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Innerer
Sinn ( Mose 1.u.2.)
81. In diesem Kapitel wird gehandelt vom himmlischen Menschen, im vorhergehenden war die Rede vom geistigen, der es aus einem Toten geworden ist. Weil man aber heutzutage nicht weiß, was der himmlische Mensch, kaum was der geistige, auch nicht was der tote ist, so darf ich zur Kenntnis des Unterschiedes kurz angeben, wie der eine und wie der andere beschaffen ist.
Erstens:
Der tote Mensch erkennt kein anderes Wahres und Gutes an, als das
Sache des Leibes und der Welt ist, und dieses betet er auch an. Der geistige
Mensch erkennt das geistige und himmlische Wahre und Gute an, aber aus dem
Glauben, aus dem er auch handelt, nicht so hingegen aus der Liebe. Der
himmlische Mensch glaubt und vernimmt das geistige und himmlische Wahre und Gute
und erkennt keinen anderen Glauben an, als den aus der Liebe, aus der er auch
handelt. Zweitens: Die Zwecke des toten Menschen zielen bloß auf das Leben des
Leibes und der Welt, und er weiß nicht, was das ewige Leben und was der Herr
ist. Und wenn er es weiß, so glaubt er es nicht. Die Zwecke des geistigen
Menschen zielen auf das ewige Leben und so auf den Herrn. Die Zwecke des
himmlischen Menschen zielen auf den Herrn und so auf Sein Reich und das ewige
Leben. Drittens:
Der tote Mensch, wenn er im Kampf ist, unterliegt beinahe immer; und
wenn er in keinem Kampf ist, so herrscht bei ihm Böses und Falsches und er ist
Sklave. Seine Bande sind Äußeres, als: Furcht vor dem Gesetz, vor dem Verlust
des Lebens, des Vermögens, des Erwerbs, des guten Namens um deswillen. Der
geistige Mensch ist im Kampf, aber er überwindet immer. Die Bande, von denen er
betätigt wird, sind Inneres, und werden genannt Bande des Gewissens. Der
himmlische Mensch ist nicht im Kampf; und wenn Böses und Falsches anficht, so
achtet er es nicht, daher er auch Überwinder genannt wird. Bande, von denen er
angetrieben würde, hat er keine, die erschienen, sondern er ist frei; seine
Bande, die aber nicht erscheinen, sind die Vernehmnisse des Wahren und Guten. 82.
Vers 1: Und es wurden vollendet die Himmel und die Erde und all ihr Heer. Hierunter
wird verstanden, daß der Mensch nun geistig geworden ist und zwar insoweit, daß
er ein sechster Tag ist; der
Himmel ist sein innerer Mensch und die Erde sein äußerer; ihr Heer sind die
Liebe, der Glaube und deren Erkenntnisse, die
früher bezeichnet wurden durch die großen Lichter und durch die Sterne. Daß
der innere Mensch Himmel genannt wird und der äußere (Mensch) Erde, kann aus
den im vorhergehenden Kapitel angeführten Stellen erhellen; ich darf noch
hinzufügen, was bei Jes.13/12,13 steht: "Seltener will ich machen den Mann
als gediegenes Gold, und den Menschen als köstliches Gold Ophirs; darum will
Ich die Himmel mit Schrecken schlagen und erbeben soll die Erde von ihrer
Stelle". Der
himmlische Mensch ist von der Art, daß er nicht nach seinem Verlangen handelt,
sondern nach dem Wohlgefallen des Herrn, das sein Verlangen ist. So genießt er
inneren Frieden und Seligkeit, die
hier ausgedrückt werden durch erhoben werden auf die Höhen des Landes; und
zugleich äußere Ruhe und Annehmlichkeit, die bezeichnet werden durch das
Gespeistwerden mit dem Erbe Jakobs. 86.
Der geistige Mensch, der ein sechster Tag geworden ist, wenn er anfängt,
himmlisch zu werden, ist der Abend des Sabbath,
was in der jüdischen Kirche vorgebildet wurde durch die
Heiligung des Sabbath vom Abend an; der himmlische Mensch ist der Morgen, von dem gleich nachher
gehandelt wird. 87.
Daß der himmlische Mensch der Sabbath oder die Ruhe ist, hat auch darin seinen
Grund, daß der Kampf aufhört, wenn er himmlisch wird.
Die bösen Geister treten zurück, und es kommen gute herzu, dann
auch himmlische Engel; und sind diese zugegen, so können niemals böse Geister
zugegen sein, sondern fliehen weit weg. Und weil nicht der Mensch selbst gekämpft
hat, sondern allein der Herr für den Menschen, so heißt es, daß der Herr
geruht habe. 88.
Der geistige Mensch heißt, wenn er himmlisch wird, ein Werk Gottes, weil der
Herr allein für ihn gekämpft und ihn geschaffen, gebildet und gemacht hat.
Daher es hier heißt: "Gott vollendete am siebenten Tage Sein Werk",
und zweimal: "Er ruhte von all Seinem Werk". Bei den Propheten wird er
hie und da genannt ein "Werk der Hände" und der "Finger Jehovahs",
wie bei Jesaja, wo von dem Wiedergeborenen gehandelt wird, Jes.45/11,12,18,21:
"So sprach Jehovah, der Heilige Israels, und sein Bildner, die Zeichen
fordert von Mir über Meine Söhne, und über das Werk Meiner Hände gebietet
mir. Ich habe gemacht die Erde, und den Menschen auf ihr habe Ich geschaffen,
Meine Hände haben ausgebreitet die Himmel, und all ihrem Heere habe Ich
geboten: denn so sprach Jehovah, Der da schafft die Himmel. Er ist der Gott,
Welcher bildet die Erde, und sie macht: Der sie feststellt, hat nicht zur Leere
sie geschaffen, zum Wohnen hat Er sie gebildet; Ich Jehovah, und kein Gott außer
Mir": daß die neue Schöpfung
oder die Wiedergeburt allein des Herrn Werk sei, ergibt sich hieraus. Hinlänglich
geschieden werden gebraucht die Worte schaffen, bilden und machen, wie hier bei
Jes.45/18: "Der da schafft die Himmel, bildet die Erde, und macht
sie"; und Jes.43/7: "Jeden, der genannt ist mit Meinem Namen, zu
Meiner Herrlichkeit hab' Ich ihn geschaffen, ihn gebildet, auch ihn
gemacht". Ebenso im vorhergehenden Kapitel (1. Mose 1.Kap.), und in diesem,
wie hier: Er ruhte von all Seinem Werk, das Gott geschaffen und gemacht; und
zwar immer mit einer geschiedenen Vorstellung im inneren Sinne; dann auch, wo
der Herr genannt wird Schöpfer, oder Bildner, oder Macher. 89.
Vers 4: Dies sind die Geburten der Himmel und der Erde, als Er sie schuf, am
Tage, da Jehovah Gott Erde und Himmel machte. Die
Geburten der Himmel und der Erde sind die Bildungen des himmlischen Menschen. Daß
von seiner Bildung nun die Rede sei, ergibt sich deutlich auch aus dem einzelnen
das folgt, wie z.B. daß noch kein Kraut gesproßt habe; daß kein Mensch war,
den Boden zu bebauen; dann daß Jehovah Gott den Menschen gebildet habe, dann
alles Tier und den Vogel der Himmel, von deren Bildung doch im vorhergehenden
Kapitel die Rede war; daher hier von einem anderen Menschen gehandelt wird. Dies
erhellt noch weiter daraus, daß jetzt zuerst gesagt wird Jehovah Gott, im
Vorhergehenden, wo vom geistigen Menschen die Rede war, bloß Gott. Dann daß
jetzt gesagt wird Boden und Feld, im Vorhergehenden nur Erde; und daß in diesem
Vers zuerst der Himmel der Erde, und hernach die Erde dem Himmel vorangestellt
wird; der Grund ist, weil die Erde den äußeren Menschen, und der Himmel den
inneren bedeutet beim geistigen Menschen, in dem die Besserung anfängt bei der
Erde oder dem äußeren Menschen; hier aber, wo vom himmlischen Menschen die
Rede ist, fängt sie beim inneren Menschen oder beim Himmel an. 90.
Vers 5,6: Und kein Gesträuch des Feldes war noch auf Erden, und kein Kraut
des Feldes sproßte noch, weil Jehovah Gott nicht hatte regnen lassen auf der
Erde. Und es war kein Mensch, den Boden zu bebauen. Und Er ließ einen Dunst
aufsteigen von der Erde, und bewässerte alle Angesichte des Bodens. Unter
Gesträuch des Feldes und Kraut des Feldes wird im allgemeinen alles verstanden,
was sein äußerer Mensch hervorbringt; die Erde ist der äußere Mensch,
solange er geistig war. Boden, wie auch Feld, ist der äußere Mensch, während
er himmlisch wird. Der Regen, der gleich darauf Dunst genannt wird, ist die
Friedensruhe, wenn der Kampf aufhört. 91. Allein wofern man den Zustand nicht
kennt, in dem der Mensch sich befindet, wenn er aus einem geistigen ein
himmlischer wird, kann man auch niemals fassen, was dies in sich schließt, denn
es sind etwas tiefer liegende Geheimnisse. Solange
er ein geistiger ist, will der äußere Mensch dem inneren noch nicht Folge
leisten und dienen, daher dann Kampf ist. Hingegen wenn er himmlisch wird, dann
fängt der äußere Mensch an dem inneren zu folgen und zu dienen, daher der
Kampf aufhört, und Ruhe entsteht; man sehe Nr. 87. Diese
Ruhe wird bezeichnet durch Regen und Dunst, denn sie ist wie ein Dunst, durch
den sein äußerer vom inneren bewässert und durchströmt wird. Diese Ruhe,
welche Friede ist, bringt das hervor, was genannt wird Gesträuch des Feldes und
Kraut des Feldes, welche insbesondere sind Vernünftiges und Wißtümliches vom
himmlisch-geistigen Ursprung. 92.
Wie die Friedensruhe des äußeren Menschen beschaffen sei, wenn der Kampf oder
die Unruhe von den Begierden und Falschheiten aufhört, kann keiner wissen, der
nicht den Stand des Friedens kennt. Dieser Stand ist so wonnevoll, daß er alle
Vorstellung von Wonne übersteigt; es ist nicht bloß ein Aufhören des Kampfes,
sondern es ist ein von inwendigerem Frieden kommendes Leben, das den äußeren
Menschen so anregt, daß es nicht beschrieben werden kann. Glaubenswahres und
Liebegutes wird alsdann geboren, das von der Wonne des Friedens sein Leben
hernimmt. 93.
