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Das
Atmen der Natur
Inhalt: Geistige Beleuchtung von Ebbe und Flut {24.10.1840} * Vom Atmen der Naturwelt {22.11.1840} * Vom Atmen der Pflanzen {22.11.1840} * Weiteres vom Atmen der Pflanzen {08.12.1840} *
01] Es gibt der Meinungen viele über die Erscheinung des regelmäßigen Steigens und Fallens des Meeres. Allein, wie mit allem übrigen, so ist es auch mit dieser Erscheinung der Fall, daß alle bis jetzt bekannten Meinungen und sogenannten »Hypothesen« hinsichtlich der Erklärung dieser Erscheinung zur Wahrheit sich verhalten, wie ein blinder Schütze zum vorgesteckten Ziele, der da in seiner Nacht hingeht aufs weite Feld, allwo irgendein Ziel aufgesteckt ist. Er geht auf der Ebene fort und fort und sucht das Ziel, wohin er seine Pfeile abschießen möchte. Und seht, da er nahe an das Ziel gekommen ist, wendet er sich von demselben ab und sendet seine Pfeile ins Blaue. 02] Und hätte ein anderer Schütze, der ebenfalls blind ist, (gleichwohl) auch eine so glückliche Wendung gemacht, daß er gewisserart, wie ihr sagt, zufällig einen Pfeil ins Zentrum geschleudert hätte, so würde ihm dieses aber demungeachtet nichts nützen, da er blind ist und daher nicht wissen kann, wohin sein Pfeil geflogen ist; und wüßte er es auch, was würde es ihm wohl nützen, da er das Zentrum selbst nicht sehen kann - besonders wenn das Ziel, wie hier bei dieser Aufgabe, noch dazu so hoch gesteckt ist, daß er es nicht einmal mit den Händen erreichen kann, um zu fühlen, ob sein Pfeil in der Mitte steckt. 03] Und wenn er darauf einer ganzen blinden Menge mit aller Beredsamkeit predigt, wie genau er das Ziel getroffen habe, so werden einige, die noch viel blinder als er sind, sich außerordentlich beifällig zu wundern anfangen, daß er mit solcher Sicherheit das Ziel getroffen habe, und werden sagen: »Das wäre uns Sterblichen allen unmöglich gewesen, indem wir alle blind sind.« - Er aber wird großtuend erwidern: »Ja, mir ist es gelungen!« 04] Doch die weniger Blinden, die werden freilich sich nach und nach in die Ohren zu raunen anfangen und werden sagen: »Ist denn nicht der Schütze auch blind? Woher dieser sichere Schuß? Hätte er nicht auch ebenso gut einen nebenstehenden Baum treffen können wie das vorgesteckte Ziel?« 05] (Angenommen) bei dieser Operation wäre aber auch ein Sehender zugegen und würde sagen: »Hört Freunde! Ich bin einer, der gesunde Augen hat, und sehe so gut in der Nähe wie in die Ferne.« - Die Blinden aber würden ihm erwidern: »Was geht das uns an, wenn du siehst, so wir doch blind sind? Und so können wir dir ebensowenig glauben wie dem Blinden, da wir uns wirklich nicht überzeugen können, ob du siehst.« - Der Sehende aber würde dann sagen: »So ihr auch nicht sehet, so kann ich euch doch begreiflich machen, daß ich sehe, und zwar auf folgende Weise: Mache jemand von euch irgendeine Bewegung mit seiner Hand, mit seinem Fuße oder mit seinem Kopfe, und so ich euch sage, wie ihr euch bewegt habt, so glaubt es mir, daß ich sehe.« - Und die Blinden sprächen zu ihm: »So du das könntest, so möchten wir ja glauben, daß du sehst und uns auch sagen könntest, wohin der Pfeil dieses (samt uns) blinden Schützen geflogen ist.« - Das tät der Sehende denn auch. - Dann aber würde er sagen: »Sehet, der Schütze war mit seinem Rücken, statt an einen Baum, gerade an das Ziel gelehnt, als er den Pfeil losschoß, aus welcher Ursache der Pfeil unmöglich ans Ziel gelangen konnte.« 06] Nun sehet, was würde nun daraus entstehen? Meint ihr, die Blinden würden ihm glauben? - Ja, sage Ich, sie würden ihm glauben, insoweit sie es mit den Händen greifen könnten. Da aber auch der Schütze sich gar gewaltig auflehnen würde für seine Ehre, so würden sich die Blinderen an die Beredsamkeit des Schützen halten, und die anderen würden in ihrem Glauben immer in einem Flut und Ebbe ähnlichen Schwanken sein und würden sagen: »Ja, es ist wahr, unsere Bewegungen hat er uns wohl richtig gesagt, aber wer steht dafür, daß er uns auch das andere richtig sagt, worin wir uns nicht überzeugen können, ob es so ist, wie er es uns sagt?« 07] Nun sehet, aus diesem kleinen Gleichnisse werdet
ihr ersehen, wie schwer es ist, der blinden Welt zu predigen, und
umgekehrt, wie schwer es auch der blinden Welt ist, die gepredigte
