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PREDIGTEN DES HERRN
Von Gottfried Mayerhofer
- Durch das Innere Wort erhalten und niedergeschrieben Predigt 1- 27

INHALT
INHALT 2
gm.pred.001. Predigt: Lk.21,25-26 am 1. Advent
(23.11.1871) 2 - Die Zeichen
der Zukunft
gm.pred.002. Predigt: Mt.11,26. 27-30 am 2. Advent
(04.12.1871) 4 - Die Anfrage
des Johannes
gm.pred.003. Predigt: über Joh.01,01-27 am 3.
Advent (09.12.1871) 8 - Zeugnis des
Johannes über Jesus:
gm.pred.004. Predigt: Lk.03,02-20 am 4. Advent
(10.12.1871) 12 - Die Bußpredigt
Johannes des Täufers
gm.pred.005. Predigt: Lk.02,01-14 am am
Weihnachtstag 16 - Die Geburt
Jesu -Die Geburt Jesu
gm.pred.006. Predigt: Lk.02,33-40 am Sonntag nach
Weihnachten(25.12.1871) 20 - Die
Darstellung Jesu im Tempel
gm.pred.007. Predigt: Lk.02,42-50 am 1. Sonntage
nach Epiphanias(26.12.1871) 23 - Der
zwölfjährige Jesus im Tempel
gm.pred.008. Predigt: Joh.02,01-11 am 2. Sonntage
nach Epiphanias 27 - Die Hochzeit
zu Kana
gm.pred.009. Predigt: Mt.08,01-04 am 3. Sonntage
nach Epiphanias (11.01.1872) 29 - Die Heilung
eines Aussätzigen
gm.pred.010. Predigt: Mt.20,01-16 am Sonntage
Septuagesimä (01.1872) 33 - Das Gleichnis
von den Arbeitern im Weinberge
gm.pred.011. Predigt: Lk.08,04-15 am Sonntag
Sexagesimä (20.01.1872) 37 - Das Gleichnis
vom Sämann
gm.pred.012. Predigt: Lk.18,35-43 am Sonntage Esto
mihi (21.01.1872) 41 - Die Heilung
eines Blinden
gm.pred.013. Predigt: Mt.04,01-11 am Sonntage
Invocavit (Den 21. Jan.1872) 44 - Die Versuchung
des Herrn
gm.pred.014. Predigt: Mt.17.01-13 am Sonntag
Reminiscere (Den 25. Jan. 1872) 48 - Die Verklärung
Jesu
gm.pred.015. Predigt: Lk.11,14-28 am Sonntag Okuli
(27.06.1872) 52 - Die
Austreibung eines Teufels
gm.pred.016. Predigt: Joh.06.01-15 am Sonntage
Lätare (16.02.1872) 56 - Die Speisung
der Fünftausend
gm.pred.017. Predigt: Joh.08,59 am Sonntage Judica
(Den 17. Febr.1872) 60 - Versuch der
Juden, Jesus zu steinigen
gm.pred.018. Predigt: Mt.21,01-09 am Palmsonntage
(Den 18. Febr. 1872 63) - Jesu Einzug
in Jerusalem
gm.pred.019. Predigt: Mk.16,01-08 am Ostersonntage
(Den 19. Febr. 1872) 67 - Die
Auferstehung Jesu
gm.pred.020. Predigt: Joh.20,19-31 am Sonntage
Quasimodogeniti (Den 5. März 1872) 71 - Die
Erscheinung Jesu bei den Jüngern
gm.pred.021. Predigt: Joh.10,01-16 am Sonntag
Misericordias Domini (09.03.1872) 74 - Jesus als
guter Hirte
gm.pred.022. Predigt: Joh.16,16-23 am Sonntag
Jubilate (10.03.1872) 78 - Vorbereitung
auf Jesu Heimgang
gm.pred.023. Predigt: Joh.16,05-06 am Sonntag
Kantate (18.03.1872) 81 - Die geistige
Heimat
gm.pred.024. Predigt: Joh.16,23 am Sonntage Rogate
(19.03.1872) 85 - Richtig beten
gm.pred.025. Predigt: Joh.15,26 u. Joh.16,07 am
Sonntag Exaudi (20.03.1872) 90 - Die Verheißung
des Trösters
gm.pred.026. Predigt: am Pfingstsonntage
(24.03.1872) 94- Jesus und Seine
Kinder
gm.pred.027. Predigt, am Dreifaltigkeitssonntage 98 - Der Abschied
Jesus
00]
Die
Zeichen der Zukunft (Lk.21,25-26): Und es werden Zeichen geschehen
an Sonne, Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie
werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die
Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die auf
Erden kommen sollen; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen.
01] Dieses ist der erste Evangelientext, mit welchem
gewöhnlich das Kirchenjahr seinen Anfang nimmt. Er wird alle Jahre den
Gläubigen in der Kirche vorgelesen, alle Jahre erklärt - so oder so -, wie es
dem Prediger gerade zu seinem Zweck paßt. Wenn auch mancher von Zeichen und
Wundern spricht, so wissen doch wenige von ihnen, worin diese Zeichen
bestehen und auf welche Art sie die künftige Zeit verkünden werden. Die
meisten Prediger nehmen ihre Erklärungen für den Text aus dem politischen
Staatenleben und wollen so Geistiges durch Weltliches erläutern. Das ist ein
ebenso eitler Versuch, als wollte man die geistige Welt durch die materielle
erklären, während das Umgekehrte geschehen sollte, sind doch die weltlichen
Ereignisse eine Folge von geistigen Umwälzungen.
02] Seht, Meine Kinder, als Ich in jener Zeit von den Zeichen
sprach und den Juden die Zerstörung ihres Tempels voraussagte, glaubten
wenige von ihnen Meiner Aussage, weil sie Mich nicht kannten. Jetzt, da Ich
euch das nämliche zurufe, gibt es ebenso viele Zweifler und Ungläubige, die
die Zeichen von woandersher erwarten, als von wo sie wirklich kommen werden.
03] In jener Zeit sagte Ich den Untergang des Tempels von
Jerusalem und das Aufhören des jüdischen Stammes als selbständiges Volk
voraus. Ich sagte ihnen voraus, daß die Art und Weise, wie sie ihre
Religionsgesetze beachten, gerade das Entgegengesetzte von dem sei, was Moses
und die Propheten ihnen geben wollten, und daß dieser Art der Anschauung und
werktätigen Ausübung ein Ende gemacht werden müßte, eben durch die
eigentliche Auslegung, wegen der Ich gekommen bin und auch Mein Leben für
diese Lehre gelassen habe.
04] Sie wollten sich nicht von dem längst als Glauben oder
Religion Angewöhnten trennen. Für sie galt der Tempel zu Jerusalem als
Repräsentant des geistigen Religionsgebäudes. Da es aber in diesem Tempel so
heillos zuging, und die Religion so gepredigt und ausgeübt wurde, wie es den
Interessen der Priester und Pharisäer angemessen war, mußte, sollte die
Menschheit nicht im Sumpfwasser ihrer schlechtesten Leidenschaften verfaulen,
dieser materielle Tempel fallen. Erst auf seinen Ruinen konnte ein anderer, geistiger,
ewig dauernder Tempel erbaut werden, zu dem Ich während Meines Erdenlebens
den Grundstein gelegt habe.
05] Schon von damals an, sowie nach Meinem Heimgang bis zu
Meiner nächsten Wiederkunft fehlte und fehlt es nicht an Zeichen der Mahnung
zur Umkehr; allein immer schien es nicht an der Zeit, den jetzigen Tempel -
nämlich Rom und seine Wirtschaft - zu zerstören. Wenn auch vielen Menschen in
besseren Augenblicken ein Lichtstrahl der Zukunft das Herz erleuchtete, - in
Rom blieb es finster, und statt heller wurde es immer finsterer.
06] Was einst in Jerusalem geschah, wo die bewaffnete Macht
der Römer lange Zeit die Religion der Juden und ihre Gebräuche achtete und
sie gewähren ließ, das geschah auch bis auf den heutigen Tag, wo die Machthaber
mit dem Schwert in der Hand dem Unfug in Rom, wenngleich sie ihn kannten,
nicht steuern wollten, sondern ihn zu ihrem eigenen Interesse ausbeuteten.
Allein, wie einst die Juden durch ihren Übermut und ihre Empörungssucht den
Fall des Tempels und den Ruin ihrer eigenen Existenz herbeiführten, so wird
auch jetzt das Gebäude des Unfehlbaren auf Petri Stuhl in Rom (krit.
Anmerkung) durch Übermut und Blindheit seiner eigenen Mithelfer fallen und
wieder wie einst Meiner Lehre Platz machen müssen.
07] Was bei Meiner ersten Darniederkunft als Mensch geschah,
wird sich wieder ereignen. Es werden Zeichen geschehen. Wohl denen, die sie
verstehen und sie zu ihrem eigenen und dem Besten der Mitmenschen benutzen
werden!
08] Das Vorausgesagte wird, im geistigen Sinn, mit ebendiesen
Symptomen beginnen - und hat eigentlich schon längst seinen Anfang genommen
-, wie einst während Meines irdischen Erdenwandels. Kriege und Empörungen,
Verfolgungen Meiner Anhänger, ängstliches Bangen der Dinge wegen, die da
kommen würden, Krankheiten aller Art, waren die Vorboten in jenen Zeiten; und
auch jetzt werden sie nicht fehlen. Nicht aber, daß Ich sie schickte, sondern
dieses Schicksal bereiten sich die Menschen nur selbst durch ihr
Nichtverstehen Meiner göttlichen Worte, die stets die gleichen bleiben
werden. Auch jetzt weht der Wind der geistigen Freiheit und durchdringt alle
menschlichen Herzen. Die schon längst mit Füßen getretenen Menschenrechte
wollen sich Geltung verschaffen, wollen geachtet und nicht, wie schon seit
mehr als tausend Jahren, nur von einer Sekte oder Kaste - nämlich der
stärkeren - mit Füßen getreten sein.
09] Man sagt auch: ,Der Wurm krümmt sich, wenn er getreten
wird!` Nun, die geistlichen und weltlichen Machthaber haben den Wurm lange
genug getreten, wollten sich denselben ganz untertänig und botmäßig machen
und die menschliche Würde erst bei sich anfangen lassen. Zuviel schadet! Und
so ist, nachdem sie den Bogen zu sehr gespannt haben, das Reißen nahe. Sie
fühlen es wohl; daher ihre Angst, ihre Suche nach Mitteln, selbem zu steuern.
Aber umsonst! Wie einst zu Jerusalem, so graben sich diese Machthaber selbst
die Grube, in welche sie eigentlich andere hineinwerfen wollten.
10] Damals riet Ich Meinen wenigen Anhängern, mäßig zu sein,
ihre Seelen und Körper rein zu halten und nicht zu schlechten Handlungen zu
mißbrauchen, damit sie gereinigt vor dem Menschensohne stehen können, wenn Er
kommen wird.
11] Und jetzt gilt derselbe Mahnruf: Wachet und betet, daß ihr
nicht in Versuchung fallet! Haltet euch rein, stärkt euch mit dem Glauben an
Meine Liebe und an Meine göttliche Fürsorge, die, wenn sie auch das
Schrecklichste zuläßt, doch nie die strafen wird, welche Meiner Lehre mit
kindlichem Gemüt angehangen und mit gläubigem Eifer danach tätig waren.
12] Die Zeichen der Zeit werden dann spurlos an euch
vorübergehen, wenn ihr euern Körper auf wenige leibliche Bedürfnisse habt
beschränken lernen, aber desto mehr auf das Aufbauen eures geistigen
Seelenmenschen bedacht seid. Sodann werdet ihr wie einst in jenen Zeiten
Meine Anhänger ein Halleluja ertönen lassen, auch über rauchenden Trümmern
weltlichen Glanzes und über Schlachtfeldern, wo zwar die Materie erlegen,
jedoch der Geist frei geworden ist, zum Zeichen Meiner Größe, Meiner Liebe
und Erbarmung. Amen.
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00] Die Anfrage des Johannes (Mt.11,26. 27-30): Da aber
Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei
und ließ ihm sagen: "Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines
andern warten?" Jesus antwortete und sprach zu ihnen: "Gehet hin
und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen und die
Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten
stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der
sich nicht an mir ärgert!" - Alle Dinge sind mir übergeben von meinem
Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den
Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu
mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Nehmet
auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen
demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft
und meine Last ist leicht.
01] Als in jener Zeit Johannes
im Gefängnis saß, schickte er einige seiner Jünger zu Mir, und ließ Mich
fragen, ob Ich derjenige sei, welcher als der verheißene Messias kommen
solle, um die Völker von ihrem materiellen Druck zu befreien und sie zur
geistigen Würde zu erheben, deretwegen die Menschen eigentlich geschaffen
wurden, - oder ob er auf einen andern warten solle.
02] Diese Frage, ob Ich
eigentlich derjenige sei, von dem die Propheten weissagten, ist auch jetzt
wieder in den Gemütern, die nicht recht im klaren mit sich selbst sind,
aufgetaucht. Sie haben wohl eine leise Ahnung von einem künftigen geistigen
Zustand, der die alten herkömmlichen Religionsgewohnheiten zum Teil
vernichten wird und zum Teil auf ihr rechtes Maß zurückführen soll.
03] Deswegen schicken auch sie
ihre Jünger und lassen fragen: "Bist Du derjenige, der da kommen soll,
oder müssen wir auf einen andern warten?"
04] Diese Jünger oder Anhänger
der eigentlichen, wahren Religionslehre sind noch befangen von den ihnen von
Jugend an eingeprägten Religionsgrundsätzen, die nicht immer Meine Lehre ins
rechte Licht stellten und, vermischt mit Gebräuchen, den Gläubigen stets zum
Schwanken brachten.
05] Diese Jünger oder Männer,
welche sich an die Spitze der Religions- und Glaubensbewegungen gestellt
haben, sind noch nicht frei von Vorurteilen. Sie fragen in ihrem Innern bei
Mir an: ,Handeln wir so recht oder nicht?` Und Ich, der Ich jetzt durch Meine
Knechte die Lehre, wie Ich sie einst gab, wiedergegeben habe, und noch
fortwährend erläutere, sage ihnen: Seht Meine Taten; seht Meine Kinder, wie
sie die Gottes und Menschenliebe auffassen; seht, welche Willenskraft in einzelnen
Wunder wirkt, nicht wie einst durch Meine eigene Hand, aber doch so, daß sie
in vielen Fällen eure Gelehrten und Doktoren zuschanden machen werden.
06] Auch damals sagte Ich:
"Ihr seid wie die Kinder! Ihr habt gepfiffen, und eure Gespielen wollten
nicht tanzen; ihr habt geklagt, und sie wollten nicht weinen!" Und jetzt
sage Ich wieder: ,Ihr Unmündigen glaubt und hofft, die Menschen werden euren
Führern folgen, und ihr werdet das Gegenteil sehen! Ihr Menschen nebst euren
Führern werdet klagen und doch niemandem Tränen entlocken oder Mitleid
erwecken können!`
07] Ja, wie einst, so ist es
auch jetzt und wird es stets sein: Dem Himmelreich muß Gewalt angetan werden!
Es muß mit Gewalt der alte Adam verdrängt und mit festem Willen der neue
angezogen werden, sonst ist alles Reformierenwollen umsonst. Mittelwege
einschlagen und teilweise Meine Lehre, teilweise Gebräuche veralteter
Institutionen gebrauchen wollen, geht nicht an. Ich bin ein Geist, und wer
Mich anbeten will, muß Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten Mit Wahrheit
anbeten heißt: mit unerschütterlichem Vertrauen - mit Gewalt! Und wer mit
Gewalt den Himmel ergreift, dessen Eigentum wird er auch sein.
08] Die Menschen von damals und
die Menschen von heute hatten und haben eine irrige Idee von Johannes, Meinem
Vorgänger, und von Mir selbst. Johannes glaubten sie zu finden, wie sie
selbst waren, nach ihren weltlichen Begriffen. Mich stellten sie sich
ebenfalls vor als einen die weltlichen Verhältnisse Verbessernden. Jedem
Vorgänger und ernsten Kämpfer für Meine Lehre wird es ergehen wie dein
Johannes; er wird ebensowenig begriffen werden wie Ich, der Ich schon in
dieser Meiner Lehre mehrere Jahre hindurch unter euch weile, mittelbar und
unmittelbar Mich euch kundgebend durch Meine Schreiber und Knechte.
09] Überall möchten die
Menschen, wenn sie auch von Meiner Lehre etwas wissen oder neuerdings
erfahren, dieselbe dem Leben so anpassen, daß es keiner Aufopferung, keiner
Verleugnung bedarf, um Meine Jünger, Meine Kinder zu werden.
10] Was Ich einst über die
Stadt Judas sagte, gilt auch heute noch für die großen Hauptstädte eurer
Erde. Dort, wo die größte Aufklärung walten sollte, herrscht die größte
Finsternis, und in jenen Städten, wo Ich Mich den Menschen direkt kundgebe,
dort nimmt man am wenigsten Notiz von Mir, wie einst in Kana, wo Ich das
erste öffentliche Wunder wirkte.
11] Ihr seht, daß ein
Jahrtausend verflossen ist, aber die Menschen stets die nämlichen geblieben
sind.
12] Einst sagte Ich:
"Mich, den Sohn, kennt nur der Vater, und den Vater kennt allein der
Sohn." Und auch jetzt muß Ich leider ebenfalls sagen: ,Mich, die mit
Weisheit tätige Liebe, kennt nur allein die Gottesliebe im höchsten Sinn.`
13] Die Menschen möchten Mich
finden, doch verstehen sie nicht zu suchen. Noch sind Führer und Geführte
befangen, noch hängt ihnen, wie einst Moses, eine dreifache Decke über den
Augen, und wenn Ich sie auch lüften möchte, wenn Ich auch rufe: "Kommet
her, ihr alle, die ihr beladen seid, auf daß Ich euch erquicke!", so
verstehen sie diesen Ruf nicht. Sie kennen des Hirten Stimme noch nicht, sie
sind verirrte Schafe, die erst nach langem Herumtappen im Finstern zum Licht
der Liebe, der Wahrheit und des freien Bewußtseins gelangen werden.
14] Auch jetzt wird es so sein, wie Ich einst sagte: "Den
Hochmütigen wird vorenthalten werden, was den Unmündigen, mit dem Herzen
Suchenden geoffenbart wird!"
15] Alle Reformer, die sich
jetzt an die Spitze der Gläubigen gestellt haben, welche ein besseres
geistiges Los ahnen, werden so manches von ihren Lieblingsansichten fahren
lassen müssen wie ihre Nachfolger. Sie werden noch manches Bittere
durchzumachen haben, bis sie Mein Wort von damals begreifen, welches heißt:
"Mein Joch ist sanft,'und Meine Bürde ist leicht!" Lernt von Mir die
Demut, die Sanftmut und die Nächstenliebe oder in religiöser Hinsicht die
Toleranz, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele und auch fähig werden,
anderen diese Ruhe zu geben, die ihnen jetzt noch mangelt.
16] So wie dort vor Meinen
Lehrjahren sich alle diese Ereignisse zutrugen und Johannes als Vorläufer in
der Wüste predigte, so ist es auch jetzt, ehe Mein wirkliches Darniederkommen
erfolgt. Meine direkte Kundgebung an einzelne ist wieder Mein Vorläufer.
17] Der geistige Wind bläst. Er
kommt von Meinen Himmeln, um eure mit allerlei schlechten Dünsten
geschwängerte geistige Luft zu reinigen. Dieser geistige Wind ist der
Erwecker, Läuterer und Träger einer neuen Ära, damit die Menschheit ihrem
geistigen Ziele nähergebracht werde und endlich begreife, was Religion im
geistigen Sinne bedeutet, was es heißt: Mich im Geist und in der Wahrheit
anbeten.
18] Noch immer klammern sich
die Menschen an Zeremonien und Gebräuche, - ein Zeichen, daß sie selbst noch
sehr materiell sind, nur Materielles wünschen und verstehen.
19] Wenn die Menschen erst
geistig gebildet sein werden, wenn sie erkennen werden, daß Ich als Geist
kein materielles Mittel brauche, um von ihnen verstanden zu werden, wenn sie
einsehen werden, was eigentlich Geist und geistige Bildung heißt, dann werden
sie begreifen, wie weit sie vom rechten Weg abgekommen sind. Sie nötigten
Mich zu dem Ausruf, daß nur Ich als Sohn den Vater kenne und Er Mich. Dabei
lehrte Ich einst körperlich auf Erden, wie diese Erkenntnis auch euch
Menschen, die ihr doch alle einen Funken Meines göttlichen Ichs in eurem
Herzen tragt, welcher euch stets zur Vereinigung mit Mir antreibt, gegeben
werden könne.
20] Alle diese nun folgenden
Erklärungen der im christlichen Kirchenjahr festgesetzten Sonntagsevangelien
werden euch zeigen, wie die geistige Bildung der Menschheit stufenartig nach
und nach vor sich geht. Die Erklärungen werden euch zeigen, wie ihr selbst,
schon längst in diesem geistigen Strom mit fortgerissen, dem Weg der
Aufklärung entgegengeht, um das zu werden, wozu Ich euch geschaffen, erzogen
und bestimmt habe.
21] Wacht auf, Meine Kinder! Verschließt eure Ohren nicht den
Worten des Predigers in der Wüste, den Diktaten, die Ich euch in solcher
Fülle schicke! Wacht auf, und höret die himmlischen Harmonien, die von oben
herabgesandt werden, um euch zu beweisen, daß ihr - geistigen Ursprungs - ein
anderes Ziel und eine andere Aufgabe häbt, als nur im Weltlichen zu leben!
22] Es bläst der geistige Wind und durchzieht alle Herzen; und
wenn auch Tausende sein Tönen nicht verstehen, so seid doch ihr nicht taub,
die ihr seine Bewegung und seinen Zweck deuten könnt! Wacht auf, werft das
Weltliche weit hinter euch! Ihr seid Geister, Bewohner einer andern,
größeren, unendlichen, ewigen Welt! Vergeßt nicht, daß dieses Erdenleben, das
so flüchtig an euch vorübereilt, ein Probe, - ein Prüfungsleben ist! Der
größere, ja größte Teil harrt euer dort, wo ewig keine Sonne mehr untergeht,
wo die Nacht verbannt ist und nur Licht, gleichbedeutend mit Liebe, als
Erreger das ganze himmlische Gebiet durchdringt.
23] Laßt euch raten, jene Worte
des Evangeliums, die Ich einst vor mehr als tausend Jahren ausgesprochen
habe, in ihrem höchsten, geistigen Sinne zu deuten und zu fassen! Sie
enthalten Meine ganze Vaterliebe zu Meinen Kindern.
24] Schon damals wollte Ich dem
Judenvolk beweisen, welche Liebe ein Schöpfer als Vater haben kann und auch
haben muß; allein sie verstanden Mich nicht. Und jetzt - leider muß Ich es
bekennen -, jetzt verstehen Mich die Menschen im ganzen noch weniger.
25] Einst rief Ich ihnen zu:
"Mein Joch ist sanft", - und heute sage Ich es wieder: ,Wie kann
denn ein Joch der Liebe anders sein als sanft, wie die Last leichter, als
wenn Liebe sie tragen hilft?`
26] Begreift es wohl! Laßt die Welt, sie kann euch nur auf
Augenblicke ergötzen, nie aber auf die Länge befriedigen; denn mit dem Besitz
eines weltlichen Gutes hört die Hoffnung auf, es zu erlangen! Nicht aber so im
Geistigen!
27] Mein Reich ist unendlich.
Der geistige Besitz hat keine Grenzen und keine Schranken; daher ist das
ewige Fortschreiten möglich. Mit jeder Stufe ist ein größerer Genuß, mit
jeder Stufe größere Kraft und größere Fähigkeit zu erreichen.
28] Während im Weltlichen immer
erst Verhältnisse und Umstände zusammentreffen müssen, um ein Erwünschtes zu
erreichen, bietet der geistige Fortschritt immer Gelegenheit,
vorwärtszugehen. Während im Weltlichen das meiste von andern abhängt, ist im
Geistigen euer Inneres die größte Fundgrube, wo alle Schätze einer
unendlichen, geistigen Welt verborgen liegen. Es ist euer Inneres, worin Ich
Mich als Vater, als Sohn und als höchster Geist kundgeben kann, von welcher
Kundgebung euer Friede und eure Ruhe abhängt, und wodurch ihr sodann alle Mißhelligkeiten
des Lebens nicht als Strafen, sondern nur als weise und nötige Prüfungen
ansehen lernt und den Satz erst ganz begreifen werdet: "Kommet her zu
Mir, die ihr beladen seid!" Die Liebe, die ewige, unendliche Liebe eines
himmlischen Vaters hat euch diese Last zwar aufgeladen, - aber Er hilft sie
euch auch tragen.
29] Die Leiden und Mißgeschicke
des menschlichen Lebens sind dann keine Plagen, sondern nur Segnungen eines
Vaters, der Seine Kinder nicht zu weltlichen Herren, sondern zu geistigen Vorkämpfern
Seiner Liebelehre hier und einst in jenem Reich ohne Ende machen möchte.
30] Dies nehmt alles wohl zu
Herzen! Das Endresultat wird euch gewiß beweisen, was am Ende des Evangeliums
(Matth.11, 30; d.Hsg.) steht: "Denn Mein Joch ist sanft, und Meine Last
ist leicht." Amen.
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00] Zeugnis des Johannes über Jesus: (Joh.01,01-27): Im Anfang
war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war
im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe
ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war
das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die
Finsternis hat's nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der
hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß
sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugte
von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen
erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist
durch dasselbe gemacht und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum
und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab
er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht
von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines
Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte
unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des
eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeugt von
ihm, ruft und spricht: "Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir
wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. Und von
seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist
durch Moses gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum
geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters
Schoß ist, der hat es uns verkündigt." Und dies ist das Zeugnis des
Johannes, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie
ihn fragten: "Wer bist du?" Und er bekannte und leugnete nicht; und
er bekannte: "Ich bin nicht Christus!" Und sie fragten ihn:
"Was denn? Bist du Elia?" Er sprach: "Ich bin es nicht!"
"Bist du der Prophet?" Und er antwortete: "Nein." Da
sprachen sie zu ihm: "Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die
uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?" Er sprach: Ich bin eine
Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn, wie der
Prophet Jesaja gesagt hat!" Und die gesandt waren, die waren von den
Pharisäern und fragten ihn: "Warum taufst du denn, wenn du nicht
Christus bist, noch Elia noch der Prophet?" Johannes antwortete ihnen
und sprach: "Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch
getreten, den ihr nicht kennt. Der ist es, der nach mir kommen wird, welcher
vor mir gewesen ist, dessen ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen
auflöse."
01] Dieses Evangelium handelt
von Johannes dem Täufer, der als Vorläufer und Prediger, Mir den Weg bahnen
und das Judenvolk auf Mein Kommen und Meine Lehre aufmerksam machen sollte;
daher seine Antworten an die Abgesandten vom Tempel, daher seine
Beteuerungen, daß er nicht Christus, noch Elias, noch ein Prophet sei, und
daß er nicht einmal wert sei, Mir die Schuhriemen aufzulösen.
02] Johannes war sich in diesem
Punkt seiner Mission erstens wohl bewußt, und war zweitens unter den Juden das
einzige Beispiel der Demut, der Unterwürfigkeit unter Meinen Willen.
03] Der Evangelist Johannes
fängt sein Evangelium mit den Worten an: "Im Anfange war das Wort, und
das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort."
04] Sehet, dieser erste Satz aus
dem Evangelium Meines Lieblings Johannes beweist euch, welche Stellung
Johannes unter seinen Brüdern sowie zu Mir eingenommen hat. Was Johannes der
Täufer durch seine materielle Taufe ausdrücken wollte, das sagt geistig Mein
Apostel, indem er offen bekennt, daß das Wort oder die Idee Gottes zuerst die
geistige Taufe über ihn ausgegossen und er am ehesten unter allen seinen
Mitaposteln die Tiefe Meines Geistes begriffen und verstanden hatte. Er war
der erste, der begriff, daß durch das Wort (Ausdruck einer Idee, eines
Gedankens oder Willens) die ganze Sichtbarkeit geschaffen, daß das Wort,
Leben verbreitend, Licht schuf, und eben dieses Licht in jener Zeit von
wenigen begriffen und verstanden wurde.
05] Er, Mein Liebling, war es,
der zuerst mit dem Herzen auffaßte, was dem Verstand allein nicht begreiflich
ist und nur dem Leben und Licht gibt, der die Liebe hat, so wie sie im
Weltall von Mir verbreitet, gehalten und verlangt wird.
06] Er liebte Mich im Geiste,
und die anderen Apostel verstanden Mich in der Wahrheit. Deswegen seine
ersten Ausrufe im Evangelium, die von Meiner Macht, Meiner Liebe, Meiner
Schöpfung zeugen, und wie Ich als Christus körperlich als Lehrer auftrat, in
Meinem Eigentum aber nicht er, sondern verkannt wurde.
07] Zu diesen Ausrufen, als
Zeugnis seines tiefen Verständnisses Meiner Lehre und Meiner Sendung, trugen
die Bekenntnisse seines Namensbruders Johannes des Täufers wesentlich bei,
der vor Mir hergesandt war, die Wege zu ebnen und das Judenvolk zur Aufnahme
Meiner Lehre vorzubereiten.
08] Ein Schritt wie der Meinige
mußte vorbereitet werden. Wie den Blinden nach Erlangung ihrer Sehkraft das
Licht des Tages erst in Form des Zwielichts oder der Dämmerung gezeigt wird,
da sie den hellen Sonnenschein nicht gleich ertragen können, so war auch
Johannes der Täufer der Erwecker und Bearbeiter der Herzen, um sie für
Edleres empfänglich zu machen. Daher rief Johannes aus: "Einer wird
kommen, der schon vor mir gewesen ist!" Er meinte damit das Wort,
welches das ganze Universum schuf. Dieses Wort oder die mächtige Willenskraft
ist es, die sich bewogen fühlte, sich in menschliche Form einzukleiden und
körperlich wesenhaft selbst, wie bei der Schöpfung einst das materielle,
jetzt das geistige Licht und Leben denen zu bringen, die im Finstern
wandelten.
09] Denn der Ausruf des
Johannes: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott!" will
soviel sagen als: Im Anfang war Gott, der mächtige Schöpfer, welcher das
Licht und Leben verbreitete und durch die weiten Räume sandte, um Leben zu
erwecken. Und jetzt ist es in Christus derselbe Gott, der wieder Sein Wort
als Licht durch die weiten Räume des geistigen Universums sendet, um dort
Licht, Liebe und Leben zu verbreiten.
10] Und wie der Morgenstern der
Vorläufer der Sonne ist, so war Johannes der Vorläufer und Wegbereiter
Christi. Johannes der Täufer erkannte seinen Herrn, als er Ihn zum ersten
Male sah; denn die innere Sehe war ihm gegeben, und er sah in der Gestalt
einer Taube (geistig das Sinnbild der Unschuld) die Verbindung Christi mit
der geistigen Welt. Johannes vollführte die äußere Taufe an Mir, während Ich
die innere an ihm vollzog.
11] Auch seine Jünger erkannten
bald, wer der eigentliche Herr und wer der Diener sei; deswegen folgten sie
Mir und verließen Johannes. Und Nathanael, welchem Ich Dinge enthüllte, die
nur er allein zu wissen glaubte, ward durch dieses Zeugnis für Mich gewonnen.
Damals sprach Ich die prophetischen Worte: "Wahrlich, wahrlich, von nun
an werdet ihr den Himmel offen und die Engel Gottes herabfahren sehen auf das
Haupt des Menschensohnes!"
12] Alles, was in jenen Zeiten,
im Anfang Meiner Lehrjahre, Meiner geistigen Geburt, auf Erden geschehen ist,
wird sich jetzt wiederholen und wiederholt sich täglich.
13] Auch jetzt gibt es
Johannesse als Täufer und Johannesse als Meine Lieblinge und Apostel; nur ist
die Art und Weise des Wirkens anders als damals.
14] In jener Zeit galten unter
dem Judenvolk nur Moses und die Propheten. Es handelte sich darum, sie nicht umzustoßen,
sondern ihre Worte vor Verunglimpfungen zu bewahren, das Erz von den
Schlacken zu reinigen und zu beweisen, daß Ich als Christus nichts Neues
bringen, sondern nur geistig erklären und ins Leben übertragen will, was
wörtlich verstanden und aufgefaßt wurde.
15] In jetziger Zeit aber, als
dem Vorabend Meiner zweiten und letzten Ankunft auf diesem Erdball, ist die
Kulturstufe der Menschen und ihr Verstandesleben ein ganz anderes als einst
in jener Zeit. Jetzt habe Ich es mit grübelnden Philosophen und
Stubengelehrten oder mit fanatischen Anhängern des Worts im materiellsten
Sinne zu tun, mit Menschen, denen das angenehme Weltleben zu sehr am Herzen
liegt, als daß sie sich einer Religion hingeben möchten, die statt
Vergnügungen und Ergötzlichkeiten - Aufopferung und Verleugnung von ihnen
fordert.
16] Auch jetzt komme Ich wieder
unter euch Menschen wie einst. ,Und das Licht kam in die Finsternis, und die
Finsternis begriff es nicht.`
17] Schon seit langer Zeit
erschallen Stimmen, die zur Rückkehr, zur Einkehr ins Innere predigen; in
verschiedener Form und Rede wird der eingeschlafene Menschengeist geweckt.
Die Johannesse predigen aber auch heute wie einst meist nur tauben Ohren.
18] Selbst die, welche sich als
Meine Stellvertreter auf dieser Erde eingesetzt haben, sind taub und oft noch
tauber als die andern, denen sie Meine Lehre einprägen wollen. Auch jetzt,
wie einst, fallen die Anhänger von diesen Führern ab und suchen das Licht,
suchen das Wort als Ausdruck ihres Gottes -, suchen, was ihnen ihre eigenen
Führer nicht geben können. So entsteht der allgemeine Drang nach Licht, nach
geistigem Leben, nach Liebe, nach erwärmender und rechter geistiger Lehre. So
regt sich die geistige Tendenz trotz allen Widerstandes derjenigen, die ,bis
jetzt nur ein verzinsliches Kapital für sich daraus machen wollten. So regt
sich der Drang nach Freiheit des Denkens, nach geistiger Freiheit, und
obgleich nun die Aufgeklärten eurer Welt mit ihrem Verstandeslicht die
geistige Fackel, die über ihren Häuptern brennt, nicht sehen, so wird doch
bald die Dämmerung des wissenschaftlichen Lebens durch sie verdrängt werden,
und den Unmündigen wird sich klar zeigen, was den sich mündig Dünkenden bis
jetzt verhüllt blieb.
19] Das Wort, welches im Anfang
Himmel und Erde schuf, wie Moses sich ausdrückte, das Wort als tatsächliches
Leben und Licht, ist es wieder, welches von oben herabströmend euch Wärme und
Liebe in die Herzen gießt.
20] Am Anfang war das Wort, und
das Wort war Ich, und am Ende wird das Wort noch ewig forttönen und Ich werde
ewig fortdauern, Licht, Leben mit Liebe verbreitend, nicht die vom Geblüt,
nicht die vom Fleisch, sondern die vom Geist Mir ergebenen Kinder beglückend
und führend.
21] Das Wort ward einst
Fleisch, und die damals Lebenden sahen Seine Herrlichkeit, aber erkannten sie
nicht; und das Wort wird wieder Fleisch werden, aber vergeistigtes Fleisch,
und wird von den Lebenden in Seiner Herrlichkeit erkannt und begriffen
werden, und von Seiner Fülle werden sie alle Gnade um Gnade nehmen.
22] Wie Johannes einst mit
Wasser taufte, so wird jetzt mit dem Geist getauft. Ströme des Himmelswassers
ergießen sich auf die Herzen der Menschen, erweichen und erwecken manche;
viele aber bleiben unberührt, oder verstecken sich vor diesem Regen.
23] Glücklich, wer noch für das
Wasser von oben ein empfängliches Herz hat, das aufwärtsgekehrt den
Einflüssen himmlischer Segnungen den Eingang nicht wehrt! Es wird sich auf
alle diese, wie sich einst auf Christus ein Strahl göttlichen Lichts gleich
einer Taube herniedersenkte, das göttliche Gnadenlicht von oben ergießen und
Ruhe und Frieden in ihren Herzen und in ihrer Umgebung verbreiten.
24] Viele wenden Mir als
eifrige Diener, wie einst Johannes der Täufer, und viele als Meine Lieblinge,
wie Johannes der Apostel, Meine Lehre verbreiten und lehren.
25] Schon regt es sich. Wie der
leichte Wellenschlag am Ufer des Meeres der Vorbote von größeren Wellen ist,
so ist die jetzige religiöse Bewegung der erste Anfang einer noch größeren,
hervorgebracht von der Bewegung des geistigen Lebens, das, zwischen Materie
und Geist gleichsam eingeklemmt, sich den Ausweg schaffen will, indem das
Geistige die Eigenschaft hat, daß es sich auch zusammendrücken läßt und bei
zu großem Zwange die Fesseln zersprengt.
26] Auch ihr, Meine Kinder, die
ihr berufen seid, durch eure Taten und Worte zu bezeugen, daß ihr Wegweiser
und Ebner der geistigen Lebensbahn seid, werdet oft gefragt werden: "Wer
seid ihr? Was wollt ihr eigentlich?" Die Welt wird auch euch nicht
sogleich alles glauben, wie einst dem Johannes; aber seid getrost! Streut
Samen aus, gebt gern denen, die euch um Nahrung bitten, und es kümmere euch
nicht, wenn oftmals der ausgestreute Same nicht die Frucht bringt, die ihr
wünscht! Auch in einem Walde wachsen nicht alle Bäume gerade. Es gibt dort
verkrüppelte, krumme und schlechte; aber deswegen ist der Wald mit seinen
Bäumen doch ein Wald, der Tausenden lebender Wesen Schutz und Nahrung
angedeihen läßt, und in welchem selbst die mißratenen Gewächse und Bäume noch
vielen Nutzen geben. So auch im geistigen Wald der Menschenseelen!
27] Johannes predigte für viele
vergebens, wie später Ich selbst, und doch gingen Meine Worte nicht verloren,
sondern werden ewig bestehen, teils weil Ich sie sprach, teils weil Meine
Worte unumstößliche Wahrheiten sind.
28] Trachtet vorerst danach,
euch selbst zu reinigen, euch vom Weltlichen loszumachen, wie es Johannes
getan hat! Auch er fröhnte nicht dem Wohlleben des Fleisches, als dem
vergänglichen Kleid eines unvergänglichen, ewigen Geistes; nein, durch mäßige
Lebensart - nach dem Sinne jener Zeit - machte er den Körper bereit, dem
Geist und seiner Seele zu dienen.
29] Und so sollt auch ihr alles
Überflüssige, was den Körper verweichlicht, vermeiden. Euer Augenmerk soll darauf
gerichtet sein, den Geist und die Seele zu kräftigen. Nicht der Taufe mit
materiellem, nein, mit geistigem Wasser sollt ihr euch bestreben, würdig zu
sein, damit ihr stets Größeres sehen, Größeres erleben und mit geistiger Sehe
die Gemeinschaft der Geisterwelt mit der materiellen Welt begreifen lernt.
30] Euer Trachten soll dorthin
gerichtet sein: im Geiste wiedergeboren zu werden. Dann braucht ihr nicht wie
einst die zwei Jünger Johannes des Täufers zu fragen: "Rabbi, wo ist
Deine Herberge?"; dann ist Meine Herberge in eurem Herzen. Dort bergt
ihr den Herrn, der vom Anfang her das Wort, das Licht, die Liebe und das
Leben war und dies alles denen verleihen wird, die sich mit geistigem Wasser
zu Seinen Kindern taufen lassen: Amen.
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00] Die Bußpredigt Johannes des Täufers (Lk.03,02-20): Als
Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes an
Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste. Und er kam in alle Gegend um den
Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; wie
geschrieben steht in dem Buch der Reden Jesajas, des Propheten, der da sagt:
"Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des
Herrn und machet seine Steige richtig! Alle Täler sollen voll werden, und
alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll
richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und alles
Fleisch wird den Heiland Gottes sehen." Da sprach er zu dem Volk, das
hinausging, daß es sich von ihm taufen ließe: "Ihr Otterngezüchte, wer
hat denn euch gewiesen, daß ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet
zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße und nehmet euch nicht vor, zu sagen:
,Wir haben Abraham zum Vater!` Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus
diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel
gelegt. Welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das
Feuer geworfen!" Und das Volk fragte ihn und sprach: "Was sollen
wir denn tun?" Er antwortete und sprach zu ihnen: "Wer zwei Röcke
hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also!"
Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm:
Meister, was sollen denn wir tun?" Er sprach zu ihnen: ,Fordert nicht
mehr, als gesetzt ist!" Da fragten ihn auch die Kriegsleute und
sprachen: "Was sollen denn wir tun?" Und er sprach zu ihnen:
"Tut niemand Gewalt noch Unrecht, und lasset euch genügen an eurem
Solde!" Als aber das Volk im Wahn war und alle in ihren Herzen von
Johannes dachten, ob er vielleicht Christus wäre, antwortete Johannes und
sprach zu allen: "Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer
nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die Riemen seiner Schuhe
auflöse. Der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen! In dessen
Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen
in seine Scheune sammeln, und die Spreu wird er mit ewigem Feuer
verbrennen!" Und viel anderes mehr ermahnte er das Volk und verkündigte
ihnen das Heil. Herodes aber, der Vierfürst, da er von ihm gestraft ward um
der Herodias willen, seines Bruders Weib, und um alles Übels willen, das
Herodes tat, legte über das alles Johannes gefangen.
01] Dieses Kapitel behandelt
eine Bußpredigt Johannes des Täufers, welche er am Jordan an die um ihn
versammelte Volksmenge hielt, mit welcher er die Juden für Den vorbereiten
wollte, dem - wie er sagte - er nicht wert sei, die Schuhriemen aufzulösen.
02] Ein jeder seiner Zuhörer
fragte den Johannes, was er in bezug auf seine Lebensweise, auf sein Gewerbe
oder seinen Stand zu tun habe; und allen gab er zur Antwort: ,Das Gesetz der
Nächstenliebe!`, das er ausdrückte in Worten, wie sie gerade zu den Fragen
paßten.
03] Was damals Johannes getan
und gepredigt hat, das tue auch Ich schon seit langer Zeit. Auch Ich mahne
die Menschheit mit verschiedenen Mitteln, Worten und Ereignissen zur Umkehr.
Wie dort die Ankunft des eigentlichen Lehrers vorausgesagt und vorbereitet
wurde, so geschieht es auch jetzt schon seit längerer Zeit, als Vorbereitung
zu Meiner nächsten Wiederkunft. So wie die Juden damals dachten und
handelten, waren sie nicht geeignet, Meine Lehre richtig aufzunehmen und zu
fassen. Und wie die Menschen heute sind, da sie noch mehr im Schlamme des
Eigennutzes vergraben liegen, ist es noch dringender, sie zu wecken und zu
mahnen. Die Zeit zum Überlegen, was man eigentlich tun solle, oder wohin man
sich wenden möchte, ist kurz bemessen. Wie dem Schlafenden die Zeit seines
Traumlebens schnell entschwindet und Stunden wie Minuten vorüberfliehen,
ebenso eilt die Zeit mit Sturmesflügeln dahin für den, welcher so ohne
Nachdenken in den Tag hineinlebt. Daher die Ereignisse, Krankheiten, drohende
soziale Umwälzungen, welche nötig sind, um die so fest im Weltschlaf
versunkene Menschheit aus ihrer Trägheit aufzurütteln.
04] Damals schon sagte
Johannes: "Der, welcher nach mir kommt, hat schon die Wurfschaufel in
der Hand, um auf der Tenne das Korn von der Spreu zu säubern." Und
jetzt, da ihr Maschinen erfunden habt, die mittels starker Luftbewegung das
Getreide säubern, jetzt brauche auch Ich statt der Wurfschaufel geschwindere
Mittel, um zu Meinem Zweck zu gelangen und die Gutwilligen von den
Saumseligen und Trägen zu scheiden. Schon dreht sich das Schaufelrad in
Meiner geistigen Wind und Getreidesäuberungsmühle. Wirbelnd regt es die
Massen auf, weit von sich schleudernd das leichte, schalenartige Gesindel,
welches gegen jede Mahnung taub der Welt und ihren Freuden huldigt. Und wie
Johannes einst selbst des Herodes, des Vierfürsten von Galiläa, Lebenswandel
rügte, ebenso rügt auch jetzt die Volksmeinung die ehrgeizigen Pläne so
mancher Herrscher. Damals ließ Herodes den Johannes einsperren; jetzt möchten
die Herrscher ebenfalls die Zungen hemmen und dem Volk die Gedanken aus dem
Kopfe treiben. Allein das wäre jetzt - wie einst - vergebliche Mühe! Das
Wort, der geistige Träger Meines Willens, ist weit mächtiger als Waffen und
Zwang. Es überschreitet als körperloses Wesen die Schranken der materiellen
Welt und regiert im Geistigen alles, da Ich das Wort selbst bin.
05] Dort hörte das Volk den
Johannes an; aber sobald es auf Verleugnung und Aufopferung ankam, wandte es
ihm den Rücken, wie einst der reiche Jüngling Mir. Und jetzt lacht die
größere Anzahl der Menschen auch über die, denen Ich Meine Lehre direkt
kundgebe. Hohnlächelnd blicken sie auf solche herab, sich mit ihrem
Weltverstand bei weitem gescheiter dünkend als jene mit ihrer Herzenssprache.
06] Arme, verirrte Kinder! Es
wird eine Zeit heranrücken, wo all euer Weisheitskram nicht ausreichen wird,
euch einen Trost oder auch nur Ruhe zu geben. Bei den Ereignissen, die über
euch hereinbrechen, werdet ihr zwischen zwei Welten stehen und Gott und euer
Schicksal der Grausamkeit anklagen, weil die materielle Welt euch mit Hohn
zurückstoßen und die geistige euch nicht aufnehmen wird.
07] Solche Seelen-Qualen ahnte schon damals Johannes. Er wollte
das Judenvolk wecken und zur Umkehr antreiben; und heute, wo schon beinahe
alle edlen Eigenschaften der menschlichen Natur zu Grabe getragen wurden und
nur der Egoismus mit all seinen Eigenschaften herrscht, ergeht dieser Mahnruf
wieder, bekräftigt mit Unglücksfällen und Drangsalen, um mit Gewalt das zu
erreichen, was mit Milde bei der größeren Masse der Menschheit bis jetzt ohne
Erfolg geblieben ist.
