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PREDIGTEN DES HERRN
Von Gottfried Mayerhofer Durch das Innere Wort erhalten und
niedergeschrieben Predigt 28- 53

INHALT. 1
gm.pred.028. Predigt: Lk.14,16-24 am2.
Trinitatissonntage (27.03.1872). 2 - Das Gleichnis vom großen
Abendmahle
gm.pred.029. Predigt: Lk.15,03-32 am 3.
Trinitatissonntage (30.03.1872). 8 - Vom verlorenen Schaf
gm.pred.030. Predigt: Lk.05.01-11 am 4. Trinitatissonntag
(01.04.1872). 15 - Der reiche Fischfang
gm.pred.031. Predigt: Mt.05,20 am 5. Trinitatissonntag
(02.04.1872). 19 - Wahre Gerechtigkeit
gm.pred.032. Predigt: Mk.08,01 am 6. Trinitatissonntag
(07.04.1872). 25 - Die Speisung der Viertausend
gm.pred.033. Predigt: Mt.07,15-23 am 7.
Trinitatissonntag (10.04.1872). 29 - Falsche Propheten
gm.pred.034. Predigt: Lk.16,01-13 am 8.
Trinitatissonntage (11.04.1872). 34 - Gleichnis vom ungerechten
Haushalter
gm.pred.035. Predigt: Lk.19,41-46 am 9.
Trinitatissonntag (12.04.1872). 38 - Trauer Jesu über Jerusalem
gm.pred.036. Predigt: Lk.18,09-14 am 10.
Trinitatissonntag. 43 - Gleichnis vom Pharisäer und
Zöllner
gm.pred.037. Predigt: Mk.07,32-37 am 11.
Trinitatissonntag (17.04.1872). 48 - Heilung eines Taubstummen
gm.pred.038. Predigt: Lk.10,25-37 am 12.
Trinitatissonntage (10.04.1872). 53 - Gleichnis vom barmherzigen
Samariter
gm.pred.039. Predigt: Lk.17,05-19 am 13.
Trinitatissonntag (14.04.1872). 59 - Heilung der zehn Aussätzigen
gm.pred.040. Predigt: Mt.06,24-34 am 14.
Trinitatissonntag (20.04.1872). 65 - Warnung Jesu vor weltlicher
Einstellung
gm.pred.041. Predigt: Lk.07,11-17 am 15.
Trinitatissonntag (22.04.1872). 69 - Erweckung des toten Jünglings
zu Nain
gm.pred.042. Predigt: Lk.14,01-06 am 16.
Trinitatissonntag (23.04.1872). 74 - Wahre Sabbatfeier
gm.pred.043. Predigt: Mt.22,34-40 am 17.
Trinitatissonntag (24.04.1872). 79 - Das größte Gebot
gm.pred.044. Predigt: Mt.09,01-08 am 18.
Trinitatissonntage (25.04.1872). 86 - Heilung eines Gichtbrüchigen
gm.pred.045. Predigt: Mt.22,01-14 am 19.
Trinitatissonntag (26.04.1872). 90 - Gleichnis von der königlichen
Hochzeit
gm.pred.046. Predigt: Joh.04,47-53 am 20:
Trinitatissonntag (27.04.1872). 95 - Heilung des Sohnes eines
königlichen Mitgliedes
gm.pred.047. Predigt: Mt.18,23-35 am 21.
Trinitatissonntag (28.04.1872). 100 - Gleichnis vom Schalksknecht
gm.pred.048. Predigt: Mt.22,15-22 am 22.
Trinitatissonntag (29.04.1872). 104 - Haltung Jesu zur Obrigkeit
gm.pred.049. Predigt: Mt.09,18-19, 23-25 am 23.
Trinitatissonntag. 108 - Erweckung der toten Tochter des
Jairus
gm.pred.050. Predigt: Mt.08,23-27 am 24.
Trinitatissonntag (01.05.1872). 113 - Beilegung eines Sturmes
gm.pred.051. Predigt: 25. Trinitatissonntage (Den 2. Mai
1872). 116 - Gleichnis vom Unkraut auf dem
Acker
gm.pred.052. Predigt: Mt.13,31-33, 44-50 am 26.
Trinitatissonntag (03.05.1872). 120 - Gleichnis vom Himmelreich
gm.pred.053. Predigt: Mt.24,15-28 am 27.
Trinitatissonntag (04.05.1872). 126 - Die Endzeit
00] Das Gleichnis vom großen Abendmahle (Lk.14,16-24): Er aber
sprach: "Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl und lud viele
dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahles, zu sagen den
Geladenen: ,Kommt, denn es ist alles bereit!` Und sie fingen an alle
nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: ,Ich habe einen
Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich,
entschuldige mich.` Und der andere sprach: ,Ich habe fünf Joch Ochsen
gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige
mich.` Und der dritte sprach: ,Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich
nicht kommen.` Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward
der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: ,Gehe aus schnell auf die
Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und
Blinden herein!` Und der Knecht sprach: ,Herr, es ist geschehen, was du
befohlen hast; es ist aber noch Raum da.` Und der Herr sprach zu dem Knechte:
,Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen,
auf daß mein Haus voll werde! Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die
geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird!"`
01] Dieses Gleichnis zeigt euch
Mein Streben, die Menschheit für Mich und Meine Lehre zu gewinnen, wie auch
die vorhergehenden Verse in einem Gleichnis sagen, daß Ich nicht gekommen
bin, die Gesunden, sondern die Kranken aufzusuchen und sie zu heilen. Ferner
zeigte Ich in den früheren Versen dieses Kapitels, wie ein jeder beschaffen
sein soll, der sich Mir oder Meinem Tische nähern will, daß nämlich
Bescheidenheit oder Demut die erste Eigenschaft eines Menschen sein soll, der
Mir nachfolgen will. Auch die weiteren Verse dieses Kapitels setzen klar
auseinander, wie derjenige, der Mir nachfolgen will, sein Herz von allem
abwenden und nur Mir untertan sein muß.
02] Es sollte sich daher ein
jeder fragen, bevor er sich entschließt, Mir zu folgen, ob er auch Kraft und
Ausdauer besitzt, sich stets unter jeglichen Umständen und Verhältnissen zum
Banner Meiner Liebe und Glaubenslehre zu bekennen und dasselbe zu
verteidigen. Daraus geht hervor - was Ich euch schon oft gesagt habe -, daß
Mir zu folgen, Meine Worte zu vernehmen und auszuüben eine ernste Sache ist,
die nicht leicht genommen werden darf, weil nur die im strengsten Sinne
verantwortlich, also Sünder sind, welche das Gesetz oder Meinen Willen kennen
und doch dagegen fehlen, wenngleich ihnen ihr Gewissen davon abrät. Deswegen
heißt es auch am Schlusse dieses Kapitels: "Wer Ohren hat, der
höre!", was mit anderen Worten sagen will: Man lasse nicht Meine Worte
zum einen Ohr hinein und zum andern hinausgehen, sondern nehme das Gehörte
wohl in sein Herz auf, überdenke es und handle danach!
03] Um nun zum eigentlichen
Gleichnis vom großen Abendmahl zurückzukehren, müssen wir wieder, wie in den
meisten Fällen, mit der Worterklärung anfangen, wollen wir den tieferen Sinn
Meiner Rede klar vor Augen haben.
04] Ich sagte also: Es gab
jemand ein Abendmahl. Was ist nun unter einem ,Abendmahl` zu verstehen? - Das
Wort ist zusammengesetzt aus ,Abend` und ,Mahl`. Es obliegt uns also zuerst,
diese beiden Wörter einzeln näher zu erklären, dann auf die Bedeutung des
zusammengesetzten Wortes und endlich auf seine Anwendung, wie Ich sie im
Gleichnis machte, überzugehen.
05] ,Abend` ist das erste Wort und
bezeichnet den letzten Teil eines Tages, wo die Arbeit aufgehört hat und man
Ruhe und Stärkung in der folgenden Nacht bis zum andern Morgen sucht. Der
Abend ist also eigentlich der Schlußstein alles Wirkens, das während des
ganzen Tages vollbracht wurde. Und wenn der Abend Ruhe und Zufriedenheit
bringen soll, so muß während des Tages natürlich alles das pflichtgemäß
erfüllt worden sein, was man sich beim anbrechenden Morgen vorgenommen hatte,
auszuführen.
06] Daß der Mensch, welcher den
ganzen Tag geschafft und gearbeitet hat, sich am Abend auch danach sehnt,
seine verbrauchten Kräfte wiederzuerlangen, um am morgigen Tag seinem
Lebensberuf nachzugehen, versteht sich von selbst. Und da der Körper sowohl,
als auch indirekt die Seele durch aufgenommene Nahrung das während des Tages
Verbrauchte zu ersetzen sucht, führt das körperliche und seelische Bedürfnis
die meisten Menschen zu einem Mahl, welches, weil es am Abend eingenommen
wird, eben den Namen ,Abendmahl` erhalten hat zum Unterschied vom ,Mittagsmahl`,
welches, inmitten des Tages eingenommen, denselben Bedürfnissen entspricht.
Es hat aber nicht, wie das Abendmahl, das Ausruhen und die Wiedergewinnung
der verbrauchten Kräfte zur Folge, sondern ihm folgt wieder nach kurzer Pause
tätige Beschäftigung und Anstrengung. Das Mittagsmahl ist deswegen nur mit
einem kleinen Ausruhen auf dem begonnenen Weg zu vergleichen, während das
Abendmahl, als Schluß des Tages, außer zum Ausruhen auch noch nebenbei zum
Überschauen des während des Tages Vollbrachten anregt, wobei nur demjenigen
Ruhe und Zufriedenheit wird, welcher sich mit dem ruhigen Bewußtsein an den
Tisch setzen kann, alles getan zu haben, was seine Pflicht oder sein Gewissen
forderte.
07] Hiermit hätten wir die
Bedeutung des Abendmahls, gemäß seinem tieferen Sinn, näher bezeichnet, und
wir kommen nun zur zweiten Frage, nämlich warum - wie im Gleichnis angeführt
wird - jemand Gäste zu seinem Abendmahl geladen hat.
08] Nun, hier ist wieder die
Hauptsache der geistige Sinn dieser Handlung, welcher uns zum Verständnis
dieses Bildes führt, das Ich in diesem Gleichnis Meinen Jüngern und den sonst
Anwesenden ans Herz legen wollte.
09] Das Einladen anderer, um
ein Mahl mit ihnen zu teilen, beruht auf der wichtigen Tatsache, daß der
Mensch nicht allein Körper, sondern auch Geist ist, und daß, obgleich er oft
nur Körperliches verrichtet, sein Geist und seine Seele dabei nicht
vernachlässigt sein wollen. Es ist dies einer jener tiefen Beweise für die
Doppelnatur des menschlichen Organismus, abgesehen von Meinem Gottesfunken,
welchen Ich in euch gelegt habe. Selbst die Tiere fühlen dieses Bedürfnis des
Beisammenlebens und sind nur im Sich-aneinander-Anschließen, also nur
vereint, fröhlich und zufrieden.
10] Eure klugen Materialisten
glauben, es sei die ganze Welt nur bewegt und erregt durch Kraft und bestehe
aus Stoff - zwei Dinge, die sie aber selbst nicht recht erklären können. Sie
sollten sich nur einmal bei einem einfachen Mahl selbst belauschen, dann
würden sie leichter als bei allen anderen Forschungen erfahren, daß der
Mensch zwei Seiten hat, aus Materiellem und Geistigem besteht, wobei das eine
nur gedeiht und gesund ist, wenn das andere beteiligt wird. Sie würden sich
überzeugen, daß eine Speise nur dann gedeihlich ist, wenn sie mit geistiger Nahrung,
mit Liebe vermischt ist und so den beiden Hauptelementen des menschlichen
Wesens entspricht.
11] Dieser unbewußte Drang der
meisten Menschen, auch geistige Nahrung zu sich zu nehmen, ist der Grund,
warum sie ein Mahl in Gesellschaft dem allein zu verzehrenden vorziehen,
warum der Wunsch in jedem sich klar zeigt, auch andere zu einem Mahl
einzuladen, und weshalb schon das Familienleben für die Gesellschaft bei der
Mittags und Abendtafel sorgt.
12] Daß auch dieses Bedürfnis
nach fröhlichem Beisammensein ins Extreme ausarten kann, wobei der Mensch
sein geistiges Ich ganz vergißt oder durch Berauschung sogar verliert, das
gehört nicht in unsere Untersuchung, da Ich bloß von Menschen spreche, deren
Geistiges noch die Oberhand über das Körperliche hat. Wir übergehen also
diese beiden oft vorkommenden Fälle, in denen der geistig geschaffene Mensch,
trotz seiner höheren Bestimmung, weit unter das Tier herabsinkt.
13] Wir sind an dem Punkt
angekommen, wo wir das Abendmahl, sowie den Grund des Einladens erklärt
hätten, und können nun zur näheren Betrachtung des Gleichnisses, wie Ich es
Meinen Jüngern und den Pharisäern gegeben habe, schreiten.
14] In den vorangegangenen
Versen dieses Kapitels wird euch gezeigt, wie Ich den Pharisäern und
Höhergestellten einen kleinen Wink geben wollte, daß Bescheidenheit und nicht
Stolz die Zierde des Menschen sei. Ich erwähnte da, daß es besser sei, sich
als geladener Gast bei einem Mahle eher an den untersten als an den höchsten
Platz zu begeben, damit einem nicht die Beschämung einer Zurechtweisung
begegne. Ich sagte ihnen: "Wer sich selbst erhöht, soll erniedrigt
werden, und wer sich erniedrigt, soll erhöht werden!", was mit anderen
Worten sagen will: Gebt nicht eurer Eigenliebe Gehör, um zu erfahren, was für
einen moralisch-geistigen Wert ihr habt, sondern erwartet dieses Urteil von
anderen, von Weiseren und Höhergestellten! So entgeht ihr jeder
Zurechtweisung; denn wer sich auf diese Art selbst richtet, ist auch schon
gerichtet.
15] Wenn Ich ihnen ferner sagte,
daß ein Mensch, wenn er jemand einladet, mit dieser Einladung möglichst auch
einen Akt der Bruderliebe verbinden soll, so tat Ich es, um ihnen zu zeigen,
daß der Mensch bei jeder Handlung, auch bei der geringfügigsten, seines hohen
geistigen Adels eingedenk sein soll. Deswegen sagte Ich ihnen: Verpflichte
nicht andere zur Erwiderung eines Liebesdienstes; denn wurde dir ein solcher
vergolten, so hört die Wirkung deiner guten Tat auf, gleichsam als hättest du
keine getan. Darum handle so - wenn auch Undank dein Lohn sein sollte -, daß
der Empfänger einer Wohltat sie dir nie oder höchstens schwach vergelten
kann! Damit zeigst du, daß du höheren Grundsätzen als bloß weltlichen
Interessen gefolgt bist.
16] Die Folgen dieser
Einladungen, wie Ich sie im Gleichnis anführte, daß ein jeder geladene Gast
mit Ausreden sich entschuldigte, sollten Meinen Zuhörern zeigen, wie wenig
Dank und Anerkennung man erhält, wenn man Wohltaten und Begünstigungen an
solche austeilt, die ihrer nicht bedürfen. So sah sich der, welcher das
Abendmahl geben wollte, gezwungen, um es nicht umsonst bereitet zu haben,
seinen Knecht nah und fern auf die Straßen zu schicken, um alle Armen, Lahmen
und Durstigen zum Mahl zu sammeln, damit es nicht verlorenginge.
17] In diesem Falle hat der
Hausherr freilich keinen Akt der Menschen oder Nächstenliebe ausgeübt - denn
seine ursprüngliche Absicht war es nicht, solche Gäste an dem Tisch zu haben
-; aber die Not zwang ihn zu solchem Schritt. Es hat ihm aber in der Folge
zur Regel gedient, die geistigen Verhältnisse der Menschen mehr zu
berücksichtigen und nicht mehr nach weltlichen Glücksgütern den Wert oder
Unwert seines Nebenmenschen abzuwägen.
18] Dieses und noch mehr ließe
sich aus diesem Kapitel erklären, da ein jedes Wort aus Meinem Munde
Unendliches enthält. Wir wollen aber damit abbrechen und uns zu der Erklärung
wenden, inwiefern dieses Gleichnis auf die jetzige Zeit oder auf die
Menschheit überhaupt anwendbar ist, damit ihr einen geistigen, bleibenden
Nutzen daraus ziehen könnt.
19] Das große Abendmahl,
welches Ich der Menschheit gesonnen bin in Bälde zu geben, läßt sich aus
allem Vorhergehenden leicht erklären. Ich lade und habe schon längst die
ganze Menschheit zu diesem Mahl eingeladen, bei dem sie nach getaner Arbeit, zufrieden
mit sich selbst, des vollbrachten Lebenswandels sich freuen soll und dann,
nach der geistigen Ruhe, getrost dem neuen, anbrechenden Morgen eines nie
endenden Tages entgegensehen kann.
20] Doch wie es dem Hausherrn
im Gleichnis erging, so ergeht es auch Mir. Vor lauter Weltgeschäften
entschuldigen sich die meisten und verschmähen oder scheuen Meine Tafel, auf
der Mein geistiges Himmelsbrot der Liebe, Demut, Sanftmut und des unbedingten
Vertrauens aufgetischt werden soll. Und warum? Weil sie auf ihrem ganzen
Lebenswandel gerade den entgegengesetzten Neigungen gehuldigt haben.
21] So wird auch Mir nichts
anderes übrigbleiben, als Meine Knechte und Diener, die Mir treu geblieben
sind, in alle Welt hinauszuschicken, um unter den Armen, Krüppelhaften und
Lahmen Tischgäste zu suchen, die auf ihrer Lebensbahn genug Gelegenheit
hatten, wenn nicht Liebe, so doch Duldung und Sanftmut gegen ihre Mitbrüder
auszuüben. Dadurch, daß ihnen weltliche Glücksgüter zum Teil unbekannt waren,
oder daß sie wenig von ihnen genießen konnten, sind sie duldsamer und
leichter zugänglich geworden und genießen die auf Meinem Tisch aufgesetzten
Speisen mit Freuden, da ihnen in ihren körperlichen und seelischen Leiden
dieses Abendmahl, am Ende einer mühsam durchwanderten Lebensbahn, doch
wenigstens das Ende aller ihrer Duldungen und Entbehrungen ist.
22] Das ,Lahme` und
,Krüppelhafte` muß auch auf das geistige Seelenleben bezogen werden, da es
doch bei weitem mehr geistige Krüppel gibt als körperliche. Auch ihnen wird
geholfen werden, weil sie - verwahrlost, aber nicht verdorben - die reine,
wahre, geistige Kost eher annehmen werden als jene, die in ihrem Eigendünkel
sich aufgeklärt wähnen und glauben, keiner Belehrung zu bedürfen. Es wird
ihnen bei Meinem Abendmahl ebenso ergehen wie den Juden, zu denen Ich einst,
als sie Meine Worte nicht annehmen wollten, sagte, daß es ihnen entzogen und
den Heiden gegeben werde.
23] So wird denn das große
Abendmahl vor Meiner Wiederkunft die Würdigen von den Unwürdigen scheiden.
Den einen wird der Weg zu Mir bedeutend verkürzt, während die anderen, auf
lange zurückgewiesen, sich selbst überlassen werden, bis es auch in ihnen
tagt. Erst wenn sie den ganzen Tag fleißig gearbeitet, gekämpft und gelitten
haben, dann erst, nach langen Zeiträumen, ist auch bei ihnen ein Abendmahl
möglich.
24] Auch jenes Abendmahl,
welches Ich vor Meinem Hingang mit Meinen Jüngern hielt, hatte denselben
Zweck, den die Auslegung dieses Gleichnisses euch sagt.
25] Während Meines Erdenwandels
lud Ich das ganze Judenvolk, die Heiden und jeden, der Mich hören wollte,
ein; allein die meisten entschuldigten sich, und es blieben Mir nur die
Schwachen und Verwahrlosten übrig, die - obwohl nicht mit Glücks, so doch mit
vielen Geistesgütern gesegnet - eher reif waren, Mein Brot, Meine Lehre in
alle Welt auszutragen.
26] So seid auch ihr jetzt in
den gleichen Verhältnissen. Noch hat kein Richter, kein Hochgestellter sich
gemeldet, an Meine Tafel zu treten, auf der Ich ihm die Speisen einer großen
Geisteswelt auftischen könnte. Sie wenden sich alle weg von Mir, und nur jene
Hartgeprüften und von der Welt halb Verlassenen sind es, die Meinem Wort
Gehör geben. Aus denen werde Ich auch Meine Arbeiterschar bilden, die für
Mich auf den Landstraßen und hinter den Hecken die noch in stärkerem Grad
Krüppelhaften und Bedürftigen suchen soll. Solche sind am leichtesten fürs
Himmelreich zu gewinnen. Sie sind am leichtesten zu einem kindlichen Sinne
und zum Vertrauen auf Mich zu führen, weil in ihnen während ihres Lebens nie
der stolze Mannessinn erwacht ist, der gewöhnlich bei jenen zu finden ist,
die durch Güter der Welt eine Stellung erhalten haben, in der sie glauben,
das Geistige entweder verleugnen oder ganz entbehren zu können.
27] Nehmt auch ihr dieses
Beispiel und Gleichnis aus Meinen Lehrjahren als Fingerzeig dafür, daß ihr
erstens jeder Handlung einen geistigen Stempel aufdrücken sollt, und
zweitens, daß ihr nur durch Liebe, Sanftmut und Geduld wieder Liebe, Zu und
Vertrauen erwecken könnt! Trachtet danach, daß Ruhe und Zufriedenheit euer
Mahl würze und ihr nicht mit Angst und Bangen dem großen, heranbrechenden
Morgen des ewigen Liebereiches entgegensehet, wenn euer Lebenstag abgelaufen
ist und ihr euch zur Rechenschaft begebt! Handelt also alle Tage so, als müßtet
ihr heute von dieser Erde scheiden! Zieht euer Gewissen jeden Abend zur
Rechenschaft und fragt euch: "Wäre ich bereit, wenn jetzt der Herr, mein
Gott, mich zum Abendmahl laden würde?" Nur so könnt ihr, alle Tage etwas
verbessernd, langsam aber sicher euer Seelenhaus ausbauen, damit es dem
Äußern wie dem Innern gemäß das Haus einer von Mir durch Meinen göttlichen
Funken geadelten Seele werde, welche einst wert sein wird und mit Recht
Anspruch darauf hat, Mein Kind, ein Kind des Herrn der ganzen Schöpfung,
genannt zu werden.
28] So seht ihr jetzt, wie Ich
euch helfe, durch jeden Text, durch jeden Vers euer Inneres zu vergeistigen
und zu veredeln, damit ihr, vorerst selbst als Werkzeug tüchtig, Mir einst
dienen könnt - und zwar mit Erfolg - zu der hohen Aufgabe, die Ich mit euch
im Auge hatte, als Ich es zuließ, daß ihr, aus so vielen bevorzugt, die Gnade
genießt, von Mir durch direkte Mitteilungen für Meinen Zweck und fürs große
Geisterreich erzogen zu werden.
29] Merkt euch dieses! Ich kann
es euch nicht oft genug wiederholen: Harret aus! Das Ende wird euch belehren,
daß Meine Worte nicht Worte der Vergänglichkeit, sondern Worte der Ewigkeit
sind, wie Ich selbst ewig war, bin und sein werde! Amen.
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00] Vom verlorenen Schaf (Lk.15,03-32): Er sagte aber zu ihnen
dies Gleichnis und sprach: "Welcher Mensch ist unter euch, der hundert
Schafe hat, und wenn er deren eines verliert, der nicht lasse die
neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlornen, bis daß er's
finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit
Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn und
spricht zu ihnen: ,Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden,
das verloren war!` Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über
einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht
bedürfen. Oder welches Weib ist,
die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht
anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und
wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen und
spricht: ,Freuet euch mit mir; denn' ich habe meinen Groschen gefunden, den
ich verloren hatte!` Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den
Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut." Und er sprach: "Ein Mensch hatte
zwei Söhne. Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: ,Gib mir, Vater,
das Teil der Güter, das mir gehört!` Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht
lange danach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über
Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Da er nun all das
Seine verzehret hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbige ganze Land,
und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger des
Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er
begehrte, seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand
gab sie ihm. Da schlug er in sich und sprach: ,Wieviel Taglöhner hat mein
Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! Ich will mich
aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe
gesündigt gegen den Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr wert, daß
ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Taglöhner!` Und er machte
sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah
ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und
küßte ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: ,Vater, ich habe gesündigt gegen den
Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn
heiße.` Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: ,Bringet das beste Kleid hervor
und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an
seine Füße, und bringet ein gemästetes Kalb her und schlachtet`s! Lasset uns
essen und fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder
lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.` Und sie fingen
an fröhlich zu sein. Aber der älteste Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe
zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen. Und er rief zu sich der
Knechte einen und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: ,Dein Bruder ist
gekommen, und dein Vater hat ein gemästetes Kalb geschlachtet, daß er ihn
gesund wieder hat.` Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging
sein Vater heraus und bat ihn. Er aber antwortete und sprach zum Vater:
,Siehe, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten;
und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich
wäre. Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren
verschlungen hat, hast du ihm ein gemästetes Kalb geschlachtet.` Er aber
sprach zu ihm: ,Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist,
das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser
dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist
wieder gefunden!"
01] Dieses ganze Kapitel Meines Evangelisten Lukas handelt vom
Verlorenen und von der Freude des Wiederfindens.
02] Es wurde den anwesenden
Schriftgelehrten und Pharisäern in drei Gleichnissen erläutert, warum Ich
nicht die Gesunden, sondern die Kranken, nicht die Guten und Gerechten,
sondern die Sünder aufsuchte.
03] Um auch diese Gleichnisse
im wahren Sinn aufzufassen, müssen wir - wie bei den meisten Texten - die
wichtigsten Worte in desselben etwas näher erklären; denn obwohl ihr eine
Sprache habt und euch ihrer Worte zum Ausdruck eurer Gedanken bedient, so muß
Ich euch offen sagen, daß ihr von allen gebrauchten Worten die tiefe
Bedeutung nicht versteht. Und so muß Ich sowohl als Belehrer und Erklärer
Meines Evangeliums, wie auch als Sprachlehrer bei euch auftreten.
04] Hier in diesen drei Gleichnissen - vom verlorenen Schaf, vom
verlorenen Groschen und vom verlorenen Sohn - ist zu erklären:
05] Erstens: Was heißt
,verloren`?
06] Zweitens: Warum sehnt man sich so sehr danach, das Verlorene
wiederzufinden?
07] Und drittens: Warum hat man
eine solch außerordentliche Freude über das Wiedergefundene, eine Freude, die
oft bei weitem größer ist als die über das vielleicht Wertvollere und
Wichtigere, das man noch im Besitz hat?
08] Seht, diese drei Fragen
müssen zuerst erörtert werden, ehe wir zur geistigen Erklärung und zur
geistigen Anwendung auf euch, auf das ganze Menschengeschlecht, ja auf die
ganze sichtbare Schöpfung schreiten können; denn wenn man um etwas fragt, so
muß man erst genau und klar die Bedeutung der Frage und deren Wert kennen,
indem dadurch die Antwort schon halb gegeben ist.
09] So wollen wir nun
systematisch mit der ersten Frage beginnen, welche heißt:
10] Was bedeutet das Wort
,verloren`?
11] Seht, dieses Wort
bezeichnet den Gedanken, welcher denjenigen überkommt, der etwas ihm
Gehörendes oder Wertes, sei es eine Person oder eine Sache, seinem
Wirkungskreise entrückt sieht und nicht mehr einen Gebrauch davon machen oder
einen Genuß davon haben kann! Verloren ist jedes Ding, welches einer andern
Bestimmung, einer andern Richtung als der ihm zugewiesenen gefolgt ist.
12] Wenn nun diese Bedeutung so
tief in das Seelenleben des Menschen eingreifen kann, so entsteht daraus die
zweite oben angeführte Frage, welche heißt:
13] Warum sehnt sich der Mensch
so sehr nach dem Verlorenen?
14] Die Antwort darauf lautet:
Weil die Seelenruhe des Menschen durch den Verlust gestört worden ist und der
Mensch sich danach sehnt, das Gleichgewicht wiederzuerlangen. So hat das
Verlorene für den Besitzer eigentlich einen geistigen Wert, der oft bei
weitem größer ist als der materielle Wert desselben.
15] Der Mensch sehnt sich also
danach, das Verlorene wieder in seinen Besitz, in seine Wirkungssphäre zu
ziehen. Er wird sich beim Fund freuen, weil das Mangelnde wieder an seinen
früheren Platz und an seine Stelle gelangt und er es wieder der Bestimmung
zuführen kann, welche er für die beste erachtet hatte.
16] Aus diesem Sehnen entsteht
der Eifer des Suchens oder die Anwendung aller möglichen Mittel, um sich
wieder in den Besitz des Verlorenen zu setzen, eine Tätigkeit, welche oft mit
Mühseligkeiten und Anstrengungen verbunden ist, daraus sich dann von selbst
die dritte Frage löst, welche heißt:
17] Warum freut man sich des
Wiedergefundenen mehr als dessen, was man schon im Besitz hat? Das läßt sich
leicht erklären. Weil nämlich das Wiederfinden, resp. das Suchen, Mühe kostet
und diese Anstrengung durch den Erfolg des Findens belohnt wurde!
18] Da nun aber eine Freude -
welche auch immer - erst dann zur rechten Freude wird, wenn man sie mit
anderen teilen kann, so sind eben diese angeführten Gleichnisse auch deshalb
beachtenswert, weil sie auch diesen Seelengenuß nicht vergessen, sondern ihn
mit erwähnen. Ebenso ist in diesen drei Gleichnissen, die Ich aus
verschiedenen Lebensverhältnissen wählte, auch der Schmerz über etwas
Verlorenes jedem Bild entsprechend ausgedrückt.
19] Voran geht der Vergleich
mit einem Hirten, der ein verlorenes Schaf sucht. Dieses Gleichnis wendet
sich gegen den Einwurf, daß Ich die Gesellschaft der in den Augen der
Schriftgelehrten und Pharisäer mit Sünden behafteten Leute aufsuchte.
20] Was ist ein Hirte?
21] Seht, ein Hirte ist ein
Mensch, dem eine gewisse Anzahl von Tieren anvertraut ist, die er auf die
rechten Weideplätze führen und im Notfall vor allen Gefahren schützen soll.
Der Hirte ist eben wegen dieses Auftrags seinem Herrn verantwortlich, daß
keines seiner ihm anvertrauten Tiere Schaden leide, und daß sie stets
genügend Futter haben, wozu der Hirte die geeigneten Plätze auszuwählen hat.
22] Wenn Ich mit Sündern aß und
auf diese Weise bewies, daß Ich eben die Kranken gegenüber den Gesunden, die
keines geistigen Arztes bedurften, bevorzugte, so war gerade dieses Gleichnis
vom verlorenen Schafe am besten geeignet, Meinen Jüngern den Grund Meines
Verhaltens einleuchtend zu machen; denn ein verlorenes, verirrtes Schaf ist -
bildlich gesprochen - ebenfalls wie ein nichtbekehrter, nicht geistig
geführter oder kranker Mensch.
23] Wie ein verirrtes Schaf
Unglücksfällen ausgesetzt ist, Raubtieren zur Beute fallen oder in Abgründe
stürzen kann, welche Gefahren zu beurteilen es oft nicht imstande ist, ebenso
läuft ein verirrter, geistig kranker Mensch, der - von der Welt verführt -
von seiner geistigen Bestimmung nichts weiß, Gefahr, seine eigentliche
Bestimmung als Glied eines zukünftigen, ewigen Reiches ganz zu verfehlen, um
erst nach langen Zeiträumen durch große Leiden und bittere Erfahrungen dahin
zu gelangen, wohin Ich ihn auf dem kürzesten Wege führen wollte.
24] Ich sagte: Der Hirt ist
verpflichtet, seine Schafe auf gute Weideplätze zu führen, und dies war ja
auch Meine Pflicht, als Ich es unternahm, die Menschen von den Abwegen, auf
welchen sie sorglos wandelten, wieder auf den wahren Lebenspfad, zu ihrer
eigentlichen geistigen Bestimmung zurückzuführen.
25] Das Beispiel vom Hirten
führte Ich deswegen an, weil es erstens den Menschen in jener Zeit am
leichtesten begreiflich war, und weil es Meinem Berufe als Menschensohn am
besten glich, indem Ich, die auf Erden herabgestiegene Weisheit, Meinem Vater
die verlorenen Kinder, wie verlaufene Schafe eines Hirten, wieder
zurückzubringen suchte.
26] Wie die Freude eines Hirten
groß ist, der nach langem Suchen und Umherirren sein verlorenes Schaf, das
ihm anvertraute Gut, wiederfindet, so ist auch Meine Freude groß über eine
wiedergefundene Seele.
27] Um diesen Vergleich aber
noch deutlicher zu machen, so wählte Ich das zweite Gleichnis, welches von
einem Weibe erzählt, das einen Groschen verlor und alles aussuchte, um ihn
wiederzufinden.
28] Ich wußte wohl, welchen
Wert die Pharisäer und Gelehrten aufs Geld legten, und so war dies emsige
Suchen des Weibes - eben ihrer eigenen Denksphäre entnommen - ihnen leicht
begreiflich. Man kann ja auch um eine kleine Münze besorgt sein und so lange
suchen, bis sie gefunden ist!
29] Ich folgte noch anderen
Gründen, als Ich ihnen das Gleichnis vom verlorenen Schaf als seelischem
Wesen zuerst, dann den Verlust materiellen Gutes von vermeintlichem Wert und
endlich den Verlust der geistigen Würde im verlorenen Sohn zuletzt vortrug.
Ich wollte ihnen damit sagen, daß seelische Verluste leicht, materielle
schwerer und geistige am schwersten zu ersetzen sind.
30] Denn bei ersteren kann
durch Umstände und Verhältnisse der Verirrte von seinen falschen Ansichten
abgebracht werden, worauf er wieder den rechten Weg zu gehen anfängt.
Materielle Verluste aber üben gewöhnlich einen solch starken Druck auf die
Seele aus, daß sie im Vertrauen zu Mir wankt, ja ganz verzweifelt und wegen
des gewohnten Lebens alles mögliche aufbietet, um die weltlichen Genüsse
wiederzuerlangen. Das von Mir erwähnte Weib hätte sich mit den übrigen neun
Groschen zufriedenstellen können; allein, der verlorene Groschen war ihr so
ans Herz gewachsen, daß sie lieber alles durchstöberte, um ihn zu finden.
31] Daß Ich auch bei diesem
Gleichnis nicht den materiellen Hergang, sondern nur das Geistige im Auge
hatte, ist natürlich. Deshalb sagte Ich auch bei der Wiederfindung des
verlorenen Groschens, als das Weib den Fund allen Nachbarinnen und
Freundinnen mitteilte, daß im Himmel eine ebensolche Freude sein werde über
einen Sünder, der Buße tut, d.h. über eine vom Untergang gerettete Seele.
32] Was das dritte Gleichnis,
das vom verlorenen Sohn, betrifft, so hatte Ich Meine Zuhörer nun schon so
weit in den Bereich Meiner geistigen Auffassung gezogen, daß Ich ihnen als
größtes und letztes Beispiel eine Erzählung geben konnte, in welcher es sich
nicht um materiellen Verlust, sondern um den Verlust der geistigen Würde
eines Menschen handelt, welcher, uneingedenk seines eigenen Wertes, nur der
Welt und ihren Genüssen fröhnt, alle anderen Bande, die ihn an Haus und
Familie knüpften, zerreißt und in die Welt hinausstürmt, allen Leidenschaften
die Zügel lassend, bis er, ermattet und geistig vernichtet, im größten
Unglück erst die Tiefe des Abgrundes erkennt, in den er sich freiwillig
stürzte.
33] Im ersten Beispiel war es
ein Hirte, der ein tief unter ihm stehendes Wesen, ein Schaf, vom Verderben
rettete, indem er es wieder zu den Seinen brachte. Im zweiten Fall war es ein
Weib, welches, ihr materielles Gut wiederfindend, sich glücklich schätzte. In
beiden Fällen ist nur Weltliches als Beispiel benützt. Im dritten Gleichnis
kommt aber zu all diesen möglichen Verlusten noch die Vaterliebe hinzu, die
einen noch größeren und wertvolleren Verlust erleidet. Dieses Gleichnis war
in bezug auf Mich, als den Vater aller Kreaturen, am ehesten anwendbar, weil
in ihm die Reue einer verlorenen Seele auf der einen Seite und die nie
versiegende Barmliebe eines liebenden Vaters mit all ihren Folgen auf der
andern Seite bildlich dargestellt ist.
34] Das Beispiel vom verlorenen
Sohn war, dem menschlichen Leben entnommen, das allerwichtigste, weil Ich
darin Meinen Zuhörern neben den Banden der Familie zeigte, wie ein Vater sein
sollte, und wie es leider bei ihnen die wenigsten waren. Ich wollte ihnen an
der Freude des Vaters über den zurückgekehrten Sohn zeigen, wie groß erst die
Freude bei dem Schöpfer aller Wesen sein werde, wenn Er die Menschen, die Er
frei in die Welt hinausstellte, dann freiwillig wieder zu sich zurückkehren
sieht. Daß über einen solchen Zurückkehrenden die Freude in Meiner
Geisterwelt noch größer ist als im Familienleben bei der Heimkehr eines
längst vermißten Familiengliedes, konnte Ich ihnen in diesem Gleichnis
dadurch begreiflich und verständlich machen, daß Ich bildlich von dem Feste
sprach, das der Vater zur Wiederkehr seines schon längst tot geglaubten
Sohnes anordnete.
35] So waren diese Gleichnisse
drei Bilder aus dem Menschenleben, welche nicht nur in jenen Zeiten zu finden
waren, sondern sich stets wiederholen und auch bei euch zu finden sind.
36] Um die verlorenen Schafe
und Söhne wieder zu retten, die ersteren selbst heimzuführen und die
letzteren zur freiwilligen Umkehr zu bewegen, scheue Ich keine Mühe.
Mahnungen, Bedrängnisse aller Art, Krankheiten und Todesfälle sollen ihnen
fortwährend vor Augen halten, daß es noch eine andere Welt als die eben
sichtbare gibt. Nichts unterlasse Ich, und selbst die gesamte Schöpfung ist
ja ein Beispiel dafür, auf welche Weise der verlorene Lohn nach und nach zu
mir ,seinem Schöpfer und Vater, wieder zurückkehren muß. Schon seit Äonen
Zeiträumen, geht dieser Prozeß auf anderen Welten vor sich. Auf dieser eurer
Erde naht er sich bald einem Abschlusse. Dadurch wird ein großer Schritt
vollendet sein, damit das gebundene Geistige sich leichter und schneller
entwickeln kann, um zu der Bestimmung zu gelangen, zu welcher Ich diesen
Erdball und seine Bewohner auserwählt habe.
37] Alles im ganzen Universum
muß sich vergeistigen, muß aufwärtsschreiten; aber ihr Menschen, deretwegen
Ich selbst zur Erde kam, habt eine größere Mission als Millionen anderer
Geister auf anderen Welten vor euch; denn nicht ohne Grund und Zweck wählte
Ich eure Erde und auf ihr Meine eigene Demütigung als Beispiel für Mein
ganzes Geisterreich.
38] Deswegen seid ihr auch alle
hier mehr von Versuchungen umgeben, weil der Preis eurer künftigen Existenz
ein größerer ist als der vieler, auf anderen Welten lebender Wesen, welche
langsam ihren Läuterungs- und Verwandlungsprozeß durchmachen, während ihr,
mit dem großen Licht Meines Worts und Meines Beispiels ausgerüstet, bei
starkem Willen in kurzer Zeit dahin kommen könnt, wohin andere Wesen erst
nach undenklichen Zeiträumen gelangen. Hier auf dieser kleinen Erde muß der
Vergeistigungsprozeß schneller vor sich gehen. Es sind nun alle Mittel
vorhanden und alle Anordnungen getroffen, daß die Menschen, so wie sie sich
selbst, ihre Seele und durch sie ihren Körper vergeistigen, auch rückwirkend
die in finsterer Materie gebundenen Geister zum schnelleren Fortschreiten
antreiben; denn für grob gebaute Seelen ist eine grobe, starre Materie, für
feinere, geistig entwickelte Wesen auch eine leichtere Unterlage nötig. So
wie sich also die Menschheit vergeistigt, so folgt ihr Schritt für Schritt
auch ihre Welt nach, die ihr als Wohnort angewiesen ist.
39] Daher beeilt euch, zu
diesem Vergeistigungsprozeß euer Möglichstes beizutragen! Fangt bei euch
selbst an; denn je mehr ihr selbst das Weltliche entbehren könnt, desto mehr
vergeistigt sich euer Inneres! Dieses leuchtet endlich durch die äußere Form
hindurch und bildet damit eine Abspiegelung des inneren Gehaltes.
40] Dieses Fortschreiten, je
mehr es sich vorerst bei einzelnen, später bei vielen kundgibt, wird die
große Lösung Meiner geistigen Frage herbeiführen, wo Ich dann, als der eine
Hirte, euch alle als Meine Schafe auf den fetten Triften des Himmelslichtes
alles Geistige empfangen lassen werde, das ein liebender Vater euch seit
Äonen von Zeiten vorbereitet hat.
41] Sorgt daher, diesem Zweck
soviel als möglich nachzukommen! Gedenkt der Freude der Geister und Wesen,
die an eurem Schicksal Anteil nehmen! Und wenngleich Leiden und Kämpfe aller
Art dieses Fortschreiten begleiten müssen, so ist doch das Endziel aller
dieser Mühen wert. Die eigene Freude, alle Mühen überstanden zu haben, die
Freude der mit euch Jubelnden im Jenseits, die Belohnung mit Meiner ewigen
Vaterliebe und die ewig dauernde Steigerung von Seligkeit zu Seligkeit, von
Genuß zu Genuß, werden euch die leichten Unbilden eines kurzen Probelebens
vergessen machen.
42] Daher folgt dem Hirten und
verirrt euch nicht wieder auf andere Wege, nachdem Er sich so viele Mühe
gegeben hat, euch den rechten Weg zum ewigen Leben und zu Seiner Kindschaft
zu zeigen! Amen.
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00] Der reiche Fischfang (Lk.05,1-11): Es begab sich aber, da
sich das Volk zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes (und er stand am See
Genezareth und sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren
ausgetreten und wuschen ihre Netze), da trat er in der Schiffe eines, welches
Simons war, und bat ihn, daß er`s ein wenig vom Lande führte. Und er setzte
sich und lehrte das Volk aus dem Schiffe. Und als er hatte aufgehört zu
reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus, daß
ihr einen Zug tut!" Und Simon antwortete und sprach zu ihm:
"Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber
auf dein Wort will ich das Netz auswerfen." Und da sie das taten,
beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten
ihren Gesellen, die im andern Schiffe waren, daß sie kämen und hülfen ihnen
ziehen. Und sie kamen und füllten beide Schiffe voll, also daß sie sanken. Da
das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: "Herr, gehe
von mir hinaus! Ich bin ein sündiger Mensch." Denn es war ihn ein
Schrecken ankommen und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie
miteinander getan hatten, desgleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne
des Zebedäus, Simons Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: "Fürchte dich
nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen!" Und sie führten die
Schiffe zu Land und verließen alles und folgten ihm nach.
01] In diesem Kapitel handelt
es sich nicht um Gleichnisse und Bilder, in denen viel Geistiges verborgen
liegt, sondern Lukas erzählt euch von der Gewinnung eines Meiner eifrigsten
Jünger, des Petrus, früher Simon genannt, und seiner Mitarbeiter Jakobus und
Johannes, der Söhne des Zebedäus. Lukas erzählt euch, wie Ich den Fischer
Simon dadurch für Mich gewann, daß Ich ihm zeigte, daß, wer festes Vertrauen
zu Mir hat, nie in seinen Hoffnungen betrogen wird, vorausgesetzt, daß seine
Wünsche auch in Meinen Augen als billig und gerecht angesehen werden und den
geistigen Fortschritt bezwecken wollen.
02] Das Auswerfen des Netzes
durch Simon, trotz seiner Überzeugung, daß es vergeblich sein werde, und der
reiche Fischfang haben zweierlei Bedeutung. Erstens bewies es dem Fischer,
daß Meine Macht größer als die obwaltenden Umstände war, und zweitens zeigte
es ihm, daß sein Vertrauen auf Mich nicht unbelohnt blieb. Als hierauf Petrus
den Unterschied zwischen Mir und sich erkannte, rief er bittend aus:
"Herr, gehe von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!", und Ich,
seinen künftigen Beruf wohl vorauswissend, antwortete ihm: "Fürchte dich
nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen!"
03] Daß Ich beinahe alle Meine
Jünger aus dem Fischerstand wählte, hatte seinen guten, geistigen Grund
darin, daß ihre Arbeit auf dem beweglichen Element, dem Wasser, und die damit
verbundenen Gefahren sie mehr an eine Gottes, an eine Vorsehungslehre band
und sie deswegen religiöser, frömmer und auch vermöge ihrer Hauptnahrung, der
Fische, friedlicher gesinnt waren als andere, fleischessende Menschen.
04] Ich lenkte die Umstände
gewöhnlich so, daß sie, ohne Meine Absicht zu merken und Meinen Einfluß zu
fühlen, selbst zu Mir kamen und Mir nachfolgten. Dieses war auch hier wieder
der Fall. Ich wollte durch ein Wunder - nach eurer Denkungsart - ihre Herzen
gewinnen und sie zu dem großen Schritt bewegen, alles im Stich zu lassen und
Mir allein nachzufolgen, was nicht so leicht war, wie ihr vielleicht glaubt.
Ich mußte diese Bedingung stellen; denn in jenen Zeiten, und gemäß dem
künftigen Lehrberuf Meiner Jünger, war Mir nachzufolgen und gleichzeitig der
Welt oder seiner Familie anzugehören eine Unmöglichkeit.
05] Heutzutage habe Ich nicht
mehr nötig, Meinen Nachfolgern solch harte Bedingungen aufzuerlegen (krit.
Anmerkung d. Hrsg.), weil die Verhältnisse anders sind; und würde Ich solches
verlangen, so würde die Zahl Meiner Nachfolger sehr gering ausfallen. Denn
bei einem so bequemen, schon von Jugend an gewöhnten Familienleben und bei
solch häuslichen Verhältnissen würde es den meisten, welche sich jetzt so
begeistert für Meine Lehre zeigen, eine Unmöglichkeit sein, alles zu
verlassen und Mir nachzufolgen, wie es einst Meine Jünger taten.
06] Auch unter euch, die ihr
euch für Mich und Meine Lehre so begeistert wähnt, würden wenige die
Charakterstärke besitzen, Mir zuliebe diesen Schritt zu tun, auch wenn sie
Mich, wie einst Meine Apostel, sichtbar in ihrer Mitte leben und wirken sehen
würden. Ich habe solche Mittel jetzt nicht mehr nötig und weiß wohl auch auf
anderen Wegen ebenso Meinen Zweck zu erreichen wie einst unter jenen
Voraussetzungen, deren Erfüllung Meine Nachfolger erst zu Meinen Jüngern
machte.
07] Jetzt verlange Ich von euch
und allen, welche Mir nachfolgen wollen, die Eigenschaften des Petrus,
nämlich sein unbegrenztes Vertrauen auf Mich und die klare Erkenntnis seiner
eigenen Unwürdigkeit. Weil er glaubte, er sei nicht würdig, in Meiner Nähe zu
bleiben und zu leben, diese freiwillige Erniedrigung vor Mir hat den Fischer
Simon zum Fels, zum ,Petrus` gemacht, auf welchen Ich Meine Kirche bauen
will, die Himmel und Erde nie zerstören werden. Sein festes Vertrauen auf
Mich, schon bei der ersten Begegnung, verstärkte sich noch fernerhin und ward
zum Fels wie sein Glaube.