Wahrheit als solche zu erfassen und zu begreifen. 09] Denn es ist die Flut ein Sinnbild des Hochmuts - die Ebbe aber der Demut! Oder mit anderen Worten: Es ist die Flut ein Sinnbild des Überflusses, des Reichtumes und der damit verbundenen Unruhe - die Ebbe aber der Zurückgezogenheit, der Dürftigkeit und der stillen Ruhe. 10] Dem Schiffer ist oft freilich die
Flut erwünschter als die Ebbe, wenn irgendein Sturmwind ihn auf eine
Sandbank festgesetzt hat. Allein, diese Nützlichkeit ist nicht eine wahre
Nützlichkeit. Denn das Schiff wird zwar von der Flut gehoben und dann
weiterbefördert - aber sind nicht noch wohlbekannterweise vor oder nach
den Sandbänken auch Klippen vorhanden? Seht, wäre nun das Schiff durch
die Ebbe nicht in den Stand der Ruhe gesetzt worden auf der weichen
Sandbank, so hätte der Sturm das Schiff auf eine Klippe geschleudert,
wodurch dann alles zugrunde gegangen wäre. - Daher sollt auch ihr euch
mehr die Ebbe als die Flut zum Spiegel eures Lebens wählen. 12] So ihr aber einen Maschinisten fragen würdet: »Sage mir, warum ist dieser Stift da in deinem Uhrwerke?« - wird es der Maschinenmeister nicht alsogleich wissen, warum dieser Stift da oder dort angebracht ist? - Ja, sage Ich, er wird und muß es wissen, da er sonst kein Meister wäre und das Werk nicht ein Werk seiner Hände. So Ich aber der große Meister bin in allen Dingen ewig und unendlich, so glaubt es Mir, daß Mir Ebbe und Flut recht wohl bekannt ist. 13] Nun werdet ihr euch denken: So möchte ich denn doch schon einmal wissen, was denn die Ebbe und Flut ist? - Ich aber sage: Nur noch eine kleine Geduld, es wird schon kommen! Macht ihr es ja doch mit euren Kindern, da ihr ihnen etwas zu geben gesonnen seid, auch oft also, wenn die Gabe auch nur in etwas sehr Unbedeutendem besteht. So Ich aber euch etwas Bedeutendes gebe, wie soll Ich auch euch nicht zuvor ein wenig lüstern darauf machen? 14] Nun sehet, alles, was nur irgendein Leben äußert, hat eine gewisse ihm eigentümliche Atmung. Und hat diese aufgehört, dann sind auch die Lebensgeister der Materie entflohen; diese selbst aber sinkt dann in den Zustand der Trägheit zurück, stirbt und verwest und geht so in den Tod über. So ihr zum Beispiel was immer für ein Tier beobachtet, so wird und muß es atmen; denn hört dieser Akt auf, so lehrt euch schon die tägliche Erfahrung, daß alsdann der Tod in diese (Lebens-)Form getreten ist. Ihr sagt auch, so jemand den letzten Atemzug gemacht hat, daß er gestorben sei, und ihr habt recht; denn mit dem letzten Atemzuge ist es mit dem naturgemäßen Leben (des Menschen) zu Ende. So aber das physische Leben in seinem Zentrum aufhört, so hört auch alsobald mit dem Hauptleben alles vegetative Leben in einem Körper auf. 15] Was ist demnach Atmung und wozu ist sie da? - Sehet, jedes Wesen bildet entweder eine positive oder negative Polarität. Wie aber eine jede Polarität ein Bedürfnis hat nach der entgegengesetzten Polarität und nicht entstehen und bestehen kann für sich ein negativer oder positiver Pol allein, sondern nur einer durch den anderen, sehet, so ist auch das (ganze) naturmäßige Leben! Auch euer Leben besteht in einem negativen Pole, welcher gegeben ist zur Aufnahme des Positiven. 16] Wie kann aber dies geschehen? - Dadurch, daß der negative Pol fortwährend durch die Atmung angeregt wird, durch welche Anregung immerwährend ein verhältnismäßiges Bedürfnis zur Aufnahme des positiven bewerkstelligt wird. 17] Nun sehet, ihr hättet zum Beispiel eine Elektrisiermaschine. Diese Maschine kann jahrelang auf irgendeinem Orte stehen und ihr werdet keine andere Erscheinung an ihr wahrnehmen als die ihrer Form selbst. Bringt nun aber jemand die Scheibe der Maschine in Umschwung, so wird dadurch die negative Elektrizität erregt und gleichsam in sich verzehrt. 18] Nun fängt sie aber eben durch diese Aufzehrung ihrer selbst an, ein neues Sättigungsbedürfnis zu empfinden. Was kann denn nun geschehen? Obschon ihr es jetzt fast schon mit den Händen greifen könnet, so will Ich es euch aber doch der Ordnung wegen sagen, was da zu geschehen hat und muß. - Wie sich der Hunger nicht selbst stillen kann, so auch kann sich der sich selbst aufzehrende Pol nicht wieder selbst sättigen - gerade wie wenn euer Magen leer geworden wäre, ihr euch auch nicht sättigen könntet mit der Leerheit eines anderen Magens, sondern ihr werdet sagen: »Herr, mit dieser negativen Kost ist uns nicht gedient, wir haben das Bedürfnis nach einer positiven Kost!