Aktualisiert am: 11.05.2007

 

AUGUSTINUS BEKENNTNISSE (CONFESSIONES)

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Generiert von der elektronischen BKV 

von Gregor Emmenegger  

Text ohne Gewähr

 

Text aus: Augustinus, Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus Bekenntinsse. Aus dem Lateinischen übersetzt von Dr. Alfred Hofmann. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 18; Augustinus Band VII) München 1914.

 

 

Inhalt

 

Erstes Buch  - 1. Diese Lobpreisung Gottes ist auf seine eigene Veranlassung zurückzuführen. 7

2. Gott, zu dem ich rufe, ist in mir und ich in ihm. 7

3. Gott ist allenthalben so mit seinem ganzen Wesen gegenwärtig, dass nichts ihn ganz Fassen kann. 7

4. Gottes Grösse und Vollkommenheit ist unerklärlich. 7

5. Er fleht um die Liebe Gottes und um Verzeihung der Sünden. 8

6. Er schildert seine Kindheit und preist Gottes Vorsehung und Ewigkeit. 8

7. Auch die erste Kindheit ist nicht frei von Sünde. 9

8. Augustinus erzählt, wie er sprechen gelernt hat. 10

9. Gleich anderen Kindern hasst er das Lernen, liebt das Spielen und Fürchtet die Schläge. 10

10. Der Hang zum Spiel und die Vorliebe für das Theater verleidet ihm das Studium. 10

11. Augustinus fällt in eine schwere Krankheit und verlangt in ihrem Verlaufe nach der Taufe; nach seiner Genesung aber wird sie verschoben. 11

12. Augustinus wird gezwungen, die Wissenschaften zu lernen; durch Gottes Fürsorge gereicht es ihm zum Guten. 11

13. Augustinus' liebste Studien. 12

14. Seine Abneigung gegen das Griechische. 12

15. Gebet zu Gott. 13

16. Tadel der herkömmlichen Erziehungsweise. 13

17. Fortsetzung der Klagen über die Art und Weise, wie die Jugend in den Wissenschaften unterrichtet wird. 13

18. Die Menschen halten zwar ängstlich auf Beobachtung der Vorschriften der Grammatiker, aber nicht auf die der Gebote Gottes. 14

19. Die Fehler des Kindes sind auch die Fehler der späteren Jahre. 14

20. Augustinus dankt für das Gute, das ihm schon in der Kindheit zuteil geworden. 14

Zweites Buch  - 1. Er erinnert sich seiner Jugend und ihrer Fehler. 15

2. Das sechzehnte Lebensjahr verfliesst in glühender Sinnlichkeit. 15

3. Die Pläne der Eltern Augustins. 15

4. Augustinus berichtet von einem Diebstahle, den er mit seinen Genossen begangen. 16

5. Niemand sündigt ohne Grund. 17

6. Alles, was uns unter dem Scheine des Guten zum Bösen verlockt, ist trügerisch; bei Gott aber ist es wahrhaft und vollkommen gut. 17

7. Augustinus dankt Gott, dass er ihm die begangenen Sünden verziehen und vor vielen anderen ihn bewahrt habe. 18

8. Augustinus liebte in seinem Diebstahle die gemeinschaftliche Beteiligung mit den Genossen seiner Sünde. 18

9. Böse Gesellschaft führt zum Verderben. 18

10. In Gott ist alles Gute. 19

Drittes Buch - 1. Augustinus wird eine Beute der Liebe und jagt ihr nach. 19

2. Seine Leidenschaft für das Theater. 19

3. Während seiner Studien hält er sich übrigens von dem wüsten Treiben der sogenannten Zerstörer fern. 20

4. Ciceros Hortensius erweckt in ihm die Liebe zur Philosophie. 20

5. Die Heilige Schrift ist ihm wegen ihrer Einfalt zuwider. 21

6. Er gerät in die Netze der Manichäer. 21

7. Er huldigt der Abgeschmacktheit des Manichäismus. Das lautere Gesetz des Allmächtigen. 22

8. Von der Sünde. 22

9. Es ist ein Unterschied zwischen Sünde und Sünde, zwischen Gottes Gericht und der Menschen Urteil. 23

10. Törichte Ansichten der Manichäer über die Früchte. 23

11. Trauer seiner Mutter über ihren Sohn und Ihr Traum. 24

12. Ein Bischof macht der Mutter sichere Aussicht auf des Sohnes Bekehrung. 24

Viertes Buch  - 1. Die Dauer seines Irrtums. 24

2. Er lehrt die Rhetorik und hat eine Geliebte; von der Vogelschau will er nichts wissen. 25

3. Ein erfahrener Greis bringt ihn von der Astrologie, der er sich ergeben, ab. 25

4. Krankheit und Taufe eines Freundes, den er auch in seine Irrtümer verwickelt hat und über dessen Tod er aufs heftigste trauert. 26

5. Trost der Tränen. 26

6. Sein Schmerz über des Freundes Tod. 27

7. Der Schmerz bringt ihn um alle Ruhe und treibt ihn gar von Tagaste nach Karthago. 27

8. Zeit und Freundestrost heilen seinen Schmerz. 27

9. Von menschlicher Freundschaft. Glücklich, wer in Gott liebt. 28

10. Vergänglichkeit der Geschöpfe. 28

11. Alles Geschaffene ist unbeständig; Gott allein besteht in Ewigkeit. 28

12. Von der richtigen Liebe. 29

13. Ursprung der Liebe. 29

14. Die Bücher über das Schöne und Schickliche eignet er dem Hierius zu. Grund seiner Liebe zu ihm. 29

15. Im Sinnlichen befangen, kann er das Geistige nicht fassen. 30

16. Die Kategorien des Aristoteles und andere philosophische Fragen erfasst er ohne Beihilfe eines Lehrers. 31

Fünftes Buch  - 1. Er schwingt sich zum Preise Gottes auf. 32

2. Die Gottlosen können Gottes Gegenwart nicht entfliehen und sollen sich darum zu ihm bekehren. 32

3. Von dem Manichäer Faustus und von der Blindheit der Philosophen, welche nicht aus den Geschöpfen den Schöpfer erkennen. 32

4. Die Erkenntnis Gottes allein beseligt. 33

5. Die Unwissenheit des Manichäers bezüglich der Gestirne macht ihn Augustinus auch in den übrigen Punkten unglaubwürdig. 33

6. Faustus ist ein beredter, aber der Freien Wissenschaften unkundiger Mann. 34

7. Er sagt sich von der Sekte der Manichäer innerlich los. 34

8. Er geht gegen den Willen seiner Mutter nach Rom. 35

9. Augustinus fällt in eine sehr gefährliche Krankheit. 36

10. Seine Irrtümer vor Annahme des Evangeliums. 36

11. Fortsetzung. 37

12. Wie in Rom die Lehrer von ihren Schülern hintergangen werden. 37

13. Er geht als Lehrer der Beredsamkeit nach Mailand und kommt mit Ambrosius in Berührung. 37

14. Des Arnbrosius Vorträge bewirken, dass er nach und nach seine Irrtümer preisgibt. 38

Sechstes Buch  - 1. Augustinus schwankt zwischen Manichäismus und Katholizismus. 38

2. Gedächtnismahle an den Gräbern der Märtyrer. 39

3. Des Ambrosius Tätigkeit. 39

4. Aus den Predigten des heiligen Ambrosius gewinnt er bestimmte Kenntnisse von der Lehre der Kirche. 40

5. Autorität und Notwendigkeit der Heiligen Schrift. 40

6. Die Zufriedenheit armer Bettler ist besser als das Elend der Ehrgeizigen. 41

7. Er heilt den Alypius von seiner Wut für Zirkusspiele. 41

8. Alypius wird von leidenschaftlicher Liebe für die Fechterspiele, die er früher verabscheut hat, erfasst. 42

9. Alypius wird als Dieb ergriffen. 42

10. Untadelhaftigheit des Alypius. Ankunft des Nebridius. 43

11. Voll innerer Unruhe überlegt er, wie er sein Leben fernerhin einrichten soll. 43

12. Alypius und Augustinus sind über Ehe und Ehelosigkeit verschiedener Ansicht. 44

13. Seine Mutter wirbt für den Sohn um eine Braut. 44

14. Er und seine Freunde denken daran, ein gemeinschaftliches Leben zu führen. 45

15. An die Stelle der entlassenen Konkubine tritt eine andere. 45

16. Niemals verlässt ihn die Furcht vor Tod und Gericht. 45

Siebtes Buch - 1. Er denkt sich zwar Gott in unendlicher Grösse, aber immer noch als etwas Körperliches. 46

2. Widerlegung der Manichäer durch Nebridius. 46

3. Die Ursache der Sünde liegt im Freien Willen. 47

4. Gott muss über jedes Verderben erhaben sein. 47

5. Weitere Erörterung der Frage nach dem Bösen und seinem Ursprunge. 47

6. Augustinus verwirft die Zukunftsdeutungen der Astrologen. 48

7. Die Frage nach dem Ursprunge des Bösen verursacht ihm schwere Pein. 49

8. Gottes Barmherzigkeit kommt ihm zu Hilfe. 49

9. In den Büchern der Platoniker findet er wohl die Gottheit des ewigen Wortes, aber nicht seine Menschwerdung. 49

10. Augustinus gewinnt einen klaren Einblick in das Göttliche. 50

11. Wie die Geschöpfe sind und nicht sind. 50

12. Alles was ist, ist gut. 51

13. Alles Geschaffene lobt den Schöpfer. 51

14. Dem vernünftigen Menschen missfällt keines der Geschöpfe Gottes. 51

15. Wahrheit und Falschheit in den Geschöpfen. 52

16. Alles Geschaffene ist gut, wenn es auch nicht mit allem harmoniert. 52

17. Hindernisse auf dem Wege der Erkenntnis des Göttlichen. 52

18. Christus der einzige Weg zum Heile. 52

19. Seine Gedanken über die Menschwerdung Christi. 53

20. Die Bücher der Platoniker fördern seine Erkenntnis, aber auch seinen Hochmut. 53

21. Was Augustinus in der Heiligen Schrift gefunden. 54

Achtes Buch - 1. In dem Verlangen, sein Leben zu bessern, beschliesst er, den Simplicianus zu besuchen. 54