08] Wenn Ich also diesen Text
als Wort an euch und die gesamte gläubige Menschheit richte, so wählte Ich
ihn deshalb, damit Ich euch als Beispiel den Mann vor Augen führen kann, dem
ihr vor allem nachfolgen sollt.
09] Auch Johannes, als
personifizierte Liebe, ist ein Leitstern erster Größe am geistigen Himmel;
aber um ihm ähnlich zu werden und seinen Beinamen ,Mein Liebling` zu
verdienen, müßt ihr vorerst durch die Schule Petri gehen, und diese Schule
ist für euch die Welt mit ihren Versuchungen.
10] Zwischen den Klippen der
Welt, da alle möglichen Verhältnisse und Ereignisse dazu beitragen, gerade
das als schön, angenehm und besonders wichtig zu finden, was nur von außen
glänzt, aber keine Beständigkeit, sondern Verwesung in sich birgt, gerade
inmitten dieser Versuchungen muß sich vorerst euer Glaube und euer Vertrauen
stärken. Gerade da könnt ihr am besten sehen, wie gebrechlich ihr seid, und
auf welch schwachen Füßen eure eigene moralische Kraft steht. Mitten in dem
Weltgetriebe sind es diese zwei Hauptsektoren, die ihr stets im Auge haben
müßt: Meine Allmacht und eure Ohnmacht! Sonst ist es unmöglich, zur Ruhe des
Johannes zu gelangen, der nur Liebe und kindliche, innige Verehrung für Mich
fühlte.
11] Diese zarten Regungen,
dieses Hingeben in Meine Hände, dieses Leben nur für das Geistige ist den
Menschen und auch Meinen Anhängern in jetzigen Weltverhältnissen nicht so
leicht möglich und nicht so leicht ausführbar, da der Verfall der Welt und
sein Eindringen ins geistige Leben der Menschen zu mächtig ist, als daß sich
jemand gänzlich von ihm befreien könnte.
12] Eure Aufgabe und die Meiner
jetzigen und künftigen Anhänger und Nachfolger ist daher, vorerst das innere,
geistige Ich - wie Petrus auf das Vertrauen zu Mir und auf den festen Glauben
zu stützen, daß Ich niemand verlassen werde, so drängend die Umstände sich
auch gestalten sollten, die auf andere Wege als zu Mir hinzuführen scheinen.
13] Was Ich als Sohn und Vater,
als Weisheit und Liebe, in der Schöpfung geistig bin, das stellten Petrus und
Johannes als Meine Jünger vor. Petrus war die der Welt gegenüber zu
beachtende Klugheit und Johannes die trotz alles Falschen in der Welt nie
schwindende Herzensgüte, von welchen Eigenschaften die erstere Meiner
Weisheit und die letztere Meiner Liebe entspricht.
14] So sollt auch ihr danach
trachten, jene Worte, die Ich zu Meinen Jüngern sagte, geistig aufzufassen:
"Seid listig wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben!" Denn
die List der Schlange bedeutet in geistiger Entsprechung die Weltklugheit,
und die Einfalt der friedlichen Taube bezeichnet die nichts Arges, nichts
Schlechtes denkende und ausübende Tugend.
15] So sehet ihr, wie in den
Worten, Werken und Wundern eures Jesus während Seiner Lehrjahre alles
geistigen Ursprungs ist und alles eine geistige Bedeutung besitzt. Es genügt,
daß man mit Geistesaugen die innere Bedeutung der Ereignisse erwägt, so daß
der dichte Schleier der Unverständlichkeit sich nach und nach lüftet und
reine, lichte Wahrheit da erscheint, wo man vorher nur mystische,
unzusammenhängende Worte gelesen hatte. So wie die Natur dem Wiedergeborenen,
dem geistig Fortgeschrittenen ein lebendiges Buch wird, aus dem er nicht nur
Vorteile fürs weltliche Leben herausliest, sondern in welchem er Mahnungen
und geistige Winke für die sich danach sehnende Seele aufgezeichnet findet,
ebenso ist Mein euch hinterlassenes Buch, die Bibel, eine ewige Fundgrube, in
der die einzigen herrlichsten Wahrheiten verborgen liegen, welche Ich jenen
vorbehalten habe, die, durch Petri Schule gegangen, bei der Liebe Johannis
angelangt sind.
16] Daher befleißigt auch ihr
euch, mitten zwischen Dornen dahinwandelnd, doch unverletzten Fußes, euer
Ziel zu erreichen, welches am Ende aller Versuchungen und Kämpfe die
unbegrenzte Liebe ist, die bildlich in allem Geschaffenen und geistig in
Meiner eigenen Nähe das Vertrauen und den Glauben, welche ihr während eures
Lebenslaufes gezeigt habt, reichlich belohnen wird.
17] Erinnert euch Meines
Mahnrufes an Petrus vor Meiner Gefangennahme, als Ich diesen sich jetzt stark
Glaubenden durch Meine Vorhersage: "Ehe der Hahn kräht, wirst du Mich
dreimal verleugnen!" an seine menschliche, schwache Natur erinnerte, die
er einst dort im Schiff bekannte, als er ausrief: "Gehe hinweg von mir,
o Herr; denn ich bin ein sündiger Mensch!" Im Garten am Ölberg zeigte er
sich stark, schlug mit dem Schwert drein, war voll des Glaubens, des
Vertrauens, und kurz danach - seht die schwache menschliche Natur -
verleugnete er Mich aus Furcht dreimal!
18] Deswegen gebt auch ihr euch
nicht dem Wahne hin, als wäret ihr schon die Auserwählten, die Unfehlbaren!
Vertraut auf Mich und nicht auf eure eigene Stärke; denn ein leichter
geistiger Windstoß genügt oft, und das ganze gebäude geistigen
Selbstbewußtseins und moralischer Stärke liegt danieder, zusammengeworfen wie
ein von Kindern errichtetes Kartenhaus, und ihr habt dann das gleiche
Resultat an euch selbst erfahren, das der Fels Petrus in Meiner Nähe erlebte,
daß ohne Mich nichts, mit Mir aber alles ausführbar ist!
19] So soll auch dieser Text
bei einem großen Fischzug anfangend, mit dem kleinen, aber wichtigen Resultat
endigen: Wenn ihr, gleichwie Simon, bestimmt seid, nicht Fische, sondern
Menschen in Mein Glaubensnetz zu ziehen, so müßt ihr zuerst bei euch selbst
anfangen und nie außer acht lassen, daß nicht Worte, sondern Taten, ausgeübt
im edelsten Sinne, es sind, welche die Nächsten, eure Brüder und Schwestern,
in Meine Hände führen.
20] Aber bevor dieses möglich
ist, müßt ihr, die Lebensklugheit Petri und dann die Liebe Johannis selbst
schon im Herzen haben und stets eurer Schwäche und Meiner Stärke eingedenk
sein. Auf diese Art vollführt ihr Meinen Willen in bezug auf euch und in
bezug auf andere, wozu euch Mein Segen nie ermangeln wird. Amen.
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00] Wahre Gerechtigkeit (Mt.05,20): "Ich sage euch: Es
sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Schriftgelehrten und
Pharis„er, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!"
01] Hier in diesem Kapitel
liegt vor euch Meine ganze Lehre als Inbegriff alles dessen, was den Menschen
betrifft. Es wird euch gezeigt, inwiefern seine Leiden, seine Aufopferungen
und Kämpfe einst einen geistigen Wert haben werden, und wie er sein Gewissen
als die Waagschale und die Richtschnur zu allen Gedanken, Worten und Taten
gebrauchen soll, wenn er einst Mein Kind genannt werden möchte.
02] Diese Bergpredigt war die
gewaltigste Predigt, welche Ich während Meines Erdenwandels gehalten habe,
und eben deswegen umfaßt sie alles, was Mich bewog, zu euch auf diese
finstere Erde herabzusteigen und die größte Schmach zu erdulden - zu Meinem
und Meiner Lehre größtem Triumph.
03] In dieser Predigt stellte
Ich Meinen Zuhörern und Jüngern alle Seligkeiten in hoffnungsvolle Aussicht,
welche denen zuteil werden sollen, die Meine Liebesgebote halten und
ihretwegen Unbilden und Leiden ertragen. Ich stellte ihnen aber auch die
Wichtigkeit ihrer Mission in bildlichen Ausdrücken dar, daß Ich Meine Lehre
nicht vergebens predigen will, sondern daß jeder, der sie hört, sie auch
anwenden und verbreiten soll. Es sind jene Verse, die vom Salz der Erde, von
der Stadt auf dem Berg und von dem angezündeten Licht handeln, damit es
leuchte und nicht verborgen unter einem Scheffel brenne.
04] Ich sagte ihnen, sie seien
das Salz der Erde, welches dem ätzenden oder anregenden Teile der geistig-seelischen
Welt entspricht, da es zur Tätigkeit, zur Ausscheidung des Schlechten, zum
materiellen Stoffwechsel notwendig ist.
05] Wo kein Salz oder Reizstoff
ist, dort ist kein Leben, keine Bewegung, keine Wärme, kein Licht. Wo das
Salz dumm wird - wie es im Evangelium heißt -, d.h. wo es verdirbt, da
entstehen die umgekehrten Resultate, weshalb es ausgeschieden werden muß,
damit es die Leute zertreten. Zu Staub und Sand zertreten, wird es anderen
Schöpfungen auf anderer Basis zur weiteren Bildung behilflich sein, so wie
das durch Menschen verübte Schlechte, ebenfalls durch Meine Fügungen am Ende
zum Fortschritt, zur Besserung der geistigen Wesen beitragen muß, nur in
anderer Form und unter anderen Umständen.
06] So ermahnte Ich das Volk
und Meine Jünger, daß sie Mein Wort nicht bloß hören und für sich behalten,
sondern daß sie es auch anderen mitteilen und es selbst in der Tat
verwirklichen sollten. Ich sagte ihnen auch, daß Meine Lehre nicht neu sei,
sondern daß sie nur die von Moses und den Propheten gegebenen Weisungen im
wahren Licht darstelle, den Sinn der Worte erkläre und so der ganzen
Menschheit zeige, wie alle diese göttlichen Vorhersagungen und Verordnungen
der von Mir gesandten Männer stets denselben Zweck hatten, nämlich die Menschen
ihren geistigen Wert erkennen zu lehren und sie alle auf dem kürzesten Weg
vorzubereiten, ins große Geisterreich eintreten zu können, wie es Wesen
geziemt, die einen göttlichen Funken von Mir im Herzen tragen. Ich
versicherte allen, daß Meine Worte ewige Dauer haben, weil sie von dem
ewigen, höchsten Wesen gegeben wurden.
07] Ich sagte ihnen auch, daß
Ich jede Verunglimpfung dieser Meiner Gesetze bestrafen werde, hier und
jenseits, weil Ich im voraus wußte, daß in späteren Zeiten Menschen Meine
Gesetze der Liebe als Deckmantel benützen und, unter ihm ihren eigenen
Interessen nachgehend, die Leidenschaften des Hasses und der Rache ungestört
ausüben würden. Schon zu Meiner Zeit trieben die Pharisäer und
Schriftgelehrten mit den Lehren Mosis und der Propheten das gleiche Spiel,
weshalb Ich zu Meinen Jüngern und dein um Mich versammelten Volk die Worte
sprach: "Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Pharisäer und
Schriftgelehrten, sonst werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!"
08] Obwohl nur dieser Vers für
diesen Sonntag gegeben ist, mußte Ich die vorhergehenden Verse desselben
Kapitels zuerst erklären, damit wir folgerichtig auf diesen zwanzigsten Vers
kommen und von diesem aus weiterschreiten können.
09] Weil Ich die falsche und
scheinheilige Gerechtigkeit jener Kaste anführte, der in jener Zeit die Macht
und das Recht gegeben ward, den Sinn, den Kultus und die Dogmen ihrer
Religion dem Volke beizubringen und zu erklären, und weil Ich wußte, auf
welche Weise sie es vollführten - nicht in Meinem, sondern in ihrem Sinne und
nach ihren Plänen -, so ward Ich natürlich gezwungen, dem Volk und Meinen
Jüngern diese schon vorhandenen Gesetze besser zu erklären und ihr Gewissen
empfindlicher zu machen. Auch deshalb mußte Ich es tun, weil in jener Zeit
die Priester und Gelehrten die Gesetze so erklärten, daß es sie nicht viel
Mühe kostete, diese zu erfüllen, und weil ihnen dadurch ein weiter Spielraum
blieb, die scheußlichsten Taten zu begehen, ohne dem Scheine nach gegen die
mosaischen Religionsgesetze zu verstoßen; ja den Anschein erwecken konnten,
als übten sie diese im strengsten Sinne aus.
10] Daher folgen dem
zwanzigsten Vers alle anderen wahren Liebesgesetze, welche in jener Zeit
gerade als Gegensätze zu dem Geglaubten betrachtet wurden; denn
Wiedervergeltung, Rache, Haß und Verfolgung waren durch einzelne Sprüche der
Religion dem Anschein nach gerechtfertigt. Auch deshalb sah man sie als
Gegensätze an, weil es weit leichter ist, den Durst der Rache und des Hasses
zu kühlen, als dem zu verzeihen, der feindlich gesinnt ist, oder den mit
Wohltaten zu überhäufen, der nur Böses im Schilde führt.
11] Eben deswegen ist diese
Predigt, besonders vom zwanzigsten Vers an, die wichtigste genannt worden,
weil in ihr das Symbol der Liebe, die Fahne der Nächstenliebe und die
Verzeihung von Mir als einzige Richtschnur für den Lebensweg aufgestellt
wurden, indem Ich allen zurief: "Nur unter dieser Fahne und mit dieser
allumfassenden Liebe, mit welcher Ich als Gott und Schöpfer alle Meine Wesen
umfasse, nur mit dieser Liebe könnt ihr Menschen Bürger eines geistigen
Reiches, Bürger Meines Himmels werden!"
12] Ich führte in den
nachfolgenden Versen verschiedene Lebensverhältnisse an, in welchen der
Mensch diese Bruder und Nächstenliebe ausüben soll und kann. Ich zeigte, wie
weit diese Liebe gehen soll und muß, wenn ihre Taten vor Mir einen geistigen
Wert haben sollen. Ich setzte den Eckstein der Aufopferungsfähigkeit, an dem
sich leider in jener Zeit und bis auf den heutigen Tag viele gestoßen haben.
13] Ich sagte Meinen Zuhörern:
Wie Ich als Gott die Sonne über Gute und Böse aufgehen lasse, wie Ich die
Felder der Schlechten wie der Guten mit segnendem Regen befeuchte, so sollen
auch Meine wahren Nachfolger - erhaben über alle menschlichen Leidenschaften,
Mein Beispiel als Schöpfer und auch als Jesus stets vor Augen habend allen
mit gleicher Liebe helfen, unbekümmert darum, ob ihnen je Dank zuteil wird
oder nicht.
14] Ich stellte in dieser
Predigt das Ideal eines geistig erhabenen Menschen auf und bewies selbst
durch Meinen Lebenswandel, daß man so leben kann, wenn man will. Der Inhalt
dieser Predigt, seien es die versprochenen Seligkeiten für die Leidenden,
Kämpfenden und geduldig Ausharrenden, als auch, wie weit sich die
Nächstenliebe erstrecken soll, hat heute noch dieselbe Geltung wie einst und
wird sie auch nie verlieren, solange Ich, Meine geistige und Meine materielle
Welt bestehen. Denn nur durch diese Gesetze und ihre Befolgung werden die
vernünftig lebenden Wesen geadelt und werden Zeugen ihres göttlichen
Ursprungs, während sie auf dem entgegengesetzten, am meisten gebräuchlichen
und leider auch jetzt noch von vielen als rechtlich bezeichneten Weg, statt
zur geistigen Höhe aufwärtszusteigen, zur materiellen Tiefe herabsinken.
15] In den folgenden Kapiteln
des Matthäus wird diese Lehre noch weiter dargelegt, damit sich niemand
entschuldigen kann, als hätte er nicht gewußt, was Gottes und Nächstenliebe
im eigentlichen Sinne sei. So findet ihr auch im 6. Kapitel das einzige
Gebet, welches Ich die Meinen lehrte, und das ihr heute noch als Inbegriff
aller Gebete ansehen könnt. Nur müßt ihr den tiefen, geistigen Sinn eines
jeden darin enthaltenen Wortes fassen; denn wisset, etwas anderes ist es,
wenn ihr mit euren eigenen Worten betet, oder wenn Ich euch Worte in den Mund
lege, die ihr bei Bedrängnissen, ja wohl auch täglich an Mich richten sollt,
damit Ich euch Meine hilfreiche Hand in den Wirrnissen eines jeden neuen
Tages reiche, auf daß ihr nicht fallet, sondern Meine Bergpredigt stets im Sinn
behaltet und als einzige Richtschnur auf dem Prüfungsweg dieses irdischen
Lebens vor Augen habt, um der im Anfang unseres Kapitels verheißenen
Seligkeiten teilhaftig zu werden.
16] Ja, Meine Kinder, auch an
euch geht die gleiche Mahnung wie einst an jene, die Mir bei der Bergpredigt
zuhörten, wo Ich sagte: "Wenn ihr nicht gerechter werdet als eure
Pharisäer und Schriftgelehrten, so könnt ihr nicht ins Himmelreich
kommen!" Auch euch sage Ich: Wenn ihr die Begriffe Gerechtigkeit, Liebe,
Demut und Verzeihung nicht strenger nehmt, als sie euch von vielen gepredigt
und falsch ausgelegt werden, so könnt ihr nicht in Mein Reich kommen und
könnt nicht Meine Kinder werden; denn zu Meinen Kindern können nur die
gezählt werden, die Meinem Beispiel folgend willig ihr Kreuz tragen, und die
wie Ich, als Beispiel der Demut und Selbstverleugnung, alle weltlichen
Genüsse weit hinter die geistigen zurücksetzen und bei Meinem Hauptgrundsatz
verbleiben, der in dem Spruch aufgezeichnet ist: "Mein Reich ist nicht
von dieser Welt!"
17] Meine Kinder dürfen keine
Weltkinder sein. Sie müssen danach streben, die höchste moralische Höhe zu
erreichen, die überhaupt der Mensch erreichen kann. Sie müssen, wie Ich,
ihrer Leidenschaften Meister werden und vertrauensvoll hinnehmen, was Ich
ihnen zu ihrem Besten schicke. Sie sollen nicht die Welt als eine Gefahr
fliehen, sondern sie müssen inmitten derselben alle ihre Eigenheiten, Genüsse
und Versuchungen, damit sie diesen nicht unterliegen, dem wahren Werte nach
beurteilen. Sie müssen in Gedanken, Worten und Taten reinen Gewissens
dastehen, damit andere nicht allein ihren Worten Glauben schenken, sondern
auch in ihren Taten den wirklichen Beweis des Gesagten ersehen können. Sie
müssen, wie es im Evangelium heißt, als eine Leuchte dastehen, die weit
hinaus über alle Unebenheiten des menschlichen Lebens ihr ruhiges Licht
ausströmen läßt, das Licht der Liebe, des Vertrauens und der Verzeihung.
18] So nur können sie, wenn sie
selbst gerechter, liebender, vertrauender als viele andere verirrte Kinder
sind, jenen zur Richtschnur und als Wegweiser dienen, und nur so können sie
nach vollendetem Lebens und Prüfungslaufe Anspruch darauf machen, von Mir an
Kindesstatt angenommen zu werden und in Mein ewiges, großes Geisterreich, in
Meine Himmel einzugehen, wo ihnen für alles Ausgestandene und Erlittene jene
Seligkeiten zuteil werden, die beim Beginn Meiner Bergpredigt verheißen
werden.
19] Dies nehmt euch zu Herzen! Lest
oft diese Predigt, welche Ich vor mehr als tausend Jahren Meinen Jüngern und
dem Volk gehalten habe! Sie enthält große Verheißungen und Forderungen an
euch und an Meine Geisterwelt.
20] Wer diesen Bedingungen
nicht nachkommen will, dessen Leben gleicht einem schön eingebundenen Buche,
das aber nur weiße leere Blätter enthält.
21] Trachtet daher, euer
Lebensbuch voll guter Gedanken, Worte und Taten ins andere Leben
mitzubringen! Ich habe euch ja in diesen Versen gezeigt, wie die Gedanken
schon ein Versündigen gegen Meine Liebesgesetze sein können; denn es mangelt
oft nur an der Gelegenheit, sie auszuführen. Wäre solche vorhanden, so
vollführte der Wille, was nur flüchtige Gedanken blieben.
22] Daher hütet euch zuerst vor
sündigen Gedanken! Sie entwürdigen euren inneren Seelenmenschen. Flieht
ferner die Gelegenheit, solche Gedanken in Ausführung zu bringen! Bekämpft
die Gedanken, und ihr seid des Handelns eher mächtig! Gebt ihr aber den
ersteren Raum, so seid ihr schon in das Reich der Sünde verstrickt und nur
ein günstiger Augenblick, - und eure Seele ist durch eine unüberlegte Tat
ihres ganzen Schmucks, der Reinheit, der Ruhe und der Zufriedenheit und ihrer
schönen Vorsätze beraubt!
23] Daher lest diese Verse alle
und sehr oft! Es wird euch so vieles darin gezeigt, worin ihr noch so schwach
seid und so oft sündigt gegen euch und gegen Mich. Dadurch seid ihr noch weit
davon entfernt, einen Anteil an Meinem geistigen Himmelreich zu haben.
24] Murrt nicht, wenn Ich euch
durch Verhältnisse stets Gelegenheit gebe, euch in dem zu üben, was euch noch
am meisten mangelt, nämlich das Vertrauen auf Mich und das stete Wachsein
über die Regungen des eigenen Herzens, um alles Böse und Schlechte gleich im
Keim zu ersticken!
25] So, stets sich übend,
erstarkt eure Kraft; so werdet ihr fähig, aller Versuchungen zur rechten Zeit
Herr zu werden; und so, Meiner Bergpredigt eingedenk, werdet ihr auch einst
den Lohn Meiner Jünger erhalten, wenn eure Mission hier auf dieser Erde
beendet und der Sieg errungen ist, um dann dort mit neuer Kraft größeren
Anforderungen Genüge leisten zu können; denn wer hier weniges treu verwaltet,
den werde Ich dort über vieles setzen!
26] Gedenkt eures Vaters, der
euch nicht umsonst alle diese Worte sendet! Gedenkt, daß Er euch zu dem
machen möchte, zu dem Er euch erschaffen hat, nämlich zu Seinen geistigen
Kindern und damit zu jenen Wesen, welche einst in Seinem Reich über Welten
und Millionen von Wesen das Licht der Liebe und der Gnade ihres ewig
liebenden Vaters ausstreuen sollen! Daß zu solchen Missionen in allem Leid
und Unglück erprobte, also gestählte Wesen gehören, versteht sich von selbst,
weil sie, Gedanken und Tatenreinheit als Stempel auf ihrer Stirne tragend,
durch die Erhabenheit ihres Geistes die andern emporziehen können.
27] Deswegen gab Ich euch diese
ausführliche Auseinandersetzung Meiner Liebesgebote, damit ihr nicht den
Einflüssen eurer Eigenliebe Raum gebt, um gerade das zu entschuldigen, was
bei Mir vielleicht die größte Sünde ist, nämlich die Gedankenspiele, die der
Same zu allerlei unreifen und bösen Taten sind. Amen.
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00] Die Speisung der Viertausend
(Mk.08,01): Zu der Zeit, da viel Volks da war und hatten nichts zu essen,
rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: "Mich jammert des
Volks; denn sie haben nun drei Tage bei mir beharret und haben nichts zu
essen. Wenn ich sie ungespeist von mir heimgehen ließe, würden sie auf dem
Wege verschmachten; denn etliche sind von ferne kommen." Seine Jünger
antworteten ihm: "Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste, daß wir sie
sättigen?" Und er fragte sie: "Wieviel habt ihr Brote?" Sie
sprachen: ,Sieben." Und er gebot dem Volke, daß sie sich auf die Erde
lagerten. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen
Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten. Und sie legten dem Volke vor. Und sie
hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselbigen auch vortragen.
Sie aßen aber und wurden satt und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe
voll. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ
sie von sich.
01] Dieses Evangelium handelt
wieder von einer Speisung des um Mich versammelten Volkes, und zwar von
viertausend an der Zahl, wobei dann am Ende sieben Körbe voll Brot
übrigblieben, während es anfangs nur sieben Brote und einige Fische waren.
02] Schon einmal verrichtete
Ich ein ähnliches Wunder, indem Ich fünftausend Menschen mit fünf Broten und
zwei Fischen sättigte, wobei dann zwölf Körbe Brot übrigblieben. Was dort die
fünf Brote und zwei Fische für geistige Bedeutung hatten, wißt ihr; auch bei
diesem zweiten Male, bei dem Ich statt fünftausend nur viertausend Mann mit sieben
Broten und einigen Fischlein speiste und dann sieben Körbe voll übrigblieben
- wie dort zwölf -, hat alles eine geistige Bedeutung, welche Ich euch jetzt
näher erklären will.
03] Die zwölf übriggebliebenen Körbe
des ersten Wunders bezeichneten sowohl die zwölf Stämme Israels, als auch die
zwölf Gebote, die den Menschen nach Meinem Hinscheiden noch verbleiben
sollten. Die sieben Körbe, welche das zweite Mal übrigblieben, bezeichnen
Meine sieben Haupteigenschaften, welche den Menschen zur Festigung und zur
Richtschnur verbleiben sollten, wenn sie Mich nicht mehr persönlich besitzen
würden. Diese sieben Eigenschaften heißen: Liebe, Geduld, Demut, Vergebung,
Beharrlichkeit, Aufopferung und Barmherzigkeit.
04] Als Ich dem jüdischen Volke
predigte, mußte Ich ihnen manchmal zurufen: "Wer Ohren hat, der
höre!" Dies war ein deutlicher Beweis dafür, daß eben bei ihnen vieles
zum einen Ohr hinein und zum andern hinausging, und daß die Mehrzahl Meine
Lehre nicht so auffaßte, wie Ich es wollte. Das bildlich zu deutende
Speisewunder am Ende Meiner Ansprache an sie bezeugt das lÜbrigbleiben gerade
des Wichtigsten. Wie sie das Brot und die Fische nur verzehrten, um ihren
leiblichen Hunger zu stillen, und sieben Körbe Brot zurückließen, so faßten
sie auch nur oberflächlich den Inhalt Meiner Rede und ließen den Hauptinhalt
derselben, Meine sieben Grundeigenschaften, welche Ich ihnen durch
Gleichnisse, Wunder und wirkliche Lehren einprägen wollte, unbeachtet.
05] Wenn auch all die
Gleichnisse, Worte und verrichteten Wunder dem Volke die Augen öffnen
sollten, so waren doch stets wieder Schriftgelehrte und Pharisäer genug da,
welche alles mögliche taten, um jeden Eindruck, den Mein Handeln auf das Volk
machte, abzuschwächen oder gar zu vernichten. So suchten sie darin, daß von
Mir und Meinen Jüngern die zeremoniellen Gebräuche der Kirche - Waschungen
usw. - nicht eingehalten wurden, einen Grund zur Verdächtigung. Sie nahmen
oft Anstoß an guten Werken, an Heilungen Kranker und dergleichen, wenn sie am
Sabbat oder sonst an einem kirchlich geweihten Tag geschah. Sie regten sich
darüber auf, wenn Ich nicht die vorgeschriebenen Fasten hielt oder gar mit
Menschen Mich abgab, die in ihren Augen grobe Sünder oder unehrliche Leute
waren. So waren sie bemüht, alles zu verdächtigen, was von Mir gesprochen und
getan wurde.
06] Daher die verschiedenen
Mahnungen, welche Ich Meinen Jüngern und dem Mir zuhörenden und nachfolgenden
Volk gab, womit Ich ihnen beweisen wollte, daß bei Mir nur Geistiges und
nicht Materielles gilt! Daher die Worte: "Was in den Menschen eingeht,
das kann ihn nicht gemein oder unrein machen, sondern das, was von ihm
ausgeht, das ist es, was den Menschen erniedrigen kann!" Aus dem
gleichen Grunde erging der Mahnruf an Meine Jünger, sich vor dem Sauerteig
der Pharisäer und des Herodes zu hüten, und aus dem gleichen Anlaß führte Ich
an, was ein früherer Prophet geweissagt hatte: "Dieses Volk ehrt Mich
mit den Lippen; aber sein Herz ist ferne von Mir!"
07] Als Ich diese viertausend
Mann mit sieben Broten und einigen Fischlein gespeist, sie also materiell
gesättigt hatte, blieben sieben Körbe Brot übrig.Wenn sie dem Anscheine nach
auch geistig gesättigt waren, so ließen sie doch die von Mir als die höchsten
bezeichneten Eigenschaften unbeachtet. Jeder Korb mit seinem vielseitigen
Inhalt von großen und kleinen Stücken Brot bezeichnet zur Genüge, in wie
vielfältiger Weise diese Meine vorher genannten Eigenschaften im menschlichen
Leben ausgeübt werden könnten, wenn nicht der Mensch seinen eigenen
Lebenskorb meistens mehr mit anderen, weltlichen Dingen angefüllt hätte,
worin dann Mein Brot und Meine Geisteseigenschaften keinen Platz mehr haben.
08] Wenige gibt es, die wie das
Weib aus Syrophönizia denken, welche auf Meine Rede: "Man soll Mein Brot
nicht den Hunden vorwerfen!" doch vertrauensvoll antwortete, daß es aber
den Hunden doch erlaubt sei, sich von den Brosamen zu sättigen, welche die
Kinder unter den Tisch fallen lassen, was mit anderen Worten heißt: Wenn auch
die Schwachen, die noch Unmündigen nicht wert oder fähig sind, sich von
direkter Himmelsspeise zu nähren, so möge es ihnen doch vergönnt sein, vom
Abfall das herauszusuchen, was für ihren momentanen geistigen Zustand
gedeihlich ist.
09] Solch gläubige Seelen gab es in jener Zeit nur vereinzelte,
und jetzt sind sie gar zur höchsten Seltenheit geworden.
10] So wie Ich gegen alle
herrschenden Ansichten, seien es weltliche oder kirchliche, kämpfen mußte und
- wie Ich es manchmal selbst sagte von den Juden weniger als von den Heiden
erhoffte, so ist es auch in jetziger Zeit, in der von jenen wenig zu erwarten
ist, welche sich Katholiken nennen und glauben, es auch wirklich zu sein,
wenn sie nur die vorgeschriebenen Gebräuche halten. Ja, gerade sie, die das
beste und fruchtbarste Feld für Meine Lehre sein sollten, gerade sie sind die
ärgsten Widersacher alles dessen, was sie aus ihrer so bequem eingerichteten
Religionslehre aufweckt und Aufopferungen und Entsagungen fordert, denen sie
nicht gewachsen sind, weil ihnen die moralische Kraft der Überwindung
angewöhnter Gebräuche und Ideen fehlt.
11] Sie gleichen den meisten
Zuhörern jener Zeit. Sie suchen Mich überall nur in den Kirchen, aber nicht
auf dem Weg des Lebens, wo sie durch Taten beweisen sollen, was sie sooft in
den Kirchen geloben. Sie sind auch hungrig wie jene, lassen aber den
Hauptgrund Meiner Lehre, die sieben Körbe, ruhig stehen und verzehren bloß
dasjenige, was ihnen für den Moment am meisten mundet.
12] Wenn Ich euch dieses
Beispiel der Sättigung von viertausend Menschen mit sieben Broten und einigen
Fischlein als Thema zu einer Sonntagspredigt anführe, so ergeht damit an
jeden einzelnen, wie auch an alle Zuhörer Meines Wortes die Mahnung, sich
nicht mit dem oberflächlichen Eindruck Meiner Worte zu begnügen, sondern die
darin verborgen liegende Geistesspeise herauszufinden, sich nach dieser in
seinen Handlungen zu richten und auch die anderen zu gleicher Ausübung
anzueifern.
13] Daß in jener Zeit Meine
Zuhörer wenig fruchtbare Äcker für Meine Lehre waren, das wußte Ich wohl; Ich
wußte aber, daß Ich nicht nur für sie, sondern für die ganze Menschheit nach
ihnen redete und handelte. Ich baute nicht nur für die Gegenwart, sondern
Meine Pläne reichten weiter. Als die Pläne eines göttlichen, unendlichen
Wesens waren sie von ewiger Dauer und Wirkung.
14] Selbst den Pharisäern und
Schriftgelehrten antwortete Ich auf ihre Forderung nach einem Wunderzeichen,
daß diesem Geschlecht kein Zeichen von Mir gegeben werde, was soviel sagen
will, daß dort, wo Meine sichtbare Erscheinung das größte Wunderzeichen war,
kein anderes, noch mehr beweisendes nötig sei, um Meine Göttlichkeit und die
Wahrheit und die ewige Dauer Meiner Lehre zu beweisen.
15] Was Ich dort von den
Pharisäern und Schriftgelehrten sagte, gilt auch heutzutage allen
scheinheiligen Kirchenläufern und allen über die Materie philosophierenden
Gelehrten eurer Zeit. Auch sie werden keine Zeichen sehen, weil sie das
größte Zeichen, die Stimme eines Gottes und Vaters im eigenen Herzen nicht
anerkennen wollen. Ebensowenig glauben viele eurer Gelehrten, trotz des
steten Auffindens von Gesetzen in der Natur, daß es auch einen Gesetzgeber
geben muß. Sie disputieren sich und andere lieber ihr eigenes Ich hinweg, als
daß. sie sich durch tatsächliche Beweise vom Dasein Gottes für besiegt
erklärten.
16] Auch in dieser Zeit tobt
ein immerwährender Kampf zwischen Zeremonie und Geist, zwischen Trug und
Wahrheit, der alle Gemüter in Aufregung bringt. Alle Sekten, alle Gläubigen
mühen sich ab, das Neuauftauchende mit dem Alten, Angewöhnten zu verbinden
und zu vermischen; aber es ist vergebens. Zwei Herren kann man nicht dienen,
sondern: entweder der Materie oder dem Geist! Und weil sich viele nicht
entscheiden können oder nicht wollen, so ist dies schuld daran, daß sie,
soviel Ich auch die Menschen mit geistigem Brot sättigen will, bis auf wenige
das Nebensächliche genießen, ja danach haschen, aber das Eigentliche,
Wesentliche, geistig Wahre liegenlassen.
17] So müssen Meine Jünger der jetzigen
Zeit, wie jene Meiner Lehrzeit, stets die übriggebliebenen Stücke Meiner
Himmelslehre oder des geistigen Brotes wieder sammeln und dann bei anderen
Hungrigen ihr Glück versuchen, bis endlich die sieben Körbe Meiner göttlichen
Eigenschaften leer sind und in den großen Lebenskorb der Menschheit, wie auch
jedes einzelnen, übergangen sind.
18] So ergeht auch an euch der
Mahnruf: Befleißigt euch, Meine sieben Eigenschaften euch zu eigen zu machen!
Nehmt die geistige Sättigung nicht so oberflächlich, daß ihr etwa glaubt, mit
dem Hören oder Lesen genüge es schon! Weit davon entfernt! Denn auch zu euch
werde Ich einst den Sammler schicken und werde das Übriggebliebene in Körbe
legen und für Bessere, Würdigere aufbewahren lassen, die eher fähig sind, den
geistigen Inhalt zu verwerten, während ihr - im Wahn, schon alles zu wissen -
nicht einmal die erste Stufe geistiger Erkenntnis erklommen habt.
19] Befleißigt euch daher,
Meiner direkten Mitteilung - wie einst Meine Jünger - würdig zu werden!
Werdet auch ihr, wie eben diese Apostel, Verbreiter Meines Wortes! Streut es
aus, jedoch so, daß es nicht auf unfruchtbaren Boden falle! Seid immer
eingedenk dessen, daß alles, was ihr jetzt in so reichlichem Maße von Mir
erhaltet, nicht für euch allein, sondern durch euch einst auch für andere
bestimmt ist! Den einen oder andern werden Verhältnisse überkommen, wo er das
Gelesene und Gehörte erproben muß; er muß zeigen, inwiefern er es verstanden
und sich zu eigen gemacht hat, um es eben auch anderen so wiederzugeben, wie
Ich es ihm angedeihen ließ.
20] Laßt also von Meinen Broten
nichts übrig! Verdaut sie geistig! Macht sie zu eurem eigenen Ich, damit ihr
als lebendig wandelnde Beispiele nicht nur durchs Wort, sondern auch durch
Taten beweisen könnt, daß Liebe, Geduld, Demut, Vergebung, Beharrlichkeit,
Aufopferung und Barmherzigkeit die Grundfesten eures Glaubens, die sieben
Körbe sind, in welche ihr eure guten Taten sammeln wollt, um sie im eigenen
Lebenskorbe als Eigentum Dem zu überbringen, der euch stets mit so vielen
Gnaden und so vielem Licht aus Seinen Himmeln überschüttet hat! Amen.
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00] Falsche Propheten (Mt.0,15-23): "Sehet euch vor vor
den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber
sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man
auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Also ein
jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge
Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum
kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte
bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum, an ihren Früchten sollt
ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: ,Herr, Herr!` in
das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.
Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: ,Herr, Herr, haben wir nicht in
deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben?
Haben wir nicht in deinem Namen viel Taten getan?` Dann werde ich ihnen
bekennen: ,Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr
Übeltäter!"`
01] Dieses ganze Kapitel
handelt von Lebensregeln, wie sie, auf Meine Lehre gegründet, zu beachten
sind, damit die Menschen - und besonders in jener Zeit Meine Jünger und
Zuhörer wußten, wie sie ihre eigenen Religionsgesetze im praktischen Leben
ausüben sollten. Da besonders in jenen Zeiten die Auslegung der mosaischen
Gesetze nicht nach Meinem Sinn war, deswegen mußte Ich selbst kommen, um den
geistigen Lebensbaum der den Juden übergebenen Religion vor dem Verfaulen zu
retten, damit er wieder Früchte trage, die den Gesetzen Meiner Geisterwelt
entsprechen sollten.
02] So lehrte Ich in diesem
Kapitel die Nachsicht mit den Fehlern anderer, sowie die Vorsicht, Meine
Lehre nicht ohne Vorbereitung einem jeden an den Hals zu werfen, ferner die
Mildtätigkeit und Liebe, welche die Menschen, Meinem Beispiel gemäß, gegen
andere ausüben sollen. Ihr seht das Gesetz der Nächstenliebe im weitesten
Sinne erklärt und werdet auch darauf aufmerksam gemacht, daß diese Meine
Forderungen nicht so leicht sind, weil den Aufopferungen für Meine
Liebesgesetze die Versuchungen der Welt und die leicht überhandnehmende
Selbstliebe entgegenstehen.
03] Ich predigte nichts Neues,
sondern erklärte nur Meinen Jüngern und Anhängern das schon Bekannte in
seinem wahren Sinn, damit auch sie in der Folge den Mitmenschen den wahren
Inhalt der Gebote mitteilen konnten. Ich mußte dabei zuerst den Lehrern und
dann den Lernenden gewisse Maßregeln und Kennzeichen geben, woran die
ersteren ihre wahren Wißbegierigen und Gläubigen, die letzteren aber ihre Lehrer
erkennen und die falschen Lehrer oder Propheten von den echten, wahren
unterscheiden konnten. Daher sind die Kennzeichen in Gleichnissen aufgezählt.
In wenigen Sätzen ist gesagt, daß nicht Worte genügen, um andere zu
überzeugen, sondern daß Taten als Beweise darlegen sollen, daß der Lehrende
von der Wahrheit seiner Worte wirklich durchdrungen ist.
04] Dieser Maßstab, um falsche
von echten Führern zu unterscheiden, soll dem Urteil der Zuhörer bei allen
Gelegenheiten als Richtschnur dienen, weil sie sonst, durch Irrlehrer
verführt, auf ganz falsche Wege geraten könnten.
05] Meine Zuhörer in jener Zeit
machte Ich deshalb darauf aufmerksam, weil Ich im voraus wußte, daß nach
Meinem Dahingang auch andere neben Meinen Jüngern auftreten würden, die unter
dem Deckmantel Meiner Liebelehre nur ihren eigenen Vorteil suchen würden. Ich
sagte ihnen auch im voraus, welches das Schicksal dieser falschen Lehrer,
sowie auch derer, die auf solche Wahnlehren ihr geistiges Wohl bauen, sein
werde, wenn geistige und physische Stürme ihr Lebensschiff in Gefahr bringen
würden, in denen nur derjenige mit Ruhe der Zukunft - wie immer sie sich auch
gestalten möge - entgegensehen kann, der Meine Lehre auch in der Tat ausübt.
Ich verglich sie mit Menschen, von denen der eine sein Haus auf einen Fels,
der andere auf Sand gebaut hatte.
06] Was Ich nun in jenen Zeiten
Meinen Jüngern und Anhängern als Lebensregeln auf ihre dornenreiche Bahn
mitgegeben habe, findet seine Anwendung in allen Zeiten, bis auf die heutigen
und noch kommenden; denn Meine Worte sind ja Worte der Ewigkeit und für die
Ewigkeit. Sie können nie vergehen oder außer Gebrauch kommen, weil sie,
ebenfalls auf den Felsen Meiner Wahrheit gebaut, den Tempel Meines
Geisterhimmels ausmachen.
07] So wie dort gilt auch jetzt
dieser Mahnruf. Er soll sowohl den Führern, als auch jenen zur Richtschnur
dienen, die sich ihren Händen anvertraut haben und von ihnen in den
bedrängten und noch bedrängteren kommenden Zeiten Trost und Hilfe verlangen.
08] Viel Mißbrauch ist schon
mit Meiner Liebelehre getrieben worden, und viele sind den Irrlehren zum
Opfer gefallen; aber jetzt ist die Axt an den Baum gelegt, der die Verirrten
so lange beschattete und damit das eigentliche, göttliche Licht hinderte, bis
zu ihnen zu dringen.
09] Bevor Ich komme, müssen
alle Schatten in geistiger Hinsicht beseitigt werden; denn Ich bin das Licht
und vertrage keinen Schatten. Meine Lehre ist gegeben, um alle Winkel der
materiellen und geistigen Schöpfung zu erleuchten. Euer Scheinleben hat wohl
Licht und Schattenseiten, wie eure Erde den Tag und die Nacht, - allein, es
ist dies notwendig, weil ihr, sowie die ganze materielle Welt, neben der
Tätigkeit auch Ruhe haben müßt, in der das Verausgabte ersetzt und der
Organismus zur ferneren Tätigkeit gestärkt werden muß. Nicht aber so in der
geistigen Welt! Da gibt es keine Nacht als nur die, welche die Geister sich
selbst bereiten. Da ist ewiges Licht, ewige Wärme, ewige Liebe, ewige
Tätigkeit.
10] Betrachtet nur eure Seele!
Auch sie, obwohl an einen irdischen Körper gebunden, schläft nicht, sondern
arbeitet Tag und Nacht an ihrem geistigen Leibe, um ihn möglichst vollkommen
ins große Jenseits zu bringen.
11] Dasselbe Streben besitzt
die ganze geistige Schöpfung, und was sich diesem entgegensetzen will,
verfällt seinem Untergange, wie es euch die jetzige Zeit nur zu klar zeigt.
Einrichtungen, so schlau und wohlberechnet sie auch angelegt und seit
Jahrhunderten erhalten wurden und soviel Gutes sie anscheinend verbreiten
sollten, sind doch nur auf Sand gebaute Häuser, die dem Platzregen und den
Stürmen Meines göttlichen Wahrheitslichtes nicht widerstehen können.
12] Wie sich der Kalkstein bei
der Berührung mit dem Lebens oder Sauerstoff eurer Atmosphäre in einen Brei
auflöst, seine kompakte Form ändert und sich als feiner Staub, den Winden
preisgegeben, in alle Regionen verliert, ohne die geringste Spur seines
früheren Bestandes zurückzulassen - wenn er nicht, mit dem Sande vermischt,
als Vermittler in einer andern Form zum Festen eines gebäudes beitragen muß
-, so wird es auch den irdischen Einrichtungen ergehen. Weil sich aber ein
solches schon lange bestehendes Gebäude und dessen Erhalter nicht so leicht
dem Drange der Umstände ergeben, so rufe Ich euch allen zu: "Hütet euch
vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, aber
innerlich reißende Wölfe sind!"
13] Ich weiß sehr wohl, daß von
vielen diese Meine euch jetzt direkt gegebene Lehre im Anfang verhöhnt und
verdächtigt werden wird und, wenn es auf diese Weise nicht gelingt, ihren
Zweck zu erreichen, sie sich dann entschließen werden, diese Meine Lehre als
Deckmantel zu gebrauchen, um ihre Existenz zu fristen; aber da gilt, was Ich
einst zu Meinen Jüngern sagte: An ihren Taten werdet ihr erkennen, ob sie
wirkliche, eifrige Ausüber Meiner Liebelehre oder nur Wortverkünder derselben
sind!
14] Es ist nirgends so
notwendig, auf seiner Hut zu sein, als gerade da, daß diese falschen
Propheten und falschen Ausleger Meines Wortes sehen, daß ihnen alle ihre
Anstrengungen mißlingen und sie sich entweder bekehren oder untergehen
müssen. Denn sie werden alle Mittel anwenden, die zu ihrem früheren Glanz, zu
ihrer früheren Macht führen sollen.
15] Daher gilt hier wieder Mein
Mahnspruch: Seid listig wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben, damit
ihr die List eurer größten Widersacher von ferne wittert und durch die
Einfältigkeit eures Herzens alle giftpfeile von euch und euren Mitgläubigen
abwenden könnt. Sollten euch einige treffen, so führen sie euch zum Leben
statt zum Verderben.
16] Wie hauptsächlich der
Anfang dieses Kapitels euch Gläubigen und Verehrern Meines wahren Liebewortes
gilt, indem es euch Geduld und Sanftmut rät, so ist auch der weitere Inhalt
für euch geeignet, daß ihr eure Anhänger auf all die Gefahren aufmerksam
machen sollt, die ihnen im Gewirre der Welt drohen, wo neben Wahrem das
Falsche, neben echtem Sein sich der Schein breit machen, damit sie nicht,
durch falsche Lehrer und Propheten irregeführt, euch des Trugs beschuldigen.
17] Seid daher auch vorsichtig
wie die Schlangen, und glaubt nicht blindlings jedem, der sich euch nähert
und um Himmelsbrot bittet oder wie es im Evangelium heißt - zu Mir ,Herr,
Herr!` sagen wird! Sie haben ganz andere Absichten, als euch zu folgen; sie
wollen nur durch euch erfahren, was ihrem Zwecke dienlich sein könnte.
18] Lest dieses Evangelium
recht oft! Es liegt bei weitem mehr geistige, tiefe Wahrheit darin, als Ich
euch hier geben kann. Beachtet das Gesagte, damit auch ihr euer Haus nicht
auf Sand, sondern auf den festen Felsen des Vertrauens baut! Sonst geht es
euch wie vielen, die beim geringsten geistigen oder moralischen Unwetter das
Gleichgewicht verlieren und nicht wissen, wie ihnen zu raten und zu helfen
ist.
19] Viele Worte und noch viel
mehr Geistiges gebe Ich euch unter tausenderlei Formen. Jetzt empfangt ihr in
diesen Sonntagspredigten gleichsam den Schlüssel zu Meinen Worten, die Ich
einst Meinen Jüngern und ersten Nachfolgern gegeben habe.
20] Und wißt ihr, warum dies
alles geschieht? Seht, weil Ich eben nur zu gut weiß, wie sich die
Zeitverhältnisse fernerhin gestalten werden, in denen Stärke, Sicherheit und
festes Aushalten immer notwendiger sein werden! Bei manchem wird erprobt
werden, ob er sein geistiges Haus auf den Fels Meiner Glaubens und Liebelehre
gebaut oder ob er sich nur mit dem Lesen und Anhören Meiner Worte begnügt
hat, was dem Hause auf dem Sande gleichkommt. So wie der Wind den Sand
hinwegweht oder der Regen ihn wegschwemmt, ebenso verwischt die Zeit die
gehörten oder gelesenen Worte aus dem Gedächtnis.