« 19] Sehet, so ist es eben auch hier der Fall! Und so ist denn die positive Elektrizität eine Sättigung der negativen. Ist diese Sättigung vor sich gegangen, so wird an dem Konduktor alsobald der sättigende Erfolg in lebenstätige Erscheinung treten. 20] Und so ist denn auch die Atmung dasjenige, was eure Lebens-Elektrisier-Maschine in Bewegung setzt, die negative Polarität erregt und euer Wesen hungrig macht nach der positiven Polarität. - Denn mit einem jeden Atemzuge wird eine beständige Reibung in euren Körperteilen bewirkt. Durch diese Reibung wird das negative Leben angeregt und fängt an, sich zu fühlen in seinem Hunger. Und je nach dem Grade des Bedürfnisses wird dasselbe mit jedem Atemzuge gesättigt, welche Sättigung darin besteht, daß der Stickstoff als negativer Pol den Sauerstoff mit großer Begierde in sich aufnimmt. Hört nun dieses Atmen auf, dann fängt die negative Polarität an, sich selbst aufzuzehren, wodurch es denn auch alsobald mit dem naturmäßigen Leben ein Ende hat. 21] Nun denkt euch, jedes lebende Wesen ist eine »Welt« oder eine »Erde« im kleinen Verhältnisse. Wie aber ein jedes solches Wesen ein Zentralleben besitzt und ein vegetatives Leben durch das zentrale behält, solange die Atmung fortdauert, sehet, geradeso ist es der Fall nicht nur mit der Erde, sondern mit jedem Weltkörper! - Freilich müßt ihr euch nicht denken, die Erde sei deshalb ein Tier, weil sie ebenfalls periodisch atmet; dessenungeachtet aber ist sie doch insoweit in ihren inneren Gefügen organisch eingerichtet, daß sie einer Atmung fähig ist. 22] Demnach ist die Ebbe und Flut nichts als bloß die Folge des immerwährenden Aus- und Einatmens der Erde.
Geistige Beleuchtung von Ebbe und Flut {24.10.1840}01] Aber wodurch wird denn dieses Aus- und Einatmen (der Erde) bewirkt? - Gerade dadurch, wie es bei den Tieren bewirkt wird, nämlich durch das immerwährend neu eintretende Bedürfnis nach frischer Kost, wenn die vorhergehende verzehrt und dadurch wieder negativ geworden ist. 02] Während des Verzehrens fallen die Organe wieder näher aneinander, bis zu einem gewissen Grade, da sie sich selbst in ihrem eigenen Hunger zu reiben anfangen. Alsdann geschieht alsogleich wieder eine Sättigung, durch welche sich die Teile natürlich wieder mehr und mehr ausdehnen. Daher kommt denn auch eben hernach die (in Frage stehende) Erscheinung: durch das Bedürfnis nach positiver Kost die Ebbe - und durch die Sättigung die Flut. 03] Ihr werdet freilich sagen: Wenn
dem so ist, so müßten wir ja diese Erscheinung auf dem Festlande und auf
den Bergen ebenfalls wahrnehmen. - Ich sage aber, es ist dem nicht so.
Erweitern sich wohl euer Kopf, eure Hände und Füße, so ihr atmet? - Und
ihr werdet sagen: »Nein, diese Glieder bleiben ruhig«. - So sage Ich
euch, so können auch die Festen der Erde gar wohl ruhig bleiben. 05] So euch aber jemand sagt: der Mond sei die Ursache der Ebbe und Flut - so fragt ihn, wie denn der Mond, wenn er sich gerade auf der entgegengesetzten Seite befindet, vermöge seiner Anziehung auf der ihm schnurgerade abgewandten Erdhälfte eine Flut zu bewirken vermag? 06] Wer dieses behaupten könnte oder wollte, der wäre noch über den blinden Schützen, der sich mit dem Rücken gegen das Ziel wandte und zufälligerweise einen gegenüberstehenden Baum statt der Zielscheibe traf. Oder wem könnte wohl einfallen, so er in einer Badewanne läge, zu behaupten, daß das Wasser deswegen steige und falle, weil mehre Klafter über ihm ein Apfel an einer Schnur aufgehängt ist, welchem ein mutwilliger Knabe eine Schwingung beigebracht hat. Sollte dieser nicht lieber auf seinen eigenen Bauch sehen, woselbst ihm dann, um Mich auch eines gelehrten Ausdruckes zu bedienen, doch »empirisch« klar werden müßte, daß nicht der Apfel, sondern nur sein Bauch das Fallen und Steigen des Wassers bewirkt. 07] Nun, so hätten wir denn handgreiflich diese
Erscheinung zur Genüge erläutert, jedoch wie schon gesagt, ist alles
dieses nur eine äußerliche Erscheinlichkeit, welche, mit den Augen des
Geistes betrachtet, nicht so aussieht, wie sie mit den fleischlichen Augen
zu sehen ist. Sondern da ist positiver Pol: Geistiges - und negativer Pol:
Naturmäßiges. Und ist positiver Pol: Substanz - und negativer Pol:
aufnehmendes Gefäß. Und ist positiv: Inwendiges - und negativ:
Äußeres. Und es ist das Positive gleich der Liebe und der Weisheit - und