2. Über die Bekehrung des Rhetors Victorinus. 55

3. Gott und die Engel haben ihre größte Freude an der Bekehrung der Sünder. 56

4. Die Bekehrung hervorragender Männer ist Grund zu grösserer Freude. 56

5. Die Begierlichkeit hält Augustinus von der Bekehrung ab. 57

6. Ponticianus erzählt ihm das Leben des Antonius. 57

7. Augustinus fühlt sich von des Ponticianus Erzählung aufs mächtigste ergriffen. 58

8. Augustinus begibt sich in den Garten. 59

9. Wie kommt es, dass die Seele in ihren Befehlen an sich selbst Widerstand findet? 59

10. Exkurs gegen die Manichäer, die aus diesen zwei sich einander entgegenstehenden Willensrichtungen auf zwei entgegengesetzte Naturen schliessen. 60

11. Der Kampf in ihm zwischen Geist und Fleisch. 60

12. Augustinus vernimmt eine unerklärbare Stimme und bekehrt sich daraufhin völlig. 61

Neuntes Buch - 1. Er preist Gottes Güte und bekennt sein Elend. 62

2. Er verschiebt die Niederlegung seines Lehramtes bis zu den Herbstferien. 62

3. Verecundus überlässt ihm sein Landgut. 63

4. Von den Büchern, die er zu Cassiciacum geschrieben, und von seinen Briefen an Nebridius, Über die Psalmen. Wunderbare Heilung vom Zahnschmerz. 63

5. Er befragt den Ambrosius um passende Lektüre. 64

6. Augustinus wird in Mailand mit Alypius und Adeodatus getauft. 65

7. Einführung des Kirchengesangs in Mailand. Auffindung der Leiber der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius. 65

8. Bekehrung des Evodius. Tod seiner Mutter. Wie diese erzogen worden. 66

9. Weitere Schilderung der ruhmwürdigen Sitten seiner Mutter. 66

10. Sein Gespräch mit der Mutter vom Himmelreich. 67

11. Von der Verzückung und dem Tode seiner Mutter. 68

12. Seine Trauer über den Tod der Mutter. 68

13. Er betet Für die dahingeschiedene Mutter. 69

2. Was heisst eigentlich: Gott etwas bekennen? 70

3. Warum will er denn bekennen, was er gegenwärtig ist? 70

4. Grosser Nutzen eines solchen Bekenntnisses. 71

5. Der Mensch kennt sich nicht vollständig. 71

6. Was liebt man an Gott? Wie erkennt man ihn aus einen Geschöpfen? 72

7. Gott wird nicht mit körperlichen Sinnen oder Kräften erkannt. 72

8. Von der Kraft und Macht des Gedächtnisses. 73

9. Das Gedächtnis in Hinsicht auf die Wissenschaften. 74

10. Die Wissenschaft wird nicht durch die Sinne in das Gedächtnis eingeführt, sondern seiner Tiefe entnommen. 74

11. Was heisst lernen? 74

12. Das Gedächtnis in bezug auf Zahl und Raum. 75

13. Auch der Erinnerung erinnern wir uns. 75

14. Warum erinnern wir uns an Freudiges oft nicht mit Freude? 75

15. Auch nicht Vorhandenes hält das Gedächtnis lest. 76

16. Sogar das Vergessen ist im Gedächtnisse. 76

17. Das Gedächtnis ist eine grosse Kraft; allein um zu Gott zu kommen, müssen wir auch noch darüber hinausgehen. 77

18. Das Vergessene muss noch irgendwie im Gedächtnisse sein; sonst könnten wir uns seiner nicht mehrerinnern. 77

19. Was heisst sich erinnern? 77

20. Wenn die Menschen nach einem glückseligen Leben verlangen, so müssen sie eine Vorstellung davon haben. 78

21. Wie ist das glückselige Leben im Gedächtnisse enthalten? 78

22. Wie ist das glückselige Leben, und worin besteht es? 79

23. Fortsetzung. 79

24. Er preist sich glücklich, dass Gott in seinem Gedächtnis eine Stätte habe. 79

25. Welche Stätte hat Gott im Gedächtnis inne? 80

26. Wie wird Gott gefunden? 80

27. Von der hinreissenden Wirkung der Schönheit Gottes. 80

28. Von der Armseligkeit dieses Lebens. 80

29. In Gott ruht Augustinus' ganze Hoffnung. 81

30. Sein Verhalten gegenüber den Versuchungen der Fleischeslust. 81

31. Sein Verhalten gegenüber den Versuchungen von Hunger und Durst. 81

32. Sein Verhalten gegenüber den Versuchungen des Geruchssinnes. 82

33. Sein Verhalten gegenüber den Versuchungen des Gehörs. 82

34. Sein Verhalten gegenüber den Versuchungen der Augenlust. 83

35. Sein Verhalten in bezug auf die Neugier. 84

36. Sein Verhalten gegenüber den Versuchungen der Hoffart des Lebens. 85

37. Vom Eindrucke, den Menschenlob auf ihn macht. 85

38. Eitelkeit und Prahlerei ist eine Gefahr auch für die Tugend. 86

39. Von der Eigenliebe. 86

40. Er hat Gott in sich und den übrigen Dingen gefunden. 86

41. Von der dreifachen Begierlichkeit. 87

42. Von der Verkehrtheit derer, die unseliger Weise durch die Dämonen zur Aussöhnung mit Gott gelangen wollen. 87

43. Christus allein ist der wahre Mittler. 87

Elftes Buch - 1. Warum bekennt er Gott, wenn dieser doch alles weiss? 88

2. Er fleht zu Gott um das Verständnis der Heiligen Schrift. 88

3. Niemand versteht, was Moses über die Schöpfung geschrieben, es sei denn, dass Gott ihn erleuchte. 89

4. Die Schöpfung verkündet laut den Schöpfer. 89

5. Die Welt ist aus Nichts erschaffen. 89

6. Wie hat Gott sein "Es werde!" gesprochen? 90

7. Gottes Wort ist ewig in Gott selbst. 90

8. Das ewige Wort Gottes ist auch das Prinzip unserer Erkenntnis der Wahrheit. 90

9. Wie redet das Wort Gottes zum Herzen? 91

10. Von dem Einwande, was Gott vor der Schöpfung getan habe. 91

11. Widerlegung dieses Einwandes: Gottes Ewigkeit ist der Begriff Zeit fremd. 91

12. Was hat Gott vor Erschaffung der Welt getan? 91

13. Es gab auch keine Zeit, bevor sie von Gott geschaffen wurde. 92

14. Von den drei verschiedenen Zeiten. 92

15. Vom Masse der Zeit 92

16. Welche Zeit kann man messen und welche nicht? 93

17. Wo ist Vergangenheit und Zukunft? 93

18. Wie sind Vergangenheit und Zukunft gegenwärtig? 93

19. Sein Staunen, wie wohl Gott uns die Zukunft lehre. 94

20. Wie ist der Unterschied in der Zeit zu bezeichnen? 94

21. Wie lässt sich die Zeit messen? 95

22. Er bittet Gott um Lösung dieses Rätsels. 95

23. Was ist die Zeit? 95

24. Mittelst der Zeit messen wir die Bewegung der Körper. 96

25. Er wendet sich abermals an Gott. 96

26. Wie messen wir also die Zeit? 96

27. Die Zeit wird in ihrer Fortdauer in der Seele gemessen. 97

28. Das Zeitmass ist der Geist. 97

29. Er will sich in Gott aus der Zerstreuung ins Zeitliche sammeln. 98

30. Erneute Widerlegung des Einwandes, was denn Gott vor der Schöpfung der Welt getan habe. 98

31. Wie erkennt Gott und wie das Geschöpf? 98

Zwölftes Buch - 1. Über die Schwierigkeit der Erforschung der Weisheit. 99

2. Von dem zweifachen Himmel und der zweifachen Erde. 99

3. Von der Finsternis über dem Abgrund. 99

4. Was ist unter der unsichtbaren, ungestalteten Erde zu verstehen? 99

5. Warum ist die gestaltlose Materie so benannt worden? 99

6. Seine manichäischen Ansichten und seine jetzigen über diesen Gegenstand. 100

7. Über die Schöpfung des Himmels, d. i. der Engel und der Erde, d. i. der gestaltlosen Masse aus dem Nichts. 100

8. Die ungestaltete Materie ward aus dem Nichts, alles Sichtbare aber aus ihr geschaffen. 100

9. Warum wird die Erschaffung von Himmel und Erde in den "Anfang" verlegt und dabei keines bestimmten Tages Erwähnung getan? 101

10. Augustinus bittet Gott um Erleuchtung. 101

11. Was ihn Gott gelehrt. 101

12. Für zwei geschaffene Dinge gibt es keine Zeit. 102

13. Warum nennt die Heilige Schrift für die Schöpfung keinen bestimmten Tag? 102

14. Tiefe der Heiligen Schrift. 102

15. Die Gegner vermögen seine Gedanken über Gott, die Engel und die gestaltlose Materie nicht zu widerlegen. 103

16. Er will nichts zu tun haben mit denen, die der göttlichen Wahrheit ihr Ohr verschliessen. 104

17. Die Worte "Himmel und Erde" können in verschiedenem Sinne aufgefasst werden. 104

18. Unter Umständen ist selbst ein Irrtum in der Erklärung der Heiligen Schrift nicht gerade schädlich. 105

19. Bei aller Verschiedenheit der Auffassung und Auslegung ergeben sich doch folgende Sätze als offenbar wahr. 105

20. Die Worte "Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde" lassen sich also wohl verschiedentlich deuten. 105

21. Ebenso lassen sich die Worte "Die Erde war gestaltlos und leer; Finsternis lag über dem Abgrunde" verschiedentlich deuten. 106

22. Zweifellos kann Gott auch noch Wesen erschaffen haben, deren die Heilige Schrift keine Erwähnung tut. 106

23. Woher kommen die Meinungsverschiedenheiten in der Schrifterklärung? 107

24. Von vielen wahren Auslegungen soll man nicht vermessentlich eine als allein Moses' Sinne entsprechend hinstellen. 107