21] Die festen Bausteine zu
Meinem und zu eurem künftigen, geistigen Wohnhause sind Taten, - Taten,
ausgeführt auf Grund der Gottes- und Nächstenliebe. Nur diese sind bleibend,
geben euch Ruhe und Frieden und leuchten als schöne Beispiele für andere,
welche euch an euren guten Werken als echte und nicht als falsche Propheten
und Lehrer erkennen werden, deren Herz nicht das der reißenden Wölfe, sondern
das der gutmütigen Lämmer ist und nicht Haß, Zorn, Neid, Eifersucht oder
Rache, sondern nur Liebe atmet, Liebe verbreitet und wieder Liebe ernten
will.
22] So sollt ihr Meine
Auserwählten werden, die mit Meinen Worten in der Hand alle Schatten und
Zweifel verscheuchen und das Licht einer großen, über euch hoch erhabenen Geisterwelt
verbreiten sollen, damit bei Meiner Wiederkunft nur ein Hirt und eine Herde
sei und euer Wohnort, der Erdball, wieder zu dem Paradies umgestaltet werde,
welches er einst gewesen ist, und welches nicht durch Mich, sondern einst
durch die aus Liebe geschaffenen Menschen verlorengegangen ist.
23] Dies merkt euch, und
befolgt es soviel und sooft wie möglich! Nur so blüht euch Ruhe und Frieden,
und nur so seid ihr fähig, auch andern Trost zu geben. Amen.
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00] Gleichnis vom ungerechten Haushalter (Lk.16,01-13): Er
sprach aber auch zu seinen Jüngern: "Es war ein reicher Mann, der hatte
einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter
umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: ,Wie höre ich das von dir?
Tue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter
sein!` Der Haushalter sprach bei sich selbst: ,Was soll ich tun? Mein Herr
nimmt das Amt von mir. Graben kann ich nicht, so schäme ich mich zu betteln.
Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß
sie mich in ihre Häuser nehmen.` Und er rief zu sich alle Schuldner seines
Herrn und sprach zu dem ersten: ,Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?` Er
sprach: ,Hundert Tonnen Öls.` Und er sprach zu ihm: ,Nimm deinen Brief, setze
dich und schreibe flugs fünfzig!` Danach sprach er zu dem andern: ,Du aber,
wieviel bist du schuldig?` Er sprach: ,Hundert Malter Weizen.` Und er sprach
zu ihm: ,Nimm deinen Brief und schreibe achtzig!` Und der Herr lobte den
ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan hatte; denn die Kinder dieser
Welt sind klüger als die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlecht. Und ich sage
euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr
nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten! Wer im Geringsten treu
ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch
im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer
will euch das Wahrhaftige vertrauen? Und so ihr in dem Fremden nicht treu
seid, wer wird euch geben, das euer ist? Kein Knecht kann zwei Herren dienen:
entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem
einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott samt dem
Mammon dienen."
01] Dieses Evangelium handelt
von einem ungerechten Verwalter, welcher, nachdem sein Herr von seiner
Untreue unterrichtet worden war, sich doch wenigstens die Hintertür sichern
wollte, damit er nicht, der Not ausgesetzt, zum Darben verdammt würde oder
durch schwere Handarbeit sein täglich Brot verdienen müsse.
02] Ich sagte dies Gleichnis
den Pharisäern und Schriftgelehrten deswegen, weil sie am meisten dem Gelde
oder dem Mammon huldigten und, um dasselbe in Fülle zu erwerben, sich keines
Mittels schämten, ihren Zweck zu erreichen.
03] Was in diesem Gleichnis der
ungerechte Haushalter getan hat, nämlich daß er Schuldverschreibungen seines
Herrn von den Schuldnern auf die Hälfte herabsetzen ließ, um sich bei ihnen
in größere Gunst zu setzen, das taten auch die Pharisäer in ihren
Religionsgesetzen, indem sie den Reichen die Befolgung derselben
erleichterten, wenn diese sehr gut dafür bezahlten. So waren sie mit den
Armen streng und mit den Reichen nachsichtig, wie es eure Priesterschaft noch
heute ist.
04] Die Lehren, welche Ich
Meinen Jüngern gab: Meine Mahnung, sich mittels des Mammons Freunde zu
erwerben, auf daß sie im Notfall nicht zu darben brauchen; dann der
nächstfolgende Vers: "Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen
treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen
ungerecht!"; ferner: "So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht
treu seid, wer will euch das Wahrhafte anvertrauen; und ferner: "So ihr
in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer
ist?"; wie auch der folgende Vers: "Kein Hausknecht kann zwei
Herren dienen; entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder
umgekehrt!", was geistig auch heißt: "Ihr könnt nicht Gott und dem
Mammon dienen!"; - alle diese Verse enthalten, mit nur wenig
Unterschied, das gleiche; nur der neunte Vers steht in scheinbarem
Widerspruch mit den folgenden, weil dort angeraten wird, sich mit dem Mammon
Freunde zu machen, auf daß im Falle der Not eine Freundeshand uns
unterstütze, während in den anderen Versen gerade mehr darauf hingewiesen
wird, daß man nicht zwei Herren dienen könne, und im dreizehnten Vers es
sogar deutlich gesagt ist: "Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon
dienen!" Denn wie kann sich jemand mit dem Mammon Freunde erwerben und
dabei Gott dienen?
05] Ihr seht, hier bestehen dem
Scheine nach Widersprüche; denn Gott und der Mammon, d.h. die materielle
Welt, ihre Schätze und ihre Genüsse, sind doch gewiß entgegengesetzte Dinge,
und es ist ganz natürlich, daß derjenige, der dem Mammon oder der Welt
huldigt, nicht ebenfalls Gott lieben und Seinen Lebensregeln folgen kann.
06] Um die Widersprüche zu
lösen, wollen wir diese Verse etwas näher betrachten und versuchen, trotz
ihres scheinbaren Gegenüberstehens das gemeinsame Bewegen nach einem Ziel
nachzuweisen.
07] Seht, wenn Ich in diesem
Gleichnisse sagte, daß der schlechte Haushalter die Schuldverschreibungen
seines Herrn bedeutend herabsetzen ließ, so bedeutet das geistig eigentlich
nichts anderes, als daß die Fehler des Menschen, welche er gegen Mich als
höchstes Wesen begangen hat in Rücksicht auf seine eigene Natur und auf die
Verhältnisse, in welchen er leben muß, milder betrachtet werden. Wollte Ich
ohne diese Berücksichtigung eure Taten beurteilen oder euch gar bestrafen, so
stünde es wohl sehr schlecht um die ganze Menschheit. Das Ende müßte eine
zweite Vernichtung des ganzen Menschengeschlechts, wie einst bei der Sündflut
sein. Die Menschen wieder neu erschaffend, müßte Ich sie - wollte Ich nicht,
daß sie in dieselben Fußstapfen fielen - zu Maschinen, aber nicht zu freien
Menschen machen.
08] Wenn es heißt:
"Erwerbt euch Freunde mit dem Mammon!", so will das soviel sagen
als: Erleichtert dem mit Sünden und Gewissensbissen Beladenen seine Last!
Stellt ihm vor, daß seine Schuld gegen Mich zwar groß ist, aber von seiner
Seite nicht als untilgbar angesehen werden soll! Beweist ihm, daß der Mensch
ohne die Welt nicht auf Erden leben kann, sondern daß er mit seinen
Nebenmenschen leben muß; nur soll er das Gute wirken, soviel in seinen
Kräften steht, wenngleich er durch schlechte Einflüsse daran gehindert werden
sollte. Lehrt ihn, daß er Mich nicht als höchsten, strengen Richter, sondern
als liebenden Vater ansehen soll, welcher bei Vergehungen wohl weiß, wieviel
eigene Schuld und wieviel Schuld der Welt in Anrechnung zu bringen ist!
09] Auf diese Art macht ihr
selbst den Beunruhigten ihre Last leichter und versöhnt sie mehr mit der
Welt, der sie sich vielleicht aus zu großem Eifer entziehen wollten. Indem
ihr ihnen, sie so tröstend, guten Rat erteilt, entspricht euer Handeln den
Worten: "Machet euch Freunde mit dem Mammon!" So gewinnt ihr die
Herzen anderer, welche auf anderen Wegen, vielleicht verzweifelnd, entweder
sich der Welt ganz in die Arme geworfen hätten oder an Gott, Ewigkeit und
sogar an der Existenz ihrer eigenen Seele verzweifelt wären.
10] Der nächste, zehnte Vers,
welcher besagt, daß derjenige, der im Geringsten treu ist, es auch im Größten
sein wird, bedeutet: Wenn ein Gläubiger es einmal erfaßt hat, daß er mit
seinen schwachen Kräften der Welt widerstehen kann, indem er sich von ihr
nicht verleiten läßt, sondern allem nur den Wert zuerkennt, den es eigentlich
hat, so wird er sich durch materiellen Glanz nicht blenden lassen und,
sollten ihn die Verhältnisse einst weltlich höher stellen, auch dann seine
Treue in bezug auf seine Grundsätze bewahren, wie er es bei geringen Kräften
und in beschränktem Wirkungskreise früher ebenfalls getan hat.
11] Das bestätigt auch der
zwölfte Vers; denn das ,Fremde` bedeutet eure materielle und das ,Eigene`
eure geistige Bestimmung. Sich ganz dem einen oder dem andern hinzugeben, ist
natürlich nur dann möglich, wenn man das eine ganz hintansetzt und nur dem
andern huldigt (was besagen will, daß man nicht zwei Herren dienen kann),
während es doch angängig ist, daß man das eine benutzen kann, um im andern
seinen Zweck vollends zu erreichen. Nur so ist es möglich, daß Menschen sich
Mir nähern und ihre geistige Vervollkommnung anstreben können, nämlich wenn
sie, wohl in der Welt lebend, diese und alle ihre Reichtümer und Schätze
benützend, doch keinen andern Zwecks im Auge haben, als durch weise Anwendung
des ihnen Anvertrauten dem Nächsten und durch ihn Mir selbst am meisten zu
beweisen, wie sie Meine zwei Liebesgesetze aufgefaßt haben.
12] Das nachfolgende Gleichnis
vom reichen Prasser und dem armen Lazarus sollte Meinen Zuhörern noch mehr
zeigen, welche Folgen es hat, wenn man sich dem Mammon ganz hingibt, statt
ihn zu geistigen Zwecken zu verwenden. Es sollte ihnen zeigen, daß auf diese
Art der eine seinen Lohn schon auf Erden empfängt, während dem andern die
Vergeltung für ein anderes, und zwar längeres Leben aufgespart wird, und daß
das eine Leben von kurzer, das andere aber von ewiger Dauer sein wird. Der
Weg zur Seligkeit wird dem weltlich Gesinnten ebenso unmöglich sein - außer
aus seinem Innern heraus - wie dem schon Guten der Rückschritt zur Welt.
13] Daß der Reiche in seiner
Qual gebeten hatte, wenigstens seine Brüder zu retten, worauf Abraham ihm
antwortete, daß den, der seiner Religion und ihren Grundsätzen nicht glaubt,
auch die Toten - kehrten sie auf die Welt zurück - nicht bekehren würden,
will sagen, daß diejenigen, welche sich der Welt oder dem Mammon ganz
hingegeben haben, wenig darauf achten würden, wenn selbst überirdische
Einflüsse bei ihnen sich geltend machten, weil sie, selbst zu niedrig
gesinnt, das Überirdische längst als nicht bestehend ansehen und durch Taten
und Worte verleugnet haben.
14] Aus dem ganzen Evangelium
vom ungerechten Haushalter geht also hervor, daß ihr Menschen - und besonders
auch ihr, welche Ich mehr als andere in Meine Schöpfungsgeheimnisse und in
Meine Lehre einführen will -, wollt ihr euch Freunde und Mir Kinder erwerben,
ihr vorerst nicht durch zu überspannte Anforderungen den andern den Weg
erschweren dürft, und daß ihr selbst bei euch, wenn ihr fehlet, es Meiner
Gnade überlassen sollt, inwieweit Ich euch eure Fehler anrechne oder nicht.
15] Das Zuviel ist in keiner
Hinsicht von Nutzen, sondern überall nur schädlich. Ihr müßt euch und andern
den Weg zu Mir nicht erschweren, nicht Meine Geister sein wollen, während ihr
noch schwache Menschen seid! Dieses Streben verträgt eure menschliche Natur
nicht. Ihr könnt doch ganz Liebe für Mich, ganz Liebe gegen euren Nächsten
sein und mitten in dem weltlichen Treiben eure sittliche Reinheit bewahren;
ihr könnt Mir ganz dienen, ohne der Welt den Rücken wenden zu müssen.
16] Seht ihr denn nicht, wie
Ich selbst die weltlichen Ereignisse benütze, um die Menschheit geistig zu
erziehen? Ich selbst verachte nicht und kann nicht hassen, was Ich selbst
geschaffen habe; nur ist dies der Unterschied, daß alles Gebaren der
Menschen, so schlecht es auch von seiten des einen oder andern sein mag, Mir
doch zur geistigen Vervollkommnung Meiner Kinder und der gesamten Menschheit
dienen muß.
17] So wie Ich als höchster
Richter und Regent verfahre, so sollt auch ihr tun! Ihr sollt die Umstände,
Verhältnisse und Zusammenhänge, die euch auf eurem Lebensweg begegnen,
ebenfalls so benutzen, daß ihr am meisten durch die Taten an euren Nebenmenschen
Meinen Zweck fördern helft. Dann ist es nicht nötig, Verstorbene
heraufzubeschwören - wie der Reiche im Gleichnis glaubte, verlangen zu sollen
-, wenn ihr Lebenden die besten sichtbaren Zeugnisse dafür seid, daß mitten
im Weltgetümmel die menschliche Seele, eingedenk ihrer hohen Mission, nicht
zwei Herren, sondern nur einem Herrn, und zwar dem Herrn des ganzen
Universums, nämlich Mir allein, dienen kann, ohne die Verhältnisse unbenützt
zu lassen, die wohlweislich nur dazu da sind, um die große Aufgabe der
Menschenkinder zu beschleunigen und glorreich zu Ende zu führen.
18] So erseht ihr aus einem
Gleichnis, in dem die Ungerechtigkeit als Beispiel dient, wieviel Nutzen
selbst aus Umständen gezogen werden kann, die dem Anscheine nach schlecht sind,
deren Endresultat aber das Herrlichste ist, das Ich als Gott, als Jesus
angestrebt habe, und das ihr als Meine Kinder mit vollenden helfen sollt!
Amen.
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00] Trauer Jesu über Jerusalem (Lk.19,41-46): Und als er nahe
hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach: "Wenn doch
auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet! Aber
nun ist's vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen,
daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg
schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen
und keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkannt hast die
Zeit, darin du heimgesucht bist." Und er ging in den Tempel und fing an
auszutreiben, die darin verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: "Es
steht geschrieben: ,Mein Haus ist ein Bethaus`; ihr aber habt`s gemacht zur
Mördergrube!"
01] Schon in den Mitteilungen
über ,Die geistige Sonne` findet ihr erklärt, was es heißen will: "Und
Jesus weinte!"
02] Dort ist euch gezeigt, daß
diese Worte in geistiger Beziehung den tiefsten Schmerz Gottes ausdrücken,
welcher Seinen Kindern Sein ganzes Himmelreich auf ihre Erde brachte, ja
ihnen ihren Schöpfer und Herrn aller Welten in sichtbarer Gestalt zeigte, und
wie die Verblendeten trotz alledem Ihn, den Ausdruck der höchsten Liebe,
Demut und Gnade nicht erkannten. Sie verübten an Ihm was nur Verächtliches
und Schmerzliches an einem Menschen geschehen kann, wie sie auch Seine Lehre,
die Lehre der Liebe, der Versöhnung und des Vergessens, mit Füßen traten.
Eben diese große Verblendung der meisten Seiner Zeitgenossen war es, welche
dem großen Schöpfer, sichtbar als Jesus verkörpert, die Wehmutstränen
auspreßte. Er weinte über den Verfall der Hauptstadt des Judenvolkes und sah
dessen gänzliches Aufhören als selbständige Nation voraus, woran sich bis in
ferne Zukunft auch die entgegengesetzte Geistesrichtung knüpfte, welche diese
einst von Mir zum Größten ausersehene Nation bis auf den heutigen Tag
verfolgt hat.
03] Das Frohlocken Meiner
Jünger, welche in Meinem Einzug in Jerusalem den Gipfel Meiner Mission zu
erkennen wähnten, war den Pharisäern und Schriftgelehrten nicht recht, und
auf die Forderung, Meinen Jüngern eine Zurechtweisung zukommenzulassen,
antwortete Ich: "Lasset sie frohlocken; denn wenn sie schweigen, werden
die Steine reden!"
04] Ich wollte diesen betörten
Menschen damit sagen, daß wenn das Frohlocken Meiner Jünger sich in Trauer
verwandeln wird, kurze Zeit darauf die Steine der zerstörten Mauern ihrer
Stadt und ihres Tempels ihnen zeigen werden, daß sie Mich nicht erkannt
haben, der Ich in ihre Mauern mit der Friedenspalme einzog. Sie erkannten
weder den göttlichen Lehrer, noch Seine himmlische Lehre, und sehnten sich
nur nach weltlichem Glanz und Prunk und nach einem weltlichen Messias, der
sie in ihrem Wohlleben und unlauteren Genuß noch mehr bestärken und festigen
solle.
05] Keine fünfzig Jahre waren
nach Meinem Tod vergangen, und Mein Mahnruf ging schon in Erfüllung. Das
auserwählte Volk hatte aufgehört, als selbständiges Volk zu existieren. Wie
Ich einst im Tempel die Verkäufer und Käufer austrieb, die aus dem Bethaus
eine Marktbude gemacht hatten, so wurden später die Juden aus Jerusalem
vertrieben, weil sie, was früher im Tempel geschehen war, auch in der Stadt
fortgesetzt hatten, d.h. sie hatten das geistige, höhere Leben des Menschen
gänzlich vergessen und nur weltlich gesinnt nach Genüssen, nach Macht und
Reichtum getrachtet. So erfüllten sie selbst Meine Weissagung, die Ich vom
Schmerz betrübt über die Mauern Jerusalems und ihren Tempel aussprach.
06] Wie Ich in jener Zeit den
verirrten Menschen Meine Klageworte zugerufen habe, so möchte Ich sie auch
jetzt dem lebenden und kommenden Geschlecht wieder zurufen; denn Ich bin nun
ebenfalls betrübt über das Schicksal so mancher Seelen, die Ich selbst als
Gott nicht retten kann, weil Ich ihnen ihre Freiheit des Handelns nicht
nehmen darf.
07] So sehe Ich auch jetzt, wie
das Schiff der Menschheit mit vollen Segeln gegen Felsen und Klippen steuert,
sehe das Zerschellen aller ihrer Hoffnungen und geträumten Glückseligkeiten
voraus, sehe, wie viele Tausende und aber Tausende erst spät, ja zu spät
erkennen werden, was sie hätten tun sollen, aber doch nicht getan haben. Auch
zu ihnen möchte Ich, wie einst zu Jerusalem und seinen Einwohnern, sagen: "Möget
ihr doch bedenken, was euch zum Frieden dient; denn es wird die Zeit kommen,
wo ihr alle bitter fühlen werdet, was ihr nicht erkannt habt zu der Zeit, als
ihr durch Meinen Segen und Meine Gnade heimgesucht worden seid!"
08] Die Wehklagen über Jerusalems
unausweichbares Schicksal könnte Ich auch heute wiederholen; denn die
törichte Menschheit erkennt auch heute nicht ihre Mission, den Zweck ihres
Geschaffenseins und den Zweck des jetzigen und künftigen Lebens. So muß denn
auf ganz natürlich-geistigem Wege die Reaktion eintreten, welche, Meinen
göttlichen Gesetzen gemäß, die Geister, Seelen und Wesen wieder in jene
Schranken zurückweist, in welchen sie allein den Grad der Vervollkommnung
erreichen können, den Ich ihnen als höchstes Ziel gesetzt habe.
09] Traurig ist es oft für
einen irdischen Vater, wenn er sieht, wie seine Kinder trotz aller
Aufopferung, Liebe und Sorgfalt, die er für ihre geistige und moralische
Erziehung verwendet hatte, doch mißraten und den verkehrten Weg einschlagen,
statt einst der Trost und die Freude seiner alten Tage zu werden, wie sie ihm
mit Gram, Sorgen und oft mit Schande vergelten, was er aus Liebe für sie
getan hat. Aber was bleibt ihm, dem Enttäuschten, übrig? Er kann die
Individualität seiner Kinder nicht beherrschen; sie sind geistig frei und
können denken und tun, was sie wollen. So sieht ein Elternpaar oft all seine
so schön aufgebauten Hoffnungen eine nach der andern verschwinden, wie
Luftschlösser zusammensinken, ohne im mindesten helfen zu können.
10] Was hier den weltlichen
Eltern geschieht, das geschieht in noch intensiverem Grade auch Mir. Ich, der
Schöpfer des ganzen Universums, muß sehen, wie Meine Geschöpfe, von Mir zur
höchsten geistigen Würde erschaffen, gerade den verkehrten Weg gehen, statt -
eingedenk ihrer hohen Abkunft - dem Geistigen entgegenzueilen; Ich muß sehen,
wie das Geistige mit Füßen getreten, höhnisch verlacht und als Hirngespinst
verrückter, fanatischer Frömmler hingestellt wird, während man den
grobmateriellen Genuß des weltlichen Lebens als Höchstes preist; Ich muß
sehen, wie gerade das äußere Kleid als Hauptsache und der geistige Inhalt,
welcher unter dieser Umkleidung steckt, als Nichts betrachtet wird.
11] Auch hier gilt, was Ich
einst zu den Pharisäern sagte: Wenn auch Meine Jünger und Meine Anhänger
schweigen, so werden doch die Steine - d.h. das ganze, materielle Naturreich
- reden und dem Menschen überall zurufen: "Wache auf, Mensch, aus deinem
weltlichen Taumel! Vergebens suchst du deine Bestimmung und deinen Schöpfer
wegzuleugnen! Wenn du auch Seinen hinterlassenen Lehren aus der Zeit Seines
sichtbaren Lebenswandels keinen Glauben schenken willst, wenn du auch die
Stimme in einem eigenen Herzen übertäuben willst, die dir als etwas
,Gewisses` doch immer wieder zuruft und dich ermahnt, wenn du all dieses
ableugnen willst, - so betrachte die Natur! "
12] Die eifrigsten Grübler,
Naturforscher und Untersucher der Materie, alle kommen am Ende dazu und
müssen trotz ihres Sträubens dazu kommen, daß hoch über der Materie ein großer
Geist lebt, der die kleinsten Atome wie auch die großen Welten zu einem
Ganzen vereinigt, und der, wie aus allen Werken zu ersehen ist, nur ein Gott
der Liebe, der Gnade und der Langmut sein kann, der - wie einst im Beispiel
vom verlorenen Sohn gesagt wurde - über einen Wiedergefundenen mehr Freude
hat als über neunundneunzig Gerechte, die des Trostes nicht bedürfen.
13] ,Es ist ein Gott!` Dieser
Ruf tönt aus allem hervor. Selbst die Verkettung der politischen und sozialen
Verhältnisse zeigen dem aufmerksamen Beobachter deutlich genug, daß nicht
immer geschieht, was der Mensch bezwecken will, sondern daß sowohl beim
einzelnen Menschen, wie auch bei ganzen Völkern die Ergebnisse des
Angestrebten oft ganz andere als die erhofften sind. Überall zeigt sich diese
Macht der Gottheit - liebend den Liebenden, zürnend den Zürnenden, versöhnend
den Versöhnenden.
14] Und wie Ich einst über die
Blindheit der Bewohner Jerusalems Tränen des göttlichen Schmerzes vergoß,
weil Ich voraussah, wie diese verirrten Kinder sich zuerst an Mir -
körperlich -, dann an Meiner Lehre - geistig - vergehen würden, und wie sie
endlich selbst den Tod erleiden würden, als Nation für immer aufzuhören, weil
sie es selbst nicht anders gewollt hatten, so füllt sich auch jetzt Mein Herz
ob der Blindheit des Menschengeschlechts mit Trauer.
15] Überall lasse Ich Funken
Meines Himmelslichts ausstreuen, überall ertönt Mein Vaterruf: ,Kehrt um, ihr
Betörten! Vernehmt Meinen Ruf, vernehmt die Stimme eures himmlischen Vaters,
der euch mahnt, ehe die große Katastrophe heranrückt - wie einst über
Jerusalem und seine Einwohner! Vernehmt die Stimme, die euch die Augen öffnen
und euch zeigen möchte, wie leichtsinnig ihr alle am Abgrund der Ewigkeit wie
Betrunkene umhertaumelt und jeden Augenblick in Gefahr seid, auf lange Zeit
von diesem verschlungen zu werden. Unreif, unzeitig werdet ihr dann in jenen
zeitlosen Räumen nur unter vielen Beschwerden und mit großen Mühen das
erreichen können, was hier in diesem irdischen Probeleben mit so leichter Mühe
zu gewinnen ist!`
16] So wie damals die
Zerstörung Jerusalems nur kurze Zeit nach Meinem Hingang erfolgte, so wird es
auch jetzt nicht mehr lange währen, bis eure sozialen Verhältnisse, von denen
ihr glaubt, sie bestünden für immer, zusammenstürzen werden.
17] Damals galt die Zerstörung
einer Stadt und einem Volke, jetzt gilt sie vielen Städten und vielen
Nationen, sie gilt der ganzen Erde und der darauf lebenden Menschheit.
18] Damals hörte nach der
Zerstörung Jerusalems der jüdische Kultus im großen und ganzen auf, und Meine
Lehre fing an unter den Heiden statt unter Meinem Volk, den Juden, die ersten
Früchte zu tragen. Ebenso werden jetzt die sogenannten Vertreter Meiner Lehre
aufhören, ihr sündiges Spiel mit Meinen Worten und Meiner Lehre zu treiben.
Dort fielen die Mauern des Tempels, welche gleichsam das Volk vom Heiligtum
trennten; jetzt fallen die geistigen Mauern. Was bis jetzt Eigentum einer
Kaste war, wird nunmehr Gemeingut werden. Vom Tempel blieb kein Stein auf dem
andern, Verwüstung und Greuel nur bezeichneten die Stätte, an der der große
Gott, aber falsch und unverstanden, verehrt wurde. Die zerstörten Ringmauern
der Stadt waren die einzigen Überreste, welche andeuteten, daß dort die
Hauptstadt eines Volkes stand.
19] Ebenso wird es jetzt im
Geistigen werden. Man wird nur mit Mühe erkennen können, wo einst unter
lauter Lügengeweben die reine Wahrheit verborgen und vergraben lag. Die
Finsternis wird schwinden, und nicht die trübe Lampe eines Tempelgewölbes,
sondern die allmächtige Sonne des geistigen Lichts wird alles erleuchten und
alles erwärmen. Auf den Ruinen des Wahns und des Truges wird man den ewig
grünenden Baum der Hoffnung pflanzen, welcher - stets nach oben, nach dem nie
vergehenden Himmelreich strebend - ein Symbol des Wegs für die
übriggebliebene Menschheit sein wird.
20] Daher, Meine Kinder, weil
Mein Gnadenlicht auf die große Masse der Verirrten umsonst scheint, was Ich
mit betrübten Augen und bekümmertem Herzen erkennen muß, so nehmt ihr das
Gnadenlicht auf, und bedenkt, daß Ich euch unter so vielen Tausenden deshalb
auserwählt habe, um einst nach dem zerstörten Wahngebäude des Truges die
ersten festen Bausteine des neuen Tempels eines neuen Jerusalems zu sein!
21] Einst wandelte Ich sichtbar
unter Meinen Kindern, und sie erkannten Mich nicht; jetzt aber, wo ihr Mich
erkennt oder wenigstens die Gelegenheit dazu habt - sei es durch Meine Worte,
sei es durch Meine Werke -, Mich als liebenden Vater zu erfassen, jetzt
trachtet doch wenigstens ihr danach, euch vom allgemeinen Verfall zu retten,
damit ihr, wenn die Mauern des Alten, Angewöhnten einstürzen, aufrecht stehen
bleibt! Beweist durch eure Ausdauer und euer Vertrauen, daß, wenn Ich auch
jetzt wieder über viele Verlorene Tränen des Schmerzes vergießen muß, es doch
noch einzelne gibt, die den Liebesblick des Vaters zu begreifen und zu
verstehen wissen und die, trotz des vielen Traurigen, ein Anhaltspunkt einer
künftigen, nie versiegenden Freude werden können!
22] Wenn andere Tränen des
Mitleids verdienen, so trachtet ihr danach, daß in Meiner Geisterwelt über
euch, euer Verhalten und eure Ausdauer Tränen der Freude und der Wonne
vergossen werden, welche die größten Beweise eures Sieges sein sollen! Amen.
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00] Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Lk.18,09-14): Er
sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und
verachteten die andern, ein solch Gleichnis: "Es gingen zwei Menschen
hinauf in den Tempel, zu beten; einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: ,Ich danke dir, Gott,
daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder
auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten
von allem, was ich habe.` Und der Zöllner stand von ferne, wollte seine Augen
nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: ,Gott,
sei mir Sünder gnädig!` Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in
sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden;
und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden."
01] In mehreren Evangelien, die
Ich bis jetzt erklärt habe, waren Gleichnisse, durch deren Vorkommnisse im
gewöhnlichen Leben Meine Lehre oder eigentlich nur Meine zwei Liebesgebote
erläutert wurden, und von denen noch mehrere folgen werden.
02] Diese Erklärungen haben vor
allem den Zweck, anderen Deutungen vorzubeugen, wie auch Moses Meine Gebote
in zehn anderen näher bezeichnete, weil die Menschen sich nur zu oft bloß an
den Buchstaben haltend, des Wahnes sind und auch waren: was in den Gesetzen
nicht besonders erwähnt werde, sei auch nicht verboten.
03] Da Ich während Meines Erdenwandels als Lehrer die
Beschränktheit der Begriffe Meiner Jünger und sonstiger Zuhörer wohl kannte,
wählte Ich öfters Beispiele, Gleichnisse und Vergleichungen von materiell
Bestehendem mit geistig Unsichtbarem, um niemand in Zweifel zu lassen, wie er
Meine Lehre auffassen und wie er die ihm schon früher gegebenen kirchlichen
Gebote verstehen solle.
04] Hier in diesem Evangelium
seht ihr wieder, wie Ich besonders den Pharisäern, welche stets im
Eigendünkel lebten, als seien sie besser als das andere Volk, ein Gleichnis
gab, welches ihre Fehler berührte; denn sie glaubten, wenn sie nur die
religiösen Gebräuche hielten, so sei alles getan, und der Gott ihrer Religion
könnte sich damit zufrieden geben.
05] Ich erzählte ihnen von zwei
Menschen, von denen der eine, welcher die Satzungen seiner Religion in den
verschiedenen Gebräuchen dem Anscheine nach hielt, so ganz mit Hochmut und
Verachtung auf einen andern herabsah, welchen er weit unter sich glaubte,
weil sein Lebensberuf einer von denjenigen war, die in jener Zeit nicht im
besten Rufe der Redlichkeit standen.
06] Nun, dieser Vergleich des
einen, der in seinem übermütigen Stolze glaubte, nie oder nur wenig gesündigt
zu haben, mit dem andern, der in vollster Demut sich seiner Vergehen, die von
der menschlichen Natur oft nur zu leicht begünstigt werden, bewußt ist, -
dieser Vergleich war geeignet, den unbändigen Stolz der Pharisäer zu
demütigen. Er gab auch Meinen Jüngern und Zuhörern über manche Meiner Taten,
die gegen die gewöhnlichen Gebräuche der Juden verstießen, eine Aufklärung,
damit sie alle erkennen sollten, was für ein Unterschied es ist, ein Gesetz
dem Worte oder Buchstaben nach zu halten oder es im geistigen Sinne zu
verstehen und zu befolgen.
07] Als Erklärung dieses
Beispiels sagte Ich Meinen Jüngern: "Wer sich selbst erhöht, wird
erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden!"
08] In den folgenden Versen
dieses Kapitels ist zum Ausdruck gebracht, daß ,gut` niemand genannt werden
kann als nur Gott, wobei Ich Mich, als Menschensohn, selbst nicht ausnahm.
Ich tat dies geflissentlich, damit sie alle hören und begreifen sollten, daß
das Wort ,gut` als Eigenschaft nicht so leicht zu erwerben und zu verdienen
ist, und daß viel, ja sehr viel dazu gehört, um auf eine solche Benennung
Anspruch machen zu können; denn das Wort ,gut` hat hier auch die Bedeutung
des Begriffes ,sündenfrei`.
09] In der weiteren Folge
dieses Kapitels sagte Ich bei der Gelegenheit, als man die Kindlein zu Mir
brachte, daß die Menschen, wollen sie auf Mein Reich Anspruch machen, den
Kindern gleichen müssen in bezug auf die Einfalt ihres Herzens, ihre Unschuld
und das unbeschränkte Vertrauen zu ihren Eltern. Denn nur derjenige, der
diese Eigenschaften des Kindes besitzt, wird durch Beten und Bitten den
Eingang in Mein Reich erzwingen können, - weswegen der erste Vers dieses
Kapitels sagt, daß man stets beten und nicht davon ablassen, d.h. daß man
alles im Hinblick auf Mich und Meine zwei einzigen Gebote vollführen solle. Um
das aber tun zu können, muß man auch fähig sein, seine Lieblingsgewohnheiten,
das am schwersten Entbehrliche nötigenfalls zu opfern, was Ich durch den
Vorfall mit dem Obersten näher erklärte; denn von diesem Manne verlangte Ich
gerade die Opferung dessen, was ihm am meisten ans Herz gewachsen war.
10] Das Gleichnis, daß ein
Kamel (Schiffstau) leichter durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in
den Himmel komme, will besagen, daß das erstere leichter zu bewirken sei -
obwohl es zu den Unmöglichkeiten gehört -, als daß ein Mensch, der noch an
weltlichen Dingen hängt, in Mein Reich des Geistes gelangen könne; denn nur,
wenn alles Weltliche dem geistigen Zwecke untergeordnet wird, ist von der
Stufe des Weltlichen ein Aufschwung ins Geistige möglich.
11] Das, was Petrus bei diesem
Vorfall mit dem Obersten zu dem Schlusse veranlaßte, sie seien Meine Jünger,
eben weil sie alles verlassen hätten und Mir nachgefolgt wären, zeigt klar,
wie leicht die Menschen ihre gebrachten Opfer überschätzen und schon auf
dieser Erde die Belohnung dafür erwarten, während diese ihnen vielleicht erst
im Jenseits, in dem Bewußtsein erfüllter Pflicht, zuteil wird. Meine Jünger
hatten davon deshalb eine andere Auffassung, weil sie alle noch sehr unter
dem Einfluß Meiner sichtbaren Persönlichkeit standen und daher nicht zur
eigenen Reife gelangen konnten. Ja, als Ich ihnen Meine Leidensgeschichte
voraussagte, begriffen sie es nicht; denn sie glaubten, wenn ihnen schon
wegen ihrer materiellen Aufopferungen hier und dort Seligkeiten versprochen
würden, umsomehr müßte Ich, der sündlos und rein vor ihren Augen
einherwandelte, deren teilhaftig werden.
12] Sie waren blind wie der
Blinde am Wege gen Jericho, sie hörten Mich wohl, aber sie verstanden nicht
den Sinn Meiner Worte. Und wie Ich diesen Blinden sehend machte, weil er fest
an die Möglichkeit der Heilung durch Meine Hand glaubte, so ward auch ihnen
mit der Ausgießung Meines Geistes über sie der geistige Star gestochen, und
sie begriffen dann erst ganz und sahen im hellsten Licht, was Ich ihnen in
vielen Gleichnissen und Bildern während Meiner dreijährigen Lehrzeit gesagt
hatte. Da erst begriffen sie, wer Ich war, was Meine Lehre zu bedeuten habe,
und was ihre eigene Mission sei.
13] Seht, dieses Evangelium
sagt euch vom Anfang bis zum Ende mit wenig Worten immer das gleiche! Es sagt
euch, wie im praktischen Leben das ,gut` oder ,ohne Sünde sein` so schwer
ist, und wie die Aufopferungsfähigkeit so viele tausend verschiedene
Abweichungen hat. Der Buchstabe des Evangeliums drückt eben nicht nur das
vermeinte Eine aus, sondern der Sinn des Evangeliums zielt im ganzen darauf
hin, den menschlichen Dünkel, man sei besser als der andere, herabzustimmen.
Daher der Hinweis auf die Demut, wie sie im Zöllner als Tugend, dann beim
Obersten als höchst Gefordertes, in den Kindlein als unbewußte Unschuld
versinnbildlicht, Meinen Jüngern als künftige Belohnung verheißen und von Mir
als irdischer Mensch auf Meinem letzten Leidensgange als höchstes Beispiel
ausgelebt worden ist!
14] So seht ihr die Stufen der
Demut vor euch, das Herabwürdigen der eigenen Natur vor dem zu erreichenden
geistig höchsten Standpunkt, den Ich euch als Mensch als ewiges Beispiel
zeigte.
15] Beachtet dieses Evangelium,
in welchem der Lehren tiefste in Worten und in Meinem eigenen Lebensgang vor
euren Augen stehen! Glaubt nicht, als wäret ihr schon etwas Besseres, weil
euch Mein Wort vor vielen anderen zuteil wird und ihr gleichsam aus Meinem
eigenen Munde erfahret, wie man es auffassen und im Leben ausüben soll!
16] Auch unter euch sind noch
viele wie der Oberst. Wenn für euch die Stunde heranrücken wird, wo auch ihr
dem Teuersten dieser Welt, welches ihr bis jetzt mit so vieler Ängstlichkeit
bewahrt habt, entsagen müßt, da seid versichert, daß viele von euch traurig
sein und sich von dannen schleichen werden wie der Oberste. Dann wird der
Probierstein an eure menschliche Natur gesetzt, wieviel des Geistigen ihr aus
Meinem euch so vielfach gespendeten Himmelsbrote mit eurem eigenen Ich
vermischt und euch angeeignet habt. Deswegen geht auch an euch der Ruf des
ersten Verses dieses Evangeliums: Betet und lasset nicht ab, damit euch stets
Kraft genug bleibe, unter allen Umständen und Verhältnissen nicht zu wanken,
sondern fest bei Mir zu stehen; denn nur den Ausharrenden werden im Jenseits
ihre weltlichen Verluste vergütet werden, den Schwankenden und Zweifelnden
aber nicht!
17] Betet ohne Unterlaß, daß
euch in jeder Beziehung der Hochmut oder der Stolz verlasse, und zieht das
Kleid der Demut an! Werdet wie die Kindlein! Glaubt vertrauensvoll an Meine
Verheißungen; denn das, was Ich euch jetzt sage, ist ja nichts Neues! Schon
vor mehr als tausend Jahren wurde es von Mir Meinen Jüngern und gläubigen
Zuhörern gegeben! Schon lange liegt es, wie ihr sagt, schwarz auf weiß vor
euren Augen; aber blind wie der Bettler von Jericho seht ihr nicht das Licht,
das aus diesen Worten strahlt. In eurem Herzensdrange rufet auch ihr oft zu
Mir: "O Herr, mach mich sehend Und es ergeht auch denjenigen unter euch,
die vertrauensvoll wie der Blinde von Jericho sich Meinen Händen anvertrauen,
so, wie es in diesem Evangelium heißt: "Wer ohne Unterlaß betet und
bittet, den werde Ich erhören!"; denn auch ihnen wird ihr Glaube, wie
jenem Blinden der seine, helfen.
18] Ihr bekommt jetzt in diesen
Sonntagspredigten so viel Licht aus Meinen Himmeln, daß es unmöglich scheint,
daß ihr über den eigentlichen Sinn Meines Wortes, wie es einst gesprochen
wurde, noch Zweifel hegen könnt, ferner darüber, wie es ausgeführt werden
soll, und daß es jetzt selbst in der sozialen und politischen Entwicklung
eures gesamten Weltteils, dem Endresultat, der endlichen Vergeistigung der
menschlichen Seele entgegengeht.
19] Ich sagte Meinen Jüngern
Meine Leiden und Meinen Tod voraus, sagte ihnen aber nicht, daß eben diese
Leiden und dieser Tod der größte Triumph, der größte Sieg des Geistigen über
die menschliche Natur seien und bleiben würde. Ich verschwieg es, weil sie
Mich nicht verstanden hätten; aber nun sage Ich es frei heraus, daß alles
dahin drängt, zur Reife zu bringen, was Ich in jenen drei Lehrjahren als
Samen ausgesät habe. Meine Lehre wird trotz aller blutigen und scheußlichen
Vorgänge, denen sie in vielen Jahrhunderten als Deckmantel dienen mußte, am
Ende doch siegend hervortreten, wenn die Menschheit durch Leiden und Trübsale
gezwungen sein wird, sich all des Unflats zu entledigen, welcher ihr noch
anklebt.
20] Was Mir in jenen Zeiten
geschah - die Leiden und Kämpfe und selbst der Tod, der aber durch die
Auferstehung und Himmelfahrt zum Sieg gekrönt wurde -, das geht jetzt mit der
Menschheit vor. Was Ich damals als Mensch litt, wird jetzt die Menschheit
leiden müssen.
21] Das Weltliche muß
verspottet, verachtet, gekreuzigt werden, soll das Geistige im Menschen
auferstehen, soll eine Annäherung mit Meinem Geisterreich möglich werden!
22] Ich ging in jener Zeit mit
dein Beispiel voran, und die Menschen müssen jetzt nachfolgen. Wohl dem, der
schon früh Hand anlegt und abstreift, was als weltlicher Ballast sein
Aufschwingen in höhere Geistesstufen hindert! Er gewinnt viel im voraus, und
die zu tief in der Materie stecken und Meinen Ruf zum Erwachen nicht
vernehmen wollen, denen wird es ergehen wie den Mauern von Jericho, welche
bei den Trompetenstößen einstürzten. Sie werden ihrer Vernichtung ebenfalls
nicht entkommen, weil sie, nur Materie, in das Geistige Reich nicht
aufgenommen werden können.
23] Nicht umsonst sind diese
dreiundfünfzig Predigten für die Menschheit kundgegeben. Für euch und für
alle die, welche einst durstig nach Lebenswasser lechzen werden, sind sie
gegeben. Alle sollen sehen, welche Fülle von Liebe, Wahrheit und Lebenswärme
in den von Meinen Jüngern aufgezeichneten Evangelien verborgen liegt, für
welche aber bis jetzt noch das geistige Verständnis bei der Mehrzahl fehlte.
24] Um euch also die
Evangelien, mit mehr als sieben Siegeln verschlossen, zu öffnen und durch
diese Bücher den Weg zu Mir und Meinen Himmeln anzubahnen, sende Ich euch
diese Erklärungen. Sollen sie Nutzen bringen, müssen sie nicht allein
gelesen, sondern im Leben ausgeübt werden, damit Ruhe, Frieden und Trost
denjenigen im vollsten Maße werde, welche es sich zum Ziel gesetzt haben,
Meine Kinder zu werden. Amen.
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00] Heilung eines Taubstummen (Mk.07,32-37): Und sie brachten
zu ihm einen Tauben, der stumm war, und baten ihn, daß er die Hand auf ihn
legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die
Ohren und spützte und rührte seine Zunge und sah auf gen Himmel, seufzte und
sprach zu ihm: "Hephata!", das ist: ,Tu dich auf!` Und alsbald
taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und er redete
recht. Und Jesus verbot ihnen, sie sollten`s niemand sagen. Je mehr er aber
verbot, desto mehr sie es ausbreiteten, und das Volk wunderte sich über die
Maßen und sprach: ,Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und
die Sprachlosen redend!"
01] Die schnelle Heilung eines
Taubstummen, von der diese Verse erzählen, war eine von jenen Taten, mit
welchen Ich von Zeit zu Zeit Meine Lehre bekräftigen mußte, damit Meine
Jünger, sowie das Volk, welches Mir nachfolgte, auch durch Taten überzeugt
wurden, daß Meine Worte göttlicher Abstammung sind. Diese Taten sollten auch
Mein Dasein auf eurer Erde als eine höhere Mission als die eines Propheten
und Sehers begründen und beweisen. Denn das Volk, durch scheinbare
Wunderwerke der Magier und Essäer daran gewöhnt, Dinge vor seinen Augen
verrichtet zu sehen, welche es nicht begreifen konnte, legte nur zu leicht
dem einen oder dem andern einen Namen oder eine Kraft bei, die ihm nicht
eigen war, weswegen Ich hauptsächlich nur Heilungen oder solche Wunder
vollführte, die jenen Gauklern und Magiern nicht zu verrichten möglich waren.
02] Was den Akt der Heilung
selbst betrifft, so wie Ich ihn verrichtete, hat er einen tieferen, geistigen
Sinn als nur den, daß Ich einen Taubstummen heilte, damit er dann von Mir und
Meiner Wunderkraft reden sollte. Ich hatte derlei Anpreisungen nicht nötig,
ja - wie einer der Verse deutlich sagte - Ich verbot dem Geheilten sowie den
Zeugen, von dieser Tat weiter zu reden. Dies wurde aber nur selten befolgt;
denn eben durchs Verbot erwacht der Drang zum Sündigen noch stärker. Auch
Mein Jünger Paulus empfand dies, indem er seufzend sagte: "Wäre nicht
das Gesetz, so wäre nicht die Lust, dagegen zu sündigen!" Er bekannte in
diesen Worten die Schwäche der menschlichen Natur und warnte zugleich vor der
zu großen Sicherheit, eine gewisse Stärke erlangt zu haben, damit man nicht
unverhofft desto tiefer falle.
03] Was das Verständnis der
geistigen Bedeutung dieser Heilung des Taubstummen für euch alle betrifft, so
müßt ihr die Worte ,taub` und ,stumm` recht ins Auge fassen und dann aus der
gegebenen Erklärung die geistigen Schlüsse herausfinden.
04] Die Handlung wurde einer
Sonntagspredigt deshalb zugrunde gelegt, um euch Mir näherzurücken. Denn ihr
müßt wissen, daß in jedem Wort, das Ich sprach, und noch mehr in jeder
Handlung, die Ich während Meines Erdenwandels verrichtete, die Hauptsache bei
weitem mehr das Geistige war als der Akt der Tat, die Gelegenheit oder die
Umstände, bei welchen Ich Meine Lehre dem Mir nachfolgenden Volk kundgab.
Jedes Meiner Worte hatte einen weittragenderen Sinn, als jene Zuhörer ahnten
und auch heutzutage noch die meisten Bibelerklärer und -forscher gefunden
haben.
05] Deswegen muß Ich auch hier
diese beiden Worte ,taub` und ,stumm` etwas näher erklären, damit wir durch
geistige Entsprechung leichter herausfinden können, was jetzt zu Meinem
Zwecke paßt, und was schon in jener Zeit in Meinem Wort ,Hephata` und in der
Handlung, wie auch in der Person, an welcher Ich die Handlung vollzog, lag.
Denn es war kein Zufall, daß ein Taubstummer auf diese besondere Art von Mir
geheilt werden mußte, während Ich bei anderen Gelegenheiten Blinden, Lahmen,
Aussätzigen und anderen nur durch Mein Wort oder durch Auflegen Meiner Hände
die Gesundheit wiedergab.
06] Seht, um dies alles geistig
aufzufassen und zu begreifen, müssen wir diese beiden Worte ,taub` und
,stumm` näher betrachten, woraus sich das Weitere dann von selbst erklären
wird.
