PREDIGTEN DES HERRN

Von Gottfried Mayerhofer - Durch das Innere Wort erhalten und niedergeschrieben Predigt 1- 27

 

 

INHALT

 

INHALT  2

gm.pred.001. Predigt: Lk.21,25-26 am 1. Advent (23.11.1871)  2 - Die Zeichen der Zukunft

gm.pred.002. Predigt: Mt.11,26. 27-30 am 2. Advent (04.12.1871)  4 - Die Anfrage des Johannes

gm.pred.003. Predigt: über Joh.01,01-27 am 3. Advent (09.12.1871)  8 - Zeugnis des Johannes über Jesus:

gm.pred.004. Predigt: Lk.03,02-20 am 4. Advent (10.12.1871)  12 - Die Bußpredigt Johannes des Täufers

gm.pred.005. Predigt: Lk.02,01-14 am am Weihnachtstag  16 - Die Geburt Jesu -Die Geburt Jesu

gm.pred.006. Predigt: Lk.02,33-40 am Sonntag nach Weihnachten(25.12.1871)  20 - Die Darstellung Jesu im Tempel

gm.pred.007. Predigt: Lk.02,42-50 am 1. Sonntage nach Epiphanias(26.12.1871)  23 - Der zwölfjährige Jesus im Tempel

gm.pred.008. Predigt: Joh.02,01-11 am 2. Sonntage nach Epiphanias  27 - Die Hochzeit zu Kana

gm.pred.009. Predigt: Mt.08,01-04 am 3. Sonntage nach Epiphanias (11.01.1872)  29 - Die Heilung eines Aussätzigen

gm.pred.010. Predigt: Mt.20,01-16 am Sonntage Septuagesimä (01.1872)  33 - Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge

gm.pred.011. Predigt: Lk.08,04-15 am Sonntag Sexagesimä (20.01.1872)  37 - Das Gleichnis vom Sämann

gm.pred.012. Predigt: Lk.18,35-43 am Sonntage Esto mihi (21.01.1872)  41 - Die Heilung eines Blinden

gm.pred.013. Predigt: Mt.04,01-11 am Sonntage Invocavit (Den 21. Jan.1872)  44 - Die Versuchung des Herrn

gm.pred.014. Predigt: Mt.17.01-13 am Sonntag Reminiscere (Den 25. Jan. 1872)  48 - Die Verklärung Jesu

gm.pred.015. Predigt: Lk.11,14-28 am Sonntag Okuli (27.06.1872)  52 - Die Austreibung eines Teufels

gm.pred.016. Predigt: Joh.06.01-15 am Sonntage Lätare (16.02.1872)  56 - Die Speisung der Fünftausend

gm.pred.017. Predigt: Joh.08,59 am Sonntage Judica (Den 17. Febr.1872)  60 - Versuch der Juden, Jesus zu steinigen

gm.pred.018. Predigt: Mt.21,01-09 am Palmsonntage (Den 18. Febr. 1872  63) - Jesu Einzug in Jerusalem

gm.pred.019. Predigt: Mk.16,01-08 am Ostersonntage (Den 19. Febr. 1872)  67 - Die Auferstehung Jesu

gm.pred.020. Predigt: Joh.20,19-31 am Sonntage Quasimodogeniti (Den 5. März 1872)  71 - Die Erscheinung Jesu bei den Jüngern

gm.pred.021. Predigt: Joh.10,01-16 am Sonntag Misericordias Domini (09.03.1872)  74 - Jesus als guter Hirte

gm.pred.022. Predigt: Joh.16,16-23 am Sonntag Jubilate (10.03.1872)  78 - Vorbereitung auf Jesu Heimgang

gm.pred.023. Predigt: Joh.16,05-06 am Sonntag Kantate (18.03.1872)  81 - Die geistige Heimat

gm.pred.024. Predigt: Joh.16,23 am Sonntage Rogate (19.03.1872)  85 - Richtig beten

gm.pred.025. Predigt: Joh.15,26 u. Joh.16,07 am Sonntag Exaudi (20.03.1872)  90 - Die Verheißung des Trösters

gm.pred.026. Predigt: am Pfingstsonntage (24.03.1872)  94- Jesus und Seine Kinder

gm.pred.027. Predigt, am Dreifaltigkeitssonntage  98 - Der Abschied Jesus

 

 

gm.pred.001. Predigt: Lk.21,25-26 am 1. Advent (23.11.1871)

   00] Die Zeichen der Zukunft (Lk.21,25-26): Und es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die auf Erden kommen sollen; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen.

 

   01] Dieses ist der erste Evangelientext, mit welchem gewöhnlich das Kirchenjahr seinen Anfang nimmt. Er wird alle Jahre den Gläubigen in der Kirche vorgelesen, alle Jahre erklärt - so oder so -, wie es dem Prediger gerade zu seinem Zweck paßt. Wenn auch mancher von Zeichen und Wundern spricht, so wissen doch wenige von ihnen, worin diese Zeichen bestehen und auf welche Art sie die künftige Zeit verkünden werden. Die meisten Prediger nehmen ihre Erklärungen für den Text aus dem politischen Staatenleben und wollen so Geistiges durch Weltliches erläutern. Das ist ein ebenso eitler Versuch, als wollte man die geistige Welt durch die materielle erklären, während das Umgekehrte geschehen sollte, sind doch die weltlichen Ereignisse eine Folge von geistigen Umwälzungen.

 

   02] Seht, Meine Kinder, als Ich in jener Zeit von den Zeichen sprach und den Juden die Zerstörung ihres Tempels voraussagte, glaubten wenige von ihnen Meiner Aussage, weil sie Mich nicht kannten. Jetzt, da Ich euch das nämliche zurufe, gibt es ebenso viele Zweifler und Ungläubige, die die Zeichen von woandersher erwarten, als von wo sie wirklich kommen werden.

 

   03] In jener Zeit sagte Ich den Untergang des Tempels von Jerusalem und das Aufhören des jüdischen Stammes als selbständiges Volk voraus. Ich sagte ihnen voraus, daß die Art und Weise, wie sie ihre Religionsgesetze beachten, gerade das Entgegengesetzte von dem sei, was Moses und die Propheten ihnen geben wollten, und daß dieser Art der Anschauung und werktätigen Ausübung ein Ende gemacht werden müßte, eben durch die eigentliche Auslegung, wegen der Ich gekommen bin und auch Mein Leben für diese Lehre gelassen habe.

 

   04] Sie wollten sich nicht von dem längst als Glauben oder Religion Angewöhnten trennen. Für sie galt der Tempel zu Jerusalem als Repräsentant des geistigen Religionsgebäudes. Da es aber in diesem Tempel so heillos zuging, und die Religion so gepredigt und ausgeübt wurde, wie es den Interessen der Priester und Pharisäer angemessen war, mußte, sollte die Menschheit nicht im Sumpfwasser ihrer schlechtesten Leidenschaften verfaulen, dieser materielle Tempel fallen. Erst auf seinen Ruinen konnte ein anderer, geistiger, ewig dauernder Tempel erbaut werden, zu dem Ich während Meines Erdenlebens den Grundstein gelegt habe.

 

   05] Schon von damals an, sowie nach Meinem Heimgang bis zu Meiner nächsten Wiederkunft fehlte und fehlt es nicht an Zeichen der Mahnung zur Umkehr; allein immer schien es nicht an der Zeit, den jetzigen Tempel - nämlich Rom und seine Wirtschaft - zu zerstören. Wenn auch vielen Menschen in besseren Augenblicken ein Lichtstrahl der Zukunft das Herz erleuchtete, - in Rom blieb es finster, und statt heller wurde es immer finsterer.

 

   06] Was einst in Jerusalem geschah, wo die bewaffnete Macht der Römer lange Zeit die Religion der Juden und ihre Gebräuche achtete und sie gewähren ließ, das geschah auch bis auf den heutigen Tag, wo die Machthaber mit dem Schwert in der Hand dem Unfug in Rom, wenngleich sie ihn kannten, nicht steuern wollten, sondern ihn zu ihrem eigenen Interesse ausbeuteten. Allein, wie einst die Juden durch ihren Übermut und ihre Empörungssucht den Fall des Tempels und den Ruin ihrer eigenen Existenz herbeiführten, so wird auch jetzt das Gebäude des Unfehlbaren auf Petri Stuhl in Rom (krit. Anmerkung) durch Übermut und Blindheit seiner eigenen Mithelfer fallen und wieder wie einst Meiner Lehre Platz machen müssen.

 

   07] Was bei Meiner ersten Darniederkunft als Mensch geschah, wird sich wieder ereignen. Es werden Zeichen geschehen. Wohl denen, die sie verstehen und sie zu ihrem eigenen und dem Besten der Mitmenschen benutzen werden!

 

   08] Das Vorausgesagte wird, im geistigen Sinn, mit ebendiesen Symptomen beginnen - und hat eigentlich schon längst seinen Anfang genommen -, wie einst während Meines irdischen Erdenwandels. Kriege und Empörungen, Verfolgungen Meiner Anhänger, ängstliches Bangen der Dinge wegen, die da kommen würden, Krankheiten aller Art, waren die Vorboten in jenen Zeiten; und auch jetzt werden sie nicht fehlen. Nicht aber, daß Ich sie schickte, sondern dieses Schicksal bereiten sich die Menschen nur selbst durch ihr Nichtverstehen Meiner göttlichen Worte, die stets die gleichen bleiben werden. Auch jetzt weht der Wind der geistigen Freiheit und durchdringt alle menschlichen Herzen. Die schon längst mit Füßen getretenen Menschenrechte wollen sich Geltung verschaffen, wollen geachtet und nicht, wie schon seit mehr als tausend Jahren, nur von einer Sekte oder Kaste - nämlich der stärkeren - mit Füßen getreten sein.

 

   09] Man sagt auch: ,Der Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird!` Nun, die geistlichen und weltlichen Machthaber haben den Wurm lange genug getreten, wollten sich denselben ganz untertänig und botmäßig machen und die menschliche Würde erst bei sich anfangen lassen. Zuviel schadet! Und so ist, nachdem sie den Bogen zu sehr gespannt haben, das Reißen nahe. Sie fühlen es wohl; daher ihre Angst, ihre Suche nach Mitteln, selbem zu steuern. Aber umsonst! Wie einst zu Jerusalem, so graben sich diese Machthaber selbst die Grube, in welche sie eigentlich andere hineinwerfen wollten.

 

   10] Damals riet Ich Meinen wenigen Anhängern, mäßig zu sein, ihre Seelen und Körper rein zu halten und nicht zu schlechten Handlungen zu mißbrauchen, damit sie gereinigt vor dem Menschensohne stehen können, wenn Er kommen wird.

 

   11] Und jetzt gilt derselbe Mahnruf: Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet! Haltet euch rein, stärkt euch mit dem Glauben an Meine Liebe und an Meine göttliche Fürsorge, die, wenn sie auch das Schrecklichste zuläßt, doch nie die strafen wird, welche Meiner Lehre mit kindlichem Gemüt angehangen und mit gläubigem Eifer danach tätig waren.

 

   12] Die Zeichen der Zeit werden dann spurlos an euch vorübergehen, wenn ihr euern Körper auf wenige leibliche Bedürfnisse habt beschränken lernen, aber desto mehr auf das Aufbauen eures geistigen Seelenmenschen bedacht seid. Sodann werdet ihr wie einst in jenen Zeiten Meine Anhänger ein Halleluja ertönen lassen, auch über rauchenden Trümmern weltlichen Glanzes und über Schlachtfeldern, wo zwar die Materie erlegen, jedoch der Geist frei geworden ist, zum Zeichen Meiner Größe, Meiner Liebe und Erbarmung. Amen.

 

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gm.pred.002. Predigt: Mt.11,26. 27-30 am 2. Advent (04.12.1871)

   00] Die Anfrage des Johannes (Mt.11,26. 27-30): Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: "Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?" Jesus antwortete und sprach zu ihnen: "Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert!" - Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

  

01] Als in jener Zeit Johannes im Gefängnis saß, schickte er einige seiner Jünger zu Mir, und ließ Mich fragen, ob Ich derjenige sei, welcher als der verheißene Messias kommen solle, um die Völker von ihrem materiellen Druck zu befreien und sie zur geistigen Würde zu erheben, deretwegen die Menschen eigentlich geschaffen wurden, - oder ob er auf einen andern warten solle.

  

02] Diese Frage, ob Ich eigentlich derjenige sei, von dem die Propheten weissagten, ist auch jetzt wieder in den Gemütern, die nicht recht im klaren mit sich selbst sind, aufgetaucht. Sie haben wohl eine leise Ahnung von einem künftigen geistigen Zustand, der die alten herkömmlichen Religionsgewohnheiten zum Teil vernichten wird und zum Teil auf ihr rechtes Maß zurückführen soll.

  

03] Deswegen schicken auch sie ihre Jünger und lassen fragen: "Bist Du derjenige, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?"

  

04] Diese Jünger oder Anhänger der eigentlichen, wahren Religionslehre sind noch befangen von den ihnen von Jugend an eingeprägten Religionsgrundsätzen, die nicht immer Meine Lehre ins rechte Licht stellten und, vermischt mit Gebräuchen, den Gläubigen stets zum Schwanken brachten.

  

05] Diese Jünger oder Männer, welche sich an die Spitze der Religions- und Glaubensbewegungen gestellt haben, sind noch nicht frei von Vorurteilen. Sie fragen in ihrem Innern bei Mir an: ,Handeln wir so recht oder nicht?` Und Ich, der Ich jetzt durch Meine Knechte die Lehre, wie Ich sie einst gab, wiedergegeben habe, und noch fortwährend erläutere, sage ihnen: Seht Meine Taten; seht Meine Kinder, wie sie die Gottes und Menschenliebe auffassen; seht, welche Willenskraft in einzelnen Wunder wirkt, nicht wie einst durch Meine eigene Hand, aber doch so, daß sie in vielen Fällen eure Gelehrten und Doktoren zuschanden machen werden.

  

06] Auch damals sagte Ich: "Ihr seid wie die Kinder! Ihr habt gepfiffen, und eure Gespielen wollten nicht tanzen; ihr habt geklagt, und sie wollten nicht weinen!" Und jetzt sage Ich wieder: ,Ihr Unmündigen glaubt und hofft, die Menschen werden euren Führern folgen, und ihr werdet das Gegenteil sehen! Ihr Menschen nebst euren Führern werdet klagen und doch niemandem Tränen entlocken oder Mitleid erwecken können!`

  

07] Ja, wie einst, so ist es auch jetzt und wird es stets sein: Dem Himmelreich muß Gewalt angetan werden! Es muß mit Gewalt der alte Adam verdrängt und mit festem Willen der neue angezogen werden, sonst ist alles Reformierenwollen umsonst. Mittelwege einschlagen und teilweise Meine Lehre, teilweise Gebräuche veralteter Institutionen gebrauchen wollen, geht nicht an. Ich bin ein Geist, und wer Mich anbeten will, muß Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten Mit Wahrheit anbeten heißt: mit unerschütterlichem Vertrauen - mit Gewalt! Und wer mit Gewalt den Himmel ergreift, dessen Eigentum wird er auch sein.

  

08] Die Menschen von damals und die Menschen von heute hatten und haben eine irrige Idee von Johannes, Meinem Vorgänger, und von Mir selbst. Johannes glaubten sie zu finden, wie sie selbst waren, nach ihren weltlichen Begriffen. Mich stellten sie sich ebenfalls vor als einen die weltlichen Verhältnisse Verbessernden. Jedem Vorgänger und ernsten Kämpfer für Meine Lehre wird es ergehen wie dein Johannes; er wird ebensowenig begriffen werden wie Ich, der Ich schon in dieser Meiner Lehre mehrere Jahre hindurch unter euch weile, mittelbar und unmittelbar Mich euch kundgebend durch Meine Schreiber und Knechte.

  

09] Überall möchten die Menschen, wenn sie auch von Meiner Lehre etwas wissen oder neuerdings erfahren, dieselbe dem Leben so anpassen, daß es keiner Aufopferung, keiner Verleugnung bedarf, um Meine Jünger, Meine Kinder zu werden.

  

10] Was Ich einst über die Stadt Judas sagte, gilt auch heute noch für die großen Hauptstädte eurer Erde. Dort, wo die größte Aufklärung walten sollte, herrscht die größte Finsternis, und in jenen Städten, wo Ich Mich den Menschen direkt kundgebe, dort nimmt man am wenigsten Notiz von Mir, wie einst in Kana, wo Ich das erste öffentliche Wunder wirkte.

  

11] Ihr seht, daß ein Jahrtausend verflossen ist, aber die Menschen stets die nämlichen geblieben sind.

  

12] Einst sagte Ich: "Mich, den Sohn, kennt nur der Vater, und den Vater kennt allein der Sohn." Und auch jetzt muß Ich leider ebenfalls sagen: ,Mich, die mit Weisheit tätige Liebe, kennt nur allein die Gottesliebe im höchsten Sinn.`

  

13] Die Menschen möchten Mich finden, doch verstehen sie nicht zu suchen. Noch sind Führer und Geführte befangen, noch hängt ihnen, wie einst Moses, eine dreifache Decke über den Augen, und wenn Ich sie auch lüften möchte, wenn Ich auch rufe: "Kommet her, ihr alle, die ihr beladen seid, auf daß Ich euch erquicke!", so verstehen sie diesen Ruf nicht. Sie kennen des Hirten Stimme noch nicht, sie sind verirrte Schafe, die erst nach langem Herumtappen im Finstern zum Licht der Liebe, der Wahrheit und des freien Bewußtseins gelangen werden.

 

 14] Auch jetzt wird es so sein, wie Ich einst sagte: "Den Hochmütigen wird vorenthalten werden, was den Unmündigen, mit dem Herzen Suchenden geoffenbart wird!"

  

15] Alle Reformer, die sich jetzt an die Spitze der Gläubigen gestellt haben, welche ein besseres geistiges Los ahnen, werden so manches von ihren Lieblingsansichten fahren lassen müssen wie ihre Nachfolger. Sie werden noch manches Bittere durchzumachen haben, bis sie Mein Wort von damals begreifen, welches heißt: "Mein Joch ist sanft,'und Meine Bürde ist leicht!" Lernt von Mir die Demut, die Sanftmut und die Nächstenliebe oder in religiöser Hinsicht die Toleranz, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele und auch fähig werden, anderen diese Ruhe zu geben, die ihnen jetzt noch mangelt.

  

16] So wie dort vor Meinen Lehrjahren sich alle diese Ereignisse zutrugen und Johannes als Vorläufer in der Wüste predigte, so ist es auch jetzt, ehe Mein wirkliches Darniederkommen erfolgt. Meine direkte Kundgebung an einzelne ist wieder Mein Vorläufer.

  

17] Der geistige Wind bläst. Er kommt von Meinen Himmeln, um eure mit allerlei schlechten Dünsten geschwängerte geistige Luft zu reinigen. Dieser geistige Wind ist der Erwecker, Läuterer und Träger einer neuen Ära, damit die Menschheit ihrem geistigen Ziele nähergebracht werde und endlich begreife, was Religion im geistigen Sinne bedeutet, was es heißt: Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten.

  

18] Noch immer klammern sich die Menschen an Zeremonien und Gebräuche, - ein Zeichen, daß sie selbst noch sehr materiell sind, nur Materielles wünschen und verstehen.

  

19] Wenn die Menschen erst geistig gebildet sein werden, wenn sie erkennen werden, daß Ich als Geist kein materielles Mittel brauche, um von ihnen verstanden zu werden, wenn sie einsehen werden, was eigentlich Geist und geistige Bildung heißt, dann werden sie begreifen, wie weit sie vom rechten Weg abgekommen sind. Sie nötigten Mich zu dem Ausruf, daß nur Ich als Sohn den Vater kenne und Er Mich. Dabei lehrte Ich einst körperlich auf Erden, wie diese Erkenntnis auch euch Menschen, die ihr doch alle einen Funken Meines göttlichen Ichs in eurem Herzen tragt, welcher euch stets zur Vereinigung mit Mir antreibt, gegeben werden könne.

  

20] Alle diese nun folgenden Erklärungen der im christlichen Kirchenjahr festgesetzten Sonntagsevangelien werden euch zeigen, wie die geistige Bildung der Menschheit stufenartig nach und nach vor sich geht. Die Erklärungen werden euch zeigen, wie ihr selbst, schon längst in diesem geistigen Strom mit fortgerissen, dem Weg der Aufklärung entgegengeht, um das zu werden, wozu Ich euch geschaffen, erzogen und bestimmt habe.

 

 21] Wacht auf, Meine Kinder! Verschließt eure Ohren nicht den Worten des Predigers in der Wüste, den Diktaten, die Ich euch in solcher Fülle schicke! Wacht auf, und höret die himmlischen Harmonien, die von oben herabgesandt werden, um euch zu beweisen, daß ihr - geistigen Ursprungs - ein anderes Ziel und eine andere Aufgabe häbt, als nur im Weltlichen zu leben!

 

 22] Es bläst der geistige Wind und durchzieht alle Herzen; und wenn auch Tausende sein Tönen nicht verstehen, so seid doch ihr nicht taub, die ihr seine Bewegung und seinen Zweck deuten könnt! Wacht auf, werft das Weltliche weit hinter euch! Ihr seid Geister, Bewohner einer andern, größeren, unendlichen, ewigen Welt! Vergeßt nicht, daß dieses Erdenleben, das so flüchtig an euch vorübereilt, ein Probe, - ein Prüfungsleben ist! Der größere, ja größte Teil harrt euer dort, wo ewig keine Sonne mehr untergeht, wo die Nacht verbannt ist und nur Licht, gleichbedeutend mit Liebe, als Erreger das ganze himmlische Gebiet durchdringt.

  

23] Laßt euch raten, jene Worte des Evangeliums, die Ich einst vor mehr als tausend Jahren ausgesprochen habe, in ihrem höchsten, geistigen Sinne zu deuten und zu fassen! Sie enthalten Meine ganze Vaterliebe zu Meinen Kindern.

  

24] Schon damals wollte Ich dem Judenvolk beweisen, welche Liebe ein Schöpfer als Vater haben kann und auch haben muß; allein sie verstanden Mich nicht. Und jetzt - leider muß Ich es bekennen -, jetzt verstehen Mich die Menschen im ganzen noch weniger.

  

25] Einst rief Ich ihnen zu: "Mein Joch ist sanft", - und heute sage Ich es wieder: ,Wie kann denn ein Joch der Liebe anders sein als sanft, wie die Last leichter, als wenn Liebe sie tragen hilft?`

 

 26] Begreift es wohl! Laßt die Welt, sie kann euch nur auf Augenblicke ergötzen, nie aber auf die Länge befriedigen; denn mit dem Besitz eines weltlichen Gutes hört die Hoffnung auf, es zu erlangen! Nicht aber so im Geistigen!

  

27] Mein Reich ist unendlich. Der geistige Besitz hat keine Grenzen und keine Schranken; daher ist das ewige Fortschreiten möglich. Mit jeder Stufe ist ein größerer Genuß, mit jeder Stufe größere Kraft und größere Fähigkeit zu erreichen.

  

28] Während im Weltlichen immer erst Verhältnisse und Umstände zusammentreffen müssen, um ein Erwünschtes zu erreichen, bietet der geistige Fortschritt immer Gelegenheit, vorwärtszugehen. Während im Weltlichen das meiste von andern abhängt, ist im Geistigen euer Inneres die größte Fundgrube, wo alle Schätze einer unendlichen, geistigen Welt verborgen liegen. Es ist euer Inneres, worin Ich Mich als Vater, als Sohn und als höchster Geist kundgeben kann, von welcher Kundgebung euer Friede und eure Ruhe abhängt, und wodurch ihr sodann alle Mißhelligkeiten des Lebens nicht als Strafen, sondern nur als weise und nötige Prüfungen ansehen lernt und den Satz erst ganz begreifen werdet: "Kommet her zu Mir, die ihr beladen seid!" Die Liebe, die ewige, unendliche Liebe eines himmlischen Vaters hat euch diese Last zwar aufgeladen, - aber Er hilft sie euch auch tragen.

  

29] Die Leiden und Mißgeschicke des menschlichen Lebens sind dann keine Plagen, sondern nur Segnungen eines Vaters, der Seine Kinder nicht zu weltlichen Herren, sondern zu geistigen Vorkämpfern Seiner Liebelehre hier und einst in jenem Reich ohne Ende machen möchte.

  

30] Dies nehmt alles wohl zu Herzen! Das Endresultat wird euch gewiß beweisen, was am Ende des Evangeliums (Matth.11, 30; d.Hsg.) steht: "Denn Mein Joch ist sanft, und Meine Last ist leicht." Amen.

 

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gm.pred.003. Predigt: über Joh.01,01-27 am 3. Advent (09.12.1871)

   00] Zeugnis des Johannes über Jesus: (Joh.01,01-27): Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugte von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeugt von ihm, ruft und spricht: "Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt." Und dies ist das Zeugnis des Johannes, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: "Wer bist du?" Und er bekannte und leugnete nicht; und er bekannte: "Ich bin nicht Christus!" Und sie fragten ihn: "Was denn? Bist du Elia?" Er sprach: "Ich bin es nicht!" "Bist du der Prophet?" Und er antwortete: "Nein." Da sprachen sie zu ihm: "Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?" Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat!" Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern und fragten ihn: "Warum taufst du denn, wenn du nicht Christus bist, noch Elia noch der Prophet?" Johannes antwortete ihnen und sprach: "Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der ist es, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, dessen ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse."

  

01] Dieses Evangelium handelt von Johannes dem Täufer, der als Vorläufer und Prediger, Mir den Weg bahnen und das Judenvolk auf Mein Kommen und Meine Lehre aufmerksam machen sollte; daher seine Antworten an die Abgesandten vom Tempel, daher seine Beteuerungen, daß er nicht Christus, noch Elias, noch ein Prophet sei, und daß er nicht einmal wert sei, Mir die Schuhriemen aufzulösen.

  

02] Johannes war sich in diesem Punkt seiner Mission erstens wohl bewußt, und war zweitens unter den Juden das einzige Beispiel der Demut, der Unterwürfigkeit unter Meinen Willen.

  

03] Der Evangelist Johannes fängt sein Evangelium mit den Worten an: "Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort."

  

04] Sehet, dieser erste Satz aus dem Evangelium Meines Lieblings Johannes beweist euch, welche Stellung Johannes unter seinen Brüdern sowie zu Mir eingenommen hat. Was Johannes der Täufer durch seine materielle Taufe ausdrücken wollte, das sagt geistig Mein Apostel, indem er offen bekennt, daß das Wort oder die Idee Gottes zuerst die geistige Taufe über ihn ausgegossen und er am ehesten unter allen seinen Mitaposteln die Tiefe Meines Geistes begriffen und verstanden hatte. Er war der erste, der begriff, daß durch das Wort (Ausdruck einer Idee, eines Gedankens oder Willens) die ganze Sichtbarkeit geschaffen, daß das Wort, Leben verbreitend, Licht schuf, und eben dieses Licht in jener Zeit von wenigen begriffen und verstanden wurde.

  

05] Er, Mein Liebling, war es, der zuerst mit dem Herzen auffaßte, was dem Verstand allein nicht begreiflich ist und nur dem Leben und Licht gibt, der die Liebe hat, so wie sie im Weltall von Mir verbreitet, gehalten und verlangt wird.

  

06] Er liebte Mich im Geiste, und die anderen Apostel verstanden Mich in der Wahrheit. Deswegen seine ersten Ausrufe im Evangelium, die von Meiner Macht, Meiner Liebe, Meiner Schöpfung zeugen, und wie Ich als Christus körperlich als Lehrer auftrat, in Meinem Eigentum aber nicht er, sondern verkannt wurde.

  

07] Zu diesen Ausrufen, als Zeugnis seines tiefen Verständnisses Meiner Lehre und Meiner Sendung, trugen die Bekenntnisse seines Namensbruders Johannes des Täufers wesentlich bei, der vor Mir hergesandt war, die Wege zu ebnen und das Judenvolk zur Aufnahme Meiner Lehre vorzubereiten.

  

08] Ein Schritt wie der Meinige mußte vorbereitet werden. Wie den Blinden nach Erlangung ihrer Sehkraft das Licht des Tages erst in Form des Zwielichts oder der Dämmerung gezeigt wird, da sie den hellen Sonnenschein nicht gleich ertragen können, so war auch Johannes der Täufer der Erwecker und Bearbeiter der Herzen, um sie für Edleres empfänglich zu machen. Daher rief Johannes aus: "Einer wird kommen, der schon vor mir gewesen ist!" Er meinte damit das Wort, welches das ganze Universum schuf. Dieses Wort oder die mächtige Willenskraft ist es, die sich bewogen fühlte, sich in menschliche Form einzukleiden und körperlich wesenhaft selbst, wie bei der Schöpfung einst das materielle, jetzt das geistige Licht und Leben denen zu bringen, die im Finstern wandelten.

  

09] Denn der Ausruf des Johannes: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott!" will soviel sagen als: Im Anfang war Gott, der mächtige Schöpfer, welcher das Licht und Leben verbreitete und durch die weiten Räume sandte, um Leben zu erwecken. Und jetzt ist es in Christus derselbe Gott, der wieder Sein Wort als Licht durch die weiten Räume des geistigen Universums sendet, um dort Licht, Liebe und Leben zu verbreiten.

  

10] Und wie der Morgenstern der Vorläufer der Sonne ist, so war Johannes der Vorläufer und Wegbereiter Christi. Johannes der Täufer erkannte seinen Herrn, als er Ihn zum ersten Male sah; denn die innere Sehe war ihm gegeben, und er sah in der Gestalt einer Taube (geistig das Sinnbild der Unschuld) die Verbindung Christi mit der geistigen Welt. Johannes vollführte die äußere Taufe an Mir, während Ich die innere an ihm vollzog.

  

11] Auch seine Jünger erkannten bald, wer der eigentliche Herr und wer der Diener sei; deswegen folgten sie Mir und verließen Johannes. Und Nathanael, welchem Ich Dinge enthüllte, die nur er allein zu wissen glaubte, ward durch dieses Zeugnis für Mich gewonnen. Damals sprach Ich die prophetischen Worte: "Wahrlich, wahrlich, von nun an werdet ihr den Himmel offen und die Engel Gottes herabfahren sehen auf das Haupt des Menschensohnes!"

  

12] Alles, was in jenen Zeiten, im Anfang Meiner Lehrjahre, Meiner geistigen Geburt, auf Erden geschehen ist, wird sich jetzt wiederholen und wiederholt sich täglich.

  

13] Auch jetzt gibt es Johannesse als Täufer und Johannesse als Meine Lieblinge und Apostel; nur ist die Art und Weise des Wirkens anders als damals.

  

14] In jener Zeit galten unter dem Judenvolk nur Moses und die Propheten. Es handelte sich darum, sie nicht umzustoßen, sondern ihre Worte vor Verunglimpfungen zu bewahren, das Erz von den Schlacken zu reinigen und zu beweisen, daß Ich als Christus nichts Neues bringen, sondern nur geistig erklären und ins Leben übertragen will, was wörtlich verstanden und aufgefaßt wurde.

  

15] In jetziger Zeit aber, als dem Vorabend Meiner zweiten und letzten Ankunft auf diesem Erdball, ist die Kulturstufe der Menschen und ihr Verstandesleben ein ganz anderes als einst in jener Zeit. Jetzt habe Ich es mit grübelnden Philosophen und Stubengelehrten oder mit fanatischen Anhängern des Worts im materiellsten Sinne zu tun, mit Menschen, denen das angenehme Weltleben zu sehr am Herzen liegt, als daß sie sich einer Religion hingeben möchten, die statt Vergnügungen und Ergötzlichkeiten - Aufopferung und Verleugnung von ihnen fordert.

  

16] Auch jetzt komme Ich wieder unter euch Menschen wie einst. ,Und das Licht kam in die Finsternis, und die Finsternis begriff es nicht.`

  

17] Schon seit langer Zeit erschallen Stimmen, die zur Rückkehr, zur Einkehr ins Innere predigen; in verschiedener Form und Rede wird der eingeschlafene Menschengeist geweckt. Die Johannesse predigen aber auch heute wie einst meist nur tauben Ohren.

  

18] Selbst die, welche sich als Meine Stellvertreter auf dieser Erde eingesetzt haben, sind taub und oft noch tauber als die andern, denen sie Meine Lehre einprägen wollen. Auch jetzt, wie einst, fallen die Anhänger von diesen Führern ab und suchen das Licht, suchen das Wort als Ausdruck ihres Gottes -, suchen, was ihnen ihre eigenen Führer nicht geben können. So entsteht der allgemeine Drang nach Licht, nach geistigem Leben, nach Liebe, nach erwärmender und rechter geistiger Lehre. So regt sich die geistige Tendenz trotz allen Widerstandes derjenigen, die ,bis jetzt nur ein verzinsliches Kapital für sich daraus machen wollten. So regt sich der Drang nach Freiheit des Denkens, nach geistiger Freiheit, und obgleich nun die Aufgeklärten eurer Welt mit ihrem Verstandeslicht die geistige Fackel, die über ihren Häuptern brennt, nicht sehen, so wird doch bald die Dämmerung des wissenschaftlichen Lebens durch sie verdrängt werden, und den Unmündigen wird sich klar zeigen, was den sich mündig Dünkenden bis jetzt verhüllt blieb.

  

19] Das Wort, welches im Anfang Himmel und Erde schuf, wie Moses sich ausdrückte, das Wort als tatsächliches Leben und Licht, ist es wieder, welches von oben herabströmend euch Wärme und Liebe in die Herzen gießt.

  

20] Am Anfang war das Wort, und das Wort war Ich, und am Ende wird das Wort noch ewig forttönen und Ich werde ewig fortdauern, Licht, Leben mit Liebe verbreitend, nicht die vom Geblüt, nicht die vom Fleisch, sondern die vom Geist Mir ergebenen Kinder beglückend und führend.

  

21] Das Wort ward einst Fleisch, und die damals Lebenden sahen Seine Herrlichkeit, aber erkannten sie nicht; und das Wort wird wieder Fleisch werden, aber vergeistigtes Fleisch, und wird von den Lebenden in Seiner Herrlichkeit erkannt und begriffen werden, und von Seiner Fülle werden sie alle Gnade um Gnade nehmen.

  

22] Wie Johannes einst mit Wasser taufte, so wird jetzt mit dem Geist getauft. Ströme des Himmelswassers ergießen sich auf die Herzen der Menschen, erweichen und erwecken manche; viele aber bleiben unberührt, oder verstecken sich vor diesem Regen.

   

23] Glücklich, wer noch für das Wasser von oben ein empfängliches Herz hat, das aufwärtsgekehrt den Einflüssen himmlischer Segnungen den Eingang nicht wehrt! Es wird sich auf alle diese, wie sich einst auf Christus ein Strahl göttlichen Lichts gleich einer Taube herniedersenkte, das göttliche Gnadenlicht von oben ergießen und Ruhe und Frieden in ihren Herzen und in ihrer Umgebung verbreiten.

  

24] Viele wenden Mir als eifrige Diener, wie einst Johannes der Täufer, und viele als Meine Lieblinge, wie Johannes der Apostel, Meine Lehre verbreiten und lehren.

  

25] Schon regt es sich. Wie der leichte Wellenschlag am Ufer des Meeres der Vorbote von größeren Wellen ist, so ist die jetzige religiöse Bewegung der erste Anfang einer noch größeren, hervorgebracht von der Bewegung des geistigen Lebens, das, zwischen Materie und Geist gleichsam eingeklemmt, sich den Ausweg schaffen will, indem das Geistige die Eigenschaft hat, daß es sich auch zusammendrücken läßt und bei zu großem Zwange die Fesseln zersprengt.

  

26] Auch ihr, Meine Kinder, die ihr berufen seid, durch eure Taten und Worte zu bezeugen, daß ihr Wegweiser und Ebner der geistigen Lebensbahn seid, werdet oft gefragt werden: "Wer seid ihr? Was wollt ihr eigentlich?" Die Welt wird auch euch nicht sogleich alles glauben, wie einst dem Johannes; aber seid getrost! Streut Samen aus, gebt gern denen, die euch um Nahrung bitten, und es kümmere euch nicht, wenn oftmals der ausgestreute Same nicht die Frucht bringt, die ihr wünscht! Auch in einem Walde wachsen nicht alle Bäume gerade. Es gibt dort verkrüppelte, krumme und schlechte; aber deswegen ist der Wald mit seinen Bäumen doch ein Wald, der Tausenden lebender Wesen Schutz und Nahrung angedeihen läßt, und in welchem selbst die mißratenen Gewächse und Bäume noch vielen Nutzen geben. So auch im geistigen Wald der Menschenseelen!

  

27] Johannes predigte für viele vergebens, wie später Ich selbst, und doch gingen Meine Worte nicht verloren, sondern werden ewig bestehen, teils weil Ich sie sprach, teils weil Meine Worte unumstößliche Wahrheiten sind.

  

28] Trachtet vorerst danach, euch selbst zu reinigen, euch vom Weltlichen loszumachen, wie es Johannes getan hat! Auch er fröhnte nicht dem Wohlleben des Fleisches, als dem vergänglichen Kleid eines unvergänglichen, ewigen Geistes; nein, durch mäßige Lebensart - nach dem Sinne jener Zeit - machte er den Körper bereit, dem Geist und seiner Seele zu dienen.

  

29] Und so sollt auch ihr alles Überflüssige, was den Körper verweichlicht, vermeiden. Euer Augenmerk soll darauf gerichtet sein, den Geist und die Seele zu kräftigen. Nicht der Taufe mit materiellem, nein, mit geistigem Wasser sollt ihr euch bestreben, würdig zu sein, damit ihr stets Größeres sehen, Größeres erleben und mit geistiger Sehe die Gemeinschaft der Geisterwelt mit der materiellen Welt begreifen lernt.

  

30] Euer Trachten soll dorthin gerichtet sein: im Geiste wiedergeboren zu werden. Dann braucht ihr nicht wie einst die zwei Jünger Johannes des Täufers zu fragen: "Rabbi, wo ist Deine Herberge?"; dann ist Meine Herberge in eurem Herzen. Dort bergt ihr den Herrn, der vom Anfang her das Wort, das Licht, die Liebe und das Leben war und dies alles denen verleihen wird, die sich mit geistigem Wasser zu Seinen Kindern taufen lassen: Amen.

 

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gm.pred.004. Predigt: Lk.03,02-20 am 4. Advent (10.12.1871)

   00] Die Bußpredigt Johannes des Täufers (Lk.03,02-20): Als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes an Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste. Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; wie geschrieben steht in dem Buch der Reden Jesajas, des Propheten, der da sagt: "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und machet seine Steige richtig! Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen." Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, daß es sich von ihm taufen ließe: "Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße und nehmet euch nicht vor, zu sagen: ,Wir haben Abraham zum Vater!` Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen!" Und das Volk fragte ihn und sprach: "Was sollen wir denn tun?" Er antwortete und sprach zu ihnen: "Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also!" Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?" Er sprach zu ihnen: ,Fordert nicht mehr, als gesetzt ist!" Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: "Was sollen denn wir tun?" Und er sprach zu ihnen: "Tut niemand Gewalt noch Unrecht, und lasset euch genügen an eurem Solde!" Als aber das Volk im Wahn war und alle in ihren Herzen von Johannes dachten, ob er vielleicht Christus wäre, antwortete Johannes und sprach zu allen: "Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die Riemen seiner Schuhe auflöse. Der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen! In dessen Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen!" Und viel anderes mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihnen das Heil. Herodes aber, der Vierfürst, da er von ihm gestraft ward um der Herodias willen, seines Bruders Weib, und um alles Übels willen, das Herodes tat, legte über das alles Johannes gefangen.

  

01] Dieses Kapitel behandelt eine Bußpredigt Johannes des Täufers, welche er am Jordan an die um ihn versammelte Volksmenge hielt, mit welcher er die Juden für Den vorbereiten wollte, dem - wie er sagte - er nicht wert sei, die Schuhriemen aufzulösen.

  

02] Ein jeder seiner Zuhörer fragte den Johannes, was er in bezug auf seine Lebensweise, auf sein Gewerbe oder seinen Stand zu tun habe; und allen gab er zur Antwort: ,Das Gesetz der Nächstenliebe!`, das er ausdrückte in Worten, wie sie gerade zu den Fragen paßten.

  

03] Was damals Johannes getan und gepredigt hat, das tue auch Ich schon seit langer Zeit. Auch Ich mahne die Menschheit mit verschiedenen Mitteln, Worten und Ereignissen zur Umkehr. Wie dort die Ankunft des eigentlichen Lehrers vorausgesagt und vorbereitet wurde, so geschieht es auch jetzt schon seit längerer Zeit, als Vorbereitung zu Meiner nächsten Wiederkunft. So wie die Juden damals dachten und handelten, waren sie nicht geeignet, Meine Lehre richtig aufzunehmen und zu fassen. Und wie die Menschen heute sind, da sie noch mehr im Schlamme des Eigennutzes vergraben liegen, ist es noch dringender, sie zu wecken und zu mahnen. Die Zeit zum Überlegen, was man eigentlich tun solle, oder wohin man sich wenden möchte, ist kurz bemessen. Wie dem Schlafenden die Zeit seines Traumlebens schnell entschwindet und Stunden wie Minuten vorüberfliehen, ebenso eilt die Zeit mit Sturmesflügeln dahin für den, welcher so ohne Nachdenken in den Tag hineinlebt. Daher die Ereignisse, Krankheiten, drohende soziale Umwälzungen, welche nötig sind, um die so fest im Weltschlaf versunkene Menschheit aus ihrer Trägheit aufzurütteln.

  

04] Damals schon sagte Johannes: "Der, welcher nach mir kommt, hat schon die Wurfschaufel in der Hand, um auf der Tenne das Korn von der Spreu zu säubern." Und jetzt, da ihr Maschinen erfunden habt, die mittels starker Luftbewegung das Getreide säubern, jetzt brauche auch Ich statt der Wurfschaufel geschwindere Mittel, um zu Meinem Zweck zu gelangen und die Gutwilligen von den Saumseligen und Trägen zu scheiden. Schon dreht sich das Schaufelrad in Meiner geistigen Wind und Getreidesäuberungsmühle. Wirbelnd regt es die Massen auf, weit von sich schleudernd das leichte, schalenartige Gesindel, welches gegen jede Mahnung taub der Welt und ihren Freuden huldigt. Und wie Johannes einst selbst des Herodes, des Vierfürsten von Galiläa, Lebenswandel rügte, ebenso rügt auch jetzt die Volksmeinung die ehrgeizigen Pläne so mancher Herrscher. Damals ließ Herodes den Johannes einsperren; jetzt möchten die Herrscher ebenfalls die Zungen hemmen und dem Volk die Gedanken aus dem Kopfe treiben. Allein das wäre jetzt - wie einst - vergebliche Mühe! Das Wort, der geistige Träger Meines Willens, ist weit mächtiger als Waffen und Zwang. Es überschreitet als körperloses Wesen die Schranken der materiellen Welt und regiert im Geistigen alles, da Ich das Wort selbst bin.

  

05] Dort hörte das Volk den Johannes an; aber sobald es auf Verleugnung und Aufopferung ankam, wandte es ihm den Rücken, wie einst der reiche Jüngling Mir. Und jetzt lacht die größere Anzahl der Menschen auch über die, denen Ich Meine Lehre direkt kundgebe. Hohnlächelnd blicken sie auf solche herab, sich mit ihrem Weltverstand bei weitem gescheiter dünkend als jene mit ihrer Herzenssprache.

  

06] Arme, verirrte Kinder! Es wird eine Zeit heranrücken, wo all euer Weisheitskram nicht ausreichen wird, euch einen Trost oder auch nur Ruhe zu geben. Bei den Ereignissen, die über euch hereinbrechen, werdet ihr zwischen zwei Welten stehen und Gott und euer Schicksal der Grausamkeit anklagen, weil die materielle Welt euch mit Hohn zurückstoßen und die geistige euch nicht aufnehmen wird.

 

 07] Solche Seelen-Qualen ahnte schon damals Johannes. Er wollte das Judenvolk wecken und zur Umkehr antreiben; und heute, wo schon beinahe alle edlen Eigenschaften der menschlichen Natur zu Grabe getragen wurden und nur der Egoismus mit all seinen Eigenschaften herrscht, ergeht dieser Mahnruf wieder, bekräftigt mit Unglücksfällen und Drangsalen, um mit Gewalt das zu erreichen, was mit Milde bei der größeren Masse der Menschheit bis jetzt ohne Erfolg geblieben ist.

  

08] Damals unterzog sogar Ich Mich als Jesus der äußeren Taufe mit Wasser; jetzt sollt ihr euch freiwillig der geistigen, unsichtbaren Taufe mit Meinem Geist unterziehen. In jener Zeit strömte das göttliche Licht in Form einer Taube über Meinem Haupt, Meine Abkunft, Meinen früheren und Meinen künftigen Wohnort bezeichnend. O Kinder, tut jetzt, soviel euch möglich ist, auf daß die Ströme des Lichts und der Gnade von oben nicht umsonst auf euch ergossen werden! Zeigt euch würdig eurer Abkunft und eurer künftigen Bestimmung! Wie dort einst die Stimme ertönte: "Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe!", so möge jetzt über eurem Haupt und in eurer Brust die nämliche Stimme ertönen, welche euch versichert, daß ihr auf dem rechten Weg seid, Meine Kinder zu werden.