25. Er wendet sich gegen die, welche die Erklärungen anderer kühn verwerfen. 107

26. Was für eine Darstellungsweise geziemt der Heiligen Schrift? 108

27. Die Einfalt der Darstellung entspricht ganz dem Charakter der Heiligen Schrift. 108

28. Über die verschiedene Auflassung der Gelehrten von der Heiligen Schrift. 109

29. Primäre und sekundäre Begriffe. 109

30. Bei aller Verschiedenheit der Auflassungen sollen die Schrifterklärer einig sein in der Liebe und in der Begeisterung für die Wahrheit. 110

31. Moses hat seinen Worten jeden wahren Sinn, den man darin linden kann, auch geben wollen. 110

32. In den wahren Sinn der Heiligen Schrift führt nur der Heilige Geist ein. 110

Dreizehntes Buch - 1. Anrufung Gottes, dessen Güte ihm zuvorgekommen. 110

2. Alles, was ist, verdankt sein Sein wie seine Vollendung der Güte Gottes. 111

3. Alles ist durch Gottes Gnade. 111

4. Gott bedarf seiner Schöpfung nicht. 111

5. Die ersten Worte der Genesis lassen uns das Geheimnis der Dreieinigkeit erkennen. 112

6. Warum heisst es: Der Geist schwebte über den Wassern? 112

7. Wirksamkeit des Heiligen Geistes. 112

8. Der vernünftigen Kreatur genügt nur Gott allein. 113

9. Weshalb heisst es allein vom Heiligen Geiste, dass er über den Wassern schwebt? 113

10. Alles ist Gottes Gabe. 113

11. Ein Bild der Dreieinigkeit im Menschen. 113

12. Die Schöpfung der Welt ist das Bild der Gründung der Kirche. 114

13. Auf Erden ist keine vollkommene Erneuerung des Menschen denkbar. 114

14. Glaube und Hoffnung sind unsere Stärke. 114

15. Allegorische Erklärung der Begriffe Firmament und Wasser 115

16. Gott allein erkennt sich vollkommen, wie er ist. 115

17. Allegorische Deutung von Gen. 1, 9 und 11. 115

18. Allegorische Deutung von Gen. 1, 14. 116

19. Fortsetzung. 116

20. Allegorische Deutung der kriechenden und Fliegenden Tiere in Gen. 1, 20. 117

21. Allegorische Deutung von Gen. 1, 24. 117

22. Von der Erneuerung des Sinnes nach Gen. 1, 26. 118

23. Worüber urteilt der geistige Mensch? (Nach Gen. 1, 2). 118

24. Warum hat Gott den Menschen, die Fische und die Vögel gesegnet und nicht auch die übrigen Tiere? 119

25. Allegorische Deutung von Gen. 1, 29. 120

26. Freude und Nutzen sind die Werke der Barmherzigkeit. 120

27. Bedeutung der Fische und der Ungeheuer des Abgrundes. 121

28. Warum hat Gott gesagt, dass alles, was er geschaffen habe, sehr gut sei? 121

29. Wie soll man es verstehen, wenn es heisst: Gott habe achtmal gesehen, dass seine Werke gut seien? 121

30. Der Wahnwitz der Manichäer. 121

31. Dem Frommen gefällt, was Gott gefällt. 122

32. Überblick über die Werke Gottes. 122

33. Kurze Wiederholung der ganzen Schöpfungsgeschichte. 122

34. Allegorische Deutung des Ganzen der Schöpfung. 123

35. Gebet um Frieden. 123

36. Von dem siebenten Tage, dem kein Abend folgt. 123

37. Von der Ruhe Gottes in uns. 123

38. Gott und der Mensch sehen die Dinge auf verschiedene Weise. 123


 

 

Erstes Buch  - 1. Diese Lobpreisung Gottes ist auf seine eigene Veranlassung zurückzuführen.

 

"Gross bist du, o Herr, und überaus preiswürdig; gross ist deine Stärke, und deiner Weisheit ist kein Ziel gesetzt". Und dich will loben ein Mensch, ein winziger Teil deiner Schöpfung, ein Mensch, der schwer trägt an der Bürde seiner Sterblichkeit, schwer trägt auch am Zeugnis seiner Sünde und am Zeugnis, dass "du den Stolzen widerstehest". Und dennoch will dich loben der Mensch, selbst ein Teil deiner Schöpfung. Du selbst veranlasst ihn, in deinem Preis eine Wonne zu suchen, denn geschaffen hast du uns im Hinblick auf dich, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir. Verleihe mir, o Herr, die rechte Erkenntnis und Einsicht, ob man dich erst anrufen oder preisen, erst dich erkennen oder anrufen muss! Aber wer ruft dich an, ohne dich zu kennen? Könnte er doch leicht in seiner Unwissenheit einen anderen für dich anrufen! Oder wirst du etwa angerufen, um erkannt werden? "Wie aber soll man den anrufen, an den nicht geglaubt? Wie aber wird man glauben ohne Prediger?" „Loben werden den Herrn, die ihn suchen" Denn wer sucht, der findet ihn, und wer ihn findet, wird ihn preisen. So will ich dich denn suchen, o Herr, indem ich dich anrufe, und dich anrufen, da ich an dich glaube; denn du bist uns verkündet worden. Dich, o Herr, ruft an mein Glaube, den du mir gegeben, den du mir eingehaucht hast durch die Menschwerdung deines Sohnes, durch das Amt deines Predigers.

2. Gott, zu dem ich rufe, ist in mir und ich in ihm.

 

Doch wie soll ich meinen Gott anrufen, meinen Gott und meinen Herrn? Sicherlich werde ich ihn in mich rufen, wenn ich ihn anrufe. Und wo gibt es eine Stätte in mir, wohin mein Gott zu mir kommen soll? Wohin Gott kommen soll, Gott, der geschaffen hat Himmel und Erde? So gibt es denn wirklich, Herr mein Gott, etwas in mir, was dich fassen könnte? Aber fassen dich denn Himmel und Erde, die du zusammen mit mir geschaffen hast? Oder muss, weil nichts Bestehendes, ohne dich gedacht werden kann, dieses notwendigerweise dich fassen? Weil nun auch ich dazu gehöre,. warum bitte ich dich, zu mir zu kommen, da ich doch nicht bestände, wenn du nicht in mir wärest? Denn noch bin ich nicht in der Unterwelt, und doch bist du ja auch dort! "Stiege ich auch hinab zur Unterwelt, so bist du dort". So wäre ich also nicht, mein Gott, ich wäre überhaupt nicht, wärest du nicht in mir. Oder richtiger: ich wäre nicht, wäre ich nicht in dir, "aus dem, durch den, in dem alles ist". Gewiss, auch so, o Herr! Wohin aber soll ich dich rufen, da ich in dir bin? Oder woher solltest du in mich kommen? Denn wohin soll ich ausserhalb von Himmel und Erde mich begeben, dass von dort mein Gott in mich komme, der da gesagt hat: "Himmel und Erde erfülle ich"?

3. Gott ist allenthalben so mit seinem ganzen Wesen gegenwärtig, dass nichts ihn ganz Fassen kann.

 

Fassen dich also Himmel und Erde, da du sie erfüllest? Oder erfüllst du sie, aber nicht ganz, weil sie nicht fassen? Und wohin strömest du aus, was von dir noch übrig bleibt, nachdem du Himmel und Erde erfüllt hast? Oder brauchst du, der du alles umfassest nicht von etwas umschlossen zu werden, da du ja, was du erfüllest, so erfüllest, dass du es auch umschliessest? Denn nicht geben Gefässe, die von dir erfüllt sind, dir festen Halt; wenn sie auch brechen, du wirst du nicht ausgegossen. Und wenn du dich auch über uns ausgiessest, so liegst du doch nicht darnieder, sondern richtest uns auf; du wirst nicht zerstreut, wohl aber sammelst du uns. Aber alles was du erfüllst, erfüllst du mit deinem ganzen Wesen. Oder weil die Dinge dich nicht in deinem ganzen Wesen erfassen könne erfassen sie da einen Teil von dir und zwar alle zugleich denselben? Oder fasst jedes Ding einen besondern Teil, das grössere Ding einen grösseren Teil, das kleine einen kleineren? So ist also ein Teil von dir grösser, ein anderer kleiner? Oder bist du überall mit deinem ganzen Wesen, und fasst doch kein Ding dich ganz?

 

4. Gottes Grösse und Vollkommenheit ist unerklärlich.

 

Was also ist mein Gott? Was anderes, frage ich, als Gott der Herr? Denn "wer ist Herr ausser dem Herrn? Oder wer ist Gott ausser unserem Gott?" Höchster, Bester, Mächtigster, Allmächtigster, Barmherzigster und Gerechtester, Verborgenster und Allgegenwärtigster, Schönster und Gewaltigster, du Beständiger und Unfassbarer, du Unwandelbarer, selbst alles wandelnd, nie neu, nie alt, machst du doch alles neu "die Hochmütigen aber lässt du alt werden, und sie wissen es nicht". Immerdar wirkend, bist du doch immerdar in Ruhe; du sammelst ohne zu bedürfen; du trägst, erfüllest und beschirmst, du schaffst und ernährst, vollendest, suchest, da dir doch nichts fehlt. Du liebst ohne zu entbrennen, eiferst, ohne dich zu bekümmern, Reue ohne Schmerz, du zürnst, doch in Ruhe; du änderst deine Werke, nie deinen Ratschluss. Du nimmst auf, was du findest, ohne es doch je verloren zu haben; niemals bedürftig, freust du dich des Gewinnes, niemals habgierig, verlangst du doch Zinsen. Im Übermasse zahlt man dir, um dich zum Schuldner zu machen; und doch wer besässe etwas, was nicht dir gehörte? Du bezahlst Schulden, bist aber keinem schuldig; du lässest sie nach, verlierst aber nichts dadurch. Und was habe ich nun damit gesagt, mein Gott, mein Leben, meine heilige Süssigkeit; oder was kann ein anderer über dich reden, wenn er von dir redet? Und dennoch, wehe denen, die von dir schweigen, da sie reden könnten, aber stumm bleiben!