07] ,Taub` sein ist ein
Zustand, bei dem der innere Geistesmensch, um einen Sinn ärmer, so manches
von den Annehmlichkeiten und geistigen Einflüssen der Außenwelt entbehren
muß, was dem gesunden Menschen durch das Gehör von allen Seiten zuströmt.
Letzterem wird dadurch bewiesen, daß selbst in dem Vibrieren der Materie, das
den Schall bewirkt, weit Größeres, Geistigeres liegt, als er wähnte; denn die
Eindrücke des Schalls bilden, vom leisesten Geräusch bis zur höchsten
Harmonie der Musik oder bis zum noch höheren Ausdruck aller geistigen
Begriffe im Wort, eine große Stufenreihe von Genüssen, Erklärungen und
Kundgebungen Meiner Göttlichkeit und Ewigkeit in der ganzen materiellen
Schöpfung, welche alle dem Tauben fremd und nicht erklärbar sind, sowenig wie
dem Blinden die Farben, zumal wenn diese Mängel von Geburt an bestehen.
08] ,Stumm` ist wieder das
Entgegengesetzte von ,taub`. Während nämlich im Tauben der innere Mensch
tausender Einflüsse von außen durch das Nichthören beraubt wird, so muß
umgekehrt der Stumme, des Mittels der Sprache beraubt, den Mangel fühlen, die
Einflüsse, welche die ihn umgebende Außenwelt auf ihn ausübt, nicht kundgeben
und die durch das Äußere in seinem Innern sich abspiegelnde Welt anderen
durch das größte und umfassendste Werkzeug, durch die Stimme und Sprache,
nicht mitteilen zu können. Es stehen ihm im besten Falle neben Gebärden und
Zeichen unartikulierte Laute zu Gebot.
09] Wie Ich in einem anderen
Wort an euch schon sagte, daß gegenseitige Mitteilungen ein Hauptbedürfnis,
ja ein notwendiges Mittel zum Fortschritt auf dem geistigen Wege sind, so
versteht es sich von selbst, daß derjenige, welcher stumm ist, eine ungeheure
Menge von Genüssen entbehren muß, was ihm erst dann zum Bewußtsein kommt,
wenn er das von außen Empfangene wieder durch Mitteilung zurückstrahlen
möchte.
10] Nachdem Ich euch die
Bedeutung dieser beiden Worte und die Nachteile des Verlustes der einen oder
der andern Eigenschaften näher erklärt habe, so könnt ihr euch einen rechten
Begriff von denjenigen Geschöpfen und Menschen machen, welche nicht nur den einen
oder den andern Sinn, sondern beide entbehren müssen.
11] Das Fühlen oder die
Aufnahme der von außen kommenden Harmonien und das Wiedergeben der durch
dieselben auf den Innenmenschen hervorgebrachten. Eindrücke fehlen. Es liegt
in diesem Mangel ein ungeheurer Hemmschuh des Fortschritts im Geistigen; denn
wer nur durch andere Mittel als durch das Gehör das außer ihm Liegende
aufnehmen und das Aufgenommene notdürftig wieder mitteilen kann, der entbehrt
in Meiner großen Schöpfung vieles, was anderen, ohne es zu wissen, in vollem
Maße in den Schoß fällt.
12] Nicht ohne Grund bat Mich
in jener Zeit das Volk, diesen Taubstummen zu heilen. Es war von dem Gedanken
geleitet, daß auch er Meine Worte vernehmen sollte, und daß er so, wenn sein
Inneres mit einem großen Reichtum von nie geahnter Geistesfülle genährt sei,
seine und auch Meine Mission auf Erden begreifen könne.
13] Wie viele Menschen haben
noch jetzt ihr geistiges Ohr Meiner Schöpfung und Meinen Lehren verschlossen,
und wie vielen ist noch bis jetzt Meine ganze Schöpfung ein stummes,
zusammengeworfenes Gemisch von Stoff und Materie, dessen Gesetze nach ihrer
Meinung nur dem Zufall entstammen. Wie vielen rufe Ich zu:
"Hephata!", d.h.: "Tuet auf eure Ohren, vernehmt den Jubelgesang
der ganzen Natur, die vom letzten Atom bis zur größten Zentralsonne nur Liebe
predigt! Macht auf eure Ohren und vernehmt das geistig Tiefe, welches euch in
Meiner Lehre gegeben wurde, um euch zu etwas Höherem, zu etwas Größerem zu
erziehen als zu vegetierenden kräuter- und fleischfressenden Tieren, die nur
mit größerer Intelligenz als die anderen begabt sind!"
14] Wie vielen rufe Ich dieses
alle Tage, jede Stunde, ja jeden Augenblick zu, und jede Gemütsbewegung, jede
Idee, die doch nicht Produkt des Stoffes oder der Materie sein kann, zeigt
ihnen deutlich, daß in dem körperlichen Tiermenschen ein geistiger, höherer
Mensch verborgen liegt, der den äußeren Menschen so vergeistigen sollte, daß
er eine würdige Umkleidung des Innern und ein Geschöpf werde, das seinem Schöpfer
Ehre macht.
15] Und seht, Tausende haben
sich selbst zur Taubstummheit verdammt. Sie begreifen nicht, welch großer
Schatz geistiger Seligkeiten in Meiner Natur auf sie einwirken will; sie sind
kalt oder stumm bei diesen Eindrücken. An ihren Ohren gehen alle geistigen
Harmonien unbeachtet vorüber, und ihr Inneres ist leer oder nur von
Eindrücken angefüllt, die aus der niedersten Sphäre der Materie oder der
Sinnlichkeit herrühren und sie vom Menschen zum Tier herabdrücken.
16] Ihr Inneres ist leer, und
weil sie nichts Geistiges geben können, empfangen sie auch von andern nichts.
Für sie herrscht nur die Materie, und Geistiges ist ein Erzeugnis eines
verrückten Gehirns.
17] Durch dieselben Worte,
welche Ich euch schon seit mehreren Jahren zukommen lasse, rufe Ich Meinen
verirrten Kindern das ,Hephata!` zulege Meine Finger in ihre Ohren, um sie
noch zu retten, solange es möglich ist und ehe noch die ganze Natur mit
Posaunentönen, statt mit sanften Harmonien, ihnen ins Ohr tönen wird, was sie
auf friedlichem Wege nicht verstehen wollen.
18] Ich habe die Menschen nicht
erschaffen, daß sie gegen alle Meine Werke taub seien, und habe Meine
Schöpfung nicht mit so vielen Wundern ausgerüstet, daß sie Meinen geistigen
Wesen ein stummes Buch sein solle.
19] Taubstumm ist und soll
nichts sein in Meiner gesamten Natur! Alles, was lebt, soll die Sprache
seines Schöpfers, seines Vaters vernehmen. Denn Er will mit den Eindrücken
Seiner Schöpfungen die Seele der geschaffenen Wesen so erfüllen, daß in der
Mitteilung des Geschauten, Gefühlten und Gehörten die ganze Wonne des Daseins
liegt.
20] Nicht stumm soll Meine
Natur sein; denn ,stumm` ist soviel wie ,geistig tot`. Jubelnd soll alles
bezeugen, daß es lebt, daß es sich des Lebens freut, und daß es in allen
Schöpfungen der Außenwelt seinen Schöpfer, seinen liebenden Vater wieder
erkennt! So soll die materielle Schöpfung die Unterlage des Geistigen sein
und die geistige Schöpfung das Materielle vergeistigen!
21] Taub oder stumm ist und
soll nichts sein in der Welt, am wenigsten der Mensch, der als letztes
Produkt der materiellen Schöpfung auf dieser Erde Mein geistiges Ebenbild in
sich trägt!
22] Wie Ich dem Taubstummen das
Gehör wiedergab, damit er höre, was und wie alles in der Natur Mich lobt und
preist, so sollte er auch nicht mehr stumm sein, damit er in diesen
Jubelgesang mit einstimmen könne und Mich als seinen Herrn, aber auch als
seinen liebenden Vater erkennen möge.
23] Wie Ich jenen Taubstummen
heilte, so laßt auch ihr euch heilen, damit ihr, nicht taub gegen Meine
Worte, den andern laut mit der Macht der Stimme voller Überzeugung verkünden
könnt, daß jene Taten und Wunder, vor mehr als tausend Jahren von Mir
verrichtet, geistig nur andeuten wollten, was Ich mit der ganzen Menschheit
im Sinne hatte, als Ich sie schuf, und als Ich euch Menschen auf dieser Erde
zu Herren einsetzte!
24] Ich wollte nicht Taube und
nicht Stumme, sondern Wesen für Mein Reich erziehen, die offene Geistesohren
und beredte Zungen haben sollen, Mich und Meine Schöpfung zu vernehmen und
laut zu verkünden: "Hosianna in der Höhe! Heil Ihm, der uns diese
außerordentliche Gnade gab, Ihn zu vernehmen, und uns nebenbei auch die
Mittel verlieh, das Vernommene wiederzugeben, damit es nicht für uns allein,
sondern für alle diejenigen ein Gemeingut werde, die Seine Kinder werden
wollen!"
25] So wünsche Ich, daß ihr Mir
den täglichen Lobgesang darbringt, damit ihr der ganzen Welt durch Wort und
Tat beweist, daß ihr während Meiner Lehrzeit weder taub noch stumm gewesen
seid!
26] Dies beachtet zu eurem
Heil, wie auch zum Besten eurer Nächsten! Amen.
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00] Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk.10,25-37): Und
siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte Jesus und sprach:
"Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?" Jesus
aber sprach zu ihm: "Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liesest
du?" Er antwortete und sprach: "Du sollst Gott, deinen Herrn,
lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem
Gemüte, und deinen Nächsten wie dich selbst!" Er aber sprach zu ihm:
"Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben!" Er aber
wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: "Wer ist denn mein
Nächster?" Da antwortete Jesus und sprach: "Es war ein Mensch, der
ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder. Die zogen ihn
aus, schlugen ihn, gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Es begab sich
aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und da er ihn sah,
ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit, da er kam zu der Stätte und sah
ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn
sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, goß drein Öl
und Wein, hob ihn auf sein Tier, führte ihn in die Herberge und pflegte sein.
Des andern Tages reiste er, zog heraus zwei Groschen, gab sie dem Wirte und
sprach zu ihm: ,Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir's
bezahlen, wenn ich wiederkomme`.Welcher dünkt dich, der unter diesen dreien
der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war?" Er
sprach: "Der die Barmherzigkeit an ihm tat." Da sprach Jesus zu
ihm: "So gehe hin und tue desgleichen!"
01] Diese Verse erzählen euch
das Gleichnis vom Samariter. Mit diesem handgreiflichen Bild wollte Ich dem
Pharisäer auf seine Frage: "Wer ist mein Nächster zeigen, wer dieser
sei, und wie das zweite Liebesgebot - ,Du sollst deinen Nächsten lieben wie
dich selbst!` - im geistigen Sinn verstanden werden solle.
02] Die Menschen machten und
machen zu allen Zeiten zwischen Menschen, Bruder und Nächstenliebe, die alle
in eine Liebe zusammenfließen, einen großen Unterschied, worüber Ich euch vor
längerer Zeit ein ausführliches Wort gegeben habe, welches hier eingeschaltet
werden könnte, wenn keine andere Erklärung möglich wäre.
03] Da man aber in jenen
Zeiten, als Ich dieses Gleichnis gab, durch die Unterschiede der Stände oder
Kasten, wie auch durch die Ansichten der Menschen weit von dem entfernt war,
was Ich unter ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!` verstanden haben
wollte - was auch aus der Antwort des Pharisäers hervorgeht, welcher erst
fragen mußte: "Wer ist denn eigentlich mein Nächster?" -, so war es
ganz natürlich, daß Ich aus diesen triftigen Gründen ein Beispiel aufstellen
mußte, um zu zeigen, wer eigentlich der Nächste jedes Menschen sei. Es
besteht in allen künftigen Zeiten über den Begriff ,Nächster` und über die
Ausübung der Liebe zum Nächsten kein Zweifel mehr, denn mit einem Wohlwollen
allein, oder mit frommen Wünschen ist dem Nächsten, der Menschheit und Mir am
wenigsten geholfen.
04] Soviel schon über dieses
zweite Liebesgebot geschrieben und geredet wurde, so haben doch die wenigsten
Menschen eigentlich verstanden, was die Nächstenliebe und wer der Nächste
ist.
05] Der allgemeine Schluß ist
gleich gemacht: "Die ganze Menschheit ist mein Nächster, und durch das
Gesetz, daß ich den Nächsten lieben soll wie mich selbst, ist auch der
Maßstab der Liebe bestimmt!"
06] Ganz recht, sage Ich; aber
jetzt kommt es darauf an: "Inwiefern ist die Menschheit oder jeder Mensch
mein Nächster, und was heißt: sich selbst - aber wohlgemerkt - im gerechten
Maß lieben?"
07] In diesen beiden Begriffen
liegt der Schlüssel zu Meinem Reich, weshalb Ich unter allen erdenklichen
Geboten gerade dieses Gebot der Nächstenliebe zum zweiten Hauptgebot nicht
allein für eure Erde, sondern für alle Welten und selbst für das große
Geisterreich gemacht habe.
08] Es ist vor allem deshalb
das Gebot der Liebe, weil es ohne Liebe keine Wärme, ohne Wärme kein Leben,
ohne Leben keine Schöpfung - was immer für eine denkbare - gibt. Die Liebe
ist der erste Trieb, welcher zur Tätigkeit anspornt; die Tätigkeit erzeugt
entsprechend Wärme. Die Wärme - Ausdruck für Bewegung, Vibrieren - zeigt sich
als Leben, und Leben ist Entstehen, Bestehen und Vergehen, als sichtbares
Zeichen des Lebens oder der Schöpfung in ihrer ganzen Ausdehnung.
09] Die Liebe adelt alle Wesen,
die sie fühlen und gegen andere ausüben. Ohne Liebe gäbe es keinen geistigen
Maßstab der Handlungen, und ohne Liebe bestände weder Ich, noch etwas
Geschaffenes, das ein Bleibendes werden könnte.
10] Nun, wie die Liebe in Mir
Meine Geister, die lebenden Wesen und selbst die Materie schuf und sie alle
mit gleicher Glut umfängt, sie ernährt, erhält und leitet, zum
größtmöglichen, geistigen Ziel, zum Inbegriff der höchsten Liebe, - ebenso
soll auch der Mensch seine Umgebung, die Welt, in welcher er leben muß, mit
gleicher Liebe umfassen. Alles Geschaffene, aus Liebe und durch Meine
göttliche Liebe erzeugt, soll steter Beweis sein, daß Ich ein liebender Vater
erst dann bin, wenn Meine erschaffenen Wesen, Meine Nächsten, ihre Pflicht,
ihre Mission so erfüllen, wie Ich sie Mir gedacht habe, und wie Ich sie aus
freiem Antrieb und nicht durch Zwang ausgeführt haben möchte. Der freie Wille
adelt das Geschöpf, im Gegensatz zu dem durch den Instinkt geführten Wesen,
das so handeln muß und nicht anders kann.
11] Diese über alles sich
ausbreitende Liebe soll der Maßstab für die Menschenliebe sein, welche in
jedes Menschen Brust ihren Wohnort aufschlagen und als bleibendes Denkmal
einer höheren Abkunft auch alle Gedanken, Worte und Taten auf sie beziehen
soll. Diese Liebe soll aber auch, wie die Meine, keinen andern Zweck kennen
als den, alles zum Besten seiner Mitmenschen und seiner mitlebenden Wesen zu
tun, wobei man natürlich dem Nächsten das von ihm Gewünschte nicht immer
gewähren darf, sondern ihm auch manches versagen muß, so das Gewähren
vielleicht Schaden statt Nutzen bringen würde.
12] Betrachtet Mich! Ich liebe
euch Menschen alle liebe euch mit einer Liebe, die ihr nicht begreifen, nicht
fassen und nicht erwidern könnt, und doch sage Ich nicht zu allen Bitten, mit
denen ihr Mich überhäuft: "Ja!", sondern meistens das Gegenteil:
"Nein!" Und warum? Weil ihr oft Dinge wünscht, die euch geistig
schädlich wären! Und wenn diese Verweigerung dann Leiden und Kämpfe, Unglücks
und Trauerfälle über euch und die Eurigen bringt, so ist sie doch nur Ausfluß
der Liebe, der Liebe eures himmlischen Vaters, der euretwegen alles
erschaffen, euretwegen so manches erduldet hat und euch stets Undank,
Verhöhnung, Verleugnung mit Segen vergilt.
13] Hier seht ihr, wie die
Liebe aufgefaßt werden muß, wenn sie nicht Böses, sondern Gutes bewirken
soll. So müßt auch ihr eure Menschen- oder Nächstenliebe auffassen! Wie ein
Vater auf Erden seinen unmündigen Kindern nicht alles gewährt, was sie in
ihrem Unverstand von ihm verlangen, sondern immer den höheren Erziehungszweck
im Auge behält, ebenso sollt auch ihr nur dann eurem Nächsten Gutes tun, wenn
ihr überzeugt seid, daß gemäß eurer Einsicht nicht etwa ein Laster genährt
oder euer Nächster im Nichtstun bestärkt, statt zur Arbeit gewöhnt wird.
14] Dies ist die Liebe, mit
welcher Ich aus Meiner Weisheit heraus Meine Welten regiere. Ebenso sollt
auch ihr mit euren Verstandeskräften den Trieb des Wohltuns bezähmen und
regeln, damit nicht das entgegengesetzte Resultat die Folge eures, wenngleich
edelsten Willens ist.
15] Der zweite zu erwägende
Punkt ist: "Ihr sollt den Nächsten lieben wie euch selbst!"
16] Nun, auch hier sind so
viele Begriffe möglich, wie es geistige Stufen der menschlichen Natur gibt,
die von der Verleugnung einer Selbstliebe bis zum höchsten Egoismus steigen
kann, - und so entsteht die Frage:
17] "Wann ist meine
Selbstliebe die gerechte, die mir und andern nützliche?"
18] Nur nach Beantwortung
dieser Frage weiß man, welche Liebe und wie sie anderen erwiesen werden soll!
Ihr seht, daß, genaugenommen, die Worte ,Liebe` und ,sich selbst' ganz andere
Begriffe ergeben als bei deren oberflächlicher Betrachtung.
19] Die Bedeutung der
Selbstliebe muß erst klar vor euren Augen stehen; ihr müßt wissen, wie und
was ihr an euch lieben sollt, um dann nach dieser Erkenntnis eure Liebe auf
andere übertragen oder die Liebe, mit welcher ihr andere behandeln sollt,
genau beurteilen zu können.
20] Es ist in jeden Menschen
der Trieb gelegt, sein Leben zu erhalten, es zu verlängern und so angenehm
wie möglich zu gestalten. Dieser nötige Erhaltungstrieb für die äußere Hülle
oder Umkleidung des geistig-seelischen Menschen mußte tief in ihn gelegt und
eingepflanzt werden, damit er nicht bei den geringsten Mißhelligkeiten
während seiner irdischen Lebensbahn auf den Gedanken kommt, diesen hindernden
Trieb zu unterdrücken und sich seines Körpers noch vor der Reife des inneren
Menschen zu entledigen.
21] Dieser Erhaltungstrieb ist
so mächtig und nötig, daß nur Menschen, welche auf alles Geistige verzichten,
keinen Glauben und keine Religion im wahrsten Sinn haben oder durch verkehrte
Weltansichten oder geistige Störungen in ihrem Lebensorganismus geschwächt
sind, dahin kommen können, die so tief eingewurzelte Liebe zum Leben zu
zerstören und ihrem Dasein von sich aus früher ein Ende zu machen, als es im
Plane Meiner göttlichen, überall gültigen Gesetze bestimmt war.
22] Solche Selbstmörderseelen
werden im Jenseits einen mit weit schwierigeren Umständen verknüpften Weg zur
Ausreife zurückzulegen haben, weil sie unreif aus dieser Welt gegangen und
ebenfalls unreif in eine andere eingetreten sind.
23] Die zweite Art der
Selbstliebe ist eine höhere, nämlich der Erhaltungs und Vervollkommnungstrieb
des Geistigen. Der Mensch sucht sein geistiges Ich soviel als möglich Dem
gleich zu machen, der diesen Funken göttlichen Bewußtseins in ihn gelegt, ihn
damit weit über die Materie erhoben und an die Grenze zweier Welten gestellt
hat, so daß er der körperlichen Hülle nach der Materie und dem Geist nach der
Geisterwelt angehört.
24] Sowohl im materiellen wie
im geistigen Wesen des Menschen kann ein Mangel oder ein Überfluß an
Selbstliebe vorhanden sein.
25] Der Mangel an materieller
Selbstliebe gibt sich durch Lebensüberdruß kund, wobei der körperliche
Erhaltungstrieb so gering wird, daß der Mensch oft wegen geringfügiger
Unannehmlichkeiten des irdischen Lebens sein Körperleben vernichtet. Dieser
Zustand wird häufig durch eine verkehrte Erziehung, durch Nichtglauben an
einen Gott oder an ein Fortleben der Seele, oder durch geistige Störungen
hervorgerufen.
26] Diesem Extrem des Mangels
an Selbstliebe steht dann wieder ein Übermaß an Eigenliebe gegenüber. Der
Mensch, sein leibliches Wohl als Höchstes achtend, will nur dem fröhnen, was
der schmutzigste Egoismus ist. Er ergreift alle Mittel, um seinen Zweck zu
erreichen. Es gibt für ihn nichts als sein eigenes Ich, und er ist, jedes
Band der Nächstenliebe verleugnend, stets nur allein sein Nächster. Diese
Menschen stehen auf der untersten geistigen Stufe; denn sie entziehen sich
aller Kämpfe und aller Aufopferungen. Sie wollen nur Genuß, und zwar nur für
sich allein, und alle Mittel - erlaubte oder unerlaubte, gesetzliche oder
ungesetzliche, göttliche oder teuflische - werden ergriffen, wenn sie nur zu
ihrem angestrebten Ziel gelangen. Solche Eigenliebe schließt alle
Nächstenliebe gänzlich aus.
27] Eine Eigenliebe kann auch
bestehen, wenn der Mensch nur seiner selbst willen seinen inneren Menschen so
ausbilden, so vervollkommnen will, daß ihm selbst sein Körper zur Last wird
und er sich desselben sobald wie möglich entledigt fühlen möchte.
28] Hier habt ihr die beiden
Extreme: Mangel und Überfluß an Selbstliebe, sei es im materiellen, sei es im
geistigen Wesen des Menschen. Wenn aber eine Mittelstraße eingehalten werden
soll, wo weder dem einen noch dem andern Extrem zu nahe gekommen werden darf,
so fragt es sich, wie es mit der Nächstenliebe steht, die sich doch nach der
Selbstliebe regeln soll.
29] Auch hier gilt das gleiche,
was Ich schon im Anfang erklärte: Die gemäßigte, durch den Verstand geleitete
Liebe, die das eigentliche, geistige Ziel des Menschen und das Ziel seiner
irdischen Laufbahn stets im Auge hat, diese Liebe soll die Eigenliebe in
solche Bahnen lenken, daß der Körper nicht unter dem Einfluß des Geistes und
der Geist nicht unter dem des Körpers leide oder gar verkümmere. Der Mensch
soll stets bedenken, daß ihm auch sein Körper als ein Gut anvertraut wurde,
und wie er einst von seiner Seele wird Rechenschaft geben müssen, so wird
auch die Frage an ihn ergehen:"Hast du deinen Körper zu dem Zweck
gebraucht, zu dem er bestimmt war, oder hast du ihn mißbraucht?" So wird
die Rechenschaft, die der Mensch über seinen Geist und die ihm anvertrauten
Talente abzulegen hat, mit derjenigen, die er über das materielle Leben zu
geben hat, zusammenfallen.
30] Beides, Geist und Körper so
zu gebrauchen, so zu erziehen und derselben so Meister zu werden, daß alle
Handlungen nur im Hinblick auf Mich, den Geber, geschehen und so den Stempel
der Göttlichkeit tragen. Diese Art zu denken, zu handeln und zu wirken soll
auch der Maßstab dafür sein, wie ihr dem Nächsten eure Liebe angedeihen
lassen sollt! Diese Liebe soll dem Nächsten alles Gute gewähren, insoweit es
Meinen eigenen, sittlichen Grundsätzen entspricht.
31] Der Mensch muß vorerst an
sich selbst erkennen, was er zu leisten imstande ist, um auch die
Leistungsfähigkeit anderer zu bemessen. Er muß vorerst bei sich das Gute und
Schlechte unterscheiden lernen. Er muß lernen, was dem Geist und was dem
Körper nützt oder schadet, ehe er aus blinder Liebe anderen angedeihen läßt,
was sie nur zum Ruin und nicht zum höheren Ziel führt.
32] Daher regelt vorher eure
Eigenliebe! Haltet darin gerechtes Maß und Gewicht, und es wird euch die
rechte Selbstliebe am besten zur Nächstenliebe führen! Denn nur da, wo klare
Ansichten herrschen, können auch vollgültige Taten das Resultat sein; sonst
tappt ihr im Finstern herum, verkennt oder mißbraucht eure Liebe zum Schaden
anderer. Überall in der ganzen Welt sind die Extreme schädlich und führen zu
nichts: im Lieben wie im Hassen, im Geben wie im Verweigern, im Reden wie im
Schweigen.
33] Daher seid bei jeder
Handlung eurer höheren Bestimmung eingedenk und vergeßt dabei nicht, daß ihr
Menschen und keine Götter seid, und daß zu große wie auch zu geringe Liebe
für sich selbst ebenso zu schlechten Resultaten führt, wie zu hoch oder zu
niedrig gespannte Begriffe von Nächstenliebe dem Nebenmenschen eher schaden
als nützen können.
34] Erkennt zuerst eure eigenen
Schwächen, um nachsichtig gegen die anderer zu sein! Prüft, ob die Gewährung
einer Bitte bei euch Gutes oder Schlechtes hervorbringen möchte, und regelt
danach eure Liebesgaben, eure Aufopferungen gegen euern Nächsten! Nirgends
kann soviel Schaden gestiftet werden, als mit dem wörtlich genommenen Begriff
der Nächstenliebe.
35] Seht, Ich bin euer Nächster
und tue alles, damit ihr Meine Nächsten, Meine Brüder und Schwestern, ja,
Meine Kinder werdet; und doch bin Ich trotz aller Liebe und Weisheit nicht so
willfährig, den Menschen alles zu geben, was sie oft in ihrer Unmündigkeit
von Mir verlangen, weil Ich als Geist, und zwar als höchster Geist, am besten
weiß, was Meinen Kindern, Meinen geistigen Brüdern und Schwestern am
zuträglichsten ist, und weil Ich sie erziehen und nicht verziehen will!
36] Daher nehmt euch ein
Beispiel an Mir, wie Ich Meine ganze Schöpfung zusammenhalte und ihre Teile
gemeinschaftlich zum großen Ziel der Erlösung aus der Materie führe, und ihr
werdet gewiß den rechten Weg zwischen Geben und Nehmen, zwischen Gewähren und
Verweigern finden! Dann wird das zweite große Liebesgebot erst den
eigentlichen geistigen Ausdruck nicht allein im Wort, sondern auch in der Tat
finden, wenn ihr euern Nächsten das tut, was ihr - wärt ihr in der Lage und
in den Verhältnissen eures Nebenmenschen - als geistige Wesen für euch selbst
für das beste halten würdet.
37] Stets das Geistige hoch, ja
höher als alles andere haltend, müßt ihr darin den Anfangs und Ausgangspunkt
aller eurer Handlungen suchen, damit sie mit Meinen großen Schöpfungsgedanken
übereinstimmend, euch veredeln und adeln und ihr Mich dadurch als euern
liebevollsten Vater stets mehr verklärt und als das erkennt, was Ich allen
sein möchte, nämlich euer geistiger Führer, Leiter und Vater. Amen.
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00] Heilung der zehn Aussätzigen (Lk.17,05-19): Die Apostel
sprachen zu dem Herrn:"Stärke uns den Glauben!" Der Herr aber
sprach:"Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn und sagt zu diesem
Maulbeerbaum: ,Reiße dich aus und versetze dich ins Meer!`, so wird er euch
gehorsam sein. Welcher ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflügt
oder das Vieh weidet, wenn er heimkommt vom Felde, daß er ihm sage: ,Gehe
alsbald hin und setze dich zu Tische?` Ist's nicht also daß er zu ihm sagt:
,Richte zu, was ich zu Abend esse, schürze dich und diene mir, bis ich esse
und trinke; danach sollst du auch essen und trinken?` Dankt er auch dem
Knechte, daß er getan hat, was ihm befohlen war? Ich meine es nicht. Also
auch ihr; wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: ,Wir
sind unnütze Knechte, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren."`
Und es begab sich, da Jesus gen Jerusalem reiste, zog er
mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er in einen Markt kam, begegneten
ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und
sprachen: "Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!" Und da er
sie sah, sprach er zu ihnen: "Gehet hin und zeiget euch den
Priestern!" Und es geschah, als sie hingingen, wurden sie rein. Einer
aber unter ihnen, da er sah, daß er gesund geworden war, kehrte um und pries
Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte
ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: "Sind
ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner
gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser
Fremdling?" Und er sprach zu ihm: "Stehe auf, gehe hin; dein Glaube
hat dir geholfen!"
01] In diesen Versen wird
erzählt, wie Ich durch Meinen Willen zehn Aussätzige heilte. Als sie sich,
durch den Glauben an Meine Worte gestärkt, den Priestern zeigen wollten,
verschwand beim Eintritt in den Tempel der Aussatz; denn mit Aussatz behaftet
wäre ihnen der Eintritt in den Tempel verboten gewesen. Aus
Gesundheitsrücksichten hielt sich jedermann, auch außerhalb des Gotteshauses,
von Menschen fern, die von solchen Krankheiten befallen waren.
02] Diese Tat war ein Beweis,
was der feste Glaube und das unerschütterliche Vertrauen vermögen, wenn die
Seele davon ganz beherrscht wird. Ich wollte durch dieses Beispiel diese
Kraft zeigen und sagte zu Meinen Jüngern - im gleichen Kapitel, Vers sechs -
die Worte: "Wenn ihr Glauben habt, so groß nur wie ein Senfkorn, und
sagt zu diesem Maulbeerbaum: ,Reiße dich aus und versetze dich ins Meer!`, so
wird er euch gehorsam sein!"
03] Was diese Worte geistig
bedeuten, das zeigte Ich kurz nachher durch die Heilung dieser zehn Männer.
So folgte der Theorie die Praxis auf dem Fuß, damit Meine Jünger an anderen
die Stärke des Glaubens beobachten könnten, welcher ihnen selbst bei so
vielen Gelegenheiten mangelte.
04] Da Ich euch dieses Beispiel
festen Glaubens als Sonntagspredigt gebe, wollen wir das Wort ,Glauben` ein
wenig näher betrachten, damit ihr und viele andere verstehen lernt, was
eigentlich ,Glauben` ist. Denn auch dieses Wort ist eins von denjenigen
Wörtern, welche in vieler Mund, aber in weniger Herzen sind.
05] Ich muß diese Erklärung
vorausschicken, sonst versteht ihr nicht einmal das Gleichnis vom
Maulbeerbaum, das Ich den Jüngern gab, - um so weniger dann die Handlung mit
den zehn Aussätzigen. Habt ihr erfaßt, was Ich unter ,Glauben` verstehe, dann
erst können wir zu seiner Beziehung auf euch, auf die jetzigen, sowie
künftigen Zustände übergehen, wobei auch des einen Samariters gedacht werden
wird, welcher zurückkehrte, um Mir zu danken.
06] Alles hat seine natürliche
Folge! Wer ein Haus baut, fängt nicht beim Dach, sondern bei den Grundmauern
an. Wenn diese fest sind, ruht auch das Dach auf sicherer Grundlage. Wie im
materiellen, so im geistigen Leben! Daher die vielen Erklärungen, die Ich
euch gebe; daher die vielen Beleuchtungen oft ein und desselben Gegenstandes,
damit ihr eure geistigen Ohren und Augen öffnet und es euch nicht geht wie
einem Menschen, der an etwas denkt und sich dabei nicht bewusst ist, wie sich
während dieser Zeit viele Tausende von Wundern Meiner Schöpfung auf der
Netzhaut seines Auges abspiegeln, weil seine anderweitig beschäftigte Seele
keine Notiz davon nimmt.
07] In der vorhergehenden
Predigt erläuterte Ich die Selbstliebe und die Nächstenliebe. In der heutigen
sollt ihr den wahren Sinn des Wortes ;Glauben` erfahren, desjenigen Wortes,
welches so oft mißbraucht und gewiß unter Hunderten nicht von einem geistig
in seiner höchsten Bedeutung aufgefaßt wird.
08] Seht, in jener Zeit wußten Meine Jünger nicht, was
eigentlich ,Glauben` ist. Ich mußte es ihnen begreiflich machen, indem
Ich,sie sichtbar und persönlich führte und vor ihnen Wunder tat, - und doch
begriffen sie die Bedeutung des Wortes ,Glauben` nicht. Glaubt vielleicht
ihr, die ihr von Mir fast täglich so viel Himmelsbrot erhaltet, daß ihr wißt,
was ,Glauben` heißt? Ich muß euch sagen: Ihr begreift dieses Wort ebensowenig
und zeigt täglich und stündlich, daß ihr sehr wenig Glauben habt, obgleich
ihr meint, wenn auch im Lieben schwach, so doch im Glauben stark zu sein.
Dieses euch zu beweisen, soll der Zweck Meiner Worte sein.
09] Was heißt eigentlich ,Glauben`?
10] Nun, die meisten von euch
werden mit einer Antwort verlegen sein, oder sie wird so ausfallen: "Ich
,glaube` heißt soviel als: ich bin ,überzeugt', daß dies oder jenes wirklich
so ist, wie man es mir sagte oder mich lehrte." -"Glauben stützt
sich auf die Autorität desjenigen, welcher mir dies oder jenes sagt." -
"Ich glaube es, weil derjenige, der es mir sagt, davon überzeugt sein
wird."
11] Solche und ähnliche
Antworten werdet ihr überall zu hören bekommen, die aber alle auf eins
hinauslaufen und nur immer besagen, daß dieser Glaube auf so schwachen Füßen
steht, daß der leiseste Windstoß ihn umwirft oder zunichte macht.
12] Einen solchen Glauben
meinte Ich nie. Denn der Glaube, den Ich Meinen Jüngern in oben angeführtem
Gleichnis - Vers sechs - erklärte, indem Ich sagte: "Wenn ihr glaubet,
so heben sich die Berge hinweg!", dieser Glaube bedeutet etwas ganz
anderes, als man gewöhnlich annimmt, wenn es z.B. heißt: ,Der Glaube macht
selig!` Jener Glaube bedeutet einen ganz anderen Zustand, als je durch
Glauben, wie ihn die Priester dem Volke lehren, erreicht worden ist. Ich
zweifle sehr, ob mit dem angewöhnten Glauben schon jemand selig geworden ist,
wenn er ihn nicht nach Meinem Sinn, sondern nach dem der Priester aufgefaßt
hat.
13] Der Glaube also, den Ich
Meine Jünger lehrte, und den Ich ihnen durch die Heilung der zehn Aussätzigen
zeigen und begreiflich machen wollte, ist eine weit mächtigere Kraft in der Geisterwelt,
als ihr glaubt und wähnt; denn dieser Glaube ist die feste Überzeugung, daß
dies oder jenes unwiderruflich geschehen muß, wie es sich bei Meinem Wort
ereignete. Dieser Glaube ist ein Eingreifen in Meine Macht, eine Teilung
Meiner Allmacht, die Ich gerne denjenigen Kindern zulasse, die wahrhaft
diesen Namen verdienen, die aber auch - wohlgemerkt - diese ungeheure Kraft
nie mißbrauchen werden, weil sie nur zu klar und deutlich einsehen, wie groß
dieses Geschenk von seiten des allmächtigen Schöpfers ist, das nur ein
liebendes Kind als Geschenk vom Vater erhalten kann.
14] Dieser Glaube war es,
welchen die zehn Aussätzigen so fest erfaßt hatten, daß sie noch mit der
Krankheit behaftet ruhig zu den Priestern hingingen, fest überzeugt, Mein
Wort - als göttliches Wort - könne nicht trügen und müsse sich erfüllen, weil
Ich es wollte und sie es glaubten und ganz darauf vertrauten.
15] Diese Art des Glaubens, wer
hat sie von euch? Legt die Hand auf euer Herz und fragt euch selbst, und es
wird euch wie Meinen Jüngern ergehen! Das Geständnis wird sein: "Solchen
Glauben begreifen wir nicht! Solcher Glaube, solch feste, unwandelbare
Überzeugung, solch festes Vertrauen in Deine göttlichen Verheißungen fehlt
uns gänzlich; wir sind dessen nicht fähig!"
16] Und Ich antworte euch:
"Ja, Ich weiß es, daß ihr solchen Glaubens noch lange nicht fähig seid;
sonst würdet ihr die Seligkeit - wie es heißt: Glaube macht selig! - in euch
verspüren, wenn ihr mit Gottesmacht ausgerüstete Götter in menschlichen Körpern
wäret." Welch großes Feld der Wirksamkeit sich da vor euch öffnen würde,
wieviel Gutes ihr da stiften könntet, und wie erhaben ihr über dem niedrigen
Getriebe der gewöhnlichen Welt stündet, das könnt ihr nicht begreifen. Da
wäre jenes Wort erfüllt; denn ein solcher Glaube macht euch selig,
überglücklich und zufrieden. Ihr würdet das langsame Aufgehen eures Ichs in
dem Meinen gewahren, wenn ihr euch mit solcher Macht ausgestattet fühlen
würdet, wie sie teilweise den ersten Menschen verliehen war, aber von ihnen
selbst wieder verscherzt wurde.
17] Dieser Glaube, diese feste
Überzeugung war und ist es, was Meinen Jüngern fehlte und auch euch und allen
Menschen mangelt; und eben deswegen will Ich euch diesen Glauben, der sich
auf die Liebe zu Mir gründet, ans Herz legen, damit auch ihr danach streben
sollt. Denn wenngleich er nicht so leicht zu erringen ist, da viel
Beherrschung und große Sittenreinheit dazu gehört, so könnt ihr dessen doch
teilweise und in Momenten der höchsten Begeisterung teilhaftig werden, wenn
ihr einmal die Idee dieses mächtigen Werkzeugs Meiner göttlichen Macht und
Liebe begriffen habt.
18] Ihr habt das Wort ,Ich
will!` noch nicht begriffen; denn dieses Wort gründet sich auf den Glauben,
daß das, was man will, auch geschehen muß. Diese Macht der Willenskraft ist
derjenige Glaube, der Berge versetzt, der selbst der Natur ihre geheimsten
Gesetze abringt, und durch den manches möglich ist, was bis jetzt zu den
Unmöglichkeiten gezählt wird.
19] Allein - alles, was ihr
wollt, muß erstens zu geistigen Zwecken und zweitens nur durch Mich und Meine
Macht gewollt werden; denn ohne sie seid ihr ohnmächtig, und nur mit ihr
allmächtig!
20] Was ist es denn beim
Magnetismus anderes als die Willenskraft oder dieser Glaube, der fest und unerschütterlich
auf Mich vertrauend, durch Auflegen der Hände Ubel in kurzer Zeit heilt, die
sonst einen längeren Verlauf hätten!?
21] Diesem Glauben allein weicht alles! Nicht, daß das Bewirken
außer dem Bereich der Naturgesetze läge, nein, sondern diese Gesetze, die
sich bis jetzt der menschlichen Macht entzogen haben, werden dem Menschen
dienstbar und gehorchen ihm als geistigem Wesen, als Abkömmling von Mir,
während sie dem materiellen Menschen, seinem Grübeln und Forschen Hohn
sprechen.
22] Sobald sich aber dieser
Glaube in das Menschenherz, eingebürgert hat, so wird auch das als zweites im
Evangelium Erwähnte, nämlich die Danksagung und Anerkennung für das erhaltene
Geschenk von oben erfolgen.
23] Im Evangelium heißt es im fünfzehnten Vers: Einer der zehn
Geheilten kehrte zurück und bedankte sich bei Mir.
24] Um es den Juden recht
fühlbar zu machen, was Undank über empfangene Wohltaten bedeutet, mußte es
gerade ein Samariter sein; denn diesen Stamm des jüdischen Volkes sahen die
Juden als den verächtlichsten an, bei dem sie alle schlechten, aber keine
guten Eigenschaften vorhanden glaubten.
25] Schon im vorigen Evangelium
war es ein Samariter, welcher den Priestern und Pharisäern als Beispiel dafür
dienen sollte, daß man Menschen nicht verachtet, welchen Stammes oder welcher
Abkunft sie auch seien. Auch diesmal mußte wieder einer aus jenem verachteten
Stamme die stolzen und sich besser dünkenden Juden beschämen, ihnen beweisen,
daß niemand, weder Zöllner noch Samariter, so schlecht sei, daß er nicht
Nächstenliebe üben könne, und daß man bei ihm nicht auch gute, ja oft bessere
Eigenschaften antreffen könne als bei manchen sich hochrühmenden Kasten, -
ein Beispiel für heutige Zeiten, in denen so mancher auf seine Mitmenschen
wie jener Pharisäer auf den Zöllner oder ein Jude auf einen Samariter
herabblickte!
26] Daß von den zehn
Aussätzigen nur einer, und zwar derjenige zurückkehrte, von welchem man es am
wenigsten erwartete, zeigt daß der wahre Glaube nur in ihm Wurzel geschlagen
hatte und er, übermannt von der Gnade des Herrn, nicht anders konnte, als Dem
die Ehre zu geben, von dem die Gnade ausgegangen war.
27] So wird es auch mit den
Gnadenspenden im Leben aller Menschen sein. Nur diejenigen werden sich der schönen
Resultate ihres festen Glaubens und Vertrauens auf Mich und ihre eigene
Willenskraft zu erfreuen haben, welche offen und frei die Worte des zehnten
Verses bekennen, der lautet: "Und wenn ihr alles getan habt, was euch
befohlen ist, so bekennet, daß ihr unnütze Knechte seid und nur getan habt,
was ihr zu tun schuldig wart!"
28] Ich ließ es bei diesem Akt
der Heilung zu, daß neben dem festen Glauben der Geheilten doch auch die
größere Eigenschaft, die Dankbarkeit für die erhaltenen Wohltaten, nicht
vergessen wurde. Eine empfangene Wohltat ohne Dankgefühl gegen den Geber ist
eine halbe, ja oft gar keine Wohltat. Statt daß eine erteilte Gnade den
Empfänger demütigt, macht ihn die Vernachlässigung des Dankes stolz. Das
erste ist Ausdruck der Liebe, das andere Ausdruck des Hasses; das erste ist
ein offenes Bekennen der eigenen Ohnmacht, das zweite ein Bereuen, daß
Umstände es erheischen, anderen dankbar sein zu müssen; das erste ist
himmlischer, das zweite höllischer Natur.
29] So wollte Ich in diesem Akt
dem nachdenkenden Erforscher dieser Tat noch nach Jahrtausenden ins
Gedächtnis zurückrufen, daß die Macht des Glaubens, so schön sie auch bis zur
höchsten Steigerung sein kann, doch gleich null ist, wenn ihn nicht vor wie
nach der Tat der Aufblick nach oben zuerst seine eigene Ohnmacht und danach
die Allmacht Dessen begreifen läßt, der den Menschen als winzigen Wurm in der
Schöpfung mit solchen Kraftmitteln ausstatten kann.
30] Dem Menschen, der sich
seines göttlichen Ursprungs bewußt ist und nur nach oben blickt und alles von
dort Geschenkte wieder demütig und dankend auf dem Altar der Liebe
niederlegt, einem solchen Herzen wird die Kraft seines Wollens durch Meinen
Willen verstärkt werden. In einem solchen Herzen lebt als eine Frucht der
Überzeugung der rechte Glaube, welcher dem Menschen durch das Bewußtsein der
Kraft die Seligkeit gibt, die nur ein Kind genießen kann, wenn es die Macht
seines liebenden Vaters erkennt und sich derselben würdig fühlt.
31] Nach dieser Würde trachtet!
Und wo dann die Dankbarkeit ist, da wird auch das Vollbringen des Gewollten
eure Wünsche krönen!
32] So nehmt dieses Evangelium
auf als Wegweiser durch das Labyrinth des Lebens. Baut auf einen soliden,
festen Grund, und das Dach, welches dann das ganze Haus unter seine Obhut
nehmen wird, wird Meine Geisterwelt sein, unter deren Schutz ihr, je nach
Maßgabe eures Glaubens, von Stufe zu Stufe über höhere Wesen gestellt werdet
und ihnen beibringen könnt, was Ich euch während eurer Lebens und Probezeit
oft fühlen ließ, nämlich die unendliche Liebe als Vater und die unendliche
Macht als Kinder, wenn ihr fest glauben und vertrauen gelernt habt! Amen.
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00] Warnung Jesu vor weltlicher Einstellung (Mt.06,24-34):
"Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und
den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten.
Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht
für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib,
was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der
Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an! Sie säen
nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer
himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer
ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich
darum sorget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf
dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich
sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet
gewesen ist wie derselben eines. So denn Gott das Gras auf dem Felde also
kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er
das nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht
sorgen und sagen: ,Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden
wir uns kleiden?` Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer
himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürft. Trachtet am ersten nach
dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles
zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag
wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene
Plage habe."
01] Diese Verse geben
Verhaltungsmaßregeln für das Leben Meiner Jünger. Wörtlich genommen haben sie
einen ganz speziellen Charakter, indem sie, dem Leben Meiner Jünger angepaßt,
ihnen Vertrauen für die Zukunft, wenn Ich nicht mehr unter ihnen wandeln
würde, einflößen sollten.
02] Das ganze sechste Kapitel
enthält Maßregeln für das künftige Berufsleben, welchem Meine Jünger entgegengingen.
Es waren die letzten väterlichen Ermahnungen, die Ich ihnen gab, damit sie
Meine Worte in ihrem geistigen Sinn und nicht buchstäblich auffassen lernten,
was oft geschah; denn sie mußten erst selbst darüber im klaren sein, ehe sie
andere belehren und auf den Weg der wahren Erkenntnis führen konnten.
03] So enthält dieses Kapitel
ausführliche Auseinandersetzungen über die Art und Weise, wie man Almosen
geben, wie man beten und die kirchlichen Gebräuche geistig und zum Nutzen der
Seele ausüben soll. Ferner ist darin der eigentliche Wert der zeitlichen,
materiellen und der ewigen, geistigen Güter gezeigt und die Art, wie man die
Lebenssorgen mit dem Vertrauen auf Mich verbinden kann. Letzteres war ein
wichtiger Punkt, da Meine Jünger nach Meinem Hingang zwischen Geist und Welt
oder - wie es dort geschrieben steht - zwischen Gott und Mammon zu wählen
hatten.
04] Meine Jünger verließen
alles, was sie an die Welt band, und folgten Mir, die weltlichen Güter und
Bande den geistigen Gütern opfernd. Es war also wohlverständlich, daß,
nachdem Ich ihnen so oft Meinen Hingang vorausgesagt hatte, in ihnen der
Gedanke auftauchte: "Was wird aus uns werden? Es ist wahr, in Seiner
Nähe hatten wir für nichts zu sorgen; aber wenn Er nicht mehr unter uns wandelt,
- was dann?"
05] Auf diese sich oft
einschleichenden Gedanken mußte Ich ihnen antworten, um ihre aufgeregten
Gemüter nicht allein während Meines Erdenwandels, sondern auch für spätere
Zeiten zu beruhigen, damit auch die Sorge um Nahrung und Kleidung nicht so
schwer auf ihnen laste, wodurch ihre geistige Mission bedeutend gelitten
hätte. Deswegen die väterlichen Worte, deswegen der Hinweis auf die Lilien
des Feldes und darauf, daß der liebende Vater im Himmel nichts vergißt, was
Er erschaffen hat, und Er aus diesem Grund auch sie, die Auserwählten für die
höchsten Zwecke, nicht im Stich lassen werde!