08] Damals unterzog sogar Ich
Mich als Jesus der äußeren Taufe mit Wasser; jetzt sollt ihr euch freiwillig
der geistigen, unsichtbaren Taufe mit Meinem Geist unterziehen. In jener Zeit
strömte das göttliche Licht in Form einer Taube über Meinem Haupt, Meine
Abkunft, Meinen früheren und Meinen künftigen Wohnort bezeichnend. O Kinder,
tut jetzt, soviel euch möglich ist, auf daß die Ströme des Lichts und der
Gnade von oben nicht umsonst auf euch ergossen werden! Zeigt euch würdig
eurer Abkunft und eurer künftigen Bestimmung! Wie dort einst die Stimme
ertönte: "Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe!",
so möge jetzt über eurem Haupt und in eurer Brust die nämliche Stimme
ertönen, welche euch versichert, daß ihr auf dem rechten Weg seid, Meine
Kinder zu werden.
09] Dort sprach Johannes:
"Wer zwei Röcke hat, der gebe einen weg, wer viel Speise hat, der teile
sie mit den Bedürftigen; wer etwas zu verlangen hat, der fordere nicht mehr,
als rechtens ist!" All diese Beispiele sagen mit anderen Worten: Seid
mildtätig, seid gerecht, wie es euer Vater im Himmel ist! Gebet, damit auch
euch gegeben, - vergebet, damit auch euch vergeben wird!
10] Laßt euch nicht betören
durch den Schein der Welt mit ihren Gütern! Es naht die Zeit, wo ihr alles
zurücklassen müßt und euch nur die Güter bleiben, die ihr im Innern errungen habt,
und die weder Pest noch Krieg, weder Bedrängnis noch der Tod rauben kann.
11] Laßt die sich gelehrt
Dünkenden mit ihrer Scheinweisheit! Ihre Zeit des Triumphs ist kurz. Folgt
Meinem Rat, Meinem Mahnruf, der nicht, wie des Johannes Bußpredigt, euch als
Otterngezücht, sondern als Meine Kinder betitelt, die Ich euch einst nach
Meinem Ebenbild geschaffen und wieder zu diesem Ebenbild neu gestalten will!
Damals war die äußere Gestalt mit der des Geistes eins, heutzutage ist wohl
äußerlich noch die Ähnlichkeit der schon längst verschwundenen paradiesischen
Schönheit in entfernter Form geblieben, aber die Seele, als Tempel und Sitz
Meines Gottesfunkens, ist zum Zerrbild geworden. Dieser Zwiespalt kann nach
Meinen Gesetzen nicht geduldet werden, und es muß das Innere zum Äußeren
wieder in Harmonie gebracht werden. Wenn ihr auch die äußere Hülle, auf
welcher die Leidenschaften ihre Spuren zurückgelassen haben, nicht mehr
ändern könnt, so trachtet doch wenigstens aus allen Kräften danach, den
inneren Geistmenschen wieder dem Urbild nachzubilden; denn es gibt kein
schöneres, größeres und geistigeres Vorbild in der Schöpfung. Es ist jenes
Bild, von dem jedes erschaffene Wesen mehr oder weniger als Abdruck gestaltet
ist, und von dem ihr, als letzter Ausdruck der ganzen materiellen und
geistigen Schöpfung, die Form in euch tragt, jenes Urbild, - das nicht allein
euer Schöpfer und Herr, sondern auch euer Vater sein will, der euch mit
unerbittlicher Strenge und Willenskraft Gesetze vorschreiben und euch
entweder göttlich belohnen oder unerbittlich vernichtend strafen könnte, aber
statt Strafe nur Verzeihung und Versöhnung, nur Liebe will.
12] In jener Zeit war ein
Vorläufer nötig, der die Menschen auf Meine Ankunft vorbereitete; jetzt bin
Ich es selbst, der euch die Friedenshand entgegenstreckt, um euch hilfreich
in den Bedrängnissen zu leiten, welche nach und nach über die Menschheit
hereinbrechen werden, weil sie zu halsstarrig ist. Verstoßt diese Hand nicht;
denn ihr findet keine stärkere, keine kräftigere! Jeder menschliche Arm ist
zu kurz, nur der Meine reicht für alle Entfernungen und erreicht den
Flehenden selbst weit über jene Räume hinaus, in denen der letzte Stern seine
Strahlen verbreitet und das ewige Geisterreich seinen Anfang nimmt. Auch dort
noch ist es dieselbe Hand, die den Liebenden an sich zieht und ihn leitet.
13] Hört auf die Stimme, die,
wie einst in der Wüste, euch auch jetzt in der Wüste des Welttreibens zuruft:
,Vergeßt Den nicht, der über den Sternen Seinen Sitz hat, ihn aber auch
ebenso in jedes Menschen Brust haben möchte!` Johannes predigte in der Wüste.
Er tat dies absichtlich, weil die Wüste, in der alles vegetative Leben
aufgehört hat, den Zuhörern keine Ablenkung gab. Jetzt predige Ich euch in
der Wüste des geistigen Lebens, das - infolge des überheblichen
Menschenverstandes - leer geworden ist von allem, was das Herz erquickt. So
suche Ich, wie Johannes, inmitten des Sand und Steinreichs die geistige Blume
der Liebe zu pflanzen, die, vom Erdreich keine Nahrung ziehend, Nahrung nur von
oben bekommt. Und jetzt, inmitten des vom Egoismus ausgetrockneten Bodens der
spekulativen Verstandeswelt, in der gedankenleeren Wüste des geistig
göttlichen Lebens, ergeht wieder der Ruf:
14] ,Wacht auf! Vertieft euch
in euer Innerstes, um dort die Quelle der nie versiegenden Freude, des nie
endenden Trostes und der nie verwelkenden Liebe - als Grundprinzip alles
Geschaffenen und Belebten - zu finden. Erkennt Den wieder, der durch
blumenreiche Gärten, durch schattige Wälder und erhabene Berge weit hinauf
bis zur letzten Weltensonne immer derselbe ist, der sich nie ändert und -
eben weil Er alles erschaffen hat - von Seinen geschaffenen Wesen nur die
Erkenntnis fordert, die eine Mutter, ein Vater von ihrem Kinde als erstes
Zeichen der Verwandtschaft erwarten, nämlich die Liebe.`
15] Während eure schwachen,
weltlichen Herrscher euch durch Gewalt und eine Menge Gesetze zur Achtung
zwingen wollen, setze Ich euch frei in die Schöpfung hinaus. Frei könnt ihr
wählen zwischen Liebe oder Haß, Leben oder Tod, Licht oder Finsternis. Noch
ist es jedem anheimgestellt, zu wählen. Die Zeit kommt stets näher, wo diese
Wahl entscheidend getroffen werden muß.
16] Wie einst der Mahnruf vor
Meinem ersten Auftreten erscholl, so erschallt jetzt Mein zweiter Ruf, damit
ihr nicht schlaftrunken von den Ereignissen überrascht werdet, sondern mit
klarem Bewußtsein und ruhigem Herzen den Dingen entgegengehen könnt, die nur
für die bestimmt sind, die sich durch sanfte Mittel nicht wecken ließen.
17] Während eure Herzen für die
leisen Harmonien der Liebe empfänglich sind, müssen dort die Posaunen
ertönen, von denen Mein Liebling, der Apostel Johannes, spricht, wenn die
Engel die Zornschalen über die Häupter der Harthörigen ausgießen werden, die
trotz aller Mahnungen Meinen Liebeworten kein Gehör geben.
18] Oft genug habe Ich
verkündet: ,Es werden böse Zeiten kommen!'Ich wiederhole es nochmals: Die
Zeiten werden böse werden! Trachtet, vor der Zeit gut zu werden, damit ihr in
diesem Bewußtsein der guten Tat einen Schild habt gegen alle bitteren
Ereignisse. Sie sind nur bitter für jene, die, stets an den Honig des
weltlich materiellen Genußlebens gewöhnt, das Bittere nicht als Heil, sondern
als Vernichtungsmittel ansehen.
19] Dies ist der Sinn von jener
Bußpredigt, für euch und für die jetzt kommenden Zeiten! Wer Ohren hat, der
höre! Amen.
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00] Die Geburt Jesu (Lk.02,01-14): Es begab sich aber zu der
Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt
würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da
Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen
ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch Joseph auf aus
Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die
da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war,
auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war
schwanger. Und als sie daselbst waren, bekam sie ihren ersten Sohn und
wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten keinen
Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde
bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel
trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie
fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: "Fürchtet euch
nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren
wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der
Herr, in der Stadt Davids! Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das
Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen!" Und alsbald war
da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und
sprachen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den
Menschen ein Wohlgefallen!"
01] Dieses Kapitel handelt von
Meiner Geburt, einem Fest, welches ihr jedes Jahr nach kirchlichem Brauch am
25. Dezember feiert.
02] Schon früher habe Ich Worte
über dieses Fest gegeben. Die Einzelheiten, welche Meine Geburt begleiteten,
wißt ihr teils aus Meiner Jugendgeschichte ("Die Jugend Jesu"),
teils aus dem Evangelium Meiner Apostel; und doch liegt noch manch
Unaufgeklärtes in diesem Akt Meiner ersten sichtbaren Erscheinung auf eurer
Erde, dessen tiefere Bedeutung ihr in geistiger Entsprechung noch nicht
kennt. So will Ich, veranlaßt durch den Text dieses Kapitels im Lukas, die
weiteren Enthüllungen für euch und alle Meine künftig gläubigen Kinder geben,
damit ihr seht, daß auch das Kleinste, was Mich und Meine Erscheinung auf
Erden betrifft, eine hohe Bedeutung hat und sich geistig bei Meiner
Wiederkunft auf diesen kleinen Stern, als Wohnort Meiner einst großen Kinder,
wiederholen wird.
03] Wie einst durch die
Verhältnisse der Erde gerade jener Zeitpunkt und jenes Volk bestimmt war,
Zeuge von dem großen Gnaden und Liebesakt zu sein, welchen Ich für euch und
für die ganze Geisterwelt vollzog, so werden auch bei Meinem zweiten
sichtbaren Erscheinen Zeit und Land so gewählt werden, daß sie diesem
Schlußakt am meisten angemessen sein werden.
04] Nicht umsonst habt ihr
dieses Fest "Weihnachten" benannt. Es war eine geweihte Nacht, wo
Ich Mich, euch und der ganzen materiellen Schöpfung zuliebe, als Opfer der
Demut weihte, indem Ich, der unendliche Herr der Schöpfung, ein zerbrechliches,
verwesliches Kleid anzog, das unter Millionen anderer lebender Wesen auf
anderen Welten, was das Äußere betrifft, weit hinter der höchsten Urform
eines Menschenbildes zurücksteht. Viele Bewohner sind so ausgestattet, daß
der Mensch dieser Erde nur als eine schwache Nachahmung dessen erscheint, was
Ich als Abbild Meines eigenen Ichs in diese Form hineingelegt habe. Obgleich
die auf anderen Welten lebenden Menschen die Erdbewohner in vielem
übertreffen, so sind diese doch in geistiger Hinsicht zu etwas weit Größerem
bestimmt als die in den paradiesischen Welten und Sonnen Lebenden. Wenn jenen
auch ein ewiger Frühling lacht und sie in glücklichen Verhältnissen leben,
die sich eure Einbildungskraft nicht vorzustellen vermag, so geht ihnen doch
die klare Kenntnis Meines Ichs, Meiner geistigen Schöpfung und Meiner
Vaterliebe ab.
05] Sie sind gut, weil nichts
Böses sie zum Gegenteil zu verleiten sucht. Sie erkennen ein höchstes Wesen,
sinken vor Ehrfurcht vor Ihm nieder; aber keines von ihnen wagt zu denken,
daß dieses höchste Wesen ein von Ihm Geschaffenes an Seine Vaterbrust drücken
wolle und ihm den süßen Namen des Kindes geben.
06] Das ist nur jenen
vorbehalten, die solch eine Stellung durch Kampf und Sieg erringen müssen,
damit sie Kinder Gottes werden können. Wo also die Bildungsschule solcher
Kinder ist, muß neben der größtmöglichen geistigen Erhebung auch das
Gegenteil, die größtmögliche Erniedrigung, ja der Abfall vom Guten,
stattfinden können. Um euch zu zeigen, daß zwischen solchen Gegensätzen ein
Fortschreiten zum Besseren, ein Siegen über alle Hindernisse möglich ist,
kleidete Ich Mich in die Hülle einer der letzten, unangesehensten
Menschengestalten. Ich stieg selbst auf diesen finsteren Erdball hinunter,
der in bezug auf Ausstattung und Größe in Meiner Schöpfung so gerechnet
werden kann wie der Rang eines Infusionstierchens zwischen allen Schönheiten
und Wundern eurer Erde.
07] Wie aber in Meiner ganzen
Schöpfung alles mit gleicher Sorgfalt gebildet und das letzte
Infusionstierchen in seiner Art ebenso vollkommen gebaut ist wie der Mensch
als Herr der Erde, so zeigt euch Mein Schöpfungsprinzip, das durch alle
Stufen des Geschaffenen geht, daß Ich gerade im Kleinsten am größten bin und
gerade im Kleinsten als mächtiger Schöpfer und Herr dastehe. Dies war der
Grund, warum Ich einen der kleinsten Weltkörper wählte, um da Meine ganze
Größe zu zeigen, indem Ich Meiner Geister und Seelenwelt bewies, daß gerade
im Kleinsten nur das Größte möglich, und in der größten Erniedrigung die
größte Herrlichkeit zu erlangen ist, ja, daß gerade der, welcher alles
hingibt, würdig ist, alles zu besitzen.
08] So fand Meine Geburt nicht
in einem Palast und nicht von hochgestellten Menschen, sondern in niedriger
Stellung statt. Es mußte aber doch in allen Umständen, die dort
zusammentrafen, das Hohe, Geistige Meiner Geburt angedeutet werden.
09] So war es bestimmt, daß die
Volkszählung durch Herodes anbefohlen wurde, und Ich nicht in einem von
Menschen erbauten Haus, sondern in Meinem Haus, d.h. unter freiem Himmel in
einer Höhle das Licht der Welt erblickte.
10] Zeugen Meiner Geburt waren
nicht Kaiser und Könige, nicht einmal gewöhnliche Menschen, sondern nur
Tiere, - Geschöpfe, die, nicht verdorben, das waren, wozu Ich sie erschaffen
habe.
11] Die Volkszählung mußte dazu
beitragen, daß Maria sich zur Reise nach Bethlehem aufmachte, um das zu
vollführen, was dem König aller Schöpfung zur Ehre gereichte.
12] Millionen von höheren
Geistern sangen Mir das Loblied: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede
den Menschen auf Erden!" Diese und die Tiere, wie sie aus Meiner Hand
hervorgingen, waren bei Meiner Geburt gegenwärtig. Solche Zeugen gebührten
Mir, dem in Windeln eingehüllten Herrn aller Heerscharen.
13] Durch die Volkszählung
konnte Meine Geburt nicht unbeachtet bleiben. Auch mußte gerade der grausame
Herodes als Landpfleger oder Vierfürst in Jerusalem herrschen, um Meine
fernere Erziehung und Meinen späteren Lebenslauf zu erschweren. Durch
Überwindung all dieser Schwierigkeiten sollte bewiesen werden, daß, obwohl
Ich Mich in die niedrigste Stellung gesetzt hatte, Ich im Angesicht Meiner
ganzen Geisterwelt Meine Aufgabe doch lösen werde, nämlich: außer dem
Beispiel der Demut und Verleugnung aus dieser kleinen Erde eine Pflanzschule
für Meine Kinder zu machen, die einst bestimmt sind, den auf den anderen
Sternen und Sonnen lebenden Wesen das Bild des großen Geistes und Schöpfers
aller sichtbaren Natur in das eines liebenden Vaters umzuwandeln.
14] Was Ich vor Äonen von
Zeiträumen beschloß und vor mehr als tausend Jahren begonnen habe, das nähert
sich jetzt der Vollendung. Meine Religionslehre, Mein Wort, das mit keinem
besseren vertauscht werden kann - es mögen die Menschen noch so grübeln und
denken -, Meine Liebelehre muß zur allgemeinen Geltung gelangen! Es muß die
Liebe allein regieren, und alle Leidenschaften des menschlichen Herzens, die
nur darum von Mir in dasselbe gelegt wurden, um durch Kampf gegen sie die
Liebe zu verdienen und zu erringen, alle diese Leidenschaften des
menschlichen Herzens müssen beherrscht zu den Füßen des Altars der Liebe
liegen. Haß, Rache, Stolz und wie sie alle heißen, diese mächtigen Triebe des
Bösen im Menschen, müssen alle zum Schweigen gebracht werden. Das Kreuz, auf
welchem Ich einst angenagelt für die verirrte Menschheit um Verzeihung bat,
muß als Symbol der Versöhnung von jedem geliebt, geehrt und im Prüfungsfall
selbst getragen werden, zur Erinnerung an den Weg, den Ich gezeigt, und der
den Menschen allein zur geistigen Höhe führen kann.
15] Wie in Meinem Lebenswandel
auf Erden gegen das Ende hin die Umstände scheinbar gegen Mich arbeiteten,
scheinbar Meinen Untergang und Tod herbeiführten und doch durch die
Auferstehung aus der Materie und die Heimkehr in Mein geistiges Reich Meinen
größten Triumph bewirken mußten, so mehren sich auch jetzt für die Menschen
scheinbar die Unglücksfälle, mehren sich die Anzeichen furchtbarer
Katastrophen. Der Mensch soll aus ihnen wie der Vogel Phönix aus der Asche
verbrannter, weltlicher Ansichten und Vorurteile unversehrt als geistiges
Produkt seines Schöpfers, als geistiges Kind eines noch höheren geistigen
Vaters hervorgehen.
16] Dahin zielt alles, dahin
treibt wie ein steuerloses Schiff die ganze Menschheit. Zerbrochen werden
müssen alle die künstlichen Schutzwände, die der menschliche Verstand wie
Eisenpanzer um das für die Liebe schlagende Herz gezogen hat. Es müssen
vernichtet werden die Schranken von Geburt, von Rang, von oberflächlichem
Wissen. Der Mensch muß aufhören, mit dem Verstand zu denken, und mit dem
Herzen fühlen lernen. Das warme Feuer der Liebe muß zuerst seine ganze Seele
erwärmt haben, dann erst kann die Weisheit, als regelnder Trieb der Liebe
Schranken setzen und die Menschheit all das fühlen lassen, wamit Ich sie
ausgestattet und wozu Ich sie so und nicht anders erschaffen habe.
17] Sooft Ich als Christus auf
der Welt Meinen Vater im Himmel anrief, war es stets die Weisheit, welche die
Liebe anrief, um durch dieses Anrufen ihr unbegrenztes Wirken zu zügeln. So
wie die Weisheit und Liebe nur miteinander bestehen können, ebenso war Ich
als Christus mit Meinem Vater, der Liebe, verbunden nur eins, und deswegen
konnte Ich sagen: "Mich kennt niemand als der Vater im Himmel, und nur
Ich kenne Ihn!" oder "Ich gehe heim zum Vater!" usw. Dadurch
wollte Ich sagen: Die ganze Welt ist geschaffen aus Liebe; aber die Weisheit
hat ihre Bedingungen geregelt. Die Liebe schuf, die Weisheit erhält. Die
Liebe als ,Vater` stellte das höchste Symbol der Reinheit auf, und Ich, die Weisheit,
als ,Sohn` bewies sie durch die Tat. Und wie Liebe und Weisheit, nur
vereinigt, das ganze Ich Meines eigenen Wesens ausmachen und dort im
vollkommensten Abbild bestehen, so soll auch der Mensch als Abkömmling von
Mir der Ausdruck der Liebe und Weisheit werden. Er soll zuerst lieben und
dann weise sein lernen, um Mich, Meine Schöpfung und seine Mission ganz zu
erkennen und zu begreifen.
18] Dahin zielt Mein Streben
mit euch, alle die Ereignisse treiben euch dahin, die Wiedergeburt eures
Jesus im Innern zu vollführen, Er möchte euch dort als Ausdruck von Weisheit
und Liebe führen und leiten, bis in kurzer Zeit dieser Schöpfer alles
Sichtbaren, der Herr aller Heerscharen, als Vater (Liebe) gepaart mit dem
Sohne oder Christus (Weisheit), in Person wieder sichtbar auf die Erde treten
und zum zweiten und letzten Mal aussprechen kann, was Er am Kreuz vor mehr
als tausend Jahren ausgerufen hat, nämlich: "Es ist vollbracht, - es ist
vollbracht das große Werk der Sühne!"
19] Ich habe Meinen Geistern
gezeigt, wie das für sie Unmögliche möglich geworden ist. Ich bin mit dem
Beispiel vorangegangen und habe nun Meine Wesen auf dieser kleinen Erde zu
großen Bürgern Meines unendlichen Reichs, zu Meinen einzigen Kindern gemacht.
20] Es ist vollbracht, was Ich
einst in der Wiege, in einer Höhle bei Bethlehem, als unmündiges Kind
begonnen habe, was dort schon von Millionen Engelsgeistern besungen, aber von
den Menschen nicht verstanden, höchstens von einigen schwach geahnt wurde.
21] Ich habe es vollbracht das Werk
der Sühne, der Liebe, der Verzeihung. Gereinigt ist die Welt von allen
unreinen Schlacken des Eigennutzes, und wenn auch Drangsale und Unglücksfälle
die irdischen Körper der Menschen zerstören, - dem Geist und Seelenmenschen
können sie nichts anhaben. Er steht hocherhaben über den Trümmern der Welt,
seine Arme ausbreitend nach dem göttlichen Retter, der wie einst dort - allen
zurufen wird: Kommet her, ihr alle, die ihr beladen seid, auf daß Ich euch
eure Last abnehme und euch erquicke! Kommet her, ihr Kämpfer für Liebe und
Weisheit, euch sei die Krone des Lebens, euch seien die Schranken der
Geisterwelt geöffnet, damit ihr sehen möget, wie die Engelscharen wieder
frohlocken und Loblieder singen dem Herrn, dem Vater, mit den nämlichen
Worten wie einst: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf
Erden!" Denn Er kam in Sein Eigentum, und Seine Kinder haben Ihn
erkannt. Amen.
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00] Die Darstellung Jesu im Tempel (Lk.02,33-40): Und sein
Vater und seine Mutter wunderten sich dessen, was von ihm geredet ward. Und
Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: "Siehe, dieser
wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem
Zeichen, dem widersprochen wird (und es wird ein Schwert durch deine Seele
dringen), auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden!" Und es war
eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels vom Geschlecht Asser; die war
wohl betagt und hatte sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt nach ihrer
Jungfrauschaft und war nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren; die kam
nimmer vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Diese
trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu
allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles
vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder nach Galiläa
zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller
Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.
02] Wir wollen also bei dem
oben angeführten Text stehenbleiben, wo es heißt: "Joseph und Maria
wunderten sich."
03] Worüber wunderten sie sich?
04] Sie wunderten sich über die
prophetischen Worte Simeons und die Aussagen Hannas, die beide mit geistigem
Auge in dem zur Beschneidung nach Jerusalem gebrachten Kind den Erlöser nicht
nur der Juden, sondern der ganzen Menschheit erkannten, welcher gekommen war,
den Geist von dem Zwang der Materie zu befreien.
05] Daß Joseph und Maria es
nicht verstanden, was ihnen jene beiden prophezeiten, ist leicht einzusehen;
denn wer von der Empfängnis Marias angefangen bis zur Geburt und
Tempeltragung, all das rätselhaft Mystische in Betracht zieht, wird leicht
bemerken können, daß weder Maria noch Joseph wußten, wie sie sich dazu zu
verhalten hatten.
06] Obgleich die Juden gewohnt
waren, durch Propheten direkte Mitteilungen von Mir zu erhalten, so war es
bei ihnen doch auch, wie es stets ist: sie glaubten ihnen wenig, solange
diese lebten, und ihre Aussagen gewannen erst Wert, wenn sie anfingen in
Erfüllung zu gehen.
07] Sie hofften auf einen
Messias, - nur war ihre Hoffnung auf weltliche Wünsche gegründet; sie hofften
auf einen Messias, der, vielleicht in einem Palast geboren, als ein großer
Held sie einst vom verhaßten Joch der Römer befreien sollte. Daß aber ein
Kind eines Zimmermanns, als den sie Meinen Nährvater kannten, ihr Erlöser
werden sollte, das lag außer dem Bereich ihrer gehegten Hoffnung, außer ihrer
Fassungskraft.
08] Deshalb staunten auch
Joseph und Maria ob der Worte Simeons und Hannas. Maria hatte ja in kurzer
Zeit so Wunderbares an sich erlebt, daß sie nicht wußte, was mit ihr
geschehen war und was sich noch ereignen würde. Sie gebar einen Sohn, ohne
die Hinneigung zu einem Mann gekannt zu haben. Sie war Mutter, ohne
eigentlich das Muttergefühl in seiner ganzen Fülle zu kennen; denn im
allgemeinen ist ein Kind erst das Glied, das die Lebenswege des Mannes und
des Weibes verbindet und sie zu einem Ganzen, zu einer Familie zusammenfügt.
09] So war Maria Mutter und
fühlte wohl die Freude, eine Frucht ihres Leibes vor sich zu sehen; allein es
war mehr Mitleidsgefühl für den unmündigen Säugling als das Wonnegefühl einer
Mutter, ein Pfand der Liebe ihres Gatten an die Brust zu drücken. So begriff
sie nicht und konnte es nicht begreifen, was bei ihrer Empfängnis, was bei
der Geburt und ferner geschah; denn sie handelte nur nach Weisung höheren
Einflusses und verhielt sich dabei mehr passiv als aktiv, als Weib und Mutter
nur ihren Gefühlen folgend, welche sie an ihren Säugling banden.
10] Dieses unbewußte Gefühl
wurde natürlich gesteigert, als sie zu den Zweifeln und bangen Ahnungen,
welche nur sie allein im Busen zu tragen glaubte, das gleiche und noch
Größeres von anderen erfuhr, als sie das Jesuskind in den Tempel trug. Durch
die gesetzmäßige Beschneidung und Opferung sollte Ich als Kind in die
israelitische Religion aufgenommen und in ihr erzogen werden.
11] Was Simeon sagte, war ihr
ein noch größeres Rätsel, um so mehr, als er das Kind als Das erkannte, wovon
sie noch keine Ahnung hatte und haben konnte. Was sie aber noch weniger
begriff, waren Simeons letzte Worte, welche so lauteten:
12] "Siehe, Dieser wird
gesetzt zu einem Fall und Auferstehen des Volkes Israel und zu einem Zeichen,
dem widersprochen wird (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen),
auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden!"
13] Daß aus ihrem Sohn etwas
Außerordentliches werden könnte, war für sie denkbar - waren ja die
Empfängnis, die Geburt usw. mit so außerordentlichen Erscheinungen begleitet
-; doch einen Gott als Mensch unter dem Herzen getragen zu haben und den zu
erwartenden Messias den geistigen Wiederhersteller nicht allein ihres Volkes,
sondern der ganzen Menschheit, das waren Begriffe, die in ihrem Kopf keinen
Platz fanden. Sie hat Mich noch bei Meinem Kreuzestod nicht als Gott, sondern
nur als Menschen, als ihren Sohn beweint; erst durch die Auferstehung wurde
sie, wie auch Meine Apostel, in dem bekräftigt, was Ich ihnen oft gesagt
hatte.
14] Das Schwert, welches in
Zukunft durch ihre Brust gestoßen wurde, war der mütterliche Schmerz; denn
hätte sie gewußt und erkannt, wer Ich eigentlich war, so hätte sie nicht
trauern, sondern bei Meinem Hingang frohlocken sollen.
15] Ich selbst habe es ihr und
'Meinen Aposteln oft vorausgesagt, was Mir bevorstehen und wie Ich den Tod
und die Hölle überwinden werde; allein, wo ist die Überzeugung - besonders in
jenen Zeiten der Propheten und wunderwirkenden Essäer -, daß Ich, ein Mensch
mit Fleisch und Knochen wie sie, der ißt und trinkt, ein Gott, und zwar der
Herr aller Heerscharen sei, der in menschlicher Form, beim unmündigen Kind
angefangen, am Kreuz - in jener Zeit das Zeichen der Schande und Entehrung -
enden sollte!
16] Deswegen waren Joseph und
Maria erstaunt. Sie begriffen nicht, wer Der sei, welcher gekommen ist zum
Fall und Auferstehen der Juden, - zum ,Fall`: die Zerstörung des Judenreiches
fünfzig Jahre nach Meinem Heimgang, und zum ,Auferstehen` vieler Juden zu
Christen, sowie die Veränderung des Kreuzzeichens, - früher Zeichen der
Schande, später Zeichen der höchsten Verklärung.
17] Und wenn Ich wiederkomme,
glaubt ihr, es werde dann mehr Verständnis unter den Menschen sein?
Mitnichten! Es wird auch dann eine Masse Bewunderer geben, die Mich, für
nichts anderes ansehen werden als einen von Gott begeisterten Menschen. Bei
Meiner künftigen Darniederkunft, welche natürlich nicht wie einst als Kind,
sondern im Mannesalter anfangen wird, wird es auch viele Zweifler geben, und
Ich werde vielen Mein Gottsein durch Wunder beweisen müssen, weil die Kraft
des Wortes allein bei ihnen nichts ausrichten würde.
18] So wird sich Meine
Jugendgeschichte zumindest stets in ihren Hauptzügen und Ereignissen
wiederholen, nur nicht in materieller, sondern in geistiger Hinsicht, weil
dann das geistige Verständnis bei weitem ausgebildeter sein wird und die
Gläubigen in der Mehrzahl, die Ungläubigen und Zweifler in der Minderzahl
sein werden.
19] Seht, Meine Kinder, wie Ich
Mich einst nach jüdischem Brauch der Beschneidung unterzogen habe, so laßt
auch ihr euch mit der geistigen Taufe - gleich der Beschneidung als erster
Schritt und Eintritt in eine Kirchengemeinde -, mit dem Geiste Meiner Liebe
taufen! Entfernt aus eurem Herzen, was nicht dorthin gehört, fangt an, Mich
und Meine Welt tagtäglich immer mehr zu begreifen, damit nicht auch euch ein
Schwert durch die Brust gestoßen werde und ihr, dem Weltlichen zu viel Wert
gebend, beweint, was der Trauer nicht wert ist!
20] Befleißigt euch, die Dinge
zu nehmen, wie sie sind, und erfüllt so jeden Tag eure Aufgabe auf diesem
Erdball, solange euer Wandel hier noch bestimmt ist, damit ihr nichts zu
bereuen und nichts zu beweinen braucht, wenn die ernste Stunde des Scheidens
schlägt.
21] So mögt ihr, wie Maria, als
Ich zum Vater heimging, Mich erkennen, - erkennen, daß Der, den ihr als
Christus wohl kennt, bei weitem größer und liebreicher ist, als ihr Ihn euch
vorgestellt habt, daß aber auch Meine Forderungen an euch strenger sind, als
ihr dachtet.
22] Viele leben jetzt, glauben
und lieben Mich wie Maria Mich zu Lebzeiten geliebt hatte. Allein das genügt nicht.
Maria erkannte erst am Kreuz und bei Meiner Auferstehung, daß Der, den sie
geboren, kein Mensch, sondern Gottes Sohn, das heißt die von der Liebe
getrennte Weisheit war, der nach dreitägigem Im- Grabe-liegen wieder in Sein
Himmelreich zurückkehrte und später nicht mehr körperlich, sondern nur
vergeistigt Seinen harrenden Aposteln und Seiner Leibesmutter erschien.
(krit. Anmerkungen d. Hrsg.)
23] Macht, daß auch in euch
Christus auferstehe, wie Er ist und war, damit ihr euch einst nicht zu verwundern
braucht, wenn ihr Ihn anders als gedacht findet.
24] Dies zur Mahnung und
Darnachachtung! Amen.
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00] Der zwölfjährige Jesus im Tempel (Lk.02,42-50): Und als
Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem nach Gewohnheit
des Festes. Und als die Tage vollendet waren und sie wieder nach Hause
gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht.
Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit
und suchten ihn unter den Gefreunden und Bekannten. Und da sie ihn nicht
fanden, gingen sie wieder gen Jerusalem und suchten ihn. Und nach drei Tagen
fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen
zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines
Verstandes und seiner Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich.
Und seine Mutter sprach zu ihm: "Mein Sohn, warum hast du uns das getan?
Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!" Und er
sprach zu ihnen: "Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wißt ihr nicht,
daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?" Und sie verstanden das
Wort nicht, das er mit ihnen redete.
02] Sehet, Meine Kinder, schon
öfter habe Ich euch gesagt, daß jede Handlung in damaliger Zeit, von Meiner
Geburt bis zu Meiner Auferstehung und Himmelfahrt, eine zweifache, ja eine
dreifache Bedeutung hatte. Was Ich tat und redete, war nicht nur für das
Judenvolk, sondern für die ganze damals lebende und zukünftige Menschheit, es
war auch, weit über eure Erde hinausreichend, für Mein ganzes Geisterreich
bestimmt, das mit neugierigen Augen Meinem Tun und Handeln folgte, um zu sehen,
ob und wie Ich als Erdenmensch Meine Mir selbst auferlegte Mission vollenden
werde.
03] Da Ich ganz in die
menschliche Natur eines Erdbewohners eingekleidet war, mußte Ich, um wieder
aus derselben herauszukommen und vergeistigt dahin zurückzukehren, von wo Ich
gekommen war, alle Leidenschaften der menschlichen Natur bekämpfen. Ich
mußte, wie jedes Kind, nach und nach Meine Seele ausbilden, Meine Begriffe
und Anschauungen entwickeln, um die Mir selbst eingehauchte Seele Meinem
Geist anzupassen, damit Ich am Ende Meiner irdischen Laufbahn Meinen Geistern
zeigen konnte, wie Ich nicht allein Meinen eigenen Geist wieder in seiner
ganzen Größe zurückbrachte, sondern wie Ich auch Mein Seelisches zu
vergeistigen verstand.
04] So zeigte Ich dem großen Geisterreich,
wie man zu Meiner Kindschaft gelangt, und gab als lebendes, kämpfendes und
duldendes Menschenkind das Beispiel, wie und um welchen Preis die Vereinigung
mit Mir erreicht werden kann.
05] Wenn diese geistige
Entwicklung Meiner Mir eingekleideten Menschenseele schneller ging als bei
gewöhnlichen Menschenkindern, wenn Ich in Meiner frühesten Kindheit schon
Worte des Geistes sprach, wo andere Kinder noch unverständliche Laute
hervorbringen, wenn Ich, wie während des dreitägigen Aufenthalts im Tempel,
Aufklärungen gab und sogar Wunder wirkte, so müßt ihr bedenken, wessen Geist
in diesem Jesus verborgen lag, und wie leicht er bei der geringsten Erregung
durch die Menschenhülle durchleuchtete. Auch müßt ihr bedenken, daß Ich
nicht, wie andere Menschen, ein ganzes Menschenleben vor Mir hatte, sondern
nur dreiunddreißig flüchtige Jahre, innerhalb deren erstens bis zum
dreißigsten Jahre Mein Erdenmensch zum großen Werk reifte und zweitens dann
nur drei Jahre übrigblieben, in denen der Grundstein zur höchsten, nie
vergehenden großen Geistlehre gelegt werden mußte, ohne welche die
Geisterwelt und indirekt auch die materielle Welt nicht hätten fortbestehen
können.
06] Es genügte nicht, Geister
mit ungeheuren Kräften und Eigenschaften geschaffen zu haben. Sie mußten auch
wissen, wozu und warum Ich ihnen diese Vollkommenheit gegeben habe, damit
sie, nur weisen Gebrauch von ihr machend, Mir, ihrem Schöpfer, Ehre bringen,
Mich ganz verstehen und Meine Schöpfung ganz begreifen lernen sollten. Um das
große Geisterreich rein göttlich zu errichten, dem Ganzen wie dem Einzelnen
seinen wahren, geistigen Wert zu geben und selbst in der Materie nur
gefestetes Geistiges sie erblicken zu lehren, welches ebenso wie die Geister
selbst - nur auf längerem Wege - den Gang der Vergeistigung durchmachen muß,
um - gleichsam als Teil Meines geistigen Ichs - einst vergeistigt zu Mir
zurückzukehren: das war der Zweck Meines Darniederkommens auf diese Erde,
diesem Zweck diente Meine ganze irdische Laufbahn, so wie ihr sie bis zum Ende
kennt!
07] So waren die Ereignisse
Meiner Geburt, Meiner Flucht und Meiner Rückkehr nach dem Judenlande nur
einzelne vorausbestimmte Stufen in der geistigen Ausbildung der Mir gegebenen
Menschenseele. Auch im Tempel zu Jerusalem bestätigte sich das nämliche
Prinzip, indem Ich schon im zwölften Jahr anfing, einzelne Gedanken, die über
die damals gewohnten Lebens und Religionsansichten weit hinausreichten,
aufzuzeigen. So mancher Meiner Zuhörer wurde dadurch zum weiteren Nachdenken
aufgeweckt, da im ganzen Judenvolk der Gedanke vom kommenden Messias, durch
die früheren Prophezeiungen angeregt, gerade auf diese Zeit Meines
Erscheinens gerichtet war.
08] Daß sie alle einen ganz
anderen Messias wollten, war nicht anders zu erwarten, weil die Menschen -
und besonders das Judenvolk - in jener Zeit, unter dem Druck einer fremden
Nation stehend, einen Befreier mit aller Sehnsucht erwarteten. Sie hatten
alle den Blick nach unten gerichtet, während der Messias von oben kam.
09] Was Ich im Tempel lehrte -
wo Ich, statt Fragen zu beantorten, den gelehrten Priestern Fragen aufgab,
die sie in Verlegenheit brachten -, hatte den Zweck, ihnen einen kleinen
Beweis ihrer oberflächlichen Kenntnis von dem zu geben, was sie allein zu
wissen vorgaben. Ich habe es im Tempel, der geistigen Schule jener Zeit, und
vor vielen Zuhörern getan, weil das Wort als Träger des unendlich großen
Geistigen ewig fortwirkte und so den Keim zu Meiner künftigen Lehre legte.
Ich erwarb schon während dieser drei Tage eifrige Verehrer Meiner Person und
Meiner Lehre, die es auch später geblieben sind. Wie Ich dort Gönner gewonnen
hatte, so machte Ich Mir die Pharisäer und Priester zu Feinden; und eben
durch diese beiden Gegensätze lebte Mein hingeworfenes Stück geistiges Brot
fort und brachte seine wohlberechneten Früchte. Wären alle mit Mir
einverstanden gewesen, hätte am vierten Tag kein Mensch mehr an Mich und
Meine Lehre gedacht, - zumal man Mich nur als einen aufgeweckten, etwas
kritischen Knaben betrachtete.
10] Daß Ich Mich nachher wieder
unter die Scheinhülle eines Zimmermanns zurückzog und jahrelang die
Aufmerksamkeit von Mir ablenkte, hatte seine Gründe: erstens die früheren
Äußerungen Meines göttlichen Geistes - besonders im Tempel - vergessen zu
machen; zweitens erst als Mann mit Wort und Tat zu bekräftigen, was man Mir
als Knabe und Jüngling nicht geglaubt hätte.
11] So verstand auch Maria,
Meine Leibesmutter, Meine Worte nicht, als Ich auf ihre Liebesvorwürfe, wegen
des langen Suchens, antwortete: "Wisset ihr nicht, daß Ich sein muß in
dem, das Meines Vaters ist?" Joseph und Maria begriffen nicht, was
Meines Vaters war; sie waren selbst noch zu sehr dem jüdischen Kultus ergeben
und glaubten, die ganze Religion bestände in Haltung der Gebräuche. Sie kannten
Mich nicht - und Meinen Vater noch weniger; denn für sie gab es nur einen
unteilbaren Gott. Daher, hätten sie auch Mein göttliches Ich anerkannt, so
wäre ihnen dieses zweifache Wesen, Ich und der Herr - oder Sohn und Vater -,
nicht faßbar gewesen.
12] So mußte es geschehen, daß
Mein Ich reif wurde - zur Zeit der, Lehre, in der die menschliche
Verwandtschaft ihrem Ende zuging und die große geistige für die Menschheit
und das große Geisterreich ihren Anfang nahm, - Meine Mission in vollem Maß
zu erfüllen, indem Meine Seele, mit dem göttlichen Geiste vereint, das lehrte
und wirkte, was ihr im Evangelium Johannes aufgezeichnet findet. Das ist seit
jener Zeit mit unvertilgbaren Schriftzügen auf den großen Plan der ganzen
Schöpfung geschrieben mit den Worten: ,Einsetzung und rechte Auffassung der
göttlichen Eigenschaften, Erklärung und richtiges Erfassen der menschlichen
und geistigen Würde im Hinblick auf den Schöpfer alles Seienden und das
wechselseitige Verhältnis.`
13] Dieses war der Zweck Meiner
in jener Zeit gegründeten Lehre, die göttlich ist und bleibt, weil sie Gott
gegeben, weil sie Gott Seinen göttlichen Abkömmlingen als Maßstab hinterließ
und zeigte, wie man Gott als Herrn, als Schöpfer, aber auch als Vater lieben
und sich Ihm nähern kann.
14] Und nun, Meine Kinder,
nachdem ihr begreifen könnt, warum Ich zur Welt kam, warum bis zu Meinem
zwölften Jahr sich die Ereignisse so und nicht anders gestalten mußten, will
Ich euch von jener Vergangenheit hinweg in eure Gegenwart führen und euch das
Knabenalter Jesu und Seine Fragen an die Priester in euren jetzigen
Weltverhältnissen vor Augen führen.
15] Sehet, in der Welt geht es
oft so, daß man die Augen in die Ferne richtet und das Nahe nicht sieht, oder
wie ein Sprichwort sagt, den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.
16] Was ist das Knabenalter im
allgemeinen? - Es ist das Erwachen des inneren Geistes, wo die Seele sich
intellektuelle Kenntnisse verschaffen will, und sie das Äußerliche, sie
Umgebende einer tieferen Betrachtung unterzieht, auch nicht mehr taub ist für
die Stimme, die im Innern oft anders spricht, als man es wünscht.
17] Dieses Knabenalter der
Menschheit, dieses Erwachen vom langen Glaubensschlaf, besonders in
religiösen Dingen, diese Zeit Meines zwölften Jahres ist jetzt da. Die
geistige Bewegung, die sich aller bemächtigt, zeigt sich in deim Abwägen des
zum Glauben Gebotenen, in den Fragen, welche die erwachten Gemüter den
geistigen Machthabern, den Theologen und Schriftgelehrten, die gelehrt und
allein unterrichtet sein wollen, zur Lösung geben, welche aber, weil sie
unfähig sind, die gestellten Fragen zu beantworten, Frage mit Frage lösen
wollen.
18] Dieses ,zwölfte Jahr`, als
Vorläufer Meiner späteren, reiferen Lehre, ist es, das die einen zur Ruhe,
die andern zur Verzweiflung führt. Es ist wieder das Wort: "Im Anfange
war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort." Das
Wort ist es wieder - als Ausdruck geistiger Gedanken -, welches, allmächtig
durch alle Herzen zuckend, tausend andere Gedanken hervorruft und zu tausend
anderen Worten Anlaß gibt.
19] Auch in jener Zeit warf Ich
den Stein nur an den Abhang; seine Schwere zog ihn dann von selbst, brachte
ihn ins Rollen und endlich zum Fallen. So das Wort! Es ist wie eine Lawine.
Zwar klein im Anfang, vergrößert sie sich dann immer mehr und zieht alles mit
sich in den Abgrund. So wie die Lawine schneebedeckte Abhänge von ihrer Decke
befreit und dem Lichte der Sonne wieder den Zugang zur Mutter Erde
erleichtert, ebenso stürzt die Gedanken und Wortlawine das künstliche Gebäude
von Lug und Trug ein, und der Gnadenschein des göttlichen Liebelichts
erleuchtet und erwärmt die unter der Eis oder Schneedecke erstarrt gehaltenen
Herzen.
20] So geht die Vorbereitung
zum großen Reinigungsprozesse vor sich. Selbst die sozialen Verhältnisse,
Resultate der geistig religiösen, rühren sich und verlangen nach Ausgleich,
nach Wiedereinsetzung göttlich menschlicher Rechte.
21] Es ist das ,zwölfte Jahr`,
das Frühlingsjahr, welches dem heißen Sommer, in dem die Früchte ausgereift
werden, vorausgehen muß, um im Herbst die volle Ernte halten zu können.
22] Auch Mein zwölftes Jahr,
Mein Knabenalter, war Mein Frühlingsjahr; Meine Zeit der Lehrjahre - Mein
Sommer; Meine letzten vierzig Tage bis zur Himmelfahrt - Meine Erntezeit.
23] So werdet ihr sehen, wie
sich alles nach diesen Gesetzen und Perioden entwickeln wird. Nach den
Frühlingsjahren, der Zeit der Gärung, werden die Sommerjahre des Ausreifens
mit ihren Stürmen und Gewittern - und dann die Herbstjahre kommen, in denen
Ich als Schnitter die Spreu vom Weizen sondern, das Bessere in Meine
geistigen Himmel und vergeistigten Erdkörper aufnehmen, das Schlechtere aber
in die gefestete Materie bannen werde, in der sodann auf weitem Wege das
erreicht werden muß, was auf kürzerem verschmäht wurde.
24] Bereitet euch also vor, im
Frühjahr des geistigen Lebens - durch den Gärungs und Läuterungsprozeß jedes
einzelnen in seinem Innern - dasselbe zu tun, was Ich im Großen bewirkte.
Reinige ein jeder sein Herz von allem Weltlichen soviel wie möglich, damit er
die Stürme und Gewitter des nachfolgenden Sommers mit Geistesstärke ertrage
und, wie die Pflanzen und Bäume auf freiem Feld, siegreich aus dem Kampf
hervorgehe, damit im Herbste nicht leere Blätter, sondern schön ausgereifte
Früchte in Taten und Worten, würdig eines Kindes des göttlichen Vaters, das
Endresultat sein mögen!
25] So nur gewinnt ihr dann
Meine Liebe, Mein Reich und euren Seelenfrieden und seid durch Wind und
Wetter erstarkte Bäume und keine schwankende Schilfrohre geworden.
26] Dieses ist der Grund der
Bewegung der Zeit, der Gemüter und die Bewegung auch in eurem eigenen Herzen,
das immer zum Vorwärtsschreiten drängt. Beachtet daher den Ruf, den Ich nun
in so vielen Formen an euch ergehen lasse! Er hat immer euer Bestes zum Ziel,
und dieses könnt ihr mit Meiner Gnade auch erreichen, wenn ihr nur wollt.
Amen.
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00] Die Hochzeit zu Kana (Joh.02,01-11): Und am dritten Tage
ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber
und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein
gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: "Sie haben nicht Wein."
Jesus spricht zu ihr: "Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine
Stunde ist noch nicht gekommen!" Seine Mutter spricht zu den Dienern:
"Was er euch sagt, das tut." Es waren aber allda sechs steinerne
Wasserkrüge gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung, und es ging in je
einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: "Füllet die
Wasserkrüge mit Wasser." Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht
zu ihnen: "Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister!" Und sie
brachten es. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen
war, und wußte nicht, woher er kam (die Diener aber wußten es, die das Wasser
geschöpft hatten), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: "Jedermann
gibt zum ersten guten Wein und, wem sie trunken geworden sind, alsdann den
geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten." Das ist das erste
Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine
Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
01] Dieses Kapitel des Johannes
beginnt mit der Hochzeit zu Kana in Galiläa, wo Ich die erste öffentliche
Wundertat verrichtete, indem Ich Wasser in Wein verwandelte.
02] Mit diesem Ereignis,
welches in den Anfang Meiner Lehrjahre fällt, wollte Ich, obwohl Ich noch
nicht lehrend aufgetreten war, gerade durch die Verkettung der Umstände bei
dieser Hochzeit die Aufmerksamkeit vieler auf Mich lenken; denn in Kürze war
Mein Wandel im Verborgenen zu Ende.
03] Eine Hochzeit ist zwar ein
schon oft dagewesener und sich stets wiederholender Akt. Er wird aber, obwohl
viel Geistiges in ihm verborgen ist, von den meisten Menschen nur materiell
verstanden und begangen.
04] Wenn es nur eine solche
Hochzeit gewesen wäre, so würde man Mich dort nicht gefunden haben. Ich hatte
weit größere Zwecke im Auge, die jedoch nicht durch zu auffallende Ereignisse
erreicht werden sollten. Es sollten die Juden langsam auf Mein künftiges Lehr
und Tatenleben aufmerksam gemacht werden.
05] Was diese Handlung und alle
weiteren betrifft, so ist ihre jetzige, geistige Wiederholung in einem
größeren und tieferen Sinne aufzufassen. Jetzt werden auch die Zeiträume
größer sein als während Meiner kurzen Lehrjahre und Meines Aufenthalts auf
eurer finsteren Erde. Dort war Mir nur kurze Zeit gegeben, um Großes für eine
ewige Dauer zu verrichten; jetzt,wo es sich um die künftige Vollendung der
geistigen Bildung der Menschheit handelt, fließt der Strom der Ereignisse
langsamer, aber desto gewaltiger, --, alle Hindernisse überwindend, die sich
bis zu Meiner letzten Ankunft gegen Meine Pläne erheben möchten.
06] Um bei der Hochzeit zu Kana
wieder anzuknüpfen, muß Ich vorausschicken, was eine Hochzeit eigentlich ist,
wie sie bei euch gefeiert wird, und wie Ich sie gefeiert haben möchte, damit
ihr später die geistige Bedeutung derselben inbezug auf die ganze Menschheit
erkennen möget, indem die Verbindung zweier Menschen, in der Entsprechung,
auch für die ganze Menschheit ihre tiefe Bedeutung hat.
07] Eine Hochzeit ist der
Abschluß eines vorhergegangenen Übereinkommens zweier Menschen verschiedenen
Geschlechts, welche, durch Sympathie angezogen, dem Drang ihrer Seele
nachgeben und gesonnen sind, diese einmal angefangene geistige Verbindung
während ihrer Lebensdauer nicht mehr aufzugeben, sondern, stets mehr eins
miteinander werdend, Freud und Leid gemeinsam zu tragen. So wird, infolge
dieser gleichen Gesinnung, durch einen gesetzlichen Akt die Ehe geschlossen,
in der die einzelne Individualität eigentlich aufhört, und ein gemeinsames
Leben, das Leben der Familie, vorgezogen wird.
08] Solch ein Akt zweier
Seelen, die sich erkannt haben, und ihre dauernde Verbindung sollten nicht
nur für dieses kurze Erdenleben, sondern auch für das jenseitige Leben
gelten, wo beide durch das Streben nach gleichem Ziele sich stets mehr und
mehr vereinigen und am Ende wie ihr sagt - "ein Herz und ein Sinn"
werden sollen.
09] Eine solche Verbindung
sollte die wahre geistig sittliche Liebe als Grundlage haben, um darauf das
Familienleben zu gründen, welches gegenseitige Achtung bedingt. Durch das von
Mir bestimmte Naturgesetz der Paarung wollte Ich nicht allein das
Zusammenleben zweier Individuen bezwecken, sondern Ich wollte auch aus
solcher Liebe gezeugte Früchte haben, welche die besseren Eigenschaften des.
Gemüts des einen und anderen fortpflanzen und noch mehr veredeln sollten.
10] So war Mein Ehegesetz,
welches Ich in die Natur als Drang zur Fortpflanzung einlegte, die Ursache
einer ewigen Stufenleiter, von Wesen zu Wesen, bis zu Mir. Das wollte Ich, - und
was habt ihr Menschen daraus gemacht? Einen Markt mit Menschenfleisch und
Seelenverkäufern!
11] Als Ich in Kana zur
Hochzeit ging, war es gewiß nicht die sinnlich materielle Seite, die Mich
bestimmte, dieser Einladung Folge zu leisten, sondern Ich wollte einesteils
den Wünschen Meiner Leibesmutter nachgeben, andernteils aber schon dort den
ersten Grundstein Meines großen Geisterreiches legen. Daß Ich Wein aus Wasser
machte, und daß die Brautleute den Wein für den besten erklärten, ist eben
für die jetzige Zeit in geistiger Entsprechung von Bedeutung.
12] Seht! was Ich euch von der
ehelichen Verbindung zweier Personen sagte, das soll nun geistig, auf der
Grundlage der in den Evangelien niedergelegten Liebelehre, zwischen den
verschiedenen Sekten der Christen geschehen; auch sie sollen sich in der
Liebe zu einer einzigen Familie verbinden. Schon nähert man sich, und tritt
mehr in geistigen Verkehr; man kommt nach und nach zu der Erkenntnis der
geringen Unterschiede in den Ansichten und Auslegungen der immer sich gleich
gebliebenen Bibel, durch welche die Trennung verursacht wurde.
13] Schon beginnen sich durch
diesen Austausch von Meinungen die vermeintlichen Hindernisse zu verringern,
kleiner zu werden, um einst ganz zu schwinden. In der jetzigen Zeit werden
die Vorbereitungen zu einem gemeinschaftlichen Leben getroffen, um dann einst
das Vereinigungsfest, die Hochzeit, zu feiern, zu welcher es wahrlich höchste
Zeit ist.
14] Wenn diese Vereinigung
ihrem Ziele nahen wird, dann werde auch Ich wieder das bis jetzt von allen
getrunkene Glaubenswasser in Meinen geistigen Liebewein verwandeln; und wie
einst der Speisemeister, werden dann die Harrenden fragen: "Warum haben
wir denn bisher den schlechten Wein getrunken und den besten bis zum Ende
aufgespart?"
15] Und Ich werde antworten:
,Weil ihr früher nicht fähig wart, Meinen Liebewein gehörig zu würdigen und
zu schätzen, und nur Mißbrauch das Resultat gewesen wäre! Jetzt aber, wo ihr
euch an eurem schlechten, von Menschen zusammengemischten Wein sattgetrunken
habt, jetzt, wo ihr in der Trinklust ruhiger geworden seid und Gutes von
Schlechtem klarer unterscheiden könnt, jetzt komme Ich und gebe euch nichts
Neues, was ihr nicht schon kennet, sondern denselben Wein, den ihr schon
früher getrunken habt, nur von seinen schlechten Teilen getrennt, als reinen
göttlichen Trank, den nur jene verdienen, welche, die Sinnlichkeit und das
Materielle weit hinter sich lassend, ihre geistige Natur erkennen und nur
nach geistigem Trank und geistiger Speise lechzen.'
16] Dahin zielt jetzt alles
Treiben der Menschen. Alle sind satt der schlechten Brühe, die ihnen als
göttlicher Trank vorgesetzt wurde. Sie ahnen etwas Besseres; jeder glaubt,
ein anderer habe vielleicht das, was ihm selbst fehlt. Durch dieses Suchen
und Fragen fallen die Hindernisse des religiösen Fanatismus, und die
Vereinigung wird möglich, wo Ich dann kommen werde und es nur einen Hirten
und eine Herde geben wird.
17] Das ist die geistige
Bedeutung der Hochzeit zu Kana.
18] Beachtet dieses Wort wohl,
und richtet euer Auge auf die kommenden religiösen Bewegungen, und ihr werdet
sehen, wie die gleichgesinnten Geister sich finden, sich einander nähern, um
den Hochzeitstag, den Tag der ewigen Verbindung zu begehen, wo alle,
miteinander vereint, Mir entgegenstreben werden, um den Namen zu verdienen,
welchen Ich allen vorbehalten habe, die Meine Lehre ausüben und den ersten
Grundsatz Meiner ganzen geistigen und materiellen Schöpfung zu ihren
Lebensgrundsatz gemacht haben, um des himmlischen Vaters würdige geistige Kinder
zu werden. Amen.
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00] Die Heilung eines Aussätzigen
(Mt.08,01-04): Da er aber vom Berge herabging, folgte ihm viel Volk nach. Und
siehe, ein Aussätziger kam und betete ihn an und sprach: "Herr, wenn du
willst, kannst du mich wohl reinigen!" Und Jesus streckte seine Hand
aus, rührte ihn an und sprach: Ich will es tun, sei gereinigt!" Und
alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: ,Siehe zu,
sage es niemand, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die
Gabe, die Mose befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie."
02] Hier ist angeführt, wie Ich
durch bloße Berührung einen Aussätzigen heilte. Diese Art der Heilung ist
jetzt nicht mehr möglich oder nicht in Meinem Willen gelegen; denn wenn ihr
die Krankheit ,Aussatz` im geistigen Sinn nehmen wollt, so müßte Ich viele
Menschen, und zwar nicht die besten, auf einmal zu Engeln machen, welches
aber weder für Mich und Mein Geisterreich, noch für den plötzlich
verwandelten Geist und Seelenmenschen von Nutzen wäre.
03] Was ist denn eigentlich der
Aussatz für eine Krankheit? Woher kommt er, und wie kann er geheilt werden?
04] Diese Fragen müssen wir
zuerst beantworten, ehe uns das geistig Entsprechende klar vor Augen treten
kann. Aussatz ist jene Krankheit, bei der man - sei es durch Ausschweifung,
sei es durch unnatürliche Lebensweise im Essen und Trinken, sei es durch Unreinlichkeit
so viele fremde, giftige Stoffe in seinen Organismus hineingeschafft hat, daß
das ganze menschliche Uhrwerk nicht weitergehen kann. Um nun die normale und
natürliche Tätigkeit und Geschäftsleitung in allen Teilen des Körpers
wiederherzustellen, wirft die menschliche Natur alle seit Jahren
aufgenommenen fremden Stoffe oder Gifte auf ihr größtes und auch sehr
wichtiges Organ, auf die Haut, durch welche die größte und ausgebreitetste
Verbindung mit der Außenwelt besteht, erstens um auf diese Weise sich ihrer
fremden, lästigen Bürde zu entledigen, zweitens um selbst durch dieses
giftige Reizmittel eben die Haut anzuregen, mit mehr Tätigkeit den ganzen
Organismus zu unterstützen, und ihm so wieder zu seiner früheren Gesundheit
zu verhelfen.
05] Geheilt wird diese
Krankheit natürlich am besten auf demselben Wege, auf dem sie entstanden ist,
d.h. der Aussatz kam von innen nach außen, und so muß auch die Heilung den
nämlichen Weg gehen. Das verdorbene Blut, welches seine schlechten
Bestandteile in der Haut abgesetzt hat, muß durch neues und gesundes ersetzt
werden. Von außen gehört natürlich auch die Reinhaltung der Wunden dazu,
damit das Zersetzte, dem Körper nicht mehr Taugliche, entfernt und dem
allenfalls noch Nachkommenden Platz gemacht wird.
06] So erfolgt dann die
Heilung, wodurch bei Beachtung einer naturgemäßen Lebensweise der Körper sich
erneuert, seinem Organismus volle Kraft und dem Menschen ein langes, gesundes
Leben sichert.
07] Hier habt ihr in kurzen
Umrissen ein Bild vom Wesen des Aussatzes als körperliche Krankheit. Jetzt
wollen wir dieselbe in ihrer geistigen Entsprechung betrachten, damit ihr
auch dort die Krankheitserscheinung und die Heilmittel erkennen mögt. Nur der
Wunderheiland, der diese Krankheit durch bloße Berührung oder durch ein Wort
zu heilen vermag, der wird und muß hier wegbleiben; denn in geistiger
Hinsicht muß jeder Aussätzige sich selbst heilen und so selbst sein Heiland
werden.
08] Sehet, ,aussätzig`, d.h.
mit vielen giftigen Beulen behaftet, ist ein großer, ja der größte Teil der
Menschen; aber eben, weil die Mehrzahl aussätzig ist, so nimmt man an dieser
Krankheit keinen Anstoß. Denn die wenigen von ihr Gereinigten ziehen sich von
den mit dieser Krankheit Behafteten nicht zurück, sondern pflegen sie mit der
Liebe und Geduld des christlichen Glaubens, um die Kranken, wenn sie zu
schwach sind, mittels Rat und Unterstützung zur Wiederherstellung ihrer
verlorenen moralischen Gesundheit zu führen.
09] Der Aussatz ist eine
Krankheit, die niemand verbergen kann. Sie zeigt sich offen am menschlichen
Körper. Das bedeutet in geistiger Hinsicht das Offen-zur-Schau-Tragen aller
schlechten Eigenschaften, aller bösen Leidenschaften und Gewohnheiten, die
das Resultat schlechter Ansichten und vernachlässigter Erziehung sind. Wenn,
geistig genommen, eine Seele in ihrem Innersten so verdorben ist, daß sie
beinahe ihren geistigen Wert eingebüßt hat, so treibt der Geist, Mein in sie
gelegter göttlicher Funke, sie so weit, daß sie sich nicht mehr schämt, diese
schmutzige Innenseite selbst nach außen öffentlich zu zeigen. Die Seele wird
durch diesen Prozeß gleichsam gezwungen, ihr Gewissen dem Nebenstehenden zu
enthüllen und durch ihre Lebensart und Denkweise, die die Folge der
eingesogenen falschen Grundsätze ist, sich an der Welt zu stoßen, bittere
Erfahrungen zu machen, um am Ende doch zu der Einsicht zu kommen, daß ein
besseres, höheres, moralisches Bestreben und Wirken erst zum rechten Frieden
führt.
10] Um diese geistig
Aussätzigen schneller zu heilen, lasse Ich Ereignisse in der Welt zu, durch
welche der Ausscheidungsprozeß schneller vor sich geht und auch zur Heilung
Kräftigeres, Geistigeres ins Innere, ins Seelenleben, eindringt.
11] So wie die äußere Heilung
von innen kommen inuß, so muß auch die geistige Genesung von dort ausgehen.
Dadurch, daß das Schlechte bis in die Öffentlichkeit gedrungen ist, durch das
Zusammenleben mit andern zersetzt und von der Außenwelt aufgenommen wurde,
wird im Innern das Leere durch moralisch geistige Heilmittel wieder ergänzt
und so der Mensch zu seinem Normalzustande, als Ebenbild seines Schöpfers,
zurückgeführt und dem Geisterreiche wieder gewonnen.
12] Wie der materielle Aussatz
ansteckend ist für den, der mit solchen Kranken in Berührung kommt, ebenso
ist auch der geistige Aussatz ansteckend, weil er durch seine schlechten
Grundsätze auch andere zu schlechten Handlungen verleitet. Und so entstand,
indem einer den andern ansteckte, diese unmoralische Welt, wie ihr sie jetzt
seht. Das, was Ich in jener Zeit getan habe, daß Ich durch Berührung einen
Aussätzigen heilte, weil sein geistiges Inneres nicht seiner Haut entsprach,
ist jetzt im Geistigen nicht möglich. Der Mensch muß sich geistig selbst
heilen. Mein Berühren besteht oft nur darin, daß Ich ihn in Verhältnisse
führe, durch die er schneller und mit Gewalt von seinen anklebenden
Unreinigkeiten befreit wird; aber ihn auf einmal geistig rein herzustellen,
würde ein Eingriff in die freie Würde des Menschen sein.
13] Wenn Ich aus Teufeln
plötzlich Engel machen wollte und sie ohne Kampf und Verleugnung zu ihrem
Besten - umgewandelt würden, - wo bliebe dann ihr Verdienst?
14] Diese Art Wunderheilung
bleibt also in jetziger und künftiger Zeit aus; wohl aber wiederholt und
ereignet sich oft, was dem Hauptmanne von Kapernaum begegnet ist, der mit
starkem Glauben und fester Zuversicht der Macht Meines Wortes vertraute und
durch seine Rede: "Herr, ich bin nicht wert, daß Du eingehst in mein
Haus; sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund!" zeigte, wie der
eigentliche Christenmensch beschaffen sein sollte, der trotz allem widrigen
Anschein auf Mich und Meine Führung vertraut, Meinen Worten glaubt und dabei
- Meine Größe öffentlich - bekennend - seine eigene Unwürdigkeit nicht
vergißt.
15] Solche Seelen, die so mit
Mir reden, die bittend zu Mir kommen, sich selbst erniedrigend, die berühre
Ich mit Meinem Finger und heile sie mit Meinem Wort, d.h. Ich sende ihnen
Trost und Frieden ans Herz, die auf keine andere Weise zu erlangen sind. Bei
solchen Seelen gilt auch, was Ich in Kapernaum sagte, daß solcher demütig
Glaubenden das Himmelreich ist, - aber nicht denen, die sich noch mit ihrem
Aussatz brüsten. Diese müssen sich zuerst läutern und reinigen lassen, oder
sie werden die Finsternis ihres Herzens durch traurige Erfahrungen, erkennen
müssen, und daß es besser gewesen wäre, die schlechten Eigenschaften (den
geistigen Aussatz) auszumerzen, welche sie öffentlich zur Schau trugen und
sich sogar mit denselben brüsteten, da dieses nicht der Weg zum Geistigen,
nicht der Weg zum ewigen Leben, nicht der Weg zu Mir ist.
16] Solange sie nicht begreifen
werden, daß Demut und Liebe, mit unbegrenztem Vertrauen verbunden, die
Schlüssel sind, um bei Mir alles zu erreichen und sich selbst am schnellsten
fortzuhelfen, solange werden Krankheiten und Mißhelligkeiten aller Art auf
sie einwirken, bis der Aussatz verschwunden und durch Lebens, Glaubens und
Liebeselemente ersetzt wird.
17] Auch ihr habt noch so
manche Aussatzbeulen an eurer Seelenhaut, welche oft im Außenleben deutlich
zeigen, daß ihr noch lange nicht gereinigt seid, und noch lange nicht alle
geistige Nahrung, die Ich seit Jahren zu euch sende, bis in euer Außenleben
verwirklicht habt. Vieles ist es, das ihr wohl lest, manchmal auch glaubet,
das aber an der Außenseite der Lebenshaut noch keine Spuren gezeigt hat, als
wäre diese Gnaden und Liebekost bis dorthin durchgedrungen. Nur wenige von
euch erkennen ihre Unwürdigkeit wie der Hauptmann zu Kapernaum, auf daß auch
sie ausrufen möchten: "Herr, ich bin so vieler Gnaden nicht würdig! Nur
ein Wort des Trostes genügt, und auch dieses ist schon zuviel für mich armes,
schwaches und wankelmütiges Kind!"
18] Die meisten von euch
glauben, wie die Juden jener Zeit, alles getan zu haben, wenn sie sich
buchstäblich an die Satzungen und Lehren Meiner Worte klammern. Sie sind aber
noch weit entfernt von der praktischen Ausübung der Worte ihres Vaters. Wie
die Juden oberflächlich nur das hielten, was ihnen materiell das Wichtigste
zu sein schien, so ist es auch bei euch! Mit der Begeisterung für Mein Wort,
mit dem Bekehren wollen anderer, da seid ihr gleich bereit! Ihr wollt gleich
helfen, den Unrat vor anderer Leute Türen aufzuräumen; nur den eigenen laßt
ihr gemütlich liegen und wartet wie dieser im Evangelium genannte Aussätzige,
daß Ich vielleicht komme und mit Meiner Berührung euch gleich zu höchst
moralischen Wesen stempeln solle.
19] Hier liegt der große
Fehler! Weil ihr eure Eiterbeulen nicht kennt, so sucht ihr sie auch nicht zu
heilen.
20] Hier in diesem Worte
ermahne Ich euch: Untersucht eure Lebens- und Seelenhaut! Und wenn ihr solche
Aussatzgeschwüre entdeckt, so möge euch das ein Zeichen sein, daß ihr noch
manches Fremde, nicht eurem geistigen Wesen Angehörige, in eurem Innern
bergt. Trachtet danach, solches auszumerzen und durch neue, kräftige
Lebenssubstanzen zu ersetzen, damit ihr nicht Meine direkte Berührung,
sondern nur Mein Wort nötig habt, auf daß eure Seele gesund werde! Amen.
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00] Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge
(Mt.20,01-16): Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen
ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern
eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.
Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere am Markte müßig stehen
und sprach zu ihnen: "Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch
geben, was recht ist!" Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die
sechste und neunte Stunde und tat gleich also. Um die elfte Stunde aber ging
er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: "Was steht ihr
hier den ganzen Tag müßig?" Sie sprachen zu ihm: "Es hat uns niemand
gedingt." Er sprach zu ihnen: "Geht ihr auch hin in den Weinberg;
und was recht sein wird, soll euch werden!" Da es nun Abend ward, sprach
der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: "Rufe die Arbeiter, gib
ihnen den Lohn und hebe an bei den letzten bis zu den ersten!" Da kamen,
die um die elfte Stunde gedingt waren, und es empfing ein jeglicher seinen
Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen;
und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den
empfingen, murrten sie wider den Hausvater und sprachen: "Diese letzten
haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir
des Tages Last und Hitze getragen haben!" Er antwortete aber und sagte
zu einem unter ihnen: "Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht! Bist du
nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe
hin! Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht
Macht, zu tun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum scheel, daß ich
so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten
sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt."
01] Dieses Gleichnis, sowie
viele andere, hatte den Zweck, den damals lebenden Juden geistige Wahrheiten
in der Form von Vergleichen und Schilderungen aus dem praktischen Leben
leichter verständlich zu machen. Außerdem war damals - wie heute noch im
Orient - die Bilder und Gleichnissprache mehr gebräuchlich als in heutiger
Zeit, wo man bei allen Mitteilungen die direkte Darstellung vorzieht.
02] Es liegt in diesen
Gleichnissen immer ein tieferer, geistiger Sinn, der sowohl damals paßte, wie
auch für alle kommenden Zeiten stets den gleichen Wert haben wird.
03] Diesen geistigen Sinn wollen wir nun etwas mehr beleuchten
und seine Bedeutung hervorheben, weil er das Wesentliche, der Kern,das
Gleichnis nur seine Schale oder Umhüllung ist.
04] Seht, in jenem Gleichnis
sagte Ich: "Das Himmelreich gleicht einem Weinberge." Der geistige
Sinn dieser Worte muß auf den eigentlichen Begriff, was denn ein Weinberg
ist, zurückgeführt werden.
05] Seht, ein Weinberg ist ein
Stück Land, aus dessen Boden durch Anpflanzung von Reben das Ätherische der
Erde in Geistiges, in der Traube zu Wein verwandelt wird. Durch Zersetzung
der Elemente werden gröbere Stoffe in feinere, geistigere umgewandelt.
06] Was ist aber neben der Erde
zum Ausreifen der Traube noch besonders nötig?
07] Es ist das Licht der Sonne;
denn ohne den Wecker von oben entwickelt sich aus der Erde kein geistiges
Produkt. Die Sonne muß mit ihren Lichtstrahlen erst die in der Erde
schlafenden Elemente wecken, sie mit ihrer Wärme vergeistigen helfen und so
durch den Kreislauf im Rebstock, durch Wurzeln, Äste, Blätter und Blüten, das
Höchste absetzen, das endlich nach seinem Zersetzungsprozeß sichtbar zeigt,
welche Fülle geistigen Stoffes in der Traube verborgen lag, welch geistiger
Stoff sich jedoch erst dann zu zeigen beginnt, wenn die Traube aufgehört hat,
Traube zu sein.
08] Hier habt ihr also den
Weinberg, bei dem drei Dinge - nämlich Erde, Wasser und Licht -
zusammenwirken müssen, um auf höherer Stufe etwas Geistiges hervorzubringen.
09] Nun wird euch der Vergleich
Meines Reichs oder des Himmelreichs mit einem Weinberg schon leichter
verständlich sein, wenn ihr die oben angeführte Erklärung auf Mein Reich
anwendet.
10] In Meinem Reich ist
ebenfalls das Höchste nur Geist; aber dieser Geist, verkörpert in geistigen
Wesen, kann erst aus den unter dem Geist stehenden, niederen Produkten der Schöpfung
gewonnen werden. So wie der ganze Bildungsprozeß des Weins, vom eingesaugten
Saft der Wurzel des Rebstocks bis zum im Fasse gärenden Mostwein, ein
fortwährendes Verwandeln, Läutern und Verfeinern der Stoffe ist, so werden
auch in Meiner ganzen Schöpfung alle geschaffenen Dinge - stets weiter
vorrückend - geläutert und verfeinert, bis nach ihrem Ende als Materie, bei
dem Zerfall des Bestandes, das Geistige mit leichter, ätherischer Umkleidung
heraustreten kann. So wie die Wurzel des Rebstockes aus der Erde die ihr
zusagenden Stoffe zieht, die zum weiteren Aufbau der ganzen Pflanze gehören,
ebenso liegt die Wurzel des einst Geistigen im Materiellen vergraben. Dort
sind ihre ersten Anfänge, von dort entbindet sich, was einer höheren Stufe
fähig ist, und steigt aus der Finsternis der Erdrinde in die feinere Luft
auf. Hier tun sodann Licht, Luft und Wasser das ihre, um den
Vergeistigungsprozeß zu vollenden und feste Elemente der Bestandteile der
Erde in wässerige umzuwandeln, die leichter Geistiges, Edleres enthalten
können, weil sie, - den unteren Regionen entwachsen, von Licht und Wärme
durchdrungen, sich den Einwirkungen der höheren Regionen leicht hingeben
können.
11] In entsprechender Weise
geht auch der Erziehungsprozeß zum Einwohner Meiner geistigen Himmel vor
sich.
12] Durch den Licht und
Wahrheitsstrahl von oben muß das im Grabe Schlafende aus der groben Materie
gezogen, dann geläutert und in ihm der Drang erweckt werden, stets höher und
höher zu steigen. Ihr seht es auf eurer Erde, wie alles sich von der gröbsten
Materie zur leichteren Existenz hindurchringt durch alle Klassen des
Erdreichs zum Pflanzen und Tierreich und von dort, sich stets weiter
entwickelnd, aufwärtssteigt zum Menschen, der dann die erste geistige Stufe
zu Meinem Reich bildet. Er ist schon der Traube gleich, in welcher alle
Elemente zum köstlichen Weine vorbereitet liegen.
13] Auch im Menschen ist alles
so geformt und gebildet, daß der Einfluß von oben der mächtigere und der von
unten der schwächere ist. Wenigstens war das so Meine Bestimmung. Die
Entartung und das Abweichen des Menschen von diesem von Mir ihm gebahnten Weg
wird später an der betreffenden Stelle dieses Gleichnisses zur Sprache
kommen.
14] Durch die Auflösung der
menschlichen Hülle tritt der Mensch ins Geisterreich über, wo sich geistig
der nämliche Prozeß wiederholt.
15] Wie der unterste, in die
feste Materie gebundene Geist vorher bis zur obersten Stufe, die auf Erden
möglich ist, zum Menschen emporstieg, so muß er im Geisterreich wieder als einfache
Menschenseele anfangen, um bis zum größten Engelsgeist, ja bis zu Mir selbst,
fortzuschreiten.
16] In dieser Hinsicht also
gleicht das Himmelreich einem Weinberge, weil im einen wie im andern der
Läuterungsprozeß vom Groben zum Feinsten, vom Festen zum Beweglichsten, von
der Materie zum Geist vollzogen wird. In dieses Himmelreich als Weinberg -
wie das Gleichnis sagt - sucht also ein Hausherr Arbeiter, die den Weinberg
bearbeiten sollen.
17] Was der Eigentümer eines
Weinberges im weltlichen Sinn sucht, das suche Ich im geistigen. Ich suche
ebenfalls Seelen, die sich selbst und Meine Schöpfung begreifen und sich dazu
hergeben, Meine Liebesgebote zu erfüllen, und die durch ihre Lehren und ihr
Beispiel dazu beitragen sollen, die in der Materie gebundenen Geister zu
befreien, um so das einst von Mir Ausgegangene Mir wieder - und zwar
geläutert, verfeinert, vergeistigt - zurückzuführen.
18] Wie der Hausherr
frühmorgens ausgeht, die ersten müßig Dastehenden findet und sie zur Arbeit
dingt, so gehe auch Ich aus und suche auf Menschenseelen schon in den
frühesten Jahren einzuwirken, um sie für Mein Reich tauglich zu machen. Wie
dieser Herr des Weinberges zu verschiedenen Stunden ausgeht, um neue Arbeiter
zu finden, suche auch Ich in den verschiedenen Altersstufen, im Jünglings-,
Mannes- und selbst im Greisenalter, diejenigen wiederzugewinnen; welche - Mir
bis dahin verloren - nicht wußten, was ihre Mission auf dieser Welt war, und
was ihr Zweck in der andern sein wird.
19] Wie Meine Kinder in den
verschiedenen Altersstufen stehen, so stehen auch - im größeren Maßstabe -
die Völker teils im Kindes, teils im Jünglings, Mannes oder Greisenalter.
Auch die Völker gehen den gleichen Gang der Entwicklung wie der einzelne
Mensch in seinen Lebensphasen.
20] Die ersten Anfänge einer
Lehre für Mein Reich waren die Zeiten des Glaubens, die dem Kindesalter
entsprechen. Dann kamen die Zeiten der Zweifel und des Fragens, - des
Jünglingsalters. Später folgten die Zeiten des klaren Bewußtseins, die des
Mannesalters, und endlich die Periode, die der nahe bevorstehenden
Verwandlung vorausgeht, das Greisenalter.
21] Mein erstes Kommen fiel in
die Zeit des Jünglingsalters der Menschheit, als die erwachten Gemüter
anfingen, das ihnen als Religion Gegebene zu kritisieren und zu erklären,
woraus verschiedene Glaubensbekenntnisse entstanden. Damit nun diese große
Fragezeit die Menschheit ihrer geistigen Existenz nicht ganz beraube, trat
Ich gerade in jener Zeit auf und rettete so das in der Kindheit angenommene
Gute, entfernte das durch spitzfindiges Grübeln Angeklebte und gab so dem
Menschen seine Geisteswürde wieder, die sonst im weltlichen, egoistischen
Treiben verlorengegangen wäre.
22] In diesem Jünglingsalter,
wo sich höchste Begeisterung und größte Erniedrigung die Hand gaben, suchte
Ich Meine Arbeiter für Meinen himmlischen Weinberg. Als Märtyrer bestiegen
viele den Scheiterhaufen - auf den wohl andere, aber nicht sie hingehörten -,
um ihre Mission zu vollenden.
23] Unter diesem Treiben und
Hin- und Herwogen zwischen großen Ideen, zwischen Geistlehre und
Materialismus, reifte das Mannesalter der Menschheit heran. Mein in der
Jugendzeit gelegter Same trug seine Früchte, wenngleich an vielen Orten
entartet. Und wieder ging Ich aus und sammelte Kämpfer für Mein Reich - und
fand sie, wenn auch spärlich. Einige wagten es wieder, den Weizen von der
Spreu zu reinigen, damit nicht im reifen Mannesalter, trotz klarer Einsicht,
die ganze geistige Saat wegen weltlicher Interessen wieder unterdrückt werde.
Es begannen die Religionskriege und die Verfolgungen, man wollte mit Feuer
und Schwert, mit Haß und Rache bekämpfen, was nur allein durch Liebe und
Duldung hätte besiegt werden können.
24] Auch dieses Mannesalter mit
seinem ernsteren Charakter ging vorüber. Diejenigen, die die Welt nach ihren
Ideen verdummen und sie mit Blindheit schlagen wollten, fielen in die Grube,
die sie anderen gegraben hatten. Sie gehen einer Reform entgegen, die ganz
anders ausfallen wird, als sie es sich dachten.
25] Und so hatten Meine
Arbeiter, wenngleich noch nicht alles vollbracht, doch wenigstens bedeutend
dazu beigetragen, die Pflanze des Geistes, die den reinsten Wein des Himmels
enthält, vor der Zerstörung, vor der Verwesung zu bewahren.
26] Nun komme Ich wieder im
Greisenalter der Menschheit, in welchem sie reif ist, bald einer geistigen
Verwandlung entgegenzugehen. Wiederum suche Ich Meine Arbeiter und finde
deren schon mehrere. Obwohl im Greisenalter der Menschheit - wie in dem des
einzelnen Menschen - viel Angewohntes ist, das nicht leicht auszurotten ist,
so wird doch die Kraft der Umstände das meiste dazu beitragen, mit Gewalt zu
entfernen, was nicht mit Sanftmut und Liebe einem Besseren weichen will.
27] So dingte und sandte Ich
Meine Arbeiter, und wenn diese einst in Meinem Reich angekommen sein werden,
so mögen sie sich zu den anderen, schon früher Gegangenen scharen, um mit
ihnen das Fest des Sieges zu feiern und die Krone der Verdienste zu teilen.
28] Alle Menschen hatte Ich zu
diesem Läuterungswege berufen; allein nur wenigen gelang es, die Auserkorenen
genannt zu werden, die, über Elend, Gram, Sorge und Kampf triumphierend,
stets Meine Fahne des Glaubens hochtrugen. Manche haben auch gelitten und
erduldet in ihrem frommen, aber verkehrten, bis zum Fanatismus ausgearteten
Sinn. Diese werden im Jenseits die Murrer sein, wenn sie diejenigen zuerst
belohnt sehen, auf die sie bei Lebzeiten vielleicht mit Verachtung
herabschauten. Sie waren zwar auch die Auserwählten, doch es fehlte ihnen an Kraft,
die Auserkorenen zu werden; so werden sie sehen müssen, wie die Letzten die
Ersten und die Ersten die Letzten werden.
29] Doch die ewige Liebe, die
alles ausgleicht, wird auch dort Mittel wissen, um die Wunden des
Eigenstolzes zu heilen, denen falsche Ansichten zugrunde lagen.
30] Ihr, Meine Kinder, und die
ganze Menschheit seid jetzt in das Greisenalter eingetreten. Es naht die Zeit
der Auflösung - im geistigen Sinne genommen -, es naht Mein letztes Kommen.
Daher die Unruhe in den Gemütern, weil sie den baldigen Wechsel der
weltlichen und geistigen Dinge dunkel ahnen! Daher diese Hast, noch vor der
Zeit das Schlechte auszumerzen, um nicht von Ereignissen überrascht zu
werden, in denen das bis jetzt Geglaubte nicht ausreicht! Daher der Eifer der
Arbeiter am Abend, um in diesen wenigen Stunden des geistigen Lebens noch das
zu ersetzen, was sie bis dorthin nicht verrichten konnten!
31] So ist der Hausherr des
Weinbergs bald mit der Lohnauszahlung beschäftigt. So werde auch Ich bald die
Kronen und Siegespalmen denen verteilen, die - ob spät oder früh - die wahren
Vertreter und Ausbreiter Meiner Lehre waren.
32] Seht auch ihr, daß ihr
nicht nur zu den Berufenen gehört, Mein Wort zu vernehmen, sondern daß ihr zu
den Auserkorenen gezählt werdet, die, wie die fleißigen Arbeiter in einem
Weinberg, am meisten dazu beigetragen haben, noch am Lebensabend einer
greisenartigen Menschheit dem starren, lieblosen Treiben der Welt soviel
Geistiges wie möglich abzugewinnen, welches dann im Himmelreich, nach dem
Gärungsprozeß, geistige Früchte tragen soll! Amen.
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00] Das Gleichnis vom Sämann (Lk.08,04-15): Da nun viel Volk
beieinander war und aus den Städten zu ihm eilte, sprach er durch ein
Gleichnis: "Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er
säte, fiel etliches an den Weg und ward zertreten, und die Vögel unter dem
Himmel fraßen es auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging,
verdorrte es, darum daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter
die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und etliches
fiel auf ein gutes Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht."
Da er das sagte, rief er: "Wer Ohren hat, zu hören, der höre!" Es
fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis wäre. Er aber sprach:
"Euch ist es gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reiches Gottes; den
andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen,
und nicht verstehen, ob sie es schon hören. - Das ist aber das Gleichnis: Der
Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören;
danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht
glauben und nicht selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die: wenn sie es
hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine
Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber
unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und hingehen unter den Sorgen,
Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht.
Das aber auf dem guten Land, sind die, die das Wort hören und behalten in
einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld."
01] Dieses Gleichnis vom Sämann
und dem Samen, das Ich einst Meinen Jüngern und dem Mich umgebenden Volke
gab, ist nach seiner Form, in der es gegeben ist, leicht zu verstehen, um so
mehr, als selbst im Evangelium die zeitgemäße Erklärung steht, wie Ich sie
Meinen Aposteln, aber nicht dem Mir zuhörenden Volke gegeben habe.
02] Gemäß dieser Erklärung ist
der Same Mein Wort. Wo dieses auf den Weg fällt und zertreten wird,
bezeichnet es die Gleichgültigkeit derjenigen, welche es hören, aber sich nicht
darum kümmern, es mißachten und, ihren weltlichen Interessen allein
huldigend, darüber hinweggehen. Der felsige Grund, auf den der Same fällt,
bezeichnet diejenigen Herzen, die - wie die Gelehrten und Theologen - den
Samen nur insoweit annehmen, als er in ihre wissenschaftlichen Systeme paßt.
Sobald sich aber bei ihnen andere Ansichten geltend machen, so findet dieser
Same auf dem felsigen Grund keine oder sehr wenig Nahrung und muß verdorren.
03] Wenn der Same zwischen die
Dornen fällt und mit ihnen aufgeht, so heißt das soviel, daß Meinem Wort nur
insofern geglaubt und danach gelebt wird, wie es sich mit den weltlichen
Ansichten vereinen läßt. Stößt es gegen diese an, oder verlangt Mein Wort
Aufopferung und Verleugnung, so wird es beiseitegesetzt und bringt deshalb
auch keine Frucht. Es bleibt dann höchstens bei schönen Worten, aber zu Taten
kommt es nicht!
04] So weit die Erklärung, die
Ich schon Meinen Aposteln gegeben habe. Es kommt jetzt darauf an, wie dieses Gleichnis
auf die jetzige Zeit anzuwenden und ob ihm nicht noch eine andere, wichtigere
Seite abzugewinnen ist.
05] Bevor wir in der Erklärung
weitergehen wollen, müssen wir uns erst folgende Fragen beantworten: Was ist
eigentlich der Same? Was bezweckt sein Ausstreuen, und was ist die Absicht
des Sämanns selbst? - Erst nach Beantwortung dieser Fragen kann eine wahre
Deutung und Erklärung durch geistige Entsprechung folgen; denn im allgemeinen
sprecht ihr der Worte gar viele aus und seid euch doch nicht ihrer tiefen und
geistigen Bedeutung bewußt. Nur wer der Worte tiefsten Sinn und deren
geistige Entsprechung kennt, der erst ist seiner Sprache mächtig. Er hat das
Geschenk, mittels seines Mundes Töne hervorzubringen, in geistigem Sinne
aufgefaßt, und jedes Wort, das aus seinem Munde fließt, ist ein Strahl des
Geistlichtes, welches in ihm die Seele erleuchtet, vergeistigt und sie
stufenweise zur Vereinigung mit Mir weiterleitet. Daher ist zwischen Sprechen
und Reden ein großer Unterschied. Man kann viel sprechen - und doch nichts
sagen, während der gewichtige Sinn einer geistigen Rede sich inhaltsschwer
gestalten kann.
06] So müssen wir also mit dem
Worte ,Samen` zuerst anfangen und es in seiner Bedeutung näher betrachten.
07] Seht, im Samen liegt die
Unendlichkeit. Aus einem Samenkorn entstehen immerfort Produkte derselben
Gattung, zu welcher der Same gehört.
08] So war es bei der
Erschaffung der materiellen Welt begründet, daß Ich nur einmal die Dinge
einzeln erschuf. Ich legte in dieselben schon den Keim zur weiteren
Fortpflanzung, so daß die erste Wirkung, das Aus-sich-selbst-Entwickeln, in
Ewigkeit nie mehr aufhören wird, solange die Elemente bestehen, welche im
Erdboden und in der Luft zur Entwicklung des Samens vorhanden sind.
09] Wie der Same eines Baumes
alle Keime seiner zukünftigen Bestimmung in sich trägt, ebenso Mein Wort,
welches als Produkt Meines Geistes fortwährend Neues zeugt, nie vergeht und
ewig fortdauert. Daher sagte Johannes: "Im Anfange war das Wort, und das
Wort war Gott! "
10] Auch Ich bin das Samenkorn,
aus dem stets und ewig nur wieder Göttliches hervorgehen wird. Wohin dieses
Wort als Same fällt, erregt es den Grund, auf den es fiel, zur Tätigkeit -
oft bleibend, oft nur vorübergehend.
11] Da Ich aber auch der Sämann
bin, der seinen Samen über die gesamte Schöpfung ausschüttet, so geschieht es
natürlich auch - wie im Gleichnisse gesagt ist -, daß nicht aller Same gleich
gedeiht. Der eine bringt mehr, der andere weniger, der dritte gar keine
Frucht. Erstens weil selbst die Welten Meiner Schöpfung nebst ihren Bewohnern
nicht alle auf ein und derselben Stufe stehen, und zweitens, weil überall die
Menschen ihren freien Willen haben, zu tun und zu lassen, was ihnen gut
dünkt. Deswegen die verschiedenen geistigen Resultate auf allen Weltkörpern
und bei allen Menschen, und deswegen die längeren oder kürzeren Wege, die
sämtliche erschaffene Wesen gehen müssen, um zu ihrem Ziel, zur Vergeistigung
ihrer Seele zu gelangen.
12] Ich als Sämann streue
Meinen Samen überall aus. Wo er gleichgültig aufgenommen wird, liegt die
Schuld an den Seelen selbst, wenn sie durch bittere Zulassungen dann eine
herbe Schule durchmachen müssen. Wo Mein Same auf felsenharte Herzen fällt,
da des Bleibens nicht ist, weil jeder leichte weltliche Wind denselben
verweht und keine Spur von ihm zurückläßt, dort wird auch diese Härte der
Herzen mit der Zeit mürbe gemacht werden. Wo Mein Same auf dornigen Boden
fällt und mit dem Unkraut aufwächst, dort wird sein Schicksal auch das des
Unkrauts sein, welches mit der Zeit ausgerottet werden muß. Dann wird jenen
Menschen gar nichts übrigbleiben als die gänzliche Brachlage des Ackerfelds
ihres Herzens, auf welchem nichts bleibend fortkommen konnte, weder das
Laster noch die Tugend. Nur da, wo Mein Wort auf guten Boden fällt, wo die
Herzen durch Mich schon vorher bereitet wurden, dort wird der Same Meines
Worts aufgehen, blühen und Früchte tragen, an denen dann andere sich ein
Beispiel nehmen können.
13] Mein Wort also, als Same,
wurde und wird noch täglich ausgesät, um die Menschen zu wahren Menschen, um
sie Mir würdig zu machen, damit sie als Ebenbilder Meines göttlichen Ichs
nach und nach das werden, wozu Ich sie bestimmt habe.
14] Zu allen Zeiten, seit
Meinem Erdenwandel, wurde durch Mich und Meine Auserwählten Mein göttliches
Wort der Liebe ausgesät. Und weil einst Meine Zuhörer aus verschieden
gearreten Menschen bestanden, so wollte Ich durch das Gleichnis dem einen
seine Leichtfertigkeit, dem andern seine Gleichgültigkeit und dem dritten seine
Weltsüchtigkeit zeigen und ihnen damit beweisen, welches Endresultat es hat,
wenn man Mein Wort bloß hört und nicht tätig ausübt. Was Ich dort Meinen
Zuhörern und Aposteln zurief: "Wer Ohren hat, der höre!", das sage
Ich jetzt wieder, da Ich als Sämann bald kommen werde, um von Meinem Samen
Ernte zu halten.
15] Mehr als je ist jetzt Mein
Wort als geistiger Same zur ewigen Glückseligkeit auf allen Wegen zertreten
und von den Vögeln aufgefressen worden, welch letztere sich das Wort nur für
ihr Interesse zu eigen machen wollten. Es ist schon längst auf zu steinigen
Boden egoistischer Herzen gefallen, wo es, ohne Nahrung, verdorren muß. Und
wo noch hier und da ein Hälmchen blüht, steht es zwischen den Genüssen der
Welt, da es nur so lange gelitten und gepflegt wird, wie es mit den Ansichten
der Welt harmoniert. Verlangt es aber Opfer, so wird es bei groß und klein
über Bord geworfen.
16] Wenige sind es, die trotz
aller Mißhelligkeiten, Kämpfe und Leiden Mein Wort im Herzen behalten, es
sorgfältig pflegen und es auch in Taten ausüben. Wie Ich einst sagte, daß
viele berufen seien, sich durch den Samen Meines göttlichen Wortes nach
diesem kurzen irdischen Dasein jenseits eine bleibende Seligkeit zu erwerben,
sind unter diesen vielen Berufenen nur wenige auserkoren, die Siegespalme zu
erlangen, die Ich selbst einst durch das Kreuz und am Kreuze als Mensch
errungen habe.
17] Ich ging der Menschheit als
Beispiel voran. Wie Mein Leben sich nicht durch hohe Geburt und andere
günstige Verhältnisse auszeichnete und Ich schließlich vor der Menge als
Verbrecher am Schandpfahl Mein irdisches Leben lassen mußte, ebenso ergeht es
allen, die Mir folgen werden. Auch sie werden verfolgt, verachtet und
mißhandelt werden. Aber wie Meine Auferstehung und später die Heimkehr in
Mein Reich alle Pläne der Menschen zunichte machten und Ich vergeistigt in
Meinen Himmeln ankam, so werden auch diejenigen, welche ihr Herz als gutes
Erdreich Meinen Worten darboten, einst ernten, was Ich hier in ihre Brust
gesät habe. Sie werden belohnt werden durch das Bewußtsein, gekämpft,
gelitten, aber auch gesiegt zu haben. Sie werden den Lohn empfangen, da sie
nie - wie eitle Wanderer - Mein auf ihren Weg gestreutes Liebeskorn
zertraten, noch ihr Herz zu Stein werden ließen, noch wegen der weltlichen
Freuden, welche die Dornen fürs Geistige sind, die aufkeimende Frucht
vernachlässigt haben. Sie werden als gutes Erdreich edle Früchte tragen, wie
auch Ich einst sagte: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!"
18] So ist die Aussaat reif geworden,
damit endlich der Weizen von der Spreu gesondert, die Dornen und Disteln
einer feuerähnlichen Reinigung übergeben und das gereifte Korn in Meine
Scheunen gebracht wird. Schon seht ihr überall, wie die Sichtung beginnt. Ich
komme, um für Meinen ausgesäten Samen Verantwortung zu verlangen. - Wie die
Arbeit, so der Lohn!
19] Mein Wort ist göttliche
Aussaat, ist Aussaat der Ewigkeit für die Ewigkeit. Wenngleich die Aussaat
mißachtet, wenngleich sie mit Füßen getreten wird, wenngleich sie unter Dornen
aufgeht, - stets bleibt der göttliche Keim, und ein Samenkorn genügt, des
Guten in Fülle zu zeugen und über die Welt auszugießen. Daher ist es ganz
gleich, wenn auch Tausende dieser Samenkörner vergeblich ausgestreut wurden.
Diejenigen, welche auf gutes Erdreich, in gläubige Herzen fielen, werden
Licht verbreiten über die Dunkel Gebliebenen. Und so wird nie vernichtet
werden, was Ich als Schöpfer schuf, was Ich als Jesus mit dem Kreuzestode
besiegelte, und was Ich jetzt in kurzer Zeit als Erntemann von den Feldern
des geistigen Wirkens heimbringen werde. Wenn die Ernte auch klein sein wird,
so liegt eben im Kleinen der Beweis, daß das Große nie verwelkt und verwest,
so es, im Kleinsten eingehüllt, die größten Wirkungen hervorzubringen vermag.
20] Daher laßt auch ihr eure
Herzen nicht versteinern, nicht mit Unkraut und Disteln bewachsen! Haltet sie
stets bereit, um Mein Wort, das in so verschiedener Weise eure Seele
erquickt, auch tatsächlich aufkeimen zu lassen, damit ihr nicht das Schicksal
derer teilet, die Mein Wort nur oberflächlich aufnehmen und dann, wenn es zur
Tat kommt, beweisen, daß der Same nur auf der Oberfläche ihres Herzens
klebte, nie aber in dasselbe tiefer eingedrungen ist!
21] Bedenket wohl: ein Sämann
sät, um einst auch zu ernten! Die Erntezeit rückt heran! Machet auch euch
bereit, um in Meine Scheunen aufgenommen zu werden und nicht mit den Dornen
und Disteln den längeren Weg zur Besserung antreten zu müssen!
22] Darum: Wer Ohren hat, der
höre, solange es noch Zeit ist! Amen.
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00] Die Heilung eines Blinden (Lk.18,35-43): Es geschah aber,
da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber
hörte das Volk, das hindurchging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten
sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach:
"Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich mein!" Die aber vornean
gingen, bedräueten ihn, er solle schweigen. Er aber schrie viel mehr:
"Du Sohn Davids, erbarme dich mein!" Jesus aber stund stille und
hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe zu ihm brachten fragte er ihn
und sprach: "Was willst du, daß ich dir tun soll?" Er sprach:
"Herr, daß ich sehen möge!" Und Jesus sprach zu ihm: "Sei
sehend! Dein Glaube hat dir geholfen." Und alsobald ward er sehend und
folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott.
01] Hier habt ihr ein Beispiel,
in dem der feste Glaube eines Blinden an Meine Allmacht ihm das Licht seiner
Augen wiedergegeben hat.
02] Wie viele Blinde gibt es
jetzt auf eurer Erde, die alle das Licht sehr nötig hätten, und doch sind
unter ihnen nur wenige, die den Drang haben, ihr Augenlicht wiederzuerhalten!
03] Die meisten sind mit ihrer
geistigen Blindheit zufrieden und haben sich an sie so gewöhnt wie ein
Blindgeborener, der, weil ihm der Gesichtssinn von Geburt aus mangelt, seine
übrigen Sinne, besonders den Tastsinn, so verfeinert und vervollkommnet hat,
daß letzterer den ersteren beinahe ganz ersetzt. Sie sind mit ihrer Lage
zufrieden, weil sie keine bessere kennen. Sie bedauern den Mangel des
Augenlichts nicht, weil sie keinen Begriff von dem haben, was eigentlich
Licht und seine Wirkung ist.
04] Wie diese Blindgeborenen
materiell in dieser Weise fortleben, so leben Tausende von Menschen geistig
fort. Durch Erziehung und Umstände wurde ihnen nie etwas von geistigem Licht,
von höheren Stufen der Auffassung selbst des Materiellen gesagt. Für sie
bestehen nur die Begriffe des Materiellen. Sie glauben, alles sei Materie,
und die Materie sei die eigentliche Welt, aus Materie werde alles ausgeboren,
und zur Materie kehre alles wieder zurück.
05] Zu diesen Stockblinden
gehören auch jene Gelehrten und Naturforscher, die sich selbst um den letzten
Funken geistigen Lichts durch die verkehrte Richtung ihres Studiums gebracht
haben. Die ersteren sind blind und wissen nicht warum, - die letzteren wollen
blind sein, weil das Licht, wenn es über sie hereinbräche, nicht mit ihrer
Denk und Lebensweise zusammenpassen würde.
06] Außer diesen mit ihrer
Blindheit Zufriedenen gibt es noch eine andere Art Blinde, die den Wunsch
hegen, sehend zu werden. Das sind diejenigen, welche wie die blinden Bettler
am Lebensweg sitzen und die Vorübergehenden, wenn sie ihrer durch das
Geräusch gewahr werden, um geistige Nahrung bitten, damit ihre Blindheit
entweder erträglich oder gar geheilt werde.
07] Solche Blinde sind jene Menschen,
die in ihrem Lebenswandel auf manches gestoßen sind, was sie zum Nachdenken
veranlaßte, worüber sie gerne Licht und Bescheid haben möchten, aber sich
selbst nicht von der Finsternis befreien können. Es sind dies jene Menschen,
die den religiösen Zeremonien huldigen, in sie mehr Wert hineinlegen, als sie
wirklich haben. In einzelnen Fällen fühlen sie sehr wohl, daß über diesem
Kultus doch noch etwas Höheres, Geistiges ist, das ihnen den eigentlichen
Trost in den Fällen geben könnte, wo sie die menschliche Weisheit im Stich
läßt.
08] Diese Menschen sitzen am
großen Lebensweg der Geister, welche alle im Fortschreiten begriffen sind.
Sie sind es, die als Bettler um geistige Almosen bitten, damit auch sie an
der Erdenscholle, auf die sie ihr Schicksal gestellt hat, nicht ewig haften
bleiben, sondern damit auch sie den geistigen Flug antreten können, welcher
anderen zuteil wurde, die sie an sich vorüberrauschen fühlen. Manche gehen
diese große Heerstraße des geistigen Fortschritts; aber nicht alle fühlen
sich berufen und gedrungen, den Anflehenden zu helfen. Wie auch nicht alle
einem Bettler Almosen darreichen, sondern nur die, die den Begriff der
Nächstenliebe näher verstanden haben. So wird diesen geistigen Bettlern nur
spärlich der Lebensunterhalt gewährt, weil niemand - sei es aus Mangel an
Kraft, sei es aus Mangel an Kenntnis - den Bittenden geben kann, was sie
eigentlich verlangen, d.h. die geistige Sehe, welche nur wenige der
Vorübergehenden ganz besitzen.
09] Damit aber eben diesen nach
göttlicher Speise Hungernden, sich nach dem Wahrheitslichte Sehnenden, ihre
Bitte erfüllt werde, und damit denjenigen das Gesicht wiedergegeben werde,
die, schon längst Meiner harrend, mit unerschütterlichem Vertrauen abwarten
wollten, bis Ich selbst als der große Lichtbringer ihnen das in ganzer Fülle
geben würde, was andere nur teilweise ihnen hätten darreichen können, - so
habe Ich Mich selbst auf den Weg gemacht.
10] Wie der Bettler bei Jericho
von weitem Meine Stimme erkannte und Mich flehend anrief: "Du Sohn
Davids, erbarme dich meiner!", ebenso rufen Mich in ihrem Seelendrange
manche an, und zwar im vollsten Vertrauen, daß Ich ihr Flehen erhören werde.
Diesen kann Ich dann Mein ganzes Gnadenlicht geben; denn ,ihr Glaube hat
ihnen geholfen. Sie waren fest überzeugt, daß Ich derjenige bin, welcher
ihnen geistiges Licht bringen und den rechten Weg zur Erlangung der Seligkeit
zeigen kann. diese mache Ich sehend und lege ihnen die Worte ins Herz:
"Sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen!"
11] Solche Blinde wart ihr
alle, Meine Kinder, die Ich aus vielen herausfand, weil ihr Mich aus innerem
Drang und Bedürfnis schon längst gesucht und in euch gefühlt habt, daß das
angelernte Glaubenswissen der christlichen Religion nicht ausreicht, für alle
Fälle des menschlichen Lebens stets den rechten Trost zu geben.
12] Ich ließ Euch so manche
bittere Arzneien kosten, um euch desto eher von den verkehrten und falschen
Ansichten zu heilen, welche die Welt in euch hineingelegt hat. Euch erzog Ich
durch Verwicklung von Umständen zu den Vorkämpfern Meiner Lehre, wie sie
jetzt bald auf dem ganzen Erdenrund als einzige anerkannt werden soll, damit
ihr nicht allein durch Worte, sondern auch durch Taten das beweisen sollt,
was die Worte aussagen.
13] Einzelnen von euch gab Ich
die Fähigkeit, Meine Stimme direkt in ihrem Innern zu vernehmen, damit Meine
eigentliche Lehre, wie Ich sie für das ganze Universum als ewig bleibend
aufgestellt habe nicht wieder verfälscht und anders ausgelegt werde, als Ich
sie während Meines Erdenwandels Meinen Jüngern gegeben habe.
14] Damals und für die
nachfolgenden Generationen, mußte Ich Mein Wort oft in Gleichnisse und
mystische Aussprüche hüllen; denn Ich wußte, was die nachfolgenden
Generationen mit diesem Worte machen würden. Ich wußte, wie viele Umwälzungen
Mein Wort im sozialen Leben hervorrufen und wie viele Verfolgungen und
unschuldige Opfer es Meine Anhänger kosten würde. Damit die Feinde, trotz
allen Eifers, den Kern Meiner Lehre zu vernichten, und bis auf den heutigen
Tag, nur an seiner Schale nagen, redete Ich in Gleichnissen.
15] Jetzt, wo die Menschheit
reif geworden ist, und statt nur einzelnes aus dem jetzigen Religionsgebäude
auszuschalten, geneigt ist, das ganze Gebäude nebst seinen Bewohnern über den
Haufen zu werfen, ist der Zeitpunkt gekommen, wo klarer Wein, im allgemeinen
nicht mehr schädlich und für die Mehrzahl nur stärkend wirken kann. Jetzt
sind die Blinden am großen Wege zu Meinem Geisterreich fähig, das Licht zu
empfangen, das schon längst auf sie ,in Fülle herabströmt. Jetzt ist der
Zeitpunkt gekommen, wo das große Gebäude der Pfaffenwirtschaft - wie einst
die Mauern Jerichos - durch die Posaunenstöße Meiner göttlichen Lehre
umgestoßen wird, damit den hinter diesen Mauern harrenden Blinden die freie
Aussicht über das Tal des Jordans gegeben werde, in dessen Wellen Ich Mich
einst taufen ließ, und wo die Stimme aus den Himmeln erscholl: "Dies ist
Mein Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe!"
16] So sollt auch ihr jetzt
durch Mein Wort und Mein Licht aus der ewigen Quelle des unversiegbaren
Stromes Meiner Gnade getauft und sehend werden, damit auch Ich ausrufen kann:
Ihr seid Meine Kinder, an denen Ich Wohlgefallen habe! Ihr seid diejenigen,
die getauft mit Meinem Geist und begabt mit geistiger Sehe, den am Wege des
Lebens euch ansprechenden Blinden das Licht zu verleihen habt, welches Ich
euch in so großer Fülle und schon seit so langer Zeit gegeben habe.
17] Bereitet euch vor, würdige
Schüler des Zimmermannssohnes, des Lehrers und Versöhners am Kreuz und des
Gottes und Vaters zu sein, der weit über alle Räumlichkeiten hinaus mit
großen, helleuchtenden Buchstaben Seine zwei Liebesgesetze in die ganze
Schöpfung eingeprägt hat!
18] Bereitet euch vor, Licht zu
verbreiten, wo Blinde euch um dasselbe anflehen, damit auch sie der Gnade
teilhaftig werden mögen, damit sie durch direkte Mitteilung auf dem kürzesten
Weg erfahren, was andere oft erst sehr spät, nach langen Mühen und Drangsalen
erkannt haben, daß Ich - der Herr und Schöpfer alles Daseienden - auch der
Vater bin, der dem Flehenden nie etwas verweigert, wenn es zu seinem Besten
ist, und der gerne dem Blinden die Augen erschließt, damit er seinen Vater in
der Einfachheit des Jesus und in der Herrlichkeit des Schöpfers erkenne und
würdige! Amen.
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00] Die Versuchung des Herrn (Mt.04,01-11): Da ward Jesus vom
Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da
er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der
Versucher trat zu ihm und sprach: "Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß
diese Steine Brot werden!" Und er antwortete und sprach: "Es stehet
geschrieben: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem
jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht!" "Da führte ihn der
Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des
Tempels und sprach zu ihm: ,Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es
steht geschrieben: "Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie
werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein
stoßest!" "Da sprach Jesus zu ihm: "Wiederum steht auch
geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen!" "
Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte
ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: "Das
alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest!" Da
sprach Jesus zu ihm: "Heb dich weg von mir, Satan; denn es steht
geschrieben: "Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein
dienen!" "Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel
zu ihm und dienten ihm.
01] Dieses Kapitel handelt von
Meiner Versuchung durch Satan während Meines Erdenwandels. So, wie diese
Versuchung durch Satan in den Evangelien Meiner Apostel niedergeschrieben
,ist, ist sie nicht wörtlich zu nehmen; denn es ist ganz natürlich, daß Satan
Mich wohl kannte und in Jesus seinen Herrn sah. Deswegen wäre es auch keine
Versuchung von seiner Seite gewesen, Mir anzubieten, Ich sollte aus Steinen
Brot machen - da er wohl wußte, daß Ich ganz anderer Dinge mächtig war -,
oder Mir anzuraten, Ich sollte Mich von den Zinnen des Tempels hinunterstürzen,
und es würde Mir, wenn Ich Gottes Sohn wäre, kein Leid geschehen. Führte doch
er Mich durch die Lüfte aus der Wüste bis auf diese Zinnen und wußte, daß Ich
weder der Erde ganz angehöre, noch daß die Anziehungskraft dieses Planeten
auf Mich eine Wirkung haben könne, wenn Ich nicht wolle.
02] Oder wenn er Mich auf einen
Berg führte und Mir dort alles anbot, was Mein menschlich Auge von dort aus
erblickte, so wußte Satan wohl, daß er seinem Herrn und Schöpfer nicht die
winzigen Reiche eurer finsteren Erde oder gar die ganze Erde selbst anbieten
konnte; denn er konnte Mein unermeßliches Schöpfungsreich so wie kein anderer
Geist mit seinen geistigen Augen überschauen.
03] Ihr seht, daß die wörtliche
Erklärung dieser Stellen - wie sie im Evangelium geschrieben sind - nicht die
Erklärung sein kann, die den Worten zu entnehmen ist. Der Sinn dieser
Versuchung, und was sie bedeutet, liegt tiefer und ganz wo anders! Denn diese
Versuchungen, wie sie im Evangelium beschrieben sind, sind wohl für Menschen
vielleicht solche, aber für den Gott und Schöpfer alles Endlichen -
wenngleich in Menschengestalt - können sie nie und nimmer solche sein und
werden.
04] Seht, wenn sich bei euch
ein Student auf eine Prüfung vorbereitet, so schließt er sich gewöhnlich mehr
als sonst in sein Kämmerlein ein und studiert da Tage und Nächte fort. Er
entsagt deswegen manchen weltlichen Genüssen, entweder in Speise und Trank
oder in sonstigen Unterhaltungen, damit in ersterem Falle der Magen nicht
soviel Einfluß auf seinen Geist gewinne, und im zweiten Falle, damit nicht
Unterhaltungen seinen Geist zerstreuen, während er gerade zum Studieren ihn
gesammelt braucht.
05] Was jeder Mensch tut, der
sich auf einen wichtigen Schritt in seinem Leben vorbereitet, das tat auch
Ich!
06] Nachdem die Zeit gekommen
war, in der Ich Mein Lehramt antreten mußte - nämlich als Mensch, in dessen
Hülle Meine Göttlichkeit eingekleidet war -, mußte auch Ich Mich sammeln,
mußte die Nahrungsmittel für den Körper auf das nötigste heruntersetzen, weil
Mein Geist Geistiges und Ewiges schaffen wollte und von der Materie nicht
beeinträchtigt werden durfte.
07] Mein irdischer Mensch
fastete, während Mein geistiger im Übermaße aller Seligkeiten schwelgte,
deren nur ein geistiges Wesen fähig ist, welches, mit Hintansetzung alles
Großen und Mächtigen, sich den von ihm geschaffenen Wesen und Geistern aus
Liebe opfern will.
08] An Mich traten in jenen
Momenten alle Einflüsse menschlicher Leidenschaften heran. Nur dadurch, daß
Ich ganz Mensch wurde und das Göttliche sich in Mein Innerstes zurückzog,
konnte Ich Meinen Geistern das Beispiel geben, wie man siegen, wie man allen
Anfechtungen widerstehen kann. Ich wollte mit dieser Probe allen als ewiges
Beispiel vorangehen und ihnen begreiflich machen, daß derjenige, der Mein
Kind werden will, es nur durch Besiegung der mächtigen schlechten Einflüsse
werden kann.
09] Der Hunger war das erste,
was Mich, als irdischen Menschen, belästigte. Der Sieg darüber steht in den
Worten, die Ich dem Teufel auf sein erstes Anerbieten geantwortet habe, und
die da laufen: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem
jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht!" Mit anderen Worten sagt
dies: Wenn leibliches Gelüsten des Menschen Seele bestürmt, so soll er dieses
Spruches gedenken, daß nämlich des Menschen geistiges, inneres Ich in erster
Linie genährt, ja sogar auf Kosten des Leibes gepflegt und erzogen werden
muß. Der Ausspruch, den Ich an den Teufel richtete, lautet für euch also:
"Gedenket stets, daß ihr nicht zur Pflege eures Körpers, sondern zur
Vervollkommnung eurer Seele geschaffen worden seid!"
10] Der zweite bildlich
dargestellte Versuch des Teufels bestand darin, die göttliche Macht, die in
Mir wohnte, zu versuchen. Dies heißt mit anderen Worten: Über Mich kam das
Begehren, Mich mit Meinen göttlichen Eigenschaften zu brüsten.
11] Diese Versuchung gleicht
derjenigen eines Menschen, der - mit größeren Fähigkeiten und Kenntnissen
ausgerüstet, ja mit göttlicher Macht begabt, Dinge zu verrichten imstande
ist, die anderen Menschen versagt sind, und ihnen deswegen wie Wunder
erscheinen müssen. Wenn er solche Eigenschaften benützt, nicht um seinen
Mitmenschen zu helfen oder des Gebers Herrlichkeit zu vergrößern, sondern
diese Eigenschaften mißbraucht, um damit zu prunken.
12] Hierher gehört meine zweite
Antwort an Satan: "Du sollst deinen Gott und Herrn nicht
versuchen!" Das heißt: "Du sollst dich nicht dem Wahn hingeben, daß
der Herr, wenngleich Er dir Macht verlieh, nicht auch imstande wäre, dir
dieselbe zu nehmen, sobald du sie zu deinen und nicht zu Seinen Zwecken
gebrauchen willst!" Ein solcher Wunsch ist Erhebung über die eigenen
menschlichen Fähigkeiten, ist Mißbrauch eines göttlichen Geschenkes, der beim
Gelingen nicht die Demut, sondern nur den Hochmut nähren würde. Satan
versuchte Meine menschliche Eitelkeit zu wecken und glaubte, Ich würde aus
dieser niederen Stellung, in der nach Meiner Ansicht nur allein das Gelingen
Meines großen Planes lag, vielleicht heraustreten.
13] Der dritte Versuch war,
Meine Herrschsucht zu wecken; denn im menschlichen Herzen liegen als
Grundlage für alle anderen diese drei mächtigsten Leidenschaften: erstens der
Hang zum leiblichen Wohlleben, zweitens der Wunsch, mehr als andere zu sein -
d.h. eine soziale, glänzende Stellung innezuhaben, in der die Mittel zur
Befriedigung der ersten Leidenschaft liegen -, und endlich drittens die
Sucht, statt zu gehorchen herrschen zu können, statt der Letzte der Erste zu
sein, der anderen Gesetze vorschreibt, während er sich selbst über alles
Gesetz erhoben und sich von der Erfüllung auch nur des geringsten Gesetzes
losgesagt hat.
14] Auf diesen dritten Versuch
Satans erfolgte die Antwort an ihn: "Hebe dich weg, Satan; denn es steht
geschrieben: Du sollst anbeten Gott deinen Herrn und Ihm allein dienen!"
Das heißt mit anderen Worten: Hinweg mit dieser schmutzigen Leidenschaft des
Herrschenwollens, die in ihrem Gefolge alle anderen Leidenschaften hat, wie
Hochmut, Haß, Rache, Zorn und Vergeltung! Das Geistige im Menschen gebietet
Demut, Liebe, Verzeihung und Bruderliebe. Das Geistige, dem Menschen von Gott
in die Brust gelegt, verlangt von dir, du sollst abwärts, heruntersteigen,
sollst der Kleinste werden, sollst allen andern dienen wollen, - wenn du
einst über Großes gesetzt werden willst. Du sollst deine Wünsche, den anderen
zu unterwerfen, gänzlich aufgeben. Du sollst gehorchen lernen, um einst
befehlen zu können, aber nicht befehlen mit richterlichen Worten, sondern
befehlen mit Liebe, mit Geduld und mit der Überzeugung, daß nur auf diesem
Wege der Befehl nie hart erscheint und genau befolgt wird, - weil der
Gehorchende ebenfalls einsieht, daß ,dies alles nur zu seinem Besten ist. So
dient dann der Mensch seinem Gott und Herrn, wobei er, Meinem Beispiele
nachfolgend, im Kleinsten, im Niedrigsten, die größten Resultate erreichen
wird.
15] Wie also Ich selbst als
Mensch einst alle menschlichen Leidenschaften durchkämpfen mußte, die Ich als
Schöpfer absichtlich in eure Natur gelegt habe, ebenso müßt auch ihr, wollt
ihr Mir nachfolgen, dasselbe tun. Den mächtigen Trieb des leiblichen
Wohllebens müßt ihr bekämpfen, müßt alle diese Genüsse einem höheren Zwecke
unterordnen, euch von Fesseln frei machen, die die Schwingen eurer Seele hemmen.
Ihr müßt die Eitelkeit - als erste Lügnerin - von euch verbannen, da sie euch
euereigenes Bild schöner ausmalt, als es ist, und Triebe der schlechtesten
Art mit klügelnder Weisheit entschuldigt, wodurch ihr dann oft glaubt, mehr
und besser zu sein, a1s ihr wirklich seid, - was euch natürlich im
Fortschritt hindern muß.
16] Traut euch keine Kräfte zu,
die ihr nicht besitzt! Denkt euch schwach und unwürdig, um im Glanben und
Vertrauen auf Mich zu erstarken, dann wird euch die dritte schlechte
Eigenschaft, die Herrschsucht, nicht übermannen, nicht zu Sklaven eurer
selbst machen! Es gibt nichts Schlechteres auf der Welt, als stets den
Eigendünkel zu haben, etwas Besseres als andere zu sein, und stets das
Bestreben zu haben, jedem Druck des Gehorsams auszuweichen und immer über die
Schultern anderer emporzuklimmen, wo dann der eine bloß Herr ist und die
andern Sklaven. Zum Herrschen über andere gehören ganz andere Eigenschaften
als die, die jetzt auf eurer Erde nach Herrschaft über ihre Mitmenschen
drängen! Um einen Maßstab zu haben, sehet nur Mich selbst an! Wie herrsche
Ich? Herrsche Ich mit Gewalt? Herrsche Ich durch augenblickliche Bestrafung
oder durch unerbittliches Richteramt über Gefallene und Verirrte? Herrsche
Ich durch Zorn, Rache und Bestrafung? Gewiß nicht! So wie ihr Mich kennt,
seht ihr, daß Ich nur durch und mit Meiner alles umfassenden Liebe herrsche,
daß Verzeihung Mein erstes Prinzip ist, und daß Ich nicht den verfolge, der
vielleicht ohne Verschulden fehlt, sondern ihm nachsichtig alle Mittel in den
Weg schiebe, sich zu bessern.
17] Alles Schlechte, das sich
in der Welt augenscheinlich als solches zeigt, ist nicht von Mir geschaffen
worden, sondern ein Produkt des Mißbrauchs des freien Willens von seiten der
Menschen. Sie als freie Wesen können tun, was sie wollen, müssen aber auch
die Folgen davon nur sich selbst zuschreiben, - wie Ich in dem Wort über die
Wahrheit sagte: Es gibt nur eine Wahrheit, und wer dagegen sündigt, muß die
Folgen der Lüge fühlen!
18] So ist dieses Evangelium
ein Beispiel, wie Ich als Mensch trotz Meiner großen Machtstellung die
Leidenschaften kräftigst bekämpfte, um euch und allen Geistern zu zeigen, daß
das Schlechte, wenn Ich es auch in der Welt zugelassen habe, doch nur zum
Besten, zum Fortschritt dient.
19] Gott allein sollt ihr
dienen; ihr dienet Ihm aber nur, wenn ihr die großen Liebesgesetze befolgt,
die euch dazu antreiben sollen, euren Leib zu beherrschen und die schlechten
seelischen Eigenschaften der Eitelkeit und Herrschsucht zu bekämpfen. Nur durch
Verleugnung und Bekämpfung dieser starken Triebe eurer menschlichen Natur
könnt ihr einst in Meinem Reiche begreifen, was es heißt, über vieles gesetzt
zu werden, oder was der Spruch bedeutet: "Wer sich erniedrigt, der wird
erhöht werden!"
20] Auch dort werdet ihr diese
nämlichen Eigenschaften wiedertreffen, - die erste zwar nicht in materieller,
doch aber in geistiger Hinsicht, d.h. als Begierde, alles wissen, alles
begreifen zu wollen. Die anderen zwei Eigenschaften werden dort im Jenseits
mächtiger als hier in euch hervortreten; denn dort ist das Bewußtsein einer
Kraft noch größer als hier. Das seht ihr gerade an Luzifer und seinen
Scharen, welche ebenfalls im Bewußtsein ihrer Kraft - das Gleichgewicht
verloren, von der Demut in Übermut übergingen und dann wie Satan selbst sogar
über Mich herrschen wollten.
21] Um dort das rechte Maß zu
wissen, wie und wann man seine Kraft gebrauchen darf, um zu begreifen,
wieviel der Kenntnis bei jeder Aufgabe notwendig sein wird, um zu wissen, daß
man jenseits, wenngleich man über Großes gesetzt wird, doch dem niedrigsten
Wesen in dessen Bereiche ein Diener sein soll, - dazu müssen diese
Leidenschaften schon hier in diesem Prüfungsleben bekämpft und bezwungen
werden, damit man auch in jenen Verhältnissen, mit größerer Macht betraut,
ihr Herr sein kann.
22] Deswegen nehmt euch Meine
Worte zu Herzen! Ihr wißt nicht die Hälfte eurer Mission, ihr kennt nicht zum
dritten Teil eure eigene Natur und wißt ganz und gar nicht, warum sie so und
nicht anders geschaffen ist. Eure Augen sind noch bedeutend mit dem Star
behaftet. Das Licht Meiner Weisheit kann noch nicht bis zu eurem Innersten
dringen, höchstens ein Funken der Liebe bewegt manchmal euer Herz und läßt
euch fühlen, daß es noch etwas Höheres, Größeres gibt. Aber kaum daß dieser
Lichtstrahl die innersten Kammern eures Herzens erleuchtet, so sind es diese
drei Leidenschaften - Egoismus, Eitelkeit und Herrschsucht -, welche jene
wieder verdunkeln. Sie raunen euch tausend Ausreden ins Ohr: "Ja, man
kann sich aber doch von der Welt nicht ganz lossagen!?", "Ja, man
kann nicht so leben!", "Ja, so ist die Welt einmal gemacht!"
usw., - lauter Ausflüchte der Trägheit, weil ihr alle zwar Hörer Meiner
Worte, aber keine Täter werden wollt!
23] Gerade jetzt, wo euch von Sonntag zu Sonntag Mein Evangelium
erklärt wird, wie ihr es nie gehört, eben jetzt möchte Ich euch zum
Nachdenken zwingen über Meine Darniederkunft, damit ihr ein wenig ihre Größe
und Wichtigkeit erkennen und einsehen möchtet, was das heißen will: Gott, der
Schöpfer der ganzen Unendlichkeit, stieg auf eure Erde herab, und zwar in die
niedrigsten Verhältnisse, ließ sich durch euch verirrte und blinde Geschöpfe
verfolgen und sogar leiblich kreuzigen! Er machte alle Phasen eures Lebens
durch, bekämpfte die menschlichen Leidenschaften, um eben euch und allen
Geistern als leuchtendes Beispiel für alle Zeiten voranzuleuchten. Er zeigte,
daß, will man geistig Ihm gleichen, man auch das Geistige als Höchstes achten
und ihm alles andere unterordnen muß, um so die mächtigsten Leidenschaften
bekämpfend, einst würdig zu werden, auch anderen Geistern als Führer und
Leiter zu dienen und in der Tat zu beweisen, daß der Mensch nicht allein von
materieller, sondern vor allem von geistiger Speise lebt. Er zeigte, daß man
Gott nicht in Seiner Gnade versuchen soll, daß man, Seine zwei Liebesgesetze
befolgend, sich und andere dorthin führt, wohin Er, der Vater aller, euch
schon längst haben wollte, das heißt: in Sein Reich als Seine würdigen
Kinder. Amen.
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00] Die Verklärung Jesu (Mt.17,01-13): Und nach sechs Tagen
nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und führte
sie beiseits auf einen hohen Berg. Und er ward verklärt vor ihnen, und sein
Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie ein
Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia, die redeten mit ihm.
Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: "Herr, hier ist gut sein;
willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und
Elia eine!" Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine
lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein
lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!" Da
das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.
Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: "Stehet auf und
fürchtet euch nicht!" Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand
denn Jesus allein. Und da sie vom Berge herabstiegen, gebot ihnen Jesus und
sprach: "Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von
den Toten auferstanden ist!" Und seine Jünger fragten ihn und sprachen:
"Was sagen denn die Schriftgelehrten, Elia müsse zuvor kommen?"
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll ja zuvor kommen und alles
zurechtbringen. Doch ich,sage euch: Es ist Elia schon gekommen, und sie haben
ihn nicht erkannt, sondern haben an ihm getan, was sie wollten. Also wird
auch des Menschen Sohn leiden müssen von ihnen." Da verstanden die
Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.
01] Hier habt Ihr wieder eine
Begebenheit aus Meinem irdischen Lebenswandel, die Tiefes und Himmlisches in
sich birgt und wie einst für Meine Mich begleitenden Jünger so auch für euch
und die ganze lebende Menschheit ein bedeutungsvolles Ereignis und in seiner
geistigen Entsprechung von großer Tragweite für die Zukunft ist, der ihr
entgegengeht. Wir wollen dieses Ereignis betrachten, wollen erklären, was es
in jener Zeit und für Meine Jünger für eine Bedeutung hatte, und wollen dann
auf seine geistige, große Entsprechung übergehen: wie, wann und wo es in
jetziger Zeit sich wiederholt, und wie es als Regenerationswerk jetzt ebenso
wirken wird, wie einst auf Meine drei Mich begleitenden Jünger und ihre
fernere Lebensweise und Handlungen.
02] Das Evangelium sagt, Ich
nahm Meine Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen Berg. Dort sahen
sie Mich verklärt, d.h. sie sahen Mich mit ihren geistigen Augen (krit.
Anmerkung d. Hrsg.) als Denjenigen, der Ich eigentlich bin, war und sein
werde. Sie sahen Mich vor sich als einen hohen Geist, dessen Kleid, die
Wahrheit, in Entsprechung weiß war, und dessen Angesicht leuchtete wie die
Sonne, d.h. von Liebe strahlte. Sie sahen daneben zwei mächtige Stützen
Meines ganzen zukünftigen Lehrgebäudes, die am meisten dazu beitrugen, Mir
Mein Werk zu erleichtern, und die Vorläufer und Wegbereiter waren, - sie
sahen Moses und Elias, mit denen Ich redete. Ferner hörten sie aus einer
Wolke eine Stimme die Worte sprechen, die einst bei Meiner Taufe am Jordan
ebenfalls ertönten: "Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen
habe; den sollt ihr hören!"
03] Dieses Gesicht, das den
drei Jüngern von Mir zugelassen wurde, hatte den Zweck, ihnen einen
Vorgeschmack ihrer eigenen Bestimmung zu geben. Petrus, den Ich den 'Felsen'
nannte, auf den Ich Meine Kirche bauen wollte, hatte eine ähnliche Aufgabe
wie einst Moses, der das jüdische Volk auf Mein Kommen vorbereitete. Er gab
ihnen Gesetze und Verhaltungsregeln, die das Judenvolk leichter als jedes
andere aufnehmen konnte, um es zu dem auserwählten Volk zu machen, in dessen
Mitte Ich Mein Darniederkommen auf eure Erde beschlossen hatte.
04] Wie Elias, nach seiner
nochmaligen Einkleidung in die menschliche Form des Johannes des Täufers im
Kleinen dasselbe vollzog, was Moses im Großen bewirken mußte, so war
Johannes, Mein Liebling, bestimmt - durch sein spezielles Wirken und dadurch,
daß gerade er länger am Leben blieb als alle seine übrigen mitjünger -, noch
in seinen letzten Jahren in seiner Offenbarung der Welt ihren geistigen Gang
bis zur Läuterung im voraus zu beschreiben und ein Zeugnis zu hinterlassen, daß
die Gesetze, die Ich in Meine Schöpfung gelegt habe - seien es moralische
oder physische -, nicht mit Füßen getreten werden dürfen.
05] Diesen Jüngern als noch
Lebenden und dem Moses und Elias als Verstorbenen wurde es als Zeugen zuteil,
Mich in Meiner ganzen Herrlichkeit zu schauen, Mich als Den zu erkennen, für
dessen großes, geistiges Reich sie alles opfern mußten, um die
Dauerhaftigkeit Meines Werkes zu begründen.
06] Sie sahen Mich in jener
Glorie, die ein menschlich Herz in irdischer Hülle nur auf wenige Augenblicke
ertragen kann, und eben diese nie geahnte Seligkeit und Wonne veranlaßte
Petrus auszurufen: "Herr, hier ist gut sein; willst Du, so wollen wir
hier drei Hütten bauen!"
07] Allein, da solche Momente
nur als Wecker, Aneiferer und Stärker dienen, wenn Gefahr droht oder
Wankelmütigkeit das Herz beschleicht, so waren sie von kurzer Dauer. Damit
sie aber in der Erinnerung von nachhaltiger Wirkung blieben, so erschollen
noch aus der weißen Wolke, als geistiger Überschattung Meiner Person, jene
geheimnisvollen, wichtigen Worte: "Dieses ist Mein lieber Sohn, an dem
Ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!" Die Stimme riet also Meinen
Jüngern, noch mehr auf Meine Rede aufmerksam zu sein, sie recht ins Herz zu
prägen, damit aus ihnen, einst des Lebens grünender Baum erwachse, der
schirmend unter seinem Schatten die ganze Menschheit versammeln soll, wo
diese Schutz um Trutz für alle Leiden und Unbilden finden wird.
08] Daß Ich den Jüngern
auftrug, von diesem Ereignis zu schweigen, bis Ich Mein Lehrgebäude mit
Meiner Auferstehung gekrönt hätte, hatte darin seinen Grund, weil die anderen
Jünger an dem Gesicht gezweifelt oder es nicht verstanden hätten. Auch Meine
Jünger, wie alle Menschen, besaßen nicht gleiche Fassungsgabe.
09] Dies war der eigentliche
Hergang jenes feierlichen Aktes, welcher sich auch jetzt wiederholen muß.
10] Was in jener Zeit Moses
war, der das jüdische Volk für Meine Lehre vorbereitete, das ist später
ebenfalls durch Petrus als Gründer der katholischen Kirche (Anmerkung)
geschehen. Was Elias als Johannes der Täufer in jener Zeit war, ist in eurer
Zeit die Schar der Männer gewesen, welche die von Petrus gegründete Kirche zu
reinigen und zu läutern hatten, damit sie den eigentlichen geistigen Wert
nicht ganz einbüße.
11] Was in jener Zeit Petrus
als künftige Stütze Meiner Lehre war, werden jetzt wieder andere Männer
werden, die Mein Reich von neuem aufrichten. Und wie das jüdische Volk zu
Meiner Zeit durch seine Pharisäer und Schriftgelehrten in die Irre geführt
wurde, so lebt jetzt ebenfalls das ganze Menschengeschlecht in Zeremonien und
Gebräuchen, lebt in Erfüllung des Buchstabens, ohne den geistigen Sinn der
Worte Meines doch so einfachen Evangeliums zu verstehen. Es muß also eben
jetzt wieder Männer geben, die Meine Lehre von neuem auf ihre erste
Grundlage, auf Meine eigenen Worte zurückführen.
12] Wenn diese berufenen Männer
auch nicht gleich siegen werden bei dem Versuch, die ganze Menschheit zu
belehren - wie es auch Meinen Jüngern nicht auf einmal gelungen ist -, so
sind sie doch bestimmt, den Samen auszustreuen. Ob dieser nun überall auf
guten Erdboden oder auf den Weg oder auf steinigen Boden und Felsen fallen
wird, das tut nichts zur Sache. Die aufkeimende Saat wird das
Verlorengegangene wohl ersetzen und den Geistesboden so vorbereiten, daß er
würdig sein wird, Mein Wiederkommen mit Freude zu erwarten.
13] Wie Ich in jener Zeit die
Jünger mit Mir auf eine Höhe nahm und ihnen einen kleinen Vorgeschmack des
Lohnes gab, welcher ihrer wartet, wenn sie bei Mir treu ausharren, so
geschieht es auch heute noch, daß Ich so manchen Mir Ergebenen, der im
einsamen Kämmerlein oder bei nächtlicher Stille sich Mir hingibt, ebenfalls
weit über die irdische Welt hinaufführte, ihm dort gleich einer großen Fernsicht
die glorreiche Zukunft zeige, welche er zu erwarten hat, wenn er Mir und
Meiner Lehre treu bleibt. Ja, Ich lasse manchen sogar die ganze Wonne Meines
mächtigen Einflusses auf sein Herz fühlen, wobei Ich ihm der höchsten
Wahrheit Schimmer im rosigen Lichte der Liebe zeige und ihm so in herrlicher
Verklärung, Mein eigenes Ich kundgebe, ausgedrückt durch eine Seligkeit,
welche nicht hier, sondern nur in höheren Sphären in geistiger Umhüllung zu
ertragen möglich sein wird.
14] Moses baute im mosaischen
Gesetz seine nie umzustoßenden Grundsätze der jüdischen Religion auf die
einzige Idee: Es gibt nur einen Gott! Und deswegen war das jüdische Volk -
und kein anderes geeignet, Mich in Zukunft zu den Seinigen zählen zu können.
Denn da in jener Zeit überall Vielgötterei herrschte, so wäre es unmöglich
gewesen, alle Götter auf einmal zu entfernen und einen einzigen dafür
aufzustellen. Aber bei den Juden bestand der eine Gott; es ging also bei
ihnen der Aufbau einer göttlichen Religion leichter von statten.
15] So war Moses der
Vorarbeiter, wie ein Arbeiter im Weinberg, der die Erde umgräbt. Nach ihm kam
der, welcher die Reben beschneidet, und das war Elias. Er beschnitt in seiner
Zeit, und später als Johannes der Täufer nochmals, die Rebenzweige, erregte durch
dieses Beschneiden die Tätigkeit, um bessere Früchte zu erzielen, damit dann
der Einsammler mit seinen Vorarbeitern zufrieden sei. So war Johannes der
Täufer der zweite Arbeiter in Meinem Weinberg, bis Ich selbst kam und die
letzte Hand anlegte, das Fehlende ergänzte und die Frucht zur Reife brachte,
d.h. aus der um den Stamm der Rebe im Verwesungszustande liegenden Ende neues
Leben hervorrief, welches den Stamm entlang sich verfeinernd, von der groben
Materie zur höheren, geistigen Frucht, der Traube ausgereift und erzogen
wurde.
16] So wie Moses zuvor, war
später Petrus der Felsen, auf den Meine Kirche gegründet wurde. (krit.
Anmerkung d. Hrsg.) Alle Umwälzungen und Stürme konnten sie nicht vernichten.
Entstellt ist sie zwar oft genug worden durch die Herrschsucht und Macht
einzelner Menschen; aber wie einst vor Meinen Aposteln Meine Verklärung
zugelassen wurde, bei der durch Meine irdische Form Meine geistige, göttliche
hindurchleuchtete, so geschieht es auch jetzt: Aus dem irdischen Prunk und den
Zeremonien des katholischen Kultus und seiner Irrlehren beginnt das geistige
Gewand hindurchzuleuchten. Die Klärung und Verklärung beginnt. Aus Nacht wird
Dämmerung, aus Dämmerung - Tag!
17] Das Licht der so lange
zurückgehaltenen Wahrheit bricht durch. In allen Gemütern lebt die Ahnung
einer höheren Extase, einer Verklärung. Alle fühlen den Geisteswind, der
durchs Weltliche hindurchströmt und die Eingeschlafenen weckt. Wie wenn ein
Lichtstrahl durch einen Fensterladen auf einen Schlafenden fällt und dieser,
durch dessen Lebenskraft geweckt, anfängt, sich im Bette herumzuwälzen, und
doch nicht weiß, wie ihm geschieht, - so bricht diese Verklärung an. Es
dämmert schon in vielen Köpfen.
18] Moses bereitete das mit ihm
lebende Judenvolk zu Meinem Empfange vor, Petrus das nach ihm kommende
Geschlecht (krit. Anmerkung d. Hrsg.) , und die in der Jetztzeit von Meiner
Lehre begeisterten Lehrer, welche noch kommen, werden die Johannesse sein,
die - wie einst Mein Jünger - auch Meine Lieblinge werden und bis in ihr
spätes Alter Zeugen Meiner Liebe, Meiner Gnade sein sollen. So vollzieht sich
stets der nämliche geistige Läuterungsprozeß, zuerst vom Festen ins
Leichtere, dann vom Leichteren ins Flüchtige und vom Flüchtigen ins Luftartige
und endlich ins Geistige!
19] Wie Ich in jener Zeit ans
Kreuz genagelt, Meine Lehre verhöhnt und Meine Jünger beschimpft und verfolgt
wurden, so wird es wieder sein. Statt Meiner Person werden die Menschen Meine
Lehre ans Kreuz schlagen und sie verhöhnen. Meine Kämpfer werden ebenfalls
mit allerlei Unbilden zu kämpfen haben; aber auch sie werden siegreich
hervorgehen und Mich dann bei Meiner nächsten Wiederkunft verklärt erblicken,
und die Stimme ihres Gewissens wird ihnen dann zurufen: "Segen euch,
weil ihr Diesem treu geblieben, Seine Worte gehört, ausgeübt und auch andern
mitgeteilt habt, so, wie Er sie von den Menschen verstanden wissen
wollte!"
20] Die Verklärung wird aber
dann nicht - wie einst bei Meinen Jüngern - ein Ende haben, sondern Meine
Vorkämpfer werden Mich ewig von Angesicht zu Angesicht sehen können, werden
mit allen früher Hinübergegangenen sich Meines und ihres Sieges freuen
können.
21] Dies ist der entsprechende
Sinn der Verklärung. Trachtet auch ihr danach, daß ihr solcher teilhaftig
werden möget, damit auch ihr zu jenen gezählt werden könnt, die, alles
Weltliche hintansetzend, nur Mich und Meine Lehre zum Hauptzweck ihres
Lebens, ihres Strebens gemacht haben! Dann werdet ihr in Momenten der
höchsten Wonne, wo eure geistige Sehe geöffnet wird, Den in Person verklärt
sehen können, der euch schon so lange mit Seinen Segensworten überhäuft und
zu Seinen Kindern machen möchte. Amen.
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00] Die Austreibung eines Teufels (Lk.11,14-28): Und er trieb
einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da
redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen
sprachen: "Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der
Teufel!" Die anderen aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von
ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: "Ein
jeglich Reich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüst, und ein Haus
fällt über das andre. Ist denn der Satanas auch mit sich selbst uneins, wie
will sein Reich bestehen, dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch
Beelzebub!? So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben
sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch
Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt ja das Reich Gottes zu euch.
Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibt das Seine mit
Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt
er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilt den Raub aus. Wer
nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der
zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so
durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet ihrer nicht; so spricht
er: ,Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin!` Und
wenn er kommt, so findet er's mit Besen gekehrt und geschmückt. Dann geht er
hin und nimmt sieben Geister zu ich, die ärger sind denn er selbst; und wenn
sie hineinkommen, wohnen sie da, und es wird hernach mit demselben Menschen
ärger denn zuvor." - Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein
Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: "Selig ist der Leib, der dich
getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast!" Er aber sprach:
"Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren!"
01] Um diese Tat zu verstehen
und zu würdigen, müßt ihr erst wissen, wie die Teufel in den Menschen hineinkommen,
und was sie in der Tat sind, damit euch das Austreiben derselben verständlich
werden kann.
02] Um euch dieses deutlich vor
Augen zu führen, muß Ich weiter ausholen und euch in frühere Zeiträume
zurückführen, in denen noch keine materielle Welt, sondern nur das
Geisterreich bestand.
03] Aus Übermut und Trotz
mißbrauchte der erste Engel, Lichtträger bis in die fernsten Räume des
Geisterhimmels, seine Macht und lehnte sich nebst seinem Anhang gegen Mich
auf. Da er, sowie seine Spießgesellen von einer Rückkehr nichts wissen
wollten, wurden sie in die Materie gebannt und mußten auf langen Wegen der
stufenartigen Läuterung den Rückgang zum einst gewesenen besseren Zustand
antreten, welcher Läuterungsprozeß auch heute noch fortdauert, bis alle
wieder das geworden sind, was sie einst waren, nämlich: Erkenner Meiner Macht
und Liebe und werktätige Förderer Meines großen Schöpfungsplanes.
04] Nun seht, in jener fernen
Zeit, in der - wie jetzt noch gültig die individuelle Freiheit des Geistes als
unantastbar festgesetzt wurde, stand es den Geistern, sowie Satan selbst
frei, von ihrer verkehrten Richtung umzukehren oder nicht. Da die Geister
aber nicht alle gleich an Erkenntnis, Güte und Einsicht waren - wie es auch
heute noch nicht zwei Geschöpfe gibt, die geistig einander gleichen -, so war
die Art und Weise jener Wesen, zu denken und zu handeln, sehr verschieden.
Dem einen genügte seine geistige Stufe, dem andern nicht. Der eine war
standhaft und widerstand den Anfechtungen Schlechterer, der andere dagegen
widerstrebte dem Einfluß Besserer. - So bestand nicht eine gleichsam
geordnete Stufenreihe, sondern, soviel es geistig denkende Wesen gab, ebenso
vielseitig waren auch die Ansichten und Vorstellungen von Mir, von der Welt
und von dem nötigen Fortschreiten.
05] Diese große
Verschiedenheit, die sowohl bei den guten Geistern wie auch bei den
schlechten besteht, welche eher den Satan als Höchsten ansehen - wie die
guten Mich -, bedingte eben das geistige Leben und Treiben, welches zum
Bestand des großen Geisterreichs notwendig ist.
06] Wenngleich die große Masse
abgefallener Geister unter ihren Hauptanführern eine andere Richtung als die
für alle bestimmte einschlug, so mußten doch auch ihre, Mir und Meinem
Prinzip des Guten entgegengesetzten Handlungen nur Meinen Zwecken dienen. Sie
müssen in den Resultaten, welche ihren Wünschen nicht entsprechen, Meine
Allmacht erkennen, der sie sich - sie mögen tun, was sie wollen - nicht
entziehen können.
07] Das gleiche Sein und
Treiben der Geister findet sich bei den von allen Welten abberufenen Seelen,
die im Jenseits leben. Auch sie haben Willensfreiheit. Sie können vor oder
rückwärtsschreiten, können tun, was sie wollen, können in einer Minute von
der Höllenqual eines peinigenden Gewissens bis zur Seligkeit eines Engels
gelangen, können das bleiben, was sie im Erdenleben waren, oder durch Umgang
mit anderen, schlechteren Seelen selbst noch böser, noch schlechter werden.
Ihr Wirkungskreis ist durch nichts beengt als durch die Existenzmittel, welche
jede geistige Stufe mit sich bringt.
08] Ursprüngliche, noch nicht
inkarnierte Geister, sowie Abgeschiedene, aus menschlichen Leibern, welche
keinen Drang zum Vorwärtsschreiten haben, suchen - da Tätigkeit ein Lebensgesetz
ist, ohne das nichts bestehen kann - sich zu beschäftigen, indem sie
versuchen, entweder Geister oder noch lebende Wesen, deren Neigung eine
Beeinflussung zuläßt, in ihren Bereich zu ziehen vnd ihnen ihre Ansichten und
Neigungen beizubringen. Daher kommt es, daß der Mensch, je mehr er seine
eigenen bösen und schlechten Leidenschaften nährt, immer leichter diesem
jenseitigen Einfluß unterworfen ist und endlich ganz diesen bösen, von
Langeweile geplagten Geistern zur Beute wird. So wie durch Schreiben, Klopfen
und sonstige Mittel die Geister auf einzelne (empfängliche) Seelen einwirken
können und indirekt wenigstens dazu beitragen, daß die Ungläubigen zu der
Erkenntnis kommen: ,Es gibt eine andere Welt!`, ebenso wirken die schlechten
Geister der Verstorbenen auf das Gemüt, ja auf die körperliche Organisation
des Menschen ein, wovon Tobsucht und andere Krankheiten die äußerlich
sichtbaren Folgen sind.
09] So könnt ihr, würdet ihr
mit geistigen Augen sehen, eine ganz neue Welt in und um euch erblicken, die
ebenso wie die äußere materielle bemüht ist, euch den Gang zu Mir soviel wie
möglich zu erschweren. Deswegen rief Ich auch einst Meinen Jüngern ,im Garten
von Gethsemane zu: "Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung
fallet!"
10] Diese geistigen Einflüsse
sind anfangs so gelinde und sanft, unter spitzfindigen Gründen der Eigenliebe
ihr verderbliches Gift verbergend, daß ein feines Gefühl und stete
Wachsamkeit dazu gehören, um nicht statt des eigenen Willens den Willen
anderer zu tun. Ist aber Standhaftigkeit da und sieht der böse oder schlechte
Geist, daß seinen Einflüssen nicht Gehör gegeben wird, so läßt er von selbst
ab, weil auch er seine Zeit nicht unnütz verlieren will.
11] Dieses unsichtbare
Beeinflussen und Verändern der Materie, dieses Entstehen und Vergehen und
In-andere-Formen-Übergehen, alles dieses würde - hättet ihr die geistige Sehe
- sich in der geistigen Welt vor euren Augen abwickeln, in einem noch
größeren Maßstab, weil ihr die Geister durchschauen und schon von vornherein
bemerken könntet, welche Idee jetzt den einen oder andern bewegt, dieses oder
jenes zu tun. Ihr würdet an diese geistige Welt einen ganz anderen Maßstab
anlegen müssen als an eure materielle Welt, da dort schon die Gedanken
gewogen werden, während in eurer sichtbaren Welt tausend Gedanken unbemerkt
an euch vorübergehen, bis vielleicht erst der letzte, durch die Tat, die Idee
eines anderen lebenden Wesens verrät.
12] Ihr würdet staunen, wie die
Hinübergehenden dort anlangen, wie sie von anderen Geistern entweder mit
Liebe oder mit Haß empfangen werden. Ihr würdet staunen, welche moralischen
Kämpfe dort eine Seele durchmachen muß, bis sie ihren Weg selbständig gehen
kann. Dort hilft kein Verbergen, kein Heucheln und Verstellen. Dort ist der
Mensch als Geist nur der Abdruck seines geistigen Ichs, erworben hier auf
dieser Welt, und zwar nicht durch Taten, sondern bereits durch Gedanken; denn
diese waren die Urheber der Taten, und diese geben auch in der geistigen Welt
den Ausschlag. Jeder durch euern Kopf oder euer Herz flüchtig laufende
Gedanke ist in eueren inneren Geistesmenschen als unabänderlicher Abdruck
eingeprägt worden und wird einst die äußere geistige Umkleidung eures
Seelenmenschen bedingen.
13] Wenn die Menschen wüßten,
was sie tun, wenn sie entweder mit Groll von dieser Erde scheiden, oder wenn
die Zurückgebliebenen den Hinübergegangenen fluchen, sie würden schaudern vor
den Folgen solcher Gedanken; denn solche Gedanken sind fähig, Qualen auf
Qualen - natürlich geistiger Natur - den Hinübergegangenen zu bereiten und in
ihnen den Wunsch entfachen, die noch Lebenden mit Rache zu empfangen. Daher
seid streng mit euren Gedanken! Ihr ruft oft mit einem Gedanken ein Heer
gleichgesinnter, schlechter Geister der andern Welt in eure Nähe, und während
ihr glaubt, ihr hinget diesen Gedanken bloß nach, sind es diese Geister, die
euch in ihr Netz zu verstricken trachten, die eure guten Eigenschaften zu
vernichten streben, um dann den Entschluß zu einer bösen Tat zur Reife zu
bringen, welche wieder unendliche Folgen für euch und andere Menschen und
Geister hat.
14] Dies ist im Evangelium
ausgedrückt, wo Ich von dem mächtigen bösen Geist, der aus dem Kranken oder
Stummen getrieben wurde, sagte, daß er öde und wüst umherging, dann aber
wieder zurückkehrte mit sieben anderen Geistern, die ärger waren als er
selbst.
15] Das ist das geistige Bild
eines Menschen, der wohl eine Leidenschaft besiegt, glaubt einen Teufel von
sich entfernt zu haben, sich aber nachlässig wieder diesen Gedanken, seinen Lieblingsideen
hingibt. Dieser Mensch nährt ein Flämmchen, und wie die Mücken, von weitem
das Licht bemerkend, alle dorthin ziehen, ebenso ist diese geistige
Gedankenrichtung ein Licht, das in der Geisterwelt gerade den im Finstern
tappenden Geistern als Leitfaden dient. Dort strömen sie hin, beginnen ihr
teuflisches Spiel mit verstärkter und vereinter Kraft, bis der geplagte
Mensch in ihr Netz fällt und hier auf Erden und dort im Jenseits auf lange
Zeit für Mein Reich verloren ist.
16] Die andere Welt, die Welt
des Unsichtbaren, ist nicht so rosig, wie eure Priester sie euch vorstellen;
sie ist aber auch nicht so höllisch, wie die Phantasie gewisser
Religionsfanatiker sie euch vormalen möchte. Das ganze Gemälde besteht darin:
Wie der Mensch geistig beschaffen ist, so sieht er auch die geistige Welt. So
seht ihr ja auch die materielle Welt, ob hüben oder drüben, das bleibt sich
gleich.
17] Ein veredeltes, reines, Mir
ergebenes Herz wird dort nichts von alledem sehen, wie es auch hier nichts
davon sah. Es wird dort verirrte Geister, wie hier verirrte Menschen,
erblicken und helfend jedem unter die Arme greifen, wie es während seiner
Lebenszeit getan hat. Frieden mitbringend, sieht die Seele dort Frieden; Haß
und Stolz mitbringend, wird sie auch dort das nämliche von anderen erfahren
und das gleiche auch an anderen ausüben.
18] Es ist nur ein Gesetz, das
in Meiner Schöpfung gilt, - es ist das Gesetz der Schwere, der
Anziehungskraft. Das Materielle wird gefestet und erhalten durch dieses
Gesetz; das Geistige ebenfalls. Je schwerer, d.h. je dichter ein Körper ist,
desto größer ist die Kraft, die seine Urelemente zusammenhält; er ist Stein
und ist auf festen Grund gebaut. Je leichter die Substanzen sind, und je
geringer ihre Bindekraft ist, desto leichter ist ihre Erhebung möglich. Je
fester die Atome zusammengefügt sind, um so weniger sind sie für Licht und
Wärme aufnahmefähig; je leichter sie sind, desto mehr sind sie empfänglich
für das von oben Kommende.
19] So ist es auch in der
Geisterwelt. Das moralische Gewicht bannt die Geister an die Materie; je
leichter es ist, desto eher können sie sich von der Materie entfernen. Im
ersteren Falle sind die Geister finster, im zweiten desto lichter. Die
finsteren Geister also sind es, die sich am Licht anderer beleben und
erwärmen wollen, da ihnen selbst die Wärme fehlt. Deswegen suchen sie
entweder, so sie schlecht bleiben wollen, die anderen mit in ihre Finsternis
hineinzuziehen, oder sich selbst dieser zu entwinden.
20] So ist das geistige Treiben
im ganzen Äther beschaffen : Ewig Kampf neben Ruhe, Verfolgung und Abstoßung
neben Einigung und liebender Zusammengesellung, da die Geister ihren
geistigen Prozeß erfüllen müssen. Auf die Zeit kommt es nicht an; denn die
Ewigkeit ist lang. Niemand wird gezwungen; was er sein will, das ist er, oder
wie Paulus sagte: "Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen!"
21] Daher gebet euch alle Mühe,
schon hier so viel Stärke zu erlangen, daß ihr dort den Versuchungen
widerstehen könnt und auch sogleich mit besseren Geistern zusammenkommt, bei
denen natürlich von Kampf und Verführung nicht die Rede ist! Enthaltet euch
der Flüche und Verwünschungen; denn die auf diese Art beleidigten, an ihrem
Fortschritte gehemmten Geister suchen sich zu rächen! Können sie es hier
nicht, so erwarten sie euch gewiß dort, um euch zu vergelten, was ihr in
blinder Eigenliebe an ihnen verschuldet habt.
22] Im Evangelium sagte Ich:
"Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich; wer nicht mit Mir sammelt,
der zerstreut!" Merkt euch das; es heißt: Es gibt nur zwei Wege: zu Mir
hin - und hinweg von Mir! Daher selig diejenigen unter euch, die Meine Worte
hören und auch befolgen werden! Vieles werden sie sich in jener Welt
ersparen, was sonst eine unausbleibliche Folge irdischen Handelns gewesen
wäre.
23] Ich könnte euch noch viel
über jene Welt sagen. Einen kleinen Blick in sie tatet ihr schon in der
Beschreibung der geistigen Sonne. Zwar ist das nur ein Schattenriß der großen
Wahrheit, aber genau durchdacht genügt er als Mahnwort, um Mich einst nicht
zu beschuldigen, als hätte Ich euch nicht einen Blick in jene Welt tun
lassen, die einst euer Aufenthalt, und zwar der bei weitem längere sein wird.
24] Die extremen Fälle, in
denen ein oder sogar mehrere böse Geister einen Menschen derart in der Gewalt
haben, daß selbst sein physischer Organismus mit in ihrer Gewalt ist, sind
selten und oft sogar aus guten Gründen zugelassen. Um solch kranke und von
bösen Geistern besessene Menschen zu heilen, gehört ein willensstarker, religiöser
Mensch, der Mich und Meine Macht kennt und auch das Vertrauen zu Mir hat, daß
Ich ihm helfe, wenn er darum bittet. Da kann dann durch Gebet und
Händeauflegen in Meinem Namen geholfen werden, so wie Ich es während Meines
irdischen Lebenswandels getan habe; nur muß stets dabei gedacht werden: wenn
es Mein heiliger Wille ist, daß es geschehe!
25] Hier habt ihr ein kleines
Bild des großen Geisterlebens, welches Ich euch bei diesem Anlaß aus dem
Evangelium geben wollte. Es ist zu wichtig, als daß ihr nur wisset, was ihr
sehet; ihr müßt auch nach und nach begreifen lernen, was außer der sichtbaren
Welt besteht, was derselben seinen Typus aufgedrückt hat und den weit
größeren und wichtigeren Teil Meines Reiches ausmacht.
26] Geist bin Ich, Geist seid
ihr, und geistig wird selbst die Materie noch werden. Also diesen großen
Kreislauf mit all seinen Stufen zu erkennen, zu überblicken und in ihm sich
seine eigene Stellung zu erringen, das ist die Aufgabe, die euch gegeben
wurde. Zu ihrer leichteren Lösung scheue Ich kein Mittel, um euch den
unabweisbaren Weg zu erleichtern und zu verkürzen, damit ihr hier schon das
Meiste und Schwerste bewältigt - und dort nur Weniges und Leichteres zu
überwinden habt. Amen.
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00] Die Speisung der Fünftausend (Joh.06,01-15): Darnach fuhr
Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel
Volk nach, darum daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus
aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern.
Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf und
sieht, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir
Brot, daß diese essen?" (Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er
wußte wohl, was er tun wollte.) Philippus antwortete ihm: "Für
zweihundert Groschen Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter
ihnen ein wenig nehme." Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der
Bruder des Simon Petrus: "Es ist ein Knabe hie, der hat fünf
Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das unter so viele?" Jesus
aber sprach: "Schaffet, daß sich das Volk lagere!" Es war aber viel
Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die
Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich
gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, wieviel sie wollten. Da
sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: "Sammelt die übrigen
Brocken, daß nichts umkomme!" Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe
mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die übrig blieben denen, die gespeist
worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie:
"Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll!" Da
Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum
Könige machten, entwich er abermals auf den Breg, er selbst allein.
01] Hier habt ihr eine jener
Taten vor euch, die bei den Juden am meisten Aufsehen erregten, und zwar in
solchem Grade, daß die Augenzeugen Mich zum Könige ausrufen wollten und Mich
deshalb zwangen, ihren Absichten auszuweichen, indem Ich Mich allein auf den
Berg in die Einsamkeit zurückzog.
02] Nun, die Handlung an und
für sich ist für Mich, als Herr und Schöpfer eine nicht so große und wichtige
gewesen, wenn Ich veranlaßte, daß sich aus den Stoffen der Luft die fünf
Gerstenbrote und die zwei Fische stets ergänzten, und zwar so, daß sie bequem
für fünftausend Mann ausreichten und vom Brote noch zwölf Körbe voll übrig
blieben. Für die Mich umlagernden Menschen aber war es wohl ein Wunder,
welches Meine göttliche Abkunft und Meine Macht schlagend bewies. Es wurde
von den Juden nicht geistig, sondern ihrem materiellen Interesse gemäß
aufgefaßt, da sie Mich nach dieser Handlung zu ihrem König ausrufen wollten.
Ich mußte Mich von ihnen zurückziehen; denn erstens war jenes nicht der Zweck
Meines Erdenwandels, und zweitens war Meine Zeit des ,Erhöhtwerdens` noch
nicht gekommen, welches Wort - sooft Ich es auch aussprach - ebenfalls nie
begriffen wurde, bis die Kreuzigung es erklärte und Meine Himmelfahrt auch
geistig die Erhöhung in Erfüllung brachte.
03] Die Handlung des Verteilens der Gerstenbrote und Fische hat
aber ihre geistige Entsprechung, die eigentlich das Wesentliche ausmacht.
Schon einmal sagte Ich euch, daß Mein ganzer irdischer Lebenswandel,
besonders Meine Lehrjahre und Meine während dieser Zeit gesprochenen Worte
und ausgeübten Taten, sich bei Meinem künftigen Wiederkommen wiederholen
werden, und zwar geistig.
04] So ist auch diese Handlung
eine derjenigen, die jetzt in ihrer Entsprechung vor sich geht. Was einst für
die fünftausend Mann gegolten hat, das gilt jetzt für die Menschen im allgemeinen.
Damals war Mein Wirkungskreis das Judenvolk, als der mit Mir lebende,
empfänglichste Teil der Menschheit, und sein Land, als die für Meine Taten
ausgewählte Welt. Jetzt, da Meine Lehre über die ganze Erde ausgebreitet und,
obgleich nur von wenigen befolgt, doch vielen bekannt ist,jetzt ist auch jede
Tat aus jenen Zeiten im größeren, im geistigen Sinn zu nehmen, wenn sie sich
wiederholt, wie Ich es angedeutet habe.
05] Nun fragt es sich: Was
haben die Gerstenbrote, was die Fische zu bedeuten? Warum waren es bloß fünf
Gerstenbrote und zwei Fische? Denn seht, bei Handlungen Gottes hat alles eine
geistige und tiefe Bedeutung, und es ist nicht wie bei euch Menschen, die ihr
oft viel redet oder sogar handelt, aber nicht im mindesten wißt, was ihr sagt,
oder was ihr tut.
06] Um nun das erste - nämlich
die Frage: Was waren die Gerstenbrote, und was waren die Fische? - zu
erklären, muß Ich euch darauf aufmerksam machen, aus welchem Teil der Erde
das eine, und woher das andere seinen Ursprung hat.
07] Die Gerstenbrote stammen
aus der Erde, aus der das Korn vom Dunklen der Erde entwachsend zur höheren
Lichtweihe der Sonne emporstrebt und so das in der Erde Aufgesogene durch
Licht und Wärme zur Frucht ausreift, welche Frucht dann, geistigere Elemente enthaltend,
durchs Brotbereiten geeignet wird, diese Erdstoffe in geistig höhere des
menschlichen Körpers umzuwandeln.
08] Die Brote sind also das
Resultat von Prozessen der Erde und des Himmels.
09] Die Fische sind Produkte
des im Wasser vorhandenen Stoffes, zu lebendigen Wesen ausgeboren.
10] Das Wasser selbst ist ein
leichtbewegliches Element, ist verdichtete Luft. Und wie die Luft
verdichteter Äther ist und der Äther die Geburtsstätte aller Elemente, so ist
die Luft die Erzeugerin der Stoffe im Wasser und das Wasser selbst wieder
Erzeuger der festen Erdteile und der darauf vorkommenden Pflanzen und Tiere.
Das Wasser war und ist die große Mutter, aus welcher euer Erdball entstand,
und noch jetzt könnt ihr, wenn ihr chemisch die Körper der lebenden Wesen, ja
selbst euren Körper untersucht, sehen, daß das Wasser der Träger, Ernährer
und Erhalter eures eigenen Leibes ist.
11] Was die Vögel in der Luft
sind, das sind die Fische im Wasser; sie sind die Vögel in der verdichteten
Luft. Wie das Gerstenkorn, aus Grobmateriellem bis zur höheren geistigen
Stufe sich herausringend, fähig wird, als Ausgleichsstoff vom menschlichen
Körper aufgenommen zu werden, so ist der Fisch ebenfalls ein Bestandteil der
im Wasser aufgelösten Stoffe, welche, in ihm zum Festen, Körperlichen
gestaltet, fähig gemacht werden können, sich mit den Bestandteilen des
menschlichen Körpers zu verbinden. Nur müssen vorher durch die Wärme der Luft
oder des Feuers seine festeren Teile von den Lichtteilen getrennt werden,
d.h. er muß getrocknet oder gekocht werden, um dem Menschen in seinem
Organismus nützlich zu sein, so wie auch das Gerstenkorn, nachdem es
zermalmt, zu Teig gemengt und durch die Wärme der wässerigen Bestandteile
wieder entledigt ist, dem Menschen zu gesunder Nahrung dienlich sein kann.
12] Hier hätten wir also die
Bestandteile des Brotes und die der Fische erörtert; es handelt sich also
jetzt noch um die Zahl. Warum waren es gerade fünf Brote und zwei Fische?
13] Seht, wenn ihr diese
gegenstände zusammenzählt, so erhaltet ihr die Zahl Sieben, eine Zahl, die in
allen Dingen mehr oder weniger vorhanden ist und stets mit der Zahl Drei
einen Faktor ausmacht, welcher zur Erschaffung, Erhaltung und Verwandlung
eines jeglichen Dinges nötig ist, wenn es auf höhere Stufen fortschreiten
soll.
14] Die Zahl Sieben ist, ebenso
wie die Zahl Drei, eine Meiner Grundzahlen, die Ich in Mir selbst, als Gott,
Schöpfer und Herr, vorstelle.
15] Seht, wenn ihr die Zahl
Sieben genau betrachtet, so werdet ihr finden, daß drei auf der einen, drei
auf der anderen Seite und die vierte Zahl in der Mitte steht. Das heißt: Die
Göttlichkeitszahl Drei ist in der Gotteszahl Sieben zweimal enthalten und
gestaltet sich so, daß eben die vierte Zahl in der Mitte, vereint mit den
beiden drei auf jeder Seite, die 'heilige` Zahl Sieben ergibt, die Mein
geistiges Ich ausdrückt.'
16] Wenn in jedem geschaffenen
Wesen die Dreizahl als Prinzip seiner Existenz nötig ist, so steht diese Zahl
in der Gottheit selbst zweimal da, und zwar noch mit dem Zusatz einer Mitte,
um die sich alles andere schart.
17] Die geschaffenen Wesen
können die Dreizahl in ihrer höchsten Vollkommenheit wohl erreichen, wie die
Engelsgeister, - aber die Gottheit hat stets dieselbe Zahl im doppelten Maß
und eine nie erreichbare Mitte, welche sie zum Herrn alles Geschaffenen
stempelt.
18] Daß ihr die Siebenzahl in
so vielen Gegenständen der Schöpfung findet, hat seinen Grund darin, daß
diese Gegenstände, in denen diese Zahl am meisten hervortritt, dem Schöpfer
alles Seienden am nächsten stehen und reine Ausflüsse von Ihm selbst sind. So
seht ihr z.B. die Siebenzahl in den Farben und in den Tönen, weil eben die
Lichtstrahlen in ihrer Brechung materiell die sieben Eigenschaften des
Schöpfers und die sieben Töne die sieben großen harmanischen Gesetze des
geistigen Lebens in sich einschließen.
19] Wollt ihr nun diese
Siebenzahl von Broten und Fischen mit Worten ausgedrückt lesen, so heißen
sie:
20] Liebet Gott über / alles
und / den Nächsten wie euch-selbst!
21] Die ersten vier Worte
bezeichnen die Gerstenbrote, die geistig den Menschen ernähren und ihn zum
höheren, geistigen Sein auszeitigen sollen, wovon wieder die ersten drei den
Grad der Liebe zu Gott ausdrücken, während die andern drei das Maß der
Nächstenliebe bezeichnen. Das Wort ,alles` und das Bindewort ,und` aber
bezeichnen den Mittelpunkt der göttlichen Liebe, d.h.: mehr als alles soll
die Liebe zu Gott sein, welche aber nur durch die Verbindung mit den
nächstfolgenden drei - den-Nächsten wie euch-selbst - in Ausführung gebracht
werden kann. Denn ihr könnt Mich als Gott nicht lieben ohne die
Nächstenliebe; ihr könnt Mich nicht über alles lieben, wenn ihr nicht euren
Nächsten wie euch selbst liebt.
22] Also die drei ersten Worte mögen
erreicht werden, sowie die drei letzten, nur das mittlere ,alles` nebst dem
Bindungswort ,und` bezeichnen die Unerreichbarkeit, obwohl ewiges
Fortschreiten möglich ist; denn - was ist ,alles`, und wo hört die
Nächstenliebe auf?
23] Das ,alles', sowie die
größte Nächsten und Vaterliebe gipfeln nur in Mir! Ich allein bin gesättigt
von dieser Liebe. Ich allein repräsentiere das ,alles` in seiner ganzen
Unendlichkeit, und in Meiner nie versiegenden Langmut und Geduld seht ihr die
Nächsten oder Bruder- und Vaterliebe in ihrer höchsten Ausbildungsstufe in
Mir vereinigt.
24] Wie Ich euch früher sagte,
daß das Gerstenkorn, aus der finsteren Erde zum Licht sich drängend, seine
Frucht zur Reife bringt, so ist es auch mit der Gottesliebe, welche den materiellen
Menschen aus seinen finsteren Leidenschaften zum höheren moralischen Licht
erheben und führen soll.
25] Und wie Ich euch sagte, daß
die Fische Produkte der verdichteten Luft sind, also eines leichteren
Elements als der Erde, so soll die Nächstenliebe, euch vom festen Materiellen
abziehend und statt der Sorge für sich selbst, geistigeren Gefühlen in euren
Herzen Platz machend, die Ähnlichkeit der Gottesliebe ausdrücken; denn nur in
der Nächstenliebe könnt ihr zeigen, wie ihr Gott liebt, und das nie zu
erreichende ,alles` erhält dort gingen annähernden Maßstab in dem Worte ,wie
euch selbst`.
26] Wie das Brot gemacht wird
aus zermalmtem Korn unter dem Einfluß von Wasser und Wärme, so soll auch die
Gottesliebe entstehen aus der Vernichtung des Materiellen, erwärmt durch
Meine Lehre. Und wie die Fische getrocknet oder gekocht werden, so soll auch
die Nächstenliebe, an der Sonne der ewigen Liebe alle ihre Nebengedanken des
Egoismus aufgebend, sich mit allem Eifer dem Wohle des Mitbruders widmen und
der Mensch kein anderes Wort als Maßstab seiner Handlungen erkennen als das
,Für dich, und nicht für mich!`
27] So ist schon seit längerer
Zeit mit diesen wenigen Worten Meiner einzigen Gesetze, die Ich den Menschen
zur Befolgung gegeben habe, der Weg angebahnt worden, ihnen zu entsprechen.
28] Stets wird der Drang, unter
welchem diese zwei Gesetze ihre Beachtung fordern, reger werden; und es muß
auch der Zeitpunkt kommen, wo, durch diese sieben Worte des Himmels
gesättigt, die ganze Menschheit Mich zu ihrem König ausrufen wird. Dann werde
Ich aber nicht - wie einst -, Mich verbergen, den Wünschen Meiner Kinder
ausweichen, sondern in aller Glorie und Macht zu allen kommen, die Mich
gesucht, erkämpft und gefunden haben.
29] Aber nicht einen König werden
sie finden, sondern einen Hirten, der seine Schafe dann in die Gefilde des
Lichts führen wird, wo jedes materielle Streben aufgehört hat und im ewigen
geistigen Fortschreiten die immer mehr zunehmende Gottes und Nächstenliebe
Wonnen an Wonnen, Seligkeiten an Seligkeiten reihen wird, um euch zu
beweisen, daß Ich das, was Ich einst mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen
getan, nun auch mit sieben Worten des größten geistigen Inhalts ebenfalls
erreicht habe, nämlich: wie einst die materielle Sättigung Meiner Zuhörer und
Nachfolger, so jetzt die Sättigung Meiner vergeistigten Kinder. So ist immer,
auch im kleinsten Wort aus Meiner irdischen Lebensbahn, ein Stein zum
einstigen großen Geistesgebäude gelegt worden, in welchem alles den Endschluß
finden wird, der in der zwischen den Dreizahlen stehenden Mitte, Meinem Ich,
mit Meiner geistigen und materiellen Schöpfung das ,alles` ausmacht, aus dem
alles hervorging, und zu dem wieder alles zurückkehren wird und muß. Amen.
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00] Versuch der Juden, Jesus zu steinigen (Joh.08,59): Da
hoben sie Steine auf, daß sie ihn würfen; Jesus aber verbarg sich und ging
zum Tempel hinaus.
01] Hier habt ihr wieder einen
Beweis, wie wenig die Mehrzahl des jüdischen Volkes Mich, Meine Mission,
Meine Herkunft und Meine Lehre verstand.
02] Wenn ihr dieses ganze
Kapitel vom Anfang bis zum Ende lest, so müßt ihr bekennen, daß Ich Ströme
des Lichts über Meine Zuhörer im Tempel ausgoß; aber es war umsonst! Die
meisten nahmen Meine Worte im buchstäblichen Sinn, die Pharisäer und
Schriftgelehrten, gekränkt durch Meine tief treffenden Worte wegen der
Ehebrecherin, schlichen sich davon, und die übrigen, an Einsicht
Beschränkten, verstanden nicht, was Ich sagte.
03] Diese Mißdeutung Meiner
Worte in jenen Zeiten besteht heute noch ebenso, und vielleicht in noch
größerem Maße. Denn während damals der Verstand eines jeden Menschen die
Bibel und auch Meine Worte buchstäblich nahm, wollen jetzt eure Gelehrten und
Naturforscher aus der sichtbaren Natur euch beweisen, daß es weder einen
Gott, noch einen Schöpfer gibt, und daß daher auch keines Seiner Worte - sei
es durch Propheten oder durch Jesus gesprochen - göttlichen Ursprungs ist.
Damals wollten Mich die Juden steinigen, weil Ich ihnen nicht nur die
Wahrheit ins Gesicht sagte, sondern weil Ich Mir anmaßte, von Meiner
göttlichen Herkunft zu sprechen, von der sie keinen Begriff hatten, ob eine
solche möglich sei.
04] Die Juden in jener Zeit
hielten zwar dem Buchstaben gemäß streng an ihren Satzungen, machten sich
aber die Lehren Mosis so bequem wie möglich. Es war daher nicht anders zu
erwarten, als daß Meine Lehre, den Geist vom toten Buchstaben trennend, ihnen
nicht behagen konnte, da sie sich bei Haltung Meiner Lehre einschränken und
ihren Leidenschaften hätten den Zaum anlegen müssen. Sie waren - was
heutzutage noch viele Tausende sind - reine Tempelläufer und
Zeremonienreiter. In dieser Hinsicht hatten auch die Priester ihr Volk
erzogen, damit es ihnen nicht aus der Hand schlüpfe, und sie es zu ihrem
Interesse ausbeuten konnten, wie sie wollten.
05] Nehmt die Geschichte zur
Hand und lest sie aufmerksam durch, so werdet ihr sehen, daß von der Zeit an,
als eine Kirche mit den dazugehörigen Priestern ins Leben trat, nach kurzer
Zeit die Lehren Meiner Apostel zu dem Zwecke ausgebeutet wurden, dem
Priesterstande Macht und Ansehen zu verschaffen, worauf ja auch zu Meiner
Zeit das Hauptaugenmerk der Templer in Jerusalem gerichtet war. Die Erziehung
der Jünglinge zu dieser Kaste wurde planmäßig ausgerichtet, damit sie ja
nichts anderes lernen und verstehen sollten, als was den Zwecken der ganzen Priesterschaft
heilbringend war. So kamen dann infolge zu großen Unfugs die Religionskriege,
die Verfolgung und die Scheidung in zwei Hauptlager, in Katholiken und
Protestanten, zum Vorschein, welche zwei Klassen, stets in
Buchstabenauslegung ihr Heil suchend, wieder in mehrere Sekten zerfielen,
deren Grundlage - Meine Lehre - im ganzen die gleiche war, um deren
Auslegungen sie sich bekämpften.
06] Jetzt, wo der
Reinigungsprozeß angefangen hat, treten die gleichen Kämpfe auf, nur auf
friedlicherem Wege. Jetzt streiten sich die Sekten und Kasten wieder.
Einzelne Männer verlangen Reinigung der großen Masse zeremonieller Gebräuche,
welche das ganze Religionsgebäude fast verdecken. Sie wollen dieselben
zurückführen auf den ersten Kultus, der einfach war, und in welchem jede
Zeremonie, wenn eine solche festgesetzt wurde, eine geistige Grundlage hatte,
die auch der Nichtpriester oder Laie verstehen konnte. Noch irren auch diese
Männer; denn sie leiden unter der Last der genossenen Erziehung, auch sie
begreifen noch nicht ganz, was Ich einst sagte: daß Mein Wort Geist und
Wahrheit ist, und wer Mich anbeten will, Mich im Geist und in der Wahrheit
anbeten muß.
07] Mehrere Meiner Apostel
rieten den Gemeinden, die sich damals gebildet hatten, von zeremoniellen
Gebräuchen ab. Denn die Zeremonie tötet den Geist und wird leicht
mißverstanden; es wird ihr mehr Wichtigkeit beigelegt, als ihr zukommt, und
sie führt im ganzen, statt zu Mir, von Mir weg.
08] Dieses Sehnen, das jetzt
viele Gemüter ergriffen hat, und das einen Religionskultus zum Ziele hat, der
mehr dem Zeitgeist und der Bildung der jetzt lebenden Christenheit
entspricht, ist aber der Übergang zum letzten, geistigen und höchsten Kultus,
welcher angebahnt wird durch Meine direkten Mitteilungen, die Ich euch schon
seit mehr als dreißig Jahren zukommen lasse.
09] Noch gibt es viele, denen
Meine Lehre nicht zu ihren weltlichen Ansichten paßt, und die sie totschlagen
möchten, wie einst die Juden Mich steinigen wollten. Auch jetzt geht Meine
Lehre mitten durch diese Hindernisse hindurch ihren eigenen Weg und wird der
Menschheit zugänglich werden, wenn der geeignete Zeitpunkt durch herbe
Schicksale, Drangsale und Leiden herbeigeführt sein wird, wenn alle
trügerischen Hoffnungen auf weltliche Macht und Größe in ihrer Nacktheit als
Irrlichter dastehen werden, die den ihnen folgenden Menschen, statt auf
trockenen Boden, in Sumpf und Morast leiteten. Dann wird erst die klare
Einsicht Meines Worts sich geltend machen und selbst diejenigen zum Glauben
zwingen, die sich früher auf ihr Verstandeswissen stützend schon wähnten, es
gäbe keinen Gott, sondern der Gottwenigstens für diese Erde - seien sie
selbst, d.h. der Verstandesmensch mit seinen ausgedachten Hirngespinsten.
Meine Lehre wird sie alle zuschanden machen, und sie werden notgedrungen
einsehen müssen, daß das, was sie andere glauben machen wollten - nämlich: es
gäbe keinen Gott -, eine verkehrte Schlußfolgerung all ihres einstudierten
Krames war.
10] So wie Ich in jener Zeit im
Tempel Meinen Mördern ausgewichen bin, weil Meine Zeit noch nicht gekommen
war, so weicht auch jetzt noch Meine Lehre, wie ihr sie empfangt, den
Kritikern aus. Und wenn auch hie und da einer oder der andere sie, wie einst
die Juden Mich, zum Tod verdammen möchte und all seinen giftigen Geifer
darüber ausschüttet, so schadet er sich nur selbst; denn die Zeit wird auch
in eines anderen belehren und ihm beweisen, daß das, was Ich will, geschehen
wird, und nicht das, was er in seiner beschränkten Einsicht haben möchte.
11] Noch manche werden Steine
auf Meine Lehre werfen, Steine harter Worte, die unter ihrer Last die sanfte
Lehre der Liebe erdrücken sollen. Doch fürchtet nicht, daß sie siegen werden!
Denn wie in jener Zeit Mein Ich auch bestimmt war, noch härtere Proben zu
bestehen, bis Meine Verklärung vollführt und das Ende Meiner Mission erreicht
war, ebenso wird auch jetzt Meine Lehre gesteinigt, verdammt, verhöhnt,
gekreuzigt und dann, scheinbar besiegt, ins Grab gelegt werden, aus dem sie
aber - wie einst Ich selbst, den Tod besiegend glorreich auferstehen wird.
12] Denn das müßt ihr bedenken:
Je mehr Meine Lehre Boden gewinnt, desto mehr werden sich Hindernisse gegen
sie auftürmen; denn sie greift viele in ihrem materiellen, und noch mehrere
in ihrem geistigen Wohlleben, in ihrer bis jetzt gewohnten Lebens und
Denkungsart an. Es muß also sein, damit sich bis zu Meiner nächsten
Darniederkunft alles wiederhole, was einst sichtbar den Kern Meiner drei
Lehrjahre ausmachte. Dort legte Ich den Samen Meiner Lehre unter Disteln und
Dornen, und wenig fruchtbares Erdreich nahm ihn auf, wie er es verdient
hätte. Er wucherte dennoch fort, wenngleich nur auf einzelnen Stellen. Auch
jetzt fällt Mein Wort, das die Menschen frei machen will, auf steinigen
Grund, von wenigen beachtet, von den meisten zertreten und von den Schaden
witternden Füchsen mit Vernichtung bedroht. Und doch wird es ausreifen, wird
zur Himmelsblume werden, die Ich einst selbst auf eure kleine Erde gebracht
habe, und die Ich euch gleich einer Rose übergab, die durch Wohlgeruch die
Sinne ergötzt, aber gar leicht des Unvorsichtigen Hand durch ihre Dornen
verletzen kann!
13] Die Rose ist die schönste
Blume auf eurer Erde, weil sie mit dem Wohlgeruch auch die schönste Farbe
vereint, von denen das eine die Liebe, das andere die Weisheit ausdrückt. Wie
nun die Rose in ihrem liebreizenden Gewand Schönheit mit Wohlgeruch
verbindet, so läßt auch Mein Wort, das Wort der Liebe, mit guten Taten
gepaart, den Liebreiz Meines göttlichen Wesens jeden Verehrer fühlen.
14] Die Dornen sind die
weltlichen Leidenschaften, die vorerst durch Kampf und Leiden beseitigt
werden müssen. Und so will die Rose eigentlich sagen: "Ich kann nicht
bestehen ohne Dornen!" Diese müssen überwunden werden. Wie nun die Rose
durch ihre Dornen Elektrizität einsaugt und sie zur Verschönerung ihres
eigenen Ichs verwendet, ebenso soll ein jeder, der Meiner Lehre folgen und
sie ausüben will, die weltlichen Unannehmlichkeiten so ausbeuten, daß
ebenfalls aus ihnen, wie aus den Dornen bei der Rose, Geistiges und Erhabenes
erwächst.
15] So pfleget auch ihr Meine
Worte! Lest sie nicht zum Zeitvertreib; denn es könnte eine Zeit kommen,
welche euch dieses Vergnügen vertreibt oder verbittert, wenn ihr nicht durch
Gedanken und Taten euer Ich veredelt habt! Handelt nach Meinen Worten, damit
ihr, gewappnet mit dem Bewußtsein guter Taten, nicht wie die Mehrzahl hungrig
am Buchstaben hängend, sondern an der Lebensquelle der ewigen Liebe Wonne und
Seligkeit trinkend, Mich, Mein Wort und Meine göttliche Liebe als euren
,Vater` auch unter Drangsalen nicht vergessend, die Fahne des Glaubens und
Vertrauens hoch erhebt und nicht - wie vielleicht viele - Steine des
Unwillens, sondern Segens und Dankeswünsche Mir entgegensendet, wenn Ich
kommen werde, die Palme des Sieges den Ausharrenden zu überreichen. Amen.
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00] Jesu Einzug in Jerusalem (Mt.21,01-09): Da sie nun nahe an
Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei
und sprach zu ihnen: "Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und
alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr;
löset sie auf, und führet sie zu mir! Und so euch jemand etwas wird sagen, so
sprechet: 'Der Herr bedarf ihrer!'; sobald wird er sie euch lassen!" Das
geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den
Propheten, der da spricht: "Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König
kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der
lastbaren Eselin!" Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus
befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider
drauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den
Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: "Hosianna
dem Sohn Davids! Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna
in der Höhe!"
01] Dieses Kapitel beginnt mit
Meinem Einzug in Jerusalem. Auf einer Eselin, dem Bild der Demut, nahm Ich
als der demütigste Mensch die Huldigungen von so manchen Gläubigen entgegen
und begab Mich dann zu den Hochmütigsten jener Zeit, zu den Hohenpriestern
und Pharisäern, in den Tempel. Dort räumte Ich wahl dem Äußern nach dieses
Bethaus vom materiellen Mist, indem Ich die Wechsler und Taubenhändler
austrieb. Was die Reinigung von dem geistigen Unrate in den Gemütern der
Machthaber in jenen Mauern betrifft, mußte Ich es der Zeit überlassen,
welcher von ihnen einst gereinigt in Mein Reich gelangen werde.
02] Was sich dort während
Meines Lebenswandels ereignete, das alles hatte seine geistige Bedeutung in
bezug auf das ganze Geister und Seelenreich. Ich, als Menschensohn auf eurer
Erde, stellte das große Prinzip Meiner Liebeslehre vor, wie es alle
Entwicklungsstufen des Lebens durchmachen mußten, damit es, als Beispiel und
erreichbares Ziel nicht nur von allen geschaffenen Wesen angestrebt, sondern
durch Mein eigenes Beispiel ausgeführt, auch als Wegweiser auf dem langen
Wege der geistigen Vervollkommnung im Strahlenglanz Meiner göttlichen
Allmacht, Liebe und Weisheit euch zur Nachahmung anregen könne und solle.
03] Was Ich im Tempel tat -
sowohl die Reinigung desselben als auch Meine Gleichnisreden an die
Schriftgelehrten und Pharisäer -, ist geistig genommen das gleiche, was in
eines jeden Menschen Herzen geschieht, sobald er sich nur im mindesten für
Meine Lehre empfänglich zeigt. Denn auch dort ziehe Ich dann ein unter dem
Bild der Demut und Sanftmut. Dort zieht Mir die frohlockende Seele ebenfalls
angeregt durch den in ihr ruhenden Geist, mit Lobgesängen der Freude
entgegen. Auch dort ist Mein erstes Augenmerk auf die Ausmerzung der
weltlichen Leidenschaften, hauptsächlich des Egoismus - der Handel ist ja das
ausgeprägteste Bild desselben -, gerichtet. Dann fange Ich an, der
Individualität der menschlichen Seele gemäß, geistige Nahrung zu verabreichen,
welche den Gleichnissen entsprechen, die Ich vor den Schriftgelehrten und
Pharisäern redete, die zwar alles nicht im geistigen Sinn begriffen, in
welchem Ich es meinte, doch aber die Wahrheit der Vergleiche nicht ableugnen
konnten.
04] Was taten die Pharisäer und
Schriftgelehrten nach Anhörung Meiner Worte? Sie trachteten Mir nach dem
Leben und verwarfen Meine Lehre. - Und was tun so viele Menschen, bei denen
Ich im Anfang mit Triumph eingezogen bin? Sie tun das gleiche. Sobald es im
Ernst auf Verleugnung und Aufopferung ankommt, kehren auch sie Mir den
Rücken, wollen lieber die Eindrücke Meines ersten Kommens vernichten, als ihr
materielles Streben nach Glücksgütern und zeitlichem Wohlleben einem
geistigen und höheren Leben unterordnen.
05] Mein Einzug in Jerusalem
und im Tempel stellt auch die Epoche der Bekehrung des einzelnen Menschen,
wie der Menschheit im ganzen dar. Hierbei wurden die Vorarbeiten zur
geistigen Wiedergeburt in äußeren Verhältnissen angebahnt; dann, stets näher
und näher rückend, ging der Angriff auf den Lebenskern, auf das Herz selbst
über, um mit einem letzten Hauptversuch den ganzen Kampf gegen alle äußeren
Widerwärtigkeiten mit dem Sieg über das Hauptbollwerk zu vollenden.
06] Auch während Meiner
Lehrzeit hielt Ich Mich größtenteils in abseitsgelegenen Städten und Dörfern
auf und suchte Mir gerade dort, unter dem mehr unverdorbenen Volk und unter
den Heiden, Gläubige zu gewinnen. Erst als das Ende Meiner irdischen Laufbahn
herannahte, begab Ich Mich, und zwar freiwillig, in jene Orte - wie eben
Jerusalem und sein Tempel einer war -, von denen Ich im voraus wußte, daß
Meine Lehre dort den größten Widerstand erfahren werde. Ich sah aber auch
voraus, daß, wenn mit dem weiteren Erfolg in Meiner Lehrzeit sich materiell
alles für Mich verschlimmern werde, dann gerade geistig der Triumph Meiner
Wahrheits- und Liebelehre am größten sei. Ich wußte wohl, daß, wenn Ich -
nicht wie früher, wo Ich Meinen größten Widersachern und Feinden aus dem Wege
ging - jetzt Mich in ihre Nähe begeben würde, Ich ihren Racheplänen nicht
entgehen werde; allein, so war es von Mir bestimmt, so mußte es kommen. Nur
so konnte Meine Lehre für die Ewigkeit Bestand und Dauer gewinnen.
07] So würde der Same, welchen
Ich in Judäa und Palästina und anderen Orten säte, nicht auf unreifen Boden
fallen; denn mit Meiner Auferstehung krönte Ich Mein ganzes Werk, und jede
spätere Verfolgung, jede größere Trübsal und jedes Leiden, welches Meinen
Gläubigen zustieß, vermehrte und bestärkte Meine Anhänger. Jedes Ereignis in
diesem Sinne legte einen Stein zum großen Gebäude Meiner geistigen Schöpfung,
das einst als geistiges Jerusalem der Mittelpunkt alles geistig himmlischen
Lebens sein wird.
08] Was Jerusalem für die Juden
war, das soll Meine Schöpfung für Meine Geister und Seelen werden; und was
der Tempel als Wohnort Jehovas im Allerheiligsten war, das soll einst jedes
lebende Herz werden, - nämlich der Tempel, in welchem Ich Meine Wohnung
aufschlagen kann, ohne Mich Meiner Behausung zu schämen.
09] Wie es mir in jener Zeit
ergangen ist, so wird es den Menschen im allgemeinen und dem Menschen im
einzelnen ergehen. Je mehr der Mensch anfangen wird, sein Inneres Mir
zuzuwenden, desto mehr der Widersprüche wird er vernehmen; denn mit dem
geistigen Fortschritte wachsen die Feinde, welche ihn bekämpfen und
verhindern wollen.
10] Ich ging in jener Zeit,
nach Meinem letzten Erscheinen im Tempel, den größten Leiden entgegen, die
ein Mensch ertragen kann. So geht auch der Mensch geistig bei seinem
Vorwärtsrücken auf geistiger Bahn stets mehr Schwierigkeiten entgegen. Die
Welt wird ihm stets fremder. Aber die Welt rächt sich dann auch ob dieser
Mißachtung. Es türmen sich Hindernisse in der sozialen und Einsprüche in der
geistigen Welt auf, die der beängstigten Seele das Wandeln auf Meinen Wegen
erschweren. Alles wird ein treues Bild Meiner eigenen Leiden und Kämpfe
werden, bis, angekommen an dem großen Wendepunkt, die Welt gänzlich verlassen
und das geistige Reich mit aller Kraft ergriffen werden soll. Dann wird die
Fahne des geistigen Tniumphes auf der einen Seite und die der weltlichen
Freuden auf der andern Seite den Menschen entweder zu Mir oder von Mir
führen. Folgt er Meinem Beispiel, so wird auch ihm die Auferstehung in seiner
geistigen Wiedergeburt zuteil werden; folgt er aber der Welt, so wird sein
Schicksal das Jerusalems sein, welches, bei den Weltfreuden beharrend, nach
kurzer Zeit ein Trümmerhaufen war, und dessen Einwohner als Sklaven anderer
Nationen in allen Weltteilen zerstreut leben mußten.
11] Der Einzug in Jerusalem ist
für die ganze Menschheit von einer weit größeren, geistigen Wichtigkeit, als
sie es ahnt. Der Einzug in Jerusalem bedeutet die Annäherung Meines Ichs an
die Menschheit und ist wie dort - die eigentliche Weihe der lebenden Menschen
und Geister. Durch den Einzug in Jerusalem und im Tempel heiligte Ich diese
Mauern, erkannte sie offen als Mein Eigentum an, gab den Beweis, daß Ich es
nicht für zu gering erachtet habe, als Herr der Schöpfung, im schlichten
Kleid und auf einer Eselin reitend, demütig und sanft um Aufnahme bei den
Menschen zu bitten.
12] Dieser Einzug besagt,
geistig genommen, folgendes: Ich will das menschliche Herz zu Meinem Wohnorte
machen. Dort will Ich verehrt und geliebt werden dadurch, daß Meine Lehre
befolgt wird. Wie der Tempel in Jerusalem zu Meiner Ehre als Gotteshaus
erbaut ward mit all dem Glanz und der Pracht, die jene Zeit aufbieten konnte,
so soll das menschliche Herz und die Menschenseele aus gestattet sein mit
allen geistigen Tugenden, die den Menschen zum Menschen, zu Meinem geistigen
Ebenbild stempeln, zu dem Ich ihn einst erschaffen und bestimmt habe.
13] Der Tempel in Jerusalem war
ein Haus von weltlicher Pracht, und in ihm sollte geistige Herrlichkeit
wohnen; so soll auch der Mensch ein Wesen werden, das auf der Grenze zweier
Welten stehend den Fuß zwar auf Materielles stützt, aber den Blick und das
Herz nach Geistigem richtet und so durch das erste zum zweiten gelangt. Diese
Reinigung vom Materiellen und das Anziehen des Geistigen ist die Mission der
Menschen auf dieser Welt, ist die Mission der Geister; sie war Meine eigene
und ist noch immer die eure.
14] Überall weht jetzt der
geistige Wind, um die Menschenherzen von weltlichen Dünsten zu reinigen; denn
der Herr und Vater ist in der Nähe. Er wartet, auf Seine Eselin, auf das
Symbol der Demut gestützt, den Augenblick ab, in dem Er triumphierend in
,eure Herzen einziehen kann, damit auch ihr Ihm 'Hosianna' entgegensingen
könnt!
15] Die große Zeit der geistigen
Wiedergeburt steht vor der Tür, Eingang fordernd in jene Räume, die schon
seit Schöpfungsanbeginn nur für den Herrn alles Seienden geschaffen und
eingerichtet waren. Machet weit auf die Tore, damit der Liebewind eure Herzen
von Wechslern und Taubenverkäufern, d.h. vom weltlichen, egoistischen Treiben
reinige! Es kommt die Zeit, in der der Herr Rechenschaft begehren wird über
das euch anvertraute Gut, über die euch allen geliehenen geistigen Gaben. Wie
der Tempel in Jerusalem ein Gotteshaus hätte sein sollen, so ist auch euer
Herz bestimmt, Mein Wohnhaus zu sein.
16] Bedenkt, die materielle
Zeit eilt, euer Leben schwindet von Minute zu Minute, und bald wird der
Todesengel den Rechenschaftsbericht von euch verlangen über das euch
anvertraute Gut! Vergrabet es nicht, sondern beutet es aus, damit das
Eintreten in ein großes geistiges Reich, in das große geistige Jerusalem
nebst seinem Tempel - als Wohnort eures Vaters - euch erlaubt sei und ihr
nicht, wie die verstockten Pharisäer, nachher als Sklaven eurer eigenen
Leidenschaften in allen den großen Räumen Meiner Schöpfung herumirren müßt. -
Wohl würdet ihr dort alles finden, was euch einst belustigte und Freude
machte, aber bei all diesem flüchtigen Genusse müßtet ihr doch den größeren,
weit wichtigeren Genuß, den Meiner Liebe, Meiner Gnade und Meines Wohnorts
missen. Denn wisset: Wenn nicht euer Herz Mein Wohnort ist und ihr nicht
überall, wohin ihr euch wenden möget, Mich stets im Herzen tragt, so bin Ich
für euch nirgends zu finden, selbst in dem großen geistigen Jerusalem nicht,
welches ja nichts anderes vorstellt als das geistige Liebesprinzip, welches
alles geschaffen hat, erhält und stufenweise vorwärts zu höheren Genüssen
führt.
17] Dies beachtet! Seht mit
geistigen Augen eure Zeit, ihre Ereignisse und Tendenzen an und ihr werdet
leicht begreifen, daß die Zeit nahe ist, in der Ich, der Herr, auf einer
Eselin reitend, Meinen Einzug in die geistige Welt, in die Seelen der
Menschen halten will! Wohl dem, der vorbereitet ist; denn ihn überrascht Meine
Ankunft nicht! Sie schreckt ihn nicht, sondern sie ist ihm das Fest des
Einzugs in Jerusalem, wie es einst von Meinen Anhängern vor mehr als tausend
Jahren gehalten wurde.
18] Bereitet euch also vor, Mir
und Meiner Liebelehre den gehörigen Empfang zu bereiten und ihr das
,Hosianna` entgegenzurufen! Amen.
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00] Die Auferstehung Jesu (Mk.16,01-08): Und da der Sabbat
vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter, und
Salome Spezerei, auf daß sie kämen und salbten ihn. Und sie kamen zum Grabe
am ersten Tage der Woche sehr früh, da die Sonne aufging. Und sie sprachen
untereinander: "Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?" Und
sie sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzt war denn er war
sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur
rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an; und sie entsetzten
sich. Er aber sprach zu ihnen: "Entsetzet euch nicht! Ihr suchet Jesus
von Nazareth den Gekreuzigten; er ist auferstanden und ist nicht hier. Siehe
da die Stätte, da sie ihn hinlegten! Gehet aber hin und sagt's seinen Jüngern
und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; da werdet ihr ihn
sehen, wie er euch gesagt hat." Und sie gingen schnell heraus und flohen
von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen ankommen. Und sagten
niemand etwas; denn sie fürchteten sich.
01] Der vorherige
Evangelientext behandelte Meinen Einzug in Jerusalem und im Tempel; der
obenerwähnte beschreibt Meine Grablegung und Auferstehung, sowie Meine
Erscheinung bei verschiedenen Meiner Jünger und der Magdalena. Zwischen dem Einzug
in Jerusalem und Meiner Grablegung liegt Meine gerichtliche Verurteilung,
liegen Meine größten, als Mensch und Gott ausgestandenen Schmerzen, Meine
größte Demütigung als Schöpfer und Herr der Welt und der Beweis Meiner
größten Liebe, der nur Ich allein fähig sein kann, indem Ich ungeschaffener,
ewiger Gott und Herr Mich dem allem unterzog, um Meinen geschaffenen Wesen
und Geistern als Beispiel voranzugehen, damit sie alle sehen können, was dazu
gehört, ein Kind Desjenigen zu sein, der Welten, Sonnensysteme und große
Geisterreiche ins Leben rufen konnte und auch wieder aus demselben vertilgen
könnte, wenn Sein mächtiger Wille nicht eben durch die allumfassende Liebe
zur Erhaltung statt zur Vernichtung des Geschaffenen angeregt würde.
02] Die letzten Tage Meines
irdischen Lebenswandels sollten allen Geistern den tatsächlichen Beweis
liefern, daß jeder, der einen Gottesfunken in sich trägt, auch, weit über
alle Begriffe geschaffener Wesen hinaus, noch größerer Aufopferungen und
Verleugnungen fähig ist, und zwar nicht seines eigenen, sondern des Heiles
anderer wegen.
03] In nichts ist das zweite
Liebesgebot so ausgeprägt, so in seiner ganzen Fülle erfüllt worden wie in
den letzten Tagen Meines Leidens von Mir selbst. Ich erniedrigte Mich als
Mensch, alle menschlichen Leiden, die dem irdisch Geschaffenen die größten
scheinen - Torturen, Tod und öffentliche Entehrung -, geduldig zu ertragen,
und zwar als Mensch für alle anderen Menschen, sie als meine Brüder
betrachtend, welche, obwohl feindlich gesinnt und Meine großen Wohltaten mit
Undank und Rache lohnend, Mich doch im letzten Atemzuge noch betend und
Verzeihung für sie erflehend am Kreuze sterben sahen.
04] Was kann die Nächstenliebe
mehr tun, als was Ich in jenen Momenten getan habe? - Weil Ich es tat, erhob
Ich dieses Gebot der Nächstenliebe, das auch als soziales für das
Zusammenleben gilt durch den Satz: "Was du nicht willst, das man dir tu,
das tue auch anderen nicht!", zu einem göttlichen, unzertrennlich
verbunden mit dem ersten, nämlich: den Schöpfer über alles zu lieben.
05] Mein Scheiden von der
kleinen Erde, welche Ich unter Millionen und Millionen von Erdkörpern und
Sonnen zum Schauplatz Meiner größten, nur Mir möglichen Tat, auserkoren
hatte, dieses Scheiden besiegelte mit dem letzten Atemzuge die Göttlichkeit
der beiden von Mir aufgestellten Liebesgebote. Ich als Mensch übte beide in
ihrer größtmöglichen Erfüllung und hinterließ so der Menschheit das Ideal
eines Erdeninenschen, wie er sein soll. Ich zeigte als Geist Meinen höheren
Wesen und Engeln, was sie zu vollbringen imstande sein und nach was sie
streben sollen, wenn der Moment der Prüfung auch an sie herantritt.
06] Auf der Erde war der
Schlußstein zur Gewißheit Meiner Göttlichkeit die Auferstehung von den Toten;
denn ohne sie wären Meine Lehre, Meine Taten, überhaupt Mein Lebenswandel
bald vergessen worden. Meine Jünger hätten sich zerstreut, wären für sich Mir
vielleicht noch angehangen, aber für ihre Mitmenschen nicht mehr
fruchtbringend gewesen.
07] Meine Jünger glaubten wohl
an Meine Göttlichkeit unter dem Einfluß Meiner Gegenwart. Meine persönliche
Erscheinung, Meine Worte und Meine Taten waren zu gewichtig, als daß sie
nicht auf Meine Umgebung gewirkt hätten; jedoch, einmal Meiner Person entledigt
und frei von diesem moralischen Druck, hätte die Welt nach und nach ihre
Rechte wieder auf sie geltend gemacht und den von Mir gemachten Eindruck
während Meines Lebenswandels stets mehr geschwächt und endlich gar verwischt.
Wenn von Meinem Lebenswandel nichts übriggeblieben wäre als die Erinnerung an
Vergangenes - obgleich Wunderbares und Unbegreifliches -, mußte, sollte all
Mein Wirken nicht umsonst gewesen sein, durch ein Entgegenhandeln allen bis
jetzt gewohnten Gesetzen, die Auferstehung vom Tode Meine Göttlichkeit
beweisen und dadurch den Glauben Meiner Jünger und Anhänger kräftigen, um sie
dadurch erst zu ihrer ferneren Mission reif zu machen.
08] So war Meine Auferstehung
der Schlußstein dieses nie zu vernichtenden Glaubens und Religionsgebäudes,
welches bis jetzt allen Stürmen widerstand, und welches bald in seiner ganzen
Reinheit und seinem Glanz auf Erden prangen und so der Vermittler zwischen
zwei wichtigen Faktoren der Schöpfung sein wird, nämlich zwischen Materie und
Geist oder zwischen dem Reich des Materiellen und dem Geisterreich.
09] Ja, so muß es geführt
werden, und so muß es kommen, damit auf eurer Erde überall anerkannt wird,
daß die Materie nur die Umkleidung des Geistigen ist, und daß die Materie
oder das Weltliche nur des Geistigen wegen geschaffen wurde.
10] Alles Materielle muß
vergeistigt werden, damit die Menschen sich Meinem Geistigen Reich nähern
können, und damit die andern geschaffenen Wesen auf dem Erdball, der
Vervollkommnung der Menschen nachstrebend, ebenfalls höher und höher steigen,
bis der Erdball selbst, seiner Dichtigkeit entbunden, zur Auflösung keinen
Gewaltschritt, sondern nur den des sanften Überganges nötig baben wird.
11] Um euch diesen
Vergeistigungsprozeß klar durchschaubar und begreiflich zu machen, was Meine
Auferstehung, sowie Meine Leidensgeschichte der letzten Tage Meines irdischen
Lebenswandels bis zu Meinem Tode bedeuten, muß Ich euch daran erinnern - was
Ich schon mehrmals wiedenholt habe -, daß alle Meine Taten und Worte, ja
selbst die Weltereignisse während Meiner Lehrjahre, sich nach und nach bis zu
Meiner künftigen, nahe bevorstehenden Wiederkunft wiederholen werden, und
zwar in geistigen Entsprechungen und nicht tatsächlich an Meiner Person wie
in jener Zeit.
12] Was Ich in jener Zeit als
Menschensohn auszustehen hatte, das galt auch für das Fortschreiten Meiner
Lehre, welche Mich jetzt auf eurer Erde geistig darstellt. Auch sie wurde
verunreinigt, verspottet und schändlicher Unfug mit ihr getrieben; endlich
hat man sie in euren Kirchen, als großen Grabgewölben, zu Grabe getragen und
auf sie einen schweren Stein, den Stein des nichtigen Kultus, gewälzt. Dort
sollte sie ewig ruhen und nur denen nützen, die weltlichen, aber nicht
geistigen Nutzen daraus ziehen wollten.
13] So war der Gang der
Weltgeschichte das genaue Abbild Meiner Lehrjahre. Allein, wie es in eurem
Leben in geistiger Hinsicht drei wichtige Abschnitte gibt, nämlich das
Kindesalter - entsprechend dem unbedingten Glauben -, das Jünglingsalter -
entsprechend dem Urteilen über das Geglaubte - und das Mannesalter -
entsprechend dem Unterscheiden von Schein und wirklichem Sein -, so folgte
auch Meine Lehre all diesen Phasen, teils während Meines eigenen Unterrichts,
teils später nach Meinem Hingang bis jetzt und weiterhin.
14] Auch Ich zwang im Anfang
die Mich umgebende Welt teilweise durch Meine Wunder zum Glauben und erzog
die Menschen dann wie die Kinder. Und wenn sie Mich dann anfingen zu
verstehen, so fanden sie bei ihrer Beurteilung die rechte Wahrheit des früher
nur Geglaubten, d.h. kamen ins Jünglingsalter. Und als ihr Glaube und Wissen
auf diese Weise gefestet war, wurden sie reif, traten mit aller Überzeugung
für Meine Lehre, für Mich ein und bestätigten mit Wort und Tat, was ihnen als
das Heiligste und Höchste erschien.
15] Die Geschichte Meiner
Religion, ihre spätere Verbreitung, lehrt euch die gleichen Übergänge, nur
mit dem Unterschied: Als Ich selbst lehrte, war kein Grund des Ausscheidens,
des Protestierens vorhanden; aber als Menschen, von menschlichen
Leidenschaften angetrieben und von weltlichen Ansichten und Interessen
geleitet, es Mir nachmachen wollten, verkehrten sie das Göttliche in
Weltliches, gaben den Menschen die Rinde statt den Kern des geistigen Lebens,
was zur Folge hatte, daß - nachdem das Menschengeschlecht herangereift war
und selbst urteilen konnte - von den meisten das Kind mit dem Bade
ausgeschüttet wurde.
16] So kamen die Extreme von
Alles-Gläubigen und Nichts-Gläubigen zum Vorschein. Jetzt, wo dieses geistige
Sich-Regen stärker wird, wo der Leichnam im Grabe, mit Stein bedeckt und
versiegelt, sich zur Auferstehung vorbereitet, jetzt wollen sie noch
anfangen, wie einst Magdalena, mit irdischen Spezereien und Wahlgerüchen den
Leichnam vor der Verwesung zu bewahren. Wie aber die Magdalena sich damals
täuschte, weil sie das Grab leer fand, so werden auch jetzt die Hüter der
geistigen Grabstätte Meiner Lehre enttäuscht sein. Sie werden das Grab leer
und nur die Leichentücher finden, in welche sie den Leichnam meiner Lehre
eingehüllt hatten; doch Der, den sie dort unter Schloß und Riegel verwahrt
glaubten, wird auferstanden sein, wird Seine Anhänger und Jünger selbst
aufsuchen und ihnen durch Seine Gegenwart wieder neuen Mut und Eifer
einflößen.
17] Je mehr diese Zeit
herannaht, desto größer ist der Eifer, den Leichnam ja wohl zu verwahren und
zu bewachen. Wie einst römische Soldaten als Nichtgläubige Mein Grab
bewachten, so möchte man auch jetzt, daß bewaffnete fremde Macht die Schänder
und Richter Meiner Liebeslehre unterstütze. Allein es ist umsonst. Schon
bricht der erste Strahl hervor und trifft den Steindeckel des Grabes. Und wie
jeder Stein beim ersten Strahl der Morgensonne zu vibrieren anfängt und
dieses Zittern und Vibrieren fortgeht, bis dadurch der Stein erwärmt wird und
dann diese Wärme seiner Unterlage mitteilt, so vibriert auch schon dieser
Sargdeckel. Sein Zittern und Bewegen wird sich vermehren, je mehr ihn die
Reaktion zur ewigen Ruhe verdammen möchte. Der Strahl der geistigen
Liebessonne wird den Stein wegwälzen, die geistig eingeschlafenen Mächte
verscheuchen und ihnen und ihren Mithelfern nur die Leichentücher
überlassend, den "Leichnam neu beleben und ihn zu seiner weiteren
Vervollkommnung auf der Bahn des Lichts weiterführen.
18] Im Grabe herrscht Finsternis.
Der Lichtgott der göttlichen Wahrheit will jedoch nur Licht; Licht aber
verbreitet Wärme und Wärme Leben.
19] So wird auch der Leichnam
meiner Lehre aus diesem Grabe, ,in das weltliche Selbstsucht und Herrschsucht
ihn gelegt hatten, auferstehen, Licht, Wärme und Leben da vermehren, wo sie
schon im Herzen glühen, und diese drei Elemente segensreich dort verbreiten,
wo sie vielleicht gänzlich gemangelt haben.
20] Das ist das geistige Bild
Meiner Auferstehung als Meine Liebelehre, welche Ich vor mehr als tausend
Jahren wirklich vollführte, und die jetzt bald auf dem ganzen Erdenrund vor
sich gehen wird. Wie Ich dort auferstand und Meine Jünger und Anhänger sich
der Auferstehung erfreuten, so wird auch diese Auferstehung von der ganzen
Menschheit und von jedem einzelnen im eigenen Herzen gefeiert werden. So
werde Ich auferstehen in den Herzen Meiner Gläubigen, wenn auch sie alle
Leichentücher, in welche sie Mich eingehüllt hatten, weit von sich geworfen
haben, alles Weltliche und Zeremonielle des Religionskultus weit hinter sich
lassen, nur dem Geistigen Meiner Lehre Glauben schenken und das Geglaubte
auch tatsächlich ausüben werden.
21] Diese Auferstehung in den
Herzen wird die Wiedergeburt, wird der letzte Schritt zum Bruch mit der Welt
und der erste Schritt oder Anfang eines geistigen Lebens werden, wo kein
materielles Band mehr mächtig sein wird, den Menschen zu verführen oder ihn
auf seinem Vergeistigungsweg aufzuhalten.
22] Daher wachet auf, Meine Kinder!
Öffnet eure geistigen Augen, Ohren und Herzen! Der Jesus, in Form Seiner
sanften Lehre von Duldung und Liebe, der dort am Kreuze nicht nur Seinen
Nächsten noch liebte, sondern selbst für Seine Feinde bat, dieser Jesus soll
in euch auferstehen! Und wie die Erde Seine Kirche, Sein Bethaus werden soll,
wo Friede, Ruhe und Seligkeit wieder einkehren sollen, so soll auch euer
Herz, paradiesisch geziert, nur Blumen der Liebe, der Gottes- und
Nächstenliebe tragen.
23] Bereitet euch vor auf
dieses Fest der Auferstehung in euren Herzen! Es ist das Fest der
Vergeistigung, der Verklärung eures eigenen Ichs.
24] Wie Ich damals verklärt mit
vergeistigtem Leib dem dunklen Grab entstieg, so sollt ihr ebenfalls
verklärt, vergeistigt, gebessert, veredelt und Meiner würdig eurem Grab
weltlicher Leidenschaften und Begierden entsteigen, Wenn euch bis jetzt Welt,
Erziehung und soziale Verhältnisse vielleicht mit Leichentüchern umhüllt, mit
Spezereien und Wohlgerüchen geziert hatten, um euren irdischen Menschen vor
Verwesung zu hüten, so werft sie weg, alle diese unnützen Mittel; denn sie
sind Werkzeuge der Materie und nicht des Geistes! Bedenkt, ihr seid nicht von
dieser Welt! Ihr wart vorher Geist und werdet wieder Geist werden. Dort ist
euer Heimatland, dort winkt euch Der, welcher, um euch das fühlen und
begreifen zu lassen, für euch den leiblichen Tod gestorben, aber auch geistig
wieder auferstanden ist, damit auch ihr Ihm nachfolgend, rein wandelnd wie Er
und am Ende mit Triumph das Weltliche von euch werfend - geistig auferstehen
und so Ihm im Kleinsten vergelten könnet, was Er im Größten an euch getan
hat, indem ihr euch durch diese geistige Wiedergeburt zu Seinen Kindern
erhöht. Bedenkt, was es heißt, ein Kind des Schöpfers und Herrn der Welt
genannt und ein Bruder jener Geister zu werden, die schon längst, früher als
ihr alle, diese Schule durchgemacht und siegreich bestanden haben und jetzt
in ewiger Wonne und Seligkeit dieses immerwährende Auferstehen und
Wiedergeborenwerden ihrer Brüder mit Freude betrachten und mit Bruderliebe
teilen!
25] So nehmt die Auferstehung
geistig, wie sie ist, und wie sie, als ewiges Denkmal und Beispiel für euch
und Mein ganzes Geister und Seelenreich vollzogen, von euch aufgefaßt werden
soll!
26] Ich in jener Zeit streifte
das Menschliche von Mir ab, nachdem Ich die menschliche Natur überwunden und
die göttliche wieder angezogen hatte. Tut auch ihr das gleiche, so wird der
Tag eurer geistigen Auferstehung oder Wiedergeburt euch der wichtigste auf
eurer Erdenbahn, der Schlußstein eurer irdischen und Grundstein eurer
geistigen Mission sein! Amen.
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00] Die Erscheinung Jesu bei den Jüngern (Joh.20,19-31): Am
Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die
Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten
ein und spricht zu ihnen: "Friede sei mit euch!" Und als er das
gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger
froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen:
"Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich
euch." Und da er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen:
"Nehmet hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen
sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie
behalten." Thomas aber, der Zwölf einer, der da heißt Zwilling, war
nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: "Wir
haben den Herrn gesehen." Er aber sprach zu ihnen: "Es sei denn,
daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die
Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht glauben!"
Und über acht Tage waren abermals seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen.
Kommt Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein und
spricht: "Friede sei mit euch!" Darnach spricht er zu Thomas:
"Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand
her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern
gläubig!" Thomas antwortete und sprach zu ihm: "Mein Herr und mein
Gott!" Spricht Jesus zu ihm: "Dieweil du mich gesehen hast, Thomas,
so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!" Auch viel
andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern. die nicht geschrieben sind in
diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei
Christus, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in
seinem Namen.
01] Dieses Kapitel bestätigt
Meine Auferstehung und zeigt euch ihre Wichtigkeit und Notwendigkeit als
Bedingung, wenn Meine mit so großen Opfern erkaufte Lehre Dauer und Erfolg
haben sollte; denn ihr seht Meine Jünger furchtsam, ohne Mut und Glauben,
sich in die Wohnungen einsperren.
02] War doch, als Ich Meinen Jüngern - wie der Magdalena am
Grabe erschien, einer Meiner Jünger so ungläubig, daß er erst durch
unmittelbare Berührung Meiner Wunden sich von Meiner Auferstehung überzeugen
wollte.
03] Dieses alles, was in jenen
Zeiten geschah, nebst den anderen Zeichen, welche Ich vor Meinen Jüngern bei
verschlossenen Türen ausübte Zeichen, welche ihr später auch erfahren werdet
-, dieses alles wird auch bei Meiner nächsten Darniederkunft sich nach und
nach vor den Augen der Menschen abwickeln.
04] Je mehr die Gläubigen
Meiner reinen Lehre, wie Ich sie euch jetzt gebe, sich vermehren werden,
desto mehr werden sie auch alle Stadien der Begeisterung, des Zweifels, des
Unglaubens und alle Erschütterungen des geistigen Lebens durchmachen müssen;
denn die Verhältnisse werden oft gegen Mich zeugen. Die Menschen werden Meine
Anhänger in ihrem Glauben irreführen, werden sie verfolgen, hassen und wo es
möglich sein wird, sich an ihnen rächen.
05] Es wird auch in der Zeit so
Ungläubige wie Thomas geben, die irregeführt, entmutigt, allen früheren
Seelenfrieden und Glauben über Bord geworfen haben, und die erst durch Mein
persönliches Erscheinen zu heilen sein werden.
06] Was in der Zeit Meines
Erdenwandels die Behausungen mit den verschlossenen Türen waren, das werden
künftig die Herzen der Menschen sein, welche verschlossen weder dem
Weltlichen, noch dem Geistigen einen Eingang erlauben wollen. Dort werde Ich
auch gezwungen sein, mit sanfter Einsprache in das Herz Meiner Anhänger den
Ruf ergehen zu lassen: "Fürchtet euch nicht!" und: "Der Friede
sei mit euch!", weil auch sie, ohne Halt und Stütze, auf dem Punkte
stehen, alles zu verlieren und in ewigen Zweifeln unterzugehen.
07] Der ganz Ungläubigen, wie
Thomas, wird es dann viele geben, die - selbst Meiner Stimme nicht mehr Gehör
gebend - nur durch tatsächliche Beweise auf den früher betretenen Weg
zurückgeführt werden können.
08] So müssen auch Meine
Gläubigen und zukünftigen Kinder die letzte Feuerprobe des wahren Vertrauens
bestehen; denn wenn sie, wie einst Meine Jünger, ausgesandt werden sollen, um
anderen Vertrauen und Glauben einzuflößen, so müssen sie diese im höchsten
Grad im voraus besitzen. Sagte Ich ja einst selbst: "An Meinen Worten
und Taten sollt ihr Mich erkennen!" Ebenso müssen auch Meine Kinder und
zukünftigen Jünger an ihren Taten und Worten zu erkennen sein, und durch sie
den anderen den tatsächlichen Beweis liefern, daß Vertrauen und fester Glaube
die erste Bedingung sind, Meiner würdig zu werden.
09] In jener Zeit sagte Ich zu
Thomas, nachdem er seine Finger in Meine Wunden gelegt hatte: "Du
glaubst nun; aber Ich sage dir: Selig sind, die nicht sehen und doch
glauben!"
10] Auch ihr, Meine Kinder,
denen Ich schon so viel geistiges Brot gegeben habe, auch ihr seid nicht um
ein Haar besser, als Meine Jünger es einst waren. Auch ihr seid verzagt,
kleinmütig, fangt an zu zweifeln, grübelt an Meinen Worten und wendet euch
der Welt mit ihren verführerischen Reizen zu, wenn nicht alles gleich so
geht, wie ihr es wünschet. Auch ihr verschließt euch, wie die Schnecke in ihr
Haus, und wollt von der Innen und Außenwelt nichts wissen, wenn dem Anschein
nach Widersprüche auftauchen, wo ihr gewisse Handlungen und Ereignisse mit
Meiner allumfassenden Liebe nicht vereinbaren könnt. Euch muß Ich dann
zurufen: "Was weint ihr? Spart eure Tränen auf andere Gelegenheiten!
Der, welchen ihr von euch geschieden, entfernt glaubt, ist euch nahe, nur
nicht körperlich, sondern geistig!" Auch der Magdalena mußte Ich
zurufen: "Weib, rühre Mich nicht an; denn es war Mein vergeistigter
Leib, welchen sie sah, der für menschlich körperliche Berührungen nicht
tauglich war. Als Ich zu Meinen Jüngern in ihre verschlossenen Wohnungen kam,
ließ Ich es zu, als fühlten sie Mich körperlich; aber im eigentlichen Sinne
war Ich es nicht mehr. Denn als Meine Mission mit dem Kreuzestod beendigt
war, hörte das Menschliche auf, Meine Umkleidung zu sein; es war schon
vergeistigt, um nach wenigen Tagen sich mit dem Quell seines Gottwesens
wieder zu verbinden.
11] Meinen Jüngern wirkte Ich,
wie dieses Evangelium sagt, noch andere Zeichen, d.h. Ich öffnete ihnen ihr
geistiges Auge und Ohr, damit sie, von Meiner Gottheit noch mehr überzeugt,
den Mut erlangen sollten, allen künftigen Gefahren zu trotzen, welche die
Umstände und ihr Lehrberuf mit sich bringen würden.
12] Solange Ich körperlich
lebend unter ihnen wandelte, hatten sie noch keine feste Überzeugung, daß Ich
ein gottähnliches Wesen wäre, und daß Ich Kräfte und Eigenschaften hätte, die
dem gewöhnlichen Menschen nicht eigen sind. Sie sahen wohl Meine Wunder,
lebten und glaubten aber auch nur unter dem drückenden Einfluß derselben.
Kaum war Ich von ihnen genommen, kaum ließ dieser direkte Einfluß nach oder
hörte ganz auf, waren schon der feste Glaube, Zuversicht und das Vertrauen
hinweggewischt! Wäre Ich nicht auferstanden, hätte Ich nicht alle Meine
früheren Versprechungen erfüllt, so wäre nicht ein Mondesumlauf verflossen,
und Meine Jünger, zu ihren alten Beschäftigungen zurückkehrend, hätten das
mit Mir Erlebte nur als einen Traum angesehen, von welchem ihnen nur eine
Erinnerung übriggeblieben wäre, von dessen Wirklichkeit sie aber niemand
hätten überzeugen können.
13] Und wie Ich damals Mein
Werk mit Meiner Auferstehung, mit Meinem vierzigtägigen Wandel unter Meinen
Jüngern bekräftigen und mit Meiner Himmelfahrt besiegeln mußte, ebenso muß
Ich auch jetzt euch, Meine Kinder, leiten, stärken und im Glauben und
Vertrauen festigen.
14] Wenn Ich in jenen Zeiten
Meinen Jüngern den heiligen Geist einblies, wenn Ich ihnen die Macht gab, die
Sünden zu lösen und zu binden - eine Gewalt, die bei der späteren
Priesterschaft so falsch verstanden und mißbraucht wurde -, so geschah es
deshalb, weil sie zur festen Überzeugung gekommen waren, daß es nur einen
Gott gibt, der, über alles Materielle erhaben, ein Geist ist und nur als
solcher erfaßt werden kann, und daß eben dieser Gott, Jesus, ihr Führer war.
So konnte auch Meine Macht auf sie übertragen werden, so mußte sie wirken, da
Meine Jünger sie zu hohen Zwecken anwendeten und nur Mein geistiges Ziel, die
Menschen zu Meinen Kindern zu machen, als Endresultat anstrebten.
15] So wie Meine Jünger Wunder
wirken und Kranke heilen konnten, bloß durch den Machtspruch des Worts,
ebenso sollt auch ihr und alle Meine künftigen Anhänger gestärkt werden, im
festen Vertrauen auf Meine Macht und Mitwirkung Taten zu verrichten, die dem
gewöhnlichen Menschen unmöglich, dem geistig Wiedergeborenen aber ein leichtes
sein werden. Die Zeiten und Verhältnisse werden euch dazu erziehen. Viele
habe Ich dazu berufen, aber das ,Auserkoren-zu-diesem-Zweck` zu erreichen,
liegt bei euch allein.
16] Verschließt euer Herz nicht
Meiner Vaterstimme! Verzagt nicht, wenn auch die letzten Hoffnungsstrahlen
schwinden! Ich bin und bleibe stets bei denen, die um jeden Preis bei Mir
bleiben wollen. Wartet nicht auf Mein persönliches Erscheinen wie Thomas,
sondern bereitet euch vor, fest zu glauben und fest zu vertrauen, damit Mein
Erscheinen nur eine Bestätigung und Bekräftigung des schon früher Geglaubten
und Gehofften ist! Ihr werdet dann tüchtig sein, Mir, euch selbst und euren
Nächsten in dem Sinne zu nützen, wie Ich selbst einst Meinen Jüngern während
Meines Wandels unter ihnen nützte.
17] Laßt euer Herz nicht von
Zweifeln bestürmen, nicht mit Grübeleien euer Vertrauen schwächen! Meine
Kinder sollen ihr Herz nicht verschlossen halten; sie sollen, erhaben über
alles Weltliche den Blick nach oben richtend, stets Meines Opfers eingedenk
sein, Meiner Liebe und Meiner väterlichen Fürsorge für sie und alle lebenden
Kreaturen, damit ihr Herz, ein steter Tempel Meiner Liebe und des
unerschütterlichen Glaubens an Meine Unfehlbarkeit, ihnen eine echte Stütze
in allen Mißhelligkeiten des Lebens und ein fester Hort gegen alle
Anfechtungen von Zweifeln und Unglauben sei. Dann werdet ihr stets den Ruf in
euch ertönen hören: "Der Friede sei mit euch!" Denn wo im Hinblick
auf Mich und Meine Liebe der Friede schon im Herzen thront, brauche Ich ihn
nicht erst zu bringen, sondern kann ihn nur bestätigen!
18] So rufe Ich euch zu: Der
Friede sei mit euch und weiche nie aus euren Herzen, damit Ich stets dort
Eingang, und zwar freien Eingang, finde und nicht bei verschlossenen Türen
durch die Gewalt Meines Willens eindringen muß, sondern ungehindert euer
Gemüt bereit finde, Mich als Den anzuerkennen, welcher auch Seinen Jüngern in
jener Zeit nichts anderes war als ihr Führer, Leiter und Vater! Amen.
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00] Jesus als guter Hirte (Joh.10,01-16): "Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall,
sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Der aber zur
Tür hineingeht, der ist ein Hirte der Schafe. Dem tut der Türhüter auf, und
die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt
sie aus. Und wenn er seine Schafe hat ausgelassen, geht er vor ihnen hin, und
die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber
folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm denn sie kennen der Fremden
Stimme nicht." Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber
nicht, was es war, das er zu ihnen sagte. Da sprach Jesus wieder zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die
vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Mörder; aber die Schafe haben ihnen
nicht gehorchet. Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird
selig werden und wird ein und ausgehen und Weide finden. Ein Dieb kommt
nicht, denn daß er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das
Leben und volle Genüge haben sollen. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte
läßt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des
die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und
flieht, und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber
flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. Ich bin der
gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein
Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die
Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle;
und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören und wird
eine Herde und ein Hirte werden."
01] Dieses Kapitel handelt von
dem wahren Führer zum Lichte der Wahrheit und von den falschen Führern, die
vorgeben, nur durch sie ginge der Weg zum Licht, während sie selbst die
ausgeprägteste Finsternis sind. Denn was dort ,Diebe und Mörder` bezeichnet,
ist in geistiger Bedeutung das Streben, der Seele des Menschen das ihr
gehörige Geistige entweder zu entwenden oder gar zu vernichten.
02] Was im Evangelium besagt
ist mit der ,Tür`, die nur Ich allein sei, bedeutet den einzigen,
rechtmäßigen Weg zur wahren Erkenntnis und will soviel heißen wie: Nur jene
Menschen, welche durch die Welt und ihr Treiben den geistigen Instinkt nicht
verloren haben, oder welche sich ihn nicht haben nehmen lassen oder, wenn er
ihnen einst genommen wurde, ihn wiederfanden, - nur jene Menschen wissen
Meine Stimme und Meine Lehre von der falschen Propheten Stimme und von der
unrechten Lehre zu unterscheiden, und nur jene werden Meinem Ruf folgen, weil
sie Meine Stimme erkennen und sie von den anderen verführerischen zu
unterscheiden wissen.
03] Gerade jetzt seid ihr in
dieser geistigen Bewegung, wo - bildlich gesagt - in Mein Wohnhaus Diebe und
Mörder zu allen Fenstern und möglichen Öffnungen einsteigen, um sich des
Schatzes zu bemächtigen, welcher in ihm verborgen ist. Gerade jetzt seht ihr
in den aufgeregten Gemütern die religiöse Bewegung, wie sie die Herzen
ergreift, erweckt, sie hin und herzieht, und wie es vor lauter Anpreisungen
schwer zu erkennen ist, wo eigentlich die wahre Tür und der wahre Hirte ist.
Denn je mehr der Instinkt die gläubigen Herzen zu Mir führt, desto mehr wehren
sich die andern, welche nur allein ihren Vorteil im Auge haben, damit nicht
Ich, sondern sie den Sieg davontragen möchten.
04] Dieses Drängen, Verleumden
und Hassen wird sich stets steigern. Je mehr Mein Einfluß wächst, desto mehr
steigert sich der Widerstand. Meine Kinder werden dadurch auf die härtesten
Proben gestellt, in denen ihr Ausharren geprüft und ihr Glaube und Vertrauen
am meisten angegriffen werden. Meine Lehre ist nur eine, und das ist die
Liebe, während die Lehren der anderen vielseitig sind und gerade statt Liebe
- Haß, statt Demut - Stolz, statt Duldung - Unduldsamkeit gepredigt wird, die
jene Führer selbst ausüben. Und so wird es sich wiederholen, was ihr im 8.
Kapitel des Gr. Ev. Johannes lesen könnt, daß die Juden Mich verfolgten, Mich
steinigen, d.h. töten wollten. Auch jetzt wird Ähnliches geschehen. Es werden
Steine auf Mich und Meine Lehre geschleudert werden, die falschen Ausleger
Meiner Lehre werden Meine Lehre dem Satan zuschreiben und die ihrige als
direkt vom Himmel herkommend ausposaunen. Es werden sich die Gemüter erhitzen
statt erwärmen. Man wird die Ideen aus den Köpfen in die Fäuste treiben, und
da, wo Friede und Liebe gepredigt werden sollte, wird der Fanatismus seine
blutige Fackel schwingen und Opfer über Opfer seiner für recht gehaltenen
Lehre bringen.
05] So muß sich Mein Wort aus
jenen Zeiten erfüllen, wo Ich sagte: "Ich bringe euch nicht den Frieden,
sondern das Schwert!" Wie in der ganzen Schöpfung durch Reibung Licht
und Wärme entstehen und durch diese beiden Faktoren das Weltall besteht und
erhalten wird, so muß auch geistige Reibung den Läuterungsprozeß vollführen,
damit Licht der Wahrheit und Wärme der Liebe sich entwickeln.
06] Gerade das Streben der ,Diebe und Mörder` wird den Sieg
Meiner Lehre und Meine Zwecke beschleunigen. Durch ihr zu leidenschaftliches
Auftreten regen sie die Gemüter zum Nachdenken, zum Vergleichen an. Und wem
gleich anfangs viele dem Ruf folgten, so werden sie auf die ihnen als falsch
hingestellte Lehre aufmerksam gemacht, werden ihr mehr Aufmerksamkeit
schenken, als sie ohne diesen Gegendruck getan hätten. Sie werden dann an
dieser verpönten Lehre das nicht finden, was ihnen vorgemalt wurde, daß es
darin enthalten sei, und das Endresultat wird sein, daß viele von ihnen den
rechten Führer und die rechte Türe finden werden, nur deswegen, weil jene
Führer und Leiter sie von dem Suchen abbringen wollten. So werden gerade die
Bemühungen Meiner Gegner Mir am besten in die Hand arbeiten und am Ende das
erreichen, was sie verhindern wollten, die Vereinigung Meiner Kinder mit Mir,
die Vereinigung Meiner Schafe mit ihrem einzigen Hirten. Sie werden sich wie
Mietlinge bei großen Gefahren zurückziehen, während Ich Meinen wahren Kindern
allen Schutz angedeihen lassen werde, an welchem Schutz auch Meine Nachfolger
den eigentlichen Herrn, den wahren Hirten und den mächtigen Beschützer der
Seinen erkennen werden.
07] So wird es kommen. Und eben
deswegen erschreckt und verzweifelt nicht, wenn gerade da, wo ihr im Glauben
und Vertrauen Mir sehr nahe zu sein glaubt, und wo ihr glaubt, es werde eure
Zahl sich mehren, eure größten Widersacher die stärksten und mächtigsten
Hindernisse auftürmen werden, um diese Gefahr für sich selbst abzuwenden!
08] Beeifert euch aber auch
nicht in dem Suchen von Gleichgesinnten oder im Bekehrenwollen! Es ist nicht
so leicht, wie ihr es oft glaubt, andere auf den Weg der reinen Liebelehre zu
führen. Meine Lehre fordert Entsagung von dem, was dem Menschen in der Welt
am angenehmsten scheint, Meine Lehre ist ja nicht von und nicht für diese,
sondern für Meine große Geisterwelt.
09] Um also alles seit langer
Zeit Angewöhnte, Geglaubte und Bequeme fahrenzulassen und den stets stärker
wachsenden Streit mit sich und der Welt zu beginnen, dazu gehört eine große
Liebe, eine große Aufopferungsfähigkeit. Schon in Meiner Lehrzeit habt ihr
ein Beispiel gesehen, als Ich einem, der Mir nachfolgen wollte, die
Aufopferung aller Güter, die er hatte, anriet, und er traurig von hinnen
ging. So wird es euch oft begegnen, sobald ihr einen vermeintlichen Anhänger
an eure als wahr und einzig geglaubte Lehre zur Tat anspornen wollt, er sich
von euch entfernen und vielleicht sogar statt Freund euer größter Gegner
werden wird.
10] Seht, das ist die Folge,
wenn Menschen noch unreif zur Auffassung Meiner Lehre sind! Daher wartet, bis
die Hungrigen selbst zu euch kommen! Denen gebt Brot, aber auch das nur nach
Maßgabe ihres Verständnisses, weil es sonst - wie jede materielle Nahrung -
nicht verdaut wird und statt zu nützen, nur schaden muß!
11] Meine Stimme zu hören und
Meiner Lehre zu folgen, ist anderen nicht so leicht beizubringen. Selbst ihr,
die ihr schon so lange von Mir geführt und genährt werdet, wie schwach, wie
kurzsichtig benehmt ihr euch manchmal, als hättet ihr nie ein Wort von Mir
direkt bekommen! Wie oft wollt ihr in eurem törichten Wahne das Weltliche mit
dem Geistigen verbinden, weil das Befolgen des letzteren allein euch zu viel
Mühe kostet oder zu viel Entsagung von euch fordert! Wenn ihr so verfahrt,
was wollt ihr von andern erwarten, die, kaum an der Tür angelangt, noch nicht
den Mut haben, vorwärts zu gehen, die Schwelle zu überschreiten und alles
zurückzulassen, was ihnen früher so wichtig schien!? Daher seid vorsichtig
bei der Wahl eurer Freunde!
12] Bekümmert euch nicht um die
Widersacher! Je mehr die Zeit fortschreitet und Meine Schafe sich mehren
werden, desto weniger kann diese Meine Lehre unbekannt bleiben, desto größer
wird aber auch der Widerstand gegen sie und ihre Anhänger werden. Der Kampf
muß entglimmen! Nur den Beharrlichen ist der Sieg beschieden, und diese
werden Meine Kinder sein, weil sie Meiner Stimme und Meiner Lehre nicht nur
glauben, sondern weil sie auch wissen, daß diese allein zum Ziel führt und
nur Ich die Tür und der einzige Weg bin, um in das unendliche Reich des
Geistes zu gelangen und dort nicht mit Leiden, sondern mit Seligkeiten für
die ausgestandenen Kämpfe belohnt zu werden.
13] So entwickelt sich der
Lebensprozeß. Es muß das Geistige von der Materie befreit, das Seelische des
Menschen vom Weltlichen getrennt werden und sowohl des Menschen eigentliche,
geistige Bestimmung erreicht, als auch Mein einstiges Erdenwandeln mit seinen
Leiden und Kämpfen seine Erfüllung finden.
14] Es soll die Welt nur einen Hirten
mit seinen Schafen beherbergen; zwei Herren kann man nicht dienen. Wer der
Materie huldigt, muß zur Materie herabsinken; wer aber dem Geistigen
zustrebt, wird das Schwere lassen. Die Materie ist zu dicht, sie läßt kein
Licht hindurch. Nur Geistiges ist fähig zur Aufnahme Meines Liebelichtes aus
den Himmeln, und nur dieses Licht entwickelt Lebenswärme, entwickelt den in
die menschliche Seele gelegten göttlichen Funken und führt ihn zu seinem
Urquell, zu Mir zurück.
15] Das sollte der Zweck Meiner
Lehre, Meiner Darniederkunft in früheren Zeiten und Meines Wiederkommens in
baldiger Zukunft sein.
16] Je näher Meine Wiederkunft
heranrückt, desto mehr werden Licht, und Finsternis sich bekämpfen. Allein,
wie an jedem Morgen die aufgehende Sonne die finstere Nacht besiegt, wird
auch Mein aufgehendes Liebelicht die Diebe und Mörder verscheuchen, welche
nicht bei Tag, sondern nur nächtlicherweise ihr Handwerk treiben. Diese
werden weichen müssen, sich bekehren oder in ewige Finsternis zurücksinken,
bis in ihrem Gemüte selbst, und zwar im freien Streben, das Dämmerlicht nach
und nach anbricht.
17] Die Welt wird sich, wie
schon früher, Meinen Plänen, Meinen Absichten widersetzen wollen; aber gerade
ihr Widerstand wird Meinen Endzweck beschleunigen, und am Ende werden doch
Meine Kinder und Ich das Feld behaupten.
18] Beharrung führt zum Ziel!
Und der Name ,Mein Kind` muß mit Entsagungen und Aufopferungen errungen
werden; denn der Preis ist des Kampfes wert. Daher seid alle bereit, nicht
von Mir zu lassen! Laßt die Welt und die Menschen gehen, bekümmert euch nicht
um die Ereignisse und die politischen Verwicklungen! Bedenkt, es sind
Millionen von Menschen, welche zu der rechten Türe des Lichts geführt werden
sollen, und um das zu erreichen, müssen auch ebensoviel verschiedene
Ereignisse und Umstände einwirken, die auf verschiedenen Graden der
Intelligenz stehenden Individuen zu einem gemeinsamen Ziel zu führen, - eine
Arbeit, von der ihr keinen Begriff haben könnt, und die nur Gott angemessen
ist, welcher auch da, wie überall, durch das Kleinste die größten Wirkungen
zu erreichen imstande ist.
19] Soviel zum besseren
Verständnisse dieses Evangeliums des Johannes, damit ihr in dieser Zeit Meine
einstige Lehrzeit erst recht begreifen lernt und erkennt, wie schon vor mehr
als tausend Jahren die ganze spätere Entwicklungsgeschichte der Menschheit in
Meinen Lebens und Wandeljahren auf eurer finsteren Erde vorausgezeichnet und
-bestimmt war.
20] Deswegen blieb auch die
Bibel erhalten, damit sie euch den größten und stärksten Beweis geben soll,
wie dort schon alles aufgezeichnet ward, was in späteren Zeiträumen sich
stufenweise entwickeln mußte, was aber nur dem Wiedergeborenen, dem mit
geistigen Augen Sehenden, deutlich wie in einem Zukunftsspiegel vorleuchtet.
21] So möget ihr getrost den
Blick zu Mir richten und eingedenk sein des Spruches: "Wer Mich nicht
verläßt, den verlasse auch Ich nicht!"
22] Bleibet bei Mir, und ihr
werdet stets mehr und mehr die Stimme des Hirten vernehmen und infolgedessen
auch stets mehr und mehr durch Wort und Beispiel beitragen können, anderen
Blinden diesen einzigen Weg des Heils zu zeigen, damit am Ende nur ein Hirt
und eine Herde sei! Amen.
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00] Vorbereitung auf Jesu Heimgang (Joh.16,16-23): "Über
ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so
werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater." Da sprachen etliche
unter seinen Jüngern untereinander: Was ist das, was er sagt zu uns: ,Über
ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so
werdet ihr mich sehen`! und: ,Ich gehe zum Vater`? Da sprachen sie: "Was
ist das, was er sagt: Über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet."
Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon
fraget ihr untereinander, daß ich gesagt habe: Über ein kleines, so werdet
ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die
Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit
soll in Freude verkehrt werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie
Traurigkeit; denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren
hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch
zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch
wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von
euch nehmen. Und an dem Tage werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich,
wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in
meinem Namen, so wird er's euch geben."
01] In diesem Kapitel, sowie in
dem vorhergehenden, habe Ich Meinen Jüngern schon den Vorgeschmack gegeben,
wie es um sie stehen wird, wenn Ich sie verlassen muß und sie nicht mehr
unter Meinem sichtbaren Einfluß und Meiner Leitung stehen werden.
02] Im 15. Kapitel Johannes
verglich Ich Mich mit dem Weinstock und Meine Jünger mit den Reben, welche
nur so lange Früchte tragen können, als sie am Stocke haften.
03] Ich zeigte ihnen in diesem
Beispiel das Schicksal derjenigen, welche von Mir abfallen werden, sagte
ihnen, daß nur diejenigen Sünder sind, welche wissen, was sie tun und glauben
sollen, und doch dagegenhandeln, während die Unwissenden nicht strafbar sind.
Ich stellte ihnen im Gleichnis vor, daß der, welcher an Mich glaubt, nicht
ein Knecht Meines Gesetzes, sondern ein freiwilliger Ausüber desselben, also
nicht willenlos Mir untertan sein, sondern wie ein Freund den Ratschlägen des
Freundes folgen soll. Ich sagte ihnen, daß sie, wenn sie Mir und Meiner Lehre
folgen wollen, mit der Welt in Konflikt geraten werden, und daß die Welt,
während Ich sie Lieben werde, sie mit Haß überhäufen wird. Ich gab ihnen aber
nebenbei die Hoffnung, daß sie, wenn Mein Geist sie überschatten wird, Ersatz
genug haben werden durch geistige Genüsse, wenn die weltlichen sich nach und
nach vor ihnen verschließen.
04] Alles dies mußte Ich Meinen
Jüngern im voraus sagen; denn sie hatten ja noch gar keinen Begriff, was und
wie ihre Mission eigentlich sein werde. Sie lebten noch zu sehr unter dem
Einfluß Meiner Persönlichkeit, hatten, obgleich sie jeden Augenblick
bekannten: "Wir wissen, daß Du von Gott gesandt bist!", doch keine
rechte Idee von Meiner Sendung, weder von der Wichtigkeit Meines Kommens,
noch eine entfernte Ahnung von der Art und Bedeutung Meines Heimganges; denn
sie waren Menschen und dachten menschlich. Deswegen war Ich auch gezwungen,
ihnen öfters von Meinem Heimgange zu sprechen, und auch eben dieses Kapitel
Meines Lieblings Johannes spricht davon, als Ich Meine Jünger wieder auf die
Ereignisse vorbereiten mußte, welche in kurzer Zeit stattfanden.
05] Ich sprach zu ihnen von
Meinem Heimgang, von Meinem Scheiden, erklärte ihnen dessen Notwendigkeit;
doch es war eben so, wie es in diesem Kapitel steht: "Ich hätte euch
noch viel zu sagen, aber ihr könntet es noch nicht ertragen oder
verstehen!" So waren Meine Worte für Meine Jünger rätselhaft, weshalb
sie auch den angeführten Spruch nicht fassen konnten, indem es hieß:
"Und über ein kleines werdet ihr Mich nicht sehen, und aber über ein
kleines werdet ihr Mich sehen; denn Ich gehe zum Vater."
06] Wie wäre es möglich
gewesen, daß Meine Jünger dem Glauben Raum gegeben hätten, Ich könnte
gefangen oder gar getötet wenden, wo sie Mich doch Gefahren aller Art so oft
ausweichen und sie vereiteln sahen!? Wie konnte es ihnen in den Sinn kommen,
daß ein von Gott Gesandter getötet werden könne!? Alles, was Ich von Meiner
Erhöhung, von Meinem Hingang, von Meiner Wiederkunft sprach, war ihnen nicht
faßbar, bis die harte Wirklichkeit sie nur zu sehr überzeugte, wie wahr Meine
Worte gewesen waren. Erst nach diesen Ereignissen verstanden sie, was ihre
Mission, was Ich und was die Welt war.
07] Was Ich in jenen Zeiten
Meinen Jüngern vielmals vom Reiche Gottes, von der Wichtigkeit Meiner Lehre
und deren Befolgung vorpredigte, was Ich ihnen durch Beispiele erklärte, wie
es demjenigen ergehe, der sich von Mir und Meiner Lehre entfernt, all dies
predige Ich schon Jahrhunderte in allen Sprachen und durch tausend
verschiedenartige Ereignisse der Welt. Allen rufe Ich zu: "Verlasset
Mich nicht; denn ohne Mich ist kein Trost und kein Heil in der Welt!"
Und wie Ich Meinen Jüngern Mein Scheiden voraussagte, ihnen jedoch die
Hoffnung nicht benahm, nach kurzer Zeit Mich wiederzusehen, ebenso rufe Ich
es euch und jedem Gläubigen zu: "Verlaß den betretenen Weg nicht! Denn
weg von Mir ist Finsternis, und selig wirst du sein, wenn du, nach kurzem
Umherirren, nach einer kleinen Pause Mich wieder zu Gesicht bekommst!"
Wehe aber denen, die ihr Gesicht gänzlich von Mir abwenden! Sie gehen den Weg
der Finsternis, der groben Materie, wo lange Läuterungsprozesse dazu gehören,
das Verlorene wiederzugewinnen und das mit Füßen Getretene auszubessern.
08] Meinen Jüngern teilte Ich
mit, daß es in dem Plan Meines Erdenwandels liege, wenn Ich sie verlasse. Ich
sagte ihnen vorher, daß Ich sie im Anfang nur auf ein kleines verlassen
werde, damit sie sich daran gewöhnen sollten, Meine Persönlichkeit auf
längere Zeit zu entbehren; aber Ich versprach ihnen als Ersatz für den herben
Verlust Meiner Sichtbarkeit den Tröster oder den Geist Gottes.
09] Wenn Ich dem Menschen in
manchen Stunden ebenfalls zurufe: "Verlaß Mich nicht!", so ist dies
auch so gemeint, wie einst bei Meinen Jüngern das Wort: "Verzaget nicht,
wenn über ein kleines ihr Mich nicht sehet!" Es will so viel sagen:
"Mein Kind, verzweiwfle nicht in Meiner Abwesenheit, wenn Momente
eintreten, in denen die Welt und deren Ereignisse auf dich einstürmen und du
Meine Hand nicht mehr fühlst und Meine Stimme nicht mehr hörst! Wenn die Welt
dich für deine Ergebung mit Hohn, Haß und Verfolgung lohnt, harre aus! Über
ein kleines wirst du Mich wieder sehen, wieder fühlen, wieder hören, wieder
sehen in der Sprache der Natur, wieder fühlen in der Lenkung der Ereignisse
und wieder hören in der sanften Stimme des wiedererlangten Friedens in deinem
Herzen!"
10] Wie Ich Meinen Jüngern
voraussagte, daß sie bittere Stunden des Schmerzes würden durchmachen müssen,
so geht es auch jedem Gläubigen, der mehr an Mir als an der Welt hängt;
jedoch Meine Wiedereinkehr in das hartgeprüfte Herz des Menschen, seine nach
langen Kämpfen erlangte feste Überzeugung, daß die Sonne, wenn auch Wolken
sie verfinstern, doch am Ende siegen und glorreich, überall Wohltaten
verbreitend, wieder hervortreten wird, - dies alles wird die bitteren, ausgestandenen
Schmerzen vergessen machen und den Glauben an Mich und das Vertrauen zu Mir
festigen.
11] Die Mission Meiner Jünger
nach Meinem Hingange war zu ernst, als daß sie nicht auch im Ertragen des
Herbsten geschult werden sollten. Sie mußten sich an Meine Abwesenheit
vorerst gewöhnen, um dann als selbsthandelnd auftreten zu können.
12] Was Meinen Jüngern als
Schule vorgezeichnet war, ist auch jetzt der Weg eines jeden, der Meinen und
Meiner Jünger Fußstapfen folgen will.
13] Den Jüngern sagte Ich:
"Die Welt wird euch hassen und verfolgen, weil ihr nicht von ihr
seid!" Und Meinen jetzigen Kindern muß Ich das gleiche zurufen; denn je
mehr sie Mich lieben, je mehr sie Mir folgen, desto mehr kommen sie in
Widerspruch mit der Welt, mit der Mehrzahl der Menschen, bis Ich durch
Ereignisse auch diese zubereiten werde, daß sie für etwas Besseres
empfänglich werden.
14] Diese Folgen sind erstens
natürlich und zweitens notwendig; denn ein Kind des Schöpfers der ganzen
sicht und unsichtbaren Natur werden zu wollen, erlangt man nicht so leicht.
Wenn ein Kind in geistiger Hinsicht fortschreitet, so muß es mit der Welt und
den gewöhnlichen Alltagsmenschen stets mehr in Zwiespalt kommen. Der Haß der
Welt wächst mit der Liebe zu Mir. Daher nicht verzagt, wenn über ein kleines
ihr Mich nicht sehet; über ein kleines werdet ihr Mich wiedersehen!
15] Ich muß euch manchmal euren
Kräften allein überlassen; :ihr müßt erproben, ob ihr auch wirklich fähig
seid, das öffentlich und ohne Scheu zu bekennen, was euch bei mancher
Vorlesung Meiner Worte so sehr begeistert. Es muß die Frage an euch
herantreten, inwieweit ihr euch vor der Welt fürchtet.
16] Glaubt ja nicht, daß ihr
einen so großen Heldenmut habt, wie euch oft scheint! Seht Meinen Apostel
Petrus an! Im Garten von Gethsemane verteidigte er Mich mit dem Schwert, und
kurze Zeit danach verleugnete er Mich. Wenn also ein Petrus fehlen kann, so
könnt ihr euch denken, wie es im Moment der Entscheidung mit eurem Mute
aussehen wind. Daher müssen öfters solche Umstände kommen, die euch stärken
und im Glauben an Mich befestigen sollen. Verleugnete Mich der, welcher Mich
persönlich kannte, was soll man von euch erwarten, die ihr Mich nie gesehen
habt, sondern Mich nur aus der sanften Stimme eures Herzens kennt?
17] Daher muß Ich euch öfters
verlassen, muß euch allein lassen, muß euch mit den Umständen und der Welt
ringen lassen, damit ihr ermessen könnt, was ihr errungen habt, und was euch
noch fehlt.
18] Gedenket stets der Worte:
"Der Wille ist stark; aber das Fleisch ist schwach!" Sie sind
gewichtig und bezeichnen ganz die menschliche Natur. In dem Moment der
Begeisterung glaubt ihr einen Elefanten auf die Schultern laden zu können,
und im Augenblick des wirklichen Ausübens ist euch eine Fliege oft schon
lästig.
19] Daher forschet auch ihr
emsig in eurem Herzen nach, wieviel der Liebe, wieviel des Vertrauens ihr
besitzet, damit, wenn ihr manchmal scheinbar Meine Abwesenheit fühlt, ihr
nicht verzagt, sondern getrost dem Wiederkommen eures Führers und Vaters
entgegenharrt!
20] Habt ihr eure eigenen
Schwächen erkannt, wißt ihr, wieviel Liebe dazu gehört, um praktisch
auszuüben, was euch im Gefühlsleben oft so leicht vorkommt, dann erst kennt
ihr ,den Weg ganz, der zu Mir führt; dann wißt ihr auch, wie einst Meine
Jünger - durch Meine Abwesenheit geschult -, wieviel dazu gehört, die Mission
als Mensch und als Mein Kind im strengsten Sinne des Wortes zu erfüllen.
21] Dies sage Ich euch allen
zur Warnung, daß ihr euch nicht in träumerischer Verwegenheit fähig glaubt,
Lasten zu tragen, denen ihr nicht gewachsen seid, und zum Trost, damit ihr in
herben Umständen und Venhältnissen, bei scheinbarer Abwesenheit eures
himmlischen Vaters, euch dessen erinnern mögt, was Er einst zu Seinen Jüngern
sagte: "Über ein kleines, so wendet ihr Mich nicht sehen; und aber über
ein kleines, so werdet ihr Mich wieder sehen!" Amen.
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00] Die geistige Heimat (Joh.16,05-06): "Nun aber gehe
ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt mich: Wo
gehst du hin?, sondern weil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz
voll Trauerns worden."
01] Seht, dies ist der Text für
diesen Sonntag, und obwohl er dem Anscheine nach leicht verständlich ist, so
liegt doch bei weitem viel Tieferes darin, als ihr ahnen möget.
02] Nach eurem Ermessen sage
Ich diese Worte deshalb zu Meinen Jüngern, weil Ich - immer von Vater und
Sohn sprechend - sie vorbereiten wollte auf die nächsten Ereignisse, die der
Abschluß Meines irdischen Lebenswandels waren. Weil Ich ihnen Mein Verhältnis
zu ihrem Jehova nicht anders begreiflich machen konnte, als unter dem Bild
von Vater und Sohn, einem Bilde, das ihrem Weltverstand näher lag und auch in
geistiger Entsprechung völlig das Verhältnis der Liebe zur Weisheit
ausdrückt, wie Ich zwar als Weisheit Mensch geworden, aber als Liebe der
ewige Erhalter und Schöpfer des ganzen Universums geblieben bin.
03] Ich sagte dort: "Ich
gehe zu Dem, der Mich gesandt hat, und niemand fragt Mich: Wo gehst Du hin?,
sondern nur Trauer befällt euch alle wegen des Gedankens, ihr könntet Mich
verlieren."
04] Diese unerwartete
Voraussage, daß eine Trennung zwischen Mir und ihnen möglich sei, dieser
Gedanke, der nicht in ihre Vorstellungen von Meiner Göttlichkeit und Meiner
Mission paßte, versetzte sie in Trauer, und sie wußten daher auf dieses Wort
weder zu antworten, noch eine Frage zu stellen. Deshalb eninnerte Ich sie mit
einer solchen, indem Ich sagte, daß niemand Mich frage: "Wo gehst du
hin?" dies war die Frage, die sie selbst nie dachten. Es war ihnen
unglaublich, daß Ich Mich jemals von ihnen entfernen würde. Und wenn sie Mich
als Gott annahmen, der herabstieg, um die Menschheit von den weltlichen
Banden zu erlösen, wußten sie natürlich nicht, wohin Ich gehen sollte; denn
obgleich sie durch den Einfluß Meiner Worte und Wunder die Überzeugung Meines
göttlichen Ursprungs hatten, verkehrten sie doch viele geistigen Begriffe in
weltliche Ideen. Daraus mußten natürlich falsche Schlüsse folgen, was sehr
oft geschah, wenn sie Meine Bilder oder Meine Worte nicht verstanden und Mich
beschuldigten, Ich rede hart oder unverständlich.
05] Ich sagte in jener Zeit:
"Ich gehe zu Dem, der Mich gesandt hat!" Und jetzt, nach so vielen
Jahrhunderten, richte Ich an euch und an die ganze Menschheit die Frage und
sage: "Wo geht denn ihr hin, und wer hat euch denn gesandt?" Denn
so wie Ich Meine Mission, Meinen Zweck oder ein ,Warum' des Daseins habe, so
haben es auch alle aus Mir geschaffenen Wesen, ja selbst die dichteste, rohe
Materie, da auch sie als sichtbarer Ausdruck gebundener, gefesteter Geister
eben ihren Zweck, ihre Mission haben muß.
06] Ich frage also jetzt, da
die Prüfungszeit ihrem Ende naht, die Menschen durch politische, religiöse
und Elementarereignisse: "Wo geht ihr hin?", damit sie sich
besinnen sollen, wer sie eigentlich sind, und warum sie eigentlich auf diese
Erde gesandt oder gestellt wurden.
07] Der geistige Wind, der
Meinem baldigen Kommen vorausgeht, um, wie im materiellen Leben, die Luft von
schlechten Dünsten zu reinigen, regt wie die Frühlingslüfte alles zur
Tätigkeit an. Überall ertönen die Fragen: "Warum bin ich eigentlich da?"
und "Was bin ich eigentlich?" und "Was ist mein Endziel, oder
wo gehe ich hin?"
08] Der denkende Mensch,
welcher einmal von diesen Gedanken überrascht wurde, sieht sich natürlich
zwischen zwei Welten gestellt, zwischen eine sicht und eine unsichtbare. Es
genügen ihm die wenigen Anhaltspunkte, welche die Vergänglichkeit alles
Geschaffenen bietet, nicht mehr, um ihm Trost und Ruhe zu bringen. Alles, was
vor seinen Augen entsteht, sieht er wieder vergehen, sich verändern, sich
verwandeln. Und eben diese Beispiele regen auch ihn an, an die vor ihm
entstehenden und vergehenden Gegenstände, so wie an sich selbst, die Fragen
zu richten: "Wo kommt ihr her, ihr Geschöpfe voller Wunder und Geheimnisse,
und wo gehet ihr hin?"
09] So begrüßt er das
Ankommende, und so fragt er das Scheidende; und eben diese Fragen ist er auch
gezwungen an sich selbst zu richten, indem er selbst, wenn er nur ein bißchen
nachdenkt, noch ein größeres, unauflösbareres Rätsel ist als alle anderen,
vor ihm sichtbaren Dinge. Diese Fragen, die immer wieder auftauchen, sind es,
welche die Menschen, oder wenigstens viele von ihnen, zur besseren
Beurteilung des Bestehenden und des Angelernten zwingen. Und wo nicht
genügend Wahres und Klares das Endresultat solcher Forschung ist, dort steigt
natürlich das Heer der Zweifel auf, welche mit all dem Gefundenen nicht
zufrieden, mehr Gewißheit, mehr Klarheit haben wollen.
10] Dieses Drängen war stets
der Anfang von geistigen und weltlichen Umwälzungen. Es war der
unvermeidliche geistige Wind, welcher die menschliche Natur stets wieder
aufweckte, sooft sie sich gerade in einen bequemen Schlaf weltlicher Freuden
und Genüsse versenken wollte.
11] Da nun zwei Dinge diesen
Wind wieder erregten - erstens Mein baldiges Kommen als Ende und Krone Meiner
einstigen, auf eurer Erde vollführten Mission. Zweitens die Neigung der
ganzen Menschheit von oben bis unten, sich dem weltlichen Genusse hinzugeben
und das Geistige zu verleugnen -, so ertönt wieder in allen Gemütern, den
meisten unbewußt der Ruf: "Wo gehen wir hin?" und "Wozu sind
wir da?" Die ungenügende Antwort, die die jetzige Geistesrichtung auf
diese Fragen gibt, veranlaßt den Umsturz alles Bestehenden, das Sehnen nach
Neuem, aber nicht Trügerischem sondern Wahrem.
12] Die Menschen empfinden, das
unsichtbare Reich ist nicht abzuleugnen. Es ist umsonst, wenn manche Gelehrte
sich die Mühe geben, zu beweisen, daß nur Materie bestehe und Geistiges
nicht. Die Menschen fühlen die Leere in ihrem Herzen nicht ausgefüllt, soviel
grobes Material durch den Verstand auch in jenes geworfen wird. Wie bei einem
Faß ohne Boden verschwindet es, wie es gekommen ist, und die alte Frage steht
wieder neu vor ihrem Geiste.
13] So wird die Menschheit
gedrängt, endlich einmal alle Fesseln abzustreifen, sich von dem Gängelbande
zu befreien, welches viele nur zu ihrem eigenen Vorteile benützen wollen.
14] Dieses Verhältnis, dieser
Streit mußte Meinem Kommen vorangehen, damit Ich am Ende nur mit denen zu tun
hatte, die das Geistige dem Materiellen vorzogen und auch wußten, woher sie
kamen, warum sie da sind, und wohin sie zu gehen bestimmt sind.
15] Es werden das diejenigen
sein, welche, alle Stürme überlebend, mitten im Schmutz des weltlichen
Egoismus und Leichtsinns sich rein gehalten haben; denn nur für Liebe werde
Ich der Hirte und nur sie werden Meine Schafe sein.
16] Auch an euch, Meine Kinder,
die Ich unter so vielen auserkoren habe, damit ihr, geleitet durch Mein
direktes Wort, den andern als Beispiel vorangehen sollt, auch an euch tritt
diese Frage ernster Art heran. Auch an euch stellt; die Lebenszeit, welche
euch noch auf Erden zu ermessen ist die Frage: "Wo gehst du hin?"
Sie will damit sagen: Bedenket die Verantwortung, die ihr auf euch genommen
habt, das Wort eures Gottes, eures Vaters hören zu wollen! Mit diesem Hören
habt ihr euch der Verpflichtung unterzogen, dieses Wort auch auszuüben; denn
ohne Ausübung ist das Hören zu nichts nütze.
17] Ihr, die ihr Mein Wort
hört, erfahrt und nun auch wißt, wie man demselben nachkommen soll, ihr seid
doppelt strafbar, wenn ihr die Ausübung unterlaßt.
18] Meiner Jünger Herz erfüllte
sich mit Trauer, als Ich sprach von Meinem Hingange zu Dem, der Mich gesandt
hatte. Welches Gefühl wird denn euch überkommen, wenn auch ihr hingehen müßt
zu Dem, der euch gesandt hat? Trachtet darnach, daß ihr mit dem anvertrauten
Kapital, wohl benutzt und verzinst, in Mein Reich zurückkehrt und nicht, wie
der faule Knecht, euer Kapitel vergrabet; denn sonst kommt ihr unreif in
einer Welt an, in der es euch selbst zur Last würde, als Unreife zwischen
Gereiften, als Unglückliche zwischen Glücklichen leben zu müssen!
19] Wenn ihr hingehen müßt zu
Dem, der euch gesandt hat, so trachtet doch wenigstens danach, mit dem
Bewußtsein in jenes Geisterreich zu treten, alles getan zu haben, was gemäß
allen an euch ergangenen Worten von euch zu erwarten war! Trachtet danach,
Meine Worte und Meine Lehre so für euch und für andere zu nutzen, daß viele
guten Taten und nur wenige Fehler eure Lebensbilanz ausmachen, damit ihr dann
ruhig, fortschreiten und den Mitbruder, der euch fragt: "Wo gehst du
hin?", getrost nach dem Morgen des ewigen Liebelichts hinweisen könnt,
indem ihr saget: "Ich gehe dorthin, von wannen ich gekommen bin, und wo
ewiges geistiges Fortschreiten und stetes Annähern an meinen Schöpfer und
Vater möglich ist!"
20] Auch Ich sagte: "Ich
gehe zu Meinem Vater, der Mich gesandt hat!" Ich ging aber auch mit dem
vollen Bewußtsein, Meine Mission im strengsten Sinne erfüllt zu haben, obwohl
als Mensch das Herbste Mich noch erwartet. So sollt auch ihr einst sagen und
euch schon jetzt des Triumphes freuen können, wenn nach ausgestandanen
Kämpfen und besiegten Versuchungen ihr getrost die Hand nach der Siegespalme
ausstrecken dürft.
21] Wer von Meinem Worte nur
dunkle Begriffe hat oder gar nichts weiß, den kann Ich für seine Handlungen
nicht so verantwortlich machen wie diejenigen, welche Meine Lehre kennen,
welche begreifen, wie und wann sie nach derselben handeln müssen. Diese, wenn
sie vorsätzlich dagegen sündigen, sind strafbar und werden - nicht von Mir,
sondern von ihrem eigenen Gewissen - des Wankelmutes, der Kleinmütigkeit
angeklagt werden, weil es ihnen so sehr an Kraft mangelt, und weil sie,
mitten unter dem Einflusse geistiger Hilfe von oben, sich so ins Netz der
weltlichen Genüsse verstricken ließen, daß sie darüber ihre geistige Würde
eingebüßt haben.
22] Bedenket also alle Meine
Worte! So angenehm das Anhören derselben auch sein mag, so nehmt sie doch recht
ernst, da nur die Befolgung Meiner zwei einzigen Liebesgebote, im strengsten
Sinne, euch zu Meinen, zu Kindern des Schöpfers der ganzen Unendlichkeit
stempeln kann!
23] Den Preis, welchen Ich euch
aussetzte, könnt ihr noch nicht im ganzen Sinn und in seiner ganzen Tiefe
begreifen, weil ihr Mein Geisterreich nicht kennt; aber würdet ihr sehen, wie
Engel und große Geister euch um diesen Vorzug beneiden, ihr würdet gewiß
stolz darauf sein, von Dem ausgegangen zu sein und wieder zu Dem zurückkehren
zu können, der die Liebe selbst ist, eine Liebe, die ein menschlich Herz aber
nicht fassen kann.
24] Welch unfaßbare Liebe liegt
darin, daß die höchste göttliche Liebe euch zu ihren Kindern machen will, daß
diese Liebe den niedrigsten Stand auf eurer Erde vorgezogen hat, um eben das
zu beweisen, was sie als Jesus einst sagte, - daß sie als Weisheit, nach
vollendeter Mission, sich wieder vereinen will mit der Liebe, von welcher sie
ausgegangen ist, und zu welcher auch ihr kommen könnt, wenn ihr euch
derselben würdig zu machen wisset!
25] Ich ging einst zu Meinem
Vater, der Mich gesandt hat; trachtet auch ihr, dahin zu gelangen, um aus
Seinen Händen die Siegeskrone für eure Kämpfe und Leiden zu erhalten - wie
Ich einst als Gottmensch und Jesus vor mehr als tausend Jahren! Amen.
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00] Richtig beten: (Joh.16,23): "Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's
euch geben!"
01] Dieser Vers, der im
katholischen Kirchenjahr für diesen Sonntag bestimmt ist, sagt euch, wie Ich
Meinen Jüngern als Trost für den Verlust Meiner Person die Hoffnung gab, daß
sie, wenn es nötig sein werde, von Meinem Vater im Himmel alles erhalten
würden, um was sie bitten. Ich stelle ihnen diese Freude in Aussicht, weil
sie dadurch in geistiger Gemeinschaft mit Mir verbleiben konnten, indem Ich,
wenn ihnen auch nicht mehr sichtbar, doch ihre Bitten vernehmen und auch
erfüllen helfen würde.
02] Der Satz, so wie er in der
Bibel aufgezeichnet ist, hat nicht viel Schwieriges, um verstanden zu werden.
Und doch liegt etwas bei weitem Tieferes darin, sobald ihr ihn nur ernstlich
betrachten wollt!
03] Um euch näher in seine
geistige Entsprechung und Deutung einzuführen, müssen wir vorerst die Frage:
"Was ist denn eigentlich eine Bitte?" beantworten.
04] Sehet, es wird von euch -
wie Ich schon öfters gesagt habe - so manches Wort ausgesprochen, ohne daß
ihr nur im mindesten eine Ahnung davon habt, was es eigentlich bedeutet! Dies
ist ein Zeichen, wie wenig ihr die Tiefe, Kraft und Gewalt des Wortes, als
Ausdruck eines Gedankens kennt. Deswegen bin Ich öfters gezwungen, euch
vorher auf die einzelnen Worte, aus denen ein aus der Bibel angeführter Satz
besteht, aufmerksam zu machen, um euch so nach und nach in ihr Verständnis
einzuführen. Solange ihr die Zerlegung der Worte und ihre entsprechende
Deutung nicht kennt und zu finden vermögt, solange ist von einem eigentlichen
Verstehen der Bibelstellen, auch der einfachsten, keine Rede. Die Bibel mit
all dem in ihr niedergelegten Weisheitsschatz bleibt dann für euch
unverständlich; höchstens gewährt sie, wenn man sich mit dem oberflächlichen
Buchstabensinne begnügt, dem einen oder andern in schweren Momenten des
irdischen Lebens einigen Trost und Frieden.
05] Um auf unseren Satz des
Evangeliums Johannes zurückzukommen, wollen wir vorerst die Frage
beantworten, was eine Bitte ist, und auf die geistige Bedeutung übergehen,
wie eine Bitte zu nehmen ist, wenn sie an Mich als allwissenden Herrn und
Schöpfer gerichtet wird.
06] Nun seht, eine Bitte ist
ein Flehen um Hilfe bei einem Mächtigeren oder Stärkeren, wenn die eigenen
Kräfte nicht ausreichen. Es ist ein Ansuchen um tätigen Beistand entweder für
sich selbst oder für ein anderes Wesen, das der Unterstützung oder Hilfe
bedarf.
07] Was bezeugt nun dieses
Anflehen? Es bezeugt die eigene Ohnmacht; diese veranlaßt zum Bitten, da man
nicht befehlen kann.
08] Wenn nun ein Bittsteller
eine Bitte an jemand stellt und sich dabei auf andere, wohlwollende oder
befreundete Menschen bezieht und mittels der Nennung ihres Namens oder
mittels der Fürsprache der Person selbst bei Einflußreicheren einen günstigen
Eindruck machen will, so bezeugt dies wieder, daß der Bittsteller durch die
Anrufung eines Namens, der auch dem Dritten teuer und angenehm ist, ihn um so
eher zu bewegen hofft, dem angesuchten Begehren zu willfahren.
09] Wenn ihr also diese
einfache Bemerkung erwägt, so begreift ihr leicht, warum Ich als Jesus Meinen
Jüngern anempfohlen habe, in Meinem Namen den Vater im Himmel zu bitten, und
warum Ich ihnen im voraus versprochen habe, daß keine ihrer Bitten unerfüllt
bleiben werde. Ich wollte sie dadurch stets an ihre eigene Ohnmacht erinnern,
ihnen zu Gemüt führen, daß sie aus sich selbst nichts zu verrichten vermögen,
und wollte dabei auch nebenbei die Erinnerung an Mein Wirken und Leben unter
ihnen wach erhalten, weil sie nur so - dem geistigen Streben mehr zugewendet
- das Weltliche nach seinem eigentlichen Wert einschätzen und daher nie
mißdeuten würden.
10] Diese Art zu bitten sollte
ein stetes Wachsen des Vertrauens zu Mir bewirken, der Ich, obwohl nicht mehr
sichtbar, doch geistig stets um sie war. Sie glaubten dadurch auch mehr an
Meine Abkunft von oben und konnten anderen diesen unerschütterlichen Glauben
an die Führung eines höchsten Wesens als Schöpfer, Erhalter, Herr und Vater
beibringen.
11] Daß Ich als Gott ihre
Bitten nicht nötig hatte und schon seit Äonen von Zeiten vorauswußte, wessen
sie bedurften, und was zu ihrem Besten war, das versteht sich von selbst. Das
Bitten hatte nur den Zweck, in ihnen, wie in den Menschen überhaupt, das
Zutrauen zu Mir als höchstem Wesen zu erwecken, daß Ich nicht ein Gott bin,
vor dessen Größe der winzige Mensch erzittern soll, sondern daß Ich - wohl
ein Gott und ein höchstes Wesen - als liebender Vater Meinen Kindern und
erschaffenen Wesen zugänglich bin, und zwar durch demütiges Annähern, durch
inbrünstiges Bitten oder Gebet, welches nur von einem liebenden Vater, aber
nicht von einem streng richtenden Gott erhört werden kann.
12] Daß Ich Mich als Jesus zum
Fürbitten anbot, daß Ich sagte: "Was ihr in Meinem Namen bittet, wird
euch der Vater im Himmel gewähren!", das geschah deswegen, weil sie
während Meines Lebenswandels Meine Liebe, Meine Duldung und Geduld mit den
Fehlern anderer gesehen und begriffen hatten und sich so in schwachen
Umrissen eine Vorstellung von dem Vater machen konnten, der einem solchen
Sohne, wie Ich es als Jesus war, bei allen Gelegenheiten Seine Liebe bewies.
Nur so wurde ihnen der unzugängliche Gott Jehova zugänglich, nur so faßten
sie Mut, ihr Herz zu Mir zu erheben, und nur so vertrauten sie auch darauf,
daß, wenn sie in Meinem Namen beteten oder um Erhörung ihrer Bitten flehten,
sie auch ein geneigtes Ohr bei Mir finden würden.
13] Auf diese Art ward die
geistige Verbindung, welche Mich als Jesus früher mit ihnen einerseits und
mit Meiner Liebe oder dem Vater anderseits verbunden hatte, nie gestört. Nur
so gingen Meine Jünger getrost in die Welt hinaus, lehrten und predigten Mein
Evangelium, taten Wunder und opferten sogar ihr eigenes Leben, weil ihre
Verbindung mit Mir, die nie abgebrochen worden war, sie stets von der
materiellen Welt ab und zur geistigen hinzog.
14] So gaben sie ein ewiges
Beispiel von der Gewalt des Glaubens, des Gebetes, wenn es, aus reinem Herzen
quellend und nur Geistiges verlangend, sich zu Mir erhebt und Mir den Dank
vorauszahlt für Wohltaten, welche Ich Meinen Kindern auch dann nicht entzogen
hätte, wenn sie nicht darum gebeten hätten.
15] Seht also, Meine Kinder,
was hinter dem Wort ,Bitte steckt, wie groß seine Bedeutung, sein dem
bittenden Herzen zugelassener Genuß ist! Und wie im Weltleben oft ein
Bittender sich der süßen Hoffnung hingibt, daß das Erflehte ihm gewährt
werde, und schon im voraus die Freude genießt, welche das Zutrauen zu dem
Angeflehten erhöht, die Liebe zu ihm vergrößert, ebenso ist im geistigen
Maßstabe das Annähern an Mich als Vater alles Geschaffenen der einzige Trost
und die einzige Beruhigung, daß ein gerechter, alles mit Liebe umfassender
Gott sicher nur das Rechte und Gute will und jede Bitte, wenn sie gerecht
ist, auch gewiß erfüllen wird.
16] So ist die Verbindung
zwischen Geschöpf und Schöpfer stets vorhanden. Sie ist nicht gegründet auf
Furcht, auf Kriechen vor dem Throne eines allmächtigen, zürnenden und streng
richtenden Gottes, nein, sie ist gegründet auf Zutrauen, auf Liebe, welche
ein unmündiges Kind für seinen mächtigen Beschützer, für seinen Vater hegt.
17] Es ist die Liebe und nicht
die Furcht, welche das Herz in höchster Bewegung erhält und es mit freudigen
Schlägen dem ewigen, sich stets gleich bleibenden Vater aller Kreatur
entgegenwendet. Es ist das schönste Band, das die Natur aufweisen kann, das
Band der Kindes- und Vaterliebe, deretwegen die ganze Schöpfung erschaffen,
erhalten und vervollkommnet wird, und welches Band nur das einzige sein kann,
das einem Geist wie Mir entspricht, und das einem Menschen oder geschaffenen
Wesen seinen geistigen Adel verschaffen kann.
18] Daher begreift, Meine
Kinder, was es heißt: ,bitten, was es heißt: ,beten`, was es heißt, zu Mir im
Namen Jesu sich zu wenden. Der Name ,Jesus` schließt Meinen größten Akt,
Meine größte Tat, Mein größtes Opfer ein, welches Ich euch und allen Geistern
zulieb vollbrachte.
19] In Erinnerung an Mein
Dulden könnt ihr nicht stolz sein, in Erinnerung an Meine Liebe könnt ihr
nicht hassen, und in Erinnerung an Mein Opfer könnt ihr nicht geizig sein,
sondern nur bei Anrufung Meines Erdennamens allen diesen Tugenden
nachstreben, die Ich persönlich während Meines Erdenlebens ausgeübt habe.
20] Die Bitte zu Mir soll euch
erheben über alles Weltliche, soll euch in Mein geistiges Reich führen, in
welchem Ich dem Bittenden gerne gewähre, was in geistiger Hinsicht ihm oder
seinem Nächsten zum Besten dient.
21] Wenn ihr nun wißt, was
,bitten` heißt, wenn ihr wißt, wen ihr bitten müßt, so ist noch ein zweiter
Punkt in Betracht zu ziehen, nämlich: um was ihr bitten könnt, um wenigstens
im mindesten eine Gewährung zu erhoffen.
22] Hier nun in diesem zweiten
Punkt wird von vielen am meisten gefehlt. Viele bitten erst, wenn die Not sie
dazu zwingt, und viele andere wieder dann, wenn es sich um weltliche Vorteile
oder sonstige unbedeutende Dinge handelt.
23] Aus dem Vorhergegangenen
mögt ihr ersehen, was eigentlich eine Bitte, und zwar eine Bitte an Mich,
ist. Ihr mögt euch dabei erinnern, daß Ich öfters sagte: "Mein Reich ist
nicht von dieser Welt!, und: "Wer zu Mir beten will, muß im Geist und in
der Wahrheit beten!"
24] Seht, diese Sätze beweisen
euch genau, daß es sich nicht um weltliche Dinge handelt, und daß es von
wenig Achtung und wenig Liebe eurerseits zeugt, wenn ihr Mich für so einen
gewöhnlichen Richter oder Monarchen haltet, an den man nur Bittschriften
einzureichen braucht, und bei dem man dann durch gewisse Fürsprache seinen
Zweck leichter erreichen zu können vermeint.
25] Seht die Welt an, wieviel
Unsinn wird da von Mir verlangt! Wie viele eingebildete Fürsprecher und
Fürsprecherinnen werden angerufen, die bei Mir zugunsten der Bittenden
fürsprechen sollen. Wenn die Menschen nur ein wenig nachdächten über ihr
eigenes Gebaren, so müßten sie sich ihrer eigenen Kurzsichtigkeit schämen und
müßten erröten, wie sie Gott, den Schöpfer und Herrn der Unendlichkeit, zu
nichtssagenden Dingen ins kleinliche Weltleben herunterziehen möchten. Sie
bedenken nicht, daß die meisten Übel und Unglücke nicht von Mir, sondern von
dem Verhalten der Menschen selbst herrühren.
26] Wenn Ich die Menschen tun
lasse, was sie wollen, und sie sich Krankheiten und Unglücksfälle zuziehen,
aus denen sie in der Folge geistigen Nutzen erreichen sollen, warum soll Ich
das verhindern, was gerade zum Besten der Menschen, zu ihrem geistigen Heile
dient? Ich kann doch nur das geistige Fortschreiten, aber nicht das weltliche
Wohlleben jedes einzelnen als Hauptzweck seines Erdenwandels im Auge haben!
Wie sollte Ich Meinen Kindern das angedeihen lassen, was gerade zu ihrem
Schaden wäre?
27] Kurzsichtige,
leichtgläubige Menschen! Ihr kommt Mir oft vor wie Kinder, die mit Gewalt
ihre Hände ins Feuer stecken wollen, weil sie noch nicht die Erfahrung
gemacht haben, daß das Feuer nicht allein leuchtet, sondern auch brennt.
28] Wie viele Fälle könnte Ich
euch aufzählen, um was alles gebeten wird! Da will einer Geld, der andere
Gesundheit, der dritte Gelingen seiner Unternehmungen, der vierte jammert,
weil der Tod Lücken in seine Familie gerissen hat, der fünfte möchte seine
Kinder in Luxus und Wohlleben so ganz der Hölle zueilen sehen usw.; aber alle
bedenken nicht, daß beim Gewähren ihrer Bitten das geistige Wohl und Wehe der
Beteiligten oft noch ärger, noch schlechter würde. Sie bedenken nicht, daß
gerade Leiden und Unglücke die Ecksteine sind, an welchen sich die Taumelnden
stoßen, wenn sie dem weltlichen Treiben huldigen und das geistige
Fortschreiten ganz beiseitesetzen möchten.
29] Ihr Familienväter und
Mütter, ihr wollt für eure Kinder alles Gute haben, Gesundheit, Reichtum,
langes Leben und hohe Stellung in der Welt. Nun, was ihr wollt als winzige Kreatur
in Meiner Schöpfung, wird wohl Mir, glaube Ich, auch erlaubt sein! Es wird
wohl Mir auch erlaubt sein, Meine Kinder so zu ziehen, daß sie alles Gute und
Schöne, was Ich in Meiner Schöpfung, und zwar nur für sie, aufgehäuft habe,
im vollsten Maße genießen, daß sie geistig gesund, an Liebe reich und Mir
nahe über Großes gesetzt werden können.
30] Seht, Ich will nichts, als
was ihr selbst wollt; und nur der Unterschied besteht, daß ihr Menschen, um
Meine Kinder zu werden, andere Schulen durchmachen müßt, als ihr eure Kinder
besuchen lassen wollt. Hier gehen also unsere Ansichten auseinander.
31] Noch muß Ich nebenbei
bemerken, daß ihr euch nur um eine kurze Spanne Zeit bekümmert, in der es
euren Kindern nach euren Begriffen gut gehen soll, während Ich Sorge trage,
daß das ewige, künftige Leben Meiner Zöglinge voll von Seligkeiten und nie
geahnten Genüssen werde.
32] Ihr seht aus dem, daß Ich
in diesem Punkte oft den Unerbittlichen spielen und eure Narrenbitten in den
Sand schreiben muß, damit sie der nächste Luftzug wieder verweht, während
Meine Anordnungen in nie vergehenden Steinen der Ewigkeit als Gesetze
geschrieben stehen. Daher bedenkt wohl eure Bitten und verlangt von Mir nicht
den Ruin Meiner Kinder! Ich habe sie fürs ewige Leben, fürs Geister fürs
Engelleben erschaffen und nicht für das Wohlleben in weltlichem Schmutz, um
Mir vielleicht einst eine befleckte Seele zu überbringen.
33] Wenn ihr also bittet und
Meinen Beistand anruft, so bedenkt, daß Ich wohl schon im voraus weiß, um was
ihr Mich bittet, und daß ihr Mir nichts Neues sagen könnt! Bedenkt, daß die
Menschen, wenn es nicht Mein Wille gewesen wäre, sie durch ihre eigenen
Fehler zu witzigen, nicht in diese bitteren Verhältnisse geraten wären!
Bedenkt, daß euer einziger Trost das Vertrauen zu Mir ist! Auch Ich hatte
Vertrauen, als Ich im Garten von Gethsemane im Drange Meines größten Leidens,
welches Ich dort als Mensch fühlen mußte, und bat: "Vater, nimm den
bittern Kelch von Mir!" Und doch wurde der Kelch nicht von Mir genommen,
sondern Ich mußte ihn leeren bis zum letzten Tropfen! Bedenkt, daß Ich dort
sagte: "Nicht Mein, sondern Dein Wille, o Vater, geschehe!"
34] Was Ich einst ausrief,
worauf Ich Mich willig in Mein Schicksal ergab, das möge auch euer einziger
Trost und Leitstern auf eurer irdischen Lebensbahn sein!
35] Ja, bittet! Bittet in
Meinem Namen, fleht inbrünstig zu Mir! Das Flehen gibt euch Trost, gibt euch
Frieden, und ihr habt eure Pflicht und Schuldigkeit gegen Mich getan. Das
Erfüllen oder Nichterfüllen eurer Bitten überlaßt aber Mir! Ich sehe besser
und weiter und kann nicht alles gewähren, was blinde und unmündige Kinder
wünschen. Ihr gebt ja den Kindern auch nicht alles, was sie wollen, und
warum? Weil ihr als erwachsene Menschen klarer seht und verständiger seid.
Und was kleine Kinder in bezug auf euch sind, das seid ihr in bezug auf Mich,
und noch um vieles weniger.
36] Daher vertrauet auf Mich!
Ich weiß zu geben und zu nehmen, wann es an der Zeit ist. Meine Wege sind
unerforschlich, und oft gerade da, wo bei euch Tränen des Schmerzes im
Überfluß fließen, feiern Meine Geister und Engel ein Freudenfest.