 

 

5. Er fleht um die Liebe Gottes und um Verzeihung der Sünden.

 

Wer wird mir nun geben, dass ich Ruhe finde in dir? Wer wird mir geben, dass du einziehest in mein Herz und es berauschest, auf dass ich mein Elend vergesse und dich, mein einzig Gut, umfasse? Was bist du mir? Erbarme dich meiner, damit ich davon reden kann! Was bin ich dir aber selbst, dass du von mir geliebt zu werden verlangst und, wenn ich es unterlasse, mir zürnst und mit unendlichen Qualen drohst? Ist das nicht allein schon grosse Pein, dich nicht zu lieben? Wehe mir! Sage mir doch bei deiner Barmherzigkeit, Herr mein Gott, was du mir bist! "Sage meiner Seele: Ich bin dein Heil!" Sprich vernehmlich zu mir! Siehe, o Herr, die Ohren meines Herzens sind vor dir; öffne sie und sprich zu meiner Seele: "Dein Heil bin ich". Nacheilen will ich diesem Wort und so dich erfassen. Verhülle nicht vor mir dein Angesicht. Sterben will ich, um nicht zu sterben, sondern es zu schauen. 

 

 Zu enge ist das Haus meiner Seele, dass du drin Einkehr halten könntest; so erweitere du es! Baufällig ist es; stelle du es wieder her. Manche schadhafte Stellen daran werden deine Augen beleidigen; ich weiss und gestehe es, Aber wer soll es reinigen? Oder zu wem ausser dir will ich rufen: "Von meinen verborgenen Sünden reinige mich, o Herr, und vor den fremden bewahre deinen Knecht", "Ich glaube, und darum rede ich"? Herr, du weisst es. Habe ich nicht "vor dir meine Missetaten wider mich bekannt, und hast du mir nicht verziehen meines Herzens Bosheit"? Ich streite nicht im Gerichte mit dir, der du die Wahrheit bist; auch will ich mich nicht selbst betrügen, auf dass nicht "meine Ungerechtigkeit wider sich selbst lüge", Ich streite also nicht im Gerichte mit dir; denn "wenn du aufmerken solltest auf unsere Missetaten, Herr, Herr, wer könnte dann bestehen?".

 

 

6. Er schildert seine Kindheit und preist Gottes Vorsehung und Ewigkeit.

 

Dennoch aber lass mich reden von deiner Barmherzigkeit, mich Staub und Asche, lass mich reden. Rede ich doch zu deiner Barmherzigkeit, nicht zu einem Menschen, der meiner spottet. Vielleicht spottest auch du noch meiner, aber wende dich zu mir, und du wirst dich meiner erbarmen. Denn was anders will ich sagen, Herr, als dass ich nicht weiss, woher ich hierher gekommen bin, in dieses soll ich nun sagen: sterbliche Leben oder lebendige Sterben? Ich weiss es nicht Es haben sich meiner angenommen die Tröstungen deiner Erbarmungen, wie ich es von meinen leiblichen Eltern erfahren habe, durch die du mich in der Zeit gebildet hast - denn ich selbst weiss es nicht. Es hat sich meiner angenommen die erquickende Muttermilch; doch haben sich nicht etwa meine Mutter oder meine Ammen die Brüste angefüllt, sondern du, o Herr, gabst mir durch sie die Nahrung der Säuglinge gemäss deiner Einrichtung und dem Reichtume, den du bis in den Grund aller Dinge verstreut hast. Du auch verliehest mir, dass ich nicht mehr wollte, als du gabst, und meinen Ernährerinnen, dass sie mir gern gaben, was du ihnen gegeben; denn nur aus eingepflanzter Zuneigung heraus wollten sie von dem Überflusse, den sie durch dich hatten, mir geben. Zum Gute nämlich wurde ihnen, was mir von ihnen zugute kam, in Wirklichkeit aber nicht von ihnen stammte, sondern nur durch sie mir gereicht wurde. Stammt doch von dir alles Gute, mein Gott, und von meinem Gotte all mein Heil. Später erst habe ich diese Wahrheit erfahren, als du sie mir zuriefst durch all die Gnaden, die du Leib und Seele erweisest. Damals verstand ich nämlich nur zu saugen und mich zu beruhigen, wenn es meinem Körper gut ging, zu weinen aber, wenn er Schmerz empfand, - sonst nichts. 

 

Danach begann ich auch zu lächeln, zuerst im Schlafe, später auch im Wachen. So hat man mir nämlich von mir erzählt, und ich glaube es, weil wir es ja an anderen Kindern genau so sehen; auf mich selbst kann ich mich nicht erinnern. Dann empfand ich allmählich, wo ich war, und wollte meine Wünsche denen kund tun, die sie erfüllen konnten; aber ich konnte es nicht, weil meine Wünsche in meiner Seele waren, jene Personen aber draussen und mit keinem ihrer Sinne in meine Seele eindringen konnten. So setzte ich meine Glieder und meine Stimme in Tätigkeit, indem ich Zeichen gab, um meine Wünsche anzudeuten, nur wenige, und so gut es gerade ging; denn der Wirklichkeit entsprachen sie nicht. Und wenn man mir nicht zu Willen war, entweder weil man mich nicht verstand oder mir nicht schaden wollte, dann war ich sehr unwillig, dass die Grossen mir nicht untertan sein, die Freien mir nicht gehorchen wollten, und ich rächte mich an ihnen durch Weinen, So waren die Kinder, die ich kennen zu lernen Gelegenheit hatte, und dass auch ich so gewesen bin, haben sie unbewusst mir besser dargetan als meine kundigen Erzieher. 

 

 Und siehe, schon lange ist meine Kindheit gestorben, ich aber lebe. Du aber, o Herr, der du immer lebst und in dem nichts stirbt, da du ja vor dem Anbeginn der Geschlechter und vor jedem nur denkbaren Uranfange der Zeit existierst und Gott bist und der Herr von allem, was du erschaffen hast, da in dir die Ursachen all der unbeständigen Dinge bestehen, in dir aller wandelbaren Dinge unwandelbare Urgründe ruhen, in aller vernunftlosen und zeitlichen Dinge ewige Idee: - so sage mir auf meine kniefälligen Bitten, mein Gott, sage, Erbarmer, deinem Knecht: ist meine Kindheit erst einem anderen entschwundenen Lebensalter gefolgt? Ist es etwa jenes, das ich im Leibe meiner Mutter zugebracht habe? Denn auch davon ist mir einiges mitgeteilt worden, wie ich ja auch selbst schwangere Frauen gesehen habe. Was aber war vor diesem Lebensabschnitte, meine Süssigkeit und mein Gott? War ich damals schon irgendwo und irgendwer? Denn niemanden habe ich, der mich darüber belehren könnte; nicht Vater und Mutter konnten es noch die Erfahrung anderer noch meine Erinnerung. Oder lächelst du über mich, wenn ich solche Fragen stelle, und heissest mich vielmehr, Grund der Dinge, die ich weiss, dich zu loben und zu bekennen? 

 

So lobpreise ich dich, o Herr des Himmels und der Erde, und lobsinge dir für meinen Lebensanfang und meine mir unbewusste Kinderzeit; hast du doch den Menschen gegeben, von anderen aus Schlüsse auf sich selbst zu ziehen und sogar dem Zeugnisse schwacher Weiber vieles, soweit es ihn angeht, zu glauben. Denn auch in jener Zeit schon war ich und lebte ich, und schon am Ende des Säuglingsalters suchte ich nach Zeichen, durch welche ich anderen meine Empfindung geben wollte. Woher kam nun solch ein Lebewesen, wenn nicht von dir, o Herr? Oder kann jemand der Künstler und Bildner seines eigenen Lebens sein? Oder entspringt auch nur eine einzige Ader, durch die Sein und Leben uns zuströmt, anderswoher als von dir o Herr, der du uns schaffst, dem Sein und Leben nicht verschiedene Begriffe sind, weil für ihn höchstes Sein und höchstes Leben gleichbedeutend ist? Du bist ja der höchste und veränderst dich nicht; für dich geht nicht der heutige Tag vorüber, und doch vergeht er in dir, weil in dir alle Dinge ihr Ziel haben. Diese können nicht ihre Bahnen vorüberziehen, wenn du sie nicht umfasstest, und weil "deiner Jahre kein Ende ist", so sind deine Jahre ein einziges Heute. Wie viele von unsren und unsrer Vater Tagen haben schon dein Heute durchlaufen und von ihm ihr Mass und ihre jeweilige Eigenart empfangen! So werden noch viele andere es durchlaufen und Mass und Eigenart von ihm empfangen. Du aber bist immer derselbe und wirst alles Morgige und darüber hinaus und alles Gestrige und weiter zurück heute tun, ja hast es bereits getan. Was kann ich dafür, wenn jemand das nicht einsieht? Doch freuen soll sich auch der, der spricht: "Was ist das?" Freue er sich auch so, und möge er lieber alles verlieren und dich finden als alles gewinnen und dich nicht finden.

 

 

7. Auch die erste Kindheit ist nicht frei von Sünde.

 

Erhöre mich, o Gott! Wehe über die Sünden der Menschen! Und so spricht ein Mensch, dessen du dich erbarmst, da du ihn zwar, nicht aber die Sünde in ihm geschaffen hast. Wer erinnert mich an die Sünden meiner Kindheit? Ist doch niemand vor dir frei von Sünde, nicht einmal das Kind, das erst einen Tag auf der Erde lebt. Wer ruft sie mir zurück? Doch wohl jedes kleine Menschenkind, an dem ich sehe, wessen ich mich von mir nicht erinnern kann. Worin bestand also damals meine Sünde? Etwa weil ich unter Tränen so heftig nach der Mutterbrust begehrte? Und in der Tat - wenn ich es nun täte und zwar nicht nach den Brüsten, wohl aber nach einer für mein fortgeschrittenes Alter passenden Speise heftig verlangte, man würde mich mit vollem Rechte auslachen und tadeln. Damals also tat ich Tadelnswertes; aber weil ich noch nicht auf die Stimme eines Tadlers merken konnte, durfte ich weder nach Brauch noch nach Vernunft getadelt werden. Denn mit den Jahren rotten wir schliesslich selbst solche Unarten aus und legen sie ab. Und noch keinen habe ich gesehen, der mit Bewusstsein Gutes wegwürfe, wenn er etwas reinigen wollte. Oder war das auch gut in Anbetracht des Alters, weinend nach etwas zu begehren, was doch nur zum Schaden hätte gegeben werden können, sich heftig zu entrüsten über freie und erwachsene Menschen, wenn sie nicht zu Willen sein wollten, den Eltern und vielen anderen klügeren Leuten, wenn sie nicht auf einen blossen Wink hin zu Willen waren, nach Möglichkeit schaden zu wollen, weil man eben einem Befehle, dessen Ausführung nur Verderben gebracht hätte, nicht gehorcht? Wenn nun auch die Schwäche der kindlichen Glieder keinen Schaden zufügen kann, so ist ihr Herz doch nicht von Schuld freizusprechen. Ich selbst habe einmal so ein neidisches Kind gesehen; es konnte noch nicht sprechen und sah doch schon blass vor Neid mit bitterbösem Blick nach seinem Milchbruder. Wer kennt das nicht? Nun sagen freilich Mütter und Ammen, sie könnten es durch weiss Gott was für Mittel später wieder gutmachen. Jedenfalls kann doch von Unschuld gar keine Rede sein, wenn man, während der Strom der Muttermilch überreichlich fliesst, den von der Teilnahme ausschliesst, der ihrer im höchsten Masse bedarf und allein mit dieser Nahrung sein Leben fristen kann. Aber man lässt derlei nachsichtig hingehen, nicht als ob es gar nichts bedeutete oder geringfügig wäre, sondern weil es sich mit den Jahren von selbst verliert. Der Beweis dafür ist einfach: man lässt sich dergleichen nicht mehr ruhig gefallen, wenn man älter ist. 