Den Stand des himmlischen Menschen, der mit der Friedensruhe begabt, durch den
Regen erquickt und von der Knechtschaft des Bösen und Falschen befreit ist,
beschreibt der Herr durch Hes.34/25-27,31 also: "Ich will schließen mit
ihnen den Bund des Friedens, und will wegschaffen das böse Wild aus dem Lande,
und sie werden zuversichtlich wohnen in der Wüste, und schlafen in den Wäldern;
und Ich will sie und die Umgebungen Meines Hügels zum Segen machen, und will
herabkommen lassen den Regen zu seiner Zeit; Regen des Segens werden es sein;
und es wird der Baum des Feldes seine Frucht geben, und die Erde wird geben ihr
Erzeugnis, und sie werden auf ihrem Boden in Zuversicht sein, und werden wissen,
daß Ich Jehovah bin, daß Ich zerbrochen habe die Riemen ihres Joches, und sie
befreit habe aus der Hand derer, die sie sich dienstbar machten; ihr seid Meine
Herde, die Herde Meiner Weide, ein Mensch seid ihr, Ich euer Gott." Und
daß dies geschehe am dritten Tage, der dasselbe im Worte bezeichnet, was der
siebente, durch Hos.6/2,3: "Er wird uns beleben nach zwei Tagen, am dritten
Tag wird Er uns auferwecken, und wir werden vor Ihm leben und erkennen, und
werden folgen, um Jehovah zu erkennen; wie die Morgenröte ist bereitet Sein
Aufgang, und Er wird uns kommen wie ein Regen, wie ein Spätregen, der das Land
bewässert". 94.
Vers 7: Und Jehovah Gott bildete den Menschen, Staub vom Boden, und Er
hauchte in seine Nase den Odem der Leben, und es wurde der Mensch zur lebenden
Seele. Den
Menschen bilden, Staub vom Boden heißt, seinen äußeren Menschen, der früher
nicht Mensch war, bilden, denn es wurde 1. Mose 2/5 gesagt, daß kein Mensch war
den Boden zu bebauen. In seine Nase den Odem der Leben hauchen heißt, ihm das
Leben des Glaubens und der Liebe geben; der Mensch wurde zur lebenden Seele heißt,
daß der äußere Mensch auch lebendig geworden sei. 95.
Es wird hier vom Leben des äußeren Menschen gehandelt: In den beiden vorigen
Versen von dem Leben seines Glaubens oder Verstandes, in diesem von dem Leben
seiner Liebe oder seines Willens. Vorher wollte der äußere Mensch dem inneren
nicht folgen und dienen, sondern kämpfte beständig gegen ihn an, daher auch so
lange der äußere nicht Mensch war. Jetzt aber, da er himmlisch geworden, fängt
der äußere an, dem inneren Folge zu leisten und zu dienen, und wird auch zum
Menschen, und zwar durch das Leben des Glaubens und das Leben der Liebe. Das
Leben des Glaubens bereitet ihn zu, das Leben der Liebe macht, daß er Mensch
ist. 96.
Damit, daß es heißt, Jehovah Gott habe durch die Nase eingehaucht, verhält es
sich so: Vor Alters und im Worte wurde unter der Nase verstanden alles, was
angenehm war vom Geruch, der das Innewerden bedeutet; daher wird hin und wieder
von Jehovah gelesen, daß Er den Geruch der Ruhe gerochen habe, von den
Brandopfern, und von dem, was Ihn und Sein Reich vorbildete; und weil Ihm am
wohlgefälligsten ist, was Sache der Liebe und des Glaubens ist, so heißt es,
daß Er den Odem (spiraculim) der Leben eingehaucht habe durch die Nase. Eben
daher wird auch der Gesalbte Jehovahs oder der Herr genannt in
Jerem.Klagel.4/20: "Hauch (Spiritus) der Nase". Und der Herr selbst
bezeichnete dies durch das Einhauchen in die Jünger, bei Joh.20/22: "Er
hauchte (sie) an, und sprach: nehmet hin den Heiligen Geist". 97.
Daß das Leben durch das Einhauchen und durch den Odem beschrieben wird, davon
ist auch der Grund, daß die Menschen der Ältesten Kirche die Zustände der
Liebe und des Glaubens inne wurden durch die Zustände des Atmens, welche Zustände
sich nach und nach in ihren Nachkommen veränderten; von diesem Atmen kann noch
nichts gesagt werden, weil es heutzutage ganz verborgene Dinge sind, die Uralten
wußten dies wohl, und die im anderen Leben sind, wissen es auch; aber auf
diesem Erdkreis noch keiner; ebendaher vergleichen sie den Geist (spiritus) oder
das Leben (vita) mit dem Wind; auch der Herr, wenn Er von der Wiedergeburt der
Menschen spricht, bei Joh.3/8: "Der Geist (oder der Wind) wehet, wo er
will, und du hörest seine Stimme, aber du weißt nicht, woher er kommt, oder
wohin er geht: so ist jeder, der vom Geist geboren ist". Ps.33/6:
"Durch das Wort Jehovahs sind die Himmel gemacht, und durch den Geist
(oder) Wind Seines Mundes all ihr Heer". Ps.104/29,30:
"Du nimmst zurück ihren Geist, so sterben sie dahin, und kehren zu ihrem
Staub zurück: Du sendest Deinen Geist aus, sie werden geschaffen, und Du
erneuerst die Angesichte des Bodens". Daß
der Odem für das Leben des Glaubens und der Liebe genommen werde, erhellt bei
Hiob 32/8: "Jener Geist im Menschen und der Odem Schaddais macht sie verständig",
und Hiob 33/4: "Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem Schaddais
hat mich belebt". 98.
Vers 8: Und Jehovah Gott pflanzte einen Garten in Eden von Aufgang, und
setzte darein den Menschen, den Er gebildet. Durch
den Garten wird bezeichnet Einsicht, durch Eden Liebe, durch den Aufgang der
Herr; somit durch den Garten in Eden von Aufgang: des himmlischen Menschen
Einsicht, die durch die Liebe vom Herrn einfließt. 99.
Ein solches Leben oder eine solche Ordnung des Lebens ist beim geistigen
Menschen, daß zwar der Herr durch den Glauben in sein Verständiges, Vernünftiges
und Wißtümliches einfließt, aber weil sein äußerer Mensch mit dem inneren kämpft,
so scheint es, als ob die Einsicht nicht einflöße vom Herrn, sondern von ihm
selbst durch Wißtümliches und Vernünftiges. Dagegen das Leben oder die
Lebensordnung des himmlischen Menschen ist, daß der Herr durch die Liebe und
den Glauben der Liebe in sein Verständiges, Vernünftiges und Wißtümliches
einfließt, und weil kein Kampf stattfindet, so wird er inne, daß es so ist. So
ist die Ordnung, die noch eine umgekehrte ist beim Geistigen, wiederhergestellt
beim Himmlischen. Diese Ordnung oder dieser Mensch wird genannt "ein Garten
in Eden von Aufgang". Der
von Jehovah Gott gepflanzte Garten in Eden von Aufgang ist im höchsten Sinn der
Herr selbst. Im innersten Sinne, der auch der universelle Sinn ist, ist er das
Reich des Herrn, und der Himmel, in den der Mensch gesetzt wird, wenn er ein
himmlischer geworden ist. Sein Zustand ist alsdann der, daß er bei den Engeln
im Himmel ist, und gleichsam einer unter ihnen, denn der Mensch ist so
geschaffen, daß er, während er auf Erden lebt, zugleich im Himmel sei. Alle
seine Gedanken und Denkvorstellungen, ja Worte und Handlungen sind alsdann
aufgeschlossen, in denen Himmlisches und Geistiges ist, und deren Ausgangspunkt
der Herr ist. Denn in einem jeden (derselben) ist Leben des Herrn, welches
macht, daß er ein Innewerden hat. 100.
Daß der Garten die Einsicht bezeichne und Eden die Liebe, erhellt auch bei
Jes.51/3: "Trösten wird Jehovah Zion, trösten alle ihre Wildnisse, und
wird setzen ihre Wüste wie Eden, und ihre Einöde wie einen Garten Jehovahs;
Freude und Fröhlichkeit wird gefunden werden in ihr, Bekenntnis und die Stimme
des Gesangs": wo Wüste, Freude und Bekenntnis Worte sind, die bei dem
Propheten das Himmlische des Glaubens oder was zur Liebe gehört, ausdrückte,
hingegen Einöde, Fröhlichkeit, Stimme des Gesangs das Geistige des Glaubens,
das auch dem Verstand angehört; jene beziehen sich auf Eden, diese auf den
Garten; denn bei diesem Propheten kommen ganz beständig zweierlei Ausdrücke
von einer und derselben Sache vor, von welcher der eine Himmlisches, der andere
Geistiges bedeutet. Was der Garten in Eden weiter bedeute, sehe man beim
folgenden 10. Vers. 101.
Daß der Herr der Aufgang sei, erhellt auch hin und wieder aus dem Wort, wie bei
Hes.43/1,2,4: "Er führte mich zum dem Tore, einem Tore, das hinsieht nach
dem Wege des Aufgangs, und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam vom
Wege des Aufgangs, und Seine Stimme wie die Stimme vieler Wasser, und die Erde
leuchtete von Seiner Herrlichkeit". Weil der Herr der Aufgang ist, darum
war es in der vorbildlichen jüdischen Kirche, ehe der Tempel erbaut war, ein
heiliger Brauch, das Angesicht gegen Aufgang zu wenden, wenn man betete. 102.
Vers 9: Und Jehovah Gott ließ hervorsprossen aus dem Boden allen Baum,
lieblich anzusehen, und gut zur Speise; und den Baum der Leben inmitten des
Gartens; und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. "Der
Baum", bedeutet das Innewerden, "der
Baum, lieblich anzusehen", das Innewerden des Wahren; "der
Baum gut zur Speise", das Innewerden des Guten; "der
Baum der Leben", die Liebe und den Glauben aus ihr; "der
Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen", den Glauben aus dem Sinnlichen
oder aus der Wissenschaft. 103.
Daß die Bäume hier Innewerden bedeuten, davon ist der Grund, daß von dem
himmlischen Menschen gehandelt wird; anders, wenn vom geistigen; denn wie das
Subjekt, so ist das Prädikat. 104.