  

09] Dort sprach Johannes: "Wer zwei Röcke hat, der gebe einen weg, wer viel Speise hat, der teile sie mit den Bedürftigen; wer etwas zu verlangen hat, der fordere nicht mehr, als rechtens ist!" All diese Beispiele sagen mit anderen Worten: Seid mildtätig, seid gerecht, wie es euer Vater im Himmel ist! Gebet, damit auch euch gegeben, - vergebet, damit auch euch vergeben wird!

  

10] Laßt euch nicht betören durch den Schein der Welt mit ihren Gütern! Es naht die Zeit, wo ihr alles zurücklassen müßt und euch nur die Güter bleiben, die ihr im Innern errungen habt, und die weder Pest noch Krieg, weder Bedrängnis noch der Tod rauben kann.

  

11] Laßt die sich gelehrt Dünkenden mit ihrer Scheinweisheit! Ihre Zeit des Triumphs ist kurz. Folgt Meinem Rat, Meinem Mahnruf, der nicht, wie des Johannes Bußpredigt, euch als Otterngezücht, sondern als Meine Kinder betitelt, die Ich euch einst nach Meinem Ebenbild geschaffen und wieder zu diesem Ebenbild neu gestalten will! Damals war die äußere Gestalt mit der des Geistes eins, heutzutage ist wohl äußerlich noch die Ähnlichkeit der schon längst verschwundenen paradiesischen Schönheit in entfernter Form geblieben, aber die Seele, als Tempel und Sitz Meines Gottesfunkens, ist zum Zerrbild geworden. Dieser Zwiespalt kann nach Meinen Gesetzen nicht geduldet werden, und es muß das Innere zum Äußeren wieder in Harmonie gebracht werden. Wenn ihr auch die äußere Hülle, auf welcher die Leidenschaften ihre Spuren zurückgelassen haben, nicht mehr ändern könnt, so trachtet doch wenigstens aus allen Kräften danach, den inneren Geistmenschen wieder dem Urbild nachzubilden; denn es gibt kein schöneres, größeres und geistigeres Vorbild in der Schöpfung. Es ist jenes Bild, von dem jedes erschaffene Wesen mehr oder weniger als Abdruck gestaltet ist, und von dem ihr, als letzter Ausdruck der ganzen materiellen und geistigen Schöpfung, die Form in euch tragt, jenes Urbild, - das nicht allein euer Schöpfer und Herr, sondern auch euer Vater sein will, der euch mit unerbittlicher Strenge und Willenskraft Gesetze vorschreiben und euch entweder göttlich belohnen oder unerbittlich vernichtend strafen könnte, aber statt Strafe nur Verzeihung und Versöhnung, nur Liebe will.

  

12] In jener Zeit war ein Vorläufer nötig, der die Menschen auf Meine Ankunft vorbereitete; jetzt bin Ich es selbst, der euch die Friedenshand entgegenstreckt, um euch hilfreich in den Bedrängnissen zu leiten, welche nach und nach über die Menschheit hereinbrechen werden, weil sie zu halsstarrig ist. Verstoßt diese Hand nicht; denn ihr findet keine stärkere, keine kräftigere! Jeder menschliche Arm ist zu kurz, nur der Meine reicht für alle Entfernungen und erreicht den Flehenden selbst weit über jene Räume hinaus, in denen der letzte Stern seine Strahlen verbreitet und das ewige Geisterreich seinen Anfang nimmt. Auch dort noch ist es dieselbe Hand, die den Liebenden an sich zieht und ihn leitet.

  

13] Hört auf die Stimme, die, wie einst in der Wüste, euch auch jetzt in der Wüste des Welttreibens zuruft: ,Vergeßt Den nicht, der über den Sternen Seinen Sitz hat, ihn aber auch ebenso in jedes Menschen Brust haben möchte!` Johannes predigte in der Wüste. Er tat dies absichtlich, weil die Wüste, in der alles vegetative Leben aufgehört hat, den Zuhörern keine Ablenkung gab. Jetzt predige Ich euch in der Wüste des geistigen Lebens, das - infolge des überheblichen Menschenverstandes - leer geworden ist von allem, was das Herz erquickt. So suche Ich, wie Johannes, inmitten des Sand und Steinreichs die geistige Blume der Liebe zu pflanzen, die, vom Erdreich keine Nahrung ziehend, Nahrung nur von oben bekommt. Und jetzt, inmitten des vom Egoismus ausgetrockneten Bodens der spekulativen Verstandeswelt, in der gedankenleeren Wüste des geistig göttlichen Lebens, ergeht wieder der Ruf:

  

14] ,Wacht auf! Vertieft euch in euer Innerstes, um dort die Quelle der nie versiegenden Freude, des nie endenden Trostes und der nie verwelkenden Liebe - als Grundprinzip alles Geschaffenen und Belebten - zu finden. Erkennt Den wieder, der durch blumenreiche Gärten, durch schattige Wälder und erhabene Berge weit hinauf bis zur letzten Weltensonne immer derselbe ist, der sich nie ändert und - eben weil Er alles erschaffen hat - von Seinen geschaffenen Wesen nur die Erkenntnis fordert, die eine Mutter, ein Vater von ihrem Kinde als erstes Zeichen der Verwandtschaft erwarten, nämlich die Liebe.`

  

15] Während eure schwachen, weltlichen Herrscher euch durch Gewalt und eine Menge Gesetze zur Achtung zwingen wollen, setze Ich euch frei in die Schöpfung hinaus. Frei könnt ihr wählen zwischen Liebe oder Haß, Leben oder Tod, Licht oder Finsternis. Noch ist es jedem anheimgestellt, zu wählen. Die Zeit kommt stets näher, wo diese Wahl entscheidend getroffen werden muß.

  

16] Wie einst der Mahnruf vor Meinem ersten Auftreten erscholl, so erschallt jetzt Mein zweiter Ruf, damit ihr nicht schlaftrunken von den Ereignissen überrascht werdet, sondern mit klarem Bewußtsein und ruhigem Herzen den Dingen entgegengehen könnt, die nur für die bestimmt sind, die sich durch sanfte Mittel nicht wecken ließen.

  

17] Während eure Herzen für die leisen Harmonien der Liebe empfänglich sind, müssen dort die Posaunen ertönen, von denen Mein Liebling, der Apostel Johannes, spricht, wenn die Engel die Zornschalen über die Häupter der Harthörigen ausgießen werden, die trotz aller Mahnungen Meinen Liebeworten kein Gehör geben.

  

18] Oft genug habe Ich verkündet: ,Es werden böse Zeiten kommen!'Ich wiederhole es nochmals: Die Zeiten werden böse werden! Trachtet, vor der Zeit gut zu werden, damit ihr in diesem Bewußtsein der guten Tat einen Schild habt gegen alle bitteren Ereignisse. Sie sind nur bitter für jene, die, stets an den Honig des weltlich materiellen Genußlebens gewöhnt, das Bittere nicht als Heil, sondern als Vernichtungsmittel ansehen.

  

19] Dies ist der Sinn von jener Bußpredigt, für euch und für die jetzt kommenden Zeiten! Wer Ohren hat, der höre! Amen.

 

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gm.pred.005. Predigt: Lk.02,01-14 am Weihnachtstag

   00] Die Geburt Jesu (Lk.02,01-14): Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch Joseph auf aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, bekam sie ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids! Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen!" Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"

  

01] Dieses Kapitel handelt von Meiner Geburt, einem Fest, welches ihr jedes Jahr nach kirchlichem Brauch am 25. Dezember feiert.

  

02] Schon früher habe Ich Worte über dieses Fest gegeben. Die Einzelheiten, welche Meine Geburt begleiteten, wißt ihr teils aus Meiner Jugendgeschichte ("Die Jugend Jesu"), teils aus dem Evangelium Meiner Apostel; und doch liegt noch manch Unaufgeklärtes in diesem Akt Meiner ersten sichtbaren Erscheinung auf eurer Erde, dessen tiefere Bedeutung ihr in geistiger Entsprechung noch nicht kennt. So will Ich, veranlaßt durch den Text dieses Kapitels im Lukas, die weiteren Enthüllungen für euch und alle Meine künftig gläubigen Kinder geben, damit ihr seht, daß auch das Kleinste, was Mich und Meine Erscheinung auf Erden betrifft, eine hohe Bedeutung hat und sich geistig bei Meiner Wiederkunft auf diesen kleinen Stern, als Wohnort Meiner einst großen Kinder, wiederholen wird.

  

03] Wie einst durch die Verhältnisse der Erde gerade jener Zeitpunkt und jenes Volk bestimmt war, Zeuge von dem großen Gnaden und Liebesakt zu sein, welchen Ich für euch und für die ganze Geisterwelt vollzog, so werden auch bei Meinem zweiten sichtbaren Erscheinen Zeit und Land so gewählt werden, daß sie diesem Schlußakt am meisten angemessen sein werden.

   

04] Nicht umsonst habt ihr dieses Fest "Weihnachten" benannt. Es war eine geweihte Nacht, wo Ich Mich, euch und der ganzen materiellen Schöpfung zuliebe, als Opfer der Demut weihte, indem Ich, der unendliche Herr der Schöpfung, ein zerbrechliches, verwesliches Kleid anzog, das unter Millionen anderer lebender Wesen auf anderen Welten, was das Äußere betrifft, weit hinter der höchsten Urform eines Menschenbildes zurücksteht. Viele Bewohner sind so ausgestattet, daß der Mensch dieser Erde nur als eine schwache Nachahmung dessen erscheint, was Ich als Abbild Meines eigenen Ichs in diese Form hineingelegt habe. Obgleich die auf anderen Welten lebenden Menschen die Erdbewohner in vielem übertreffen, so sind diese doch in geistiger Hinsicht zu etwas weit Größerem bestimmt als die in den paradiesischen Welten und Sonnen Lebenden. Wenn jenen auch ein ewiger Frühling lacht und sie in glücklichen Verhältnissen leben, die sich eure Einbildungskraft nicht vorzustellen vermag, so geht ihnen doch die klare Kenntnis Meines Ichs, Meiner geistigen Schöpfung und Meiner Vaterliebe ab.

  

05] Sie sind gut, weil nichts Böses sie zum Gegenteil zu verleiten sucht. Sie erkennen ein höchstes Wesen, sinken vor Ehrfurcht vor Ihm nieder; aber keines von ihnen wagt zu denken, daß dieses höchste Wesen ein von Ihm Geschaffenes an Seine Vaterbrust drücken wolle und ihm den süßen Namen des Kindes geben.

  

06] Das ist nur jenen vorbehalten, die solch eine Stellung durch Kampf und Sieg erringen müssen, damit sie Kinder Gottes werden können. Wo also die Bildungsschule solcher Kinder ist, muß neben der größtmöglichen geistigen Erhebung auch das Gegenteil, die größtmögliche Erniedrigung, ja der Abfall vom Guten, stattfinden können. Um euch zu zeigen, daß zwischen solchen Gegensätzen ein Fortschreiten zum Besseren, ein Siegen über alle Hindernisse möglich ist, kleidete Ich Mich in die Hülle einer der letzten, unangesehensten Menschengestalten. Ich stieg selbst auf diesen finsteren Erdball hinunter, der in bezug auf Ausstattung und Größe in Meiner Schöpfung so gerechnet werden kann wie der Rang eines Infusionstierchens zwischen allen Schönheiten und Wundern eurer Erde.

  

07] Wie aber in Meiner ganzen Schöpfung alles mit gleicher Sorgfalt gebildet und das letzte Infusionstierchen in seiner Art ebenso vollkommen gebaut ist wie der Mensch als Herr der Erde, so zeigt euch Mein Schöpfungsprinzip, das durch alle Stufen des Geschaffenen geht, daß Ich gerade im Kleinsten am größten bin und gerade im Kleinsten als mächtiger Schöpfer und Herr dastehe. Dies war der Grund, warum Ich einen der kleinsten Weltkörper wählte, um da Meine ganze Größe zu zeigen, indem Ich Meiner Geister und Seelenwelt bewies, daß gerade im Kleinsten nur das Größte möglich, und in der größten Erniedrigung die größte Herrlichkeit zu erlangen ist, ja, daß gerade der, welcher alles hingibt, würdig ist, alles zu besitzen.

  

08] So fand Meine Geburt nicht in einem Palast und nicht von hochgestellten Menschen, sondern in niedriger Stellung statt. Es mußte aber doch in allen Umständen, die dort zusammentrafen, das Hohe, Geistige Meiner Geburt angedeutet werden.

  

09] So war es bestimmt, daß die Volkszählung durch Herodes anbefohlen wurde, und Ich nicht in einem von Menschen erbauten Haus, sondern in Meinem Haus, d.h. unter freiem Himmel in einer Höhle das Licht der Welt erblickte.

  

10] Zeugen Meiner Geburt waren nicht Kaiser und Könige, nicht einmal gewöhnliche Menschen, sondern nur Tiere, - Geschöpfe, die, nicht verdorben, das waren, wozu Ich sie erschaffen habe.

  

11] Die Volkszählung mußte dazu beitragen, daß Maria sich zur Reise nach Bethlehem aufmachte, um das zu vollführen, was dem König aller Schöpfung zur Ehre gereichte.

  

12] Millionen von höheren Geistern sangen Mir das Loblied: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden!" Diese und die Tiere, wie sie aus Meiner Hand hervorgingen, waren bei Meiner Geburt gegenwärtig. Solche Zeugen gebührten Mir, dem in Windeln eingehüllten Herrn aller Heerscharen.

  

13] Durch die Volkszählung konnte Meine Geburt nicht unbeachtet bleiben. Auch mußte gerade der grausame Herodes als Landpfleger oder Vierfürst in Jerusalem herrschen, um Meine fernere Erziehung und Meinen späteren Lebenslauf zu erschweren. Durch Überwindung all dieser Schwierigkeiten sollte bewiesen werden, daß, obwohl Ich Mich in die niedrigste Stellung gesetzt hatte, Ich im Angesicht Meiner ganzen Geisterwelt Meine Aufgabe doch lösen werde, nämlich: außer dem Beispiel der Demut und Verleugnung aus dieser kleinen Erde eine Pflanzschule für Meine Kinder zu machen, die einst bestimmt sind, den auf den anderen Sternen und Sonnen lebenden Wesen das Bild des großen Geistes und Schöpfers aller sichtbaren Natur in das eines liebenden Vaters umzuwandeln.

  

14] Was Ich vor Äonen von Zeiträumen beschloß und vor mehr als tausend Jahren begonnen habe, das nähert sich jetzt der Vollendung. Meine Religionslehre, Mein Wort, das mit keinem besseren vertauscht werden kann - es mögen die Menschen noch so grübeln und denken -, Meine Liebelehre muß zur allgemeinen Geltung gelangen! Es muß die Liebe allein regieren, und alle Leidenschaften des menschlichen Herzens, die nur darum von Mir in dasselbe gelegt wurden, um durch Kampf gegen sie die Liebe zu verdienen und zu erringen, alle diese Leidenschaften des menschlichen Herzens müssen beherrscht zu den Füßen des Altars der Liebe liegen. Haß, Rache, Stolz und wie sie alle heißen, diese mächtigen Triebe des Bösen im Menschen, müssen alle zum Schweigen gebracht werden. Das Kreuz, auf welchem Ich einst angenagelt für die verirrte Menschheit um Verzeihung bat, muß als Symbol der Versöhnung von jedem geliebt, geehrt und im Prüfungsfall selbst getragen werden, zur Erinnerung an den Weg, den Ich gezeigt, und der den Menschen allein zur geistigen Höhe führen kann.

  

15] Wie in Meinem Lebenswandel auf Erden gegen das Ende hin die Umstände scheinbar gegen Mich arbeiteten, scheinbar Meinen Untergang und Tod herbeiführten und doch durch die Auferstehung aus der Materie und die Heimkehr in Mein geistiges Reich Meinen größten Triumph bewirken mußten, so mehren sich auch jetzt für die Menschen scheinbar die Unglücksfälle, mehren sich die Anzeichen furchtbarer Katastrophen. Der Mensch soll aus ihnen wie der Vogel Phönix aus der Asche verbrannter, weltlicher Ansichten und Vorurteile unversehrt als geistiges Produkt seines Schöpfers, als geistiges Kind eines noch höheren geistigen Vaters hervorgehen.

  

16] Dahin zielt alles, dahin treibt wie ein steuerloses Schiff die ganze Menschheit. Zerbrochen werden müssen alle die künstlichen Schutzwände, die der menschliche Verstand wie Eisenpanzer um das für die Liebe schlagende Herz gezogen hat. Es müssen vernichtet werden die Schranken von Geburt, von Rang, von oberflächlichem Wissen. Der Mensch muß aufhören, mit dem Verstand zu denken, und mit dem Herzen fühlen lernen. Das warme Feuer der Liebe muß zuerst seine ganze Seele erwärmt haben, dann erst kann die Weisheit, als regelnder Trieb der Liebe Schranken setzen und die Menschheit all das fühlen lassen, wamit Ich sie ausgestattet und wozu Ich sie so und nicht anders erschaffen habe.

  

17] Sooft Ich als Christus auf der Welt Meinen Vater im Himmel anrief, war es stets die Weisheit, welche die Liebe anrief, um durch dieses Anrufen ihr unbegrenztes Wirken zu zügeln. So wie die Weisheit und Liebe nur miteinander bestehen können, ebenso war Ich als Christus mit Meinem Vater, der Liebe, verbunden nur eins, und deswegen konnte Ich sagen: "Mich kennt niemand als der Vater im Himmel, und nur Ich kenne Ihn!" oder "Ich gehe heim zum Vater!" usw. Dadurch wollte Ich sagen: Die ganze Welt ist geschaffen aus Liebe; aber die Weisheit hat ihre Bedingungen geregelt. Die Liebe schuf, die Weisheit erhält. Die Liebe als ,Vater` stellte das höchste Symbol der Reinheit auf, und Ich, die Weisheit, als ,Sohn` bewies sie durch die Tat. Und wie Liebe und Weisheit, nur vereinigt, das ganze Ich Meines eigenen Wesens ausmachen und dort im vollkommensten Abbild bestehen, so soll auch der Mensch als Abkömmling von Mir der Ausdruck der Liebe und Weisheit werden. Er soll zuerst lieben und dann weise sein lernen, um Mich, Meine Schöpfung und seine Mission ganz zu erkennen und zu begreifen.

  

18] Dahin zielt Mein Streben mit euch, alle die Ereignisse treiben euch dahin, die Wiedergeburt eures Jesus im Innern zu vollführen, Er möchte euch dort als Ausdruck von Weisheit und Liebe führen und leiten, bis in kurzer Zeit dieser Schöpfer alles Sichtbaren, der Herr aller Heerscharen, als Vater (Liebe) gepaart mit dem Sohne oder Christus (Weisheit), in Person wieder sichtbar auf die Erde treten und zum zweiten und letzten Mal aussprechen kann, was Er am Kreuz vor mehr als tausend Jahren ausgerufen hat, nämlich: "Es ist vollbracht, - es ist vollbracht das große Werk der Sühne!"

  

19] Ich habe Meinen Geistern gezeigt, wie das für sie Unmögliche möglich geworden ist. Ich bin mit dem Beispiel vorangegangen und habe nun Meine Wesen auf dieser kleinen Erde zu großen Bürgern Meines unendlichen Reichs, zu Meinen einzigen Kindern gemacht.

 

  

20] Es ist vollbracht, was Ich einst in der Wiege, in einer Höhle bei Bethlehem, als unmündiges Kind begonnen habe, was dort schon von Millionen Engelsgeistern besungen, aber von den Menschen nicht verstanden, höchstens von einigen schwach geahnt wurde.

  

21] Ich habe es vollbracht das Werk der Sühne, der Liebe, der Verzeihung. Gereinigt ist die Welt von allen unreinen Schlacken des Eigennutzes, und wenn auch Drangsale und Unglücksfälle die irdischen Körper der Menschen zerstören, - dem Geist und Seelenmenschen können sie nichts anhaben. Er steht hocherhaben über den Trümmern der Welt, seine Arme ausbreitend nach dem göttlichen Retter, der wie einst dort - allen zurufen wird: Kommet her, ihr alle, die ihr beladen seid, auf daß Ich euch eure Last abnehme und euch erquicke! Kommet her, ihr Kämpfer für Liebe und Weisheit, euch sei die Krone des Lebens, euch seien die Schranken der Geisterwelt geöffnet, damit ihr sehen möget, wie die Engelscharen wieder frohlocken und Loblieder singen dem Herrn, dem Vater, mit den nämlichen Worten wie einst: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden!" Denn Er kam in Sein Eigentum, und Seine Kinder haben Ihn erkannt. Amen.

 

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gm.pred.006. Predigt: Lk.02,33-40 am Sonntag nach Weihnachten (25.12.1871)

   00] Die Darstellung Jesu im Tempel (Lk.02,33-40): Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich dessen, was von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: "Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden!" Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels vom Geschlecht Asser; die war wohl betagt und hatte sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt nach ihrer Jungfrauschaft und war nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren; die kam nimmer vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Diese trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder nach Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.

  

02] Wir wollen also bei dem oben angeführten Text stehenbleiben, wo es heißt: "Joseph und Maria wunderten sich."

  

03] Worüber wunderten sie sich?

  

04] Sie wunderten sich über die prophetischen Worte Simeons und die Aussagen Hannas, die beide mit geistigem Auge in dem zur Beschneidung nach Jerusalem gebrachten Kind den Erlöser nicht nur der Juden, sondern der ganzen Menschheit erkannten, welcher gekommen war, den Geist von dem Zwang der Materie zu befreien.

  

05] Daß Joseph und Maria es nicht verstanden, was ihnen jene beiden prophezeiten, ist leicht einzusehen; denn wer von der Empfängnis Marias angefangen bis zur Geburt und Tempeltragung, all das rätselhaft Mystische in Betracht zieht, wird leicht bemerken können, daß weder Maria noch Joseph wußten, wie sie sich dazu zu verhalten hatten.

  

06] Obgleich die Juden gewohnt waren, durch Propheten direkte Mitteilungen von Mir zu erhalten, so war es bei ihnen doch auch, wie es stets ist: sie glaubten ihnen wenig, solange diese lebten, und ihre Aussagen gewannen erst Wert, wenn sie anfingen in Erfüllung zu gehen.

  

07] Sie hofften auf einen Messias, - nur war ihre Hoffnung auf weltliche Wünsche gegründet; sie hofften auf einen Messias, der, vielleicht in einem Palast geboren, als ein großer Held sie einst vom verhaßten Joch der Römer befreien sollte. Daß aber ein Kind eines Zimmermanns, als den sie Meinen Nährvater kannten, ihr Erlöser werden sollte, das lag außer dem Bereich ihrer gehegten Hoffnung, außer ihrer Fassungskraft.

  

08] Deshalb staunten auch Joseph und Maria ob der Worte Simeons und Hannas. Maria hatte ja in kurzer Zeit so Wunderbares an sich erlebt, daß sie nicht wußte, was mit ihr geschehen war und was sich noch ereignen würde. Sie gebar einen Sohn, ohne die Hinneigung zu einem Mann gekannt zu haben. Sie war Mutter, ohne eigentlich das Muttergefühl in seiner ganzen Fülle zu kennen; denn im allgemeinen ist ein Kind erst das Glied, das die Lebenswege des Mannes und des Weibes verbindet und sie zu einem Ganzen, zu einer Familie zusammenfügt.

  

09] So war Maria Mutter und fühlte wohl die Freude, eine Frucht ihres Leibes vor sich zu sehen; allein es war mehr Mitleidsgefühl für den unmündigen Säugling als das Wonnegefühl einer Mutter, ein Pfand der Liebe ihres Gatten an die Brust zu drücken. So begriff sie nicht und konnte es nicht begreifen, was bei ihrer Empfängnis, was bei der Geburt und ferner geschah; denn sie handelte nur nach Weisung höheren Einflusses und verhielt sich dabei mehr passiv als aktiv, als Weib und Mutter nur ihren Gefühlen folgend, welche sie an ihren Säugling banden.

  

10] Dieses unbewußte Gefühl wurde natürlich gesteigert, als sie zu den Zweifeln und bangen Ahnungen, welche nur sie allein im Busen zu tragen glaubte, das gleiche und noch Größeres von anderen erfuhr, als sie das Jesuskind in den Tempel trug. Durch die gesetzmäßige Beschneidung und Opferung sollte Ich als Kind in die israelitische Religion aufgenommen und in ihr erzogen werden.

  

11] Was Simeon sagte, war ihr ein noch größeres Rätsel, um so mehr, als er das Kind als Das erkannte, wovon sie noch keine Ahnung hatte und haben konnte. Was sie aber noch weniger begriff, waren Simeons letzte Worte, welche so lauteten:

  

12] "Siehe, Dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen des Volkes Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden!"

  

13] Daß aus ihrem Sohn etwas Außerordentliches werden könnte, war für sie denkbar - waren ja die Empfängnis, die Geburt usw. mit so außerordentlichen Erscheinungen begleitet -; doch einen Gott als Mensch unter dem Herzen getragen zu haben und den zu erwartenden Messias den geistigen Wiederhersteller nicht allein ihres Volkes, sondern der ganzen Menschheit, das waren Begriffe, die in ihrem Kopf keinen Platz fanden. Sie hat Mich noch bei Meinem Kreuzestod nicht als Gott, sondern nur als Menschen, als ihren Sohn beweint; erst durch die Auferstehung wurde sie, wie auch Meine Apostel, in dem bekräftigt, was Ich ihnen oft gesagt hatte.

  

14] Das Schwert, welches in Zukunft durch ihre Brust gestoßen wurde, war der mütterliche Schmerz; denn hätte sie gewußt und erkannt, wer Ich eigentlich war, so hätte sie nicht trauern, sondern bei Meinem Hingang frohlocken sollen.

  

15] Ich selbst habe es ihr und 'Meinen Aposteln oft vorausgesagt, was Mir bevorstehen und wie Ich den Tod und die Hölle überwinden werde; allein, wo ist die Überzeugung - besonders in jenen Zeiten der Propheten und wunderwirkenden Essäer -, daß Ich, ein Mensch mit Fleisch und Knochen wie sie, der ißt und trinkt, ein Gott, und zwar der Herr aller Heerscharen sei, der in menschlicher Form, beim unmündigen Kind angefangen, am Kreuz - in jener Zeit das Zeichen der Schande und Entehrung - enden sollte!

  

16] Deswegen waren Joseph und Maria erstaunt. Sie begriffen nicht, wer Der sei, welcher gekommen ist zum Fall und Auferstehen der Juden, - zum ,Fall`: die Zerstörung des Judenreiches fünfzig Jahre nach Meinem Heimgang, und zum ,Auferstehen` vieler Juden zu Christen, sowie die Veränderung des Kreuzzeichens, - früher Zeichen der Schande, später Zeichen der höchsten Verklärung.

  

17] Und wenn Ich wiederkomme, glaubt ihr, es werde dann mehr Verständnis unter den Menschen sein? Mitnichten! Es wird auch dann eine Masse Bewunderer geben, die Mich, für nichts anderes ansehen werden als einen von Gott begeisterten Menschen. Bei Meiner künftigen Darniederkunft, welche natürlich nicht wie einst als Kind, sondern im Mannesalter anfangen wird, wird es auch viele Zweifler geben, und Ich werde vielen Mein Gottsein durch Wunder beweisen müssen, weil die Kraft des Wortes allein bei ihnen nichts ausrichten würde.

  

18] So wird sich Meine Jugendgeschichte zumindest stets in ihren Hauptzügen und Ereignissen wiederholen, nur nicht in materieller, sondern in geistiger Hinsicht, weil dann das geistige Verständnis bei weitem ausgebildeter sein wird und die Gläubigen in der Mehrzahl, die Ungläubigen und Zweifler in der Minderzahl sein werden.

  

19] Seht, Meine Kinder, wie Ich Mich einst nach jüdischem Brauch der Beschneidung unterzogen habe, so laßt auch ihr euch mit der geistigen Taufe - gleich der Beschneidung als erster Schritt und Eintritt in eine Kirchengemeinde -, mit dem Geiste Meiner Liebe taufen! Entfernt aus eurem Herzen, was nicht dorthin gehört, fangt an, Mich und Meine Welt tagtäglich immer mehr zu begreifen, damit nicht auch euch ein Schwert durch die Brust gestoßen werde und ihr, dem Weltlichen zu viel Wert gebend, beweint, was der Trauer nicht wert ist!

  

20] Befleißigt euch, die Dinge zu nehmen, wie sie sind, und erfüllt so jeden Tag eure Aufgabe auf diesem Erdball, solange euer Wandel hier noch bestimmt ist, damit ihr nichts zu bereuen und nichts zu beweinen braucht, wenn die ernste Stunde des Scheidens schlägt.

  

21] So mögt ihr, wie Maria, als Ich zum Vater heimging, Mich erkennen, - erkennen, daß Der, den ihr als Christus wohl kennt, bei weitem größer und liebreicher ist, als ihr Ihn euch vorgestellt habt, daß aber auch Meine Forderungen an euch strenger sind, als ihr dachtet.

  

22] Viele leben jetzt, glauben und lieben Mich wie Maria Mich zu Lebzeiten geliebt hatte. Allein das genügt nicht. Maria erkannte erst am Kreuz und bei Meiner Auferstehung, daß Der, den sie geboren, kein Mensch, sondern Gottes Sohn, das heißt die von der Liebe getrennte Weisheit war, der nach dreitägigem Im- Grabe-liegen wieder in Sein Himmelreich zurückkehrte und später nicht mehr körperlich, sondern nur vergeistigt Seinen harrenden Aposteln und Seiner Leibesmutter erschien. (krit. Anmerkungen d. Hrsg.)

  

23] Macht, daß auch in euch Christus auferstehe, wie Er ist und war, damit ihr euch einst nicht zu verwundern braucht, wenn ihr Ihn anders als gedacht findet.

  

24] Dies zur Mahnung und Darnachachtung! Amen.

 

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gm.pred.007. Predigt: Lk.02,42-50 am 1. Sonntage nach Epiphanias(26.12.1871)

 

   00] Der zwölfjährige Jesus im Tempel (Lk.02,42-50): Und als Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem nach Gewohnheit des Festes. Und als die Tage vollendet waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Gefreunden und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder gen Jerusalem und suchten ihn. Und nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: "Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!" Und er sprach zu ihnen: "Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?" Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete.

  

02] Sehet, Meine Kinder, schon öfter habe Ich euch gesagt, daß jede Handlung in damaliger Zeit, von Meiner Geburt bis zu Meiner Auferstehung und Himmelfahrt, eine zweifache, ja eine dreifache Bedeutung hatte. Was Ich tat und redete, war nicht nur für das Judenvolk, sondern für die ganze damals lebende und zukünftige Menschheit, es war auch, weit über eure Erde hinausreichend, für Mein ganzes Geisterreich bestimmt, das mit neugierigen Augen Meinem Tun und Handeln folgte, um zu sehen, ob und wie Ich als Erdenmensch Meine Mir selbst auferlegte Mission vollenden werde.

  

03] Da Ich ganz in die menschliche Natur eines Erdbewohners eingekleidet war, mußte Ich, um wieder aus derselben herauszukommen und vergeistigt dahin zurückzukehren, von wo Ich gekommen war, alle Leidenschaften der menschlichen Natur bekämpfen. Ich mußte, wie jedes Kind, nach und nach Meine Seele ausbilden, Meine Begriffe und Anschauungen entwickeln, um die Mir selbst eingehauchte Seele Meinem Geist anzupassen, damit Ich am Ende Meiner irdischen Laufbahn Meinen Geistern zeigen konnte, wie Ich nicht allein Meinen eigenen Geist wieder in seiner ganzen Größe zurückbrachte, sondern wie Ich auch Mein Seelisches zu vergeistigen verstand.

  

04] So zeigte Ich dem großen Geisterreich, wie man zu Meiner Kindschaft gelangt, und gab als lebendes, kämpfendes und duldendes Menschenkind das Beispiel, wie und um welchen Preis die Vereinigung mit Mir erreicht werden kann.

  

05] Wenn diese geistige Entwicklung Meiner Mir eingekleideten Menschenseele schneller ging als bei gewöhnlichen Menschenkindern, wenn Ich in Meiner frühesten Kindheit schon Worte des Geistes sprach, wo andere Kinder noch unverständliche Laute hervorbringen, wenn Ich, wie während des dreitägigen Aufenthalts im Tempel, Aufklärungen gab und sogar Wunder wirkte, so müßt ihr bedenken, wessen Geist in diesem Jesus verborgen lag, und wie leicht er bei der geringsten Erregung durch die Menschenhülle durchleuchtete. Auch müßt ihr bedenken, daß Ich nicht, wie andere Menschen, ein ganzes Menschenleben vor Mir hatte, sondern nur dreiunddreißig flüchtige Jahre, innerhalb deren erstens bis zum dreißigsten Jahre Mein Erdenmensch zum großen Werk reifte und zweitens dann nur drei Jahre übrigblieben, in denen der Grundstein zur höchsten, nie vergehenden großen Geistlehre gelegt werden mußte, ohne welche die Geisterwelt und indirekt auch die materielle Welt nicht hätten fortbestehen können.

  

06] Es genügte nicht, Geister mit ungeheuren Kräften und Eigenschaften geschaffen zu haben. Sie mußten auch wissen, wozu und warum Ich ihnen diese Vollkommenheit gegeben habe, damit sie, nur weisen Gebrauch von ihr machend, Mir, ihrem Schöpfer, Ehre bringen, Mich ganz verstehen und Meine Schöpfung ganz begreifen lernen sollten. Um das große Geisterreich rein göttlich zu errichten, dem Ganzen wie dem Einzelnen seinen wahren, geistigen Wert zu geben und selbst in der Materie nur gefestetes Geistiges sie erblicken zu lehren, welches ebenso wie die Geister selbst - nur auf längerem Wege - den Gang der Vergeistigung durchmachen muß, um - gleichsam als Teil Meines geistigen Ichs - einst vergeistigt zu Mir zurückzukehren: das war der Zweck Meines Darniederkommens auf diese Erde, diesem Zweck diente Meine ganze irdische Laufbahn, so wie ihr sie bis zum Ende kennt!

  

07] So waren die Ereignisse Meiner Geburt, Meiner Flucht und Meiner Rückkehr nach dem Judenlande nur einzelne vorausbestimmte Stufen in der geistigen Ausbildung der Mir gegebenen Menschenseele. Auch im Tempel zu Jerusalem bestätigte sich das nämliche Prinzip, indem Ich schon im zwölften Jahr anfing, einzelne Gedanken, die über die damals gewohnten Lebens und Religionsansichten weit hinausreichten, aufzuzeigen. So mancher Meiner Zuhörer wurde dadurch zum weiteren Nachdenken aufgeweckt, da im ganzen Judenvolk der Gedanke vom kommenden Messias, durch die früheren Prophezeiungen angeregt, gerade auf diese Zeit Meines Erscheinens gerichtet war.

  

08] Daß sie alle einen ganz anderen Messias wollten, war nicht anders zu erwarten, weil die Menschen - und besonders das Judenvolk - in jener Zeit, unter dem Druck einer fremden Nation stehend, einen Befreier mit aller Sehnsucht erwarteten. Sie hatten alle den Blick nach unten gerichtet, während der Messias von oben kam.

  

09] Was Ich im Tempel lehrte - wo Ich, statt Fragen zu beantorten, den gelehrten Priestern Fragen aufgab, die sie in Verlegenheit brachten -, hatte den Zweck, ihnen einen kleinen Beweis ihrer oberflächlichen Kenntnis von dem zu geben, was sie allein zu wissen vorgaben. Ich habe es im Tempel, der geistigen Schule jener Zeit, und vor vielen Zuhörern getan, weil das Wort als Träger des unendlich großen Geistigen ewig fortwirkte und so den Keim zu Meiner künftigen Lehre legte. Ich erwarb schon während dieser drei Tage eifrige Verehrer Meiner Person und Meiner Lehre, die es auch später geblieben sind. Wie Ich dort Gönner gewonnen hatte, so machte Ich Mir die Pharisäer und Priester zu Feinden; und eben durch diese beiden Gegensätze lebte Mein hingeworfenes Stück geistiges Brot fort und brachte seine wohlberechneten Früchte. Wären alle mit Mir einverstanden gewesen, hätte am vierten Tag kein Mensch mehr an Mich und Meine Lehre gedacht, - zumal man Mich nur als einen aufgeweckten, etwas kritischen Knaben betrachtete.

  

10] Daß Ich Mich nachher wieder unter die Scheinhülle eines Zimmermanns zurückzog und jahrelang die Aufmerksamkeit von Mir ablenkte, hatte seine Gründe: erstens die früheren Äußerungen Meines göttlichen Geistes - besonders im Tempel - vergessen zu machen; zweitens erst als Mann mit Wort und Tat zu bekräftigen, was man Mir als Knabe und Jüngling nicht geglaubt hätte.

  

11] So verstand auch Maria, Meine Leibesmutter, Meine Worte nicht, als Ich auf ihre Liebesvorwürfe, wegen des langen Suchens, antwortete: "Wisset ihr nicht, daß Ich sein muß in dem, das Meines Vaters ist?" Joseph und Maria begriffen nicht, was Meines Vaters war; sie waren selbst noch zu sehr dem jüdischen Kultus ergeben und glaubten, die ganze Religion bestände in Haltung der Gebräuche. Sie kannten Mich nicht - und Meinen Vater noch weniger; denn für sie gab es nur einen unteilbaren Gott. Daher, hätten sie auch Mein göttliches Ich anerkannt, so wäre ihnen dieses zweifache Wesen, Ich und der Herr - oder Sohn und Vater -, nicht faßbar gewesen.

  

12] So mußte es geschehen, daß Mein Ich reif wurde - zur Zeit der, Lehre, in der die menschliche Verwandtschaft ihrem Ende zuging und die große geistige für die Menschheit und das große Geisterreich ihren Anfang nahm, - Meine Mission in vollem Maß zu erfüllen, indem Meine Seele, mit dem göttlichen Geiste vereint, das lehrte und wirkte, was ihr im Evangelium Johannes aufgezeichnet findet. Das ist seit jener Zeit mit unvertilgbaren Schriftzügen auf den großen Plan der ganzen Schöpfung geschrieben mit den Worten: ,Einsetzung und rechte Auffassung der göttlichen Eigenschaften, Erklärung und richtiges Erfassen der menschlichen und geistigen Würde im Hinblick auf den Schöpfer alles Seienden und das wechselseitige Verhältnis.`

  

13] Dieses war der Zweck Meiner in jener Zeit gegründeten Lehre, die göttlich ist und bleibt, weil sie Gott gegeben, weil sie Gott Seinen göttlichen Abkömmlingen als Maßstab hinterließ und zeigte, wie man Gott als Herrn, als Schöpfer, aber auch als Vater lieben und sich Ihm nähern kann.

  

14] Und nun, Meine Kinder, nachdem ihr begreifen könnt, warum Ich zur Welt kam, warum bis zu Meinem zwölften Jahr sich die Ereignisse so und nicht anders gestalten mußten, will Ich euch von jener Vergangenheit hinweg in eure Gegenwart führen und euch das Knabenalter Jesu und Seine Fragen an die Priester in euren jetzigen Weltverhältnissen vor Augen führen.

  

15] Sehet, in der Welt geht es oft so, daß man die Augen in die Ferne richtet und das Nahe nicht sieht, oder wie ein Sprichwort sagt, den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

  

16] Was ist das Knabenalter im allgemeinen? - Es ist das Erwachen des inneren Geistes, wo die Seele sich intellektuelle Kenntnisse verschaffen will, und sie das Äußerliche, sie Umgebende einer tieferen Betrachtung unterzieht, auch nicht mehr taub ist für die Stimme, die im Innern oft anders spricht, als man es wünscht.

  

17] Dieses Knabenalter der Menschheit, dieses Erwachen vom langen Glaubensschlaf, besonders in religiösen Dingen, diese Zeit Meines zwölften Jahres ist jetzt da. Die geistige Bewegung, die sich aller bemächtigt, zeigt sich in deim Abwägen des zum Glauben Gebotenen, in den Fragen, welche die erwachten Gemüter den geistigen Machthabern, den Theologen und Schriftgelehrten, die gelehrt und allein unterrichtet sein wollen, zur Lösung geben, welche aber, weil sie unfähig sind, die gestellten Fragen zu beantworten, Frage mit Frage lösen wollen.

  

18] Dieses ,zwölfte Jahr`, als Vorläufer Meiner späteren, reiferen Lehre, ist es, das die einen zur Ruhe, die andern zur Verzweiflung führt. Es ist wieder das Wort: "Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort." Das Wort ist es wieder - als Ausdruck geistiger Gedanken -, welches, allmächtig durch alle Herzen zuckend, tausend andere Gedanken hervorruft und zu tausend anderen Worten Anlaß gibt.

  

19] Auch in jener Zeit warf Ich den Stein nur an den Abhang; seine Schwere zog ihn dann von selbst, brachte ihn ins Rollen und endlich zum Fallen. So das Wort! Es ist wie eine Lawine. Zwar klein im Anfang, vergrößert sie sich dann immer mehr und zieht alles mit sich in den Abgrund. So wie die Lawine schneebedeckte Abhänge von ihrer Decke befreit und dem Lichte der Sonne wieder den Zugang zur Mutter Erde erleichtert, ebenso stürzt die Gedanken und Wortlawine das künstliche Gebäude von Lug und Trug ein, und der Gnadenschein des göttlichen Liebelichts erleuchtet und erwärmt die unter der Eis oder Schneedecke erstarrt gehaltenen Herzen.

  

20] So geht die Vorbereitung zum großen Reinigungsprozesse vor sich. Selbst die sozialen Verhältnisse, Resultate der geistig religiösen, rühren sich und verlangen nach Ausgleich, nach Wiedereinsetzung göttlich menschlicher Rechte.

  

21] Es ist das ,zwölfte Jahr`, das Frühlingsjahr, welches dem heißen Sommer, in dem die Früchte ausgereift werden, vorausgehen muß, um im Herbst die volle Ernte halten zu können.

  

22] Auch Mein zwölftes Jahr, Mein Knabenalter, war Mein Frühlingsjahr; Meine Zeit der Lehrjahre - Mein Sommer; Meine letzten vierzig Tage bis zur Himmelfahrt - Meine Erntezeit.

  

23] So werdet ihr sehen, wie sich alles nach diesen Gesetzen und Perioden entwickeln wird. Nach den Frühlingsjahren, der Zeit der Gärung, werden die Sommerjahre des Ausreifens mit ihren Stürmen und Gewittern - und dann die Herbstjahre kommen, in denen Ich als Schnitter die Spreu vom Weizen sondern, das Bessere in Meine geistigen Himmel und vergeistigten Erdkörper aufnehmen, das Schlechtere aber in die gefestete Materie bannen werde, in der sodann auf weitem Wege das erreicht werden muß, was auf kürzerem verschmäht wurde.

  

24] Bereitet euch also vor, im Frühjahr des geistigen Lebens - durch den Gärungs und Läuterungsprozeß jedes einzelnen in seinem Innern - dasselbe zu tun, was Ich im Großen bewirkte. Reinige ein jeder sein Herz von allem Weltlichen soviel wie möglich, damit er die Stürme und Gewitter des nachfolgenden Sommers mit Geistesstärke ertrage und, wie die Pflanzen und Bäume auf freiem Feld, siegreich aus dem Kampf hervorgehe, damit im Herbste nicht leere Blätter, sondern schön ausgereifte Früchte in Taten und Worten, würdig eines Kindes des göttlichen Vaters, das Endresultat sein mögen!

  

25] So nur gewinnt ihr dann Meine Liebe, Mein Reich und euren Seelenfrieden und seid durch Wind und Wetter erstarkte Bäume und keine schwankende Schilfrohre geworden.

  

26] Dieses ist der Grund der Bewegung der Zeit, der Gemüter und die Bewegung auch in eurem eigenen Herzen, das immer zum Vorwärtsschreiten drängt. Beachtet daher den Ruf, den Ich nun in so vielen Formen an euch ergehen lasse! Er hat immer euer Bestes zum Ziel, und dieses könnt ihr mit Meiner Gnade auch erreichen, wenn ihr nur wollt. Amen.

 

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gm.pred.008. Predigt: Joh.02,01-11 am 2. Sonntage nach Epiphanias

   00] Die Hochzeit zu Kana (Joh.02,01-11): Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: "Sie haben nicht Wein." Jesus spricht zu ihr: "Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!" Seine Mutter spricht zu den Dienern: "Was er euch sagt, das tut." Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung, und es ging in je einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: "Füllet die Wasserkrüge mit Wasser." Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: "Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister!" Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, woher er kam (die Diener aber wußten es, die das Wasser geschöpft hatten), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: "Jedermann gibt zum ersten guten Wein und, wem sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten." Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

 

01] Dieses Kapitel des Johannes beginnt mit der Hochzeit zu Kana in Galiläa, wo Ich die erste öffentliche Wundertat verrichtete, indem Ich Wasser in Wein verwandelte.

 

02] Mit diesem Ereignis, welches in den Anfang Meiner Lehrjahre fällt, wollte Ich, obwohl Ich noch nicht lehrend aufgetreten war, gerade durch die Verkettung der Umstände bei dieser Hochzeit die Aufmerksamkeit vieler auf Mich lenken; denn in Kürze war Mein Wandel im Verborgenen zu Ende.