 

 Du also, mein Gott und Herr, der du dem Kinde das Leben gabest und den Leib, den du, wie wir sehen mit vernünftigen Sinnen ausgerüstet, durch Glieder wohl zusammengefügt, mit einem schönen Äusseren geschmückt und für dessen Erhaltung in seiner Gesamtheit und Unversehrtheit du alles, was der Leben spendende Geist unternimmt, bestimmt hast, du heissest mich, dessentwegen dich loben, "dich bekennen und deinem Namen lobsingen, Allerhöchster". Denn du bist der allmächtige und gütige Gott, auch wenn du nur dieses allein getan hättest, was kein anderer tun kann denn du, Einziger, der jegliches Mass bestimmt, Schönster, der du alles schön gestaltest und alles nach deinem Gesetze ordnest. Diesen Abschnitt also meines Lebens, Herr, in dem gelebt zu haben ich selbst mich nicht erinnern kann, hinsichtlich dessen ich den Worten anderer Glauben schenken muss, den ich vermutlich wie viele andere Kinder verbracht habe - wiewohl das ein sehr zuverlässiger Schluss ist - diesen Abschnitt also möchte ich meinem Leben in dieser Zeitlichkeit nicht gern hinzuzählen. Denn die gleiche Finsternis völligen Vergessens umhüllt es wie das andere, das ich im Mutterleibe zugebracht habe. Wenn nun das Wort des Psalmisten gilt, "in Ungerechtigkeit bin ich empfangen, und in Sünden hat meine Mutter mich in ihrem Schosse genährt", wo, ich flehe dich an, mein Gott, wo, o Herr, bin ich, dein Sklave, wo oder wann bin ich ohne Schuld gewesen? Doch ich sehe von jener Zeit ab: was kümmert sie mich schliesslich auch noch, wenn sogar jede Spur von ihr verwischt ist?

 

 

8. Augustinus erzählt, wie er sprechen gelernt hat.

 

Bin ich nicht aus der Kindheit herauf fortschreitend zum Knabenalter gelangt? Oder vielmehr: ist nicht dieses selbst an mich herangelangt und hat die Kinderzeit abgelöst? Und doch ist diese nicht verschwunden; wohin wäre sie denn gegangen? Dennoch war sie nun nicht mehr; denn ich war nicht mehr ein unmündiges Kind, sondern ein mit Sprache begabter Knabe. Dessen erinnere ich mich; wie ich aber sprechen lernte, habe ich erst später erfahren. Meine Lehrer waren nämlich nicht Erwachsene, die mir nach einer bestimmten Methode die Worte darboten wie etwas später die Buchstaben; ich selbst war es vermöge des Verstandes, den du mir gegeben hast, mein Gott, wenn ich durch Seufzen, durch mannigfache Laute und verschiedene Bewegungen der Glieder die Gefühle meines Herzens kundzutun suchte, damit man mir meinen Willen erfüllte, ich aber dies weder in allein, was ich wollte, noch bei allen, bei denen ich es wollte, vermochte. Ich erwog in meinem Gedächtnisse: wenn Erwachsene irgendeinen Gegenstand nannten und im Anschlusse daran ihren Körper zu etwas hinbewegten, so sah und begriff ich, dass sie mit diesen Lauten mir den Gegenstand nannten, den sie mir zeigen wollten. Dass sie dies aber beabsichtigten, ging aus den Bewegungen ihres Körpers hervor, jener natürlichen Sprache aller Völker, die sich aus Mienenspiel, Winken mit den Augen, den Gebärden der übrigen Glieder und dem Ton der Stimme zusammensetzt, der die einzelnen Empfindungen der Seele anzeigt, wenn sie etwas erstrebt, festhält, verschmäht oder flieht. So lernte ich denn nach und nach verstehen, welche Dinge die einzelnen Worte bedeuteten, die ich in verschiedenen Sätzen in verschiedenem Zusammenhang häufig hörte; mein Mund gewöhnte sich an jene Zeichen, und ich konnte meine Wünsche durch sie ausdrücken. So tauschte ich mit meiner Umgebung die Bezeichnungen für die gegenseitigen Wünsche aus und trat in innigere Beziehung zur menschlichen Gemeinschaft, allerdings noch abhängig von dem Willen der Eltern und der Anweisung der Erwachsenen.

 

 

9. Gleich anderen Kindern hasst er das Lernen, liebt das Spielen und Fürchtet die Schläge.

 

Gott, mein Gott, was für Jammer musste ich da erleben, welche Täuschungen wurden mir zuteil, da man dem Knaben als Lebensregel vorzeichnete, denen zu gehorchen, die mich zum Gehorsam ermahnten, damit ich auf dieser Erde glänzte und mich in wortreichen Künsten auszeichnete, die nur dazu dienen, Ehre bei den Menschen und trügerische Reichtümer zu gewinnen, Dann gab man mich in die Schule, um die Buchstaben zu lernen, eine Kunst, deren Nutzen ich Ärmster nicht begriff. Zeigte ich mich aber lässig im Unterrichte, so bekam ich Schläge. Die Erwachsenen priesen diesen Entwicklungsgang, und viele, die vor uns gelebt auf dieser Welt, hatten leidvolle Wege angelegt, die wir durchlaufen mussten - doppelt mühevoll und schmerzlich für uns arme Adamssöhne. Wir fanden aber auch o Herr, Menschen, die zu dir riefen, und wir lernten von ihnen, indem wir soviel von dir begriffen wie uns möglich war: du müsstest etwas Grosses sein und könntest uns, wenngleich unsern Sinnen nicht wahrnehmbar, erhören und uns zu Hilfe kommen. So begann ich denn schon als Knabe zu dir zu rufen, zu dir, "meine Hilfe und Zuflucht", und dich anzurufen, sprengte ich die Bande meiner Zunge, und so klein ich war, flehte ich doch mit nicht kleiner Inbrunst zu dir, dass ich nicht mehr in der Schule Schläge bekäme. Und da du mich nicht erhörtest, "was mir zum Heile gereichte", so lachten die Erwachsenen, darunter sogar meine Eltern, die doch sicherlich mir kein Übel wünschten, über Schläge, die ich wenigstens damals als ein grosses und schweres Übel empfand. 

 

 Gibt es wohl, o Herr, einen so hochgemuten, mit überaus grosser Inbrunst dir anhängenden Sinn, gibt es einen solchen, sage ich (denn manchmal ist auch eine gewisse Stumpfheit die Ursache!), also gibt es einen Menschen, frage ich, der mit so frommem Sinne dir anhinge und hochherzig gesinnt wäre, dass er Foltern, Krallen und all die anderen Marterwerkzeuge, vor denen gnädig sie zu bewahren alle Welt dich in grossen Ängsten anfleht, ebenso so geringfügig erachtet, obwohl die, welche sie aufs äusserste fürchten, seinem Herzen nahe stehen, wie unsere Eltern über die Strafen lachten, welche die Lehrer über uns verhängten? Denn fürwahr, wir fürchteten sie gerade so sehr und beteten ebenso sehr um ihre Abwendung, sündigten aber trotzdem, indem wir weniger schrieben oder lasen oder an die Studien dachten, als wir sollten. Denn es mangelte uns nicht, o Herr, an Gedächtnis oder Verstand, die du uns in einem für jenes Alter hinreichenden Masse gegeben, allein das Spiel erfreute uns, und uns straften solche, die genau dasselbe trieben. Indessen die Possen bei den Erwachsenen heissen Geschäfte; tun aber Knaben Ähnliches, so werden sie von ihnen bestraft, und keiner empfindet Mitleid mit den Knaben oder mit jenen oder mit beiden. Sollte wirklich ein gerechter Richter die Schläge, die ich als Knabe für mein Ballspiel erhielt, ganz in der Ordnung finden, weil ich durch dieses Spiel gehindert wurde, mir schneller die Kenntnisse anzueignen, mit denen ich später ein weit hässlicheres Spiel treiben sollte? Oder tat etwa eben der, von dem ich Schläge erhielt, etwas anderes, wenn ein gelehrter Kollege über ihn in einer öffentlichen Disputation triumphierte und er dann heftiger von Galle und Neid verzehrt wurde als ich, wenn ich im Wettstreite mit dem Balle meinem Spielgenossen unterlag?