das Negative gleich der Erbarmung und der Gnade. 09] Wenn nun die Liebe nicht wäre, so könnte auch keine Erbarmung sein. Weil aber die Liebe, so ist auch die Erbarmung. Und so besteht, lebt und webt alles als Erbarmung aus Meiner Liebe! 10] Wollt ihr nun also wissen, was die positive, nährende Polarität ist, so sage Ich euch, diese ist nichts anderes als Meine Liebe. 11] Die Erbarmung aus dieser Meiner Liebe aber hat gebildet Wesen zur Aufnahme der Liebe aus Mir. Und die Liebe nährt die Wesen fort und fort und bildet auf dem Wege ihrer ewigen Ordnung ein Wesen um das andere, ein Wesen für das andere und ein Wesen aus dem anderen - und bereitet so eine Stufenfolge von Leben, immer vollkommener und vollkommener, damit sich die Liebe immerwährend in stets größerem und größerem Umfange ihrer unendlichen Erbarmungen zu offenbaren und gleichsam Sich Selbst in Ihrer Unendlichkeit mehr und mehr zu beschauen und lebendiger und lebendiger zu werden vermöge. 12] Daher ist alles so eingerichtet und geschieht alles
so nach Meiner Ordnung, damit der Tod einst ganz zunichte werde, und die
ganze Unendlichkeit ein ewiger vollkommener Inhalt der Fülle des Lebens
aus Mir und in Mir werde! 14] Daher noch einmal - beherzigt es wohl, was hier gesagt wurde! Denn sehet, Ich habe euch anfangs lüstern gemacht, und Ich wußte warum! Hätte Ich bloß nur eine einfache Birne in Meinem Sacke vor euren Augen verborgen gehalten, so hätte Ich euch nicht so lange zappeln lassen. Allein Ich habe diesmal einen reichen Schatz verborgen gehalten, und daher hielt Ich auch ein wenig inne, um euch dadurch eine desto größere Freude zu machen; zugleich aber auch, euch dadurch recht stark fühlen zu lassen, daß Ich nur ganz einzig und allein euer liebevollster, wahrer, heiliger Vater bin. Amen. Das sage Ich, euer liebevollster heiliger Vater. Amen. {22.11.1840} 00] Frage: »Atmen die Pflanzen auch, und wie?« 01] Nicht nur die Pflanzen, ja sogar
die Steine atmen - jedes nach seiner Art! 03] Und so atmen denn Amphibien, Würmer und Insekten ebenfalls; aber wie ganz verschieden ist das Atmen dieser kaltblütigen und sogar blutlosen Tier-Gattungen! Denn die Insekten haben kein Blut, sondern nur einen ihrer Beschaffenheit entsprechenden Saft, der sich beständig in einer hin- und herrollenden Bewegung befindet, durch welches Hin- und Herrollen denn auch die zum Leben solcher Tiere nötige Elektrizität in den Gefäßen entwickelt wird. Und wie ganz anders ist das Atmen jener Tiere, die unter dem Wasser leben. Und da es der Tiere unter dem Wasser außerordentlich viele gibt in Hinsicht auf Art und Gattung, so müßt ihr euch wohl denken, daß das Atmen wieder ebenso verschiedenartig ist wie die Verschiedenheit der Tiere selbst. 04] Sehet, diese Fragen, die da gestellt sind, sind allerdings einer Beantwortung würdig. Aber es ist eine Grundfrage weggeblieben, ohne deren Beantwortung diese zwei Fragen nie völlig zur gründlichen Einsicht der Menschen beantwortet werden können. Und diese Grundfrage ist folgende: 05] Warum atmen die Tiere, Pflanzen,
Steine und alle Weltkörper? - Sehet, wenn man nicht einsieht, daß und
wieso das Atmen notwendig ist zum Bestehen der Dinge, so nützt es einem
nichts, zu wissen, ob und wie die Dinge atmen, da dieser Akt mit dem Auge
nicht bemerkbar ist. Weiß man aber, warum geatmet werden muß, dann ist
das Ob und Wie ja ohnedies schon soviel wie beantwortet. Denn es ist
schwerer die Notwendigkeit einzusehen, als das Ob und Wie. 07] Nun seht, ihr saget: Die Materie ist nichts als der Ausdruck zweier sich widerstrebender Kräfte, nämlich der Zentripetal- und Zentrifugal-Kraft (Anziehungs- und Fliehkraft). 08] Das Bestehen der Materie hat demnach darin seinen Grund, daß die Zentrifugal-Kraft in demselben Grade der Zentripetal-Kraft entgegenwirkt in dem beständigen Bestreben, sich nach allen erdenklichen Richtungen endlos weit ausdehnen zu wollen, in welchem Verhältnisse die Zentripetal-Kraft wieder das ganz entgegengesetzte Bestreben äußerst und sich beständig in einem Punkte zusammenziehen will. 09] Nun, wenn die Zentripetal-Kraft
nicht durch das beständige Annehmen der sie umgebenden gleichartigen
Hilfskräfte genährt oder unterstützt würde, so würde sie alsobald von
der Zentrifugal-Kraft überwunden werden, wodurch sie dann auch zunichte
würde und die Materie dadurch aus der Sphäre des Daseins träte. Daher
hat denn der Stein, je welcher Art er ist, beständig die ihn umgebenden