37] Vertrauen in Meine stets
liebenden Absichten war es, was Ich einst Meinen Jüngern anriet. Dasselbe
Vertrauen möchte Ich auch in euch erwecken; denn ohne es könnt ihr keinen
Schritt vorwärts machen, ohne es müßtet ihr an eurem Schicksal verzweifeln
und bis zur Gottesleugnung gelangen. Vertrauen ist der Faden, der euch aus
dem Labyrinth des Lebens sicher hinausführt in die Hand eines liebenden Vaters,
der oft gerade da, wo Er euch am weitesten entfernt schien, am nächsten war.
38] Bittet und betet; aber
verlangt nichts Unmögliches, nichts Weltliches! Geist seid ihr, und Geist bin
Ich! Ich kann nur urteilen wie ein geistiges Wesen, und auch ihr müßt euch
angewöhnen, schon während eurer Lebenszeit das Geistige in euch dem
Weltlich-Materiellen vorzuziehen.
39] Dann gilt auch euch, was
Ich einst Meinen Jüngern sagte: "Was ihr in Meinem Namen bittet, wird
euch gewährt werden!" Dessen mögt ihr versichert sein, zumal Ich es euch
nun hier selbst wiederholend verspreche! Amen.
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00] Die Verheißung des Trösters (Joh.15,26 und Joh.16,07):
"Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom
Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von
mir." "Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich
hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch;
wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden."
01] Dieser Vers findet sich in
zwei Kapiteln des Evangeliums Johannes vor, und zwar im ersten als ein
Versprechen, daß Ich Meinen verlassenen Jüngern den Tröster, den Geist der
Wahrheit senden werde, welcher ihnen zeigen wird, daß alles wahr und richtig
war, was Ich sie lehrte, - und im zweiten als ein Hinweis, daß Mein Hingang
notwendig war, um das zu bekräftigen, was Ich ihnen von Mir und Meiner
göttlichen Sendung gesagt hatte. Denn in diesem zweiten Kapitel heißt es:
"Wenn Ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch!"
Dadurch bewies Ich ihnen, daß Mein Hingang zum ,Vater` - wie Ich Mich dort
ausdrückte - teils als Schluß Meiner Mission, teils auch als Anfangspunkt der
ihrigen nach Meinen Plänen, die Ich zur Rettung der Menschen entworfen hatte,
unumgänglich notwendig war.
02] Wenn ein Meister seine
Zöglinge verläßt, ehe sie ganz reif sind, um auch ohne ihn den Lehrkurs
fortsetzen zu können, so ernennt er gewöhnlich einen Stellvertreter, der das
Weitere ausführt, was zur Vollendung des Ganzen notwendig ist. So tat auch
Ich.
03] Meine Mission auf Erden
oder Mein Verweilen unter Meinen Jüngern war nur so lange von Nutzen, als sie
noch nicht ganz in Meine Lehre eingeweiht waren. Ich mußte Mein Dasein auf
eurer Erde erst mit der größten Tat der Demütigung und der Liebe beschließen,
was der praktische Teil Meiner Lehre war. Ich mußte Meinen Jüngern durch die
Tat zeigen, welche Opfer Meine Lehre und deren Erhaltung verlangt, und ihnen,
gleichsam vorausgehend, als ewiges Beispiel zeigen, was Meine rechten Jünger
auch zu ertragen imstande sein sollen, d.h. sogar ihr Leben für ihren Glauben
zu lassen, welchem Schicksal später viele von ihnen erlagen. Ich mußte ihnen
auch beweisen, durch Meine Auferstehung, wie wenig der Tod seine Macht an Mir
ausüben konnte. Damit sie sich aber in der Zwischenzeit bis zu Meiner
Himmelfahrt oder Rückkehr in Mein Reich nach dem harten Schlag, den ihnen die
Abwesenheit Meiner sichtbaren Person verursachte, recht fassen konnten, so
war es Meine eigene hohe Pflicht als ihr Meister und Lehrer, ihnen einen
Ersatz für Meinen Verlust in Aussicht zu stellen. So versprach Ich ihnen
einen Tröster, den sie sich, als Ich es ihnen sagte, wie auch später, als Ich
es wiederholte, eher als eine Persönlichkeit, denn als eine Kraft dachten.
04] Als Ich ihnen diese Worte
und manches andere sagte, waren sie noch zu sehr weltliche Menschen; sie
konnten den geistigen Sinn Meiner Worte, ja Meiner letzten, größten und
tiefsten Abschiedsworte nicht im geistigen Sinn verstehen. Deswegen sagte Ich
ihnen ja auch: "Ich hätte euch noch manches zu sagen; aber ihr könnt es
nicht ertragen!", was mit anderen Worten sagen will: "Ich kann euch
Geistiges nicht in weltliche Begriffe verwandeln. Ihr seid zwar gläubige,
aber noch unmündige Kinder, und es muß erst die letzte Weihe über euch
kommen, die euch von Kindern zu Männern ausreift, damit ihr geeignet seid,
das von Mir Gehörte zu verstehen und es anderen so wiederzugeben, wie ihr es
von Mir empfangen habt."
05] Diese Überschattung durch
Meinen Geist machte sie zu Wiedergeborenen; denn Mein Geist vollzog diesen
Akt als Trennung des Geistigen vom Weltlichen. Das Verstandesleben hörte auf,
und das Leben des Geistes oder Herzens begann. So waren denn Meine Jünger
ausgerüstet mit geistiger Willenskraft, zu reden und zu wirken, wie es Meine
Lehre erheischte, um so dem von Mir begonnenen Erlösungswerk seine ewige
Dauer zu sichern.
06] Was in jenen Zeiten mit
Meinen Jüngern geschah, das hat sich in jedem Jahrhundert mit einzelnen, von
Mir dazu erwählten Männern erneuert. Nie mangelte es an solchen, Mir ganz
Ergebenen, die ihr Leben für ihre Überzeugung ließen. Immer gab es solche
Mahner und Auffrischer Meiner für die Menschheit so teuer bezahlten Lehre.
Sie waren bestimmt, mitten unter dem groben Mißbrauch, den man mit der
Religion trieb, die Lehre des echten und wahren Glaubens nicht in Vergessenheit
geraten zu lassen.
07] Auch in eurem Jahrhundert
mangelt es an solchen Begeisterten nicht, und jetzt, da die Menschheit sich
noch mehr ins Weltliche verirrt, jetzt, wo sich das Ende dieser
Prüfungsperiode für die Menschheit naht, vermehren sich auch die Anhänger
Meiner wahren Lehre, welche so zur Gründung Meines Reiches die ersten
Bausteine liefern sollen, damit Ich schon bei Meiner Ankunft gläubige Herzen
vorfinde. Denn zum zweiten Mal will Ich nicht tauben Ohren predigen, sondern
die Dämmerung des Morgenrots muß da sein, und die geistigen Augen Meiner
Verehrer müssen schon vorbereitet sein, das ganze Licht Meiner Liebe und
Meines Erscheinens ohne Schaden ertragen zu können.
08] Wie Ich in jenen Zeiten
Meinen Jüngern den Tröster versprach, welchen Ich ihnen senden würde, so
lasse Ich auch jetzt in jedes fromme, Mir ergebene Herz den wahren Trost
einfließen, den nur Meine Lehre, nur die wahre Religion und das wahre
Glaubensbekenntnis geben kann, welches aus Meinen Worten erhellt.
09] Jetzt ist der wahre Tröster
in den Menschen gelegt. Er erwächst aus der richtigen Befolgung Meiner beiden
Liebesgesetze, wenn sie richtig aufgefaßt, auch in diesem Sinne ausgeübt
werden.
10] Um Mein Werk zu beschleunigen,
habe Ich Mich herbeigelassen, durch direkte Mitteilungen alles klar
auseinanderzusetzen, was den Menschen, wie Meine Jünger einst sagten, zu hart
oder zu unverständlich war. Jetzt, da Meine Mitteilungen so reichlich
fließen, bin Ich eigentlich schon geistig auf eure Erde hinabgestiegen, lehre
und führe Meine Kinder tatsächlich wie einst. Es fehlt nur Meine sichtbare
Erscheinung, welche die Zweifelnden aber nur zum Glauben zwingen würde, was
gegen die Freiheit des Menschen wäre.
11] Jetzt wähle Ich wieder
Meine Jünger, die die goldene Saat Meiner Liebelehre aussäen sollen; nur habe
Ich jetzt nicht mehr nötig, sie so zu führen wie einst. In jener Zeit mußte
Ich andere Mittel anwenden, Ich mußte selbst kommen und ihnen das wirkliche
Dasein Gottes durch Meine Worte und Taten beweisen. Jetzt braucht es diese
Gewaltmittel nicht mehr; denn die Wissenschaft mit ihren Entdeckungen im
Gebiete Meiner Weltschöpfung hat den mit Geist und Herz beobachtenden
Menschen Wege genug geöffnet, Mich überall zu finden und Mein wirkliches
Dasein anzuerkennen.
12] Der Glaubenslehre parallel
läuft heutzutage die Lehre durch Überzeugung. Nur ein absichtlich blind sein
Wollender wird das Dasein eines Gottes leugnen, welches doch in allen Ecken
und Winkeln der Schöpfung, unten und oben, ja selbst in des Menschen eigenem
Herzen trotz aller Gegenbeweise besteht. Nur ein solcher Mensch wird leugnen,
daß es einen Gott, einen Gesetzgeber und - wie das hinterlassene Werk, eure
Bibel, es euch lehrt - auch einen liebenden Vater gibt, der trotz Verirrungen
und Ausschweifungen aller erdenklichen Art der Menschen stets Verzeihung
statt Vergeltung, stets Geduld statt strengen Gerichtes übt und stets das
Leben und nicht den Tod, den geistigen nämlich, verbreiten will.
13] Deshalb ist euch auch jetzt
der Tröster ins Herz gelegt, und ihr seid Herren eures Friedens und eurer
Ruhe. Ich brauche euch denselben nicht mehr zu senden, da ihr ihn schon von
Mir empfangen habt. Es ist an euch, das Empfangene gehörig in Wort und Tat
auszuüben, weil ihr dadurch zeigt, daß ihr Meine Kinder, Meine Jünger in
dieser Zeit seid.
14] Kümmert euch nicht um die
Ausschreitungen auf religiösem Gebiet, die sich jetzt überall regen! Sie sind
wohl Wecker, doch ihren Anhängern wird über kurz oder lang der Hauptfaktor,
der Tröster, fehlen, den Ich damals nur denen versprach, die Meine wahren
Jünger waren, und denen auch ihr in allem nachfolgen sollt.
15] Es mögen noch so viele
religiöse Lehrgebäude aufgebaut werden, wer nicht zu Meinem einfachen Hause
zurückkehrt, in dem nur die Liebe, geleitet durch die Weisheit, allein
thront, dem fehlt in schweren Augenblicken der Tröster überall; denn ihm
fehlt neben dem wahren Glauben die wahre Überzeugung, ihm fehlt der Geist der
Wahrheit, den Ich einst Meinen Jüngern versprach und auch gesandt habe, und
der einem jeden zuteil wird, der Mich im Geist und in der Wahrheit begreift
und im Geist und in der Wahrheit Meine Lehre in der Tat anwendet.
16] Wahrheit gibt es, wie Ich
es euch vor kurzem bewies, nur eine. Wer dieser nicht huldigt, der hat auf
Sand gebaut. Kommen dann die großen weltlichen und geistigen Stürme, die zur
Reinigung des Geist-Seelenwesens auf dieser Erde stattfinden müssen, so wird
solch ein Haus, auf flüchtigen Weisheits oder Verstandessand gebaut, samt
seiner Unterlage spurlos verschwinden, als wäre es nie dagewesen. Nur
dasjenige Gebäude wird feststehen, allen Stürmen trotzen und sich als einzige
Wahrheit, als einziger fester Grundbau erweisen, welches auf Mein Wort, auf
das Wort des Gottes und Schöpfers des ganzen Universums, gebaut ist; denn was
ein Gott sprach und mit solchen Opfern Seinem ganzen Geisterreich auch durch
die Tat bewies, wie Ich auf eurer Erde, das kann nicht trügen, kann nicht
täuschen. Die Getäuschten sind diejenigen, welche allen Mahnungen und Rufen
aus der sicht und unsichtbaren Natur ihre Ohren verschließen, den Tröster in
ihrem Verstandesleben suchen, während er nur allein im Herzen zu finden ist.
17] Daher bedenkt jene Worte,
die gerade in diesen Kapiteln 15, 16 und 17 stehen, und die Ich einst zu
Meinen Jüngern gesagt habe!
18] Sie sind die wichtigsten,
gewichtigsten und tiefsten; denn sie waren die Scheideworte eures Vaters,
der, ehe Er den letzten Liebesakt vollziehen mußte, noch einen, und zwar den
Schlußstein Seines geistigen Gebäudes, welches Er auf Erden zurückließ,
gelegt hatte, dessen Bedeutung weit über die jetzige Zeit hinausragt.
19] Was Ich Meinen Jüngern
versprach als den ,Tröster`, welchen Ich ihnen senden würde, das lag schon in
diesen, von Meinem Lieblinge Johannes aufgezeichneten Worten. Meine Jünger
verstanden sie nicht; aber ihr, die ihr jetzt schon so ziemlich geschult und
vorbereitet seid, Meine Lehre zu begreifen und zu fassen, wie Ich sie
verstanden und auch ausgeübt sehen möchte, ihr könnt in diesen hinterlassenen
Worten den Tröster finden, der euch erleuchten, erheben und stark machen kann
gegen alles Kommende, wie auch einst Mein Geist die Jünger bestärkte, um ihre
künftigen Schicksale mit der zu ihrer Mission notwendigen Seelenstärke zu
ertragen.
20] Euch erwachsen zwar solche
bitteren Momente nicht, wie einst Meinen Jüngern bei ihrem Lehramt: aber
desto mehr habt ihr zu kämpfen mit der Welt, mit ihren Annehmlichkeiten, mit
euren Mitmenschen, von denen die Mehrzahl nicht den Weg, den ihr geht,
sondern gerade den verkehrten eingeschlagen hat.
21] Euch wird es so gehen, wie
Ich es Meinen Jüngern prophezeite: "Die Welt wird euch hassen, weil ihr
nicht von ihr seid!", d.h. weil ihr anderen Grundsätzen, anderen
Prinzipien huldigt als die Mehrzahl der Menschen; aber hier ist der Tröster
euch am nächsten, der euch für dieses kurze Prüfungsleben einen längeren,
größeren, ja ewigen Genuß entgegenhält als Lohn für ein treues Ausharren bei
dem einmal festgesetzten Wort eures Vaters, eures Jesus, der Sein irdisches
Leben gab, um irdische Geschöpfe vom geistigen Verderben zu retten.
22] Daher sei auch euch das der
beste Trost, den Ich jedem nach jeder vollbrachten guten Tat ins Herz lege,
das die beste Belohnung und die beste Beruhigung: Meinen Lehren, Meinen
Worten gefolgt zu sein, welche am Ende doch, trotz alles Weltglanzes und
aller Weltmacht, die letzten Stützen sein werden, welche den Kämpfenden als
Rettungspfeiler im großen Ozean der Weltereignisse bleiben werden.
23] Verlaßt daher den Tröster
in eurem Herzen nicht, - und Der, welcher diesen Tröster in euer Herz legte,
wird euch nicht verlassen! Das versichert euch Der, welcher schon so viel
himmlisches Brot, so viel geistigen Segen und so viel wahren Trost über eure
Häupter ausgeschüttet hat. Amen.
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00] Jesus und Seine Kinder (Joh. 14,23): "Wer mich
liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir
werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen."
01] Diesen Vers zu erklären
genügen wenige Worte; denn es ist ganz natürlich, wenn jemand für einen
andern eine Zuneigung hat und dieser noch höher gestellt und weiser ist, daß
dann der erste alles mögliche tun wird, um sich die Achtung und Liebe seines
höhergestellten Freundes oder Herrn zu verdienen. Er wird seine Zuneigung und
Liebe durch Taten zu beweisen suchen und genau nach den Lehren und
Ratschlägen des höhergestellten Freundes oder Lehrers handeln. Wenn dieses
der Fall ist, so wird die Zuneigung des einen durch die Liebe des andern
erwidert, und es wird dadurch ein geistiges Einvernehmen hervorgerufen, wie
bei in Eintracht lebenden Familiengliedern.
02] Das ist ungefähr der Sinn
dieser Worte, die Ich einst zu Meinen Jüngern sagte, und die eine Mahnung
waren, auch noch nach Meinem Hingang, nachdem kein sichtbarer Einfluß durch
Meine Worte und Taten mehr möglich war, auf dieser einmal eingeschlagenen
Bahn zu verharren und aus Liebe zu Mir Mein Wort zu halten und danach zu
leben. Ich sagte dieses Meinen Jüngern wohlweislich im voraus, weil Ich
wußte, welchen Versuchungen und Einflüssen der Welt sie bei Ausführung ihrer
Mission entgegengingen.
03] Deswegen machte Ich sie auch
auf einen Punkt aufmerksam, den sie noch nicht begriffen hatten, nämlich, daß
Ich und der Vater eins sind, und daß derjenige, der Mich sah, auch den Vater
gesehen hat; denn wie Ich schon in einer früheren Texterklärung erwähnt habe
- sie dachten noch immer zu menschlich. Sie konnten sich eine geistige Welt,
einen geistigen Einfluß und ein geistiges, höheres Wesen, wie Ich eines bin,
in körperlicher Hülle nicht recht vorstellen. Manchmal glaubten sie wohl,
jetzt hätten sie diesen Begriff ganz richtig aufgefaßt; doch blieb ihnen
diese Stimmung nicht. Wenn sie Gefahr lief, sich ganz zu verlieren, so mußte
Ich sie auffrischen und wieder in ihrem Herzen rege machen, zumal in jener
Zeit, in der die letzten Augenblicke heranrückten, die Mir die bittersten
waren und auch ihnen die härtesten Schläge versetzten, da sie nie für möglich
gehalten hätten, was nun vor ihren Augen geschah.
04] Deswegen versprach Ich
ihnen einen Tröster und machte ihnen den Gedanken des Verlustes Meiner
sichtbaren Person so leicht erträglich wie möglich.
05] Was Ich dort zu Meinen
Jüngern sagte, das gilt auch in fernen Zeiten für alle diejenigen, die
ebenfalls den rechten Weg des Glaubens und der Liebe einschlagen; denn alle
Menschen, die Mich wahrhaft lieben wollen, bewahrheiten dieses eigentlich nur
dann, wenn sie Meine Worte halten und befolgen.
06] Das Befolgen Meiner Worte,
das Beweisen durch Taten ist erst der Probierstein, ob es den Menschen ernst
ist, Mir auf dem Wege der Demütigung und Selbstverleugnung, den Ich selbst vorangegangen
bin, zu folgen, indem sie, alle Annehmlichkeiten der materiellen Welt
dahintenlassend, den Blick nur nach dem geistigen, aber ewigen Weltreich
richten.
07] Viele gibt es auf dieser
Welt, die das Wort ,Mich lieben` gar nicht verstehen oder es nur so deuten
möchten, wie es ihnen bequem ist; mit diesen aber bin Ich nicht. Ich werde
und kann nicht, weder als Sohn noch als Vater, in ihren Herzen Wohnung
nehmen; denn darin ist der größte Platz den weltlichen Sorgen eingeräumt. Und
es wird von ihnen Meiner und Meiner Lehre nur dann gedacht, wenn etwa ein
kirchlicher Feiertag oder bittere Erfahrungen und Unglücksfälle sie daran
erinnern, daß neben der materiellen Welt eine geistige, und dahinter der
Regierer, Erhalter und Leiter von beiden steht, der sich trotz der
Vernachlässigung von seiten der Menschen als liebender Vater finden läßt.
08] Solchen Menschen, die Mich
nur so zur Not neben den Weltgeschäften herlaufen lassen, solchen Menschen
kann Ich freilich nicht das Versprechen erfüllen, in ihrem Herzen zu wohnen;
denn sie lieben Mich nicht, wie die Liebe zu Mir beschaffen sein sollte. Sie
haben nur eine Art von Wohlwollen für Meine Lehre und für Meine Person übrig,
wobei sie noch im Zweifel sind, ob diese besteht -, weil Ich durch Mein Wort ihnen
nur Gutes rate und ihr Bestes will. Allein, sich ganz Mir hinzugeben, Mir und
Meinen Fügungen alles aufzuopfern, so weit wollen sie ihre Liebe nicht
ausdehnen; denn da müßten sie gar vielen weltlichen Vergnügungen und Genüssen
entsagen, was nach ihrer Meinung doch nicht angeht, da man einmal in dieser
Welt sei und - wie sie sich entschuldigen - mit ihr leben müsse.
09] Diese Menschen - und es
gibt deren Millionen - haben noch einen weiten Weg von herben Erfahrungen zu
machen, bis sie zu der Einsicht gelangen werden, daß ihr so gleichsam nur
Liebäugeln mit Mir von keinem Wert und Nutzen ist, sondern daß man entweder
sich Mir ganz ergeben oder in der Folge der Welt verfallen muß.
10] Überall werden sie Ruhe und
Frieden suchen, alles anklagen, Mich, die Natur, die Verhältnisse oder das
Schicksal, wie sie es nennen werden; aber nur sich selbst werden sie als
Urheber ihres eigenen Unglücks nie erkennen wollen. So wird ihr Schicksal
sein: kein Tröster, kein Friedensstifter wird zu ihnen kommen können, weil
sie nicht begreifen, daß er nicht von außen hinein, sondern nur von innen
heraus den Frieden herstellen kann.
11] Wenn ihr jetzt die Welt
stets ärger, stets schlechter werden seht, wenn die Menschen stets
unzufriedener, stets mißmutiger, stets grausamer, stets egoistischer werden,
so ist überall der Grund der, daß niemand den eigentlichen Weg zum Frieden,
zur Genügsamkeit und zum völligen Ergeben in Meine Führung mehr erkennt. Je
mehr dieses Haschen nach flüchtigen Weltgütern und mächtigen Stellungen
fortgeht, desto mehr entfernen sich die Menschen von dem eigentlichen Quell
aller besseren Tugenden, und selbst das Wort ,Liebe` ist ihnen nur insofern
bekannt, als es sich auf ihre irdischen Genüsse bezieht, denen sie mit aller
Hast nachjagen, und die sie um jeden Preis erringen wollen.
12] Hier seht ihr die Quelle
vieler Selbstmorde, als Folge von Überdruß, weil das Erwünschte sich nicht
erreichen ließ. Es ist dies auch der Beweis, wie wenig in solchen Herzen von
Religion oder von dem Begriff eines ewigen, geistigen Lebens vorhanden ist,
wo Vergeltung für Gutes und Böses den Dahingeschiedenen erwartet, indem er in
solche Lagen versetzt wird, in denen er, auf sich selbst beschränkt, alles
Schlechte und Falsche aus seinem Innern ausmerzen muß, bevor er eine bessere
Stellung im Geisterreiche erhalten kann.
13] Unter solchen Menschen ist
natürlich denjenigen, welche wirklich Mir leben, Mir folgen und durch Taten
Mir beweisen wollen, daß sie Mich lieben, das Fortschreiten bedeutend
erschwert, weil sie gegen die Meinung der Mehrzahl ankämpfen müssen und, wie
einst Meine Jünger, für das Segenverbreiten nur Haß und Spott ernten.
14] Aber dieses Kämpfen, dieses
Streiten gegen den mächtigen Strom der materiellen Welt, das auch Meiner
Jünger Los war, dieses Kämpfen ist notwendig, um Meine Kindschaft zu
erreichen. Denn wenn es nicht Gott, das höchste Wesen wäre, das euch zu
Seinen Kindern erziehen will, so wäre es nach menschlichen Begriffen und
Forderungen schon genügend, wenn ihr so wie die große Mehrzahl der Menschen
lebtet, d.h. wenn ihr Mir die Ehre zollet, euch wohl die besten Lehren
gegeben zu haben, es aber euch überlassen bliebe, wie und wann ihr diese
bequem mit euren weltlichen Bedürfnissen vereinbaren wolltet.
15] Aber so habe Ich es nicht
gemeint, als Ich damals Meinen Jüngern: "Wer Mich liebt, der wird Mein
Wort halten!", und wie Ich euch auch jetzt wieder zurufe: "Wer Mich
liebt, der muß es durch Taten beweisen!"
16] Wie Meine Jünger in jener
Zeit entweder Heiden oder fanatische Juden vor sich hatten, denen sie Mein
Evangelium predigen mußten, so habt ihr jetzt ebenfalls Heiden, Ungläubige,
fanatische Buchstabenausleger und beschränkte Zeremonienreiter vor euch, von
denen die ersten gar nichts glauben, weil es ihnen so besser zusagt, und die
andern mit dem Halten des Religionskultus alles getan zu haben glauben, was
sie Mir schuldig sind.
17] Wie Ich einst Meinen
Jüngern versprach, ihnen den Tröster zu schicken, der sie führen und leiten
wird, wenn sie überall Schwierigkeiten und Hindernissen begegnen, so wird es
auch jetzt denjenigen ergehen, welche Mich im wahren Sinne lieben und Mein
Wort halten wollen.
18] Wäre dies nicht die
Verheißung Gottes, der alles Erduldete reichlich vergelten will, so wäre es
entschuldbar, wenn selbst die Eifrigsten in ihrer Mission scheiterten und die
Hoffnung verlören, auch nur den kleinsten Teil der Menschheit vom gänzlichen
Verderben zu retten. Da aber Ich als Schöpfer, Herr und Vater die Zügel der
ganzen Welt in der Hand habe, so werde Ich auch, wie Ich es Meinen Jüngern
versprach, bei denjenigen wohnen, die Mich lieben und Mein Wort halten, d.h.
Ich werde ihr Ratgeber und Führer sein. Ich werde ihnen die reifen Seelen in
den Weg führen, die durch bittere Schläge zugänglich und mürbe gemacht worden
sind, welche die Vergänglichkeit der Welt gekostet haben, und sich nach
Besserem sehnen.
19] Ich werde Meine jetzigen
Jünger im Glauben und festen Vertrauen in Meine Fügungen stets mehr
bestärken, werde ihnen durch Mein Wohnen in ihren Herzen Ersatz geben für
alles, was sie Meinet und Meiner Lehre wegen erdulden müssen, damit sie
mitten im trüben Gewirr aller menschlichen Leidenschaften die klare Fernsicht
behalten und das Ziel ihrer Aufgabe nicht aus den Augen verlieren. Daher
folgt unverdrossen Meinen Worten und Meiner Lehre!
20] Wißt ihr, warum Ich selbst
nun durch Meine Knechte und Schreiber euch Meinen Willen mitteile?
21] Der Grund, daß schon seit
mehreren Jahren Meine direkten Mitteilungen reichlicher fließen als in
früheren Zeiten, und daß Ich euch so viel Himmelsbrot gebe, wie es seit
Meinem irdischen Lebenswandel nie geschehen ist, ist der, weil gerade jetzt
der Zeitpunkt sich nähert, an dem die Welt ihren Gipfelpunkt in den
Verirrungen und im Abweichen von Meinen Schöpfungszwecken erreichen wird.
Damit nun - zumal dies Meine Wiederkunft bedingt - nicht alle Menschen
verlorengehen, so habe Ich bestimmt, daß von nun an einzelnen, wie einst
Meinen Jüngern, Mein Wort und Meine Lehre unverfälscht zukommen soll, nicht
verschleiert wie in den Propheten, sondern klar und verständlich, wie Meine
Jünger es einst die Völker lehrten.
22] Dort war das Verbreiten der
Lehre schwieriger; heute aber ist durch eure Erfindung der Buchdruckerkunst
das Verbreiten Meiner Lehre bei weitem leichter, so daß überallhin, wo die
Finsternis der weltlichen Macht sich geltend machen will, der Schein Meines
ewigen Liebe und Gnadenlichts dringen kann.
23] Ich will jetzt dem
Ungläubigen die Augen öffnen und den Buchstabenauslegern Meiner Bibel den
eigentlichen Sinn erklären, damit niemand sich entschuldigen könne, als hätte
er nichts davon gewußt, und durch diese Ausrede Mich beschuldigen möchte,
während doch die ganze Schuld auf ihn selbst fallen wird.
24] Daher seid stark, ihr
wenigen, die ihr zerstreut in verschiedenen Gauen noch Meine Perlen im
eigenen Herzen bewahret! Vertraut auf Mich! Ich wohne bei und in euch, Ich
werde euch führen und nicht verlassen, solange ihr Mich liebt und Mein Wort
haltet. Euch habe Ich alles - Mein Ich, Meine Schöpfung und das Verhältnis
des Menschen zu beiden - durch viele Worte klar gezeigt. Für euch gibt es
keinen Entschuldigungsgrund, als hättet ihr es nicht gewußt. Nur das eine ist
noch bei manchen von euch der Fall, daß sie Mein Wort nicht in der größten
geistigen Tiefe auffassen. Doch dazu werde Ich euch schon Meinen Tröster und
heiligen Geist in Form von bitteren Erfahrungen und Zweifeln schicken, um
auch diese letzte Schattenseite aus den Herzen Meiner Ergebenen zu entfernen;
denn wer berufen ist, einst auf andere zu wirken, der muß in sich selbst fest
sein und genau wissen, was er zu tun und was er zu lassen hat.
25] Meine Worte sind einfach
und klar, nur dürfen nicht die Selbstliebe der Dolmetscher und falsche
Ausleger dabei sein; denn sonst würde von euch manches entschuldigt, was bei
Mir nicht vergeben werden kann.
26] Daher prüfet euch wohl!
Bedenket: Ich treibe keinen Scherz mit euch und will auch nicht, daß ihr mit
Mir nur so gelegentlich verhandelt, wie es euch gerade genehm ist!
27] Ernst ist das Leben und
heilig Meine Sache! Hinter diesem flüchtigen, irdischen Scheinleben steht ein
ewiges, wahres Leben, in dem keine Ausflüchte, keine Entschuldigungen gelten
können und dürfen; denn es ist das Reich des wahren Gottes, der nur eine Wahrheit
und die Liebe zu ihr kennt.
28] Darum befleißigt euch, Mich
zu lieben und Mein Wort zu halten! Ihr tut damit den größten Dienst euch
selbst; denn ihr erkämpft euch durch dies Liebe das ruhige Bewußtsein der
edlen Tat und eine bessere Stellung und ein leichteres Fortschreiten im
Jenseits.
29] Ich bin kein strenger
Richter, kein zürnender Gott und will auch keiner sein. Ich bin - wie Ich es
euch oft gesagt habe - ein liebender Vater, ein voraussehender Hirte, der
seine Schafe auf gute Weideplätze und weit weg von jenen Gegenden führen
möchte, wo Abgründe oder sonstige Hindernisse ihrem geistigen Leben Gefahr
bringen könnten.
30] Ich will nur das Gute, weil
Ich die Güte selbst bin! Ich will nur die Liebe, weil Ich die Liebe selbst
bin, und Ich will euch zu geistigen, höheren Wesen machen, weil Ich als das
höchste geistige Wesen selbst nur solche Kinder um Mich haben möchte, die Mir
und Meinem Reiche Ehre machen und ihren Frieden und ihre Freude nur in Mir
suchen.
31] Dies bezeugt das Wort, das
Ich einst Meinen Jüngern sagte: "Wer Mich liebt, der wird Mein Wort
halten!"
32] Haltet also Mein Wort und
macht euch Meiner Liebe würdig, und das Wort im Evangelium ist auch an euch
erfüllt! Amen.
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00] Der Abschied Jesus (Mt.28,18-20): Jesus trat zu ihnen,
redete mit ihnen und sprach: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und
auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen
des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten
alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis
an der Welt Ende!"
01] Diese Worte sagte Ich zu
Meinen Jüngern, als Ich ihnen nach Meiner Auferstehung vom Tode auf einem
Berg in Galiläa erschien. Es waren dies Worte, welche nicht Jesus, der
Zimmermannssohn von Nazareth, zu Seinen Schülern sprach, sondern es waren
Worte, die Gott der Herr alles Geschaffenen zu Seinen Kindern und einzigen
Verehrern und Gläubigen Seiner Lehre redete. Denn mit dem Kreuzestod hatte
Mein irdisches Wandeln auf eurer Erde seinen Abschluß und mit Meiner
Auferstehung Meine Göttlichkeit ihre Bestätigung gefunden.
02] Schon bei einer anderen
Gelegenheit sagte Ich zu Meinen Jüngern, daß Ich, der Sohn, und der Vater im
Himmel eins sind, und daß, wer Mich sieht, auch den Vater sieht; aber ganz
begreiflich war dieses Wort Meinen Jüngern doch nicht, weil sie Mich wohl als
einen, mit einer größeren Willenskraft als andere ausgestatteten Menschen
anerkannten, aber von ihrem Gott doch ein anderes Bild in ihrem Herzen
trugen, als daß es von ihnen mit Meiner Persönlichkeit hätte gleichgesetzt
werden können.
03] Nach Meiner Auferstehung,
einer nach menschlichen Begriffen außergewöhnlichen Tat, stieg ihre Idee von
Meiner Göttlichkeit schon etwas höher; aber erst am Himmelfahrtstag erreichte
sie ihren Kulminationspunkt, wo sie Mich für das erkannten, was Ich ihnen oft
gesagt hatte.
04] Ich muß bei diesen wenigen
Worten des Textes solche Bemerkungen vorausschicken, damit euch das
Verhältnis Meiner Jünger zu Mir in jener Zeit besser begreiflich ist, und
damit ihr die Anwendung dieser Texte auch auf euch und die jetzige und noch
kommende Zeit leichter einsehen lernet.
05] Wie dort Meine Jünger nach
Meiner Grablegung verlassen und trostlos umherirrten und über den Verlust
ihres Führers trauerten, ja selbst an Meiner göttlichen Sendung zweifelten,
ebenso ist die jetzige Menschheit - gläubig oder ungläubig - unschlüssig, ob
sie etwas glauben, oder ob sie wohl alles verwerfen soll.
06] Meine Jünger waren auch
nicht alle von gleicher Fassungskraft, nicht alle von gleichem Eifer für
Meine Lehre beseelt, nicht alle von Meiner Göttlichkeit überzeugt. Daher mußte
Ich manchmal, selbst nach Meiner Auferstehung, zu außerordentlichen
Kundgebungen greifen, um auch die Schwachen vollends zu überzeugen, daß Ich
Der sei, für den Ich Mich ausgab, und daß Meine Worte, wie Meine Lehre, nicht
für sie allein, sondern für die ganze Welt, für das ganze Geisterreich und
für die Ewigkeit bestimmt seien.
07] Wie dort, so jetzt: Auch
jetzt muß Ich durch kräftigere Handlungen in den weltlichen Wirren auf eurem Erdball
die Eingeschlafenen wecken, die Halbwachen bestärken und die Ganzwachen
beschützen, damit nicht ebenfalls Zweifel und Grübeleien den ausgestreuten
Samen an seinem Aufkommen hindern.
08] Denn seht: Wenn Ich heute
auf eurer Welt wieder sichtbar erscheinen werde, glaubt ihr denn, man wird
Mich so ohne alle weiteren Beweise für das halten, was Ich eigentlich bin?
Mitnichten! Es werden der Zweifler und Leugner, der Verfolger und Hasser
genug auftreten. Und wie in jener Zeit die Hohenpriester die römischen
Soldaten bestachen, daß sie aussagten, es wäre Mein Leichnam gestohlen
worden, so werden auch bei Meiner Darniederkunft die Vernünftler, die
Gelehrten und Priester alles aufbieten, um die Menschheit vom Gegenteil
dessen zu überzeugen, was Ich den Menschen sagen werde.
09] Glaubt ja nicht, daß diese
Menge von Menschen, welche jetzt in Andacht vor den Mir gebauten Altären und
Kirchen kniet, sich so schnell mit der Idee vertraut machen wird, Ich sei
wiedergekommen, zumal wenn sie hören wird, wo Mein erstes Auftreten und wie
Meine Worte an sie gerichtet sein werden!
10] In jener Zeit, in der durch
Elementarereignisse und sonstige Wunder die Juden sich wohl hätten überzeugen
können, daß derjenige, den sie kreuzigen halfen, etwas anderes als ein gewöhnlicher
Mensch war, konnte Ich Mich nach Meiner Auferstehung doch nicht dem ganzen
Judenvolk zeigen, sondern nur Meinen Jüngern, und konnte nur den wenigen, die
wahrhaft an Mich glaubten, den tatsächlichen Beweis geben, daß die Worte, die
Ich zu ihnen oft klar, oft in Bilder eingekleidet, gesprochen hatte, und die
von der Besiegung des Todes und von Meiner Auferstehung handelten, wahr
waren.
11] Und wie in jenen Zeiten, so
wird es wieder geschehen. Nur einem kleinen Kreis Meiner wirklichen Jünger
wird es im Anfang zuteil werden, Mich als zurückkehrenden Jesus, aber auch
als Gott, Herrn und Schöpfer des Unendlichen ertragen und erkennen zu können.
Diesen werde Ich erscheinen und werde ihnen, wie einst Meinen Jüngern auf dem
Berg in Galiläa zurufen: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf
Erden! Gehet hin, lehret die Völker und taufet sie, d.h. weihet sie alle ein
in diese Lehre im Namen der göttlichen Dreieinigkeit, im Namen des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes! Lehret sie aber auch halten, d.h. in
Taten ausüben, was ihr selbst als Wahres erkannt habt, und seid versichert,
daß Ich bei euch sein werde von Anfang bis in alle Ewigkeit! Amen."
12] So wird der Ruf an die
kleine Schar ergehen, die Ich auserlesen habe zur weiteren Verbreitung Meines
göttlichen Worts, welches Ich einst als Mensch mit Meinem Blut erkauft und
besiegelt habe. So wird es geschehen, daß auch diese Neuerwählten, wie einst
Meine Jünger, als Wiedergeborene mit aller Macht von Mir ausgerüstet werden,
um ihre Worte durch Taten zu bekräftigen und Mir den Weg zu ebnen, damit Ich
nur Mir zugewandten, aber nicht entfremdeten Herzen begegne.
13] Jetzt schon ist Mein
Darniederkommen eingeleitet, indem Ich, wenn auch nicht sichtbar, doch schon
geistig einwirke, um Mir eine Anzahl Jünger zu bilden, welche die Wege ebnen
sollen. Und was die Aufgabe Meiner Jünger in jener Zeit war, was Meinen
Auserwählten damals bei Meiner sichtbaren Ankunft aufgetragen wurde, das
müssen Meine jetzigen Anhänger geistig vollführen. Auch ihnen, sowie euch
allen, rufe Ich zu: "Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden!
Zweifelt nicht an Meiner Liebe, an Meiner Lehre und an Meinem Versprechen,
welches Ich der Menschheit, und somit auch euch, gegeben habe; denn Ich bin,
war und werde stets der Herr sein, der Seine Kinder beschützen, führen und
auch für ihr Ausharren einst belohnen wird.
14] Mir ist alle Gewalt
gegeben, Mir muß alles gehorchen, von Mir ging alles aus, und zu Mir muß
alles wieder zurückkehren. Streut Meinen Samen aus in die Herzen, welche
gutes Erdreich für solche Frucht zeigen! Vermehret Meine Anhänger, weiht sie
ein in das eigentliche Verständnis Meiner zwei einzigen Liebesgebote, damit
sie das Wahre vom Falschen unterscheiden und den Irrlehren Widerstand leisten
können! Mir ist die Macht gegeben, mit der sanftesten Liebelehre die
härtesten, verstocktesten Gemüter zu bekehren und zu erweichen.
15] Taufet eure Mitbrüder und
Mitschwestern mit dem Geist der Duldung, der Aufopferung und der Verzeihung!
Lehret sie alle die Nachsicht, wie Ich sie gegen euch und die ganze
Menschheit schon seit unendlichen Zeiten geübt habe! Lehret sie den geistigen
Genüssen die weltlichen unterordnen! Lehret sie die große, langandauernde
Ewigkeit jenseits des Grabes nicht durch eitle, nichtige Jagden nach
Weltgütern verscherzen!"
16] So sollt ihr Meine Lehre
als geistigen Samen ausstreuen, damit auch ihr einen Anteil haben könnt an
dem Erneuerungswerk Meines geistigen Reichs, welches nach Meiner Ankunft auf
Erden herrschen soll.
17] So vollführt ihr geistig,
was einst Meine Apostel tatsächlich getan haben. Und wie Ich Meinen Jüngern
dort in Aussicht stellte, daß sie alle einst bei Mir sein würden, so erwerbet
auch ihr euch dieses Recht, in Meiner Nähe die Liebe und die ganze Seligkeit
fühlen zu dürfen, die denen vorbehalten ist, die Mein Wort und Meine Lehre
sich so zu eigen gemacht haben, daß sie ganz zu ihrem Ich geworden sind.
18] Seht, Ich verspreche euch
viel; aber wie einst, so sage Ich auch jetzt: Mir ist alle Macht inne! Ich bin
der Herr und Schöpfer, bin aber auch zugleich euer Vater, euer liebender,
stets nachsichtiger Vater, der nur in den Freuden, geistigen Genüssen und
Seligkeiten Seiner Kinder Seine eigenen wieder verherrlicht sieht.
19] Daher werdet ihr, wenn es vielleicht euch allen nicht zuteil
wird, Mein persönliches Erscheinen auf dieser Welt mitzuerleben, von dorther,
von wo Ich komme, Mich begleiten und mit Wonne und Zufriedenheit Meine
väterlichen Freuden mitgenießen, wozu ihr, wie es euch euer Bewußtsein sagen wird,
ebenfalls euer Scherflein beigetragen habt.
20] Dann werdet ihr Mich und
Meine Führungen preisen, wenn ihr klar erkennen werdet, wie die Worte gemeint
waren, welche Ich zu Meinen Jüngern einst sagte; denn ihr werdet Mich in
Meiner ganzen Macht, in Meiner ganzen Liebe, in Meiner ganzen Herrlichkeit
sehen, wie Ich wieder sichtbare Umkleidung wähle, um Meinen gläubigen, schon
längst sich nach Mir sehnenden Schafen der einzige und wahre Hirte zu werden.
Dann wird die Erde materiell dem Bilde der geistigen Welt auf ihr folgen; sie
wird wieder zu einem Paradiese werden, wenn der Seelenfrieden oder das
geistige Eden in allen Herzen seinen Wohnort aufgeschlagen hat.
21] Diesen genuß und diese
Feier weiter auszumalen, ist nicht möglich; denn ihr ertraget und begreifet
es nicht, aber daß sie euch vorbehalten ist, das kann Ich euch versichern, -
und Mein Wort trügt nicht.
22] Jetzt schon bereitet sich
diese Umwandlung geistig auf eurem Weltkörper vor. Inniges Sehnen nach dem
geistigen Frühling hebt die bedrängten Herzen. Es regt sich überall. Viele
wissen nicht, wie ihnen geschieht. Die einen handeln mit, die andern ohne
vorgesetzten Zweck. Alle treibt es zu geistiger Reife; selbst die größten
Materialisten, die verstocktesten Ungläubigen und Gleichgültigen läßt es
nicht in Ruhe. Wie ein Sonnenstrahl, welcher durch eine kleine Öffnung eines
geschlossenen Fensterladens auf einen Schlafenden fällt und ihn beruhigt,
ebenso trifft dieser Liebestrahl, der Meinem Wiederkommen vorausgeht, alle.
Die einen wollen sich seiner Wirkung durch Verstandesgrübeleien entziehen.
Sie schwätzen sich selbst auf einige Zeit Ruhe ins Herz; aber es hilft
nichts. Neue Zweifel, neue ,Warum` steigen auf. Immer wieder regt es sich; es
bewegt sie der herrschende Geist, der schon die ganze Welt in seine Sphäre
eingehüllt hat. Vergebens ist es, diesen Geisteszwang abschütteln zu wollen.
Die Verhältnisse und Ereignisse lassen die Menschen immer mehr fühlen, daß
alles, was sie als Endziel, als Zweck ihres Lebens betrachten, nicht das
Ende, nicht das letzte Ziel ist. Unaufhaltsam drängt es sie vorwärts. In
Sturmeseile geht es der Zeit entgegen, in der Meine Darniederkunft ihnen
allen beweisen wird, daß nicht Weltliches, sondern Geistiges angestrebt
werden muß, daß nicht ein kurzes Erdenleben, sondern die lange Ewigkeit der
eigentliche Aufenthalt Meiner von Mir als Geist geschaffenen Wesen ist.
23] Unaufhaltsam drängt es dem
Schlußpunkt entgegen, wo Ich, wie einst Meinen Jüngern, Meinen neuen
Auserwählten die gleichen Worte sagen werde: Mein ist die Macht - auf der
Erde, wie im Himmel! Bereitet euch vor, Meine Kinder, wo ihr auch sein möget
- hier oder dort -, dieses Auferstehungsfest der geistigen Menschenwürde mit
Mir zu feiern; denn es ist nicht allein das größte Fest für euch Menschen,
sondern auch das wichtigste für Mein ganzes, großes Geisterreich, in welchem
dieser Schluß der Beweis sein wird, warum Ich einst auf eure kleine Erde
herabstieg, und warum Ich gerade euch unansehnliche und kleine Geschöpfe auf
einem in der Unendlichkeit herumkreisenden Sandkorn auserwählt habe, Meine
Kinder zu werden.
24] Ich will wieder beweisen,
daß Ich im Kleinsten am größten bin. Wäre Mir nicht alle Macht gegeben, so
könnte Ich es nicht ausführen, wäre aber auch kein Gott, den diese Macht weit
über alles Geschaffene erhebt und selbst dem größten Engelsgeist unerreichbar
ist.
25] Nehmt diese Worte, ihr
kleinen Kinder des großen Gottes, als Zeichen Seiner Liebe und erinnert euch
Seiner Worte, die Er als Jesus einst sagte: "Wer über Kleines gesetzt,
es pflichtmäßig verwaltet, dem wird einst Großes anvertraut werden."
26] Wie Ich einst bei euch
winzigen Würmern in Meiner großen Schöpfung den größten Liebesakt vollzog, so
sollt auch ihr trachten, eben im Kleinsten, selbst bei sonst unscheinbaren
Vorkommnissen, Meine Liebesgesetze zu befolgen und sie am ehesten und
gewissenhaftesten auszuüben, damit auch ihr im Kleinsten eure größte
Seelenstärke zeigen und bewähren könnt. So seid ihr Meine würdigen Kinder,
die wert sind, einst über Großes gesetzt zu werden, wo ihr dann im Großen
Frieden und Seligkeit verbreiten könnt, wie ihr es nicht unterlassen habt,
sie auf eurer kleinen Erde bei den geringsten Verhältnissen an den Tag zu
legen.
27] Dies merkt euch wohl! Weiht
auch andere in die Geheimnisse eures Herzens ein, lehrt sie ebenfalls Mein
Evangelium verstehen und begreifen, damit ihr, wie Meine Jünger, Anspruch
haben könnt, einst in Meiner Nähe die ganze Kraft der Liebe zu genießen,
deren ein göttlichväterliches Herz fähig ist! Amen.
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