Was aber Innewerden (perceptio) sei, weiß man heutzutage nicht; es ist ein
gewisses inneres Gefühl (sensatio) vom Wahren und Guten, das einzig vom Herrn
kommt. Der Ältesten Kirche war es sehr wohl bekannt. Die Engel haben ein so
deutliches, daß sie aus ihm wissen und erkennen, was wahr und gut, was vom
Herrn und was von ihnen selbst, sowie auch wie beschaffen einer ist, der
herbeikommt, aus seinem bloßen Herbeikommen und bloß aus einer einzigen seiner
Vorstellungen.
Der geistige Mensch hat kein Innewerden, sondern er hat ein Gewissen;
der tote Mensch hat nicht einmal ein Gewissen, auch wissen die meisten nicht,
was Gewissen, geschweige denn was Innewerden ist. 105.
Der Baum der Leben ist die Liebe und der Glaube aus ihr; inmitten des Gartens
ist im Willen des inneren Menschen. Das Vorzüglichste, was der Herr beim
Menschen und dem Engel besitzt, ist der Wille, der im Worte Herz heißt; weil
aber aus sich selbst niemand Gutes tun kann, so ist der Wille oder das Herz
nicht des Menschen, obwohl er dem Menschen zugeschrieben wird; dem Menschen
eigen ist Begierde, die er Willen nennt; weil der Wille die Mitte des Gartens
ist, wo der Baum der Leben und der Mensch keinen Willen, sondern Begierde hat,
darum ist der Baum der Leben die Barmherzigkeit des Herrn, von dem alle Liebe
und aller Glaube und somit alles Leben kommt. 106.
Was aber der Baum des Gartens oder das Innewerden; was der Baum der Leben oder
die Liebe und der Glaube aus ihr; was der Baum der Erkenntnis oder der Glaube
aus dem Sinnlichen und der Wissenschaft sei, davon im Folgenden mehr. 107.
Vers 10: Und ein Strom ging aus von Eden, den Garten zu bewässern; und von
da teilte er sich, und war zu vier Häuptern. 108.
Wenn die Ältesten den Menschen einem Garten verglichen, so verglichen sie auch
die Weisheit, und was zur Weisheit gehört, den Strömen; ja, sie verglichen
nicht, sondern nannten sie so, denn von dieser Art war ihre Redeweise. Ebenso
nachher bei den Propheten, die sie so teils verglichen, teils nannten, wie bei
Jes.58/10,11: "Es wird aufgehen in Finsternis dein Licht, und ein Dunkel
sein wie das Tageslicht, und du wirst sein wie ein gewässerter Garten, und wie
ein Ausgang der Wasser, dessen Wasser nicht lügen werden": wo von denen
gehandelt wird, die Glaube und Liebe aufnehmen. 4.
Mose 24/6: "Wie Täler werden sie bepflanzt, wie Gärten neben einem Fluß,
wie Jehovah Zelte gepflanzt, wie Zedern neben Wassern": wo von den
Wiedergeborenen die Rede ist.
Jerem.17/7,8:
"Gesegnet ist der Mann, der auf Jehovah vertraut, er wird sein wie ein
Baum, der gepflanzt ist neben Wassern, und über den Bach hin ausbreiten wird
seine Wurzeln". Daß
die Menschen dem Garten und Bäume neben Flüssen nicht verglichen, sondern so
genannt wurden, bei Hes.31/4,7-9: "Wasser haben sie wachsen gemacht, die
Tiefe der Wasser hat sie hoch gemacht, der Fluß ging rings um ihre Pflanzung,
und sandte seine Wasserleitungen aus zu allen Bäumen des Feldes, schön ist sie
geworden in ihrer Größe, in der Länge ihrer Äste, weil ihre Wurzel war an
vielen Wassern, Zedern verdunkelten sie nicht im Garten Gottes, Tannen waren
nicht gleich ihren Ästen, und Platanen waren nicht wie ihre Zweige; kein Baum
im Garten Gottes war ihr gleich in ihrer Schönheit; schön hat Er sie gemacht
in der Menge ihrer Äste, und es eiferten ihr nach alle Bäume Edens, die im
Garten Gottes". Aus
diesem erhellt, daß, wenn die Uralten den Menschen, oder (was dasselbe ist)
das, was im Menschen ist, einem Garten verglichen, sie auch Gewässer und Flüsse,
von denen er bewässert werden sollte, beifügten; und daß sie unter den
Wassern und Flüssen das verstanden, was Wachstum bewirkt. 109.
Daß die Weisheit und die Einsicht, obwohl sie im Menschen erscheinen, doch des
Herrn allein seien, wie schon bemerkt worden, wird deutlich gesagt durch ähnliche
Vorbildungen:
Hes.47/1,8,9,12:
"Siehe, Wasser gingen hervor unter der Schwelle des Hauses, gegen Aufgang;
weil das Angesicht des Hauses der Aufgang; und Er sprach: Jene Wasser fließen
hinaus nach der Grenze gegen Aufgang, und laufen hinab in die Ebene, und kommen
zum Meer, ins Meer hinausgeleitet, und die Wasser werden gesund werden. Und es
wird geschehen, jede lebende Seele, die sich regt, überall, wohin das Wasser
der Ströme kommt, wird leben. Und neben dem Strom wird sich erheben an seinem
Ufer hier und dort jeglicher Baum der Speise; nicht wird welken sein Zweig, und
nicht verzehrt werden seine Frucht. In seine Monate wird sie wiedergeboren, denn
seine Wasser gehen vom Heiligtum aus, und darum wird seine Frucht zur Speise
sein, und sein Blatt zur Arznei": hier wird der Herr bezeichnet durch den
Aufgang und durch das Heiligtum, aus dem die Wasser und die Ströme.
In
ähnlicher Weise Joh.Offenb.22/1,2: "Er zeigte mir einen lauteren Strom von
Lebenswasser, glänzend wie Kristall, ausgehend vom Throne Gottes und des
Lammes; inmitten ihrer Gasse und des Stromes, hier und dort ein Baum des Lebens,
der zwölf(mal) Früchte bringt, jeden Monat seine Frucht gebend, und das Blatt
des Baumes zur Arznei der Heiden". 110.
Vers 11,12: Der Name des ersten ist Pischon, der umgibt das ganze Land
Chavillah, wo Gold. Und das Gold dieses Landes ist gut, allda ist Bdellium und
der Stein Schoham. 111.
Es ist jedoch sehr schwer anzugeben, wie sich dies im inneren Sinne verhält,
weil es heutzutage unbekannt ist, wie z.B. was der Glaube aus der Liebe, was die
Weisheit und was die Einsicht aus ihr ist. Weil die äußerlichen Menschen kaum
etwas anderes kennen als Wissenschaft, die sie auch Einsicht und Weisheit nennen
und Glauben; so wissen sie nicht einmal, was Liebe ist, und viele nicht, was
Wille und Verstand, und daß sie ein Gemüt ausmachen, da doch das eine
vom anderen unterschieden ist, ja durchaus unterschieden, und der gesamte Himmel
vom Herrn ganz unterschieden geordnet ist nach den Unterschieden der Liebe und
des Glaubens, die unzählig sind. 112.
Aber man wisse, daß es durchaus keine Weisheit gibt, außer aus der Liebe,
somit aus dem Herrn; auch keine Einsicht, außer aus dem Glauben, somit auch aus
dem Herrn; und daß es durchaus kein Gutes gibt außer aus der Liebe, somit aus
dem Herrn; und daß es durchaus kein Wahres gibt, außer aus dem Glauben, somit
aus dem Herrn. Was nicht aus der Liebe und aus dem Glauben, somit nicht aus dem
Herrn ist, wird zwar ebenso genannt, ist aber unecht. 113.
Daß das Gute der Weisheit oder der Liebe bezeichnet und vorgebildet sei durch
das Gold, ist ganz gewöhnlich im Worte. Alles Gold an der Lade, im Tempel, am
goldenen Tisch, an den Leuchtern, an den Gefäßen, an den Kleidern Aharons
bezeichnete und bildete vor das Gute der Weisheit oder der Liebe; ebenso bei den
Propheten wie bei Hes.28/4: "In deiner Weisheit und in deiner Einsicht
machtest du dir Reichtum, und machtest Gold und Silber in deinen Schätzen":
wo deutlich gesagt wird, daß aus der Weisheit und Einsicht Gold und Silber oder
Gutes und Wahres (komme), denn das Silber bedeutet hier das Wahre, wie auch das
Silber an der Lade und im Tempel. Jes.60/6:
"Die Menge der Kamele wird dich bedecken, die Dromedare Midians und Ephas,
sie alle werden aus Scheba kommen, Gold und Weihrauch bringen, und das Lob
Jehovahs verkündigen"; sowie auch die Weisen aus dem Morgenlande, die zu
Jesu kamen, als Er geboren war, und niederfielen und Ihn anbeteten, und ihre Schätze
öffneten, und Ihm Geschenke darbrachten: "Gold, Weihrauch und
Myrrhen", Matth.2/1,11: auch
hier bedeutet Gold das Gute; Weihrauch und Myrrhen das, was wohlgefällig ist,
weil es aus der Liebe und dem Glauben kommt, und deswegen das Lob Jehovahs heißt.
Daher
bei Ps.72/15: "Er wird leben, und man wird Ihm vom Golde Schebas geben, und
immerdar für Ihn beten, und jeden Tage Ihn preisen". 114.
Das Wahre des Glaubens ist auch im Worte bezeichnet und vorgebildet durch
Edelsteine, wie im Brustschild des Gerichts, und auf den Schulterstücken des
Ephods Aharons; am Brustschild bildete das Gold, die Hyazinthfarbe, der Purpur,
der zweimal gefärbte Scharlach und die Baumwolle das vor, was zur Liebe gehört;
die Edelsteine das, was zum Glauben aus der Liebe gehört; ebenso die zwei
Steine der Erinnerung auf den Schulterstücken des Ephods, die aus Schoham
waren, umgeben mit Fassungen von Gold: 2. Mose 28/9-22; was deutlich gesagt wird
bei Hes.28/12,13,15, wo die Rede ist von einem Menschen, der himmlischen
Reichtum, Einsicht und Weisheit besitzt: "voll Weisheit und vollkommen an
Schönheit warst du in Eden, im Garten Gottes, jeglicher kostbare Stein war
deine Bedeckung, Rubin, Topas, Diamant; Tharschisch, Schoham und Jaspis; Saphir,
Chrysopras, Smaragd; und Gold, das Werk deiner Pauken und deiner Pfeifen, war in
dir, am Tage da du geschaffen wurdest, zubereitet worden; vollkommen warst du in
deinen Wegen, vom Tag an, da du geschaffen wurdest": daß dies Himmlisches
und Geistiges des Glaubens bedeute, nicht aber Steine, kann einem jeden klar
sein; ja, jeder Stein bildete irgend etwas Wesentliches des Glaubens vor. 115.