 

 

10. Der Hang zum Spiel und die Vorliebe für das Theater verleidet ihm das Studium.

 

Und dennoch sündigte ich, Herr mein Gott, der du die ganze Natur schaffst und lenkst, die Sünde aber nur lenkst, Herr mein Gott, ich sündigte, indem ich gegen die Vorschriften meiner Eltern und Lehrer handelte, Denn ich hätte ja später einen guten Gebrauch von den Wissenschaften machen können, die ich erlernen sollte - unabhängig von der Absicht derer, die es verlangten. Und ich war nicht etwa ungehorsam, weil ich etwas Besseres erwählt hatte, sondern aus Hang zum Spielen, aus Begierde, stolze Siege davon zu tragen und meine Ohren durch lügenhafte Erzählungen kitzeln zu lassen, damit sie umso brennender juckten, während die gleiche Neugierde mehr und mehr aus meinen Augen nach den Schauspielen und dem Zeitvertreib der Erwachsenen hinfunkelte. Doch diejenigen, die sie veranstalteten, stehen in solchem Ansehen, dass wohl alle für ihre Kinder ein Gleiches wünschen; und gleichwohl haben diese Eltern nichts gegen die Züchtigung ihrer Kinder einzuwenden, wenn sie sich durch ähnliche Spiele von den Studien abhalten lassen, durch welche sie die Befähigung zur Veranstaltung jener Schauspiele erlangen sollen! Sieh, o Herr, voll Erbarmen auf diese Zustände herab und befreie uns, die wir dich anrufen, befreie auch jene, die dich noch nicht anrufen, damit sie dich anrufen und du sie befreiest!

 

 

11. Augustinus fällt in eine schwere Krankheit und verlangt in ihrem Verlaufe nach der Taufe; nach seiner Genesung aber wird sie verschoben.

 

Schon als Knabe hatte ich vom ewigen Leben vernommen, das uns versprochen worden ist durch die Erniedrigung des Herrn unseres Gottes, der zu unserer Hoffart herabstieg; und bereits vom Schosse meiner Mutter, deren ganzes Hoffen auf dich gerichtet war, wurde ich mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnet und mit seinem Salze gewürzt". Du sahest, o Herr, als ich noch im Knabenalter stand und eines Tages infolge heftiger Magenschmerzen plötzlich in ein tödliches Fieber verfiel, du sahest also, mein Gott, der du schon damals mein Hüter warst, mit welch innerer Erschütterung und mit welchem Glauben ich von der Frömmigkeit meiner Mutter und unser aller Mutter, deiner Kirche, die Taufe deines Gesalbten, meines Herrn und Gottes, verlangte. Wohl hätte meine betrübte leibliche Mutter, die noch mit viel grösserer Liebe mein ewiges Heil keuschen Herzens in deinem Glauben geboren hätte, eilig dafür gesorgt, dass ich in die heilbringenden Sakramente eingeweiht und im Bekenntnisse des Glaubens an dich, Herr Jesus, abgewaschen würde zur Vergebung der Sünden, wäre ich nicht plötzlich wieder gesund geworden. Meine Abwaschung wurde daher aufgeschoben; denn sie meinten, dass ich bei längerem Leben notwendigerweise mit mehr Sünden befleckt würde und ein sündenbeflecktes Leben nach dem Empfang jenes Bades (der Wiedergeburt) nur noch grössere und gefahrvollere Verschuldung verursacht hätte. So war ich denn bereits zum Glauben gelangt, wie meine Mutter und das ganze Haus mit Ausnahme des Vaters allein; doch liess dieser sein Interesse an mir nicht Oberhand gewinnen über die Frömmigkeit der Mutter, dass er etwa, selbst ungläubig, auch mich nun verhindert hatte, an Christus zu glauben. Denn das war ihr heisses Bemühen, dass du, mein Gott, eher mein Vater seiest als er; und du standest ihr hierin bei, so dass sie über den Gatten den Sieg gewann, dem sie, obgleich die bessere, dienstbar war, weil sie auch hierin dir diente, deinem Befehle gemäss.

 

 Ich frage dich, mein Gott. - ich möchte es nämlich wissen, wenn es auch dein Wille ist -, weshalb damals meine Taufe verschoben wurde. Wurden mir zum Heile gleichsam die Zügel der Sünde gelockert, oder wären sie besser nicht gelockert worden? Weshalb tönt es uns auch jetzt noch immer wieder in den Ohren: "Lass ihn tun; er ist ja noch nicht getauft"? Und doch sagen wir nicht, wenn es sich um die Gesundheit des Körpers handelt: "Lass ihn nur noch mehr verwundet werden; er ist ja noch nicht geheilt". Wieviel besser wäre es für mich gewesen, ich wäre schnell geheilt worden, und mein und der Meinen Eifer hätten darauf ihr Augenmerk gerichtet, dass das Heil meiner Seele, das du mir verliehen, nun unter deinem Schutze sicher war. Besser fürwahr! Aber meine Mutter wusste, wie grosse und wie viele Stürme der Versuchungen nach Ablauf des Knabenalters noch über mich brausen würden, und wollte lieber den Stoff preisgeben, aus dem ich später neu geformt werden konnte, als das Bildnis selbst.

 

 

12. Augustinus wird gezwungen, die Wissenschaften zu lernen; durch Gottes Fürsorge gereicht es ihm zum Guten.

 

Gerade im Knabenalter jedoch, das man nicht so sehr für mich wie die Jünglingszeit fürchtete, liebte ich die Wissenschaften nicht und hasste den Zwang des Unterrichts. Dennoch wurde ich dazu angehalten, und der Zwang tat mir gut, aber ich tat nicht gut. Denn ich hätte nicht gelernt, wenn man mich nicht dazu gezwungen hätte. Niemand aber handelt gut wider seinen Willen, mag auch gut sein, was er tut. So handelten auch nicht die gut, die mich zwangen, aber das Gute kam mir von dir, mein Gott. Denn als jene mich zu lernen zwangen, hatten sie kein anderes Ziel für mich im Auge als die Sättigung unersättlicher Gier nach reicher Armut und schimpflichem Ruhme. Du aber, "bei dem unsere Haare gezählt sind", wandtest den Irrtum aller derer, die mich zum Lernen anhielten, zu meinem Nutzen, meinen Irrtum aber, nicht lernen zu wollen, zu meiner Strafe; ich verdiente sie wohl, ein so kleiner Knabe und schon ein so grosser Sünder! So tatest du mir Gutes durch Jene, die nicht Gutes taten, und durch meine eigenen Sünden vergaltest du mir gerecht. Denn so hast du es befohlen, und es ist so, dass jeder ungeordnete Geist sich selbst zur Strafe wird.

 

13. Augustinus' liebste Studien.

 

Weshalb ich aber die griechische Sprache hasste, in der ich bereits als ganz kleiner Knabe unterwiesen wurde, ist mir auch heute noch nicht völlig klar. Denn ich hatte doch Freude am lateinischen Unterricht, zwar nicht an dem der Elementarlehrer, wohl aber an dem der Grammatiker. Denn der Elementarunterricht, Lesen, Schreiben und Rechnen, war mir genau so lästig und peinlich wie der gesamte griechische. Woher stammte also meine Abneigung gegen ihn wenn nicht aus meiner Sündhaftigkeit und Eitelkeit? "Fleisch war ich und ein Hauch, der dahinfährt und nicht wiederkehrt". Denn jene Elementarfächer waren praktischer und entschieden auch besser; durch sie nämlich war es mir möglich, und ihnen verdanke ich es jetzt noch, dass ich alles Geschriebene, was mir in die Hände fällt, lesen und alles, was ich will, schreiben kann. Besser sicherlich als jener Unterricht, der mich zwang, Bescheid zu wissen über die Irrfahrten eines Äneas und darüber meine Irrtümer zu vergessen, den Tod einer Dido zu beweinen, die sich selbst getötet, während ich Elender selbst trockenen Auges es ertrug, dass ich dabei dir, mein Gott und mein Leben, abstarb. Was ist erbärmlicher als ein Armer, der sich seiner selbst nicht erbarmt und den Tod der Dido, die Folge übergrosser Liebe zu Äneas, beweint, aber nicht beweint seinen eigenen Tod, die Folge mangelnder Liebe zu dir, Gott, du Licht meines Herzens, du Brot meiner Seele, du Kraft, die meinen Geist und meine innersten Gedanken befruchtet? Ich liebte dich nicht und "buhlte abgewandt von dir", und von allen Seiten erscholl es dabei: "recht so, recht so". Denn die Freundschaft dieser Welt ist gottentfremdete Buhlerei, und "recht so, recht so" ruft man dazu, damit es für Schande gelte, wenn jemand nicht so ist. Und hierüber weinte ich nicht, wohl aber weinte ich über Dido, dass sie "geschieden, vom eigenen Stahle gefallen"; ja, ich verliess dich und suchte dafür die letzten deiner Geschöpfe auf, Staub, der zum Staube zurückkehrt. Und hinderte man mich am Lesen, so war ich betrübt, weil ich nicht lesen sollte, was mich betrübte. Solchen Wahnsinn hält man für ehrenvoller und nützlicher als den Elementarunterricht, in dem ich lesen und schreiben lernte. 

 

 Aber nun rufe in meiner Seele, mein Gott, und deine Wahrheit sage mir: so ist es nicht, so ist es nicht; wahrhaftig, jener erste Unterricht ist viel besser. Denn siehe, viel lieber will ich die Irrfahrten des Äneas und alles andere der Art vergessen als Schreiben und Lesen. Wohl decken Vorhänge die Eingänge der gelehrten Schulen, doch versinnbilden sie nicht den Wert der dahinter gelehrten Geheimnisse, sondern sind nur eine Verhüllung des Irrtums. Mögen nicht mehr gegen mich schreien, die ich nicht mehr fürchte, da ich dir, mein Gott, bekenne, was meine Seele begehrt, und Ruhe finde in der Verurteilung meiner bösen Wege, damit ich deine guten Wege lieben kann. Mögen nicht ihre Stimme gegen mich erheben Käufer und Verkäufer von Grammatiken; denn wenn ich ihnen die Frage vorlege, ob die Angabe des Dichters, Äneas sei einst nach Karthago gekommen, wahr sei, werden die Ungelehrten gestehen müssen, sie wüssten es nicht, die Gelehrten aber, es sei nicht wahr. Wenn ich dagegen frage, wie das Wort Äneas geschrieben wird, so werden alle, die das gelernt haben, die richtige Antwort geben entsprechend dem Übereinkommen oder dem Beschlusse, durch welchen die Menschen diese Zeichen untereinander festgesetzt haben. Ebenso wenn ich frage, was wohl ein grösserer Verlust für dieses Leben sei, Lesen und Schreiben zu vergessen oder jene Dichterfabeln, wer würde sich lange auf die richtige Antwort besinnen, wofern er noch nicht ganz auf sich vergessen hat? Also sündigte ich als Knabe, wenn ich jene Nichtigkeiten diesen nützlichen Wissenschaften vorzog oder richtiger sie hasste, jene aber liebte. Denn ein verhasstes Geleier war mir "eins und eins ist zwei; zwei und zwei ist vier", ein überaus süsses, nichtiges Schauspiel aber das hölzerne Ross, mit Bewaffneten angefüllt, der Brand Troias und "der eigene Schatten der Kreusa.

