Vom letzten Gericht
 
  Emanuel Swedenborg 


2117. Was das Letzte Gericht ist, wissen wenige heutzutage; man meint, es werde kommen mit dem Untergang der Welt. Daher die Vermutungen, der Erdkreis werde im Feuer vergehen, mitsamt dem, was in der sichtbaren Welt ist; und daß dann erst die Toten werden auferstehen, und vor das Gericht gestellt werden. Die Bösen sollen dann in die Hölle geworfen werden, und die Guten sich in den Himmel erheben. Diese Vermutungen sind den prophetischen Teilen des Wortes entnommen, in denen gedacht wird eines neuen Himmels, und einer neuen Erde, dann auch eines neuen Jerusalem. Man weiß jedoch nicht, daß die prophetischen Stellen des Wortes im inneren Sinn etwas ganz anderes bedeuten, als im Buchstabensinn hervortritt, und daß unter dem Himmel nicht verstanden wird der Himmel, noch unter der Erde die Erde, sondern die Kirche des Herrn im allgemeinen, und bei einem jeden insbesondere.

2118. Unter dem Letzten Gericht wird verstanden die letzte Zeit der Kirche, sodann auch das Letzte des Lebens eines jeden. Was die letzte Zeit der Kirche betrifft, so fand das Letzte Gericht der Ältesten Kirche, die vor der Sündflut bestanden hatte, dann statt, als die Nachkommenschaft derselben zugrunde ging. Ihr Untergang wird durch die Sündflut beschrieben. Das Letzte Gericht der Alten Kirche, die nach der Sündflut bestanden hatte, war da, als beinahe alle, die zu dieser Kirche gehörten, Götzendiener geworden waren, und zerstreut wurden. Das Letzte Gericht der vorbildlichen Kirche, die bei den Nachkommen Jakobs folgte, fand statt, als die zehn Stämme in die Gefangenschaft weggeführt und unter die Heiden verstreut wurden; und nachher die Juden, nach der Ankunft des Herrn, aus dem Lande Kanaan vertrieben, und in die ganze Welt zerstreut wurden. Das Letzte Gericht der gegenwärtigen Kirche, welche die christliche Kirche genannt wird, ist das, was bei Johannes in der Offenbarung unter dem neuen Himmel und der neuen Erde verstanden wird.

2119. Daß das Letzte des Lebens eines jeden Menschen, wenn er stirbt, für ihn das Letzte Gericht ist, wissen einige wohl, dennoch aber glauben es wenige. Während doch feststehende Wahrheit ist, daß ein jeder Mensch nach dem Tod in das andere Leben aufersteht und vor das Gericht gestellt wird. Mit diesem Gericht aber verhält es sich so: sobald seine Körperteile erkalten, was nach einigen Tagen geschieht, wird er vom Herrn auferweckt durch himmlische Engel, die zuerst bei ihm sind. Ist er aber von der Art, daß er nicht mit ihnen zusammen sein kann, so wird er von geistigen Engeln in Empfang genommen, und nachher allmählich von guten Geistern; denn alle, so viel ihrer auch immer ins andere Leben kommen, sind angenehme und willkommene Ankömmlinge. Weil aber demjenigen, der ein böses Leben geführt hatte, seine Sehnsüchte (desideria) nachfolgen, so kann er nicht lange bei den Engeln und den guten Geistern verweilen, sondern trennt sich allmählich von ihnen, und zwar dies so lange, bis daß er zu Geistern kommt, deren Leben demjenigen, das er in der Welt geführt hatte, ähnlich und gleichförmig ist, dann kommt es ihm vor, als ob er im Leben seines Leibes wäre, an sich ist es auch eine Fortsetzung seines Lebens. Mit diesem Leben nimmt sein Gericht den Anfang: die, welche ein böses Leben geführt hatten, fahren nach Verfluß einiger Zeit (per temporis moras) in die Hölle hinab; die ein gutes geführt, werden stufenweise vom Herrn in den Himmel erhoben. Von solcher Art ist das Letzte Gericht eines jeden; wovon aus Erfahrung im ersten Teil.

2120. Was der Herr von den letzten Zeiten gesagt hat, daß dann das Meer und die wogende See widerhallen, die Sonne verdunkelt werden, der Mond sein Licht nicht geben werde, die Sterne werden vom Himmel fallen, Völkerschaft wider Völkerschaft und Königreich wider Königreich werde erregt werden, und dergleichen mehr: Matth.24/7,29; Luk.21/25, das alles bedeutet, sowohl im ganzen, als im einzelnen, den Zustand der Kirche, wie er sein werde zur Zeit ihres Letzten Gerichts, und zwar wurde durch das Widerhallen des Meeres und der wogenden See nichts anderes bezeichnet, als daß die Irrlehren und Streitigkeiten, im allgemeinen innerhalb der Kirche und im besonderen in einem jeden, einen solchen Lärm machen werden. Unter der Sonne wurde nichts anderes verstanden als die Liebe zum Herrn und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten. Unter dem Mond, der Glaube, und unter den Sternen die Erkenntnisse des Glaubens, die in den letzten Zeiten werden so verdunkelt werden, kein Licht geben und vom Himmel fallen, d.h. verschwinden werden. In ähnlicher Weise wurde vom Herrn gesprochen bei Jes.13/10.
Sodann unter Völkerschaft wider Völkerschaft, und Königreich wider Königreich, nichts anderes, als Böses wider Böses, und Falsches wider Falsches, usf. Daß der Herr so sprach, geschah aus vielen geheimen Gründen. Daß Meere, Sonne, Mond, Sterne, Völkerschaften und Königreiche dergleichen bedeuten, weiß ich gewiß, und ist im ersten Teile gezeigt worden.

2121. Daß das Letzte Gericht bevorsteht, kann man auf Erden und innerhalb der Kirche nicht so wissen, wie im anderen Leben, wohin alle Seelen kommen und zusammen- strömen. Die Geisterwelt ist heutzutage voll von bösen Genien und von bösen Geistern, besonders aus der Christenheit. Unter ihnen herrscht nichts als Haß, Rache, Grausamkeit, Unzüchtigkeit und dann auch arglistige Ränke. Und nicht bloß die Geisterwelt, in der die von der Welt her eben abscheidenden Seelen zuerst anlanden, sondern auch die inwendigere Sphäre jener Welt, in der die sind, die in betreff ihrer Bestrebungen und Endzwecke tief innerlich böse waren. Diese ist in gleicher Weise heutzutage so angefüllt, daß ich mich wunderte, wie es irgendeine so große Menge geben konnte, denn alle werden nicht augenblicklich in die Höllen hinabgeworfen, weil den Gesetzen der Ordnung gemäß ist, daß ein jeder von solcher Art in sein Leben zurückkehre, das er in der Welt hatte, und infolgedessen stufenweise in die Hölle niedersinke. Der Herr stürzt keinen in die Hölle, sondern ein jeder sich selbst. Daher sind jene Geisterwelten ganz außerordentlich angefüllt von einer Menge solcher, die dort anlangen und eine Zeitlang daselbst verweilen. Von ihnen aus werden die Seelen, die aus der Welt kommen, arg angefochten, und außerdem werden die Geister, die beim Menschen sind, (denn jeder Mensch wird vom Herrn durch Geister und Engel regiert,) mehr als früher erregt dem Menschen Böses anzutun, und zwar in dem Grade, daß die Engel, die beim Menschen sind, es kaum abwenden können, sondern genötigt werden, mehr aus der Ferne auf den Menschen einzuwirken. Daraus kann man im anderen Leben deutlich erkennen, daß die letzte Zeit bevorsteht.

2122. Was die aus der Welt neu anlangenden Seelen weiter betrifft, so sinnen und trachten die, welche aus der Christenheit herkommen, selten nach etwas anderem, als daß sie die Größten sein, und daß sie alles besitzen möchten, somit sind alle von Selbst- und Weltliebe erfüllt, und diese Neigungen sind ganz gegen die himmlische Ordnung, Nr. 2057. Außerdem denken die meisten an nichts anderes als an unreine, unzüchtige und unheilige Dinge, und reden unter sich nichts anderes. Dann achten sie für nichts und verachten ganz und gar alles, was zur Liebtätigkeit und zum Glauben gehört, denn Herrn selbst erkennen sie nicht an, ja sie hassen alle, die Ihn bekennen; denn im anderen Leben reden die Gedanken und Herzen; und außerdem werden die Erbübel, infolge des lasterhaften Lebens der Eltern, bösartiger, so daß sie wie inwendig verborgene und unterhaltene Brände den Menschen zu ärgeren Sünden gegen die Ehrenhaftigkeit und Frömmigkeit anreizen, als früher. Solche kommen heutzutage haufenweise ins andere Leben, und füllen die auswendigere und die inwendigere Sphäre der Geisterwelt an. Wenn das Böse in dieser Weise vorzuherrschen, und das Gleichgewicht sich auf die Seite des Bösen zu neigen anfängt, so erkennt man daran deutlich, daß die letzte Zeit bevorsteht, und es notwendig ist, das Gleichgewicht wieder herzustellen durch Verwerfung derjenigen, die innerhalb der Kirche sind, und Aufnahme anderer außerhalb derselben.

2123. Daß die letzte Zeit bevorsteht, kann man im anderen Leben auch daraus abnehmen, daß alles Gute, das vom Herrn durch den Himmel in die Welt der Geister einfließt, dort augenblicklich in Böses, Unzüchtiges und Unheiliges - und daß alles Wahre augenblicklich in Falsches, somit die gegenseitige Liebe in Haß, die Redlichkeit in Betrug verkehrt wird, usf.; also, daß sie kein Gefühl mehr für irgend etwas Gutes und Wahres haben. Ähnliches strömt ein in den Menschen, der durch Geister regiert wird, mit dem die dort Befindlichen in Gemeinschaft stehen. Dies ist mir durch häufige Erfahrung ganz genau bekannt geworden, und wollte ich sie alle anführen, so würden viele Seiten damit angefüllt werden. Ich durfte sehr oft wahrnehmen und hören, wie das Gute und Wahre, das aus dem Himmel kam, in Böses und Falsches verkehrt wurde, sodann auch, in welchem Grad, und in welcher Art (dies geschah).

2124. Es wurde mir gesagt, daß in den Vorsündflutlichen das im Willen liegende Gute (Bonum voluntarium), das bei den Menschen der Ältesten Kirche war, gänzlich zugrunde gerichtet wurde. Daß hingegen heutzutage bei den Menschen der Christlichen Kirche das verstandesmäßige Gute (Bonum intellectuale) zugrunde zu gehen anfange, und zwar so sehr, daß wenig mehr davon übrig ist, und dies infolgedessen, daß sie nichts glauben, als was sie mit den Sinnen begreifen, und daß sie heutzutage nicht bloß aus diesen, sondern auch mittelst einer den Alten unbekannten Philosophie, über die göttlichen Geheimnisse vernünfteln; wodurch das verstandesmäßige Licht ganz verfinstert wird; welche Verfinsterung eine so große wird, daß sie kaum vertrieben werden kann.

2125. Von welcher Art die Menschen der Christlichen Kirche heutzutage sind, wurde mir durch Vorbildungen vor Augen gestellt: es erschienen in einer finsteren Wolke so schwarze Geister, daß mir davor graute, und hernach andere nicht so grauenhafte; und es wurde mir bedeutet, daß ich etwas sehen werde. Zuerst erschienen dann Knaben, die von ihren Müttern so grausam geschlagen wurden, daß Blut umherfloß. Hierdurch wurde vorgebildet, daß von solcher Art heutzutage die Erziehung der Kinder ist. Hernach erschien ein Baum, und es gemahnte, als ob es der Baum der Erkenntnis wäre, auf den eine große Viper zu steigen schien, von solcher Art, daß sie Schauder einjagte, sie erschien so lang als der Stamm. Als der Baum mit der Viper verschwand, erschien ein Hund; und dann tat sich eine Türe auf in ein Gemach, wo eine rötlich gelbe Helle wie von Kohlen war, und darin zwei Weiber, und es fand sich, daß es eine Küche war, was man aber dort sah, darf ich nicht erwähnen. Es wurde mir gesagt, daß der Baum, auf den die Viper stieg, den Zustand der Menschen der Kirche vorbildete, wie sie heutzutage beschaffen sind, daß sie anstatt der Liebe und Liebtätigkeit tödlichen Haß haben, der zugleich ringsum von dem ange- nommenen Schein der Ehrenhaftigkeit und trügerischen Vorspiegelungen umsponnen ist. Sodann ruchlose Gedanken über die Dinge des Glaubens. Was aber in der Küche gesehen wurde, bildete jenen Haß und jene Anschläge vor, wie sie weiter beschaffen waren.

2126. Weiter wurde auch vorgebildet, wie heutzutage diejenigen, die innerhalb der Kirche sind, wider die Unschuld selbst sind: Es erschien ein schönes und unschuldiges Kind, und nachdem dieses erblickt war, wurden die äußeren Bande, durch welche die bösen Genien und Geister von Schandtaten abgehalten werden, ein wenig nachgelassen; dann fingen sie an, das Kind schrecklich zu mißhandeln, es zu zertreten und es töten zu wollen, der eine so, und der andere so: denn die Unschuld wird im anderen Leben durch Kinder vorgebildet. Ich sagte aber, daß so etwas bei ihnen nicht zum Vorschein komme in ihrem Leibesleben, es wurde jedoch geantwortet, daß ihr Inwendigeres von solcher Art sei, und wofern die bürgerlichen Gesetze, sodann andere äußere Bande, als da sind die Furcht vor dem Verlust des Erwerbs, der Ehre, des guten Namens, und die Furcht für das Leben, es nicht verhinderten, würden sie in gleicher Raserei losstürzen gegen alle Unschuldigen. Als sie diese Antwort hörten, verhöhnten sie auch dies. Wie sie also heutzutage sind, kann aus dem, was gesagt worden, erhellen; sodann auch, daß die letzten Zeiten vor der Türe sind.

2127. Im anderen Leben erscheint zuweilen eine Art von Letztem Gericht vor den Bösen: wenn ihre Gesellschaften aufgelöst werden; und vor den Guten: wenn sie in den Himmel eingelassen werden. Von jenen und diesen darf ich berichten, was ich aus Erfahrung weiß.
2128. Die Darstellung des Letzten Gerichts vor den Bösen, wie ich sie zwei- und dreimal sehen durfte, war folgende: nachdem die Geister um mich her sich in verderbenbringende Gesellschaften verbunden hatten, so daß sie die Oberhand hatten, und nicht nach dem Gesetz des Gleichgewichts der Ordnung gemäß sich so regieren ließen, daß sie nicht andere Gesellschaften mutwilliger Weise anfielen, und ihnen mit Übermacht Schaden zuzufügen anfingen, da erschien eine ziemlich große Schar von Geistern, von der vorderen Gegend ein wenig zur Rechten nach oben, bei deren Herankunft wie ein wogender und gewaltig tönender Lärm gehört wurde. Nachdem man diesen gehört, entstand unter den Geistern Bestürzung mit Schrecken, und infolgedessen Verwirrung, und nun wurden die, welche in jenen Gesellschaften sich befanden, zerstreut, der eine dahin, der andere dorthin, so daß sie auseinanderstoben, und kein Genosse wußte, wo der andere war. Als dies andauerte, erschien es den Geistern nicht anders als wie ein Letztes Gericht mit dem Untergang aller. Einige jammerten, andere waren vor Schrecken wie außer sich, mit einem Wort, alle ergriff gleichsam die nahende Gefahr eines letzten entscheidenden Moments. Ein Geräusch von solchen, die von der vorderen Gegend her anrückten, wurde von ihnen verschieden gehört, von einigen wie ein Geräusch von bewaffneten Reitern, von anderen anders; gemäß dem Zustand der Furcht, und der Phantasie aus ihr. Mir ward es hörbar wie ein anhaltendes Surren mit abwechselndem Wellenschlag, und zwar vieler zugleich. Ich wurde von denen, die mir nahe waren, belehrt, daß solche Scharen von jener Gegend kommen, wenn die Gesellschaften so, wie gesagt worden, übel zusammengesetzt sind, und daß sie den einen vom anderen zu trennen und loszureißen, und ihnen zugleich solchen Schrecken einzujagen wissen, daß sie an nichts anderes als an die Flucht denken und daß mittelst solcher Trennungen und Zerstreuungen nachher alle vom Herrn in Ordnung gebracht werden. Dann auch, daß dergleichen im Wort durch den Ostwind bezeichnet werde.

2129. Es gibt auch andere Arten von Lärmen, oder vielmehr Zusammenstößen, die ebenfalls ein Bild des Letzten Gerichts darstellen, und durch welche die übel verbundenen Gesellschaften dem Inwendigen nach aufgelöst werden, wovon ich Folgendes erwähnen darf: Solche Geister werden in den Zustand gebracht, daß sie nicht, wie gewöhnlich, in Gesellschaft oder Gemeinschaft denken, sondern ein jeder für sich. Infolge der so variierenden Gedanken, und der verschiedenartig murmelnden Reden wurde ein gewisses Rauschen gehört, wie von vielen Wassern, und ein zusammenstoßen untereinander wie es nicht beschrieben werden kann, entstehend aus Verwirrung der Meinungen über gewisse Wahrheiten, die alsdann Gegenstände der Gedanken und der Besprechung sind. Welche (Verwirrung) von der Art ist, daß sie ein geistiges Chaos genannt werden kann.
Der Lärm des zusammenstoßenden und konfusen Gemurmels war von dreierlei Art: der eine floß um das Haupt herein, und es wurde gesagt, derselbe sei derjenige der Gedanken. Der andere floß ein gegen die linke Schläfe, und es wurde gesagt, daß dies das Zusammenstoßen der Vernünfteleien über einige Wahrheiten sei, denen sie keinen Glauben beimessen wollten. Der dritte floß ein von oben herab zur Rechten, dieser war knirschend (stridens), nicht so sehr konfus. Dieses Knirschen wandte sich hin und her, und es wurde gesagt, daß dies daher komme, daß die Wahrheiten kämpften, die in dieser Weise durch Vernünfteleien hin und her gewendet werden. Während diese Konflikte fortdauerten, waren gleichwohl Geister da, die mit mir redeten, und sagten, was das einzelne bedeutete, wobei ihre Rede durch jenes Getöse vernehmlich hindurchdrang. Gegenstände über Vernünfteleien waren besonders diese, ob es buchstäblich zu verstehen sei, daß die zwölf Apostel sitzen werden auf zwölf Thronen, und richten die zwölf Stämme Israels; sodann weiter, ob (auch) andere in den Himmel eingelassen werden sollten, als solche, die Verfolgungen und allerlei Elend erduldet hatten. Jeder räsonierte nach seiner Phantasie, die er bei Leibesleben aufgeschnappt hatte, einige von ihnen aber, die in eine Gemeinschaft und Ordnung gebracht wurden, wurden nachher belehrt, daß es ganz anders zu verstehen sei, daß nämlich unter den Aposteln nicht Apostel verstanden wurden, unter den Thronen nicht Throne, noch unter den Stämmen Stämme, selbst nicht zwölf unter zwölf, sondern durch jene, nämlich sowohl die Apostel, als die Throne, und Stämme, wie auch durch zwölf bezeichnet wurden die vornehmsten Stücke (Primaria) des Glaubens: Nr. 2089 und daß durch diese, und gemäß diesen, das Gericht über einen jeden gehalten werde; und überdies wurde gezeigt, daß die Apostel nicht einmal einen einzigen Menschen richten können, sondern daß alles Gericht Sache des Herrn allein sei. Und betreffend den anderen Punkt, so sei auch dies nicht so zu verstehen, daß allein die in den Himmel kommen würden, die Verfolgungen und allerlei Elend erduldet haben, sondern ebensowohl Reiche als Arme, ebensowohl die in Würden Stehenden, als die von geringem Stande sind; und daß der Herr sich aller erbarme, besonders derer, die in geistigen Nöten und Versuchungen, (die Verfolgungen von seiten der Bösen sind,) gewesen waren. Somit (derjenigen), die anerkennen, daß sie aus sich selbst elend sind, und glauben, es sei bloß Folge der Barmherzigkeit des Herrn, daß sie selig werden.

2130. Was das zweite betrifft, nämlich die Darstellung des Letzten Gerichts vor den Guten, wenn sie in den Himmel eingelassen werden, so darf ich berichten, wie es sich damit verhält: Es wird im Worte gesagt, die Türe sei geschlossen worden, (so) daß sie nicht mehr eingelassen werden können; und es habe (ihnen) an Öl gemangelt, und sie seien zu spät gekommen, und deshalb nicht eingelassen worden, wodurch gleichfalls der Zustand des Letzten Gerichts bezeichnet wird. Wie es sich damit verhält, und wie es zu verstehen ist, ist mir gezeigt worden. Ich hörte Gesellschaften von Geistern, eine nach der anderen, mit lauter Stimme sagen: der Wolf habe sie fortnehmen wollen, der Herr aber habe sie herausgerissen, und so seien sie dem Herrn wiedergegeben worden, worüber sie sich aus innerstem Herzensgrunde freuten; denn sie waren in Verzweiflung, somit in der Furcht gewesen, die Türe möchte geschlossen, und sie zu spät gekommen sein, so daß sie nicht mehr eingelassen werden könnten. 

Ein solcher Gedanke war ihnen von denen eingeflößt worden, die Wölfe genannt werden. Er verschwand aber dadurch, daß sie eingelassen, d.h. von engelischen Gesellschaften aufgenommen wurden. Die Einlassung in den Himmel ist nichts anderes. Die Einlassung erschien mir, als gleichsam geschehen und fortgesetzt an Gesellschaften bis zu zwölf und daß die zwölfte schwieriger als die elf vorhergehenden, eingelassen, d.h. aufgenommen wurden. Nachher wurden auch zugelassen acht gesellschaftartige Gemeinschaften (octo quasi societates), und es wurde mir angezeigt, daß diese vom weiblichen Geschlechte waren. Nachdem ich dies gesehen, wurde gesagt, daß dieses Verfahren bei der Zulassung, d.h. der Aufnahme in himmlische Gesellschaften, so zur Erscheinung komme, und zwar fortwährend, der Ordnung nach von einem Ort in den anderen. Sodann auch, daß der Himmel in Ewigkeit nie ausgefüllt, und noch weniger, daß die Türe (je) geschlossen werde, sondern je mehrere dahin kommen, desto größere Wonne und Seligkeit werde denen im Himmel zuteil, weil dadurch eine stärkere Einmütigkeit entstehe. 

Nachdem jene eingelassen waren, schien es, als ob der Himmel geschlossen würde; denn es waren mehrere da, die hernach auch eingelassen, d.h. aufgenommen werden wollten. Allein sie bekamen zur Antwort, daß sie noch nicht könnten, was bezeichnet wird durch die "zu spät Kommenden", durch das "Geschlossen- werden der Türe", durch "die Anklopfenden", und dadurch, "daß es ihnen an Öl gefehlt habe in den Lampen". Daß diese nicht zugelassen wurden, hatte seinen Grund darin, daß sie noch nicht vorbereitet waren, um in engelischen Gesellschaften sein zu können, wo gegenseitige Liebe waltet; denn, wie Nr. 2119 am Ende gesagt worden, die, welche in Liebtätigkeit gegen den Nächsten in der Welt gelebt hatten, werden vom Herrn stufenweise in den Himmel erhoben. 

Es waren auch andere Geister da, die nicht wußten, was der Himmel ist, daß er nämlich in gegenseitiger Liebe besteht, diese wollten dann auch eingelassen werden, in der Meinung, es sei nur eine Einlassung, sie bekamen aber zur Antwort, es sei für sie noch nicht Zeit, daß (sie) aber zu einer anderen Zeit, wenn sie erst vorbereitet wären, (eingelassen werden würden). Daß zwölf Gesellschaften erschienen, davon war der Grund der, daß zwölf alles zum Glauben Gehörige bedeutet, wie Nr. 2129 am Ende gesagt worden ist.

2131. Die, welche eingelassen werden, werden von den engelischen Gesellschaften mit der innigsten Liebe und deren Freude aufgenommen, und es wird ihnen alle Liebe und Freundschaft erzeigt. Wenn sie aber in den Gesellschaften, zu denen sie zuerst kommen, nicht gerne sein wollen, so werden sie von anderen Gesellschaften aufgenommen, und dies nacheinander fort, bis sie zu derjenigen Gesellschaft kommen, mit der sie dem Leben der gegenseitigen Liebe nach, das sie haben, übereinstimmen, und in ihr bleiben sie so lange, bis sie noch vollkommener werden, und dann von da in eine noch größere Seligkeit erhoben und erhöht werden, und zwar dies vermöge der Barmherzigkeit des Herrn, gemäß dem Leben der Liebe und Liebtätigkeit, das sie in der Welt angenommen hatten.
Allein die Versetzung von einer Gesellschaft in die andere geschieht nie durch Ausstoßen aus der Gesellschaft, in der sie sind, sondern infolge eines freien Wollens bei ihnen, dem Verlangen gemäß, das ihnen vom Herrn eingeflößt wird. Und weil ihren Wünschen gemäß, so geschieht alles mit Freiheit.

2132. Wenn es im Worte heißt: es sei auch einer hineingegangen, der nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan war (Matth.22/11-13), und derselbe sei hinausgeworfen worden, so wurde auch gezeigt, wie es sich damit verhält: Es gibt solche, die bei Leibesleben sich den Kunstgriff angeeignet hatten, sich in Engel des Lichts verstellen zu können, und wenn sie dann im anderen Leben in diesem heuchlerischen Zustand sind, können sie sich auch in die nächsten himmlischen Gesellschaften einschleichen. Allein sie verbleiben nicht lange daselbst, denn sobald sie die Sphäre der gegenseitigen Liebe dort spüren, werden sie von Furcht und Schauder ergriffen, und stürzen sich von da herab, und dann erscheint es in der Geisterwelt, wie wenn sie herabgeworfen worden wären. Einige einem Sumpf zu, andere der Gehenna zu, andere in irgendeine andere Hölle.

2133. Zwei und dreimal ist mir, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, der Himmel bis dahin aufgetan worden, daß ich die gemeinsame Verherrlichung des Herrn hörte. Diese war von der Art, daß mehrere Gesellschaften zusammen und einmütig, dennoch aber jede Gesellschaft für sich, durch verschiedene Gefühle und daraus hervorgehende Vor- stellungen, den Herrn verherrlichten. Es war eine himmlische Stimme, die gehört wurde in die Länge und Breite, und zwar so ins Unermeßliche fort, daß das Gehör sich verlor ins Endlose, wie das Gesicht, wenn es ins Weltall hinausblickt. Und dies geschah mit der innigsten Freude, und der innigsten Seligkeit. Auch wurde die Verherrlichung des Herrn zuweilen wahrgenommen gleich einer herabströmenden, und das Inwendigere des Gemüts anregenden Ausstrahlung. Diese Verherrlichung geschieht, wenn sie im Zustand der Ruhe und des Friedens sind; denn alsdann ergießt sie sich aus ihren innigsten Freuden, und aus den Seligkeiten selbst.

2134. Am Ende des folgenden Kapitels wird, vermöge göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, vom Zustand der Kinder im anderen Leben, gesprochen werden.


 


Aktualisiert am: 02.12.2008 - Home