Wenn die Ältesten Länder nannten, so verstanden sie darunter, was diese
bedeuteten; wie denn auch die, welche heutzutage die Vorstellung haben, daß das
Land Kanaan und der Berg Zion den Himmel bedeuten, wenn dergleichen genannt
werden, nicht einmal an ein Land oder an einen Berg denken, sondern bloß an
das, was diese bedeuten; so auch hier unter dem Lande Chavillah, das auch
genannt wird 1. Mose 25/18, wo die Rede ist von den Söhnen Jischmaels, daß sie
"gewohnt haben von Chavillah bis Schur, welches neben den Angesichten Ägyptens,
wo man kommt nach Aschur". Die, welche in einer himmlischen Vorstellung
sind, denken sich bei diesem nichts anderes als die Einsicht, und was aus der
Einsicht fließt, so auch bei dem Umgeben (daß nämlich der Strom Pischon das
ganze Land Chavillah umgebe, 1. Mose 2/11) denken sie sich ein Einfließen, wie
auch dabei, daß die Steine Schoham auf den Schulterstücken des Epods Aharons
umgeben waren mit Fassungen von Gold: 2. Mose 28/11; daß das Gute der Liebe
einfließe in das Wahre des Glaubens, so oftmals anderwärts. 116.
Vers 13: Und der Name des zweiten Stromes ist Gichon; der umgibt das ganze
Land Kusch. Der
zweite Strom, der Gichon genannt wird, bedeutet die Erkenntnis alles dessen, was
zum Guten und Wahren oder zu der Liebe und zum Glauben gehört;
das Land Kusch oder Äthiopien bedeutet das Gemüt oder das
(Gemüts-) Vermögen. Das Gemüt besteht aus Willen und Verstand; was dem ersten
Fluß angehört, bezieht sich auf den Willen, was diesem angehört, auf den
Verstand, dessen die Erkenntnisse des Guten und Wahren sind.
117.
Das Land Kusch oder Äthiopien hatte auch Überfluß an Gold, an Edelsteinen und
Gewürzen, welche bedeuten das Gute, das Wahre und das Wohlgefällige aus
diesen, dergleichen Erkenntnisse der Liebe und des Glaubens sind, was erhellen
kann aus den Nr. 113 angeführten Stellen, bei Jes.60/6; Matth.2/1,11; Ps.72/15. Daß
ähnliches unter Kusch oder Äthiopien, wie auch unter Scheba verstanden werde
im Worte, erhellt bei den Propheten, wie bei Zephanja, wo auch Ströme Kuschs
genannt werden: Zeph.3/5,9,10: "Am Morgen wird Er Sein Gericht ans Licht
bringen, weil Ich Mich alsdann wenden werde zu den Völkern mit deutlicher
Lippe, daß sie alle anrufen den Namen Jehovahs, daß sie Ihm dienen mit einer
Schulter, vom Übergang der Ströme Kuschs werden Meine Anbeter Mein Geschenk
darbringen". Dan.11/43,
wo vom König der Mitternacht und des Mittags gehandelt wird: "Er wird
herrschen über das Verborgene des Goldes und des Silbers und über alle wünschenswerten
Dinge Ägyptens, und die Libyer und Äthiopier (werden sein) unter seinen
Tritten": wo Ägypten für das Wißtümliche, Äthiopien für die
Erkenntnisse (steht). Bei
Ps.72/7,10, wo vom Herrn die Rede ist, somit vom himmlischen Menschen: "Blühen
wird in Seinen Tagen der Gerechte, und vieler Friede, bis der Mond nicht mehr;
die Könige von Tharschisch und den Inseln werden Geschenke bringen; die Könige
Schebas und Sebas werden Gaben zuführen": daß dies das Himmlische des
Glaubens bedeute, ist aus dem, was daselbst vorangeht und nachfolgt,
ersichtlich. Ähnliches
ist bezeichnet worden durch die Königin Schebas, die zu Salomo kam, und Rätsel
aufgab, und ihm Spezereien, Gold und Edelsteine brachte: 1.Kön.10/1-3; denn
alles, was in dem Historischen des Wortes ist, bezeichnet, bildet vor und schließt
in sich Geheimnisse, in gleicher Weise wie bei den Propheten. 118.
Vers 14: Und der Name des dritten Stromes ist Chiddekel, der geht östlich
gegen Aschur; und der vierte Strom, der ist Phrath. Der
Strom Chiddekel ist die Vernunft oder der Scharfsinn (perspicacia) der Vernunft;
Aschur ist das vernünftige Gemüt. Daß der Strom östlich nach Aschur gehe, bedeutet, daß der
Scharfsinn der Vernunft vom Herrn durch den inneren Menschen in das vernünftige
Gemüt komme, das dem äußeren Menschen angehört. Der Phrath oder Euphrat ist
die Wissenschaft, die das Letzte oder die Grenze ist. 119.
Daß Aschur das vernünftige Gemüt oder auch das Vernünftige des Menschen,
bezeichne, erhellt deutlich bei den Propheten, wie bei Hes.31/3,4: "Siehe,
Aschur war eine Zeder auf dem Libanon, mit schönen Ästen, und ein schattiger
Lustwald, und hoch an Höhe, und zwischen dem Dickicht war ihr Zweig; Wasser
haben sie wachsen gemacht, die Tiefe der Wasser hat sie hoch gemacht, ein Strom
ging rings um die Pflanzung": das Vernünftige wird genannt eine Zeder auf
dem Libanon; der Zweig zwischen dem Dickicht bedeutet das Wißtümliche des Gedächtnisses,
mit dem es sich so verhält. Noch
deutlicher bei Jes.19/23-25: "An jenem Tage wird ein Pfad sein von Ägypten
nach Aschur, und Aschur wird nach Ägypten kommen, und Ägypten nach Aschur, und
die Ägypter werden Aschur dienen. An jenem Tage wird Israel der dritte sein für
Ägypten und für Aschur, ein Segen inmitten des Landes, das segnen wird Jehovah
Zebaoth, sprechend: Gesegnet sei Mein Volk Ägypten, und Meiner Hände Werk
Aschur, und Mein Erbe Israel": durch
Ägypten wird hier und anderswo hin und wieder bezeichnet die Wissenschaft, und
Aschur die Vernunft, durch Israel die Einsicht. 120.
Wie durch Ägypten werden auch durch den Euphrat die Wissenschaften oder das Wißtümliche,
sowie auch das Sinnliche, aus dem das Wißtümliche, bezeichnet; dies ergibt
sich aus dem Worte bei den Propheten, wie bei Micha 7/10-12: "Es sprach die
Feindin: Wo ist Jehovah, dein Gott? Der Tag, an dem Er bauen wird deine Mauern;
jener Tag, fernab wird sein das Ziel (statutum), jener Tag, und Er wird bis zu
dir kommen von Aschur, und zu den Städten Ägyptens, und zum Strom
(Euphrat)": so redeten die Propheten von der Ankunft des Herrn, Der den
Menschen wiedergebären sollte, damit er dem Himmlischen ähnlich würde. Jerem.2/18:
"Was soll dir der Weg Ägyptens, daß du trinkest die Wasser Schichors, und
was soll dir der Weg Aschurs, daß du trinkest die Wasser des Stromes
(Euphrat)": wo Ägypten und der Euphrat gleichfalls für Wißtümliches,
Aschur für die Schlüsse aus demselben. Ps.80/9,12: "Einen Weinstock hast du aus Ägypten hervorgehen lassen, hast vertrieben die Völkerschaften, ihn gepflanzt, hast seine Ranken bis ans Meer gehen lassen, und bis zum Strom (Euphrat) seine Zweigchen": der Strom Euphrat auch hier für das Sinnliche und Wißtümliche. Denn der Euphrat war die Grenze gegen Aschur, bis wohin sich die Herrschaft Israels erstreckte, wie das Wißtümliche des Gedächtnisses die Grenze der Einsicht und der Weisheit des geistigen und des himmlischen Menschen ist. Ebendasselbe wird bezeichnet durch Folgendes was zu Abraham gesagt wurde, 1. Mose 15/18: "Deinem Samen will Ich geben dieses Land vom Strom Ägyptens bis zu dem großen Strome, dem Strom Euphrat": diese beiden Grenzen bezeichnen ähnliches.
121.
Welcherart die himmlische Ordnung sei, oder wie das, was zum Leben
gehört, fortschreite, kann man an diesen Strömen ersehen: (es geht) nämlich
(aus) vom Herrn, Welcher der Aufgang ist: von Ihm die Weisheit, durch die
Weisheit Einsicht, durch die Einsicht Vernunft; so wird durch die Vernunft
belebt das Wißtümliche, das dem Gedächtnis angehört. Dies ist die Ordnung
des Lebens; so sind die himmlischen Menschen. Deswegen hießen die Ältesten Israels, da sie die himmlischen
Menschen vorbildeten, weise, einsichtsvolle und wissende: 5. Mose 1/13,15;
ebenso Bezaleel, der die Lade verfertigte, und von dem gesagt wird, "daß
er erfüllt worden sei mit dem Geiste Gottes, in der Weisheit, in der Einsicht
und in der Wissenschaft, und in allem Werk": 2. Mose 31/3; 35/31; 36/1,2. 122.
Vers 15: Und Jehovah Gott nahm den Menschen, und setzte ihn in den Garten
Eden, ihn zu bebauen und ihn zu hüten. Durch
den Garten Eden wird alles bezeichnet, was beim himmlischen Menschen ist, wovon
die Rede war. Durch ihn bebauen und hüten, daß ihm gestattet werde, alles
jenes zu genießen, aber nicht als das Seinige es zu besitzen, weil es des Herrn
ist. 123.
Daß alles und jegliches des Herrn sei, erkennt der himmlische Mensch an, weil
er es inne wird; hingegen der geistige Mensch erkennt es zwar an, aber mit dem
Munde, weil er es aus dem Worte weiß; der weltliche und fleischliche erkennt es
weder an, noch gibt er es zu, sondern nennt alles, was bei ihm ist, sein Eigen
und meint, wenn er es verlöre, so wäre es ganz um ihn geschehen. 124.
Daß Weisheit, Einsicht, Vernunft und Wissenschaft nicht des Menschen, sondern
des Herrn seien, ergibt sich klar aus dem, was der Herr gelehrt hat bei
Matth.21/33, wo der Herr Sich einem Hausvater vergleicht, der einen Weinberg
pflanzte, und einen Zaun um ihn zog, und ihn an Landleute verlieh. Joh.16/13,14:
"Der Geist der Wahrheit wird euch in alle Wahrheit leiten, denn er wird
nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden; er wird
Mich verherrlichen, weil er von dem Meinen nehmen und euch (es) verkündigen
wird". 125.
Vers 16: Und Jehovah Gott gebot über ihn dem Menschen, sprechend: Von allem
Baume des Gartens sollst du essend essen. Essen
von allem Baum heißt, aus dem Innewerden erkennen und wissen, was gut und wahr
ist, denn, wie gesagt, das Innewerden ist der Baum. Die Menschen der Ältesten Kirche hatten die Erkenntnisse des
wahren Glaubens durch Offenbarungen, denn sie redeten mit dem Herrn und mit den
Engeln, sowie sie auch belehrt wurden durch Gesichte und Träume, deren sie ganz
wonnevolle und paradiesische hatten. Vom Herrn hatten sie fortwährend ein
Innewerden, und zwar ein solches, daß, wenn sie aus dem dachten, was dem Gedächtnis
angehörte, sie sogleich inne wurden, ob es wahr und gut sei, so sehr, daß sie,
wenn ihnen Falsches aufstieß, nicht nur Widerwillen, sondern auch Schauder
davor hatten; von dieser Art ist auch der Zustand der Engel. Aber an die Stelle
des Innewerdens der Ältesten Kirche trat nachher die Erkenntnis des Wahren und
Guten, aus früher Geoffenbartem, später aus dem im Worte Geoffenbartem. 126.
Vers 17: Aber von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen, von dem
sollst du nicht essen, weil du an dem Tage, da du von ihm issest, sterbend
sterben wirst. Das
Vorhergehende und dieses bedeutet, daß man aus allem Innewerden vom Herrn
wissen drfe, was wahr und gut ist, nicht aber aus sich selbst und der Welt, das
ist, (daß man) in die Geheimnisse des Glaubens (nicht) einzudringen suchen
(solle) durch Sinnliches und Wißtümliches, durch das sein Himmlisches stirbt. 127.
Daß die Menschen durch Sinnliches und Wißtümliches eindringen wollten in die
Geheimnisse des Glaubens, war nicht allein die Ursache des Falles der Ältesten
Kirche, nämlich ihrer Nachkommenschaft, von der im folgenden Kapitel; sondern
es ist auch die Ursache des Falles einer jeden Kirche, denn daher kommen nicht
allein Falschheiten, sondern auch Böses des Lebens. 128.
Der weltliche und fleischliche Mensch spricht in seinem Herzen: wofern ich nicht
über den Glauben und über das, was Sache des Glaubens ist, belehrt werde durch
Sinnliches, daß ich es sehe, oder durch Wissenschaftliches, daß ich es
verstehe, so werde ich nicht glauben und zwar begründet er sich damit, daß das
Natürliche dem Geistigen nicht entgegengesetzt sein könne; weshalb er aus dem Sinnlichen belehrt werden will über das
Himmlische; dies ist aber so unmöglich, als es einem Kamel ist, durch ein Nadelöhr zu gehen; je mehr
er aus jenem weise sein will, desto mehr verblendet er sich so sehr, daß er
nichts glaubt, nicht einmal daß es etwas Geistiges und daß es ein ewiges Leben
gebe; aus dem obersten Grundsatze, den er annimmt, geht dies hervor: dies heißt
essen vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen; je mehr er von diesem ißt,
desto toter wird er. Wer hingegen nicht aus der Welt weise sein will, sondern
aus dem Herrn, der spricht in seinem Herzen, daß man dem Herrn, das ist, dem,
was der Herr im Worte gesprochen hat, glauben müsse, weil es Wahrheiten sind,
und aus diesem obersten Grundsatz denkt er; er begründet sich durch Vernünftiges,
Wissenschaftliches, Sinnliches und Natürliches, und was nicht bestätigend ist,
scheidet er aus. 129.
Jedem kann bekannt sein, daß einmal angenommene Prinzipien, wenn sie auch noch
so falsch sind, den Menschen leiten, und daß den Prinzipien alles Wissen und
Schließen günstig ist; denn es strömt unzählig Beistimmendes herzu, und so
wird er im Falschen begründet; wer daher die Maxime hat, nichts zu glauben, ehe
er es sieht und versteht, kann gar nie glauben, denn Geistiges und Himmlisches
sieht er weder mit Augen, noch erfaßt er es mit der Phantasie. Die wahre
Ordnung ist aber, daß man aus dem Herrn, das ist aus Seinem Worte, Weisheit
hole, dann gibt sich alles, und man wird auch in den Vernunftwahrheiten und im
Wissenschaftlichen erleuchtet; denn es ist gar nicht verwehrt, Wissenschaften zu
erlernen, weil sie fürs Leben ersprießlich und auch ergötzlich sind; und wer
im Glauben steht, dem ist durchaus nicht verwehrt, zu denken und zu reden wie
die Gelehrten der Welt, jedoch aus dem obersten Grundsatze heraus, daß er dem
Worte des Herrn glaube, und die geistigen und himmlischen Wahrheiten, so weit er
kann, durch natürliche Wahrheiten begründe, mit Ausdrücken, die der gelehrten
Welt eigen sind; daher soll das Prinzip aus dem Herrn genommen sein, nicht aus
ihm selbst; jenes ist Leben dieses aber ist Tod. 130.
Wer aus der Welt weise sein will, dessen Garten ist Sinnliches und Wißtümliches;
sein Eden ist die Selbst- und Weltliebe; sein Aufgang ist der Niedergang oder er
selbst; sein Strom Euphrat ist all sein Wissen, das verdammt ist; der andere
Strom, wo Aschur, ist unsinniges Vernünfteln und infolgedessen Falschheiten;
der dritte Strom, wo Kusch, sind die daraus hervorgehenden Grundsätze des Bösen
und Falschen, die seine Glaubenserkenntnisse sind; der vierte ist die Weisheit
daher, die im Worte Magie genannt wird; daher Ägypten, welches das Wissen
bedeutet, nachdem es magisch geworden, eine solche bezeichnet, und zwar aus dem
Grunde, von dem hie und da im Worte die Rede ist, weil er nämlich aus sich
weise sein will; wovon bei Hes.29/3,9 also heißt: "So sprach der Herr
Jehovih, siehe, Ich bin wider dich, Pharao, König Ägyptens, großes
Seeungeheuer, der da liegt inmitten seiner Ströme, und sprach, mein ist der
Strom, und ich habe mich gemacht; und es wird das Land Ägyptens zur Einöde und
zur Wüste werden, und sie werden erkennen, daß Ich Jehovah bin, darum, daß er
sprach, mein ist der Strom und ich habe (mich) gemacht": solche werden auch
genannt Bäume des Edens in der Unterwelt, bei demselben Propheten, wo ebenfalls
von Pharao oder dem Ägypter gehandelt wird, in folgenden Worten: Hes.31/16-18:
"Da Ich ihn hinabsinken ließ in die Unterwelt, mit denen, die hinabsanken 18.
Und Jehovah Gott sprach. Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, Ich will
ihm eine Hilfe machen, wie bei ihm. 19.
Und Jehovah Gott bildete aus dem Boden alles Tier des Feldes und allen Vogel der
Himmel, und brachte sie zum Menschen, zu sehen, was er sie nennete, und alles
was sie der Mensch nannte, eine lebende Seele, das war sein Name. 20.
Und es nannte der Mensch Namen allem Tier und dem Vogel der Himmel, und allem
Wild des Feldes, und dem Menschen fand er keine Hilfe, wie bei ihm. 21.
Und Jehovah Gott ließ einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er
schlief ein; und Er nahm eine von seinen Rippen, und schloß Fleisch zu an ihrer
Stelle. 22.
Und Jehovah Gott baute die Rippe, die Er vom Menschen genommen, zu einem Weib,
und brachte sie zum Menschen. 23.
Und der Mensch sprach: diesmal ist (es) Gebein von meinen Gebeinen, und Fleisch
von meinem Fleisch, deswegen soll sie Gattin (Männin) heißen, weil sie vom
Manne genommen ist. 24.
Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und wird seiner
Gattin anhangen, und sie werden ein Fleisch sein. 25.
Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Gattin, und sie schämten sich
nicht. Inhalt
131.
Es wird gehandelt von der Nachkommenschaft der Ältesten Kirche, die nach
Eigenem strebte. 132.
Weil der Mensch von der Art ist, daß er nicht zufrieden ist, vom Herrn geleitet
zu werden, sondern auch von sich selbst und der Welt, oder aus dem Eigenen
(geleitet zu werden) begehrt, so wird hier von dem Eigenen gehandelt, das ihm
zugelassen worden: Vers 18. 133.
Und zuerst wird ihm gegeben, die Triebe zum Guten und die Erkenntnisse des
Wahren, die ihm vom Herrn geschenkt worden, zu erkennen; aber dennoch strebt er
nach Eigenem: Vers 19, 20. 134.
Daher wird er in den Stand des Eigenen versetzt, und wird ihm Eigenes gegeben,
das beschrieben wird durch die zu einem Weibe gebaute Rippe: Vers 21, 22, 23. 135.
Dann daß das himmlische und geistige Leben beigefügt worden sei dem Eigenen,
so daß sie gleichsam als eins erscheinen: Vers 24. 136.
Und daß dem Eigenen vom Herrn Unschuld eingepflanzt worden, damit es gleichwohl
nicht mißfällig sei: Vers 25. Innerer Sinn
137.
In den drei (ersten) Kapiteln der Genesis ist im allgemeinen die Rede
von der Ältesten Kirche, die Mensch genannt wird, von der ersten Zeit an bis
zur letzten, wo sie unterging. In dem bereits abgehandelten Teil dieses Kapitels
von ihrem blühendsten Zustande, da sie ein himmlischer Mensch war. Hier nun von
denen und von ihren Nachkommen, die nach Eigenem strebten. 138.
Vers 18: Und Jehovah Gott sprach. Es ist nicht gut, daß der Mensch allein
sei, Ich will ihm eine Hilfe machen, wie bei ihm. Durch
allein wird bezeichnet, daß er nicht zufrieden gewesen sei, vom Herrn geleitet
zu werden, sondern von sich selbst und der Welt (geleitet zu sein) begehrte;
durch die Hilfe, wie bei ihm, wird bezeichnet, das Eigene, das im Folgenden auch
genannt wird eine zu einem Weibe gebaute Rippe. HG 139
139.
Vor Alters hießen diejenigen allein wohnend, die vom Herrn geleitet wurden, wie
himmlische Menschen, weil das Böse oder die bösen Geister sie nicht mehr
anfochten; dies wurde auch in der jüdischen Kirche vorgebildet dadurch, daß
sie nach Vertreibung der Heiden allein wohnten, daher einige Male im Worte von
der Kirche des Herrn gesagt wird, sie sei allein, wie bei Jerem.49/31:
"Machet euch auf, ziehet hinauf zu einer ruhigen Völkerschaft, die
zuversichtlich wohnet, keine Türflügel und keine Riegel hat; allein wohnen
sie". In
der Weissagung Mose, 5. Mose 33/28: "Es wohnte Israel zuversichtlich,
allein". Noch
deutlicher in der Weissagung Bileams, 4. Mose 23/9: "Siehe, ein Volk, das
allein wohnet, und unter die Völkerschaften nicht gerechnet wird": wo die
Völkerschaften für das Böse stehen. Die Nachkommenschaft der Ältesten Kirche
wollte nicht allein wohnen, das ist: nicht ein himmlischer Mensch sein, oder wie
ein himmlischer Mensch vom Herrn geleitet werden, sondern sie (wollten) unter
den Völkerschaften sein, wie die jüdische Kirche; und weil sie dies begehrte,
wird gesagt, es sei nicht gut, daß der Mensch für sich allein sei, (1. Mose
2/18) denn wer begehrt, ist schon im Bösen, und es wird ihm zugelassen. 140.
Daß durch die Hilfe "wie bei ihm" das Eigene bezeichnet werde, kann
aus der Natur des Eigenen und aus dem Folgenden erhellen. Weil jedoch dieser
Mensch der Kirche, von dem jetzt gehandelt wird, von guter Gemütsanlage war, so
ist ihm ein Eigenes zugelassen worden, aber ein solches, das ihm als das Seinige
erschien, daher es heißt: eine Hilfe wie bei ihm. 141.
Über das Eigene kann Unzähliges gesagt werden, nämlich wie sich das Eigene
verhalte bei dem fleischlichen und weltlichen Menschen, wie bei dem geistigen
Menschen, und wie bei dem himmlischen; das Eigene beim fleischlichen und
weltlichen Menschen ist sein Alles; er weiß nichts anderes als das Eigene; wenn
er das Eigene verlöre, so würde er, wie gesagt, meinen, er gehe zugrunde. Auch
bei dem geistigen Menschen erscheint das Eigene so, denn obwohl er weiß, daß
der Herr das Leben von allem ist, und Weisheit und Einsicht gibt, und folglich
auch das Denken und Handeln gibt, so sagt er dies zwar, glaubt aber nicht so.
Der himmlische Mensch hingegen erkennt an, daß der Herr das Leben
von allem ist, und das Denken und Handeln gibt, denn er wird inne, daß es so
ist, und begehrt niemals Eigenes; und obwohl er kein Eigenes begehrt, so wird
ihm dennoch vom Herrn Eigenes gegeben, das verbunden ist mit allem Innewerden
des Guten und Wahren und mit aller Seligkeit; die Engel sind in einem solchen
Eigenen, und dann im höchsten Frieden und in Ruhe; denn in ihrem Eigenen ist
das, was des Herrn ist, Der ihr Eigenes regiert, oder sie durch ihr Eigenes;
dieses Eigene ist das eigentlichst Himmlische; das Eigene des fleischlichen
Menschen hingegen ist höllisch; doch über das Eigene mehreres im Folgenden. 142.
Vers 19,20: Und Jehovah Gott bildete aus dem Boden alles Tier des Feldes und
allen Vogel der Himmel, und brachte sie zum Menschen, zu sehen, was er sie
nennete; und alles, was sie der Mensch nannte, eine lebende Seele, das war sein
Name. Und es nannte der Mensch Namen allem Tier, und dem Vogel der Himmel, und
allem Wild des Feldes; und dem Menschen fand er keine Hilfe, wie bei ihm. Durch
die Tiere werden bezeichnet himmlische Triebe; durch die Vögel der Himmel
geistige Triebe; oder durch die Tiere, was Sache des Willens ist, durch die Vögel,
was Sache des Verstandes ist; "zum
Menschen bringen, um (sie) zu sehen, und sie mit Namen nennen" heißt, ihm
zu wissen geben, wie sie beschaffen sind; und daß er "Namen nannte"
heißt, daß er erkannte, wie sie beschaffen waren; und obwohl er wußte, wie
die Triebe zum Guten und die Erkenntnisse des Wahren, die vom Herrn geschenkt
worden, beschaffen sind, so strebte er doch nach Eigenem, und dies wird durch
dasselbe ausgedrückt, wie früher, daß er nämlich nicht gefunden habe eine
Hilfe wie bei ihm.
143.
Daß durch Tiere (bestiae) und lebendige Wesen (animalia) vor Alters bezeichnet
worden seien Triebe und ähnliches bei dem Menschen, kann heutzutage als
fremdartig erscheinen; allein da dieselben eine himmlische Vorstellungsweise
hatten, und dergleichen auch in der Geisterwelt durch lebendige Wesen
vorgebildet wird, und zwar durch solche lebendige Wesen, die Ähnlichkeit damit
haben, so verstanden sie nichts anderes darunter, wenn sie so sprachen. Im Worte
wird auch nichts anderes verstanden, überall wo Tiere genannt werden im
allgemeinen und im besonderen. Das ganze prophetische Wort ist voll von ähnlichem.
Wer daher nicht weiß, was jedes Tier insbesondere bezeichnet, der kann niemals
verstehen, was das Wort im inneren Sinn enthält. Es sind aber, wie schon früher
bemerkt worden, die Tiere von zweierlei Art: böse, weil sie schädlich, und
gute, weil sie unschädlich sind; durch die guten werden bezeichnet gute Triebe, wie durch Schafe, Lämmer,
Tauben; hier nun, weil vom himmlischen oder vom himmlisch-geistigen Menschen die
Rede ist, ebenso. Daß die Tiere im allgemeinen Triebe bezeichnen, kann man aus
einigen Stellen im Worte begründet sehen: Nr. 45, 46, so daß nicht nötig ist,
es noch weiter zu begründen. 144.
In betreff dessen, daß mit Namen nennen bedeute, wissen, wie sie beschaffen
sind, muß man wissen, daß die Alten unter dem
Namen nichts anderes verstanden haben als das Wesen einer Sache; unter sehen und mit Namen nennen, wissen, wie sie beschaffen
sind; der Grund war, daß sie Namen gaben ihren Söhnen und Töchtern je nach
dem, was (durch sie) bezeichnet wurde; denn ein jeder Name hatte etwas
Besonderes, aus dem und durch das man ihren Ursprung und ihre Beschaffenheit
erkannte, wie man auch aus dem Folgenden, wo von den zwölf Söhnen Jakobs, vermöge
der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, gehandelt werden soll, ersehen wird.
Da nun im Namen ihr Ursprung und ihre Beschaffenheit lag, so verstanden sie
unter dem "mit Namen nennen", nichts anderes. Eine solche Redeweise
war bei ihnen heimisch, und wer diese nicht versteht, wird sich wundern, daß es
dies bedeutet. 145.
Auch im Worte wird durch die Namen das Wesen einer Sache bezeichnet, und durch
sehen und mit Namen nennen, wissen, wie einer beschaffen ist, wie bei
Jes.45/3,4: "Ich will dir geben die Schätze der Finsternis und die
geheimen Güter der Verborgenheiten, auf daß du wissest, daß Ich Jehovah bin,
Der deinen Namen ruft, der Gott Israels, um Meines Knechtes Jakob und Israels,
Meines Auserwählten willen, und Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, habe
dich benannt, und du hast Mich nicht gekannt": hier wird durch "bei
deinem Namen rufen und ihn benennen" bezeichnet: vorauswissen, wie er
beschaffen ist. Jes.62/2:
"Es wird dir genannt werden ein neuer Name, den der Mund Jehovahs
aussprechen wird": was soviel ist als: er werde ein anderer werden, wie aus
dem erhellt, was daselbst vorausgeht und folgt. Jes.43/1: "Israel, fürchte
dich nicht, denn Ich habe dich erlöst, (dich) gerufen bei deinem Namen, Mein
bist du": was hier soviel ist als: Er kenne seine Beschaffenheit. Jes.40/26:
"Hebet in die Höhe eure Augen und sehet, wer dies geschaffen; Der ausführt
in der Zahl ihr Heer, wird sie alle mit Namen rufen": soviel als: Er kenne
alle. Joh.Offenb.3/4,5:
"Du hast wenige Namen in Sardes, die nicht befleckt haben ihre Kleider; wer
überwindet, wird angetan werden mit weißen Kleidern, und Ich will seinen Namen
nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens, und will bekennen seinen Namen vor
Meinem Vater und vor Seinen Engeln", und Joh.Offenb.13/8: "Deren Namen
nicht geschrieben sind im Lebensbuche des Lammes": unter den Namen werden
in diesen Stellen gar nicht Namen verstanden, sondern ihre Beschaffenheit; auch
kennt man nie jemandes Namen im Himmel, sondern seine Beschaffenheit. 146.
Aus diesem kann man den Zusammenhang der Dinge ersehen, die bezeichnet werden.
In 1. Mose 2/19 wurde gesagt: "Es ist nicht gut, daß der Mensch für sich
allein sei, Ich will ihm eine Hilfe machen, wie bei ihm"; und gleich darauf
wird von Tieren und Vögeln gehandelt, von denen jedoch schon vorher die Rede
war, und auch unmittelbar nachher wird in gleicher Weise gesagt, daß Er dem
Menschen keine Hilfe fand, "wie bei ihm"; daß er nämlich, als ihm zu
erkennen gegeben war, wie er in Ansehung der Triebe zum Guten und der
Erkenntnisse des Wahren beschaffen sei, dennoch nach einem Eigenen strebte, denn
die, welche von dieser Art sind, daß sie ein Eigenes begehren, fangen an, das,
was des Herrn ist, zu verachten, wie es ihnen auch vorgestellt und gezeigt
werden mag. 147.
Vers 21: Und Jehovah Gott ließ einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen,
und er schlief ein; und Er nahm eine von seinen Rippen, und schloß Fleisch zu
an ihrer Stelle. Unter
der Rippe, die ein Knochen der Brust ist, wird verstanden das Eigene des
Menschen, in dem wenig Leben, und zwar das Eigene, das ihm lieb ist; unter dem Fleisch anstatt der Rippe wird verstanden das
Eigene, in dem Leben ist; unter dem tiefen Schlaf jener Zustand, in den er
versetzt wurde, damit es ihm schiene, als ob er Eigenes hätte, welcher Zustand
dem Schlaf ähnlich ist, weil er in diesem Zustand nicht anders weiß, als daß
er aus sich lebe, denke, rede und handle. Wenn er aber zu wissen anfängt, daß
dies falsch ist, dann erwacht er wie vom Schlaf, und wird ein Wachender. 148.