 

14. Seine Abneigung gegen das Griechische.

 

Warum also hasste ich die griechische Grammatik, wenn sie uns Ähnliches vortrug? Denn auch Homer versteht es, solche Fabeln zusammenzuweben, und stellt in gar anmutiger Weise Torheiten dar; und doch konnte ich als Knabe ihn nicht leiden. Vermutlich ergeht es griechischen Knaben mit Vergil genau so, wenn sie gezwungen werden, ihn so verstehen zu lernen wie ich den Homer. Die Schwierigkeit nämlich, eine fremde Sprache von Grund aus zu erlernen, diese Schwierigkeit vergällte mir jeden Genuss der schönen Literatur in griechischer Sprache. Ich kannte ja noch kein einziges Wort jener Sprache, und heftig setzte man mir mit Drohungen und Strafen zu, sie doch zu lernen. Zwar waren auch die lateinischen Wörter mir einmal völlig unbekannt, und doch lernte ich sie durch genaues Aufmerken ohne Angst und Qual unter den Liebkosungen der Ammen, unter Scherzen und Lachen und fröhlichem Spiel. So lernte ich sie ohne jeden strafenden Druck von irgendeiner Seite; nur mein eigenes Herz trieb mich, das, was es dachte, zu offenbaren. Und auch das hätte ich nicht vermocht, wenn ich nicht einige Worte gelernt hätte, nicht von Leuten, die mich lehren wollten, sondern von solchen, die sie einfach gebrauchten; diesen wollte nun auch ich meine Empfindungen kundtun. Das beweist genügend, dass die Wissbegierde in ihrer Freiheit grösseren Einfluss auf die Erlernung dieser Dinge ausübt als der Zwang mit seiner Furcht. Doch wird der Strom der Wissbegierde durch Zwang in das Bett deiner Gesetze, o Gott, gebannt, deiner Gesetze von den Zuchtruten der Lehrer angefangen bis zu den Prüfungen der Märtyrer; sie vermögen heilsame Bitterkeit beizumischen, die uns zurückruft von der verderblichen Lust, welche uns von dir getrennt hat.

 

15. Gebet zu Gott.

 

Erhöre, o Herr, mein Gebet, dass meine Seele nicht erliege unter deiner Zucht und nicht ermatte im Bekenntnisse deiner Erbarmungen, durch die du mich von all meinen schlechten Wegen errettet hast, auf dass du mir süsser seiest als alle Verlockungen, denen ich folgte, ich dich inbrünstig liebe, deine Hand mit aller Kraft meines Herzens erfasse und du mich von aller Versuchung bis ans Ende errettest. Denn siehe du, o Herr, "mein König und mein Gott", deinem Dienste sei geweiht, was ich als Knabe Nützliches gelernt; dienen soll dir, was ich rede und schreibe, lese und rechne. Denn als ich Nichtiges lernte, nahmst du mich in deine Zucht und hast mir verziehen, da ich an diesem Tande sündhaftes Wohlgefallen empfand. Wenn ich auch dabeiviel nützliche Worte gelernt habe, so hätte ich sie doch auch bei minder Eitlem lernen können; diesen sicherenWeg sollten die Knaben wandeln.

 

16. Tadel der herkömmlichen Erziehungsweise.

 

Aber wehe über dich, du Strom menschlicher Gewohnheit! Wer widersteht dir, oder wann wirst du endlich versiegen? Wie lange noch wirst du die Evaskinder in jenes schreckliche Meer mit dir reissen, über das doch kaum die sicher gelangen, welche das Schifflein der Kirche bestiegen? Warst du nicht schuld, dass ich vom Donnerer Jupiter, der zugleich auch ein Ehebrecher war, las? Er könnte nun zwar unmöglich beides sein, aber man hat es so auf der Bühne dargestellt, damit der wahre Ehebruch mit vollerem Gewichte zur Nachahmung auffordere, wenn ein falscher Donnergott selbst dazu verkuppelt. Doch wer von jenen Lehrern im Rednermantel hört mit verständigem Ohr auf jenen Mann, aus dem gleichen Staube geboren, wenn er sagt: "So erdichtete es Homer, der damit Menschliches auf die Götter übertrug; o hätte er doch lieber Göttliches auf uns übertragen"? Mit mehr Wahrheit jedoch könnte man sagen: wohl erdichtete jener derlei, aber so, dass er lasterhaften Menschen göttliche Eigenschaften beilegte, damit Schande nicht mehr als Schande gelte und der Ehebrecher nicht verlorene Menschen, sondern die ewigen Götter nachzuahmen scheine. Und doch, du höllischer Strom, wirft man in dich die Menschenkinder hinein und Honorar dazu, damit sie derlei lernen; und etwas Grosses ist es, wenn dies sogar öffentlich auf dem Forum vor sich geht, angesichts der Gesetze, die ausser dem Honorar noch ein festes Gehalt zubilligen. Dann magst du freilich an den Felsen anschlagen und den Ruf ertönen lassen: "Hier lernt man Worte, hier erwirbt man Beredsamkeit, die überaus wichtig ist zur Führung von Prozessen und zur Entwicklung der Gedanken". Also würden wir sonst diese Worte nicht kennen, Goldregen, Schoss, Betrug, Himmelsgewölbe und andere Worte, die ebendort vorkommen, wenn uns nicht Terenz in jenem Stücke einen nichtsnutzigen Jüngling vorführte, der sich durch die Betrachtung eines Wandgemäldes, welches darstellte, wie Jupiter dem Mythus zufolge einen goldenen Regen in Danaes Schoss gesandt und diese dadurch berückt habe, den Donnergott selbst zum Vorbild in seinem unzüchtigen Tun nimmt' Und man höre, wie er sich gleichsam durch eine Stimme vom Himmel zur Wollust aufstacheln lässt: "Und welch ein Gott ist das! Er, der mit gewaltigem Donner das hohe Himmelsgewölbe erschüttert! Und ich Menschlein sollte das nicht tun? Doch - ich habe es getan und gern". In keinem Falle nun lernt man durch jene Schändlichkeiten diese Worte bequemer, wohl aber verleiten uns solche Worte, solche Schändlichkeiten zuversichtlicher zu begehen. Doch klage ich nicht die Worte an; es sind erlesene, kostbare Gefässe; wohl aber den Wein des Irrtums, der uns darin von trunkenen Lehrern kredenzt wurde. Tranken wir den nicht, so erhielten wir Schläge, ohne dass es eine Berufung an einen nüchternen Richter gab. Und doch, mein Gott, vor dessen Angesicht ich jetzt dieser Dinge in Frieden gedenke, ich habe gern diese Worte gelernt, ich Armer hatte meine Freude daran und hiess deshalb ein Knabe, der zu den besten Hoffnungen berechtigte.

 

17. Fortsetzung der Klagen über die Art und Weise, wie die Jugend in den Wissenschaften unterrichtet wird.

 

Lass mich, mein Gott, nunmehr auch etwas über meine Anlagen, dein Geschenk, sagen, wie ich sie in meinem Wahnwitze missbraucht habe. Es wurde mir nämlich die Aufgabe gestellt, die mich wegen der damit verbundenen ehrenden Belohnung oder aber wegen der Schande und des Spottes nicht wenig beunruhigte: ich sollte in einer Rede Junos Zorn und Schmerz, dass sie nicht könne "von Italia fernhalten den teukrischen König" zum Ausdruck bringen; dabei hatte ich die Juno niemals Derartiges sagen hören. Aber wir mussten den Spuren dichterischer Einbildungen nachirren und die Verse der Dichter dem Sinne nach in ungebundener Rede ausführen. Und dessen Rede erntete das grösste Lob, der dem Charakter der dargestellten Person gemäss die Affekte des Zornes und Schmerzes, wobei er die Gedanken in die entsprechenden Worte kleidete, am treffendsten hervortreten liess. Was nützte mir nun dieses, o wahres Leben, o mein Gott? Wozu der meiner Rede im Beisein vieler Mitschüler und Altersgenossen gezollte Beifall? Ist das nicht alles Rauch und Nebel? Gab es denn wirklich nichts anderes, meinen Geist und meine Sprache auszubilden? Dein Lob, o Herr, dein Lob in deinen heiligen Schriften hätte die Jugendtriebe meines Herzens aufrichten sollen; dann wären sie nicht nichtigen Albernheiten zum Raube gefallen, eine leichte Beute der Vögel. Denn gefallene Engel heischen mehr als ein Opfer.

 

18. Die Menschen halten zwar ängstlich auf Beobachtung der Vorschriften der Grammatiker, aber nicht auf die der Gebote Gottes.

 

Kein Wunder aber, dass ich mich so zu Eitelkeiten fortreissen liess und von dir, mein Gott, mich abwandte. Sollte ich doch in Menschen mein Vorbild erblicken, welche, wenn ihnen bei der Erzählung ihrer guten Handlungen ein Barbarismus oder Solöcismus unterlief, infolge des sie treffenden Tadels in höchste Bestürzung gerieten, dagegen sich rühmten und auch von anderen gepriesen wurden, wenn sie von ihren Wollüsten in tadelloser, wohlgeordneter Sprache mit rednerischer Fülle und in schöner Disposition berichteten. Dies siehst du, o Herr, und schweigst, da du "langmütig und von grosser Barmherzigkeit und Wahrheit bist". Wirst du etwa immer schweigen? Schon jetzt entreisst du diesem so entsetzlichen Abgrunde die Seele, die dich sucht und nach deinen Wonnen dürstet, und den, der in seinem Herzen zu dir spricht: "Dein Antlitz habe ich gesucht; dein Antlitz, o Herr, will ich suchen". Denn von deinem Antlitz fern sein heisst in dunklen Leidenschaften sein. Denn nicht mit den Füssen und nach räumlichen Abständen entfernt man sich von dir oder kehrt zu dir zurück. So hat auch nicht der verlorene Sohn im Evangelium sich nach Pferden oder Wagen oder Schiffen umgetan; auch ist er nicht mit sichtbarer Schwinge davongeflogen oder hat mit gebogenem Knie den Weg zurückgelegt, um in fremdem Lande zu vergeuden, was du ihm bei seiner Abreise gegeben hattest, liebevoller Vater, der du ihm noch grössere Liebe erwiesest, da er in Armut zurückkehrte. Wollüstiges Begehren also ist finsteres Begehren, und das heisst fern von deinem Antlitze wandeln. 