06] Alle diese Worte, zu Meinen
Jüngern gesprochen, hatten für sie in den Verhältnissen, in welchen sie
lebten, eine wörtliche Bedeutung, sind aber für euch und alle künftigen
Geschlechter geistig zu deuten; denn ihr lebt in anderen Verhältnissen und
habt nicht nötig, euch von allem zu entledigen, um Mir geistig auf dem
bezeichneten Weg zu folgen.
07] Wenn Ich in jenen Zeiten
sagte: "Man kann nicht zwei Herren dienen!", so wollte Ich damit
sagen, daß man unmöglich zwei verschiedene Dinge mit dem gleichen Grade der
Liebe umfassen kann. ,Entweder Gott oder dem Mammon dienen` will soviel sagen
als: entweder das eine oder das andere als höchstes Ziel vor Augen haben;
denn ,dienen` bedeutet: sich mit ganzer Seele dem hingeben, das man vor allem
andern liebt.
08] In solchem Sinne gilt
dieses Wort auch für euch und das lebende und kommende Menschengeschlecht.
Wer ganz der Welt und ihren Genüssen lebt, nur nach Befriedigung derselben
strebt und alle Mittel aufbietet, das zu erlangen, was ihm als Höchstes
erscheint - d.h. das zeitliche Wohl -, der kann natürlich von Gott und
geistigen Gütern nur einen mittelmäßigen Begriff haben, und diesen Begriff
wird er stets den andern Begriffen unterordnen, weil nur weltliches Wohl und
nicht Geitsiges sein höchstes Ziei, sein einziger Wunsch ist. In dieser
Hinsicht ist das Wort wahr: "Man kann nicht Gott und dem Mammon dienen!"
09] Aber den Mammon, die
weltlichen Güter zu geistigen Zwecken benützen und demselben keinen größeren
Wert beilegen, als er wirklich hat, ihn zum eigenen und zum Besten seiner
Nebenmenschen verwenden, zumal wenn Ich einzelne mit besonderen Glücksgütern
beschenkt habe, das ist eine andere Sache!
10] Auch gab es Reiche,
Begüterte und Hochgestellte, welche dennoch nur Mir anhingen und die Welt so
betrachteten, wie Ich es wünschte. Die ihnen anvertrauten Güter waren daher
nur Mittel zum Zweck, aber nicht ausschließlich das einzige Endziel all ihres
Strebens.
11] Daher ist für diesen Satz:
"Man kann nicht zwei Herren dienen!" das rechte Verständnis äußerst
notwendig.
12] Auch die übrigen
Trostworte, die Ich Meinen Jüngern gab, sind nicht im wörtlichen Sinn zu
nehmen; denn bei den jetzigen Lebensverhältnissen ist es sogar Pflicht eines
jeden, für die irdischen Bedürfnisse zu sorgen. Nur soll diese Sorge nicht so
weit gehen, daß sie einen Menschen hindert, sein geistiges Ziel zu verfolgen
und seinem Nebenmenschen Gutes zu tun!
13] Wahr ist es wohl: ,Die
Vögel säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und
der Vater im Himmel sorgt für sie`; allein die Tiere sind unmündig, und ihre
Erhaltung bewirkt der Instinkt, durch den die Hungrigen zur Nahrung, die
Durstigen zur Quelle geführt werden. Die meisten Tiere haben auch nur für
sich allein oder für ihre kleine Familie zu sorgen, und für letztere nur auf
kurze Zeit.
14] Nicht so ist es mit dem
Menschen. Er ist frei. Nicht die Stimme der Natur, nicht der Instinkt,
sondern sein Geist treibt ihn, mittels des Verstandes seine Lage derart zu
verbessern, daß er nicht von Sorgen für seinen körperlichen Organismus
gestört werde, an seinem geistigen Ich zu arbeiten. Er muß also für sein künftiges
Leben, für sich und seine Familie sorgen, weil diese einer längeren Fürsorge
bedarf als die der Tiere.
15] Der Hauptzweck seines
Lebens muß allerdings das Reich Gottes und seine höhere, geistige Bestimmung
sein, die nach diesem kurzen Prüfungsleben im Jenseits ewig fort gilt. Es ist
also seine Pflicht, die ihm anvertrauten Geschenke - die Talente und
Glücksgüter - so zu verwerten, daß er dabei nie sein geistiges Kleid für jene
lange Lebensdauer einbüßt.
16] Es heißt wohl in diesen
Worten: "Sorget nicht für den morgigen Tag; denn jeder Tag hat seine
eigene Plage!"; aber dieses Wort war für Meine Jünger in anderem Sinn
gesprochen, als es für euch jetzt gedeutet werden muß. Es will - wie auch
alle vorhergehenden Verse nur soviel sagen, daß der Mensch seine Sorgen nicht
zu weit ausdehnen und nicht in die Räder des Schicksals oder in die göttliche
Führung des einzelnen eingreifen soll, weil hier sein Bereich aufhört.
17] Ihr Menschen sollt euren
Sorgen und Anstrengungen nur so weit Raum geben, als sie durch Meine Lehre,
durch Mein Wort gutgeheißen werden und einen Erfolg versprechen. Dann sind
sie gerecht, aber auch nicht zu groß; denn stets werdet ihr den kleineren,
Ich aber den größeren Teil eurer Wünsche zu erfüllen haben. Wenn ihr dabei
noch bedenkt, daß eure Einsicht als endliche Wesen stets beschränkt, die
Meinige als die des allmächtigen Herrn und Schöpfers aber unbeschränkt ist,
so müßt ihr auch einsehen, daß das durch Flehen sehnlichst Erwünschte nicht
immer erfüllt werden kann, sondern daß Ich dasselbe oft verweigern muß, weil
Ich weitblickender bin, als ihr es seid.
18] Ihr seht aus der Deutung
dieser Verse, wieviel Mißverständnis durch einseitige Auffassung dieser in
jener Zeit ganz anders gemeinten Worte herbeigeführt werden kann. Damals
waren sie dem künftigen Lebensberuf und der sozialen Stellung Meiner Jünger
angepaßt; heutzutage sind sie zwar ebenfalls wahr - denn nur Wahrheit konnte
ja aus Meinem Munde kommen -, jedoch muß mehr ihr geistiger Sinn der
Leitstern eures Tuns und Lassens sein. Die Meinen ersten Jüngern gegebenen
Trostworte müssen Meinen jetzigen, vielleicht letzten Jüngern, in ganz
anderer Bedeutung erscheinen.
19] Wahr bleibt alles, was Ich
sprach; aber der geistige Standpunkt eines jeden einzelnen motiviert das
Verständnis der Wahrheit. Wenn sie stets den eigenen Verhältnissen angepaßt
und auf Mich bezogen wird, so kann sie die Resultate bringen, die Ich einst
beabsichtigte, und die Ich jetzt bei der geistigen Erklärung derselben wieder
bezwecken will. Ich wiederhole hier, daß das rechte Verständnis Meiner Worte
- die, weil von Mir herrührend, von ewiger Dauer und ewiger Schönheit sein
müssen - euch Dinge offenbart, welche ihr oft in einzelnen Augenblicken ahnt,
aber deren Schleier ihr nie gänzlich zu entfernen vermöget.
20] Befleißigt euch also, das
geistige Verständnis zu erlangen, damit das in euch einstrahlende Licht in
seiner ganzen Stärke eure Seelen erleuchten, erwärmen, beleben und mit Meinem
Geist verbinden kann! Dann ist der Augenblick gekommen, wo die Decke der
materiellen Schöpfung für euer Auge nicht mehr existiert, wo sie dem
geistigen Auge gewichen ist und euch überall nur Geistiges und Mich als Herrn
des Geistigen, als ewig liebenden Vater erkennen läßt.
21] Dort blüht euch der Friede und
die Ruhe, als Endziel aller gerechten und eitlen Sorgen; dort ist die
Vergeltung für alles bitter Erlebte, die Belohnung für alles gerecht
Verdiente; dort sind die letzten Bausteine der materiellen Welt zu den ersten
der geistigen umgewandelt, auf denen der ganze, große Bau einer nie endenden
Geisterwelt ruht. Den materiellen Dingen wird ihr geistiger Platz und den
geistigen Wesen ihr zur weiteren Läuterung nötiger Weg angewiesen, damit sie
- von Stufe zu Stufe, von Welten zu Welten, von Sonnen zu Sonnen
emporsteigend, stets mehr Fähigkeiten empfangen, stets mehr Seligkeiten
genießen und als Endziel aller Mühen endlich die Stufe erreichen, wo der
Vater, als der eine Hirte, von Seinen Kindern, als der einen Herde, umringt
wird, deren Sammlung im körperlichen Leben angefangen und im geistig-höchsten
geendet hat.
22] Das ist euer Ziel, und das
ist der Zweck all Meiner Kundgebungen an euch! Ich tue, wie ihr seht und wohl
ahnen könnt, Mein möglichstes. Es liegt nur an euch, Meine vielen Worte so
aufzufassen, wie Ich, der Ich Geist bin, sie nur gemeint haben kann.
23] Befleißigt euch, deren
Verständnis zu gewinnen, und das Endresultat wird euch beweisen, daß nur auf
diesem Weg ein Vater seine Kinder zu solch einem Ziel führen konnte! Amen.
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00] Erweckung des toten Jünglings zu Nain
(Luk. 7,11-17): Und es begab sich danach, daß Jesus in eine Stadt mit Namen
Nain ging; und seiner Jünger gingen viele mit ihm und viel Volks. Als er aber
nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein
einziger Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und viel Volks aus
der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselben, und
er sprach zu ihr:"Weine nicht!", und trat hinzu und rührte die
Bahre an, und die Träger standen. Und er sprach: "Jüngling, ich sage
dir, stehe auf!" Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden;
und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an, und sie
priesen Gott und sprachen: "Es ist ein großer Prophet unter uns
aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht." Und diese Rede von
ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden Länder.
01] Hier habt ihr wieder eine
jener Wundertaten, die das Volk und Meine Jünger im Glauben bestärken
sollten, daß Ich nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, nicht nur ein Prophet,
sondern etwas Größeres sei, damit sie alle nach und nach williger in Meine
Wege eingehen sollten und sich leichter führen ließen.
02] Auch die Essäer erweckten
Tote; das ,Wie` aber habe Ich euch schon in dem Großen Evangelium Johannes
kundgegeben. Es war, wenn Ich ein Wunder wirken wollte, immer der Umstand zu
bedenken, daß Meine Wunder auf eine andere Art gewirkt sein mußten als die
Wunder anderer. Nur auf diesem Weg und nur durch die schlagendsten Beweise
konnte Ich dieses in den Mosaischen Lehren und Zeremonien verrannte Volk
eines Besseren belehren.
03] Eine Totenerweckung wie bei
dem Jünglin, zu Nain war ihnen noch nicht vorgekommen; daher ihr gerechtes
Staunen ob Meiner Macht über Leben und Tod, welche sie bei Menschen noch
nicht gesehen hatten.
04] So erzog Ich Meine Jünger
und viele des Volkes, auch Heiden, zu Fortpflanzern Meiner Glaubens und
Liebelehre. Die Echtheit Meiner Worte und die Wichtigkeit Meiner Sendung, den
Grund, warum Ich auf diese Erde kam, und was das Ziel und der Zweck Meiner
irdischen Laufbahn als Mensch war, das alles bewies Ich ihnen bald durch
Gleichnisse, bald durch Reden, bald durch Wunder. Wenige verstanden Mich;
aber doch war der Same in ihre Herzen gelegt, der nach und nach aufging und,
wenngleich spärlich, doch Früchte zu tragen anfing. Überall paßte Ich mich
den Umständen an; entweder hielt Ich gewaltige Reden oder Ich wirkte
Wundertaten, welche dazu beitragen mußten, den Menschensohn als das zu
verkünden, was er eigentlich war.
05] Die Wundertat der Erweckung
des Jünglings zu Nain ist aber, wenn sie als Predigt von Nutzen sein soll,
geistig zu nehmen. Wir müssen den Akt des Natürlichen entkleiden, um seine
für alle Zeiten gültige Bedeutung herauszufinden, damit ihr erkennt, daß in
jeder Tat aus Meinen Lehrjahren etwas verborgen liegt, was für alle
Ewigkeiten Geltung hat.
06] Hier in diesem Evangelium
habt ihr ein einfaches Leichenbegräbnis vor euch, bei dem eine weinende
Mutter dem Sarg ihres geliebten, einzigen Sohnes folgte. Ein gewöhnliches
Vorkommnis, das euch täglich - entweder in eigener Familie oder bei Freunden
und Bekannten begegnen kann. Überall werdet ihr einen starren Leichnam und
weinende Nachfolgende treffen.
07] Um diesen Akt einer
natürlichen Gesetzesfolge im menschlichen Leben geistig zu erklären, müßt ihr
auch das, was einem Leichenbegängnisse vorangeht, geistig auffassen lernen.
08] Seht, jeder Todesfall ist
ein Übergang von einem Extrem zum andern, vom Leben zum Tod, eine Verwandlung
des festen Körpers in einfache Elemente, eine Scheidung des Geistigen vom
Materiellen oder, wenn ihr es noch besser ausdrücken wollt, der Anfang des
geistigen und das Ende des materiellen Lebens.
09] Es gibt in der Schöpfung
einen materiell-scheinbaren und einen geistig wirklichen Tod. Insofern ist
ein Begräbnis entweder als ein Begraben des Geistigen im Menschen oder als
ein Verlassen alles Weltlichen anzusehen.
10] Hier in diesem Falle
beweint eine Mutter ihren einzigen Sohn und folgt seinem Sarg. Zu dieser
traurigen Schmerzensszene kam Ich hinzu. Die Mutter dauerte Mich. Ich ließ
die Träger anhalten und erweckte ihren Sohn, damit er noch ferner die Stütze
seiner ihn liebenden Mutter bleibe.
11] Diese Handlung, geistig
aufgefaßt, will folgendes sagen: Jetzt und noch oft werden Eltern über ihre Kinder,
die eine falsche Richtung eingeschlagen haben, weinen. Sie werden trauern,
wenn sie sehen, wie diese - ungeachtet ihrer Mühen und Sorgen -, gleich einer
materiellen Leiche nichts Geistiges mehr in sich bergend, nur der Welt und
ihren Genüssen nachgehen und so dem geistigen Tod entgegeneilen..
12] Zu manchen solcher
weinenden und trauernden Eltern trete Ich bei solchen Ereignissen, wo Vater
und Mutter leider nur zu spät erkennen müssen, daß an dem frühen Geistestod
ihres Kindes sie selbst auch Schuld tragen, hinzu und rufe die in Sünde und
Laster versunkenen Kinder wieder ins Leben, ins geistige Leben zurück, indem
Ich sie die Folgen ihres Lebenswandels in bitterster Weise verkosten lasse.
Ich erwecke sie durch Leiden und Krankheiten, zerstöre ihre körperliche
Gesundheit und ihre weltlichen Verhältnisse und gebe auf diese Weise dem zum
Leichnam gewordenen Kind das Geistige wieder zurück, damit es von neuem
anfangen möge, das Verlorene wiederzugewinnen, und so seinen Eltern durch
reuige Umkehr die Selbstvorwürfe lindere und ihr Gewissen erleichtere.
13] Solche Leichenzüge gibt es
täglich im gewöhnlichen wie auch im geistigen Leben. Auf eurer Erde ist jetzt
mehr Fäulnis als geistiges Leben vorhanden; beinahe die ganze Menschheit
liegt in materiellen Gelüsten vergraben, gleichsam unbeweglich im Sarge
weltlicher Sorgen und Genüsse. Und die wenigen, welche noch geistiges Leben
besitzen, sind die Leidtragenden, die hinter diesem Sarg einhergehen und zu
Mir um Abhilfe und Rettung flehen, da sie die Toten, ihre Nächsten, bedauern,
bemitleiden - und doch nicht retten können.
14] Dieser Leichenzug im
Kleinen wie im Großen, wie auch das Wehklagen der wenigen Besseren veranlaßt
Mich, zu diesem Sarg hinzutreten und die Schlafenden oder scheinbar Toten
aufzuwecken, damit sie fürs geistige Leben nicht verlorengehen. Ich erwecke
sowohl einzelne Menschen als auch ganze Völker durch Ereignisse und
Unglücksfälle aller Art und lasse sie die Folgen ihres verkehrten
Lebenswandels, da sie das Geistige so ganz außer acht lassen, fühlen.
15] Seht, dieser große
Leichenzug bewegt sich langsam an den Ort, an dem die Zersetzung des
materiellen Körpers stattfindet. Der seelische Zustand vieler Menschen, wie
auch der staatliche der Völker, fängt an, in Fäulnis überzugehen, und es
manifestiert sich ein allgemeiner Zersetzungs, Reinigungs und
Scheidungsprozeß, wie es bei jedem Körper geschieht, der vom Leben verlassen
und den natürlichen Gesetzen unterworfen, anderen Bildungen wieder als
Grundlage und als Förderungsstoff dienen muß.
16] Mitten in diesem
allgemeinen Auflösungsprozeß der ganzen Menschheit, die - bildlich gesprochen
- leblos im Sarg der Weltgenüsse liegt, trete Ich hinzu, lasse durch Meine
Boten und Schreiber neues Leben, neue Kraft, neuen Geist in die Pulsadern der
menschlichen Seele strömen und rufe den eingeschlafenen Weltmenschen, wie
einst dem Jüngling zu Nain, zu: "Jüngling! Ich sage dir, stehe
auf!"
17] Die Menschheit, wie sie
jetzt ist, gleicht mit der kurzen Dauer ihres Prüfungslebens einem Jüngling,
der seine Mission noch lange nicht erfüllt hat. Auch die Menschheit muß ins
Mannes und dann ins Greisenalter übergehen, damit sie reif wird und sich
anschickt, ihre alten Kleider halbvermoderter Weltansichten auszuziehen und
ein geistiges, nie verwesendes Kleid anzuziehen, welches über dieses kurze
Erdenleben hinaus auch fürs andere, größere, ewige Leben tauglich ist. Dieser
in die Verwesung übergehenden Menschheit rufe Ich zu: "Stehe auf; denn
du bist nicht geschaffen, den langwierigen Weg der Materie, sondern den
kürzeren des Geistes zu wandeln! Stehe auf und beachte Meinen Ruf, ehe der
gänzliche Zerfall aller sozialen Bande dich nur zu bitter belehren wird, daß
es noch eine ganz andere Welt gibt als die, an welche du bisher gedacht hast,
und die nur aus lauter Spekulationen, Betrug und Machthaberei besteht!"
18] Seht, wie einst, so jammert
Mich auch jetzt dieser Zustand der Fäulnis! Es jammern Mich die besseren
Leidtragenden, aber auch die Toten, die - da sie Mein Wort nicht kennen - der
Verwesung, dem geistigen Zersetzungsprozeß unwiederbringlich anheimfallen
würden und den langen und beschwerlichen Weg der Erkenntnis von innen heraus,
freiwillig, antreten müßten. Mich jammert es, die Menschheit als Leiche vor
Mir zu sehen, da Ich doch bei Erschaffung der Menschen einem jeden einen
geistigen Funken Meines eigenen Wesens als Mitgift gab. Später durch Mein
Herniedersteigen auf eure Erde habe Ich nicht allein diesen Funken wieder zur
Wirkung gebracht, sondern - was Ich durch Demütigungen und Opfer bezahlen
mußte - euch Menschen vor so vielen anderen Geschöpfen auserkoren, Mich nicht
nur als höchsten Geist, sondern auch als Vater zu erkennen und mit Mir und
durch Mich zur Weiterbildung anderer Welten beizutragen, welchen ihr dann
neue Seligkeiten und neue Wahrheiten bringen dürft. Das Geben derselben wird
euch selbst noch größere Seligkeiten bringen, und ihr werdet als Kinder
Meiner Liebe erst empfinden, was es heißt, die Bevorzugten des allmächtigen
Schöpfers und Herrn des ganzen Universums zu sein!
19] Darum jammert Mich dieser
Leichenzug, und deswegen ertönt durch Meine Worte und Himmelsgaben, die Ich
auf euch und die ganze Menschheit seit Jahren herniederströmen lasse, stets
der Ruf: "Steht auf, erwacht von eurem weltlichen Schlaf! Erwacht zum
geistigen, zum ewigen Leben; denn nur dort ist die Löse eurer eigenen
Existenz! Dort allein ist der Anfang und das Ende des Menschengeschlechts!
Ihr braucht euch nicht wie der materielle Körper aufzulösen, um anderen
Formen, Wesen und Dingen anzugehören! Nein, ihr sollt eures einfachen
Ursprungs wohl eingedenk, als unmündige Seelen das Knaben-, Jünglings- und
Mannesalter durchleben, um im Greisenalter mit dem Bewußtsein schöner Taten
und mit erhabenen Empfindungen in jene Welt übergehen zu können, wo keine Verwesung
des Weltlichen mehr hinreicht, sondern wo alles Geist, alles Liebe, alles
Licht ist, wo alles Wärme und ewiges Leben atmet, wo es keine Leidtragenden,
sondern lauter freudige, jubelnde Geister gibt! Sie sollen mit und durch euch
zum großen Endziel, in Mein unendliches Geisterreich, geführt werden, und Ich
werde als Vater Meiner Kinder die Erweckten zum ewigen Lichtborn des Lebens
führen. Dann werden sie Mich als Vater erst ganz begreifen.
20] Diese Auferstehung aus dem
Materiellen, dem weltlichen Sarg, will Ich mit all Meinen Worten bezwecken,
wie Ich einst mit Meinen Wundertaten, Worten und Gleichnissen ebenfalls die
damalige Welt beschützen und vorbereiten wollte, daß sie geistig nicht
verwese.
21] In jener Zeit waren die
Propheten, Meine Jünger und sonstige Gläubige die Leidtragenden; heutzutage
seid ihr es, denen Ich das Wort des Heils und des ewigen Lebens gegeben habe,
damit auch ihr, soviel wie möglich, zum Rettungswerk beitragen könnt!
22] Arbeitet zu diesem Zweck in euren eigenen Familienkreisen!
Laßt dort keine Tote oder Verwesende aufkommen! Säet den Samen des Lebens,
den dann Mein geistiger Wind, wie die Herbststürme den materiellen Samen auf
zu befruchtende Felder, in die durch Leiden und Unglücksfälle zubereiteten
Herzen führen wird, damit auch dort das Auferstehungsfest sich wiederhole!
Dann wird vom ganzen leblosen Leibe der Menschheit nichts als der Sarg, die
Welt selbst übrigbleiben, die sich dann - will sie dem Menschen nützlich sein
- durch den Einfluß der vergeistigten Menschheit ebenfalls vergeistigen muß.
So wird das einstige Paradies wieder erstehen, in welchem der Mensch, als
geistiges Geschöpf Meiner Schöpferhand entstiegen, wieder geistiger Herr über
alles Getier und selbst über die Elemente ist, - was nur der lebende, nicht
aber der tote ,Jüngling zu Nain` vermögen wird. Amen.
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00] Wahre Sabbatfeier (Lk.14,01-06): Und es begab sich, daß
Jesus in ein Haus eines Obersten der Pharisäer kam auf einen Sabbat, das Brot
zu essen; und sie hatten acht auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm,
der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten
und Pharisäern und sprach: "Ist es auch recht, am Sabbat zu
heilen?" Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilte ihn
und ließ ihn gehen. Und er sprach zu ihnen: "Welcher ist unter euch, dem
sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt und der nicht alsbald ihn
herauszieht am Sabbattage?" Und sie konnten ihm darauf nicht wieder
Antwort geben.
01] Der Anfang dieses Kapitels
spricht von der Heilung eines Wassersüchtigen, und zwar im Hause eines
Obersten der Pharisäer und an einem Sabbat, an dem nach den strengen
Vorschriften der Juden nichts weiter getan werden sollte, als den kirchlichen
Gebräuchen und Zeremonien nachzukommen.
02] Daß diese Heilung unter den
angeführten Umständen vorgenommen wurde, hatte seinen guten Grund. Dieser
Oberste war zwar ein Anhänger Meiner Lehre, jedoch faßte er die Satzungen des
Tempels nur im buchstäblichen Sinne auf; auch hörte er Mich gern an, wenn Ich
nur nichts unternahm, was gegen seine Ansichten und gegen seine Würde als
Pharisäer verstieß. Ich ließ es daher zu, daß, während Ich am Tisch bei ihm
saß, ein mit der Wassersucht behafteter Mann ins Zimmer trat und Mich um
Heilung seiner Krankheit anflehte.
03] Daß Ich ihn heilte, bezeugt
das Evangelium. Aber weil Ich ihn gerade an einem jüdischen Sabbat heilte,
war das ein Stein des Anstoßes. Gerade dadurch wollte Ich den Pharisäern klar
zeigen, wie schlecht sie ihre eigenen Satzungen verstehen, und wie falsch sie
diese dem Volk beibringen. Daher der Einwurf, indem Ich sagte: "Wenn
euch ein Ochse oder ein Esel am Sabbat in den Brunnen fällt, so ziehet ihr
ihn doch heraus, weil es eben euer eigenes Interesse verlangt; aber am Sabbat
ein gutes Werk an anderen oder für andere zu verrichten, das haltet ihr für
Sünde!"
04] Ich wollte ihnen dadurch
beweisen, daß Wohltaten und gute Handlungen nicht den vorgeschriebenen
Feiertag oder Sabbat entheiligen, sondern ihn eher heiligen als viele
nutzlose Gebräuche und Zeremonien, welche gedankenlos vollführt werden.
05] Bei dem jüdischen Volke gab
es derlei Mißstände in Menge. Obwohl sie die Gesetze Mosis und die Propheten
hatten, so wußten sie doch ihren Wortlaut nicht geistig zu deuten. Sie wurden
von den Pharisäern und Schriftgelehrten im Wahne buchstäblicher Auffassung
bestärkt, weil den letzteren sehr viel daran lag, die Gesetze so auszulegen,
und daß es nicht viel Mühe kostete, ein Jude im Buchstabensinn zu sein.
06] Daher Mein Darniederkommen
gerade inmitten dieses Volkes, welches schon lange eine Religion besaß, die
als Unterbau zu Meiner Lehre am ehesten tauglich war. Es kam nur darauf an,
die alten Gesetze nicht umzustoßen, sondern sie dem Judenvolk gereinigt
wiederzugeben, geistig zu erklären und auf diese Weise die Menschenwürde zu
retten, welche nahe daran war, in lauter zeremoniellen Gebräuchen des Tempels
und in egoistischen Weltgenüssen unterzugehen.
07] Während Meiner drei
Lehrjahre verfolgte Ich stets diesen Zweck. Ich suchte Gelegenheiten auf oder
ließ solche zu, welche den Anlaß gaben, gegen die falschen Ansichten und
Vorurteile der Juden anzukämpfen.
08] So war auch die Feier des
Sabbats eine Frage, die Ich als Stifter Meiner göttlichen und einzig wahren
Religion nicht gleichgültig übergehen konnte. Um diese Vorurteile
auszumerzen, fing Ich gerade im Hause eines Obersten der Pharisäer an,
dagegen zu handeln, damit diese Handlung einen Grund zur Aussprache geben
sollte. Weil nun die Pharisäer die ersten sein und alles besser wissen und
verstehen wollten, darum mußten auch sie zuerst von ihren irrigen Begriffen
gereinigt werden, wenn je dem Volk reiner Wein eingeschenkt werden sollte.
Deshalb wirkte Ich diese Heilung gerade vor ihren Augen und antwortete ihnen,
daß sie verstummen mußten, wie die Verse 5 und 6 bezeugen.
09] Die Obersten des Tempels
hatten vom Wohltaten erweisen eine ganz andere Ansicht, so daß Ich Mich
oftmals genötigt sah, ihnen die Worte von der Nächstenliebe in Beispielen und
Gleichnissen näher auseinanderzusetzen; denn nach ihrer Ansicht waren
Wohltaten nur dem Tempel und ihrer Person zu erweisen. Alles andere, das an
Menschen getan wurde, war für sie nicht der Beachtung wert.
10] Schon in jener Zeit wurde
die Feier des Ruhetags jede Woche falsch aufgefaßt; und heutzutage wird
dieser Tag ebensowenig richtig gefeiert oder - mit anderen Worten gesagt -
der geistigen Erziehung gewidmet wie damals. Es ist deshalb wohl auch jetzt
nicht unrecht, wenn Ich, anschließend an diesen Heilungsakt am Sabbat, über
die Feier dieses Tages einige Bemerkungen anknüpfe und euch zeige, daß auch
ihr noch sehr weit davon entfernt seid, diesen Tag so zu feiern, wie es Moses
gemeint hatte und Ich selbst es verstanden wissen möchte!
11] In der Welt, wie sie war
und noch ist, gibt es stets Befehlende und Gehorchende. Es war von jeher der
Fall, daß die Befehlenden, nur ihren eigenen Nutzen im Auge behaltend, oft
die Gehorchenden und ihre Arbeitskraft mißbrauchten, ihnen wenig Ruhe, wenig
Zeit gönnten, um auch nur wenigstens einmal in der Woche das Zeitliche
beiseitesetzen und entweder ein Wort geistigen Sinnes vernehmen oder eine Betrachtung
höherer Art anstellen zu können über den wahren Grund ihrer eigenen Existenz,
darüber, was sie als Menschen sind oder als mit göttlichem Geist begabte
Wesen werden sollen.
12] Dies war der Grund, warum Moses
in seinen Gesetzen das, was die Mächtigen nicht freiwillig wollen, als von
Gott anbefohlen hinstellte. In der bildlich dargestellten
Schöpfungsgeschichte ließ er den obersten Herrn und Schöpfer selbst nach
sechstägiger Arbeit den siebenten Tag als den Tag der Ruhe einsetzen.
13] Diese Anordnung, die zur
Bewahrung der moralischen Würde des Menschen notwendig war, ist auch von
anderen Völkern angenommen worden und besteht jetzt fast überall. Wenn auch
die damalige Woche anders eingeteilt war, als es eure jetzige Zeitrechnung
tut, so ist doch immer ein Tag in der Woche festgesetzt, der zum Ausruhen von
körperlicher Anstrengung, zur Einkehr in sich selbst und zum Nachdenken über
die geistige Mission des Menschen bestimmt ist.
14] Was die Juden zuviel taten,
indem sie durch buchstäbliche Auffassung ihrer Satzungen zu weit gingen, das
ist bei den christlichen Völkern schon seit langer Zeit umgekehrt der Fall.
Während bei jenen als strenges Gebot die Heiligung des ganzen Tages
anbefohlen war, genügt bei den Christen zeitweiser Kirchgang; die übrige Zeit
wird mit Vergnügungen, Prassen und Schlemmen zugebracht. Am Sonn und Feiertag
wird im ganzen mehr Schlechtes getan als während der ganzen Woche, wo wegen
Beschäftigung und Mangel an Mitteln die nötige Zeit und Gelegenheit fehlt.
15] Was bei den Juden die
Pharisäer taten, das befolgten später die christlichen Priester. Sie dachten
nur an ihr eigenes Ansehen und ihre Macht. Die Pharisäer setzten den Tempel
als erstes voran, und die Priester der Christen ihre Kirche. Bei den ersten
dehnte sich die Weihe des Feiertages auf 24 Stunden aus - auch außerhalb des
Tempels mußte der Feier des Tages noch gedacht werden -, bei den Christen
beschränkt sie sich nur auf einige Stunden in der Kirche. Die meisten Menschen
glauben, sich mit Mir abgefunden zu haben, indem sie ein paar Stunden in
einer Kirche saßen, standen oder träumten, nichtssagende Gebete
herunterplapperten oder gemütlich einschlafend den Predigten der Priester ein
natürliches Stillschweigen entgegensetzten. Damit ist freilich dem Ehrgeiz
der Priester geschmeichelt, sehen sie die Kirchen voll menschlicher Leiber;
aber die Seelen derselben beschäftigen sich entweder mit gar nichts oder mit
etwas ganz anderem als mit dem, was die Kirche oder Meine von Mir gestiftete
Religion erheischt.
16] So greift der Mißbrauch
immer mehr um sich, und jetzt fängt man sogar an, auch diesen Tag nicht mehr
als Ruhetag gelten zu lassen, da man das Gewissen der gehorchenden durch Geld
zu beschwichtigen weiß und ihnen das wenige, was sie noch glauben,
hinwegdisputiert, ohne ihnen dafür etwas Besseres zu geben.
17] So geht der Verfall von
Stufe zu Stufe fort. Die Befehlenden glauben dadurch einen Gewinn erreicht zu
haben, daß ihr Eigennutz nun freiwillig von der arbeitenden Klasse, die
ebenfalls wieder aus Eigennutz schafft, unterstützt wird. Doch sie irren sich
gewaltig! Sie werden sehen, wohin es führen wird, wenn man dem
Minderbegüterten die wenigen geistigen Elemente, die auch den Mächtigen ganz
fremd geworden sind, entzieht und ihm durch Vermehrung des Gewinns seine
Laster vermehrt. Sie verachten alles, was sich auf Mich und Meine Lehre
bezieht. Und dieses Beispiel wird auch von den Untergebenen gewissenhaft
befolgt. So siegt endlich das Materielle über das Geistige, bis Ich die
Verhältnisse so stellen werde, daß die Machthabenden die Früchte ihres
Egoismus - welche ganz anders ausfallen werden, als sie es sich erträumen -
ernten müssen.
18] Der Sonn und Feiertag soll
ein gewisser Hemmschuh sein; er soll der Tag sein, an dem die Mächtigen den
Niederen eine Anerkennung für das Geleistete zu geben haben. Und für die
Gehorchenden soll der Sonn und Feiertag der Tag sein, an dem sie sich daran
erinnern sollen, daß ein Tag zu Betrachtungen über seine eigene geistige Bestimmung
nicht zuviel ist; er soll der Tag sein, an dem die Geschäfte zu ruhen haben.
19] An diesem Tag spricht Meine
Natur ihre ewig gleiche Sprache zu allen Herzen: "Vergeßt über all euren
Arbeiten den Schöpfer nicht, der so viel Wunderbares und Herrliches auf
dieser Erde geschaffen hat, um euch stets daran zu erinnern, daß ihr nicht
für diese Welt allein bestimmt seid, daß eure Arbeit nicht immer materiell,
sondern auch geistig sein soll! Erkennt Den, der mit so viel Liebe und Geduld
euch schwache Kinder führt, und der euch mitten unter die Herrlichkeiten
setzte, die wenigstens an einem Tage der Woche euch eure schwere Arbeit
vergessen machen möchten!"
20] Ich selbst als Schöpfer
setzte den Tag der Ruhe nach Moses Schöpfungsgeschichte am siebenten Tag ein.
Er war gleichsam das Bild dafür, daß Ich, nachdem Ich Mich mit Materie
beschäftigt hatte, am siebenten Tag in die bis dahin starre Hülle den Geist
eintreten ließ. Und dieser Tag, an dem Ich die Materie zu etwas Geistigem
erhob, war der Tag der Feier oder der Weihe. Daher soll er auch vom Menschen
gefeiert werden, wenn er - gleich Mir - sechs Tage geschafft und gearbeitet
hat.
21] Am siebenten Tag soll der
Mensch sein Werk betrachten, um darin die geistige Idee wahrzunehmen, welche
ihn leitete, solches hervorzubringen. Es soll dieser Tag ein Tag der Feier in
geistiger Hinsicht werden, an dem er erkennen soll, daß sein wöchentliches
Schaffen und seine eigene Existenz nicht eine materielle, sondern eine
geistige Grundlage hat, deren er sich eben an diesem Tag mehr als an anderen
erinnern soll. An diesem Tag, wo keine Pflicht, keine Arbeitsstunde ihn zum
materiellen Handwerk zwingt, soll er sich Meiner Schöpfung, Meiner Lehre,
Meiner Liebe und Meiner Aufopferung für ihn im einzelnen, wie für die ganze Menschheit
erinnern.
22] Dieser Tag soll ihm
deswegen ein Tag der Weihe werden, weil er an ihm das Materielle abstreifend
sich mehr dem geistigen, hehren und erhabenen Ziel nähern kann, zu welchem er
und die Gesamtschöpfung gelangen sollen.
23] So soll ein jeder Mensch
den Sonntag feiern als einen Erinnerungstag Meiner Liebe und zum Andenken an
alles, was Ich für ihn getan habe. Dann wird dieser Tag für alle Werktage ein
sanftes, religiöses Gefühl zurücklassen, durch welches auch die materiellste Arbeit
geheiligt wird. So kann der Mensch allem, was er tut und leistet, den Stempel
seiner eigenen Göttlichkeit aufdrücken.
24] So soll der Sonn oder
Ruhetag von euch verstanden und gefeiert werden. Ihr sollt euch stets
erinnern, daß es einst einen solchen Tag für Mich gegeben hat, und daß ein
jeder einen solchen Festtag dann erleben wird, wenn er, der materiellen Hülle
ledig, in der anderen, ewigen Welt als vergeistigter Seelenmensch ankommt und
als Erinnerung das Bewußtsein mitbringt, allen seinen materiellen
Beschäftigungen den Stempel eines großen Menschengeistes, der ihn adelte und
dessen er würdig war, aufgedrückt zu haben.
25] Daher haltet auch ihr diese
Ruhetage in einem höheren, geistigen Sinn! Seht durch des Buchstabens harte
Rinde das Geistige hindurchleuchten! Dieses ist, was beseligt. Vergeistigt
alles, eure Umgebung, euch selbst, eure Taten und Worte!
26] Nicht allein der siebente,
sondern ein jeder Tag, an dem ihr geistig vorwärtsschreitet, wird dann für
euch ein Sonn und Feiertag sein, der - wie die Sonne, nach welcher dieser Tag
bei euch benannt ist - Licht, Wärme und Leben über euch und eure Umgebung
ausströmen wird. Jeder Tag wird ein Tag der Feier oder der Wonne werden, wenn
ihr eures Schöpfers würdig und euer Ziel klar erkennend - von Stufe zu Stufe
vorwärtsschreitet, bis euch der ewige, nie endende Feiertag, der Tag der
Feier der ewigen Seligkeit in jenen Räumen zuteil wird, in denen jeder Tag
ein Tag der Weihe und des Friedens ist, wie ihn ein liebender Vater Seinen
Kindern schon von unendlichen Zeiten her bereitet hat. Amen.
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00] Das größte Gebot (Mt.22,34-40): Da aber die Pharisäer
hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich.
Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach:
"Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz Jesus aber sprach
zu ihm: "Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von
ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich
selbst. In diesen beiden Geboten hanget das ganze Gesetz und die
Propheten."
01] Über die Antwort, welche
Ich dem Pharisäer auf seine Frage: "Welches ist das vornehmste
Gebot?" gab, ist euch schon manches gesagt worden, und es wäre
eigentlich nicht notwendig, hier über die beiden Liebesgebote: "Liebe
Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst!" noch weiter etwas
zu sagen. Allein da es hier als eine Sonntagspredigt besonders angeführt ist,
wie die Pharisäer und Schriftgelehrten Mich versuchten, um einen Anklagepunkt
gegen Mich zu finden - weil ihnen Mein Treiben und Meine Wahrheiten lästig
waren -, so wollen wir diese zwei Gesetze einer näheren Betrachtung
unterziehen. Ich werde euch sowohl die dortige Lage der Dinge, als auch ihre
analoge geistige in jetziger Zeit etwas näher auseinandersetzen, damit ihr
den Zusammenhang Meiner Worte und Taten in jener Zeit mit den jetzigen
Ereignissen leichter in Einklang bringen könnt.
02] Seht also, in jenen Zeiten
meines Erdenwandels war die Priesterkaste ebenso ehr und habsüchtig, wie sie
es in allen späteren Zeiten gewesen ist, und wer ihre Macht schmälern oder
gar vernichten wollte, war natürlich ein Feind der Kirche, weil er ein Feind
der Priester war und das Volk von ihnen abwenden wollte, was sie dann
besonders in bezug auf ihre Macht und am meisten an ihren Geldsäcken verspürt
hätten. Sobald also ein Lehrer auftrat, wie Ich es tat, dem sie wegen seiner
klaren Worte wenig Widerspruch entgegensetzen konnten, waren sie nur darauf
bedacht, ihn als gefährlichen Aufwiegler gegen die bestehenden politischen
Einrichtungen unter irgendeinem Vorwand der Obrigkeit zur Bestrafung zu
überliefern, welches ihnen auch gelang, als die Zeit Meiner Mission auf Erden
zu Ende ging. So oft sie es früher versuchten, wich Ich ihren gelegten Fallen
persönlich und ihren verfänglichen Fragen durch wohlbedachte Antworten aus.
03] In diesem Kapitel findet ihr verschiedene Fragen,
verschiedene Versuche, Mich mit der Obrigkeit zu verwickeln, damit sie ihren
Zweck erreichen könnten, ohne daß es den Anschein hätte, als wären sie die
Urheber Meiner Gefangennahme, weil sie das Volk fürchteten, das Mir anhing
und nachfolgte. Daher solche Fragen, wie die wegen des Zinsgroschens und
mehrere andere dieser Art. Auch die Frage eines Schriftgelehrten:
"Welches ist das vornehmste Gebot?" war auf einen Fang abgesehen;
denn dieser Fragende erwartete von Mir eine Antwort, aus welcher eine
Mißachtung der bestehenden weltlichen Gesetze herausgefunden werden könnte,
worauf die Diener und Knechte des Statthalters triftigen Grund gehabt hätten,
Mich den Gerichten zu überliefern. Da Ich jedoch ihre Gedanken und Absichten
im voraus wußte, hütete Ich Mich wohl, ihnen vor der Zeit Anlaß zu
lügnerischen Beschuldigungen zu geben. Meine Antwort fiel so aus, wie sie
schon in ihren Gesetzen lag, nur war Meine Deutung dieser Gesetze von ihrer
Deutung verschieden, verschieden war auch die Anwendung dieser Gesetze, also
die Art und Weise, wie Ich sie befolgt haben wollte.
04] In den mosaischen Gesetzen
waren die beiden einzigen und wichtigsten Gesetze ebenfalls enthalten. Doch
die Deutungen und Erklärungen der Priester und Schriftgelehrten machten sie
dem Volk nur von der Seite zugänglich, von welcher für den geistigen Menschen
wenig herausleuchtete und es ihm schwer wurde, seine richtige Stellung zu Mir
und zu seinem Nächsten, sowie zur ganzen Schöpfung herauszufinden, ein
Verhältnis, welches auch jetzt noch von wenigen in dem Sinne aufgefaßt wird,
wie es dem Geiste nach sein sollte. Damals hielt sich das Volk an den
Buchstaben, und jetzt, nach mehr als tausend Jahren, klebt es noch immer
ängstlich an demselben wie eine Fliege an einer Leimrute, welche gerne frei
sein möchte, der aber die nötige Kraft fehlt, sich selbst frei zu machen.
05] Wenngleich Ich dem
Pharisäer diese zwei einzigen Gebote als die größten bezeichnete, so begriff
er sie ebensowenig wie die Antwort auf Meine Frage: "Was haltet ihr von
Christus?" Diese Antwort war einem Psalm Davids entnommen und zeigte
ihnen in Fernsicht, daß Mir als Herrn der Schöpfung am Ende doch alles
untertan und zu einem Fußschemel wird, auf dessen Fläche Meine Füße ruhen
werden, d.h. worauf Meine Lehre als Gebäude aufgerichtet werden wird.
06] Was es heißt: "Gott
über alles lieben", begriffen damals und begreifen heute noch viele
nicht; und was es heißt: "Seinen Nächsten lieben" - ein
Ergänzungsgebot des ersten -, ist vielen Menschen ebensowenig klar.
07] Seht, "Gott über alles
lieben" ist ein Wort, das leicht auszusprechen, aber nicht so leicht
verstanden und noch schwieriger auszuführen ist! Da muß Ich wieder zuerst
fragen: "Warum sollen denn die Menschen Gott über alles lieben?" -
Diese Frage muß zuerst beantwortet werden, ehe über Liebe und das Maß
derselben gesprochen werden kann.
08] Nun, wenn ihr diese Frage
mit kühlem Verstand betrachtet, so geht aus dieser Betrachtung eine andere
Frage hervor, nämlich die: "Warum soll ich denn Gott lieben?" Hier
ist nun in Betracht zu ziehen, daß der kalt urteilende Mensch so antworten
wird: "Wenn ich so recht nachdenke, finde ich keinen Grund, einen Gott
zu lieben, erstens, weil ich etwas Unsichtbares nicht lieben kann, und
zweitens, weil ich dem Gott, der mich erschuf, nicht zum Dank verpflichtet
bin. Als Er mich erschuf, hat Er mich nicht gefragt, ob es mir recht ist oder
nicht! Er hat dabei nur sein Vergnügen des Erschaffens im Auge gehabt, aber
nicht danach gefragt, ob ich als erschaffenes Wesen dann mit meinem Zustand
und meiner Stellung, die Er mir unter den andern Wesen angewiesen hat,
wirklich zufrieden bin, und ob ich mich glücklich fühle."
09] Aus diesen Schlüssen ginge
hervor, daß von seiten des Menschen gar keine Verpflichtung vorläge, seinen
Schöpfer zu lieben, selbst wenn Er ihn auch in die glücklichsten Verhältnisse
gestellt hätte, um so weniger aber, wenn in Betracht gezogen wird, mit
welchen Drangsalen, Leiden und Mißhelligkeiten der Mensch von Geburt an bis
zum Tode kämpfen muß. Deswegen sollten die Menschen Gott lieben, und dazu
noch über alles? Das wäre doch etwas zuviel verlangt! So manche Menschen
möchten zu ihrem Schöpfer sagen: "Wenn Du mich nicht als Mensch
erschaffen hättest, könntest Du noch eher Anspruch auf meine Liebe erheben;
aber unter diesen traurigen Lebensverhältnissen, gehört eine zu große Dosis
Einfalt dazu, Den zu lieben, der mich im Materiellen in mancher Hinsicht
unter das Tier gestellt hat, und der mir nur die Fähigkeit verlieh, meine
Lage so recht beurteilen und beweinen zu können!"
10] Seht, Meine Kinder, so
urteilt, und nicht mit Unrecht, der Verstandesmensch, dem die kalte
Wirklichkeit - d.h. das, was er vor sich sieht, mit Händen greifen und mit
seinen Sinnen wahrnehmen kann die ganze Welt ausmacht. Eine solche
Denkungsweise war schon seit Entstehung des Menschen immer bei einzelnen die
Basis ihrer Handlungen, und in jetziger Zeit predigen solches eure gelehrten
Materialisten ohne Scheu und finden ein großes Publikum, welches ihren
Ansichten ganz beistimmt und ihnen Beifall klatscht.
11] Wenn Ich also das Gebot:
"Du sollst Gott über alles lieben!" in dieser Predigt wieder
berühre, so geschieht es deswegen, um dem größten Teil der Menschen ihre
falschen Ansichten von Mir und der Welt nebst den damit zusammenhängenden
Fehlschlüssen - vor Augen zu halten, und um derer willen, die noch für etwas
anderes Sinn haben, als nur Verehrer der vergänglichen Materie zu sein, und
welche fühlen, daß noch etwas Besseres und Tieferes sich in ihrem Innern
bewegt und sie zu geistigem Leben antreibt.
12] Wenn Ich ein Gebot gegeben
habe, so muß doch ein Grund dazu vorhanden sein, warum das Gebot ausgeführt
oder befolgt werden soll. So muß also auch ein Grund bestehen, warum Ich
dieses Gesetz der Liebe als das vornehmste und größte in Meiner Schöpfung
bezeichnete, und warum es zu deren Fortbestand, Zusammenhang und
Vervollkommnung eingesetzt wurde.
13] Nun seht, bei jedem Gesetz
kann leicht beurteilt werden, was der Beweggrund war, das Gesetz so und nicht
anders zu geben, und ob das Gesetz aus Liebe, also zum Besten anderer, oder
nur aus Eigennutz für den Gesetzgeber selbst gegeben wurde.