gleichartigen Teile in der Luft an sich zu saugen, das ihm ganz Gleiche zu
behalten und dadurch die durch den gegenseitigen Kampf verbrauchten Teile
zu ersetzen, das Unähnliche aber vermöge der stets nach außen wirkenden
Zentrifugal-Kraft wieder hinauszuschaffen - damit er das bleibe in seiner
Art, als was er gebildet wurde. Dann und wann geschieht es aber auch, daß
selbst ein Stein gewisserart krank wird, wenn fremdartige Teile zu häufig
mit den ihm eigentümlichen eingesaugt wurden und diese durch die
entgegenwirkende Zentrifugal-Kraft nicht wohl mochten wieder
hinausgeschafft werden und der Stein dann in sich fremdartige Gebilde
bekommt. Z.B. findet man da in einem oder dem andern Steine sonstige
Mineralien oder in einem unedlen Steine edlere Steine; oder, was von euch
ein jeder schon öfter wird beobachtet haben, daß sonst durchsichtige
Kristalle, oder selbst Diamanten, gewisse undurchsichtige, moos- und
federartige Partikeln in sich enthalten, welche doch gewiß nicht der
Natur dieser sie enthaltenden Steine selbst sind. 11] Sehet, dieses könnte gewiß nicht geschehen, wenn
der Stein nicht inhalierte und respirierte (d.h. ein- und ausatmete). Aber
eben diese Erscheinung muß ja auch jedem noch befangenen Forscher
auffallen. Denn sie sagt ihm klar: der harte Stein, der weder Feuchtigkeit
noch irgend etwas zum Pflanzlichen Wachstum in sich enthält, wie z.B. der
blanke Gebirgskies, wie kann der wohl um seinen ganzen Umfang oft einen
Zoll dick mit ganz fremdartigen Gebilden umgeben sein, welche auf irgend
anderen Körpern nicht in der Art zu treffen sind wie um ihn, wenn er
nicht durch das Einatmen der ihm zusagenden Teile eben das in der
Luftregion zurückließe, was hernach durch einen anderen Prozeß zur
Bildung der den Stein umgebenden fremdartigen Formen tauglich ist? 13] Dafür kann euch die sonderbare
Erscheinung ein sichtliches Probestück liefern, so ihr ein
Zinkstängelchen nehmen würdet und selbes hineinhängen möchtet in ein
Glas, welches angefüllt wäre mit aufgelöstem Blei. Was wird hier
geschehen? Das Zinkstängelchen wird jetzt begierig einzuatmen anfangen
und wird aus der Flüssigkeit das ihm Zusagende einsaugen. Das Blei aber,
welches durch diese Flüssigkeit aufgelöst wurde, wird wieder um das
Zinkstängelchen kompakt ersichtlich, nachdem es sich alsobald unter
allerlei, man könnte sagen zufälligen Gebilden um dasselbe angelegt hat.
- Seht, was durch dieses euch gezeigte Experiment sichtlich vor sich gebt,
das ist auch der Fall bei allen Mineralien! 15] Seht, das ist wieder etwas Neues! - Da ihr begierige Neuheitsschnapper seid, so muß Ich euch ja auch schon wieder etwas Neues auftischen. Denn Ich meine, es wird nicht mehr nötig sein, hinsichtlich des ersten Atmens noch zu erörtern, ob die Steine atmen, nachdem ihr doch gesehen habt, daß sie fürs erste atmen müssen und fürs zweite auch, wie sie atmen. Wenn man nun diese zwei Grundbedingungen notwendig einsichtlich weiß, dann werdet ihr wohl selbst bemerken, daß es mit dem »Ob« seine geweisten Wege hat. Und sonach geben wir zu unserer »Neuigkeit« über! 16] Das nächste Atmen ist ein elektrisches Atmen. - Dieses elektrische Atmen ist nichts anderes als das Aufnehmen des magnetischen Fluidums, durch welches die beiden sich widerstrebenden Kräfte in ihrer Beharrlichkeit gestärkt werden. Diese Beharrlichkeit ist wieder nichts anderes als der sichtbare Ausdruck der gegenseitigen Polarität - und das zwar darum sichtbar, weil, wie ihr schon ohnedies hoffentlich ein wenig wissen werdet, die Materie in ihrer Erscheinlichkeit nichts anderes ist als die Polarisation der sich entgegenstrebenden Kräfte. 17] Diese Polarisation ist denn gewisserart das Leben der Materie, welches solange fortwährt, als die Polarisation sich als »Beharrlichkeit der gegenstrebenden Kräfte« in der Materie ausspricht. 18] Wird durch was immer für einen
bestimmten Umstand eine oder die andere Polarität in ihrer Beharrlichkeit
gestört, alsdann verwittert die Materie und zerfällt endlich in Staub,
welcher Staub selbst nur so lange als solcher existiert, solange in seinen
Partikeln noch irgend »Polarität« vorhanden ist, geht aber endlich aus
diesem letzten Dasein in ein anderes über, sobald er durch irgendeinen
