Inhalt des Gesamtwerkes
„Wegweiser ins Neu-Salems-Licht“
Teil I
Die Jetztzeit, die Materie, die Naturgeister, Körper, Seele, Geist, das Gewissen, Himmel und Hölle, Gott, Gott-Vater, Gott-Sohn, Heiliger Geist, Satan, das Wiederkommen Jesu, das Geisterreich, die drei Sphären der Erde, die drei Himmel, die Engel, der Tod, das Fortleben der Verstorbenen, Inkarnation und Reinkarnation, der Wert des Erdenlebens.
Teil II
Heft A: Prophezeiungen und Enthüllungen für unsere Zeit
Heft B: Die Liebe zu Gott und zum Nächsten
Heft C: Glaube und Vertrauen. Die Freiheit des Menschen. Demut. Beten. Fürbitte.
Heft D: Die materiell gesinnte Welt. Verstand und Glaube. Die Welt-Gelehrten. Verfolgung. Schutz und Schutzgeister.
Heft E: Zulassung und Prüfung. Das Herz, das Gemüt. Vollendung und Wiedergeburt.
Heft F: Unser Haus. Kindererziehung. Amt und Beruf. Die Gesetze. Soziales. Krieg.
Heft G: Das Neusalemslicht. Der Spiritismus. Lehren. Täter nach der Lehre sein!
Heft H: Heilen.
Heft J: Die Sprache. Im Anfang war das Wort. Die Entsprechungen.Die Schöpfungsgeschichte Mosis.
Heft K: Die Religion. Die Kirchen. Die Zukunftskirche.
Heft L: Der Antichrist.
Teil III
gibt eine kurze Gesamtübersicht der Neu-Salems-Botschaft.

I. Allgemeines
Ohne Sünde sein heißt:
Sich im höchsten Grade der Demut und Liebe befinden. (Ed, Kap. 72, S. 219)
Liebe ist der Urgrund
und die Grundursache alles Seins. Ohne Liebe wäre nie ein Ding erschaffen worden, und ohne die Liebe wäre so wenig irgendein Dasein denkbar, als sich je ohne die wechselseitige Anziehungskraft eine Welt nach dem Willen des Schöpfers gebildet hätte. Wer das etwa nicht fassen sollte, der denke sich nur von einer Welt die wechselseitige Anziehungskraft hinweg, und alsbald wird er sehen, wie sich alle Atome plötzlich voneinander trennen und ins Nichts verflüchtigen. - Somit ist die Liebe der Grund von allem und zugleich der Schlüssel zu allen Geheimnissen. (GS 2, Kap. 80, S. 335)
Weißt Du, wer ein Sünder ist?
Ich sage Dir: Der ist ein Sünder, wer keine Liebe hat. (Jug, Kap. 172, 21)
Wer mit Mir reden will,
der komme zu Mir, und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen. Jedoch die Reinen nur, deren Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen. - Und wer Mich aller Welt vorzieht, Mich liebt wie eine zarte Braut ihren Bräutigam, mit dem will Ich Arm in Arm wandeln. Er wird Mich allezeit schauen, wie ein Bruder den anderen Bruder und wie Ich ihn schaute schon von Ewigkeit her, ehe er noch war. (H 1, Kap. 1, 1 ff)
Die Mich suchen, denen sage:
Ich bin der wahre Überall und Nirgends. Überall bin Ich, wo man Mich liebt und Meine Gebote hält – nirgends aber, wo man Mich nur anbetet und verehrt. Ist denn die Liebe nicht mehr als ein Gebet, und die Haltung der Gebote nicht mehr als die Verehrung?
Wahrlich, Ich sage dir: Wer Mich liebt, der betet Mich im Geiste an. Und wer Meine Gebote hält, der ist's, der Mich in der Wahrheit verehrt. - Meine Gebote aber kann niemand halten, als nur derjenige, der Mich liebt. Wer Mich aber liebt, hat kein Gebot mehr, als dieses, daß er Mich liebt und Mein lebendiges Wort betätigt, welches das wahre, ewige Leben ist. (H 1, Kap. 1,4)
Niemand kommt je in Mein Reich,
wenn er nicht vom Geiste aus Mir gezogen wird! Wer aber ist der Geist? Es ist der Vater von Ewigkeit, der euch zu Mir hinziehen wird. Dieser Geist ist namenlos. Aber Sein Wesen ist die Liebe. Habt ihr diese, so habet ihr auch den Geist. Habt ihr aber den Geist, so habt ihr auch Mich. Denn Ich, der Vater und der Geist sind eins! - Darum bestrebet euch der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten, besonders zu jenen Allernächsten, die da arm sind und der Hilfe leiblich und geistig bedürfen! (Ev 3, Kap. 226, 11 ff)
Des Vaters Seligkeit
In dem Heranwachsen Meiner unvollendeten Kindlein in ihrem zunehmenden Erkennen und Vollkommenwerden und in ihrer daraus wachsenden Tätigkeit liegt auch Meine eigene höchste Seligkeit. Ihre Freude über eine mühsam errungene, vollendetere Fähigkeit ist auch Meine Freude. Und Meine unendliche Vollkommenheit bekommt erst dadurch ihren unschätzbaren Wert, so sie von den noch unmündigen Kindlein stets mehr und mehr angestrebt wird und sich auch in ihnen unverkennbar wachsend zu erkennen gibt. - Wäre es nicht also, meinst du, daß Ich je eine Welt und irgendein lebendes Wesen auf ihr gestaltet hätte? Alles das war Mir schon von Ewigkeit her ein unerläßliches Bedürfnis, ohne welches nie eine Erde erschaffen und mit allerlei Wesen belebt worden wäre. (Ev 5, Kap. 157,4 ff)
Gott erfüllte den unendlichen Raum
mit zahllosen Werken Seiner Weisheit und Macht und erschuf denkende, vernunftbegabte Wesen, damit dieselben Seine göttliche Weisheitstiefe und Macht erforschen und bei jeder neuen Enthüllung zu größerer Liebe hingerissen werden sollen. Dies einzige ist für Ihn die größte Seligkeit. Und daher ist es für Ihn, den Schöpfer der Welten und Vater der Engel und Menschen, auch die größte Wonne, alle jene, die Ihn und Seine Worte und Werke stets mehr erkennen und lieben, auch stets seliger zu machen. Um für uns Menschen dieser Erde, für die Engel aller Himmel und für alle Geschöpfe der ganzen Unendlichkeit eine desto größere Seligkeit zu bereiten, kam Er sogar Selbst als Mensch zu uns auf die Erde! (Ev 3, Kap. 238, 5 ff)
Der Wille Gottes an alle Menschen
lautet ganz kurz also: „Erkenne Gott aus Seinen Werken und Offenbarungen, liebe Ihn über alles und deinen Nächsten wie dich selbst! Sei wahrhaft und getreu gegen jedermann! Und was du vernünftigerweise willst, daß man dir tue, das tue du auch deinen Nebenmenschen, so wird Friede und Einigkeit zwischen euch sein und Gottes Wohlgefallen über euren Häuptern strahlen wie eine Sonne des Lebens.“ (Ev 6, Kap. 40, 8)
Das vornehmste, alles enthaltende Gebot
der ganzen Schrift lautet: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte! Siehe, das ist das vornehmste und größte Gebot! - Das zweite aber ist dem gleich und lautet: Du sollst auch deinen Nächsten lieben wie dich selbst, das heißt, du sollst ihm alles das mit Freuden tun, was auch du vernünftigerweise wollen kannst, daß er dir desgleichen tue, so du es benötigst und es in seinem Vermögen steht. - In diesen zwei Geboten hanget das ganze Gesetzt und alle Weisheit der Propheten. (Ev 7, Kap. 198,3)
Ich gebe euch kein Gesetz,
sondern sage euch als Vater nur, daß ihr Mich liebet über alles und euch untereinander wie jeder sich selbst. Das ist Mein Wille. Alles andere aber tuet aus der Weisheit, welche euch in Meiner Liebe zuteil wird, dann werdet ihr also leben, wie es Mir am wohlgefälligsten ist. (H 2, Kap. 230, 23)
So Mich jemand über alles liebt
und sein Herz sagt, in solch großer Liebe zu Mir erbrennend: „Tue das!“ oder „Tue jenes!“ - so tue er es, und Ich will alles mit Wohlgefallen ansehen, was die reine Liebe tut. (H 2, Kap. 229, 17)
Die praktische Erklärung Mosis
und aller Weissagung der Propheten liegt in dem: Liebet Gott als euren ewigen Vater über alles und eure armen und vielfach (seelen-) kranken Brüder und Schwestern unter allen Umständen wie euch selbst, so werdet ihr als wahre, seelengesunde Kinder des ewigen Vaters ebenso vollkommen sein wie Er – wozu ihr ja alle berufen seid. - Wer aber nicht so vollkommen sein wird wie der Vater im Himmel, der wird auch nicht zu Ihm kommen und speisen für ewig an Seinem Tische. (Ev 4, Kap. 39, 1)
Was hat der Mensch zu tun
um seine Seele vor dem Gerichte der Materie, welches der Tod ist, zu bewahren? - Antwort: Er halte genau die zehn Gebote des Moses, die ganz kurz darin bestehen, daß man zuerst an einen wahrhaftigen Gott fest glaube, Ihn über alles mit allen Lebenskräften liebe, seine Brüder und Schwestern aber wie sich selbst und im Notfalle sogar mehr. In diesen zwei Geboten liegt das ganze mosaische Gesetz sowie alle Weisheit der Propheten – die des größeren Verständnisses halber nichts anderes als nur dies Erwähnte mit vielen Worten gelehrt haben. Wer das tun wird, der wird sicher seine Seele vor jeglichem Hochmute, jeglicher Härte, vor Zorn, Haß, Selbstsucht, Neid, Geiz, Habgier, Herrschsucht, Wohlleben und Weltliebe bewahren und dann leicht eingehen in das ewige Gottesgeistleben. Denn die Liebe zu Gott erfüllt den ganzen Menschen mit dem Gotteslebensgeiste. Und die Nächstenliebe verkörpert und befestigt denselben in der Seele, wodurch sie dann notwenig in allem eins wird mit Gott Selbst. (Ev 5, Kap. 230, 2 ff)
Mit diesem Meinem Hiersein
wird dem Menschen erst die vollste Freitätigkeit zu seiner Lebensvollendung gegeben und mit ihr ein neues Gesetz der Liebe, das im rechten, göttlichen Vollmaß alle anderen Gesetze und alle Weisheit aus Gott in sich faßt. Einem jeden wird eine Stimme in sein Herz gelegt werden, die ihm zeigen wird, was da gut und allein wahr ist. Wer diese Stimme hören wird und wird sich danach halten, der wird zum größeren Lichte gelangen, und dieses wird ihm alle Pfade der göttlichen Ordnung erleuchten. (Ev 2, Kap. 230, 8 ff)
Den Herrn über alles lieben
und alles andere aus dem Herrn – wer also liebet, der liebet recht. Und der Herr wird mit ihm sein ewig. (H 1, Kap. 132, 23 ff)
Was ein Mensch nicht ganz aus Liebe tut,
das hat für sein Leben wenig Wert, da ja die Liebe in vollster
Wahrheit das eigentliche Element des Lebens, das Urgrundleben selbst ist. Was demnach die Liebe ergreift, das ist vom Leben ergriffen und geht ins Leben über.... Alles im Menschen ist tot bis auf die Liebe. Darum lasset eure Liebe walten in der Fülle über euer ganzes Wesen und fühlet Liebe in jeder Fieber, so habet ihr den Sieg über den Tod in euch! (Ev 3, Kap. 48, 1 ff)
Die Liebe kann sehr einfach geübt werden:
Schon in einem Blicke, in Worten, im stillen, unauffälligen Handeln, in wortloser Selbstverleugnung. Im stummen Sichaufopfern kann sie stufenweise eine himmlische Höhe erreichen. Stellet euch deshalb demütig auf die unterste Stufe und leget in das kleinste Vorkommnis Liebe um Meinetwillen, und ihr werdet schnell wachsen und Großes für Mich übernehmen können! (Vb 3, S. 92)
Weißt du, wie der Mensch beten soll?
Siehe, du weißt es nicht völlig, darum will ich dir es sagen. - Höre! Im Geiste und in der Wahrheit soll der Mensch zu Gott beten, nicht aber mit den Lippen, wie es die Kinder der Welt tun, die da meinen, daß sie dadurch Gott gedient haben, wenn sie eine zeitlang mit den Lippen wetzen. Willst du aber im Geiste und in der Wahrheit beten, dann liebe du Gott in deinem Herzen und tue Gutes allen Freunden und Feinden, so wird dein Gebet gerecht sein vor Gott. (Jug, Kap. 91, 5 ff)
Wer die Wiedergeburt erreichen möchte
wegen irgendwelcher Wundereigenschaften, der darf versichert sein, daß ihm solche Gnade nicht zuteil wird. Denn das hieße buchstäblich die Perlen den Schweinen zum Futter vorwerfen. - Liebe zu Mir, große Herzensgüte, Liebe zu allen Menschen, das ist in einem Bündel beisammen das richtige Zeichen der Wiedergeburt. Wo aber dieses fehlt, und wo die Demut noch nicht für jeden Stoß stark genug ist, da nützen weder Heiligenschein noch Kutte, noch Geistervisionen etwas. Und alle dergleichen Menschen sind dem Reiche Gottes oft ferner als manche andere mit einem sehr weltlich aussehenden Gesichte. Denn wie gesagt, das Reich Gottes kommt nie mit äußerem Schaugepränge, sondern lediglich inwendig in aller Stille und Unbeachtetheit in des Menschen Herzen. (Ed, Kap. 70, S. 213)
Das Reich Gottes
kommt nicht mit äußerem Schaugepränge zum Menschen, sondern es ist inwendig im Menschen. Sein Grundstein ist Christus, der alleinige Gott und Herr Himmels und der Erde, zeitlich und ewig. An Den muß das Herz glauben und Ihn lieben über alles und den Nächsten wie sich selbst. - Hat der Mensch diese ganz einfache Forderung in seinem Herzen völlig erfüllt, so ist das Reich Gottes schon gefunden. Um das übrige und das weitere hat sich der Mensch dann nicht mehr zu bekümmern, das wird jedem hinzugegeben, wenn er irgend etwas benötigt. - Wer Weisheit benötigt, dem wird sie gegeben, wann und wo er immer derselben bedarf. Benötigt jemand äußere Hilfsmittel zur Fristung seines irdischen Lebens, so werden sie ihm in gerechter Zeit und im gerechten Maße zugewiesen werden. Benötigt jemand bei einer besonderen Gelegenheit einer besonderen Kraft, so soll sie ihm zuteil werden. Bedarf jemand eines Rates oder eines Trostes, so soll ihm solches zuteil werden, wann immer er dessen bedarf. (Ed, Kap. 70, S. 210)
Ein Herz voll Liebe
ist der dem Herrn und Vater in Christo allein wohlgefällige, lebendige Tempel und ist Ihm lieber denn eine Welt voll salomonischer Tempel, die alle tot sind, während das Herz lebendig ist und Gott und alle Brüder lieben kann! Also erbauet von neuem diesen Tempel in euch geistig und opfert allezeit darin dem Herrn lebendig! - Nicht der Tempel, nicht die Zeremonie, nicht der Priester und nicht der Bischof, auch nicht der Paulus und seine Jünger; nicht der Jude, nicht der Grieche, noch der Juden Beschneidung, noch der Tempel Salomos; auch nicht der Sabbat, noch der Neumond, noch das Jubeljahr ist etwas vor Gott – sondern allein Christus ist alles in allem! - Also ziehet allein Christum an durch den lebendigen Glauben, durch herzliches Erbarmen über eure Brüder, durch Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und alle Geduld! In allem dem ertrage einer den anderen! Und vergebet euch gegenseitig von Herzen, was da irgendeiner hat wider den anderen, so wird auch der Herr euch vergeben! - Führet nicht Klagen gegeneinander gleich den Heiden, welche da haben ihre eigenen Klagegerichte, sondern seid verträglich und gegenseitig duldsam und machet eure Sachen im Herzen aus, so werdet ihr vor dem Herrn besser tun, als so ihr alle Satzungen des Tempels, die schwer zu merken und noch schwerer zu halten sind, auf das gewissenhafteste beachten möchtet. Denn am äußeren Halten der Satzungen hat der Herr kein Wohlgefallen, sondern allein nur an einem reinen Herzen, das Gott und die Brüder wahrhaftig liebt. - Und so denn ziehet vor allem an die Liebe! Denn sie allein gilt vor dem Herrn und ist das allein vollrechtliche Band aller Vollendung und Vollkommenheit! (Lao, Kap. 3, 17 ff)

II. Gottesliebe
Die Menschen dieser Erde
rief Ich aus dem Zentrum Meines Herzens hervor und schuf sie vollkommen nach Meinem Ebenbilde. Und sie sollen nicht nur Meine Geschöpfe, sondern Meine lieben Kinder sein, die Mich nicht nur als Gott und Schöpfer, sondern als ihren guten Vater erkennen sollen, der sie nach kurzer Prüfungszeit wieder ganz zu Sich nehmen will, damit sie da alles haben, was Er Selber hat und bei Ihm wohnen ewiglich und mit Ihm beherrschen und ordnen möchten das All. - Aber siehe, alle Meine Geschöpfe lieben Mich als ihren Schöpfer in dankbarer Freude ihres Daseins; aber Meine Kinder wollen ihren Vater nicht und verschmähen Seine Liebe! - Und siehe, Ich bin traurig, wenn Ich sehe, wie stündlich Tausende und tausendmal Tausende dahinwelken und sterben! O wenn Ich ihnen doch nur helfen könnte! Ist es nicht traurig, wenn der Allmächtige nicht helfen kann!? - Du fragst Mich, wie denn das möglich sei? - O ja, sage Ich dir, das ist sehr möglich. Siehe, alle Meine Geschöpfe hängen an Meiner Macht, aber Meine Kinder hängen an Meiner Liebe. Meine Macht gebietet und es geschieht. Aber Meine Liebe wünscht nur und gebietet in aller Sanftmut den freien Kindern. Und die freien Kinder verstopfen ihre Ohren und wollen nicht das Angesicht ihres Vaters schauen. Und da sie frei sind, wie Ich es bin, kann Ich ihnen nicht helfen, wenn sie es nicht wollen. - Dieses aber soll sich dennoch jeder hinter die Ohren schreiben: Ich bin euer Vater, bin aber auch euer Gott, und außer Mir ist Keiner mehr. - Wollt ihr Mich als Vater – oder als Gott? - Eure Taten werden Mir die entscheidende Antwort geben! (H 1, Kap. 3, 3 ff)
Deinen Freunden und Brüdern sage:
Ich, ihr liebevollster Vater, habe schon Meine beiden Arme ausgestreckt, um sie allesamt an Mein Herz ewig zu drücken. Sie sollen sich ja nicht mehr von Mir wenden, sondern unverwandt sollen sie in Mein Angesicht schauen! Und Mein Auge wird es ihnen sagen, ja laut verkünden, wie sehr Ich sie liebe und wie aufrichtig Ich es mit ihnen meine! - Sage ihnen, Ich habe ihre Sünden von Meinen Augen hinweggetan und habe sie gewaschen so weiß wie der Schnee. Es ist nun kein Hindernis mehr! Ich will ihnen kein unsichtbarer Vater mehr sein. Sie sollen Mich allezeit schauen und mit Mir reden und sich freuen. Alle ihre Sorgen sollen sie nur Mir übertragen! -
O mit welcher Freude will Ich fernerhin sorgen für sie! O was sind alle Freuden und Seligkeiten Meiner Himmel für Mich, den Vater, gegen die, von Meinen lieben Kindern als einziger, wahrer Vater geliebt zu sein! - Siehe, alle Seligkeiten gebe Ich euch für diese einzige, die Ich nur für Mich bestimmt habe. Alle sollen Meinen Vatergruß empfangen. Und heute noch, wenn sie wollen, sollen ihnen die Pforten der Himmel, das heißt die Augen ihres Geistes geöffnet werden.
Und Ich will noch heute wohnen in ihren Herzen. Nur eins noch sollen sie mit Beharrlichkeit tun, nämlich: ihr Fleisch sollen sie rein waschen aus dem Brunnen, da lebendiges Wasser innen ist. Das heißt aber so viel, daß sie ernstlich in sich gehen, sich ganz erkennen und Mir dann ihre vorgefundenen Gebrechen in ihrem Herzen treu und wahr vortragen sollen. Ich werde den Unrat dann aus ihren Herzen vertilgen und werde sie mit dem Feuer Meiner göttlich-väterlichen Liebe erfüllen. Und sodann werde Ich kommen und mit ihnen am Altare das Freudenmahl halten. (H 1, Kap. 3, 8 ff)
Der einzige, Mir angenehme Dank
ist ein Mich allezeit über alles liebendes Herz. Ich sage dir: Kein Dankopfer, kein Dankgelübde, keine Dankprozession, kein „Te Deum laudamus“, kein Jubelfest ist Mir angenehm. Aber ein Mich allezeit demütig liebendes Herz ist Mir ein unschätzbar köstlicher Edelstein in der Krone Meiner ewigen, göttlichen Macht und Herrlichkeit und ist Mir auch wie ein Balsamtropfen in Mein liebeheißes Vaterherz, der Mich erquickt und die Freude Meiner Gottheit ums Unaussprechliche erhöht. - Daher bleibe du in deiner Liebe zu Mir und suche ewig nichts anderes, so bist du Mir alles, was du sein sollst. Und Ich werde dir auch alles sein, was Ich dir nur immer als dein Gott, Schöpfer und ewig liebevollster Vater sein kann! (GS 1, Kap. 98, S. 459 ff)
Liebe ist das einzige Band
zwischen Mir und dir. Sie ist die alleinige, wunderbare Brücke zwischen Mir, dem ewig allmächtigen, unendlichen Schöpfer und dir, Meinem endlichen Geschöpfe. - Auf dieser Brücke kann Ich zu dir und kannst du zu Mir kommen, wie da kommt ein liebender Vater zu seinem Kinde und das Kind zu seinem geliebten Vater. (GS 1 Kap. 98, S. 460)
Wohl demjenigen, ja unendlichmal wohl, der schon auf Erden sich die Liebe zum Herrn zum einzigen Bedürfnisse gemacht hat, denn er hat zur Vollendung seines Lebens den kürzesten Weg eingeschlagen! - Glaubet es Mir, Meine lieben irdischen Brüder und Freunde! Wer in sich schon auf Erden die Liebe zum Herrn trägt, der trägt auch die Vollendung des Lebens in sich, denn er hat das Allerheiligste und Allervollkommenste Ziel schon in sich und bei sich. (GS 1, Kap. 7, S. 30)
Warum sollen wir Gott über alles lieben?
Der mit dem kalten Verstand urteilende Mensch könnte da wohl sagen: Wenn ich so recht nachdenke, so finde ich keinen Grund, einen Gott zu lieben – erstens, weil ich etwas Unsichtbares nicht lieben kann, und zweitens, weil ich Dem, Der mich erschuf, mich nicht zum Danke verpflichtet fühle dafür, daß Er mich geschaffen hat, denn Er hat mich vorher nicht gefragt, ob mir solches paßt oder nicht,und fragt auch jetzt nicht danach, ob ich als Geschöpf mit meinem Zustande und meiner Stellung, die Er mir unter den Wesen angewiesen hat, wirklich zufrieden bin und mich glücklich fühle. -
Den so urteilenden kalten Verstandesmenschen aber sei erwidert: Seine Liebe macht uns Gott klar durch die geistige, in uns wohnende Welt, ferner durch die uns sichtbar umgebende Welt. Dazu kommt die Offenbarung im Bibelwort. Ferner die weise Führung, die Er den Menschen und Völkern angedeihen läßt, um sie zu Seinen ewigen Heilszielen zu geleiten. Um das wichtigste Gesetz der Schöpfung zur Geltung zu bringen, stieg Gott Selbst zur Erde hernieder und zeigte durch Wort und Tat, was die Liebe zu Gott und zum Nächsten bedeutet. Und nun, wo Mein zweites Kommen nahe ist, gebe Ich Mich wieder durch Meine Knechte und Mägde, durch Schreiber und Sprecher kund, um aufs neue Meine Liebe den Menschen zu offenbaren. (Pr Nr. 43)
Wenn du die Schöpfung beobachtest
kann dir nicht entgehen, daß darin eine gewisse Ordnung besteht und daß die Formen eine weise Beständigkeit haben. Ebenso erkennst du, welche Wirkung das eine oder andere Ding hervorbringt und wozu es gut und brauchbar ist. - Einem besseren Menschenverstande aber muß einleuchten, daß alles Werden, Sein und Bestehen, worin eine bestimmte Form, Beschaffenheit, Nutzwirkung und Endbestimmung wohl zu erkennen ist, von einer solchen Kraft hervorgebracht werden muß, die eine unbegrenzte, unwandelbare und allumfassende Einsicht und Weisheit besitzt und daß du ohne eine solche geistige Urkraft nie einen bestimmt geformten Gegenstand, sei es einen Stein, ein Metall, eine Pflanze oder ein Tier zu Gesichte bekämest. Wir wollen diese Urkraft nun einmal „Gott“ nennen und weiter fragen: „Wo ist denn dieser Gott und wie sieht Er aus?
Wie erschafft Er die Dinge, wie bringt Er als purer Geist die grobe Materie aus Sich zum Vorscheine?“ - Und siehe, wenn ein Mensch einmal also zu fragen beginnt, dann ist er schon auf einem besseren Wege! Er wird allen Geschöpfen eine höhere Aufmerksamkeit widmen und in ihnen forschen, wieviel von der göttlichen Urweisheit sich darin vorfindet. Und je länger er also prüft, desto mehr der göttlichen Weisheit und Ordnung wird er auch leicht und bald darin finden. - Hat er solches gefunden, so wird er in seinem Herzen auch bald eine Anregung von Liebe zu Gott wahrnehmen und aus solcher Liebe stets mehr und mehr innewerden, daß Gott in Sich Selbst von der mächtigsten Liebe erfüllt sein muß, damit Er eine so große Lust und Freude habe, so wunderbar weise eine unzählige Menge von Dingen und Wesen zu erschaffen, die Zeugen Seiner Weisheit, Macht und Liebe sind. -
Je größer und gediegener aber solche Annäherung eines Menschen zu Gott hin wird, desto mehr des Geistes Gottes sammelt sich auch in seinem Herzen, in welchem dadurch der eigene Geist genährt und stets mehr und mehr erweckt wird zur wahren Erkenntnis des eigenen inneren Lebens und seiner Kraft im Vereine mit der Kraft des göttlichen Geistes in ihm. Hat ein Mensch es einmal dahin gebracht, so ist er schon in der Lebensmeisterschaft, und es geht ihm da nur noch die völlige Einung mit dem göttlichen Liebes- und Willensgeiste ab. Bewerkstelligt er auch das, dann ist er ein ganz vollkommener Lebensmeister und kann alles das bewirken, was Ich, der Herr, nun bewirke. (Ev 6, Kap. 87, 5 ff)
Liebe Gott über alles heißt:
Verbinde deine dir von Gott gegebene Lebenswärme mit der dich erschaffenden und erhaltenden Urwärme deines Schöpfers, so wirst du das Leben ewig nimmer verlieren. Wirst du aber deine Liebe oder deine Lebenswärme freiwillig von der göttlichen Urlebenswärme trennen und gewisserart als ein selbständiges, selbstherrliches Wesen dasein wollen, so wird deine Wärme keine Nahrung mehr haben. Du wirst dadurch in einen stets größeren Kältegrad übergehen. Und je tiefer du hinabsinken wirst in die stets kälter werdenden Grade, desto schwerer wird es halten, dich wieder zu erwärmen. Bist du aber in die vollkommene Kälte übergegangen, dann bist du ganz dem Satan anheimgefallen, allwo du keiner Erwärmung mehr fähig bist. Was da mit dir weiter wird, davon weiß kein Engel des Himmels eine Silbe dir zu sagen. In Gott sind freilich unendliche Tiefen. Wer aber wird diese ergründen und dabei das Leben erhalten? (GS 2, Kap. 99, S. 405)
Gott über alles lieben heißt:
Gott und Seinen geoffenbarten Willen von ganzem Herzen zu erkennen suchen und dann aus wahrer, innerer Liebe zu dem erkannten Gott danach handeln und sich gegen jeden Nebenmenschen also verhalten, wie sich ein jeder vernünftige Mensch gegen sich selbst verhält. - Wie alles Gute einzig darum geliebt werden soll, weil es gut und wahr ist, so will auch Gott geliebt sein, weil Er allein höchst gut und wahr ist. Dein Nächster aber muß darum ebenso geliebt werden, weil er gleich dir das Ebenmaß Gottes ist und gleich wie du einen göttlichen Geist in sich trägt. Siehe, das ist der eigentliche Grundkern Meiner Lehre. Und er ist leicht zu beachten, ja um vieles leichter, als die tausend Gesetze des Tempels, die zumeist vom Eigennutz der Tempeldiener angefüllt sind. - Durch die möglichst genaue Beachtung dieser Meiner Lehre wird der im Menschen anfänglich sehr gefesselte Geist freier und freier, wächst und durchdringt endlich den ganzen Menschen und zieht so alles in sein Leben, das ein Leben Gottes ist und daher ewig dauern muß und zwar in der höchstmöglichen Seligkeit. Ein jeder Mensch aber, der so in seinem Geiste wiedergeboren ist, wird den Tod nimmer sehen, noch fühlen und schmecken, und die Loswerdung von seinem Fleische wird ihm die höchste Wonne sein. (Ev 3, Kap. 53, 5 ff)
Wie kann man Gott über alles lieben?
Auf diese Frage antwortete Jesus: „Leichteres gibt es wohl nichts in der Welt. Man betrachte die Werke Gottes, Seine Güte und Weisheit und halte gewissenhaft Seine Gebote, liebe seinen armen Nächsten wie sich selbst – und man liebt dadurch auch Gott über alles! (Ev 5, 73, 1 ff)
Die Liebe gleicht einem Öllichte
Wenn da jemand nimmt in ein Gefäß einiges Öl, das an verschiedenen Punkten der Berge aus kleinen Quellchen des fetten Gesteines aufsteigt, und zündet es an, so wird es zwar wohl alsbald zu brennen anfangen. Wenn es sich aber verzehrt durch das Brennen, wird da das leergewordene Gefäß wohl auch fortbrennen, wenn kein neues Öl hinzugetan wird? - O mitnichten, sondern da wird mit dem Öle auch die Flamme ausgehen, und es wird das Gefäß finster werden und kalt und tot! - Wenn du aber an der Quelle das Öl anzündest und verwahrest den Ort, da das Ölquellchen in lichter Flamme lodert, vor argen Winden und vor Wasserüberflutung – so wird die Flamme ewig nimmer erlöschen, sondern nur stets herrlicher fortlodern, dieweil solche Flamme nach und nach die Stelle weit um sich her mehr und mehr erwärmt und daher auch stets mehr Öles dem inneren Urborne entlocken wird! - Siehe nun, wer demnach seine Liebe im Herzen zu Mir wendet und Mich für ewig in dieser seiner Liebe ergreifet, der hat das Öl seines Lebens an der Quelle entzündet, und diese Flamme wird nimmerdar erlöschen, sondern ihm sein ein ewiges, lebendiges Licht. (H 2, Kap. 71, 13 ff)
Alles kann Ich euch geben,
nur allein die freie Liebe eures Herzens, diese kann Ich niemand geben. Und so Ich solches täte, was wäre da eure Liebe? Ich sage euch, sie wäre nichts als ein fremder Trieb in euch, der euch nötigen möchte wider euren Willen, Mich zu lieben und somit auch anzubeten. Ich aber habe euch zu freien Menschen und Kindern erschaffen und habe einem jeden gegeben einen guten Anteil der Liebe, die da bewirket das Leben in euch. Mit dieser freien, eigenen Liebe müsset ihr Mich erfassen, so werdet ihr das Leben in euch erfassen. (H 1, Kap. 142, 4 ff)
Die Liebe zu Gott
ist zu vergleichen mit der Liebe zwischen Eltern und Kindern. Sie ist nicht ein leidenschaftlicher Brand, sondern ein sanftes Wehen, ein hochachtendes Gefühl voll erhaben zarten Nachklanges, das den Menschen in seiner Freiheitssphäre nicht beirrt, sondern mit großer Freudigkeit und lebendiger Speise erfüllt und fortwährend Geist, Herz und Leben des Menschen sättigt. (GS 2, Kap. 50, S. 211)
Frage nie: „Herr, wo bist Du?“
Da werde Ich dir nicht sagen: „Hier bin Ich“, sondern frage sorgfältig dein Herz, ob es Mich liebt. Und Ich werde in deinem Herzen, das Mich liebt, dir zurufen: „Hier bin Ich zuhause, in aller Fülle Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung.“ (Jug. Kap. 246, 22 ff)
Ohne die wahre Demut des Herzens
kann Mich niemand wahrhaft liebend in seinem Herzen erfassen und dadurch ein vollkommen freies, ewiges Liebeleben aus Mir erlangen. Wann immer ihr Mich werdet lieben wollen, euer Herz aber nicht stark genug ist, Mich mit flammender Liebe zu erfassen, sondern sich allein mit dem trockenen Gedanken begnügen muß – so denket, es fehlt euch an der wahren Demut. Denn die Demut ist das eigentliche Grundfundament alles Lebens! Habt ihr dieses nicht, was ist dann eure Liebe? - Ein nächtlicher Traum! - Was Meine Erbarmung an euch? - Das Berühren eines Steines mit einem Stocke! - Was Meine Gnade? - Ein Licht einem faulen Baumstocke! - Mein Wort? - Ein unvernommener Schall einem toten Klotz! - Was Meine Liebe zu euch? - Das Wehen eines sanften Windes über ein unempfindliches Steingeröll! - Darum befleißiget euch vor allem der Demut! Wenn ihr deren innerste Wurzel gefunden habt, dann habt ihr auch Mich gefunden in aller Kraft und Macht Meiner Liebe und Erbarmung und das ewige Leben und seine Herrlichkeit. (H 2, Kap. 12, 14 ff)
Solange ihr im Hochmut verharret,
werdet ihr anstatt des Lebens nur den ewigen Tod in euch fühlen. Denn der Hochmut treibt die Seele mit aller Gewalt in ihres Leibes Fleisch. Und diese, sich in sich selbst stets mehr und mehr aufblähend, wird dadurch völlig eins mit ihrem Fleische und kann in solch einem Zustande dann nichts anderes fühlen und empfinden, als den Tod des Fleisches. - Welche Worte und welche Taten und Zeichen aber sollen dann einer todvollen Seele den Beweis liefern können, daß sie nach des Leibes Tode fortlebt und daß es einen einigen und wahrhaftigen Gott gibt!? - Ihr meint nun freilich, daß ein höchst weiser, allwissender und allmächtiger Gott einem Menschen doch auf irgendeinem Wege ein Licht geben könnte, daß er gewahr würde, wie es mit ihm steht. Das tut Gott immer. Aber der Hochmut des Menschen läßt es nicht zu, daß der Mensch alles dessen in sich innewerde. (Ev 6, Kap. 111, 4 ff)
Was tat Zachäus
um Mich am Wege zu erschauen? - Er war klein von Person, lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum. Das heißt soviel als: Der sündige Mensch erkannte seinen Unwert vor Mir. Er war somit voll Demut und glich dem Zöllner im Tempel, der sich auch nicht getraute, sein Haupt aufwärts zu erheben. - Aber die Demut ist die Hauptnahrung der Liebe. Die Liebe wird dadurch mächtiger und kräftiger zu Dem, vor Dem sie ihren großen Unwert fühlt! Und je unwürdiger sie sich fühlt, desto größer wird ihr Zug zu Ihm, weil ihre Achtung in dem Grade wächst, als sie in ihrem eigenen Werte sinkt. Solche Liebe denkt nur an Den, Den sie als ihr höchstes Gut allerhöchst achtet.
In dieser Beschäftigung mit dem für solche Liebe höchst achtbaren Gegenstande liegt ein stets heller werdendes Licht, in welchem der Mensch denkt, wie er sich dem erhabenen Gegenstand seiner Beschauung näherbringen könnte! Und dieses Denken und Suchen gleicht dem Vorauseilen des Zachäus. - Er ist auf dem richtigen Wege; aber er weiß auch, daß der Herr das Inwendigste aller Dinge und somit in großem Gedränge ist und auf diesem zwar rechten Wege dennoch nicht zu erspähen sein wird.
Aber die Begierde, den Herrn zu schauen, ist mächtiger als dieser Einwurf und mächtiger als dieses Gedrängehindernis und fordert alle Kräfte im Menschen auf, sich zu erheben und einen solchen Standpunkt zu erreichen, von dem aus man inmitten des Gedränges über das Gedränge hinweg dennoch den Herrn erschauen kann. Ein Baum wird erwählt und bestiegen: ein Maulbeerbaum gleich dem Erkenntnisbaume, in dessen Blättern der feine, glänzende Stoff zu den Königskleidern verborgen ist - also durch höhere Erkenntnisse und durch das Licht des Glaubens, will der Mensch den Herrn erschauen. Darum eilt Zachäus voraus und besteigt den symbolischen Baum der Erkenntnis. (Schrft, Kap. 31, 10)
Solange jemand glaubt, daß er ohne Gott aus sich selbst etwas tun könne oder daß er der göttlichen Gnade und Erbarmung würdig sei, solange auch darf er darauf rechnen, daß ihn der Herr wird harren lassen, bis sich all solcher törichte Wahn in ihm verzehren wird. So er aber zu der inneren Ansicht kommt, daß er nichts ist, nichts vermag, sondern daß der Herr ist alles in allem, der Erste und der Letzte, das Alpha und das Omega – dann erst gibt er sich dem Herrn freiwillig ganz hin. Und da ergreift ihn der Herr und führt ihn den gerechten Weg. - Und so lege du alle deine Liebe zu deinen Brüdern und alle deine Sorge um sie vor die Füße des Herrn, umfasse dieselben mit deinem Herzen über alles heißliebend, und du wirst dich sicher überzeugen, daß der Herr gerade da tätig zu werden beginnt, wo der Mensch aus seiner demütigen, inneren Erkenntnis alle seine nichtige Tatkraft und überschwache Willensmacht dem Herrn liebend übertrug. (GS 1, Kap. 91, S. 425)
Suche nicht die Kraft und Macht des Herrn, sondern suche vielmehr ein Allergeringster in Seinem Reiche zu werden und nichts zu besitzen, als Seine Liebe – und nichts zu wünschen, als nur bei Ihm zu sein. Dann wirst du ewig wohnen wie ein zartes, vielgeliebtes Kindlein auf den allerheiligsten Armen des ewig allerliebevollsten Vaters! - Siehe, das ist der wahre Grundsatz! Nach dem lebe und du wirst ganz vollkommen die Kindschaft Gottes schon auf dieser Welt überkommen. (GS 2, Kap. 60, S. 257)
Gottesfurcht und Liebe
Wahr ist, in der Furcht der Schwachen bin Ich zugegen. Ohne die Gottesfurcht kann niemand den Vater lieben, und wer den Vater liebt, der fürchtet Gott. Daher ist auch Gottesfurcht und Liebe (in gewisser Hinsicht) gleich und kann nicht die eine sein ohne die andere. - Aber doch ist zu merken, daß die Liebe höher steht, als die Furcht. Nur in der Liebe ist Leben! In der Furcht aber ist der Tod. Daher soll ein jeder endlich seine Furcht von der Liebe gefangennehmen lassen!...
Wie lange die Furcht und ihr Versprechen anhält, kann man ja schon an schwachen Kindern sehen, welche ihre in der Furcht versprochene Besserung so lange halten, als der Vater mit finsterer Miene um sie herumdonnert. Hat sich aber des Vaters Miene wieder aufgeheitert, dann ist auch die Furcht hinweg samt allen Versprechungen. Nicht also ist es bei der wahren, echten Liebe. - Willst du also vollkommen sein, so müssen in dir stets drei Teile Furcht und sieben Teile Liebe sein! ...
Die Furcht ist der Same der Liebe. Wie aber der Same in der Erde verfault und der lebendige Keim der Liebe hervorbricht und dann großwächst und lebendige Früchte bringt, also muß auch die Furcht, die alte, verwesen. Aber eben aus dieser Verwesung (in der guten Erde Meiner Liebe zu euch) wird sich eine erstaunliche Frucht erheben, ein Baum des Lebens, unter dessen Ästen selbst des Himmels Bewohner ihre Wohnungen errichten werden. (H 1, Kap. 158, 28 ff und 37 ff)
Solche Demut behagt Mir nicht,
so du vor Mir mutlos wirst und fürchtest dich vor Meinen Ohren und Augen! - Wohl aber habe ich das größte Wohlgefallen an einem Benehmen, das völlig gleicht der Verhaltensweise der kleinen Kindlein, die da keine Furcht vor ihren Eltern haben, sondern allezeit voll guten Mutes sind und vor ihren Eltern drauflos reden und schreien, als wären sie die Herren im Hause. Wenn es sie aber hungert und dürstet, da laufen sie dennoch in aller kindlichen Liebe und Ergebung zu den Eltern und bitten sie um Brot.
Und so sie das Brot empfangen aus den Händen der Eltern, danken sie ihnen mehr durch den frohen, heiteren Genuß desselben, als durch eine übertriebene Ehrfurcht und Angst und daneben mit einem viele Arme langen, wenig sagenden Wortdanke. Ist es denn nicht jedem Vater lieber und jeder Mutter angenehmer, so die Kinderchen vor ihnen fröhlichen und heiteren Mutes die dargereichten Gaben genießen und dabei gesund und frisch aussehen wie die Blümchen nach einem erquickenden Regen – als so sie vor lauter Furcht und unermeßlicher Hochachtung vor ihren Eltern zittern und, so ihnen diese liebevollst das Brot reichen, sich dennoch nicht getrauen, es zu genießen!? (H 2, Kap. 24, 12 ff)
Wahre Aufmerksamkeit
Ein Wirt, der mit den Gästen viel zu tun und zu reden hat, bittet den Herrn um Vergebung, daß er Ihm wegen der vielen Gäste so wenig Aufmerksamkeit widmen könne. - Der Herr erwidert: „Mache du dir nichts daraus! Wer mit seinem Herzen bei Mir ist, der kann mit seinen Gliedern unbeirrt sein nötiges Tagwerk verrichten wie er mag und kann und wie es sein Gewerbe fordert – und er widmet Mir dennoch die vollste und wahrste Aufmerksamkeit. Jede andere aber hat vor Mir ohnehin keinen Wert.“ (Ev 6, Kap. 60, 1)
Mich freuet nur ein liebendes Herz!
Das ist es, das ganz euer ist als eine freie Gabe von Mir, dessen seid ihr im Vollbesitze. So ihr wollt, könnet ihr es Mir wiedergeben, und Ich werde da einziehen mit Meiner Gnade, und ihr werdet leben ewig dann mit der Gnade Meiner ewigen Liebe. Und alle Dinge sollen klar werden wie ein Tropfen Wasser. - So ihr aber selbst einzieht in euer Herz und verriegelt dann die Türe vor Mir, daß Ich nicht hinein kann, wenn Ich will, so werdet ihr alsobald euer Lebensbrot in euch verzehren. Und da Ich als der alleinige Geber des Lebensbrotes mit Meiner Lebensgabe nicht mehr hineingelassen werde, so wird alsobald auch der ewige Tod die notwendige Folge der Eigenliebe und des Selbsttums in euch werden. (H 1, Kap. 41, 24 ff)
Darin liegt die Größe unserer Kindschaft,
daß der unendliche, ewige Gott Sich Selbst erst in uns einen Vater nennt und erst dann unser wahrhafter Vater in der allerhöchsten Liebe wird, so wir Ihn als Solchen in unseren Herzen erkennen und Ihn in aller Liebe auch also rufen! - So Sich aber der unendliche Gott erst in uns will als Vater vollkommen offenbaren, saget, was Höheres könnte da wohl noch gedacht werden?! - Was liegt daran, ob wir auch mit dem leisesten Hauche die ganz Schöpfung verwehen möchten und mit einem Gedanken alle Berge entzünden?! Wahrlich, es ist nichts gegen dem, so wir zu Ihm in aller Liebe und Wahrheit sagen können: „Lieber, heiliger Vater!“ Denn Er, Der in Sich ist Gott, der Unendliche von Ewigkeit, ist vermöge Seiner unendlichen Liebe Vater in uns, wie wir Kinder in Ihm. Er zwar ist, was Er ist, durch Sich. Wir aber sind ewig nichts aus uns; aber alles aus und durch Ihn. - Das ist also unsere endlose Größe, daß wir Seine Kinder sind und Er unser aller Vater! (H 2, Kap. 82, 21 ff)
Wer die Kindschaft hat,
der hat mehr, als was alle Himmel umfassen! Denn er hat Mich, Gott, den ewigen, unendlichen, ja den über alles erhabenen Gott voll Macht, Kraft und Heiligkeit als den liebevollsten, allein wahren Vater in sich und ist also völlig in Mir, das heißt, in aller Meiner Vollkommenheit, welche da ist Meine unendliche Liebe, Gnade, Weisheit und Stärke. - Sehet, das ist sonach die Kindschaft! Und diese Kindschaft gebe Ich nun euch! O Kinder, wäret ihr fähig, noch Größeres von Mir zu nehmen?
Wahrlich, Ich sage euch, ihr könnet es nimmer! Denn Meine Kinder sind mehr als die urgeschaffenen Engel! - O Kinder, wenn ihr Meine Brüder wäret, da wäret ihr viel geringer. Denn welcher Vater hat wohl seinen Bruder lieber um sich als seinen Sohn? Oder überkommt auch der Bruder vom Bruder ein Erbteil? Da aber schon ihr selbst eure Kinder höher schätzet als eure Brüder, so werde ja doch auch Ich als der allerwahrste und vollkommenste Vater wissen, wieviel Meine Kinder wert sind! Ihr gebet euren Kindern nur eurer Hände Mühe zur Aussteuer! Ich aber gebe euch Mein Alles, welches da ist Meine Liebe oder Mein allereigentlichstes, urewiges Leben selbst. (H 2, Kap. 83, 4 ff)
Nicht alle sind Meine Kinder,
die zur Mir rufen und sagen: „Lieber, heiliger Vater, erhöre uns, Deine Kinder!“ - Ihre Herzen aber bleiben dabei kalt, als hätten sie den gleichgültigsten Gegenstand benannt, und ihr Vertrauen ist ebenso wie ihr Herz beschaffen. Diese Art von sein sollenden, aber nicht sein wollenden Kindern möchte nur Meine Macht und Stärke, um sich damit durch allerlei Großmachtspielereien die Zeit zu vertreiben, ob ihr loses Tun da Schaden oder Nutzen bringen möchte. -
Ich aber sage euch: Solche Kinder sind noch so ferne der wahren Kindschaft, wie ein Ende des Himmels vom anderen... Ihr sollet aber als wahre Kinder auch wissen, daß da ein großer Unterschied waltet zwischen jenen, die da erkennen einen Gott und Schöpfer und jenen, deren Herz Gott alsbald heißliebend erfaßt und Ihn nimmerdar ausläßt und sich um nichts mehr kümmert, als nur darum, wie es könnte Gott stets liebender erfassen. - Die ersten werden bei der Erkenntnis Gottes sagen: „Gott, Du allmächtiger, Du großer, Du heiliger, Du erhabener Schöpfer, wie groß und herrlich sind Deine Werke; darum wollen wir Dich allzeit loben, rühmen und über alles hochpreisen!“ -
Die zweiten aber sagen: „O Gott, wie liebevoll mußt Du sein, da wir nicht umhin können, Dich trotz Deiner unendlichen Erhabenheit und Heiligkeit dennoch über alles zu lieben! O wie gut mußt Du sein, da uns die Liebe also mächtig zieht zu Dir!“ - Sehet, hier die ersten staunend über ihren erkannten Gott, die zweiten aber vor Liebe in Tränen zerfließend, so sie an Mich nur irgend etwas erinnert, indem sie hinter ihrem guten Gott schon einen liebevollsten Vater ahnen! Merket ihr hier den mächtigen Unterschied?! - Sehet, die erste Art sind nur Knechte, die für den Lohn arbeiten; die zweite Art aber Kinder, welche da nichts wollen, als nur allein den Vater! (H 2, Kap. 83, 14 ff)
Die rechte Liebe
Ich setze den Fall, ein Vater sehr vornehmen Standes, etwa ein Fürst, hätte mehrere Kinder. Diese Kinder wissen die Ordnung, wie sie sich zu ihrem Vater begeben dürfen, nämlich ganz geziemend geschmückt, gemessenen Schrittes, die Hände kreuzweise über ihre Brust gelegt und das Haupt demütigst zu Boden gesenkt. - Wenn diese Kinder also vor den fürstlichen Vater kommen, da belobt er sie und entläßt sie dann. - Eines unter den Kindern, ein rüstiger Knabe, aber ist ganz keck, erscheint nicht mit den abgerichteten Kindern – denn solches bringt er nicht über sein liebeglühendes Herz – sondern kommt ganz allein zum Vater gerannt, ist sonst auch mehr nachlässig in seiner Kleidung.
Wenn aber dieser Knabe den Vater ersieht, da breitet er seine Arme aus, umfaßt ihn mit aller kindlichen Liebeglut und schreit dabei: „O Vater, Vater! Du mein lieber Vater, wie sehr doch liebe ich dich! Siehe, du mein herrlicher, lieber, guter Vater, ich liebe dich zu sehr, als daß es mir möglich wäre, mich vor dir in den gesetzlichen höfischen Schranken zu bewegen! Ja, ich will eher sterben, als vor dir, o mein Vater, meinem Herzen einen unterdrückenden Liebezwang antun!“ -
Ich setze aber nun den Fall, du wärest der Vater solch eines Kindes, was würdest du da, rein nach deinem Vatergefühle, einem solchen Kinde wohl tun? – Du sprichst: „O, das würde ich auch über die Maßen lieben!“ - Gut geantwortet! Ich sage dir aber, gerade ein solcher Vater bin Ich auch! Wer demnach auch zu Mir kommt wie dieser kecke Knabe, der wird auch Mir der allerliebste Sohn sein! Gott kannst du für Sich nicht lieben; aber den Vater kannst du lieben gleich dem kecken Knaben. Und Gott als der Vater wird dann dich auch mit aller Macht Seiner Liebe ergreifen und wird dich setzen in Seinen Schoß als ein wahres, Ihm über alles teures Kind und wird all den anderen dann deinetwegen gnädig sein und ihnen die leere Höflichkeit erlassen! - Siehe, das ist die rechte Liebe! Solches beachte! (H 2, Kap. 232, 14 ff)
Die Liebe ist Mein Urgrundwesen,
aus diesem Wesen geht erst die eigentliche Gottheit oder die durch alle Unendlichkeit ewig wirkende Kraft hervor, welche da ist Mein unendlicher Geist aller Heiligkeit. Dieses Urgrundwesen bin aber Ich Selbst, also wie Ich jetzt (als Jesus) vor dir stehe! - Und aus dieser Brust hier ist die ganze Unendlichkeit erfüllt von Meinem Geiste, der da ist Mein langer, mächtigster Arm und allzeit also wirkt ins Unendliche, wie Ich es in dieser Meiner Brust will. Siehe, demnach bin Ich auch überall durch diesen Meinen Geist vollkommen gegenwärtig und kann da bilden, schaffen und ordnen.
Denn Meine Gedanken erfüllen stets den unendlichen Raum, welcher da ist ewig aus Mir; aber zur Erscheinung kommen sie erst da und dann, wo und wann Ich sie mit Meinem Willen ergreife und sie dann festhalte.- Siehe nun, aus eben diesem Meinem Urgrundwesen aber habe Ich auch dich gestaltet, eine zweite, ihrer selbst bewußte, freitätige Liebe aus Mir – nicht nur ein alleiniger Gedanke, sondern eine freie Liebe aus Mir! - So du nun mit Mir eine und dieselbe Liebe bist, wie solltest du demnach nicht Mein Bruder sein, wenn deine Liebe gleich ist der Meinigen?! Daher also sei ohne Furcht und sei Mir stets ein rechter Bruder! Und Ich sage dir, auch du wirst wirken frei im Geiste, wie Ich wirke frei erfüllend die Unendlichkeit. (H 2, Kap. 94, 17 ff)
Des Raumes Unendlichkeit
Was ihr des Raumes Unendlichkeit nennet, ist der Geist Meines Willens, der von Ewigkeiten her diese endlose Räumlichkeit gestellt und allenthalben mit Wesen aller Art angefüllt hat. - Dieser Geist aber hat einen Mittelpunkt wesenhaft gestaltlich, in dem alle Macht dieses unendlichen Geistes vereinigt ist zum Wirken. Und dieses Machtzentrum des unendlichen Gottesgeistwesens ist die Liebe als das Leben dieses Geistes. Und diese Liebe bin Ich (Jesus, euer himmlischer Vater) von Ewigkeit. - Obschon sich aber der (unendliche) Geist Gottes überall wirkend äußern kann, so kann Er Sich doch nicht wesenhaft gestaltlich äußern ohne die Liebe.
Wo Gott Sich für endliche Wesen, wie ihr Menschen es seid, gestaltlich äußert, da äußert Er Sich sonach durch Seine (in Seinem Machtzentrum wohnende) Liebe, welche da ist das eigentliche Grundwesen Gottes und der Sammelpunkt aller Macht, Kraft und Heiligkeit des unendlichen Geistes! - Sehet, das ist das Wesen Gottes in aller Wahrheit und kann nur mit dem Herzen, aber nie mit dem Verstande begriffen werden. (H 2, Kap. 139, 20 ff)
Kannst du dir von Gott keinen Begriff machen, so siehe Mich (Jesus) an – dann hast du jene für ewig gültige und bleibende Form vor dir, unter der allein du dir deinen Gott, Schöpfer und himmlischen Vater vorstellen kannst. Denn Gott ist auch ein Mensch und zwar der in und aus Sich ewig vollendetste! - Siehst du Mich, so siehst du alles! (Ev 5, Kap. 73, 4)
Jesus, der Gekreuzigte
ist allein Gott über alle Himmel und über alles, was den unendlichen Raum erfüllt. Er allein ist der Urschöpfer aller Dinge, aller Engel, Menschen, Tiere, Pflanzen und aller Materie. Er ist der Vater Seinem urewigen Liebewesen nach, der ewige Sohn Seiner Weisheit und der Heilige Geist Seiner unendlichen Macht, Kraft und Wirkung nach. - An diesen Jesus wende dich im Herzen wahrhaftig und getreu und liebe Ihn, Der dich so sehr liebt und liebte, daß Er aus Liebe zu dir wie zu allen Menschen die Menschennatur annahm und des Leibes bittersten Tod über Sich kommen ließ, auf daß dir und allen Menschen ein ewiges Leben ermöglicht werden möchte.
Das ewige, Gott völlig gleiche, seligste Leben ist durch Ihn allein ermöglicht worden und als ein unendlicher Schatz gegeben aller Kreatur. Und es bedarf nun nichts mehr und nichts weniger, als diese heilige, große Gabe des heiligen Vaters liebewillig zu verlangen und allerdankbarst anzunehmen – und der Mensch ist selig lebend in Ewigkeit in der Gesellschaft Gottes wie ein zweiter Gott. - Gott, der da ist unser aller Vater Jesus, ist die reinste Liebe, die niemanden richtet und jeden seligst machen will.
Aber nur muß der Mensch auch das wollen, was Gottes reinste Liebe will, sonst kann er nicht selig werden. Denn Gott tut niemandem einen Zwang an, am allerwenigsten in der Welt der Geister. Daher wird aber auch jedem nur das zuteil, was er selbst will. Was du demnach willst, das wirst du auch empfangen! - Es gibt aber kein Leben und keine Seligkeit, außer in der reinen Gottesliebe. Wer diese in sich aufgenommen hat und selbst das will, was diese heilige Liebe will, der lebt und ist selig für ewig. (RB 1, Kap. 126, 1 ff)
Wer Mich nicht liebt Meiner Selbst willen,
der wird nicht dahin kommen, wo Ich bin. Der Mensch muß Gott lieben ohne Gewinnsucht – wie Gott ihn liebt – ansonst er Gottes völlig unwürdig ist. - Ahab, ein Jünger, erwidert dem Herrn: „Das ist eine hohe und tiefe Wahrheit. Aber dennoch möchte ich dazu bemerken, daß es eine völlig uninteressierte Liebe, wenigstens bei den Menschen, nicht geben kann. Denn soviel ich über die Liebe nachgedacht habe, so geht diese Liebe, wenn sie auch noch so rein ist, doch immer mehr oder weniger auf einen Raub aus. -
Siehe, ich liebe Dich doch sicher so innig, als Dich nur je ein Mensch lieben kann; ja, so es möglich wäre, da möchte ich Dich aus purer Liebe ganz in meinen Leib und in mein Herz hineinschieben! - Aber nun frage ich, ob ich das auch für irgendeinen anderen, ganz gleichgültigen Menschen fühlen kann!? Ich muß gestehen – nein! - Und warum nicht? Warum fühle ich das nur bei Dir?! - Die Antwort gibt die Sache selbst! - Ich weiß wer Du bist und weiß, was Du vermagst und weiß nun auch, was ich durch Dich und die Beachtung Deiner Lehre erreichen kann.
Und das ist denn auch der unbestreitbare Grund meiner heißen Liebe zu Dir. Denn wärest Du nicht das, was Du bist, so wäre meine Liebe zu Dir auch sicher bedeutend schwächer. Ich habe also an Dir und für Dich ein übergroßes Interesse, und darum will und liebe ich Dich! - Ich will nicht behaupten, daß ich Dich nun eines besonderen Gewinnes wegen liebe, denn ich verlasse ja alles auf der Welt um der Liebe willen zu Dir. Aber dennoch geht hier meine Liebe auf einen ganz besonderen Raub aus; denn sie haschet nach Dir, weil Du ihr mehr bist, als die ganze Welt! -
Es bestimmt stets der größere, entweder materielle oder geistige Wert den Zug der Liebe. Der Kaufmann, der Perlen suchte, verkaufte alles und kaufte die große Perle, die er fand. Warum denn? Weil sie viel mehr wert war denn alles, was er ehedem besaß! Es ist das freilich wohl ein edles Interesse, aber es ist und bleibt dennoch ein Interesse, und ohne das gibt es wenigstens beim Menschen keine Liebe! Und wer mir von einer uninteressierten Liebe, die vielleicht höchstens in Gott Platz haben mag, etwas weismachen will, dem sage ich: „Freund, du magst viel Weisheit haben, aber über den Punkt der Liebe hast du noch nie tiefer nachgedacht!“ -
Ja, die göttliche, wahre Liebe unterscheidet sich von der höllischen freilich ganz gewaltig darin, daß die göttliche Liebe zwar auch raubet gleich der höllischen, aber sie gibt alles wieder her! Sie sammelt bloß des Wiedergebens willen, während die höllische Liebe bloß für den eigenen Rachen raubt und nichts wieder hergeben will. - Wenn wir uns aber die Liebe der Himmel aneignen, so wissen wir, daß wir dabei nie zu einem Verlust und Schaden gelangen können, sondern nur in jeder Hinsicht mehr und mehr zu gewinnen haben, je mehr wir hergeben.
Wir gleichen da einer Grube, die ins Erdreich gegraben wird; je mehr Erdreich sie verliert, desto größer wird ihr innerer Raum zur Aufnahme des Lichtes und der himmlischen Luft. - Herr, ich meine, daß ich darin nicht unrecht habe. Was sagt da Deine unendlich höhere Weisheit dazu?“ - Sagt der Herr: „Nichts, als daß du darin vollkommen recht hast! Denn wäre die Liebe nicht ein Räuber so oder so, dann wäre sie keine Liebe. Alle Liebe begehrt und will haben. Aber im Zwecke des Habens liegt ein unendlicher Unterschied. Und das scheidet Himmel und Hölle für ewig auseinander!“ (Ev 1, Kap. 204, 25 ff)

III. Nächstenliebe
Seid allezeit barmherzig,
und ihr werdet auch bei Mir allezeit Barmherzigkeit finden. Wie ihr euch verhalten werdet gegen die armen Brüder und Schwestern, also werde auch Ich Mich verhalten gegen euch. Ich sage und rate es euch allen: Seid voll Dienstfertigkeit untereinander, überbietet euch im Wohltun, liebet euch wahrhaft untereinander, also, wie Ich euch liebe, so werdet ihr aller Welt zeigen, daß ihr wahrhaft Meine Jünger und in eurem Geiste vollends Meine wahren Kinder seid! Denn das ist die Bestimmung aller Meiner Kinder, daß sie sich hier auf dieser Erde gleichfort üben sollen im einstigen großen Geschäfte Meiner Himmel. Denn dort wird alles allein nur die Liebe zu tun haben. Und jede Weisheit, die nicht dem Flammenlicht der Liebe entstammt, wird in Meinen Himmeln ewig nie eine Aufnahme finden und auch nichts zu tun bekommen. (Ev 4, Kap. 97, 8 ff)
Wer sagt, daß es zur Seligkeit genüge,
nur Gott allein über alles zu lieben, dabei aber vor seinen armen Nächsten Herz und Türe zu schließen vermag, der ist in größter Irre. Denn die Liebe zu Gott ist ohne die Liebe zum Nächsten ewig nicht denkbar und auch nicht möglich. Darum liebet eure Nächsten, weil sie, gleich wie ihr, Gottes Kinder sind, und ihr werdet dadurch auch Gott über alles lieben... Die Armen in dieser Welt sind wahrhaft Meine Kinder, die Reichen aber sind zumeist Kinder dieser Welt. ...Wer demnach der Kinder Liebe hat durch seine Liebe zu den Kindern, der hat auch des Vaters Liebe erworben und mit ihr den ewigen Lohn. (Ev 10, Kap. 140, 4 ff)
Die größten Taten der Helden
besingt die Welt. Jedoch Ich sage euch, wenn euch einst die große Bibliothek in Meinem Reiche aufgetan wird, so werdet ihr darinnen so manche Großtat mit gänzlich vergeblicher Mühe suchen, wohl aber werdet ihr euch darüber höchlich verwundern, wie in diesen ewigen Büchern des Lebens oft eine von niemand bemerkte, ganz im geheimen geübte Liebestat sich ausnimmt. (Nz S. 101)
Des Herrn Wort
gibt uns Seine Lehre in Samenkapseln. Diese müssen wir säen ins Erdreich unseres Geistes, welches da heißet Liebe. Da wird der Same aufgehen und zu einem Baume der wahren Erkenntnis Gottes und unserer selbst werden, und wir werden von diesem Baume dann zur rechten Zeit vollreife Früchte zum ewigen Leben sammeln können. - Liebe aber ist das Erste, ohne dies gedeiht keine Frucht des Geistes! - Deshalb hob der Herr das harte Mosaische Gesetz der Strafe auf, auf daß ihr in aller Bälde reicher werden sollet an gutem Erdreiche in euren Herzen. Denn der da strafet nach dem Gesetze, hat weniger oder oft wohl auch gar keine Liebe, bei ihm wird der göttliche Wortsame sonach ganz schlecht gedeihen! Der aber gestraft wird, der befindet sich ohnehin im Gerichte, in dem keine Liebe ist, da das Gericht der Tod der Liebe ist. -
Daher sollet ihr lieber an euren Nächsten die Fehler gar nicht sogleich ersehen, sondern mit ihnen nachsichtig und geduldig sein! Und so sie in ihrer Schwäche etwas von euch verlangen, so sollet ihr ihnen nichts vorenthalten, auf daß sich die Liebe in euch selbst und glücklicherweise auch in euren schwachen Brüder mehre! Wird diese einmal reichlich in euch wie in euren Brüdern vorhanden sein, so wird der göttliche Same wohl gedeihen in euch, und der Schwache wird dann in seiner Stärke euch wohl ansehen und euch vielfach vergelten, was ihr ihm in seiner Schwäche erwiesen habt. -
So ihr aber karg seid und hart gegen eure schwachen Brüder, so werdet ihr selbst nie zu einer Gottesfrucht in euch gelangen und das Gericht der Schwachen wird am Ende auch euch ins Verderben ziehen. - So der Herr sagte: „Wer von dir verlangt den Rock, dem gib auch den Mantel hinzu!“ Da wollte Er bloß andeuten, daß ihr, die ihr reich seid und viel besitzet, den Armen, so sie zu euch kommen, auch reichlich und viel geben sollet! Denn dadurch werdet ihr dann auch sobald zu vielem Erdreich in euren Herzen kommen und sonach selig sein im Besitze solch wahren Erdreiches und die Armen werden euch wahrhaft segnen; denn aus euren Herzen werden sie die tatkräftige Predigt des wahren Evangeliums Gottes vernehmen und aus ihr selbst stark werden euch zur ewigen Stütze! (Ev 1, Kap. 43, 4 ff)
Was ist das für ein Gottesdienst,
so ihr nur am Sabbat Gottes gedenkt, unter der Woche aber nie?! Ist denn Gott nicht an jedem Tage der gleiche unveränderliche Gott? Läßt Er nicht an jedem Tage, ob er ein Sabbat oder Werktag sei, Seine Sonne aufgehen und ihr Licht spenden über Gerechte und Ungerechte, deren es stets bei weitem mehr gibt als der Gerechten? - Arbeitet Gott nicht Selbst an jedem Tage gleich? Wenn aber der Herr Sich keinen Feiertag nimmt, warum sollen dann die Menschen sich Feiertage bloß des Müßigganges wegen stellen?
Denn etwas anderes beachten sie auch nicht so pünktlich an einem Sabbate als den Müßiggang! Mit dem aber erweisen sie Gott gewiß den schlechtesten Dienst! Denn Gott will, daß sich die Menschen gleichfort und stets mehr und mehr die Liebetätigkeit angewöhnen sollen, um dereinst im anderen Leben aller Arbeit und Mühe fähig zu sein und in solcher Tätigkeit auch allein die wahre und höchste Seligkeit zu suchen und zu finden! (Ev 1, Kap. 50, 5 ff)
Wer liebevoll auf Gott vertraut,
dem traut auch Gott und verläßt ihn nicht und läßt ihn nicht zuschanden werden! Aber jene, die wohl an Gott glauben, aber Ihm nicht trauen, weil ihnen ihr Herz sagt, daß sie einer Gotteshilfe unwert sind, diesen hilft Gott auch nicht, denn sie haben ja ein Vertrauen allein auf ihre eigenen Kräfte und Mittel, die sie für förmlich heilig halten, indem sie sagen: „Mensch, willst du, daß dir geholfen sei, so hilf dir selbst, denn ein jeglicher Mensch ist sich selbst der Nächste!“ - Aber Ich sage: So ihr zunächst für euch sorgt, so seid ihr von Gott verlassen und ledig Seines Segens und Seiner Hilfe! Denn Gott hat die Menschen aus purer Liebe erschaffen, und so sollen die Menschen denn auch der Liebe in allem entsprechen! - So ihr aber ohne Liebe und Vertrauen auf Gott lebet und handelt, da verkehrt ihr das Himmlische in euch in Höllisches, wendet euch von Gott ab und werdet zu Dienern der Hölle, die euch dann am Ende auch den verdienten Lohn nicht vorenthalten wird, der da heißt der Tod im Zorne Gottes! (Ev 1, Kap. 125, 13 ff)
Gehet und sorget für eure Welt,
eure Weiber und Kinder, auf daß sie ja nicht nackt herumwandeln und kein Hunger und Durst sie je beschleiche! Es soll sich aber jedoch in Kürze zeigen, was für Gutes ihr ihnen dadurch verschafft! Das sage Ich euch, daß Gott für sie nicht sorgen wird! - Wer da einen Besitz und ein Gewerbe hat, das ihm viel Gewinn verschafft, spart aber den Gewinn nur für sich und seine Kinder und schaut mit bittergesinnten Augen und Herzen herab auf die armen Brüder und scheut sich vor den armen Kindern, die Mangel leiden und schafft sie von sich, wahrlich, der ist ein Feind Gottes! Denn wie will er Gott lieben, Den er nicht sieht, da er doch seinen Bruder nicht liebt, den er vor sich sieht!? - Wer seinen Bruder in der Not verläßt, der verläßt in einem – Gott und Himmel! Und Gott wird ihn verlassen, ehe er sich's versehen wird! - Wer aber seine armen Brüder nicht verläßt, auch dann nicht, so ihn Gott in eine Prüfung zöge, der soll gesegnet werden, ehe er sich's versieht, zeitlich und ewig. (Ev 1, Kap. 125,19 ff)
Eure Liebe zu euren Kindern
brenne wie ein Licht, aber die Liebe zu den Kindern fremder, armer Eltern sei ein großer Feuerbrand! Denn niemand in der Welt ist ärmer als ein armes, verlassenes Kind. Wer ein armes Kind aufnimmt in Meinem Namen und versorgt es leiblich und geistig wie sein eigenes Blut, der nimmt Mich auf. Daher, wollet ihr Segen von Gott in eure Häuser ziehen und ihn wie ein wohlbestelltes Feld zu reicher Ernte erheben, so leget in euren Häusern Pflanzschulen für arme Kinder an! (Ev 2, Kap. 68, 6 ff)
Bei Gott gilt nur
ein reines, sanftes, demütiges und liebevolles Herz. Was ihr aber dafür tun könnet, das bestehe darin, daß ihr den Armen und zumeist den armen Witwen und Waisen, nach rechtem Maße und Ziele gebet, denn das ist Gott wohlgefällig. Aber den Tempel noch mehr bereichern, als er schon bereichert ist, das hat vor Gott nicht den geringsten Wert. - Wißt ihr, wie es im Propheten steht von der Verehrung Gottes im Tempel? Seht, also steht es im Propheten: „Dies Volk ehrt Mich mit den Lippen, aber sein Herz ist ferne von Mir!“ Ich sage euch: Alle großen Opfer, samt den Brandopfern, sind ein Gräuel vor Gott, denn alles dessen benötigt Er nicht. Denn was sollet ihr von diesen irdischen Dingen Gott geben, die doch ihr zuvor von Ihm empfangen habt?! Gott bedarf nicht des Brandgeruches von geschlachteten Tieren, aber des Liebesbrandes eurer Herzen bedarf Er als euer Vater von euch, Seinen Kindern. (Ev 6, Kap. 206, 13 ff)
Unser Nächster
Vom Herrn aufgefordert zu sagen, wen man für seinen Nächsten zu halten und mit Tatliebe zu behandeln habe, sagt der alte Kriegsveteran Markus: „Natürlich wäre in erster Linie der mein Nächster, der meinem Leibe am nächsten stände, und so er einer Hilfe bedürftig wäre, müßte ich sie ihm geben. Wieder wären meine Nachbarn die Nächsten, wenn sie mich angingen um eine Hilfe, ebenso mein Weib und meine Kinder. - Als ich noch ein Krieger war, da waren auch meine Kameraden meine Nächsten, und es war meine Pflicht, ihnen im Falle der Not eine Hilfe zu leisten. Andererseits ist auch wieder jeder Mensch, welcher Religion er auch angehöre, im Falle der Not mein Nächster.
Ja, ich meine, daß man sogar einem Haustiere die Hilfe nicht versagen sollte, wenn demselben etwas fehlt. Kurz und gut, wie ich in meinem beschränkten Hausverstande mir's vorstelle, der Mensch sollte schön fein Gottes Regierung nachahmen und in seinem Tun und Lassen auch seine Sonne über alle Kreatur leuchten lassen. - Freilich kann der Mensch als ein höchst beschränktes Wesen Gott, seinen Schöpfer, nur eben auch höchst beschränkt nachahmen. Aber weil er nach dem Ebenmaße Gottes erschaffen ist, so soll er auch das in sich völlig ausbilden, wozu ihm die Fähigkeiten verliehen worden sind.“ - Sagt der Herr darauf: „Siehe, deine Worte sind recht und wahr. Darum sollst du auch danach handeln!“ (Ev 2, Kap. 234, 1 ff)
Es ist endlos besser,
daß da unter den Menschen wachse die Liebe und Sanftmut und wach bleibe zu aller Zeit und dadurch die Teufel zum Schlaf und zur Ruhe nötige, daß sie der Erde nicht schaden – als daß man mit dem dröhnenden Gepolter die Teufel wecke und sie dann die Erde und alles, was darauf ist, verderben. (Ev 1, Kap. 76, 5 ff)
Gleichnis vom Samariter
Ein Schriftgelehrter sagt zum Herrn: „Meister, wen soll ich als meinen Nächsten ansehen?“ - Der Herr erwidert: „Ich will dir ein Geschichtlein erzählen. Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho in Geschäften, fiel auf dem Wege aber unter die Räuber. Diese zogen ihn bis auf die Haut aus, schlugen ihn beinahe zu Tode, gingen mit ihrem Raube davon und ließen den Menschen halbtot liegen. Es begab sich aber zufällig, daß ein Priester aus Jerusalem dieselbe Straße hinabzog. Er sah den Menschen, den die Räuber übel zugerichtet hatten, am Wege liegen, ging aber ganz unbekümmert vorüber.
Desgleichen kam bald nach dem Priester auch ein Levite und tat wie der Priester. - Bald darauf kam auch ein Samariter an dieselbe Stelle, und als er den Menschen da liegen sah, da jammerte ihn des Halberschlagenen Not. Er ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, goß Öl und Wein hinein, hob ihn auf sein Lasttier und brachte ihn so in eine Herberge und pflegte ihn den Tag und die Nacht hindurch selbst. Als er am nächsten Tage sah, daß es mit dem Verwundeten bei rechter Pflege wohl besser werde, berief er den Wirt, gab ihm zwei Groschen und sagte zu ihm: „Da ich dringende Geschäfte habe, so reise ich nun ab, du aber pflege seiner bis ich in etlichen Tagen wiederkommen werde!
Was du mehr brauchen solltest, das werde ich dir dann getreu ersetzen!“ Dann reiste er ab, und als er nach einigen Tagen wiederkehrte, fand er den Menschen, über den er sich erbarmt hatte, gut gepflegt und so weit geheilt, daß er ihn nach Jerusalem zurückbringen konnte, bezahlte dem Wirte nochmals zwei Groschen und bekleidete den Geheilten noch obendarauf. - Was meinst du nun, welcher von den dreien war dem, der unter die Räuber und Mörder gefallen war , wohl der Nächste?“ -
Da sagte der Schriftgelehrte: „Offenbar der, der ihm die Barmherzigkeit erwiesen hat!“ Sagt der Herr: „Gut, so gehe hin und tue desgleichen! Ein jeder Mensch, der in irgend etwas deiner Hilfe bedarf, ist dein Nächster. Und so du ihm hilfst, bist du auch sein Nächster. Und so du ihm geholfen hast, da hast du ihn als deinen Nächsten auch geliebt wie dich selbst, denn die wahre Nächstenliebe besteht eben darin, daß ihr euren Nebenmenschen alles das tut, was ihr vernünftigerweise wünschen könnet, daß sie im Notfalle auch euch tun möchten.“ (Ev 8, Kap. 63, 7 ff)
Gastfreundschaft und Wohltätigkeit
Zum Heilbadbesitzer Markus spricht der Herr: „Diese Herberge wird dir und deinen Nachkommen eine beste Versorgung bereiten. Aber du sorge dafür, daß Mein Name bei deinen Nachkommen fest stehen bleibt, denn mit dem Verluste Meines Namens aus ihren Herzen würden sie auch bald alles andere verlieren! - Wer Mich wahrhaft liebt und seinen Nächsten wie sich selbst, der trägt Meinen Namen wahrhaft und lebendig in seinem Herzen und daran einen Schatz, den ihm alle Ewigkeiten nicht zu nehmen imstande sein werden. - Aber es genügt nicht, Mich nur zu bekennen der Weisheit gemäß, sondern der vollwahren Liebe gemäß im Herzen. -
Es werden zu dir kommen allerlei Arme. Was du denen tun wirst ohne irdisches Entgelt, das hast du Mir getan, und Meine Liebe wird es dir entgelten. - Wenn jemand zu dir kommt, der nackt ist, den bekleide! Wer ohne Geld zu dir kommt, dem enthalte es nicht vor, so er dessen benötigt in der Welt! - Ich wollte zwar, daß alle Menschen als Brüder ohne dieses verderbliche Tauschmittel untereinander lebeten, aber da sie solches zur größeren Bequemlichkeit ihres Handels und Wandels als Weltmenschen in der Welt schon von alters her eingeführt haben, so will Ich es denn auch belassen – aber Segen wird es den Menschen erst durch Meine Liebe bringen! - Kurz, in was du jemanden als arm erschaust und du hilfst ihm für Meine Liebe mit freudigem Herzen, so wirst du allzeit auf Meine Entgeltung rechnen können, die nimmer unterm Wege verbleiben wird! -
Es komme z.B. zu dir ein sonst vermöglicher Mensch ins Land, der aber von der Gicht behaftet ist, so rechne ihm nach dem Maße der Billigkeit die Herberge und Verköstigung, aber das Bad lasse ihm frei! - So aber jemand kommt bloß des Vergnügens wegen ins Bad, dem rechne Bad, Herberge und Verköstigung teurer an denn einem anderen! Will er aber die Wahrheit von dir, so gib sie ihm unentgeltlich, denn darin ist er ein Armer! - So aber da kommt ein Weltkluger und will von dir die Wahrheit hören, dem gib sie nicht umsonst, sondern lasse dir bezahlen für ein jedes Wort einen Groschen, denn für solch einen Wahrheitssucher hat die Wahrheit erst dann einen Wert, so er durch vieles Geld zu ihrem Besitze gekommen ist! -
Wenn ein Armer hungrig zu dir gekommen ist, dem gib zu essen und zu trinken und entlasse ihn nicht als einen Armen von dir. Kommt aber einer, dem es ein Vergnügen macht, bei dir zu Tische zu sein, der zahle auch das, was neben ihm ein Armer verzehrt hat! - Jede Armut unterstütze umsonst, und jedes bloße Vergnügen lasse dir bezahlen!“ (Ev 5, Kap. 6, 5 ff)
Rechtes Gebet
Liebster, himmlischer Vater, o Herr und Meister! Ich danke dir für deine Belehrung, durch die wir in den Stand gesetzt worden sind, uns selbst zu erkennen und so auch das Reich Gottes in uns! Was wir zu tun haben, das wissen wir nun klarer als je zuvor. Und so wollen wir auch danach handeln und uns von der Welt nicht mehr irreführen lassen! Stärke Du mit deiner Gnade und Liebe unseren Willen, auf daß auch er stets gleichen Schrittes mit unserem Erkennen bis an das lichtvolle Ziel unseres Lebens wandle. Denn das Erkennen der Wahrheit genügt nicht, wenn an seiner Seite ein träger und schwacher Wille einhergeht! Der Wille aber ist die Kraft der Liebe in uns. Daher stärke, o Herr, in uns vor allem die Liebe zu Dir und zum Nächsten! (Ev 9, Kap. 101, 1)
Zum Herrn kommen Zöllner
und sagen: „Herr und Meister, wir sind große Sünder, die wir vermöge unseres Amtes schon mehrere Jahre lang nicht des Tempels Feste, Opferungen und Predigten besuchen konnten. Aber heute waren wir Deinetwegen im Tempel und vernahmen Deine Worte. Durch diese Worte wurden wir sehr erleuchtet, und wir haben für uns die Überzeugung gewonnen, daß Du unfehlbar der verheißene Messias bist, obgleich Dich die Pharisäer nicht als einen Solchen anerkennen wollen. - Wir entnahmen aber auch aus Deinen wahrhaftigen Worten, daß Du Selbst kein zu großes Wohlgefallen am Tempel hast.
Und so wollen wir Dich, Du Wahrhaftigster fragen, ob und wie wir von Gott die Vergebung unserer Sünden erlangen können. Dürfen wir noch hoffen, daß uns Gott barmherzig sein wird?“ - Sagt der Herr: „Höret, daß ihr vermöge eures Amtes den Tempel und seine Werke nicht besuchtet, das wäre gerade eure größte Sünde nicht. Aber ihr bedrücktet gar oft sehr die Armen, die euer Zollhaus passieren und habt auch oft denen, die für euch arbeiteten, den Lohn vorenthalten. Seht, das ist wahrhaft Sünde, und wer sie tut, kommt nicht in den Himmel, sondern in das Gericht und in den Tod! -
Denn wer keine Liebe zu seinen Nächsten hat, der hat umso weniger eine Liebe zu Gott, Den er doch über alles lieben soll. Denn wer schon seinen Nächsten nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, Den er nicht sieht?! Die Liebe zu Gott und daraus die Liebe zum Nächsten aber ist das Leben der Seele. Wer dieses nicht hat, der hat auch kein Leben, sondern nur das Gericht und den Tod in sich. - Ich aber sage euch nun, daß von Mir aus euch eure Sünden vergeben sind, weil ihr solche erkannt, bereut und verabscheut habt. Aber es ist zur vollen Vergebung auch noch das höchst nötig, daß ihr, wo möglich, denen, die von euch irgendwie verkürzt worden sind, das Vorenthaltene ersetzet und daß ihr in Zukunft nicht mehr sündiget. Tuet also, so werdet ihr das ewige Leben ernten und eure Sünden sind euch völlig vergeben!“ (Ev 6, Kap. 206, 5 ff)
So jemand ein Gastmahl gibt
und ladet dazu seine reichen Nachbarn und Freunde, so hat er dadurch zwar nicht gesündigt, aber im Himmel wird er darum auch keinen Lohn zu erwarten haben, dieweil ihm solches seine Freunde hier entgelten können. Daher ladet die Armen zu Gaste und es wird euch das vergolten werden im Himmel, denn die Armen können es euch hier nicht vergelten! - So ist es auch mit denen, die ihr vieles Geld gegen Zinsen ausleihen und nach einer bestimmten Zeit das Kapital auch wieder zurückbekommen. Sie begehen dadurch, so sie keinen Wucher treiben, eben auch keine Sünde. Aber im Himmel werden sie dafür keine Zinsen zu erheben haben – wohl aber dafür, so sie auch den Armen in ihrer Not Geld ohne Zinsen und auch ohne Rückzahlung des Kapitals leihen. Also den Armen aller Art auf jede mögliche gute Weise helfen, ist das wahre Werk der Nächstenliebe. (Ev 6, Kap. 56, 13 ff)
Auch das ist Nächstenliebe,
daß man den bedrängten und unkundigen Menschen in allerlei guten und nützlichen Dingen mit gutem Rat beisteht. (Ev 6, Kap. 22, 12)
Die wahre Gottesverehrung
besteht darin, daß man an einen wahren Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, ungezweifelt glaubt, diesen Gott über alles liebt und nach Seinem Willen lebt und handelt und daß man auch seinen Nebenmenschen also liebt wie sich selbst. - Siehe, in diesen drei Stücken liegt die wahre Gottesverehrung. Alles andere aber ist eitel und hat vor Gott nicht den geringsten Wert! (Ev 7, Kap. 213, 6 ff)
Ein angenehmes Fest
wirst du Mir feiern, so du täglich nach deinen Kräften einen oder den andern Armen an deinem Tische sättigest. Ich will es aber auch nicht, daß du noch kräftigen Müßiggängern, die Arbeiten zu leisten fähig sind, das Brot der Armen teilen sollst. Wenn solche kommen, so gib ihnen eine ihren Kräften angemessene Arbeit. Werden sie dir diese verrichten, dann gib ihnen auch zu essen und zu trinken. Wenn sie aber die Arbeit nicht annehmen, so gib ihnen auch nichts zu essen! Denn wer die Kräfte hat, aber nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. (Ev 2, Kap. 157,7 ff)
Den wohlgefälligsten Dank
bringt Mir, wer Mich über alles liebt. Denn der opfert Mir gleich die ganze Welt. - Nebst der Liebe zu Mir aber gibt es noch eine andere Liebe, die Nächstenliebe. Die Armen am Geiste und an den nötigen irdischen Gütern sind die wahren Nächsten. Was jemand in Meinem Namen denen tut, das tut er Mir. - Wenn du aber Wohltaten an den Armen übst, da tue solches im Verborgenen mit aller Freundlichkeit und zeige es nicht der Welt, denn der Vater im Himmel sieht es. Und des freundlichen Gebers Gabe wird Ihm angenehm sein, und Er wird sie dem Geber hundertfach ersetzen. - Wer aber mit seinem Wohltun vor der Welt prunken will, der hat seinen Weltlohn sich auch schon genommen und fürder keinen mehr zu erwarten. (Ev 3, Kap. 112, 3 ff)
Seid wahrhaft vernünftig
und habt ein verständiges Herz, tut Gutes jedermann, der irgend eurer Hilfe bedarf! Ja, tut sogar euren Feinden Gutes und segnet jene, die euch fluchen! Dadurch werdet ihr Mir gleichen, denn Ich lasse Meine Sonne leuchten über Gute und Schlechte, und Meine ärgsten Feinde werden täglich aus Meiner allmächtigen Hand mit Wohltaten überhäuft. Nur über die zu argen Frevler wird Meine Rute geschwungen. Ja, ich sage es euch: Ihr alle seid Kinder Meines Herzens und Brüder Meiner Seele. Darum, so ihr betet, so betet nicht den Heiden und Pharisäern gleich mit den Lippen, mittelst Worten von der Fleischzunge gebildet, sondern betet, wie Ich es euch gesagt habe, im Geiste und in der Wahrheit durch lebendige Werke und Taten der Liebe an euren Nächsten, dann wird jedes Wort in Meinem Namen ein wahrhaftes Gebet sein, das Ich stets und unfehlbar erhören werde. Aber die Seufzer der Lippen erhöre ich nie. (Ev 3, Kap. 209, 4)
Die Armut
ist zwar eine große Plage für die Menschen, aber sie trägt den edlen Keim der Demut und Bescheidenheit in sich und wird darum auch stets unter den Menschen verbleiben. Dennoch aber sollen die Reichen sie nicht mächtig werden lassen, ansonst sie sehr gefährdet werden hier und dereinst auch jenseits. - Wenn ihr unter euch Arme habt, so braucht Ihr ihnen nicht zu geben, daß auch sie reich würden, aber Not sollet ihr sie nicht leiden lassen! Die ihr sehet und kennet, denen helfet nach Recht und Billigkeit. - Wer von euch ein Freund der Armen sein wird aus vollem Herzen, dem werde auch Ich ein Freund und ein wahrer Bruder sein zeitlich und ewig, und er wird nicht nötig haben, die innere Weisheit von einem andern Weisen zu erlernen, sondern Ich werde sie ihm in aller Fülle in sein Herz geben. Ich werde Selbst zu ihm kommen allzeit und Mich ihm treulich offenbaren. Seinem Geiste, der die Liebe ist, werde Ich's sagen, und dieser wird damit die ganze Seele erfüllen. (Ev 4, Kap 79, 3 ff)
Der gute Wille
ist die Seele und das Leben eines guten Werkes. Ohne den hätte auch das an und für sich beste Werk gar keinen Wert vor dem Richterstuhle Gottes. Hast du aber auch ohne alle Mittel den lebendig guten Willen, deinem Nächsten, so du ihn in irgendeiner Not erschaust, zu helfen und es wird dir darum schwer ums Herz, so du solches nicht vermagst, so gilt dein guter Wille bei Gott. - Aber hat ein Reicher eine verarmte Gemeinde nur darum wieder auf die Füße gestellt, weil die Gemeinde ihm, so sie wieder wohlständig wird, den Zehent und eine gewisse Untertänigkeit zugesagt hat, so ist sein ganzes gutes Werk vor Gott nichts, denn er hat sich seinen Lohn schon genommen. - Du siehst daraus, daß vor Gott und zum Vorteile des eigenen inneren, geistigen Lebens ein jeder Mensch, ob reich oder arm, die Nächstenliebe üben kann. Es kommt dabei nur auf einen wahrhaft lebendig guten Willen an. (Ev 4, Kap. 81, 6 ff)
Wer viel des Geldes hat,
der leihe es nicht stets nur denen, die ihm hohe und wucherische Zinsen und das Kapital zur bedungenen Zeit zurückbezahlen können, sondern auch den Armen, die ihm weder das Kapital, noch die Zinsen zurückerstatten können, so wird er sein Geld bei Mir guthaben, und Ich werde ihm schon hier zehnfach und jenseits hundertfach Kapital und Zinsen zurückbezahlen. Wer aber sein Geld nur allein denen leiht, die ihm zur bedungenen Zeit Kapital und Zinsen zurückbezahlen können oder in gewissen Fällen durch gerichtlichen Zwang zurückzahlen müssen, der hat seinen Lohn schon hier ganz genommen und hat von Mir keinen mehr zu erwarten, denn er hat dadurch nicht Mir, sondern nur der Welt und sich selbst gedient. -
Ihr werdet zwar sagen: „So man jemandem, der in Not steckt, ein Geld auf Zinsen leiht, so ist das ja auch eine Wohltat, denn dem Entleiher ist dadurch geholfen. Er ist vielleicht ein reicher Mann geworden und kann ja dann ganz leicht Kapital und Zinsen zurückerstatten. - Der Darleiher aber hat wagen müssen, sein Geld im ungünstigen Spekulationsfalle zu verlieren.“ - Dazu sage Ich: „Wer einem Mitmenschen in der Not Geld darleiht gegen die gesetzlichen Zinsen, der hat an ihm schon ein gutes Werk vollbracht, das auch in den Himmeln seine Würdigung finden wird.
Es ist dann auch die Pflicht des Entleihers, dem Darleiher nicht nur gewissenhaft das Entliehene samt den bedungenen Zinsen zurückzuerstatten, sondern so er viel gewonnen hat, soll er auch aus freiem Herzensantriebe den Gewinn mit dem Darleiher teilen, da er doch nur mit dessen Geld den Gewinn gemacht hat. Doch der Darleiher soll das nicht verlangen! - Wenn aber zu dem, der Geld zum Ausleihen hat, ein Armer kommt, von dem es nicht zu erwarten ist, daß er eine dargeliehene größere Summe ersprießlich und nutzbringend verwenden könnte oder möchte, da ist von Mir aus kein Mensch verpflichtet, solch einem Armen ein von ihm verlangtes Geld zu leihen – weil er auf diese Weise mutwillig sein Geld, ohne jemand damit wirklich zu nützen, gleichsam wegwerfen würde und dem armen Entleiher nur eine Gelegenheit bereitet hätte zu allerlei Ausschweifungen. Solch ein Werk wäre sonach nicht gut, im Gegenteile, wenn schon gerade nicht schlecht, so doch sehr dumm zu nennen – was weder Meiner Liebe und noch weniger Meiner Weisheit angenehm sein könnte. (Ev 4, Kap. 98, 1 ff)
Wer nur für sich allein spart
und im weiteren Sinne auch für seine Angehörigen, der spart nicht in Meiner Ordnung. Sondern wer da spart, damit er etwas habe, um zur Zeit der Not auch für andere arme Brüder etwas zu haben, den lobe Ich und segne seine Ersparnisse, und er wird niemals eine Not haben. - Ich sage nicht, daß jemand nicht sparen soll für seine Kinder und für sein Haus, denn es ist das jedes Elternpaares erste Pflicht. Aber es sollen dabei die fremden Armen nicht ausgeschlossen bleiben. Denn Ich lasse Meine Sonne ja auch in gleichem Maße über jene leuchten, die nicht Meine Kinder sind! - Wer da tun wird wie Ich tue, der wird auch sein wie Ich und wird dereinst auch dort sein, wo Ich ewig sein werde. Wer aber seinen Brüdern gegenüber knickert, dem gegenüber werde auch Ich knickern und sehr sparsam sein. (Ev 5, Kap. 168, 7 ff)
Gott wohlgefälliger Reichtum
Es gibt ein zweifaches Handeln: ein Handeln für die Welt aus Eigennutz – und ein rechtes Handeln in der Welt aus wahrer Liebe zu Gott und aus Liebe zum Nächsten. Aus dem ersten Handeln gewinnt der Mensch das Gericht und leicht den ewigen Tod, aus dem zweiten Handeln aber die Liebe und Gnade Gottes und das ewige Leben der Seele. - Ich sage damit nicht, daß jemand nicht mit allem Fleiße die Erde bebauen soll und daß er nicht sparsam sein soll. Denn Ich Selbst empfehle jedermann allen Fleiß und eine gerechte Sparsamkeit. Aber das alles tue man darum, um einen gerechten Vorrat zu haben, um zu jeder Zeit der Armut beistehen zu können. -
Sehet unsern Lazarus an, der nun irdisch wohl einer der reichsten Menschen von ganz Judäa ist! Er ist jedoch nicht reich für sich, sondern für viele tausend Arme, die bei ihm Arbeit und ein gerecht-gutes Unterkommen allzeit finden. Darum ist er aber auch gesegnet, und so er dem Leibe nach stürbe, da will Ich ihn auferwecken, auf daß er noch lange für die Armen lebe. Und hinfort soll er keinen Tod mehr sehen, fühlen und schmecken, sondern es wird ihm freistehen, seinen Leib zu verlassen und in Mein ihm stets offen stehendes Reich einzugehen. - In der Wohnung, wo Ich ewig wohnen werde, da wird auch er wohnen ewiglich! - Ihr sehet daraus, daß Ich nicht nur ein Freund der Armen, sondern auch ein Freund der Reichen bin, wenn sie ihren Reichtum nach der wahren und rechten Absicht Gottes benützen und gebrauchen. Wer reich ist, der tue also, und er wird leben! (Ev 6, Kap. 227, 6 ff)
Menschen, die durch ihrer Hände Fleiß
reich geworden sind unter dem Einfluß der Gnade aus den Himmeln, sind eine gute und edle Frucht dieser Erde. Sie sind fortwährende Sammler für die Schwachen und Armen, erbauen stets neue Wohnstätten für die Obdachlosen und weben Kleider für die nackten Brüder und Schwestern. Daher wird auch ihr Lohn dereinst groß sein, denn sie tragen ja den schönsten und höchsten Himmel schon auf dieser Erde in sich! Wenn dereinst ihre Seele den Leib verlassen wird, so wird aus ihrem Herzen der Himmel sich ausbreiten, gleichwie die aufgehende Sonne ausbreitet ihr Licht und pranget dann im großen Zentrum ihres alles belebenden und schaffenden Wesens! -
Ja, Meine Freunde! Reich sein auf dieser Erde und für sich nur so viel verwenden, als man zur Erhaltung seiner selbst höchst nötig braucht, also karg sein gegen sich, um desto freigebiger gegen die Armen sein zu können, dies ist die größte Gottähnlichkeit schon im Fleische dieser Erde! Aber je größer diese echte und allein wahre Gottähnlichkeit bei einem Menschen ist, desto mehr Segen und Gnade fließt ihm auch stets aus den Himmeln zu! Darum seid, ihr mit den Gütern dieser Erde reichlich Versehenen, freigebig gleichwie die Sonne am Himmel mit ihrem Lichte, so werdet ihr auch sein und ernten gleich der Sonne! (Ev 3, Kap. 192, 8 ff)
Fröhliches Wohltun
Was du tust oder gibst, das tue und gib mit vielen Freuden. Denn ein freundlicher Täter und Geber hat einen Doppelwert vor Gott und ist der geistigen Vollendung auch ums Doppelte näher! Sein Herz gleicht einer Frucht, die leicht und früh reif wird, weil sie in sich eine Fülle der rechten Wärme hat, in welcher das Element des Lebens waltet. - Ein sonst noch so eifriger Geber und Wohltäter ist von dem Ziele der wahren, geistigen Vollendung um so entfernter, je saurer und unfreundlicher er beim Geben und Tun ist. Denn das unfreundliche und saure Gebaren hat noch etwas materiell Weltliches in sich. - Du sollst beim Geben oder Tun auch nicht ernste und bittere Ermahnungen mitgeben.
Denn diese erzeugen bei dem armen Bruder leicht eine Traurigkeit, und er fängt an, sich im Herzen sehr danach zu sehnen, von dem ihn stets mit ernster Miene ermahnenden Wohltäter ja nichts mehr annehmen zu müssen. Den Wohltäter aber machen solche unzeitige Ermahnungen nicht selten ein wenig stolz. Und der Bewohltätigte fühlt sich dadurch tief unter die Füße des Wohltäters geworfen und empfindet da erst so recht seine Not. - Ein freudiger und freundlicher Geber dagegen hat einen großen Vorzug vor dem grämlichen Mahnprediger, weil er das Herz des Nehmers tröstet, erhebt und in eine dankbare Stimmung versetzt. Auch erfüllt es den Nehmer mit einem liebevollen und gedeihlichen Vertrauen gegen Gott. Und sein sonst so schweres Joch wird ihm zu einer leichteren Bürde, die er mit mehr Geduld und Hingebung trägt als zuvor. (Ev 4, Kap. 81, 11 ff)
Durch ein rechtes Fasten und Beten
wird die Seele freier und geistiger. Aber selig wird niemand durchs pure Fasten und Beten, sondern nur dadurch, daß er an Mich glaubt und den Willen des Vaters im Himmel tut. Das kann aber jedermann auch ohne die gewissen Fasten und ohne das Sich-Enthalten von gewissen Speisen und Getränken. - Wer aber irgendeinen Überfluß hat und übt wahrhaft die Nächstenliebe, der fastet wahrhaft, und solch ein Fasten ist Gott wohlgefällig und dem Menschen zum ewigen Leben dienlich. Wer ferner vor Gott wahrhaft und zum ewigen Leben der Seele verdienstlich fasten will, der enthalte sich vom Sündigen aus Liebe zu Gott und zum Nächsten, denn die Sünden beschweren die Seele, daß sie sich schwer zu Gott erheben kann. - Wer da gleich den Pharisäern und anderen Reichen Fraß und Völlerei treibt und für die Stimme der Armen taub ist, der sündigt gegen das Fastengebot, also auch ein jeder Hurer und Ehebrecher. -
Wenn dich das üppige Fleisch einer Jungfrau oder gar das des Weibes eines andern anzieht und verlockt, so wende deine Augen ab und du hast dadurch wahrhaft gefastet. - Wenn dich jemand beleidigt und erzürnt hat, dem vergib; gehe hin und vergleiche dich mit ihm, und du hast dadurch gültig gefastet. - Wenn du dem, der dir Böses zugefügt hat, Gutes erweisest und den segnest, der dir flucht, so fastest du wahrhaft. - Was zum Munde eingeht zur Ernährung und Kräftigung des Leibes, das verunreinigt den Menschen nicht. Aber was aus dem Munde kommt als Verleumdung, unflätige Reden, Fluch, falsches Zeugnis und Gotteslästerung, das verunreinigt den Menschen. Und wer solches tut, der ist es, der wahrhaft das wahre Fasten bricht. - Denn wahrhaft fasten heißt, sich selbst in allem verleugnen, seine ihm zugewiesene Bürde geduldig auf seine Schultern legen und Mir nachfolgen. (Ev 7, Kap. 85, 5 ff)
Alle scharfen Bußpredigten
und Drohungen, in welchen nicht Meine große Liebe und Barmherzigkeit gepredigt wird, sondern vielmehr die Seele durch Straf- und Todandrohungen geängstigt und, wenn es hoch kommt, zu einem heuchlerischen Bekenntnisse gezwungen wird, haben keinen Segen von Mir. Nur wer aus Liebe zu Mir und zu seinem Mitmenschen die Seelen freundlich zu belehren und Mir zuzuführen sucht, der steht mit Mir in wahrer Verbindung. Und Ich werde ihn einst als wahren Bruder oder wahre Schwester in Mein Reich einführen. (Vb 8, S 158)
Wo wir sehen, daß Hilfe not tut,
sollen wir helfen, auch ohne darum gebeten zu sein. Wer erst hilft, wenn er gebeten wird, ist vom Ebenmaße Gottes noch weit entfernt. (Ev 2, Kap. 79, 6 ff)
Wollet ihr ein gottwohlgefälliges Haus,
dann erbauet ein Hospital für Kranke, Bresthafte, Krüppel, Blinde und Stumme und ein Haus für arme Witwen und Waisen! - Denn der Herr hat Selbst dafür geredet, indem er sprach: „Was ihr tut dem Geringsten unter den Armen, das habt ihr Mir getan!“ (Lao Kap. 3, 13 ff)
Das ist das Größte,
was jemand tun kann, daß er den armen Bruder und die arme Schwester versorgt und das Alter unterstützt und sich liebevollst der Kleinen annimmt. Wer solches tut aus der reinen Liebe zu Mir und aus dieser Liebe heraus zu den Brüdern und Schwestern – Ich sage dir, und hätte er Sünden, soviel da ist des Sandes im Meere und des Grases auf der Erde, wahrlich, sie sollen ihm alle erlassen werden! (H 2, Kap. 93, 6 ff)
Die Morgen- und die Abendblume
Die Chinesin Chancha erzählt: Siehe, als ich ein Mädchen war von etlichen 13 Sonnenjahren, da fragte ich die Mutter, wie man es denn so ganz eigentlich anstellen solle, um den heiligen Lama über alles zu lieben! - Da sprach die weise Mutter: „Höre, du meine geliebte Tochter, pflanze du im Garten zwei gleiche Blumen, eine gegen Morgen. Diese weihe dem Lama. Und die andere gegen Abend. Diese weihe den Menschen! Pflege beide gleich, und siehe wie sie wachsen und sich entfalten werden! Wird die Abendblume besser gedeihen als die Morgenblume, so wird das ein Zeichen sein, daß du die Welt mehr liebst, als den heiligen Lama. Wirst du aber an den beiden Blumen das Gegenteil bemerken, dann ist deine Liebe zum Lama stärker als die zu den Menschen!“ -
Ich tat sogleich, was mir meine weise Mutter riet. Da ich aber fürchtete, die Blume Lamas möchte etwa vor der der Menschen zurückbleiben, so pflegte ich sie heimlich doppelt mehr als die der Menschen. Aber siehe, ach, trotz meines großen Eifers in der Pflege der Blume Lamas blieb sie dennoch zurück in der Entwicklung! - Ich sagte das alles der Mutter, und diese beruhigte mich durch ihre weise Lehre, indem sie sagte: „Siehe, du mein liebstes Töchterchen, der Lama hat dir dadurch anzeigen wollen, daß du Ihn, Der im ewig unzugänglichen Lichte wohnt, nur dadurch über alles lieben kannst, daß du die Menschen wie dich selbst liebst. Denn wer diese nicht liebt, die er doch sieht, wie kann er den Lama lieben, den er nicht sieht?!“ - Darauf begoß ich dann die Abendblume öfter als die Morgenblume. Und siehe, da wucherte die Morgenblume gewaltig vor der Abendblume! (BM Kap. 109, 6 ff)

IV. Feindesliebe
Der Weg zum Leben des Geistes
ist ein dorniger und schmaler, das will soviel sagen als: Alles, was dir in diesem Leben von seiten der Menschen auch immer Ärgerliches, Bitteres und Unangenehmes begegnen kann, das bekämpfe du mit aller Geduld und Sanftmut. Und wer dir Übles tut, dem tue nicht wieder dasselbe zurück, sondern das Gegenteil, so wirst du glühende Kohlen auf seinem Haupte sammeln! Wer dich schlägt, dem vergelte nicht gleiches mit gleichem! Nimm lieber noch einen Schlag von ihm, auf daß Friede und Einigkeit zwischen euch sei und bleibe, denn nur im Frieden gedeiht das Herz und des Geistes Wachstum in der Seele. (Ev 4, Kap. 78, 5)
Richtet niemanden,
so werdet auch ihr dereinst nicht gerichtet werden! Ebenso verdammet und verfluchet auch niemanden, auf daß dereinst auch ihr nicht verdammt und verflucht werdet! - Denen, die euch Arges tun, erweiset Gutes, und ihr werdet eben dadurch glühende Kohlen über ihre Häupter streuen und sie zu euren Freunden machen! Ebenso segnet auch die, welche euch hassen und fluchen, und sie werden zur Reue gelangen! Vergebet euren Feinden siebenundsiebzig Male! Werden sie dadurch nicht besser, so könnet ihr die Sache bei einem Weltrichter anzeigen und der unverbesserliche Feind soll aus der Gemeinde gestoßen werden!
Denn wer da unverbesserlich Arges tut, der soll auch, auf daß durch ihn die Nebenmenschen nicht länger geärgert werden, gezüchtigt werden! Darum seid auch der weltlichen Obrigkeit stets untertan, ob sie mild oder strenge ist. Denn sie hätte keine Macht, so sie ihr nicht der vielen unverbesserlichen Sünder wegen von oben verliehen wäre! - Aber ihr sollet darum nicht klagsüchtig sein und ohne eine dringende Not nicht zu den Weltrichtern laufen. Denn was ihr nicht wollet oder wünschet, daß es euch begegne, damit verschonet auch eure Nebenmenschen, solange es möglich ist. Nur offenbare Diebe und Räuber und zu arge Hurer und Ehebrecher möget ihr den Gerichten überliefern und desgleichen den, der einen Mord begangen hat. Aber ihr sollet dabei nicht erbost werden, sondern nur tun, was da not tut, alles andere überlasset Mir und den Richtern! (Ev 9, Kap. 159, 14 ff)
Behandlung von Übeltätern
Es versteht sich von selbst, daß man die Diebe, Räuber und Mörder einfangen und in die Zwinger tun muß. Denn diese sind gleich den wilden, reißenden Bestien, die Tag und Nacht auf Raub lauern. Auf solche eine gerechte Jagd zu machen ist sogar eine Pflicht der Engel im Himmel. Aber vernichten soll sie niemand, sondern in den Zwinger tun und sie allda sänften und zähmen! Nur bei einer gewaltsamen Gegenwehr sollen sie verstümmelt und bei hartnäckigem Widerstande auch getötet werden dem Leibe nach! Denn da ist eine tote Hölle besser als eine lebendige. - Aber wer immer einen Dieb, Räuber oder Mörder im Zwinger noch weiter richtet und tötet, der wird von Mir einst mit zornigen Augen angesehen werden. Denn je schärfer die Menschen ihre Übeltäter richten und strafen, desto grausamer, vorsichtiger und heimlicher und hartnäckiger werden die noch in der Freiheit befindlichen Übeltäter sich gestalten. -
Nimm du aber das scharfe Gericht hinweg und gib allen Menschen den weisen Rat, daß sie dem, Der von jemandem einen Rock verlangt, auch den Mantel hinzugeben sollen, so werden zwar die Diebe noch kommen und dieses und jenes von euch verlangen, aber rauben und morden werden sie nicht! - So aber die Menschen aus wahrer Liebe zu Mir und zu ihren Brüdern und Schwestern nicht mehr die vergänglichen Güter dieser Erde zusammenhäufen, sondern einfach und schlicht einhergehen wie Ich, dann wird es alsbald weder Diebe noch Räuber und Mörder geben! (Ev 1, Kap. 75, 5 ff)
Recht zur Notwehr
Petrus sagt: „Ich sehe es wohl ein, daß man sogar seine Feinde lieben soll, für die beten, die einem fluchen und denen Gutes tun, die einem Böses tun. Aber da kommt mir noch so manches ungerade vor und das darum, weil dadurch die Notwehr ganz beiseitegesetzt wird! Man kann dies wohl beachten gegen Menschen, die es in ihrer Bosheit nicht zu weit treiben. Aber gegen Menschen, die beharrlich zu wahren Erzteufeln geworden sind, sollte Deine Lehre Ausnahmen machen! Es würde mir gerade nichts machen, dem, der mir bei irgendeiner Gelegenheit eine mäßige Ohrfeige versetzt hat, am Ende auch den anderen Backen hinzureichen, damit Friede und Einigkeit zwischen uns würde. Aber was dann, so mein Gegner mich mit seiner ersten Ohrfeige schon beinahe totgeschlagen hat? Soll ich da nicht lieber zu einer Gegenwehr schreiten, so mir diese in irgendeiner Art möglich wäre, als mich von solch einem zornigen Simson ganz totschlagen lassen?“ -
Dem Petrus erwiderte der Herr: „Es ist ganz klar, daß man einem erzbösen Menschen durch eine zu große Gegenfreundschaft nicht noch mehr Gelegenheit verschaffen soll, daß er dadurch in seiner Bosheit wachse und noch ärger werde als vorher. In diesem Falle wäre eine fortgesetzte Nachsicht nichts anderes, als eine wahre Hilfeleistung für des Feindes wachsende Bosheit. Dafür aber habe Ich in dieser Welt zu allen Zeiten strenge Richter aufgestellt und ihnen das Recht erteilt, die zu schlecht und böse gewordenen Menschen, nachdem sie es verdient haben, zu züchtigen und zu strafen und habe euch darum auch das Gebot gegeben, daß ihr der weltlichen Obrigkeit untertan sein sollt, ob sie sanft oder strenge ist.
Wer demnach einen so argen Feind besitzt, der gehe zum Weltrichter hin und zeige ihm solches an, und dieser wird dem schon erzböse Gewordenen seine Bosheit austreiben! Geht das mit puren körperlichen Züchtigungen nicht, so geht es am Ende wirksam durch das Schwert! - Und so ist es auch der Fall mit der Ohrfeige. Erhältst du sie von einem minder bösen Menschen, den eine plötzliche Aufwallung seines Gemütes dazu verleitet hatte, so wehre dich nicht, auf daß er dadurch, daß du ihm mit keiner Ohrfeige entgegenkommst, besänftigt wird, und ihr werdet darauf leicht ohne Weltrichter wieder zu guten Freunden werden! Aber so dir jemand mit einer mörderischen Ohrfeige in voller Wut entgegenkommt, so hast du auch ein volles Recht, dich zur Gegenwehr zu stellen. (Ev 10, Kap. 215, 5 ff)
Schönheit göttlicher Liebe
Der Herr spricht zu Maria: Du bist nun darum so schön vor allen Engeln der Himmel, weil in deinem Herzen eine so große Barmherzigkeit aufgegangen ist, die der Meinen nahe gleichkommt! Denn siehe, seine Feinde gerecht und menschlich einer Buße zu unterziehen ist zwar gerecht und wohlgefällig und es soll allezeit also auch sein auf der Erde. Aber seinen Feinden von ganzem Herzen ihre Schuld vergeben und ihnen dazu noch Gutes tun und sie segnen, siehe, das ist rein göttlich! Das bringt nur die endlose Kraft der göttlichen Liebe zuwege, denn die menschliche ist dafür zu schwach! - Weil du aber eben solches getan hast, wie es Gott tut, darum bist du nun so schön. Denn Gott ist die allerhöchste Schönheit wie die höchste Liebe. (Jug, Kap. 255, 15 ff)
Feindesrache aus dem Jenseits
Wer da glaubt, daß er sich seines Feindes entledigt habe, so er dessen Leib tötete, der ist mit Blindheit geschlagen! Denn dadurch hat er sich aus einem schwachen Feinde, den er sehen konnte, tausend unsichtbare gemacht, die ihn Tag und Nacht verfolgen und ihm Schaden zufügen an Leib, Seele und Geist! - Siehe an einen Krieg, durch den nicht selten viele Tausende dem Leibe nach getötet werden! Der Sieger meint nun, er habe sich seiner Feinde entledigt, so er sie seiner blinden Idee nach leiblich vernichtet hat. Aber wie ungeheuer groß irrt er sich da! Die Seelen und Geister der Getöteten verheeren dann mehrere Jahre hindurch zufolge ihres unmittelbaren Einflußes auf die Witterung der Erde die Fruchtsaaten jeder Art und Gattung, rufen dadurch die unvermeidliche Teuerung der Nährmittel hervor, diese verursacht Hungersnot und diese allerlei tödliche Seuchen und Pestilenz!
Diese rafft dann in kurzer Zeit mehr Menschen hinweg, als er seinem Feinde Krieger getötet hat. Dadurch in seiner Macht geschwächt, die ihm sein Land geben soll, muß er, um zu bestehen, fremder Lande Krieger um einen teuren Sold anwerben. Dadurch verschuldet er sich und sein Land. Und wenn er nach etlichen Jahren sein Land und Volk ganz ausgesogen hat und seine Schulden und Soldaten nicht mehr bezahlen kann, so wird er bald unter vielen Verwünschungen von allen Seiten her verfolgt werden. Sein Volk, das er eroberte, wird sich, von zu großer Not gedrückt, wider ihn erheben, und die äußeren Feinde werden diese Gelegenheit auch nicht unbenützt vorübergehen lassen und werden sich wider ihn aufmachen. -
Darum ist es eine uralte Regel und Sitte, daß sich mit einem dem Leibe nach Sterbenden alle ihm Nächststehenden versöhnen und sich von ihm segnen lassen. Denn stirbt er als jemandes Feind, so ist der zu beklagen, der ihn als Gegner überlebt. Denn fürs erste wird die freigewordene Seele des Überlebenden Gemüt in der Gestalt von unausstehlich quälenden Gewissensbissen martern und fürs zweite wird sie alle auf den Überlebenden Bezug habenden irdischen Umstände so leiten, daß dieser nicht leichtlich wieder auf einen grünen Zweig kommen wird! Darum ist es überaus nötig, auf dieser Welt Liebe und Freundschaft zu üben und irgendeinem Feinde lieber Gutes als Böses zuzufügen und den zu segnen, der mir fluchet. Denn ich kann nicht wissen, wann der Herr ihn von dieser Welt abruft. (Ev 1, Kap. 79, 7 ff)
Wer Böses tut
und kennt es nicht, der soll belehrt werden. Desgleichen auch, wer es tut in der Not! - Wer aber das Gute kennt, tut aber dennoch aus purem satanischen Mutwillen Böses, der ist ein Teufel aus dem Fundamente der Hölle und muß mit Feuer gezüchtigt werden. (Jug, Kap. 252, 20 ff)
Den Trotzigen wirst du nie mit Gegentrotz gewinnen,
nicht einmal dein eigenes Kind! Denn zwei Kräfte gleicher Art können nie eins werden, sondern eine strebt der anderen entgegen und sucht sie zu vernichten. Darum können zwei Steine nicht den Platz des einen einnehmen. Hast du aber nie beobachtet, wenn der schwächere Stein dem stärkeren nachgibt?! Welcher folgt nun dem anderen, und wer wird des anderen Führer? Wahrlich, der Stärkere sicher nicht, der den Schwächeren aus seiner Lage schob, sondern der Schwächere, der dem Stärkeren wich! - Darum gehe hin zu deinen Brüdern und tue desgleichen, so wirst du auch ihr Führer und Meister werden. (H 1, Kap. 174, 16 ff)
Am besten ist,
wenn der Mensch stets sagt: „O Herr, sei mir Sünder gnädig!“ - und urteilet über niemand Arges, betet für seine Feinde und tut sogar jenen zu aller Zeit Gutes, die Übles von ihm reden und womöglich ihm auch Übles zufügen. (Ev 2, Kap. 209, 3)
Ein rechter Held
Wie arg der Satan diese Erde zugerichtet, weiß Ich am besten. Und Ich hätte Macht genug, ihn völlig zu vernichten. Aber Meine große Liebe und Geduld läßt solches niemals zu. Wer ein rechter Held sein will, der darf den Feind nicht verderben, sondern muß sich alle erdenkliche Mühe nehmen, ihn mit aller Klugheit, Geduld, Liebe und Weisheit zu gewinnen. Dann erst kann er sich rühmen, einen wahren Sieg erkämpft zu haben. Und der erkämpfte Feind wird selbst sein größter Lohn sein. (Ev 1, Kap. 201, 14 ff)

V. Liebe und Weisheit
Darin liegt die höchste Weisheit,
daß ihr weise werdet durch die lebendige Liebe. Alles Wissen ohne die Liebe ist nichts nütze! Darum bekümmert euch nicht so sehr um ein vieles Wissen, sondern daß ihr viel liebet, so wird euch die Liebe geben, was euch kein Wissen je geben kann. (Ev 4, Kap. 1, 9)
Ich bin der Weg,
die Wahrheit und das Leben. Wer Mich wahrhaft liebend in seine Seele aufgenommen hat, aber nicht nur gläubig bloß, dem vernommenen Worte nach, sondern vollkommen der Tat nach – zu dem werde Ich allezeit im Geiste kommen und Mich ihm offenbaren und werde ihn erleuchten wie eine hell aufgehende Sonne die finsteren Gefilde der Erde. - Mit einem inneren, geistigen Blicke wird er mehr vom tiefsten Grunde aus kennenlernen als durchs Lesen und bloße Studieren in tausend Jahren. (Ev 5, Kap. 124, 7)
Liebe ist die Wurzel aller Weisheit,
daher liebet, wollt ihr wahrhaft weise werden! So ihr aber liebet, da liebet der Liebe und nie der Weisheit wegen, so werdet ihr wahrhaft weise sein! (H 1, Kap. 90, 13)
Wer die Liebe hat,
das heißt, die reine Liebe zu Gott und aus dieser Liebe heraus zu allen seinen Brüdern, der hat alles, ja er hat das ewige Leben und alle anschaulich klare, heilige Weisheit, nicht eine finstere Gedankenweisheit der Welt, die zu gar nichts taugt, als allein den lebendigen Menschen nach und nach zum Tode zu reifen. (H 1, Kap. 174, 10)
Licht durch Tätigkeit
Wer durch Befolgen des Wortes Gottes seine Seele stets in eine größere Tätigkeit versetzt, in dessen Seele wird es stets heller und lebenswärmer. Sie erkennt sich und die in sie einfließende göttliche Kraft immer heller und reiner. Damit erkennt sie Gott und muß Ihn auch stets mehr lieben, wird mit der Ordnung des Geistes Gottes in ihr stets einiger und wird schließlich vom Geiste Gottes ganz durchdrungen und ein Kind Gottes. (Ev 5, Kap. 123, 1 ff)
Vom Gottsuchen
So du zu Ihm, deinem Gott und Vater in Jesu gehst, da gehe in der Liebe deines Herzens zu Ihm und nicht mit dem bloßen Verstande! Denn nur durch die Liebe kannst und wirst du Ihn gewinnen und Ihn in Seiner Göttlichkeit auch begreifen. Mit dem Verstande aber wirst du ewig nichts ausrichten! Denn nur die reine Liebe ist einer ewigen, endlosen, dem Wesen Gottes entsprechenden Steigerung fähig, während dem Verstand enge Grenzen gesetzt sind, über die er nicht zu klettern vermag. (Ev 4, Kap. 77, 9)
Kopfverstand und Herzenslicht
Siehe, ein jeder Mensch hat ein doppeltes Erkenntnisvermögen: ein äußeres, das da ist der Kopf- oder eigentliche äußere Seelenverstand. Mit diesem Erkenntnisvermögen läßt sich das göttliche Wesen nie erfassen und begreifen, weil es der Seele gerade nur darum gegeben ward, um das Äußere der Welt zu erkennen. - Aber die Seele hat noch ein anderes Vermögen, das da nicht in ihrem Kopfe, sondern in ihrem Herzen Wohnung hat. Dieses Vermögen heißt inneres Gemüt. Hat dieses einmal den Begriff vom Dasein Gottes in sich aufgenommen, so wird dieser Begriff sogleich von der Liebe umfaßt und durch ihren Willen festgehalten – welches Festhalten dann glauben heißt. - Durch diesen Glauben, der lebendig ist, wird der wahre, göttliche Geist im Menschen erweckt. Und der beschaut seinen Wecker, erkennt und ergreift ihn dann auch sogleich, richtet sich auf wie ein mächtiges Licht aus Gott und durchdringt die Seele und umwandelt in ihr alles ins Licht. Und dieses Licht ist dann der eigentliche Glaube, durch den jede Seele selig werden kann. (RB 1, Kap. 35, 2 ff)
Gott ist die Liebe
und kann darum auch nur durch die Liebe gefunden werden. Aber die Mich suchen mit ihrem hochmütigen Verstande, die werden Mich nicht finden in Ewigkeit... Mit den Ohren kann man nicht sehen und mit den Augen nicht hören. Jeder Sinn hat seine eigentümliche Einrichtung und ist daher für eine gewisse Verrichtung bestimmt. Ebenso hat das Herz des Menschen, das mit Gott zunächst verwandt ist, allein die Bestimmung, Gott zu suchen und auch zu finden und dann aus dem gefundenen Gott zu nehmen ein neues, unverwüstliches Leben. - Der rechte und lebendige Sinn des Herzens aber ist die Liebe. Wer demnach diesen innersten Lebenssinn recht erweckt und mit ihm Gott zu suchen beginnt, der muß Gott auch ebenso bestimmt und beschaulich finden, wie jeder Mensch, so er nicht völlig blind ist, mit seinem Auge die Sonne alsogleich finden und ihre Lichtgestalt schauen wird. (Ev 3, Kap. 110, 11 ff)
Viel Wissen – viel Liebe
Siehe, viel Wissen macht den Kopf schwer und das Erdenleben unbehaglich. Aber viel Liebe im Herzen zu Gott und deinen Brüdern macht das Erdenleben angenehm und benimmt alle Furcht vor dem Tode. Denn diese Liebe ist ja in sich das ewige Leben. Wer aber das hat, der wird dereinst auch zu schauen bekommen alle Schöpfung. Denn die wahren Liebhaber Gottes werden erschauen Sein Angesicht. (Jug, Kap. 174, 13 ff)

VI. Liebe und Glaube
Wahrer Glaube
Wer da nicht glaubet in der reinen Liebe seines Herzens, dessen Glaube ist soviel wie nichts und hat vor Mir keinen Wert. Ihr möget zahllose Male „Jehova!“ rufen und sagen: „Großer, erhabener, mächtiger Gott, Schöpfer aller Dinge, lieber Vater usw.“ - allein wahrlich, es ist euch viel besser, in dieser Hinsicht eure Lippen, Zunge und Kehle zu schonen, denn alles solche leere Glaubensgeplärre wird nie zu Meinen Ohren gelangen. - Wer zu Mir will, der muß Mich lieben wie eine reine Braut ihren Bräutigam, wobei sich nur allein die Herzen anziehen. Gott erkennen ist wohl ein Wachwerden der Liebe, aber noch nicht das wahre Gott-Lieben selbst. - Gott lieben heißt völlig leben in Ihm. (H 1, Kap. 134, 16 ff)
Es genügt zum wahren Leben nicht,
daß da jemand nur wisse, glaube und sage: „Es ist ein Gott!“ - Wahrlich solches ist nicht schwer. Aber um vieles schwerer und mehr sagend ist es, einen Gott über alles zu lieben, obgleich man Ihn nicht sieht. - Wer Gott stets mehr und mehr erkennt durch sein emsiges Forschen nach Ihm in Seinen Werken, der wird Ihn auch stets mehr und mehr lieben müssen, indem er stets heller erkennen wird, daß Gott in Sich die allerreinste, das heißt, alleruneigennützigste Liebe und die allerhöchste und allerheiligste Weisheit Selbst ist. Daher sei jedermanns vorzüglichstes Geschäft, Gott zu erkennen, damit er Ihn dann über alles zu lieben vermag. - Das ist aber dann auch das ewige Leben. Denn aus der Liebe des allgültigen, allerheiligsten Vaters sind wir hervorgegangen und können daher auch nur wieder zu Ihm gelangen durch die Liebe. ( H 2, Kap. 215, 8 ff)
Wer an Mich glaubt, aus dessen Lenden
werden, wie die Schrift sagt, Ströme des lebendigen Wassers fließen. Dieser Text (Johs. 7, 38) ist gegeben wie eine Mausefalle und ist gemacht wie eine Grube, in der man Löwen, Panter und Tiger fängt. Auch ist er wie ein Eckstein, über den gar viele in der Nacht stolpern und sich gewaltig zerfallen. - Warum das? - Ich gebot hie und da den Glauben – und predigte allenthalben die Liebe durch Tat und Worte. Ich sagte: „So ihr Glauben hättet, möget ihr Berge versetzen!“ Und hinwieder sagte Ich: „Seid Täter und nicht alleinige Hörer Meines Wortes!“ - Nun frage Ich: Was soll denn der Mensch tun? Soll er sich einerseits bloß begnügen mit dem angeratenen Glauben oder soll er sich nur an die Liebe halten und nichts glauben, als was ihm die Liebe zu Mir eingibt, die er sich durch die Tätigkeit nach Meinem Worte zu eigen gemacht hat? -
Die Pharisäer glaubten eisenfest an die Satzungen Mosis, und das aus zeitlichen und einst auch geistigen Rücksichten. Und dennoch wurden sie sämtlich von Mir ihres Unglaubens willen zu öfteren Malen auf das allerempfindlichste angegriffen! Warum begnügte Ich Mich nicht mit ihrem festen Glauben? Warum ließ Ich den das Gesetz allzeit erfüllenden Pharisäer ungerechtfertigt und den mit Sünden belasteten Zöllner gerechtfertigt aus dem Tempel ziehen? - Aus euch selbst möchtet ihr aus diesem Labyrinthe wohl nimmer den Ausweg finden.
Und so höret denn: Wenn Ich vom Glauben sprach, so verstand Ich darunter allezeit den lebendigen, also mit Liebe gepaarten Glauben! Aber einen Glauben für sich allein verwarf Ich allezeit. Und wenn Ich in der Schrift sage: „Wer an Mich glaubt, aus dessen Lenden werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!“ so sage Ich soviel als: Wer einen lebendigen, also mit Liebe gepaarten Glauben hat, der wird in die Weisheit und Kraft der Himmel eingeführt werden. (Schrift, Kap. 34, 1 ff)
Der lebendige, fruchtbare Glaube
Daß auf den alleinigen Glauben kein Himmel verheißen ist, lehrt euch eure eigene Erfahrung! Denn ihr habt ja auch an Mich von Kindheit an geglaubt. Fraget euch aber selbst, wie viele Tropfen irgendeines lebendigen Wasser darum „eurem Wesen entströmt“ sind! Habt ihr es durch euren viele Jahre alten Glauben dahin gebracht, daß ihr z.B. die Unsterblichkeit eurer Seele vollkommen klar empfunden hättet?! Noch seid ihr in so manchem über euer inneres Fortbestehen nach dem Tode des Leibes nicht im reinen! - Und wo sind die sonstigen lebendigen Wirkungen bei euch Gläubigen? - Aus dieser eurer eigenen Erfahrung könnet ihr hinreichend abnehmen, daß Ich in jenem Texte unmöglich den alleinigen Glauben verstanden habe, sondern nur den mit der Liebe zu Gott und dem Nächsten gepaarten! Denn der alleinige Glaube für sich kann ebensowenig Ersprießliches zum ewigen Leben wirken, als ein Ehegatte mit und aus sich selbst Kinder zu zeugen vermag. Er muß sich mit einer Gattin vermählen und kann dann erst im Brande seiner Liebe mit ihr Kinder zeugen. (Schrift, Kap. 34, 24 ff)
Gleichnis von der Börse
Wenn irgendwo in Meinem Worte vom Glauben die Rede ist, da ist derselbe allezeit also so zu nehmen, wie wenn ihr von eine Börse redet. Wenn jemand sagt: „Ich habe ihm meine Börse gegeben!“ - da versteht sich das „gefüllt“ von selbst, denn mit einer leeren Börse wird niemandem gedient sein. - So ist es auch der Fall mit dem Glauben – von Meiner Seite aus betrachtet. Ich verstehe darunter nie den leeren, sondern allezeit den mit Liebe gefüllten! Und wollet ihr Ströme des lebendigen Wassers aus euren Lenden fließen sehen, so muß euer Glaube durch die Werke der Liebe lebendig werden! (Schrift, Kap. 34, 30 ff)
Der allerfesteste Glaube ohne Werke
ist gleich einem törichten Menschen, der sich im kalten Zimmer bloß mit einem warmen Gedanken zudecken will, um sich zu erwärmen. Freilich ist das wohl die wohlfeilste Decke. Aber ob diese Decke jemanden erwärmen wird? - Der Glaube ist nur das Aufnahmeorgan einer Lehre, die zu einer gewissen Tätigkeit anleitet. Wer diese Anleitung bloß in seinem Glauben aufnimmt, aber nicht danach tut, dem nützt die Anleitung nicht das Geringste. - So ist Mir denn auch eine Kirche lieber, wo doch noch etwas geschieht, als eine, wo nichts geschieht. Denn es ist besser, jemandem ein Stück Brot zu geben, als tausend Pläne für Armenversorgung zu machen und dem Armen aber dennoch nichts zu geben, wenn er zu einem solchen Planmacher kommt. Plan ist schon recht, aber das Geben muß auch dabeisein, sonst ist der Glaube ohne Werke, wobei die arme Menschheit verhungert. (Ed, Kap. 73)
Tatchristentum
Wer recht leben will, kann es in jeder Kirche! Denn eine Hauptregel ist: Prüfet alles, und das Gute behaltet! - Wenn ihr ein Kind gebadet habt, so schüttet bloß das Badewasser hinweg, aber das Kind behaltet! Und das Kind ist - die Liebe! - Ich sage zu niemandem: Werde ein Katholik oder werde ein Protestant oder werde ein Griechisch-Katholischer, sondern was einer ist, das bleibe er, wenn er will. Sei er aber was er wolle, so sei er ein werktätiger Christ und das im Geiste und in der Wahrheit! Denn jeder kann, wenn er es will, das reine Wort Gottes haben. Ich bin nicht wie ein Patriarch und nicht wie ein Papst, noch wie ein Generalsuperindendent und nicht wie ein Bischof – sondern Ich bin wie ein überaus guter und gerechtester Vater allen Meinen Kindern und habe nur Freude daran, wenn sie tätig sind und wetteifern in der Liebe, aber nicht daran, so sie einander Narren schelten und ein jeder von ihnen der weiseste und unfehlbarste sein will mit lauter räsonieren, aber dabei nichts tut. (Ed, Kap. 73)
Mein Reich ist ein Reich der höchsten Tatkraft
nicht eines müßigen Faulenzertums. Und Ich sagte zu den Aposteln nicht: Bleibet daheim und denket und grübelt über Meine Lehre nach!“ - sondern: „Gehet hinaus in alle Welt!“ - Dasselbe sage Ich auch zu allen Seligen. Denn drüben, da heißt es auch tätig sein! Die Ernte ist immer größer als die Zahl der Arbeiter. - Darum ist es aber auch für euch Menschenkinder besser, in irgendeiner Ordnung tätig zu sein, als bloß allein des reinsten Glaubens zu sein. Denn tätig sein nach Meiner Lehre ist unendlich besser, als die ganze Bibel auswendig zu wissen und tatlos zu glauben. - Der bloße Glaubensmensch ist dem gleich, der sein Talent vergrub. Wenn aber jemand aus der Schrift nur wenig weiß, aber danach tut, der ist dem gleich, der über das wenige eine treue Haushaltung führte und dann über vieles gesetzt wird. (Ed, Kap. 73)

VII. Liebe und Seligkeit
Die Kinder der Erde sind Mir am nächsten,
weil Ich sie dort [als Jesus] persönlich zu Meinen ersten Kindern gemacht habe. Und sie sind demnach als Vollendete in den Himmeln diejenigen, welche mit Mir beherrschen und ordnen die Unendlichkeit und alle zahllosen Schöpfungen in ihr. Und die Kinder aus den anderen Gestirnen stehen ihnen dabei also zu Diensten, wie die Glieder eines Leibes dem Willen des Geistes. Daher bilden diese Sternengeister mit einem Meiner Kinder der Liebetätigkeit nach in großem Maßstabe gleichsam einen Menschen, versehen mit allen zum Bedarfe seines Willens notwendigen Gliedern. - So ist ein vollendetes Erdenkind ein vollkommener Wille von zahllosen Geistern aus anderen Gestirnen. Die Sternengeister haben zwar an und für sich auch ein jeder seinen eigenen Willen und können tun nach ihrer freien, wonnigen Lust, was sie wollen. Dennoch aber geht im Falle des Liebewirkens der Wille Meiner Hauptkinder in sie alle ein und aus. Und dann sind sie zu Milliarden wie ein Mensch, dessen wirkender Willensgeist eines Meiner vollendeten Erdenkinder ist. (GS 2, Kap. 2, S. 7)
Mein Sohn und Meine Tochter
Wer Mich suchen, finden, erkennen und dann über alles lieben wird und seinen Nächsten mit aller Geduld wie sich selbst, schon hier oder zum mindesten doch jenseits, aus allen Kräften, der wird Mein Kind, also Mein Sohn und Meine Tochter sein! Wer aber Mich nicht suchen, nicht finden, nicht erkennen und somit auch nicht lieben wird und ist auch voll Lieblosigkeit gegen seine Nebenmenschen, der wird ewig nie zu Meiner Kindschaft gelangen! Denn Meine Kinder müssen also vollkommen sein wie Ich als ihr wahrer Vater Selbst vollkommen bin! - Die später möglicherweise geläuterten Weltkinder aber werden geistige Bewohner jener Weltkörper und jener ihnen entsprechenden Vereine verbleiben, auf und in denen sie geläutert wurden, aber in des ewigen Vaters Hause in des allerhöchsten Himmels Mitte werden sie nimmer aus- und eingehen gleich Meinen wahren Kindern, die mit Mir stets die ganze Unendlichkeit ordnen werden ewig fort und fort. (Ev 5, Kap. 111, 1 ff)
Der Ort der wahren Glückseligkeit
Nur auf dem engen Pfade und am engen Plätzchen ist jedes Menschen wahres Glück und wahre Seligkeit zu erreichen! Wer es auf den breiten Straßen sucht und der Meinung ist, daß die Seligkeit nur am großen Platze voll Glanzes zu finden sei, der findet das Gesuchte nimmer. Nur der Hochmut baut breite Straßen des Verderbens und errichtet große Plätze. Aber auf diesen Plätzen werden auch große Gerichtshäuser, Gefängnisse und Galgen neben den Palästen der Großen errichtet. Und derlei Einrichtungen bedingen wohl nicht das Glück der Menschen, weder materiell noch geistig. -
Was macht denn so ganz eigentlich das größte Unglück aller Höllengeister aus? Es ist das Streben nach dem Unendlichen! Die Unendlichkeit aber hat keine Rückwand und somit keine Grenzen. Daher ist es denn auch sicher für jeden denkenden Geist klar ersichtlich und leicht begreiflich, daß so ein von der Hölle erfüllter Geist unmöglich zu einer Glückseligkeit gelangen kann. Wer die Seligkeit im Unendlichen sucht, der kann sie unmöglich je finden, denn je weiter er dringt, einen desto endloseren Abgrund ersieht er vor sich und eine Kluft, über die er ewig nicht gelangen wird. Mein Reich ist daher in eines jeden Menschen kleines Herz gelegt. Wer hineinkommen will, der muß also in sein eigen Herz eingehen und sich da ein Plätzchen der Ruhe gründen, das da heißet Demut, Liebe und Zufriedenheit. Ist er mit diesem Plätzchen in der Ordnung, so ist auch sein Glück für ewig gemacht. RBl 2, Kap. 278, 1 ff)
Ein Herz voll Liebe
Zu Mir und zu den Brüdern und Schwestern und ein stets tätigkeitslustiger und tätigkeitsvoller Sinn, glaubet es Mir, das wird für jeden von euch die wahre, ewige Seligkeit begründen. So sollet ihr euch Meine Himmel auch nicht irgendwo als recht weit entfernt vorstellen, sondern ganz nahe. Der ganze Weg beträgt höchstens drei Spannen Maß. Es ist das die Entfernung vom Kopfe bis ins Zentrum des Herzens. Denket ja nicht, daß wir etwa eine Auffahrt über alle Sterne hinauf und hinaus machen werden, sondern denket euch, daß wir bloß eine Niederfahrt in unser Herz machen. Und da werden wir unsern Himmel und das wahre, ewige Leben finden! (RBl 2, Kap. 278, 5 ff)
In eurer vollen Wiedergeburt
werdet auch ihr, die ihr Mir nachgefolgt seid, neben Mir sitzen auf „12 Stühlen“ und „richten die 12 Stämme Israels“ - was soviel sagen will als, daß ihr dereinst in Meinen Himmeln mit Mir zum ewigen Wohle aller Menschen dieser Erde und auch der anderen Welten stets Mir gleich tätig sein werdet und daß ihr als den Erdenmenschen unsichtbare Schutzgeister eben diese Menschen hier und auch noch jenseits bewachen, leiten und führen werdet! Denn nur in einer stets sich mehrenden, wahren Liebetätigkeit besteht das wahre Himmelreich und dessen wachsende Seligkeit. (Ev 5, Kap. 259, 2)
Dienen heißt das große Losungswort
Durch das Dienen wird die Demut am meisten geübt und gefördert. Je untergeordneter ein Dienst erscheint, desto tauglicher ist er oft für die wahre Ausbildung des Lebens. Im Hochmute dagegen hat alles Dienen ein Ende genommen und somit auch alle weitere Fort- und Ausbildung des Lebens. Wäre im hochmutsvollen Herrschen über die andern des Lebens Ausbildung bedungen, so würde von Mir sicher eine solche Ordnung getroffen sein, daß ein jeder Mensch irgendein unbeschränktes Recht zum Herrschen hätte. Da aber das Meiner ewigen Ordnung zuwider ist, so muß ein jeder Mensch und Engel zum Dienen sich bequemen und eben im ewigen, stets mehr und ausgebreiteteren Dienen die größte Wonne und Seligkeit finden. Ohne Dienen gibt es eigentlich gar kein Leben, keine haltbare Dauer desselben, kein Glück, keine Glückseligkeit und keine Liebe, keine Weisheit und keine Wonne des Lebens weder hier noch jenseits. Und wer sich einen Himmel voll Dienstlosigkeit, voll Trägheit und müßiger Schwelgerei denkt, der irrt sich groß! - Denn ebendarum bekommen die selgisten Geister der höchsten Himmel eine Mir nahe gleiche Kraft und Gewalt, um Mir und allen Wesen desto gediegenere Dienste leisten zu können. (Ev 4, Kap. 95, 1 ff)
Des Herrn Ziel und Absicht
Ich kam nicht darum zu euch, um aus euch Müßiggänger zu ziehen oder euch bloß für den Ackerbau, für die Viehzucht und dergleichen mehreres zu bilden, sondern um aus euch tüchtige Arbeiter für den großen Weinberg der Himmel zu erziehen. Meine Lehre an euch alle ist daher dahin abgezielt, um fürs erste euch selbst im Gebiete eures inneren Lebens wahrhaft zu vollenden und fürs zweite, daß ihr dann selbst als Lebensvollendete Mir schon hier und ganz besonders einstens drüben in Meinem Reiche die tüchtigsten und kräftigsten Arbeiter abgeben sollet. -
Ich will es, daß von nun an alle Meine Gedanken und Ideen durch euch, Meine Kindlein, ins vollste Werk gesetzt werden – hier schon für Seele, Herz und Geist eurer Brüder und Schwestern und jenseits in alle die großen Wirklichkeiten von ihrer innersten geistigen Enstehungssphäre bis zu ihrer alleräußersten materiellen Ausbildung und von da zur abermaligen Rückführung ins gemehrte, rein und selbstständig geistige, vollendete Leben. - Und dazu, Freunde, wird unendlich viel Zeit, Geduld und eine große Tätigkeit erforderlich sein und eine ebenso große und allumfassende Liebe, Weisheit und Kraft! (Ev 4, Kap. 95, 5 ff)
Himmelslohn
Der Herr im Jenseits zu einem Vollendeten: „Ich sage dir, du bist von nun an ein Hauptpfeiler eines neuen [Himmelsgeister-] Vereines. Das ist ein Lohn, der allen jenen zuteil wird, die auf der Welt aus einem redlichen und guten Grunde in Meinem Weinberge gearbeitet haben.“ - Einige Bischöfe sagen: „Herr! Wir haben ja doch auch in Deinem Weinberge gearbeitet. Sollen wir hier den nicht auch irgendein Ämtchen bekommen?!“ - Der Herr entgegnet: „Ihr waret zwar auch Arbeiter, aber die Welt gab euch darum einen guten Lohn. Dieser aber arbeitete ohne weltlichen Lohn, für seine Mühe aber ward er von der Welt mit dem Tode bezahlt, und das macht einen großen Unterschied zwischen euch und ihm! - Er ist ein Märtyrer, seid ihr es auch? Er ist gefallen als ein Opfer seiner Liebe für die Brüder, seid es auch ihr?“ (RBl 2, Kap. 265, 20 ff)
Je mehr der tätigen Liebe
ihr euch gegenseitig gemäß Meiner ewigen Ordnung erweiset, desto seliger werdet ihr sein. Alle Himmel mit allen ihren Seligkeiten gehen aus der gegenseitigen Nächstenliebe hervor – so wie im Gegenfalle auch alle Qualen und Martern der Hölle aus der Eigenliebe. (RBl 2, Kap. 266, 5 ff)
Wo Ich bin,
da werden auch die sein, die Mich über alles lieben. (RBl 2, Kap. 285, 2)
Ein Fürst der Himmel
Der Herr zu einem im Jenseits Vollendeten: „Du glaubtest auf der Erde zwar nicht, daß Jesus, zu Bethlehem geboren, von dir 'der Weise aus Nazareth' genannt, Gott der Herr Selbst gewesen sei. Aber du liebtest diesen Weisen dennoch ganz besonders und sahest Seine Göttlichkeit in deinem Herzen wohl, obschon da dein Verstand mit deinem Herzen nicht übereinstimmen wollte. Und diese deine Liebe behielt dir Seine Liebe und Gnade, die dich nun zu einem großen Fürsten der Himmel macht.“ (RBl 2, Kap. 286, 5)
Vom Dienst der Vollendeten
Der Herr spricht: Es gibt im obersten Himmel gar sehr verschiedene Aufgaben des Lebens – oft die großartigsten Besuche aus all den zahllosen Weltengebieten und sehr viele Sendungen in verschiedene Welten und Sonnen. Ebenso gibt es Sendungen in die zwei unermeßlichen unteren Himmel und sonderlich in ihre zahllosen Engelsvereine sowie Sendungen in all die zahllosen Geisterregionen aller Art... Alle Bewohner dieses Meines allerhöchsten Himmels haben die gleiche, große Bestimmung, in solcher Weise am Werke der Schöpfung und Erlösung mitzuwirken. Aber freilich haben die am meisten zu tun, die in Meiner nächsten Nähe in Meinem höchsteigenen Hause wohnen – gleichwie auch diejenigen Lebensnerven des Menschen fortwährend in größter Tätigkeit sind und sein müssen, die dem Herzen zunächst liegen... Es kommt hierher daher niemand, als wer seinen irdischen Weltwillen ganz aus sich hinausgeschafft und dafür für ewig den Meinen in sich und sein ganzes Leben vollkommen aufgenommen hat. (RBl 2, Kap. 287, 2 ff)
Ein Seliger vor Jesus,
dem himmlischen Vater: Also Du – Du bist es!? - Du!? - der ewige Herr – über alles, was Zeit und Raum fassen und über alles, was über alle Zeit und allen Raum erhaben in ewiger Freiheit lebt und mit vollendeten Augen in die ewigen Tiefen Deiner Wunderschöpfungen schaut!? - O Gott, o Gott, o Gott! - Ich – ein elender, von anderen Würmern zertretener Wurm, ein nichtigster Staub im Staube, stehe nun vor Dir, dem heiligen ewigen Meister der endlosen Wunderwerke, die alle aus Deiner allmächtigen Hand geflossen sind, vor meinem Gott, vor meinem Schöpfer, Vater, vor meinem Heilande Jesus! - O höret es, alle Himmel!
Und – oh, es ist kaum zu denken – dieser Gott ist wie ein Mensch einfach und schlicht und spricht, von der höchsteigenen Liebe geleitet, so herablassend milde und sanft mit mir, wie nur ein bester Bruder mit seinem einzigen, besten Bruder sprechen kann! - O Menschen, die ihr in allerlei Irrsalen auf der tückischen Erde wandelt und am oft traurigen Pilgerziele mit gesenktem Haupte stehet und nimmer wisset, wo aus und wo ein ihr euch wenden sollet – hierher kommet in euren Herzen und lernet Gott in Jesu, dem lieblichen Heilande, kennen, und ihr werdet für das kurze Probeleben auf der Erde mit euren großen und eitlen Plänen leicht fertigwerden. -
Die wahre und rechte Erkenntnis Gottes wird euch zeigen, wie wenig dazu gehört, um in Gott dem Herrn sich zurechtzufinden und dann über alle Begriffe glücklich zu sein! Streitet euch nicht wie elende Hunde und Katzen um irdische Dinge, die sehr vergänglich sind und vor Gott keinen Wert haben! Sondern bewerbet euch hauptsächlich um wahre und rechte Erkenntnis und Liebe Gottes! Und liebet euch um Gottes willen wie wahre Brüder und Schwestern als Kinder eines und desselben Vaters, der allzeit und ewig heilig und über alle eure Begriffe lieb, gut und sanft ist – so habt ihr in euren Herzen mehr, als was euch die ganze Welt je geben und verschaffen kann“! (RBl 1, Kap. 146, 2 ff)
Eine Selige an des Vaters Brust
Jetzt ist es gut! - O Gott, o Gott! Welch eine süße Ruhe! - O Du heiligste Brust! - Ja, ja, wer wahrhaft ruhen will, der ruhe in Gott! (RBl 2, Kap, 249, 9)
- Amen -