 

 Siehe, Herr, mein Gott, und sieh in deiner gewohnten Langmut, wie peinlich die Menschenkinder auf die Satzungen der Sprache und die Regeln der Buchstaben, die sie von anderen überkommen haben, achten, aber die von dir empfangenen steten Unterpfänder des ewigen Heiles vernachlässigen. Wenn also einer von jenen Hütern und Lehrern der Satzungen der Grammatik das Wort "Mensch" falsch ausspricht, so missfällt er den Menschen mehr, als wenn er gegen deine Gebote seinen Mitmenschen, obwohl er sein Bruder ist, hasste. Und doch ist nicht das Bewusstsein, einen Feind zu haben, so verderblich als der Hass, den man gegen ihn in sich trägt, und niemand fügt seinem Feinde, den er verfolgt schwereren Schaden zu als durch diese Feindseligkeit seinem eigenen Herzen. Und doch ist sicher die Kenntnis der Buchstaben nicht tiefer ins Herz geschrieben als jenes Bewusstsein, dass wir da einem andern tun, was wir selbst nicht leiden wollen. Wie bist du doch so geheimnisvoll, du grosser, einziger Gott, der du schweigend in den Höhen thronst und nach deinem unwandelbaren Gesetz mit Blindheit unerlaubte Leidenschaften strafst. Wenn ein Mensch, der nach dem Ruhme der Beredsamkeit strebt, umgeben von einer grossen Menschenmenge vor dem menschlichen Richter steht und nun gegen seinen Feind mit dem grimmigsten Hass losgeht, so hütet er sich mit ängstlicher Sorgfalt, etwa durch eine falsche Konstruktion Unkenntnis der Grammatik zu verraten; aber in der Wut seines Herzens einen Menschen aus der menschlichen Gesellschaft hinwegzureissen, davor schreckt er nicht zurück.

 

19. Die Fehler des Kindes sind auch die Fehler der späteren Jahre.

 

Auf der Schwelle solcher Sitten lag nun ich armer Knabe; und dieses Kampfplatzes Ringkunst brachte es mit sich, dass ich mehr einen Barbarismus fürchtete als den Neid gegenüber denen, die sich keinen solchen Sprachfehler zuschulden kommen liessen, wenn ich deren beging. Ich erzähle dies und bekenne dir, mein Gott, was mein Lob ausmachte bei denen, deren Wohlgefallen mir damals als Beweis meiner ehrenvollen Lebensführung galt. Denn ich sah nicht den Schlund der Schande, in den "ich geschleudert war, fern von deinen Augen". Konnten sie etwas Hässlicheres sehen als mich, da ich sogar meiner Umgebung missfiel, wenn ich aus Hang zum Spiel, in der Leidenschaft, Schauspiele zu besuchen und in spielsüchtiger Unruhe nachzuahmen, den Erzieher, meine Lehrer und Eltern durch unzählige Lügen hinterging? Auch bestahl ich Keller und Tisch der Eltern, entweder aus persönlicher Naschhaftigkeit oder um mich meinen Spielgenossen gefällig erweisen zu können und mir dadurch ihre Spielgesellschaft, ihnen selbst zum Vergnügen, zu erkaufen. Im Spiele aber erschlich ich mir häufig betrügerische Siege, selbst besiegt von eitler Gier nach Auszeichnung. Nichts aber konnte ich bei anderen so wenig leiden und tadelte ich heftiger, wenn ich sie ertappte, als das, was ich anderen tat; wurde ich aber ertappt und getadelt, so raste ich lieber als dass ich nachgab. Ist das noch kindliche Unschuld? Nein, o Herr, das nicht, ich flehe dich an, mein Gott. Denn im Wesen bleibt es doch dasselbe, ob man als Knabe Erzieher und Lehrer um Nüsse, Kugeln und Sperlinge oder als Mann Präfekten und Könige um Geld, Landgüter und Sklaven betrügt - nur folgen später der Rufe schwerere Strafen. Der Demut Bild hast du also, unser König, in der kindlichen Gestalt uns vorgehalten, als du sagtest: "Ihrer ist das Himmelreich".

 

20. Augustinus dankt für das Gute, das ihm schon in der Kindheit zuteil geworden.

 

Und dennoch Dank dir, o Herr, dir, dem erhabensten und besten Schöpfer und Lenker des Weltalls, dir, unserm Gotte Dank, auch wenn ich nach deinem Willen nur das Alter eines Knaben gelebt hätte. Denn auch damals lebte ich und existierte und empfand und trug Sorge für die Unversehrtheit meines Herzens, des Nachbildes der geheimnisvollen Einheit, die mich geschaffen. Mein inneres Empfinden wache über die Gesundheit meiner Sinne, und selbst bei geringfügigen Ursachen und beim Nachdenken über Unbedeutendes hatte ich meine Freude an der Wahrheit. Betrug hasste ich, über ein treffliches Gedächtnis verfügte ich, an Sprachfertigkeit nahm ich zu, Freundschaft tat mir wohl, Schmerz, wegwerfende Behandlung, Unwissenheit floh ich. Was ist doch nicht alles an so einem Lebewesen wunderbar und preiswürdig? Aber das alles sind Geschenke meines Gottes, nicht ich habe sie mir gegeben: ewige Güter sind es, die mein Ich ausmachen. Gut ist also auch der, der mich geschaffen; er selbst ist mein Gut, und ihm juble ich zu wegen all der Güter, die er schon dem Knaben verliehen. Darin bestand ja meine Sünde, dass ich nicht in ihm selbst, sondern in seinen Geschöpfen mich und was es sonst an Freude, Grösse und Wahrheit gibt, suchte; so musste ich in Schmerz, Beschämung und Irrtum verwickelt werden. Dank dir, meine Süssigkeit, meine Ehre und meine Zuversicht, Dank dir für deine Geschenke, mein Gott; aber erhalte sie mir auch! Denn so wirst du auch mich erhalten, und deine Güter werden vermehrt und vervollkommnet werden, und ich selbst werde bei dir sein, da ich ja auch mein Sein dir verdanke.

 

Zweites Buch  - 1. Er erinnert sich seiner Jugend und ihrer Fehler.

 

Ich will die schimpflichen Taten meiner Jünglingsjahre und die fleischlichen Verirrungen meiner Seele mir in die Erinnerung zurückrufen, nicht weil ich sie liebe, sondern damit ich dich, mein Gott, umso mehr liebe. Nur aus Liebe zu deiner Liebe tue ich es, wenn ich in der Bitterkeit des Wiedergedenkens jene überaus nichtswürdigen Wege noch einmal wandle, damit ich deine Süssigkeit schmecke, du nie trügende Süssigkeit, du glückselige, sichere Süssigkeit und mich sammle aus der Zerstreuung, in die ich Schritt um Schritt geraten bin da ich mich von dir, dem Einen, abwandte und in vieles verlor. Denn einst, in meiner Jugend, glühte ich vor Begierde, mich an den niedrigsten Genüssen zu sättigen; verwildern liess ich mich in wechselnden und lichtscheuen Liebeleien, so dass meine Schönheit schwand und ich zur Eiterbeule in deinen Augen wurde, während ich doch mir selbst gefiel und den Augen der Menschen zu gefallen bestrebt war.

 

2. Das sechzehnte Lebensjahr verfliesst in glühender Sinnlichkeit.

 

Und was anderes erfreute mich da, als zu lieben und geliebt zu werden? Aber nicht Seelenbande im lichtvollen Reiche der Freundschaft hielten mich; nein, aus der sumpfigen Begierde des Fleisches und dem Strom der Sinnlichkeit stiegen Nebel auf, die mein Herz so umwölkten und verfinsterten, dass es nicht mehr den hellen Glanz der Liebe von der Dunkelheit der Sinnenlust unterscheiden konnte. Wirr wogte beides in mir, riss meine widerstandsunfähige Jugend durch die Abgründe der Leidenschaften und versenkte sie in einen Strudel von Schandtaten. Mächtig schwebte dein Zorn über mir, ohne dass ich es wusste. Taub war ich geworden infolge des Kettengeklirres meiner Sterblichkeit; das war die Strafe für die Hoffart meiner Seele. Doch immer weiter entfernte ich mich von dir, ohne dass du mir ein Ziel setztest; hin- und hergeschleudert wurde ich, ich schwelgte, ich zerfloss und wallte über in meinen sinnlichen Ausschweifungen, und du schwiegst dazu, o meine späte Freude! Damals schwiegst du, und immer weiter entfernte ich mich von dir, und immer neue Saaten der Schmerzen entsprossen ohne Frucht meiner stolzen Verworfenheit und ruhelosen Ermattung. 

 

 Wer hätte auch meine Zerrissenheit endigen, wer dem flüchtigen Reiz, den jede neue Erscheinung hervorrief, ein festes Ziel setzen, wer ihrem süssen Zauber Einhalt tun sollen, dass die unruhigen Wogen meiner Jugendzeit im Hafen der Ehe sich brachen und ich mit dem Zwecke, Kinder zu erzeugen, so wie dein Gesetz, o Herr, es vorschreibt, zufrieden war? Du lässest ja unserem dem Tode verfallenen Geschlechfe Samen erwachsen, wie du auch mit sanfter Hand die Dornenqualen, die dein Paradies nicht kennt, milderst. Denn deine Allmacht ist nicht fern von uns, auch wenn wir von dir entfernt sind. Oder hätte ich wenigstens genauer auf die Stimme geachtet, die aus deinen Wolken drang: "Den Stachel des Fleisches werden solche haben; ich aber schone euer" und: