sie alles andere über Bord werfen, um diesen Schatz allein zu besitzen. Dann warte Ich ab, wieviel des Ausgestreuten in Mein geistiges Netz zurückkehrt. Endlich wird die Sichtung vorgenommen und entschieden, ob der Mensch der geistigen Seligkeit würdig ist, oder ob er erst durch langes Umhertappen im Finstern zu der Erkenntnis gelangen muß, daß es doch göttliche Gesetze gibt, die man ungestraft nicht übertreten darf.

  

22] Um die Menschen allgemein zu dieser Ansicht zu bringen, und damit es ihnen nicht an Gelegenheit fehle, auch den kleinsten Funken ihres besseren Ichs in Tätigkeit zu erhalten, sind schon längst alle Vorbereitungen getroffen worden. Schon längere Zeit gehen alle Weltereignisse, wie auch die Schicksale der einzelnen Menschen darauf hinaus, den Boden zuzubereiten, damit Mein Wort dort, wo es noch keinen oder nur wenig Anklang gefunden hat, aufgenommen werde und als Senfkörnlein seine allmächtige Entwicklung beginne.

  

23] An euch habt ihr es selbst schon erfahren, wie, wann und womit Ich die Menschen zu wecken verstehe. Ihr selbst kennt Meine Mittel. Es ist wahr, sie waren und sind nicht immer die angenehmsten; allein, Ich als der größte und einzige Seelenarzt weiß am besten, welcher Reizmittel es bedarf, um die in scheinbar religiösen Schlummer versunkenen Seelen zu erwecken.

  

24] Ich habe euch geweckt und dann in eure blutenden Herzen durch Mitteilung Meines Wortes das Senfkörnlein der Liebe gelegt, und wenngleich der erste Moment ein Reiz und nicht gerade angenehm war, so habt ihr doch in der Folge erkannt, daß ihr Mir danken müßt für das, was Ich euch als Ersatz für das Genommene gegeben habe.

  

25] So ist bei euch der Gärungsprozeß eingetreten, und ihr habt dann endlich den Wert des verborgenen Schatzes in eurem Innern selbst erkannt und die kostbare Perle gegen alles andere eingetauscht. So habt ihr Mir beim Netzauswerfen den Fang und das Scheiden der Guten und Bösen erleichtert, indem ihr durch euer eigenes Beispiel andere vom geistigen Verderben errettet und ihnen den Weg zu Mir bedeutend verkürzt und erleichtert habt.

  

26] Fahrt daher fort, die Senfkörnlein der Liebe in euren Herzen zu pflegen; denn das Himmelreich - wie Ich einst Meinen Zuhörern sagte - liegt in euch und nicht außer euch! Ihr könnt es überall finden, wenn ihr es dorthin mitbringt. Durch euer Inneres wird alles vergeistigt werden, wenn nur das Innerste, euer Herz Geist ist.

  

27] Daher laßt nicht ab von dem Streben nach Vergeistigung! Mit dem Fortschreiten darin wachsen die wahren Genüsse, und mit dem Fortschreiten in der Lehre wächst auch eure Erkenntnis. Dann werdet ihr reif sein für die andere, ewige, große, geistige Welt, der alles Wirken und Handeln hier als Grundlage dienen muß, und in der ihr Mir mit reichem Segen die euch anvertrauten Pfunde reichlich zurückgeben könnt!

  

28] Bereitet euch vor und fürchtet euch nicht! Wer bei Mir ist und auf Mich vertraut, der wird auch bei allen Schrecknissen, die vielleicht noch über eure kleine Erde hereinbrechen werden - gleich einem Gärungsprozeß, weil Ich Mein Wort als Sauerteig, als ätzendes Mittel in die Herzen der Völker geworfen habe -, nicht verzagen. Er weiß, daß der Vater Sein Netz in das große Meer der Seelen und Geister auswarf. Und wenn er auch dadurch mitgefangen wird, so kann doch der Gute stets wieder nur Gutes ernten.

  

29] So mit der Perle des Vertrauens und der Liebe ausgerüstet, bewahrt euren Schatz bis zur Umwandlung! Ich werde dann in anderen Welten und unter anderen Verhältnissen diesen hier auf Erden erworbenen Schatz mit einem größeren vertauschen, der als Ergänzung des früheren, des Senfkörnleins, den großen Baum darstellen wird, in dessen Zweigen dann die Engel mit euch Mir den Lobgesang der Liebe und des Vertrauens anstimmen werden. Amen.

 

 

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gm.pred.053. Predigt: Mt.24,15-28 am 27. Trinitatissonntag (04.05.1872)

   00] Die Endzeit (Mt.24,15-28): Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er steht an der heiligen Stätte, alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist; wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen; wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangeren und Säugerinnen zu der Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat! Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bis her und auch nicht mehr werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig: aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt. So alsdann jemand zu euch wird sagen: "Siehe, hier ist Christus!", oder: "da!", so sollt ihr's nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, daß verführt werden in den Irrtum, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt! Darum, wenn sie zu euch sagen werden: "Siehe, er ist in der Wüste!", so gehet nicht hinaus, - "Siehe, er ist in der Kammer!", so glaubet nicht! Denn gleich wie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.

  

01] Dieses Wort ist das letzte Evangelium, welches Ich euch erklären will. Es behandelt die letzte Zeit des Judentums, sowie die letzten Zustände der Menschheit und endlich sogar die letzten Ereignisse am Ende der sichtbaren Welt, welche wieder, in andere Formen und in höhere Stufen übergehend, einen neuen Kreislauf beginnen wird.

  

02] Einst sagte Ich Meinen Jüngern den Untergang des Tempels in Jerusalem voraus, den ersten Akt des Endes der Juden als Volk. Sie hatten damals als solches ihre Rolle ausgespielt und waren nicht weiter wert, im Verbande miteinander auf diesem Erdboden ein Reich zu bilden, nachdem sie das größte Reich, welches es je gegeben, Mein ewiges, geistiges Reich zerstören wollten. So wie sie vom Anfang an auserkoren waren, durch ihre Religion und ihre Propheten dasjenige Volk zu sein, in dessen Mitte Ich Mein Darniederkommen auf diese eure Erde bewirken konnte, so untauglich zeigten sie sich später, diese Meine Lehre anzunehmen und weiterzuverbreiten.

  

03] Nur Meinen Jüngern und wenigen Auserwählten dieses Volkes ward das Licht der Wahrheit gegeben. Die übrigen verschmähten es und zogen ihm die Finsternis und das Festhalten am toten Buchstaben vor, eine Eigenschaft, die sie, obwohl sie unter allen Völkern zerstreut leben müssen, heutzutage noch nicht abgelegt haben.

  

04] Die Geschichte erzählt euch deutlich, daß alles, was Ich voraussagte, wirklich eingetroffen ist, und zwar kurze Zeit nach Meinem Hingange in Mein Reich. So endete mit dem Tempel, der geistig zwar schon längst zerstört war, auch die Geschichte eines Volkes, welches Ich aus vielen auserwählt hatte, Träger und Förderer Meiner ewigen Wahrheit zu werden.

  

05] Ich sagte Meinen Jüngern auch voraus, wie in der Folge Meine Religion, Meine Lehre, im Kampf mit dem Judentume sich nach und nach stets kräftigen und stets vorwärtsschreitend auch ihre Verehrer stets mehr fördern werde, während das Judentum mit seinem Kultus bis auf eure Zeiten, statt vorwärtszugehen, stehengeblieben ist und die an ihm Hängenden noch heute ihren Messias mit denselben weltlichen Ideen wie vor mehr als tausend Jahren erwarten. Über die Unrichtigkeit ihrer Vorstellungen suchte Ich sie schon damals aufzuklären; aber an der Halsstarrigkeit der Juden hatte Ich den größten Gegner.

  

06] Alles in Meiner Schöpfung schreitet vorwärts. Alles verändert sich und vervollkommnet sich in der Veränderung. Nur die Juden wollten keine Neuerung, keine Veränderung, und so müssen sie ihr jetziges Los sich selbst zuschreiben, indem sie, nur dem Niedrigsten auf Erden, dem Mammon allein huldigend, von allen andern Völkern verachtet sind. So straft sich, wer nach dem Materiellen und nicht nach dem Geistigen strebt; denn Mein Reich, obgleich es sichtbar Materie zu sein scheint, ist doch nur Geist und nicht Materie.

  

07] Was den Juden zur Zeit der Zerstörung Jerusalems begegnete, das wird sich auch als Ende der jetzt lebenden Menschheit wiederholen; denn die Greuel des Krieges und der Zerstörung werden wieder auftreten, nur in anderen Formen. Und wie in jenen Zeiten nur die wenigen, die an Mich glaubten, entweder ein besseres Los hatten, oder wenn es schon hart war, es leichter zu ertragen vermochten, weil sie im Glauben und im Vertrauen auf Mich nicht wankten, so wird es auch in der Zeit sein, die Meiner Wiederkunft vorausgeht. Auch dann werden Treue und Glauben auf Erden verschwunden sein, da die Menschheit oder wenigstens der größte Teil der Menschen; der Materie, der Welt und ihren Genüssen huldigt, wie ihr es jetzt schon überall bemerken könnt.

  

08] So muß die Reinigung und Läuterung des geistigen Seelenreichs vorgenommen werden, wie Ich es im Evangelium vom Feigenbaume sagte. Wenn er anfängt, seine Blätter zu treiben und saftig zu werden, so ist das die Vorzeit des Sommers, die Vorzeit der Entwicklungs und Fruchtbildungsperiode, welche uns geistig an die Scheidungs und Prüfungszeit erinnert, in der Rechenschaft über das den Menschen anvertraute geistige Gut gefordert werden wird.

  

09] Die Elementarereignisse, die Unglücksfälle und Krankheiten, welche dieser Zeit vorangehen, sind die letzten Versuche, noch zu retten, was zu retten möglich ist, damit nicht alle im Schlamm des Egoismus ersticken. Nur durch Unglüek und herbe Schicksalsschläge wird das stolze Menschenherz mürbe.

  

10] Die Wahrheit muß sich wie die Wirklichkeit nackt zeigen, damit keine Illussion sie verschönt. Nur so wirkt sie heilend. Und wenn die materielle Welt sich in ihrem eigentlichen Gewand der Vergänglichkeit und des Truges zeigt, wenn sie den Menschen mit Hohn zurückstößt und ihm, der sie liebkosen wollte, mit Verachtung den Rückcn wendet, dann erst - meist leider nur zu spät - beginnt das Geistige seinen Einfluß auszuüben, dann erst erwachen bessere Gedanken und reinere Gefühle. So muß Ich als liebender Vater den Menschen führen, damit er den wahren Wert der Dinge erkennt und Den findet, der die stete Ruhe ist.

  

11] Daß gegen diese sich steigernden Versuche, den Menschen in die Enge zu treiben, mit allen möglichen Mitteln gearbeitet wird, daß Spott, Rache und Verfolgung die Gläubigen treffen, daß falsche, aber auch wahre Propheten das Volk zu belehren suchen werden, daß am Ende bei den meisten eine gänzliche Verwirrung der Begriffe eintreten wird - das versteht sich von selbst. Alle Meine Mahnungen werden, wie vor der Sündflut, bei vielen fruchtlos bleiben, und nur wenige werden sich bekehren. Wenn die Ereignisse sich aber überstürzen, so wird doch die Mehrzahl geistig gerettet werden (krit. Anmerkung d. Hrsg.), und sie werden Mir danken, daß Ich sie durch solche strengen Mittel der allgemeinen Verderbnis entrissen habe.

  

12] Wenn all diese unglücklichen Ereignisse über die Menschheit hereinbrechen werden, wie einst bei den Juden die Zerstörung des Tempels und Jerusalems - wer ist dann schuld daran? Bin Ich ein Rachegott, der das Blut und das Elend von so vielen Tausenden will? Oder sind sie es nicht vielmehr selbst, die alles unter ihren Sinn beugen und selbst die großen Gesetze der materiellen und geistigen Welt - wenn es nur möglich wäre! - umstoßen möchten?

  

13] Seht, Ich lasse es hier niederschreiben, damit alle Welt es weiß! Wie Ich einst den Verfall des Judenvolkes voraussagte und derselbe auch wirklich eintraf, so habt ihr hier in 53 Predigten der Mahnungen und Voraussagungen genug, in denen Ich euch deutlich gesagt habe, was kommen wird, wie und wann es eintreffen muß, um Meine verirrten Kinder auf den rechten Weg zu bringen. Schon in jener Zeit sagte Ich zu Meinen Jüngern: "Es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reiche Gottes in der ganzen Welt!", und dieses Evangelium ist dieses Werk, das Ich euch hier als Zeichen Meiner Liebe und Gnade überlasse.

  

14] Die Zeit der Greuel und der Verwüstung ist mehr geistig als materiell zu verstehen; denn was im Evangelium steht, wie z.B.: "Wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder!" usw., dies alles besagt: Laßt das Weltliche fahren und haltet euch an das Unverwesliche, Geistige! Dort ist der Anker, der euer Lebensschiff in den Stürmen des materiellen Unglücks und der geistigen Not festhalten kann! Ohne diesen Anker findet ihr keine Ruhe, keinen Frieden!

  

15] Deswegen sammelt euch um Mich und haltet fest an Mir und Meiner Lehre! Denn - wie geschrieben steht -: "Himmel und Erde werden vergehen!" Ja, Himmel und Erde werden vergehen; sie werden sich in andere Elemente auflösen, und aus ihnen werden andere Formen und andere Welten hervorgehen. Die ganze Schöpfung wird den gleichen Prozeß durchmachen, den auch das Judenvolk, welches mit seinen Traditionen und mit seiner Religion die Grundlage Meiner Lehre war, durchzumachen hatte.

  

16] Ich habe bei der Schöpfung in alles, auch in das geringste Atom, Meinen Geist hineingelegt, um die Materie fähig zu machen, sich zu etwas Größerem und Höherem zu entwickeln. Ebenso war das Judenvolk das geeignete Element, in welchem Ich Meine Darniederkunft bewerkstelligen und - ähnlich wie in der ganzen sichtbaren Schöpfung - Mein großes Geisteswerk vollenden konnte. Jedoch wie das Judenvolk nach seier Mission aufhörte ein Volk zu sein, und wie die Menschheit nach ihrer Läuterung aufhören wird, Träger aller egoistischen Leidenschaften zu sein, weil Besserem Platz gemacht werden muß, ebenso wird die ganze Schöpfung, die bis jetzt noch die Grundlage Meiner Liebe zu allen geschaffenen Wesen ist, einst auch aufhören müssen, der Ausdruck Meiner göttlichen Gedanken zu sein.

  

17] Wenn die Wesen der Schöpfung, der Vergeistigung reif, an dem Punkt angekommen sein werden, wo auch die feinste Materie noch als grob erscheinen muß, dann ist diese, mit so vielen Wundern und Schönheiten ausgestattete Welt ein zu grober Träger für das Rein-Geistige, und es muß dann die ganze Schöpfung als Wohnort den Wohnenden gemäß eingerichtet werden, was die Auflösung bedingt. Zu dieser Zeit wird der Menschensohn in aller Herrlichkeit erscheinen - wie Ich einst sagte -, weil auch die geschaffenen Wesen in einem geistigen Verfassungszustand sein werden, diesen Glanz und diese Herrlichkeit ertragen zu können. Dann werden die höchsten Geister und Engel die Auserwählten aus allen vier Winden und von einem Ende des Himmels zum andern sammeln.

  

18] Ja, so wird es noch oft geschehen, stets auf höheren Stufen und verbunden mit größeren Seligkeiten. Ich kann Mich Meinen Geistern immer nur so zeigen, wie sie Mich fassen können. Da Ich aber unendlich bin, so sind auch die Auffassungen von Mir unendlich, und Mein Reich wäre kein unendliches, wenn nicht eine stete Steigerung der geistigen Potenzen möglich wäre.

  

19] Dies alles sagte Ich in jener Zeit Meinen Jüngern in Bildern voraus, nicht nur damit sie es wissen, sondern damit bewiesen werde, daß Meine Worte nie vergänglich sind und stets wahr bleiben werden! Glaubt ja nicht, daß Ich für euch allein auf die Welt kam, daß Ich alles der kleinen Erde und ihrer Bewohner wegen erduldete, nein, Meine Taten sind Taten der Unendlichkeit! Auch die Bibel, worin zum Teil Meine Worte, die Ich während Meiner Erdenjahre sprach, geschrieben stehen, ist nicht für euch allein - sie gehört der ganzen Schöpfung.

  

20] Und wenn Millionen von Welten von Meiner Existenz bis jetzt noch nichts wissen, so wird doch die Zeit kommen, wo auch diese Worte Gottes zu ihnen dringen und von ihnen, entsprechend ihrer geistigen Bildung, verstanden werden. Dann wird bei den geistig vollkommen Wiedergeborenen die harte Rinde des Buchstabens und die wörtliche Auffassung verschwinden, und es wird der reine und tiefe Sinn der Worte Gottes, der Worte eines liebenden Vaters, klar und helleuchtend, der ganzen Schöpfung verständlich, allen zurufen: "Liebet, o liebet nur alle einander!" Denn aus Liebe habe Ich die Welt erschaffen, aus Liebe den größten Akt der Demut auf eurer Erde vollführt, aus Liebe die Menschheit geläutert durch Drangsale und Leiden, damit Meine Worte, die Ich einst sprach und in diesem Evangelium erklärte, stets wahr bleiben! Sie haben keinen anderen Zweck, als Meine Kinder wirklich zu dem zu machen, was viele nur dem Namen nach waren.

  

21] So soll nach dem Greuel der Verwüstung, wie nach Gewitter, Regen und Sturm, allen wieder die Gnadensonne in ihrem ganzen Glanze leuchten! Wenn die geistige Luft von allen schlechten Giften gereinigt sein wird, dann bereitet sich, wie die erfrischte Erde nach einem Gewitter, alles zu einem neuen, tätigen Leben vor. Amen.

 

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Aktualisiert am: 17.05.2007 Home