 

03] Eine Hochzeit ist zwar ein schon oft dagewesener und sich stets wiederholender Akt. Er wird aber, obwohl viel Geistiges in ihm verborgen ist, von den meisten Menschen nur materiell verstanden und begangen.

 

04] Wenn es nur eine solche Hochzeit gewesen wäre, so würde man Mich dort nicht gefunden haben. Ich hatte weit größere Zwecke im Auge, die jedoch nicht durch zu auffallende Ereignisse erreicht werden sollten. Es sollten die Juden langsam auf Mein künftiges Lehr und Tatenleben aufmerksam gemacht werden.

 

05] Was diese Handlung und alle weiteren betrifft, so ist ihre jetzige, geistige Wiederholung in einem größeren und tieferen Sinne aufzufassen. Jetzt werden auch die Zeiträume größer sein als während Meiner kurzen Lehrjahre und Meines Aufenthalts auf eurer finsteren Erde. Dort war Mir nur kurze Zeit gegeben, um Großes für eine ewige Dauer zu verrichten; jetzt,wo es sich um die künftige Vollendung der geistigen Bildung der Menschheit handelt, fließt der Strom der Ereignisse langsamer, aber desto gewaltiger, --, alle Hindernisse überwindend, die sich bis zu Meiner letzten Ankunft gegen Meine Pläne erheben möchten.

 

06] Um bei der Hochzeit zu Kana wieder anzuknüpfen, muß Ich vorausschicken, was eine Hochzeit eigentlich ist, wie sie bei euch gefeiert wird, und wie Ich sie gefeiert haben möchte, damit ihr später die geistige Bedeutung derselben inbezug auf die ganze Menschheit erkennen möget, indem die Verbindung zweier Menschen, in der Entsprechung, auch für die ganze Menschheit ihre tiefe Bedeutung hat.

 

07] Eine Hochzeit ist der Abschluß eines vorhergegangenen Übereinkommens zweier Menschen verschiedenen Geschlechts, welche, durch Sympathie angezogen, dem Drang ihrer Seele nachgeben und gesonnen sind, diese einmal angefangene geistige Verbindung während ihrer Lebensdauer nicht mehr aufzugeben, sondern, stets mehr eins miteinander werdend, Freud und Leid gemeinsam zu tragen. So wird, infolge dieser gleichen Gesinnung, durch einen gesetzlichen Akt die Ehe geschlossen, in der die einzelne Individualität eigentlich aufhört, und ein gemeinsames Leben, das Leben der Familie, vorgezogen wird.

 

08] Solch ein Akt zweier Seelen, die sich erkannt haben, und ihre dauernde Verbindung sollten nicht nur für dieses kurze Erdenleben, sondern auch für das jenseitige Leben gelten, wo beide durch das Streben nach gleichem Ziele sich stets mehr und mehr vereinigen und am Ende wie ihr sagt - "ein Herz und ein Sinn" werden sollen.

 

09] Eine solche Verbindung sollte die wahre geistig sittliche Liebe als Grundlage haben, um darauf das Familienleben zu gründen, welches gegenseitige Achtung bedingt. Durch das von Mir bestimmte Naturgesetz der Paarung wollte Ich nicht allein das Zusammenleben zweier Individuen bezwecken, sondern Ich wollte auch aus solcher Liebe gezeugte Früchte haben, welche die besseren Eigenschaften des. Gemüts des einen und anderen fortpflanzen und noch mehr veredeln sollten.

 

10] So war Mein Ehegesetz, welches Ich in die Natur als Drang zur Fortpflanzung einlegte, die Ursache einer ewigen Stufenleiter, von Wesen zu Wesen, bis zu Mir. Das wollte Ich, - und was habt ihr Menschen daraus gemacht? Einen Markt mit Menschenfleisch und Seelenverkäufern!

 

11] Als Ich in Kana zur Hochzeit ging, war es gewiß nicht die sinnlich materielle Seite, die Mich bestimmte, dieser Einladung Folge zu leisten, sondern Ich wollte einesteils den Wünschen Meiner Leibesmutter nachgeben, andernteils aber schon dort den ersten Grundstein Meines großen Geisterreiches legen. Daß Ich Wein aus Wasser machte, und daß die Brautleute den Wein für den besten erklärten, ist eben für die jetzige Zeit in geistiger Entsprechung von Bedeutung.

 

12] Seht! was Ich euch von der ehelichen Verbindung zweier Personen sagte, das soll nun geistig, auf der Grundlage der in den Evangelien niedergelegten Liebelehre, zwischen den verschiedenen Sekten der Christen geschehen; auch sie sollen sich in der Liebe zu einer einzigen Familie verbinden. Schon nähert man sich, und tritt mehr in geistigen Verkehr; man kommt nach und nach zu der Erkenntnis der geringen Unterschiede in den Ansichten und Auslegungen der immer sich gleich gebliebenen Bibel, durch welche die Trennung verursacht wurde.

 

13] Schon beginnen sich durch diesen Austausch von Meinungen die vermeintlichen Hindernisse zu verringern, kleiner zu werden, um einst ganz zu schwinden. In der jetzigen Zeit werden die Vorbereitungen zu einem gemeinschaftlichen Leben getroffen, um dann einst das Vereinigungsfest, die Hochzeit, zu feiern, zu welcher es wahrlich höchste Zeit ist.

 

14] Wenn diese Vereinigung ihrem Ziele nahen wird, dann werde auch Ich wieder das bis jetzt von allen getrunkene Glaubenswasser in Meinen geistigen Liebewein verwandeln; und wie einst der Speisemeister, werden dann die Harrenden fragen: "Warum haben wir denn bisher den schlechten Wein getrunken und den besten bis zum Ende aufgespart?"

 

15] Und Ich werde antworten: ,Weil ihr früher nicht fähig wart, Meinen Liebewein gehörig zu würdigen und zu schätzen, und nur Mißbrauch das Resultat gewesen wäre! Jetzt aber, wo ihr euch an eurem schlechten, von Menschen zusammengemischten Wein sattgetrunken habt, jetzt, wo ihr in der Trinklust ruhiger geworden seid und Gutes von Schlechtem klarer unterscheiden könnt, jetzt komme Ich und gebe euch nichts Neues, was ihr nicht schon kennet, sondern denselben Wein, den ihr schon früher getrunken habt, nur von seinen schlechten Teilen getrennt, als reinen göttlichen Trank, den nur jene verdienen, welche, die Sinnlichkeit und das Materielle weit hinter sich lassend, ihre geistige Natur erkennen und nur nach geistigem Trank und geistiger Speise lechzen.'

 

16] Dahin zielt jetzt alles Treiben der Menschen. Alle sind satt der schlechten Brühe, die ihnen als göttlicher Trank vorgesetzt wurde. Sie ahnen etwas Besseres; jeder glaubt, ein anderer habe vielleicht das, was ihm selbst fehlt. Durch dieses Suchen und Fragen fallen die Hindernisse des religiösen Fanatismus, und die Vereinigung wird möglich, wo Ich dann kommen werde und es nur einen Hirten und eine Herde geben wird.

 

17] Das ist die geistige Bedeutung der Hochzeit zu Kana.

 

18] Beachtet dieses Wort wohl, und richtet euer Auge auf die kommenden religiösen Bewegungen, und ihr werdet sehen, wie die gleichgesinnten Geister sich finden, sich einander nähern, um den Hochzeitstag, den Tag der ewigen Verbindung zu begehen, wo alle, miteinander vereint, Mir entgegenstreben werden, um den Namen zu verdienen, welchen Ich allen vorbehalten habe, die Meine Lehre ausüben und den ersten Grundsatz Meiner ganzen geistigen und materiellen Schöpfung zu ihren Lebensgrundsatz gemacht haben, um des himmlischen Vaters würdige geistige Kinder zu werden. Amen.

 

 

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gm.pred.009. Predigt: Mt.08,01-04 am 3. Sonntage nach Epiphanias (11.01.1872)

00] Die Heilung eines Aussätzigen (Mt.08,01-04): Da er aber vom Berge herabging, folgte ihm viel Volk nach. Und siehe, ein Aussätziger kam und betete ihn an und sprach: "Herr, wenn du willst, kannst du mich wohl reinigen!" Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will es tun, sei gereinigt!" Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: ,Siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie."

  

02] Hier ist angeführt, wie Ich durch bloße Berührung einen Aussätzigen heilte. Diese Art der Heilung ist jetzt nicht mehr möglich oder nicht in Meinem Willen gelegen; denn wenn ihr die Krankheit ,Aussatz` im geistigen Sinn nehmen wollt, so müßte Ich viele Menschen, und zwar nicht die besten, auf einmal zu Engeln machen, welches aber weder für Mich und Mein Geisterreich, noch für den plötzlich verwandelten Geist und Seelenmenschen von Nutzen wäre.

  

03] Was ist denn eigentlich der Aussatz für eine Krankheit? Woher kommt er, und wie kann er geheilt werden?

  

04] Diese Fragen müssen wir zuerst beantworten, ehe uns das geistig Entsprechende klar vor Augen treten kann. Aussatz ist jene Krankheit, bei der man - sei es durch Ausschweifung, sei es durch unnatürliche Lebensweise im Essen und Trinken, sei es durch Unreinlichkeit so viele fremde, giftige Stoffe in seinen Organismus hineingeschafft hat, daß das ganze menschliche Uhrwerk nicht weitergehen kann. Um nun die normale und natürliche Tätigkeit und Geschäftsleitung in allen Teilen des Körpers wiederherzustellen, wirft die menschliche Natur alle seit Jahren aufgenommenen fremden Stoffe oder Gifte auf ihr größtes und auch sehr wichtiges Organ, auf die Haut, durch welche die größte und ausgebreitetste Verbindung mit der Außenwelt besteht, erstens um auf diese Weise sich ihrer fremden, lästigen Bürde zu entledigen, zweitens um selbst durch dieses giftige Reizmittel eben die Haut anzuregen, mit mehr Tätigkeit den ganzen Organismus zu unterstützen, und ihm so wieder zu seiner früheren Gesundheit zu verhelfen.

  

05] Geheilt wird diese Krankheit natürlich am besten auf demselben Wege, auf dem sie entstanden ist, d.h. der Aussatz kam von innen nach außen, und so muß auch die Heilung den nämlichen Weg gehen. Das verdorbene Blut, welches seine schlechten Bestandteile in der Haut abgesetzt hat, muß durch neues und gesundes ersetzt werden. Von außen gehört natürlich auch die Reinhaltung der Wunden dazu, damit das Zersetzte, dem Körper nicht mehr Taugliche, entfernt und dem allenfalls noch Nachkommenden Platz gemacht wird.

  

06] So erfolgt dann die Heilung, wodurch bei Beachtung einer naturgemäßen Lebensweise der Körper sich erneuert, seinem Organismus volle Kraft und dem Menschen ein langes, gesundes Leben sichert.

  

07] Hier habt ihr in kurzen Umrissen ein Bild vom Wesen des Aussatzes als körperliche Krankheit. Jetzt wollen wir dieselbe in ihrer geistigen Entsprechung betrachten, damit ihr auch dort die Krankheitserscheinung und die Heilmittel erkennen mögt. Nur der Wunderheiland, der diese Krankheit durch bloße Berührung oder durch ein Wort zu heilen vermag, der wird und muß hier wegbleiben; denn in geistiger Hinsicht muß jeder Aussätzige sich selbst heilen und so selbst sein Heiland werden.

  

08] Sehet, ,aussätzig`, d.h. mit vielen giftigen Beulen behaftet, ist ein großer, ja der größte Teil der Menschen; aber eben, weil die Mehrzahl aussätzig ist, so nimmt man an dieser Krankheit keinen Anstoß. Denn die wenigen von ihr Gereinigten ziehen sich von den mit dieser Krankheit Behafteten nicht zurück, sondern pflegen sie mit der Liebe und Geduld des christlichen Glaubens, um die Kranken, wenn sie zu schwach sind, mittels Rat und Unterstützung zur Wiederherstellung ihrer verlorenen moralischen Gesundheit zu führen.

  

09] Der Aussatz ist eine Krankheit, die niemand verbergen kann. Sie zeigt sich offen am menschlichen Körper. Das bedeutet in geistiger Hinsicht das Offen-zur-Schau-Tragen aller schlechten Eigenschaften, aller bösen Leidenschaften und Gewohnheiten, die das Resultat schlechter Ansichten und vernachlässigter Erziehung sind. Wenn, geistig genommen, eine Seele in ihrem Innersten so verdorben ist, daß sie beinahe ihren geistigen Wert eingebüßt hat, so treibt der Geist, Mein in sie gelegter göttlicher Funke, sie so weit, daß sie sich nicht mehr schämt, diese schmutzige Innenseite selbst nach außen öffentlich zu zeigen. Die Seele wird durch diesen Prozeß gleichsam gezwungen, ihr Gewissen dem Nebenstehenden zu enthüllen und durch ihre Lebensart und Denkweise, die die Folge der eingesogenen falschen Grundsätze ist, sich an der Welt zu stoßen, bittere Erfahrungen zu machen, um am Ende doch zu der Einsicht zu kommen, daß ein besseres, höheres, moralisches Bestreben und Wirken erst zum rechten Frieden führt.

  

10] Um diese geistig Aussätzigen schneller zu heilen, lasse Ich Ereignisse in der Welt zu, durch welche der Ausscheidungsprozeß schneller vor sich geht und auch zur Heilung Kräftigeres, Geistigeres ins Innere, ins Seelenleben, eindringt.

  

11] So wie die äußere Heilung von innen kommen inuß, so muß auch die geistige Genesung von dort ausgehen. Dadurch, daß das Schlechte bis in die Öffentlichkeit gedrungen ist, durch das Zusammenleben mit andern zersetzt und von der Außenwelt aufgenommen wurde, wird im Innern das Leere durch moralisch geistige Heilmittel wieder ergänzt und so der Mensch zu seinem Normalzustande, als Ebenbild seines Schöpfers, zurückgeführt und dem Geisterreiche wieder gewonnen.

  

12] Wie der materielle Aussatz ansteckend ist für den, der mit solchen Kranken in Berührung kommt, ebenso ist auch der geistige Aussatz ansteckend, weil er durch seine schlechten Grundsätze auch andere zu schlechten Handlungen verleitet. Und so entstand, indem einer den andern ansteckte, diese unmoralische Welt, wie ihr sie jetzt seht. Das, was Ich in jener Zeit getan habe, daß Ich durch Berührung einen Aussätzigen heilte, weil sein geistiges Inneres nicht seiner Haut entsprach, ist jetzt im Geistigen nicht möglich. Der Mensch muß sich geistig selbst heilen. Mein Berühren besteht oft nur darin, daß Ich ihn in Verhältnisse führe, durch die er schneller und mit Gewalt von seinen anklebenden Unreinigkeiten befreit wird; aber ihn auf einmal geistig rein herzustellen, würde ein Eingriff in die freie Würde des Menschen sein.

  

13] Wenn Ich aus Teufeln plötzlich Engel machen wollte und sie ohne Kampf und Verleugnung zu ihrem Besten - umgewandelt würden, - wo bliebe dann ihr Verdienst?

  

14] Diese Art Wunderheilung bleibt also in jetziger und künftiger Zeit aus; wohl aber wiederholt und ereignet sich oft, was dem Hauptmanne von Kapernaum begegnet ist, der mit starkem Glauben und fester Zuversicht der Macht Meines Wortes vertraute und durch seine Rede: "Herr, ich bin nicht wert, daß Du eingehst in mein Haus; sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund!" zeigte, wie der eigentliche Christenmensch beschaffen sein sollte, der trotz allem widrigen Anschein auf Mich und Meine Führung vertraut, Meinen Worten glaubt und dabei - Meine Größe öffentlich - bekennend - seine eigene Unwürdigkeit nicht vergißt.

  

15] Solche Seelen, die so mit Mir reden, die bittend zu Mir kommen, sich selbst erniedrigend, die berühre Ich mit Meinem Finger und heile sie mit Meinem Wort, d.h. Ich sende ihnen Trost und Frieden ans Herz, die auf keine andere Weise zu erlangen sind. Bei solchen Seelen gilt auch, was Ich in Kapernaum sagte, daß solcher demütig Glaubenden das Himmelreich ist, - aber nicht denen, die sich noch mit ihrem Aussatz brüsten. Diese müssen sich zuerst läutern und reinigen lassen, oder sie werden die Finsternis ihres Herzens durch traurige Erfahrungen, erkennen müssen, und daß es besser gewesen wäre, die schlechten Eigenschaften (den geistigen Aussatz) auszumerzen, welche sie öffentlich zur Schau trugen und sich sogar mit denselben brüsteten, da dieses nicht der Weg zum Geistigen, nicht der Weg zum ewigen Leben, nicht der Weg zu Mir ist.

  

16] Solange sie nicht begreifen werden, daß Demut und Liebe, mit unbegrenztem Vertrauen verbunden, die Schlüssel sind, um bei Mir alles zu erreichen und sich selbst am schnellsten fortzuhelfen, solange werden Krankheiten und Mißhelligkeiten aller Art auf sie einwirken, bis der Aussatz verschwunden und durch Lebens, Glaubens und Liebeselemente ersetzt wird.

  

17] Auch ihr habt noch so manche Aussatzbeulen an eurer Seelenhaut, welche oft im Außenleben deutlich zeigen, daß ihr noch lange nicht gereinigt seid, und noch lange nicht alle geistige Nahrung, die Ich seit Jahren zu euch sende, bis in euer Außenleben verwirklicht habt. Vieles ist es, das ihr wohl lest, manchmal auch glaubet, das aber an der Außenseite der Lebenshaut noch keine Spuren gezeigt hat, als wäre diese Gnaden und Liebekost bis dorthin durchgedrungen. Nur wenige von euch erkennen ihre Unwürdigkeit wie der Hauptmann zu Kapernaum, auf daß auch sie ausrufen möchten: "Herr, ich bin so vieler Gnaden nicht würdig! Nur ein Wort des Trostes genügt, und auch dieses ist schon zuviel für mich armes, schwaches und wankelmütiges Kind!"

  

18] Die meisten von euch glauben, wie die Juden jener Zeit, alles getan zu haben, wenn sie sich buchstäblich an die Satzungen und Lehren Meiner Worte klammern. Sie sind aber noch weit entfernt von der praktischen Ausübung der Worte ihres Vaters. Wie die Juden oberflächlich nur das hielten, was ihnen materiell das Wichtigste zu sein schien, so ist es auch bei euch! Mit der Begeisterung für Mein Wort, mit dem Bekehren wollen anderer, da seid ihr gleich bereit! Ihr wollt gleich helfen, den Unrat vor anderer Leute Türen aufzuräumen; nur den eigenen laßt ihr gemütlich liegen und wartet wie dieser im Evangelium genannte Aussätzige, daß Ich vielleicht komme und mit Meiner Berührung euch gleich zu höchst moralischen Wesen stempeln solle.

  

19] Hier liegt der große Fehler! Weil ihr eure Eiterbeulen nicht kennt, so sucht ihr sie auch nicht zu heilen.

  

20] Hier in diesem Worte ermahne Ich euch: Untersucht eure Lebens- und Seelenhaut! Und wenn ihr solche Aussatzgeschwüre entdeckt, so möge euch das ein Zeichen sein, daß ihr noch manches Fremde, nicht eurem geistigen Wesen Angehörige, in eurem Innern bergt. Trachtet danach, solches auszumerzen und durch neue, kräftige Lebenssubstanzen zu ersetzen, damit ihr nicht Meine direkte Berührung, sondern nur Mein Wort nötig habt, auf daß eure Seele gesund werde! Amen.

 

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gm.pred.010. Predigt: Mt.20,01-16 am Sonntage Septuagesimä (01.1872)

   00] Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge (Mt.20,01-16): Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere am Markte müßig stehen und sprach zu ihnen: "Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist!" Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: "Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig?" Sie sprachen zu ihm: "Es hat uns niemand gedingt." Er sprach zu ihnen: "Geht ihr auch hin in den Weinberg; und was recht sein wird, soll euch werden!" Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: "Rufe die Arbeiter, gib ihnen den Lohn und hebe an bei den letzten bis zu den ersten!" Da kamen, die um die elfte Stunde gedingt waren, und es empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murrten sie wider den Hausvater und sprachen: "Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben!" Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: "Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht! Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin! Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht, zu tun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt."

  

01] Dieses Gleichnis, sowie viele andere, hatte den Zweck, den damals lebenden Juden geistige Wahrheiten in der Form von Vergleichen und Schilderungen aus dem praktischen Leben leichter verständlich zu machen. Außerdem war damals - wie heute noch im Orient - die Bilder und Gleichnissprache mehr gebräuchlich als in heutiger Zeit, wo man bei allen Mitteilungen die direkte Darstellung vorzieht.

  

02] Es liegt in diesen Gleichnissen immer ein tieferer, geistiger Sinn, der sowohl damals paßte, wie auch für alle kommenden Zeiten stets den gleichen Wert haben wird.

 

 03] Diesen geistigen Sinn wollen wir nun etwas mehr beleuchten und seine Bedeutung hervorheben, weil er das Wesentliche, der Kern,das Gleichnis nur seine Schale oder Umhüllung ist.

  

04] Seht, in jenem Gleichnis sagte Ich: "Das Himmelreich gleicht einem Weinberge." Der geistige Sinn dieser Worte muß auf den eigentlichen Begriff, was denn ein Weinberg ist, zurückgeführt werden.

  

05] Seht, ein Weinberg ist ein Stück Land, aus dessen Boden durch Anpflanzung von Reben das Ätherische der Erde in Geistiges, in der Traube zu Wein verwandelt wird. Durch Zersetzung der Elemente werden gröbere Stoffe in feinere, geistigere umgewandelt.

  

06] Was ist aber neben der Erde zum Ausreifen der Traube noch besonders nötig?

  

07] Es ist das Licht der Sonne; denn ohne den Wecker von oben entwickelt sich aus der Erde kein geistiges Produkt. Die Sonne muß mit ihren Lichtstrahlen erst die in der Erde schlafenden Elemente wecken, sie mit ihrer Wärme vergeistigen helfen und so durch den Kreislauf im Rebstock, durch Wurzeln, Äste, Blätter und Blüten, das Höchste absetzen, das endlich nach seinem Zersetzungsprozeß sichtbar zeigt, welche Fülle geistigen Stoffes in der Traube verborgen lag, welch geistiger Stoff sich jedoch erst dann zu zeigen beginnt, wenn die Traube aufgehört hat, Traube zu sein.

  

08] Hier habt ihr also den Weinberg, bei dem drei Dinge - nämlich Erde, Wasser und Licht - zusammenwirken müssen, um auf höherer Stufe etwas Geistiges hervorzubringen.

  

09] Nun wird euch der Vergleich Meines Reichs oder des Himmelreichs mit einem Weinberg schon leichter verständlich sein, wenn ihr die oben angeführte Erklärung auf Mein Reich anwendet.

  

10] In Meinem Reich ist ebenfalls das Höchste nur Geist; aber dieser Geist, verkörpert in geistigen Wesen, kann erst aus den unter dem Geist stehenden, niederen Produkten der Schöpfung gewonnen werden. So wie der ganze Bildungsprozeß des Weins, vom eingesaugten Saft der Wurzel des Rebstocks bis zum im Fasse gärenden Mostwein, ein fortwährendes Verwandeln, Läutern und Verfeinern der Stoffe ist, so werden auch in Meiner ganzen Schöpfung alle geschaffenen Dinge - stets weiter vorrückend - geläutert und verfeinert, bis nach ihrem Ende als Materie, bei dem Zerfall des Bestandes, das Geistige mit leichter, ätherischer Umkleidung heraustreten kann. So wie die Wurzel des Rebstockes aus der Erde die ihr zusagenden Stoffe zieht, die zum weiteren Aufbau der ganzen Pflanze gehören, ebenso liegt die Wurzel des einst Geistigen im Materiellen vergraben. Dort sind ihre ersten Anfänge, von dort entbindet sich, was einer höheren Stufe fähig ist, und steigt aus der Finsternis der Erdrinde in die feinere Luft auf. Hier tun sodann Licht, Luft und Wasser das ihre, um den Vergeistigungsprozeß zu vollenden und feste Elemente der Bestandteile der Erde in wässerige umzuwandeln, die leichter Geistiges, Edleres enthalten können, weil sie, - den unteren Regionen entwachsen, von Licht und Wärme durchdrungen, sich den Einwirkungen der höheren Regionen leicht hingeben können.

  

11] In entsprechender Weise geht auch der Erziehungsprozeß zum Einwohner Meiner geistigen Himmel vor sich.

  

12] Durch den Licht und Wahrheitsstrahl von oben muß das im Grabe Schlafende aus der groben Materie gezogen, dann geläutert und in ihm der Drang erweckt werden, stets höher und höher zu steigen. Ihr seht es auf eurer Erde, wie alles sich von der gröbsten Materie zur leichteren Existenz hindurchringt durch alle Klassen des Erdreichs zum Pflanzen und Tierreich und von dort, sich stets weiter entwickelnd, aufwärtssteigt zum Menschen, der dann die erste geistige Stufe zu Meinem Reich bildet. Er ist schon der Traube gleich, in welcher alle Elemente zum köstlichen Weine vorbereitet liegen.

  

13] Auch im Menschen ist alles so geformt und gebildet, daß der Einfluß von oben der mächtigere und der von unten der schwächere ist. Wenigstens war das so Meine Bestimmung. Die Entartung und das Abweichen des Menschen von diesem von Mir ihm gebahnten Weg wird später an der betreffenden Stelle dieses Gleichnisses zur Sprache kommen.

  

14] Durch die Auflösung der menschlichen Hülle tritt der Mensch ins Geisterreich über, wo sich geistig der nämliche Prozeß wiederholt.

  

15] Wie der unterste, in die feste Materie gebundene Geist vorher bis zur obersten Stufe, die auf Erden möglich ist, zum Menschen emporstieg, so muß er im Geisterreich wieder als einfache Menschenseele anfangen, um bis zum größten Engelsgeist, ja bis zu Mir selbst, fortzuschreiten.

  

16] In dieser Hinsicht also gleicht das Himmelreich einem Weinberge, weil im einen wie im andern der Läuterungsprozeß vom Groben zum Feinsten, vom Festen zum Beweglichsten, von der Materie zum Geist vollzogen wird. In dieses Himmelreich als Weinberg - wie das Gleichnis sagt - sucht also ein Hausherr Arbeiter, die den Weinberg bearbeiten sollen.

  

17] Was der Eigentümer eines Weinberges im weltlichen Sinn sucht, das suche Ich im geistigen. Ich suche ebenfalls Seelen, die sich selbst und Meine Schöpfung begreifen und sich dazu hergeben, Meine Liebesgebote zu erfüllen, und die durch ihre Lehren und ihr Beispiel dazu beitragen sollen, die in der Materie gebundenen Geister zu befreien, um so das einst von Mir Ausgegangene Mir wieder - und zwar geläutert, verfeinert, vergeistigt - zurückzuführen.

  

18] Wie der Hausherr frühmorgens ausgeht, die ersten müßig Dastehenden findet und sie zur Arbeit dingt, so gehe auch Ich aus und suche auf Menschenseelen schon in den frühesten Jahren einzuwirken, um sie für Mein Reich tauglich zu machen. Wie dieser Herr des Weinberges zu verschiedenen Stunden ausgeht, um neue Arbeiter zu finden, suche auch Ich in den verschiedenen Altersstufen, im Jünglings-, Mannes- und selbst im Greisenalter, diejenigen wiederzugewinnen; welche - Mir bis dahin verloren - nicht wußten, was ihre Mission auf dieser Welt war, und was ihr Zweck in der andern sein wird.

  

19] Wie Meine Kinder in den verschiedenen Altersstufen stehen, so stehen auch - im größeren Maßstabe - die Völker teils im Kindes, teils im Jünglings, Mannes oder Greisenalter. Auch die Völker gehen den gleichen Gang der Entwicklung wie der einzelne Mensch in seinen Lebensphasen.

  

20] Die ersten Anfänge einer Lehre für Mein Reich waren die Zeiten des Glaubens, die dem Kindesalter entsprechen. Dann kamen die Zeiten der Zweifel und des Fragens, - des Jünglingsalters. Später folgten die Zeiten des klaren Bewußtseins, die des Mannesalters, und endlich die Periode, die der nahe bevorstehenden Verwandlung vorausgeht, das Greisenalter.

  

21] Mein erstes Kommen fiel in die Zeit des Jünglingsalters der Menschheit, als die erwachten Gemüter anfingen, das ihnen als Religion Gegebene zu kritisieren und zu erklären, woraus verschiedene Glaubensbekenntnisse entstanden. Damit nun diese große Fragezeit die Menschheit ihrer geistigen Existenz nicht ganz beraube, trat Ich gerade in jener Zeit auf und rettete so das in der Kindheit angenommene Gute, entfernte das durch spitzfindiges Grübeln Angeklebte und gab so dem Menschen seine Geisteswürde wieder, die sonst im weltlichen, egoistischen Treiben verlorengegangen wäre.

  

22] In diesem Jünglingsalter, wo sich höchste Begeisterung und größte Erniedrigung die Hand gaben, suchte Ich Meine Arbeiter für Meinen himmlischen Weinberg. Als Märtyrer bestiegen viele den Scheiterhaufen - auf den wohl andere, aber nicht sie hingehörten -, um ihre Mission zu vollenden.

  

23] Unter diesem Treiben und Hin- und Herwogen zwischen großen Ideen, zwischen Geistlehre und Materialismus, reifte das Mannesalter der Menschheit heran. Mein in der Jugendzeit gelegter Same trug seine Früchte, wenngleich an vielen Orten entartet. Und wieder ging Ich aus und sammelte Kämpfer für Mein Reich - und fand sie, wenn auch spärlich. Einige wagten es wieder, den Weizen von der Spreu zu reinigen, damit nicht im reifen Mannesalter, trotz klarer Einsicht, die ganze geistige Saat wegen weltlicher Interessen wieder unterdrückt werde. Es begannen die Religionskriege und die Verfolgungen, man wollte mit Feuer und Schwert, mit Haß und Rache bekämpfen, was nur allein durch Liebe und Duldung hätte besiegt werden können.

  

24] Auch dieses Mannesalter mit seinem ernsteren Charakter ging vorüber. Diejenigen, die die Welt nach ihren Ideen verdummen und sie mit Blindheit schlagen wollten, fielen in die Grube, die sie anderen gegraben hatten. Sie gehen einer Reform entgegen, die ganz anders ausfallen wird, als sie es sich dachten.

  

25] Und so hatten Meine Arbeiter, wenngleich noch nicht alles vollbracht, doch wenigstens bedeutend dazu beigetragen, die Pflanze des Geistes, die den reinsten Wein des Himmels enthält, vor der Zerstörung, vor der Verwesung zu bewahren.

  

26] Nun komme Ich wieder im Greisenalter der Menschheit, in welchem sie reif ist, bald einer geistigen Verwandlung entgegenzugehen. Wiederum suche Ich Meine Arbeiter und finde deren schon mehrere. Obwohl im Greisenalter der Menschheit - wie in dem des einzelnen Menschen - viel Angewohntes ist, das nicht leicht auszurotten ist, so wird doch die Kraft der Umstände das meiste dazu beitragen, mit Gewalt zu entfernen, was nicht mit Sanftmut und Liebe einem Besseren weichen will.

  

27] So dingte und sandte Ich Meine Arbeiter, und wenn diese einst in Meinem Reich angekommen sein werden, so mögen sie sich zu den anderen, schon früher Gegangenen scharen, um mit ihnen das Fest des Sieges zu feiern und die Krone der Verdienste zu teilen.

 

  

28] Alle Menschen hatte Ich zu diesem Läuterungswege berufen; allein nur wenigen gelang es, die Auserkorenen genannt zu werden, die, über Elend, Gram, Sorge und Kampf triumphierend, stets Meine Fahne des Glaubens hochtrugen. Manche haben auch gelitten und erduldet in ihrem frommen, aber verkehrten, bis zum Fanatismus ausgearteten Sinn. Diese werden im Jenseits die Murrer sein, wenn sie diejenigen zuerst belohnt sehen, auf die sie bei Lebzeiten vielleicht mit Verachtung herabschauten. Sie waren zwar auch die Auserwählten, doch es fehlte ihnen an Kraft, die Auserkorenen zu werden; so werden sie sehen müssen, wie die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten werden.

  

29] Doch die ewige Liebe, die alles ausgleicht, wird auch dort Mittel wissen, um die Wunden des Eigenstolzes zu heilen, denen falsche Ansichten zugrunde lagen.

  

30] Ihr, Meine Kinder, und die ganze Menschheit seid jetzt in das Greisenalter eingetreten. Es naht die Zeit der Auflösung - im geistigen Sinne genommen -, es naht Mein letztes Kommen. Daher die Unruhe in den Gemütern, weil sie den baldigen Wechsel der weltlichen und geistigen Dinge dunkel ahnen! Daher diese Hast, noch vor der Zeit das Schlechte auszumerzen, um nicht von Ereignissen überrascht zu werden, in denen das bis jetzt Geglaubte nicht ausreicht! Daher der Eifer der Arbeiter am Abend, um in diesen wenigen Stunden des geistigen Lebens noch das zu ersetzen, was sie bis dorthin nicht verrichten konnten!

  

31] So ist der Hausherr des Weinbergs bald mit der Lohnauszahlung beschäftigt. So werde auch Ich bald die Kronen und Siegespalmen denen verteilen, die - ob spät oder früh - die wahren Vertreter und Ausbreiter Meiner Lehre waren.

  

32] Seht auch ihr, daß ihr nicht nur zu den Berufenen gehört, Mein Wort zu vernehmen, sondern daß ihr zu den Auserkorenen gezählt werdet, die, wie die fleißigen Arbeiter in einem Weinberg, am meisten dazu beigetragen haben, noch am Lebensabend einer greisenartigen Menschheit dem starren, lieblosen Treiben der Welt soviel Geistiges wie möglich abzugewinnen, welches dann im Himmelreich, nach dem Gärungsprozeß, geistige Früchte tragen soll! Amen.

 

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gm.pred.011. Predigt: Lk.08,04-15 am Sonntag Sexagesimä (20.01.1872)

   00] Das Gleichnis vom Sämann (Lk.08,04-15): Da nun viel Volk beieinander war und aus den Städten zu ihm eilte, sprach er durch ein Gleichnis: "Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel etliches an den Weg und ward zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrte es, darum daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und etliches fiel auf ein gutes Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht." Da er das sagte, rief er: "Wer Ohren hat, zu hören, der höre!" Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis wäre. Er aber sprach: "Euch ist es gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reiches Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. - Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und nicht selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und hingehen unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land, sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld."

  

01] Dieses Gleichnis vom Sämann und dem Samen, das Ich einst Meinen Jüngern und dem Mich umgebenden Volke gab, ist nach seiner Form, in der es gegeben ist, leicht zu verstehen, um so mehr, als selbst im Evangelium die zeitgemäße Erklärung steht, wie Ich sie Meinen Aposteln, aber nicht dem Mir zuhörenden Volke gegeben habe.

  

02] Gemäß dieser Erklärung ist der Same Mein Wort. Wo dieses auf den Weg fällt und zertreten wird, bezeichnet es die Gleichgültigkeit derjenigen, welche es hören, aber sich nicht darum kümmern, es mißachten und, ihren weltlichen Interessen allein huldigend, darüber hinweggehen. Der felsige Grund, auf den der Same fällt, bezeichnet diejenigen Herzen, die - wie die Gelehrten und Theologen - den Samen nur insoweit annehmen, als er in ihre wissenschaftlichen Systeme paßt. Sobald sich aber bei ihnen andere Ansichten geltend machen, so findet dieser Same auf dem felsigen Grund keine oder sehr wenig Nahrung und muß verdorren.

  

03] Wenn der Same zwischen die Dornen fällt und mit ihnen aufgeht, so heißt das soviel, daß Meinem Wort nur insofern geglaubt und danach gelebt wird, wie es sich mit den weltlichen Ansichten vereinen läßt. Stößt es gegen diese an, oder verlangt Mein Wort Aufopferung und Verleugnung, so wird es beiseitegesetzt und bringt deshalb auch keine Frucht. Es bleibt dann höchstens bei schönen Worten, aber zu Taten kommt es nicht!

  

04] So weit die Erklärung, die Ich schon Meinen Aposteln gegeben habe. Es kommt jetzt darauf an, wie dieses Gleichnis auf die jetzige Zeit anzuwenden und ob ihm nicht noch eine andere, wichtigere Seite abzugewinnen ist.

  

05] Bevor wir in der Erklärung weitergehen wollen, müssen wir uns erst folgende Fragen beantworten: Was ist eigentlich der Same? Was bezweckt sein Ausstreuen, und was ist die Absicht des Sämanns selbst? - Erst nach Beantwortung dieser Fragen kann eine wahre Deutung und Erklärung durch geistige Entsprechung folgen; denn im allgemeinen sprecht ihr der Worte gar viele aus und seid euch doch nicht ihrer tiefen und geistigen Bedeutung bewußt. Nur wer der Worte tiefsten Sinn und deren geistige Entsprechung kennt, der erst ist seiner Sprache mächtig. Er hat das Geschenk, mittels seines Mundes Töne hervorzubringen, in geistigem Sinne aufgefaßt, und jedes Wort, das aus seinem Munde fließt, ist ein Strahl des Geistlichtes, welches in ihm die Seele erleuchtet, vergeistigt und sie stufenweise zur Vereinigung mit Mir weiterleitet. Daher ist zwischen Sprechen und Reden ein großer Unterschied. Man kann viel sprechen - und doch nichts sagen, während der gewichtige Sinn einer geistigen Rede sich inhaltsschwer gestalten kann.

 

  

06] So müssen wir also mit dem Worte ,Samen` zuerst anfangen und es in seiner Bedeutung näher betrachten.

  

07] Seht, im Samen liegt die Unendlichkeit. Aus einem Samenkorn entstehen immerfort Produkte derselben Gattung, zu welcher der Same gehört.

  

08] So war es bei der Erschaffung der materiellen Welt begründet, daß Ich nur einmal die Dinge einzeln erschuf. Ich legte in dieselben schon den Keim zur weiteren Fortpflanzung, so daß die erste Wirkung, das Aus-sich-selbst-Entwickeln, in Ewigkeit nie mehr aufhören wird, solange die Elemente bestehen, welche im Erdboden und in der Luft zur Entwicklung des Samens vorhanden sind.

  

09] Wie der Same eines Baumes alle Keime seiner zukünftigen Bestimmung in sich trägt, ebenso Mein Wort, welches als Produkt Meines Geistes fortwährend Neues zeugt, nie vergeht und ewig fortdauert. Daher sagte Johannes: "Im Anfange war das Wort, und das Wort war Gott! "

  

10] Auch Ich bin das Samenkorn, aus dem stets und ewig nur wieder Göttliches hervorgehen wird. Wohin dieses Wort als Same fällt, erregt es den Grund, auf den es fiel, zur Tätigkeit - oft bleibend, oft nur vorübergehend.

  

11] Da Ich aber auch der Sämann bin, der seinen Samen über die gesamte Schöpfung ausschüttet, so geschieht es natürlich auch - wie im Gleichnisse gesagt ist -, daß nicht aller Same gleich gedeiht. Der eine bringt mehr, der andere weniger, der dritte gar keine Frucht. Erstens weil selbst die Welten Meiner Schöpfung nebst ihren Bewohnern nicht alle auf ein und derselben Stufe stehen, und zweitens, weil überall die Menschen ihren freien Willen haben, zu tun und zu lassen, was ihnen gut dünkt. Deswegen die verschiedenen geistigen Resultate auf allen Weltkörpern und bei allen Menschen, und deswegen die längeren oder kürzeren Wege, die sämtliche erschaffene Wesen gehen müssen, um zu ihrem Ziel, zur Vergeistigung ihrer Seele zu gelangen.

  

12] Ich als Sämann streue Meinen Samen überall aus. Wo er gleichgültig aufgenommen wird, liegt die Schuld an den Seelen selbst, wenn sie durch bittere Zulassungen dann eine herbe Schule durchmachen müssen. Wo Mein Same auf felsenharte Herzen fällt, da des Bleibens nicht ist, weil jeder leichte weltliche Wind denselben verweht und keine Spur von ihm zurückläßt, dort wird auch diese Härte der Herzen mit der Zeit mürbe gemacht werden. Wo Mein Same auf dornigen Boden fällt und mit dem Unkraut aufwächst, dort wird sein Schicksal auch das des Unkrauts sein, welches mit der Zeit ausgerottet werden muß. Dann wird jenen Menschen gar nichts übrigbleiben als die gänzliche Brachlage des Ackerfelds ihres Herzens, auf welchem nichts bleibend fortkommen konnte, weder das Laster noch die Tugend. Nur da, wo Mein Wort auf guten Boden fällt, wo die Herzen durch Mich schon vorher bereitet wurden, dort wird der Same Meines Worts aufgehen, blühen und Früchte tragen, an denen dann andere sich ein Beispiel nehmen können.

  

13] Mein Wort also, als Same, wurde und wird noch täglich ausgesät, um die Menschen zu wahren Menschen, um sie Mir würdig zu machen, damit sie als Ebenbilder Meines göttlichen Ichs nach und nach das werden, wozu Ich sie bestimmt habe.

  

14] Zu allen Zeiten, seit Meinem Erdenwandel, wurde durch Mich und Meine Auserwählten Mein göttliches Wort der Liebe ausgesät. Und weil einst Meine Zuhörer aus verschieden gearreten Menschen bestanden, so wollte Ich durch das Gleichnis dem einen seine Leichtfertigkeit, dem andern seine Gleichgültigkeit und dem dritten seine Weltsüchtigkeit zeigen und ihnen damit beweisen, welches Endresultat es hat, wenn man Mein Wort bloß hört und nicht tätig ausübt. Was Ich dort Meinen Zuhörern und Aposteln zurief: "Wer Ohren hat, der höre!", das sage Ich jetzt wieder, da Ich als Sämann bald kommen werde, um von Meinem Samen Ernte zu halten.

  

15] Mehr als je ist jetzt Mein Wort als geistiger Same zur ewigen Glückseligkeit auf allen Wegen zertreten und von den Vögeln aufgefressen worden, welch letztere sich das Wort nur für ihr Interesse zu eigen machen wollten. Es ist schon längst auf zu steinigen Boden egoistischer Herzen gefallen, wo es, ohne Nahrung, verdorren muß. Und wo noch hier und da ein Hälmchen blüht, steht es zwischen den Genüssen der Welt, da es nur so lange gelitten und gepflegt wird, wie es mit den Ansichten der Welt harmoniert. Verlangt es aber Opfer, so wird es bei groß und klein über Bord geworfen.

  

16] Wenige sind es, die trotz aller Mißhelligkeiten, Kämpfe und Leiden Mein Wort im Herzen behalten, es sorgfältig pflegen und es auch in Taten ausüben. Wie Ich einst sagte, daß viele berufen seien, sich durch den Samen Meines göttlichen Wortes nach diesem kurzen irdischen Dasein jenseits eine bleibende Seligkeit zu erwerben, sind unter diesen vielen Berufenen nur wenige auserkoren, die Siegespalme zu erlangen, die Ich selbst einst durch das Kreuz und am Kreuze als Mensch errungen habe.

  

17] Ich ging der Menschheit als Beispiel voran. Wie Mein Leben sich nicht durch hohe Geburt und andere günstige Verhältnisse auszeichnete und Ich schließlich vor der Menge als Verbrecher am Schandpfahl Mein irdisches Leben lassen mußte, ebenso ergeht es allen, die Mir folgen werden. Auch sie werden verfolgt, verachtet und mißhandelt werden. Aber wie Meine Auferstehung und später die Heimkehr in Mein Reich alle Pläne der Menschen zunichte machten und Ich vergeistigt in Meinen Himmeln ankam, so werden auch diejenigen, welche ihr Herz als gutes Erdreich Meinen Worten darboten, einst ernten, was Ich hier in ihre Brust gesät habe. Sie werden belohnt werden durch das Bewußtsein, gekämpft, gelitten, aber auch gesiegt zu haben. Sie werden den Lohn empfangen, da sie nie - wie eitle Wanderer - Mein auf ihren Weg gestreutes Liebeskorn zertraten, noch ihr Herz zu Stein werden ließen, noch wegen der weltlichen Freuden, welche die Dornen fürs Geistige sind, die aufkeimende Frucht vernachlässigt haben. Sie werden als gutes Erdreich edle Früchte tragen, wie auch Ich einst sagte: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!"

  

18] So ist die Aussaat reif geworden, damit endlich der Weizen von der Spreu gesondert, die Dornen und Disteln einer feuerähnlichen Reinigung übergeben und das gereifte Korn in Meine Scheunen gebracht wird. Schon seht ihr überall, wie die Sichtung beginnt. Ich komme, um für Meinen ausgesäten Samen Verantwortung zu verlangen. - Wie die Arbeit, so der Lohn!

  

19] Mein Wort ist göttliche Aussaat, ist Aussaat der Ewigkeit für die Ewigkeit. Wenngleich die Aussaat mißachtet, wenngleich sie mit Füßen getreten wird, wenngleich sie unter Dornen aufgeht, - stets bleibt der göttliche Keim, und ein Samenkorn genügt, des Guten in Fülle zu zeugen und über die Welt auszugießen. Daher ist es ganz gleich, wenn auch Tausende dieser Samenkörner vergeblich ausgestreut wurden. Diejenigen, welche auf gutes Erdreich, in gläubige Herzen fielen, werden Licht verbreiten über die Dunkel Gebliebenen. Und so wird nie vernichtet werden, was Ich als Schöpfer schuf, was Ich als Jesus mit dem Kreuzestode besiegelte, und was Ich jetzt in kurzer Zeit als Erntemann von den Feldern des geistigen Wirkens heimbringen werde. Wenn die Ernte auch klein sein wird, so liegt eben im Kleinen der Beweis, daß das Große nie verwelkt und verwest, so es, im Kleinsten eingehüllt, die größten Wirkungen hervorzubringen vermag.

  

20] Daher laßt auch ihr eure Herzen nicht versteinern, nicht mit Unkraut und Disteln bewachsen! Haltet sie stets bereit, um Mein Wort, das in so verschiedener Weise eure Seele erquickt, auch tatsächlich aufkeimen zu lassen, damit ihr nicht das Schicksal derer teilet, die Mein Wort nur oberflächlich aufnehmen und dann, wenn es zur Tat kommt, beweisen, daß der Same nur auf der Oberfläche ihres Herzens klebte, nie aber in dasselbe tiefer eingedrungen ist!

  

21] Bedenket wohl: ein Sämann sät, um einst auch zu ernten! Die Erntezeit rückt heran! Machet auch euch bereit, um in Meine Scheunen aufgenommen zu werden und nicht mit den Dornen und Disteln den längeren Weg zur Besserung antreten zu müssen!

  

22] Darum: Wer Ohren hat, der höre, solange es noch Zeit ist! Amen.

 

 

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gm.pred.012. Predigt: Lk.18,35-43 am Sonntage Esto mihi (21.01.1872)

   00] Die Heilung eines Blinden (Lk.18,35-43): Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörte das Volk, das hindurchging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: "Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich mein!" Die aber vornean gingen, bedräueten ihn, er solle schweigen. Er aber schrie viel mehr: "Du Sohn Davids, erbarme dich mein!" Jesus aber stund stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe zu ihm brachten fragte er ihn und sprach: "Was willst du, daß ich dir tun soll?" Er sprach: "Herr, daß ich sehen möge!" Und Jesus sprach zu ihm: "Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen." Und alsobald ward er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott.

  

01] Hier habt ihr ein Beispiel, in dem der feste Glaube eines Blinden an Meine Allmacht ihm das Licht seiner Augen wiedergegeben hat.

  

02] Wie viele Blinde gibt es jetzt auf eurer Erde, die alle das Licht sehr nötig hätten, und doch sind unter ihnen nur wenige, die den Drang haben, ihr Augenlicht wiederzuerhalten!

  

03] Die meisten sind mit ihrer geistigen Blindheit zufrieden und haben sich an sie so gewöhnt wie ein Blindgeborener, der, weil ihm der Gesichtssinn von Geburt aus mangelt, seine übrigen Sinne, besonders den Tastsinn, so verfeinert und vervollkommnet hat, daß letzterer den ersteren beinahe ganz ersetzt. Sie sind mit ihrer Lage zufrieden, weil sie keine bessere kennen. Sie bedauern den Mangel des Augenlichts nicht, weil sie keinen Begriff von dem haben, was eigentlich Licht und seine Wirkung ist.

  

04] Wie diese Blindgeborenen materiell in dieser Weise fortleben, so leben Tausende von Menschen geistig fort. Durch Erziehung und Umstände wurde ihnen nie etwas von geistigem Licht, von höheren Stufen der Auffassung selbst des Materiellen gesagt. Für sie bestehen nur die Begriffe des Materiellen. Sie glauben, alles sei Materie, und die Materie sei die eigentliche Welt, aus Materie werde alles ausgeboren, und zur Materie kehre alles wieder zurück.

  

05] Zu diesen Stockblinden gehören auch jene Gelehrten und Naturforscher, die sich selbst um den letzten Funken geistigen Lichts durch die verkehrte Richtung ihres Studiums gebracht haben. Die ersteren sind blind und wissen nicht warum, - die letzteren wollen blind sein, weil das Licht, wenn es über sie hereinbräche, nicht mit ihrer Denk und Lebensweise zusammenpassen würde.

  

06] Außer diesen mit ihrer Blindheit Zufriedenen gibt es noch eine andere Art Blinde, die den Wunsch hegen, sehend zu werden. Das sind diejenigen, welche wie die blinden Bettler am Lebensweg sitzen und die Vorübergehenden, wenn sie ihrer durch das Geräusch gewahr werden, um geistige Nahrung bitten, damit ihre Blindheit entweder erträglich oder gar geheilt werde.

  

07] Solche Blinde sind jene Menschen, die in ihrem Lebenswandel auf manches gestoßen sind, was sie zum Nachdenken veranlaßte, worüber sie gerne Licht und Bescheid haben möchten, aber sich selbst nicht von der Finsternis befreien können. Es sind dies jene Menschen, die den religiösen Zeremonien huldigen, in sie mehr Wert hineinlegen, als sie wirklich haben. In einzelnen Fällen fühlen sie sehr wohl, daß über diesem Kultus doch noch etwas Höheres, Geistiges ist, das ihnen den eigentlichen Trost in den Fällen geben könnte, wo sie die menschliche Weisheit im Stich läßt.

  

08] Diese Menschen sitzen am großen Lebensweg der Geister, welche alle im Fortschreiten begriffen sind. Sie sind es, die als Bettler um geistige Almosen bitten, damit auch sie an der Erdenscholle, auf die sie ihr Schicksal gestellt hat, nicht ewig haften bleiben, sondern damit auch sie den geistigen Flug antreten können, welcher anderen zuteil wurde, die sie an sich vorüberrauschen fühlen. Manche gehen diese große Heerstraße des geistigen Fortschritts; aber nicht alle fühlen sich berufen und gedrungen, den Anflehenden zu helfen. Wie auch nicht alle einem Bettler Almosen darreichen, sondern nur die, die den Begriff der Nächstenliebe näher verstanden haben. So wird diesen geistigen Bettlern nur spärlich der Lebensunterhalt gewährt, weil niemand - sei es aus Mangel an Kraft, sei es aus Mangel an Kenntnis - den Bittenden geben kann, was sie eigentlich verlangen, d.h. die geistige Sehe, welche nur wenige der Vorübergehenden ganz besitzen.

  

09] Damit aber eben diesen nach göttlicher Speise Hungernden, sich nach dem Wahrheitslichte Sehnenden, ihre Bitte erfüllt werde, und damit denjenigen das Gesicht wiedergegeben werde, die, schon längst Meiner harrend, mit unerschütterlichem Vertrauen abwarten wollten, bis Ich selbst als der große Lichtbringer ihnen das in ganzer Fülle geben würde, was andere nur teilweise ihnen hätten darreichen können, - so habe Ich Mich selbst auf den Weg gemacht.

  

10] Wie der Bettler bei Jericho von weitem Meine Stimme erkannte und Mich flehend anrief: "Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!", ebenso rufen Mich in ihrem Seelendrange manche an, und zwar im vollsten Vertrauen, daß Ich ihr Flehen erhören werde. Diesen kann Ich dann Mein ganzes Gnadenlicht geben; denn ,ihr Glaube hat ihnen geholfen. Sie waren fest überzeugt, daß Ich derjenige bin, welcher ihnen geistiges Licht bringen und den rechten Weg zur Erlangung der Seligkeit zeigen kann. diese mache Ich sehend und lege ihnen die Worte ins Herz: "Sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen!"

  

11] Solche Blinde wart ihr alle, Meine Kinder, die Ich aus vielen herausfand, weil ihr Mich aus innerem Drang und Bedürfnis schon längst gesucht und in euch gefühlt habt, daß das angelernte Glaubenswissen der christlichen Religion nicht ausreicht, für alle Fälle des menschlichen Lebens stets den rechten Trost zu geben.

  

12] Ich ließ Euch so manche bittere Arzneien kosten, um euch desto eher von den verkehrten und falschen Ansichten zu heilen, welche die Welt in euch hineingelegt hat. Euch erzog Ich durch Verwicklung von Umständen zu den Vorkämpfern Meiner Lehre, wie sie jetzt bald auf dem ganzen Erdenrund als einzige anerkannt werden soll, damit ihr nicht allein durch Worte, sondern auch durch Taten das beweisen sollt, was die Worte aussagen.

  

13] Einzelnen von euch gab Ich die Fähigkeit, Meine Stimme direkt in ihrem Innern zu vernehmen, damit Meine eigentliche Lehre, wie Ich sie für das ganze Universum als ewig bleibend aufgestellt habe nicht wieder verfälscht und anders ausgelegt werde, als Ich sie während Meines Erdenwandels Meinen Jüngern gegeben habe.

  

14] Damals und für die nachfolgenden Generationen, mußte Ich Mein Wort oft in Gleichnisse und mystische Aussprüche hüllen; denn Ich wußte, was die nachfolgenden Generationen mit diesem Worte machen würden. Ich wußte, wie viele Umwälzungen Mein Wort im sozialen Leben hervorrufen und wie viele Verfolgungen und unschuldige Opfer es Meine Anhänger kosten würde. Damit die Feinde, trotz allen Eifers, den Kern Meiner Lehre zu vernichten, und bis auf den heutigen Tag, nur an seiner Schale nagen, redete Ich in Gleichnissen.

  

15] Jetzt, wo die Menschheit reif geworden ist, und statt nur einzelnes aus dem jetzigen Religionsgebäude auszuschalten, geneigt ist, das ganze Gebäude nebst seinen Bewohnern über den Haufen zu werfen, ist der Zeitpunkt gekommen, wo klarer Wein, im allgemeinen nicht mehr schädlich und für die Mehrzahl nur stärkend wirken kann. Jetzt sind die Blinden am großen Wege zu Meinem Geisterreich fähig, das Licht zu empfangen, das schon längst auf sie ,in Fülle herabströmt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo das große Gebäude der Pfaffenwirtschaft - wie einst die Mauern Jerichos - durch die Posaunenstöße Meiner göttlichen Lehre umgestoßen wird, damit den hinter diesen Mauern harrenden Blinden die freie Aussicht über das Tal des Jordans gegeben werde, in dessen Wellen Ich Mich einst taufen ließ, und wo die Stimme aus den Himmeln erscholl: "Dies ist Mein Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe!"

  

16] So sollt auch ihr jetzt durch Mein Wort und Mein Licht aus der ewigen Quelle des unversiegbaren Stromes Meiner Gnade getauft und sehend werden, damit auch Ich ausrufen kann: Ihr seid Meine Kinder, an denen Ich Wohlgefallen habe! Ihr seid diejenigen, die getauft mit Meinem Geist und begabt mit geistiger Sehe, den am Wege des Lebens euch ansprechenden Blinden das Licht zu verleihen habt, welches Ich euch in so großer Fülle und schon seit so langer Zeit gegeben habe.

  

17] Bereitet euch vor, würdige Schüler des Zimmermannssohnes, des Lehrers und Versöhners am Kreuz und des Gottes und Vaters zu sein, der weit über alle Räumlichkeiten hinaus mit großen, helleuchtenden Buchstaben Seine zwei Liebesgesetze in die ganze Schöpfung eingeprägt hat!

  

18] Bereitet euch vor, Licht zu verbreiten, wo Blinde euch um dasselbe anflehen, damit auch sie der Gnade teilhaftig werden mögen, damit sie durch direkte Mitteilung auf dem kürzesten Weg erfahren, was andere oft erst sehr spät, nach langen Mühen und Drangsalen erkannt haben, daß Ich - der Herr und Schöpfer alles Daseienden - auch der Vater bin, der dem Flehenden nie etwas verweigert, wenn es zu seinem Besten ist, und der gerne dem Blinden die Augen erschließt, damit er seinen Vater in der Einfachheit des Jesus und in der Herrlichkeit des Schöpfers erkenne und würdige! Amen.

 

 

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gm.pred.013. Predigt: Mt.04,01-11 am Sonntage Invocavit (Den 21. Jan.1872)

   00] Die Versuchung des Herrn (Mt.04,01-11): Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: "Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden!" Und er antwortete und sprach: "Es stehet geschrieben: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht!" "Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: ,Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben: "Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest!" "Da sprach Jesus zu ihm: "Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen!" " Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: "Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest!" Da sprach Jesus zu ihm: "Heb dich weg von mir, Satan; denn es steht geschrieben: "Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen!" "Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm.

  

01] Dieses Kapitel handelt von Meiner Versuchung durch Satan während Meines Erdenwandels. So, wie diese Versuchung durch Satan in den Evangelien Meiner Apostel niedergeschrieben ,ist, ist sie nicht wörtlich zu nehmen; denn es ist ganz natürlich, daß Satan Mich wohl kannte und in Jesus seinen Herrn sah. Deswegen wäre es auch keine Versuchung von seiner Seite gewesen, Mir anzubieten, Ich sollte aus Steinen Brot machen - da er wohl wußte, daß Ich ganz anderer Dinge mächtig war -, oder Mir anzuraten, Ich sollte Mich von den Zinnen des Tempels hinunterstürzen, und es würde Mir, wenn Ich Gottes Sohn wäre, kein Leid geschehen. Führte doch er Mich durch die Lüfte aus der Wüste bis auf diese Zinnen und wußte, daß Ich weder der Erde ganz angehöre, noch daß die Anziehungskraft dieses Planeten auf Mich eine Wirkung haben könne, wenn Ich nicht wolle.

  

02] Oder wenn er Mich auf einen Berg führte und Mir dort alles anbot, was Mein menschlich Auge von dort aus erblickte, so wußte Satan wohl, daß er seinem Herrn und Schöpfer nicht die winzigen Reiche eurer finsteren Erde oder gar die ganze Erde selbst anbieten konnte; denn er konnte Mein unermeßliches Schöpfungsreich so wie kein anderer Geist mit seinen geistigen Augen überschauen.

  

03] Ihr seht, daß die wörtliche Erklärung dieser Stellen - wie sie im Evangelium geschrieben sind - nicht die Erklärung sein kann, die den Worten zu entnehmen ist. Der Sinn dieser Versuchung, und was sie bedeutet, liegt tiefer und ganz wo anders! Denn diese Versuchungen, wie sie im Evangelium beschrieben sind, sind wohl für Menschen vielleicht solche, aber für den Gott und Schöpfer alles Endlichen - wenngleich in Menschengestalt - können sie nie und nimmer solche sein und werden.

  

04] Seht, wenn sich bei euch ein Student auf eine Prüfung vorbereitet, so schließt er sich gewöhnlich mehr als sonst in sein Kämmerlein ein und studiert da Tage und Nächte fort. Er entsagt deswegen manchen weltlichen Genüssen, entweder in Speise und Trank oder in sonstigen Unterhaltungen, damit in ersterem Falle der Magen nicht soviel Einfluß auf seinen Geist gewinne, und im zweiten Falle, damit nicht Unterhaltungen seinen Geist zerstreuen, während er gerade zum Studieren ihn gesammelt braucht.

  

05] Was jeder Mensch tut, der sich auf einen wichtigen Schritt in seinem Leben vorbereitet, das tat auch Ich!

  

06] Nachdem die Zeit gekommen war, in der Ich Mein Lehramt antreten mußte - nämlich als Mensch, in dessen Hülle Meine Göttlichkeit eingekleidet war -, mußte auch Ich Mich sammeln, mußte die Nahrungsmittel für den Körper auf das nötigste heruntersetzen, weil Mein Geist Geistiges und Ewiges schaffen wollte und von der Materie nicht beeinträchtigt werden durfte.

  

07] Mein irdischer Mensch fastete, während Mein geistiger im Übermaße aller Seligkeiten schwelgte, deren nur ein geistiges Wesen fähig ist, welches, mit Hintansetzung alles Großen und Mächtigen, sich den von ihm geschaffenen Wesen und Geistern aus Liebe opfern will.

  

08] An Mich traten in jenen Momenten alle Einflüsse menschlicher Leidenschaften heran. Nur dadurch, daß Ich ganz Mensch wurde und das Göttliche sich in Mein Innerstes zurückzog, konnte Ich Meinen Geistern das Beispiel geben, wie man siegen, wie man allen Anfechtungen widerstehen kann. Ich wollte mit dieser Probe allen als ewiges Beispiel vorangehen und ihnen begreiflich machen, daß derjenige, der Mein Kind werden will, es nur durch Besiegung der mächtigen schlechten Einflüsse werden kann.

  

09] Der Hunger war das erste, was Mich, als irdischen Menschen, belästigte. Der Sieg darüber steht in den Worten, die Ich dem Teufel auf sein erstes Anerbieten geantwortet habe, und die da laufen: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht!" Mit anderen Worten sagt dies: Wenn leibliches Gelüsten des Menschen Seele bestürmt, so soll er dieses Spruches gedenken, daß nämlich des Menschen geistiges, inneres Ich in erster Linie genährt, ja sogar auf Kosten des Leibes gepflegt und erzogen werden muß. Der Ausspruch, den Ich an den Teufel richtete, lautet für euch also: "Gedenket stets, daß ihr nicht zur Pflege eures Körpers, sondern zur Vervollkommnung eurer Seele geschaffen worden seid!"

  

10] Der zweite bildlich dargestellte Versuch des Teufels bestand darin, die göttliche Macht, die in Mir wohnte, zu versuchen. Dies heißt mit anderen Worten: Über Mich kam das Begehren, Mich mit Meinen göttlichen Eigenschaften zu brüsten.

  

11] Diese Versuchung gleicht derjenigen eines Menschen, der - mit größeren Fähigkeiten und Kenntnissen ausgerüstet, ja mit göttlicher Macht begabt, Dinge zu verrichten imstande ist, die anderen Menschen versagt sind, und ihnen deswegen wie Wunder erscheinen müssen. Wenn er solche Eigenschaften benützt, nicht um seinen Mitmenschen zu helfen oder des Gebers Herrlichkeit zu vergrößern, sondern diese Eigenschaften mißbraucht, um damit zu prunken.

  

12] Hierher gehört meine zweite Antwort an Satan: "Du sollst deinen Gott und Herrn nicht versuchen!" Das heißt: "Du sollst dich nicht dem Wahn hingeben, daß der Herr, wenngleich Er dir Macht verlieh, nicht auch imstande wäre, dir dieselbe zu nehmen, sobald du sie zu deinen und nicht zu Seinen Zwecken gebrauchen willst!" Ein solcher Wunsch ist Erhebung über die eigenen menschlichen Fähigkeiten, ist Mißbrauch eines göttlichen Geschenkes, der beim Gelingen nicht die Demut, sondern nur den Hochmut nähren würde. Satan versuchte Meine menschliche Eitelkeit zu wecken und glaubte, Ich würde aus dieser niederen Stellung, in der nach Meiner Ansicht nur allein das Gelingen Meines großen Planes lag, vielleicht heraustreten.

  

13] Der dritte Versuch war, Meine Herrschsucht zu wecken; denn im menschlichen Herzen liegen als Grundlage für alle anderen diese drei mächtigsten Leidenschaften: erstens der Hang zum leiblichen Wohlleben, zweitens der Wunsch, mehr als andere zu sein - d.h. eine soziale, glänzende Stellung innezuhaben, in der die Mittel zur Befriedigung der ersten Leidenschaft liegen -, und endlich drittens die Sucht, statt zu gehorchen herrschen zu können, statt der Letzte der Erste zu sein, der anderen Gesetze vorschreibt, während er sich selbst über alles Gesetz erhoben und sich von der Erfüllung auch nur des geringsten Gesetzes losgesagt hat.

  

14] Auf diesen dritten Versuch Satans erfolgte die Antwort an ihn: "Hebe dich weg, Satan; denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott deinen Herrn und Ihm allein dienen!" Das heißt mit anderen Worten: Hinweg mit dieser schmutzigen Leidenschaft des Herrschenwollens, die in ihrem Gefolge alle anderen Leidenschaften hat, wie Hochmut, Haß, Rache, Zorn und Vergeltung! Das Geistige im Menschen gebietet Demut, Liebe, Verzeihung und Bruderliebe. Das Geistige, dem Menschen von Gott in die Brust gelegt, verlangt von dir, du sollst abwärts, heruntersteigen, sollst der Kleinste werden, sollst allen andern dienen wollen, - wenn du einst über Großes gesetzt werden willst. Du sollst deine Wünsche, den anderen zu unterwerfen, gänzlich aufgeben. Du sollst gehorchen lernen, um einst befehlen zu können, aber nicht befehlen mit richterlichen Worten, sondern befehlen mit Liebe, mit Geduld und mit der Überzeugung, daß nur auf diesem Wege der Befehl nie hart erscheint und genau befolgt wird, - weil der Gehorchende ebenfalls einsieht, daß ,dies alles nur zu seinem Besten ist. So dient dann der Mensch seinem Gott und Herrn, wobei er, Meinem Beispiele nachfolgend, im Kleinsten, im Niedrigsten, die größten Resultate erreichen wird.

  

15] Wie also Ich selbst als Mensch einst alle menschlichen Leidenschaften durchkämpfen mußte, die Ich als Schöpfer absichtlich in eure Natur gelegt habe, ebenso müßt auch ihr, wollt ihr Mir nachfolgen, dasselbe tun. Den mächtigen Trieb des leiblichen Wohllebens müßt ihr bekämpfen, müßt alle diese Genüsse einem höheren Zwecke unterordnen, euch von Fesseln frei machen, die die Schwingen eurer Seele hemmen. Ihr müßt die Eitelkeit - als erste Lügnerin - von euch verbannen, da sie euch euereigenes Bild schöner ausmalt, als es ist, und Triebe der schlechtesten Art mit klügelnder Weisheit entschuldigt, wodurch ihr dann oft glaubt, mehr und besser zu sein, a1s ihr wirklich seid, - was euch natürlich im Fortschritt hindern muß.

  

16] Traut euch keine Kräfte zu, die ihr nicht besitzt! Denkt euch schwach und unwürdig, um im Glanben und Vertrauen auf Mich zu erstarken, dann wird euch die dritte schlechte Eigenschaft, die Herrschsucht, nicht übermannen, nicht zu Sklaven eurer selbst machen! Es gibt nichts Schlechteres auf der Welt, als stets den Eigendünkel zu haben, etwas Besseres als andere zu sein, und stets das Bestreben zu haben, jedem Druck des Gehorsams auszuweichen und immer über die Schultern anderer emporzuklimmen, wo dann der eine bloß Herr ist und die andern Sklaven. Zum Herrschen über andere gehören ganz andere Eigenschaften als die, die jetzt auf eurer Erde nach Herrschaft über ihre Mitmenschen drängen! Um einen Maßstab zu haben, sehet nur Mich selbst an! Wie herrsche Ich? Herrsche Ich mit Gewalt? Herrsche Ich durch augenblickliche Bestrafung oder durch unerbittliches Richteramt über Gefallene und Verirrte? Herrsche Ich durch Zorn, Rache und Bestrafung? Gewiß nicht! So wie ihr Mich kennt, seht ihr, daß Ich nur durch und mit Meiner alles umfassenden Liebe herrsche, daß Verzeihung Mein erstes Prinzip ist, und daß Ich nicht den verfolge, der vielleicht ohne Verschulden fehlt, sondern ihm nachsichtig alle Mittel in den Weg schiebe, sich zu bessern.

  

17] Alles Schlechte, das sich in der Welt augenscheinlich als solches zeigt, ist nicht von Mir geschaffen worden, sondern ein Produkt des Mißbrauchs des freien Willens von seiten der Menschen. Sie als freie Wesen können tun, was sie wollen, müssen aber auch die Folgen davon nur sich selbst zuschreiben, - wie Ich in dem Wort über die Wahrheit sagte: Es gibt nur eine Wahrheit, und wer dagegen sündigt, muß die Folgen der Lüge fühlen!

  

18] So ist dieses Evangelium ein Beispiel, wie Ich als Mensch trotz Meiner großen Machtstellung die Leidenschaften kräftigst bekämpfte, um euch und allen Geistern zu zeigen, daß das Schlechte, wenn Ich es auch in der Welt zugelassen habe, doch nur zum Besten, zum Fortschritt dient.

  

19] Gott allein sollt ihr dienen; ihr dienet Ihm aber nur, wenn ihr die großen Liebesgesetze befolgt, die euch dazu antreiben sollen, euren Leib zu beherrschen und die schlechten seelischen Eigenschaften der Eitelkeit und Herrschsucht zu bekämpfen. Nur durch Verleugnung und Bekämpfung dieser starken Triebe eurer menschlichen Natur könnt ihr einst in Meinem Reiche begreifen, was es heißt, über vieles gesetzt zu werden, oder was der Spruch bedeutet: "Wer sich erniedrigt, der wird erhöht werden!"

  

20] Auch dort werdet ihr diese nämlichen Eigenschaften wiedertreffen, - die erste zwar nicht in materieller, doch aber in geistiger Hinsicht, d.h. als Begierde, alles wissen, alles begreifen zu wollen. Die anderen zwei Eigenschaften werden dort im Jenseits mächtiger als hier in euch hervortreten; denn dort ist das Bewußtsein einer Kraft noch größer als hier. Das seht ihr gerade an Luzifer und seinen Scharen, welche ebenfalls im Bewußtsein ihrer Kraft - das Gleichgewicht verloren, von der Demut in Übermut übergingen und dann wie Satan selbst sogar über Mich herrschen wollten.

  

21] Um dort das rechte Maß zu wissen, wie und wann man seine Kraft gebrauchen darf, um zu begreifen, wieviel der Kenntnis bei jeder Aufgabe notwendig sein wird, um zu wissen, daß man jenseits, wenngleich man über Großes gesetzt wird, doch dem niedrigsten Wesen in dessen Bereiche ein Diener sein soll, - dazu müssen diese Leidenschaften schon hier in diesem Prüfungsleben bekämpft und bezwungen werden, damit man auch in jenen Verhältnissen, mit größerer Macht betraut, ihr Herr sein kann.

  

22] Deswegen nehmt euch Meine Worte zu Herzen! Ihr wißt nicht die Hälfte eurer Mission, ihr kennt nicht zum dritten Teil eure eigene Natur und wißt ganz und gar nicht, warum sie so und nicht anders geschaffen ist. Eure Augen sind noch bedeutend mit dem Star behaftet. Das Licht Meiner Weisheit kann noch nicht bis zu eurem Innersten dringen, höchstens ein Funken der Liebe bewegt manchmal euer Herz und läßt euch fühlen, daß es noch etwas Höheres, Größeres gibt. Aber kaum daß dieser Lichtstrahl die innersten Kammern eures Herzens erleuchtet, so sind es diese drei Leidenschaften - Egoismus, Eitelkeit und Herrschsucht -, welche jene wieder verdunkeln. Sie raunen euch tausend Ausreden ins Ohr: "Ja, man kann sich aber doch von der Welt nicht ganz lossagen!?", "Ja, man kann nicht so leben!", "Ja, so ist die Welt einmal gemacht!" usw., - lauter Ausflüchte der Trägheit, weil ihr alle zwar Hörer Meiner Worte, aber keine Täter werden wollt!

 

 23] Gerade jetzt, wo euch von Sonntag zu Sonntag Mein Evangelium erklärt wird, wie ihr es nie gehört, eben jetzt möchte Ich euch zum Nachdenken zwingen über Meine Darniederkunft, damit ihr ein wenig ihre Größe und Wichtigkeit erkennen und einsehen möchtet, was das heißen will: Gott, der Schöpfer der ganzen Unendlichkeit, stieg auf eure Erde herab, und zwar in die niedrigsten Verhältnisse, ließ sich durch euch verirrte und blinde Geschöpfe verfolgen und sogar leiblich kreuzigen! Er machte alle Phasen eures Lebens durch, bekämpfte die menschlichen Leidenschaften, um eben euch und allen Geistern als leuchtendes Beispiel für alle Zeiten voranzuleuchten. Er zeigte, daß, will man geistig Ihm gleichen, man auch das Geistige als Höchstes achten und ihm alles andere unterordnen muß, um so die mächtigsten Leidenschaften bekämpfend, einst würdig zu werden, auch anderen Geistern als Führer und Leiter zu dienen und in der Tat zu beweisen, daß der Mensch nicht allein von materieller, sondern vor allem von geistiger Speise lebt. Er zeigte, daß man Gott nicht in Seiner Gnade versuchen soll, daß man, Seine zwei Liebesgesetze befolgend, sich und andere dorthin führt, wohin Er, der Vater aller, euch schon längst haben wollte, das heißt: in Sein Reich als Seine würdigen Kinder. Amen.

 

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gm.pred.014. Predigt: Mt.17.01-13 am Sonntag Reminiscere (Den 25. Jan. 1872)

   00] Die Verklärung Jesu (Mt.17,01-13): Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg. Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: "Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und Elia eine!" Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!" Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: "Stehet auf und fürchtet euch nicht!" Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand denn Jesus allein. Und da sie vom Berge herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: "Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden ist!" Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: "Was sagen denn die Schriftgelehrten, Elia müsse zuvor kommen?" Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll ja zuvor kommen und alles zurechtbringen. Doch ich,sage euch: Es ist Elia schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben an ihm getan, was sie wollten. Also wird auch des Menschen Sohn leiden müssen von ihnen." Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.

  

01] Hier habt Ihr wieder eine Begebenheit aus Meinem irdischen Lebenswandel, die Tiefes und Himmlisches in sich birgt und wie einst für Meine Mich begleitenden Jünger so auch für euch und die ganze lebende Menschheit ein bedeutungsvolles Ereignis und in seiner geistigen Entsprechung von großer Tragweite für die Zukunft ist, der ihr entgegengeht. Wir wollen dieses Ereignis betrachten, wollen erklären, was es in jener Zeit und für Meine Jünger für eine Bedeutung hatte, und wollen dann auf seine geistige, große Entsprechung übergehen: wie, wann und wo es in jetziger Zeit sich wiederholt, und wie es als Regenerationswerk jetzt ebenso wirken wird, wie einst auf Meine drei Mich begleitenden Jünger und ihre fernere Lebensweise und Handlungen.

  

02] Das Evangelium sagt, Ich nahm Meine Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen Berg. Dort sahen sie Mich verklärt, d.h. sie sahen Mich mit ihren geistigen Augen (krit. Anmerkung d. Hrsg.) als Denjenigen, der Ich eigentlich bin, war und sein werde. Sie sahen Mich vor sich als einen hohen Geist, dessen Kleid, die Wahrheit, in Entsprechung weiß war, und dessen Angesicht leuchtete wie die Sonne, d.h. von Liebe strahlte. Sie sahen daneben zwei mächtige Stützen Meines ganzen zukünftigen Lehrgebäudes, die am meisten dazu beitrugen, Mir Mein Werk zu erleichtern, und die Vorläufer und Wegbereiter waren, - sie sahen Moses und Elias, mit denen Ich redete. Ferner hörten sie aus einer Wolke eine Stimme die Worte sprechen, die einst bei Meiner Taufe am Jordan ebenfalls ertönten: "Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!"

  

03] Dieses Gesicht, das den drei Jüngern von Mir zugelassen wurde, hatte den Zweck, ihnen einen Vorgeschmack ihrer eigenen Bestimmung zu geben. Petrus, den Ich den 'Felsen' nannte, auf den Ich Meine Kirche bauen wollte, hatte eine ähnliche Aufgabe wie einst Moses, der das jüdische Volk auf Mein Kommen vorbereitete. Er gab ihnen Gesetze und Verhaltungsregeln, die das Judenvolk leichter als jedes andere aufnehmen konnte, um es zu dem auserwählten Volk zu machen, in dessen Mitte Ich Mein Darniederkommen auf eure Erde beschlossen hatte.

  

04] Wie Elias, nach seiner nochmaligen Einkleidung in die menschliche Form des Johannes des Täufers im Kleinen dasselbe vollzog, was Moses im Großen bewirken mußte, so war Johannes, Mein Liebling, bestimmt - durch sein spezielles Wirken und dadurch, daß gerade er länger am Leben blieb als alle seine übrigen mitjünger -, noch in seinen letzten Jahren in seiner Offenbarung der Welt ihren geistigen Gang bis zur Läuterung im voraus zu beschreiben und ein Zeugnis zu hinterlassen, daß die Gesetze, die Ich in Meine Schöpfung gelegt habe - seien es moralische oder physische -, nicht mit Füßen getreten werden dürfen.

  

05] Diesen Jüngern als noch Lebenden und dem Moses und Elias als Verstorbenen wurde es als Zeugen zuteil, Mich in Meiner ganzen Herrlichkeit zu schauen, Mich als Den zu erkennen, für dessen großes, geistiges Reich sie alles opfern mußten, um die Dauerhaftigkeit Meines Werkes zu begründen.

  

06] Sie sahen Mich in jener Glorie, die ein menschlich Herz in irdischer Hülle nur auf wenige Augenblicke ertragen kann, und eben diese nie geahnte Seligkeit und Wonne veranlaßte Petrus auszurufen: "Herr, hier ist gut sein; willst Du, so wollen wir hier drei Hütten bauen!"

  

07] Allein, da solche Momente nur als Wecker, Aneiferer und Stärker dienen, wenn Gefahr droht oder Wankelmütigkeit das Herz beschleicht, so waren sie von kurzer Dauer. Damit sie aber in der Erinnerung von nachhaltiger Wirkung blieben, so erschollen noch aus der weißen Wolke, als geistiger Überschattung Meiner Person, jene geheimnisvollen, wichtigen Worte: "Dieses ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!" Die Stimme riet also Meinen Jüngern, noch mehr auf Meine Rede aufmerksam zu sein, sie recht ins Herz zu prägen, damit aus ihnen, einst des Lebens grünender Baum erwachse, der schirmend unter seinem Schatten die ganze Menschheit versammeln soll, wo diese Schutz um Trutz für alle Leiden und Unbilden finden wird.

  

08] Daß Ich den Jüngern auftrug, von diesem Ereignis zu schweigen, bis Ich Mein Lehrgebäude mit Meiner Auferstehung gekrönt hätte, hatte darin seinen Grund, weil die anderen Jünger an dem Gesicht gezweifelt oder es nicht verstanden hätten. Auch Meine Jünger, wie alle Menschen, besaßen nicht gleiche Fassungsgabe.

  

09] Dies war der eigentliche Hergang jenes feierlichen Aktes, welcher sich auch jetzt wiederholen muß.

  

10] Was in jener Zeit Moses war, der das jüdische Volk für Meine Lehre vorbereitete, das ist später ebenfalls durch Petrus als Gründer der katholischen Kirche (Anmerkung) geschehen. Was Elias als Johannes der Täufer in jener Zeit war, ist in eurer Zeit die Schar der Männer gewesen, welche die von Petrus gegründete Kirche zu reinigen und zu läutern hatten, damit sie den eigentlichen geistigen Wert nicht ganz einbüße.

  

11] Was in jener Zeit Petrus als künftige Stütze Meiner Lehre war, werden jetzt wieder andere Männer werden, die Mein Reich von neuem aufrichten. Und wie das jüdische Volk zu Meiner Zeit durch seine Pharisäer und Schriftgelehrten in die Irre geführt wurde, so lebt jetzt ebenfalls das ganze Menschengeschlecht in Zeremonien und Gebräuchen, lebt in Erfüllung des Buchstabens, ohne den geistigen Sinn der Worte Meines doch so einfachen Evangeliums zu verstehen. Es muß also eben jetzt wieder Männer geben, die Meine Lehre von neuem auf ihre erste Grundlage, auf Meine eigenen Worte zurückführen.

  

12] Wenn diese berufenen Männer auch nicht gleich siegen werden bei dem Versuch, die ganze Menschheit zu belehren - wie es auch Meinen Jüngern nicht auf einmal gelungen ist -, so sind sie doch bestimmt, den Samen auszustreuen. Ob dieser nun überall auf guten Erdboden oder auf den Weg oder auf steinigen Boden und Felsen fallen wird, das tut nichts zur Sache. Die aufkeimende Saat wird das Verlorengegangene wohl ersetzen und den Geistesboden so vorbereiten, daß er würdig sein wird, Mein Wiederkommen mit Freude zu erwarten.

  

13] Wie Ich in jener Zeit die Jünger mit Mir auf eine Höhe nahm und ihnen einen kleinen Vorgeschmack des Lohnes gab, welcher ihrer wartet, wenn sie bei Mir treu ausharren, so geschieht es auch heute noch, daß Ich so manchen Mir Ergebenen, der im einsamen Kämmerlein oder bei nächtlicher Stille sich Mir hingibt, ebenfalls weit über die irdische Welt hinaufführte, ihm dort gleich einer großen Fernsicht die glorreiche Zukunft zeige, welche er zu erwarten hat, wenn er Mir und Meiner Lehre treu bleibt. Ja, Ich lasse manchen sogar die ganze Wonne Meines mächtigen Einflusses auf sein Herz fühlen, wobei Ich ihm der höchsten Wahrheit Schimmer im rosigen Lichte der Liebe zeige und ihm so in herrlicher Verklärung, Mein eigenes Ich kundgebe, ausgedrückt durch eine Seligkeit, welche nicht hier, sondern nur in höheren Sphären in geistiger Umhüllung zu ertragen möglich sein wird.

  

14] Moses baute im mosaischen Gesetz seine nie umzustoßenden Grundsätze der jüdischen Religion auf die einzige Idee: Es gibt nur einen Gott! Und deswegen war das jüdische Volk - und kein anderes geeignet, Mich in Zukunft zu den Seinigen zählen zu können. Denn da in jener Zeit überall Vielgötterei herrschte, so wäre es unmöglich gewesen, alle Götter auf einmal zu entfernen und einen einzigen dafür aufzustellen. Aber bei den Juden bestand der eine Gott; es ging also bei ihnen der Aufbau einer göttlichen Religion leichter von statten.

  

15] So war Moses der Vorarbeiter, wie ein Arbeiter im Weinberg, der die Erde umgräbt. Nach ihm kam der, welcher die Reben beschneidet, und das war Elias. Er beschnitt in seiner Zeit, und später als Johannes der Täufer nochmals, die Rebenzweige, erregte durch dieses Beschneiden die Tätigkeit, um bessere Früchte zu erzielen, damit dann der Einsammler mit seinen Vorarbeitern zufrieden sei. So war Johannes der Täufer der zweite Arbeiter in Meinem Weinberg, bis Ich selbst kam und die letzte Hand anlegte, das Fehlende ergänzte und die Frucht zur Reife brachte, d.h. aus der um den Stamm der Rebe im Verwesungszustande liegenden Ende neues Leben hervorrief, welches den Stamm entlang sich verfeinernd, von der groben Materie zur höheren, geistigen Frucht, der Traube ausgereift und erzogen wurde.

  

16] So wie Moses zuvor, war später Petrus der Felsen, auf den Meine Kirche gegründet wurde. (krit. Anmerkung d. Hrsg.) Alle Umwälzungen und Stürme konnten sie nicht vernichten. Entstellt ist sie zwar oft genug worden durch die Herrschsucht und Macht einzelner Menschen; aber wie einst vor Meinen Aposteln Meine Verklärung zugelassen wurde, bei der durch Meine irdische Form Meine geistige, göttliche hindurchleuchtete, so geschieht es auch jetzt: Aus dem irdischen Prunk und den Zeremonien des katholischen Kultus und seiner Irrlehren beginnt das geistige Gewand hindurchzuleuchten. Die Klärung und Verklärung beginnt. Aus Nacht wird Dämmerung, aus Dämmerung - Tag!

  

17] Das Licht der so lange zurückgehaltenen Wahrheit bricht durch. In allen Gemütern lebt die Ahnung einer höheren Extase, einer Verklärung. Alle fühlen den Geisteswind, der durchs Weltliche hindurchströmt und die Eingeschlafenen weckt. Wie wenn ein Lichtstrahl durch einen Fensterladen auf einen Schlafenden fällt und dieser, durch dessen Lebenskraft geweckt, anfängt, sich im Bette herumzuwälzen, und doch nicht weiß, wie ihm geschieht, - so bricht diese Verklärung an. Es dämmert schon in vielen Köpfen.

  

18] Moses bereitete das mit ihm lebende Judenvolk zu Meinem Empfange vor, Petrus das nach ihm kommende Geschlecht (krit. Anmerkung d. Hrsg.) , und die in der Jetztzeit von Meiner Lehre begeisterten Lehrer, welche noch kommen, werden die Johannesse sein, die - wie einst Mein Jünger - auch Meine Lieblinge werden und bis in ihr spätes Alter Zeugen Meiner Liebe, Meiner Gnade sein sollen. So vollzieht sich stets der nämliche geistige Läuterungsprozeß, zuerst vom Festen ins Leichtere, dann vom Leichteren ins Flüchtige und vom Flüchtigen ins Luftartige und endlich ins Geistige!

  

19] Wie Ich in jener Zeit ans Kreuz genagelt, Meine Lehre verhöhnt und Meine Jünger beschimpft und verfolgt wurden, so wird es wieder sein. Statt Meiner Person werden die Menschen Meine Lehre ans Kreuz schlagen und sie verhöhnen. Meine Kämpfer werden ebenfalls mit allerlei Unbilden zu kämpfen haben; aber auch sie werden siegreich hervorgehen und Mich dann bei Meiner nächsten Wiederkunft verklärt erblicken, und die Stimme ihres Gewissens wird ihnen dann zurufen: "Segen euch, weil ihr Diesem treu geblieben, Seine Worte gehört, ausgeübt und auch andern mitgeteilt habt, so, wie Er sie von den Menschen verstanden wissen wollte!"

  

20] Die Verklärung wird aber dann nicht - wie einst bei Meinen Jüngern - ein Ende haben, sondern Meine Vorkämpfer werden Mich ewig von Angesicht zu Angesicht sehen können, werden mit allen früher Hinübergegangenen sich Meines und ihres Sieges freuen können.

  

21] Dies ist der entsprechende Sinn der Verklärung. Trachtet auch ihr danach, daß ihr solcher teilhaftig werden möget, damit auch ihr zu jenen gezählt werden könnt, die, alles Weltliche hintansetzend, nur Mich und Meine Lehre zum Hauptzweck ihres Lebens, ihres Strebens gemacht haben! Dann werdet ihr in Momenten der höchsten Wonne, wo eure geistige Sehe geöffnet wird, Den in Person verklärt sehen können, der euch schon so lange mit Seinen Segensworten überhäuft und zu Seinen Kindern machen möchte. Amen.

 

 

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gm.pred.015. Predigt: Lk.11,14-28 am Sonntag Okuli (27.06.1872)

   00] Die Austreibung eines Teufels (Lk.11,14-28): Und er trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: "Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel!" Die anderen aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: "Ein jeglich Reich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüst, und ein Haus fällt über das andre. Ist denn der Satanas auch mit sich selbst uneins, wie will sein Reich bestehen, dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub!? So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt ja das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilt den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet ihrer nicht; so spricht er: ,Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin!` Und wenn er kommt, so findet er's mit Besen gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu ich, die ärger sind denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da, und es wird hernach mit demselben Menschen ärger denn zuvor." - Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: "Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast!" Er aber sprach: "Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren!"

  

01] Um diese Tat zu verstehen und zu würdigen, müßt ihr erst wissen, wie die Teufel in den Menschen hineinkommen, und was sie in der Tat sind, damit euch das Austreiben derselben verständlich werden kann.

  

02] Um euch dieses deutlich vor Augen zu führen, muß Ich weiter ausholen und euch in frühere Zeiträume zurückführen, in denen noch keine materielle Welt, sondern nur das Geisterreich bestand.

  

03] Aus Übermut und Trotz mißbrauchte der erste Engel, Lichtträger bis in die fernsten Räume des Geisterhimmels, seine Macht und lehnte sich nebst seinem Anhang gegen Mich auf. Da er, sowie seine Spießgesellen von einer Rückkehr nichts wissen wollten, wurden sie in die Materie gebannt und mußten auf langen Wegen der stufenartigen Läuterung den Rückgang zum einst gewesenen besseren Zustand antreten, welcher Läuterungsprozeß auch heute noch fortdauert, bis alle wieder das geworden sind, was sie einst waren, nämlich: Erkenner Meiner Macht und Liebe und werktätige Förderer Meines großen Schöpfungsplanes.

  

04] Nun seht, in jener fernen Zeit, in der - wie jetzt noch gültig die individuelle Freiheit des Geistes als unantastbar festgesetzt wurde, stand es den Geistern, sowie Satan selbst frei, von ihrer verkehrten Richtung umzukehren oder nicht. Da die Geister aber nicht alle gleich an Erkenntnis, Güte und Einsicht waren - wie es auch heute noch nicht zwei Geschöpfe gibt, die geistig einander gleichen -, so war die Art und Weise jener Wesen, zu denken und zu handeln, sehr verschieden. Dem einen genügte seine geistige Stufe, dem andern nicht. Der eine war standhaft und widerstand den Anfechtungen Schlechterer, der andere dagegen widerstrebte dem Einfluß Besserer. - So bestand nicht eine gleichsam geordnete Stufenreihe, sondern, soviel es geistig denkende Wesen gab, ebenso vielseitig waren auch die Ansichten und Vorstellungen von Mir, von der Welt und von dem nötigen Fortschreiten.

  

05] Diese große Verschiedenheit, die sowohl bei den guten Geistern wie auch bei den schlechten besteht, welche eher den Satan als Höchsten ansehen - wie die guten Mich -, bedingte eben das geistige Leben und Treiben, welches zum Bestand des großen Geisterreichs notwendig ist.

  

06] Wenngleich die große Masse abgefallener Geister unter ihren Hauptanführern eine andere Richtung als die für alle bestimmte einschlug, so mußten doch auch ihre, Mir und Meinem Prinzip des Guten entgegengesetzten Handlungen nur Meinen Zwecken dienen. Sie müssen in den Resultaten, welche ihren Wünschen nicht entsprechen, Meine Allmacht erkennen, der sie sich - sie mögen tun, was sie wollen - nicht entziehen können.

  

07] Das gleiche Sein und Treiben der Geister findet sich bei den von allen Welten abberufenen Seelen, die im Jenseits leben. Auch sie haben Willensfreiheit. Sie können vor oder rückwärtsschreiten, können tun, was sie wollen, können in einer Minute von der Höllenqual eines peinigenden Gewissens bis zur Seligkeit eines Engels gelangen, können das bleiben, was sie im Erdenleben waren, oder durch Umgang mit anderen, schlechteren Seelen selbst noch böser, noch schlechter werden. Ihr Wirkungskreis ist durch nichts beengt als durch die Existenzmittel, welche jede geistige Stufe mit sich bringt.

  

08] Ursprüngliche, noch nicht inkarnierte Geister, sowie Abgeschiedene, aus menschlichen Leibern, welche keinen Drang zum Vorwärtsschreiten haben, suchen - da Tätigkeit ein Lebensgesetz ist, ohne das nichts bestehen kann - sich zu beschäftigen, indem sie versuchen, entweder Geister oder noch lebende Wesen, deren Neigung eine Beeinflussung zuläßt, in ihren Bereich zu ziehen vnd ihnen ihre Ansichten und Neigungen beizubringen. Daher kommt es, daß der Mensch, je mehr er seine eigenen bösen und schlechten Leidenschaften nährt, immer leichter diesem jenseitigen Einfluß unterworfen ist und endlich ganz diesen bösen, von Langeweile geplagten Geistern zur Beute wird. So wie durch Schreiben, Klopfen und sonstige Mittel die Geister auf einzelne (empfängliche) Seelen einwirken können und indirekt wenigstens dazu beitragen, daß die Ungläubigen zu der Erkenntnis kommen: ,Es gibt eine andere Welt!`, ebenso wirken die schlechten Geister der Verstorbenen auf das Gemüt, ja auf die körperliche Organisation des Menschen ein, wovon Tobsucht und andere Krankheiten die äußerlich sichtbaren Folgen sind.

  

09] So könnt ihr, würdet ihr mit geistigen Augen sehen, eine ganz neue Welt in und um euch erblicken, die ebenso wie die äußere materielle bemüht ist, euch den Gang zu Mir soviel wie möglich zu erschweren. Deswegen rief Ich auch einst Meinen Jüngern ,im Garten von Gethsemane zu: "Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet!"

  

10] Diese geistigen Einflüsse sind anfangs so gelinde und sanft, unter spitzfindigen Gründen der Eigenliebe ihr verderbliches Gift verbergend, daß ein feines Gefühl und stete Wachsamkeit dazu gehören, um nicht statt des eigenen Willens den Willen anderer zu tun. Ist aber Standhaftigkeit da und sieht der böse oder schlechte Geist, daß seinen Einflüssen nicht Gehör gegeben wird, so läßt er von selbst ab, weil auch er seine Zeit nicht unnütz verlieren will.

  

11] Dieses unsichtbare Beeinflussen und Verändern der Materie, dieses Entstehen und Vergehen und In-andere-Formen-Übergehen, alles dieses würde - hättet ihr die geistige Sehe - sich in der geistigen Welt vor euren Augen abwickeln, in einem noch größeren Maßstab, weil ihr die Geister durchschauen und schon von vornherein bemerken könntet, welche Idee jetzt den einen oder andern bewegt, dieses oder jenes zu tun. Ihr würdet an diese geistige Welt einen ganz anderen Maßstab anlegen müssen als an eure materielle Welt, da dort schon die Gedanken gewogen werden, während in eurer sichtbaren Welt tausend Gedanken unbemerkt an euch vorübergehen, bis vielleicht erst der letzte, durch die Tat, die Idee eines anderen lebenden Wesens verrät.

  

12] Ihr würdet staunen, wie die Hinübergehenden dort anlangen, wie sie von anderen Geistern entweder mit Liebe oder mit Haß empfangen werden. Ihr würdet staunen, welche moralischen Kämpfe dort eine Seele durchmachen muß, bis sie ihren Weg selbständig gehen kann. Dort hilft kein Verbergen, kein Heucheln und Verstellen. Dort ist der Mensch als Geist nur der Abdruck seines geistigen Ichs, erworben hier auf dieser Welt, und zwar nicht durch Taten, sondern bereits durch Gedanken; denn diese waren die Urheber der Taten, und diese geben auch in der geistigen Welt den Ausschlag. Jeder durch euern Kopf oder euer Herz flüchtig laufende Gedanke ist in eueren inneren Geistesmenschen als unabänderlicher Abdruck eingeprägt worden und wird einst die äußere geistige Umkleidung eures Seelenmenschen bedingen.

  

13] Wenn die Menschen wüßten, was sie tun, wenn sie entweder mit Groll von dieser Erde scheiden, oder wenn die Zurückgebliebenen den Hinübergegangenen fluchen, sie würden schaudern vor den Folgen solcher Gedanken; denn solche Gedanken sind fähig, Qualen auf Qualen - natürlich geistiger Natur - den Hinübergegangenen zu bereiten und in ihnen den Wunsch entfachen, die noch Lebenden mit Rache zu empfangen. Daher seid streng mit euren Gedanken! Ihr ruft oft mit einem Gedanken ein Heer gleichgesinnter, schlechter Geister der andern Welt in eure Nähe, und während ihr glaubt, ihr hinget diesen Gedanken bloß nach, sind es diese Geister, die euch in ihr Netz zu verstricken trachten, die eure guten Eigenschaften zu vernichten streben, um dann den Entschluß zu einer bösen Tat zur Reife zu bringen, welche wieder unendliche Folgen für euch und andere Menschen und Geister hat.

  

14] Dies ist im Evangelium ausgedrückt, wo Ich von dem mächtigen bösen Geist, der aus dem Kranken oder Stummen getrieben wurde, sagte, daß er öde und wüst umherging, dann aber wieder zurückkehrte mit sieben anderen Geistern, die ärger waren als er selbst.

 

  

15] Das ist das geistige Bild eines Menschen, der wohl eine Leidenschaft besiegt, glaubt einen Teufel von sich entfernt zu haben, sich aber nachlässig wieder diesen Gedanken, seinen Lieblingsideen hingibt. Dieser Mensch nährt ein Flämmchen, und wie die Mücken, von weitem das Licht bemerkend, alle dorthin ziehen, ebenso ist diese geistige Gedankenrichtung ein Licht, das in der Geisterwelt gerade den im Finstern tappenden Geistern als Leitfaden dient. Dort strömen sie hin, beginnen ihr teuflisches Spiel mit verstärkter und vereinter Kraft, bis der geplagte Mensch in ihr Netz fällt und hier auf Erden und dort im Jenseits auf lange Zeit für Mein Reich verloren ist.

  

16] Die andere Welt, die Welt des Unsichtbaren, ist nicht so rosig, wie eure Priester sie euch vorstellen; sie ist aber auch nicht so höllisch, wie die Phantasie gewisser Religionsfanatiker sie euch vormalen möchte. Das ganze Gemälde besteht darin: Wie der Mensch geistig beschaffen ist, so sieht er auch die geistige Welt. So seht ihr ja auch die materielle Welt, ob hüben oder drüben, das bleibt sich gleich.

  

17] Ein veredeltes, reines, Mir ergebenes Herz wird dort nichts von alledem sehen, wie es auch hier nichts davon sah. Es wird dort verirrte Geister, wie hier verirrte Menschen, erblicken und helfend jedem unter die Arme greifen, wie es während seiner Lebenszeit getan hat. Frieden mitbringend, sieht die Seele dort Frieden; Haß und Stolz mitbringend, wird sie auch dort das nämliche von anderen erfahren und das gleiche auch an anderen ausüben.

  

18] Es ist nur ein Gesetz, das in Meiner Schöpfung gilt, - es ist das Gesetz der Schwere, der Anziehungskraft. Das Materielle wird gefestet und erhalten durch dieses Gesetz; das Geistige ebenfalls. Je schwerer, d.h. je dichter ein Körper ist, desto größer ist die Kraft, die seine Urelemente zusammenhält; er ist Stein und ist auf festen Grund gebaut. Je leichter die Substanzen sind, und je geringer ihre Bindekraft ist, desto leichter ist ihre Erhebung möglich. Je fester die Atome zusammengefügt sind, um so weniger sind sie für Licht und Wärme aufnahmefähig; je leichter sie sind, desto mehr sind sie empfänglich für das von oben Kommende.

  

19] So ist es auch in der Geisterwelt. Das moralische Gewicht bannt die Geister an die Materie; je leichter es ist, desto eher können sie sich von der Materie entfernen. Im ersteren Falle sind die Geister finster, im zweiten desto lichter. Die finsteren Geister also sind es, die sich am Licht anderer beleben und erwärmen wollen, da ihnen selbst die Wärme fehlt. Deswegen suchen sie entweder, so sie schlecht bleiben wollen, die anderen mit in ihre Finsternis hineinzuziehen, oder sich selbst dieser zu entwinden.

  

20] So ist das geistige Treiben im ganzen Äther beschaffen : Ewig Kampf neben Ruhe, Verfolgung und Abstoßung neben Einigung und liebender Zusammengesellung, da die Geister ihren geistigen Prozeß erfüllen müssen. Auf die Zeit kommt es nicht an; denn die Ewigkeit ist lang. Niemand wird gezwungen; was er sein will, das ist er, oder wie Paulus sagte: "Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen!"

  

21] Daher gebet euch alle Mühe, schon hier so viel Stärke zu erlangen, daß ihr dort den Versuchungen widerstehen könnt und auch sogleich mit besseren Geistern zusammenkommt, bei denen natürlich von Kampf und Verführung nicht die Rede ist! Enthaltet euch der Flüche und Verwünschungen; denn die auf diese Art beleidigten, an ihrem Fortschritte gehemmten Geister suchen sich zu rächen! Können sie es hier nicht, so erwarten sie euch gewiß dort, um euch zu vergelten, was ihr in blinder Eigenliebe an ihnen verschuldet habt.

  

22] Im Evangelium sagte Ich: "Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich; wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut!" Merkt euch das; es heißt: Es gibt nur zwei Wege: zu Mir hin - und hinweg von Mir! Daher selig diejenigen unter euch, die Meine Worte hören und auch befolgen werden! Vieles werden sie sich in jener Welt ersparen, was sonst eine unausbleibliche Folge irdischen Handelns gewesen wäre.

  

23] Ich könnte euch noch viel über jene Welt sagen. Einen kleinen Blick in sie tatet ihr schon in der Beschreibung der geistigen Sonne. Zwar ist das nur ein Schattenriß der großen Wahrheit, aber genau durchdacht genügt er als Mahnwort, um Mich einst nicht zu beschuldigen, als hätte Ich euch nicht einen Blick in jene Welt tun lassen, die einst euer Aufenthalt, und zwar der bei weitem längere sein wird.

  

24] Die extremen Fälle, in denen ein oder sogar mehrere böse Geister einen Menschen derart in der Gewalt haben, daß selbst sein physischer Organismus mit in ihrer Gewalt ist, sind selten und oft sogar aus guten Gründen zugelassen. Um solch kranke und von bösen Geistern besessene Menschen zu heilen, gehört ein willensstarker, religiöser Mensch, der Mich und Meine Macht kennt und auch das Vertrauen zu Mir hat, daß Ich ihm helfe, wenn er darum bittet. Da kann dann durch Gebet und Händeauflegen in Meinem Namen geholfen werden, so wie Ich es während Meines irdischen Lebenswandels getan habe; nur muß stets dabei gedacht werden: wenn es Mein heiliger Wille ist, daß es geschehe!

  

25] Hier habt ihr ein kleines Bild des großen Geisterlebens, welches Ich euch bei diesem Anlaß aus dem Evangelium geben wollte. Es ist zu wichtig, als daß ihr nur wisset, was ihr sehet; ihr müßt auch nach und nach begreifen lernen, was außer der sichtbaren Welt besteht, was derselben seinen Typus aufgedrückt hat und den weit größeren und wichtigeren Teil Meines Reiches ausmacht.

  

26] Geist bin Ich, Geist seid ihr, und geistig wird selbst die Materie noch werden. Also diesen großen Kreislauf mit all seinen Stufen zu erkennen, zu überblicken und in ihm sich seine eigene Stellung zu erringen, das ist die Aufgabe, die euch gegeben wurde. Zu ihrer leichteren Lösung scheue Ich kein Mittel, um euch den unabweisbaren Weg zu erleichtern und zu verkürzen, damit ihr hier schon das Meiste und Schwerste bewältigt - und dort nur Weniges und Leichteres zu überwinden habt. Amen.

 

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gm.pred.016. Predigt: Joh.06.01-15 am Sonntage Lätare (16.02.1872)

   00] Die Speisung der Fünftausend (Joh.06,01-15): Darnach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volk nach, darum daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen?" (Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.) Philippus antwortete ihm: "Für zweihundert Groschen Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme." Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: "Es ist ein Knabe hie, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das unter so viele?" Jesus aber sprach: "Schaffet, daß sich das Volk lagere!" Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, wieviel sie wollten. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: "Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme!" Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die übrig blieben denen, die gespeist worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: "Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll!" Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermals auf den Breg, er selbst allein.

  

01] Hier habt ihr eine jener Taten vor euch, die bei den Juden am meisten Aufsehen erregten, und zwar in solchem Grade, daß die Augenzeugen Mich zum Könige ausrufen wollten und Mich deshalb zwangen, ihren Absichten auszuweichen, indem Ich Mich allein auf den Berg in die Einsamkeit zurückzog.

  

02] Nun, die Handlung an und für sich ist für Mich, als Herr und Schöpfer eine nicht so große und wichtige gewesen, wenn Ich veranlaßte, daß sich aus den Stoffen der Luft die fünf Gerstenbrote und die zwei Fische stets ergänzten, und zwar so, daß sie bequem für fünftausend Mann ausreichten und vom Brote noch zwölf Körbe voll übrig blieben. Für die Mich umlagernden Menschen aber war es wohl ein Wunder, welches Meine göttliche Abkunft und Meine Macht schlagend bewies. Es wurde von den Juden nicht geistig, sondern ihrem materiellen Interesse gemäß aufgefaßt, da sie Mich nach dieser Handlung zu ihrem König ausrufen wollten. Ich mußte Mich von ihnen zurückziehen; denn erstens war jenes nicht der Zweck Meines Erdenwandels, und zweitens war Meine Zeit des ,Erhöhtwerdens` noch nicht gekommen, welches Wort - sooft Ich es auch aussprach - ebenfalls nie begriffen wurde, bis die Kreuzigung es erklärte und Meine Himmelfahrt auch geistig die Erhöhung in Erfüllung brachte.

 

 03] Die Handlung des Verteilens der Gerstenbrote und Fische hat aber ihre geistige Entsprechung, die eigentlich das Wesentliche ausmacht. Schon einmal sagte Ich euch, daß Mein ganzer irdischer Lebenswandel, besonders Meine Lehrjahre und Meine während dieser Zeit gesprochenen Worte und ausgeübten Taten, sich bei Meinem künftigen Wiederkommen wiederholen werden, und zwar geistig.

  

04] So ist auch diese Handlung eine derjenigen, die jetzt in ihrer Entsprechung vor sich geht. Was einst für die fünftausend Mann gegolten hat, das gilt jetzt für die Menschen im allgemeinen. Damals war Mein Wirkungskreis das Judenvolk, als der mit Mir lebende, empfänglichste Teil der Menschheit, und sein Land, als die für Meine Taten ausgewählte Welt. Jetzt, da Meine Lehre über die ganze Erde ausgebreitet und, obgleich nur von wenigen befolgt, doch vielen bekannt ist,jetzt ist auch jede Tat aus jenen Zeiten im größeren, im geistigen Sinn zu nehmen, wenn sie sich wiederholt, wie Ich es angedeutet habe.

  

05] Nun fragt es sich: Was haben die Gerstenbrote, was die Fische zu bedeuten? Warum waren es bloß fünf Gerstenbrote und zwei Fische? Denn seht, bei Handlungen Gottes hat alles eine geistige und tiefe Bedeutung, und es ist nicht wie bei euch Menschen, die ihr oft viel redet oder sogar handelt, aber nicht im mindesten wißt, was ihr sagt, oder was ihr tut.

  

06] Um nun das erste - nämlich die Frage: Was waren die Gerstenbrote, und was waren die Fische? - zu erklären, muß Ich euch darauf aufmerksam machen, aus welchem Teil der Erde das eine, und woher das andere seinen Ursprung hat.

  

07] Die Gerstenbrote stammen aus der Erde, aus der das Korn vom Dunklen der Erde entwachsend zur höheren Lichtweihe der Sonne emporstrebt und so das in der Erde Aufgesogene durch Licht und Wärme zur Frucht ausreift, welche Frucht dann, geistigere Elemente enthaltend, durchs Brotbereiten geeignet wird, diese Erdstoffe in geistig höhere des menschlichen Körpers umzuwandeln.

  

08] Die Brote sind also das Resultat von Prozessen der Erde und des Himmels.

  

09] Die Fische sind Produkte des im Wasser vorhandenen Stoffes, zu lebendigen Wesen ausgeboren.

  

10] Das Wasser selbst ist ein leichtbewegliches Element, ist verdichtete Luft. Und wie die Luft verdichteter Äther ist und der Äther die Geburtsstätte aller Elemente, so ist die Luft die Erzeugerin der Stoffe im Wasser und das Wasser selbst wieder Erzeuger der festen Erdteile und der darauf vorkommenden Pflanzen und Tiere. Das Wasser war und ist die große Mutter, aus welcher euer Erdball entstand, und noch jetzt könnt ihr, wenn ihr chemisch die Körper der lebenden Wesen, ja selbst euren Körper untersucht, sehen, daß das Wasser der Träger, Ernährer und Erhalter eures eigenen Leibes ist.

  

11] Was die Vögel in der Luft sind, das sind die Fische im Wasser; sie sind die Vögel in der verdichteten Luft. Wie das Gerstenkorn, aus Grobmateriellem bis zur höheren geistigen Stufe sich herausringend, fähig wird, als Ausgleichsstoff vom menschlichen Körper aufgenommen zu werden, so ist der Fisch ebenfalls ein Bestandteil der im Wasser aufgelösten Stoffe, welche, in ihm zum Festen, Körperlichen gestaltet, fähig gemacht werden können, sich mit den Bestandteilen des menschlichen Körpers zu verbinden. Nur müssen vorher durch die Wärme der Luft oder des Feuers seine festeren Teile von den Lichtteilen getrennt werden, d.h. er muß getrocknet oder gekocht werden, um dem Menschen in seinem Organismus nützlich zu sein, so wie auch das Gerstenkorn, nachdem es zermalmt, zu Teig gemengt und durch die Wärme der wässerigen Bestandteile wieder entledigt ist, dem Menschen zu gesunder Nahrung dienlich sein kann.

  

12] Hier hätten wir also die Bestandteile des Brotes und die der Fische erörtert; es handelt sich also jetzt noch um die Zahl. Warum waren es gerade fünf Brote und zwei Fische?

  

13] Seht, wenn ihr diese gegenstände zusammenzählt, so erhaltet ihr die Zahl Sieben, eine Zahl, die in allen Dingen mehr oder weniger vorhanden ist und stets mit der Zahl Drei einen Faktor ausmacht, welcher zur Erschaffung, Erhaltung und Verwandlung eines jeglichen Dinges nötig ist, wenn es auf höhere Stufen fortschreiten soll.

  

14] Die Zahl Sieben ist, ebenso wie die Zahl Drei, eine Meiner Grundzahlen, die Ich in Mir selbst, als Gott, Schöpfer und Herr, vorstelle.

  

15] Seht, wenn ihr die Zahl Sieben genau betrachtet, so werdet ihr finden, daß drei auf der einen, drei auf der anderen Seite und die vierte Zahl in der Mitte steht. Das heißt: Die Göttlichkeitszahl Drei ist in der Gotteszahl Sieben zweimal enthalten und gestaltet sich so, daß eben die vierte Zahl in der Mitte, vereint mit den beiden drei auf jeder Seite, die 'heilige` Zahl Sieben ergibt, die Mein geistiges Ich ausdrückt.'

  

16] Wenn in jedem geschaffenen Wesen die Dreizahl als Prinzip seiner Existenz nötig ist, so steht diese Zahl in der Gottheit selbst zweimal da, und zwar noch mit dem Zusatz einer Mitte, um die sich alles andere schart.

  

17] Die geschaffenen Wesen können die Dreizahl in ihrer höchsten Vollkommenheit wohl erreichen, wie die Engelsgeister, - aber die Gottheit hat stets dieselbe Zahl im doppelten Maß und eine nie erreichbare Mitte, welche sie zum Herrn alles Geschaffenen stempelt.

  

18] Daß ihr die Siebenzahl in so vielen Gegenständen der Schöpfung findet, hat seinen Grund darin, daß diese Gegenstände, in denen diese Zahl am meisten hervortritt, dem Schöpfer alles Seienden am nächsten stehen und reine Ausflüsse von Ihm selbst sind. So seht ihr z.B. die Siebenzahl in den Farben und in den Tönen, weil eben die Lichtstrahlen in ihrer Brechung materiell die sieben Eigenschaften des Schöpfers und die sieben Töne die sieben großen harmanischen Gesetze des geistigen Lebens in sich einschließen.

  

19] Wollt ihr nun diese Siebenzahl von Broten und Fischen mit Worten ausgedrückt lesen, so heißen sie:

  

20] Liebet Gott über / alles und / den Nächsten wie euch-selbst!

  

21] Die ersten vier Worte bezeichnen die Gerstenbrote, die geistig den Menschen ernähren und ihn zum höheren, geistigen Sein auszeitigen sollen, wovon wieder die ersten drei den Grad der Liebe zu Gott ausdrücken, während die andern drei das Maß der Nächstenliebe bezeichnen. Das Wort ,alles` und das Bindewort ,und` aber bezeichnen den Mittelpunkt der göttlichen Liebe, d.h.: mehr als alles soll die Liebe zu Gott sein, welche aber nur durch die Verbindung mit den nächstfolgenden drei - den-Nächsten wie euch-selbst - in Ausführung gebracht werden kann. Denn ihr könnt Mich als Gott nicht lieben ohne die Nächstenliebe; ihr könnt Mich nicht über alles lieben, wenn ihr nicht euren Nächsten wie euch selbst liebt.

  

22] Also die drei ersten Worte mögen erreicht werden, sowie die drei letzten, nur das mittlere ,alles` nebst dem Bindungswort ,und` bezeichnen die Unerreichbarkeit, obwohl ewiges Fortschreiten möglich ist; denn - was ist ,alles`, und wo hört die Nächstenliebe auf?

  

23] Das ,alles', sowie die größte Nächsten und Vaterliebe gipfeln nur in Mir! Ich allein bin gesättigt von dieser Liebe. Ich allein repräsentiere das ,alles` in seiner ganzen Unendlichkeit, und in Meiner nie versiegenden Langmut und Geduld seht ihr die Nächsten oder Bruder- und Vaterliebe in ihrer höchsten Ausbildungsstufe in Mir vereinigt.

  

24] Wie Ich euch früher sagte, daß das Gerstenkorn, aus der finsteren Erde zum Licht sich drängend, seine Frucht zur Reife bringt, so ist es auch mit der Gottesliebe, welche den materiellen Menschen aus seinen finsteren Leidenschaften zum höheren moralischen Licht erheben und führen soll.

  

25] Und wie Ich euch sagte, daß die Fische Produkte der verdichteten Luft sind, also eines leichteren Elements als der Erde, so soll die Nächstenliebe, euch vom festen Materiellen abziehend und statt der Sorge für sich selbst, geistigeren Gefühlen in euren Herzen Platz machend, die Ähnlichkeit der Gottesliebe ausdrücken; denn nur in der Nächstenliebe könnt ihr zeigen, wie ihr Gott liebt, und das nie zu erreichende ,alles` erhält dort gingen annähernden Maßstab in dem Worte ,wie euch selbst`.

  

26] Wie das Brot gemacht wird aus zermalmtem Korn unter dem Einfluß von Wasser und Wärme, so soll auch die Gottesliebe entstehen aus der Vernichtung des Materiellen, erwärmt durch Meine Lehre. Und wie die Fische getrocknet oder gekocht werden, so soll auch die Nächstenliebe, an der Sonne der ewigen Liebe alle ihre Nebengedanken des Egoismus aufgebend, sich mit allem Eifer dem Wohle des Mitbruders widmen und der Mensch kein anderes Wort als Maßstab seiner Handlungen erkennen als das ,Für dich, und nicht für mich!`

  

27] So ist schon seit längerer Zeit mit diesen wenigen Worten Meiner einzigen Gesetze, die Ich den Menschen zur Befolgung gegeben habe, der Weg angebahnt worden, ihnen zu entsprechen.

  

28] Stets wird der Drang, unter welchem diese zwei Gesetze ihre Beachtung fordern, reger werden; und es muß auch der Zeitpunkt kommen, wo, durch diese sieben Worte des Himmels gesättigt, die ganze Menschheit Mich zu ihrem König ausrufen wird. Dann werde Ich aber nicht - wie einst -, Mich verbergen, den Wünschen Meiner Kinder ausweichen, sondern in aller Glorie und Macht zu allen kommen, die Mich gesucht, erkämpft und gefunden haben.

  

29] Aber nicht einen König werden sie finden, sondern einen Hirten, der seine Schafe dann in die Gefilde des Lichts führen wird, wo jedes materielle Streben aufgehört hat und im ewigen geistigen Fortschreiten die immer mehr zunehmende Gottes und Nächstenliebe Wonnen an Wonnen, Seligkeiten an Seligkeiten reihen wird, um euch zu beweisen, daß Ich das, was Ich einst mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen getan, nun auch mit sieben Worten des größten geistigen Inhalts ebenfalls erreicht habe, nämlich: wie einst die materielle Sättigung Meiner Zuhörer und Nachfolger, so jetzt die Sättigung Meiner vergeistigten Kinder. So ist immer, auch im kleinsten Wort aus Meiner irdischen Lebensbahn, ein Stein zum einstigen großen Geistesgebäude gelegt worden, in welchem alles den Endschluß finden wird, der in der zwischen den Dreizahlen stehenden Mitte, Meinem Ich, mit Meiner geistigen und materiellen Schöpfung das ,alles` ausmacht, aus dem alles hervorging, und zu dem wieder alles zurückkehren wird und muß. Amen.

 

 

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gm.pred.017. Predigt: Joh.08,59 am Sonntage Judica (Den 17. Febr.1872)

   00] Versuch der Juden, Jesus zu steinigen (Joh.08,59): Da hoben sie Steine auf, daß sie ihn würfen; Jesus aber verbarg sich und ging zum Tempel hinaus.

  

01] Hier habt ihr wieder einen Beweis, wie wenig die Mehrzahl des jüdischen Volkes Mich, Meine Mission, Meine Herkunft und Meine Lehre verstand.

  

02] Wenn ihr dieses ganze Kapitel vom Anfang bis zum Ende lest, so müßt ihr bekennen, daß Ich Ströme des Lichts über Meine Zuhörer im Tempel ausgoß; aber es war umsonst! Die meisten nahmen Meine Worte im buchstäblichen Sinn, die Pharisäer und Schriftgelehrten, gekränkt durch Meine tief treffenden Worte wegen der Ehebrecherin, schlichen sich davon, und die übrigen, an Einsicht Beschränkten, verstanden nicht, was Ich sagte.

  

03] Diese Mißdeutung Meiner Worte in jenen Zeiten besteht heute noch ebenso, und vielleicht in noch größerem Maße. Denn während damals der Verstand eines jeden Menschen die Bibel und auch Meine Worte buchstäblich nahm, wollen jetzt eure Gelehrten und Naturforscher aus der sichtbaren Natur euch beweisen, daß es weder einen Gott, noch einen Schöpfer gibt, und daß daher auch keines Seiner Worte - sei es durch Propheten oder durch Jesus gesprochen - göttlichen Ursprungs ist. Damals wollten Mich die Juden steinigen, weil Ich ihnen nicht nur die Wahrheit ins Gesicht sagte, sondern weil Ich Mir anmaßte, von Meiner göttlichen Herkunft zu sprechen, von der sie keinen Begriff hatten, ob eine solche möglich sei.

  

04] Die Juden in jener Zeit hielten zwar dem Buchstaben gemäß streng an ihren Satzungen, machten sich aber die Lehren Mosis so bequem wie möglich. Es war daher nicht anders zu erwarten, als daß Meine Lehre, den Geist vom toten Buchstaben trennend, ihnen nicht behagen konnte, da sie sich bei Haltung Meiner Lehre einschränken und ihren Leidenschaften hätten den Zaum anlegen müssen. Sie waren - was heutzutage noch viele Tausende sind - reine Tempelläufer und Zeremonienreiter. In dieser Hinsicht hatten auch die Priester ihr Volk erzogen, damit es ihnen nicht aus der Hand schlüpfe, und sie es zu ihrem Interesse ausbeuten konnten, wie sie wollten.

  

05] Nehmt die Geschichte zur Hand und lest sie aufmerksam durch, so werdet ihr sehen, daß von der Zeit an, als eine Kirche mit den dazugehörigen Priestern ins Leben trat, nach kurzer Zeit die Lehren Meiner Apostel zu dem Zwecke ausgebeutet wurden, dem Priesterstande Macht und Ansehen zu verschaffen, worauf ja auch zu Meiner Zeit das Hauptaugenmerk der Templer in Jerusalem gerichtet war. Die Erziehung der Jünglinge zu dieser Kaste wurde planmäßig ausgerichtet, damit sie ja nichts anderes lernen und verstehen sollten, als was den Zwecken der ganzen Priesterschaft heilbringend war. So kamen dann infolge zu großen Unfugs die Religionskriege, die Verfolgung und die Scheidung in zwei Hauptlager, in Katholiken und Protestanten, zum Vorschein, welche zwei Klassen, stets in Buchstabenauslegung ihr Heil suchend, wieder in mehrere Sekten zerfielen, deren Grundlage - Meine Lehre - im ganzen die gleiche war, um deren Auslegungen sie sich bekämpften.

  

06] Jetzt, wo der Reinigungsprozeß angefangen hat, treten die gleichen Kämpfe auf, nur auf friedlicherem Wege. Jetzt streiten sich die Sekten und Kasten wieder. Einzelne Männer verlangen Reinigung der großen Masse zeremonieller Gebräuche, welche das ganze Religionsgebäude fast verdecken. Sie wollen dieselben zurückführen auf den ersten Kultus, der einfach war, und in welchem jede Zeremonie, wenn eine solche festgesetzt wurde, eine geistige Grundlage hatte, die auch der Nichtpriester oder Laie verstehen konnte. Noch irren auch diese Männer; denn sie leiden unter der Last der genossenen Erziehung, auch sie begreifen noch nicht ganz, was Ich einst sagte: daß Mein Wort Geist und Wahrheit ist, und wer Mich anbeten will, Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten muß.

  

07] Mehrere Meiner Apostel rieten den Gemeinden, die sich damals gebildet hatten, von zeremoniellen Gebräuchen ab. Denn die Zeremonie tötet den Geist und wird leicht mißverstanden; es wird ihr mehr Wichtigkeit beigelegt, als ihr zukommt, und sie führt im ganzen, statt zu Mir, von Mir weg.

  

08] Dieses Sehnen, das jetzt viele Gemüter ergriffen hat, und das einen Religionskultus zum Ziele hat, der mehr dem Zeitgeist und der Bildung der jetzt lebenden Christenheit entspricht, ist aber der Übergang zum letzten, geistigen und höchsten Kultus, welcher angebahnt wird durch Meine direkten Mitteilungen, die Ich euch schon seit mehr als dreißig Jahren zukommen lasse.

  

09] Noch gibt es viele, denen Meine Lehre nicht zu ihren weltlichen Ansichten paßt, und die sie totschlagen möchten, wie einst die Juden Mich steinigen wollten. Auch jetzt geht Meine Lehre mitten durch diese Hindernisse hindurch ihren eigenen Weg und wird der Menschheit zugänglich werden, wenn der geeignete Zeitpunkt durch herbe Schicksale, Drangsale und Leiden herbeigeführt sein wird, wenn alle trügerischen Hoffnungen auf weltliche Macht und Größe in ihrer Nacktheit als Irrlichter dastehen werden, die den ihnen folgenden Menschen, statt auf trockenen Boden, in Sumpf und Morast leiteten. Dann wird erst die klare Einsicht Meines Worts sich geltend machen und selbst diejenigen zum Glauben zwingen, die sich früher auf ihr Verstandeswissen stützend schon wähnten, es gäbe keinen Gott, sondern der Gottwenigstens für diese Erde - seien sie selbst, d.h. der Verstandesmensch mit seinen ausgedachten Hirngespinsten. Meine Lehre wird sie alle zuschanden machen, und sie werden notgedrungen einsehen müssen, daß das, was sie andere glauben machen wollten - nämlich: es gäbe keinen Gott -, eine verkehrte Schlußfolgerung all ihres einstudierten Krames war.

  

10] So wie Ich in jener Zeit im Tempel Meinen Mördern ausgewichen bin, weil Meine Zeit noch nicht gekommen war, so weicht auch jetzt noch Meine Lehre, wie ihr sie empfangt, den Kritikern aus. Und wenn auch hie und da einer oder der andere sie, wie einst die Juden Mich, zum Tod verdammen möchte und all seinen giftigen Geifer darüber ausschüttet, so schadet er sich nur selbst; denn die Zeit wird auch in eines anderen belehren und ihm beweisen, daß das, was Ich will, geschehen wird, und nicht das, was er in seiner beschränkten Einsicht haben möchte.

  

11] Noch manche werden Steine auf Meine Lehre werfen, Steine harter Worte, die unter ihrer Last die sanfte Lehre der Liebe erdrücken sollen. Doch fürchtet nicht, daß sie siegen werden! Denn wie in jener Zeit Mein Ich auch bestimmt war, noch härtere Proben zu bestehen, bis Meine Verklärung vollführt und das Ende Meiner Mission erreicht war, ebenso wird auch jetzt Meine Lehre gesteinigt, verdammt, verhöhnt, gekreuzigt und dann, scheinbar besiegt, ins Grab gelegt werden, aus dem sie aber - wie einst Ich selbst, den Tod besiegend glorreich auferstehen wird.

  

12] Denn das müßt ihr bedenken: Je mehr Meine Lehre Boden gewinnt, desto mehr werden sich Hindernisse gegen sie auftürmen; denn sie greift viele in ihrem materiellen, und noch mehrere in ihrem geistigen Wohlleben, in ihrer bis jetzt gewohnten Lebens und Denkungsart an. Es muß also sein, damit sich bis zu Meiner nächsten Darniederkunft alles wiederhole, was einst sichtbar den Kern Meiner drei Lehrjahre ausmachte. Dort legte Ich den Samen Meiner Lehre unter Disteln und Dornen, und wenig fruchtbares Erdreich nahm ihn auf, wie er es verdient hätte. Er wucherte dennoch fort, wenngleich nur auf einzelnen Stellen. Auch jetzt fällt Mein Wort, das die Menschen frei machen will, auf steinigen Grund, von wenigen beachtet, von den meisten zertreten und von den Schaden witternden Füchsen mit Vernichtung bedroht. Und doch wird es ausreifen, wird zur Himmelsblume werden, die Ich einst selbst auf eure kleine Erde gebracht habe, und die Ich euch gleich einer Rose übergab, die durch Wohlgeruch die Sinne ergötzt, aber gar leicht des Unvorsichtigen Hand durch ihre Dornen verletzen kann!

  

13] Die Rose ist die schönste Blume auf eurer Erde, weil sie mit dem Wohlgeruch auch die schönste Farbe vereint, von denen das eine die Liebe, das andere die Weisheit ausdrückt. Wie nun die Rose in ihrem liebreizenden Gewand Schönheit mit Wohlgeruch verbindet, so läßt auch Mein Wort, das Wort der Liebe, mit guten Taten gepaart, den Liebreiz Meines göttlichen Wesens jeden Verehrer fühlen.

  

14] Die Dornen sind die weltlichen Leidenschaften, die vorerst durch Kampf und Leiden beseitigt werden müssen. Und so will die Rose eigentlich sagen: "Ich kann nicht bestehen ohne Dornen!" Diese müssen überwunden werden. Wie nun die Rose durch ihre Dornen Elektrizität einsaugt und sie zur Verschönerung ihres eigenen Ichs verwendet, ebenso soll ein jeder, der Meiner Lehre folgen und sie ausüben will, die weltlichen Unannehmlichkeiten so ausbeuten, daß ebenfalls aus ihnen, wie aus den Dornen bei der Rose, Geistiges und Erhabenes erwächst.

  

15] So pfleget auch ihr Meine Worte! Lest sie nicht zum Zeitvertreib; denn es könnte eine Zeit kommen, welche euch dieses Vergnügen vertreibt oder verbittert, wenn ihr nicht durch Gedanken und Taten euer Ich veredelt habt! Handelt nach Meinen Worten, damit ihr, gewappnet mit dem Bewußtsein guter Taten, nicht wie die Mehrzahl hungrig am Buchstaben hängend, sondern an der Lebensquelle der ewigen Liebe Wonne und Seligkeit trinkend, Mich, Mein Wort und Meine göttliche Liebe als euren ,Vater` auch unter Drangsalen nicht vergessend, die Fahne des Glaubens und Vertrauens hoch erhebt und nicht - wie vielleicht viele - Steine des Unwillens, sondern Segens und Dankeswünsche Mir entgegensendet, wenn Ich kommen werde, die Palme des Sieges den Ausharrenden zu überreichen. Amen.

 

 

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gm.pred.018. Predigt: Mt.21,01-09 am Palmsonntage (Den 18. Febr. 1872

   00] Jesu Einzug in Jerusalem (Mt.21,01-09): Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei und sprach zu ihnen: "Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf, und führet sie zu mir! Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: 'Der Herr bedarf ihrer!'; sobald wird er sie euch lassen!" Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: "Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin!" Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider drauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: "Hosianna dem Sohn Davids! Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!"

  

01] Dieses Kapitel beginnt mit Meinem Einzug in Jerusalem. Auf einer Eselin, dem Bild der Demut, nahm Ich als der demütigste Mensch die Huldigungen von so manchen Gläubigen entgegen und begab Mich dann zu den Hochmütigsten jener Zeit, zu den Hohenpriestern und Pharisäern, in den Tempel. Dort räumte Ich wahl dem Äußern nach dieses Bethaus vom materiellen Mist, indem Ich die Wechsler und Taubenhändler austrieb. Was die Reinigung von dem geistigen Unrate in den Gemütern der Machthaber in jenen Mauern betrifft, mußte Ich es der Zeit überlassen, welcher von ihnen einst gereinigt in Mein Reich gelangen werde.

  

02] Was sich dort während Meines Lebenswandels ereignete, das alles hatte seine geistige Bedeutung in bezug auf das ganze Geister und Seelenreich. Ich, als Menschensohn auf eurer Erde, stellte das große Prinzip Meiner Liebeslehre vor, wie es alle Entwicklungsstufen des Lebens durchmachen mußten, damit es, als Beispiel und erreichbares Ziel nicht nur von allen geschaffenen Wesen angestrebt, sondern durch Mein eigenes Beispiel ausgeführt, auch als Wegweiser auf dem langen Wege der geistigen Vervollkommnung im Strahlenglanz Meiner göttlichen Allmacht, Liebe und Weisheit euch zur Nachahmung anregen könne und solle.

  

03] Was Ich im Tempel tat - sowohl die Reinigung desselben als auch Meine Gleichnisreden an die Schriftgelehrten und Pharisäer -, ist geistig genommen das gleiche, was in eines jeden Menschen Herzen geschieht, sobald er sich nur im mindesten für Meine Lehre empfänglich zeigt. Denn auch dort ziehe Ich dann ein unter dem Bild der Demut und Sanftmut. Dort zieht Mir die frohlockende Seele ebenfalls angeregt durch den in ihr ruhenden Geist, mit Lobgesängen der Freude entgegen. Auch dort ist Mein erstes Augenmerk auf die Ausmerzung der weltlichen Leidenschaften, hauptsächlich des Egoismus - der Handel ist ja das ausgeprägteste Bild desselben -, gerichtet. Dann fange Ich an, der Individualität der menschlichen Seele gemäß, geistige Nahrung zu verabreichen, welche den Gleichnissen entsprechen, die Ich vor den Schriftgelehrten und Pharisäern redete, die zwar alles nicht im geistigen Sinn begriffen, in welchem Ich es meinte, doch aber die Wahrheit der Vergleiche nicht ableugnen konnten.

  

04] Was taten die Pharisäer und Schriftgelehrten nach Anhörung Meiner Worte? Sie trachteten Mir nach dem Leben und verwarfen Meine Lehre. - Und was tun so viele Menschen, bei denen Ich im Anfang mit Triumph eingezogen bin? Sie tun das gleiche. Sobald es im Ernst auf Verleugnung und Aufopferung ankommt, kehren auch sie Mir den Rücken, wollen lieber die Eindrücke Meines ersten Kommens vernichten, als ihr materielles Streben nach Glücksgütern und zeitlichem Wohlleben einem geistigen und höheren Leben unterordnen.

  

05] Mein Einzug in Jerusalem und im Tempel stellt auch die Epoche der Bekehrung des einzelnen Menschen, wie der Menschheit im ganzen dar. Hierbei wurden die Vorarbeiten zur geistigen Wiedergeburt in äußeren Verhältnissen angebahnt; dann, stets näher und näher rückend, ging der Angriff auf den Lebenskern, auf das Herz selbst über, um mit einem letzten Hauptversuch den ganzen Kampf gegen alle äußeren Widerwärtigkeiten mit dem Sieg über das Hauptbollwerk zu vollenden.

  

06] Auch während Meiner Lehrzeit hielt Ich Mich größtenteils in abseitsgelegenen Städten und Dörfern auf und suchte Mir gerade dort, unter dem mehr unverdorbenen Volk und unter den Heiden, Gläubige zu gewinnen. Erst als das Ende Meiner irdischen Laufbahn herannahte, begab Ich Mich, und zwar freiwillig, in jene Orte - wie eben Jerusalem und sein Tempel einer war -, von denen Ich im voraus wußte, daß Meine Lehre dort den größten Widerstand erfahren werde. Ich sah aber auch voraus, daß, wenn mit dem weiteren Erfolg in Meiner Lehrzeit sich materiell alles für Mich verschlimmern werde, dann gerade geistig der Triumph Meiner Wahrheits- und Liebelehre am größten sei. Ich wußte wohl, daß, wenn Ich - nicht wie früher, wo Ich Meinen größten Widersachern und Feinden aus dem Wege ging - jetzt Mich in ihre Nähe begeben würde, Ich ihren Racheplänen nicht entgehen werde; allein, so war es von Mir bestimmt, so mußte es kommen. Nur so konnte Meine Lehre für die Ewigkeit Bestand und Dauer gewinnen.

  

07] So würde der Same, welchen Ich in Judäa und Palästina und anderen Orten säte, nicht auf unreifen Boden fallen; denn mit Meiner Auferstehung krönte Ich Mein ganzes Werk, und jede spätere Verfolgung, jede größere Trübsal und jedes Leiden, welches Meinen Gläubigen zustieß, vermehrte und bestärkte Meine Anhänger. Jedes Ereignis in diesem Sinne legte einen Stein zum großen Gebäude Meiner geistigen Schöpfung, das einst als geistiges Jerusalem der Mittelpunkt alles geistig himmlischen Lebens sein wird.

  

08] Was Jerusalem für die Juden war, das soll Meine Schöpfung für Meine Geister und Seelen werden; und was der Tempel als Wohnort Jehovas im Allerheiligsten war, das soll einst jedes lebende Herz werden, - nämlich der Tempel, in welchem Ich Meine Wohnung aufschlagen kann, ohne Mich Meiner Behausung zu schämen.

  

09] Wie es mir in jener Zeit ergangen ist, so wird es den Menschen im allgemeinen und dem Menschen im einzelnen ergehen. Je mehr der Mensch anfangen wird, sein Inneres Mir zuzuwenden, desto mehr der Widersprüche wird er vernehmen; denn mit dem geistigen Fortschritte wachsen die Feinde, welche ihn bekämpfen und verhindern wollen.

  

10] Ich ging in jener Zeit, nach Meinem letzten Erscheinen im Tempel, den größten Leiden entgegen, die ein Mensch ertragen kann. So geht auch der Mensch geistig bei seinem Vorwärtsrücken auf geistiger Bahn stets mehr Schwierigkeiten entgegen. Die Welt wird ihm stets fremder. Aber die Welt rächt sich dann auch ob dieser Mißachtung. Es türmen sich Hindernisse in der sozialen und Einsprüche in der geistigen Welt auf, die der beängstigten Seele das Wandeln auf Meinen Wegen erschweren. Alles wird ein treues Bild Meiner eigenen Leiden und Kämpfe werden, bis, angekommen an dem großen Wendepunkt, die Welt gänzlich verlassen und das geistige Reich mit aller Kraft ergriffen werden soll. Dann wird die Fahne des geistigen Tniumphes auf der einen Seite und die der weltlichen Freuden auf der andern Seite den Menschen entweder zu Mir oder von Mir führen. Folgt er Meinem Beispiel, so wird auch ihm die Auferstehung in seiner geistigen Wiedergeburt zuteil werden; folgt er aber der Welt, so wird sein Schicksal das Jerusalems sein, welches, bei den Weltfreuden beharrend, nach kurzer Zeit ein Trümmerhaufen war, und dessen Einwohner als Sklaven anderer Nationen in allen Weltteilen zerstreut leben mußten.