Daß das Eigene des Menschen genannt worden ist eine Rippe, die ein Knochen der
Brust ist, und zwar das Eigene, das ihm lieb ist, davon ist der Grund, daß
Brust bei den Ältesten (Menschen) die tätige Liebe bezeichnete, weil in ihr
das Herz und die Lungenflügel sind; und die Knochen das bezeichneten, was
geringer ist, weil es am wenigsten Leben in sich hat; das Fleisch aber das, was
etwas Leben hat. Der Grund dieser Bezeichnungen ist ein sehr geheimer, der den
Ältesten (Menschen) bekannt war, wovon, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit
des Herrn, im Folgenden. 149.
Auch im Worte wird das Eigene durch die Gebeine bezeichnet; und zwar das vom
Herrn belebte Eigene; bei Jes.58/11: "Jehovah wird sättigen in der Dürre
deine Seele, und deine Gebeine rüstig machen, und du wirst sein wie ein gewässerter
Garten". Ps.35/10:
"Alle meine Gebeine werden sprechen, Jehovah, wer ist wie Du". Bei
Hesekiel noch augenscheinlicher, wo von den Gebeinen gesagt wird, sie werden
Fleisch bekommen, und Geist werde in sie gebracht werden, Hes.37/1,4-6:
"Die Hand Jehovahs versetzte mich in die Mitte des Tals, und das war voll
von Gebeinen, und Er sprach zu mir: Weissage über diese Gebeine, und sprich zu
ihnen, ihr dürren Gebeine, höret das Wort Jehovahs, so sprach der Herr Jehovah
zu diesen Gebeinen: siehe, Ich bringe in euch Geist, und ihr werdet leben, und
Ich will Sehnen über euch geben, und wachsen lassen über euch Fleisch, und über
euch herziehen Haut, und in euch geben Geist, und ihr werdet leben, und wissen,
daß Ich Jehovah bin". Das
Eigene des Menschen, wenn es vom Himmel aus angesehen wird, erscheint ganz als
ein unbeseeltes und höchst mißgestaltetes, somit an sich totes Knochengerippe;
ist es aber vom Herrn belebt, als mit Fleisch umgeben; denn das Eigene des
Menschen ist nichts als etwas Totes, obwohl es ihm als etwas, ja, als alles
erscheint; alles was bei ihm lebt, ist aus dem Leben des Herrn; würde dieses
zurücktreten, so fiele er tot darnieder, wie ein Stein; denn er ist ein bloßes
Organ des Lebens; aber wie das Organ, so ist der Lebenstrieb. Der Herr allein
hat ein Eigenes; aus Seinem Eigenen hat Er den Menschen erlöst, und aus Seinem
Eigenen macht Er den Menschen selig. Das Eigene des Herrn ist das Leben, und aus
Seinem Eigenen wird das Eigene des Menschen belebt, das an sich tot ist. Das
Eigene des Herrn ist auch bezeichnet worden durch des Herrn Worte bei
Luk.24/39,40: "Ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß
Ich habe"; auch ist es dadurch bezeichnet, daß das Gebein des Passahtieres
nicht zerbrochen werden sollte: 2. Mose 12/46. 150.
Der Zustand des Menschen, wenn er im Eigenen ist, oder wenn er aus sich zu leben
meint, wurde dem tiefen Schlaf verglichen, ja von den Alten sogar tiefer Schlaf
genannt; im Worte: sie werden übergossen mit dem Geiste tiefen Schlafes, und
versinken in Schlaf. Daß das Eigene des Menschen an sich tot sei, oder daß
niemand einiges Leben aus sich habe, wird in der Geisterwelt sogar also gezeigt,
daß die bösen Geister, die nur das Eigene lieben und hartnäckig darauf
bestehen, sie leben aus sich, durch lebendige Erfahrungen davon überwiesen
wurden und gestanden, sie leben nicht aus sich. Wie es sich mit dem Eigenen des
Menschen verhalte, wurde mir schon seit einigen Jahren mehr als anderen zu
erfahren gegeben, daß ich nämlich gar nichts aus mir selbst dachte, und es
ward mir gegeben, deutlich inne zu werden, daß jede Denkvorstellung einfloß,
und zuweilen, wie und woher sie einfloß. Daher ist der Mensch, der meint, er
lebe aus sich, im Falschen, und dadurch, daß er aus sich zu leben glaubt,
eignet er sich alles Böse und Falsche an, das er sich nie aneignen würde, wenn
er so glaubte, wie die Sache sich verhält. 151.
Vers 22: Und Jehovah Gott baute die Rippe, die Er vom Menschen genommen, zu
einem Weib, und brachte sie zum Menschen. Durch
bauen wird bezeichnet aufrichten, was gefallen ist; durch die Rippe das nicht
belebte Eigene; durch das Weib das vom Herrn belebte Eigene. Durch "zum
Menschen bringen", daß ihm ein Eigenes gegeben worden sei. Weil die
Nachkommenschaft dieser Kirche nicht, wie ihre Eltern, ein himmlischer Mensch
sein, sondern sich selbst führen wollte, und so nach Eigenem strebte, so ist
ihr ein solches auch zugelassen, dasselbe jedoch vom Herrn belebt worden, daher
es Weib heißt und nachher Gattin. 152.
Jeder, der nur ein wenig aufmerkt, kann wissen, daß kein Weib aus einer Rippe
des Mannes (gebaut wurde), und das dies tiefere Geheimnisse in sich schließt,
als irgend jemand bisher wußte; und daß das Eigene durch das Weib bezeichnet
werde, aus dem, daß das Weib es ist, das verführt wurde, denn nichts verführt
den Menschen je als das Eigene, oder was dasselbe ist, die Selbst- und
Weltliebe. 153.
Es heißt die Rippe sei zu einem Weibe gebaut worden, nicht aber ein Weib sei
geschaffen oder gebildet oder gemacht worden, wie früher, wo von der
Wiedergeburt gehandelt wird; daß sie gebaut heißt, davon ist der Grund, daß
bauen bedeutet das aufbauen, was gefallen ist; im Wort ebenso, wo bauen gesagt
wird von Bösem, aufrichten von Falschem, erneuern von beiden, wie bei Jes.61/4:
"Sie werden bauen die Wüsten der Vorzeit (aeternitatis), die alten Einöden
aufrichten und erneuern die Städte der Verwüstung, die Einöden von Geschlecht
zu Geschlecht": Wüsten hier und anderwärts für Böses, Einöden für
Falsches; auf jene wird angewandt das Wort bauen, auf diese aufrichten, wie auch
anderwärts bei den Propheten, und darauf wird genau gehalten; bei Jerem.31/4:
"Ich will dich noch bauen, daß du gebaut seist, Jungfrau Israel". 154. Es gibt gar nichts Böses und Falsches, das nicht Eigenes und aus dem Eigenen ist; denn das Eigene des Menschen ist das Böse selbst, daher ist der Mensch nichts als Böses und Falsches; dies konnte sich mir daraus ergeben, daß wenn Eigenes sichtbar dargestellt wird in der Geisterwelt, es so häßlich erscheint, daß nichts Häßlicheres gemalt werden kann, mit Verschiedenheit je nach der Natur des Eigenen, so daß der, dem sein Eigenes zu sehen gegeben wird, vor sich selbst zurückschaudert und fliehen will wie vor einem Teufel.
Dagegen aber
Eigenes, das vom Herrn belebt ist, erscheint schön und lieblich, mit
Verschiedenheit, je nach dem Leben, an welches das Himmlische des Herrn sich
anschließen kann, und zwar erscheinen die, welche mit Liebtätigkeit begabt
oder belebt worden waren, wie Knaben und Mädchen mit dem lieblichsten
Angesicht; und die mit Unschuld wie nackte Kinder, auf verschiedene Art geschmückt,
mit Blumenkränzen um die Brust gewunden, mit Diademen um das Haupt, lebend und
spielend in Diamantenschimmer, mit einem Wonnegefühl aus dem Innersten heraus. 155.
Diese Worte, daß die Rippe gebaut worden sei zu einem Weibe, haben mehr
inwendigst Verborgenes, als irgend jemand aus dem Buchstaben wissen kann, denn
das Wort des Herrn ist so beschaffen, daß es im Innersten den Herrn selbst und
Sein Reich zum Gegenstand hat, daher alles Leben des Wortes; hier in gleicher
Weise; es ist die himmlische Ehe, auf die im Innersten hingesehen wird. Die himmlische Ehe ist von der Art, daß sie im Eigenen ist, und daß
das vom Herrn belebte Eigene heißt des Herrn Braut, wie auch Gattin. Das so vom
Herrn belebte Eigene hat ein Innewerden alles Guten der Liebe und Wahren des
Glaubens, es hat somit alle Weisheit und Einsicht verbunden mit
unaussprechlicher Seligkeit. Wie aber dieses
belebte Eigene, das Braut und Gattin des Herrn heißt, beschaffen sei, kann
nicht mit wenigem gesagt werden, nur, daß die Engel inne werden, daß sie vom
Herrn leben, und wenn sie nicht daran denken, nicht anders wissen, als daß sie
aus sich (leben); aber es ist ein allgemeines Gefühl (affectio), das von der
Art ist, daß sie, wenn sie auch nur im Geringsten vom Guten der Liebe und vom
Wahren des Glaubens abweichen, eine Veränderung inne werden; daher sie in ihrem
Frieden und in ihrer Seligkeit, die unaussprechlich ist, sind, wenn sie im
allgemeinen Innewerden sind, daß sie vom Herrn leben. Dieses
Eigene ist es auch, das verstanden wird bei Jerem.31/22, wo es heißt: "Es
hat Jehovah Neues geschaffen im Lande, das Weib wird den Mann umgeben": es ist die himmlische Ehe, die auch hier bezeichnet wird, und zwar
durch Weib das vom Herrn belebte Eigene, von welchem Weibe gesagt wird, es
umgebe; denn das Eigene ist von der Art, daß es umgibt, wie die Fleisch
gewordene Rippe das Herz umgibt. 156.
Vers 23: Und der Mensch sprach, diesmal ist (es) Gebein von meinen Gebeinen,
und Fleisch von meinem Fleisch, deswegen wird sie Gattin (Männin) heißen, weil
vom Manne sie genommen ist. Gebein
von Gebeinen und Fleisch von Fleisch bedeutet das Eigene des äußeren Menschen;
Gebein das nicht so belebte Eigene, Fleisch das belebte Eigene. Der Mann aber
bedeutet den inneren Menschen, und weil dieser mit dem äußeren Menschen so
verknüpft ist, wie im folgenden Vers gesagt wird, so wird dieses Eigene, das
vorher Weib hieß, Gattin genannt. "Diesmal" bedeutet, daß es nun so
geworden sei, weil der Zustand verändert worden ist. 157.
Weil Gebein von Gebein und Fleisch von Fleisch das Eigene des äußeren
Menschen, in dem der innere ist, bezeichnete, so wurden vor Alters alle
diejenigen Gebein von Gebein und Fleisch von Fleisch genannt, die Eigene heißen
konnten, und aus einem Hause oder aus einer Familie oder in einiger
Verwandtschaft waren, wie Jakob von Laban genannt wurde, 1. Mose 29/14: "Du
bist ja mein Bein und mein Fleisch". Die Brüder der Mutter und die Familie
des Hauses des Vaters der Mutter von Abimelech, Richt.9/1-3: "Gedenket, daß
euer Gebein und euer Fleisch ich bin". Auch sagten die Stämme Israels von
sich zu David: "Siehe, wir sind dein Gebein und dein Fleisch":
2.Sam.5/1. 158.
Daß der Mann den inneren Menschen bezeichne, oder was dasselbe ist, den Verständigen
und Weisen erhellt bei Jes.41/28: "Ich sehe, da ist kein Mann, und von
ihnen, da ist kein Ratgeber": soviel als kein Weiser und Verständiger. Bei
Jerem.5/1: "Laufet durch die Gassen Jerusalems, und sehet, ob ihr einen
Mann findet, ob einer sei, der Recht tue und Wahrheit suche": einer, der
Recht tut soviel als ein Weiser, und einer, der Wahrheit sucht soviel als ein
Verständiger. 159.
Aber wie es sich damit verhalte, begreift man nicht leicht, wenn man nicht weiß,
welcherlei der Zustand des himmlischen Menschen ist; der Zustand des himmlischen Menschen ist von der Art, daß der innere
Mensch unterschieden ist vom äußeren, und zwar so, daß er inne wird, was dem
inneren angehört, und was dem äußern angehört, und wie der äußere durch
den inneren regiert wird vom Herrn. Der
Zustand dieser Nachkommenschaft aber ist, weil sie Eigenes begehrte, das dem äußeren
Menschen angehört, so verändert worden, daß sie nicht mehr inne ward, daß
der innere Mensch vom äußeren unterschieden sei, sondern als ob der innere
eins wäre mit dem äußeren - denn solcherlei wird das Innewerden, wenn Eigenes
begehrt wird.
160.
Vers 24: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und
wird seiner Gattin anhangen, und sie werden ein Fleisch sein. Den
Vater und die Mutter verlassen heißt, den inneren Menschen; denn der innere ist
es, der den äußeren empfängt und gebiert. Der Gattin anhangen heißt, daß
der innere im äußeren sei; zu einem Fleisch, daß sie in diesem
beisammen seien. Und weil früher der innere und der äußere durch den inneren
Geist war, so sind sie dagegen nun Fleisch geworden. So wurde das himmlische und
geistige Leben dem Eigenen beigefügt, daß sie wie eins waren. 161.
Diese Nachkommenschaft der Ältesten Kirche war nicht böse, sondern immerhin
gut; und weil sie im äußeren Menschen oder im Eigenen zu leben begehrte, so
ist es ihr auch vom Herrn verliehen, aber aus Barmherzigkeit himmlisch Geistiges
(coeleste spirituale) eingepflanzt worden. Wie das Innere und Äußere eins ausmachen, oder wie sie als eins erscheinen, kann man nicht wissen, wenn man nicht den Einfluß des einen in das andere kennt; damit nur eine Vorstellung davon gefaßt werde, diene zum Beispiel eine Handlung: wenn dieser nicht Liebtätigkeit oder Liebe und Glaube und diesen der Herr innewohnt, so ist die Handlung nicht eine Handlung, die ein Werk der tätigen Liebe oder eine Frucht des Glaubens genannt werden könnte.
162.
Alle Gesetze des Wahren und Rechten fließen aus himmlischen Grundsätzen oder
aus der Lebensordnung des himmlischen Menschen, denn der ganze Himmel ist ein himmlischer Mensch, darum, daß der
Herr allein der himmlische Mensch ist, und alles in allem und jedem des Himmels
und eines himmlischen Menschen ist, daher sie auch himmlisch heißen;
weil aus himmlischen Grundsätzen oder von der Lebensordnung
des himmlischen Menschen jedes Gesetz des Wahren und Rechten, hauptsächlich das
Gesetz der Ehen seine Abkunft hat: so ist es die himmlische Ehe, aus welcher und
gemäß welcher alle Ehen auf Erden sein sollen; sie besteht darin, daß ein
Herr sei und ein Himmel, oder eine Kirche, deren Haupt der Herr
ist; daher das Gesetz der Ehen, daß ein Mann sein solle und eine
Gattin, und wenn es so ist, so stellen sie die himmlische Ehe vor, und sind ein
Abbild des himmlischen Menschen. Dieses
Gesetz war nicht allein den Männern der Ältesten Kirche geoffenbart, sondern
auch ihrem inneren Menschen eingeschrieben, daher ein Mann damals nur eine
Gattin hatte, und ein Haus bildete; als aber ihre Nachkommen aufhörten,
innerliche Menschen zu sein und äußerliche wurden, so nahmen sie mehrere
Weiber. Weil die Männer der Ältesten Kirche mit ihren Ehen die himmlische Ehe
darstellten, so war ihnen die eheliche Liebe gleichsam der Himmel und die
himmlische Seligkeit; als aber die Kirche sank, empfanden sie keine Seligkeit
mehr in der ehelichen Liebe, sondern in der Ergötzung mit mehreren, was ins
Gebiet des äußerlichen Menschen gehört; dies wird vom Herrn die Herzens-
härtigkeit
genannt, wegen der ihnen von Mose erlaubt wurde mehrere Weiber zu nehmen, wie
der Herr selbst lehrt: "Um eurer Herzenshärtigkeit willen hat Moses euch
dies Gebot geschrieben; von Anfang der Schöpfung aber hat sie Gott einen
Mann und eine Frau gemacht, darum wird ein Mensch seinen Vater und Mutter
verlassen, und seinem Weib anhangen, und die zwei werden ein Fleisch
sein, weshalb sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch; was nun Gott
zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden": Mark.10/5-9. 163.
Vers 25: Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Gattin, und sie schämten
sich nicht. Daß
sie nackt waren, und sich nicht schämten, bezeichnet die Unschuldigen; daß nämlich
der Herr ihrem Eigenen Unschuld einpflanzte, damit es nicht mißfällig wäre. 164.
Das Eigene des Menschen ist nichts als Böses, und wenn es sichtbar
dargestellt wird, äußerst häßlich. Wenn aber Liebtätigkeit und Unschuld vom
Herrn dem Eigenen eingepflanzt wird, erscheint es als gut und schön, gemäß
dem, was Nr. 154 gesagt worden ist. Liebtätigkeit und Unschuld sind es, die das
Eigene oder das Böse und Falsche des Menschen nicht nur entschuldigen, sondern
gleichsam aufheben (abolent), wie
jeder bei den Kindern sehen kann; wenn diese sich gegenseitig und die Eltern
lieben, und zugleich das kindlich Unschuldige hervorleuchtet, dann erscheint das
Böse und Falsche selbst nicht nur nicht, sondern es gefällt sogar. Hieraus
kann man wissen, daß niemand in den Himmel zugelassen werden kann, es sei denn,
daß er einige Unschuld habe, wie der Herr bei Mark.10/14-16 sagte: "Lasset
die Kinder zu Mir kommen und wehret ihnen nicht, (denn) solcher ist das Reich
Gottes; Amen, Ich sage euch, wer nicht das Reich Gottes empfängt wie ein Kind,
wird nicht in dasselbe eingehen. Er nahm sie nun auf die Arme, legte die Hände
auf sie, und segnete sie". 165.
Daß die Nacktheit, deren man sich nicht schämt, Unschuld bedeute, erhellt
deutlich aus dem, daß, nachdem die Reinheit und Unschuld entwichen war, sie
dann der Nacktheit sich schämten, und dieselbe als eine Schande erschien, daher
sie sich verbargen (1. Mose 3/7,10). Auch aus dem, was in der Geisterwelt
vorgestellt wird, erhellt, daß die Nacktheit, deren man sich nicht schämt,
Unschuld bedeutet; denn wenn sich die Geister rechtfertigen und als schuldlos
erweisen wollen, stellen sie sich nackt dar, um ihre Unschuld zu bezeugen;
besonders zeigt es sich an denen, die unschuldig sind im Himmel,
diese erscheinen wie nackte Kinder, und je nach der Art der Unschuld mit Kränzen umwunden; die
aber nicht so viel Unschuld haben, die erscheinen mit geschmackvollen und glänzenden
Kleidern angetan, so daß man sie Diamant-Seidenzeug heißen möchte, wie die
Engel zuweilen den Propheten erschienen sind. 166.
Dies ist es, was das Wort in diesem Kapitel enthält. Was aber davon erklärt
worden ist, ist nur weniges; und weil vom himmlischen Menschen gehandelt wird,
der heutzutage kaum einem bekannt ist, so muß schon dies wenige einigen dunkel
erscheinen. 167.
Wüßte man aber, wie viele Geheimnisse in jedem Verschen enthalten sind, so würde
man erstaunen. Es sind so viele Geheimnisse darin enthalten, daß es nie
ausgesprochen werden kann; dies scheint am wenigsten aus dem Buchstaben hervor.
Um es kurz zu sagen: Die Worte des Buchstabens werden, wie sie sind, in der
Geisterwelt lebendig vorgebildet in schöner Ordnung, denn die Geisterwelt ist
eine vorbildende; und alles, was lebendig vorgebildet wird, das nehmen im
zweiten Himmel die engelischen Geister in den Bestandteilen wahr, die in dem
Vorgebildeten sich finden, und was von seiten der Engelgeister, das wird im
dritten Himmel von den Engeln nach dem Reichtum (seiner Einzelheiten) und nach
seiner ganzen Fülle in unaussprechlichen engelischen Vorstellungen
(wahrgenommen), und zwar nach dem Wohlgefallen des Herrn, mit aller
Mannigfaltigkeit, die grenzenlos ist. So ist das Wort des Herrn beschaffen. |
Aktualisiert am: 02.12.2008 - Home