Umstand eine gänzlich andere Richtung zu nehmen genötigt wird. 20] Ihr werdet doch verstehen, welche Bewohner hier verstanden werden? (Gemeint sind die in der Materie gefangenen und gerichteten Naturgeister, aus denen ja im letzten Grunde die ganze Materie besteht und die, wie alle geistigen Wesen, zu ihrer Lebenserhaltung ein geistiges Atmen aus dem allernährenden heiligen Gottesgeist benötigen.) - Da wir nun aber sogar die Steine haben »schnarchen« gehört, so wird es gewiß ein noch viel Leichteres sein, die viel organischere Pflanzenwelt in ihrer notwendigen Ein- und Ausatmung zu belauschen. {22.11.1840} 01] Sehet, eine Pflanze, vom Baum bis
zum Grase, besteht, wie ihr im allgemeinen wißt, aus einem untersten
Teile, der allezeit in der Erde steckt und der Wurzelteil der Pflanze ist,
welcher Wurzelteil gleich ist einem Fuße, auf dem die Pflanze steht. Und
zugleich aber ist dieser vielästige Fuß auch ein barer Polyp, welcher
die Nahrung durch tausend Saugrüssel in sich saugt. 03] Und so sehen wir, was über dem »Leibe« der Pflanze noch weiter zum Vorschein kommt, nämlich: die Krone, in welcher der Stamm, vervielfältigt, in die kleinsten Zweige ausläuft. 04] Nun, das ist einmal das organische Bild der Pflanze! 05] Bei den meisten Pflanzen werdet ihr mehr oder weniger im Stamme selbst oder aber doch im Stiele der Blätter oder Zweige einen hohlen Raum entdeckt haben, der mit keiner Flüssigkeit, sondern bloß nur mit Luft angefüllt ist - welche Luft jedoch nicht ganz gleichartig ist mit der äußeren, die Pflanze umgebenden atmosphärischen Luft, sondern entsprechend der jedesmaligen Beschaffenheit der Pflanze. Daß ihr z.B. solche Luft in der Blattstielröhre einer Kürbispflanze findet, wird wohl niemand von euch bezweifeln. Wie ist denn aber da die Luft hineingekommen? 06] Sehet, das ist schon beantwortet damit, daß die Pflanze die Fähigkeit in sich haben muß, die Luft an sich zu saugen - denn sonst könnte wohl nicht leichtlich diese eigentümliche Luft hier vorhanden sein, wovon euch schon eure Nase belehren muß, so ihr eine solche Röhre abschneidet und dann die in derselben befindliche Luft eurer Nase näher bringet. 07] Daß durch die Einatmung diese Luft in der Pflanze vorhanden ist, beweist auch noch das, daß, so ihr die Pflanze, wenn sie noch lebt, aus der Erde reißet und sie auf ein Feuer leget, ihr beim Verbrennen derselben alsobald durch das blasende Gezische gewahr werdet, daß Luft in derselben vorhanden ist. Denn wäre keine Luft vorhanden, so würde die Pflanze ohne Gezische und Geprassel verbrennen wie ein in Öl getauchter Faden. 08] Da würde ein Naturforscher allerdings sagen: »Ja, diese Luft kann auch durch die Poren dahin dringen!« - O ja, sage Ich, und sage noch dazu, daß sie das tun muß. Denn wenn die Pflanze so verschlossen wäre, daß sie nicht irgend auch allerfeinste Poren hätte, saget, wodurch soll denn die Luft hineindringen, selbst dann, wenn die Pflanze ihre Atmungsfähigkeit noch bedeutend sichtbarer äußern würde als irgendein Tier!? 09] Wenn man z.B. euch Mund und Nase
verstopfen würde, wodurch wird wohl Luft in eure Lungen dringen nach dem
Bedarf, wie ihr derselben nötig habt zum Leben!? Da eure zwei größeren
Mund- und Nasenporen offen fein müssen, wenn ihr atmen sollet, so werdet
ihr doch auch nichts dawider haben, wenn eine Pflanze auch irgend mit
Poren versehen ist, durch welche die Luft in sie dringen kann nach ihrem
Bedürfnisse. Und ihr werdet die Pflanze um diese Fähigkeit umso weniger
beneiden, da sie mit dem Atmen viel ökonomischer ist als ihr. 11] Nun, da hättet ihr denn das Atmen der Pflanzen und
hörtet, daß es wirklich vor sich geht! - Warum es vor sich geht, ist
schon gesagt beim Steine. Denn es ist ein und derselbe Grund (bei der
Pflanze wie beim Stein.). 13] Fürs erste müßt ihr, um das Wie recht zu verstehen, wissen, daß das Atmen nicht eine so ganz einfache Verrichtung ist, wie es sich dem Äußeren nach zum Beschauen darbietet. Sondern da ist ein Atmen immer die Folge eines anderen, vorhergehenden Atmens. 14] Zum Beispiel, so ihr einen Doppelblasebalg zur Hand nehmt und zieht ihn auf mit der Hand, so wird die Luft von dem unteren Blasebalg in den oberen gedrückt. Sobald der untere Teil wieder losgelassen wird, schöpft er neuerdings wieder Luft. Und so ihr ihn wieder drücket, so wird diese hineingeschöpfte Luft wieder in den oberen gedrückt. Sobald der untere Teil wieder losgelassen wird, schöpft er neuerdings wieder Luft. Und so ihr ihn wieder drücket, so wird diese hineingeschöpfte Luft wieder in den oberen gestoßen. - Aber saget, hätte das der Blasebalg auch für sich allein verrichten können, ohne daß ihn irgendeine bewegende Kraft zu dieser Verrichtung genötigt hätte? - »Nein«, wird selbst der blindeste Verstand sagen, »solches geht nicht an!