  

11] Der Einzug in Jerusalem ist für die ganze Menschheit von einer weit größeren, geistigen Wichtigkeit, als sie es ahnt. Der Einzug in Jerusalem bedeutet die Annäherung Meines Ichs an die Menschheit und ist wie dort - die eigentliche Weihe der lebenden Menschen und Geister. Durch den Einzug in Jerusalem und im Tempel heiligte Ich diese Mauern, erkannte sie offen als Mein Eigentum an, gab den Beweis, daß Ich es nicht für zu gering erachtet habe, als Herr der Schöpfung, im schlichten Kleid und auf einer Eselin reitend, demütig und sanft um Aufnahme bei den Menschen zu bitten.

  

12] Dieser Einzug besagt, geistig genommen, folgendes: Ich will das menschliche Herz zu Meinem Wohnorte machen. Dort will Ich verehrt und geliebt werden dadurch, daß Meine Lehre befolgt wird. Wie der Tempel in Jerusalem zu Meiner Ehre als Gotteshaus erbaut ward mit all dem Glanz und der Pracht, die jene Zeit aufbieten konnte, so soll das menschliche Herz und die Menschenseele aus gestattet sein mit allen geistigen Tugenden, die den Menschen zum Menschen, zu Meinem geistigen Ebenbild stempeln, zu dem Ich ihn einst erschaffen und bestimmt habe.

  

13] Der Tempel in Jerusalem war ein Haus von weltlicher Pracht, und in ihm sollte geistige Herrlichkeit wohnen; so soll auch der Mensch ein Wesen werden, das auf der Grenze zweier Welten stehend den Fuß zwar auf Materielles stützt, aber den Blick und das Herz nach Geistigem richtet und so durch das erste zum zweiten gelangt. Diese Reinigung vom Materiellen und das Anziehen des Geistigen ist die Mission der Menschen auf dieser Welt, ist die Mission der Geister; sie war Meine eigene und ist noch immer die eure.

  

14] Überall weht jetzt der geistige Wind, um die Menschenherzen von weltlichen Dünsten zu reinigen; denn der Herr und Vater ist in der Nähe. Er wartet, auf Seine Eselin, auf das Symbol der Demut gestützt, den Augenblick ab, in dem Er triumphierend in ,eure Herzen einziehen kann, damit auch ihr Ihm 'Hosianna' entgegensingen könnt!

  

15] Die große Zeit der geistigen Wiedergeburt steht vor der Tür, Eingang fordernd in jene Räume, die schon seit Schöpfungsanbeginn nur für den Herrn alles Seienden geschaffen und eingerichtet waren. Machet weit auf die Tore, damit der Liebewind eure Herzen von Wechslern und Taubenverkäufern, d.h. vom weltlichen, egoistischen Treiben reinige! Es kommt die Zeit, in der der Herr Rechenschaft begehren wird über das euch anvertraute Gut, über die euch allen geliehenen geistigen Gaben. Wie der Tempel in Jerusalem ein Gotteshaus hätte sein sollen, so ist auch euer Herz bestimmt, Mein Wohnhaus zu sein.

  

16] Bedenkt, die materielle Zeit eilt, euer Leben schwindet von Minute zu Minute, und bald wird der Todesengel den Rechenschaftsbericht von euch verlangen über das euch anvertraute Gut! Vergrabet es nicht, sondern beutet es aus, damit das Eintreten in ein großes geistiges Reich, in das große geistige Jerusalem nebst seinem Tempel - als Wohnort eures Vaters - euch erlaubt sei und ihr nicht, wie die verstockten Pharisäer, nachher als Sklaven eurer eigenen Leidenschaften in allen den großen Räumen Meiner Schöpfung herumirren müßt. - Wohl würdet ihr dort alles finden, was euch einst belustigte und Freude machte, aber bei all diesem flüchtigen Genusse müßtet ihr doch den größeren, weit wichtigeren Genuß, den Meiner Liebe, Meiner Gnade und Meines Wohnorts missen. Denn wisset: Wenn nicht euer Herz Mein Wohnort ist und ihr nicht überall, wohin ihr euch wenden möget, Mich stets im Herzen tragt, so bin Ich für euch nirgends zu finden, selbst in dem großen geistigen Jerusalem nicht, welches ja nichts anderes vorstellt als das geistige Liebesprinzip, welches alles geschaffen hat, erhält und stufenweise vorwärts zu höheren Genüssen führt.

  

17] Dies beachtet! Seht mit geistigen Augen eure Zeit, ihre Ereignisse und Tendenzen an und ihr werdet leicht begreifen, daß die Zeit nahe ist, in der Ich, der Herr, auf einer Eselin reitend, Meinen Einzug in die geistige Welt, in die Seelen der Menschen halten will! Wohl dem, der vorbereitet ist; denn ihn überrascht Meine Ankunft nicht! Sie schreckt ihn nicht, sondern sie ist ihm das Fest des Einzugs in Jerusalem, wie es einst von Meinen Anhängern vor mehr als tausend Jahren gehalten wurde.

  

18] Bereitet euch also vor, Mir und Meiner Liebelehre den gehörigen Empfang zu bereiten und ihr das ,Hosianna` entgegenzurufen! Amen.

 

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gm.pred.019. Predigt: Mk.16,01-08 am Ostersonntage (Den 19. Febr. 1872)

   00] Die Auferstehung Jesu (Mk.16,01-08): Und da der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Spezerei, auf daß sie kämen und salbten ihn. Und sie kamen zum Grabe am ersten Tage der Woche sehr früh, da die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: "Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?" Und sie sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzt war denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: "Entsetzet euch nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth den Gekreuzigten; er ist auferstanden und ist nicht hier. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten! Gehet aber hin und sagt's seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat." Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen ankommen. Und sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

  

01] Der vorherige Evangelientext behandelte Meinen Einzug in Jerusalem und im Tempel; der obenerwähnte beschreibt Meine Grablegung und Auferstehung, sowie Meine Erscheinung bei verschiedenen Meiner Jünger und der Magdalena. Zwischen dem Einzug in Jerusalem und Meiner Grablegung liegt Meine gerichtliche Verurteilung, liegen Meine größten, als Mensch und Gott ausgestandenen Schmerzen, Meine größte Demütigung als Schöpfer und Herr der Welt und der Beweis Meiner größten Liebe, der nur Ich allein fähig sein kann, indem Ich ungeschaffener, ewiger Gott und Herr Mich dem allem unterzog, um Meinen geschaffenen Wesen und Geistern als Beispiel voranzugehen, damit sie alle sehen können, was dazu gehört, ein Kind Desjenigen zu sein, der Welten, Sonnensysteme und große Geisterreiche ins Leben rufen konnte und auch wieder aus demselben vertilgen könnte, wenn Sein mächtiger Wille nicht eben durch die allumfassende Liebe zur Erhaltung statt zur Vernichtung des Geschaffenen angeregt würde.

  

02] Die letzten Tage Meines irdischen Lebenswandels sollten allen Geistern den tatsächlichen Beweis liefern, daß jeder, der einen Gottesfunken in sich trägt, auch, weit über alle Begriffe geschaffener Wesen hinaus, noch größerer Aufopferungen und Verleugnungen fähig ist, und zwar nicht seines eigenen, sondern des Heiles anderer wegen.

  

03] In nichts ist das zweite Liebesgebot so ausgeprägt, so in seiner ganzen Fülle erfüllt worden wie in den letzten Tagen Meines Leidens von Mir selbst. Ich erniedrigte Mich als Mensch, alle menschlichen Leiden, die dem irdisch Geschaffenen die größten scheinen - Torturen, Tod und öffentliche Entehrung -, geduldig zu ertragen, und zwar als Mensch für alle anderen Menschen, sie als meine Brüder betrachtend, welche, obwohl feindlich gesinnt und Meine großen Wohltaten mit Undank und Rache lohnend, Mich doch im letzten Atemzuge noch betend und Verzeihung für sie erflehend am Kreuze sterben sahen.

  

04] Was kann die Nächstenliebe mehr tun, als was Ich in jenen Momenten getan habe? - Weil Ich es tat, erhob Ich dieses Gebot der Nächstenliebe, das auch als soziales für das Zusammenleben gilt durch den Satz: "Was du nicht willst, das man dir tu, das tue auch anderen nicht!", zu einem göttlichen, unzertrennlich verbunden mit dem ersten, nämlich: den Schöpfer über alles zu lieben.

  

05] Mein Scheiden von der kleinen Erde, welche Ich unter Millionen und Millionen von Erdkörpern und Sonnen zum Schauplatz Meiner größten, nur Mir möglichen Tat, auserkoren hatte, dieses Scheiden besiegelte mit dem letzten Atemzuge die Göttlichkeit der beiden von Mir aufgestellten Liebesgebote. Ich als Mensch übte beide in ihrer größtmöglichen Erfüllung und hinterließ so der Menschheit das Ideal eines Erdeninenschen, wie er sein soll. Ich zeigte als Geist Meinen höheren Wesen und Engeln, was sie zu vollbringen imstande sein und nach was sie streben sollen, wenn der Moment der Prüfung auch an sie herantritt.

  

06] Auf der Erde war der Schlußstein zur Gewißheit Meiner Göttlichkeit die Auferstehung von den Toten; denn ohne sie wären Meine Lehre, Meine Taten, überhaupt Mein Lebenswandel bald vergessen worden. Meine Jünger hätten sich zerstreut, wären für sich Mir vielleicht noch angehangen, aber für ihre Mitmenschen nicht mehr fruchtbringend gewesen.

  

07] Meine Jünger glaubten wohl an Meine Göttlichkeit unter dem Einfluß Meiner Gegenwart. Meine persönliche Erscheinung, Meine Worte und Meine Taten waren zu gewichtig, als daß sie nicht auf Meine Umgebung gewirkt hätten; jedoch, einmal Meiner Person entledigt und frei von diesem moralischen Druck, hätte die Welt nach und nach ihre Rechte wieder auf sie geltend gemacht und den von Mir gemachten Eindruck während Meines Lebenswandels stets mehr geschwächt und endlich gar verwischt. Wenn von Meinem Lebenswandel nichts übriggeblieben wäre als die Erinnerung an Vergangenes - obgleich Wunderbares und Unbegreifliches -, mußte, sollte all Mein Wirken nicht umsonst gewesen sein, durch ein Entgegenhandeln allen bis jetzt gewohnten Gesetzen, die Auferstehung vom Tode Meine Göttlichkeit beweisen und dadurch den Glauben Meiner Jünger und Anhänger kräftigen, um sie dadurch erst zu ihrer ferneren Mission reif zu machen.

  

08] So war Meine Auferstehung der Schlußstein dieses nie zu vernichtenden Glaubens und Religionsgebäudes, welches bis jetzt allen Stürmen widerstand, und welches bald in seiner ganzen Reinheit und seinem Glanz auf Erden prangen und so der Vermittler zwischen zwei wichtigen Faktoren der Schöpfung sein wird, nämlich zwischen Materie und Geist oder zwischen dem Reich des Materiellen und dem Geisterreich.

  

09] Ja, so muß es geführt werden, und so muß es kommen, damit auf eurer Erde überall anerkannt wird, daß die Materie nur die Umkleidung des Geistigen ist, und daß die Materie oder das Weltliche nur des Geistigen wegen geschaffen wurde.

  

10] Alles Materielle muß vergeistigt werden, damit die Menschen sich Meinem Geistigen Reich nähern können, und damit die andern geschaffenen Wesen auf dem Erdball, der Vervollkommnung der Menschen nachstrebend, ebenfalls höher und höher steigen, bis der Erdball selbst, seiner Dichtigkeit entbunden, zur Auflösung keinen Gewaltschritt, sondern nur den des sanften Überganges nötig baben wird.

  

11] Um euch diesen Vergeistigungsprozeß klar durchschaubar und begreiflich zu machen, was Meine Auferstehung, sowie Meine Leidensgeschichte der letzten Tage Meines irdischen Lebenswandels bis zu Meinem Tode bedeuten, muß Ich euch daran erinnern - was Ich schon mehrmals wiedenholt habe -, daß alle Meine Taten und Worte, ja selbst die Weltereignisse während Meiner Lehrjahre, sich nach und nach bis zu Meiner künftigen, nahe bevorstehenden Wiederkunft wiederholen werden, und zwar in geistigen Entsprechungen und nicht tatsächlich an Meiner Person wie in jener Zeit.

  

12] Was Ich in jener Zeit als Menschensohn auszustehen hatte, das galt auch für das Fortschreiten Meiner Lehre, welche Mich jetzt auf eurer Erde geistig darstellt. Auch sie wurde verunreinigt, verspottet und schändlicher Unfug mit ihr getrieben; endlich hat man sie in euren Kirchen, als großen Grabgewölben, zu Grabe getragen und auf sie einen schweren Stein, den Stein des nichtigen Kultus, gewälzt. Dort sollte sie ewig ruhen und nur denen nützen, die weltlichen, aber nicht geistigen Nutzen daraus ziehen wollten.

  

13] So war der Gang der Weltgeschichte das genaue Abbild Meiner Lehrjahre. Allein, wie es in eurem Leben in geistiger Hinsicht drei wichtige Abschnitte gibt, nämlich das Kindesalter - entsprechend dem unbedingten Glauben -, das Jünglingsalter - entsprechend dem Urteilen über das Geglaubte - und das Mannesalter - entsprechend dem Unterscheiden von Schein und wirklichem Sein -, so folgte auch Meine Lehre all diesen Phasen, teils während Meines eigenen Unterrichts, teils später nach Meinem Hingang bis jetzt und weiterhin.

  

14] Auch Ich zwang im Anfang die Mich umgebende Welt teilweise durch Meine Wunder zum Glauben und erzog die Menschen dann wie die Kinder. Und wenn sie Mich dann anfingen zu verstehen, so fanden sie bei ihrer Beurteilung die rechte Wahrheit des früher nur Geglaubten, d.h. kamen ins Jünglingsalter. Und als ihr Glaube und Wissen auf diese Weise gefestet war, wurden sie reif, traten mit aller Überzeugung für Meine Lehre, für Mich ein und bestätigten mit Wort und Tat, was ihnen als das Heiligste und Höchste erschien.

  

15] Die Geschichte Meiner Religion, ihre spätere Verbreitung, lehrt euch die gleichen Übergänge, nur mit dem Unterschied: Als Ich selbst lehrte, war kein Grund des Ausscheidens, des Protestierens vorhanden; aber als Menschen, von menschlichen Leidenschaften angetrieben und von weltlichen Ansichten und Interessen geleitet, es Mir nachmachen wollten, verkehrten sie das Göttliche in Weltliches, gaben den Menschen die Rinde statt den Kern des geistigen Lebens, was zur Folge hatte, daß - nachdem das Menschengeschlecht herangereift war und selbst urteilen konnte - von den meisten das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde.

 

16] So kamen die Extreme von Alles-Gläubigen und Nichts-Gläubigen zum Vorschein. Jetzt, wo dieses geistige Sich-Regen stärker wird, wo der Leichnam im Grabe, mit Stein bedeckt und versiegelt, sich zur Auferstehung vorbereitet, jetzt wollen sie noch anfangen, wie einst Magdalena, mit irdischen Spezereien und Wahlgerüchen den Leichnam vor der Verwesung zu bewahren. Wie aber die Magdalena sich damals täuschte, weil sie das Grab leer fand, so werden auch jetzt die Hüter der geistigen Grabstätte Meiner Lehre enttäuscht sein. Sie werden das Grab leer und nur die Leichentücher finden, in welche sie den Leichnam meiner Lehre eingehüllt hatten; doch Der, den sie dort unter Schloß und Riegel verwahrt glaubten, wird auferstanden sein, wird Seine Anhänger und Jünger selbst aufsuchen und ihnen durch Seine Gegenwart wieder neuen Mut und Eifer einflößen.

  

17] Je mehr diese Zeit herannaht, desto größer ist der Eifer, den Leichnam ja wohl zu verwahren und zu bewachen. Wie einst römische Soldaten als Nichtgläubige Mein Grab bewachten, so möchte man auch jetzt, daß bewaffnete fremde Macht die Schänder und Richter Meiner Liebeslehre unterstütze. Allein es ist umsonst. Schon bricht der erste Strahl hervor und trifft den Steindeckel des Grabes. Und wie jeder Stein beim ersten Strahl der Morgensonne zu vibrieren anfängt und dieses Zittern und Vibrieren fortgeht, bis dadurch der Stein erwärmt wird und dann diese Wärme seiner Unterlage mitteilt, so vibriert auch schon dieser Sargdeckel. Sein Zittern und Bewegen wird sich vermehren, je mehr ihn die Reaktion zur ewigen Ruhe verdammen möchte. Der Strahl der geistigen Liebessonne wird den Stein wegwälzen, die geistig eingeschlafenen Mächte verscheuchen und ihnen und ihren Mithelfern nur die Leichentücher überlassend, den "Leichnam neu beleben und ihn zu seiner weiteren Vervollkommnung auf der Bahn des Lichts weiterführen.

  

18] Im Grabe herrscht Finsternis. Der Lichtgott der göttlichen Wahrheit will jedoch nur Licht; Licht aber verbreitet Wärme und Wärme Leben.

  

19] So wird auch der Leichnam meiner Lehre aus diesem Grabe, ,in das weltliche Selbstsucht und Herrschsucht ihn gelegt hatten, auferstehen, Licht, Wärme und Leben da vermehren, wo sie schon im Herzen glühen, und diese drei Elemente segensreich dort verbreiten, wo sie vielleicht gänzlich gemangelt haben.

  

20] Das ist das geistige Bild Meiner Auferstehung als Meine Liebelehre, welche Ich vor mehr als tausend Jahren wirklich vollführte, und die jetzt bald auf dem ganzen Erdenrund vor sich gehen wird. Wie Ich dort auferstand und Meine Jünger und Anhänger sich der Auferstehung erfreuten, so wird auch diese Auferstehung von der ganzen Menschheit und von jedem einzelnen im eigenen Herzen gefeiert werden. So werde Ich auferstehen in den Herzen Meiner Gläubigen, wenn auch sie alle Leichentücher, in welche sie Mich eingehüllt hatten, weit von sich geworfen haben, alles Weltliche und Zeremonielle des Religionskultus weit hinter sich lassen, nur dem Geistigen Meiner Lehre Glauben schenken und das Geglaubte auch tatsächlich ausüben werden.

  

21] Diese Auferstehung in den Herzen wird die Wiedergeburt, wird der letzte Schritt zum Bruch mit der Welt und der erste Schritt oder Anfang eines geistigen Lebens werden, wo kein materielles Band mehr mächtig sein wird, den Menschen zu verführen oder ihn auf seinem Vergeistigungsweg aufzuhalten.

  

22] Daher wachet auf, Meine Kinder! Öffnet eure geistigen Augen, Ohren und Herzen! Der Jesus, in Form Seiner sanften Lehre von Duldung und Liebe, der dort am Kreuze nicht nur Seinen Nächsten noch liebte, sondern selbst für Seine Feinde bat, dieser Jesus soll in euch auferstehen! Und wie die Erde Seine Kirche, Sein Bethaus werden soll, wo Friede, Ruhe und Seligkeit wieder einkehren sollen, so soll auch euer Herz, paradiesisch geziert, nur Blumen der Liebe, der Gottes- und Nächstenliebe tragen.

  

23] Bereitet euch vor auf dieses Fest der Auferstehung in euren Herzen! Es ist das Fest der Vergeistigung, der Verklärung eures eigenen Ichs.

  

24] Wie Ich damals verklärt mit vergeistigtem Leib dem dunklen Grab entstieg, so sollt ihr ebenfalls verklärt, vergeistigt, gebessert, veredelt und Meiner würdig eurem Grab weltlicher Leidenschaften und Begierden entsteigen, Wenn euch bis jetzt Welt, Erziehung und soziale Verhältnisse vielleicht mit Leichentüchern umhüllt, mit Spezereien und Wohlgerüchen geziert hatten, um euren irdischen Menschen vor Verwesung zu hüten, so werft sie weg, alle diese unnützen Mittel; denn sie sind Werkzeuge der Materie und nicht des Geistes! Bedenkt, ihr seid nicht von dieser Welt! Ihr wart vorher Geist und werdet wieder Geist werden. Dort ist euer Heimatland, dort winkt euch Der, welcher, um euch das fühlen und begreifen zu lassen, für euch den leiblichen Tod gestorben, aber auch geistig wieder auferstanden ist, damit auch ihr Ihm nachfolgend, rein wandelnd wie Er und am Ende mit Triumph das Weltliche von euch werfend - geistig auferstehen und so Ihm im Kleinsten vergelten könnet, was Er im Größten an euch getan hat, indem ihr euch durch diese geistige Wiedergeburt zu Seinen Kindern erhöht. Bedenkt, was es heißt, ein Kind des Schöpfers und Herrn der Welt genannt und ein Bruder jener Geister zu werden, die schon längst, früher als ihr alle, diese Schule durchgemacht und siegreich bestanden haben und jetzt in ewiger Wonne und Seligkeit dieses immerwährende Auferstehen und Wiedergeborenwerden ihrer Brüder mit Freude betrachten und mit Bruderliebe teilen!

  

25] So nehmt die Auferstehung geistig, wie sie ist, und wie sie, als ewiges Denkmal und Beispiel für euch und Mein ganzes Geister und Seelenreich vollzogen, von euch aufgefaßt werden soll!

  

26] Ich in jener Zeit streifte das Menschliche von Mir ab, nachdem Ich die menschliche Natur überwunden und die göttliche wieder angezogen hatte. Tut auch ihr das gleiche, so wird der Tag eurer geistigen Auferstehung oder Wiedergeburt euch der wichtigste auf eurer Erdenbahn, der Schlußstein eurer irdischen und Grundstein eurer geistigen Mission sein! Amen.

 

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gm.pred.020. Predigt: Joh.20,19-31 am Sonntage Quasimodogeniti (Den 5. März 1872)

   00] Die Erscheinung Jesu bei den Jüngern (Joh.20,19-31): Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: "Friede sei mit euch!" Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: "Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." Und da er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: "Nehmet hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten." Thomas aber, der Zwölf einer, der da heißt Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: "Wir haben den Herrn gesehen." Er aber sprach zu ihnen: "Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht glauben!" Und über acht Tage waren abermals seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: "Friede sei mit euch!" Darnach spricht er zu Thomas: "Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!" Thomas antwortete und sprach zu ihm: "Mein Herr und mein Gott!" Spricht Jesus zu ihm: "Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!" Auch viel andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern. die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christus, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen.

  

01] Dieses Kapitel bestätigt Meine Auferstehung und zeigt euch ihre Wichtigkeit und Notwendigkeit als Bedingung, wenn Meine mit so großen Opfern erkaufte Lehre Dauer und Erfolg haben sollte; denn ihr seht Meine Jünger furchtsam, ohne Mut und Glauben, sich in die Wohnungen einsperren.

 

 02] War doch, als Ich Meinen Jüngern - wie der Magdalena am Grabe erschien, einer Meiner Jünger so ungläubig, daß er erst durch unmittelbare Berührung Meiner Wunden sich von Meiner Auferstehung überzeugen wollte.

  

03] Dieses alles, was in jenen Zeiten geschah, nebst den anderen Zeichen, welche Ich vor Meinen Jüngern bei verschlossenen Türen ausübte Zeichen, welche ihr später auch erfahren werdet -, dieses alles wird auch bei Meiner nächsten Darniederkunft sich nach und nach vor den Augen der Menschen abwickeln.

  

04] Je mehr die Gläubigen Meiner reinen Lehre, wie Ich sie euch jetzt gebe, sich vermehren werden, desto mehr werden sie auch alle Stadien der Begeisterung, des Zweifels, des Unglaubens und alle Erschütterungen des geistigen Lebens durchmachen müssen; denn die Verhältnisse werden oft gegen Mich zeugen. Die Menschen werden Meine Anhänger in ihrem Glauben irreführen, werden sie verfolgen, hassen und wo es möglich sein wird, sich an ihnen rächen.

  

05] Es wird auch in der Zeit so Ungläubige wie Thomas geben, die irregeführt, entmutigt, allen früheren Seelenfrieden und Glauben über Bord geworfen haben, und die erst durch Mein persönliches Erscheinen zu heilen sein werden.

  

06] Was in der Zeit Meines Erdenwandels die Behausungen mit den verschlossenen Türen waren, das werden künftig die Herzen der Menschen sein, welche verschlossen weder dem Weltlichen, noch dem Geistigen einen Eingang erlauben wollen. Dort werde Ich auch gezwungen sein, mit sanfter Einsprache in das Herz Meiner Anhänger den Ruf ergehen zu lassen: "Fürchtet euch nicht!" und: "Der Friede sei mit euch!", weil auch sie, ohne Halt und Stütze, auf dem Punkte stehen, alles zu verlieren und in ewigen Zweifeln unterzugehen.

  

07] Der ganz Ungläubigen, wie Thomas, wird es dann viele geben, die - selbst Meiner Stimme nicht mehr Gehör gebend - nur durch tatsächliche Beweise auf den früher betretenen Weg zurückgeführt werden können.

  

08] So müssen auch Meine Gläubigen und zukünftigen Kinder die letzte Feuerprobe des wahren Vertrauens bestehen; denn wenn sie, wie einst Meine Jünger, ausgesandt werden sollen, um anderen Vertrauen und Glauben einzuflößen, so müssen sie diese im höchsten Grad im voraus besitzen. Sagte Ich ja einst selbst: "An Meinen Worten und Taten sollt ihr Mich erkennen!" Ebenso müssen auch Meine Kinder und zukünftigen Jünger an ihren Taten und Worten zu erkennen sein, und durch sie den anderen den tatsächlichen Beweis liefern, daß Vertrauen und fester Glaube die erste Bedingung sind, Meiner würdig zu werden.

  

09] In jener Zeit sagte Ich zu Thomas, nachdem er seine Finger in Meine Wunden gelegt hatte: "Du glaubst nun; aber Ich sage dir: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!"

  

10] Auch ihr, Meine Kinder, denen Ich schon so viel geistiges Brot gegeben habe, auch ihr seid nicht um ein Haar besser, als Meine Jünger es einst waren. Auch ihr seid verzagt, kleinmütig, fangt an zu zweifeln, grübelt an Meinen Worten und wendet euch der Welt mit ihren verführerischen Reizen zu, wenn nicht alles gleich so geht, wie ihr es wünschet. Auch ihr verschließt euch, wie die Schnecke in ihr Haus, und wollt von der Innen und Außenwelt nichts wissen, wenn dem Anschein nach Widersprüche auftauchen, wo ihr gewisse Handlungen und Ereignisse mit Meiner allumfassenden Liebe nicht vereinbaren könnt. Euch muß Ich dann zurufen: "Was weint ihr? Spart eure Tränen auf andere Gelegenheiten! Der, welchen ihr von euch geschieden, entfernt glaubt, ist euch nahe, nur nicht körperlich, sondern geistig!" Auch der Magdalena mußte Ich zurufen: "Weib, rühre Mich nicht an; denn es war Mein vergeistigter Leib, welchen sie sah, der für menschlich körperliche Berührungen nicht tauglich war. Als Ich zu Meinen Jüngern in ihre verschlossenen Wohnungen kam, ließ Ich es zu, als fühlten sie Mich körperlich; aber im eigentlichen Sinne war Ich es nicht mehr. Denn als Meine Mission mit dem Kreuzestod beendigt war, hörte das Menschliche auf, Meine Umkleidung zu sein; es war schon vergeistigt, um nach wenigen Tagen sich mit dem Quell seines Gottwesens wieder zu verbinden.

  

11] Meinen Jüngern wirkte Ich, wie dieses Evangelium sagt, noch andere Zeichen, d.h. Ich öffnete ihnen ihr geistiges Auge und Ohr, damit sie, von Meiner Gottheit noch mehr überzeugt, den Mut erlangen sollten, allen künftigen Gefahren zu trotzen, welche die Umstände und ihr Lehrberuf mit sich bringen würden.

  

12] Solange Ich körperlich lebend unter ihnen wandelte, hatten sie noch keine feste Überzeugung, daß Ich ein gottähnliches Wesen wäre, und daß Ich Kräfte und Eigenschaften hätte, die dem gewöhnlichen Menschen nicht eigen sind. Sie sahen wohl Meine Wunder, lebten und glaubten aber auch nur unter dem drückenden Einfluß derselben. Kaum war Ich von ihnen genommen, kaum ließ dieser direkte Einfluß nach oder hörte ganz auf, waren schon der feste Glaube, Zuversicht und das Vertrauen hinweggewischt! Wäre Ich nicht auferstanden, hätte Ich nicht alle Meine früheren Versprechungen erfüllt, so wäre nicht ein Mondesumlauf verflossen, und Meine Jünger, zu ihren alten Beschäftigungen zurückkehrend, hätten das mit Mir Erlebte nur als einen Traum angesehen, von welchem ihnen nur eine Erinnerung übriggeblieben wäre, von dessen Wirklichkeit sie aber niemand hätten überzeugen können.

  

13] Und wie Ich damals Mein Werk mit Meiner Auferstehung, mit Meinem vierzigtägigen Wandel unter Meinen Jüngern bekräftigen und mit Meiner Himmelfahrt besiegeln mußte, ebenso muß Ich auch jetzt euch, Meine Kinder, leiten, stärken und im Glauben und Vertrauen festigen.

  

14] Wenn Ich in jenen Zeiten Meinen Jüngern den heiligen Geist einblies, wenn Ich ihnen die Macht gab, die Sünden zu lösen und zu binden - eine Gewalt, die bei der späteren Priesterschaft so falsch verstanden und mißbraucht wurde -, so geschah es deshalb, weil sie zur festen Überzeugung gekommen waren, daß es nur einen Gott gibt, der, über alles Materielle erhaben, ein Geist ist und nur als solcher erfaßt werden kann, und daß eben dieser Gott, Jesus, ihr Führer war. So konnte auch Meine Macht auf sie übertragen werden, so mußte sie wirken, da Meine Jünger sie zu hohen Zwecken anwendeten und nur Mein geistiges Ziel, die Menschen zu Meinen Kindern zu machen, als Endresultat anstrebten.

  

15] So wie Meine Jünger Wunder wirken und Kranke heilen konnten, bloß durch den Machtspruch des Worts, ebenso sollt auch ihr und alle Meine künftigen Anhänger gestärkt werden, im festen Vertrauen auf Meine Macht und Mitwirkung Taten zu verrichten, die dem gewöhnlichen Menschen unmöglich, dem geistig Wiedergeborenen aber ein leichtes sein werden. Die Zeiten und Verhältnisse werden euch dazu erziehen. Viele habe Ich dazu berufen, aber das ,Auserkoren-zu-diesem-Zweck` zu erreichen, liegt bei euch allein.

  

16] Verschließt euer Herz nicht Meiner Vaterstimme! Verzagt nicht, wenn auch die letzten Hoffnungsstrahlen schwinden! Ich bin und bleibe stets bei denen, die um jeden Preis bei Mir bleiben wollen. Wartet nicht auf Mein persönliches Erscheinen wie Thomas, sondern bereitet euch vor, fest zu glauben und fest zu vertrauen, damit Mein Erscheinen nur eine Bestätigung und Bekräftigung des schon früher Geglaubten und Gehofften ist! Ihr werdet dann tüchtig sein, Mir, euch selbst und euren Nächsten in dem Sinne zu nützen, wie Ich selbst einst Meinen Jüngern während Meines Wandels unter ihnen nützte.

  

17] Laßt euer Herz nicht von Zweifeln bestürmen, nicht mit Grübeleien euer Vertrauen schwächen! Meine Kinder sollen ihr Herz nicht verschlossen halten; sie sollen, erhaben über alles Weltliche den Blick nach oben richtend, stets Meines Opfers eingedenk sein, Meiner Liebe und Meiner väterlichen Fürsorge für sie und alle lebenden Kreaturen, damit ihr Herz, ein steter Tempel Meiner Liebe und des unerschütterlichen Glaubens an Meine Unfehlbarkeit, ihnen eine echte Stütze in allen Mißhelligkeiten des Lebens und ein fester Hort gegen alle Anfechtungen von Zweifeln und Unglauben sei. Dann werdet ihr stets den Ruf in euch ertönen hören: "Der Friede sei mit euch!" Denn wo im Hinblick auf Mich und Meine Liebe der Friede schon im Herzen thront, brauche Ich ihn nicht erst zu bringen, sondern kann ihn nur bestätigen!

  

18] So rufe Ich euch zu: Der Friede sei mit euch und weiche nie aus euren Herzen, damit Ich stets dort Eingang, und zwar freien Eingang, finde und nicht bei verschlossenen Türen durch die Gewalt Meines Willens eindringen muß, sondern ungehindert euer Gemüt bereit finde, Mich als Den anzuerkennen, welcher auch Seinen Jüngern in jener Zeit nichts anderes war als ihr Führer, Leiter und Vater! Amen.

 

 

 

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gm.pred.021. Predigt: Joh.10,01-16 am Sonntag Misericordias Domini (09.03.1872)

   00] Jesus als guter Hirte (Joh.10,01-16): "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Der aber zur Tür hineingeht, der ist ein Hirte der Schafe. Dem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie aus. Und wenn er seine Schafe hat ausgelassen, geht er vor ihnen hin, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm denn sie kennen der Fremden Stimme nicht." Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was es war, das er zu ihnen sagte. Da sprach Jesus wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Mörder; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorchet. Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden und wird ein und ausgehen und Weide finden. Ein Dieb kommt nicht, denn daß er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht, und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle; und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören und wird eine Herde und ein Hirte werden."

  

01] Dieses Kapitel handelt von dem wahren Führer zum Lichte der Wahrheit und von den falschen Führern, die vorgeben, nur durch sie ginge der Weg zum Licht, während sie selbst die ausgeprägteste Finsternis sind. Denn was dort ,Diebe und Mörder` bezeichnet, ist in geistiger Bedeutung das Streben, der Seele des Menschen das ihr gehörige Geistige entweder zu entwenden oder gar zu vernichten.

  

02] Was im Evangelium besagt ist mit der ,Tür`, die nur Ich allein sei, bedeutet den einzigen, rechtmäßigen Weg zur wahren Erkenntnis und will soviel heißen wie: Nur jene Menschen, welche durch die Welt und ihr Treiben den geistigen Instinkt nicht verloren haben, oder welche sich ihn nicht haben nehmen lassen oder, wenn er ihnen einst genommen wurde, ihn wiederfanden, - nur jene Menschen wissen Meine Stimme und Meine Lehre von der falschen Propheten Stimme und von der unrechten Lehre zu unterscheiden, und nur jene werden Meinem Ruf folgen, weil sie Meine Stimme erkennen und sie von den anderen verführerischen zu unterscheiden wissen.

  

03] Gerade jetzt seid ihr in dieser geistigen Bewegung, wo - bildlich gesagt - in Mein Wohnhaus Diebe und Mörder zu allen Fenstern und möglichen Öffnungen einsteigen, um sich des Schatzes zu bemächtigen, welcher in ihm verborgen ist. Gerade jetzt seht ihr in den aufgeregten Gemütern die religiöse Bewegung, wie sie die Herzen ergreift, erweckt, sie hin und herzieht, und wie es vor lauter Anpreisungen schwer zu erkennen ist, wo eigentlich die wahre Tür und der wahre Hirte ist. Denn je mehr der Instinkt die gläubigen Herzen zu Mir führt, desto mehr wehren sich die andern, welche nur allein ihren Vorteil im Auge haben, damit nicht Ich, sondern sie den Sieg davontragen möchten.

  

04] Dieses Drängen, Verleumden und Hassen wird sich stets steigern. Je mehr Mein Einfluß wächst, desto mehr steigert sich der Widerstand. Meine Kinder werden dadurch auf die härtesten Proben gestellt, in denen ihr Ausharren geprüft und ihr Glaube und Vertrauen am meisten angegriffen werden. Meine Lehre ist nur eine, und das ist die Liebe, während die Lehren der anderen vielseitig sind und gerade statt Liebe - Haß, statt Demut - Stolz, statt Duldung - Unduldsamkeit gepredigt wird, die jene Führer selbst ausüben. Und so wird es sich wiederholen, was ihr im 8. Kapitel des Gr. Ev. Johannes lesen könnt, daß die Juden Mich verfolgten, Mich steinigen, d.h. töten wollten. Auch jetzt wird Ähnliches geschehen. Es werden Steine auf Mich und Meine Lehre geschleudert werden, die falschen Ausleger Meiner Lehre werden Meine Lehre dem Satan zuschreiben und die ihrige als direkt vom Himmel herkommend ausposaunen. Es werden sich die Gemüter erhitzen statt erwärmen. Man wird die Ideen aus den Köpfen in die Fäuste treiben, und da, wo Friede und Liebe gepredigt werden sollte, wird der Fanatismus seine blutige Fackel schwingen und Opfer über Opfer seiner für recht gehaltenen Lehre bringen.

  

05] So muß sich Mein Wort aus jenen Zeiten erfüllen, wo Ich sagte: "Ich bringe euch nicht den Frieden, sondern das Schwert!" Wie in der ganzen Schöpfung durch Reibung Licht und Wärme entstehen und durch diese beiden Faktoren das Weltall besteht und erhalten wird, so muß auch geistige Reibung den Läuterungsprozeß vollführen, damit Licht der Wahrheit und Wärme der Liebe sich entwickeln.

 

 06] Gerade das Streben der ,Diebe und Mörder` wird den Sieg Meiner Lehre und Meine Zwecke beschleunigen. Durch ihr zu leidenschaftliches Auftreten regen sie die Gemüter zum Nachdenken, zum Vergleichen an. Und wem gleich anfangs viele dem Ruf folgten, so werden sie auf die ihnen als falsch hingestellte Lehre aufmerksam gemacht, werden ihr mehr Aufmerksamkeit schenken, als sie ohne diesen Gegendruck getan hätten. Sie werden dann an dieser verpönten Lehre das nicht finden, was ihnen vorgemalt wurde, daß es darin enthalten sei, und das Endresultat wird sein, daß viele von ihnen den rechten Führer und die rechte Türe finden werden, nur deswegen, weil jene Führer und Leiter sie von dem Suchen abbringen wollten. So werden gerade die Bemühungen Meiner Gegner Mir am besten in die Hand arbeiten und am Ende das erreichen, was sie verhindern wollten, die Vereinigung Meiner Kinder mit Mir, die Vereinigung Meiner Schafe mit ihrem einzigen Hirten. Sie werden sich wie Mietlinge bei großen Gefahren zurückziehen, während Ich Meinen wahren Kindern allen Schutz angedeihen lassen werde, an welchem Schutz auch Meine Nachfolger den eigentlichen Herrn, den wahren Hirten und den mächtigen Beschützer der Seinen erkennen werden.

  

07] So wird es kommen. Und eben deswegen erschreckt und verzweifelt nicht, wenn gerade da, wo ihr im Glauben und Vertrauen Mir sehr nahe zu sein glaubt, und wo ihr glaubt, es werde eure Zahl sich mehren, eure größten Widersacher die stärksten und mächtigsten Hindernisse auftürmen werden, um diese Gefahr für sich selbst abzuwenden!

  

08] Beeifert euch aber auch nicht in dem Suchen von Gleichgesinnten oder im Bekehrenwollen! Es ist nicht so leicht, wie ihr es oft glaubt, andere auf den Weg der reinen Liebelehre zu führen. Meine Lehre fordert Entsagung von dem, was dem Menschen in der Welt am angenehmsten scheint, Meine Lehre ist ja nicht von und nicht für diese, sondern für Meine große Geisterwelt.

  

09] Um also alles seit langer Zeit Angewöhnte, Geglaubte und Bequeme fahrenzulassen und den stets stärker wachsenden Streit mit sich und der Welt zu beginnen, dazu gehört eine große Liebe, eine große Aufopferungsfähigkeit. Schon in Meiner Lehrzeit habt ihr ein Beispiel gesehen, als Ich einem, der Mir nachfolgen wollte, die Aufopferung aller Güter, die er hatte, anriet, und er traurig von hinnen ging. So wird es euch oft begegnen, sobald ihr einen vermeintlichen Anhänger an eure als wahr und einzig geglaubte Lehre zur Tat anspornen wollt, er sich von euch entfernen und vielleicht sogar statt Freund euer größter Gegner werden wird.

  

10] Seht, das ist die Folge, wenn Menschen noch unreif zur Auffassung Meiner Lehre sind! Daher wartet, bis die Hungrigen selbst zu euch kommen! Denen gebt Brot, aber auch das nur nach Maßgabe ihres Verständnisses, weil es sonst - wie jede materielle Nahrung - nicht verdaut wird und statt zu nützen, nur schaden muß!

  

11] Meine Stimme zu hören und Meiner Lehre zu folgen, ist anderen nicht so leicht beizubringen. Selbst ihr, die ihr schon so lange von Mir geführt und genährt werdet, wie schwach, wie kurzsichtig benehmt ihr euch manchmal, als hättet ihr nie ein Wort von Mir direkt bekommen! Wie oft wollt ihr in eurem törichten Wahne das Weltliche mit dem Geistigen verbinden, weil das Befolgen des letzteren allein euch zu viel Mühe kostet oder zu viel Entsagung von euch fordert! Wenn ihr so verfahrt, was wollt ihr von andern erwarten, die, kaum an der Tür angelangt, noch nicht den Mut haben, vorwärts zu gehen, die Schwelle zu überschreiten und alles zurückzulassen, was ihnen früher so wichtig schien!? Daher seid vorsichtig bei der Wahl eurer Freunde!

  

12] Bekümmert euch nicht um die Widersacher! Je mehr die Zeit fortschreitet und Meine Schafe sich mehren werden, desto weniger kann diese Meine Lehre unbekannt bleiben, desto größer wird aber auch der Widerstand gegen sie und ihre Anhänger werden. Der Kampf muß entglimmen! Nur den Beharrlichen ist der Sieg beschieden, und diese werden Meine Kinder sein, weil sie Meiner Stimme und Meiner Lehre nicht nur glauben, sondern weil sie auch wissen, daß diese allein zum Ziel führt und nur Ich die Tür und der einzige Weg bin, um in das unendliche Reich des Geistes zu gelangen und dort nicht mit Leiden, sondern mit Seligkeiten für die ausgestandenen Kämpfe belohnt zu werden.

  

13] So entwickelt sich der Lebensprozeß. Es muß das Geistige von der Materie befreit, das Seelische des Menschen vom Weltlichen getrennt werden und sowohl des Menschen eigentliche, geistige Bestimmung erreicht, als auch Mein einstiges Erdenwandeln mit seinen Leiden und Kämpfen seine Erfüllung finden.

  

14] Es soll die Welt nur einen Hirten mit seinen Schafen beherbergen; zwei Herren kann man nicht dienen. Wer der Materie huldigt, muß zur Materie herabsinken; wer aber dem Geistigen zustrebt, wird das Schwere lassen. Die Materie ist zu dicht, sie läßt kein Licht hindurch. Nur Geistiges ist fähig zur Aufnahme Meines Liebelichtes aus den Himmeln, und nur dieses Licht entwickelt Lebenswärme, entwickelt den in die menschliche Seele gelegten göttlichen Funken und führt ihn zu seinem Urquell, zu Mir zurück.

  

15] Das sollte der Zweck Meiner Lehre, Meiner Darniederkunft in früheren Zeiten und Meines Wiederkommens in baldiger Zukunft sein.

  

16] Je näher Meine Wiederkunft heranrückt, desto mehr werden Licht, und Finsternis sich bekämpfen. Allein, wie an jedem Morgen die aufgehende Sonne die finstere Nacht besiegt, wird auch Mein aufgehendes Liebelicht die Diebe und Mörder verscheuchen, welche nicht bei Tag, sondern nur nächtlicherweise ihr Handwerk treiben. Diese werden weichen müssen, sich bekehren oder in ewige Finsternis zurücksinken, bis in ihrem Gemüte selbst, und zwar im freien Streben, das Dämmerlicht nach und nach anbricht.

  

17] Die Welt wird sich, wie schon früher, Meinen Plänen, Meinen Absichten widersetzen wollen; aber gerade ihr Widerstand wird Meinen Endzweck beschleunigen, und am Ende werden doch Meine Kinder und Ich das Feld behaupten.

  

18] Beharrung führt zum Ziel! Und der Name ,Mein Kind` muß mit Entsagungen und Aufopferungen errungen werden; denn der Preis ist des Kampfes wert. Daher seid alle bereit, nicht von Mir zu lassen! Laßt die Welt und die Menschen gehen, bekümmert euch nicht um die Ereignisse und die politischen Verwicklungen! Bedenkt, es sind Millionen von Menschen, welche zu der rechten Türe des Lichts geführt werden sollen, und um das zu erreichen, müssen auch ebensoviel verschiedene Ereignisse und Umstände einwirken, die auf verschiedenen Graden der Intelligenz stehenden Individuen zu einem gemeinsamen Ziel zu führen, - eine Arbeit, von der ihr keinen Begriff haben könnt, und die nur Gott angemessen ist, welcher auch da, wie überall, durch das Kleinste die größten Wirkungen zu erreichen imstande ist.

  

19] Soviel zum besseren Verständnisse dieses Evangeliums des Johannes, damit ihr in dieser Zeit Meine einstige Lehrzeit erst recht begreifen lernt und erkennt, wie schon vor mehr als tausend Jahren die ganze spätere Entwicklungsgeschichte der Menschheit in Meinen Lebens und Wandeljahren auf eurer finsteren Erde vorausgezeichnet und -bestimmt war.

  

20] Deswegen blieb auch die Bibel erhalten, damit sie euch den größten und stärksten Beweis geben soll, wie dort schon alles aufgezeichnet ward, was in späteren Zeiträumen sich stufenweise entwickeln mußte, was aber nur dem Wiedergeborenen, dem mit geistigen Augen Sehenden, deutlich wie in einem Zukunftsspiegel vorleuchtet.

  

21] So möget ihr getrost den Blick zu Mir richten und eingedenk sein des Spruches: "Wer Mich nicht verläßt, den verlasse auch Ich nicht!"

  

22] Bleibet bei Mir, und ihr werdet stets mehr und mehr die Stimme des Hirten vernehmen und infolgedessen auch stets mehr und mehr durch Wort und Beispiel beitragen können, anderen Blinden diesen einzigen Weg des Heils zu zeigen, damit am Ende nur ein Hirt und eine Herde sei! Amen.

 

 

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gm.pred.022. Predigt: Joh.16,16-23 am Sonntag Jubilate (10.03.1872)

   00] Vorbereitung auf Jesu Heimgang (Joh.16,16-23): "Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater." Da sprachen etliche unter seinen Jüngern untereinander: Was ist das, was er sagt zu uns: ,Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen`! und: ,Ich gehe zum Vater`? Da sprachen sie: "Was ist das, was er sagt: Über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet." Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr untereinander, daß ich gesagt habe: Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit; denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an dem Tage werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch geben."

  

01] In diesem Kapitel, sowie in dem vorhergehenden, habe Ich Meinen Jüngern schon den Vorgeschmack gegeben, wie es um sie stehen wird, wenn Ich sie verlassen muß und sie nicht mehr unter Meinem sichtbaren Einfluß und Meiner Leitung stehen werden.

  

02] Im 15. Kapitel Johannes verglich Ich Mich mit dem Weinstock und Meine Jünger mit den Reben, welche nur so lange Früchte tragen können, als sie am Stocke haften.

  

03] Ich zeigte ihnen in diesem Beispiel das Schicksal derjenigen, welche von Mir abfallen werden, sagte ihnen, daß nur diejenigen Sünder sind, welche wissen, was sie tun und glauben sollen, und doch dagegenhandeln, während die Unwissenden nicht strafbar sind. Ich stellte ihnen im Gleichnis vor, daß der, welcher an Mich glaubt, nicht ein Knecht Meines Gesetzes, sondern ein freiwilliger Ausüber desselben, also nicht willenlos Mir untertan sein, sondern wie ein Freund den Ratschlägen des Freundes folgen soll. Ich sagte ihnen, daß sie, wenn sie Mir und Meiner Lehre folgen wollen, mit der Welt in Konflikt geraten werden, und daß die Welt, während Ich sie Lieben werde, sie mit Haß überhäufen wird. Ich gab ihnen aber nebenbei die Hoffnung, daß sie, wenn Mein Geist sie überschatten wird, Ersatz genug haben werden durch geistige Genüsse, wenn die weltlichen sich nach und nach vor ihnen verschließen.

  

04] Alles dies mußte Ich Meinen Jüngern im voraus sagen; denn sie hatten ja noch gar keinen Begriff, was und wie ihre Mission eigentlich sein werde. Sie lebten noch zu sehr unter dem Einfluß Meiner Persönlichkeit, hatten, obgleich sie jeden Augenblick bekannten: "Wir wissen, daß Du von Gott gesandt bist!", doch keine rechte Idee von Meiner Sendung, weder von der Wichtigkeit Meines Kommens, noch eine entfernte Ahnung von der Art und Bedeutung Meines Heimganges; denn sie waren Menschen und dachten menschlich. Deswegen war Ich auch gezwungen, ihnen öfters von Meinem Heimgange zu sprechen, und auch eben dieses Kapitel Meines Lieblings Johannes spricht davon, als Ich Meine Jünger wieder auf die Ereignisse vorbereiten mußte, welche in kurzer Zeit stattfanden.

  

05] Ich sprach zu ihnen von Meinem Heimgang, von Meinem Scheiden, erklärte ihnen dessen Notwendigkeit; doch es war eben so, wie es in diesem Kapitel steht: "Ich hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr könntet es noch nicht ertragen oder verstehen!" So waren Meine Worte für Meine Jünger rätselhaft, weshalb sie auch den angeführten Spruch nicht fassen konnten, indem es hieß: "Und über ein kleines werdet ihr Mich nicht sehen, und aber über ein kleines werdet ihr Mich sehen; denn Ich gehe zum Vater."

  

06] Wie wäre es möglich gewesen, daß Meine Jünger dem Glauben Raum gegeben hätten, Ich könnte gefangen oder gar getötet wenden, wo sie Mich doch Gefahren aller Art so oft ausweichen und sie vereiteln sahen!? Wie konnte es ihnen in den Sinn kommen, daß ein von Gott Gesandter getötet werden könne!? Alles, was Ich von Meiner Erhöhung, von Meinem Hingang, von Meiner Wiederkunft sprach, war ihnen nicht faßbar, bis die harte Wirklichkeit sie nur zu sehr überzeugte, wie wahr Meine Worte gewesen waren. Erst nach diesen Ereignissen verstanden sie, was ihre Mission, was Ich und was die Welt war.

  

07] Was Ich in jenen Zeiten Meinen Jüngern vielmals vom Reiche Gottes, von der Wichtigkeit Meiner Lehre und deren Befolgung vorpredigte, was Ich ihnen durch Beispiele erklärte, wie es demjenigen ergehe, der sich von Mir und Meiner Lehre entfernt, all dies predige Ich schon Jahrhunderte in allen Sprachen und durch tausend verschiedenartige Ereignisse der Welt. Allen rufe Ich zu: "Verlasset Mich nicht; denn ohne Mich ist kein Trost und kein Heil in der Welt!" Und wie Ich Meinen Jüngern Mein Scheiden voraussagte, ihnen jedoch die Hoffnung nicht benahm, nach kurzer Zeit Mich wiederzusehen, ebenso rufe Ich es euch und jedem Gläubigen zu: "Verlaß den betretenen Weg nicht! Denn weg von Mir ist Finsternis, und selig wirst du sein, wenn du, nach kurzem Umherirren, nach einer kleinen Pause Mich wieder zu Gesicht bekommst!" Wehe aber denen, die ihr Gesicht gänzlich von Mir abwenden! Sie gehen den Weg der Finsternis, der groben Materie, wo lange Läuterungsprozesse dazu gehören, das Verlorene wiederzugewinnen und das mit Füßen Getretene auszubessern.

  

08] Meinen Jüngern teilte Ich mit, daß es in dem Plan Meines Erdenwandels liege, wenn Ich sie verlasse. Ich sagte ihnen vorher, daß Ich sie im Anfang nur auf ein kleines verlassen werde, damit sie sich daran gewöhnen sollten, Meine Persönlichkeit auf längere Zeit zu entbehren; aber Ich versprach ihnen als Ersatz für den herben Verlust Meiner Sichtbarkeit den Tröster oder den Geist Gottes.

  

09] Wenn Ich dem Menschen in manchen Stunden ebenfalls zurufe: "Verlaß Mich nicht!", so ist dies auch so gemeint, wie einst bei Meinen Jüngern das Wort: "Verzaget nicht, wenn über ein kleines ihr Mich nicht sehet!" Es will so viel sagen: "Mein Kind, verzweiwfle nicht in Meiner Abwesenheit, wenn Momente eintreten, in denen die Welt und deren Ereignisse auf dich einstürmen und du Meine Hand nicht mehr fühlst und Meine Stimme nicht mehr hörst! Wenn die Welt dich für deine Ergebung mit Hohn, Haß und Verfolgung lohnt, harre aus! Über ein kleines wirst du Mich wieder sehen, wieder fühlen, wieder hören, wieder sehen in der Sprache der Natur, wieder fühlen in der Lenkung der Ereignisse und wieder hören in der sanften Stimme des wiedererlangten Friedens in deinem Herzen!"

  

10] Wie Ich Meinen Jüngern voraussagte, daß sie bittere Stunden des Schmerzes würden durchmachen müssen, so geht es auch jedem Gläubigen, der mehr an Mir als an der Welt hängt; jedoch Meine Wiedereinkehr in das hartgeprüfte Herz des Menschen, seine nach langen Kämpfen erlangte feste Überzeugung, daß die Sonne, wenn auch Wolken sie verfinstern, doch am Ende siegen und glorreich, überall Wohltaten verbreitend, wieder hervortreten wird, - dies alles wird die bitteren, ausgestandenen Schmerzen vergessen machen und den Glauben an Mich und das Vertrauen zu Mir festigen.

  

11] Die Mission Meiner Jünger nach Meinem Hingange war zu ernst, als daß sie nicht auch im Ertragen des Herbsten geschult werden sollten. Sie mußten sich an Meine Abwesenheit vorerst gewöhnen, um dann als selbsthandelnd auftreten zu können.

  

12] Was Meinen Jüngern als Schule vorgezeichnet war, ist auch jetzt der Weg eines jeden, der Meinen und Meiner Jünger Fußstapfen folgen will.

  

13] Den Jüngern sagte Ich: "Die Welt wird euch hassen und verfolgen, weil ihr nicht von ihr seid!" Und Meinen jetzigen Kindern muß Ich das gleiche zurufen; denn je mehr sie Mich lieben, je mehr sie Mir folgen, desto mehr kommen sie in Widerspruch mit der Welt, mit der Mehrzahl der Menschen, bis Ich durch Ereignisse auch diese zubereiten werde, daß sie für etwas Besseres empfänglich werden.

  

14] Diese Folgen sind erstens natürlich und zweitens notwendig; denn ein Kind des Schöpfers der ganzen sicht und unsichtbaren Natur werden zu wollen, erlangt man nicht so leicht. Wenn ein Kind in geistiger Hinsicht fortschreitet, so muß es mit der Welt und den gewöhnlichen Alltagsmenschen stets mehr in Zwiespalt kommen. Der Haß der Welt wächst mit der Liebe zu Mir. Daher nicht verzagt, wenn über ein kleines ihr Mich nicht sehet; über ein kleines werdet ihr Mich wiedersehen!

  

15] Ich muß euch manchmal euren Kräften allein überlassen; :ihr müßt erproben, ob ihr auch wirklich fähig seid, das öffentlich und ohne Scheu zu bekennen, was euch bei mancher Vorlesung Meiner Worte so sehr begeistert. Es muß die Frage an euch herantreten, inwieweit ihr euch vor der Welt fürchtet.

  

16] Glaubt ja nicht, daß ihr einen so großen Heldenmut habt, wie euch oft scheint! Seht Meinen Apostel Petrus an! Im Garten von Gethsemane verteidigte er Mich mit dem Schwert, und kurze Zeit danach verleugnete er Mich. Wenn also ein Petrus fehlen kann, so könnt ihr euch denken, wie es im Moment der Entscheidung mit eurem Mute aussehen wind. Daher müssen öfters solche Umstände kommen, die euch stärken und im Glauben an Mich befestigen sollen. Verleugnete Mich der, welcher Mich persönlich kannte, was soll man von euch erwarten, die ihr Mich nie gesehen habt, sondern Mich nur aus der sanften Stimme eures Herzens kennt?

  

17] Daher muß Ich euch öfters verlassen, muß euch allein lassen, muß euch mit den Umständen und der Welt ringen lassen, damit ihr ermessen könnt, was ihr errungen habt, und was euch noch fehlt.

  

18] Gedenket stets der Worte: "Der Wille ist stark; aber das Fleisch ist schwach!" Sie sind gewichtig und bezeichnen ganz die menschliche Natur. In dem Moment der Begeisterung glaubt ihr einen Elefanten auf die Schultern laden zu können, und im Augenblick des wirklichen Ausübens ist euch eine Fliege oft schon lästig.

  

19] Daher forschet auch ihr emsig in eurem Herzen nach, wieviel der Liebe, wieviel des Vertrauens ihr besitzet, damit, wenn ihr manchmal scheinbar Meine Abwesenheit fühlt, ihr nicht verzagt, sondern getrost dem Wiederkommen eures Führers und Vaters entgegenharrt!

  

20] Habt ihr eure eigenen Schwächen erkannt, wißt ihr, wieviel Liebe dazu gehört, um praktisch auszuüben, was euch im Gefühlsleben oft so leicht vorkommt, dann erst kennt ihr ,den Weg ganz, der zu Mir führt; dann wißt ihr auch, wie einst Meine Jünger - durch Meine Abwesenheit geschult -, wieviel dazu gehört, die Mission als Mensch und als Mein Kind im strengsten Sinne des Wortes zu erfüllen.

  

21] Dies sage Ich euch allen zur Warnung, daß ihr euch nicht in träumerischer Verwegenheit fähig glaubt, Lasten zu tragen, denen ihr nicht gewachsen seid, und zum Trost, damit ihr in herben Umständen und Venhältnissen, bei scheinbarer Abwesenheit eures himmlischen Vaters, euch dessen erinnern mögt, was Er einst zu Seinen Jüngern sagte: "Über ein kleines, so wendet ihr Mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so werdet ihr Mich wieder sehen!" Amen.

 

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gm.pred.023. Predigt: Joh.16,05-06 am Sonntag Kantate (18.03.1872)

   00] Die geistige Heimat (Joh.16,05-06): "Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt mich: Wo gehst du hin?, sondern weil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns worden."

  

01] Seht, dies ist der Text für diesen Sonntag, und obwohl er dem Anscheine nach leicht verständlich ist, so liegt doch bei weitem viel Tieferes darin, als ihr ahnen möget.

  

02] Nach eurem Ermessen sage Ich diese Worte deshalb zu Meinen Jüngern, weil Ich - immer von Vater und Sohn sprechend - sie vorbereiten wollte auf die nächsten Ereignisse, die der Abschluß Meines irdischen Lebenswandels waren. Weil Ich ihnen Mein Verhältnis zu ihrem Jehova nicht anders begreiflich machen konnte, als unter dem Bild von Vater und Sohn, einem Bilde, das ihrem Weltverstand näher lag und auch in geistiger Entsprechung völlig das Verhältnis der Liebe zur Weisheit ausdrückt, wie Ich zwar als Weisheit Mensch geworden, aber als Liebe der ewige Erhalter und Schöpfer des ganzen Universums geblieben bin.

  

03] Ich sagte dort: "Ich gehe zu Dem, der Mich gesandt hat, und niemand fragt Mich: Wo gehst Du hin?, sondern nur Trauer befällt euch alle wegen des Gedankens, ihr könntet Mich verlieren."

  

04] Diese unerwartete Voraussage, daß eine Trennung zwischen Mir und ihnen möglich sei, dieser Gedanke, der nicht in ihre Vorstellungen von Meiner Göttlichkeit und Meiner Mission paßte, versetzte sie in Trauer, und sie wußten daher auf dieses Wort weder zu antworten, noch eine Frage zu stellen. Deshalb eninnerte Ich sie mit einer solchen, indem Ich sagte, daß niemand Mich frage: "Wo gehst du hin?" dies war die Frage, die sie selbst nie dachten. Es war ihnen unglaublich, daß Ich Mich jemals von ihnen entfernen würde. Und wenn sie Mich als Gott annahmen, der herabstieg, um die Menschheit von den weltlichen Banden zu erlösen, wußten sie natürlich nicht, wohin Ich gehen sollte; denn obgleich sie durch den Einfluß Meiner Worte und Wunder die Überzeugung Meines göttlichen Ursprungs hatten, verkehrten sie doch viele geistigen Begriffe in weltliche Ideen. Daraus mußten natürlich falsche Schlüsse folgen, was sehr oft geschah, wenn sie Meine Bilder oder Meine Worte nicht verstanden und Mich beschuldigten, Ich rede hart oder unverständlich.

  

05] Ich sagte in jener Zeit: "Ich gehe zu Dem, der Mich gesandt hat!" Und jetzt, nach so vielen Jahrhunderten, richte Ich an euch und an die ganze Menschheit die Frage und sage: "Wo geht denn ihr hin, und wer hat euch denn gesandt?" Denn so wie Ich Meine Mission, Meinen Zweck oder ein ,Warum' des Daseins habe, so haben es auch alle aus Mir geschaffenen Wesen, ja selbst die dichteste, rohe Materie, da auch sie als sichtbarer Ausdruck gebundener, gefesteter Geister eben ihren Zweck, ihre Mission haben muß.

  

06] Ich frage also jetzt, da die Prüfungszeit ihrem Ende naht, die Menschen durch politische, religiöse und Elementarereignisse: "Wo geht ihr hin?", damit sie sich besinnen sollen, wer sie eigentlich sind, und warum sie eigentlich auf diese Erde gesandt oder gestellt wurden.

  

07] Der geistige Wind, der Meinem baldigen Kommen vorausgeht, um, wie im materiellen Leben, die Luft von schlechten Dünsten zu reinigen, regt wie die Frühlingslüfte alles zur Tätigkeit an. Überall ertönen die Fragen: "Warum bin ich eigentlich da?" und "Was bin ich eigentlich?" und "Was ist mein Endziel, oder wo gehe ich hin?"

  

08] Der denkende Mensch, welcher einmal von diesen Gedanken überrascht wurde, sieht sich natürlich zwischen zwei Welten gestellt, zwischen eine sicht und eine unsichtbare. Es genügen ihm die wenigen Anhaltspunkte, welche die Vergänglichkeit alles Geschaffenen bietet, nicht mehr, um ihm Trost und Ruhe zu bringen. Alles, was vor seinen Augen entsteht, sieht er wieder vergehen, sich verändern, sich verwandeln. Und eben diese Beispiele regen auch ihn an, an die vor ihm entstehenden und vergehenden Gegenstände, so wie an sich selbst, die Fragen zu richten: "Wo kommt ihr her, ihr Geschöpfe voller Wunder und Geheimnisse, und wo gehet ihr hin?"

  

09] So begrüßt er das Ankommende, und so fragt er das Scheidende; und eben diese Fragen ist er auch gezwungen an sich selbst zu richten, indem er selbst, wenn er nur ein bißchen nachdenkt, noch ein größeres, unauflösbareres Rätsel ist als alle anderen, vor ihm sichtbaren Dinge. Diese Fragen, die immer wieder auftauchen, sind es, welche die Menschen, oder wenigstens viele von ihnen, zur besseren Beurteilung des Bestehenden und des Angelernten zwingen. Und wo nicht genügend Wahres und Klares das Endresultat solcher Forschung ist, dort steigt natürlich das Heer der Zweifel auf, welche mit all dem Gefundenen nicht zufrieden, mehr Gewißheit, mehr Klarheit haben wollen.

  

10] Dieses Drängen war stets der Anfang von geistigen und weltlichen Umwälzungen. Es war der unvermeidliche geistige Wind, welcher die menschliche Natur stets wieder aufweckte, sooft sie sich gerade in einen bequemen Schlaf weltlicher Freuden und Genüsse versenken wollte.

  

11] Da nun zwei Dinge diesen Wind wieder erregten - erstens Mein baldiges Kommen als Ende und Krone Meiner einstigen, auf eurer Erde vollführten Mission. Zweitens die Neigung der ganzen Menschheit von oben bis unten, sich dem weltlichen Genusse hinzugeben und das Geistige zu verleugnen -, so ertönt wieder in allen Gemütern, den meisten unbewußt der Ruf: "Wo gehen wir hin?" und "Wozu sind wir da?" Die ungenügende Antwort, die die jetzige Geistesrichtung auf diese Fragen gibt, veranlaßt den Umsturz alles Bestehenden, das Sehnen nach Neuem, aber nicht Trügerischem sondern Wahrem.

  

12] Die Menschen empfinden, das unsichtbare Reich ist nicht abzuleugnen. Es ist umsonst, wenn manche Gelehrte sich die Mühe geben, zu beweisen, daß nur Materie bestehe und Geistiges nicht. Die Menschen fühlen die Leere in ihrem Herzen nicht ausgefüllt, soviel grobes Material durch den Verstand auch in jenes geworfen wird. Wie bei einem Faß ohne Boden verschwindet es, wie es gekommen ist, und die alte Frage steht wieder neu vor ihrem Geiste.

  

13] So wird die Menschheit gedrängt, endlich einmal alle Fesseln abzustreifen, sich von dem Gängelbande zu befreien, welches viele nur zu ihrem eigenen Vorteile benützen wollen.

  

14] Dieses Verhältnis, dieser Streit mußte Meinem Kommen vorangehen, damit Ich am Ende nur mit denen zu tun hatte, die das Geistige dem Materiellen vorzogen und auch wußten, woher sie kamen, warum sie da sind, und wohin sie zu gehen bestimmt sind.

  

15] Es werden das diejenigen sein, welche, alle Stürme überlebend, mitten im Schmutz des weltlichen Egoismus und Leichtsinns sich rein gehalten haben; denn nur für Liebe werde Ich der Hirte und nur sie werden Meine Schafe sein.

  

16] Auch an euch, Meine Kinder, die Ich unter so vielen auserkoren habe, damit ihr, geleitet durch Mein direktes Wort, den andern als Beispiel vorangehen sollt, auch an euch tritt diese Frage ernster Art heran. Auch an euch stellt; die Lebenszeit, welche euch noch auf Erden zu ermessen ist die Frage: "Wo gehst du hin?" Sie will damit sagen: Bedenket die Verantwortung, die ihr auf euch genommen habt, das Wort eures Gottes, eures Vaters hören zu wollen! Mit diesem Hören habt ihr euch der Verpflichtung unterzogen, dieses Wort auch auszuüben; denn ohne Ausübung ist das Hören zu nichts nütze.

  

17] Ihr, die ihr Mein Wort hört, erfahrt und nun auch wißt, wie man demselben nachkommen soll, ihr seid doppelt strafbar, wenn ihr die Ausübung unterlaßt.

  

18] Meiner Jünger Herz erfüllte sich mit Trauer, als Ich sprach von Meinem Hingange zu Dem, der Mich gesandt hatte. Welches Gefühl wird denn euch überkommen, wenn auch ihr hingehen müßt zu Dem, der euch gesandt hat? Trachtet darnach, daß ihr mit dem anvertrauten Kapital, wohl benutzt und verzinst, in Mein Reich zurückkehrt und nicht, wie der faule Knecht, euer Kapitel vergrabet; denn sonst kommt ihr unreif in einer Welt an, in der es euch selbst zur Last würde, als Unreife zwischen Gereiften, als Unglückliche zwischen Glücklichen leben zu müssen!

  

19] Wenn ihr hingehen müßt zu Dem, der euch gesandt hat, so trachtet doch wenigstens danach, mit dem Bewußtsein in jenes Geisterreich zu treten, alles getan zu haben, was gemäß allen an euch ergangenen Worten von euch zu erwarten war! Trachtet danach, Meine Worte und Meine Lehre so für euch und für andere zu nutzen, daß viele guten Taten und nur wenige Fehler eure Lebensbilanz ausmachen, damit ihr dann ruhig, fortschreiten und den Mitbruder, der euch fragt: "Wo gehst du hin?", getrost nach dem Morgen des ewigen Liebelichts hinweisen könnt, indem ihr saget: "Ich gehe dorthin, von wannen ich gekommen bin, und wo ewiges geistiges Fortschreiten und stetes Annähern an meinen Schöpfer und Vater möglich ist!"

  

20] Auch Ich sagte: "Ich gehe zu Meinem Vater, der Mich gesandt hat!" Ich ging aber auch mit dem vollen Bewußtsein, Meine Mission im strengsten Sinne erfüllt zu haben, obwohl als Mensch das Herbste Mich noch erwartet. So sollt auch ihr einst sagen und euch schon jetzt des Triumphes freuen können, wenn nach ausgestandanen Kämpfen und besiegten Versuchungen ihr getrost die Hand nach der Siegespalme ausstrecken dürft.

  

21] Wer von Meinem Worte nur dunkle Begriffe hat oder gar nichts weiß, den kann Ich für seine Handlungen nicht so verantwortlich machen wie diejenigen, welche Meine Lehre kennen, welche begreifen, wie und wann sie nach derselben handeln müssen. Diese, wenn sie vorsätzlich dagegen sündigen, sind strafbar und werden - nicht von Mir, sondern von ihrem eigenen Gewissen - des Wankelmutes, der Kleinmütigkeit angeklagt werden, weil es ihnen so sehr an Kraft mangelt, und weil sie, mitten unter dem Einflusse geistiger Hilfe von oben, sich so ins Netz der weltlichen Genüsse verstricken ließen, daß sie darüber ihre geistige Würde eingebüßt haben.

  

22] Bedenket also alle Meine Worte! So angenehm das Anhören derselben auch sein mag, so nehmt sie doch recht ernst, da nur die Befolgung Meiner zwei einzigen Liebesgebote, im strengsten Sinne, euch zu Meinen, zu Kindern des Schöpfers der ganzen Unendlichkeit stempeln kann!

  

23] Den Preis, welchen Ich euch aussetzte, könnt ihr noch nicht im ganzen Sinn und in seiner ganzen Tiefe begreifen, weil ihr Mein Geisterreich nicht kennt; aber würdet ihr sehen, wie Engel und große Geister euch um diesen Vorzug beneiden, ihr würdet gewiß stolz darauf sein, von Dem ausgegangen zu sein und wieder zu Dem zurückkehren zu können, der die Liebe selbst ist, eine Liebe, die ein menschlich Herz aber nicht fassen kann.

  

24] Welch unfaßbare Liebe liegt darin, daß die höchste göttliche Liebe euch zu ihren Kindern machen will, daß diese Liebe den niedrigsten Stand auf eurer Erde vorgezogen hat, um eben das zu beweisen, was sie als Jesus einst sagte, - daß sie als Weisheit, nach vollendeter Mission, sich wieder vereinen will mit der Liebe, von welcher sie ausgegangen ist, und zu welcher auch ihr kommen könnt, wenn ihr euch derselben würdig zu machen wisset!

  

25] Ich ging einst zu Meinem Vater, der Mich gesandt hat; trachtet auch ihr, dahin zu gelangen, um aus Seinen Händen die Siegeskrone für eure Kämpfe und Leiden zu erhalten - wie Ich einst als Gottmensch und Jesus vor mehr als tausend Jahren! Amen.

 

 

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gm.pred.024. Predigt: Joh.16,23 am Sonntage Rogate (19.03.1872)

   00] Richtig beten: (Joh.16,23): "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch geben!"

  

01] Dieser Vers, der im katholischen Kirchenjahr für diesen Sonntag bestimmt ist, sagt euch, wie Ich Meinen Jüngern als Trost für den Verlust Meiner Person die Hoffnung gab, daß sie, wenn es nötig sein werde, von Meinem Vater im Himmel alles erhalten würden, um was sie bitten. Ich stelle ihnen diese Freude in Aussicht, weil sie dadurch in geistiger Gemeinschaft mit Mir verbleiben konnten, indem Ich, wenn ihnen auch nicht mehr sichtbar, doch ihre Bitten vernehmen und auch erfüllen helfen würde.

  

02] Der Satz, so wie er in der Bibel aufgezeichnet ist, hat nicht viel Schwieriges, um verstanden zu werden. Und doch liegt etwas bei weitem Tieferes darin, sobald ihr ihn nur ernstlich betrachten wollt!

  

03] Um euch näher in seine geistige Entsprechung und Deutung einzuführen, müssen wir vorerst die Frage: "Was ist denn eigentlich eine Bitte?" beantworten.

  

04] Sehet, es wird von euch - wie Ich schon öfters gesagt habe - so manches Wort ausgesprochen, ohne daß ihr nur im mindesten eine Ahnung davon habt, was es eigentlich bedeutet! Dies ist ein Zeichen, wie wenig ihr die Tiefe, Kraft und Gewalt des Wortes, als Ausdruck eines Gedankens kennt. Deswegen bin Ich öfters gezwungen, euch vorher auf die einzelnen Worte, aus denen ein aus der Bibel angeführter Satz besteht, aufmerksam zu machen, um euch so nach und nach in ihr Verständnis einzuführen. Solange ihr die Zerlegung der Worte und ihre entsprechende Deutung nicht kennt und zu finden vermögt, solange ist von einem eigentlichen Verstehen der Bibelstellen, auch der einfachsten, keine Rede. Die Bibel mit all dem in ihr niedergelegten Weisheitsschatz bleibt dann für euch unverständlich; höchstens gewährt sie, wenn man sich mit dem oberflächlichen Buchstabensinne begnügt, dem einen oder andern in schweren Momenten des irdischen Lebens einigen Trost und Frieden.

  

05] Um auf unseren Satz des Evangeliums Johannes zurückzukommen, wollen wir vorerst die Frage beantworten, was eine Bitte ist, und auf die geistige Bedeutung übergehen, wie eine Bitte zu nehmen ist, wenn sie an Mich als allwissenden Herrn und Schöpfer gerichtet wird.

  

06] Nun seht, eine Bitte ist ein Flehen um Hilfe bei einem Mächtigeren oder Stärkeren, wenn die eigenen Kräfte nicht ausreichen. Es ist ein Ansuchen um tätigen Beistand entweder für sich selbst oder für ein anderes Wesen, das der Unterstützung oder Hilfe bedarf.

  

07] Was bezeugt nun dieses Anflehen? Es bezeugt die eigene Ohnmacht; diese veranlaßt zum Bitten, da man nicht befehlen kann.

  

08] Wenn nun ein Bittsteller eine Bitte an jemand stellt und sich dabei auf andere, wohlwollende oder befreundete Menschen bezieht und mittels der Nennung ihres Namens oder mittels der Fürsprache der Person selbst bei Einflußreicheren einen günstigen Eindruck machen will, so bezeugt dies wieder, daß der Bittsteller durch die Anrufung eines Namens, der auch dem Dritten teuer und angenehm ist, ihn um so eher zu bewegen hofft, dem angesuchten Begehren zu willfahren.

  

09] Wenn ihr also diese einfache Bemerkung erwägt, so begreift ihr leicht, warum Ich als Jesus Meinen Jüngern anempfohlen habe, in Meinem Namen den Vater im Himmel zu bitten, und warum Ich ihnen im voraus versprochen habe, daß keine ihrer Bitten unerfüllt bleiben werde. Ich wollte sie dadurch stets an ihre eigene Ohnmacht erinnern, ihnen zu Gemüt führen, daß sie aus sich selbst nichts zu verrichten vermögen, und wollte dabei auch nebenbei die Erinnerung an Mein Wirken und Leben unter ihnen wach erhalten, weil sie nur so - dem geistigen Streben mehr zugewendet - das Weltliche nach seinem eigentlichen Wert einschätzen und daher nie mißdeuten würden.

  

10] Diese Art zu bitten sollte ein stetes Wachsen des Vertrauens zu Mir bewirken, der Ich, obwohl nicht mehr sichtbar, doch geistig stets um sie war. Sie glaubten dadurch auch mehr an Meine Abkunft von oben und konnten anderen diesen unerschütterlichen Glauben an die Führung eines höchsten Wesens als Schöpfer, Erhalter, Herr und Vater beibringen.

  

11] Daß Ich als Gott ihre Bitten nicht nötig hatte und schon seit Äonen von Zeiten vorauswußte, wessen sie bedurften, und was zu ihrem Besten war, das versteht sich von selbst. Das Bitten hatte nur den Zweck, in ihnen, wie in den Menschen überhaupt, das Zutrauen zu Mir als höchstem Wesen zu erwecken, daß Ich nicht ein Gott bin, vor dessen Größe der winzige Mensch erzittern soll, sondern daß Ich - wohl ein Gott und ein höchstes Wesen - als liebender Vater Meinen Kindern und erschaffenen Wesen zugänglich bin, und zwar durch demütiges Annähern, durch inbrünstiges Bitten oder Gebet, welches nur von einem liebenden Vater, aber nicht von einem streng richtenden Gott erhört werden kann.

  

12] Daß Ich Mich als Jesus zum Fürbitten anbot, daß Ich sagte: "Was ihr in Meinem Namen bittet, wird euch der Vater im Himmel gewähren!", das geschah deswegen, weil sie während Meines Lebenswandels Meine Liebe, Meine Duldung und Geduld mit den Fehlern anderer gesehen und begriffen hatten und sich so in schwachen Umrissen eine Vorstellung von dem Vater machen konnten, der einem solchen Sohne, wie Ich es als Jesus war, bei allen Gelegenheiten Seine Liebe bewies. Nur so wurde ihnen der unzugängliche Gott Jehova zugänglich, nur so faßten sie Mut, ihr Herz zu Mir zu erheben, und nur so vertrauten sie auch darauf, daß, wenn sie in Meinem Namen beteten oder um Erhörung ihrer Bitten flehten, sie auch ein geneigtes Ohr bei Mir finden würden.

  

13] Auf diese Art ward die geistige Verbindung, welche Mich als Jesus früher mit ihnen einerseits und mit Meiner Liebe oder dem Vater anderseits verbunden hatte, nie gestört. Nur so gingen Meine Jünger getrost in die Welt hinaus, lehrten und predigten Mein Evangelium, taten Wunder und opferten sogar ihr eigenes Leben, weil ihre Verbindung mit Mir, die nie abgebrochen worden war, sie stets von der materiellen Welt ab und zur geistigen hinzog.

  

14] So gaben sie ein ewiges Beispiel von der Gewalt des Glaubens, des Gebetes, wenn es, aus reinem Herzen quellend und nur Geistiges verlangend, sich zu Mir erhebt und Mir den Dank vorauszahlt für Wohltaten, welche Ich Meinen Kindern auch dann nicht entzogen hätte, wenn sie nicht darum gebeten hätten.

  

15] Seht also, Meine Kinder, was hinter dem Wort ,Bitte steckt, wie groß seine Bedeutung, sein dem bittenden Herzen zugelassener Genuß ist! Und wie im Weltleben oft ein Bittender sich der süßen Hoffnung hingibt, daß das Erflehte ihm gewährt werde, und schon im voraus die Freude genießt, welche das Zutrauen zu dem Angeflehten erhöht, die Liebe zu ihm vergrößert, ebenso ist im geistigen Maßstabe das Annähern an Mich als Vater alles Geschaffenen der einzige Trost und die einzige Beruhigung, daß ein gerechter, alles mit Liebe umfassender Gott sicher nur das Rechte und Gute will und jede Bitte, wenn sie gerecht ist, auch gewiß erfüllen wird.

  

16] So ist die Verbindung zwischen Geschöpf und Schöpfer stets vorhanden. Sie ist nicht gegründet auf Furcht, auf Kriechen vor dem Throne eines allmächtigen, zürnenden und streng richtenden Gottes, nein, sie ist gegründet auf Zutrauen, auf Liebe, welche ein unmündiges Kind für seinen mächtigen Beschützer, für seinen Vater hegt.

  

17] Es ist die Liebe und nicht die Furcht, welche das Herz in höchster Bewegung erhält und es mit freudigen Schlägen dem ewigen, sich stets gleich bleibenden Vater aller Kreatur entgegenwendet. Es ist das schönste Band, das die Natur aufweisen kann, das Band der Kindes- und Vaterliebe, deretwegen die ganze Schöpfung erschaffen, erhalten und vervollkommnet wird, und welches Band nur das einzige sein kann, das einem Geist wie Mir entspricht, und das einem Menschen oder geschaffenen Wesen seinen geistigen Adel verschaffen kann.

  

18] Daher begreift, Meine Kinder, was es heißt: ,bitten, was es heißt: ,beten`, was es heißt, zu Mir im Namen Jesu sich zu wenden. Der Name ,Jesus` schließt Meinen größten Akt, Meine größte Tat, Mein größtes Opfer ein, welches Ich euch und allen Geistern zulieb vollbrachte.

  

19] In Erinnerung an Mein Dulden könnt ihr nicht stolz sein, in Erinnerung an Meine Liebe könnt ihr nicht hassen, und in Erinnerung an Mein Opfer könnt ihr nicht geizig sein, sondern nur bei Anrufung Meines Erdennamens allen diesen Tugenden nachstreben, die Ich persönlich während Meines Erdenlebens ausgeübt habe.

  

20] Die Bitte zu Mir soll euch erheben über alles Weltliche, soll euch in Mein geistiges Reich führen, in welchem Ich dem Bittenden gerne gewähre, was in geistiger Hinsicht ihm oder seinem Nächsten zum Besten dient.

  

21] Wenn ihr nun wißt, was ,bitten` heißt, wenn ihr wißt, wen ihr bitten müßt, so ist noch ein zweiter Punkt in Betracht zu ziehen, nämlich: um was ihr bitten könnt, um wenigstens im mindesten eine Gewährung zu erhoffen.

  

22] Hier nun in diesem zweiten Punkt wird von vielen am meisten gefehlt. Viele bitten erst, wenn die Not sie dazu zwingt, und viele andere wieder dann, wenn es sich um weltliche Vorteile oder sonstige unbedeutende Dinge handelt.

  

23] Aus dem Vorhergegangenen mögt ihr ersehen, was eigentlich eine Bitte, und zwar eine Bitte an Mich, ist. Ihr mögt euch dabei erinnern, daß Ich öfters sagte: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt!, und: "Wer zu Mir beten will, muß im Geist und in der Wahrheit beten!"

  

24] Seht, diese Sätze beweisen euch genau, daß es sich nicht um weltliche Dinge handelt, und daß es von wenig Achtung und wenig Liebe eurerseits zeugt, wenn ihr Mich für so einen gewöhnlichen Richter oder Monarchen haltet, an den man nur Bittschriften einzureichen braucht, und bei dem man dann durch gewisse Fürsprache seinen Zweck leichter erreichen zu können vermeint.

  

25] Seht die Welt an, wieviel Unsinn wird da von Mir verlangt! Wie viele eingebildete Fürsprecher und Fürsprecherinnen werden angerufen, die bei Mir zugunsten der Bittenden fürsprechen sollen. Wenn die Menschen nur ein wenig nachdächten über ihr eigenes Gebaren, so müßten sie sich ihrer eigenen Kurzsichtigkeit schämen und müßten erröten, wie sie Gott, den Schöpfer und Herrn der Unendlichkeit, zu nichtssagenden Dingen ins kleinliche Weltleben herunterziehen möchten. Sie bedenken nicht, daß die meisten Übel und Unglücke nicht von Mir, sondern von dem Verhalten der Menschen selbst herrühren.

  

26] Wenn Ich die Menschen tun lasse, was sie wollen, und sie sich Krankheiten und Unglücksfälle zuziehen, aus denen sie in der Folge geistigen Nutzen erreichen sollen, warum soll Ich das verhindern, was gerade zum Besten der Menschen, zu ihrem geistigen Heile dient? Ich kann doch nur das geistige Fortschreiten, aber nicht das weltliche Wohlleben jedes einzelnen als Hauptzweck seines Erdenwandels im Auge haben! Wie sollte Ich Meinen Kindern das angedeihen lassen, was gerade zu ihrem Schaden wäre?

  

27] Kurzsichtige, leichtgläubige Menschen! Ihr kommt Mir oft vor wie Kinder, die mit Gewalt ihre Hände ins Feuer stecken wollen, weil sie noch nicht die Erfahrung gemacht haben, daß das Feuer nicht allein leuchtet, sondern auch brennt.

  

28] Wie viele Fälle könnte Ich euch aufzählen, um was alles gebeten wird! Da will einer Geld, der andere Gesundheit, der dritte Gelingen seiner Unternehmungen, der vierte jammert, weil der Tod Lücken in seine Familie gerissen hat, der fünfte möchte seine Kinder in Luxus und Wohlleben so ganz der Hölle zueilen sehen usw.; aber alle bedenken nicht, daß beim Gewähren ihrer Bitten das geistige Wohl und Wehe der Beteiligten oft noch ärger, noch schlechter würde. Sie bedenken nicht, daß gerade Leiden und Unglücke die Ecksteine sind, an welchen sich die Taumelnden stoßen, wenn sie dem weltlichen Treiben huldigen und das geistige Fortschreiten ganz beiseitesetzen möchten.

  

29] Ihr Familienväter und Mütter, ihr wollt für eure Kinder alles Gute haben, Gesundheit, Reichtum, langes Leben und hohe Stellung in der Welt. Nun, was ihr wollt als winzige Kreatur in Meiner Schöpfung, wird wohl Mir, glaube Ich, auch erlaubt sein! Es wird wohl Mir auch erlaubt sein, Meine Kinder so zu ziehen, daß sie alles Gute und Schöne, was Ich in Meiner Schöpfung, und zwar nur für sie, aufgehäuft habe, im vollsten Maße genießen, daß sie geistig gesund, an Liebe reich und Mir nahe über Großes gesetzt werden können.

  

30] Seht, Ich will nichts, als was ihr selbst wollt; und nur der Unterschied besteht, daß ihr Menschen, um Meine Kinder zu werden, andere Schulen durchmachen müßt, als ihr eure Kinder besuchen lassen wollt. Hier gehen also unsere Ansichten auseinander.

  

31] Noch muß Ich nebenbei bemerken, daß ihr euch nur um eine kurze Spanne Zeit bekümmert, in der es euren Kindern nach euren Begriffen gut gehen soll, während Ich Sorge trage, daß das ewige, künftige Leben Meiner Zöglinge voll von Seligkeiten und nie geahnten Genüssen werde.

  

32] Ihr seht aus dem, daß Ich in diesem Punkte oft den Unerbittlichen spielen und eure Narrenbitten in den Sand schreiben muß, damit sie der nächste Luftzug wieder verweht, während Meine Anordnungen in nie vergehenden Steinen der Ewigkeit als Gesetze geschrieben stehen. Daher bedenkt wohl eure Bitten und verlangt von Mir nicht den Ruin Meiner Kinder! Ich habe sie fürs ewige Leben, fürs Geister fürs Engelleben erschaffen und nicht für das Wohlleben in weltlichem Schmutz, um Mir vielleicht einst eine befleckte Seele zu überbringen.

  

33] Wenn ihr also bittet und Meinen Beistand anruft, so bedenkt, daß Ich wohl schon im voraus weiß, um was ihr Mich bittet, und daß ihr Mir nichts Neues sagen könnt! Bedenkt, daß die Menschen, wenn es nicht Mein Wille gewesen wäre, sie durch ihre eigenen Fehler zu witzigen, nicht in diese bitteren Verhältnisse geraten wären! Bedenkt, daß euer einziger Trost das Vertrauen zu Mir ist! Auch Ich hatte Vertrauen, als Ich im Garten von Gethsemane im Drange Meines größten Leidens, welches Ich dort als Mensch fühlen mußte, und bat: "Vater, nimm den bittern Kelch von Mir!" Und doch wurde der Kelch nicht von Mir genommen, sondern Ich mußte ihn leeren bis zum letzten Tropfen! Bedenkt, daß Ich dort sagte: "Nicht Mein, sondern Dein Wille, o Vater, geschehe!"

  

34] Was Ich einst ausrief, worauf Ich Mich willig in Mein Schicksal ergab, das möge auch euer einziger Trost und Leitstern auf eurer irdischen Lebensbahn sein!

  

35] Ja, bittet! Bittet in Meinem Namen, fleht inbrünstig zu Mir! Das Flehen gibt euch Trost, gibt euch Frieden, und ihr habt eure Pflicht und Schuldigkeit gegen Mich getan. Das Erfüllen oder Nichterfüllen eurer Bitten überlaßt aber Mir! Ich sehe besser und weiter und kann nicht alles gewähren, was blinde und unmündige Kinder wünschen. Ihr gebt ja den Kindern auch nicht alles, was sie wollen, und warum? Weil ihr als erwachsene Menschen klarer seht und verständiger seid. Und was kleine Kinder in bezug auf euch sind, das seid ihr in bezug auf Mich, und noch um vieles weniger.

  

36] Daher vertrauet auf Mich! Ich weiß zu geben und zu nehmen, wann es an der Zeit ist. Meine Wege sind unerforschlich, und oft gerade da, wo bei euch Tränen des Schmerzes im Überfluß fließen, feiern Meine Geister und Engel ein Freudenfest.

  

37] Vertrauen in Meine stets liebenden Absichten war es, was Ich einst Meinen Jüngern anriet. Dasselbe Vertrauen möchte Ich auch in euch erwecken; denn ohne es könnt ihr keinen Schritt vorwärts machen, ohne es müßtet ihr an eurem Schicksal verzweifeln und bis zur Gottesleugnung gelangen. Vertrauen ist der Faden, der euch aus dem Labyrinth des Lebens sicher hinausführt in die Hand eines liebenden Vaters, der oft gerade da, wo Er euch am weitesten entfernt schien, am nächsten war.

  

38] Bittet und betet; aber verlangt nichts Unmögliches, nichts Weltliches! Geist seid ihr, und Geist bin Ich! Ich kann nur urteilen wie ein geistiges Wesen, und auch ihr müßt euch angewöhnen, schon während eurer Lebenszeit das Geistige in euch dem Weltlich-Materiellen vorzuziehen.

  

39] Dann gilt auch euch, was Ich einst Meinen Jüngern sagte: "Was ihr in Meinem Namen bittet, wird euch gewährt werden!" Dessen mögt ihr versichert sein, zumal Ich es euch nun hier selbst wiederholend verspreche! Amen.

 

 

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gm.pred.025. Predigt: Joh.15,26 u. Joh.16,07 am Sonntag Exaudi (20.03.1872)

   00] Die Verheißung des Trösters (Joh.15,26 und Joh.16,07): "Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir." "Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden."

  

01] Dieser Vers findet sich in zwei Kapiteln des Evangeliums Johannes vor, und zwar im ersten als ein Versprechen, daß Ich Meinen verlassenen Jüngern den Tröster, den Geist der Wahrheit senden werde, welcher ihnen zeigen wird, daß alles wahr und richtig war, was Ich sie lehrte, - und im zweiten als ein Hinweis, daß Mein Hingang notwendig war, um das zu bekräftigen, was Ich ihnen von Mir und Meiner göttlichen Sendung gesagt hatte. Denn in diesem zweiten Kapitel heißt es: "Wenn Ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch!" Dadurch bewies Ich ihnen, daß Mein Hingang zum ,Vater` - wie Ich Mich dort ausdrückte - teils als Schluß Meiner Mission, teils auch als Anfangspunkt der ihrigen nach Meinen Plänen, die Ich zur Rettung der Menschen entworfen hatte, unumgänglich notwendig war.

  

02] Wenn ein Meister seine Zöglinge verläßt, ehe sie ganz reif sind, um auch ohne ihn den Lehrkurs fortsetzen zu können, so ernennt er gewöhnlich einen Stellvertreter, der das Weitere ausführt, was zur Vollendung des Ganzen notwendig ist. So tat auch Ich.

 

  

03] Meine Mission auf Erden oder Mein Verweilen unter Meinen Jüngern war nur so lange von Nutzen, als sie noch nicht ganz in Meine Lehre eingeweiht waren. Ich mußte Mein Dasein auf eurer Erde erst mit der größten Tat der Demütigung und der Liebe beschließen, was der praktische Teil Meiner Lehre war. Ich mußte Meinen Jüngern durch die Tat zeigen, welche Opfer Meine Lehre und deren Erhaltung verlangt, und ihnen, gleichsam vorausgehend, als ewiges Beispiel zeigen, was Meine rechten Jünger auch zu ertragen imstande sein sollen, d.h. sogar ihr Leben für ihren Glauben zu lassen, welchem Schicksal später viele von ihnen erlagen. Ich mußte ihnen auch beweisen, durch Meine Auferstehung, wie wenig der Tod seine Macht an Mir ausüben konnte. Damit sie sich aber in der Zwischenzeit bis zu Meiner Himmelfahrt oder Rückkehr in Mein Reich nach dem harten Schlag, den ihnen die Abwesenheit Meiner sichtbaren Person verursachte, recht fassen konnten, so war es Meine eigene hohe Pflicht als ihr Meister und Lehrer, ihnen einen Ersatz für Meinen Verlust in Aussicht zu stellen. So versprach Ich ihnen einen Tröster, den sie sich, als Ich es ihnen sagte, wie auch später, als Ich es wiederholte, eher als eine Persönlichkeit, denn als eine Kraft dachten.

  

04] Als Ich ihnen diese Worte und manches andere sagte, waren sie noch zu sehr weltliche Menschen; sie konnten den geistigen Sinn Meiner Worte, ja Meiner letzten, größten und tiefsten Abschiedsworte nicht im geistigen Sinn verstehen. Deswegen sagte Ich ihnen ja auch: "Ich hätte euch noch manches zu sagen; aber ihr könnt es nicht ertragen!", was mit anderen Worten sagen will: "Ich kann euch Geistiges nicht in weltliche Begriffe verwandeln. Ihr seid zwar gläubige, aber noch unmündige Kinder, und es muß erst die letzte Weihe über euch kommen, die euch von Kindern zu Männern ausreift, damit ihr geeignet seid, das von Mir Gehörte zu verstehen und es anderen so wiederzugeben, wie ihr es von Mir empfangen habt."

  

05] Diese Überschattung durch Meinen Geist machte sie zu Wiedergeborenen; denn Mein Geist vollzog diesen Akt als Trennung des Geistigen vom Weltlichen. Das Verstandesleben hörte auf, und das Leben des Geistes oder Herzens begann. So waren denn Meine Jünger ausgerüstet mit geistiger Willenskraft, zu reden und zu wirken, wie es Meine Lehre erheischte, um so dem von Mir begonnenen Erlösungswerk seine ewige Dauer zu sichern.

  

06] Was in jenen Zeiten mit Meinen Jüngern geschah, das hat sich in jedem Jahrhundert mit einzelnen, von Mir dazu erwählten Männern erneuert. Nie mangelte es an solchen, Mir ganz Ergebenen, die ihr Leben für ihre Überzeugung ließen. Immer gab es solche Mahner und Auffrischer Meiner für die Menschheit so teuer bezahlten Lehre. Sie waren bestimmt, mitten unter dem groben Mißbrauch, den man mit der Religion trieb, die Lehre des echten und wahren Glaubens nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

  

07] Auch in eurem Jahrhundert mangelt es an solchen Begeisterten nicht, und jetzt, da die Menschheit sich noch mehr ins Weltliche verirrt, jetzt, wo sich das Ende dieser Prüfungsperiode für die Menschheit naht, vermehren sich auch die Anhänger Meiner wahren Lehre, welche so zur Gründung Meines Reiches die ersten Bausteine liefern sollen, damit Ich schon bei Meiner Ankunft gläubige Herzen vorfinde. Denn zum zweiten Mal will Ich nicht tauben Ohren predigen, sondern die Dämmerung des Morgenrots muß da sein, und die geistigen Augen Meiner Verehrer müssen schon vorbereitet sein, das ganze Licht Meiner Liebe und Meines Erscheinens ohne Schaden ertragen zu können.

  

08] Wie Ich in jenen Zeiten Meinen Jüngern den Tröster versprach, welchen Ich ihnen senden würde, so lasse Ich auch jetzt in jedes fromme, Mir ergebene Herz den wahren Trost einfließen, den nur Meine Lehre, nur die wahre Religion und das wahre Glaubensbekenntnis geben kann, welches aus Meinen Worten erhellt.

  

09] Jetzt ist der wahre Tröster in den Menschen gelegt. Er erwächst aus der richtigen Befolgung Meiner beiden Liebesgesetze, wenn sie richtig aufgefaßt, auch in diesem Sinne ausgeübt werden.

  

10] Um Mein Werk zu beschleunigen, habe Ich Mich herbeigelassen, durch direkte Mitteilungen alles klar auseinanderzusetzen, was den Menschen, wie Meine Jünger einst sagten, zu hart oder zu unverständlich war. Jetzt, da Meine Mitteilungen so reichlich fließen, bin Ich eigentlich schon geistig auf eure Erde hinabgestiegen, lehre und führe Meine Kinder tatsächlich wie einst. Es fehlt nur Meine sichtbare Erscheinung, welche die Zweifelnden aber nur zum Glauben zwingen würde, was gegen die Freiheit des Menschen wäre.

  

11] Jetzt wähle Ich wieder Meine Jünger, die die goldene Saat Meiner Liebelehre aussäen sollen; nur habe Ich jetzt nicht mehr nötig, sie so zu führen wie einst. In jener Zeit mußte Ich andere Mittel anwenden, Ich mußte selbst kommen und ihnen das wirkliche Dasein Gottes durch Meine Worte und Taten beweisen. Jetzt braucht es diese Gewaltmittel nicht mehr; denn die Wissenschaft mit ihren Entdeckungen im Gebiete Meiner Weltschöpfung hat den mit Geist und Herz beobachtenden Menschen Wege genug geöffnet, Mich überall zu finden und Mein wirkliches Dasein anzuerkennen.

  

12] Der Glaubenslehre parallel läuft heutzutage die Lehre durch Überzeugung. Nur ein absichtlich blind sein Wollender wird das Dasein eines Gottes leugnen, welches doch in allen Ecken und Winkeln der Schöpfung, unten und oben, ja selbst in des Menschen eigenem Herzen trotz aller Gegenbeweise besteht. Nur ein solcher Mensch wird leugnen, daß es einen Gott, einen Gesetzgeber und - wie das hinterlassene Werk, eure Bibel, es euch lehrt - auch einen liebenden Vater gibt, der trotz Verirrungen und Ausschweifungen aller erdenklichen Art der Menschen stets Verzeihung statt Vergeltung, stets Geduld statt strengen Gerichtes übt und stets das Leben und nicht den Tod, den geistigen nämlich, verbreiten will.

  

13] Deshalb ist euch auch jetzt der Tröster ins Herz gelegt, und ihr seid Herren eures Friedens und eurer Ruhe. Ich brauche euch denselben nicht mehr zu senden, da ihr ihn schon von Mir empfangen habt. Es ist an euch, das Empfangene gehörig in Wort und Tat auszuüben, weil ihr dadurch zeigt, daß ihr Meine Kinder, Meine Jünger in dieser Zeit seid.

  

14] Kümmert euch nicht um die Ausschreitungen auf religiösem Gebiet, die sich jetzt überall regen! Sie sind wohl Wecker, doch ihren Anhängern wird über kurz oder lang der Hauptfaktor, der Tröster, fehlen, den Ich damals nur denen versprach, die Meine wahren Jünger waren, und denen auch ihr in allem nachfolgen sollt.

  

15] Es mögen noch so viele religiöse Lehrgebäude aufgebaut werden, wer nicht zu Meinem einfachen Hause zurückkehrt, in dem nur die Liebe, geleitet durch die Weisheit, allein thront, dem fehlt in schweren Augenblicken der Tröster überall; denn ihm fehlt neben dem wahren Glauben die wahre Überzeugung, ihm fehlt der Geist der Wahrheit, den Ich einst Meinen Jüngern versprach und auch gesandt habe, und der einem jeden zuteil wird, der Mich im Geist und in der Wahrheit begreift und im Geist und in der Wahrheit Meine Lehre in der Tat anwendet.

  

16] Wahrheit gibt es, wie Ich es euch vor kurzem bewies, nur eine. Wer dieser nicht huldigt, der hat auf Sand gebaut. Kommen dann die großen weltlichen und geistigen Stürme, die zur Reinigung des Geist-Seelenwesens auf dieser Erde stattfinden müssen, so wird solch ein Haus, auf flüchtigen Weisheits oder Verstandessand gebaut, samt seiner Unterlage spurlos verschwinden, als wäre es nie dagewesen. Nur dasjenige Gebäude wird feststehen, allen Stürmen trotzen und sich als einzige Wahrheit, als einziger fester Grundbau erweisen, welches auf Mein Wort, auf das Wort des Gottes und Schöpfers des ganzen Universums, gebaut ist; denn was ein Gott sprach und mit solchen Opfern Seinem ganzen Geisterreich auch durch die Tat bewies, wie Ich auf eurer Erde, das kann nicht trügen, kann nicht täuschen. Die Getäuschten sind diejenigen, welche allen Mahnungen und Rufen aus der sicht und unsichtbaren Natur ihre Ohren verschließen, den Tröster in ihrem Verstandesleben suchen, während er nur allein im Herzen zu finden ist.

  

17] Daher bedenkt jene Worte, die gerade in diesen Kapiteln 15, 16 und 17 stehen, und die Ich einst zu Meinen Jüngern gesagt habe!

  

18] Sie sind die wichtigsten, gewichtigsten und tiefsten; denn sie waren die Scheideworte eures Vaters, der, ehe Er den letzten Liebesakt vollziehen mußte, noch einen, und zwar den Schlußstein Seines geistigen Gebäudes, welches Er auf Erden zurückließ, gelegt hatte, dessen Bedeutung weit über die jetzige Zeit hinausragt.

  

19] Was Ich Meinen Jüngern versprach als den ,Tröster`, welchen Ich ihnen senden würde, das lag schon in diesen, von Meinem Lieblinge Johannes aufgezeichneten Worten. Meine Jünger verstanden sie nicht; aber ihr, die ihr jetzt schon so ziemlich geschult und vorbereitet seid, Meine Lehre zu begreifen und zu fassen, wie Ich sie verstanden und auch ausgeübt sehen möchte, ihr könnt in diesen hinterlassenen Worten den Tröster finden, der euch erleuchten, erheben und stark machen kann gegen alles Kommende, wie auch einst Mein Geist die Jünger bestärkte, um ihre künftigen Schicksale mit der zu ihrer Mission notwendigen Seelenstärke zu ertragen.

  

20] Euch erwachsen zwar solche bitteren Momente nicht, wie einst Meinen Jüngern bei ihrem Lehramt: aber desto mehr habt ihr zu kämpfen mit der Welt, mit ihren Annehmlichkeiten, mit euren Mitmenschen, von denen die Mehrzahl nicht den Weg, den ihr geht, sondern gerade den verkehrten eingeschlagen hat.

  

21] Euch wird es so gehen, wie Ich es Meinen Jüngern prophezeite: "Die Welt wird euch hassen, weil ihr nicht von ihr seid!", d.h. weil ihr anderen Grundsätzen, anderen Prinzipien huldigt als die Mehrzahl der Menschen; aber hier ist der Tröster euch am nächsten, der euch für dieses kurze Prüfungsleben einen längeren, größeren, ja ewigen Genuß entgegenhält als Lohn für ein treues Ausharren bei dem einmal festgesetzten Wort eures Vaters, eures Jesus, der Sein irdisches Leben gab, um irdische Geschöpfe vom geistigen Verderben zu retten.

  

22] Daher sei auch euch das der beste Trost, den Ich jedem nach jeder vollbrachten guten Tat ins Herz lege, das die beste Belohnung und die beste Beruhigung: Meinen Lehren, Meinen Worten gefolgt zu sein, welche am Ende doch, trotz alles Weltglanzes und aller Weltmacht, die letzten Stützen sein werden, welche den Kämpfenden als Rettungspfeiler im großen Ozean der Weltereignisse bleiben werden.

  

23] Verlaßt daher den Tröster in eurem Herzen nicht, - und Der, welcher diesen Tröster in euer Herz legte, wird euch nicht verlassen! Das versichert euch Der, welcher schon so viel himmlisches Brot, so viel geistigen Segen und so viel wahren Trost über eure Häupter ausgeschüttet hat. Amen.

 

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gm.pred.026. Predigt: am Pfingstsonntage (24.03.1872)

   00] Jesus und Seine Kinder (Joh. 14,23): "Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen."

  

01] Diesen Vers zu erklären genügen wenige Worte; denn es ist ganz natürlich, wenn jemand für einen andern eine Zuneigung hat und dieser noch höher gestellt und weiser ist, daß dann der erste alles mögliche tun wird, um sich die Achtung und Liebe seines höhergestellten Freundes oder Herrn zu verdienen. Er wird seine Zuneigung und Liebe durch Taten zu beweisen suchen und genau nach den Lehren und Ratschlägen des höhergestellten Freundes oder Lehrers handeln. Wenn dieses der Fall ist, so wird die Zuneigung des einen durch die Liebe des andern erwidert, und es wird dadurch ein geistiges Einvernehmen hervorgerufen, wie bei in Eintracht lebenden Familiengliedern.

  

02] Das ist ungefähr der Sinn dieser Worte, die Ich einst zu Meinen Jüngern sagte, und die eine Mahnung waren, auch noch nach Meinem Hingang, nachdem kein sichtbarer Einfluß durch Meine Worte und Taten mehr möglich war, auf dieser einmal eingeschlagenen Bahn zu verharren und aus Liebe zu Mir Mein Wort zu halten und danach zu leben. Ich sagte dieses Meinen Jüngern wohlweislich im voraus, weil Ich wußte, welchen Versuchungen und Einflüssen der Welt sie bei Ausführung ihrer Mission entgegengingen.

  

03] Deswegen machte Ich sie auch auf einen Punkt aufmerksam, den sie noch nicht begriffen hatten, nämlich, daß Ich und der Vater eins sind, und daß derjenige, der Mich sah, auch den Vater gesehen hat; denn wie Ich schon in einer früheren Texterklärung erwähnt habe - sie dachten noch immer zu menschlich. Sie konnten sich eine geistige Welt, einen geistigen Einfluß und ein geistiges, höheres Wesen, wie Ich eines bin, in körperlicher Hülle nicht recht vorstellen. Manchmal glaubten sie wohl, jetzt hätten sie diesen Begriff ganz richtig aufgefaßt; doch blieb ihnen diese Stimmung nicht. Wenn sie Gefahr lief, sich ganz zu verlieren, so mußte Ich sie auffrischen und wieder in ihrem Herzen rege machen, zumal in jener Zeit, in der die letzten Augenblicke heranrückten, die Mir die bittersten waren und auch ihnen die härtesten Schläge versetzten, da sie nie für möglich gehalten hätten, was nun vor ihren Augen geschah.

  

04] Deswegen versprach Ich ihnen einen Tröster und machte ihnen den Gedanken des Verlustes Meiner sichtbaren Person so leicht erträglich wie möglich.

  

05] Was Ich dort zu Meinen Jüngern sagte, das gilt auch in fernen Zeiten für alle diejenigen, die ebenfalls den rechten Weg des Glaubens und der Liebe einschlagen; denn alle Menschen, die Mich wahrhaft lieben wollen, bewahrheiten dieses eigentlich nur dann, wenn sie Meine Worte halten und befolgen.

  

06] Das Befolgen Meiner Worte, das Beweisen durch Taten ist erst der Probierstein, ob es den Menschen ernst ist, Mir auf dem Wege der Demütigung und Selbstverleugnung, den Ich selbst vorangegangen bin, zu folgen, indem sie, alle Annehmlichkeiten der materiellen Welt dahintenlassend, den Blick nur nach dem geistigen, aber ewigen Weltreich richten.

  

07] Viele gibt es auf dieser Welt, die das Wort ,Mich lieben` gar nicht verstehen oder es nur so deuten möchten, wie es ihnen bequem ist; mit diesen aber bin Ich nicht. Ich werde und kann nicht, weder als Sohn noch als Vater, in ihren Herzen Wohnung nehmen; denn darin ist der größte Platz den weltlichen Sorgen eingeräumt. Und es wird von ihnen Meiner und Meiner Lehre nur dann gedacht, wenn etwa ein kirchlicher Feiertag oder bittere Erfahrungen und Unglücksfälle sie daran erinnern, daß neben der materiellen Welt eine geistige, und dahinter der Regierer, Erhalter und Leiter von beiden steht, der sich trotz der Vernachlässigung von seiten der Menschen als liebender Vater finden läßt.

  

08] Solchen Menschen, die Mich nur so zur Not neben den Weltgeschäften herlaufen lassen, solchen Menschen kann Ich freilich nicht das Versprechen erfüllen, in ihrem Herzen zu wohnen; denn sie lieben Mich nicht, wie die Liebe zu Mir beschaffen sein sollte. Sie haben nur eine Art von Wohlwollen für Meine Lehre und für Meine Person übrig, wobei sie noch im Zweifel sind, ob diese besteht -, weil Ich durch Mein Wort ihnen nur Gutes rate und ihr Bestes will. Allein, sich ganz Mir hinzugeben, Mir und Meinen Fügungen alles aufzuopfern, so weit wollen sie ihre Liebe nicht ausdehnen; denn da müßten sie gar vielen weltlichen Vergnügungen und Genüssen entsagen, was nach ihrer Meinung doch nicht angeht, da man einmal in dieser Welt sei und - wie sie sich entschuldigen - mit ihr leben müsse.

  

09] Diese Menschen - und es gibt deren Millionen - haben noch einen weiten Weg von herben Erfahrungen zu machen, bis sie zu der Einsicht gelangen werden, daß ihr so gleichsam nur Liebäugeln mit Mir von keinem Wert und Nutzen ist, sondern daß man entweder sich Mir ganz ergeben oder in der Folge der Welt verfallen muß.

  

10] Überall werden sie Ruhe und Frieden suchen, alles anklagen, Mich, die Natur, die Verhältnisse oder das Schicksal, wie sie es nennen werden; aber nur sich selbst werden sie als Urheber ihres eigenen Unglücks nie erkennen wollen. So wird ihr Schicksal sein: kein Tröster, kein Friedensstifter wird zu ihnen kommen können, weil sie nicht begreifen, daß er nicht von außen hinein, sondern nur von innen heraus den Frieden herstellen kann.

  

11] Wenn ihr jetzt die Welt stets ärger, stets schlechter werden seht, wenn die Menschen stets unzufriedener, stets mißmutiger, stets grausamer, stets egoistischer werden, so ist überall der Grund der, daß niemand den eigentlichen Weg zum Frieden, zur Genügsamkeit und zum völligen Ergeben in Meine Führung mehr erkennt. Je mehr dieses Haschen nach flüchtigen Weltgütern und mächtigen Stellungen fortgeht, desto mehr entfernen sich die Menschen von dem eigentlichen Quell aller besseren Tugenden, und selbst das Wort ,Liebe` ist ihnen nur insofern bekannt, als es sich auf ihre irdischen Genüsse bezieht, denen sie mit aller Hast nachjagen, und die sie um jeden Preis erringen wollen.

  

12] Hier seht ihr die Quelle vieler Selbstmorde, als Folge von Überdruß, weil das Erwünschte sich nicht erreichen ließ. Es ist dies auch der Beweis, wie wenig in solchen Herzen von Religion oder von dem Begriff eines ewigen, geistigen Lebens vorhanden ist, wo Vergeltung für Gutes und Böses den Dahingeschiedenen erwartet, indem er in solche Lagen versetzt wird, in denen er, auf sich selbst beschränkt, alles Schlechte und Falsche aus seinem Innern ausmerzen muß, bevor er eine bessere Stellung im Geisterreiche erhalten kann.

  

13] Unter solchen Menschen ist natürlich denjenigen, welche wirklich Mir leben, Mir folgen und durch Taten Mir beweisen wollen, daß sie Mich lieben, das Fortschreiten bedeutend erschwert, weil sie gegen die Meinung der Mehrzahl ankämpfen müssen und, wie einst Meine Jünger, für das Segenverbreiten nur Haß und Spott ernten.

  

14] Aber dieses Kämpfen, dieses Streiten gegen den mächtigen Strom der materiellen Welt, das auch Meiner Jünger Los war, dieses Kämpfen ist notwendig, um Meine Kindschaft zu erreichen. Denn wenn es nicht Gott, das höchste Wesen wäre, das euch zu Seinen Kindern erziehen will, so wäre es nach menschlichen Begriffen und Forderungen schon genügend, wenn ihr so wie die große Mehrzahl der Menschen lebtet, d.h. wenn ihr Mir die Ehre zollet, euch wohl die besten Lehren gegeben zu haben, es aber euch überlassen bliebe, wie und wann ihr diese bequem mit euren weltlichen Bedürfnissen vereinbaren wolltet.

  

15] Aber so habe Ich es nicht gemeint, als Ich damals Meinen Jüngern: "Wer Mich liebt, der wird Mein Wort halten!", und wie Ich euch auch jetzt wieder zurufe: "Wer Mich liebt, der muß es durch Taten beweisen!"

  

16] Wie Meine Jünger in jener Zeit entweder Heiden oder fanatische Juden vor sich hatten, denen sie Mein Evangelium predigen mußten, so habt ihr jetzt ebenfalls Heiden, Ungläubige, fanatische Buchstabenausleger und beschränkte Zeremonienreiter vor euch, von denen die ersten gar nichts glauben, weil es ihnen so besser zusagt, und die andern mit dem Halten des Religionskultus alles getan zu haben glauben, was sie Mir schuldig sind.

  

17] Wie Ich einst Meinen Jüngern versprach, ihnen den Tröster zu schicken, der sie führen und leiten wird, wenn sie überall Schwierigkeiten und Hindernissen begegnen, so wird es auch jetzt denjenigen ergehen, welche Mich im wahren Sinne lieben und Mein Wort halten wollen.

  

18] Wäre dies nicht die Verheißung Gottes, der alles Erduldete reichlich vergelten will, so wäre es entschuldbar, wenn selbst die Eifrigsten in ihrer Mission scheiterten und die Hoffnung verlören, auch nur den kleinsten Teil der Menschheit vom gänzlichen Verderben zu retten. Da aber Ich als Schöpfer, Herr und Vater die Zügel der ganzen Welt in der Hand habe, so werde Ich auch, wie Ich es Meinen Jüngern versprach, bei denjenigen wohnen, die Mich lieben und Mein Wort halten, d.h. Ich werde ihr Ratgeber und Führer sein. Ich werde ihnen die reifen Seelen in den Weg führen, die durch bittere Schläge zugänglich und mürbe gemacht worden sind, welche die Vergänglichkeit der Welt gekostet haben, und sich nach Besserem sehnen.

  

19] Ich werde Meine jetzigen Jünger im Glauben und festen Vertrauen in Meine Fügungen stets mehr bestärken, werde ihnen durch Mein Wohnen in ihren Herzen Ersatz geben für alles, was sie Meinet und Meiner Lehre wegen erdulden müssen, damit sie mitten im trüben Gewirr aller menschlichen Leidenschaften die klare Fernsicht behalten und das Ziel ihrer Aufgabe nicht aus den Augen verlieren. Daher folgt unverdrossen Meinen Worten und Meiner Lehre!

  

20] Wißt ihr, warum Ich selbst nun durch Meine Knechte und Schreiber euch Meinen Willen mitteile?

  

21] Der Grund, daß schon seit mehreren Jahren Meine direkten Mitteilungen reichlicher fließen als in früheren Zeiten, und daß Ich euch so viel Himmelsbrot gebe, wie es seit Meinem irdischen Lebenswandel nie geschehen ist, ist der, weil gerade jetzt der Zeitpunkt sich nähert, an dem die Welt ihren Gipfelpunkt in den Verirrungen und im Abweichen von Meinen Schöpfungszwecken erreichen wird. Damit nun - zumal dies Meine Wiederkunft bedingt - nicht alle Menschen verlorengehen, so habe Ich bestimmt, daß von nun an einzelnen, wie einst Meinen Jüngern, Mein Wort und Meine Lehre unverfälscht zukommen soll, nicht verschleiert wie in den Propheten, sondern klar und verständlich, wie Meine Jünger es einst die Völker lehrten.

  

22] Dort war das Verbreiten der Lehre schwieriger; heute aber ist durch eure Erfindung der Buchdruckerkunst das Verbreiten Meiner Lehre bei weitem leichter, so daß überallhin, wo die Finsternis der weltlichen Macht sich geltend machen will, der Schein Meines ewigen Liebe und Gnadenlichts dringen kann.

  

23] Ich will jetzt dem Ungläubigen die Augen öffnen und den Buchstabenauslegern Meiner Bibel den eigentlichen Sinn erklären, damit niemand sich entschuldigen könne, als hätte er nichts davon gewußt, und durch diese Ausrede Mich beschuldigen möchte, während doch die ganze Schuld auf ihn selbst fallen wird.

  

24] Daher seid stark, ihr wenigen, die ihr zerstreut in verschiedenen Gauen noch Meine Perlen im eigenen Herzen bewahret! Vertraut auf Mich! Ich wohne bei und in euch, Ich werde euch führen und nicht verlassen, solange ihr Mich liebt und Mein Wort haltet. Euch habe Ich alles - Mein Ich, Meine Schöpfung und das Verhältnis des Menschen zu beiden - durch viele Worte klar gezeigt. Für euch gibt es keinen Entschuldigungsgrund, als hättet ihr es nicht gewußt. Nur das eine ist noch bei manchen von euch der Fall, daß sie Mein Wort nicht in der größten geistigen Tiefe auffassen. Doch dazu werde Ich euch schon Meinen Tröster und heiligen Geist in Form von bitteren Erfahrungen und Zweifeln schicken, um auch diese letzte Schattenseite aus den Herzen Meiner Ergebenen zu entfernen; denn wer berufen ist, einst auf andere zu wirken, der muß in sich selbst fest sein und genau wissen, was er zu tun und was er zu lassen hat.

  

25] Meine Worte sind einfach und klar, nur dürfen nicht die Selbstliebe der Dolmetscher und falsche Ausleger dabei sein; denn sonst würde von euch manches entschuldigt, was bei Mir nicht vergeben werden kann.

  

26] Daher prüfet euch wohl! Bedenket: Ich treibe keinen Scherz mit euch und will auch nicht, daß ihr mit Mir nur so gelegentlich verhandelt, wie es euch gerade genehm ist!

  

27] Ernst ist das Leben und heilig Meine Sache! Hinter diesem flüchtigen, irdischen Scheinleben steht ein ewiges, wahres Leben, in dem keine Ausflüchte, keine Entschuldigungen gelten können und dürfen; denn es ist das Reich des wahren Gottes, der nur eine Wahrheit und die Liebe zu ihr kennt.

  

28] Darum befleißigt euch, Mich zu lieben und Mein Wort zu halten! Ihr tut damit den größten Dienst euch selbst; denn ihr erkämpft euch durch dies Liebe das ruhige Bewußtsein der edlen Tat und eine bessere Stellung und ein leichteres Fortschreiten im Jenseits.

  

29] Ich bin kein strenger Richter, kein zürnender Gott und will auch keiner sein. Ich bin - wie Ich es euch oft gesagt habe - ein liebender Vater, ein voraussehender Hirte, der seine Schafe auf gute Weideplätze und weit weg von jenen Gegenden führen möchte, wo Abgründe oder sonstige Hindernisse ihrem geistigen Leben Gefahr bringen könnten.

  

30] Ich will nur das Gute, weil Ich die Güte selbst bin! Ich will nur die Liebe, weil Ich die Liebe selbst bin, und Ich will euch zu geistigen, höheren Wesen machen, weil Ich als das höchste geistige Wesen selbst nur solche Kinder um Mich haben möchte, die Mir und Meinem Reiche Ehre machen und ihren Frieden und ihre Freude nur in Mir suchen.

  

31] Dies bezeugt das Wort, das Ich einst Meinen Jüngern sagte: "Wer Mich liebt, der wird Mein Wort halten!"

  

32] Haltet also Mein Wort und macht euch Meiner Liebe würdig, und das Wort im Evangelium ist auch an euch erfüllt! Amen.

 

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gm.pred.027. Predigt, am Dreifaltigkeitssonntage

   00] Der Abschied Jesus (Mt.28,18-20): Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!"

  

01] Diese Worte sagte Ich zu Meinen Jüngern, als Ich ihnen nach Meiner Auferstehung vom Tode auf einem Berg in Galiläa erschien. Es waren dies Worte, welche nicht Jesus, der Zimmermannssohn von Nazareth, zu Seinen Schülern sprach, sondern es waren Worte, die Gott der Herr alles Geschaffenen zu Seinen Kindern und einzigen Verehrern und Gläubigen Seiner Lehre redete. Denn mit dem Kreuzestod hatte Mein irdisches Wandeln auf eurer Erde seinen Abschluß und mit Meiner Auferstehung Meine Göttlichkeit ihre Bestätigung gefunden.

  

02] Schon bei einer anderen Gelegenheit sagte Ich zu Meinen Jüngern, daß Ich, der Sohn, und der Vater im Himmel eins sind, und daß, wer Mich sieht, auch den Vater sieht; aber ganz begreiflich war dieses Wort Meinen Jüngern doch nicht, weil sie Mich wohl als einen, mit einer größeren Willenskraft als andere ausgestatteten Menschen anerkannten, aber von ihrem Gott doch ein anderes Bild in ihrem Herzen trugen, als daß es von ihnen mit Meiner Persönlichkeit hätte gleichgesetzt werden können.

  

03] Nach Meiner Auferstehung, einer nach menschlichen Begriffen außergewöhnlichen Tat, stieg ihre Idee von Meiner Göttlichkeit schon etwas höher; aber erst am Himmelfahrtstag erreichte sie ihren Kulminationspunkt, wo sie Mich für das erkannten, was Ich ihnen oft gesagt hatte.

  

04] Ich muß bei diesen wenigen Worten des Textes solche Bemerkungen vorausschicken, damit euch das Verhältnis Meiner Jünger zu Mir in jener Zeit besser begreiflich ist, und damit ihr die Anwendung dieser Texte auch auf euch und die jetzige und noch kommende Zeit leichter einsehen lernet.

  

05] Wie dort Meine Jünger nach Meiner Grablegung verlassen und trostlos umherirrten und über den Verlust ihres Führers trauerten, ja selbst an Meiner göttlichen Sendung zweifelten, ebenso ist die jetzige Menschheit - gläubig oder ungläubig - unschlüssig, ob sie etwas glauben, oder ob sie wohl alles verwerfen soll.

  

06] Meine Jünger waren auch nicht alle von gleicher Fassungskraft, nicht alle von gleichem Eifer für Meine Lehre beseelt, nicht alle von Meiner Göttlichkeit überzeugt. Daher mußte Ich manchmal, selbst nach Meiner Auferstehung, zu außerordentlichen Kundgebungen greifen, um auch die Schwachen vollends zu überzeugen, daß Ich Der sei, für den Ich Mich ausgab, und daß Meine Worte, wie Meine Lehre, nicht für sie allein, sondern für die ganze Welt, für das ganze Geisterreich und für die Ewigkeit bestimmt seien.

  

07] Wie dort, so jetzt: Auch jetzt muß Ich durch kräftigere Handlungen in den weltlichen Wirren auf eurem Erdball die Eingeschlafenen wecken, die Halbwachen bestärken und die Ganzwachen beschützen, damit nicht ebenfalls Zweifel und Grübeleien den ausgestreuten Samen an seinem Aufkommen hindern.

  

08] Denn seht: Wenn Ich heute auf eurer Welt wieder sichtbar erscheinen werde, glaubt ihr denn, man wird Mich so ohne alle weiteren Beweise für das halten, was Ich eigentlich bin? Mitnichten! Es werden der Zweifler und Leugner, der Verfolger und Hasser genug auftreten. Und wie in jener Zeit die Hohenpriester die römischen Soldaten bestachen, daß sie aussagten, es wäre Mein Leichnam gestohlen worden, so werden auch bei Meiner Darniederkunft die Vernünftler, die Gelehrten und Priester alles aufbieten, um die Menschheit vom Gegenteil dessen zu überzeugen, was Ich den Menschen sagen werde.

  

09] Glaubt ja nicht, daß diese Menge von Menschen, welche jetzt in Andacht vor den Mir gebauten Altären und Kirchen kniet, sich so schnell mit der Idee vertraut machen wird, Ich sei wiedergekommen, zumal wenn sie hören wird, wo Mein erstes Auftreten und wie Meine Worte an sie gerichtet sein werden!

  

10] In jener Zeit, in der durch Elementarereignisse und sonstige Wunder die Juden sich wohl hätten überzeugen können, daß derjenige, den sie kreuzigen halfen, etwas anderes als ein gewöhnlicher Mensch war, konnte Ich Mich nach Meiner Auferstehung doch nicht dem ganzen Judenvolk zeigen, sondern nur Meinen Jüngern, und konnte nur den wenigen, die wahrhaft an Mich glaubten, den tatsächlichen Beweis geben, daß die Worte, die Ich zu ihnen oft klar, oft in Bilder eingekleidet, gesprochen hatte, und die von der Besiegung des Todes und von Meiner Auferstehung handelten, wahr waren.

  

11] Und wie in jenen Zeiten, so wird es wieder geschehen. Nur einem kleinen Kreis Meiner wirklichen Jünger wird es im Anfang zuteil werden, Mich als zurückkehrenden Jesus, aber auch als Gott, Herrn und Schöpfer des Unendlichen ertragen und erkennen zu können. Diesen werde Ich erscheinen und werde ihnen, wie einst Meinen Jüngern auf dem Berg in Galiläa zurufen: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden! Gehet hin, lehret die Völker und taufet sie, d.h. weihet sie alle ein in diese Lehre im Namen der göttlichen Dreieinigkeit, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Lehret sie aber auch halten, d.h. in Taten ausüben, was ihr selbst als Wahres erkannt habt, und seid versichert, daß Ich bei euch sein werde von Anfang bis in alle Ewigkeit! Amen."

  

12] So wird der Ruf an die kleine Schar ergehen, die Ich auserlesen habe zur weiteren Verbreitung Meines göttlichen Worts, welches Ich einst als Mensch mit Meinem Blut erkauft und besiegelt habe. So wird es geschehen, daß auch diese Neuerwählten, wie einst Meine Jünger, als Wiedergeborene mit aller Macht von Mir ausgerüstet werden, um ihre Worte durch Taten zu bekräftigen und Mir den Weg zu ebnen, damit Ich nur Mir zugewandten, aber nicht entfremdeten Herzen begegne.

  

13] Jetzt schon ist Mein Darniederkommen eingeleitet, indem Ich, wenn auch nicht sichtbar, doch schon geistig einwirke, um Mir eine Anzahl Jünger zu bilden, welche die Wege ebnen sollen. Und was die Aufgabe Meiner Jünger in jener Zeit war, was Meinen Auserwählten damals bei Meiner sichtbaren Ankunft aufgetragen wurde, das müssen Meine jetzigen Anhänger geistig vollführen. Auch ihnen, sowie euch allen, rufe Ich zu: "Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden! Zweifelt nicht an Meiner Liebe, an Meiner Lehre und an Meinem Versprechen, welches Ich der Menschheit, und somit auch euch, gegeben habe; denn Ich bin, war und werde stets der Herr sein, der Seine Kinder beschützen, führen und auch für ihr Ausharren einst belohnen wird.

  

14] Mir ist alle Gewalt gegeben, Mir muß alles gehorchen, von Mir ging alles aus, und zu Mir muß alles wieder zurückkehren. Streut Meinen Samen aus in die Herzen, welche gutes Erdreich für solche Frucht zeigen! Vermehret Meine Anhänger, weiht sie ein in das eigentliche Verständnis Meiner zwei einzigen Liebesgebote, damit sie das Wahre vom Falschen unterscheiden und den Irrlehren Widerstand leisten können! Mir ist die Macht gegeben, mit der sanftesten Liebelehre die härtesten, verstocktesten Gemüter zu bekehren und zu erweichen.

  

15] Taufet eure Mitbrüder und Mitschwestern mit dem Geist der Duldung, der Aufopferung und der Verzeihung! Lehret sie alle die Nachsicht, wie Ich sie gegen euch und die ganze Menschheit schon seit unendlichen Zeiten geübt habe! Lehret sie den geistigen Genüssen die weltlichen unterordnen! Lehret sie die große, langandauernde Ewigkeit jenseits des Grabes nicht durch eitle, nichtige Jagden nach Weltgütern verscherzen!"

  

16] So sollt ihr Meine Lehre als geistigen Samen ausstreuen, damit auch ihr einen Anteil haben könnt an dem Erneuerungswerk Meines geistigen Reichs, welches nach Meiner Ankunft auf Erden herrschen soll.

  

17] So vollführt ihr geistig, was einst Meine Apostel tatsächlich getan haben. Und wie Ich Meinen Jüngern dort in Aussicht stellte, daß sie alle einst bei Mir sein würden, so erwerbet auch ihr euch dieses Recht, in Meiner Nähe die Liebe und die ganze Seligkeit fühlen zu dürfen, die denen vorbehalten ist, die Mein Wort und Meine Lehre sich so zu eigen gemacht haben, daß sie ganz zu ihrem Ich geworden sind.

  

18] Seht, Ich verspreche euch viel; aber wie einst, so sage Ich auch jetzt: Mir ist alle Macht inne! Ich bin der Herr und Schöpfer, bin aber auch zugleich euer Vater, euer liebender, stets nachsichtiger Vater, der nur in den Freuden, geistigen Genüssen und Seligkeiten Seiner Kinder Seine eigenen wieder verherrlicht sieht.

 

 19] Daher werdet ihr, wenn es vielleicht euch allen nicht zuteil wird, Mein persönliches Erscheinen auf dieser Welt mitzuerleben, von dorther, von wo Ich komme, Mich begleiten und mit Wonne und Zufriedenheit Meine väterlichen Freuden mitgenießen, wozu ihr, wie es euch euer Bewußtsein sagen wird, ebenfalls euer Scherflein beigetragen habt.

  

20] Dann werdet ihr Mich und Meine Führungen preisen, wenn ihr klar erkennen werdet, wie die Worte gemeint waren, welche Ich zu Meinen Jüngern einst sagte; denn ihr werdet Mich in Meiner ganzen Macht, in Meiner ganzen Liebe, in Meiner ganzen Herrlichkeit sehen, wie Ich wieder sichtbare Umkleidung wähle, um Meinen gläubigen, schon längst sich nach Mir sehnenden Schafen der einzige und wahre Hirte zu werden. Dann wird die Erde materiell dem Bilde der geistigen Welt auf ihr folgen; sie wird wieder zu einem Paradiese werden, wenn der Seelenfrieden oder das geistige Eden in allen Herzen seinen Wohnort aufgeschlagen hat.

  

21] Diesen genuß und diese Feier weiter auszumalen, ist nicht möglich; denn ihr ertraget und begreifet es nicht, aber daß sie euch vorbehalten ist, das kann Ich euch versichern, - und Mein Wort trügt nicht.

  

22] Jetzt schon bereitet sich diese Umwandlung geistig auf eurem Weltkörper vor. Inniges Sehnen nach dem geistigen Frühling hebt die bedrängten Herzen. Es regt sich überall. Viele wissen nicht, wie ihnen geschieht. Die einen handeln mit, die andern ohne vorgesetzten Zweck. Alle treibt es zu geistiger Reife; selbst die größten Materialisten, die verstocktesten Ungläubigen und Gleichgültigen läßt es nicht in Ruhe. Wie ein Sonnenstrahl, welcher durch eine kleine Öffnung eines geschlossenen Fensterladens auf einen Schlafenden fällt und ihn beruhigt, ebenso trifft dieser Liebestrahl, der Meinem Wiederkommen vorausgeht, alle. Die einen wollen sich seiner Wirkung durch Verstandesgrübeleien entziehen. Sie schwätzen sich selbst auf einige Zeit Ruhe ins Herz; aber es hilft nichts. Neue Zweifel, neue ,Warum` steigen auf. Immer wieder regt es sich; es bewegt sie der herrschende Geist, der schon die ganze Welt in seine Sphäre eingehüllt hat. Vergebens ist es, diesen Geisteszwang abschütteln zu wollen. Die Verhältnisse und Ereignisse lassen die Menschen immer mehr fühlen, daß alles, was sie als Endziel, als Zweck ihres Lebens betrachten, nicht das Ende, nicht das letzte Ziel ist. Unaufhaltsam drängt es sie vorwärts. In Sturmeseile geht es der Zeit entgegen, in der Meine Darniederkunft ihnen allen beweisen wird, daß nicht Weltliches, sondern Geistiges angestrebt werden muß, daß nicht ein kurzes Erdenleben, sondern die lange Ewigkeit der eigentliche Aufenthalt Meiner von Mir als Geist geschaffenen Wesen ist.

  

23] Unaufhaltsam drängt es dem Schlußpunkt entgegen, wo Ich, wie einst Meinen Jüngern, Meinen neuen Auserwählten die gleichen Worte sagen werde: Mein ist die Macht - auf der Erde, wie im Himmel! Bereitet euch vor, Meine Kinder, wo ihr auch sein möget - hier oder dort -, dieses Auferstehungsfest der geistigen Menschenwürde mit Mir zu feiern; denn es ist nicht allein das größte Fest für euch Menschen, sondern auch das wichtigste für Mein ganzes, großes Geisterreich, in welchem dieser Schluß der Beweis sein wird, warum Ich einst auf eure kleine Erde herabstieg, und warum Ich gerade euch unansehnliche und kleine Geschöpfe auf einem in der Unendlichkeit herumkreisenden Sandkorn auserwählt habe, Meine Kinder zu werden.

  

24] Ich will wieder beweisen, daß Ich im Kleinsten am größten bin. Wäre Mir nicht alle Macht gegeben, so könnte Ich es nicht ausführen, wäre aber auch kein Gott, den diese Macht weit über alles Geschaffene erhebt und selbst dem größten Engelsgeist unerreichbar ist.

  

25] Nehmt diese Worte, ihr kleinen Kinder des großen Gottes, als Zeichen Seiner Liebe und erinnert euch Seiner Worte, die Er als Jesus einst sagte: "Wer über Kleines gesetzt, es pflichtmäßig verwaltet, dem wird einst Großes anvertraut werden."

  

26] Wie Ich einst bei euch winzigen Würmern in Meiner großen Schöpfung den größten Liebesakt vollzog, so sollt auch ihr trachten, eben im Kleinsten, selbst bei sonst unscheinbaren Vorkommnissen, Meine Liebesgesetze zu befolgen und sie am ehesten und gewissenhaftesten auszuüben, damit auch ihr im Kleinsten eure größte Seelenstärke zeigen und bewähren könnt. So seid ihr Meine würdigen Kinder, die wert sind, einst über Großes gesetzt zu werden, wo ihr dann im Großen Frieden und Seligkeit verbreiten könnt, wie ihr es nicht unterlassen habt, sie auf eurer kleinen Erde bei den geringsten Verhältnissen an den Tag zu legen.

  

27] Dies merkt euch wohl! Weiht auch andere in die Geheimnisse eures Herzens ein, lehrt sie ebenfalls Mein Evangelium verstehen und begreifen, damit ihr, wie Meine Jünger, Anspruch haben könnt, einst in Meiner Nähe die ganze Kraft der Liebe zu genießen, deren ein göttlichväterliches Herz fähig ist! Amen.

 

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Aktualisiert am: 17.05.2007 Home