
|
2470. Solange der Mensch im Leibe lebt, kann er kaum wissen, daß er ein inneres Gedächtnis hat, weil alsdann das innere Gedächtnis beinahe eins ausmacht mit seinem äußeren Gedächtnis; denn die Vorstellungen des Denkens, die dem inneren Gedächtnis angehören, fließen ein in die Dinge, die im äußeren Gedächtnis sind, wie in ihre Gefäße und verbinden sich daselbst (mit diesen). Es verhält sich damit ebenso, wie wenn Engel und Geister mit dem Menschen reden: alsdann fließen ihre Vorstellungen, mittelst derer sie untereinander reden, in die Wörter der Sprache des Menschen ein und verbinden sich mit diesen so, daß sie nicht anders wissen, als daß sie in der dem Menschen eigenen Muttersprache reden, während doch die Vorstellungen von ihnen sind und die Wörter, in die sie einfließen, vom Menschen. 2471. Diese zwei Gedächtnisse sind ganz voneinander unterschieden. Zum äußeren Gedächtnis, das dem Menschen eigen ist, während er in der Welt lebt, gehören alle Wörter der Sprachen, sodann auch die Gegenstände der äußeren Sinneswahrnehmungen, wie auch die Dinge des Wissens, welche die Welt betreffen. Zum inneren Gedächtnis gehören die Vorstellungen der Geistersprache, die Sache des inwendigen Auges sind, und alle Vernunftbegriffe, aus deren Vorstellungen das eigentliche Denken sich hervorbildet. Daß diese voneinander unterschieden sind, weiß der Mensch nicht, sowohl weil er nicht darüber reflektiert, als weil er im Leiblichen ist, und dann von diesem das Gemüt nicht so wegbringen kann. 2472. Daher kommt, daß die Menschen, solange sie im Leibe leben, unter sich nur reden können durch Sprachen, die in artikulierte Laute, d.h. in Wörter gesondert sind, und sich gegenseitig nicht verstehen können, wenn sie diese Sprachen nicht verstehen, und zwar darum nicht, weil dies aus dem äußeren Gedächtnis geschieht. Daß hingegen die Geister unter sich reden durch eine Universalsprache, die in Vorstellungen, wie sie dem eigentlichen Denken angehören, geschieden ist, und daß sie sich so mit einem jeden Geist unterhalten können, was immer für einer Sprache und Nation in der Welt er angehört haben mochte, und zwar darum, weil dies aus dem inneren Gedächtnis geschieht. In diese Sprache kommt jeder Mensch sogleich nach dem Tode, weil in dieses Gedächtnis, das, wie gesagt, seinem Geist eigen ist. Man sehe auch Nr. 1637, 1639, 1757, 1876. 2473. Das innere Gedächtnis hat unermeßliche Vorzüge vor dem äußeren, und verhält sich wie einige Myriaden zu eins, oder wie hell zu finster. Denn Myriaden von Vorstellungen des inneren Gedächtnisses fließen in einen einzigen Gegenstand des äußeren Gedächtnisses ein, und stellen in diesem irgendein dunkles Allgemeines dar, daher alle Vermögen der Geister, und noch mehr der Engel, in einem vollkommeneren Zustand sind, nämlich sowohl ihre Sinnesempfindungen (sensationes), als ihre Gedanken und Wahrnehmungen (perceptiones). Welch einen Vorzug das innere Gedächtnis vor dem äußeren hat, kann an Beispielen erhellen: wenn sich ein Mensch eines anderen Menschen, der ihm seiner Beschaffenheit nach durch vieljährigen Umgang bekannt geworden ist, sei er nun Freund oder Feind, erinnert, so stellt sich das, was er dann von ihm denkt, als ein dunkles Etwas dar, und zwar dies, weil aus dem äußeren Gedächtnis. Wenn dagegen derselbe Mensch, nachdem er ein Geist geworden ist, sich desselben erinnert, so stellt sich das, was er dann von ihm denkt, nach allen Vorstellungen, die er je von ihm gefaßt hat, dar, und zwar dies, weil aus dem inneren Gedächtnis. Ebenso verhält es sich mit jeder Sache: die Sache selbst, von der er vieles weiß, stellt sich im äußeren Gedächtnis als ein allgemeines Etwas dar, im inneren Gedächtnis hingegen nach den Einzelheiten, deren Vorstellung er je von einer Sache sich verschafft hatte, und zwar dies in wunderbarer Gestalt. 2474. Alles, was immer ein Mensch hört und sieht, und wovon er angeregt wird, das dringt nach seinen Vorstellungen und Zwecken ohne Wissen des Menschen, in sein inneres Gedächtnis ein und bleibt in diesem, so daß gar nichts verlorengeht; obwohl es sich im äußeren Gedächtnis verwischt. Das innere Gedächtnis ist also von der Art, daß ihm einzelne, ja das allereinzelnste, was je ein Mensch gedacht, geredet und getan hat, ja was ihm wie ein Schatten erschienen ist, mit den geringsten Kleinigkeiten (cum minutissimis), von der ersten Kindheit bis zum letzten Augenblick des Greisenalters, eingeschrieben ist. Das Gedächtnis von all diesen Dingen hat der Mensch bei sich, wenn er ins andere Leben kommt, und er wird nach und nach zu aller Erinnerung daran hingeführt. Dies ist das Buch seines Lebens, das im anderen Leben geöffnet, und nach dem er gerichtet wird. Dies kann der Mensch kaum glauben, allein es ist dennoch ganz gewiß wahr. Alle Endzwecke, die für ihn im Dunkeln waren, und alle Gedanken, dann auch alle Reden und Handlungen von daher, sind bis auf das kleinste Tüpfelchen, in jenem Buch, d.h. im inneren Gedächtnis, und liegen, so oft der Herr es gestattet, den Engeln offen da, wie am hellen Tag. Dies ist mir einige Male gezeigt worden, und durch so viele Erfahrungen gewiß geworden, daß auch nicht der geringste Zweifel übrigblieb. 2475. Keinem noch ist bis jetzt bekannt, welches der Zustand der Seelen nach dem Tod in Rücksicht des Gedächtnisses ist: durch viele und lange, nun schon mehrjährige Erfahrung wurde mir zu wissen gegeben, daß der Mensch nach dem Tode gar nichts von dem verliert, was in seinen Gedächtnissen, sowohl was im äußeren, als was im inneren, gewesen ist, so daß man sich gar nichts noch so Geringfügiges oder Kleinstes denken kann, das der Mensch nicht bei sich hätte; so daß er nach dem Tode durchaus nichts zurückläßt, als bloß die Gebeine und das Fleisch, die, solange er in der Welt lebte, nicht beseelt waren aus sich, sondern vom Leben seines Geistes, das als seine reinere Substanz an das Körperliche geknüpft war. 2476. Allein es verhält sich mit seinem äußeren Gedächtnis so, daß er zwar alles und jedes davon bei sich hat, aber sich desselben alsdann nicht bedienen darf, sondern nur des inneren (verum modo interiore); der Gründe sind mehrere: 2477. Einst hörte ich Geister miteinander davon reden, daß alles, was als Prinzip ergriffen wird, worin es nun auch bestehen möge, durch Unzähliges begründet werden könne, und zwar bei dem, der sich darin begründet hat, zuletzt bis dahin, daß es, obwohl es falsch ist, dennoch als ganz wahr erscheint, und daß solche mehr vom Falschen als vom Wahren überredet werden können. Damit sie hiervon überzeugt würden, wurde ihnen zum Nachdenken und Besprechen untereinander die Frage vorgelegt, ob es den Geistern fromme, sich des äußeren Gedächtnisses zu bedienen: (die Geister reden über solche Dinge unter sich viel trefflicher, als der Mensch glauben, ja fassen kann, aber jeder gemäß seiner Neigung:) Diejenigen Geister, die fürs Leibliche und Weltliche waren, begründeten dies mit vielem, (besonders aber) mit folgenden Gründen: sie würden so nichts verloren haben, ja nach dem Tode ebenso Menschen sein, als sie zuvor waren. Sie könnten so durch einen Menschen wieder in die Welt kommen. Im äußeren Gedächtnis sei die Lust des Lebens, und in keiner anderen Fähigkeit und Gabe sei die Einsicht und Weisheit. Außer vielem anderen, durch das sie sich in ihrer Ansicht bestärkten, bis ihnen dies als das Wahre erschien. Allein andere dachten und redeten dann aus dem entgegengesetzten Prinzip, wohl wissend, daß es das Wahre, weil in der göttlichen Ordnung gegründet ist, sagten sie: wenn die Geister sich des äußeren Gedächtnisses bedienen dürften, so wären sie dann in der gleichen Unvollkommenheit, in der sie sich früher befanden, da sie Menschen waren. Sie würden so in roheren und dunkleren Vorstellungen sein, als diejenigen sind, die im inneren Gedächtnis sind, und so nicht nur mehr und mehr verdummen, sondern auch herabkommen, nicht emporkommen, somit auch nicht ewig leben; denn sich wieder ins Weltliche und Leibliche versenken, hieße, sich wieder in den Zustand des Todes begeben. Ferner, wenn die Geister sich des äußeren Gedächtnisses bedienen dürften, so ginge das menschliche Geschlecht zugrunde, denn ein jeder Mensch werde vom Herrn durch Geister und Engel regiert, wenn nun die Geister aus dem äußeren Gedächtnis in den Menschen einwirken würden, so könnte der Mensch nicht aus seinem eigenen Gedächtnis, sondern nur aus dem eines Geistes denken, somit würde der Mensch nicht mehr seines Lebens mächtig und nicht mehr selbständig sein, sondern wäre besessen. Die Besessenheiten seien ehedem nichts anderes gewesen, und dergleichen mehr. 2478. Damit ich wüßte, wie es sich damit verhält, daß der Mensch nicht aus seinem Gedächtnis denken könnte, wenn die Geister aus ihrem äußeren Gedächtnis influierten (wirkten), so ward zwei- und dreimal zugelassen, daß dies geschah: und nun wußte ich nicht anders, als daß das mein sei, was nicht mein war, sondern dem Geist angehörte, und daß ich solche Dinge schon früher gedacht hätte, da ich (doch) nicht gedacht hatte. Und dies konnte ich nicht wahrnehmen, bevor sie wieder zurückgetreten waren. 2479. Ein neu angekommener Geist wurde unwillig, daß er vieler Dinge, die er bei Leibesleben gewußt hatte, sich nicht mehr erinnerte, und es schmerzte ihn wegen des Angenehmen, das er eingebüßt, und das ihm früher so großes Vergnügen gemacht hatte. Allein es wurde ihm gesagt, er habe gar nichts verloren, sondern wisse alles und jedes, es sei aber im anderen Leben nicht erlaubt, dergleichen hervorzuholen; und es sei genug, daß er jetzt viel besser und vollkommener denken und reden, und seine Vernunft nicht mehr wie früher versenken könne in dichtes Dunkel, in materielle und leibliche Dinge, die in dem Reich, in das er nun gekommen, von keinem Nutzen sind. Und daß er die Dinge, die im Reich der Welt waren, zurückgelassen, und nun alles habe, was für den Gebrauch des ewigen Lebens dienlich ist, und daß er so und nicht anders selig und glücklich werden könnte. Somit sei es ein Beweis von Unkenntnis, wenn man glaube, daß im anderen Leben mit dem Nichtgebrauch des leiblichen Gedächtnisses die Einsicht verlorengehe, während es sich doch so verhalte, daß in dem Maß, als das Gemüt sich vom Sinnlichen und Leiblichen wegführen läßt, es zum Geistigen und Himmlischen erhoben werde. 2480. Weil die Menschen nach dem Tod im inneren Gedächtnis sind, das ihrem Vernunftgebiet angehörte, so hat dies zur Folge, daß diejenigen, die in der Welt eine bessere Kenntnis der Sprachen hatten als andere, nicht einmal ein einziges Wörtchen derselben hervorholen können. Die, welche mehr als andere in den Wissenschaften (bewandert waren), auch nichts von Wissenschaftlichem und daß diese zuweilen dümmer sind als andere. Alles aber, was sie durch die Sprachen, und alles, was sie durch die Wissenschaften in sich aufgenommen haben, das holen sie, weil es ihre Vernunft gebildet hat, zum Gebrauch hervor. Das dadurch erworbene Vernünftige ist es, aus dem sie denken und reden. Wer durch die Sprachen und Wissenschaften Falsches eingenommen und sich darin bestärkt hat, vernünftelt nur aus Falschem, wer aber Wahres, der redet aus dem Wahren. Die Neigung selbst ist es, die Leben gibt, die Neigung zum Bösen, die Leben dem Falschen und die Neigung zum Guten, welche Leben dem Wahren. Aus der Neigung denkt ein jeder und ohne die Neigung keiner. 2481. Daß die Menschen nach dem Tod, d.h. die Geister, nicht das Geringste von dem verloren haben, was ihrem äußern oder leiblichen Gedächtnis angehört, sondern daß sie alles dazu Gehörige, oder dasselbe ganz bei sich haben, obwohl sie aus demselben das Besondere ihres Lebens nicht hervorholen dürfen, ist mir durch viele Erfahrung zu wissen gegeben worden. Wie dies aus Folgendem erhellen kann: Zwei, die ich bei ihres Leibesleben gekannt hatte, und die einander feind waren, trafen zusammen. Ich hörte den einen die Sinnesart des andern mit vielen Umständen schildern, und dann (sagen), welche Meinung er von ihm gehabt hatte, er las einen ganzen Brief vor, den er an ihn geschrieben, und vieles der Reihe nach, was ins Besondere ging und dem äußeren Gedächtnis angehörte, und was der andere anerkannte, und dazu schwieg. 2482. Ich hörte, wie einer den andern schalt, daß er seine Gelder behalten hatte, und nicht zurückgeben wollte, und dies mit Umständen, welche dem äußeren Gedächtnis angehörten, bis der andere sich schämte. Ich hörte auch, wie der andere darauf antwortete, und die Ursachen hererzählte, warum er dies getan habe, welches alles besondere weltliche Verhältnisse waren. 2483. Eine (Frauensperson) wurde in den Zustand versetzt, in dem sie war, als sie noch in der Welt (lebte) und gerade ein Verbrechen begehen wollte, und es traten dann die Einzelheiten der Gedanken, und die Einzelheiten des Gespräches mit einer anderen, wie ans helle Tageslicht hervor. Eine aus der Rotte der Sirenen wurde, weil sie hartnäckig leugnete, daß sie eine solche bei Leibesleben gewesen war, in den Zustand des leiblichen Gedächtnisses versetzt, und dann wurden ihre Ehebrüche und Schandtaten, die, solange sie lebte, kaum jemand bekannt gewesen waren, aufgedeckt und der Reihe nach aufgezählt, beinahe gegen hundert: Wo sie gewesen war, mit denen sie Ehebruch trieb, und worauf sie dann ausging; und das alles so nach dem Leben wie am hellen Tag, so wurde sie überwiesen. Dergleichen wird hervorgeholt, wenn einer nicht auf sich kommen lassen will, daß er so gewesen war, und zwar in lebendiger Wirklichkeit mit den einzelnen Umständen. 2484. Absatznumerierung fehlt. 2486. Daß die Menschen alles und jedes, was zu ihrem leiblichen Gedächtnis gehört, bei sich haben, davon konnte ich mich sehr oft vergewissern an denen, die ich bei ihrem Leibesleben gekannt hatte, sofern sie, wenn ich mit ihnen redete, alles und jedes wieder wußten, was sie in meiner Gegenwart getan, und was sie geredet, und was sie alsdann gedacht hatten. Aus diesen, und vielen anderen Erfahrungen, wurde es mir zur Gewißheit, daß der Mensch alles zum äußeren oder leiblichen Gedächtnis Gehörige ins andere Leben mitnimmt. 2487. Ich bin belehrt worden, daß das äußere Gedächtnis, an sich betrachtet, nichts anders ist als etwas Organisches, gebildet aus den Gegenständen der Sinne, besonders des Gesichts und des Gehörs, in denjenigen Substanzen, welche die Uranfänge der Nervenfasern sind, und daß gemäß den Eindrücken von jenen die Formenwechsel entstehen, die reproduziert werden, und daß diese Formen wechseln und sich ändern gemäß den Zustandsveränderungen, die mit den Neigungen und Überzeugungen vorgehen. Ferner daß das innere Gedächtnis ebenfalls etwas Organisches ist, aber ein reineres und vollkommeneres, gebildet aus den Gegenständen des inwendigen Auges, in welches Gegenstände in gewisse Reihenfolgen in unbegreiflicher Ordnung verteilt sind. 2488. Ehe ich durch lebendige Erfahrungen belehrt war, glaubte ich wie die anderen, daß kein Geist wissen könne, was in meinem Gedächtnis, und was in meinem Denken ist, sondern daß es nur bei mir sei, und verborgen. Allein ich kann versichern, daß die Geister die beim Menschen sind, alles in seinem Gedächtnis und seinen Gedanken haarklein wissen und wahrnehmen, und zwar dies noch viel deutlicher als der Mensch selbst. Und daß die Engel sogar die Endzwecke, wie sie sich vom Guten zum Bösen, und vom Bösen zum Guten wenden, und viel mehr als der Mensch weiß, (sehen), wie z.B. das, was er in seiner Lust und so gleichsam in seine Natur und Sinnesart versenkt hat, und was, wenn dies geschieht, nicht mehr in die Erscheinung hervortritt, weil er nicht mehr darüber reflektiert. Der Mensch soll also ja nicht mehr glauben, daß seine Gedanken verborgen seien, und daß er keine Rechenschaft geben müsse von den Gedanken und von den Handlungen, je nach der Zahl und Beschaffenhit der Gedanken, die in denselben waren; denn die Handlungen haben von den Gedanken ihre Beschaffenheit und die Gedanken von den Endzwecken. 2490. Mit dem inneren Gedächtnis verhält es sich so, daß in demselben nicht bloß alles und jedes aufbehalten wird, was der Mensch je von der Kindheit an gesehen und gehört, und was er gedacht, geredet und getan hat, sondern auch das, was er im anderen Leben sieht und hört, und was er denkt, redet und tut. Allein dies geschieht mit Unterschied: Die, welche in der Überredung des Falschen und in der Begierde des Bösen sind, fassen auf und behalten alles, was mit ihnen übereinstimmt, denn es dringt ein wie Wasser in Schwämme, das übrige zwar spült sich auch an (alluunt), aber es wird nur so obenhin behalten, daß sie kaum wissen, daß es etwas ist. Hingegen die, welche im Glauben an das Wahre und in der Neigung zum Guten sind, behalten alles, was wahr und gut ist, und werden dadurch fortwährend vervollkommnet. Daher kommt, daß sie belehrt werden können, und belehrt werden im anderen Leben. 2491. Es gibt Geister (von deren Heimat aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, anderwärts geredet werden soll), die das innere Gedächtnis darstellen, diese reisen in Scharen umher und locken auf wunderbare Weise alles hervor, was andere wissen, und alles, was sie hören, teilen sie den ihrigen mit. 2492. Welche Bewandtnis es mit den Gedächtnissen hat, wird zuweilen im anderen Leben sichtbar dargestellt, in Gestalten, die bloß dort erscheinen, (es stellte sich dort vieles sichtbar dar, was sonst bei den Menschen bloß in die Ideen fällt). Das äußere Gedächtnis stellt sich so zur Erscheinung dar wie eine dicke Haut (instar Calli), das immer wie eine markige Substanz, wie sie sich im menschlichen Gehirn findet. Hierdurch wird auch zu erkennen gegeben, wie sie beschaffen sind: Bei denen, die bei Leibesleben bloß aufs Gedächtnis sich gelegt, und so ihre Vernunft nicht ausgebildet hatten, erscheint ihre Dickhäutigkeit hart, und inwendig gekerbt (striata). Bei denen, die das Gedächtnis mit Falschheiten angefüllt hatten, erscheint sie haarig und struppig, und zwar dies infolge der ungeordneten Anhäufung von Sachen. Bei denen, die auf das Gedächtniswissen sich gelegt hatten aus Selbst- und Weltliebe, erscheint sie als zusammengeleimt (conglutinata) und verhärtet. Bei denen, die durch Wissenschaftliches, besonders Philosophisches, in die göttlichen Geheimnisse eindringen, und nicht eher glauben wollten, als wenn sie durch jenes überzeugt wurden, erscheint sie als eine dunkelfarbige (tenebricosa), die von der Art ist, daß sie die Lichtstrahlen einsaugt und in Finsternis verkehrt. Bei denen, die Betrüger (dolosi) und Heuchler waren, erscheint sie wie knöchern und von Elfenbein, das die Lichtstrahlen zurückwirft. Bei denen aber, die im Guten der Liebe und im Wahren des Glaubens waren, erscheint keine solche Dickhaut, weil ihr inneres Gedächtnis die Lichtstrahlen durchläßt in das Äußere, in dessen Gegenstände oder Vorstellungen die Strahlen wie in ihrer Grundlage, oder wie in ihrem Boden sich begrenzen (terminantur), und hier leibliche Aufnahmegefäße finden. Denn das äußere Gedächtnis ist das Letzte der Ordnung, in dem die geistigen und himmlischen Dinge sich sanft (molliter) endigen und zur Ruhe kommen, wenn daselbst Gutes und Wahres ist. 2493. Ich redete mit den Engeln über das Gedächtnis der vergangenen, und der von daher kommenden ängstlichen Sorge wegen der zukünftigen Dinge, und ich wurde belehrt, daß die Engel, je innerlicher und vollkommener sie sind, desto weniger um das Vergangene sich kümmern und an das Zukünftige denken, und daß darauf auch ihre Seligkeit beruht, indem sie sagen, daß der Herr ihnen in jedem Augenblick gebe, was sie denken sollen, und zwar dies mit einem seligen und wonnigen Gefühl, und daß sie oft ohne Sorgen und Bekümmernisse seien. Ferner, daß dieses im inneren Sinn unter dem verstanden sei, daß sie das Manna täglich vom Himmel empfingen und unter dem Täglichen des Brotes im Gebet des Herrn. Sodann daß man nicht sorgen soll, was man essen und trinken und womit man sich kleiden werde. Daß sie aber, obwohl sie um das Vergangene sich nicht kümmern, und wegen des Zukünftigen nicht besorgt sind, dennoch die vollkommenste Erinnerung an das Vergangene und eine Anschauung des Zukünftigen haben, weil in all ihrem Gegenwärtigen sowohl das Vergangene als das Zukünftige ist. So haben sie ein vollkommeneres Gedächtnis als je gedacht und ausgedrückt werden kann. 2494. Menschen, die in der Liebe zum Herrn, und in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten sind, haben, während sie in der Welt leben, bei sich und in sich engelische Einsicht und Weisheit, aber verborgen in dem Innersten ihres inneren Gedächtnisses. Diese Einsicht und Weisheit kann ihnen gar nicht ins Bewußtsein heraustreten, ehe sie das Leibliche ausziehen, alsdann wird das Gedächtnis des Besonderen, wovon oben die Rede war, eingeschläfert, und sie erwachen in das innere Gedächtnis, und allmählich in das eigentliche
Engelische. |
Aktualisiert am: 02.12.2008 - Home