14] Wenn nun Ich als Schöpfer
Meinen geschaffenen, Mir gleichenden Wesen als erstes Gesetz die Liebe
vorschreibe, die sie gegen ihren Erschaffer haben sollen, so ist doch klar,
daß man den Grund oder das Warum dieses Gesetzes auch in Meinen Anordnungen
erkennen muß, und begreift, daß überall - es mag geschehen, was will - Liebe
zugrunde liegt.
15] Was ist denn eigentlich
,Liebe`?
16] Seht, auch diesen Begriff
müssen wir erklären, um dessen Größe besser beurteilen zu können!
17] Liebe ist nichts anderes
als eine gewisse Zuneigung zu einem belebten oder unbelebten Gegenstand.
Diese Zuneigung bedingt die Erhaltung dieses Gegenstandes in dem Maße, in dem
er eben unsere Liebe in Anspruch nimmt. Unter lebenden Wesen ist Liebe eine
Zuneigung oder ein Hingezogenwerden zu anderen Wesen, die wegen ihrer
Eigenschaften mit ihren Gefühlen harmonieren. Beim Menschen kommt hinzu, daß
der, der Liebe gibt, auch wieder Liebe empfängt. Der Liebende möchte mit dein
geliebten Wesen im Austausch seiner Gesinnung und Gefühle bleiben und, Liebe
wieder von ihm zurückerhaltend, sich gleichsam mit ihm vereinen und ein
geistiges Ganzes ausmachen. Die Liebe, welche keinen andern Zweck hat, als
den Geliebten so glücklich wie möglich zu sehen, ist ferner die Eigenschaft,
welche uns fähig macht, dem Geliebten alles zu geben und für uns nichts zu
behalten als nur das Bewußtsein, ihn so glücklich gemacht zu haben, wie es
unsere Kräfte erlaubten.
18] Nun, wenn der Mensch diese
Liebe von seiten seines Gottes, Schöpfers und Herrn begriffen und erfaßt hat,
dann ist ihm auch das Gesetz der Liebe leicht verständlich, welches ihm
gebietet, dem Gott, der alles hergegeben hat, um Seine Geschöpfe glücklich,
ja ewig selig zu machen, auch aus ganzer Seele und mit aller ihm möglichen
Kraft zu lieben.
19] Wie beweist aber Gott dem
Menschen diese Liebe, die Er für ihn geopfert hat, um seine menschliche Liebe
so anzuregen, daß sie über alles Irdische, Sichtbare und Unsichtbare hinaus
den Schöpfer des großen Universums über alles lieben lernt?
20] Seht, hier gibt es zwei
Wege, die dem Menschen die Liebe seines Schöpfers beweisen und klar machen
können: die geistige, unsichtbare, in ihm wohnende Welt, und die materielle,
sichtbare, ihn umgebende Welt. Beide Wege, obwohl verschieden in ihrer Ausdrucksweise,
führen zum gleichen Ziel, d.h.: den Schöpfer als liebenden Herrn und Vater zu
erkennen.
21] Betrachten wir zunächst den
ersten Weg.
22] In früheren Zeiten, als man
die Natur weniger kannte, wurden durch die Gelehrten so manche Anfänge des Unendlichen
im Großen wie im Kleinen aufgedeckt. In jener Zeit war es der innere Mensch,
der die begeisterten Gesetzgeber, wie Moses und die Propheten und Seher
beschäftigte. Sie machten den Menschen auf sein Inneres aufmerksam und
stellten das als Gebot hin, was eigentlich aus freiem Antrieb geschehen
sollte.
23] Damals stand dieses Gesetz
der Gottesliebe als Gesetz, nicht aber als Liebesgebot vor dem Menschen.
Deswegen fragte auch der Pharisäer, welches das vornehmste Gebot sei, weil er
dieses Gebot nicht für so wichtig hielt und vielleicht glaubte, von Mir eine
Antwort zu bekommen, welche auf ein bürgerliches Gesetz hindeutete. Denn
Liebe, wie Ich sie gebot, war diesem Pharisäer und auch vielen anderen
Menschen in jenen Zeiten fremd, wie auch jetzt noch die Liebe, wenn sie etwas
anderes bedeutet als nur Liebe für sich, Millionen Lebender trotz aller
Aufklärung ein unbekanntes Ding ist.
24] Um dieses Gesetz Meiner
großen Schöpfung zur Geltung zu bringen, stieg Ich selbst auf eure dunkle
Erde hernieder und zeigte euch durch Wort und Tat, was Liebe zu Gott und was
Liebe zum Nächsten ist. So brachte Ich den Menschen aus seiner materiellen
Richtung und erhob ihn zu einem geistigen Geschöpf, das zwar die Wurzel,
seine Füße auf Erden, im Materiellen, jedoch seinen Kopf oder die geistige
Blume in Regionen emporhebt, welche mit der Materie nichts zu tun haben.
25] So wie Ich Meinen
Mitlebenden die Gottesliebe erklärte, so zeigte Ich ihnen auch in vielen
Gleichnissen, Worten und Taten, was eigentlich Nächstenliebe ist, wie sie
verstanden und ausgeübt werden soll, zeigte ihnen wie das zweite Gebot, das
der Nächstenliebe, nur dann erfüllt werden kann, wenn man das erste ganz im
geistigen Sinne aufgefaßt hat, und wie umgekehrt die Gottesliebe nur dann
echt und rein ist, wenn sie am Nächsten und an der ganzen, den Menschen
umgebenden Welt als Bruderliebe ihren Ausdruck findet.
26] Der zweite Weg, die Liebe
Gottes durch die Natur zu beweisen und in ihr Gottes Sprache auf jedem
Schritt zu gewahren, war späteren Jahrhunderten vorbehalten, obwohl auch
schon in jenen Zeiten Meines Erdenwandels und noch früher die Priesterkasten
mit den Geheimnissen der Natur vertraut waren, so gut, wie es jetzt nur
wenige sind. Lange blieb diese Stimme, durch welche Ich den Menschen von
Meiner allumfassenden Liebe tausend und abertausend Beweise geben wollte,
unbemerkt. Auch jetzt noch ist es nur einzelnen vorbehalten, diese Stimme bei
ihren Forschungen zu vernehmen. Leider kennen die meisten im Gebiet der
Naturwissenschaft Herumwühlenden nur die Materie und ihre von Mir ihr
aufgedrungenen Gesetze, statt den leisen Ruf der Liebe zu vernehmen, der
ihnen aus jedem Atom entgegenweht, weil eben in jedem Atom ein Liebeshauch
Meines göttlichen Ichs verborgen liegt, der ebenfalls auf seine weitere
Entwicklung nach den Liebesgesetzen wartet.
27] Es war für euch jetzt
Lebenden das Fernrohr, das euch die weiten Räume über euch erschloß; es war
das Mikroskop, welches euch die Wunder des Kleinsten enthüllte. Durch beide Instrumente
könnt ihr die Unendlichkeit und den Unendlichen selbst wohl ahnen, aber nicht
begreifen.
28] Beide Wissenschaften,
Astronomie und Naturwissenschaft, sind dem Menschen gegeben, um seinen Stolz
zu dämpfen, seinen Dünkel zu beseitigen und ihn doch als Geist hoch über alle
Räume zu erheben, weil sie dem Endlichen die Fähigkeit gaben, das Unendliche
zu erfassen und zu ahnen.
29] Beide Wissenschaften sollen
zur Gottesliebe, die Gottesliebe zur Menschenwürde und die Menschenwürde zur
Nächstenliebe führen, die sodann wieder zu Dem zurückführt, der alles so
geordnet hat, daß jeder Funken Liebe seinen Kreislauf vollenden kann, indem
er, von Mir als Gott ausgegangen, zu Mir wieder zurückkehrt.
30] So soll denn die
Gottesliebe sich von selbst in den Herzen der Menschen bilden und ihren
Ausdruck in der Nächstenliebe finden, indem diese auf die erstere gegründet
den Kreislauf beschleunigt und sich so beide Gesetze, aus denen alles
hervorgegangen ist, und zu denen alles zurückzukehren sucht, als die höchsten,
aber auch die einzigen bewahrheiten. So sind diese Gesetze die vornehmsten;
denn sie sind auf Liebe, auf die Hinneigung von Gleichem zu Gleichem gebaut
und können nur Harmonie, d.h. Ruhe, Glückseligkeit und Wonne bereiten.
31] Wenn auch der Mensch auf
seiner Lebensbahn so manche Kämpfe und bittere Leiden zu ertragen hat, sieht
doch der geistige Seelenmensch darin nicht die Folge materieller oder
sozialer Verhältnisse, sondern er sieht in ihnen die Schulung zu einem
höheren Leben. Es müssen zuerst die Versuchungen der materiellen Welt
überwunden sein, ehe die geistige in ihrer ganzen Wichtigkeit erfaßt und
verstanden werden kann. So sind ihm, dem Sohn eines Gottes, Kämpfe und Leiden
nur ein Ansporn zum Vorwärtsschreiten, nicht aber ein Grund zur Enttäuschung;
so fühlt er sich im Kampf mit der materiellen Welt erhaben und als geistiges
Kind eines ihn ewig liebenden Vaters stark genug, sie zu besiegen, wie Ich
zur größeren Bekräftigung euch als Jesus ein glänzendes Beispiel gegeben
habe.
32] In diesem Bewußtsein
begreift der Mensch, warum er Gott über alles - d.h. weit über jede andere
Neigung hinaus - lieben, die Liebe zu Gott somit als Höchstes achten und nur
ihr genügen soll, und warum er seinen Nächsten, ebenfalls ein aus Gottes Hand
hervorgegangenes geistiges Wesen, ebenso wie sich selbst lieben, d.h. ihn so
achten soll, wie er selbst, als Gottes Ebenbild, angesehen und geachtet sein
will.
33] So sollt ihr Mich als Gott
lieben, und diese Liebe an dem Nächsten beweisen, damit ihr die wahren
Abkömmlinge dessen seid, der allem so viele Wunder eingehaucht hat. Dann wird
euch klar werden, daß eine Welt nur dann bestehen kann, wenn Liebe ihr
Grundwesen, Liebe ihr Bestehungs und Vervollkommnungstrieb ist.
34] Das ist es, was Meine
beiden Gesetze euch predigen, was sie euch von der Wiege bis zum Grabe in
tausend Formen und Verhältnissen sagen und weit über dieses Erdenleben hinaus
immer wiederholen werden, daß ohne Liebe kein Vater sein kann, aber ohne
Liebe auch keine Kinder bestehen können. Amen.
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00] Heilung eines Gichtbrüchigen (Mt.09,01-08): Da trat Jesus
in das Schiff, fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da
brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun
Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: "Sei getrost,
mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!" Und siehe, etliche unter den
Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: ,Dieser lästert Gott.` Da aber
Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: "Warum denkt ihr so Arges in euren
Herzen? Welches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder
zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen
Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben (sprach er zu dem
Gichtbrüchigen): Stehe auf, heb dein Bett auf und gehe heim!" Und er
stand auf und ging heim. Da das Volk das sah, verwunderte es sich und pries
Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.
01] Dieses Evangelium gibt
wieder mehrere Wunder kund, die Ich wirkte, und erzählt, wie Ich die Einwürfe
und Bemerkungen der Pharisäer abfertigte, mit welchen sie Meine Lehr und
Handlungsweise stets kritisierten.
02] Schon das erste Wunder an
dem Gichtbrüchigen störte sie in ihrem priesterlichen Eifer, weil Ich, ehe
das Wunder der Heilung getan wurde, zu dem Kranken sagte: "Deine Sünden
sind dir vergeben!" Ich vergab dem Gichtbrüchigen die Sünden seines Glaubens
bzw. seiner sicheren Überzeugung wegen, welche er und seine Verwandten und
Bekannten hatten, und dann vergab Ich ihm die Sünden, weil er - so wie die
meisten Kranken, die sich die Übel selbst zuziehen, weil sie sich gegen ihre
Natur versündigen - nun die Folgen davon tragen mußte.
03] Die Pharisäer und
Hohenpriester glaubten, nur sie hätten das Recht Sünden zu vergeben; deswegen
ihre Aufregung. Allein, Ich wollte ihnen zeigen, daß Ich nicht nur die Sünden
vergeben kann - und das im wahrsten Sinn -, sondern daß Ich auch die Macht
besitze, die Folgen der Sünden zu heilen, was sie nicht konnten.
04] Der Grund ihres Neides und
Hasses war, daß Ich das Volk durch solch schlagende Beispiele von Wundertaten
für Mich gewann und es nach und nach von ihnen entfernte.
05] Es war in jener Zeit
notwendig, Meine Worte durch solche Taten zu beweisen und zu bekräftigen,
weil die Masse des Volkes noch nicht auf jener religiösen Bildungsstufe
stand, durch geistige Beweisgründe allein auf den rechten Weg des Heils
gelangen zu können. Und so seht ihr in diesem Evangeliumsabschnitt, wie Ich
die geistigen Krankheiten und falschen Ansichten Meiner Umgebung zu
berichtigen suchte, und wie Ich durch Taten stets das als wahr bewies, was
Ich eben gelehrt hatte. Es bestanden in jenen Zeiten unter den Priestern des
Judenvolkes sehr viele Vorurteile, welche Ich erst beseitigen mußte, wollte
Ich Meine Lehre allgemein machen; denn vor Mir waren alle Menschen gleich,
alle hatten durch den in sie gelegten göttlichen Geist Anspruch auf Meine
Kindschaft.
06] Ich mußte die falschen
geistigen Ansichten durch Meine Worte widerlegen und durch die Tat die
körperlichen Krankheiten zum Beweise Meiner Macht vertilgen. Daher seht ihr,
wie Ich und Meine Jünger öfters gerade das Gegenteil von dem taten, was die
religiösen Zeremonien der Juden vorschrieben, damit das Volk dadurch
aufmerksam gemacht werde, daß die Haltung der Tempelgesetze dem Wortlaut nach
noch nicht Religion, noch nicht dasjenige sei, was Moses, die Propheten und
Ich wollten.
07] So arbeitete Ich daran,
alle mißverstandenen Gebräuche auf ihren rechten Wert zurückzuführen, um
Meiner rein geistigen Lehre Platz zu machen. Deswegen sprach Ich die Worte:
"Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, aber die Kranken". Ich
habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer!" - "Ich
bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Frommen!" - und
bei dem Einwurfe wegen des Fastens: "Wie können die Hochzeitsleute Leid
tragen, solange der Bräutigam unter ihnen ist? Es wird aber eine Zeit kommen,
da der Bräutigam ihnen genommen wird, alsdann werden sie fasten!" -
"Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Fleck von neuem Tuche!" -
"Man faßt nicht Most in alte Schläuche!" usw.
08] Aus all diesem erseht ihr,
wie Ich unter verschiedenen Formen, durch Worte und Gleichnisse, die alten
Vorurteile bekämpfte, damit Meine Lehre als geistig anerkannt werde, und
damit man einsehe, daß sie nicht durch Zeremonien und Tempellauferei zu
ersetzen sei und der Spruch zur Wahrheit werde: "Wer Mich anbeten will,
der muß Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten!"
09] Auch Meine Jünger erinnerte
Ich daran. Ich zeigte ihnen die vielen verirrten Kinder und sagte ihnen, daß
die Ernte groß, aber wenig Arbeiter seien. Deswegen ermahnte Ich sie:
"Bittet den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in Seine Ernte sende!"
10] Seht, Meine Kinder! Bei der
Heilung des Gichtbrüchigen sagte Ich vorher zu ihm: "Deine Sünden sind
dir vergeben!" Seine Krankheit rührte von Sünden gegen seinen eigenen
Organismus her. Ich vergab ihm die Sünden; denn er wußte nicht, daß er sich
dieses Übel durch die Jagd nach sinnlichen Genüssen zugezogen hatte. Ich
sagte auch nicht zu ihm: "Gehe hin und sündige nicht mehr!"; denn
er war noch weit davon entfernt, diese Sünden zu begreifen und zu bereuen.
11] Seine plötzliche Heilung
bloß durch Mein Wort sollte ihn zum tieferen Nachdenken erwecken und ihm
beweisen, daß nicht das, was ihm anfangs so viel Vergnügen und später so viel
Leiden verursachte, das eigentliche Leben des Menschen ausmacht, sondern daß
es noch etwas Höheres, Geistigeres im Menschen gibt, welches ihn in schönere
Regionen ziehen will, in denen andere Reize als bloß schnöde Sinnenreize die
Hauptsache sind.
12] Mit Meinen Worten wollte
Ich diesen kranken Gichtbrüchigen erhöhen und den Stolz der Pharisäer
erniedrigen, damit sie ihre Ohnmacht fühlen sollten, da sie nicht imstande
waren, ihren Worten solchen Nachdruck zu geben. Worte verhallen, doch die Tat
spricht fort! So waren Meine Bemerkungen, welche Ich bei verschiedenen
Anlässen machte, dahin gerichtet, den aufgeblasenen, stolzen Menschenverstand
in seine Grenzen zu weisen, damit er sich demütig vor der hohen Macht des
Geistes beuge.
13] Alles, was Ich in jener
Zeit bei dieser Gelegenheit geredet und getan habe, findet jetzt und in allen
Zeiten seine Anwendung. Gichtbrüchige, Blinde, Lahme, ja Tote gibt es
überall, wohin das Auge sich wenden mag. Überall herrscht mehr Finsternis als
Licht, höchstens Dämmerung. Auch jetzt gibt es viele, die geistig lahm oder
gelähmt sind ob der falschen Richtung ihrer Seele, und die sich an Dinge
vergänglicher Natur hängend, das Geistige gänzlich verachten und
hintansetzen. Die Folge dieser geistigen Lähmung ist die verkehrte Ansicht
über Geist und Materie. Dies sind die Sünden, die Ich ihnen tagtäglich
vergeben muß, wenn der größte Teil der Menschen nicht zugrunde gehen soll.
14] Auch jetzt geschehen
Wundertaten in Menge in der Welt; aber die Menschen nehmen sie nicht als
solche an. Sie suchen mit dem Verstand alle Naturereignisse und alle
politischen Ereignisse auf ganz gewöhnliche Ursachen zurückzuführen und
bemerken dabei nicht, wie Ich ihnen selbst aus der Schlinge helfe, wenn sie
sich ob ihres Eigensinns in ein Labyrinth von Hypothesen und verhängnisvollen
Ereignissen verwickelt haben.
15] Allein, wie Ich einst
sagte, daß Ich die Kranken und nicht die Gesunden aufsuche, so geschieht es
auch jetzt. Die Kranken, Schwachen, Gichtbrüchigen, Blinden und mit allerlei
Übeln behafteten Seelen suche Ich auf und bestrebe Mich, sie zu heilen, indem
Ich ihre eigenen Sünden zu ihrer Schule wähle, aus welcher sie womöglich
gestärkt und gekräftigt hervorgehen sollen. So manchen heile Ich, weil er
festen Glauben hat. Ich bringe ihn in Verhältnisse, die ihm Zeit geben, über
seine Lebensbahn und über seine Irrtümer nachzudenken und sie zu berichtigen.
16] Auch euch, die ihr in
vielem schon besser erkennt, was Ich eigentlich mit dem Menschen bezwecken
will, und wozu Ich ihn auserkoren habe, muß Ich oft die Sünden vergeben, weil
ihr euch dessen noch nicht ganz bewußt seid, woher so manche Mißhelligkeiten,
die euer Dasein verbittern, kommen. Noch kann Ich zu euch nicht, wie zu der
Ehebrecherin, sagen: "Gehe hin, und sündige nicht mehr!" denn nicht
alle sind so weit zur Einsicht gekommen, daß sie trotz des besten Willens und
der größten Aufopferung nur unnütze Knechte sind.
17] Auch jetzt seufzt so
mancher unter dem Druck der Erkenntnis seiner Schwächen. So soll er nur, wie
der Kranke im Evangelium, sich Mir nahen mit dem festen Glauben, daß Ich ihn
heilen werde, und er wird bald in seinem Innern die Stimme hören, die ihm
zuruft: "Deine Sünden oder Irrtümer sind dir vergeben! Nimm dein Bett
und gehe heim!" Das will besagen: "Verlaß dich nicht auf andere,
nicht auf kommende Ereignisse und bessere Verhältnisse, sondern wirf die
Schwachheiten, in deren Bett du bis jetzt gelegen hast, von dir! Nimm deine
falschen Ansichten und Irrtümer auf die Schulter, trage sie und gehe festen
Fußes deiner Vervollkommnung entgegen! Deine Ansichten und Irrtümer, auf
denen du seither wie ein Kranker gelegen bist, sollen dich, da dir jetzt
leichter ist, nicht auf dem Weg nach vorwärts hindern, und du wirst sie
fortschreitend auch gänzlich loswerden! Nur muß vorher das umgekehrte
Verhältnis eintreten. Früher lagst oder ruhtest du auf ihnen, jetzt mußt du
sie, wohlbewußt ihrer Bedeutung, selbst auf deine Schultern nehmen, ohne daß
sie dir infolge ihrer Schwere lästig werden dürfen."
18] So sollt auch ihr, die Ich
vor vielen bevorzugt und mit Meiner Lehre vertraut gemacht habe, mit der
Heilung bei euch selbst anfangen. Ich schicke euch dazu die Verhältnisse,
unter welchen eure Seelenstärke erprobt und geübt werden soll; denn auch
jetzt muß Ich die Kranken aufsuchen. Ich muß ihnen helfen, damit sie geheilt
als gutes Beispiel für andere dienen können.
19] Auch Ich kann auf ein altes
Sündenkleid keinen neuen Fleck heften und keinen neuen Most in alte Schläuche
bringen. Beide halten das nicht aus. Das Kleid zerreißt, und der Schlauch
zerspringt. Es muß also vorerst das alte Kleid oder der alte Schlauch
beseitigt, der alte Adam ausgezogen werden, soll der neue an dessen Stelle
treten. Es müssen zuvor die Sünden, die Urheber des Übels, vergeben, d.h.
ausgemerzt werden, - dann erst kann der frühere Kranke als geheilt rüstig
seine Wege weitergehen. Zu alldem muß aber jedes Wort, jede Tat, jedes
Ereignis beitragen, um die Arbeiter zu vermehren, die zur Ernte nötig sind.
20] Schon einmal sagte Ich:
"Viele sind berufen, doch wenige auserwählt!" Viele Lahme, Blinde
und Gichtbrüchige gibt es noch. Sie müssen alle gesunden. Dazu bedarf es
tüchtiger Arbeiter in Meinem Weinberge, und diese Arbeiter, sollen sie ihren Dienst
erfüllen, müssen selbst jeder Arbeit gewachsen sein. Dies ist nur dann
möglich, wenn auch sie durch die Schule der Erkenntnis, die sie andern
bringen wollen, gegangen sind.
21] So bildet sich für sie eine
Kette von Prüfungen, Leiden und Kämpfen, die als letztes Resultat das
Abstreifen des Angewohnten und die Erneuerung mit dem Kleid der göttlichen
Wahrheit haben sollen, damit auch sie alle dem Ruf folgen können: "Steh
auf, nimm dein Bett und gehe heim!"
22] Ihr alle wart krank, mehr
oder minder gichtbrüchig. Ich habe euch die Mittel zur Heilung in Fülle
dargereicht. Wenn ihr ganz geheilt sein werdet, werdet ihr die Arbeiter zur
Ernte sein, die binnen kurzem in größerem Maßstab als bis jetzt betrieben
werden wird.
23] Trachtet daher danach, daß
ein jeder von euch seine Pflicht, wie Ich sie von ihm verlangen kann und
darf, auf seinem Platz recht erfülle, da es bei euch an Heilmitteln nicht
fehlt! Amen.
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00] Gleichnis von der königlichen Hochzeit (Mt.22,01-14):
Jesus antwortete und redete abermals durch Gleichnisse zu ihnen und sprach:
"Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohn Hochzeit
machte. Und er sandte Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen, und
sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach:
,Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und
mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles bereit; kommt zur Hochzeit!` Aber
sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andre zu
seiner Hantierung. Etliche aber griffen seire Knechte, höhnten und töteten
sie. Da das der König hörte, ward er zornig, schickte seine Heere aus, brachte
diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten:
,Die Hochzeit ist zwar bereit; aber die Gäste waren's nicht wert. Darum gehet
hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet!` Und die Knechte
gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden: Böse und
Gute; und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu
besehen, und er sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid
an. Er sprach zu ihm: ,Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein
hochzeitlich Kleid an?` Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen
Dienern: ,Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus!
Da wird sein Heulen und Zähneklappern. Denn viele sind berufen; aber wenige sind
auserwählt."`
01] Hier liegt das Gleichnis
einer Hochzeit vor euch, mit dem Ich den Pharisäern ihre eigenen Umtriebe und
deren Folgen begreiflich machen wollte; denn sie lebten stets in dem Wahne,
daß niemand ihre Schliche durchschaue. Ich aber, dem an ihrer Besserung
gelegen war, verhüllte bei vielen Gelegenheiten Meine Worte und Mahnungen,
welche Ich an sie richtete, durch Gleichnisse, welche den Pharisäern wohl,
aber dem Volk nicht immer verständlich waren. Ich wollte ihre Autorität, ihr
Ansehen beim Volk nicht ganz vernichten, solange sie noch einer Besserung
fähig waren. Weil Ich aber stets den Nagel auf den Kopf traf, so war ihr
Ingrimm gegen Mich stets im Wachsen, bis ihnen endlich, wie es bestimmt war,
Gelegenheit und Macht erteilt wurde, an Mir zu erfüllen, was die Propheten
schon längst vorhergesagt hatten, und was auch Ich Meinen Jüngern als Mein
künftiges Schicksal und Ende prophezeit hatte.
02] Hier nun, in diesem
Gleichnis, verglich Ich das Himmelreich oder den Vater im Himmel mit einem
König, der zum Festmahl seines Sohnes Einladungen an Freunde und Bekannte
ergehen ließ, jedoch überall eine ausweichende oder abschlägige Antwort
erhielt. Der König, darüber erzürnt, rächte sich an ihnen, indem er ihnen Hab
und Gut verbrannte und sie selbst töten ließ.
03] Bei der zweiten Aussendung
seiner Knechte ließ er alle einladen, die sie auf den Straßen und Plätzen
finden würden, und die Knechte brachten Gute und Böse zum Tisch des Herrn.
Unter diesen hereingebrachten Gästen befand sich auch einer, der kein
hochzeitliches Kleid anhatte. Als er nichts zur Entschuldigung antworten
konnte, wurde er hinausgewiesen in die äußerste Finsternis, um dort seinen
Fehler zu büßen. Und das Ende des Gleichnisses waren die gewichtigen Worte:
"Viele sind berufen, aber wenige sind erwählt!"
04] Das ist der Inhalt dieses
Gleichnisses. Um es aber geistig auffassen zu können, müssen wir alle in ihm
angeführten Umstände genau prüfen, bis wir zu dem eigentlich geistigen Sinn
des Gleichnisses kommen und seine Anwendung auf jene, sowie auch auf die
jetzige und künftige Zeit deutlich finden. Ihr müßt immer bedenken, daß in
den Worten aus Meinem Mund eine größere Bedeutung liegt, als es die Zuhörer
in jener Zeit ahnten und es auch viele Leser der jetzigen und künftigen Zeit
vermuten werden. Wir wollen also vorerst mit der Form dieses Gleichnisses
anfangen, damit ihr seht, wie alles seine tiefe, geistige Bedeutung hat, wenn
es geistig beleuchtet vor das innere Auge des Seelenmenschen gestellt wird.
05] Ich verglich das
Himmelreich mit einem König, der seinem Sohn ein Hochzeitsmahl geben wollte.
Nun seht, dieser Vergleich bedeutet im höchsten Sinne die einstige, gänzliche
Vermählung oder Vereinigung des Materiellen mit der Geisterwelt oder die
Auflösung der Materie und die Befreiung des in der Materie eingeschlossenen
Geistes, um ihre Vereinigung mit dem Höherstehenden zu verwirklichen.
06] Das erste Bild - eine
Hochzeit - bedeutet die Vereinigung zweier zu einem geistigen Wesen, wenn
auch getrennt in zwei Körpern. Die Hochzeit ist das Bild der hohen oder
höchsten Zeit, in der Gleichgesinntes sich findet und vereint das vollführt,
was dem einzelnen nicht möglich gewesen wäre.
07] Zu dieser Vereinigung oder
Hochzeit, welche - wie gebräuchlich auf Erden mit einem Hochzeitsschmause
gefeiert wird, waren alle geladen, die solcher Teilnahme für würdig befunden
wurden; das Gleichnis aber sagt, daß die Eingeladenen ihre Teilnahme an dem
Hochzeitsmahle verweigerten.
08] Seht, dieses Hochzeitsmahl bedeutet
die ganze Periode von der Erschaffung der Menschen bis zur Sündflut. Die
Erde, in ihrem Hochzeitsschmuck prangend, lud alle Menschen zur geistigen
Vereinigung ein. Als materielles Abbild des freudigen Entwicklungsprozesses
der ganzen Schöpfung wollte sie die geistigen Wesen, die Menschen zu diesem
Freudenfeste heranziehen. Die Menschen aber, der Sinnenwelt und ihren
Genüssen mehr als dem Geistigen huldigend, achteten nicht auf die Einladung
und Aufforderung, sich nach oben zu richten, sondern zogen das Streben nach
unten vor. Und so mußte, damit die Vereinigung Meines Geisterreiches mit der
Materie doch geschehe, die Sündflut der ganzen damals lebenden Menschheit ein
Ende machen, und gerade jene Menschen treffen, welche Ich mit allen Vorzügen
ausgestattet hatte und durch alle möglichen Mittel belehrte und erziehen
ließ.
09] Nach dieser Katastrophe
erging an die übriggebliebenen Nachkommen in späteren Zeiten wieder eine
Einladung, sich zum Vereinigungsfest anzuschicken, und es verlangte die
damals lebende Menschheit, erschreckt vom früheren Strafgericht, als auch vom
inneren Gefühl getrieben, eine Vereinigung des Geistigen, des in ihrem Körper
Gebundenen mit den höheren Regionen der Geisterwelt. Dieses Verlangen war
jedoch nicht klar ausgeprägt und wurde von den verschiedenen Menschen
verschieden gedeutet; deswegen kamen zu diesem Hochzeitstisch - wie das
Gleichnis sagt - Gute und Böse.
10] Nun - fährt das Gleichnis
fort - befand sich auch ein Mensch unter diesen Geladenen, welcher das
Hochzeitskleid nicht anhatte und deshalb in die äußerste Finsternis
hinausgestoßen wurde. Dies will soviel sagen als: Alle, die wenigstens einen
Drang nach geistiger Besserung empfanden, waren der süßen Hoffnung, ihre
Wünsche, ihre Ideen erfüllt zu sehen. Sie waren alle voll freudiger Hoffnung,
d.h. ein jeder zog - bildlich gesprochen - das Beste, das er hatte, als
Hochzeitskleid an. So trugen die Guten ihre innere Liebe, ihr inneres, wahres
Streben, stets reiner und besser zu werden, offen zur Schau, ja, selbst die
weniger Guten und sogar die Bösen zierten sich nach außen hin mit den
Abzeichen der Frommen, weil sie doch besser scheinen wollten, als sie in
Wirklichkeit waren.
11] Nur ein einziger - wie das
Gleichnis sagt - kümmerte sich weder um das Sein, noch um den Schein. Er
wollte sich zeigen, wie er war, wollte aber auch an dieser Vereinigung
teilnehmen, vorausgesetzt, daß sie seinen Ansichten entsprechen würde. Und
dieser einzige, der Mir, dem König, so frech die Stirn bieten wollte, ist
niemand anders als der von Mir längst verstoßene Geist Luzifer oder Satana,
welcher als personifiziertes böses Prinzip den Gegenpol Meines eigenen Ichs
ausmacht. Nun, dieser Böse, mit Willen böseste Geist, wurde in die äußerste
Finsternis gestoßen, in der Heulen und Zähneklappern ist, oder - mit andern
Worten gesagt - in der er, der Finsternis des eigenen Gemüts überlassen, so
lange harren kann, bis eine in ihm selbst auftauchende Besserung seine
Rückkehr möglich macht.
12] Was nun der Satan als
Person ist, das vertritt auf eurer Erde diejenige Gattung von Menschen, die
des Guten und Edlen wohl kundig ist, doch mit Willen das Böse liebt und
ausübt. Mit der Bezeichnung ,Gute` und ,Böse`, die am Hochzeitstisch saßen,
sind alle jene gemeint, welche sündigen, weil sie zu schwach sind, aber,
teilweise ihren eigenen Schwachheiten unterliegend, doch nicht im mindesten
den Trieb zum Besserwerden verloren haben, ihn weder verachten noch mit Füßen
treten. Die Ärgsten, Unverbesserlichsten und die am meisten in der Schöpfung
Zurückstehenden sind jene Geister und Seelen, welche,das Gute wohl kennen,
aber es aus Haß gegen dasselbe nicht ausführen und womöglich andere zum
Abfalle von demselben verleiten wollen. Dieses Trachten ist teuflischer
Natur, weil der in alle Geister und Wesen von Mir eingelegte Trieb der Liebe
sich statt dem Guten dem Schlechten zugewendet hat.
13] Daß die Pharisäer unter dem
Bild des Menschen ohne Hochzeitskleid sich getroffen fühlten, das war es, was
sie mit Ingrimm erfüllte. Sie merkten, daß sie aus eigener Schuld von allen
künftigen Genüssen im Geisterreich ausgeschlossen seien, solange nicht
freiwillige Umkehr sie würdig mache, sich Mir zu nähern. Daher lautet das
Schlußwort des Gleichnisses: "Viele sind berufen, aber wenige sind
auserwählt!" Dies will soviel sagen als: Allen Geistern Meiner Schöpfung
waren und sind die Tore Meines großen Geisterreiches offen, aber nur wenigen
wird es gelingen, in jene Räume zu dringen, wo ewig Friede, Ruhe und
Seligkeit herrschen. Es wird nicht eher möglich sein, als bis sie alles
Weltliche und Sinnliche aus ihrem Herzen vertrieben haben. Nur dann sind sie
als Auserwählte der Teilhaftigkeit an Meinem Reich fähig; nur dann kann ihr
geistiges Auge - wenn aus demselben ein ähnlicher Himmelsstrahl leuchtet, der
nur im Widerscheine des großen Geisterlichthimmels seine Befriedigung, seine
gänzliche Sättigung finden kann und muß - den Glanz Meines Liebe und
Lichthimmels ertragen.
14] Hier habt ihr die geistige
Bedeutung dieses Gleichnisses, welches von der Zeit an, da es von Mir gegeben
wurde, bis auf heute seine Bedeutung bewahrt hat.
15] Seit jener Zeit sandte Ich
Meine Knechte aus, um alle zum Hochzeitsschmaus in Meine Wohnung einzuladen;
aber unverrichteter Sache kehrten sie oft wieder zurück. Ein Jahrhundert nach
dem andern rollt hinab in den Abgrund der Vergangenheit, und Ich ließ nicht
ab einzuladen. Es kamen wohl Geladene; aber töricht erwarteten sie von Mir
und Meinem Reich, was Ich von ihnen forderte. Sie kehrten dem Geisterreich
den Rücken und zogen die lange Straße dem kürzeren, beschwerlicheren Weg vor.
16] Noch immer lasse Ich nicht
ab, Boten auszusenden, die Meinen Willen verkünden, die den Menschen
begreiflich machen sollen, was der eigentliche Zweck ihres Daseins ist, und
daß sie trotz allen Sträubens über kurz oder lang doch dahin kommen müssen,
wohin Ich sie haben will. Viele wenden ihre Ohren ab, um die Stimme der
Liebe, des Friedens nicht zu vernehmen; sie sind auf lange Zeit verloren. Mit
Trauern sehe Ich, wie die große Masse anfängt, Mir nach und nach den Rücken
zu kehren und statt Mir zu folgen, dem folgt, das ihnen als böse bekannt ist.
17] Wie Ich einst, da Mein
Einladen umsonst war, durch die Sündflut die verlorene Menschheit retten
mußte, so werde Ich auch jetzt gezwungen sein, um der Guten willen und um den
Zweck der Menschheit nicht aus dem Auge zu verlieren, eine ähnliche
Katastrophe über die Menschheit ergehen zu lassen. Nur wird das materielle
Wasser jener Zeit durch das geistige Wasser Meiner Lichtwahrheit ersetzt
werden. Und wie damals die Menschen sich vor dem Steigen der materiellen Flut
retten wollten, so werde Ich sie jetzt mit Licht übergießen und werde bessere
Geister erwecken, daß sie dasselbe verbreiten; und wenn dann überall Licht
sein wird, bleibt den Finsterlingen nichts anderes übrig, als vor dem Glanz
desselben zu fliehen und sich in der äußersten Finsternis ihrer eigenen
Schwächen zu verbergen.
18] So wird sich geistig
erfüllen, was Ich den Pharisäern bildlich sagte. Auch jetzt werden sich
manche über dieses gewaltige Licht erzürnen, weil es ihren lange im Finstern
gehaltenen Bau erleuchten wird. Allein, es muß Licht werden, - und mag sich
Satana noch so sträuben; denn Mein Reich ist ein Reich des Lichts! Entweder
in ewiger Finsternis der eigenen Seele, der dichtesten Materie gleich, einen
langen Reinigungsprozeß vor sich sehend oder mit Aufopferung und
Kraftanstrengung, mit Leiden und Kämpfen den kürzeren Weg der Erkenntnis
gehend: Das ist das Los der Geister und der von Mir geschaffenen Wesen, sowie
der ganzen Menschheit.
19] Geladen sind sie alle als
Geister; doch wehe, wer ohne Hochzeitskleid ins Reich des Lichts eindringen
wollte! Es würde ihm ergehen wie dem, von dem dieses Gleichnis erzählt: er
würde hinausgestoßen werden in die Finsternis, bis es in seinem Innern von
selbst zu dämmern anfängt! So wie Ich in jener Zeit Meines sichtbaren Wandels
auf eurer Erde durch Meine Worte alle finsteren Winkel des menschlichen
Herzens erleuchten wollte, ebenso müssen auch bei Meiner nahen Ankunft alle
Herzen Licht haben oder doch wenigstens für das Licht aufnahmefähig gemacht
sein, damit das Hochzeitsfest gefeiert werden kann. Dann werde Ich als König
und Vater dem Sohn, Meinen Geistern, den Hochzeitstisch bereiten, und wir
werden, ein Herz und ein Sinn, das Jubelfest der größten geistigen Einigung
feiern, deswegen Ich in jenen Zeiten das größte Beispiel der Demut und Liebe
für euch alle gegeben habe. Amen.
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00] Heilung des Sohnes eines königlichen Mitgliedes
(Joh.04,47-53): Es war ein Königischer, dessen Sohn lag krank zu Kapernaum.
Dieser hörte, daß Jesus kam aus Judäa nach Galiläa. Und er ging hin zu ihm
und bat ihn, daß er hinabkäme und hülfe seinem Sohne; denn er war todkrank.
Und Jesus sprach zu ihm: "Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so
glaubet ihr nicht. "Der Königische sprach zu ihm: "Herr, komm
hinab, ehe denn mein Kind stirbt!" Jesus spricht zu ihm: "Gehe hin,
dein Sohn lebt!" Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte,
und ging hin. Und indem er hinabging begegneten ihm seine Knechte,
verkündigten ihm und sprachen: "Dein Kind lebt!" Da forschte er von
ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen
zu ihm: "Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber." Da
merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt
hatte: "Dein Sohn lebt!" Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.
01] Dieses Kapitel gibt eine
Tat kund, da Ich einem sterbenden Kinde nur durch das Wort seine Gesundheit
wiedergab. Es beweist euch, wie mächtig das Wort ist, und wie es, begleitet
vom festen Willen, Dinge bewirken kann, welche dem gewöhnlichen Menschen
unmöglich erscheinen.
02] Auch dieser Königische
erfuhr dasselbe, als er heimkehrend schon durch seine ihm entgegeneilenden
Knechte vernahm, daß sein Kind im gleichen Augenblick das Leben
zurückerhielt, als Ich das bedeutsame Wort ausgesprochen hatte.
03] Bei dieser Tat hatte Ich
dreierlei Absichten. Ich wollte Meinen Jüngern und den Mir Angehörigen
zeigen, daß der Königische erstens ein Mann aus einem höheren Stande und
zweitens noch dazu ein Heide war, und drittens sollte seine Erprobung als
Festgläubiger allen, die anwesend waren, die Augen öffnen über das, was ihnen
noch am meisten fehlte.
04] Schon an anderer Stelle
sagte Ich zu den Juden, daß ihnen alles genommen und den Heiden übergeben
werde, weil gerade sie, die an erster Stelle Auserkorenen, so halsstarrig
waren, Mich und Meine Mission nicht anzuerkennen, - daß ihnen dieser Segen
genommen und den Heiden gegeben werde, weil bei diesen Meine Lehre einen
besseren Acker finden werde.
05] Dann wollte Ich ihnen
zeigen, daß nicht nur unverständliches Volk der niedersten Klasse zu Mir kam,
sondern auch Leute aus höheren Ständen, welche mit wissenschaftlicher Bildung
ausgezeichnet waren, sich nicht schämten, zu Mir zu eilen und Mich um Hilfe
durch Wort und Tat anzuflehen.
06] Hier war es wohl nicht die
Überzeugung von Meiner Macht allein, sondern vielmehr die Liebe zu seinem
Kinde, die diesen Römer zu Mir trieb; denn der Heilung erst folgte die
Überzeugung auf dem Fuße. Deswegen sagte Ich auch ihm: "Wenn ihr nicht
Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht!" Ich sagte das, weil Ich
wohl wußte, daß dieser Mann nach der Heilung seines Kindes nicht anders
konnte, als zu glauben. Die Tatsache stand doch greifbar vor ihm, nämlich:
statt seines toten, sein genesenes Kind.
07] Am allerwichtigsten aber
war die dritte Absicht. Ich wollte Meinen Jüngern und sonstigen Verehrern
Meines Wortes mit Beispielen zeigen, daß zu allen Taten als Hauptfaktor von
seiten der Bittenden das Vertrauen auf Mein Wort nötig sei, das ihnen gerade
vielmals mangelte. So war diese Begebenheit geeignet, ihnen zu zeigen, daß
man nie betrogen sein wird, wenn man Meinem Wort unbedingt glaubt und darauf
vertraut.
08] Der Königische ging von Mir
hinweg und hatte eine weite Strecke bis zu seinem Hause zu gehen; aber er
verließ Mich mit dem festen Vertrauen, daß sein Sohn leben müsse, weil Ich
ihm sagte:"Dein Sohn lebt!" Eben dieses Vertrauen auf Meine Worte
und dieses feste Glauben, das möglich sein kann und stets vorhanden sein
soll, wollte Ich Meinen Jüngern und Zuhörern durch eine Tat zeigen.
09] So war diese Tat für Meine
Umgebung fruchtbringend; denn Ich unterließ nicht, ihr diese drei Gründe und
Meine damit verbundenen Absichten auseinanderzusetzen.
10] Zweifler gab es auch dort;
ja selbst dieser Königische war ein Zweifler, trotz seines Glaubens an Mich.
Er forschte bei seinen Knechten nach, wann diese Umwandlung in dem kranken
Zustand seines Sohnes stattgefunden habe. Und erst als er erfuhr, daß es in
dem gleichen Augenblick war, als Ich es zu ihm gesagt hatte, da erst war er
von Meiner Göttlichkeit fest überzeugt, und er, sowie sein ganzes Haus
glaubten an Mich und Meine Sendung.
11] Seht nun, wie dieses
Beispiel - als ein Glied der großen Kette, mit welcher Ich Meine Lehre auf
Erden befestigen und dauernd verankern wollte - euch zeigt, daß ein
glücklicher Erfolg nur dann zu verzeichnen ist, wenn das feste Zutrauen des
Flehenden dabei ist. Auch jetzt will Ich euch in Erinnerung bringen, daß ohne
festes Vertrauen auf Mich und ohne Zutrauen auf die Verheißungen, welche Ich euch
oft gebe, kein befriedigendes Resultat erwartet werden kann. So wie bei einer
körperlichen Heilung nicht der Arzt allein der Gesundheitsbringer ist,
sondern das Vertrauen zu ihm und die feste Überzeugung von der Wirksamkeit
der Mittel, welche er anwendet, ein Hauptfaktor, ja oft der Hauptfaktor sind,
welcher die Genesung herbeiführen kann, ebenso ist bei jeder Bitte an Mich -
um geistige und auch weltliche Dinge - das Vertrauen oder Zutrauen zu Mir der
mächtigste Hebel, welcher die Erfüllung beschleunigen und verwirklichen kann.
Dieses feste Vertrauen bindet Mich direkt, das zu gewähren, was Mein Kind von
Mir als seinem Vater erbittet; wo anders sollte die Vaterliebe sich zeigen
können, als eben im Gewähren? Im Verweigern gewiß nicht!
12] Schon früher habe Ich euch
ein Wort über ,Vertrauen` gegeben, vor kurzem ein anderes über ,Glauben`, und
jetzt soll diese Ausführung von beiden - aber in einem andern Sinn - handeln.
Das Vertrauen soll hier als Zutrauen zu Mir erklärt werden und der Glaube
nicht als der mächtige Hebel, selbst Taten zu vollbringen, sondern als feste
Überzeugung von dem Gewicht Meiner Worte und Meiner Verheißungen.
13] Jener Hauptmann im
Evangelium hatte das Zutrauen und die feste Überzeugung, daß Meine Worte
nicht trügen können, deshalb verließ er Mich getrost und ging nach Hause. Er
war überzeugt, er müsse sein Kind gesund wiederfinden.
14] Begreift ihr, was das für
ein Glaube ist, der in der Brust eines Vaters so mächtig wirken kann, daß er auf
Meine persönliche Ankunft in seinem Hause verzichtet und nur Meinen Worten,
Meiner Versicherung glaubt, da es sich um das Leben seines einzigen Kindes
handelt?
15] Wo habt ihr dieses
Vertrauen schon gezeigt, ihr, die Ich mit so vielen Gnadenworten überschüttet
und so oft durch die Tat gezeigt habe, wie Ich stets mit euch bin? - Legt die
Hand aufs Herz und bekennt offen und frei, daß ihr im Glauben und Zutrauen
noch weit hinter diesem Manne im Evangelium zurück seid!
16] Ihr seid bei dem kleinsten
Mißgeschick, das euch trifft, verzagt. Sogleich eilt ihr zu Meinem Schreiber
und verlangt direkte Worte von Mir, weil ihr noch taub gegen Meine Stimme
seid, die euch in eurem Herzen so oft Trost zusprechen will. So seid ihr, die
ihr euch zu den Auserwählten zählen wollt!
17] Ich will euch durch dieses
Beispiel wieder auf das rechte Maß der Selbstschätzung zurückführen, damit
ihr erkennt, was euch abgeht, und wieweit ihr noch von dem eigentlichen Ziel
eines Wiedergeborenen entfernt seid.
18] Wenn ihr Bevorzugten so
seid, was soll Ich von denen erwarten, denen diese Gnadenworte mangeln, die
im Strom des Weltgewirrs hi- nund hergeworfen werden und trotz aller
Mahnworte und Leiden, die Ich über sie hereinbrechen lasse, nicht zur
Besinnung kommen können?
19] Hier in diesem Wort will
Ich euch zeigen, wo der Grenzstein des Fragens an Mich sein sollte, damit ihr
nicht bei jeder Gelegenheit fragt und von Mir Bescheid haben wollt.
20] Jede Frage von euch an Mich
ist ein Beweis von Mangel an Zutrauen, Mangel an Vertrauen, Mangel an
Glauben, Mangel an dem eigentlichen Verständnis Meiner Worte und Mangel an
der Erkenntnis, was es eigentlich heißt, Mich fragen zu wollen. Hättet ihr
einen rechten Begriff von Meiner Größe und Meiner Heiligkeit, so wäre auch die
Wahrheit Meiner Worte festgestellt, die Ich euch in den Evangelien, in
Antworten auf eure oft einfältigen Fragen gegeben habe. Ich verfolgte den
Zweck, euch alle Geheimnisse Meiner Natur, eures Herzens, Meiner
Darniederkunft und Meines künftigen Wiederkommens klar zu machen.
21] Allein, ihr seid noch lange
nicht zur Einsicht gekommen, was ein Schöpfer und Herr des Universums ist,
deswegen übernehmt ihr euch oft in euren Fragen, auf welche Ich natürlich
nicht als Herr, sondern als liebender Vater geduldig antworte. Aber es stünde
euch zu, etwas reifer darüber nachzudenken, wozu die vielen Worte da sind,
welche Ich euch durch Meinen Schreiber bis jetzt gegeben habe. Ihr sollt sie
nicht bloß lesen, abschreiben und in Bücher binden lassen, nein, ihr sollt
euch bestreben, sie zu eurem eigenen Ich zu machen. Ihr sollt durch sie Meine
ganze materielle Schöpfung, den eigentlichen Wert der weltlichen Güter und
eure Mission und Stellung im Weltall immer mehr begreifen lernen. Ihr sollt
in dem kleinsten Atom und Sonnenstäubchen, das in der Luft herumfliegt, bis
zu dem größten, fernsten Stern, der als eine Zentralsonne euch sein Licht aus
Millionen und Millionen Meilen zusendet, überall euern Vater erkennen, der
obwohl groß, im Kleinsten und im Geringsten gerade am mächtigsten erscheint.
22] Aus diesen Betrachtungen
sollt ihr den Beweis schöpfen, daß Seine Wort gerade so wahr und wirkend sind
wie die Sprache Seiner Schöpfung, und wie Er so groß, unermeßlich, gut und
liebend ist. Seinen Versprechungen und Verheißungen muß der größte Glaube
geschenkt werden, weil es nicht Worte eines endlichen, wohl aber eines
unendlichen, höchsten Wesens sind, das sich in geringer Menschengestalt
herabgelassen hat, euch den Beweis der größten Demut und der größten
Verleugnung seiner selbst zu geben.
23] Lernt von jenem Hauptmann
im Evangelium, was es heißen will, Vertrauen auf Meine Worte haben! Er
stellte im höchsten Schmerz, dem Verlust seines Kindes, Meine Worte höher als
diesen Schmerz, warf sich vertrauensvoll in Meine Arme und wurde in seinen
Erwartungen nicht betrogen.
24] Diese euch im Evangelium
Johannes mitgeteilte Tat nahm Ich zum Gegenstand der Belehrung, nicht um der
ganzen künftigen Menschheit, sondern um Meinen Auserwählten einen Maßstab zu
geben, wie sie alle Meine Worte auffassen und auf sie vertrauen sollen; denn
nur dann, wenn sie in diesem Vertrauen fest und wahres Zutrauen zu Mir haben
werden, können sie auch hoffen, ähnliches bei andern zu erwecken. Sonst sind
sie den meisten Priestern eurer Zeit gleich, die etwas predigen, was sie
selbst nicht glauben. So kann Mein Reich auf Erden nicht gefestigt, nicht
einmal gegründet werden.
25] Zuerst müßt ihr und alle
späteren Erwählten, wie einst Meine Jünger, mit gutem Beispiel vorangehen,
wenn ihr wollt, daß euch jemand folgen soll!
26] So nehmt euch diesen
Königischen zum Beispiel! Erstarkt im Vertrauen und Glauben, und ihr werdet
Ruhe und Frieden haben und beides überall verbreiten können! Amen.
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00] Gleichnis vom Schalksknecht (Mt.18,23-35): Darum ist das
Himmelreich gleich einem König, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und
als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund
schuldig. Da er's nun nicht hatte, zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn,
sein Weib, seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der
Knecht nieder und betete ihn an, und sprach: "Herr, habe Geduld mit mir,
ich will dir alles bezahlen!" Da jammerte den Herrn des Knechtes, und er
ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbe Knecht
hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen
schuldig; und er griff ihn an, würgte ihn und sprach: "Bezahle mir, was
du mir schuldig bist!" Da fiel sein Mitknecht nieder, bat ihn und
sprach: "Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen!" Er
wollte aber nicht sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er
bezahlte, was er schuldi war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden
sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, das sich
begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: "Du
Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich
batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie
ich mich über dich erbarmet habe?" Und sein Herr ward zornig und
überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er ihm
schuldig war. - Also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht
vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler.
01] Schon öfters habe Ich euch
gesagt, daß Ich Meinen Jüngern und sonstigen Anhängern alles einzeln auslegen
mußte, was in Meinen zwei Liebesgeboten gesagt und in den zehn Geboten Mosis
noch deutlicher erklärt ist. Allein, da Ich mit Leuten zu tun hatte, die gern
ausführliche Gebote wollten, damit sie genau wüßten, wie sie sich in
verschiedenen Fällen zu benehmen hätten, so war Ich gezwungen, dieser Neigung
wegen alles zu erläutern, ihnen bei allen Gelegenheiten die Gebote entweder
durch nähere Erklärungen oder durch Gleichnisse so darzustellen, daß sie für
jeden vorkommenden Fall im Leben einen Anhaltspunkt boten.
02] So findet ihr in diesem
Kapitel vom Anfang bis zum Ende Verhaltungsmaßregeln, teils klar, teils in
Bildern und Gleichnissen ausgesprochen, um Meine Jünger und künftigen
Anhänger Meiner Lehre nicht im Zweifel zu lassen, wie sie sich bei allen
vorkommenden Fällen benehmen sollten, und wie sie auch andere erfolgreich
darüber belehren könnten.
03] Meine Jünger waren noch wie
unmündige Kinder, die anfangs von Mir und Meinem Reich nicht die hohen
Begriffe fassen konnten wie später nach dem Überkommen Meines Geistes. So
findet ihr oft Fragen, so unschuldig und einfach, daß es zum Verwundern ist.
Wie konnten Meine Jünger, stets unter dem Einfluß Meiner Gegenwart, Meiner
Worte und Taten, noch fragen: "Wer ist der Größte im Himmel?" Wenn
nun Meine Jünger noch so fragen konnten, so könnt ihr euch denken, wie erst
die andern, minder Eingeweihten dachten. Deswegen ist auch die Antwort, die
Ich ihnen darauf gab, und das Folgende in den anderen Versen einfach.
04] Ich verglich die Einfalt
des Kindes mit dem Engelsinn Meiner Mir am nächsten stehenden Wesen. Wie
Meine Engel nicht beleidigt werden sollen, so sollen auch die an
Kindeseinfalt reichen Gemüter nicht erzürnt werden, weil in ihnen kein Falsch
ist und die Kinder im allgemeinen mit vollem Vertrauen einem jeden entgegenkommen,
der sich ihnen nähert. Deswegen ist es die größte Sünde, dieser Einfalt mit
Falsch, Hohn, Spott und Haß entgegenzutreten. Darauf beziehen sich die andern
Verse, in denen bildlich gesagt ist, daß, wenn eine Leidenschaft die Seele
eines Menschen beherrscht, es besser ist, diese zu überwinden zu suchen, als
daß die ganze Seele durch diese einzige Leidenschaft verlorengehe.
05] Diese Beispiele und
Gleichnisse sind in Bildern der Sprache jener Zeit gegeben, wie auch heute
noch im Orient die Bildersprache gang und gäbe ist.
06] Nachdem Ich Meinen Jüngern
vorgestellt hatte, daß es besser sei, einen Teil des Ichs anstatt den ganzen
Seelenmenschen zu opfern, deutete Ich ihnen in den nachfolgenden Versen die
Freude an, die Ich als Schöpfer habe, wenn nichts verlorengeht, was Ich in
die Welt hinausgesetzt habe, sondern alles einst gereinigt und vergeistigt zu
Mir zurückkehrt. Das ist in den Gleichnissen vom Hirten und dem verlorenen
Schaf zur Genüge ausgedrückt.
07] Um die Verlorenen zu
gewinnen, gab Ich - wie die weiteren Verse berichten - Meinen Jüngern die
Mittel an, wie sie die Verirrten und Fehlenden, ohne ihrer Eigenliebe zu nahe
zu treten, bessern könnten. Ich gab ihnen Ratschläge, was bei verstockten
Sündern oder minder hartnäckigen zu tun sei. Ich gab ihnen ferner die
Versicherung, daß wenn zwei sich vereinigt haben, in ihren Ansichten eins
geworden sind und Mich um Meinen Segen bitten, Ich ihnen diesen nie
verweigern werde. Ich sagte ihnen, daß, wo zwei in Meinem Namen versammelt
sind, Ich als Dritter, als Vereinigungs und Friedensgeist mitten unter ihnen
sein werde. Ich stellte ihnen vor, daß dem reuigen Bruder seine Fehler nicht
nur einmal, sondern unendliche Male vergeben werden sollen, um seine
Besserung zu ermöglichen. Ich sagte ihnen auch: wenn sie, mit der Tugend der
Duldung ausgerüstet, einem Bruder seine Fehler vergeben, so würden sie ihm
auch von Mir vergeben und vergessen werden.
08] Ich führte ihnen das
gleichnis vom Schalksknecht vor Augen. Mit diesem Gleichnisse wollte Ich sagen,
was Ich schon in dem ihnen von Mir hinterlassenen Gebet lehrte, in welchem es
heißt: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern
Schuldigern!", - daß sie in hartnäckigen Fällen nicht die Geduld
verlieren, nicht verdammen, wo sie verzeihen, nicht fluchen, wo sie segnen
sollten.
09] Ich stellte das Beispiel
des Schalksknechts deshalb in so grellem Licht dar, damit sie keinen Grund
finden sollten, hart zu sein - auch nicht in einzelnen Worten -, sei es aus
übertriebenem Eifer, sei es aus wirklicher, falscher Beurteilung und
Intoleranz gegenüber den menschlichen Fehlern. So lehrte Ich sie Meine
Langmut und Meine unbegrenzte Geduld begreifen, so bewies Ich ihnen, warum
Ich Meine Sonne über Gute und Böse aufgehen lasse, weil eben Mein Ich nur Liebe
ist und Liebe nicht strafen, sondern nur bessern will.
10] In diesem Kapitel findet
ihr das ganze menschliche Leben geschildert, wie es sein sollte: wie der
Mensch, nur durch Liebe geleitet, vorerst wie ein Kind vertrauensvoll auf
Mich blicken, alles ohne Falsch und ohne Hintergedanken tun und keinen andern
Zweck im Auge haben soll, als nur Mir, seinem Vater, zu gefallen um so des
Namens ,Mein Kind` würdig zu werden. Ferner wird gezeigt, wie der Mensch mit
Kindeseinfalt stets wieder Liebe erwecken soll und es böse wäre, einem
solchen mit aller Einfalt und Zutrauen entgegenkommenden Menschen das Gute,
das er will, mit Bösem zu vergelten. Es wird gezeigt, wie der Mensch die
Nächstenliebe verstehen und höchst zart und sanft versuchen soll, seinen Bruder
auf seine Fehler aufmerksam zu machen und nur in den schlimmsten Fällen zu
strengen Mitteln greifen, aber stets verzeihen, vergessen und sogar am Ende
Böses mit Gutem vergelten soll.
11] In diesem Kapitel liegt die
ganze geistige Mission des Menschen, wie er sich selbst zu dem Kinde erziehen
soll, wie Ich es wünsche, und wie er auf seine Mitwelt einwirken soll, um
auch sie Mir in die Arme zu führen, um dann im Jenseits als das dazustehen,
was Ich bei Erschaffung des ersten Menschen gewollt habe, nämlich als Mein
würdiges Ebenbild.
12] So sollt ihr Meine
Evangelien lesen und auffassen, dann wird euch das Gnadenlicht erleuchten,
und ihr werdet in den Gleichnissen nicht die harte Rinde des Lebensbaumes,
sondern den hinter ihr versteckten Kern der göttlichen Wahrheit erkennen. Um
dieses zu vermögen und zu verstehen, was dem profanen Auge verborgen ist,
dazu gehören geistige Augen und ein tiefes Verständnis.
13] So wird die Bibel eine Fundgrube
und eine Lichtquelle für alle menschlichen Verhältnisse, und der verständige
Leser wird finden, daß schon seit mehr als tausend Jahren die höchsten
Schätze in diesem Buch aufbewahrt liegen, um der Menschheit einziger Führer
und Leiter zu sein, und ihr zu zeigen, wie Ich schon in jenen Zeiten gesorgt
habe, daß nichts von dem verlorengehe, was für alle Zeiten und Ewigkeiten
gesagt wurde.
14] Jetzt, da bald die Zeit
herannaht, wo die Menschen strenger gefragt werden, ob sie denn eigentlich
wissen, wozu sie auf der Welt sind, und ob sie auch wissen, warum Ich auf
diese Erde kam, jetzt ist es an der Zeit, die Rinde des Buchstabens und
Wortlauts Meiner Evangelien wegzunehmen und den Menschen unter dieser
scheinbar harten Rinde den glänzenden Strom des göttlichen Lichts zu zeigen,
damit sie in dieser letzten Zeit noch das Versäumte an sich und an anderen
einholen und so ihre Mission erfüllen können. Deswegen Meine vielen
Erläuterungen und Erklärungen an euch, deswegen diese ganze Reihe von
Sonntagspredigten, damit ja niemand sagen kann, dieses oder jenes habe er
nicht gewußt, nicht verstanden.
15] Ich bin der Gott des Lichts, der Liebe und der Weisheit.
Wenn Ich einst wiederkomme, kann keine Finsternis neben Mir bestehen. Es muß
deshalb in den Herzen aller Menschen Licht werden. Sie müssen alle lieben
lernen, um diese Liebe, mit Weisheit verbunden, an ihren Nächsten anzuwenden.
16] Der Grund Meiner Worte, die
Ursache Meiner Mahnungen und das Endziel Meines Strebens ist, euch auf diese
Art zu Meinen Kindern zu machen und die Welt wieder in ein Paradies zu
verwandeln, wie sie zur Zeit der ersten Menschen war, in dem kein Haß, kein
Zorn, kein Spott, sondern Liebe, Friede und Ruhe alle Geschöpfe beseelte und
der Mensch, das letzte Schöpfungswerk der Erde, alle die göttlichen
Eigenschaften in sich vereinte.
17] So muß es kommen, und dahin
muß alles streben! Trachtet danach - ihr und alle Menschen -, eure Mission zu
erfüllen, indem ihr so gut als möglich werdet! Tragt aus allen Kräften dazu
bei, euren Mitmenschen den Weg zu dem gleichen Ziel zu zeigen, dann sind
Meine Worte an euch nicht verschwendet, und ihr werdet, des Namens Meiner
Kinder würdig, auch den Vater im Jenseits finden, der hier schon mit so viel
Liebe und Geduld Seine verirrten Schafe zu retten sucht! Amen.
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00] Haltung Jesu zur Obrigkeit (Mt.22,15-22): Da gingen die
Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie Jesus fingen in seiner Rede. Sie
sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes Dienern und sprachen:
"Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes
recht und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der
Menschen. Darum sage uns, was dünkt dich? Ist es recht, daß man dem Kaiser
Zins gebe oder nicht?" Da nun Jesus ihre Schalkheit merkte, sprach er:
"Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weist mir die Zinsmünze!"
Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: "Wes
ist das Bild und die Überschrift?" Sie sprachen zu ihm: "Des
Kaisers." Da sprach er zu ihnen: "So gebet dem Kaiser, was des
Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" Da sie das hörten, verwunderten
sie sich, ließen ihn und gingen davon.
01] Dieses 22. Kapitel ist
voller Gleichnisse, die Ich den Pharisäern und Schriftgelehrten vortrug, um
allen ihren Einwürfen richtig zu begegnen.
02] Die obigen Verse behandeln
eine jener Fallen, welche Mir die Pharisäer legten, um Mich durch eine
unvorsichtige Antwort der Obrigkeit überliefern zu können.
03] Die Römer, als ihre Herren,
kümmerten sich um nichts anderes als um ihre Oberherrschaft im Judenland; was
aber die Religion der Juden und ihre Reformatoren - seien es Propheten oder Prediger,
wie Mein Vorläufer Johannes oder gar der erwartete Messias, wie Ich ihn
vorstellte - betrifft, so war ihnen dies ganz gleichgültig, solange diese
Neuerungen auf kirchlichem Gebiet blieben und nicht ins Politische
hinüberreichten. Deswegen war es den Pharisäern hauptsächlich darum zu tun,
eine Frage zu finden, bei deren gewissenhafter Beantwortung Ich unmöglich das
Politische umgehen konnte.
04] So sandten denn die
Pharisäer ihre Jünger samt einigen Dienern des Herodes zu Mir mit der
zweideutigen Frage: "Ist es recht, dem Kaiser den Zinsgroschen zu
entrichten?"
05] Es war dies eine Frage, bei
der sie vermuteten, daß Ich ihnen zur Antwort geben würde, vor allem gehe das
Opfer des Tempels vor, und die Steuer für den Kaiser sei eine ungerechte, durch
die Macht des Schwertes aufgedrungene Last. - Indem sie durch solch eine
Antwort die schlagendsten Beweise dafür in der Hand hätten, daß Ich das Volk
mit schlechten Erklärungen betöre und es feindlich gegen die Regierung
stimme, glaubten sie, Mich mit der Obrigkeit verwickeln zu können. Damit aber
nicht der Schein auf sie fiele und sie im Falle des Leugnens Meinerseits auch
Zeugen hätten, schickten sie Diener des Herodes mit, welche Meine von ihnen
erwarteten Aussagen bestätigen sollten.
06] Ich muß gestehen, die Frage
war verfänglich. Da die Römer nicht die rechtmäßigen Herren, sondern nur die
durch die Umstände aufgedrungenen Besitzer dieses Landes waren, vermuteten
die Pharisäer, daß Ich als geborener Jude die Fremdherrschaft verachten und
derselben entgegentreten werde. Ich aber, der Herzen und Nieren der Menschen
erforscht und wohl wußte, was die Pharisäer wollten, antwortete ihnen mit
wenigen Worten so, daß eine weitere Frage ihrerseits unmöglich wurde. Denn in
der Antwort: "Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes
ist!" lag schon die ganze Erklärung, die nur Ich als Der, welcher Ich
war, geben konnte, - die aber eben nicht die von ihnen erwartete Antwort war.
07] Da Ich ihnen auf der Mir dargereichten
Münze das Bildnis des Kaisers und seine Überschrift gezeigt hatte, konnte Ich
nicht anders sprechen als: "Dieses Bildnis auf der einen Seite der Münze
zeigt euch, wessen Untertanen ihr seid; und wenn ihr die Bedeutung des
Bildnisses nicht verstehen wollt, so beweist es euch die Aufschrift auf der
andern Seite noch besser. Diese Münze ist eine Scheidemünze, mit welcher ihr
Handel und Wandel treiben und damit eure weltlichen Bedürfnisse befriedigen
könnt; das Geistige aber ist erhaben über alle Münzen sie mögen von Gold oder
sonstigem Metall sein -, das Geistige hat einen anderen Anfang, einen anderen
Grund und ein anderes Ziel!" Damit schied Ich streng den pflichtmäßigen
Tribut der weltlichen Macht gegenüber dem der geistigen.
08] Meine an sie gerichtete
Antwort sollte ihnen sagen: "Mit den Abgaben an den Kaiser erkauft ihr
euch eure weltliche Ordnung, Ruhe und Sicherheit; mit den geistigen Opfern
aber verschafft ihr euch Ordnung in eurem Innern, die Ruhe eines reinen
Gewissens und die Sicherheit im Handeln, so daß ihr wißt, was und warum ihr
etwas tut. So erlangt ihr auf beiden Wegen das gleiche Ziel, hier im
Geistigen und dort im Weltlichen. Beide müssen bestehen; denn ohne sie ist
kein Zusammenleben mehrerer möglich, und ohne sie ist nicht klar
ausgesprochen, was eigentlich das Wichtigere ist: die Schätze der Welt oder
die Schätze des Geistes.
09] Was Ich zu den Pharisäern
sprach, das hat auch für alle späteren Zeiten seine Geltung gehabt und wird
sie noch ferner haben, solange Menschen in Städten und Dörfern
beisammenleben, und solange noch Religion und Glauben an ein höchstes Wesen
in ihren Herzen leben. So gut wie ein Herrscher als weltliches Oberhaupt
nötig ist, ebensogut ist auch ein Gott nötig, der das ganze Universum
zusammenhält. Beide sind Ordnungsstifter, Ordnungserhalter und darum auch die
alleinigen Gesetzgeber. Die weltlichen Herrscher mögen heißen wie sie wollen,
stets wird die Exekutivgewalt nur einem einzigen übertragen werden; ebenso
kann es auch in geistiger Beziehung nur einen Regenten und nicht mehrere
Götter geben.
10] Daß es immer Menschen
gegeben hat, welche als Herrscher ihre Gewalt mißbrauchten und andere, die
keine Macht über sich anerkennen wollten, ist ebenso natürlich, wie es
Menschen und Völker gegeben hat, denen ein Gott nicht genügte, und die sich
ein ganzes Heer von Göttern und Göttinnen schufen, um bequem ihren weltlichen
Leidenschaften leben zu können, - in welchem Falle aber auch wieder jede Tat
durch einen göttlichen Beschluß sanktioniert war. Ebenso gab und gibt es noch
Menschen, die gar keinen Herrscher, gar keinen Gott haben wollen - als nur
ihr eigenes Ich.
11] Und doch - die Menschen
mögen es machen, wie sie wollen, den Zinsgroschen müssen sie überall zahlen!
Sie müssen dem weltlichen Herrscher einen Teil ihres Erwerbs und dem
geistigen Herrscher, nämlich Gott, alle weltlichen Leidenschaften opfern,
wollen sie bei ersterem in gutem Ansehen stehen und bei letzterem das Ziel
erreichen, das Er ihnen gesetzt hat.
12] Überall droht Strafe beim Nichtbezahlen
- hier weltliche, dort geistige -, und so hatte Ich wohl recht, wenn Ich den
Pharisäern sagte: "Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was
Gottes ist!"; das heißt: "Erfüllt eure sozialen Pflichten so gut
wie die geistigen! Erkennt eure Stellung als Menschen zu euren Nächsten und
zu dem weltlichen Herrscher! Vergeßt aber dabei eure Verpflichtungen nicht,
die ihr gegen Den habt, der euch in die Welt setzte und euch Talente oder
Pfunde gab, von denen Er einst den Zehent oder Zinsgroschen fordern wird!
Vermengt beide Pflichten nicht und trachtet nicht danach, auf einem Weg beide
zufriedenstellen zu wollen, was nicht möglich ist; denn ihr könnt euch des
Weltlichen sowenig wie des Geistigen ganz entledigen!"
13] Was für euch aus diesem
Spruch an die Pharisäer erhellt, ist, daß auch ihr der Welt den Zinsgroschen
nicht verweigern sollt, ohne jedoch das Geistige eures Wesens dabei
einzubüßen, ohne aber auch dabei ganz Geist sein zu wollen, solange ihr noch
in der Körperhülle diesen Erdball bewohnen müßt! Es ist so nötig, sowohl hier
im irdischen Leben, wie auch jenseits im höchsten Geistleben die rechte
Mittelstraße zu kennen, damit niemand in die Extreme verfällt, in welchen er
niemand nützen kann, sondern sich und andern nur schadet.
14] Daher beachtet auch ihr
dieses Wort an die Pharisäer, dessen tiefer Sinn euer ganzes irdisches und
künftiges Leben beleuchtet, damit nicht eine falsche Auffassung verkehrte
Resultate hervorbringe! Wie Ich sagte, daß die Liebe, als Liebe allein, dem
Liebenden wie dem Geliebten nur verderblich wäre, würde sie nicht durch die
Weisheit geleitet und gemildert, ebenso kann eine jede Tugend - auch die
beste - verderblich werden, sobald sie über die Grenzen des Möglichen
hinauswill.
15] Vergeßt nie in eurem ganzen
irdischen Lebenswandel, der Welt das zu geben, was sie von euch zu verlangen
berechtigt ist!
16] Gebt der Welt, was der Welt
ist, laßt aber nicht weltliche Triebe ins Geistige hinüberschweifen!
Vergeistigt, wenn ihr wollt, alle möglichen Beschäftigungen, aber
verweltlicht nicht eure heiligen, geistigen Eigenschaften, die für länger als
für dieses kleine Pilgerleben dauern sollen! Gebt Gott, was Gottes ist!
Betrachtet auch die weltlichen Güter als Geschenke des Himmels; vergeßt aber
ob der vergänglichen, weltlichen Glücksgüter die ewigen, bleibenden nicht!
Obwohl Welt und Gott dem Anscheine nach zwei verschiedene Dinge sind, die
verschiedene Ziele verfolgen, so ist es doch möglich, beiden nicht nur zu
genügen, sondern sie auch zu vereinen, insofern als auch die Welt von Gott
als Mittel erschaffen wurde, die geistigen Eigenschaften Seiner Wesen zu
steigern und zu kräftigen und so auf diese Art das Weltlich-Grobe oder
Materielle wieder zu seinem Ursprung zurückzuführen, von dem es ausgegangen
ist.
17] Der Tribut oder
Zinsgroschen muß der Welt gegeben werden; denn sie ist die Führerin zum
Geistigen. Wie man das Licht nur deswegen schätzt, weil man die Finsternis
kennt, so wird man auch das Unvergängliche dann höher schätzen, wenn man das
Vergängliche, das Weltliche kennt. Der Zinsgroschen, den ihr der Welt geben
müßt, besteht in der Bekämpfung ihrer Versuchungen, ferner in der klaren
Ansicht über den eigentlichen Wert ihrer Güter, welche nur dann gut verwertet
sind, wenn sie ein geistiges Produkt der Liebe liefern können. Auch der
materielle Zinsgroschen an den Kaiser gibt dem Menschen, dem Untertan die
Ruhe, seinen friedlichen Arbeiten nachzugehen und dadurch für sich und das
Wohl seiner Familie sorgen zu können. So sorgt der Richter fürs allgemeine
und der Bürger fürs eigene Wohl.
18] So ist das irdische Leben
nur der Grund eines höheren Baues, welcher auf den rohen Steinen der
materiellen Wirklichkeit angefangen, in den letzten, geistigen Lichtelementen
einer anderen, höheren Welt enden soll. Um das höhere Leben zu erreichen, muß
der weltliche Zinsgroschen reichlich fließen, damit er viel Gutes und
Erhabenes im Geistigen erwirkt. Auf diese Art kann das, was des Kaisers ist,
und das, was Gottes ist, vereinigt werden. Dies kann das geistige Leben der einzelnen
Menschen nur fördern und entspricht dem eigentlichen Zweck, warum Ich euch in
die Welt setzte und mit so vielen, verschiedenen Eigenschaften - guten sowohl
wie schlechten - ausrüstete. Die letzteren bekämpft, sie sollen zur Stärkung
der ersteren beitragen und werden euch zu Meinem geistigen Ebenbild
gestalten.
19] Beachtet daher dieses Wort,
das Ich euch in diesem Evangelium gegeben habe; auch in ihm liegt des Tiefen
viel, woraus der Verständige und Umsichtige Regeln für sein ganzes Leben
ziehen kann! Er wird dann nicht Extreme von sich, von seinem Nächsten und von
der Welt verlangen, sondern den rechten Mittelweg wandeln, indem er durch
Zahlung des Zinsgroschens seinem Nächsten das Beibringen des Tributs
erleichtert. So wird er seine Mission und Meinen Zweck erfüllen, deswegen Ich
überhaupt Geister und Materie erschuf, welch letztere, das Bindungsmittel der
ersteren, am Ende auflösen und das wiedervereinigen soll und muß, was Ich
getrennt in den großen Weltschöpfungsraum hinausgestellt habe.
20] So wollt auch ihr, indem
ihr den Mittelweg geht, dazu beitragen, daß das Materielle vergeistigt werde,
damit Mein Wiederkommen auf eurer Erde durch eure und der Menschheit
Vergeistigung gerechtfertigt werde. Dann wird es sich herausstellen, was ihr
dem Kaiser, und was ihr Gott gegeben habt, und inwieweit in diesem Geben das
rechte Maß und das rechte Gewicht vorherrschte. Nur wenn ihr fähig geworden
seid, auch das geringste Meiner Worte im rechten, tiefen und geistigen Sinn
aufzufassen, ist eine Vereinigung mit Mir und Meiner Geisterwelt möglich. Ich
unterlasse zu diesem Zweck kein Mittel, euch zu zeigen, was der Welt oder des
Kaisers ist; Ich erinnere euch aber auch stets daran, was Gottes oder Mein
ist, und wie beides, obwohl getrennt, doch vereint werden kann, wenn zum
rechten Verständnis auch die rechte Ausführung kommt. Amen.
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00] Erweckung der toten Tochter des Jairus (Matth. 9,18-19,
23-25): Es kam der Obersten einer, fiel vor Jesus nieder und sprach:
"Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben! Komm, und lege deine Hand auf
sie so wird sie lebendig!" Und Jesus stand auf und folgte ihm nach und
seine Jünger. Als er in des Obersten Haus kam und die Pfeifer und das
Getümmel des Volks sah, sprach er zu ihnen: "Weichet; denn das Mägdlein
ist nicht tot, sondern es schläft!" Und sie verlachten ihn. Als aber das
Volk ausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand. Da stand
das Mägdlein auf.
01] Dieses Kapitel handelt
wieder von Heilungen, teils durch Auflegen der Hände, teils durch den festen
Glauben der Leidenden; und unser Text behandelt sogar die Wiedererweckung der
toten Tochter eines Obersten, der so viel Glauben und Vertrauen auf Meine
Macht hatte, daß - wie das Evangelium sagt - er Mich bat, in sein Haus zu
kommen, damit seine Tochter durch Auflegung Meiner Hände lebendig würde.
02] Seht, wo sich so viel
Vertrauen zu Mir zeigt, da kann Ich nicht anders, als dem Flehenden seine
Bitte zu gewähren, um allen zu zeigen, was man durch unbedingtes Vertrauen
auf Mich erlangen kann. Wenn ein Kind mit Inbrunst seinen Vater um Erfüllung
seiner Wünsche bittet, so erhört er es gewiß. Was vom rechten Glauben schon früher
gesagt wurde, bezieht sich auch auf diesen Akt der Totenerweckung, und es
wäre überflüssig, dasselbe zu wiederholen. Diese Beispiele zeigen euch alle
nur zu deutlich, welchen Weg die Menschen einschlagen sollen, um der
Erfüllung ihrer Wünsche - vorausgesetzt, daß sie gerecht sind - gewiß zu
sein.
03] Wenngleich Ich in jenen
Zeiten körperlich sichtbar diese Handlung vollbrachte, so kann
nichtsdestoweniger jetzt das gleiche geschehen; denn der Körper gibt hier
nicht den Ausschlag, sondern Mein Geist. Wie er dort unter Meinen Jüngern und
Verehrern Meines Wortes weilte, so ist er auch bei euch. Nur die Sichtbarkeit
Meiner Person mangelt; diese dürfte euch aber, die ihr wißt, wer Ich
eigentlich bin, nur stören. Bei Meinen Jüngern und dem Mir nachfolgenden Volk
war das anders, da sie in Mir wohl einen mächtigen Propheten oder den von
ihnen erwarteten Messias, aber nicht den Herrn der Schöpfung, der alles
erschaffen hat, zu sehen glaubten.
04] Was die Erweckung der
Tochter des Obersten betrifft, so war sie der Lohn für den unbegrenzten
Glauben des Vaters und zugleich ein Wegweiser und Fingerzeig für die erweckte
Tochter.
05] Dieses körperliche Erwecken
in jener Zeit ist dem geistigen der Jetztzeit entsprechend; denn was in jener
Zeit durch Mich geschah, bewirkt und von Mir gesprochen wurde, das geht jetzt
wieder vor sich, nur in geistiger Beziehung. In jenen Zeiten zog Ich von
Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, predigte, heilte und tat Gutes, gab den
halb Eingeschlafenen wieder Anregung und erweckte körperlich und geistig
Tote. Und auch jetzt, schon seit langer Zeit geschieht das gleiche. Überall
erwecke Ich durch einen unbewußten Trieb der Seelen innerste Eigenschaften,
erwecke durch Verkettung von Verhältnissen, durch Unglücksfälle und Leiden
aller Art die Menschen, auf daß sie nicht ganz vergessen, daß sie aus mehr
als einer Substanz geformt sind, und damit sie das Geistig-Seelische nicht
ganz hinwegleugnen. Überall treibe Ich, wie bei dem Obersten, die Pfeifer und
Schmauser, welche einer Totenfeier sogar den Anschein einer fröhlichen Szene
geben wollen, aus dem Hause. Das Leben und sein Zweck sind zu ernst, als daß
man mit seinen Perioden und Wechselfällen wie mit Kinderspielsachen tändeln
dürfte.
06] Es muß, ehe die wahre
Einsicht kommt, im innern Hause stille werden, damit die Seele Zeit gewinnt,
sich in ihrer Lage wieder zurechtzufinden, damit sie nach und nach darauf
aufmerksam gemacht werden kann, wie wenig Gehalt und Dauer im Weltlichen ist,
damit sie das Geistige vorzieht und keine Mühe und kein Opfer scheut, sich
dieses anzueignen.
07] So erwecke Ich manchen von
seinem geistigen Schlaf. Ich lege ihm Meine Hand auf oder rühre ihn nur mit
einem Finger an, damit er nicht ganz verlorengehe und im Materiellen seinen
geistigen Untergang finde; denn aus dieser Nacht ist nur ein langsames
Erwachen möglich.
08] Wie Ich zu den Umstehenden
sagte: "Das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft nur!", so
zeige Ich auch jetzt den Menschen oft, daß manche, dem Anschein nach die
verdorbensten Menschen, nur in den geistigen Schlaf versunken sind und es des
rechten Weckrufs bedarf, um diese Lethargie zu beheben und aus dem
Siebenschläfer einen tätigen Arbeiter in Meinem Weinberg zu machen.
09] Wie viele habe Ich schon
erweckt, die es Mir jetzt tausendmal danken, wenngleich die Art und Weise des
Erkennens nicht nach ihrem Geschmack war. Jedoch, gemäß der geistigen
Individualität waren oft Reizmittel nötig, die allein den Endzweck zu fördern
vermochten. Auch euch, die ihr alle in einen gemächlichen Geistesschlaf
eingewiegt wart, indem ihr euch eure Glaubensanschauung so bequem wie möglich
machtet, habe Ich durch verschiedene Mittel erweckt, um die ruhenden
Eigenschaften der Seele wieder in Anregung zu bringen. Auch unter euch legte
Ich so manchem Meine Hand auf, und manchen berührte Ich mit dem Finger, je
nachdem der eine eine leise, der andere eine stärkere, einflußreichere
Berührung nötig hatte, um zur Erkenntnis zu kommen, wo er eigentlich steht,
und wieviel ihm noch fehlt, um zu dem angestrebten Ziel zu gelangen oder es
wenigstens zu erkennen. Da Mein euch vorgestecktes Ziel nicht so nahe und
nicht so leicht zu erreichen ist, so mußte Ich bei euch, so wie Ich einst die
Musikanten bei Trauerfällen auswies, zuvor die alt angewöhnten Vorurteile
ausmerzen, ehe zur Kenntnis Meiner Lehre geschritten werden konnte.
10] Was Ich bei euch in so
verschiedener Weise bewirkte, das geschieht auch jetzt noch mit ganzen
Völkern. Auch bei ihnen vertreibe Ich die lärmenden Musikanten, Pfeifer und
Trommler, die selbst über Gräbern noch Freudentage anregen möchten. Ich mache
die Völker durch Not nüchtern. Ich reiße sie aus dem Wahn heraus, daß die
weltliche, nur nach Genuß strebende Sucht das erste sei, was der Mensch
suchen müsse. Ich lehre sie - leider durch unangenehme Ereignisse - die
Vergänglichkeit weltlichen Eigendünkels, weltlichen Ruhmes und weltlicher
Glücksgüter und beweise ihnen nebenbei die ewige Dauer geistiger Schätze.
11] So ergeht es dem einzelnen,
so den Völkern, so den Herrschern, so den Priestern. Allen zeige Ich, daß
über ihnen noch ein anderer steht, der sie zwar machen läßt, was sie wollen,
der aber die Fäden der Verkettung der Umstände und Verhältnisse allein in der
Hand hält und alles - selbst das Schlechteste, von Menschen ausgeführt - zum
Besten der Gesamtmenschheit wie auch des einzelnen zu verwerten weiß.
12] So geht der
Entwicklungsprozeß zwar langsam vorwärts, nähert sich aber unaufhaltsam
seinem Ziel. Ich erwecke alle Menschen, alle Völker, alle Könige und
Priester. Alle sollen einsehen und begreifen, daß sie vorher geschlafen
haben. Alle sollen aber auch erkennen, daß man nicht immer schlafen kann, und
daß der Schlaf, nur dann gut und nützlich ist, wenn er dazu dient, die
verbrauchten Kräfte wiederzuersetzen. Wo er aber dieses nicht bewirkt, ist er
nutzlos, schädlich und verschlimmert nur. So ist der geistige Schlaf, in den
viele eingelullt wurden oder sich selbst eingewiegt haben, nur als eine große
Versäumnis auf der Bahn der geistigen Entwicklung zu betrachten. Daher ist
das Erwecken nötig, umsomehr jetzt in dieser Zeit, in der die Lösung, der
ganzen geistigen Bestimmungsfrage des Menschengeschlechts vor der Tür steht
und die meisten Menschen sich so in das weltliche, egoistische Treiben
hineingelebt haben, daß durch leise Berührung mit einem Finger fast niemand
mehr erweckt werden kann, sondern für die so tief in den Schlamm der Welt
Versunkenen zumeist Gewaltmittel angewendet werden müssen, um sie
herauszuziehen.
13] Die Menschen sind jetzt so weit
von ihrem eigentlichen Ziel abgekommen, daß keine menschliche Macht mehr
imstande wäre, sie aus ihren Träumen zu erwecken und sie von ihrem Jagen nach
Genuß abzubringen. Jetzt muß Ich Mich mehr als sonst ins Mittel legen, da
auch die Herrscher wie ihre Völker, vom gleichen Wahn befangen sind. Eben
deswegen ertönt überall und unter verschiedenen Formen der Weckruf sowohl an
einzelne, als auch an ganze Völker.
14] Bis jetzt sind sich weder
die Menschen noch die Völker darüber klar, was sie wollen. Doch, nur Geduld!
Laßt erst die Musikanten vertrieben sein, dann wird die ernstere Stimmung,
die Besinnung schon nachkommen! Die Verhältnisse werden sich klären, und das
Unnatürliche, Ungesetzliche und Überspannte wird dem Reellen, dem
Unvergänglichen Platz machen müssen. Des Sträubens von seiten vieler wir
übergenug sein, - doch, die Arznei muß genommen und der Kelch des Bitteren
bis auf die Hefe geleert werden!
15] Sind die Menschen einmal so
weit vom rechten Weg abgekommen, so muß natürlich auch der Rückweg ein
längerer sein, - aber umgekehrt muß werden! Sie müssen zur Einsicht kommen,
daß es nur einen Gott und ein Geisterreich gibt, dem alles andere zum
Fußschemel dienen muß, und daß das Materielle, mag es noch so verehrt werden,
doch keinen bleibenden Gehalt hat und keinen bleibenden Genuß gewähren kann.
16] Tausende von Verirrten
eilen auf dem Irrweg ins frühe Grab. Sie gehen unreif aus dieser Welt und
kommen noch unreifer drüben an. Was soll aus solchen werden? Hier konnten sie
nicht bleiben, und dort behagt es ihnen auch nicht. Oh, ihr kennt nicht die
Qualen solcher Seelen, die unentschlossen umherirren! Das verlorene Irdische
ist ihnen nicht mehr zugänglich, und das Geistige ist für ihre Ansichten und
ihr Wesen nicht passend.
17] So geht es, wenn Menschen,
ja ganze Völker ihr geistiges Glück mit Füßen treten, nur dem Weltlichen
nachhängend und am Ende, nachdem sie das Weltliche verloren haben, nicht
fähig sind, sich das Geistige anzueignen. Es ist ihre eigene Schuld. - Dies
ist der Grund des Erweckens Meinerseits. Nicht umsonst sagte Ich: "Wenn
dich ein Auge ärgert, so reiße es aus; denn es ist besser, daß du mit einem
Auge in einer besseren Welt ankommst, als daß du dich mit zwei Augen der
größten, geistigen Qual aussetzest!"
18] Nehmt alle Ereignisse, wie
und wann sie kommen mögen, als Gaben der Liebe an; denn Ich weiß am besten,
wie, wann und womit Ich verwahrloste Menschen und verirrte Völker auf den
rechten Weg bringen und sie so noch beizeiten vom gänzlichen Verfall retten
kann!
19] Man lehrte euch ein
Fegefeuer, worin die Seelen von den schlechten Leidenschaften gereinigt
werden sollen, ehe sie ins Paradies oder in den Himmel aufgenommen werden
könnten. Ich sage euch: So, wie man euch das Fegefeuer beschrieb, ist es ein
wahrer Unsinn; aber geistig existiert es wohl, nämlich im Menschen selbst,
Dort muß alles Schlechte erst weggefegt werden, bis man sich in besseren
Verhältnissen heimisch fühlen kann, und zu diesem Wegfegen trage Ich durch
Schickung von allerlei Kämpfen und Leiden bei. Ich erwecke dadurch die
schlummernden guten Eigenschaften in der menschlichen Seele, damit sie sich
ermannen und aufraffen soll, das Böse mit Energie zu bekämpfen und alles
wegzufegen, was ihr Schaden bringen könnte.
20] Als Ich einst sagte:
"Das Mägdlein ist nicht tot, es schläft nur!", wurde Ich von den
andern verlacht. Ebenso werde Ich auch heute von den wenigsten verstanden,
wenn Ich sie erwecken will, obgleich es zu ihrem Besten ist. Daher trachtet
danach, Meine Winke und Mahnungen zu verstehen, damit ihr es merkt, wenn Ich
euch zu eurem Besten auch nur mit dem Finger berühre! Denn ein liebender
Vater, dem es um das Wohl seiner Kinder zu tun ist, kann nur bessern, nie
strafen. Dessen seid stets eingedenk! Amen.
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00] Beilegung eines Sturmes (Mt.08,23-27): Jesus trat in das
Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein großes
Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und
er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen:
"Herr, hilf uns, wir verderben!" Da sagte er zu ihnen: "Ihr
Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?" Er stand auf und bedrohte
den Wind und das Meer. Da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten
sich und sprachen: "Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer
gehorsam ist?"
01] Dieses Evangelium erzählt
davon, wie Ich einst in ein Schiff stieg und, als sich ein großer Sturm erhob
und Ich eingeschlafen war, von Meinen Jüngern aufgeweckt wurde, damit Ich dem
Sturm und dem Meer Ruhe gebieten möchte.
02] Diese Tat geschah nur vor
den Augen Meiner Jünger, obwohl auch am Land stehende Menschen beobachtet
hatten, wie auf Mein Geheiß die Wogen sich legten und der Sturm verstummte.
So gab Ich Meinen Begleitern einen neuen Beweis, daß Ich nicht allein Herr
des Todes und des Lebens, sondern auch Herr der ganzen sichtbaren Natur bin.
03] Obwohl diese Tat manchem
hätte die Augen öffnen können, mit wem er es zu tun habe, begriffen doch
wenige, daß Ich mehr als Mensch, daß Ich Gottes Sohn oder Gott selbst war.
Meine Jünger verloren den Mut, als der Sturm seine Kraft vermehrte, und
weckten Mich voll Angst, weil sie glaubten, ihr Ende sei nahe. Sie hätten das
nicht denken sollen, da sie Mich so ruhig schlafen sahen. Aber ihnen war der
Begriff ,Sohn Gottes` noch nicht klar, und deswegen seht ihr sie in
verschiedenen Fällen verzagt und an Meiner Allmacht zweifeln, obgleich sie
Mich erst einige Augenblicke vorher Taten verrichten sahen, die kein
gewöhnlicher Mensch, sondern nur Der verrichten kann, der weit über alles
Körperlich-Materielle hinaus die Fäden der ganzen Schöpfung fest in Seiner
Hand hält. Meinen Jüngern zeigte Ich oftmals durch Wundertaten Meine Macht,
und doch konnten sie sich nicht ganz mit dem Gedanken befreunden, daß sie es
mit keinem gewöhnlichen Erden, - sondern mit einem Gottmenschen zu tun
hätten. Stets ließ Ich die Umstände sich so gestalten, daß außer Meiner Lehre
Meine Taten noch deutlicher von Dem zeugen sollten, der Mich gesandt hatte.
Sogar nach Meinem Tode, bei Meinem Wiedererscheinen unter Meinen Jüngern, gab
es noch Zweifler, wie Thomas zum Beispiel einer war.
04] Was in jenen Zeiten unter
Meinem direkten, sichtbaren Einfluß so schwer war, ist jetzt, wo Ich entweder
durch eigens dazu bestimmte Schreiber oder durchs Herz eines jeden Menschen
mit ihm rede, noch schwerer und zweifelhafter geworden. Jetzt sollen und
müssen Meine Worte genügen, da die Zeit des notgedrungenen Glaubens vorbei
ist und keine Wundertaten mehr ausgeführt, noch durch Mitwirkung anderer
Menschen zugelassen werden. Die meisten, welche jetzt an Mein Wort glauben,
sind nicht im mindesten von der Unfehlbarkeit desselben überzeugt. Auch ihnen
ergeht es bei der geringsten Gefahr wie den Jüngern, d.h. auch sie zweifeln
an Meinen Versprechungen, an Meinen Worten.
05] Die Lage, als Ich mit
Meinen Jüngern in einem Schiff weilte, entspricht bei einem jeden Menschen
seinem eigenen Lebensschiff, in welchem Ich als göttlicher Funke schlummere,
bis Unglücksfälle aller Art den Menschen drängen, seine Zuflucht bei Mir zu
suchen.
06] Es geht den meisten
Menschen wie Meinen Jüngern. Solange es ihnen nicht schlecht geht, kommen sie
nicht zu Mir. Meine Jünger glaubten sich verloren und riefen Mich an. Der
Mensch sucht in bedrängten Lagen, in denen ihm die Gebrechlichkeit alles
Irdischen die Maske der nackten Wirklichkeit zeigt, im Innern seines Herzens
Trost und Ruhe zu gewinnen, welche er von der Außenwelt umsonst erwartet. Bis
dahin schlummerte Ich auch bei diesem Menschen. Er betrachtete Mich nicht als
etwas Notwendiges und Wirkliches, sondern als etwas Eingebildetes, ihm von
anderen, z.B. von Priestern Eingeredetes, das aller Realität entbehrend den
Menschen nur aus dem Grunde gelehrt wurde, um die Macht der Priester zu
vermehren, während das geistige Wohl der Menschen gar nicht in Betracht
gezogen wurde.
07] Wenn dann das
Lebensschifflein, von weltlichen Stürmen gepeitscht, umhergeworfen wird, dann
kommen Angst, Zweifel und Furcht. Man sucht alle Lehren hervor, die der Seele
durch die Erziehung eingebleut wurden, erfährt aber mit Schaudern, daß alle
diese Dogmen und schönen Sprüche nicht geeignet sind, der geängstigten Seele
Ruhe und Frieden zu geben. Dann wendet sich der Mensch an den in ihm
schlummernden göttlichen Geist. Dann sucht er in der bis dahin nicht
beachteten Innenseite des menschlichen Lebens eine Stütze, damit er unter der
Macht der Umstände nicht zugrunde gehe. Und wenn er diesen inneren Schatz
gefunden hat, wenn er begriffen hat, wie wenig alles Materielle gegen einen
einzigen Gedankenblitz aus diesem Heiligtum ausmacht, dann glätten sich die
Wellen. Es schweigen die Winde der Leidenschaften, der Besorgnisse, und Ruhe
und Frieden kehren mit ihm in die Außenwelt zurück; denn die Außenwelt selbst
war nicht trüber, sondern nur der Blick in diese war getrübt. Da sagt dann
der im Innern geweckte göttliche Funken zur geängstigten Seele: "Aber
warum bist du denn so kleinmütig, wo du doch einen solchen Herrn über alles
Leibliche in dir trägst?"
08] Seht, so hat diese Tat auf
dem See ihre geistige Entsprechung im menschlichen Einzelleben.
09] Auch im Leben der Völker
ist ein Funken göttlicher Triebkraft, welcher sie zuzeiten zum Denken anregt,
damit ebenso wie der einzelne auch ein ganzes Volk sich seiner Mission auf
dieser Erde bewußt werde. Denn alles, was auf dieser sichtbaren Welt vorgeht,
ist nur ein einfaches Wirken der Liebe, um das Seelisch-Geistige im Menschen
zur Geltung zu bringen.
10] Es geht dieser Prozeß aber
auch im Leben der Tiere, Pflanzen und Steine vor sich, ist dort aber nur
geistigen Augen sichtbar. Das Sich-Gestalten, Sich-Formen und
Sich-wieder-Zersetzen aller Materie ist kein anderer Drang als der des
erweckten Geistes, welcher in der Materie gebunden und schlummernd lag. Das
Aufwärtsschreiten von Stufe zu Stufe, das Sich-Vervollkommnen könnte nicht
stattfinden, wäre nicht im Innersten der Materie der durch äußere Umstände
geweckte Geist.
11] Wie in jener Zeit das
Schifflein mit Meinen Jüngern und mit Mir die ganze Welt ausmachte, welche
auf dem beweglichen Element, dem Wasser, herumgeschleudert wurde, ebenso ist
das durch äußere Einwirkung hervorgerufene Anregen des in der Materie liegenden
Geistes das gleiche, das zum Fortschreiten und zur Vervollkommnung drängt.
Meine Jünger mußten ebenfalls durch verschiedene Ereignisse zum Fortschreiten
im Glauben und Vertrauen veranlaßt werden. Sie mußten erstarken, damit sie in
den künftigen Lebensstürmen nicht zweifelten, sondern fest vertrauten.
12] Der Geist ist in der festen
Materie ein unbewußter Trieb, offenbart sich beim Tier als Instinkt und ist
beim Menschen der am höchsten ausgebildete göttliche Funken. Der Mensch soll
erstarken in dem Bewußtsein, daß er nicht nur ein Erden, sondern auch ein
Weltenbürger ist, der zwischen zwei Welten stehend auf dieser Erde zwar die
materielle Überkleidung hat, dabei aber auch das geistige Ebenbild eines
höchsten Wesens, des Schöpfers ist, der weit hinaus über alle Vergänglichkeit
im Unendlichen wohnt. Er will Seine Abkömmlinge zu dem erziehen, wozu Er sie
erschaffen hat, zu Veredlern der Materie, zu Vergeistigern des Groben und
Festen und zu ewigen Bewohnern eines Geisterreiches, in dem die Materie einst
ihren ersten Ursprung genommen hat und ihr letztes Ende finden muß und wird.
13] Daher seid auch ihr
beflissen, den göttlichen Funken im Innern zu wecken, zu kultivieren und zu
verstehen, damit ihr auf des Lebens bewegten Wogen, unter den Stürmen der
Leidenschaften, Verhältnisse und Ereignisse nicht den Mut verliert wie einst
Meine Jünger im Schifflein, sondern stets dessen eingedenk seid, daß euer
Vater bei euch ist. Wenn auch Seine Stimme nicht immer vernehmbar ist, so
schläft Er doch nicht, sowenig als Mein göttlicher Geist in dem Schifflein
Meiner Jünger geschlafen hat, sondern nur geduldig abwartete, bis eine neue
Kleinmütigkeit die Schwäche Meiner Jünger offen an den Tag legte.
14] Dort gebot Ich den Winden
und dem Meer Ruhe; ebenso wird der, welcher Mich in seinem Innern suchen
wird, durch den in ihm geweckten göttlichen Geist auch Ruhe und Frieden -
vorerst in seinem Innern - haben und dann diese Ruhe auch auf die Außenwelt
übertragen können.
15] Dies merket euch, und
verzweifelt nicht sogleich, wenn eure Wünsche nicht immer so erfüllt werden,
wie ihr es gerne haben möchtet! Erstarket auch ihr im Glauben und im
Vertrauen auf euren in euch gelegten göttlichen Geist! Amen.
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Inhaltsübersicht
00] Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker (Mt.13,24-30): Jesus
legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: "Das Himmelreich ist
gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Da aber die
Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und ging
davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das
Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: ,Herr, hast du
nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?` Er
sprach zu ihnen: ,Das hat der Feind getan.` Da sprachen die Knechte: ,Willst
du denn daß wir hingehen und es ausjäten?` Er sprach: ,Nein, auf daß ihr
nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausjätet! Lasset
beides miteinander wachsen bis zu der Ernte, und um der Ernte Zeit will ich
zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein,
daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuer!`"
01] Die Gleichnisse dieses
Kapitels enthalten die ganze Geschichte Meiner Lehre und die Geschichte
Meiner Schöpfung vom Anfang bis zum Ende. Die Geschichte Meiner Lehre, weil
sie euch zeigt, auf welch verschiedenen Boden Meine Lehre und Meine Worte
fallen, und die Geschichte Meiner Schöpfung, weil sie euch klar vor Augen
stellt, wie das göttliche Wort der höchsten Geistesweihe, von Stufe zu Stufe
aufwärts steigend, in den Millionen von Welten seinen Ausdruck findet. Und
wie der Eindruck, den Mein Wort auf Millionen von Menschen macht, bei jedem
verschieden ist, so ist auch der Entwicklungsprozeß einer jeden Welt
verschieden von dem einer anderen.
02] Diese Gleichnisse, wie Ich
sie zum Volke Israel redete, waren dem gewöhnlichen Leben entnommen, damit
sie die Zuhörer leicht verstehen konnten. Aber sie begriffen in dem
Gleichnis, welches für diesen Sonntag bestimmt ist, trotzdem nicht, wer unter
ihnen mit dem guten, wer mit dem steinigten Boden, und wer mit dem Wege, auf
den der ausgestreute Samen fällt, zu vergleichen sei.
03] Dieses Gleichnis bezeugt,
daß Ich wohl durch Taten und Worte die Leute zum Besseren bekehren möchte,
daß aber der gute Same, da die Welt mit ihren Genüssen sich darein mengt, nur
vereinzelt an manchen Stellen gedeiht, doch im allgemeinen nicht solche
Frucht bringt, wie es den Worten aus Meinem Munde gemäß verlangt werden
könnte. Es bezeugt euch, daß das Ende, die Ernte, Gutes vom Schlechten
scheiden wird und die Guten den gerechten Lohn empfangen werden, die
Halsstarrigen und Bösen aber den langen Weg der Materie werden durchmachen
müssen, bis sie alles Unreine abgelegt haben und sich in Meinem Himmel und
Geisterreich als ein geistiger Ton zur dort herrschenden Harmonie gesellen
können.
04] Seht, seit dem Abfall
Luzifers hat in der ganzen Schöpfung das Gute oder Leichte, Geistige - im
Bösen oder Schweren, Materiellen seinen Gegensatz!
05] Die ungeheure Menge
abgefallener Geister, welche mit Luzifer fielen und dann als Träger der
Materie in ihr gebunden wurden, sie alle klassifizieren die ganze
Weltenschöpfung nach dem geistigen Inhalt, und die Welten sind deswegen mehr
oder minder moralischgeistig leicht oder schwer, was nichts anderes heißt
als: Auf allen Welten ist das große Prinzip der höchsten Eigenschaften Meines
eigenen Ichs als höchste Liebe mit allen von ihr abhängenden Eigenschaften
ausgedrückt.
06] Wenn Ich Meine Jünger
lehrte und selbst auf eure Erde kam, so hatte dies keinen andern Zweck, als
allen geschaffenen Wesen Mein geistiges Reich, seine Gesetze und seine
Grundprinzipien kundzugeben. Als Ich auf Erden lehrte, sagte Ich nichts
Neues, sondern immer das gleiche, was Ich von Anbeginn der Welt all Meinen
Geistern eingeprägt hatte, nämlich: was ihr endliches Ziel und ihr ganzes
Streben sein soll. Selbst der Materie mit ihren in sie eingeschlossenen
Geistern legte Ich den Trieb ein, nach Vervollkommnung zu ringen, um so die
Außenseite, die Bestandteile der Materie zu vergeistigen, bis diese endlich,
mit dem Innern in Übereinstimmung, sich zu höheren Potenzen der Lebensentwicklung,
vom schweren Gestein bis zum sich seiner selbst bewußten Menschen
aufschwingen kann, der dann - mit dem Berwußtsein seiner Mission - sein
eigenes Materielles vergeistigen muß, bis er, wenn sein Äußeres mit seinem
Inneren gleich geistig geworden ist, zur Aufnahme in Mein Reich reif ist.
07] Dem Durchlaufen dieser
Phasen entsprechen die Gleichnisse mit dem Samen; denn der ausgestreute Samen
wird, auf verschiedenes Erdreich fallend, verschiedene Produkte
hervorbringen, je nachdem, was für Elemente er zu seinem Gedeihen dort
vorfindet. Das Freigeben der menschlichen Natur, d.h. der freie Wille,
bedingt diese verschiedene Auffassung Meiner Lehre, so wie Ich sie einst
Meinen Jüngern predigte und jetzt nur wenigen auf dieser Erde wieder kundgebe.
Die Menschen, mitten zwischen den beiden Polen von Gut und Böse stehend,
mußten natürlich auch verschiedene Reaktionen zeigen, wie sie Meine Lehre
auffassen wollten oder konnten.
08] Wie die Welten in Meiner
ganzen Schöpfung millionenartig verschieden sind und dadurch bildlich das
verschiedene Auffassen der reinen Wahrheit ausdrücken, ebenso verschieden mit
Millionen von Abweichungen sind die Menschen, ein jeder einzelne als geistige
Welt für sich betrachtet.
09] Ihr erseht also aus diesen
Gleichnissen die weitgehende Bedeutung des Samens, des Wortes "Es
werde!", das Ich einst gesprochen habe, das heute noch fortwirkt und am
Ende alle Geister in einem Geisterreich vereinen wird, wenngleich einzelne
Welten und Individuen längere und andere kürzere Wege dahin zurücklegen
müssen.
10] Mein Wort, oder der
Ausdruck der Liebe in jeder Bedeutung, enthält die ganze Schöpfung und
enthält Meine ganze Lehre. Das beweist, daß Ich nur Gesetze der Liebe, und
zwar nur zwei, gegeben habe, die aber nur dann von Wert sind, wenn eins das
andere ergänzt.
11] Diese Gesetze der Liebe
sind der Same, den Ich materiell in Meiner ganzen Schöpfung und geistig in
den Herzen aller vernünftigen Wesen gesät habe. Das Aufkeimen dieses Samens,
je nach dem mehr oder minder großen Einfluß der materiellen Welt, bedingt das
Fortschreiten zum Guten oder das Zurückschreiten zum Bösen, zum Materiellen.
12] Eingedenk der Freiheit des
Menschen und aller geschaffenen Geister mußte auch unterm guten Weizen
Unkraut aufkeimen, wie Ich es im Gleichnis bildlich sagte. In diesem Fall
werden die Menschen, welche nicht auf rechten Wegen gehen, erst am Ende ihrer
irdischen Lebensbahn erkennen, wie weit sie von der eigentlichen Straße zu
ihrem Heil abgekommen sind. In der andern Welt muß dann dieser Kampf, den so
manche mit dem Ende auf dieser Welt beendet glaubten, unter anderen
Verhältnissen und mit wenig Mitteln und großen Hindernissen von innen nach
außen wieder neu begonnen werden.
13] Was für einen jeden
Menschen als kleine geistige Welt der Körpertod ist, das ist für die
Menschheit auf der Erde das Ende alles Materiellen, das Ende aller weltlichen
Versuchungen, welches noch vor Meiner Wiederkunft eintreten wird, da nach
derselben das geistige Reich auf eurer Erde seinen Anfang nehmen und Mein
Same oder Mein Wort überall gleiche Früchte tragen wird.
14] Dahin zielen alle Meine
Vorbereitungen in eurer Zeit; denn auf eurer Erde ist leider schon mehr das
Unkraut als der gute Weizen vorherrschend, es ist beinahe nur noch steiniger
und sandiger Boden zu finden, und Disteln und Dornen sind die Hauptgewächse,
die die Oberfläche eurer Erde verunzieren. Meine Schnitter sind schon längst
in Tätigkeit und rotten das wuchernde Unkraut mit allen Mitteln aus; aber es
wird noch ärger kommen, weil eben der freie Mensch wirklich ein beinahe
steinernes Herz bekommen hat, auf dem, wie auf einem harten Stein, eine
Berührung keine Spur mehr zurückläßt, sondern über dessen Oberfläche alles
spurlos weggleitet.
15] Seht euch vor, daß in euren
Herzen nicht so manches Unkraut schlechter Leidenschaften, durch weltliche
Einflüsse begünstigt, aufkeimt! Ich sage euch wie einst Meinen Zuhörern:
"Wer Ohren hat, der höre, und wer Augen hat, der sehe!" Denn leider
gibt es noch viele, die Ohren haben, aber den geistigen Wind, der durch die
ganze Schöpfung geht, nicht hören, und die Augen haben und nichts bemerken
von dem Lichtstrahl aus Meinem ewigen Geisterreich, welcher anfängt, nach und
nach alle Winkel eurer finsteren Erde zu erleuchten, damit bei Meiner Ankunft
als König des Lichts kein Schatten, keine Finsternis mehr vorhanden sei.
16] Viele gibt es noch, die,
bloß weltlichen Genüssen und weltlichen Gütern nachjagend, keine geistige
Welt, kein höheres geistiges Prinzip, keinen Gott als Schöpfer anerkennen
wollen. Sie sind wie die Disteln und Dornen. Entfernt euch von ihnen! Ihre
Stacheln lassen es euch wahrnehmen, daß ihr euch solchen Scheinphilosophen
und Gelehrten nur mit Vorsicht nähern dürft. Sie werden, wie es geschrieben
steht, ins Feuer geworfen, ins Feuer der Drangsal und Leiden. Dann erst, nach
langem Kampf geläutert, werden sie an dem geistigen Reich teilnehmen können,
das sie vorher so fest hinweggeleugnet haben.
17] Ihnen gelten die
Naturereignisse und Epidemien, welche sie in Massen hinwegraffen. Andere
werden durch den Verlust geliebter Personen daran gemahnt, daß es noch eine
andere als nur diese natürlichmaterielle Welt gibt. Ihr Erwachen wird traurig
sein, - und doch muß Ich sie erwecken, weil Ich nicht ein Atom, viel weniger
eine Menschenseele, die Ich einst von innen wie außen nach Meinem Ebenbilde
geschaffen habe, verlieren möchte.
18] Lernt auch ihr zu hören,
aber mit geistigen Ohren, was Ich euch sage, was die Ereignisse der Welt euch
sagen, und was die ganze Natur euch zuruft: ,Es ist ein Gott, und dieser ist
ein Gott der Liebe!`
19] Unbekümmert um den Boden
sät Er Seinen Samen aus, es mag die Heerstraße oder steiniger Boden oder auch
zwischen Dornen und Disteln sein. Frei ist der Mensch, und der Same kann
daher je nach der Individualität des einzelnen wirken; aber am Ende wird doch
der Zweck erfüllt werden, den Ich als Sämann im Auge hatte.
20] Es wird trotz des
verschiedenen Ackerbodens am Ende doch eine reichliche Ernte kommen, die
Ewigkeit sichert Mir den Erfolg. Mein Wort, nachdem es alle Phasen
durchlaufen hat, indem es von den einen mit Füßen getreten und von den andern
mit freudigem Herzen begrüßt wurde, muß doch das gleiche Resultat
hervorbringen; denn Mein Wort - der Same - ist göttliches Wort, und deswegen
kann und muß es den Boden, worauf es fällt, verbessern und vergeistigen, wenn
auch nicht auf dieser Erde, so doch gewiß jenseits.
21] Mein Streben und der Zweck
dieser Mitteilung ist ja nur, den Menschen diesen Weg zu verkürzen und ihnen
das Vorwärtsschreiten zu erleichtern. Daher der wiederholte Mahnruf in diesem
Kapitel: "Wer Ohren hat zu hören, der höre!"
22] Versteht und faßt es wohl
und handelt danach, und ihr werdet es an euch selbst verspüren, ob der Same
auf guten oder steinigen Boden gefallen ist! Amen!
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00] Gleichnis vom Himmelreich (Mt.13,31-33, 44-50): Ein
anderes Gleichnis legte er ihnen vor, und sprach: "Das Himmelreich ist
gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und säte es auf seinen Acker,
welches das kleinste ist unter allem Samen. Wenn es aber erwächst, so ist es
das größte unter dem Kohl und wird ein Baum, daß die Vögel unter dem Himmel
kommen und wohnen unter seinen Zweigen." Ein ander Gleichnis redete er
zu ihnen: "Das Himmelreich ist einem Sauerteig gleich, den ein Weib nahm
und vermengte ihn unter drei Scheffel Mehl, bis daß es ganz durchsäuert
ward." "Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenen
Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand, und verbarg ihn. Er ging hin vor
Freuden über denselben, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.
"Abermals ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen
suchte. Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles,
was er hatte, und kaufte sie. "Abermals ist gleich das Himmelreich einem
Netze, das ins Meer geworfen ist, damit man allerlei Gattung fängt. Wenn es
aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, sitzen und lesen die
guten in ein Gefäß zusammen; aber die faulen werfen sie weg. Also wird es
auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen, die Bösen von den
Gerechten scheiden und sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und
Zähneklappern sein."
01] In diesen Versen ist das Himmelreich mit verschiedenen
Dingen bildlich verglichen, um Meinen Jüngern und dem um Mich versammelten
Volk begreiflich zu machen, was für ein Reich sie alle nach ihrem Lebensende
erwartet, um ferner darauf aufmerksam zu machen, wie sie dessen teilhaftig
werden können, aber auch, was ihr Los sein wird, wenn sie, den göttlichen
Gesetzen zuwiderhandelnd, sich desselben unwürdig machen.
02] Vom Himmelreich, von der
andern geistigen Welt haben die Menschen leider nie den rechten und wahren
Begriff; denn hätten sie diesen, so würden sie gewiß alles aufbieten, es zu
gewinnen und es sich nicht so leichtsinnig verscherzen, wie sie es heutzutage
tun.
03] Alles, was in der Welt
sichtbar ist, hat durch seine Sicht und Tastbarkeit bei weitem mehr
Beweisendes an sich als eine geistige Potenz, welche sich nicht sehen, nicht
greifen, nicht wiegen läßt. Deswegen auch der größere Einfluß dieser
materiellen Welt auf das Gemüt der Menschen im Vergleich zu dem der geistigen
Welt! Es ist wahr, würden die Menschen die materielle Welt recht begreifen
und beurteilen, wie sie wirklich ist, woraus sie besteht, wie sie erhalten
wird, und zu welchem Zweck sie da ist, so würden sie auch aus diesem großen
Buch Meiner Schöpfung so manches herauslesen können, was ihnen die Türe zur
geistigen Welt leicht öffnet.
04] Wenn man irgendeine
Maschine betrachtet und deren Einrichtung begreifen gelernt hat, wird man
anerkennen müssen, daß diese jemand gemacht haben muß, und man wird vor ihrem
Erbauer immer mehr Achtung bekommen, je mehr man in die Geheimnisse dieser
Maschine eindringt. Es lechtet einem ein, daß kein Zufall, sondern ein
wohlberechnetes System alles so und nicht anders geordnet sein läßt.
05] Daß man es bei Betrachtung
Meiner Natur ebenfalls so halten sollte, wäre zu wünschen, aber leider
geschieht es nicht. Eine jede Entdeckung auf naturwissenschaftlichem Gebiet
wird von euren Gelehrten auf falsche Art erklärt und nur zu materiellen
Zwecken ausgebeutet, woraus wenig Gewinn für den Schöpfer dieser
kunstfertigen Maschine der Natur herausschaut. Findet auch der eine oder
andere Spuren einer höheren, geistigen Macht als gerade die schon längst
bekannten Elemente, so gibt er sich alle Mühe, auf weiten Umwegen und mit
großen, wissenschaftlich gelehrten Worten das wegzuleugnen, was so nahe vor
ihm liegt, oder er erklärt es nach seinem Gutdünken anders, weil er keinen
Gott anerkennen will. Wenn es einen geben muß, so möchte er es selbst sein!
06] Diese falsche Auffassung
Meiner Natur ist schuld, daß gerade das größte Buch irreführt, das vor den
Augen der Menschheit Tag und Nacht offen daliegt. Ein jeder könnte darin
lesen, was Ich alles tue, um Meinen Geschöpfen Meine Liebe begreiflich zu
machen, und wie kurz der Weg zu Mir wäre, wenn die Menschen diese Natur und
ihre Gesetze beachten, und nicht den göttlichen Gesetzen zuwiderhandelnd,
sich durch die verkehrte Auffassung der materiellen, sichtbaren Welt die weit
größere, ewige unzugänglich machten.
07] In jener Zeit, in der Ich diese im Evangelium erwähnten
Gleichnisse dem Volk zur geistigen Verarbeitung gab, mußte Ich alle
wissenschaftlichen Vergleiche weglassen und Mich nur solcher bedienen, welche
als bekanntes Bild leichter verstanden werden konnten.
08] Das zuerst angeführte
Gleichnis vom Senfkörnlein bezeugt srhon, daß Ich einen Vergleich mit einem
Samenkorn machte, das sowohl als Same wie auch als Pflanze dem Volk
wohlbekannt war. So wollte Ich ihnen andeuten: Wie in diesem kleinsten Samen
eine so große Pflanze eingeschlossen ist, ebenso ruht in dem menschlichen
Herzen das ganze künftige Geisterreich, das Himmelreich verborgen. Es braucht
nur beim menschlichen Herzen, wie beim Samen die Feuchtigkeit, die
allmächtige Liebe als geistiger Wecker hinzuzukommen, um diesen
eingeschlossenen Keim göttlicher Abkunft zu entwickeln, welche Entwicklung
dann in einem so großen Maße fortschreitet, daß - wie das Evangelium sagt -
selbst die Vögel unter dem Himmel kommen und unter den Zweigen Wohnung
nehmen. Geistig will das besagen, daß selbst die Engel, die leichten, seligen
Bewohner der geistigen Sphären - wie die Vögel, die Bewohner der Luft -, an
dem Himmel, welcher von einem gottbegeisterten Herzen ausgeht und Friede und
Freude überall umher verbreitet, Anteil nehmen.
09] So wollte Ich mit diesem
Gleichnis von einem kleinen Samenkörnchen und dessen Entwicklung beweisen,
wie unendlich die Kraft des göttlichen Wortes ist, wenn es gleich dem Samen
auf guten Grund fällt und somit Stoff zu seiner Entwicklung findet.
10] Das weitere Gleichnis, in
dem das Himmelreich mit einem Sauerteig verglichen wird, stellt den geistigen
Prozeß dar, der in einem menschlichen Herzen vor sich geht, sobald dasselbe
das Wort in sich aufnimmt und anfängt, das Gute vom Bösen zu scheiden, wie
auch der Sauerteig unter dem mit Wasser zubereiteten Mehl einen Gärungsprozeß
bewirkt, wodurch die verschiedenen Elemente der Mehlsubstanz in Streit
geraten. Dieser Proeß endet damit, daß durch ihn das erzeugte Brot dem
menschlichen Organismus weniger schädlich gemacht wird, was besonders bei
verschiedenen künstlich erzielten Mehlgattungen beinahe unumgänglich
notwendig ist.
11] So sollte mit diesem
Gleichnis der Kampf angezeigt werden, der beginnt, sobald sich das
menschliche Herz vom Weltlichen ab und dem Geistigen zuwendet.
12] Weiter ist ein Gleichnis
erwähnt von einem Menschen, der einen verborgenen Schatz in einem Acker fand
und alles verkaufte, um Eigentümer dieses Ackers und somit des Schatzes zu
werden. Das will besagen: Wer einmal erkannt hat, welche Genüsse und Freuden
von nie geahnter Seligkeit aus der Aufnahme des göttlichen Wortes und dessen
Befolgung erwachsen, der läßt alles andere hinter sich und folgt nur dem
Trieb, diese geistigen Genüsse ja nicht mehr entbehren zu müssen, ebenso wie
der Kaufmann, welcher einer Perle zuliebe alles opferte, um sich deren Besitz
zu sichern.
13] So waren diese Gleichnisse
Bilder vom Himmelreich, welche alle etwas Wichtiges bezeichnen sollten. Das
erste zeigt die großartige Entwicklung des Himmelreichs, wenn es einmal im
menschlichen Herzen Wurzel gefaßt hat; das zweite den Kampf, den das
Himmelreich zwischen Welt und Himmel oder Materie und Geist hervorruft; das
dritte den Wert des Himmelreiches und die damit verbundene Ruhe und
Seligkeit. Mit diesem Schatz kann sich alles Irdische nicht messen oder mit
ihm in die Schranken treten.
14] Es liegt uns noch ein
anderes Gleichnis vor, nämlich das mit dem Netz, das im großen Meer
ausgeworfen wird, um reiche Beute aufzunehmen. Dieses Gleichnis besagt, daß
das göttliche Wort für alle zugänglich ist, für Schwache und Starke, für Gute
und Böse, und daß erst am Ende der Fang gesichtet wird und die Guten ihren Lohn
empfangen werden, während die Verächter dieses Wortes die Folgen sich selbst
zuzuschreiben haben.
15] Wie dieses Gleichnis sagt,
wird eine Sichtung zwischen denen stattfinden, die Mein Wort, das allen
gegeben wurde, geistig in sich aufgenommen haben, und denen, die es
unbeachtet ließen. Das sollte Meinen Zuhörern in jenen Zeiten begreiflich
machen, daß es nicht gerade in ihrem Ermessen stehe, Mein Wort anzunehmen
oder nicht, sondern daß die Menschen durch mancherlei Umstände gezwungen
werden können, ihrem freien Willen eine bessere Richtung zu geben.
16] Ich schilderte ihnen die
Folgen der Nichtbeachtung Meiner Lehre mit den Ausdrücken ,Ins Feuer werfen`
und ,Ewige Finsternis`, was gleichbedeutend ist mit geistig peinigenden
Vorwürfen und einem vernachlässigten Herzen. Mein Geist sollte doch Licht und
nicht Finsternis verbreiten!
17] So sagte Ich ihnen das Ende
oder die Scheidung voraus, die endlich zwischen Hell und Dunkel kommen muß,
damit alle begreifen sollten, daß ein Gott mit dem was Er schuf auch einen
Zweck verband, den Er aber nicht wegen der Halsstarrigkeit der einen oder der
andern aufzugeben gewillt ist.
18] Daß solche und ähnliche
Reden unter dem Volk Aufsehen erregten, war vorauszusehen, da ihnen von ihren
Priestern und Gelehrten der Weg zum künftigen Genusse geistiger Seligkeiten
und selbst das nach ihren Begriffen rechtliche Handeln sehr leicht und bequem
gemacht wurde, während Ich zwar die gleichen Seligkeiten versprach, ihnen
jedoch den Gewinn nicht gar so leicht darstellte und sie vor den Folgen der
Übertretung der gegebenen Gesetze warnte.
19] Daher ihr Entsetzen über
Meine Sprache, und daher ihr Ärger über Mich, was Mich zu dem Ausspruch
veranlaßte: "Der Prophet gilt in seinem eigenen Lande nie etwas!",
ein Sprichwort, welches noch heutzutage bei euch gang und gäbe ist und durch
Tausende von Beispielen bestätigt werden kann.
20] Die Welt ist noch immer
dieselbe, wie sie zur Zeit Meines Erdenwandels war. Damals predigte Ich
vielen tauben Ohren, und jetzt ist ebenfalls die Taubheit in geistigen Dingen
Mode geworden. Ein jeder glaubt, er wäre kein gebildeter Mensch, wenn er sich
nicht dieser Taubheit rühmen könnte. In jenen Zeiten war es öfter der Fall,
daß man seine Taubheit hinter schön tönenden Worten verbarg, in der jetzigen
Zeit der Aufklärung aber schämt man sich der geistigen Taubheit nicht mehr,
sondern man legt gerade ein großes Gewicht darauf, so recht stocktaub zu sein
und auf diese Art gleichsam Mich selbst zum Wettkampf herauszufordern, etwas
Besseres zu beweisen, wenn Ich dazu imstande sei.
21] Nun, diesen sogenannten
starken Geistern setze Ich eine unendlich große Langmut entgegen, und am Ende
werden wir schon sehen, ob sich nicht ein Mittel finden läßt, auch ihre Taubheit
zu heilen. Den übrigen aber - bei weitem kleiner an der Zahl -, welche von
Meinem Himmelreich eine leise Ahnung haben, lasse Ich ein Senfkörnchen Meiner
Liebe zukommen. Ich beobachte, ob das Körnchen die Macht hat, in ihren Herzen
zu wachsen und einen Kampf, gleich dem des Scheidungs- oder Gärungsprozesses
im Sauerteig hervorzurufen, und ob es fähig ist, ihnen den verborgenen Wert
des Schatzes in ihrem eigenen Herzen erkennbar zu machen, damit sie alles
andere über Bord werfen, um diesen Schatz allein zu besitzen. Dann warte Ich
ab, wieviel des Ausgestreuten in Mein geistiges Netz zurückkehrt. Endlich
wird die Sichtung vorgenommen und entschieden, ob der Mensch der geistigen
Seligkeit würdig ist, oder ob er erst durch langes Umhertappen im Finstern zu
der Erkenntnis gelangen muß, daß es doch göttliche Gesetze gibt, die man
ungestraft nicht übertreten darf.
22] Um die Menschen allgemein
zu dieser Ansicht zu bringen, und damit es ihnen nicht an Gelegenheit fehle,
auch den kleinsten Funken ihres besseren Ichs in Tätigkeit zu erhalten, sind
schon längst alle Vorbereitungen getroffen worden. Schon längere Zeit gehen
alle Weltereignisse, wie auch die Schicksale der einzelnen Menschen darauf
hinaus, den Boden zuzubereiten, damit Mein Wort dort, wo es noch keinen oder
nur wenig Anklang gefunden hat, aufgenommen werde und als Senfkörnlein seine
allmächtige Entwicklung beginne.
23] An euch habt ihr es selbst
schon erfahren, wie, wann und womit Ich die Menschen zu wecken verstehe. Ihr
selbst kennt Meine Mittel. Es ist wahr, sie waren und sind nicht immer die
angenehmsten; allein, Ich als der größte und einzige Seelenarzt weiß am
besten, welcher Reizmittel es bedarf, um die in scheinbar religiösen
Schlummer versunkenen Seelen zu erwecken.
24] Ich habe euch geweckt und
dann in eure blutenden Herzen durch Mitteilung Meines Wortes das Senfkörnlein
der Liebe gelegt, und wenngleich der erste Moment ein Reiz und nicht gerade
angenehm war, so habt ihr doch in der Folge erkannt, daß ihr Mir danken müßt
für das, was Ich euch als Ersatz für das Genommene gegeben habe.
25] So ist bei euch der
Gärungsprozeß eingetreten, und ihr habt dann endlich den Wert des verborgenen
Schatzes in eurem Innern selbst erkannt und die kostbare Perle gegen alles
andere eingetauscht. So habt ihr Mir beim Netzauswerfen den Fang und das
Scheiden der Guten und Bösen erleichtert, indem ihr durch euer eigenes
Beispiel andere vom geistigen Verderben errettet und ihnen den Weg zu Mir
bedeutend verkürzt und erleichtert habt.
26] Fahrt daher fort, die
Senfkörnlein der Liebe in euren Herzen zu pflegen; denn das Himmelreich - wie
Ich einst Meinen Zuhörern sagte - liegt in euch und nicht außer euch! Ihr
könnt es überall finden, wenn ihr es dorthin mitbringt. Durch euer Inneres
wird alles vergeistigt werden, wenn nur das Innerste, euer Herz Geist ist.
27] Daher laßt nicht ab von dem
Streben nach Vergeistigung! Mit dem Fortschreiten darin wachsen die wahren
Genüsse, und mit dem Fortschreiten in der Lehre wächst auch eure Erkenntnis.
Dann werdet ihr reif sein für die andere, ewige, große, geistige Welt, der
alles Wirken und Handeln hier als Grundlage dienen muß, und in der ihr Mir
mit reichem Segen die euch anvertrauten Pfunde reichlich zurückgeben könnt!
28] Bereitet euch vor und
fürchtet euch nicht! Wer bei Mir ist und auf Mich vertraut, der wird auch bei
allen Schrecknissen, die vielleicht noch über eure kleine Erde hereinbrechen
werden - gleich einem Gärungsprozeß, weil Ich Mein Wort als Sauerteig, als
ätzendes Mittel in die Herzen der Völker geworfen habe -, nicht verzagen. Er
weiß, daß der Vater Sein Netz in das große Meer der Seelen und Geister
auswarf. Und wenn er auch dadurch mitgefangen wird, so kann doch der Gute
stets wieder nur Gutes ernten.
29] So mit der Perle des
Vertrauens und der Liebe ausgerüstet, bewahrt euren Schatz bis zur
Umwandlung! Ich werde dann in anderen Welten und unter anderen Verhältnissen
diesen hier auf Erden erworbenen Schatz mit einem größeren vertauschen, der
als Ergänzung des früheren, des Senfkörnleins, den großen Baum darstellen
wird, in dessen Zweigen dann die Engel mit euch Mir den Lobgesang der Liebe
und des Vertrauens anstimmen werden. Amen.
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00] Die Endzeit (Mt.24,15-28): Wenn ihr nun sehen werdet den
Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er
steht an der heiligen Stätte, alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen
Lande ist; wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem
Hause zu holen; wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu
holen. Wehe aber den Schwangeren und Säugerinnen zu der Zeit! Bittet aber,
daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat! Denn es wird alsdann
eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bis
her und auch nicht mehr werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzt,
so würde kein Mensch selig: aber um der Auserwählten willen werden die Tage
verkürzt. So alsdann jemand zu euch wird sagen: "Siehe, hier ist
Christus!", oder: "da!", so sollt ihr's nicht glauben. Denn es
werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und
Wunder tun, daß verführt werden in den Irrtum, wo es möglich wäre, auch die
Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt! Darum, wenn sie zu euch
sagen werden: "Siehe, er ist in der Wüste!", so gehet nicht hinaus,
- "Siehe, er ist in der Kammer!", so glaubet nicht! Denn gleich wie
der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch
sein die Zukunft des Menschensohns. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die
Adler.
01] Dieses Wort ist das letzte
Evangelium, welches Ich euch erklären will. Es behandelt die letzte Zeit des
Judentums, sowie die letzten Zustände der Menschheit und endlich sogar die
letzten Ereignisse am Ende der sichtbaren Welt, welche wieder, in andere
Formen und in höhere Stufen übergehend, einen neuen Kreislauf beginnen wird.
02] Einst sagte Ich Meinen
Jüngern den Untergang des Tempels in Jerusalem voraus, den ersten Akt des
Endes der Juden als Volk. Sie hatten damals als solches ihre Rolle
ausgespielt und waren nicht weiter wert, im Verbande miteinander auf diesem
Erdboden ein Reich zu bilden, nachdem sie das größte Reich, welches es je
gegeben, Mein ewiges, geistiges Reich zerstören wollten. So wie sie vom
Anfang an auserkoren waren, durch ihre Religion und ihre Propheten dasjenige
Volk zu sein, in dessen Mitte Ich Mein Darniederkommen auf diese eure Erde
bewirken konnte, so untauglich zeigten sie sich später, diese Meine Lehre
anzunehmen und weiterzuverbreiten.
03] Nur Meinen Jüngern und
wenigen Auserwählten dieses Volkes ward das Licht der Wahrheit gegeben. Die
übrigen verschmähten es und zogen ihm die Finsternis und das Festhalten am
toten Buchstaben vor, eine Eigenschaft, die sie, obwohl sie unter allen
Völkern zerstreut leben müssen, heutzutage noch nicht abgelegt haben.
04] Die Geschichte erzählt euch
deutlich, daß alles, was Ich voraussagte, wirklich eingetroffen ist, und zwar
kurze Zeit nach Meinem Hingange in Mein Reich. So endete mit dem Tempel, der
geistig zwar schon längst zerstört war, auch die Geschichte eines Volkes,
welches Ich aus vielen auserwählt hatte, Träger und Förderer Meiner ewigen
Wahrheit zu werden.
05] Ich sagte Meinen Jüngern
auch voraus, wie in der Folge Meine Religion, Meine Lehre, im Kampf mit dem
Judentume sich nach und nach stets kräftigen und stets vorwärtsschreitend
auch ihre Verehrer stets mehr fördern werde, während das Judentum mit seinem
Kultus bis auf eure Zeiten, statt vorwärtszugehen, stehengeblieben ist und
die an ihm Hängenden noch heute ihren Messias mit denselben weltlichen Ideen
wie vor mehr als tausend Jahren erwarten. Über die Unrichtigkeit ihrer
Vorstellungen suchte Ich sie schon damals aufzuklären; aber an der
Halsstarrigkeit der Juden hatte Ich den größten Gegner.
06] Alles in Meiner Schöpfung
schreitet vorwärts. Alles verändert sich und vervollkommnet sich in der Veränderung.
Nur die Juden wollten keine Neuerung, keine Veränderung, und so müssen sie
ihr jetziges Los sich selbst zuschreiben, indem sie, nur dem Niedrigsten auf
Erden, dem Mammon allein huldigend, von allen andern Völkern verachtet sind.
So straft sich, wer nach dem Materiellen und nicht nach dem Geistigen strebt;
denn Mein Reich, obgleich es sichtbar Materie zu sein scheint, ist doch nur
Geist und nicht Materie.
07] Was den Juden zur Zeit der
Zerstörung Jerusalems begegnete, das wird sich auch als Ende der jetzt
lebenden Menschheit wiederholen; denn die Greuel des Krieges und der
Zerstörung werden wieder auftreten, nur in anderen Formen. Und wie in jenen
Zeiten nur die wenigen, die an Mich glaubten, entweder ein besseres Los
hatten, oder wenn es schon hart war, es leichter zu ertragen vermochten, weil
sie im Glauben und im Vertrauen auf Mich nicht wankten, so wird es auch in
der Zeit sein, die Meiner Wiederkunft vorausgeht. Auch dann werden Treue und
Glauben auf Erden verschwunden sein, da die Menschheit oder wenigstens der
größte Teil der Menschen; der Materie, der Welt und ihren Genüssen huldigt,
wie ihr es jetzt schon überall bemerken könnt.
08] So muß die Reinigung und
Läuterung des geistigen Seelenreichs vorgenommen werden, wie Ich es im Evangelium
vom Feigenbaume sagte. Wenn er anfängt, seine Blätter zu treiben und saftig
zu werden, so ist das die Vorzeit des Sommers, die Vorzeit der Entwicklungs
und Fruchtbildungsperiode, welche uns geistig an die Scheidungs und
Prüfungszeit erinnert, in der Rechenschaft über das den Menschen anvertraute
geistige Gut gefordert werden wird.
09] Die Elementarereignisse,
die Unglücksfälle und Krankheiten, welche dieser Zeit vorangehen, sind die
letzten Versuche, noch zu retten, was zu retten möglich ist, damit nicht alle
im Schlamm des Egoismus ersticken. Nur durch Unglüek und herbe
Schicksalsschläge wird das stolze Menschenherz mürbe.
10] Die Wahrheit muß sich wie
die Wirklichkeit nackt zeigen, damit keine Illussion sie verschönt. Nur so
wirkt sie heilend. Und wenn die materielle Welt sich in ihrem eigentlichen
Gewand der Vergänglichkeit und des Truges zeigt, wenn sie den Menschen mit
Hohn zurückstößt und ihm, der sie liebkosen wollte, mit Verachtung den Rückcn
wendet, dann erst - meist leider nur zu spät - beginnt das Geistige seinen
Einfluß auszuüben, dann erst erwachen bessere Gedanken und reinere Gefühle.
So muß Ich als liebender Vater den Menschen führen, damit er den wahren Wert
der Dinge erkennt und Den findet, der die stete Ruhe ist.
11] Daß gegen diese sich
steigernden Versuche, den Menschen in die Enge zu treiben, mit allen
möglichen Mitteln gearbeitet wird, daß Spott, Rache und Verfolgung die
Gläubigen treffen, daß falsche, aber auch wahre Propheten das Volk zu
belehren suchen werden, daß am Ende bei den meisten eine gänzliche Verwirrung
der Begriffe eintreten wird - das versteht sich von selbst. Alle Meine
Mahnungen werden, wie vor der Sündflut, bei vielen fruchtlos bleiben, und nur
wenige werden sich bekehren. Wenn die Ereignisse sich aber überstürzen, so
wird doch die Mehrzahl geistig gerettet werden (krit. Anmerkung d. Hrsg.),
und sie werden Mir danken, daß Ich sie durch solche strengen Mittel der
allgemeinen Verderbnis entrissen habe.
12] Wenn all diese
unglücklichen Ereignisse über die Menschheit hereinbrechen werden, wie einst
bei den Juden die Zerstörung des Tempels und Jerusalems - wer ist dann schuld
daran? Bin Ich ein Rachegott, der das Blut und das Elend von so vielen
Tausenden will? Oder sind sie es nicht vielmehr selbst, die alles unter ihren
Sinn beugen und selbst die großen Gesetze der materiellen und geistigen Welt
- wenn es nur möglich wäre! - umstoßen möchten?
13] Seht, Ich lasse es hier
niederschreiben, damit alle Welt es weiß! Wie Ich einst den Verfall des
Judenvolkes voraussagte und derselbe auch wirklich eintraf, so habt ihr hier
in 53 Predigten der Mahnungen und Voraussagungen genug, in denen Ich euch
deutlich gesagt habe, was kommen wird, wie und wann es eintreffen muß, um
Meine verirrten Kinder auf den rechten Weg zu bringen. Schon in jener Zeit
sagte Ich zu Meinen Jüngern: "Es wird gepredigt werden das Evangelium
vom Reiche Gottes in der ganzen Welt!", und dieses Evangelium ist dieses
Werk, das Ich euch hier als Zeichen Meiner Liebe und Gnade überlasse.
14] Die Zeit der Greuel und der
Verwüstung ist mehr geistig als materiell zu verstehen; denn was im
Evangelium steht, wie z.B.: "Wer auf dem Dache ist, der steige nicht
hernieder!" usw., dies alles besagt: Laßt das Weltliche fahren und
haltet euch an das Unverwesliche, Geistige! Dort ist der Anker, der euer
Lebensschiff in den Stürmen des materiellen Unglücks und der geistigen Not
festhalten kann! Ohne diesen Anker findet ihr keine Ruhe, keinen Frieden!
15] Deswegen sammelt euch um
Mich und haltet fest an Mir und Meiner Lehre! Denn - wie geschrieben steht -:
"Himmel und Erde werden vergehen!" Ja, Himmel und Erde werden
vergehen; sie werden sich in andere Elemente auflösen, und aus ihnen werden
andere Formen und andere Welten hervorgehen. Die ganze Schöpfung wird den
gleichen Prozeß durchmachen, den auch das Judenvolk, welches mit seinen
Traditionen und mit seiner Religion die Grundlage Meiner Lehre war,
durchzumachen hatte.
16] Ich habe bei der Schöpfung in
alles, auch in das geringste Atom, Meinen Geist hineingelegt, um die Materie
fähig zu machen, sich zu etwas Größerem und Höherem zu entwickeln. Ebenso war
das Judenvolk das geeignete Element, in welchem Ich Meine Darniederkunft
bewerkstelligen und - ähnlich wie in der ganzen sichtbaren Schöpfung - Mein
großes Geisteswerk vollenden konnte. Jedoch wie das Judenvolk nach seier
Mission aufhörte ein Volk zu sein, und wie die Menschheit nach ihrer
Läuterung aufhören wird, Träger aller egoistischen Leidenschaften zu sein,
weil Besserem Platz gemacht werden muß, ebenso wird die ganze Schöpfung, die
bis jetzt noch die Grundlage Meiner Liebe zu allen geschaffenen Wesen ist,
einst auch aufhören müssen, der Ausdruck Meiner göttlichen Gedanken zu sein.
17] Wenn die Wesen der
Schöpfung, der Vergeistigung reif, an dem Punkt angekommen sein werden, wo
auch die feinste Materie noch als grob erscheinen muß, dann ist diese, mit so
vielen Wundern und Schönheiten ausgestattete Welt ein zu grober Träger für
das Rein-Geistige, und es muß dann die ganze Schöpfung als Wohnort den
Wohnenden gemäß eingerichtet werden, was die Auflösung bedingt. Zu dieser
Zeit wird der Menschensohn in aller Herrlichkeit erscheinen - wie Ich einst
sagte -, weil auch die geschaffenen Wesen in einem geistigen
Verfassungszustand sein werden, diesen Glanz und diese Herrlichkeit ertragen
zu können. Dann werden die höchsten Geister und Engel die Auserwählten aus
allen vier Winden und von einem Ende des Himmels zum andern sammeln.
18] Ja, so wird es noch oft
geschehen, stets auf höheren Stufen und verbunden mit größeren Seligkeiten.
Ich kann Mich Meinen Geistern immer nur so zeigen, wie sie Mich fassen
können. Da Ich aber unendlich bin, so sind auch die Auffassungen von Mir
unendlich, und Mein Reich wäre kein unendliches, wenn nicht eine stete
Steigerung der geistigen Potenzen möglich wäre.
19] Dies alles sagte Ich in
jener Zeit Meinen Jüngern in Bildern voraus, nicht nur damit sie es wissen,
sondern damit bewiesen werde, daß Meine Worte nie vergänglich sind und stets
wahr bleiben werden! Glaubt ja nicht, daß Ich für euch allein auf die Welt
kam, daß Ich alles der kleinen Erde und ihrer Bewohner wegen erduldete, nein,
Meine Taten sind Taten der Unendlichkeit! Auch die Bibel, worin zum Teil
Meine Worte, die Ich während Meiner Erdenjahre sprach, geschrieben stehen,
ist nicht für euch allein - sie gehört der ganzen Schöpfung.
20] Und wenn Millionen von
Welten von Meiner Existenz bis jetzt noch nichts wissen, so wird doch die
Zeit kommen, wo auch diese Worte Gottes zu ihnen dringen und von ihnen,
entsprechend ihrer geistigen Bildung, verstanden werden. Dann wird bei den
geistig vollkommen Wiedergeborenen die harte Rinde des Buchstabens und die
wörtliche Auffassung verschwinden, und es wird der reine und tiefe Sinn der
Worte Gottes, der Worte eines liebenden Vaters, klar und helleuchtend, der
ganzen Schöpfung verständlich, allen zurufen: "Liebet, o liebet nur alle
einander!" Denn aus Liebe habe Ich die Welt erschaffen, aus Liebe den
größten Akt der Demut auf eurer Erde vollführt, aus Liebe die Menschheit
geläutert durch Drangsale und Leiden, damit Meine Worte, die Ich einst sprach
und in diesem Evangelium erklärte, stets wahr bleiben! Sie haben keinen
anderen Zweck, als Meine Kinder wirklich zu dem zu machen, was viele nur dem
Namen nach waren.
21] So soll nach dem Greuel der
Verwüstung, wie nach Gewitter, Regen und Sturm, allen wieder die Gnadensonne
in ihrem ganzen Glanze leuchten! Wenn die geistige Luft von allen schlechten
Giften gereinigt sein wird, dann bereitet sich, wie die erfrischte Erde nach
einem Gewitter, alles zu einem neuen, tätigen Leben vor. Amen.
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