« 15] Wenn Ich nun also frage, welche bewegende Kraft setzt denn die Pflanze in ihrem Organismus in den Stand, daß sich die Organe in ihr verhältnismäßig erweitern und dadurch die Luft gleich einem Blasebalg in sich saugen? Da werdet ihr sagen: »Das ist ja eben der Punkt, wo es bei uns noch hapert!« - Allein ihr sollt von eurer »Haperei« sogleich befreit werden, müsst aber zuvor einen sorgfältigen Blick werfen auf die zahllosen, oft kleineren und oft größeren rauhen Spitzchen, welche sowohl den Stamm oft ganz, besonders aber die untere Seite der Blätter, anfüllen. 16] Sehet, diese Spitzchen sind nichts anderes als lauter Elektrizitäts-Sauger. Sie saugen begierig dieses polarische Fluidum den ganzen Tag über in sich - und zwar an Tage das positive dieser Polarität. Durch dieses Insichsaugen der positiven Elektrizität, welche entspricht der Zentrifugal-Kraft, da sie in sich eine Fülle ausspricht, werden die Organe ausgedehnt, wodurch dann die Räume größer und größer werden und die Luft durch die Poren notwendig in sich saugen müssen. 17] Zur Nachtzeit aber ändert sich auch die elektrische Polarität, und das elektrische Fluidum entströmt durch die Spitzen oder entladet sich, wie ihr zu sagen pflegt, wodurch dann die Organe wieder enger aneinander treten und die durch die Polarität der Elektrizität selbst ausgeschiedene, unbrauchbare Kohlensäure- und Stickluft hinausstoßen, welche zwei Luftarten der negativen Polarität entsprechen. 18] Nun, da habt ihr die aufgelöste »Haperei«! - Nun werdet ihr sagen: »Jetzt haben wir's!« - Ich aber sage: Ihr habt es zwar wohl, aber eine Hauptsache geht uns noch ab. Und diese ist folgende: daß namentlich diejenigen Pflanzen, die da fortbestehen über den Winter, als dergleichen sind Gesträuche und Bäume, wie auch einige niedere Pflanzen, die dem Botaniker wohl bekannt sein werden, noch ein großartigeres periodisches Atmen haben, das im Verlaufe von einem Jahre einmal ein und einmal aus geschieht. Das heißt, den Sommer hindurch geschieht mit dem täglichen Atmen auch immerwährend das Haupteinatmen, und zwar auf folgende Art: 19] Es geht durch jeden speziellen Atemzug ein solcher Prozeß in dem Organismus des Baumes vor, daß, abgesehen von dem natürlichen Verbrauche der eingeatmeten Luft, immer noch etwas von dieser Luft in dem Organismus zurückbleibt, durch welchen Rest der Baum den Sommer hindurch ganz besonders sein Wachstum im Umfang fördert. Ist nun aber der Sommer vorüber, so wird der nicht verbrauchte, bedeutende Rest wieder hinausgeschafft, was teils in der groben Rinde, teils aber auch in dem an demselben häufig entstandenen Moose ersichtlich wird. 20] Wenn nämlich dieser Luftrest vermöge der allgemeinen Beengung der Organe zur Winterszeit durch die Poren allenthalben hinausgepreßt wird, so könnt ihr euch wohl leicht denken, daß diese Luft durch die längere Gegenwart in dem Organismus des Baumes nicht ganz rein geblieben ist. Wenn sie nun wieder hinaustritt in die freie atmosphärische Luft, so muß sie, bevor sie von derselben aufgenommen wird, durch einen eigentümlichen chemischen Prozeß das ihr Uneigentliche an der Rinde oder am Stamme in der einen oder andern Form absetzen, wodurch dann die grobe Rinde selbst wie auch das Moos auf derselben gebildet wird. 21] Sehet, das ist nun das große
periodische Atmen solcher Pflanzen! - Daß es vor sich gehen müsse,
dafür spricht das Bestehen einer solchen Pflanze selbst. Und die
besprochenen Erscheinungen bürgen laut für die Wahrheit dieser
Offenbarung. 24] Daher könnt ihr auch versichert sein, daß Ich für diejenigen, die Mich lieben, noch allezeit für alle Ewigkeiten im Hintergrunde Unendliches verborgen habe, und daß diejenigen, die zu Mir in die Schule gehen, in alle Ewigkeit nicht auslernen werden. 25] Denn je mehr da einer erkennen wird, desto mehr wird ihm noch immer zu erkennen bleiben. Daher wird es in Meinem Reiche auch keine »Gelehrte« geben. Und da wird nie jemand können das »Rigorosum« (Staatsprüfung) zur Doktors-Würde machen. Denn da wird es stets heißen: 26] Wir bleiben ewig Schüler, und
all unser Erkennen und Wissen ist nichts als ein eitles Stückwerk gegen
die Allwissenheit unseres Vaters!
Weiteres vom Atmen der Pflanzen {08.12.1840}01] Vermöge der Übergänge in der Naturwelt werdet ihr auch Pflanzen finden, welche sich dem Tierreiche nähern. Und sehet, diese Pflanzen haben denn auch mehr oder weniger in ihren Organen mit den Organen der Tiere Gemeinschaft. Und auf dieser Stufe werdet ihr auch Pflanzen finden, die - fast den Tieren ähnlich - mit den Kelchen ihrer Blüten kleine Tiere förmlich, wie man zu sagen pflegt, mit Haut und Knochen verzehren. 02] Solche Pflanzen, die so eine gröbere Nahrung von außen her in sich nehmen, müssen dann auch im Innern mehr Mägen und andere Verdauungsorgane besitzen. Und so besitzen auch einige - nebst den kleinen sonderheitlichen Mägen, die unter dem Blumenkelche sich vorfinden - noch einen Hauptmagen in der Mitte der Pflanze, andere an der Stelle, da sie aus der Erde zu ragen anfangen. 03] Wenn denn aber eine solche
Pflanze mit einem solchen Magen versehen ist, seht, da muß sie
andererseits mit einer der Beschaffenheit der Pflanze entsprechenden Lunge
versehen sein. Damit ihr aber einsehet, warum dieses so sein muß, so
müßt ihr zuvor einen Blick auf das Atmen der Tiere werfen. 05] Sagt ihr doch selbst: »Ich habe mir mit einer Speise den Magen verdorben« oder »ich habe mir den Magen verkühlt.« Das will nichts anderes sagen, als daß ihr eine der Beschaffenheit eures Magens und der Tätigkeit eurer Lunge zu harte Speise zu euch genommen habt; oder ihr habt eine Speise zu euch genommen, die vermöge ihres negativen Verhältnisses zu wenig positiv elektrisch ist und durch sich nicht leichtlich zu irgendeiner Gärung gelangen kann. 06] Zur Gärung ist nämlich die positive Elektrizität unumgänglich notwendig, und zwar aus dem Grunde, weil die Gärung an und für sich nichts anderes ist als das Freiwerden der Elektrizität, welche als das Prinzip allen organischen Lebens in den Zellen der Organe wie in kleinen Fläschchen vorhanden ist. Wenn die hier vorhandene Elektrizität durch äußere Umstände erhöht wird, dann zerreißt sie diese Zellen und springt entweder, sich mehr und mehr quantitativ vereinigend, frei über zur allgemeinen positiven Elektrizität der Luft oder gebt, so diese Freiwerdung in einem tierischen Körper wie auch einem tierähnlichen Pflanzenkörper vor sich geht, als neuer, vitaler Nahrungsstoff in die Zellen des Organismus des Tieres oder einer solchen tierähnlichen Pflanze. 07] Sehet, wie aus diesem Grunde sich bei den Tieren allezeit das Atmungs-Organ oder die atmende Lunge notwendig vorfinden muß, aus eben dem Grunde muß es auch bei solchen Pflanzen vorhanden sein, damit es da die Verdauungsorgane in eine stete frottierende Bewegung bringe. 08] Es ist kaum noch zu erwähnen
nötig, daß bei einigen Pflanzen die Wurzel mehr tierischer
Beschaffenheit ist als die Pflanze selbst. Eine solche Wurzelgattung
wühlt und sticht gleich den Würmern im Innern der Erde herum und sucht
allda die der Pflanze zuträgliche Nahrung. Und allda, wo diese Pflanzen
ihre Tierähnlichkeit äußern, sind dann auch jene Atmungsorgane zu
finden. - Jedoch in diesem Klima kommen, bis auf einige sehr wenige
Gebirgswasserpflanzen, keine Pflanzen vor, welche diese besondere, soeben
auseinandergesetzte Tierähnlichkeit besäßen. Diese (eigenartigen
Wurzel-)Pflanzen finden sich vielmehr nur in den sehr warmen und heißen
Klimaten. 10] Und ferner kann ein solches Beengen und Erweitern eines solchen beobachteten, leblosen Pflanzenpartikels daher rühren, daß da die positive Elektrizität, die noch immerwährend vorhanden ist, solange die Pflanze grün und frisch aussieht, noch irgendeinen betrachteten Teil erregt und etwas erweitert. Hat sich dann solch ein elektrisches Atom aus irgendeiner Pflanzenzelle (verschwindend) empfohlen, so schrumpft dann alsobald die Pflanze allda zusammen, wo sie einen solchen Verlust erlitten hat, und zieht dadurch auch die nebenbefindlichen Zellen enger an sich. Dadurch kann es dann wieder geschehen, daß die in solchen Zellen nun ebenfalls beengte Elektrizität in das leere Hülschen übertritt, wodurch dann dieses wieder etwas erweitert wird, und zwar so lange, bis die Elektrizität sich aus diesem wieder empfiehlt. 11] Dadurch wird bei einem von dem Stamme abgetrennten Pflanzenteile jene Erscheinung ersichtlich, die ihr das sogenannte Welkwerden nennet. Denn da verliert die Pflanze ihre Elastizität und ihre Frische, die sie nur auf einige Zeit dadurch retten kann, wenn sie nicht gar zu lange nach dem Getrenntwerden alsbald ins Wasser gesetzt wird, wodurch dem Entströmen der Elektrizität ein Hindernis bereitet wird und die Elektrizität des Wassers der Elektrizität der Pflanze nicht nur das Gleichgewicht hält, sondern dieselbe sogar noch eine Zeitlang ernähren kann - besonders wenn die Pflanze nicht zu jenen gar zu sehr Elektrizitätshungrigen gehört (wie z.B. ein Buchsstäudchen und sonstige ähnliche elektrizitätsärmere Pflanzen), welche dann noch die längste Zeit mit dieser Nahrung vorlieb nehmen und fast wie an der Wurzel fortbestehen, nur mit bedeutender Unterbrechung der quantitativen Vegetation. 12] Nun sehet, das ist alles, was von der Atmung und deren Organen bei den Pflanzen zu beachten ist. - Allein, was da die geistige Atmung betrifft, das wird nächstens bei einer Gelegenheit, und zwar nur für euch, zur Genüge hell und klar veroffenbart werden.
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Aktualisiert am: 12.08.2011 - Home